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Frankreich. Paris, _29. Juli. (W. T. B.) In der urigen Sisun der_Deputi'rtenkammqr erklärte bei der atxxung der r die eayptische E peditionbeantragItlen Kred1te der Copse1lS-Präfidxnt de ; reycinet: Die n- Zän er der Pollltk „des Friedens könnten die beantragten reite ohne Besorgmß und'ohne Bedauern bewilligen. Die Regierng" wolle keine eigentliche Intervention: eine solche würde enze militansche Oyeratiozi sem, welche beträchtliche Mittel er- heischen yud zahlreiche heikle Fragen aufwerfen würde. Er, der Minister, würde eine Intervention nur mit dem Mandat Europas_ angenommezi haben. Ohne ein solches Mandat würde eme Intervention weder weise noch klug sein. Der Schuß des Suezkanals werfe keine politischeskéFrage und keine
Schwierigkeiten auf. _ Die Gefahr eines Kon ikts mit Europa schwinde, da aUe Mächte das gleiche Jntere e an dem Kanal haben. Der Schutz des Kanals sei ein rein materieller Akt und könne nicht in einen politischen Akt aUSarten. Niemand könne Frankreich zwingen, in Egypten zu interveniren, wenn es nicht wolle. Frankreich habe nur Angriffe unter- eotdneter Stämme zu befürchten und werde zwei unkte des Kangls mit ca. 4000 Mann beseßen. „Dies ist in Wirklichkeit die Ausdehnung der Okkupation, welche im Einvernehmenqzwischen der en lischen und franzöfischen Ad- miralität in dieser Weise festgeleÜt worden ist. Ein Vortheil dieser Okkupation besteht darin, daß wir dem Wunsche Eng- lands entspre en, welches uns um unsere moralische Unter- stützung zum, chuße des Suezkanals anging. Wir werden auf diese'Werse Engiand zeigen, daß es die freundschaftlicben Sympathien Frankreichs besrßt. Wenn die Kredite nicht be- wiuigt werden, können wir auch nicht einen Mann ans Land seßen, um uns daselbst Achtung zu verschaffen. Der Moment zur Verweigerung der Kredite wäre schlecht gewählt, nachdem die Türkei ihrerseits eine Intervention in AuSsicht steUt. Dies würde den französifchen Interessen und unjerem An- sehen vor der muselmännischrn Welt schädlich, sem.“ Der Minister bimerkt weiter: Gegenwärtig kämen die Mächte arif die Idee der gemeinsamen Schuxmaßregeln zurück, und die Konferenz befpreche soeben die e neue Phase der Frage. Frankreich sei geneigt, sich an dieser gemeinsamen Frage zu betheiligen, England ebenso, aber in keinem FaÜe werde die Kreditforderung diejenige Grenze übersteigen, welche heute fest- escßt werden solle. Niemand habe ein Recht, an den Ver- iicherungen der Regierung zu zweifeln, welche bei allen Ver- Jndlungen den Kammern die Zustimmung vorbehalten habe. ie Regierung appeüire direkt an das Vertrauen der Kammer, und das Kabinet stehe einmüthig in dieser Frage zusammen. _ Die Kammer lehnte nach Schluß der Debatte die Kreditsordernng für die Expedition nach Egypten mit 450 gegen 75 Stimmen ab. In Folge dieses Beschlusses der Kammer begaben sich die Mini ter in das Elysée, um ihre Entlassung einzureichen. Der Präsident Grevy bat dieselben, die Geschäfte bis zur Bildung eines neuen Kabinen; fortzuführen.
_ 30. Juli, (W. TV.) In Folge des gestrigen Kammer-
votums sind alle Bewegun en bei der Armee wie bei der lotte siftirt worden. dmiral Conrad erhielt den Be- ehl, bei etwaigen Vorgängen in Egypten str1kte Neutralität zu beobachten.
_ 30. Juli, Nachmittags. (W. T. B.) Der Präsi- dent Grevy wird heute mit den Mitgliedern des Präsidiums der Kammer und des Senats konferiren; alle anderweitigen Versionen über die mulhmaßliche Lösung der Minister- krisis sind als verfrüht anzusehen. Allem An- schein nach ist eine Lösung derselben erst in einigen Tagen zu erwarten. Die Journale konstatiren, daß die Lage eine verwickelte und schwieri e sei, cr: blicken aber in dem gestrigen Votum der ammer, weil dabei Anhängrr und Gegner der egyptiscben Intervention in gleichem Maße gegen das Kabinet gestimmt hätten, vielmehr das Ergebnis; einer Koalition der dem Ministerium feindlich gesinnten Parteien als _ einen bestimmten Ausspruch iiber die von der Regierung bcfolgte auswärtige Po: litik. Auch bemerken mehrere Journale, daß der Prä= sident Grevy, da das gestrige Kammrrvotum in Folge der von Marcére und Clémenccau gehaltenen Rcdcn erfolgt sei, nach rein parlamentarischen Grundsätzen Marcdrc und Clémenceau, als die Vertreter dcr die Opposition bildenden Parteien, zu sich berufen müßte. Mehrere Blätter sprechrn die Ansicht aus, daß eine Auflösung der Deputirtenkannner im nächsten Jahre ganz unvermeidlich sei.
Italien. Rom, 30. Juli. (W. T. B.) Die „Agenzia Stefani“ veröffentlicht folgende Mittheilung: England hatte Italien eingeladen, unabhängig von der Suczkanalfrnge fich der militärischen Intervention Englands zum Kweck der Herstellung der Ordnunginanpten anzuschließen. Der Minister des Auswärtigen, Mancini, hat darauf 1111111" Abstattung seines Dankes für diesen neuen Beweis des Vertrauens und der Freundschaft Englands Italien negeniibrr, erwidert, daß, nachdem die Pforte nnnmehr der Einladung aller Großmächte zur militärischer) Intervention in anpten Folge gegeben und die in dcr identischen Note vom 15. 1). enthaltenen Vor- schläge rollständig und ohne Bedingungen angenommen habe, Italien nicht glaube, anßerhalb dcr Konferenz nnd ohm sich mit dem augenblicklichen Stand der Dinge in Widerspruch zu seven, in Verhandlungen iiber eine anderweite Intervention eintreten zu können.
Türkei. Konstantinopel, 29 Juli. (W. T. B) Ein vom Minister des Nußwörtigen am 26. d. M. an die diplomatischen Vertreter der Türkei bei den Mächten gerichtetes Rundschreiben lautrt: Im Verfolg meiner Mit- theilung vom 24. d. M. beeile ich mich„ Sie zu benachrich- tigen, daß die Pforte, entschlossen von ihren unanfechtbaren Souveränetäwrechten in Egypten Wirkjanien Gebrauch Fix machen und dadurch ohne allen Verzug bie
iederherstellung der Ruhe daselbst zn sichcrn, be- leoffen hat, sofort eine genügende, Truppenmacbt an
rt und Stelle zu senden. Die 1erzu , nothwendi en Maßna men smd bereits getroffen und ebt diese militäri che Aktion m Begriffe, ins Werk gesevt zu werden.. Ich ersuche Sie, den dortigen Minister des Auswärtigen hiervon sofort in Kenntnis; zu setzen. ,
- Achmed Mukhtar Pascha hat die erforderlichen Dis: Zofilionen getroffen, um in einzelnen auf einander folgenden
btheilungm em etwa 20000 Mann starkes Expedi: tionöcorps nach Egypten senken zu können.
