1882 / 73 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Sat, 25 Mar 1882 18:00:01 GMT) scan diff

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Yiehtamtliches.

Deutsches Reich.

Preußen. Berlin, 25. März. Se. Majestät der Kais er und König empfingen heute den zu der Botschaft in Wien kommandirten Flügel-Adjutanten Oberst-Lieutenant Grafen von Wedel und hörten die Vorträge des Kriegs- Ministers von Kameke sowie des General=Lieutenants von Albedyu. Ferner nahmen Se. Majestät die Meldung des zum Commandeur des Regiments der Gardes du Corps er- nannten Obersten Grafen von Schlieffen entgegen.

Gestern fand bei den Kaiserlichen Majestäten ein kleineres Familiendiner statt.

Ihre Majestät die Kaiserin und Königin er- schien mit ihren Königlichen Hoheiten den Großherzoginnen von Baden und Sachsen sowie Ihrer Königlichen Hoheit der Prinzessin Albrecht in der Delegirtenversammlung ch Vater- ländischen Frauen-Vereins und der Landes-Vereine.

_ Ihre Königlichen Hoheiten der Landgraf, die Landgräfin von Hessen und Prinzessin Tochter Elisabeth find mit dem Gefolge am Frsitag Abend von hier nach Schloß Philippöruhe abgereist.

_ Die vereinigten Ausschüsse des Bundesraths für das Landbeer und die Festungen, für Zoll: und Steuerwesen und für Rechnungswesen, die vereinigten Ausschüsse für Zoll- und Steuerwesen und für Handel und Verkehr sowie der Ausschuß für Zoll- und Steuerwesen hielten heute Sitzungen.

_ Der Schlußbericht über die gestrige Sitzung des Hauses der Abgeordneten und das Protokoll der neunten, Sißung des Volkswirthschaftsraths befinden s1ch in der Zweiten bezw. Dritten Beilage.

_ Die Königliche Akademie der Wissenschaften hielt am 23. d. M. eine öffentlichß Sitzung zur Feier des GeburtstageS Sr. Majestät des Kaisers und Königs. Der an diesem Tage vorsißende Sekretar, Herr du Bois=Neymond, hielt die Festrede, in_welche er die neuer- lich oft vernommenen pessimfftischen Ansichten Über (€“:gen- wart und nähere Zukunft der Wissenschaft zurückwies und von den neuen Einrichtungen einige Nachricht gab, welche bei der Akademie getroffen wurden, um den Forderungen der Gegen- wart gerecht zu werden. Alsdann folgte eine Reihe von Berichten über die Thätigkeit der der Akademie verbundenen Institute und die von ihr geleiteten wissenschaftlichen Unternehmungen. Hr. Curtius berichtete über den Fortschritt der lateinischen und griechischen Jnschriftenfammlungen, Hr. Zeller über die Her: aUSgabe der Aristoteles:Commentatoren, Hr. Duncker Über die der politischen Correspondenz König z-riedrichß U., Hr. Waiy über den Fortgang der U0num811ta Srmanias 1118101108 , und endlich Hr. Conze über die Thätigkeit des Kaiserlich deutschen archäologischen Instituts während des zu Ende gehenden Rechnungsjahres. Der Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten, Hr. von Goßler wohnte mit den Spißen seines Ministeriums der Feier bei.

_ Die Bestimmungen unter Nr. 111. der allgemeinen Verfügung des Justiz-M-inifters vom 16. Juli 1879, durch welche die Gebühren und Reisekosten der Gericht§= voll'zieher für die Ausführung vereinfackter Zustellungen awauhend yon den Vorschriften der Gebü renordnung für Gertchtsvo11z1eher geregelt sind, (werden durch eine Verfügung desselben Ministers vom 18. d. M. vom 1. April 5. I. ab aufgehoben. '

_ Nach einem Urtheil des Reichsgerichts, [[[/Straf- senats, vom 4.Ja11uar d. J., begründen Vorxheile, welche behufs Wiedererlangung Liner auf Rückkauf verkauften Sache gewährt werden, ohne daß bei dem Avscküuß des Rückkauf?“- aeschäfts darüber eine Vereinbarung getroffen worden, keinen Wucher. „Zum Thatbestand des Wuchers gehört nach §. 302 a. des Strafgeseßbtxchs das Sich=Versprechen= oder :Ge- uzährenlassen unverhältmßmäßiger Vermögenßvortheile für em Darlehn, odcr im Falle der Stundung einer Geldforderung unter Ausbeutung der Nothlage 2c. Die Anwendung des Ge- seßes setzt hiernach,wie tas Reichsgericht bereits in einem ähnlichen XaUe anerkannt hat, voraus, daß es sich um Erlangung des Darlehns dder der Stundung handelt, und der Nachsuchende, um es zu erhalten, durch vorhandene Notblage 2c. sich zur Gewährung der unvexhälfnißmäßigen Vermögenßvortheile be- sitmmen läßt. Handelt es sich um Rückzahlung des empfan- genen Darlehns Seitens des hierzu bereiten Schuldners, so kann eine Nothlage im Sinne des Geseßch nicht angenommen werden. Nicht die Erlangung des Darlehns oder der Stran- dung ist der Erfolg der durch die Aufwendung erreicht werden soll, sondern die Befreiung von der Darlehnssckmld und der Rückempfang des Mundes. Das nachträgliche Verlangen und Annehmen einer vorher nicht versprochenen übermäßig hohen Vexgütung für die bereits stattgefundene „Benutzung des Dar- sgßlxhenen enthält nicht immer Wucher“"-1'm Sinne des Ge- e e .“

„_ Se.,DuxchlauckU Hei11richck(]]1. Prinz Reuß, GenerabMawr, General :*; 1:1 5uit0 Sr. Majestät des Kaisers und Kömgß un_d Commandeur der 11. Kavallerie-Brigade, hat heute Berlm mteder verlassen.

Bayern. München, 23. März. (Al]g. Ztg.) Die Kammer dex Abgeordneten nahm hente den Etat der ZöUe und indtrckten Steuern nach unwesentlicher Debatte un- verändert nach den Aussckzußanträgen an. Die Reineinnahme wurde auf 38 542 520 «46. _ um 650 000 „46. mehr, als der Regierungsentwurf veranschlagte _ festgesetzt. Bei Fort- sesunn der Debatte über die Petitionen, betreffend die Behandlung der Schulversöumniffe, erklärte der Kultus- Minister, d_aß er aus Anlaß der vorgebrachten Be- schwerden em? Untersuchung der ganzen Angelegenheit und eine Rsviston der betreffenden Vorschriften herbeiführen werde. Der hierauf abzielende Antrag des Ausschusses wurde sodann angenommen deSgleichen der weitere auf Erseßung derweltlichen Schulinspektoren des Regierungsbezirks Schwaben und Neuburg durch Geistliche gerichtete Antrag, welchem gegen- über der Abg. von Hörmann die Einführung der weltlichen Inspektorep eingehend vertheidigt hatte.

