1881 / 287 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger, Wed, 07 Dec 1881 18:00:01 GMT) scan diff

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5) Aufslkbi auf 1 Jahr; 40 Atzfscbcr„ deren Re- muneration tbkilweisc scbon unter 1 bis 4 mttentbalten, außerdem 600 „46 für jeden . *. . . . . . . . .

6) Kanzleipersonal (10 Perwnen auf 1 Jahr, durch- schnittlich 22 „zu täglich) . . . , . . . . . . .

7) Schreibmakertai . .

240W-46

100W . . . . . . . . 5000 Summe zu 11. . . 745 500 „46 111. Zusammenstellnng für das Reich und Ver- öffentltchung._ ' 1) Kosten der Zusammenstellurig sammtltchcr Reichs- übersichten und K.orrcktu'rlcjenx . . . . . . 2) Druckkosten für die Veröffentlichung Summe zu 111. . 117. Lokalmictbc und Mobiliar 30000 .“. Summa 1. bis 17. zusammen wic oben . . 1152 500 546 Von dieser Summc dürfte ein Betrag 0011 300000 „46 noch tm laufenden, der Rest von 852 500 „js. dagege'n erstnn Etats1abre 1882/83 zur Verwendung gelangen. “Wegen Bereitstejiung des letzieren Be- darfsbctragcs wird dem Reichstag „eme entwreckyende Eraaxizung zu dem mcgcnwärtig in Bcratbung'begriffenen Cntwurfe des RcraZsbaus- balts-Etats zugeben, wäbrcnd dre tm [aufexiden Jahre zu bestreitenden Nchzaben außeretatsmäßig zu verrechnen sem Wurden.

_ (Mgdb. ZM.) Durch den Tod des Reichstagsabgeordneten von Heinemann in Wolfenbüttel ist der Werke bxauy- schrocigiscbe Wablkrcis 001: eixie Neuwabl gesteÜt. Diese ist vom Herzoglikhen Staats-Mimstcrtum auf den 21. Dezember an- beraumt worden.

30000 ck 40000

M

Statistische Nachrichten. '

Eine klsine statistische Arbeit „Entwickelizng dcr ZLUk- industrie Schlesiens umb Hirsteliung der E1senbgbnxwm dcn Jabrcn 1844_1879“ von Roberk Simson, welcbe )ungjt in dem Schmdlicrscbcn „Jabrbuch fiir Gcscßgcbung. VeZwaltung Und Volks- wirtbscbaft“ veröffentlicht wnrde, liegt uns 111 01718113 Separatabdruck vor. Wir cntm'bmen dsmselben folgkndc Mtitbetlxzngen: Schle- siens Produkiion an Robzink, welcbe noch im Jahre 1821 auf 40000 Ctr. stand, batte sicb mit den guten Prctscn des Jabrcs 1825 bereits aus* 250 000 Gtr. (icbobcn imd „ward damqls schon in 28 Hülißntvcrken bciriebxn. Scblechtkre Preise ließen 1830 die Produkiion «nf 100000 Sir. 1011611, dbcb folgte in dexx Jabren 1842 und 1843 bei einem Preise bon 22,5 bis 24046 wikder eme P»)- duktion von 250 000 Str. Zn dcr Folgezeit „sanken 111 f(bivankknder Reibe zwar dic Preise, aber nicht die Produktion. Das Jabr 1844, mit welchem in Schlesien die Zeit vor Erbauung dcr (Eisenbabncn schließt, tvcistscbon cinJabrcsProduktionsquqnium 0011 367 788 Ctrn. auf. Dc'r Aufscbxvung, Mlcbcn seiidcm die Fabrika'iwn ugd der Handel von Zink und Zinkbiecko genonmicn bai, ist 901 ,so ubxra'us großer aervcscn, das; in Schlesisn gegenwarUg dre Zznkmdustric im gesammten Vcrg- und Hiittcngswcrbe mch nur 61116 der Ersten Stkllkn, sondern auch im Handel fast dcn bcrvvrragcndsten Plat; be- bauptet. Zn Obck'scbscsicn sind im Jabrc 1879 [166611254 1268 556 Sfr. Zink im Wcrtbc von 19017576 „46 prsdnznxf, nntbm nahezu mr_un Zcbntcl dcr (Hksmnmt-Zinkpwdnktion Dcui1chkla11ds -- Dem erlag- ternden Tcrt cntspricbt cine Tabellariscch Ukbcrxicbk, ercbc dcr Arbeit angsbängi ist.

Kunst. Wiffenschaft und Literatur.

A. F. Graf von Schack in Münchsn 17.11 mzucrdings cin Epos, eigentlich einen Roman in Versen, auf gcscb1chtltchcm Hmtcrgrundc, gedichtet und unter dem Tite[ „Dic Plejadctx“ (Stuttgart, J. G. Cotta) vcröffcnilicbt. Ein iungsr Atbcncr, Kallias, gebt tm Auftrags seines Vaters nach Kleinasien, nm die dortigen Gricck)en zu einem allgemcincn Kambfe gegcn dic Pcrscr auizumuntcrn. lernt abcr dort Arete kennen, die Tochter eines alten Maratbonfcimpfcrs, Pbanor, der 0011 Atbeii flüchtig und dcm Pkrfcrkönig dicnstbar «(worden ist. Das Schicksal dicser beiden jungen Leute bildet dei) Inhalt dieser Dichtung, die mit dcr Eckzkacbt von Salamis abscblxcßr. Das von Julius Nane gezeichnete Titelbild zcigt das Licbcspaar, das nach bittcrcr Trennung wieder Vci'cint, zu dem Sicbcnaestirn dcr Plcjadcn aufscbaucnd, in das glücklich befreite Vaterland bcimkcbrt. Dem sebr anzicbendcn Stoffc cntspricbt dic Gcstaltuna dcr epischen Eriäblnng, dic namcntlikb in den landscbaftlicbcn Schilderungen bochpoctissb ist.