_ 30. Juli. (W. T. B. Der Sekretär der englischen Botschaft, Sandi on, bega» fich anfs Neue nach Yildi Kiosk und wiederholte das Ersuchen Lord Dufferins, da
der Sultan eine Proklamation erlassen möchte, die Arabi Pascha_ zum Rebellen erkläre und die Rechte des Khedive Tewfik aufrecht erhalte. Zugleich gab Sandison die Ver- ficherung, daß England ein rotektorat über Egypten nicht im Auge habe und eine freundschaftliche Kooperation mit der Türkei wolle.
_ (W. T. B.) Die türkischen Bev_ollmächtigten bei, der , Konferenz haben den Bot1chaftern der Machte eme schriftliche Erklärung übermittelt, in welcher es,heißt: Die Pforte sei im Begriffe, auf den in der leßten Sihung der Konferenz erläuterten, von ihr ur Kenntnis; ge- nommenen Grundlagen der Note der Botschaiter vom 15. Juli c., Truppen nach Egypten zu entsenden. Jm Vertrauen auf die BiUigkeit der Mächte und deren wohlwollenden Entschluß, die sorweränen Rechte des Sultans zu achten, hoffe die Pforte, daß dW Alexandrien okkupirenden Truppen Egypten ver: lassen werden, sobald türkische Truppen daselbst eingetroffen seien. In einem dieser Erklärung beigefügten Anhangs wird gesagt: Da die Frage der Militärreform mit den Maßnahmen zur Wiederhersteüung des normalen Status. quo m Egypten zusammenhänge, so werde dieselbe nur durch das Einvernehmen des Khedive mit der Pforte geregelt werden können. _, Der Oberbefehl über das nach Egypten zii exi'tsendende'tiirk1sche Expeditionscorps wird voraussichtlich Derwrsch Pascha übertragen werden.
_ (W. T. B.) Die Pforte sol! von Lord Duffe- rin Auskunft Über die große Strenge, erbeten haben, mit welcher bio englischen Behörden in Egypten zu Werke gingen, sogar aus dem Gefolge des Khedwe seien zwei Personen erschossen worden. Lord Dufferm habe in Folge dessen von Lord Granville Erklärungen verlangt, durch welche die Pforte zufriedengesiellt werden könne.
Rußland und Polen. St. Petersburg, 20. Juli. (W. T. „B.) Das „Journal de St. Pétersbourg“ meint: die englische Regierung stekle das Mandat, welches sie sich selbst ertheilt habe, über das, welches der Pforte durch die Konferenz ertheilt sei. Es sei nicht wahrscheinlich, daß die Pforte diese Lage der Dinge acceptiren wsrde. Die Pforte werde Truppen entweder schicken kraft des euro- päischen Mandates oder als fuzeräne Macht, oder sie werde auf die Intervention verzichten. Im Falle einer türki- schen Expedition würden also zwei Armeen auf dasselbe Ziel hinarbeiten, sick) aber ihre gegenseitige Berechtigung bestreiten, und das auf einem Gebiet, wo auch die Interessen der übrigen Mächte in rage kämen. Die hieraus sich ergebende schwie- rige Situation erheische die Fortdauer der Verhandlungen zwischen den Mächten im Interesse der Aufrechterhaltung des Friedens im Orient.
Der Präsident des Minister-Comités, von Reutern, hat einen zweimonatlichen Urlaub nach dem Auslande erhalten. Derselbe wird während seiner Abwesenheit durch den Grafen Baranoff vertreten.
SchWeden und Norwegen. Christiania, 29. Juli. (W. T. B.) Der König und die beiden jüngsten Söhne des- selbeirsind gestern, die Königin ist heute hier angekommen. Die Majestäten wurden von der Bevölkerung mit großem EnthusiaSMUS empfangen.
Dänemark. Kopenhagen, 26. Juli. (Hamb. Corr.) Jmkommenden September finden-die Wahlen zur halb- schichtigen Erneuerung des Landthings, der ersten Kammer Unseres Reichstages, statt. Das Landtbing zählt 66 Mitglieder, von denen der König 12 ernennt, während die übrigen 54 aus Klassenwahlen hervorgehen und auf 8 Jahre gewählt werden, und zwar in der Weise, daß nach 4 Jahren immer die Hälfte (27) anssebeidet. Da bei den Landtbingswahlen die höckfftbe teurrten Klasen der Bevölkerung den Ausschlag geben und diese meistens Gegner der Linken sind, hat die ießtsre wenig Aussicht, Kandidaten ihrer Partei durchzubringen; die oppo- sitionelle Linke verfügt denn auch im Landthing nur über etwa ein Dutzend Stimmen. Es wäre indessen immerhin möglich, daß die Linke durch die bevorstehenden Wahlen einen Stinnncnzuwachs im Landthing erhält, von Bedeutung wird dieser indeffcn sicher nicht sein, und unter allen Umständen bat die Linke keine Aussicht, die Majoritiit in der ersten Kammcr zu erlangen.
Amerika. Washingion, 27. Juli. (Al]g. Corr.) Der Marinesckrctär Chandler erklärt: crhabe aus den ihm Zingeganszcncn Mittheilungen dic Ueberzeugung gewonnen, das; diniral Nicholson in Alexandrien in vonommcn diskreter und gehöriger Weise gehandelt l)abe._Die Beamian von Castle (Harden wiesen gestern 400 jüdische Flücht- linge aus Rußland aus, die dort gewolnt halten, aber nicht arbeiten wollten, sslbst wenn ihnen Bcichäftigung angeboten wurde. Die Frauen und Kinder wurden nach der Wardsinfel geschickt, wo sie verpflegt werden, abcr fiir die Männer ist in keiner Weise gesorgt.
New:?)ork, 22. Juli. (AIZ. Corr.) DerPräsident von Guatemala, Genera “ ufino Barrios, er- klärte beute im Laufe einer Unterredung: er sei nach den Vereinigten Staaten gekommen, um den Präsidenten zu er: suchen, als SchiedSrichtcr zwischen Eiuasteinala und Mexiko 311 fungiren. Er fügte hinzu, seine Mission sei in gewissem Grade von Erfolg gekrönt worden, und Prändcnt Arihur werde das Schicdricbteramt übernehmen, sobald es die Um- stände gestatten. Die Idee, das; cr,(Prös1dent Barrios) Ge- bicldtbctlc Guatemalas on irgend xme Macht abtreten wolle, wäre läcLerlicb. _ An der atlantischen Küste herrscht un- geheure ive.