_ Dte „Ang. Ztg.“ schreibt: Die lange Dauer des Landtaßs hat abermals einen in das Gebiet der ReiY : gesesge ung eingreifendeq Antrag zur Reife gebra t; es hat Hr. Abg. Biehl m1t 30 Genossen aus der vereinigten Rechten beantragt, d1e Kammer wolle beschließen: „An Se.

Majeßät den König sei die Allerehrfurchtsvonste Bitte zu stellen, Allerhöchstdieselben wollen die Bevollmächtigten Bayerns zum Bundeérathe anweisen, auf eine balYige Revision der Reichs-Gewerbeordnung in der Richtung hinzuwirken, daß obligatorische Innungen auf korporativen Grundlagen ein- geführt werden, welche die gebührende Selbständigkeit besitzen und mit allen zur Kräftigung des Gewerbes, zur Aufrecht: haltung und Stärkung der gewerblichen Standcsebre und zur Heranbildung tüchtiaer Lehrlinge, Gesenen und Meister er- forderlichen Befugnissen aUSgerüstet smd.“

Baden. Karlsruhe, 24. März. (W. T. B.) Die Eisenbahnkommission derZweiten Kammer beschloß mit 13 gegen 2 Stimmen, der Kammer die Ablehnung des Geseßentwurfs üher den Bau der Höllenthalbahn anzu- empfehlen.

_ Bei der heutigén Berathung desEisenbabnetats durch die Zweite Kammer wurde von dem Abg. Edelmann (ultramontan) und Genossen zu dem Etatstitel „Nemune- rationen“ beantragt, das; die Nemunerationen, mit Yusschluß der höheren Beamten, nur an die Beamten mit einem Gehalt unter 2900 «. vertheilt werden soUen. Der Finanz-Minister Elstätter bezeichnete die etwaige Annahme dieses Antrags als em Mißtrauenßvotum; gleichwohl wurde der Antrag von der Kammer angenommen.

Mecklenburg=SchWerim Schwerin, 24. März. Die Kaiserfeier ist am 22. März aufs Festlichste in ganz Mecklenburg begangen worden. Bei der vom Obersten von Giese kommandirten Parade auf dem Alten Garten in Schwerin richtete der Divisions=Commandeur, General:Lieutc- nant Graf von Wartensleben eine kernige Ansprache an die Truppen und brachte bei dem Offiziersdiner das Hoch auf Se. Majestät den Kaiser aus.

Der Erbaroßherzog vonMecklenburg-Sck)werin beging am 19. 1). M. in Palermo auf der Vina de?» Fürsten Pandolftni seinen 31. Geburtstag. Dem Diner Zvokzntx 'der Großfürst Constantin ConstantTtmwitsck) von Ruß- an 61.

Oesterreich=Ungarm Wien, 24. März. (W. T. V.) Nach dem „Fremdenblatt“ wird in Abgeordnetenkreisen ange- nommen, daß der Zusammentritt der Delegationen in der ZW zw1schen dem 15. und 17. k. M. erfolgen werde. Aus m1l1tärischen Kreisen verlaute, daß zur Aufrechterhaltnng des Kriegsstandes bis zum Monat August, von wo an die Ab- rüstung zu erhoffen sei, höchstens 6 Millionen, und bis zum Jghressckzluffc weitere 3 Millionen erforderlich sein würden. Ems gle1che Summe werde für die Erhöhung der Okkupations- Yosten in der nächsten Zeit angenommen. Die Befestigungen m der Herzegowina dürften etwa 500000 Fl., welche in das Budget für BOSUien einzusteüen sein würden, und die Ka- sernenbautkn Und Befestigungen in Süddalmatien etnza 1 M19. in Anspruch nehmen.

__ Der Z'ollausschuß hörte heute die Sackwerständigen Über dxe Tartfir'ung der Wollwaaren und nahm nach längerer Debatte, m welcher der HandelSminister erklärt hatte, wcsgen der Vereinbarung mit Ungarn auf dem Entwurfs der Regierung hehakren zu *Bnüséen, die Positionen 152 bis 158 des ZoUtarrfs unverändert nach dem Antrage der Régierung an. Chlumeßky kündigte Abä11derung§a11träge als Anträge der Mmorität an.

' _ Dix „Politische Correspondenz“ meldet: Die 111) Nexch§=F1nanz-Ministerium tagende Justizkommission rmrd' m den nächsten Tagen ihre Berathungen über die CYVLlproz?ßord11u11gfÜr BoLUien und die Herzego- w'ttza abschlLeßen. Die neue durch eine Instruktion ergänzte C1ytlprozeßordnung wird ein auf Mündlichkeit und ziemlich tye1tg€hex1de Jnappellabilität basirtes, von Formalitäten thun: [tchst freies, möglichst rasches und kostenloses Verfahren ein: führen. An dcn Kommissionsberatl)ungen nehmen außer [)er- vorragenden ReckUSgelehrten beider Reichshulften auch mchrcre Beamte und Richter aus VWnien, darunter dsr Kadi des Gernhtshofeéz zu Serajewo, Theil. _ Wegen Schneever- wehung und Lawinknsturzes ist dsr Eisenbahnverkehr am Brenner auf der Strecke Steirxach-Sterzing eingestellt worden. Die Unterbrechung dürfte einiße Tage dauern.

_ Aus RagUsa, 19. März, wird der „Pol. Corr.“ gemeldet:

Seit zehn Tagen ist" die BeWäxtigung dcr Krivvöcie einc WU- endete Thatsachen Zn Sud - Dalmattcn sind daher die militärischen OHergtwnezt als abgesxbloffen zn bctracbten, ux1d cs erübrigt jcßt ledtg11ch dlc dauernde Sicherung des Errungcnen. Dieselbe “wurdc unmxttclbar nach der Vertreibung der Krivoscianer aus ihren Stel- lungen_ qm 9. d. M. praktisch in Angriff genommen, indcm nur die zur Dwrsßon Kyber (Trebinje) gehörigen Truvpcntbeile über Castel- nzwvo m dre südliche Herzegowina zuriéckbeoxdert wurden, dxc, fieberx Bataillone und chi Gcbirgöbatfcrikn “der Di- vxsxon 'thtc'rbaldcr abcr, Welche an den Kämpfen in der Krtvoscte Thall genommen hatten, oben blieben. 21118 bebcrrschenden Punkte, von_ welchen aus die Zugänge won dcr Seeküstc in das In- ner_c der Krtvosctc bis an dte montenegrinisebe Grcnzc militärisch gcstcbxrt w§r6e11 könncn, find besetsxt. Im Augenblick handelt (6 sich 111 erster Lime darum, für die dre Krivoöcic besetzt baltendcn Trup- PW, welche Wogen, Mangels an Unterkünften znmcist bivouakircn muffxn, so rasch rvte möglich Notbuntcrkünfte zu schaffen. Glücklilhcr Wetje [)alt'kzas milde Frühlingsu'etter bis jcxxt dauernd (111, so daß dte 11achthe111gen Folgen des längcrc'n Bivonak sick.» bisher kcincs- Wegs sehr sublbar machten. Dazu tritt noch der Weitere bcrubigendc Umstand, daß schon m wemgcn Tagen die ersten Notbuntcrkünfte bergelstcllt 12111 werden.. Man MW 7117.) dabei vergegenwärtigen, dgs; jedcs Stuck Holz, 1213er Nagel und jeder Ziegel auf Schiffen in dxc Bycca ge_bracht' und dann durch Mcnscbcn oder Tragjhiere über gewaltige Felxenacbtrgc geschafft werden müssen, bis fie nur den erst durch vielfache Sprengungen zu ebnenden Bauplatz erreichen. _ Die Jmurgenten befinden sich noch immer auf den nördlichen Randböben der Hochebenechn Dvcrsno (dcs Draaaler Kessels), unmittelbar an der nzontencgrtznsckycn Grenze, ohne dicsclbe überschritten zu habcn. Nux thore Famzlixn wurden nach dem Beginne dcr Vorrückung der Karscrltcb Kömgltckpen Truppen am 8. znmcist nach den kleinen Ort- scZzaft'en auf der Hochebene von Grahovo gebracht. Was die auf den nqrdltchen Randbölyen yon Dragal zurückgebliebenen KrivoScianer be- trtfft, so jst d'ercn langeres Vechilen daselbst schon aus dem Grundgunthugltä), weil die Macia-Planina Weder Unterkünfte, noch Waffer tn aenugender Menge zu bietxn vermag. Die in Folge dessen unter den Jnsur en_ten fich verxnutblrcb schon fühlbar machende Noth mag wvbl hie rtebfeder klemer,Unternehmungen sein, Welche von einzelnen Imurgentenbaufcn ,in ziemlich waghalsigcr Weise versucht nZurden. Gru pen von 15 hrs 20 Mann versuchen, begünstigt durch dteOrtokctxntn f; in der eigencn Heimatb und durch die außerordentliche Zerrissenbett des Terrains, zwischen_den K. K. Posten und Patrouillen un_hemerkt durchzuschleichen und det sich darbietendcr Gelegenheit im Nacken der Truppen einen Raub oder Anschlag aUSzuführen.

Großbritannien und Irland. London, 24. März (W. T. B.) In der heutigen Unterhaussißung erklärte' der Unterstaatssekretär Dilke auf eine Anfrage Leanjy's. die Regierung der Vereinigten Staaten von Nordamerika seZ dahin vorstel_1ig geworden, daß die nordamerikanischen Bürger, dle auf Grund der irischen ZwangSakte ge; fangen aesest worden sejen, entweder vor Gericht gesteÜt oder freigelassen würden; d1e Regierung sei mit der Erwägung dieser Vorfieüung gegenwärtig beschäftigt. Von dem De,- putirten Ritchee wurde dtx Ernennung eines Ausschusses beantragt, der den Emfsuß der fremden Zolltarife auf den britischen Handel und die Möglichkeit, die Hindernisse für die Entwickelung der britischen In- dustrie durch Geseße zu beseitigen, untersuchen son, Northcote unterstützte diesen Antrag. Der Premier G ladstonz bedauerte den Frontmechsel Northcote's, der ihm vielleicht durch seine Position aufgezwungen sei, weil die Annahme des Antrages die Ansicht hervorrufen würde, daß der Freihandels- kampf wieder beginnen solle; er verlange deshalb entschieden die Verwerfung des Antrages. Derselbe wurde schließlicbmjt 140 gegen 89 Stimmen abgelehnt. Die Minorität bestand aus Konservativen“ und Anhängern Parnells.

Frankreich. Paris, 23. März. (Fr. Corr.) Man liest im „Tempß: Ein Blatt hat genrcldet, daß der Minister- Vräsident unseren Geschäfté-träger in Konstantinopel angewie- sen hätte, die in der Türkei weilenden tunesischen Unter- thanen nicht mehr als Schüßlinge der französischen Regie.- rung anzusehen. Eine solche Instruktion ist nicht erthejlt worden. Die Wahrhe1t ist, daß der Minister dem Comité für internationale Streitsachen eine kürzlich aufgeworfene völker: rechtliche Frage vorgelegt hatté, deren Lösung vor einigen Tagen erfolgte und den Vertretern Frankreich?- im Auslande mitgetheilt worden ist. Es handele sick) darum, ob die tunesischen Unterthanen im Auslande ihr psrsön- liches Statut verlieren und die Rechtswahlthat gewisser von Frankreich geschloffener Verträge anrufen können. Um den “Fall genaner zn präzisiren, so hatte ein in der Türkei an- ;ässiger Tunese in einem gegen ihn angestrengten Prozesse verlangt, von dem französischen Konsul nach den Kapitulationen gerichtet zu werden. Das Comité für internationale Streitig- keiten hatw entschieden, daß die Tunesen ihr persönliches Statut im Auslande nicht verlören und mithin auch die Nechtswohlthat der Kapitulationen nicht anrufen könnten. Dadurch geschieht aber den Vestimmunaen des Vertrages vom Bardo kein Eintrag, nach welchem die Interessen der Tunesen unter den SchUß der Vertreter Frankreichs im Auslande gestSÜt sind.

Serbien. Belgrad, 24. März. (W. T. V.) Die Präfekten Und Unterpräfekten der radikalen Kreisstädte Uschißa, Czaczak, Kruschewac, Ciupria und Zagodina sind dUrch andere Beamte erseßt wordLn.

Rußland und Polen. St. Petersburg, 22. März. (S1. Pet. ng.) Dem Geburtstage des Kaisers W1lhelm wxdmet der „Golos“ heute einen pictätvollen Artikel.

