1881 / 122 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger, Fri, 27 May 1881 18:00:01 GMT) scan diff

wie denn im Allgemeinen darauf Riicksicht zu nehmen wäre,

daß die hier _während _des größten Theils des Jahres präva:

lirende Feuchtigkeit _gu1_viele Artikel schnell verderbend ein: wirkt. Ebemo löst 1lch Leim und Gummi leicht, während die andau rnde Wärrne Siegellack oder ähnlichen Harz: und

Wacl;Sverschliiß leicht zum Schmelzen bringt und dadurch nur

zu __ oft d1e_ ganze Au1machung der Waare beeinträchtigt.

_Wahrend bei Weiteren Artikeln eine kleine Raumverschwendung

1_1_1 Folge reichlicheren Packmaterials im Interesse des größeren

Schutzes _gegerz Bruel) vorzuziehen ist, sind in allen Fällen, wo

es thunlich, die Waaren nxöglichst eng und mit größter Raum:

ersparnis; zu verpacken, um das Volumen und damit die

Frachtaui3lageri möglichst zu vermindern.

Es verdient ferner erwähnt zu werden, daß Kisten mit sta__rke_n Holzleisten an der Außenwand bei dem Seetransport moglichst zu vermeiden sind, da bei Berechnung der Frucht (niit Arisnahme von Schwergütern) das Volumen der Kiste iiber die Leisten gemessen wird. Auch sollten die Kistenbretter en_ aneinander _1chließen, keirie Asilöcher aufweisen und die Ei eiireifen niit ihren Enden grit übereinander befestigt sein, xm__di_e1e Vor1icht besser vor Diebstählen schützt und eine Be- 1chacktxgung bei der Benchtigung der Kiste leichter wahrnehmbar ma .

Wiihrend Rheinweine stets wohl verpackt und frei von Bruch anzukommen pflegen, kann man nicht das Gleiche von x_mtiirlichenr Seltecmwasser sagen. Bei einer Bestellung, welche ici) por einigen Jahren durch eine Wiesbadener Firma bei der K_ömglichenBrunnenkommiision in Selters machen ließ, kostete T_ne Verpqckung (Kisten) mehr als die Waare und trotzdem 1anden sich unter 200 Flaschen bei der Ankunft in Cairo etw_a§ iiber 80 zerbrochen. Verpackung in Körben wäre billiger, außerdem 1i_nd Strohhülsen losem Stroh vorzuziehen, da da?, letztere am der Reise leicht fanlt und die losen Flascbeir dann gegeneinanderstoßen und leicht zerbrechen.

Vei_einer im vorigen Monate per Dampfer „Lydia“ hier eingetroffenen Sendung Möbel auH Berlin war ein Spiegel, obwohl er angeschraubt und sonst ordnunasmäßig verpackt war, dadiirck) in Bruck) gerathen, daß der Lieferant in die (_Zpiegelwte Bücher gepackt hatte, die durch irgend eine Ur- 1ache iich losZemacht_un_d die Spiegelscheibe eingedrückt hatten.

An einem Spei1eti1ch hatte man iibersehen die Meising- rollen an den Füßen abzunehmen. Zu schwach, um den Druck zu tragen, brechen sie ab, der Tisch wurde dadurch lose imd durcli Has Hin- Ui_id Herscbieben in der Kiste die Politur be1chadigt. An einem Waschtische endlich war mit Der Marmorplatte gleichzeitig die aus demselben Steine ver: f_erirgte_i_i am der Platte ÜUKLkiÜLth Aufsaßwände mit iii die- 1elbe Kiste verpackt worden und in Folge dessen zerbrochen gngekommen. Wären die Letzteren, von der Platte loEgelöst, Zeparat verpackt worden, hätte der Bruch vermieden werden onnen.

Bei einem in Bremen verschifften Service aus:, MilchglaÖ (V0wle_m1t 12 Glä1ern) trat bei der Ankunft in Hongkong der große Unterteller zerbrochen ein. Der als Ersaß später unter Garantie gegen _Bruck) durch den Fabrikanten versandte Tellerkam trotz der 1oliden Kiste ebenfalls wieder in zer- brochenenr Zustande an.

__Ee311t schließlich bei Verpackungen noch des Umstande?- Ermahnung zu thun, daf; Fa_brikanten häufig Preislisten in die Kisten legen oder Prei1e an die Waaren befestigen. DirekteVerbindungen können durch solche eingelegte Preis- listen _l)ier nicht herbeigeführt werden, da das Ge1chäft mit Chineien immer einer Vermittlung bedarf, dagegen veranlaßt dieAngabe der Fabrikpreise, oft noch unter Zufügung der bemilligten Skontis, die Chinesen, ihre Gebote ohne Riicksicht aufFracht, Spe1en_ Und_ Kommission nach Maßgabe dieser Vreiézmmaben, mithin aus emen Betrag zu rcduziren, der den Originalpreis der Fabrik in Deutschland kaum Übersteigt und der_sclten 1päter einer Steigerung fähig ist. _- Taf; die auf die1em Wege__dem Abnehmer direkt mitgetheilten Fabrikpreiie Hen_K9mmi11ionär iiberdies dcm Ersteren gegeniiber leicht in eiii 1a_l_1ches Licht bringeéi können, ist einleuchtend._|Die fach- manxn1che schöne imd g eicjzmäfzige Aufmachung der Waare hat 1peziell 11] China großen Einstus; auf den Preis und den leichteren Abmß einer Waere.

Während es dem Geschmack des Fabrikanten Überlassen werden tqnn, durch l)i_il11cheViqnctten, Bilder, Pappscbachtcln, Goldstreiicn, Buritpapier, farbige Bindfädcn Ic. das Aussehen des Artikels zu lieben, i1t andererseits darauf zu achten, bei Maffenartikclii eme _von den Chinesen verständliche Marke zu wahlen und die1c bei allen Waaren gleicher Gattung beizu- behalten. _