Süd-Amerika. Montevideo, 30. Juni. (Allg. Corr.) Die "ensurrektion in Uruguay gewinnt an Ausvelmung. Ein * egierungsbeamter, Namens Taxab, wyrde während der Ruhestörungen schwer verwundet. n Cdioma ist ein anderer Rebellcnchcf aufgetaucht, und viele standieros fliehen ohne ihr Vieh na Enbrekos, Die Regierungsbehörden haben ein Masssenau gebot im ganen Lande angeordnet. Mehrere be- wa nete Männer verlie en estern Tigre, um fich dem In- surgenlcnfiihrer Perez anzus ließen. '
Buenos-Yyres, 30. Juni. (Allg. Corr.) Die Frie- denUtnierbandlungen zwischen Chili und B0: livien schweben noch immer. Die argentinische Regierung hat zwei Kanonenboote nach Uruguay gesandt.
Afrika. Eg pten.Alexandrien,29.Juli. (W.T.B.) Ali Mubarek 1Yascha und die Häupter der Ulemas ver- lan en die Riickke r der Minister nach Kairo, weil fie ich in lexandrien in der Gewalt der Engländer befänden. li Mubarck soll Arabi Pascha aufgefordert haben, sub selbst mit dem Khedive in Verbindung zu sehen. Arabi Pascha hätte
aber apf dieses _Verlangen ausweichend geantwortet mit dem Hinweise, „daß ihn) n_ur die Bekämpfung der englischen Ju- vafion obliege. Gleichzenig hätte ArabiPascba YliMubarek den Rath ettheilt, nach Kairo zurückzukehren. _ Jn JSmaila und am Fanal herrscht Ruhe. __ OSman Rufki ascha und die 26 cirkasstschen Offiziere, welche wegen eines angeh: licheri Komplotts „gegen Arabi Pascha aus Egypten aus- gewresen warxn, smd heute aus Konstantinopel hier ein getroffen. Dieselben, waren vom cirkassisthen Adjutanteri des Sultaiis begleitet und wurden feierlich empfangen, _ ur WiederhersteUung der Eisenbahn bei Millaha,
wel e von Arabern zerstört worden war, sind heute Abend"
zwei Abtheilu_ngen unter militärischer Bedeckung abgegangen, _ Zum Leiter der Polizei ist Major Gordon ernannt worden an Stelle Beresfords, welcher bisher damit betraut w'ar. _ Cherif Pascka ist hier eingetroffen. _ Heute ver- nichteten die Engländer Kanonen und Pulvcrvorräthe der er oberten egyptischen Forts, was starke Detonationen verursacbte.
__ _ 30. Juli. (W. T. B.) Admiral Seymour begab iich heute, an Bord des „Helikon“ zur Vornahme einer Rekogstzirung vor Abukir, er fand die Forts gut gerüstet und die Besaßunq in großer Thätigkeit. _ Die gestern zur Wiederherstellung der zerstörten Eisenbahn nach Millaha „abgegangene Expedition wurde von Arabi's Truppen nicht angegriffen und hatte besten Erfolg. _ In mehreren Häusern in der Nähe eines vorgeschobenen Posten?- der Engländer kamm gestern abermals Plünde: rungen vor, em Plünderer wurde auf frischer That be: troffen und alsbald niedergeschoffen, zwei andere wurden ver- hajtet. _ Gerüchtweise rerlautet, von Arabi Pascha würden großere Streitkräfte in der Nähe des Suezkanals zusammen: gezogen.
Port Said, 30. Juli. (W. T. V.) Die französi: schen Schiffe haben Befehl erhalten, das Durchfahren des Suezkanal-Z einzusteljen und in Port Said Station zu nehmen.
_ 30. Juli. (W. T. V.) Vor Port Said liegen nunmehr 7 französische Panzerschiffe. Die Egypter wrrfen daselbst Befestigungswerke auf, und hat sich der k()Houkberneur von Port Said auf cin englischss Kriegsschiff ege en.
_ Der „Agence Havas“ wird aus Kairo vom 30. ge- meldet: 'Eine gestern daselbst abgehaltene, gegen 360 Per- sonen zählende, aus Ulemas, Kadis, geistlicheii Würdenträgern, Beamten und Notabeln bestehende Versammlung habe einstimmig Arabi Pascha als Ver- theidiger des Landes bis zur Herfteüung eines zufrieden: steueriden Friedens oder bis zur Vernichtung des Landes pro: klamirt und den Khedive als außerhalb des muselmännischen Gesetzes und außerhalb der Firmans stehend erklärt.
_ Aus Paris, 31.Juli, berichtet„W. T. B.“: Wie der „Agence Hanus“ aus szailia gemeldet wird, seien die englischen Berichte Über die Haltu-ig Lesseps" unrichtig. Leffeps sei lediglich zu dem Zwecke mit Arabi in Beziehung getreten, um für 120 griechische Auswanderer und einrn Traiisport von Kairo nach JZmailia, be: stehend aus 35 Kranken, 1.1 barmherzigen Schwestern, 1 Arzt Und 4 Krankenwärtern, Schuß zu erwirken und die Aufrechterhaltung der Ordnung in der Provin Zagazig sicherzustellen. Leffeps glaube noch immer, daß die8 eutralität des Suezkanals von den Egyptern nicht verleßt werdenwiirde, wenn dieselbe nicbt europäischerfeiis angetastet wiirde. Er habe gegen einen Akt der engliscben Marmeprotestirt, welcher im Widerspruch stehe mit den Reglements der Kanalgeseusckmst.
Zeitungsftimmeu.
In der „Berliner Börsen:?)eitung“ lesen wir:
Aus dem montanindustriellen (Hrbictc [)at unseres Wissens kcinc Handclskammcr gegen den Erlaß dcs Handcls-Ministcrinms vom 30. November 1881, wonach die Einscndung dcs Jabrcsbcricbts an dasselbe zur Dnrcbjicht Vor der Publikation erfolgen soll. irgend welcbe Einnwndungen erhoben. Nichts natürlicher. Die bctreffcndcn Kam- mern wiffcn das Rettungswerk dankbar zu schäch, jvclchcs dcr Reichs- kanzler in dem Damm gegen die Ucbcrflutbung dcr freibä11dlerischcn Doktrincn aufgrricbtet bat, die in Wenigen Jabrcn dic Montan- industrie Dcutsrblands_ dcm Untergangs: übcrlicfcrt [*.ättcn. Sie wissen, daf;_ die]c scheinbaren Eingriffe in die Sclbst- ständigkcit dcr Pandclßkmmncrn zum Theil nicbt unmoti- birt find durch die Haltung verschicdcncr Handclökammcrn, dic uiid? wissen, ob sie kalt oder Warm sicb äußrrn sollen, ja nicht selten in demselben Schriftstück“ für und gcgcn dic bandclébolitisä'cn Neuc- runacn sicb aussprccbcn, einfach, Weil die brtr. Artikel vcrscbicdcnc Vcrfaffcr haben, während doch ein solcher Bericht ein Jauch leben- dich Bild über die (ßesammtintcrcffcn der Handel: und Gewerbe- trcibcndcn, nicbt Partcijckzattirungcn bringen soll, insbesondere, wic cz in dem Gesch vom 24. Fcbruar 1870 heißt, zu dem chcke, dic Bc- iiördcn in der Förderung des Handels und der Gewerbe durcb timt- säcblicbr Mittheilungen, Anträge und (Erstattung von Gutacbtcn zn untcrstußcn .....