Der greife, nunmehr 85jährige Kaiser könne mit vollster' Genugthuung auf sein Leben Und seine 21jätzrige Regierungs- zeit zurückblicken. Aus dem Deutschland, das damals nur ein geographischer Terminus gewesen, sei 1"th die stärkste Macht in Europa, und die Deutschen seien eine der ersten politischen Nationen geworden. Nach einem Rückblick auf diese Periode,. deren Abschluß dem Begründer des Deutschen Reiches für immer 111 der Erinnerung der kommenden Generationen eine Aureole verliehen habe, und nachdem der „Golos“ die allge- meine Liebe und Achtung betont- hat, die der Kaiser beim ganzen deutschen Volke genießt, fährt er fort:

„Auch unter uns Russen erfreut sich Kaiser Wilhelm solcher Achtung. Mit seinem Namen verbindet sich in u:]scrcn Ge1ül)l€n'un'd Begriffen auch sofort die Vorsteüung der engen und atxfr1chttgen Freundschaft, dio zwifchen ihm und unserem unvergeßlichen Czar:Befreier bestand. Sic», die in früerZ'u: gend en1stand, wuchc3 und befestigte sich immer mehr. Wir haben kem Recht, an das Gcheimniß der persönlichen Bczié- hungen zwisckxen'den beiden Kaisern zu rühren, aber wir kön- nen nicht umhin, die Voraussetzung anSzusprechen, _ und eine durch Thatsachen begxündete, wie uns scbcint, _ daß diese unver- änHerliche Freundschaft nicht blos auf persönlichen Gefühlen bastrte und nicht allein durch Verwandtschaftsbande begründet war, sondernvorzüglichauchdurch das beiderssitige tiefe und rich- tige Verständniß für den Umstand, daß eine solche Freu"?- schnst Rußland und Dentschland in gleicher Weise Nutzen bringt und durch gegenseitige politische Interessen bedingt ist.

_Daß Bewußtsein dieser in gewissem Sinne bxstehendeu Soltdarttät d_er politischen Interessen Rußlands und Deutsch- lands trax der beiden Kaisern in gleicher Weise klar zu Tag?. Kmscr Wilhelm hat es mehr als einmalaußgesprochcn, daß die russtschenTruppen und die deutscheArmee zusammen nur neben ein- ander kämpfsn können gegen einen gemeinsamen Feind, nie- mals aber m einem tödtlickxn Kampf sich gegenüber stehen werden. Er war von der festen Ueberzßugung Seines erhabenen Neffen durchdrungen, daß es keinerlei erniinstige Gründe gebe, die zwet VHlkcr mit einander in einen Kampf veérwickeln könnten, Miche tm Laufe ei_:1€S Jahrhunderts friedlich neben einander gelebt haben und xür die weder historische Traditionen, noch nationaler Antagonismus, noch religiöse Feindschaft Veran- lassung zum Haß gaben. Als am 7. Februar 1871 Kaiser Wilhélm Seinem Freunde, dcm Hochseligen Kaiser, die Be- dingungen dxs Friedens mit Frankreich mittheilte, da kamen in der Antwort Alexander?- 11. folgende unvergeßliche Worte vor: „Möge die uns verbindende Freundschaft unseren Staaten zum Glückc und Nuhme gereichen.“

ES _ist anzunehmen, daß Kaiser Wilhelm diese Frcnnd- schaftsgejühle auch auf den Sohn und Nachfolger des Czuk- Befreiers übertragen hat. Die Entrevue zu Danzig bildet den Boden für 1118 feste Zuversicht, daß auch jxßt Kaiser Wilhelm im russtschen Kaiser einen Freund besißt.

Utzter solchen gegenseitigen Beziehungen der errscher der 'be1den Kaiserrenhe zu einander, in Anbetra )t einer gen))ssen Jdexmtät der ökonomischen Interessen mxd poltnsckxen Zje1e beider Nachbarländer erscheinen dle YÜarmrufe, dte von der Möglichkeit eines Kric-ch nut Deutschland sprechen, als ganz sinnlos. Ein Krieg zwßschen Rußland und Deutschland zu Lebzeiten Kaiser thhelms, wobei von Deutschland die Herausforderung aus- gehet) fonte, erscheint undenkbar aus dem Grunde, weil das m'dn'cktem, allzu scharfem und prinzipiellen Gegensatze stehen würde zur ganzen Welt der sittlichen und politischen Ueber- zeugungen und Anschauungen des greifen Deutschen Kaisers.

Aufrichtigen Herzens vereinigen wir unsere Stimme tpi den Millionen, die Kaiser Wilhelm noch eine lange und ruhxge RegierungSzeit wünschen.“ _ _ '

_ 24. März. (W. T. B.) Der gestr1gen Feftltchkett bei dem deutsche'n Botschafter wohnten der StaaYs- sekretär Giers mit semer Gemahlin sowie aUe Chefs dex h1e- figen Botschaften und Gesandtfchasten mit ihren Gemahlmnen und die Mitglieder der deutschen Botschaft _ im Garzchn gegen 40 Personen _ bei. Der Botschafter von Schwennß brachte den ersten Toast auf den Kaiser Alexander 11]. aus, welchen Staatssekretär Giers mit einem Toast auf den Kais er Wilhelm erwiderte. Der Botschaster von Schweiniß trank sodann auf das Wohl der Souveräne und Staatsvber: häupter, deren Vertreter die festliche Feier mit ihrer Gegenwaxt beehrten. Der italienische Botschafter Ritter Nigra schloß mxt einem Toast auf den Doyen des hiefigen diplomatischen Corps, Botschafter_von Schweiniß und dessen Gemahlin. DiL Festgäste blieben bts zur späten Abßndstunde in der deutfchen Botschaft_ vereint. _ Wie verlautet, wurde vom Kaiser schon am Morgen des Geburtstages des Kaiser?- Wilhelm, als die Offiziere der in Gatschina zxtr Vsfickztigung cingerückten Gard)?- Regimenter zum Frühstück 1111 Palais versammelt waren, 111 sehr warmen Worten ein Hock) auf 139.11 Kaiser Wilhelm _aus- Zebrccht. Das 506) wurde von den Offizieren mit enthustasti- schem Hurrahrufe aufgenommen.

_ 25. März. (W. T. B.) Der Großfürst und die Großfürstin Wladimir find gestern nach dem Auslande abgereist. _ Der „Regierungs-Anzeiger“ bringt heute den Wortlaut des Toastes des Kaiser?) Alexander auf den Kaiser Wilhelm bei dem Galadiner in Gatschina. Der Toast laUtete danach: „Ich trinke auf das Wohl dees Deutscbc-n Kaisers,Meines hosten Freundss und Verbündeten; mögeGott Sein Leben noch lange Erhalten, zum Segen Seiner Unterthanen und zur Erhaltung der Ruhe und des FUedeneZ von Europa!“

Dänemark. Kopenhagen, 22. März. (Hamb.Corr.) Das Landsthing brachte auch gestern die erste Lesung des Budgets pro 1882/83 noch nicht zum Abschlnß. _ Das Folkethina nahm in seiner heutigen Sißnng ohne Debatte das interimistische Budget pro 1882/83 in zwe1ter Lesung an.