_ Rom in Wort und Bild. (71116 Schildcrung dcr cwiaen Stadt und der Campagna von 1)r. 1-1-11. Rud. 511010971111. Mit 368 Illustrationen. 711.8, Lieferung ck 1.56. (Leipzia, Verlag von Schmidt & Giintbcr.) _ In diesen Hcftcn werden die Karakalla- tbcrmcn und die Dioklctinnstbcrmen «schildert. Nach dcn vorgefundrncn Resten zu schließen, ist dic Anlage derselben cine [*öcbst großartige und die Ansstattmm einc böcbst pracbt- volle gcjvcscn, denn wir wissen, daß in dcn Tbcrmcn die unvergleich- licbcn wi'ljbckmmtcn Statuen und Gruppen, wie dcr 1400110 (181 Zsli-oäoro, ker Herkulus, dic Laokoongruppc und andere aufgestellt Warcn, gar nicbt von den prächtigen Konversgtions- und Bibliotheks- sälc112c. zu reden. Von diesen Thermen 1i'1brt uns dcr Vcrfaffcr nacb dcr Via Vlypia, dcr (Yriibcrstrafxc, dcr Grotte dcr Eacria, dem (Rrabmnl dcr (Cäcilia Mctclla, umb dcn rciiroslcn Resten der grosmrtiaen Wasserleitung, dcr Aqua Claudia. Sodann folgen wir ihm nach dem (Zirkus dcs Marcntius mit seinen rcicb ausiicstattcten Festspielen und Wcttrcnncn, daranf zm" (Testinspwrmnidc, 511 der (Ebrenpfbrte des Septimius Severus, znm Monte Tcstnccio und kcl*rcn zuriick nacb dcm Avcntin, dcm Vcstatcmpcl und dem Temple dcr 170011110 701118. Alle diesc Mommncmc Wcrdcn nicbt nur im Tektc' instruktiv acsibildcrt, sondern 0110) in großer" gctrcucn Jllustmtioncn vorgefiibrt,1rchbe Meisterwerke der Ho13sch11cidckunst genannt 01 Werdcn vcrdienen.

_ Vd" dem im Verlage von (?djrin Erblocmv in Leipzig cr- !“Öcincndcn Pracbtn'crk „Bäder und Sommerfriscbcn, Lebcnk- und Land"clsitk-bildcr WU dcn bclicbtcstcn Kurorten Tcutscblands, Oi'stcrrcikbs und der Schweiz“, sind die Licfcrnngcn 4 [“is 7 erschienen. Ticsclbkxi scbildcrn 011-5- dcr “Feder ron Fri!)- Wcrnick dic fiblcsifcbcn Bädcr: Warmbtunn, Salzbrunn, Görl'crc-dorf, Landeck, Rcincrz nnd (Tudown, „111-3- Saibscn: Sä'andau, Scbwciicrniüblc, Leisnig, Tharandt it::d 21101, aus “Tbürinacn: JricdriÖroda, Eisenach und Umgeimm, *.*icbcnstcin und Salzungen; fcrncr ans Vavcrn (lkr. M. Hausbrfch: Starnberg, Partenkirci'cn, “Ilmmcraan, T013.Tcacrnscc, Ji?!11i*.1[ und (Tbicmsce, Ykiltcnwald (Vr. H. NN). ?)icicbcul'all und Bcrcbtcc-aadcn (])-. A. Silberstcin), und „Kreuth (1)r. L. von Hör- mann). *)lUsIcr xablrcicben Tertbildcrn sind an Volibildckn [*cigcaebcn: 1)r. Vrchmcr; .Hcilanstalt in Görbersdorf, Villa Luisa- sana und Villa 316110101 (*“arola in Schandau, dic Wartburg, dn?- Scbwarzatbal, Partenkirchen , „Tcgcrnsce nnd Hobenswxrnxqau. Daran Werden sich die Landschaften von Ti- rol, Salzbum, *anzkmmncraut, Steiermark reiben. Dicicr éstlicbc Tbcil dcs deutsMn Bäkctgcbicts wird als cin abgcscbloffcncr Pracht- band fiir den Wcibxmcbtstiscb vcrbcrcitct, während dcm zwcitcn Bmidc tic Schjrcii. das Nbcinland, Franken und endlich der Bäder- stand dcr Nord- nnd der Ostsee, darunter Zoppot, Kadll'cra, Kranz, Kubrcn,1*orl*clmlten bleibt. Die Vcrlaak-bandlung fübrt die glück- licbe Idea, alle Badeorte und Sonnncrfriscben m Wort und Bild in cinem Album zu schildern, in dcr ansx'rccbcndstcn Wcisc durch und bietet unter dcm Vielen was sie bringt, Jedem, der an jenen xcböncn Orten seine Gesundbcit gckräftigt und seinen Geist erfrischt

at, etwas. Das Pracbtwcrk erscheint in 2!) Lieferungen zu je 2 „46 und bringt ca. 550“) Illustrationen.

St. Petersburg, ?. Dezember. (W. T. B.) Ein Telegramm dcs ,Porjadok' meldet den Tod des Cbiruracn Pirogoff.

Gewerbe und Handel.

Dic Akticn-Gefellscbaft „Adler“, Deutsche Port- [and-(Tcmcnt-Fabrjk zu Berlin, cmittirt scchkprozcntigc G*r:1ndsc1*ulk-Nnt[*cilsél'ci'w im Netrmc von 250000 .!4

Dortmund, 5. Tczcmbcr. (Ess. Ztg.) Die Situation dcs (?ifcngcscbästs i'": ankaucrnd cine kcsricdigcndc. In der Hock."