_ Das „Deutsche Tageblatt“ schreibt:
Die Gclreidcprctse waren im Jahrzehnt 1870_80 im Durst" s(bnitt ischt, als „111 dem vorbcrgcbcndcn Jahrzehnt 1800_70, und das hat icinen naturlichen Grund darin, daß Deutschland im Jahre 1870 o_nszna, regclimaßig Getreide einzuführen, während (*I bis dabin rcaelmafita ausgesubrt batte. Die Vicbprcisc smd in noch stärkerem Maße chticgcn, al? das Getreide, und standen n*ob120-30'/oböbcr, urid eben o „ist es um kewMolkereiproduktcn gegangen. Das einzige land- wtrtbschaftltch'Erzcugmn, welches an Wcrtb cingrbüfxt hat, ist die Wolle, qbcr bci dcn böizcrewErträgen dcs Gclrcidebaues und dcr Molkerei und Vicbmastung Ut dic WoUe cin Nebrnartikcl in dcr Wirtbsrbaft geworden und die Sckxäferci hat ihre Bedeutung großen- tbcils bcrlqrcn. Wc_nn nun in dem Jabrzcbnt niit den urwortbcil- bastcn Pretscq, dcn i_rblerbtcn Jahren 1865 und 1867 und dcnKricgcn dix Subbastatwncn landltcbcr Vcfiyungcn zu den Selteiibcitcn gcbörtcn, wabrcnd fic in dem folgenden günstigeren Iabrzcbnt lawinenartia an- wuchsen, _so muß der Grund wobl nicht in den Vcrbältniffen dcr Landwirtbstbaff, 1qndcrn in denen des Grundbesiéch gesucht werden und er licat bicr nicht verborgen. Es ist gam fal cb, daß die ringe- traßencn Erbtbeilc uud Restkau aclder _einen Mitbesiy der Erben und frü eren Befißcr ausdrücken. in Mttbcfivcr beit an den Erträgen und aucb an den Verlusten tbeilmncbmen. und er kann von den ersteren nicbt mebr verlanacn, als sicb auf seine Quote ergiebt, und muß sicb ebenso die lcvtercn ncfaU-ti laffcn, Dcerpolbekcn laubigcr dage en fordert in jedem Falle sxinc Zinsen in der vor e?ebriebcncn Hö e. Reicht der Erima dazu nicht aus, so m_uf; der Besiiyec neue Schulden machen. und es cbört iiur wenig Ungluck oder eine gcrin e Ueberscbäyung der So e bci ihrer Uebernahme dazu, daß die Ictpslichtung ibm über den Kopf wachse. _
Die Krtfis_ aus der Vcr1chuldunß dcs Grundbcsi es wäre schon viel rüber eingetreten, Wenn n cbt die Aixam sischen Kriege im nfanq dicses _ Jahrhunderts den ertb des Grund- eigentbums fast voliktandiz vernichtet gehabt hälter, so daß
mit dem Jahre 1815 eigentlich eine neue Rechnung anfängt. Seit- dem ist durch die neuen Agrargeseye, Ablösungen und Separationen, ferner in Folge der wachsenden Bevölkerung, der besseren Industrie und des sinkenden Geldwertbes eine fortwährendc_ Wertbssteigerung eingetreten, Welche schneller War, als die wachjende Verschuldung. Acker, Welcher jeßt bgndert Thaler und mehr pro Morgen gilt, wurde noch vor funfzig Jahren für fiinf Thaler und weniger gekauft. Seitdem aber haben die verbesserten Kommunikationen die ganze Welt zu einem zusammen- hängenden Produktionsfelde gemacbt und die landwirtbsckyaftlicben Er- zeugnisse der entlegensten Welttbeilen erreichen jetzt Europa schneller und mit Weniger Kosten, als fie fruher zu der Beri'cgung von einer rovinz in die ander? brauchten. Das Getreide aus Südrußland, 'Ytnerika und Austra'lten konkurrirt jetzt auf den deutschen Markten mit unserm einbeimtschen, und der Werts) des Ackers am Mississippi bestimmt endlich den Preis des Boden?; an der Weichsel und Elbe. Eine weitere Steigerung unsercs _Bodemvertbes kann daher nur in Verbindung mit der Steigerung deßelben in der ganzen Welt vor sich geben, und deshalb wird die Verschuldung nun Sie- gerin im Wetilauf und die Katastrophen Werden in immer kürzeren Zwischenräumen folgen. Wir halten es für vernünftiger, ibren Ver- beerungen vorzubeugen, als sick) mit den aUeinseligmacbenden „[iberalen“ “Prinzipien darüber zu trösten. Das ist das konservativr Interesse.
Statistische Nachrichten.
Nach den statistischen Ermittelungcn des Vereins deutscher Eisen- und Stablindustrielier belief sicb die Roheisen- produktion des Deutschen Reichs (eiiiscblicßlick) Luxcmburgs) im Juni 1882 auf 246 735 k, darunter 150 084 t, Puddelrobeisen, 15 725 t; Spiegeleisen, 56 078 !; Bessemer- und 20148 t Gießerei - Roheisen. “Die Produktion im Juni 1881 betrug 215 437 r. Vom 1. Januar bis 30. Juni 1882 wurden produzirt 1 365 018 1: gegen 1333 720 b im Vorjahre.
Kunst, Wissenschaft und Literatur.