Die Cl)ine1en gewöhnen sich leicht und ichiiell an solche Marken;__na§11 dem Charakteristischen ihrer Aufzeichnung nennen ne ne Ka:,kli'. iii-i'xexiiwo 81111. ti,“;tzt' etw, (“110115 oder 13.711105, legen diefe Benennung in der Regel auch dem Artikel 1elb1t bei 311101213211 durch die gleiche Marke unbedingtes Ver_trauen_m die gleiche Qualität der Waare. Ta einzelne Artikel bei _per_a__111;erordentlich zahlreichen Bevölkerung, mit gleichen Bedrzrnimen und gleichem Geschmack, häufig einen raschen und 1ehr hedeutenden Absatz finden, empfiehlt es sick), solche Marken achyrigen Ort_s registrircn zu lassen, um gegen Betrug dur_ch_Zm1talion gc1chiist zu sein. Gleichmäßig- xeit der Lieserungen in Qualität und Quantitat ist von cminetitcr Bedeutunxi. Das; ein Abfall in der einen oder anderen niiher oder später _ in der Regel sehr bald _ bemerkt _und_ die bctrenendc Marke alsdann nur als War: nungstawl 11'ir die_Käufer dient, ist selbstverständlich. Daß solche Fiille auch bei unseren Fabrikanten vorkommen, ist oben bereits erwähnt worden; wcnn Vorkommnisse der Art auch nicht die ganze_ deutsche Industrie verkächtigen, die Folge haben ne jeden1alls, daß in dem betreffenden Artikel die deutiche Industrie für lange Zeit von dem Markte ausge- schlossen ist. Dem Chinesen gegeniiber, welchcr, soweit es 1ich nicht um längst eingeführte und als zuverlässig bekannte Markert handelt, jedes Nadelpaquet, wo möglich selbst die

ündhq'lzerschmblel, nachzählk, überhaupt mit ängstlicher

enautgkeit Wagreii tibernimmt, kann nicht genug empfohlen werden, __ sich bei Liesierungen, sowohl was Qualität als Oqanmat betrifft, trenge an die gÉZebenen Muster und beziehungsweise die früher gelieferte aare zu halten und selbstverständlich fakturengemäß zu liefern.

_ Auel? die Nichteinhathsing der Lieferzeit bildet bei deutchcn Exrxyrten den genstand wiederholter Klagen. _ Handelt es 1rch um eine tontraktlich stipulirte Lieferzeit, sq wird bei veränderbarer Marktlage der chinesische Empfän er die Waare,_wenn 11_e auch nur einen Tag später eintri t, unbarmherzig verweigern oder doch nur gegen unverhältniß-

ihrer Naiur nach, wie Weihnacht€a und NeujahrSgeschenke zu einer bestimmten Saison beziehungsweise vor einem bestimmten Tage cmzutreffen haben, wegen Unkenntniß der Versendungs- route oder der Dauer des TranSports sehr häufig auch, um etwas Fracht dem Empfänger zu ersparen, verspätet an- kommen.

__ Derartige Mängel in der Ausführung geschäftlicher Auf- trage sind um so mehr zu rügen, als bei jedem Exporteur Kepntnif; der muthmaßlichen Zeitdauer des TranSports iiber- see11cher Güter erwartet und ebenso als bekannt bei ihm vor- aizsxgesetztwerdcn dar1, d_aß dergleiche Artikel nur bei recht- zeitiger Lieferung verkäuflich sind und ein Aufbewahren bis zur nachsten Saison in Folge des feuchten Klimas unmöglich, jedenfalls außerordentlich verlustbringend ist.

Eine Firma M Hongkong hatte in Deutschland (Cöln a. Rh.) Chocoladen-Vonbons iiir Weihnachten bestellt. Durch _Ver1e_iipung der Waaren per Hamburger Dampfer statt der iranzosischen oder engli1chen Mail trafen dieselben nach Weil): machten und re1p. in tier erstenHälfte des Monats Januar ein,

_ Daß manche Artikel in Europa während des Winters nicht verfrachtet werden 1ollten, weil sie durch Kälte leiden (z. B. Gefrieren deS Biecm, Weins :c.), darf als bekannt vor- ausgeießt werden, dagegen dürfte es von Interesse sein, da: rum auimerkmrri zu machen, daß die feuchte Witterung l)ier Ende März beginnt und bis Oktober anhält, zu welcher Zeit alsdann der ix_ockene Winter mit dem R0.-1[0n§00n einsetzt.

_ Für gew111e Durch Zutritt der Feuchtigkeit leicht verderb- liche Waaren (Tahake, Leder, Stiefel, Modewaaren 2c.) wüten deShalb Ver1chiffungen erst im August und September vorgenommen werden.

_Bei der Billigkeit des Portosaßes fiir Drucksachen wäre es sicher angezeigt, wenn die deutschen Fabrikanten öfter und in größerer Anzahl Kataloge und Preislisten iiber: 1en_der_i__würden; durch ein einziges auf diesem Wege erzieltes Ge1cha1t würden diese verhältnißmäßig kleinen Mühen imd Anslagen reichlich erseßt.

Bei Katalo en und Preislisten wäre ferner die Auf- merksamkeit der zahrikanten auf korrekte und verständliche Uebersetzungen in hie englische Sprache zu richten.

_ Fehlerhafte Ueberwßungen geben nicht nur Anlaß zu Mißverständnisieg, arbeiten also dem beabsichtigten Zwecke direkt entgegen, 1ie geben auch auf den Empfänger einen sehr ungünstigen Eindruck iiber den Umfang der Geschäfts- bezieliiingen __des Exporteiircxo mit dem Auslande, oder geben gar_Anlaß, 1ich iiber die 1ehlerhafte Sprachkenntniß des Be- treffenden liisiig zu machen.

Da es nicht immer gelingt, auf Zeichnungen und Preis- eouraiite allem Bestellungen zu erzielen, Fabrikanten deshalb ofters U_m Mu1tersendungen gebeten werden, so möge be- tref1s__ d_1eser_Ltheren noch bemerkt werden, daß es sick) empfeh- len durite, mchtso sehr auf eine große Anzahl verschiedener ein- zelner Mnster, als dcirauf zit_selzen, die Muster in solcher Quantität (Dußend, Groß, Knie 2c. 11? nach Aufmachung Und Form, in welcher der Artikel auf den Markt kommt) zusammenzuftellen, daß die einzelnen Musterwrten einen Werth repräsentiren und verkäuflich bleiben.

__Eine große Anzahl verschiedener einzelner Muster ist i_nei1t ganz werthlos, während eine kleine Kollektion in ent- 1prxcherider Packung, Anzahl und Aufmachung fertiggestellt und _mit Bemerkungen iiber Preise und Aussehen der anderen vyrräthigen, mcht durch _Muster vertretenen Sorten, sich meist nicht allein ziim Verkau1e eignet, sondern dem hiesigen Kauf- mgnn gurl) erlarxbt, den Artikel richtiger zu beurthcilen und Mit Riickiicht aus Fracht und Spesen besser zu kalkuliren.