Zeitungsstimmen.

Aus der Gémeinde Jngenheim (bayerische Pfalz) ist, wie die „Nordd. Allg. Ztg.“ meldet, nachfolgende, von 75 tabackbauenden Gemeindebürgern unterzeichnete Adresse dem Reickskanzler zugegangen: _

Schon seit Jahren hat der deutsche Bauernstand 181116 Augen hoffnungsvoll auf Ew. Durchlaucht gerichtef, da er vyn_ Hochdexsßlben Hülfe in seiner bedrängten Lage und Befreiung von 1ernen ermgern nicht 0an Grund erwartet. Ew. Durchlaucht kennen aus Erfahrung den Bauernstand, seine 1011) und seine Bedürfnisse, wie dies deuflick) aus vieken Reden und Briefs" hervorgeht, Welche von Hochderselben bekannt geworden sind. Dankbar bak dieser Stand die Maßregekn begrüßt, welche Ew. Durchlaucht zum Schutze der Landwirtbscbaft gegen eine übermächtige, auIländische Kox]- kurrenz Veranlaßtcn. Dankbar begrüßen wir Tabackbauern auch dre Vorlage über das Tabackmonopo'l, nack) Welchem wir rms unter den Mißbandlungen der herrschenden MaklerwirtbsÖUft Und dem Drncke der Tabacksrekulanten seit geraumer Zeit gcsxbnt Haben. WU: sprechen es hier offen_aus, daß das Monopol, ww es 19131 ge laut wird, unseren Intereßen vollständig kutsprickzt, da es un1errr aare einen guten Preis und einen anständigen, ehrlichen Abnehmer sichert. Wir bittcn deshalb Ew. Durchlaucht, nicht zurückzuschrecken vor den mancherlei Gegnern diescr Maßregeh sondérn dieselbe uncutWLgt zum Nußcn dcs Reickycs und Segen dss Bauermstaxxdes durchzu- führen. Indem wir unterzeicbncten Tabaxckbausrn Ew. Darcy- laucbj für die Vorlage herzlich Dank 1agen, versprechen wn: zugleick), Hochdieselben treu [sei been Unfernebmungen zu unter- stützen und in 616611 bkvorstebenden Kämpfen unsern gr'oßen Kanzler nicht im Stiche zu lassen, der fich ja stets als ein ebrlräocr Bauery- freund bc'wäHrt [)at. So wie wir denken 1106) viele MiÜioncn m Deutschland, welche mit 11113 die :11a11chcr[ei ungerc'chten _Angrßffx auf Ew. Durchlaucht Voller Entrüstung beklagen; Mögen .Hockydteyxlben unbeirrt und mutbig fortfahrsn, zur Größe und zum Wobljtand unseres tbeucrn Vaterlandes zu wirken. _ _

Mit diesem Wunskhc und nockymaligrm inmgcn Danke für die lwcbberzigcn Bestrebungsn Ew.Durck-1auckt schließen wir und Ver- bleiben mit tiefster Ebrfurébt „11111cres lyocbgebictcnden Reich§kanz1ers

aUercrgcbcnstc Bauern cms Ingenßcim. (Folgen die Unterschriften.)

Jugenheim, dcn 12. März 1882.“ ' "

_ Die „Gewerdlrche Ze1tschr1ft“schretbtuber das Tabackmonopol: . '

Das Tabacknwnopol ist nichts Andkres als eine Cxpropmgtwp des Händlergewinnes zu Gunsten dcs Reiches" kein „Wunder, daß dre Vertreter der spezifischen Handelsintkreffen stub nut Hand und Fuß

Tegen eine solche Idee sträuben, nicht minder begreiflich, daß sie crcitwiUige Unterstüxxunß im SÖoßc dcr Korporatxon (Haxxdxlstag) fanden, Welche seit 21 Jahren fich zur Vcrtrctcrnx dcr Handlcr- intereffen gcmacht [)at. Rechnet man dazu, daß auch,dte Tabackbauer, die Kleinfabrikanten und die Hausindustrie tm Lande da-

mals noch nicht übcr die Art und. Wcise unter- richtet Waren, wic man die Abfindung grclfcn xvcrdc, „daß den breiten Kreisen der Konsumenten mtt unwrdersteblrchcr Zcstigkejt vorgefabclt Wurde, unter dem Monopol, koste das 9110 &aback 10 944 und die billiaste Cigarre 10 411, so 1st zu'begrersen, das; 7in auch unter den Tbeilncbmcrn am I. Handelstage xine Anchbl fand, die, ohne Manchestermänner und Wider1achcr dcs Furstxn Vrs- marek zu sein, aus Rücksicht auf die gewerbltckpeannZereßeW und Vorurtbeilc ihrer speziellen Heimatbsbezirke, oder wejl die von [ÖNLU vcrtretcne Korporation schon im Jahre 1878, als das Tabackmonopol zuerst am fernen Horizont auftauchte, im Handelstag gegen dgffclbc gestimmt Hatte, fick) mit dcr von Bremen gnd Matxnßetm gefuhrten Majorität dcr Monopolgcgrer zu geben besttmmcn ltcß._ _. Heut liegt die Situation erheblich anders, der Komumcnt_ Uebt, daß auf seinen Beutel nicbt spekulirt ist, und _daß_ er nach Wie Hor zu einem Preise, der den bescheidendsten VerbalfmlIen anzupassen rst, seine Pfeife Taback soll rauchen können. Der Ta gckbaucr hatte von vornherein schon keinen Grund, dem Monopol'zuwtdx? zuKscm, denn er braucht nicht zu befürchten, daß der Stgat [bm e_m hartcrxr Ab- nehmer s einer Produkte sein Werde als der Handler, dcr 1eyt auch du Vex- mittelung zwischen ker Produktion und den] Großhandxl oder dem Fahrz- kantcn herbeizuführen sicb berufen hält. Eine ganze Reihe kleiner ("abn- kanten von nur igem Verdienste Wcrden gern die s1ch_1l)nen darb exende Gelegenheit ergreifen, aus einem Fabrtkatfonßzwcjg „auszuschetden, in welchem die Temperatur bereit? so hoch gestreaey tst, daß nur noch für die ganz Gxoßen_AYss1cht auf f1chere" Existenz oder zar nennenswertbcn Gewmn ,ubxtg ist. Aych fu_r eme gryße ahl von Arbeitern und Arbcxtcrtnngn rst, dt? Veranderuna „eme vortbeilbafte. Ymäcbst konstatiren dle MrtthctlunÉeQder Relchs- regierung im oacnsaxl zu den ausczestreutcn *"eruchtcn , daß man höchstens 8000 rbeiter weniger zy bejchaftigen „gedenkt, als zur Zeit vorhanden sind. Natur, emaß _wzrd man dtese aus der Zahl der älteren nehmen, deren Le) tungsfabmkeit bereits_ stmk in der Abnahme begriffen ist. C6 ist nicht anztznehmen, daß dte alß- dannßin den Staatsfabriken beschafngtcn oder fur dercn Rechnung m