Johann Faust. Ein allegorisches Drama, gedrurkt 1775 ohne Angabe des Verfassers, und ein Nürnberger Textbuch 'desielben Drama's, gedruckt 1777. Hrrauögegeben von Karl Engel. Zuveitr Auflage. Oldenburg, Schulzescbe Hofbnchband1ung und Hof- buchdruckerei (C. Berndt und A. Schwart3). _ Im Herbst 1875 tauchte in einer Wiener Theaterzeifung die Nachricht auf: man habe wahrscheinlich die Spur von dem seit 1775 Verloren gegangenen „Faust“ Lessings entdeckt, und zwar in einem alten, in Gotba erschienenen Tbeaterkalender auf das Jahr 1779. Darin sei nämlich ein bisher unbekanntes allegorischrs Drama, Johann Faust, mit dem VerlagSort Münchr'n und dem Jahre 1775 varzeirbnet, ivclche Notiz viekleicbt berufrne literarische Kräfte zu einer Weiteren Forschung nach dem verschollenen Werke Veranlassen könnte. Diese Mittheilung bestimmte dcn H'crausgeber, der im Vesixxe einrs *Eremplars der erwähnten Münchener AuSgabc war, das übrrans seiten gewordene Bucb drr Oeffentlichkeit wicdrr zugänglich zu machen. Er ließ dasselbe 1877 in der Schulzcscben Hofbuchhandlung zu Olden- burg erscheinen, um jener schon von anderer Seite gegebenen Anregung zn entsprechen und durch die Herausgabe etwaigen weiteren Unter- suchungen zu Hülfe zu kommen. Inzwischen hat sich mm freilich die Vermuthung cines Zusammenhangszwiscbendiesem allegorischen Faust- drama und dem virlberufcnen VerlorencU Faust Lessings als unbegründet berauögesteüt. AW) das läßt sich zur Zeit, wjtSicberHcii Wenigstens nicbt feststelLen, Wer der eigentliche Verfaßcr dieses aliegoriscbcn Dramas ist, da verschiedene Aithaben eines solchen, abcr sämmtlicb obne Angabe des Autors, vorbanden sind. Zwar fii[)rt Gordrkc in scizwm „Grundriß zur Geschichte der drutscbci: Dick,)kung' di? 1775 erschienene Prager Auögabe cincs glricbnamigen Dramas Von Paul Weidmann (neben 40 nicitkren Stücken dieses 1746 in Wien geborenen Scbauspiclers) an jedoch ist nicht angegebsn, worauf sicb die Gewißheit dieser Autorschaft “ci dem ebenfalls anonym erschienencn Drama gründet. Ferner Weiden (außer einer noch zu erwäbncndrn Mannheimer Aus- gabe des Iabrcs 1775) von Plümicke in seinem „Entwurf einer Theatergescbichte von Berlin' (1781) vcrfchirdene Stiicke von Johann Friedrich Srbink vrrzeicbnet, daruntcr als Manuskript: 111". Faust, cin allegorisÖcs Schauspiel mit Gesang. Lcßtcrcs gewinnt durck) cin neuerdings aufgrfundrnes, in Nstrnbcrg 1777 crschirncncs Textbuch ein besondercs Jutekeffk. Dasselbe bat den Titel: „Arien aus dem alicaorischcn Drama Johann Faust, bon drr Moicriscbcn Gcscllsrbaft abacsungrn“ und cnibältc1uf7 Seiten 8NU111111CM(5AÜL11Und 3 Chöre), Wovon nur die beiden ersten Nummern, welcbe Wagner singt, und der Chor Nr. 3 sebbn in der Münchener AuSgabc vorhanden sind. Dieses Textburb, wclcch dcr borlicgendcn zweiten Auflnae dcs Faust- dramas angcbängt ist, könnte wwbl zu jcnrm Scbinkscben Faust in Bczirbung zu scizen sein, um so mehr, als Srbink notorisch die Faust- sage vcrscbicdcntlicb dramatiscb bearbeitet und an."!“ cinen Operntcrt „Faust“ angcfangcn bat, von dem der ältere Mctbfosscl cinigc Nummern in Musik scytr. Möglich erscheint es aucb, daß das allraoriscbc Drama dom Orcrntcrt zur Grundlage gedient und die MdscrsÖc (Jrscllsidast vcr- scbicdcnc Nummcrn daraus bci ihren Aufführungen ch Dramas als Eiiilagcn bcnnßt bat. _ Wie dir crstc A117lch100_di"§[iiki'äl'x]kséi*ichi[ich mcrkwiirdigcnDramas in ivritcn Krcisannterrsic crrcgt bai, so dürfte (11130 die vorliegende ;wcitc, durcb jcncs Tertbuw vcrmrbrtc der will- kommcncn Aufnabme bei allen denon gewiß sein, die sicb fiir die dra- nmtifcben Vcrsucbc intercsfircn, wslcbc bbc dcm Erscbcincn dcs arosx- artigen (Hötbcscbcn Mcistcrwcrks mit dcm Stoffe ch Faust angestht irbrdcn sind.
_ Das 34.11nd35.Hcstdcr Eurobäiscbcn Wandrrbildcr (Prcis 1 .“, Verlag von Och, Füszli 11. (To. in Ziiricb) cntbält einc Bosibrcibung von 111'. Brenners Hcilanstalt in (Hörbcrbdr'rf in Ewlcsicn, ron .“Kcinbard Ortmann._ Dcr saÖrcrständizc Vcrfaffcr scbildcrt nicbt nur die ßroßartigc Peilanstalt nnd dcrcn bcrrlirbc 11:11,:c,1cnd (Fiirstcnstcin, Adcrsbaä) u. 1". ir.) citigcl'c-id, sondcrn nimmt (11100 die tberarcutiscbcn Geiichtsvunktc wahr, die bei Görbcrsdorf [*.*[dndcrs wicbjig sind. Das Heft ist mit 20 trcfflicbcn JUustratibncn arirbmückt, aucb mit einer Kartc ausgestattet.
Land- und Forstwirthfchaft.
Von dcr Elbe". 27. Juli, wird dem ,Hamb. (Forrk über die (F rntc geschrieben: Die Oclfrücbtc, wic Rübscn und Ravssat, sind, letztcrc bis auf einige Wenige Reste, cinacbrarbt und ncdroscben. Die Erträge sind jc nacb der Gegend und Bodenbesrbaffcnbcit vcrswiedcnt- ltcb ausgefallen und rariiren zwischen 15-2 Tonnen dcr Scheffel von 40 Quadrat-Rutdcn, In der Umaczicnd ron Marne und in dcn Kögcn haben Riibscn ausnahmsweise mit gear" 37 Tonnen i'cr Morgen in ciniclncn Fällcn dic Rapssaat iibctflügclt. So mit an und für *ich die Qualität sonst auch ist, so läsn sic dow, wie so oft, biniicbtlicb der Trockenbcit zu wünschen übt . Dic Prcisc sind troydcm sehr gut. und ist der Handel cin lebhafter, bcxabit wurden an den lexiten Marktlagen in Heide und Marne für Radsiaat 27 .“ rr. 200de„ für Rübicn 26-1!- Während in frühe- ren Jahren die Scbokcn dcr acdroscbcncn Oclsrücbte auf den Dünger gcivorfcn worden, iléat man Fc in den levtcn sutterarmcn Jahren als cin'vortrcffliches Vicbsutter cnncn schätzen und bcwabrt sic deshalb in dazu accignetcn Rämnlicbkcitcn sorgfältig für den Winter auf. Mit drui'Scbnitt des Roaacnö ist in diesen Ta.!cn der Anfang gemacht. Es ist eine Freude zu sehen, wie sic in dcn .Krügcn“ Hocke an Hocke zu einer dichten Zeile reibt, "a, in einer Reibe nicht einmal der reiche Scam Raum finden kann, (,ondcrn noch in Ncbcnreiben au gestellt werden muß. Wenn, was sehr zu wünschen, dcr Rogaen ra ck und trocken unter Dach gebracht werden kann, werden die Erträge wobl mit 30-40 e per Morgen zu notircn scin, also über ein Mittel hinausgehen, auch die Erträge im Stroh werden die Vorjahre weit hinter sicb lassen. Der Weizen bat sicb infolae _ dcr Rcacngüffe stark gclalIcrt; sollten da- durch die Ertragc nicbt altetirt werden, dann at die Marsch seit Menschengedenken wobl kcin Weizcnjabr geb.:l't, dad dcm bcurigcn
«l_eichkqmmt. Ganz ausgezeichnet ist aucb_der Hafer geratben, dessen Lange 1m_ Stroh seit meinem letzten Berichte noch zugenommen hat. In den K_“ögen, namentlich im neuen Christianskooge, dürften in ein- zelnxn Falleii die Erträge die Höhe von 75 e per Morgen erreichen. Die Jeldbobnen weijen nicht nur einen dichten Stand auf, sondern find auch lang im Stroh und _baben reichlich Schoten geseßt. Der, Stand der Sommergerste, die_ ubrigens in der Marsch nnr Wenig angebriut wird, ist ebenfalls eiii guter. Den Rükcnfeldern bei Marne und in den Kögen bat dcr reichlich gefaUene Regen und die warnie Witterung ersichtlich woblgetban, fie prangen in großer Urppmkeit. 'Nur auf eine einigermaßen ergiebige Kartoffelernte muß die Marsh in diesem Jahre verzichten. Die Fäule greift in rapi- der Werse ntcht nur im Kraut Weiter um fich, sondern auch die Knollen find bereits von derselben „ergriffen.