_ Yer Gebrauch imitirier englischer, französischer oder ame- rikani1cher Et_1quetten, um deutsche Fabrikate als fremde Wacheir einzii1ühren_, hat glücklicherweise bereits nachgelassen. Jn xoilettartikeln, 1peziell Florids-Wasser besteht diescr Miß- brauch _]edoch_ auch heute noch.

_ Die meisten der _hier und in Hongkong etablirten deut- 1cl)ei_i Firmen nnd _glcichzeitig in Deutschland oder England durch e:gen_e Hilmer beziehungsweise Agenten vertreten. Y1e1en Häiiiern und Agenturen, deren Chefs zum größeren 1l121l _Tlxeilhabcr dieffeitiger Firmen gewesen oder noch smd, [i_elit eme gründliche Zenntnißdes chinesischen Geichäft6 zur ;:eite, die 1ie,the1lwe11e i_zurck) 1ahrelangen Aufenthalt in China 11112 hqneben _dnrch langxiibrige Ge1chiiftsbeziehungen mit ihren d1e11eitigen eigenen oder Korrewondenzhäusern in China er- worben haben. _

_ _Gesriist (l_Us das in allen gcichäftlichen Anfragen der heiiinscben Kamleute und Fabrikanten sich manifestirende Be- yiirmifz, deutsche Firmen, i_velche sich mit dem Importe [)eimi: 1cher Waaren 111 China bemffen kennen, zu lernen und von der Ermhrimg auSgehend, daß der überwiegende Theil der gerügten Mängel unseres Erporthandels in einer ungenügen- dcn_ Kenntnis; der Verhältnisse Chinas, der Bedingungen und Amorderun en, die an_das Exportgeschäft gestellt werden, be: ruhen, ein Fehler, der 1ich in kürzerer und gründlicherer Weise durch direktes Enivernchmen_ mit den in Deutschland etablirten Agenten und_ beziehungsweiw Partnern der diesseitigen Firmen veriiieideti läßt, glaybe ich dem hier verfolgten Zwecke förder: lich zu sein, wenn ich zum Schlusse die hier und in Hongkong ctqblixten deut1chen__Firmen welche sich mit dem Importe hemmchcr Erzeugnine befa1en, ebenso wie ihre heimischen Agetzten und beziehungsweise die Personen, an welche sich der deut1che Exporteur wenden kann, namentlich aufführe.

Ju alphabetischer Ordnung sind es folgende:

Arnhold, Karberg & Co., Canton,.Hongkonn, Shanghai.

Agenten in Lamburg: Fetisch und Laeis . Partner in ondon: acob Arnhold, ?11 Firma A, Runge u. Co., 4 ust ]miia .xyenne k),(x'.1„(':1(]e-|'- ]mil 8tr00t. Carlowis u. Co. Canton Hongkon , S an lai. Agenten iii Hamburg: Krönke unk? Lev?). 9) Partner in London: W. Rost, Firma Lienhardt u. Hoerder, 22 (Freut Zt. [!(-lens k). („'. Deetjen u. Co. Hongkong. Zamburg: A. Bock, Agent. remen: Ed. Dcetjen, Partner der Firma.

Großmann u. Co. Hongkong.

_Partner in Zamburg: G. A. Großmann.

Home u. Co. ongkong.

Agent m mbur : __ZF. M. Wolf, RathhaUSmarkt 9,

Theil aber: . „Hirsi. London, Agent: W. Schütte, Lem_bke_ u. Co. Hongkong. Zweigniederlafsuan in Hamburg: 3, Lembke u. o., vertreter: durch Paul Ehlers.

mäßiÉ hohe Abzi'ige iie qnne men. 6 kommt 1erner nicht ellen vor, daß Waaren , welche

Bremen. Theilbaber Herrmann MelchereZ. London. John Batt u. Ev., Agenten. Mey er u. Co. Hongkong. HaxibtuerÖ Vertreter: H. E.Eduard Meyer, 2. Brand?- ie e .

_ Der Chef der Hongkong Firma A. E. Meyer be: giebt sich_ diese§__Frül)1ahr nach Deutschland und hat sich bereit_ erklart, deutschen Fabrikanten während seine?- Auxenthalts ix_i Europa jede gewünschte Aus: kunft über den Ab1aß ihrer Fabrikate in China zu ertheilen. Briefe würden ihn unter Adresse Ohlen:

_ dorsf u. Co., Hamburg, erreichen. PU 1tau u. Co. Canton und Hongkong.

Hamburg. Agent: Gebrüder Cordes. Sander u. Co. Hongkong.

Hamburg; F. Sander, Ferdinandstraße 55. __ Prokurist: Th. 1). der Heyd. Schellhaß u. Co. _Hengkong und Shanahai. _ Hamburg. Zweigmederlassung: Ed. Schellhaß u. Co. Sieiyssen u. Co. _Ca_nton, Hongkong, Shanghai. ,Hamburg. Zweigmederlaffung: Siemssen u. Co. London. Agent: Ludwig Wiese, 9 Iljm-jux; [„eine-. Vogel u. Co. Canton, Hongkong, Shanghai. Hamburg. G. Richter, Agent. _ London. Theod. Schneider, Theilhaber der Firma. Wieler u. Co. Hongkong. Hamburg. Agenten:_J. Bohrstedt u. Co. Thexlhaber Oscar Wieler, unter Adresse obiger Firma. _ Vorrzirmen, welche in Europa eigene Vertretungen nicht besitzen, smd noch zu erwähnen: Heueriiiaiin, Herbst u. Co. in Hongkong. Offenes Ge- Kr i_ck)a1t iCn S_pirZuNekn Und F1)? Alle1(1_rz Viktualien. u e U. 0.111 _ong ong. ffenes es ä't. uwelen, Porzellan, T_almk, Weine M. ck 7 J Gaupp u. Co. in Hongkong. Juwelen: und Ulnengeschäft. Raedecker u. Co. Hyngkong. Import und Export. G. Naynal. Kommis1i0n§geschäft Hongkong. G. A. Raven. Kommissioncdeschäst. Canton. Agent 1iir Krupp in Essen. (Schluß folgt.)