ofcnbrancbe liegen feste Aufträge bis 1. April nächsten ngres'in so umfangreicbcm Maße vor, daß die Hochöfen ihre_volleTbat1 keit'ent- wickeln müssen, um dieselben zu erledigen. Die sammtltcbcn5 obetsjeq- sorten verharren daher und wegen anhaltend reger Nachfrgge m' ter- gender Tendenz. Puddelroheisen notirt bis zu 68.“- und fur Spiegel- eisen wird bereits bis zu 77 „46 pro Tonne gefragt. Walzwerk- fabrikate bleiben ebenfaÜs in zunebmender Nachfrage" und verharren in der angenommenen Aufwartsbcwegung. Wahrßnd noch vor Kurzem der Preis auf 130 „46 pro Tonne erbobt worden, liegen uns heute Cirkulärs von „größerxn Werken vor, xn denen derselbe auf 135 „46 pro Tonne normrrt wird, und zwar fur größere Posten, so da für kleinere bis zu 140 „(ck angexegt Werden mu . Träger und inkel notiren 10 „M, Femkdrneisen 30 „46 höher als Stabeisen. In Verschiedenen Fayonerfensorten _ww in scbiveren Blechen erhält sich eine rege, Nachfrage Seitens der Schiffsbauwerften, fiir 1e1tere aux!) bei den Dampfkessel- fabriken. Ganz besonders vie e Auftrage baben abe'c 'm den letzten Wochen die Stahlwerke und die Klenzetsenzeug- fabriken erhalten, dazu sind noch ganz bedeutxzide Lieferungen von Oberbaumaterialien für Eisenbahnen zur Submrxsion gestellt und zwar von den RcichS-Eiscnbabnen ca. 12 000 c Schienen und Scbwe'lLen, von den säcbfiscben Staatsbahnen ca. 6200 ?- Schrenen und Kbetnxisen- zeug, von den finländischen Staatsbahnen ca. 800 t., von den boüandtschen 700 r und außerdem haben noch versÖiedene Bahnen zusammen 2700 Stück Flußstablradreife, 2840 komplette Saßachsqn zu_0ergeben, wie auch im Ganzen 104 Lokomotiven und n_abezu 3000 Guterwagerz tbeiks bestellt sind, theils zur Besteüqu in nacbster Zett g'elangen, bet deren Herstküung nicbt blos die Lokomotw- x_md Waggonfabriken, syndern auch ganz Wesentlich die Walzwerke betbeiiigt sind. Die Mas chinen- fabrikcn, Dmnpfkeffelfabriken und Gießereien 110d durchweg gut befaßt und es fehlt ihnen auch nicht an neuen Auftragen. _ In der Koblenindustric gebt cs rückficbilich des AbsaTes und, der Rax!)- frage fortwäbrcnd nacb WWW und die Preise der axren in der bis- herigen Festigkeit. Besonders ist ein reger Verkehr im Koksgeschafi zu konstatiren. London, 6. Dezember. (W." T. B.) Wollauktion waren Preise unverandert. _ _ GlaSgow, 6. Dezember. (W. TV.) Die Versckyiffungcn von Roheisen wäbrend der letzten „Woche betrugen 8161 gegen 9452 Tons in derselben Wocbedes vorigen Jabxes. . Helsingfors, 2. Dezember. Die Gläubiger der m Konkurs befindlichen Borga-Kerwo-Cisenbabn-Akiienaes'ellscb'aft werden darauf aufmerksam gemacht, daß am 20. d. M. tn Helsing- fors eine Vkrsantmlung der Interessenten dcr Vabn stattfinden wrrd, um hauptsächlich dariiber zu beratben, ob und we'lcbc Veranstaltungen behufs Veräußerung der Bahn nunmehr getroffen werds" sollen. ' Die deutschen Gläubiger, n*e[che bisber durch 131". W. 200011106 in Helsinafors Vertreten waren, werden ferner darauf aufmerksam ge- macht, daß an dessen SteÜc die Anwaltfirma des Hrn.KarlBergbom ebendaselbst gctrßten ist. , , Ncw-York, 5. Dezember. (W. T. V.) Weizcxtverschif- fungen der letzten Woche von dc'n atlantischen Häfen dsr Ver_- einigteU Staaten nach England 87000, do. nacb dsm Kontr- nent 40 000, do. von Kalifornikn und Oregon nach England 175000 Ortrs.

In der gestrigen

Berlin, 7. Dezember 1881.

So. Majestät der Kaiser und König haben die gestrige Hofjagd in der Göhrde in 21119r1)öchsteigener Perion abgßhalten. _

An derselben nahmen auch S?. Kai1erliche und Königliche Hoheit der Kronprinz, Zhre Königlichen Hoheitsn die Prinzen Wilhelm, Friedrich Carl und Albrecht von Preußen und August von Württemberg Theil.

Mit einem Jagen der Findermeuts anf Sauen im ab: gestellten Wilddikbsborst begann die Jagd bei nebligem, aber sonst günstigem Wktter Pnnkt 10 Uhr, ward gegen 12 Uhr hisrsclbst abgeblasen und nach eingenonnncnem Dejeuner mit einem Hamitjagen auf Rothmild im Diebesgrtmdc fortgesetzt.

Um 3 Uhr befohlen Sc.Majcs1ät den Schluß des Jagens und ergab die in der Nähe des Kaiserstandes verrichtete Hauptstrecke ein Resultat von 48 Hirschen, 36 Stück Rothwild und 186 Sauen. Hiervon erlegten Se. Majystät der Kaiser und König 9 Hirsche, 5 Stück Rothwild, 35 Sauen; Sc. Kaiserliche und Königlich Hoheit dcr Kronprinz 3 Hirsche, 18 Sauen; Se. Köniiilicbe Hthit der Prinz Wilhelm 3 Hirsche, 1 Stück Rotbwild, 26 Sauen; Sc. Königliche Hoheit der Prinz Frie:-rich Carl 5 Hirsche, 2 Stück Rotbwiid, 15 Sauen; Se“. Königliche Hoheit der Prinz Albrccht 4 Hirsche, 4 Stiick Rothwily, 5 Sauen ; Se. Königliche Hoheit der Prinz August von ""*iirttcm- berg 4 Hirsche, ] Stück Rothwild, 4 Sauen.

(Heleitct wurde die Ja d in Vertretung des Oberst-Jäger: inristcrs Fürsten von Pie durch ken Hof-Jägermeistcr vom Dienst Freiherrn von Heintze, Ober-Forstmeistcr Rettstadt, Loxsstmcister Duckstein, sowie die Oberförster WÜUMÜUU und

c e.

Zur chnng des AnSsuhrhandelS.

Deutsche Manufakturwaaren bilden cinen bedeutenden Einfuhrartikel in Italien, und trotz der sich entwickelnden ein- hcimischcn Industrie, _ trotz dcrzwnfnrrcnzEnglands, Oester- reichs, ?*1ankkklcks und der Schweiz, _ troß der hohen und lästigen italicniécbcn Eingangszölle, _ stehen doch deutsche Tnchc und überhaupt Manufakturwaaren namentlich in den nördlichen italienischen Provinzen mit in erster Reihe.

Dcutscl'e Reisende oder ik“. Italien ansässige Agenten und Vertre'tcr dcr Fabrikmten bcsuchen regelmäßig die Kundschaft, um Aufträge entgegen zn nehmen und es herrscht meistens eine scharfe Konkurrenz, welcbe wohl auch dazu beiträgt. das;, um große Aufträge zu erlangen, die nöthigc Vorsicht bei dem Abschluß des Geschäfts und beiVereinbarung der Bedingungen für die Lieferung nicht im Auge behalten wird. Die Auf- träge geschehen auf Probe und es herrschen in dieser chiehunn bci den verichicdcnen Auftragnehmern sebr verschiedene Usancen, nber kcine bictet absolute Garantie ncgcn Meinungsvcrschicdcn- beiten und Prozesse. _ Die italienischen Tribunale sind sehr streng, wenn die Identität der Muster nicht mehr unzweifel- haft festgestellt werden kann, und da die meisten dcutsclycn Fa- brikanten in dieser Beziehung keine genügenden Vorsichtsmaß: regeln ergreifen, so smd Streitigkeiten an der Tagesordnung, und sowohl bei gütliche" Vergleichen wie bei gerichtlicher: Aus: einandersevunaen findet in den meisten Fä.„'en der Fabrikant Schwierigkeiten, da ihm die Basis scblt, um sein Recht geltend zu machen.