' Auf der Gexst gewinnt natürlich die Fäule nie die Ausdehnung Wie in der Marsh, durcb Zufuhr von dort find denn auch die Preise yon 10 auf-6 „416 ber Hektoliter beruntergegangen. Der GraSWUcbs ifi, nanzentlicb in Eiderstedx, noch tmmcr ein beispiello?» jippiper, und die__Graser wachen erfreulicber Weise in diesem Jahre brillante Ge- schastr. Die Preise für Magervieb sind seit meinem lebten Be- richte gayz rrbeblickx gestiegen und auch das Fettbieb gebt zu guten Prer1cn ab. Die Ferkel sind um 5-6 «44 im Preise herunter gegangen und 16131 fiir 10-14 „(ck zu Haben. Während im vorigen Jahre Heu kaum für Geld zu haben war und per Fudcr mit 70 bis 80 „14 bezahlt wurde, ist ein solches jetzt für 10--20 ck74 käuflicb.
Gewerbe und Handel.
Dic Scmestralbilanz der Preußischen 5Bodenkredit- Aktien-Bank ergiebt einen Reingewinn von 1325 979 „46 gegen 1179 983 „16. im ersten Semester 1880 und 1 288 831 «;(: im ersten Semester 1881.
Antwerpen, 29. Juli. (W. TB.) Wollauktion. Ange- boten 2439 B. Laplata-Woüen, verkauft 875 B. Montebideo-Lamm- woÜen bauptjachlirb zurückgezogen; Preise 5-10 niedriger.
leaSwa, 29. Juli. (W. T. B.) Die Vorräkke von Roheisen m, den Stores belaufen steh auf 633 500 Tons gegen 512900 Tons im vorigen Jahre. Zahl der im Betriebe befindlichen Hochöfen 109 gegen 119 im vorigen Jahre.
Berlin, 31. Juli 1882.
Bekanntmachung.
Auf Grund des §. 2 des Geseßrs über die Schonzeit des Wildes vom 26. Februar 1870, in Verbindung mit §. 94 des Zuständigkeitsaeseßes vom 26. Juli 1876, wird fiir den Re- gierungsbezirk Potsdam als Tag der Eröffnung dsr dies- jährigen Jagd
auf Rebhiihner, Freitag, der 18. Augusi, auf Hasen, Auer-, Birk: und Fasanenhennen, Haselwild und Wachteln Donnerstag, der 14. September hierdurch festgeseßt.
Potsdam, den 21. Juli 1882.
Der Vorfißende des Bezirksrach, Regierungß-Prästdent von Neefe.
Jm langen Saale des Akademiegebäudes findet in der Zeit vom 3. bis 10. August eine Ausstellung von Stu- dienarbeiten dcr Eleven der Königlichen Akade- 1snie der bildenden Künste ans dem Lehrjahre 1881/82 tatt.
Berliner , Rennbahn zu Hoppegarten 1882. Der Verein fur Findermßrenncn hatte für den gcstrigen Sonntag auf der Renn alm zix Hoppegarten ein Cxtra-Meeting veranstaitet, Welches Maca drr ungunjtigen Witterung nur spärlich besucht war.
Dc'm Rennen ging eine Auktion von Voliblutpferden voran, bei wel- cher ans demRennstall der HH. Oelschlägcr und v. Topper-Lasky der bcllbr. 3jäl)t.W. „Glaucuds“ für 1500 „74 in den Besitz des Major v. Below, die 1 jahr. br. St. V. Etbus a. d. Odine für 100 „16. in den Befiß dcs Hrn. Piyschke und aus dem Rennstall des rinzcn Fr. Hayfcldt dcr br. H. „Halifax' für 1250 „46 und der schw r. H. „Poor David“ für 1000 «46. in den Besitz des Hrn. Pißsckxke und der scbwbr. H. „Fortunatns“ für 1050 „76. in den “Besitz des Licut. r*. Tepper- Laski 11. überging. Dir iibrigen zur Auktion gelangenden Pferde bliebcn unbcrkauft, Die Rennen begannen nm 3 Uhr mit:
]. Hiirden-chnen. Preis 750 „M Handicap. Für 3jäbr. und ältere Pferde. 50 „kü Eins, 30 „46 Reugcld. Distanz 2400 m. Das Rennen batte nur 2 Untrrscbriften und da Hr. C. Pilzscbke's br. St. „Unverbofft' am Start nicbt erschien, so ging dcs Majors von Below Ziabr. bbr. W. „(Hl.iitriis“ von Albert Victor a. d. Bonny Blur Eye über die Badtx und erhielt, da nach den allgcmcinen Vrstimmnngcn mindestenk1 3 Pferde starten müffcn, nur den halben Preis in Höhe von 455 „M _ Diesem Rennen folgte um 3.) Uhr:
]1. Ofiizicr-Jagdrcnnrn. Prcis 800 «16 Handicap für Pferde im Besitz von aktiven Offizieren dcr dcutsckienArmcc und Von soliden in Uniform zu rcitrn. 30 „46 (Einsatz 10.-M Rcuacld. Distanz 4000171._ Dem zweiten Pferdc 60% der Einsäßc und Rcuacldrr. Dcr cht wird zwischen dem ersten und dritten Pferde gctbcilt. Von den 13 chrdrn, wclche zu diesem Rennen gcmcldrt waren, zahlten 9 Ncugcld und_ 4 erschienen am Pfosten. Es ficgtc nacb eincm schönen Rennen 1'1rber mit 2 Längen dcs Lieutenant v. Schmidt-Pauli (1. Garde-Ulnucn) 4jä[)r. br. St. .Profitrolc“ v. Mortimer «. 13. Julia Pccl 67 kg (Rittmstr. v. Trcsckow vom ]. Gardc-Ulancn-cht.) gegeii dcs Licgt. v. Marschall (12. Hus.) 5jäiyr. FY. ,Bnlgare“ untcr_scmcm Bcßxcr. Eine Kopflänxic bintcr diesem jr.] Licut. v. Hcydcnmedcn (3. Hu .) 6jäbr. F. H. „Ncckar' (Reiter Bcsivcr) ein und dcs Rittmstr. Graf Bismarck (ijäbr. br. H. .Tbc Rook“ untcr Licut v. Kramsta wurde leßtcr. Dic Siegerin crbiclt 842 „41, ,Bulgare' 120 „ck und .Neckar“ 42 „46 Dem Rennen schloß sicb um 4 Uhr an:
111. Dahlwiycha drcnncn. Verkaufsrcnncn. Preis 750.74 Für 3jäbrigc und ältere PJcrdc 50 .“ Eins. 30 ck Rcugrld. Distanz ;500 tn. 8 Pfcrdc waren ncnannt, 4 crscbiencn am Pfosten. (Er; siegte leicht mit 3 Längen dcs Riitmstr. v. Ziegler 5jäbr. schwbr. H. ,Bromlcv' v. Gcncral Pccl a. d. Hove Blossom (71& [(J) (Savcrs) argen dcs Trainer G. Johnson 6jc'zbr. br. H. ,Dalnaéspiral ]1.“, 40 Längcn bintcr dicscm traf Lieut. Graf v. d. (Volks 5'äbr. br. W. ,Vellcu“ als Dritter cin; dcs Hrn. (5. PilFscbkc a. F. St. „Viscountcß' Passirte gar nicht nicht das Ziel. Dcr Sieger erhielt 1430 «76 Er wurdc nicbt gefordert. _ Um 41 Uhr folgte diesem Rennen:
17. Ad]crsflug-Hürden-chncn. reis 750 .“ erken- reitcn. 3]äbr. und ältere Pferde. _30 .Mi ins. 15 „“ . eugcld. Distanz 2400 m. Von den 8 zu dic1cm Rennen genannten Pferden erscbicncn nur 3 am Ablauf. (5,6 siegte nacb Gefallen mit 3 Längen des Hrn. v. Mußcnbecbcr 4jäbr. br. St. ,Hcrmionc' v. Henry a. d. Ladd Marv unter ihrem Besiyer ge en des kn. K. v. EicbelI 4jäbr. schwbr. St. .Fiammella' unter L ent. v. alt- zabn. 10 Längen hinter dieser traf Major v. Belows a. F. W. .Easton“ unter Rittmstr. Graf Dohna als lcvfer ein. Die Sie- nerin erhielt 783 «14, .Fiammclla' 99.“- und „Ea ton“ 33 „44 Die Siegerin wurde in der Auktion für 3750 „46 zur ckgekauft, so daß der Hindernißrennvcrein dcn ausgescxten Preis wiederzurückerbiclt. _ Den Schluß des Tacxxcs bildete um . Ubr:
_ 17. Curatrir-xagdrznnen. Preis,930 .“ Herrenrcitcn. Zur 4jäbr. und ältere Pferde 40 .“ Emsax, 20 .“ Rcugeld. istatx; 4500 m. Von den zu dickem 2 cnnen angemeldeten 11 Pferden erschienen nur 4 am Ablau, von denen nach einem
interessanten KamÉf des Rittmsisters Grf. BiSmarck (1. Garde- Dxagbner) a. br._ t. .Edda“ (Hxlbblut) unter Lieut. von Kramsta mit einer guten Lan'ge gegen Hrn. F. Bandelows a. br. St. „Mary of Sxotland' unter ihrem Besitzer siegte. Lieut. v. Schmidt-Pguli's 61abr. F. St. .Rega" unter Rittmeister v. Tresckow wurde 6 Langen detntermdritte. und einen Kopf hinter dieser landete Lieut, v. Skop- mcks 51abr. br. H. „Xerxes' als lejzter. Die Siegerin erhielt 960 .F., „Mary of Scotland“ 180 „46 und „Rega' 60 „M
Die diesjäbrige Versammlung der deutschen Natur- forscher und Aerztewird in Eisenach vom18.bis21.September stattfinden.
Die Tagesordnung lautet:
. Sbnniag, den 17. September, Abends 7 Uhr: Zusammenkunft tm ,Twolr“ (Schmelzerstraße Nr. 16).
Montag, den 18. September, Vorm. 9 Uhr: Erste aÜgcmeine Versammlung mx Tbrater. _ ]) Eröffmmg der Versammlung durch den ersten Grscbastsfubrer Dr. Matthes. 2) Bcgrüßuna von Seiten der Behörden. 3) Wabl des OrteS für die 56. Versammlung. 4) Geh. Hofrath Haeckel-Jena': „Uebrr die Naturanscbauung“ von DWDM,“ Goethe und Lamarck. 5) Sanitäts-Raib ])r. Barnim- Wilbxlixn-Swinemünde: „Urber den Eisenacher Arzt Christian Franz PauÜmt,“ _ Nacbn1.: Konstituirung der einzelnen Sektionen in ihren Lokßlitateii. Wahl der Vorsitzenden 2c.
Dienstag, den 19. Srptember, Vorm. 9Ubr: Srktionssisungen. Nachm._ 3 Uhr: Was.
Mittwch, den 20. September, Vorm. 9 Uhr: Sektionsfißun- gen. Nachm. 3 Uhr: chril,
Donnerstag, den 21. September, Vormittags 9 Ubr: Allgemeine Versammlung, _ 1) Prof. Rebmke: „Pbyswlogie und Kantianis- mus.“ 2) Prof. von Bergmann-Würzburg: „Ueber die gegenwärtigen Verbaydmetboden und ihre Stellung zur Antiseptik“. _ 3) Direkwr der Writerwarte 131". Aßmann-Magdeburg (Thema vorbehalien). _ Nachmittags 3 Uhr: Sektionssißungen.
Freitag, den 22. September: Fahrt nach Kissingen. Begrüßung am Bab'nbox und festlicher Empfang im Konbrrsationssaal. Kaltes Gabelfrribstuck wit Wenx. _ Besichtigung der TrinkqueUen. Soos- 1prudrl im Bade-Etablisiement. _ 4 Uhr Nachmittags: Diner. _ Abends:,BeleuckÜung des Kurgartens, Reunion im Casino des Aktien- bades nnr kaltem Sonder 2c., Bau.