Z11111_Be111[l) der Allgemeinen deutschen Patent- iind

Muster!(liiiy-Ausstellung in Frankfurt cr. M. liaben mm iatnmtliche in Frankfurt iiiiiiidende Bahnen und 51er sämmtlick'e Yreußqrbe, [*adi1ch_e,__ bai*eri_1_(_i»e StaatFHabncw sowie die Heisiickie &udivrgsbabtr Ermqßigiziig sil]: (szelrerienke, fiir Vereine, Arbeiter, Sckiulen u. 1. w. St_UJCsUbrf. _ Die Sommer-AuIstelsurrg der Gartenbau_=(5)c1e[[1"cl1aft beginnt am 15. Juni imd dauert bis zum ]Q._JU[1. _A11_Be[ol)iiun_aen nnd Anciferungeii fiir die Aus- 1tel[_c_r Wird es 111ckt icbleii. Außer den pogrammmäixig rorgeicléeiicn Proxien stehen den PreiSriilitern noch Staat§-, Ehreii= und Privat- Prci1e zur Verfiigung. _ Stuttgart, _“23. Mai. Heute wurde die Permanente AUS- 1telli1iig des Wiirrtembergisckien Kunstgewerbcvercinz im__ Konigsbnii eröffnet. Die ancrkennetiÖWertle Liberalität dcs Mizxicliener Natiynalmuicums und des GcwerbcmuseumI iii Kai1er§lautcrn 1o1vie die rege und opfcrwillige Tleilnahme ric- lcr_Pr_1rat_cn ermöglichte es, in den beiden Spezialitäten, auf welch" zunaclUt die „Pcrmanciitc“ sick) [*eickiränkt, nämlich in der Keramik und_Schtr_nedekim1t, cin aniclmuliciicö Bild von den friibcren mir heutigcii Kunstleiitrxngen ins» Leben zu rufen. Manche der Gegen- 1taiz_d_e 11111“ teme [*c1tccbcnrcn Glanzstücke, und legen doch bei nälercr ;Yrumng Feinheiten in der Erfindung uni: Ilusarlicitung dur, Wi'ch *_c_utc noc!) unerreichbar rnstcbt. Jiitcrcssircn wird vor Allem ric eiicrne Handron _(1)__ö 13 ven Berlichingen Und eine Niigclsbiirc der St. _M1ck1a_e[1§t1rckic in Hall, ein Meisterstück alter Sckiloiicrci. ancii reihen _1iii» als Repräsentanten der [exten Branclic an:"; lcr Ncuieit die seinen kiinstiiiinigen Arbeiten Wil E. Puls iii Licrlt11__ 1111? C. Yioradelli in Miinchen würdig an. Tic Gegenitmike zeigcii eine so liebevolle Licknndlung kei- Mntcriql5,_a[§ [*eitäiikcii sie aus (?rclmetall. Zelten wird man icrncr_ciiic W[li'c Vcrcinixiimg ron Kabiiictöstiickcn finden wie die [*icr aiiögcitcllten Siniinliing-xxi TTT“ Hrn. Pi'kicsior [)r. Sci*ffcr lark.- i*1rte,_ geatzte iind Jcklliiili' Z(biiiickc- niir Siiiloifcrari'cixcii, Jiriigiammlunq Wii icltciicr Kiiriiiibnliigfciw imd Keiikiier Muricticl _(Fai'enccn, *)„ii.ii-_*lik'011, dcniiii'c nnd orientali'ii'c Porzellans). [Dirie zweier Ulmxr, der Herren .Hiiiiixlcr iiiidHauvtniaim ("Zeiger (Bc!ciila.1„_*_, ZWliiiicl) darstellen. Uni das miibiamc Arrangement ["_111 ml» Hr. Tlcr-Linnratl) [)|-. von Lciii-x- verdient ,ic- l_llflcklk. Gcirit; wird die AilIstLlllllU 11th biet"; dcn Facbmniiii, ionicrii ami) ken Laien, riaiiMm cr kon Stand der cinsckilägixicii Gewerbe [*ei 1111-5 in “(“er L'„1iikc§1icivcrbcansstcllnim kklllii'ii gelernt luis, erfreuen niir 511 [Cl'k'ki'ikl't'll Vcrglcickwn anregen. Ter erste Veriiiiii tit Übll'küiÖCtik gelungen mid i'i'rim'iilit fiir das ircitcre chcibcii 1111? (Finl'orbliilcii der jungen Z(Wl'iuxiw, das Beste.

Londrn, 25. Mai. (W. T. L*.) Vom Liitnrio wird ,'.i-

meldet, Hai; der T „im vier „Victoria“, anf welch" zicstcrn QMM s;!!! Pcr'vncn e_iiicn AiiÖ-ilnq lltiii'kliklllmi'n [*.rttcn, auf der ?iiiicfinlri acicbcitcrt dt, und kai“: raini gcgen 17.) Personen im Wasscr ii'ki'li Tod gcmnkcii l'al'cn. __ __ 2-_1._'.N.1i. 1_W. T. L*.) Das _Ziin'itcrii ka Damriirs _„Ls lxsl'klä rank smc Meile [*l'll London in Ontario !*.-[*cr-Kaiiakxx 1t.1tt.5Tcr Tamvicr war auf dcr Niickinbrt ron ciiicm Ilu-x-ilitk-é mib eincm ricr_§.l'kcilc;i c-iiicriit Nélcii'lli'n Vcrgtiiiaung-Iortc [*cxiriKixi. * _ :."t'v. Mat. iW. T. L*.) kläre?» Melkiimieii mis London .im *.,ntario waren ['i-I ,icstcrii Abend 10.3 [Wk *ric *.“cicbcit von "334" ?_Pcricncn, dic kilkÖ den Untergang dcs Damvfcrx- „Victoria“ 1l*reii_Ti*k gefunden [*al'cn, .in-:- Land (iebracbt; dic Fall der bei ker 11313111?le llnlÖ Lclcn Gekcimncncn stellt sicb i'craitT-iiÖtlicb m'cb l“(*_l*cr. _Jii dcr Ztakt ist allgemeine Trauer: alle (Bciibäitlokalc siiid acirbloiicn.

Der 11“. (D'i'clu-F- dcr *.*lnifübrungcn dc?- Tcstiricl-x- .Der Ring des Nibelungen“ vpn .*liicbard Wagner im Victoria-Tbcatcr [*at am Mittirocii mit rem Vorabend „Tae Rheingold" (“carri- n_c_n und wurde ,icstcrn mit der .Walkürc" '*ortzicicjjt. Tat: Inm- ciic _kcö Pnblikumc- an dem Werke ist eber acii'acbscn, als es im Gc- rinmtcn nachgelassen [*ättc. Das große Haus war an beiden Abcnkcn ausverkauft“, ncitcrn bei der Aufführung der .Walkürc“ war dcr An- krmm .in dcr Kaffe scaar cin "olcbcr, kai"; [*ci Weitem nicht Alle (Links: crluiltcn konnten und ioaar tic (Hänge des Tlcatcr-I bestanden nuircxi. Dcr Ticbterkvinronist. wclcbcr, wic i'crii'rocbcn, kcn Aussükrmmxn kicick- lcvtcn Cvklus' bciwobnt, war .in beiden Alcnkcn Gcacnitank cntbufiastiicbftcx Ovatioizcn, rrclcl'c sicb [*i-x- auf die Straße iert“ icyten, und Mi ebenso i_il*crrci(i*[ich wurdcn "kik Mitwirkenden, kai“ Knu1tlc_rraar Vogl, die .Herren Zlaria, -Zch*eli*cr, “„“icl'au mit Bciiall thöiii'icicbnct. _.Moracn, Sonnabend, folxit (“cr Zi. Aland: ,Zica- 'rtck", und „im Cmintaa dcr [cizter kic .(HÖttcrkämmcruna.