Viele Reisende und Vertreter führen große Proben mit fich und geben jedem Kunden, der einen Austrag ertheilt, einen kleinen Abschnitt, ohne fich weiter dannn zu kümmern, daß die Identität gesichert bleibt. Andere Reisende, als Versteter mehrerer Häusxr, verkaufen das Produkt des einen nach dem Mustxr von anderen 0. s. m.

Die Folge davon ist, daß bei Ankunft der Waare in Italien meistens zuAnfang einer Saison, sobald irgend welche Differenzen fich ergeben, der Lieferant außer Stande ist, die

mustergetreue Ausführung des Auftrages überzeugend nachzu- weisen. Der Fabrikant muß fich alsdann meistens dazu be- quemen, um die Waare nicht bis zur nächsten Saison liegen zu lassen, um keine Zinsen und Lagerspesen zu verlieren, und um Prozxssen aus dem Wege zu gehen, den oft sehr übertriebenen Ansprüchen der Empfänger nachzugehen.

Das gerichtliche Verfahren, falls die „Identität der Probe nicht unzweifelhaft festgestellt wird, ist langwierig und kost- spielig. "Es liegt im dringenden Interesse der deutschen Fabri- kanten von Manzxfakturwaaren, Mittel und Wege ausfindig zu machen, um stch bei der Ausführung von Aufträgen nach Italien sicher zu stellen.

Das Siegeln oder Plombiren der Muster, welche als Basis der Aufträge dienen, oder. das Versiegkln der einen Hälfte unter Convert oder das Deponircn in dritten Händen, _ irgend etwas muß eingerichtet werden, damit Zwistigkeiten zwischen Fabrikant und Käufer wenigstens bei größeren (He- schäften beseitigt werden.

In früheren Jahren, wo deutsche Fabrikanten ausschließ- lich an italienische Großhändler verkauiten, welcbe dann den Einzelverkauf besorgten, kamen Differenzen seltener vor, _ aber jest, wo auch die Kleinhändler und Schneider in der Provinz direkt von den Fabrikanten und Agenten besucbt werden, erweisen sich Vorsichtswaßrcgeln in der Art, wie sie vorstshend vorgeschlagen sind, als sehr nothwendig.

Münster, 4. Dezember (Merk,) Die drei eisernen Käfi e, welcbe einst die Wiedertäufer in sich bargen und fast 350 Ja re Vom Lamberti-Tburme auf unsere Stadt binabschauten, sind, als diese bei den nötbig gewordenenRestaurationsarbeiten am Sonnabend aus der luftigen Höbe zur Erde kamen, noch in gutem Zustande be- funden wvrdcn. Nur an demjenigen, in welchem Johann von Leyden gesessen, war eine Stange beschädigt. , Dcr linksseitige Käfig wiegt 421, der mittlere 435 und der rechtssc1tige 443 Pfd.

Glarus, 6. Dezember. Der „N. Zürcb. Zig.“ wird über die Beschießung des Risikbpfes von bier geschrieben: Der aestrige Tag gab nur wenig Gelegenheik zum Schießen, so daß im Ganzen nur 40 Schüsss abgkgeben werden konnten. Daß diese Zahl kein Resultat ergeben konnte, ist wvbl selbstvcrständlich, und um so natiir- licbcr, als die genaue Distanz unbekaxmt und die Beobachtung Wegen Rebels und Schneegcstöbcrs stark crschwert Wurde. Immerhin hat sich gezeigt, daß dié 8 Ccntinwter-Grnnate das Material zu zerstören im Stande ist. Dies ist damit zu beWeiscn, das; von dem ersten Schuß, der an ciner FleWand explodirte, das Feuer ganz gut beob- achtet werden konnte, wäbrcnd bei den folgenden, die in dem Gestein sprangen, dies 11icht nwbr so klar geseben Werden konnte. Ueberdies zcrscbelltcn nur vier Stiick, während alle übrigen Granaten rcßclrecht sprangen. Als weiterer Bcwcis, daß die Leistungsfähigkeit der (Granate zu Hoffnungen berechtigen darf, mag der Umstand des HerabsaUens von Steingeröll schon nach den ersten zwei Schüssen dienen. Die Sache liegt nun fiir denwÜierenVersuckMm Sonnabend einfach so, daß der Versuch wUter forigescßt“ wird und bikrbei die Ziele etwa 20 Fuß bbbcr gslegk als gestern und gruppknweise ver- tbcilt Werden. Das becrlcgc-n dcs Treffpmtktcs geschwbt, um besser die alten TrümmermaUM zu packen und das gruppenweise Streuen, um die ganze anasgriffene Partie zu scbwäcbcn und zu erschüttern. Dabei ist die Hoffnung ausgesprocbcn, „daß der Zufall vielleicht einen Stützpunkt des stark zerklüfteten Gesteins zu zerstören gestalte. Ob noch ein kräftigeres Geschiiß berbcigeholt, oder einfach die erst zur Verwendung gestellte Munition verdoppelt Werden miiffc, wird der heutige Tag beWeisen.

Elm, 4. Dezember. (Bund.)' Gestern wurden 128 Schüsse ge- tban und damit zWei Schnitte erreicht. Ob das Schießen fortgeseßt wird, ist noch unentschieden.

Stolze'schcr Stenograpbcn- Vcrcin. Hauptversammlung Donnerstag, den 8. Dezember 1881, Abends 8_ Uhr, im Schloß- restaurant, Schloßfreibcit 8/9, Tagesordnung: 1) Vortrag des Hrn. Or. Wölfert über die internationale Lautschrift von Prof. Karl. 2) Vortrag dcs Hrn. 81011. 11:06. Manßcl über das Zeitschriftemvcscn dcr Stolzc'schen Sch1tlc im Iabrc 1881. 3) Vercinsangelegenheitcn. Zech Donnerstag, Abends 8 Uhr, im Vcreinslokale Lesc-Abcnd. (Ca. 70 stcnogravbische Zeitungen verschiedener Sprachcn_ und Systeme, sowie die neuesten stcnograpbischcn Literaturerzeugnistc licaen zur reien Benutzung fiir Stenograpben ailcr Systeme aus. (Dcr Lese-

bcnd am 29. Dezember fäUt aus.) Gäste sind willkommen.

Jm chcrtoice dcs Wallnkr-Tbcatcrs tritt “(bon heute ein tbeilwciser Wechsel cin. Statt des Si1)wmzks_,Hcrrn ckulze's Mor- genscbube' geht am beutiacn Abend dem 1101 10 vielem Beifall auf- genommenen Lustjpiel „Haus]e und 21.1010“ der Sckwank „Mein Töchterchen“ voraus. Wie das Lu1tjpicl Ut aucb dicser Schwank nacb dcm Französischen des Labicbc bearbeitet.