Wiederholt ist in lcßtcr Zeit bon bsmcrkenswrrtben Ankäufen ffir das Antiquarium der Königlicben Museen zu melden gewesen. Bei den wichtigsten drrselben aber handelte es sicb meist um Reste der ältesten Perioden antiker Kunst, die, kunstgeschichtsich b01_1_ iznsibä barer Bedeutung, doch naturgemäß cin überwiegend wimrnicbaftltcbcs Interesse darbieten und weitere Kreise drs gebildeten Publikums nur wenig zu fesseln Vermögen. Um so allgemeinere Beachtung Verdient eine der neuesten Criverbungcn, ein Prachtstück ersten Rariges„deffcn KunstMise dem modernen Empfinden so nahe st'ebt wie nur Überbaupf irgend cin Werk antiken Ursprungs. Es ist dl“: angeblich in der Nähe von Pompeji g2fundei1e bronzene Doppelberzne eines Satyrs und eines SatyrmädÖrns, die mit dem zugrbörtgen bierseiiigcn Pfrilrr aus gleicbem Material etwa'1 111 Horb sein ning und ihren Pkay im ersten Saal des Anti- quariums in rrnem bewnderen, ringSUm verglasten Schrank erhalten 594. (;Hariz _mit grauer Patina bedeckt und dabei völlig unversehrt, zablt sie in jeder Hinsicht zu den wertlwoilsten und schönsten der uns crbalfenexi anmritbigen Scböpfrmgen jener späteren Zeit der antiken Kunst, die als eine lange und reiche Nachbliitbe den klassischenPerio- dcn fblgte. Auf der einen Seite der Herms steht der Bescbauer dem bergnugt lachenden, fast noch kindiicben Gesi-Öt eines eben erst frisck) und vol)! „erblrrbenden Mädchens gcgenübcr, 110.1 deren Hintrr- baubt _ beidcrwits eine lange Ringellocke auf die Schultern berabfaklf, wabrend unter dem Ebbeukranz mit üppigen Vlütbcntrauben das in der Mitte getbeilte giattsträbniqe Haar sicb auf die Vorsprin- gende Stirn schiebt. Der Kopf mit dem breitgezogenen offenen, Munde und den in die Wangen sick) cindrückendcn Grübcben ist von dem Ebcnmaß dcs gricchischen Profils weit ensernt; die rundlichen Formen und die spitzen Ohren vcrratben deutlich die Abstammung aus dem Satyrgcschlccht. Auf der andrren Seite ist es ein cienfalls bekrävzicr jungrr Burirb'gleicbcr Art, dcr, womöglich noch vergnüg- ter grinsend, den Blick cm wenig yritwärts und nach unten bin un- verrvandt auf einen _nicht (1051! weit entfernten Gegenstand oder Vorgang richtet, dcs1rn Beobm'btnna ibn böcblickst ergötzt. Das volle lachende Bebagen als Effekt des Komischen kann nicht na_turwabrcr und zuglcirb in künstlerisib fcincrer Abwägung gcicbildcrt werden, als es in diesem geistreich erfundenen, von Walkbaster Grazie erfüllten Werk xirscbicbt, das dabei in der (Zbaraktcristik beider _K'örfc wieder die naiv fröhliche Lust des Mädcbrns und dir rcr1ck111iisxtcrc des Burscbcn in einen unübertrefflib durcbgcfiibrtrxx Kontrast stclt. Um der Darstellung selber willcn cbcnso ititcrcimnt wie als Probe cines außerordentlirb weitgehenden Naturalisinus drr Auffaffung, ist die Arbeit außerdem in dcr Mo- dcllirung drr beiden Büsten, iibcr dcrcii acmrinfamc Schulter beider- 1eits cin Gcwxndstück in leichter Fältclung bcrabfällt und den Uebcr- gang zu dem glatten Pfcilcr vrrmrttclt, sd boilcndct nicistrrbnft, das; man sic obne Frag? als ein Originalwcrk von der Hand cines gricibiscch Künstlrrs betrachten darf.
Breslan, 31. Jitli. (W.T. B.) Die Gcncralocrsamm- lung des Vereins deutscher Eiscnbabnvcrwaltungcn wurdc bcntc im Concertbansc unter dem Vorsnz des Gel). Regierungs- Ratbs Simon (Berlin-Hamburgcr Eiscnbabn) eröffnet Die meisten Vcrcinßvcrwalfunacn smd durcb mcbrcrc Dclcgirtc vertreten. Ober- Präsidcnt von SW'DUVÜZ begrüßte dic Vcrsammlung Namcns der Königlickzcn Staatsregierung und sprach dcn Bcstrcbungcn des Vereins Namens dcr StaatSrcaicrung seine Anerkennung aus.
Das Gastsricl dcr Gcfcüscbaft dcs Friedrich-Wilbclm- städtisch Theaters in Nürnberg schließt, nacbdcm Direktor Hriyickoe daiiclbc schon ctximal auf Wunsch verlängert hatte, mit dem ,cutigcn Tage ab. Es ijt durcbwcg äußerst glänzend verlaufen: cs ivurdc nur vor gut bcscßtcm Hause gesriclt: die Berliner Darstella'r crntcten Ovatibncn aller Art, und in dcr gesammten Nürnbcracr Prcffe cinsximmig dic srbmciibcllmstcstc Anerkennung. Di.“ Mit- glieder troffen in dissen Ta.]cn naä» bicrwörbcntliOcr Abwcscnbcit wieder in Berlin ein. Die Ausführungen der Operette „Dcr lustige Krica' nehmen mittlcrireilc hier ihren Fortgang: am Sonnabend undSonntag war, obgleich bcrcitJ die iwcibundcttstc Wiederboluna bcrkorstxbt, das Friedrich - Wilbclinstädtiswc Theater wiederum aus- ver autt,
Krolls Theater. Da die lente Auffiibrurig dcr „Lustigen Weiber von Windsor“ mit Fr. Maric Basta a]s_Gajt am Sonntag troy dcs uxmünstiacn Wetters cin vochsc1_:1cs Pairs imd wiederum den rauschcndstcn Beifall fand, wird die Ober. wahrend dcs,Gast' spiels dcr Münchener Hofovernsängcrin noch cmmal am Mittwoch wiederholt werden; ebenso wird Hr. Mar Alvatv nocb'zwci Mal in Mebulö .Joscpb in Egvrten' auftreten. Morgen (Dienstag) singt Fr. Basta die Leonore im „Troubadour'.
Vavrcutb, 30. Juli. (W. T. B.) Bei der beiztigen ersten öffentlichcn Vorxstelluna dcs Buhnenfckisvicls .Par- sifal“ war die Be eßunn dcr Rolicn_ dieselbe wie bei der ersten Patronatévorstcllun . Das Haus war !ck'r besucht, aber nicht aus- verkauft, die ?ürtcnloac unbeseyt. Das ublikum war sebr animirt; dcr Llumemnädcbcncbor erntete raus enden Beifall. Die vorzüglicbancistungen des Orchesters fanden allaemeinste Anerkennung. Richard Wa ner wurde wiederholt lebhaft gcrufen, erschien aber nicbt vor dem Pu likum.
Auf vielseitigen Wunsch wird im Flota-Etablissement iu (Cbarlottcnbxrn am Sonnabend, den 5. August, ein drittes, in dieser Smwn letztes Sommernacbwstst stattfinden.