Redacteur: Riedel.

Berlin: _ *- Verlag der Ekrckition (Kessel). Druck: W. Cloner.

Melchers u. Co. Canton, ongkong, Shanghai. Hamburg. Agent: Emil xriedrich Meyer u. Co.

Fünf Beilagen (einschließlich Böricn-Bcilagc).

M 122. Yichtamtliches.

Preußen. Berlin, 27. Mai. In der vorgestrigen (49) Sitzung des Reichstags trat_das Haus in die Be- rathung des Antrages des Abg. Freiherrn von Varnbüler und Genossen ein, betreffend die Revision des Geseßeß vom 6. Juni1870iiber den Unterstützungswohnsß. Der Antrag lautet:

Der Reich§tag trolle beschließen:

"den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, das Gesetz vom 6. Jimi 1870 iiber den Unterstüßungswohniiß einer Revi1ion zu unterzieHen und Dabei nachsteheiire esichtsspunfte in Erwägung zu ziehen:

1) Der Besitz des Heimathrechts begriinret die Verpfliclxtung dcs Heimathortes ziir Armenunterstiitzrmg deaZ HeimathbcreÖtigten.

2) In Ermangelung eines Heimathrechts trifft dieie Ver-

inchturig, “den, nach Maßgabe des Gcießcs vom 6. Juni 1880 zu ermittelnden OrtLarmenverband. _

3_) Hat “rer UnterstiitzungSliedüritige Weder _Heimatbr_echt nock) Untertüyungßwolynsiß, dann tritt als unterstyxxungépflrchtrg rer LanZarmenrerband ein nach Maßgabe des Ge1ct§es rom 6. Zum 187 .

4) Der einmal begrünkete Besitz eines Heimatßreclits gebt WU? verloren: _ _ _

o.. durcli Erwerbung eines anderen Uiittel1t Aumahme,

b. bei Franen durch Verehelichung,

0. durch Auswirnderung. _ _

Dem Heizuathrechie steht in dieser Beziehung gleich Der Uiiter- "mm Zwo n iii. _ _ _ staeöYgJedér 1(«"Sciitsélx kann unter “deri rurcl) RciÖ-Zizeieiz i_citzn- stellen cn Bedingungen die Aufnahme in 72.15 Heimathreckyt 1011112? Aufenthalsortes verlangen. _ _ _

6) Unter denselben Vorausxetzimgen _kann_ der Heimztbort (UnterstiiiZUiigswohnsitZOrt) die AuinaHme cines in einem anderen Orte wolinhaften Heimatbangebörigen verlaiigen.

7) Der Unterstiitzungspflichtige Hat das_Reckxt, dem [_]iiter; siiiWiiigsbediirftigen die Unterstiitzung auch aiißerlZ-nll) rer Hemmit) (des UnterstiitzungSwOimiißes) des Letzter) zu gewaliren. __

8) Die Art der Armenpflege, der Bildimg von Arxnciirerbaiircn, die Regelung il)rer Verpflichtungen, die Art _7:c_r Arqliringunxz und VertHeilmig dcr Armenkosten unter den ver1chiedenen Vorhanden erfolgt durch Landcégeseßgebung. _

Hierzulagen folgende Anträge vor: ]_.)_vom Abg. Greif Udo zu Stolberg (Rastenburg) wird emeNemnrm beantrngtm dem Sinne,daß der Unterstüßungewohnsiß bereits_ nach dem zuruck: gelegten 21. Lebensjahre durch eiiiiävrmen Auientl)alt erworben und diirch zweijährige Abweiciiyeitverloreii Mrd; 2) chm Abg. Gerwig in dem Sinne, daß der Unterstuiziirigsiyohniiß durch dreijährigen Aufenthalt erworben, durch funf1§ihrige Abwestn: heit verloren wird; 3) vom Abg. Streit, d_a1z bei einem be- stimmten Lebensalter (60 Jahre etwa) ein neuer Unter- stüéungswohnsiß nicht mehr erworben, der alte nicht me)r verloren werden kann; die Frist der A'“- wesenheit, welche den Verlust zur Folge hat, soll auf 6 Jahre au-dedehnt werden; 4_)_ vom Abg. Kiefer: an den Reichskanzler _ unter Ueberweinmg derovorz liegenden Anträge auf Abänderuna_des Ge1eßes v_om 6. „zum 1870 über den Unterstiißungßwobnsitz zur K_etintnißnahme _ das Ersuchen zu richten, er wolle zuin statistischen Nachweis der Wirkungen dieses Geseßes für die Vertheiluzig der_JAr- meiilast unter den verpflichteten Berlmnhcn, sonne zur ;;esx: stellung des Einflusses desselben “.?" die sittlichen Zustande der bezüglichen Bevölkerungsiheile, fur die ganze Geltungsdauer des Gesetzes einc Erl1ebung_veran1ialten urid uber das Er- gebnis; seiner Zeit dem Reichstage Kenntnis; _geben;_ endlich 5) vom Abg. Frhr. von Schorlcmer:Alst: die vorliegenden Anträge auf Abänderung des GeseßcZ vom_ 6. Juni 1810 dem Reichskanzler zur Erwägung zu uberweifen, rnit dem Ersucl;en, iiber das Ergebnis; derselben 1. Z. dem Reichstag Kenntniß zu geben. _ _