der Hausindustrie nach wie vor tbätigex! Arbxiter „und Arbeiterinnen schlechter gestellt sein sollen, als fie es bisher xn anatfakzriken waren. Wenigstens ziehen überall, Wo ein Staatsbetrteb mit anatbetrieben konkurrirt, wie etwa bei der Eisenbahn oder dem ergbau, _nqmentlch die unteren und mittlerenKategorien dex Beamten d"1e Beschafttgungun StaatSSetrieb vor. Bei den Rohtabackhandlcrn unh uberhgu'pt den Gros- sisten wird die Stimmung verschieden sem, sie und die Detatlltsten die vor- zugsweise vom Tabackverschlciß gelebt haben, Werden umsomehr v_on dem Monopol getroffen, je besser, ihre Geschafte fin6., So gewiß hier mancherlei Härten durch Geseß mcbt werden zu besetttgen sejn, sotun- zweifelhaft geht aus dem ganzen EyWurf hervor,_ daß dre Retchs- regierung eine anständige und auSretchende Entschadigung für jeden wirklichen Nachtbeil in Abücht bat. ' ' '

In Folge hiervon ist die Sttmmung m großen und,1ve1ten Volkskreijen umgeschlagen, und die Annahme des Monopols rst nur- mehr eine Frage der Zeit. ' ' , _

_ Das „Deutsche HandelS-„Archrvk“ brmgt'm se]-

nem jüngsten Hefte aus Königsherg 1. Pr. emen Vertcht, m welchem über das dortige Getretdegesckzaft des Jahres 1881 gesagt wird: * Durcko den großartigen Getreideverkebr, den Königsberg in den leßten vier Monaten des verflossenen Jahre? zu verzeichnen gehabt Hat, ist in erfreulickyer Weise der Bewers gelufert worden, daß unsere vor Jahresfrist ausgesprochene Ans1cht, „daßdas damakige Dßrniedex- liegen des Getreidebandels nicht, wxe 51er m fast aUen Krcrsxn mrt zuwerfichtlicher Bestimmtheit bchauptet wurde, auf den Getreidezol], der die rusfischen Exporteure veranlaffe, fich andere Absatzwege auf- zusuchen, zurückzuführen sei, sondern daß die, abnorme GesÖäftsstiÜ-Z in der genannten Branche lediglich in der Mrßerntc in Rußland und in den für Königsberg ungünstigen rusfischen Frachtfarifcn ihren Grund habe, die richtigcre mar. . . . . . '

Das dem biefigen Platze in den letzten mer MONQTM ch Jahres

zugezührte Quankum aller Getreidegattungen betrug aus dem JUlande . . 58 072 b, und aus dem Auslande __166_465_: ,zusammen 224 537 t.. zu je 1000 kg. Im ganzen Jahre find eingekommen . 324415 1, Verladen. . . . . _,_298_7_93_„ mithin Umsatz . . . . . 623 208 6, zu je 1000 KZ, gegen im Jahre 1880 . . . 399 241 1879 . . . 765418 1878 . . . 1129873 1877 . . . 1245105 1876 . . . 678937 1875 . . . 824295 1874 . . . 762956 1873 . . . 601168 1872 . . . 375 967

Crheblick) zurückgeblieben ist der Getreioeumsaß im pcrfloffenen Jahre nur gegeN die beiden Jahre 1877 und 1878, m we["chen während des russisch-Türkiséhen Krieges das Getreide aus dem Suden Rußlands seinen Weg über Königsberg nahm. _ .

_ Zum Kapitel vom Brode des armen Mannes 'vmngt die „Frankf. Ztg. vom 23. d. M. nachstehenhe Notxz: '

Der (;pfündige Laib Brod ist um 6 Pfennige „abge1ck31agen. Dies ist das Resultat einer Generalversammlung der biestgen Backergenoffcn- schaft, welche nach langer Debatte obigen Beschluß gefaßt bak, n_1cht ctwa Wegen niedrigerer Meblpreise, sondern weck neuerdings auswarts sBchfabriken errichtet wvrden find, die hier sich Absatz zu verschaffen u en.

Die „Nordd. Allg. Ztg.“ bemerkt hierzu:

Etwas [ebbafterc Konkurrenz genügt also sejbst bei 855217211 MeblxÉeisen, das Brod um einen so namhaften Prozentsaß billtgér zu ma en.

Nr. 12 ch Justiz-Ministcrial-Blatts hat folgendxn Inhalt: Allgemrine Verfügung vom 16. März 1882, betreffend d1e Stsmpel zu den bei den Gerichten eingereichten Urkundkn. _ AUM- meine Verfügung vom 18. März 1882, betreffend die Gebübrkn dcr GeriÖtsvollzieber fiir vereinfachte ZusteÜungen. __ Allgcmcich V?x- fügung vom 20. März 1882, betreffend den Amatz von Koxtcnvor- schüssen._Allgcmcinc Verfügung vom 20. März 1882, betreffend die Betbciligung der Gerichtssckyreibcr an der Kostenerbebung.

Reichstags = Angelegenheiten.

Bei der Ersatzwabl cjncs Reickzstagsabgeordnetsn für d'en 4. Liegnitzer Wahlkreis ijt, wie bereits mitgetheilt, 621“ Fabrik- bcfilzcr Richter (1116 Mübßädlitz im Kreise Lüben (Fortjchritt) mit 5588 von 11066 gültigen Stimmen gegen Staats-Minister Lacius mit 3492, Gelycimcn Obcr-ngicrungs-Ratb 1)r. Enge! mit 1315, und General von Gliszczvnski mik 754 Stimmen gewählt Words".

*

Statistische Nachrichten.