Der Umtauscb dcr Billers zum ".'. (Cyclus dcr Quartett- Abcndc, dcr Hcrrcn Joachim, dc Abna, Wirts), Haus- man n, findct noch bis Donnerstan, dcn 8. d. M., Abends 6 Ubr, in dcr ““Sing-Akademie statt. Erster Abend: Sonnabend den 17. d. M.

Tor Violoncell-Virtuos Lr. David Popper veranstaltete «ostern Abend im Saale dat“ c-im'4c11'adcmic ein Konzert. Unter- stüßt wurdc dcrsclbc durch die Konzi'rtsänqckin Frl. Fanny Ernst (1116 Wien und den K. K*. Kammcrvirtuoscn Hrn. - aver Scharwcnka. _ Zuerst spielte „Hr. Vorder cim" sclbstcomponirte „Suite“ für Violon- ccll mit Pimwwrtc, betitelt „Jm Walde“. In dicscm Stiicke konnte der Kdnzchcbcr scinc vollcndctc Technik in rcicbstcm Maße zur Gel- tuna brinacn. Die Komposition selbst: 8. Eintritt, 1). Gnomentanz, «. Andncbt, (1. Rciacn, s. Hckbstblume, 1“. Hcimkclrr ist schöne Salonmnsik, dic Stiicke sind zicrlich und manche Stellen von wirklich Poetischer Schönbcit, wie z. B. in dcr .Andncbt'. Spezialität deb Konzertgebcrs scbcint aber das (Pcbict dcr (Ino- mcntänzc, Elfcnreiacn :c. zu sein; das Spiel eines solcbcn Elfcnrcigcns brachte Hrn. Pvppcr aucb verdienten Her- vorruf ein. Die vorgcdmbtc .Suitc" jedoch kann allen Ccllospiclern Warm anfolÜcn werdcn. _ Prächtiqcn voll cmpfundcncn und acsangreickxcn Ton zeigte Hr. David Popper in einem Largo von Tartini. Hier erwies cr fich als der vollcn'dctc, mit ?kkccbt .*.cfcicrtc Virtuose seines Instrmncnts. Das Publikum danktc dunb lcbbaftcs Applmtdircn, und als Zugabe spicltc Hr. Popper cine Transsfrirtion dcs Schubcrtscbcn „Du bist die Rub“ und_ gab damit nach unscrer Mcinuna die Perle des Abends. _ „Nc Sange- rin Frl. Fanny Ernst 0116 Wicu, zeigte eine angcncbmc, wcicb crklm- acndc Mezzosopranstimmc von mäßiger Kraft, 'cocb störte namentlich beim Vortrage der Lieder rns starke Trcmulircn und dann die nicht deutliche Atwjpracbc. Im Uebriacn waren aber die Sachen waxm empfunden und rein acsungcn. Hr. Xavxr Scbarwcnka, dcr uncrmud- licbc, vici bcgcbrtc Konzertspiclcr in dicmn Wintcr, erfreute und be- ncistcrte das zablrcicb erschienene Publikum durch das vollendete Spiel mébrcrcr (Tborinscbchtstckc und erntete verdienten Bcifal] 1_1nd Hervorruf. Als Begleiter für die (Tcllosgcbcn und Gcmngsstucke zeigte sich in tüchtiger Weise Hr. Karcllincijtcr Plotbow.

Nedacteur: Riedel.

P.'s... de; 6705066 7570710 [) HQL“; Cloner. Drei Beilagen (einschließlich Börscn-Bcilagc).

Berlin:

zum Deutschen Reichs-Unzeiger und Königlich

NL? 2Z7.

Erste Beilage

Berlin, Mittwoch, den 7. Dezember

Preußischen Staats-Anzeiger.

1JZL;

Yichtamtlich es.

Preußen. Berlitz, 7. Dezember. Im weiteren Verlaufe der gxstrigen (11.) Sißung seßte der Reichstag d18_ zweixe Berathung des Entwurfs eines (He- seßes fort, betrefsend dle, Feststeljung des Reichshaushalts- Etats für das Etatszalx 1882/83 mit dem der Budget-

*kommissi0n zur Vorberatlmng Überwwfenen Theile des Etats

der Vexwaltung des Reichsheeres.

Dthehrforderung von 19 650 „74 für die Vermehrung der Arbeitskräfte des Ministeriums für das Militär-Vauwesen ist von der Kommtsston nicbt beanstandet worden; das Haus sprach ebenfaUs die Bewilligung aus.

Im Kap. 24 Tit. 7 hatte die Vudgstkommission in ihrer ersten Lesung 800000 «fé- ersparen wolXen durch Verlängs- runJ der Rekrutenvakanz. Auf den Widerspruch des Staats- “Mimsters'von Kameke beschloß sie, in der“ zweiten Lesung bei den Postitoxtsn fiir die Erfaßreserviften 600 000 „16 zu er- sparen, die sick) auf die verschiedenen Kapitel vertheilen. Es soÜten nämlich im Jahre 1882/83 statt 38 041 nur 29700 Ersaßreserviften eingezogen werden. Nachdem der Rsferent Aba; Frhr. von Malizahn-Gülß diesen Antrag der Kom- m1ss10n begriindet hatte, bemerkte dcr Abg. Rickert: nachdem die von der Kommission in der ersten Lesung beschlossene Ersparung von 800000 .“; in Folge der Rekrutenvakanz auf den entschiedenen Wider- tgnd des Kriegs-Ministers gxsioßen, habe die Kommission, seinemFingerzsige folgend„ sich dazu entschlossen, eim! Er- sparnis; bei den Ersaßresermsten zu machsn. Es müsse an- erkannt werden, daß der Kriegs-Minister vollkommen auf dem Boden des Geseßes stehe, wenn derselbs die Mannschaften sqlqnge, als es geschehe, untsr der Fahne behalte. Der Mmfftßk selbst sei aber bereits von diesem Standpunkte abgewichen, indem derselbe die dreijährige. Präsenzzeit der In: fanterie faktisch auf 2 Jahre 4 Monate 28 Tage herabgeseßt habe. Der Minister scheine der Meinung zu sein, daß sich bei gUtem Willen etwas ersparen ließe, aber ZU befürchten, daß derZReichstag ihn von Schritt zu Schritt von seinem Rechts- standpunkte verdrängen könne. Dies Mißtrauen sei durchaus unbegründet. Soweit es sich um die Schlagfertigkeit des Heeres handele, würde der Minister den Reichstag stets bereit finden, die nöthigen Mittel zu bewilligen. Aber er glaube, daß es auch ohne Verminderung der Schlagfertigkeit gelingen werde, auf dem beschrittenen nge weiter fortzugehen und die Präsenzzeit für den einzelnen Mann noch mehr herabzuseßen und zwar in Folge des Instituts der Ersaßreservisten, wenn nicht in diesem Jahre, so doch in der _Zukunft.