Dcr Abg. Frhr. von Varnbüler bemerxte, er sei sich der Schwieri keiten der Armenfrage, deren Lomng nicht _mehr aufgescho en werden könne, wohlbewrißt und schen zufrieden, wenn sein Antrag mit den Gegenagitra en der ReichSregicrung als Material iür eine künftige Ge1eßgc_1_zngtcherwrefen_ werde. Seine Vorschläge hätten mit der Freizugigkeit gar znchts zu thun, sollten auch nicht die Cbebeschranfuiig Wieder einführen. Die Gesetze von 1870 und 1872, rvelclzc die Armenpflege regel: ten, seien ein Ausfluß dcr Reichsverfassung, wclche ]cdcm Deutschen das Judiaenat in ]edem deutschen Lande gebe. Nach dem Vorschlage des Präsidiums des Norddeutschen Buridcs sollte in den Ländern des HeimathSrcägts der Einkexmijche nach dem Prinzip des Heimat Srechts, der Richtern enn_11che nach den Grundsä en des Unter üßupgswohnsißes beurtheilt werden. Dieser Vor chlag involvire eincn unheilsaxnen Dualismus, eine Verlesung der Freizügigkeit und der Reichstag_ habe wohl daran gethan, denselben abzylehnen. Das alte HennathMchi, welches mit dem neuen nicht zu verwcchseln sei, __maxhe die Erlaubnis; zur Vcrchelichu11g__vom Bürgerrecht abhangig,_ es habe sich daran die Vesuyniß _zum Betriebe aller zimmgen Gewerbe geknüpft, das Au entha tSrecht,_ ryelchck; man mit 111

einer Gemeinde gehabt habe, pas pqlimche, das gemempe- ärgerliche Wahlre 1. Das 1evi e HeimathSrccht untcrschcipc sich von dem Unter iüßungswohn is nur diirch die Stabilitat, der levtere enthalte etwas absolut Vorizbergehendes, _man verliere denselben nach einer gegebenen Zcit und 1chwimme dann ganz frei als Landarmer nn StaatSather. Er (Redner) stehe auf Seiten des HeimathSrechts; demi der Uiiterstüsunqswohnfiv habe e1ne__ ungerechte Vertheilung der Armenlasien ur Folge, suhre ziim Kriege aller Gemeinden ge en a e, korrumpire daß Heimathßgeflihl _uiid vermehre die ahl der Landarmen. Diese Uebelstande beseitige sein Antrag, indem derselbe die Landgrmenverbänhe, aber auch die kleinen Gemeinden entlaxe und die Gemeindestifmngen den Gemeinden wirklich erhalte, att fie Fremden ziizuwenden. Der Fall der Rückverweisung in eine a_ndere Gemeinde werde aller- dings häufiger werden,_sehr oft sei es aber auch das Richtige. Das bisheri e Geses sei zu unklar und schwer verständlichsur den Nichtjurkisten, es leide auch_ an dem Fehler, daß mit dem Verlust der Ortsangehöri keit und des Unterstüsungs- anspruchs nicht gleichzeit 9 ein anderer UnterstüvungS- wohnfis entstehe, so da der Arme Jahre lang nicht wisse, wohin der elbe gehöre und dadurch

E r | e B e i l a g e zum Deutschen Reichs-Anzeiger und Königlich Preußischen Staats-Llnzeiger.