Die Rbeinschiffabrt im Jahre 1880. (SM. Corr) Von den wichtigsten Wasserstraßen des Deutschen Reichs Hat dgr Rhein den Vorzua, auch in seinem gesammten miftlcrcn Laufe: [316 auswärts gegen Mannheim fast durch das anze Jahr 1_nit Sicherbeit genügendes Fahrwasscr zu [*ebaltcn. Jm crgleickp unt dsm Jahre 1879 war der Wasserstand des Jahres 1880, wenn auch, im Allge- meinen nicht gcrade ungünstig, dock) ungleich schnoankcyder, tx1besondxre zu Anfang und gegen Schluß chZahcm, so das; dic Schxffabrt tm Ganzen länger behindert gcxvcscn Ut. Dl?- in jedem Monate an den 22 Hauptpegeln beobachteten l)öchsten,mitt[eren und nicdrigstanaffer- “stände ergeben nach der Tabelle der Centralkommission für die Rbeinscbiffabrt, von jvelchcr ch Einleitnng ihres Jahresberichts

ab1veicht, . . als bökbstcn als tzxedrtgstcn Ort und Zeit Wasserstand Zrit Wam'rstand Meter , Meter Basel im Oktober . . 4,90 nn Februar . . . 0,35 Breisach im Oktober . 4,45 .. anuar. . . . 0,01 Ludwigshafen im Novbr. 5,91 . ., . . . . 0,09 Mannheim. . . . . 8,62 Februar . . 2,35 Bingen im Januar. . 4,59 27. anuar'. . . . 0,32 Cöln, 5. Januar . . 8,13 _31. _. ber Eisgang 1,23 Bci Mannheim war dcr Rbcm wahrend 56 Tage untxr der normalen Falmvaskerböbe V0113,4 111, so daß die Schiff? wahrend 310 Tage den bo )en Wasserstand benusen konnten. 'Die, Dampf- schiffabrt war nur 11 Tage im „ersten Fuße der „vollzetl'tchcn Be- schränkungen gehemmt, und trat eme Bejcbrankung tm zweiten Falle nur auf 6 Tage ein. Der mittlere WaJerstand am Mgnnbetmer Pegel War im Durchschnitt des agnzen abrcs 4,49, bltcb soanb inter dcm arithmetischen Mitte] fett 45 Jahren um 0,31 m zuruck. Der mittlere Jabreöwaffcrxtand zu Coln stxllte fich auf 3,22 m und mar um 0,358 m höher als der „arithmettjcbe unttlcre 'Waffxr- stand der leßtcn 70 Jahre. Der niedrtgste Wasserstand War m 'Coln nur um 0,11 m höher als das aritbtnettsche Mittel aus den klcmsten Jabrcsjvafferständcn seit 70 Jahren. _ ' Zur Verbeffcruna des Fabrwafferö bezw. der Ahstußvcxbaltmffe sind auch im Jahre 1880 von den Uferstaaten erhxbltchc Mittel (zu;- gewendet worden, um die große Wasserstraße in emem dex_n Bedur - niffe entsprechenden Stande zu erhalten; denn es Wurden fur Strom- bauten ausaegeben: ' von Elsaß'Lothringcn 857 008 „M von essen . . 169 433 .,“ . Boden . . . 818135 „44 ., reußen . . 1461752 „46. . Bayern . . . 201143 „46 . iederland . 1 190 419 Fl.

Der Gesammt-Güterverkehr auf dem Rheine im Jabre1880 bsläuft fick) auf 185 520182 Ctr. und weist gegen das Jahr; 1879 eine Steigerung von 16 050 360 Ctr. nach. Laut den über die Zu- und Abfuhr in den einzelnenkaeinhäfen vorgenommenen Erhebungen

Wurden: . _ ' in deutschen Häfen m niederlandtschen Häfen 1879 1880 1879 1880 angefahren Ctr. 48001895 50297 445 41713765 48 635 354 abgefahren , 54028 733 62 452 815 25 725 339 24134568 Weil “der von Ruhrort ab stattfindende Koblenverkehr njcbt nacb Berg- und Tbalfahrt getrennt angegeben ist, lassen wir, diese sopst überaU gemachte Unterscheidung hier gänzlich fort. 'Wie „erhebljcb der auf dem Rheine stattfindende Güterverkehr durcb dre Stetnkohlen- Abfuhr aus dßn in dieser Beziehung wesentlick) in Vetrackot k_ommen- den beidenHäsen gefördert wird, cht daraus hervor, daß Stcmkohlen zur Vcrladung kamen von Ruhrort von Duisburg zusammen im Jaßre 1879 28 437418 Str. 10 079 158 Str. 38516 576 Sfr. 1880 32213288 , 12297 372 . 44510660 . Der Gesammtverkebr auf dem Rhein zwischen Deutschland und Niederland bat fich -imIabre1880 aegcn das Vorjahr um"90/0 (1879 UM 80/0) VLkMLÖkt; 24 037 SÖiffe mit verfrachteten Gutx-Yn im Gesammjbetrage von 73 482000_Ctr. sind nachgewiesen. D1e Vermehrung der Einfuhr nach Deu_t]chland befrzxg 1880 nur 2% (1879 dagegen 13%) und bestand We1entlich in Ei1ens1ein1md Weizen, während die VerMEHLUUJ dcr Aysfubr auf der stärkeren Verschiffung Von Steinkohlen, Roheisen, Scknenen und Steinen beruht. Eine be- trächtliche Verminderung erlitt dis Einfuhr von Robsisen und Roggen. Es wurden, um hier nur einige der wichtigstc'n Transportgegcnstände hervorzuheben, im Jahre 1880 Cenfner eindeklaxirt: . ' G' bci Emmertch bet 296116 MM" nach Deutschland nach Ntederland Brennmaterialien außer Holz. . 26 372 30854159 Droauen, Apothekerkvaaren, Che- ] 353 292 651 304

mikalien, Farbstoffe u. dergl. . Eissn, Stahl, Eisen- und Stahl: , jvaaren. . . . . . . . . 2425115 3739 042 Erze und Mineralien . . . . 7858 831 89 928 Feld-, Garten- und Walderzeugniffe 9 996 954 551 295 Kolonial- und SpezeréiWaaren . 1699 654 1 147 699

Steine, Erden, Cemeni, Kalk und Gips . . . . . . . . . 605853 8846962

In gleicher Weise, wie der Gütewerkcbr, zeigt auxh der 'Per- sonenVerkehr, bezüglich dessen für die Häfen Coblenz, ' Cöln, Dussel- dorf und Wesel eingehende Erhebungen Vorliegen, tm Fabre 1880 eine nich unerhebliche Zunahme, da in demselben 447138, gegen HY 820 Personen im Vorjahre befördert Wurden. Aus bezw. m den- e en

zu Berg zu Thal 1879 1880 1879 1880 fuhren ab . . . . 123 775 131858 85 242 90435 kamcn an . . . . 48 028 52 070 146 775 172 775

Die Beförderung derselbkn fand im Jabra 1880 durch 19 857

gegen 19111 Dampfschiffe im Vorjahre statt, von denen abgingkn 1879 . . . zu Bkrg 5008, zu Thal 4483 1880 . . . . 5015, ., , 4855 ankamen 1879 . . . 4527, 5093 . 1880 . . . . 4889, 509.8