Hierauf ergriff der Bevollmächtigte zum Bundesrath,

Staats-Minister von Kam'eke das Wort:

Auf das von dem Herrn Vorredner Gesagte babe ich nur zu er- widern, daß von einem Mißtrauen der Kriegövcrwaltung gegen den Reichstag nicbt die Rede gewesen ist, und daß die Kriegsverwaltung ebenso bestrebt ist, die Militärlaftcn zu erleichtern wie der Reichstag, daß die Kriegsvcrwaltung aber glaubt, bis an den Punkt entgegenge- kommcn zu sein, den die Schlagfertigkeit dcs Hcercs gestattet.

Nach dem Etat sollten 29 700 Ersaßreservisten eingesteüt werden und zwar nach den Erläuterungen 16 000 zu zehn- wöcbentlicber, der Rest zu vierwöchentlicher Uebung. Jm In- teresse besserer Klarstellung, im Interesse des Rechnungshofes, dem die Kontrole erleichtert werden müsse, und der sick) nur an den Etat in der vom Reichstage beschloffenen Form halten könne, endlich im Sinne des Gesetzes selbst wünschte der Abg. Richter (Hagen) die beiden Kategorien mit den entsprechenden Kosten im Etat auch äußerlich zu trennen, weil sonst die Kriegsverwaltung möglicherweise die gesammte Summe von 29700 Ersaßreservisten zu dem Maximum der Uebungszeit heranziehen könne, indem sie sich die Mehrkosten dafür durch Ersparungen an anderen SteUen des Militäretats beschafft habe.

Der Abg. Rickert theilte diesxn Wunsch durchaus, obwohl er selbst ohne äußere Trennung die Verwaltung für verpflichtet halte, die beiden Kategorien von 10- resp. 4tvöchen!ltcher Uebungßzeit streng außeinander zu halten. Da der Staats- Minister von Kamele gegen diese Trennung gar nichts einzu- wenden gehabt habe, so werde er (der Referent) die redaktionelle Aenderung fiir die dritte Lesung vorbereiten.

Das Haus trat den Vorschlägen der Vudgetkommisfion in allen Punkten bei und ermäßigte in Folge dessen die betreffender: Positionen der einzelnen Kapitel um 620 000.16 Ebenso wur- den „zum Ersa ? ves Abgangcs an kleinen Feuer- nnd Hand: xvaffen, wie der elbe namentlich durch allmähliche Abmttzung der im dauernden Gebrauche dcr Truypen befindlichen Garnitur entste 1“, statt der eforderten 1490 600 „16. nur 100000001 gemä den Bcschlü en der Konnnisnon bewilligt. Beim ordent- 11chen Etat der einmaliaen Ausgaben beantragte die Kommission 130 000 „46, die als erste Rate für den Neubau einer Garnison- bäckerci und eines Dienstgebäudes in Altona gefordert wurden, zu streichen, während sie bei einer Reihe anderer Neubauten nur eine erste Rate zur Projektbearbeitung zu bewiUigen, da- gegen die darüber hinauWehende Forderung einer Summe zum Terrainerwcrb abzulehnen vorschlagc. Den beztiglichen Anträgen trat das Haus durchgängi bei.

Desgleichen hatte die Kommiss'ion im außerordentlichcn Etat des Extraordinariums die ersten Raten für die Neu- bauten von Kasernen für das Train-Bataillon des Garde: und des 111. Armec-Corps nur in so weit bewilligt, als sie ebenfalls je 15000 „46 zur Projektbearbeitun anwics, die Forderungen für den Tcrraincrwcrb in Höße von 190000 resp. 135000 «16 ablehnte. . _,

Sämmtlicbe Beschlüsse der Budgetkommisuon fanden ohne Debatte des Hauses Genehmigung; ebenso wurden dis 7T1tcl des ordentlichen Extraordinanums für Sacknen und die 6 ent: YpreclhKnden Titel für Württemberg, 972 861 resp. 796 795.16

ewi gt.

Der außerordentliche Etat dcs Extraordinariums ver- langte in 59 Titeln 2:1 466 747 %, darunter 9161605 «16 für Kasernenbauten. _

Der Abg. Sonnemann sah siÉp veranlaßt,_s0r szch und seine Partei enossen eine kurze rklärung htnslcht11ch des Extraordina ums abzugeben. Die heutinijebatte habe ge- zeigt, wie schwer cs sei, so lange das_Mtlrtärgcscß vgn 1860 in Kraft sei, im Ordinarinm des Militäretats wesentliche Er-

sparnisse durchz_ufübren. Nach langen Verhandlungen in der Budgetkomnnsfton ski es nur möglich gewesen, einen Abstrich von 620 000 5/16 herbeizuführen, an einem Etat, der seit 1874 von 267 MLÜWUSU auf 343 Millionen gestiegen sei, sich dem- nqck) jeit 7 Jayden um 76 Millionen erhöht babe, Daneben seien seit 1874 „im Extraordinarium 354 Millionen bewiUigt worden. AUerdmgs seien hierfür zum Theile besondere Fonds vkorhanden. Theilwsise ßten aber die erfordsr- lxchen Sunimsn durch Llnleihsn beschafft wsrden. In die' Unmdgkchkeit verseßt , am Ordinarium Ab- striche 0011 Bedeutung zu machen, halte seine Partei slck) pcrpfltchtxt, für die Dauer des Militärgeseßes von 1880 wenigstens im Extraokdinarium die strengsts Sparsamkeit waYten zu lassen. Die Vudgetkommission habe von den pro- 1ekt1rten Bauten schon mehrere abgelehnt. Seine Partei: genossen „wü'rden gégen jede einzelne BewiÜigung in diesem Extraordmarmzn stimmen, weil wirkliche Neubauten in Frage kanteun und nicht schon tbsilweiss frühere Theilbewilligungen vorlggen. Durch diese Abstriche würde die Wehrfähigkeit der Nation in keiner Weise becinträcbtigt werden. Seine Partei wolle „durch. dieses Votum ihrer Ueberseugung Ausdruck geben, daß die bestehende Militärlast auf die Dauer unerschwinalich exscbeine, und das; dis wirthschaftlichen und finanziellen Ver- baltmsse des Volkes durch den gegenwärtigen Zustand von Jahr zu Jahr schwerer geschädigt würdsn.

Dsr Abg. Richter (Hagen) bemerkte, an diese al1gemeine Vemexkung WOÜS sr auch seinerseits eine solche anknüpfen, um einer mißverständlicben Auffassung seines Standpunkts außerhalb öieses Hauses zu begegnen. Seine Partei sci Über- einstimmend mit dem Vorredner dsr Ansicht, daß die gegen- wärtige Militärlast im Verhältniß zu der wirthsolmstlicben Leistungsfähigkeit des Volkes zu 1306) sei und' daß auch Er- sparnisse gemacht würden werden könnten, ohne die Wehrkrast des Landes nach anßen hin zu beeinträchtigen. Seine Partei habe zu jeder „Zcit versucht, diesen Standpunkt geltend zu machen, namentlich habe sie f. Z. bei Gslegenheit der Veralhnng dss Militärgeseßcs geacn die Erhöhung der Präsdnzftärke gestimmt, und obwohl durck) Annahme desselben die Befugnisse dieses Hauses sehr eingeschränkt seien, habe seine Partei doch noch im Einzelnen versucht, Ersparnisse zu machen. Er ha1te es aber nicht für angemessßn, nun von diesem Standpunkke aus in Pausch und Bogen sich gegßn sämmjliche Neubauten zu erklären. Er könne es doch nicht lextgncn, daß auch für denjenigen Bestand der Armee, den feme Partei für nothwendig halte _ seine Partei unterscheide sick) ja von der rechten Seite dieses Hauses nur in dem Mehr oder Weniger, keineswegs meine er, daß das Land durch eine Miliz oder Bürgerwehr verthéidigt werden könne _, gcwiffe bauliche Aufwendungen nöthig seien. Man könne unmöglich alte Kasernen und Lazarethe _ es handele sich doch hier vor- zugsweise um Ersatzbauten _ verfallen lassen, Um sebließlich doch neue an deren Stelle seßen zu müssen. Der Radika- liSmus des Vorredners würde nicht zu einer Verminde- rung der Last führen, sondern dieselbe noc!) mehr erschweren. Er meine auch, daß diejcnigen Soldan", die man in Deutsch- land dauernd nöthig habe, auch hkntc noch nicht voUständig kasernirt seien; man müsse daher 7100) eine gewisse Zahl von Kaserncnbauten bewiüiacn, falls man nicht überhaupt das Prinzip habe, daß die Soldaten bcsser in Bürgerquartieren untergebracht würden _ einc Anschauung, die dem Vorredner im Lande wohl wenig Beifall verschaffen diirse. Er halte daher das von dem Vorredner vorgeschlaaenc Mittcl dcr Oppo- sition für untauglich und sachwidrig 11110 könne sich ihm des- halb nicht anschließen.

Der Abg. von Bühler (Ochringen) hielt diese Gelegenheit für passend, um die Erklärung abzugeben!, daß er seinen Ab- rüstungsantrap, wenn nicht in dieser, so doch in der nächsten Session wieder einbringen werde. Die darin vorgeschlagene Maßrcgel scheine ihm dcr einzige Weg zu sein, um das von den Vorrednern angestrebte Ziel zu erreichen.

Titel 1_5 wurdcn darauf bewilligt.

Bci Titel 54. „Zur Errichtung eines Militär-Knaben: Erziehungs = Instituts mit Unteroffizicrvorschnle in Neu- Breisacl) 1. Rate 260 000 .16.“ erklärte der Abg. Richter (Hagen), der Gedanke, Unteroffiziervorschulcn cinzurichten, sei ein ganz neuer. Die erste derartige Schule sei in Anna- burg errichtet, ohne Mitwirkung dcs Reichstags auf Grund des Pauschqua11tums; dcbattirt sci die eXmas im Reichstag erst im Fahre 1878 bei Gelegenheit der Errichtung der „Weil- burger nterosfizietvorschule, die nur mit geringer Maxoritiit genehmigt sei. Er halte die Einrichtung solcher Anstalten, Wie die hier vorgeschlagene, fiir verfehlt, weil fie auf dem Prinzip beruhten, junge Leute schon zu einer Zeit für einen Beruf z_u bestimmen, wo sie über denselben noch kein klares Ur1_he1l haben können. „Zudem werde dadurch eine kastenmägige Abschlicßung cinze ncr Stände herbeigeführt, der man, in der heutigen Zeit gerade entaeqentrclcn sollte. . Bei der hier por: geschlagenen Knabenschule werde schon em crft 121ährtges Kind dcm Unteroffizierberufe entgegengcsührt, dem es sich später, falls es keine Neigung dazu mehr habe, nur unter großen Opfern cntwindcn könne. Der Schü- ler müsse die Verpflichtung übernehmen, für jedes Sebul'ahr 2 Jahre im Heere zu dtcnen' wolle der- selbe iich von dieser Pflicht befreien, so müsie dem Staat eine Entschädigung von 465 .“: pro Jahr ge ahlt werdet]. Das; bei den hier in Betracht kon1mcnde_n Ver "ltniffxn die Ausbringung einer solchen Summe betzmlsx unmöglich set, liege uns der Hand, Der Umstand,_ daß „111: diese Anstalt schon viele Anmeldungen vorlägcn, 10112 mehr ms Gewicht. Die Zahl der Eltern, die bereit seien, ihre Kinder auf Staats- kosten erziehen u lassen, werde stits _1eider _ sehr be- deutend sein. ?Die französischen.Vcrh0ltmffe,_ aus die zur Empfehlung dieses Instituts hmgewwsen sci. „lagen dock) wesentlich anders als die deutychen. Dort sei der Unter- offizierostand mehr chensvcruf, izt Deunchiand sei, derselbe vorzugsweise ein Durchgmmostadmm zu cmer Ctmlstellung. Er bitte in dieser Fra e nichts zu iibxrstürzcn und wenn das Haus irgend zweifelhat sei, die Ponttou abzulehnen._

Der Bundeßrat Qkonnniffar Hauptmayn Habcritpg „ent- segnete, die Knabenéchule soUc nm): [LOigllch eme militärische

Vorbildung geben, sondern auch für den späteren Civildienst bxauckzbar machen. Sie 70112 eine vierklassige sein Und der Eiytrttt Mit dem _11. Lebensjahr erfolgen. Was die Ver- pflichtnng bxtraffe, die dancbülern auferlegt werde, so müsss 160617, der die Unterofftzwrvorschule und die Unteroffizierfchule durchmache, achthhrs dienen, die zuzüglich der in der loßteren dnrchgemachten Zett eme aktive Dienstzsit von 103011an dar- steYtetx. Auch der Vorwurf der Beschränkung der Wah1frei- heix Hinsichtkck) des Berufs scheine ungerechtfertigt; dsnn bei unsxe1w1_61gex Entlassung eincs Schülers _ und diese trete gewbhnnck) 9111, 1061117016 Leistungen nicht genügten und kbine g-«nugeride Qualifikation vorhanden s€i _ höre jede Verpflich- tung desselben auf. Außerdem könne jeder Knabe mehrere Monate [_ang proboweise in der Anstalt bleiben und, faÜs dersc1be sick) 711ch0gef011€11 sollte, dieselbe obne Erstis verlassen. Uebxtgens sti die Einrichtung der Schule durch den Unter- offiziermangel, der noch herrsche, geboten.

'Derng. „Simonis bemerkte, er würde nicht in die Dis- kussion eipgcgriffen, haben,_ wenn nicht die lewuptung auf- L_LsLLÜT ware, daß dze Elsäsder aus der französischen Zeit sich 2016 besondere Neigung, Unteroffizier zu werden, bewahrt hqtten._ stse Behauptung, die dem Reichskanzler entlehnt set, set LksUUdLU und habe seiner Zeit im Elsaß Staunen erregt Man habe sich damals erinnert, das; aus dem Elsaß 1_40 Generale hervorchangey seien. Er protestire daher gkgen die Bxbaupturxg. das; 016 El1äffer nnr zu Unteroffizieren taux]: lxch fSten. Uebrigens beweise die Negierungsvorlage nur, daß ein Defékt in dem deutschen Schulw-Zsen eingetretcn sei. Hätte die Regiernng den Katholiken ihre Primär: und freien Schulen gelassen, so'würde 26 dieser kostspiekigen Vorlage nicht bcdurft haben. Seme Vgrtei werde daher diese Position ablehnen.

Der Abg. Richter (Hagen) entgegnete, die Fraxxe, die er vorhin berührt habe, sei eine deutsche Frage Und habe mit ElsaßzLothringen' gar nichts zu thun. DLL? Abg. Sinwnis hgbe ihn auch imßvsrstandcn, wenn derselbe glaube, daß cr dw Elsässer unterschätze. Er habe nur gssagt, daß es fraglich set, 00,018 Ncmung, Unteroffizier zu werden, ]“th 1106) so groß set als früher. Der franzö1ische Unteroffizier nehme eben eme gudere SteÜung ein und habe ein andcrcs Avancement vor sick). Dem Regierungskonimissar müsse cr bemerken, daß dcxsel'be kam??) seiner Bedenken beseitigtlxabe. Wenn im Elsaß 101rk11ch so große Neigung vorhanden sei, als Untcroffi ier in 019 Armee zu treten, warum habe es denn hier einc Reiz: mittels bedurft, das in dem Übrigen Deutschland nicht Dor- handen sei? Er habe dann weiter gesagt, das; noch 3000 Manqiiements an Unteroffizieren soien. Das wolle gar nichts besagen gegeniiber den 50 000 bis 60000 etat6nxäßigen UnteroffiziersteUen der deutschen Armee. Der Rest dxr Manquementö werde in den nächsten Jahrcn ganz verschwinden, da dieselben schon chi gegcn das vorige Jahr bedeutend abgenommen hätten. Nun sage man, das Bedürfnis; einer solchen Schule sci fsbr groß im Elsaß, die Zahl der Anmeldunqsn ssi eine derxrtige, daß nur ein Theil derselben berücksichtigt werden könnte. Er alaube, daß es immer Eltern, die das Bedürfnis; haben, il)rc Kinder auf Staatskosten zu erziehen, in großer Anzahl geben werde. Man könne sich davon sogar hier in Berlin Über: zeugen. Abc'r gerade die Bedenken, die er am schärfsten her: vorkehrs, seien durch den Regierungskommissar nicbt abge- Zchwächt wordkn. Die_ Knabenschule, die jest i11Ncn:Brei:

ach errichtet wcrden 10119, sei eine ganz neue Einrichtung, denn die in Annaburg bestehende Schule sei lcdialicl) für die Kindor von Unteroffizieren bestimmt. Nun foÜtcn in diese Schuledie Knaben mit dem elst-m Jahre, also noch früher,_ als er angenommen habe, aufgenommen und da schon em1chieden werden, was aus dem Kinde wcrden sol10. Nicht einmal finanziell empfehle sich ein solches Ver: fahren, denn die Behörden hätten selbst bekundet, das; der dritte Theil der in die Unteroffizierschulen Aufgenommenen sich später als untauglich erweise, und also auch dcr dritte Theil der Aus-gaben umsonst gemacht sei. Wenn endlich die Regierung noch im Unklaren darüber sei, 01) die Vsrpflicbtung für jedes Schuljahr zwei Jahre im Heere zu dienen auch auf die Knabenschule ausgedehnt werden solle, so begreife er nicht, was den Reichstag bewegen solle, ein so bcdcnkiicbes Institut 11 schaffen. Er empfehle daber unter der gegenwärtigen Hincxleage diese Position wenigstens für dieses Jahr zu trei en.

Der Bundeskommiffar bemerkte, daß das Manqncmcnt von 3000 Untoroffizicren sich allein auf Preußen vcziche, welches etats-mäßig 39,000 Unteroffiziere haben solle.

Der Abg. Petersen erklärte, er müsse den Ausführungen des Abg. Simonis widersprechen. Das Schulwesen in Elsaß- Lothringen abe slch seit der Annexion nicht verschlechtert, sondern im egcnthcil verbessert. Der Abg. Simonis könne für seine Behauptungen auc."- der Vorlage elbst kein Aramncnt entnehmen. Es bestünden bereitssolcheS ulcn in den iibrigen Theilen Deutschlands, dieselbensollten nun auch in den Reichs- landen eingeführt werden.

Der Abg. Richter (Hauen) bemerkte, man habe darauf hingewiesen, das; bis zum 17. Jahre ein Drittel der Zöalinge wegen körperlicher Untauglichkeit aus den Unteroffizier- vorschulen entlassen worden seien. Dieser Uebelstand werde jest noch viel größer werden, weil die Aufnahme in die Schule nun schon im elften Lebensjahre stattfinden solle. Es habe dann der Zögling im Falle der etwa erst zur Zeit seines Eintritts in die Armee zu Tage kommenden Untauglichkeit einen Verlust von acht Jahren zu beklaßxen. Auf praktische Erfahrungen könne man_ fich bei diesen n alten noch nicht berufen, da die 1111terotfizicrvorschule in eilburg erst seit 1878 benehe; dic Zöglings derselben könnten also gar mcht in die Armee eingetreten sem.

Der Alm, Vr. Lasker erklärte, es handele sich hier um Einführung eines neuen Erziehungssystxms. Denn es liege nicht ein Spezialfall vor, sondem es sollten systematisch zu Unteroffikicrs ulen Vorschulen, und zu diesen wieder Knaben: chulen en e chtet werden. Er glaube, der Reichow könne ür dieses ahr die vorliegende Frage noch offen in en, da die Vorberathung derselben in de; Vudgetkommisfion eine. nicht gcnügendc gewesen zu sein scheme.