Berlin, Freitag, den 27. Mai

weiterer Mangel sei, daß der Unterstiißungswohnsiß mit dem Staatsbürgerrecht nicht zusammenhängt? und die pro- phylaktische Armenpflege absolut au51chließe Da der Arbeiter mit dem 24. Monate etablirt sei, 10 suche man denselben im 23. los zu werden und ihm den Aufenthalt zu verleiden, da- mit derielbe im Falle der Verarmung der Gemeinde nicht zur Last falle. Finde der Arme nun_ keine Arbeit trotz eifrigen Bemühens, 10 suche derselbe schließlich keine rr_el)r, verwahr- loie und werde ein Bettler. Das Wige Ge1eß führe zu großen Härten. Häufig werde Jemand mit seinen Armen- anspriichen recht weit fort an Orte verwiesen, die demselben mmder angenehm seien, als die Heimath. Em fleißiger), tü_chtigeS Ehepaar, aus Sachsen, welches beim Eisenbahnbau be1chä1tigt gewe1en sei und deHhalb stete von einem Orte zum anderen habe ziehen miiffen, 1“ ei track) der 1" chwäl1ischen Alp gekommen. Seinen säch1ischen UnterstiitzungSwohnsiß lade es natürlicl) verloren, ohne in- zwischen einen anderuerworbenzu haben. In dem 1chrpirbischexi Orte habe es über 22 Monate lang zur Zufriedenheit 1e1n_er Au1- traggeber Steine geschlagen, da sei dem Armenpfleger _dieSache bedenklich geworden und um die Leute nicht den Unternüßungs: wohnfiß erwerben zu lassen, habe derselbe ihren Vermiethern bedeutet, daß die Leute hinaus müßten_ und habe auch rl)re__Ent: lassung aus der Arbeit veranlaßt. In diesem Falle habe die “Sache zufällig nicht tragisch geendigt, aber die Fiille, in denen die Leute auf diese Weise geradezu ins Elend___k)mau§ge1toßeri wiirden, seien 117cht selten. Aus ganz zuverliinger Quelle sei ihm bekannt, daß eine große Grundherr1chast ihren zahlreichen Pächtern ziir Bedingung gemacht habe, keinen Dienstlioten länger als 23 Monate zu behalten. Nock) unsicherer alL-mit den Ortßarmeu stehe es mit den Landarmen. Das Landarmeninstitiit 1eigeradezu eine Schule des Vagabondenthums. Die Landarmen lemiteri die Gemeinden mit den besten Wohlthiitigkeinrichtungen, _Spitalcrn 11.1". m. ganz genau. Sie wüßten, daß namentlxchdieirüheren Reickzestädte in dieser Beziehung sick) vortheil a1t auEzeichneten und die Folge davon sei ein rapides Zu römen in diese Städte und eine bedeutende Vermehrung ilxres Arinepetatß. Ein großer Uebelstand des gegenwärtigen Systeme; 1er die Pro: visorische Verpflegimg. Entweder stehe der_Gemeiizöe e1n_Re- greß gegen eine andere zu, dann mache 1ie fiel) ein gerrnffcs Vergnügen die Lente zu erhalten _qder 1ie wiirden schlecht ernährt. Das schweizer, bayeri1che Armengeseß gehe in dieser Beziehung viel weiter. Wenn eine Armengeseßgebung den Betrag der Armenk'osten enoriii vermehre, so sei das ein Symptom ihrer _Fehlerha1- tigkeit. In Hannover und Württernberg__las1e si_ch zahlen- mäßig die Zunahme der Armenlast 110chWC11_LU. Die Armen: aeseßgebung erscheine Allen revisionslicdiirftm, aber_die_An- sichten in dieser Beziehim gingen aasemgnx-cr. Die_Einen wollten die Unterstiitzun S?:“ift verkürzen, die A1102r11__ste ver- längern. Er stehe nim em Antrag Gerrmg _vrel naher als dem Antrag Graf Stolberg, aber deiOe gewährten keine Al): ülfe, weil sie das Vakuum Übrig ließen, das; em Mensch eme eitlang nirgends eine Heimatl) habe. _War, i_iim das Hei: mathSrecht in seiner Beziehung zur Freiziigigkeit betreffe, so gewinne die Freizügigkeit durch das Hennathsrecyt. Wenn je t Jemand an einen andern Ort kc_)mnie, 10 Werde yer1elbe init Mißtrauen angesehen, habe der1cllie _alJer cin Heimaths- recht, so habe er seinen Heimathssthein bei sich, u1_id_ ipenn er sich dadurch beziißlici) seiner Heimatl)_ legitimire, so finde er eine vie willkommenere Aumahme. Werde eine Fabrik geschlossen, so sollten nach dem Hemmthleecht die brodlos gewordenen Arbeiter nicht dcr Gemeinde zur L_a_st fallen,10ndern ihren Heiniathsorten. Die Furcht, daß die1e zu schr belastet wiirden, sei unbegründet, denn in der Regel scheue sich ein Menscli, der in guterrVerhältmffcn 1ortgcganaen sei, nach Hause zu kommen und m dgs Armezil)_a1_is der Ge: meinde zu gehen. Derselbe habefriiher al1o nochma 1einer ganzen Kraft gekämpft, während er 1lch1cht ganz mihm bcnn_ Armen: pfiexxcr melde und Verpflegung verlange. Die Folge dieses Zu- standes sei eine bedenkliche Abnahme Milder Stiftungen. _ Er gehe nun zur Be riindung der einzelnen Punkte uber. Da w_0 cin Heimatbßrcht noch bestehe, solle der Vcrarmte dicser Hei- mall) vermöge des Bürgerrechts zuchmeien _wcrden. Yestehc ein solches Bür erreckxt 11icht , 10 _ bleibe tramitoriich nichts anderes; üJrig , als die Prinzipien des Unter- stüvungswohnsisgescßes aiizuwcnyen, ab_cr__mit dcr Wirkunxi, das; der Unterstiißnngswohnfiv nicht an1l1ore uni) ficl) al1o in ein Heimathsrccht umwandcle, mclchcs_ in großen Städten allerdings nur cinemgeringeanuchtbcil, inkl meren Orten und auf dem Lande aber dem gregtchlmlc _der Orts- bewohner gehöre; er (Redner) habe nun eiiien Antraanornxulirt, wonach derjenige, welcher eine Zeitlangm cinem Orte 121 _ die Zahl der Jahre zu bestimmen sci Sache der Geseßgebimg _ die Aufnahme in das Heimathsrecht _zu fordern berechtigt sei. Was den Punkt 8 betreffe, [o sci_ er der Ansicht, daß die LandeSgcsevgcbung größere Bezirke bilden sqllte, wclche den einzelnen Gemeinden irgendwie zu Hüve kämen; _ob mqn zu diesem Vehnfe sicb d1e_ Krene und Provinzen m die Kosten theilen oder, Wie in Bayern, yen Staat eintreten lasse, wiirde keinen erheblichen Unterschied machen. Man möge die Wirkungen der industriellen Kriiis so hoch an: nehmen, wie man wolle, das cnormeAnwgchsen de_s Vagabon- dcnthums in neuerer Zeit, komme allerdings au1_ Rechnung der deutschen Armengesesqebung. Das Hauptnnttcl _ egen das Va antenthum sei, die Armcnpflege auf eme Wei e „I“ leiten, fJas; die Leute nicht Vaganten wcrden n_1iis;ten. „pie Repression durch Strafen, zumal 11 selten die _Vorslrafen feststellen ließen, helfe gar nichts, so ange man die Quellen nicht verstopje. Nun hätten seit Erlaß des Armengeseues die Klagen über Landstreicherei nnd Bettelci 111chl_ al», sondern zugenommen. Das sollte doch heweisen, daß rmx Nepres 1011 ge enüber der Noth nichts hel1e und daß auch c[Hierher s e te: „Noth kenne kein Gebot“. Wenn er au eme _grofze &irenge egen die Vaganten_sür geboten erachte, so sei doch die Repre sion kein Radikalmittel dagegen. Der Schwerpunkt der Armenpfsege liege in der Nächstenliebe, der öchsjen Pflicht, die allen obliege und die man ausuben _mil e, wenn man nicht die von den unteren KlaKen gegen die bßheretr KlaYen erhobenen Beschwerden vcrschä en wolle. Er bitte seinen n-

natürlich gegen die Gesellschaft erbittert werde. Ein

trag anzunehmen.

1ZZ1.