Abgesehen von den Hauplsäcblicl) für den Koblzznverkehr m erster Reibe stkbenden Hafenpläßen Ruhrort und Dursburg,*bstrug der Güterverkehr in denjenigen Rheinbäfen, die einen solchsn vor) mehr als zwei MiÜionen (Zentner im Jahre 1880 nachrvcison, m den Jahren: _

Häfen " 1871 1875 1880 Lndwigsbafkn . . . Ctr. 3120823 2569 930 4793 168 Mannheim . . 8036 211 15439 830 21469 392 Gustavsburg 1278 724 2406 644 2517 632 Mainz . . . 2900933 2598488 2475 946 ' Oberlahnstein . 5479 337 2969124 4078 001 Cöln . . . 4855 814 4087 767 4287 382 Düssekdorf . 3607 433 2782 237 2626 247 Hochfeld _ 6409110 9776 796 Dordrecht 2664 898 4 185 937 2563 516

Rotte'rdam . . . . 16119396 16 523 287 26 403 448 Amstkrdam . . . . 1458 226 1493 788 3146801

BemerkknsMrtl) ist für die jüngstk Dekgdc i_x1sbcsondere dxe starke Zunahme des Transportverkehrés in den Hascnplaxzen Manyhetm Und Rotterdam, sowie die Abnahme desselben m denen von Mamz, OHL;- [abnsteim Cöln, Düsseldorf und Dordrecht. „Dcr, Durchaanngvrkewr in den Hafenplätzen Emmerich und 208111) strcg mnerbald der vor- bezeichneten Zsitpunktc: in Emmerich von 12 689 281 Ctr. auf 14 880077 und 26 382953, in Lobitk) von 27 225 231 (Ltr. aus 31748501 und 48 635 354 Etc. „_ '

NÜÖ eimer Rusche 1:66 Rßcinschiffsregmtsrs, dre von “ccm _gogen- wärtig 6118 18 VcrsickycrungWescUschaften bestck)ender1_ ?Kbcrn1ck1ff6- Registcrverbande vcröffcnxlicht wird, besteht 17.125 aus dem Rbem schwimmende Sckyiffsmatcrial ans 2820 Segelschxffcxx uzxd SÖlkPP- kähnen mit zusammen 10642555 Etc. LadungMalmgkrjt und 294 Dmnwfbootcn mit 21516 Pfcrdcstärkcn und 346861 Gtr. Trag-

fähigkeit. . Kunst, Wissenschaft und Literatur.

Württembergische Vierteljabr§[)cßte flix Landes- geschichfe. In Verbindung rnit dem Veremnfur KU11st__und Alter- thum in Ulm und Oberschmabem dcm Wurtjcmbc§g11chen Alnter- tlmmsverein in Stuttgart, dcm Historischen Verein fur 'das wurt- tembergZsche Franken und dem Sü1chganchr Yllcrtbumöverem [Zcßraus- gegeben von dem Königlickcn Stajtstmcb-topograph11cben Büreau. Jahrgang 17. 1881. (Württembergtsch Jabr- bücher für Statistik und Landeskunde. Jahrgaxtg 1881. 11. Band.) Stuttßart. W. Kohlhammer, 1881. _ Auch dieser nege Band der Viertclinbrßbcfte giebt durch seinen xciÖcn angleeugmß von dem regen wissenschaftlichenEifer, Welcbermdcm StgtlsttW-Wpo- graphischen Bürcan und den bistori1chen und Altertbumsvzrremcn bexxscbt, die sich seit einiacn Jahren an dicser Gesammtpubltkatton bcthetltgen. Da finden wir Zumächst eine Reihe von Urkunden zur Geschichte der ?)Tittcrbijndniffe des 14, JahrbundertF, Welche Profcff'or Dr. Th. Lindner in Münster im Kaiferlichen Staatsarabniy zu Wien, aufgefaß- dcn bat (mitaetheilt vom Archiv-Ratb Or. Stalin), .ngtnltch ]) dtc Stiftungsurkunde des St. Wilbclmsbundcs, (1. (1. Getslmgen,21. Dc- zetnbcr 1380, 2) die dcs Bündnisses des Löwen- UFO S_t. thbclms- bunch, 41. (1. Urach, ]. Mär; 1380, und 3) des Bgndnxstcs des St. Gcorgcn- und St. Wilhelmsbundes, (1. (1., Cratlshetm, 8. Marz 1381; Analcktcn zur Geschichte dgr Literatur_m Skhwaben (1. Frtcd- rick) Haug) vom Professor Dr. „P. Fischer 111 Stuxmart; chkzrakte- ristiscbe amtliche Berichte aus dem 17.Jalckrbundcrt ubcr vcrscbxcxcne, damals in Württcxnberg beobachtete Erdsrschütferunaen, gus Archtval- akten mitgetheilt vom Gcbcimcn _chations-Ratl) Vr.'Sch[oßberaer; einen interessanten lokalgesäoicbtlnbcn Vertrag: _ Dre, Relchsstadx Schwäbisch Gmünd in den Jahren 1526-30, dte_ Wtcyertmzffcrcr daselbst bebandelnd, vom Pfarrer Emil Wagner m Magerkmgen, und namentlich eine ebenso intcrcffante ryie wertbvoüe, dt? gxsammxe zeitgenössische Kunst in ihren Bereixb ziehende Abhqndlunxz uber dte Kupferstechrr Johann Gotthard Muller un?) incdrjcb Muller, von Berthold Pfeiffer in Stuttgart. Aus den Mtttbetlungen dex Anstalten für vaterländische Geschichte und Alterthumskunde verdtent dte Uevberficht dcr württembergischen Geschichtslitcratur voxn Jahre 1880 Erwabnung. _ Der Verein für Kunst und Alterthum ty U01) und Obxrschwaben bctbciliqtc fich u. A. durch folgende Beitrage: ub_cr das altefte pro- testantische Gesangbüchlcin (mitLiederyrobcn aus diesem), v9m_Obex- Präzeptor Haßler in Hall, über dre Bauanlage Hes Mun ters m Ulm, von v. Arlt, heraldische Fyrsxbungen voxn Dtakonus, lemm das Justizverfabren eincr oberschwabUcbxn unmxttelbaren Reichsaktek im 17. Jahrhundert (Ziaeunerbcgebenhettcn auf dem Gebiet des ehe- maligen Klosters Schussenried aus dem Anfange des vorigen Jahr-

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bundcrts; u. a.) vom Archivsekretär Dr. Franz Sauter; zum Namen