Der Abg. Udo Graf zu Stolberg (Rastenburg) erkannte gn, dasz iiber die vorliegende Materie sehr verschiedene An- 11chten herr1chten; _er bedaure indeß, daß der Vorredner die Frage einer Revi1i0n des Gesetzes über den Unterstützungs- wohniiß in einem Augenblick angeregt habe, wo dessen Lösung unmözlich sei und WO deshalb auch die Debatte eine praktische VLYeutung nicht haben könne. Die wirthichaftliche und soziale Reiorm, welche der Reichßtag in Angriff genommen habe, werde, wenn dieselbe zum Abschlnß gekommen sei, die Ver- hältniffe in vielen Beziehungen erheblich ändern, so daß auch die Frage des UnterstiißungSmolmsiH-es dann vielleichtauf einer ganz anderen Va1i§ zu regeln sei. Nach seiner Ueberzeu- gung ski der Antrag des Abg. von Varnbiiler nicht geeignet, den auf diesem Gebiete bestehenden Uebelständen abziil)elfen. Die Frage, um die SS sick) haiidele, sei eine volkSwirthsckzaft- liche. Die Erziehung jedes Jnviduums biS zu seiner eigenen Erwerbsfähigkeit koste Geld. Die Höhe dieser Summe sei sehr verschieden; im Allgemeinen werde sie durchschnittlich aiif etwa 1000 Thaler geschäßt. Nun nehme man an, es werde Jemand in ck. geboren und koste dieser Gemeinde 1000 Thaler. So- bald derselbe wererbsfälig geworden sei, gehe derselbe nach Z., wo er seine ArbeitekraZt verbrauche und werde dann als un- terstiitzunebediirftig nach 11. zurückgebracht. Welche Ungerech- tigkeit liege in diesem Verhältniß! DieselOe wiirde anniihernd aUéngglichen werden, wenn ungefähr eben so viele Menschen in erwerbsfähigem Alter von 11. wegzögen, wie ach anderen Orten wieder dorthin kämen. Die»:- 1ei aber keineS: weg;? der Fall. Die Verhältnisse in den einzelnen Be- zirken seien“ wesentlich von einander verschieden. In den landwirthschaftlichen Distrikten wiirden_ mehr Men- schen produzirt als konsumirt; sie zögen sich in _großen Meiigon nach den Centren der Industrie, um ihre Arbeitskraft zu verwertbcn, Und deshalb wiirden hier umgekehrt m_el mehr Menschen koniumirt als prodUzirt. Hieraus ergebe 1ich,_da_ß das Prinzip, die Pflicht zur Unterstützung der Criv_crl)§iin1äh_i- gen dem Geviirtsort aufzuerlegen, ein durchanéo 1al1_che§ sei. Am richtigsten wiirde es sein, die Uiiterstiißrmchpslicht dem Wohnort aufzuerlegen, wo der Sitz der Thätigkeit des Be- treffenden sei, da sich dies praktisck) aber nicht durch1iih_ren lasse, 10 habe das Gesetz von 1870 ein Kompromrß geschaffen, indem es bestimme, daß durch einen zweijährigen Aii1enthalt der Unterstiitzuiigswolwsiß erworbenwerden könne. Wenn 1th 1319 Grundlage dieses Kompromisses erschüttert werden solle, 10 1er er mit dem Abg. von Varnbüler darin_einr1erstandcn, daß die Revision in einem Sinne geschehen miixie,n_1elche de_m Uebel- stande der Heimathlosigkeit möglichst abzuliel1en geeignet sei. Er glaube dies aber nicht durch das- System des Antrages Varnbiiler, sondern dadurch am besten 31: erreichen, Haß nian die Erwerbung eines, neuen Heinathrechtes tl)unl1ch1t erleich: tere, und deshalb beantrage er, daß, wenn im_ Interesse der ländliclien Gemeinden der Verlust des Unter1tiißungswolm- sißes schon durch eine zweijährige Abwesenheit eintreten solle, andererseits zur Erwerbung des UiiterstüßungHwohnsitzeez schon einjähriger Aitfciithalt genüge. Den Einmiiri, daß eine solche Aenderung des bestehenden Zustandes_ nur m_i Interesse der Großgrunolcsißer UML, müsse er entschieden bestreiten; er be- haupte im Gegenthcil, daß viele Gutsbesitzer durch diese Re- gelnng ihre Interessen geschädigt _glauben wiirden. Seni An- trag habe auch lediglich die ländlichen liäiierlichen Gemeinden im Auge, welche durch die bestehende 0521eßgeb1mg schon em- pfindlich betroffen wiirden und L“?! diirch den An- trag Varnbüler nock) in viel höherem Grade wur- den. Diirch eine solche ungünstigere Stellung der acker- bautrcibenden östlichen Provinzen, deren (Hemernden_ that- sächlick) keineswegs _ wie vielfach behauptet _werde _ it) der Belastung hinter den Gemeinden der westlichen Provmzen Zitriickständen, werde man die jetzige Auswanderung nazi) Ame: rika iiur befördern. Gegen die Anträge dcr Abg. Kic1cr rind von Schorlemcr habe er gar nichts cmzurpenden; er wumche vielmehr dringend, daß in dieser Frage "ÖR eher __vorgegan- gcn werde, als bis dieselbe nach allen Cotten gru:1k_1[1chcr- örtert sei. Gewis; müffe es das Bestreben _d__e§_ Reichstags icin, die Roth und das Elend der erwerbsimmlxg (yewczrdc: nen nach Möglichkeit zu mildern; als emen wesentlichen Schritt, der sich in dieser Richtung bewege, bctrachte cr_d_as "Unfallversichcrunaögescv, und wenn d_n11clve_ aucli__m die1er Session nicbt melir zu Stande k01111nei1_10l11_c,_10 110112 er doch, das; jedenfalls rec.;t bald nicht l-lo-z dlk1_LS 0301613, 1ondern_ _guch weiter gehende ergänzende Vorlagen hie 1ozmlcn Uelielitande mildern und die Dringlichkeit einer Rewrm dcs Unterstutzungs- wobniisgestßes abichwiichen wiirden. _ _ - __

Dcr Abg. Gerwig erklärte, von dem ipczicllcn ;tatid: punkte ch Vadcnicts könne er die Klaac11_iii)cr_dic Nachthcxle des gegenwärtigen Gesetzes iin_d das Bediir1iiixz_1iacl) eiiier Aenderung des bestehenden Zintanch in_ir bestatigen. Ein: gckcilt zwischen die Grenzen Bayerns,ElmsizLotyrmgcnz und der Schweiz, welche alle eine von _dcr_ deuticben abweichende Gesetzgebung hätten, befinde nia_n sick) m _Baycii so_rtdauernd in einer Reihe der widerwärtimtcn _Prozcnc l_lbi'l' dic linter- slüsungspflicht ErwerbSunféihigcr, die _dcnbadisclcn Geittciiidcn von anderen Nachbargemeinden zugewiesen wiirden. _Bei dcr Berathung des Unterstüsungawohnsiß :Gc1_c13-:s seien ine Süddeutschen nicht bctheiligt gctycsen; wnrde _das GMB beute gemacht, so würde es wesentlich anders aii-Ziallexi. Die Verhältnisse der Landestheile re_chts vor) her leeyscicn von denen der westlichen außerordentlich vcr1chicdcn_._ ,xraae man im Osten nach dem Besi cr iracnd_ cines großeren Voden- komplexes, so saae man icher: dcrkclbe achore der und_ der xamilié an; im Westen dagegen höre man: _dericlbe sei E18?"- Tum der und der Gemeinde. Das (*Iemcmdcbcwußtsein sei

entwickelt, von der man hier im habe. Ychcr _haliÖ Jian sitz VaZen keinen vort eil aftcn Tau ck ema t, (17 a en eig er es HeimathareclkN ngen den deuts _n UiitcrstuvungWo_ht'1ch ver- tauscht habe und nicht ohne 9 cid bliete Vader) aut Bayern, das im Bcfis seines Ne ts [ehr zufrieden sei. Wenn m_an dem gegenüber von Parti ulamnius und Mangel an Patrio- tiomus in Baden spreche, io seren das nichts als Phrasen. Könnte Baden zu seinem Heimatbncckvt nicht zurückkehren,

in Baden in einer_Weise Osten gar keine Bormann

so wünsche er wenigstens, daß die Fristen für den Er: