1882 / 185 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Wed, 09 Aug 1882 18:00:01 GMT) scan diff

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der Pächter innerhalb 7 Jahren nach Anwendun der Vill auf sein Pachtgut das Pachtrecht verkauft, der rund- befißer den Pachtrückßand von einem Jahre aus dem Erlös des Verkaufs nachträglich soll erheben können. Das Haus lehnte schkießlich das erste Amendement Salisbury's mit 293 egen 157 Stimmen ab und nahm den an Stelle desselben Jeantragten Zusaß Gladstone's an. Im Fortgange der Sißung wurden die übrigen Amendements zur Pachtrück- ßandsbill nach den Anträgen der Regierung mit großer Ma- jorität angenommen.

Frankreich. Paris, 8. August. (W. T. B.) _Die Leute in der Kammer der Deputirten verlesene mini- erielle Erkläruna sagt: Das thum der Kammer vom 29. Juli hat die Folge, daß, sich Ihnen em neues Kabinet vorstellt. Seine erste Pflicht ist, Ihnen zu sagen, welche Bedeutung das Votum_ in seinen Augen hat und welches Verhalten dasselbe ihm auferiegt. Indem die Kammer die nöthigen Kredite; für einx pcirtieÜe Be- seßung des Suezkanals verweigerte, ergriff dieselbe eme Maßregel der Zurückhaltung und dex Klugheit, welche durch- aus keine Abdankung ist. Die Regierung WU'd sich yon dem Gedanken durchdringen lassen, welcher das Votxim diktirtx, iind wird ihre Haltung demgemäßeinrichten. Wezm mdeß Ereignisse eintreten soUtcn, welche die Jntereffetz und die Ehre Franrmhs zu engagiren scheinen, so werden um; im? beeilen, die Kam- mer zusammenzurufen und ihr diejexngen Beschlüsse zu unterbreiten, welche die Umfiändeserhe1schey sollten. Wenn die inneren Fragen auch weniger dringliche smd, so verlangen sie doch nicht weniger unsere Aufmerksamkeit; aber vor) dieser Seite her kann während der bevorstehenden SusPetision der Sißungen nicht?» kommen, was uns gefährdet 0er engagirt. Wir werden die Zeit, welche Sie uns geben werden, beziußen, um die betreffenden Fragen zur Lösung zu bringen. 'Wir werden uns bemühen, die Lösung derselben in dem iiberalen und,f0,rt- schrittlichen Sinne durchzuführen, welchen dre'fe Fragxn nntsich bringen. Wir seßen uns ein weiteres, Ziel.: Wir werden dahin arbeiten, die verschiedenen Fraktionkn' der republika- nischen Majorität einander „näher zu bringen und, zu vereinigen , und wenn tmr mit Ihrer Hülfe 'dlésßs patriotische Ziek erreichen können, dann glauben wir ' ein Werk vollendet zu haben, welche?- bei den gegenwartigen Umständen fiir die Kammer und die Repudlik „vpn dem größten Interesse ist. _ Die Kammer nahm die_niin1sier1911e Erklärung mit Beifall auf und genehmigte daran! die Kapitel des Budgets, betreffend die direkten Steuern. Clémenceau gab darauf eine Erklärung ab, in welcher er sein Mißtrauen gegenüber dem neuen Kabinet aussprach. Man erwartet den Schluß der Session für morgen.

Türkei. Konstantinopel, 8. August. (W. T. „B.) Ueber die gestrige Konferenzsißung verlautet weiter, daß Said Pascha ausdrücklich erklärte, die Pforte stimme den in der Note der Botschafter vom 15. 0.911. enthaltenen Bedin- Ymgen und Vorbehalten vollständig zu und daß die türkischen

elegirten hierauf das dieSbezügliclxe Protokoü unterzeichneten. Ferner machte Said Pascha die Mittheilung, daß _die Prokla- mation, welche Arabi Pascha zum Rebellen erkläre, bereits abgefaßt sei, er wer 0 eine Ueberseßung der Proklamation voraussichtlich schon 'chften Donnerstag vorlegen.

_ (W.T.B.) Auf eine bezügliche Anfrage Said Paschas

sol] Lord Dufferin erklärt haben, er sei ohne Kenntnis; dar- über, ob die Engländer JSmailia beseßt hätten. _ Ueber die higherigen Verhandlungen wegen des italienischen An- trags, betreffend den maritimen Schuß des Suczkanals, wird noch bekannt, die Türkei habe anfangs die Bedin- ung gestellt, daß die Dajuer der, U_eberwachung zeitlich estgesiellt werde, womit sich Corti emverstanderi erklärt habe. Said Pascha habe darauf verlangt, das; die Ueber- wachung des Kanaluiers der Türkei vorbehalten werde. Corti aber habe erklärt, daß ein solches Verlangen einem absoluten Verbote jeder Landung von anderer Seite gleichkommcn und das ganze Arrangement verhindern wiirde. Said Pascha habe in Folge dessen sein Verlanzen zurückgezogen.

_ 9. August. (W. T. B.) Die türkischen Trans- portschiffe „Taif“ und „Medjidie“ mit 3000 Mann sind, von Salonichi kommend, in der Sudabay eingetroffen. _ Derwisch Pascha und Server Pascha haben ihre Ab: reise verschoben, bis das Arrangement über die türkische Inter- vention und die Proklamirung Arabi Paschas zum ReveUen, sowie die militärische Konventiyn mit England zu Stande gekommen sind. _ Das türki1che Expeditions:C0rps wird, wie verlautet, nur 6200 Mann betragen; die Pforte sol] aber die Formirung eines zweiten Armee-Corps von 10 000 Mann beschlossen haben.

Rußland und Poley. St. P eteerurg, 9. August. HW. T. V.) Durch Kaiserlichen Befehl an den Justiz-Minister md die VoUmachten des die Ostseeprovinzen revidirenden Senaxors'Manassein dahin erweitert worden, daß derselbe Zur Eixileitung des Strafverfahres gegen Beamte be- ugt sem soll„ _ An Stelle des General-Majors Kosloff in seiner Funktion als Stabschef des Gensd'armerie- Corps ist General-Maxor Flirst Kantakucen, bisher Ge- hülft? des Stabschefs des Warichauer Militärbezirks, ernannt wor en.

Dänemark. Kopenhagen, 9.21u ust. (W. T. B.) Der König und die Königin von änemark sowie der König 'von Griechenland mit seinen Kindern werden heute Nachmittag über Lübeck nach Wiesbaden abreisen.

Afrika. Egypten. Alexandrien, 8. August. (W. T. V.) Das englische Kriegsschiff „Superb“ hat vor Ramleh Stellung genommen und beschießt die Vor- xxsten der egyptischen Truppen, welche in den lehren Tagen

ersuche machten, vorzudringen. _ Das Ueberwachun s- comité für die Lieferung des Süßwassers giebt e- kannt daß vom nächsten Montag ab nur noch während vier Stunden Wasser geliefert werden wird und daß für die übri- gen Tage die tägliche Entnahme pro Kopf auf 20 ] fi irt wird. _ Im Laufe des Nackmittags ging eine kleine Abtxeilun egyptischerKaval erievoanbetKiw hid gegen Ramleß vor, wurde aber durch das Feuer der naländer bald zum Rückzug genöthigt. _ Den englischen Truppen wurde Leute in einem Tagesbe ehle die Anerkennung der

önigin we en ihres erhaltens UUSgesprochen. _ Das Befinden der i dem le ten RekognoSzirungSgefecht Ver- wundeten ein beÖried endes. _ Die we en auereichender Beschaffu von Su wakser gehe ten Ve or nisse werden durch Umstand vermehrt, daß 8316 mit je em Dampfer Thi FlüchtlinFe namentlich Italiener und Griechen, nach lern en zurück e ren.

_ Ein Telegramm der „Timed“ cus Alexandrien vom 8. d. M. meldet, der Khedive habe eine Proklamation an das egyptische Volk erlaffen, welche Arabi Pascha für einen Rebellen „erkläre. _ _

_ Ueber die egyptische Armee berichtet die „Pol. Corr.“ weiter:

Um ein völlig getreues Bild“ von ,der egyptiscben Armee zu ge- winnen, mu man unterscheiden: 1) zivischen den befißenden Fellahs, 2) nichts be enden Fellabs, 3) Negern.

Jene Fe abs, die ein Eigenthum aufzuweisen haben, md nur von dem einen Gedanken möglichst rascher Heimkehr beherrsch . Seit dem 1. Februar 1880 versprechen ihnen Arabi und seine Kollegen den Abschied, und seit dieser Zeit nehmen die Desertionen ganz unglaublick; zu. Die meisten der unter Waffe:) stehenden Syldaten, die irgend einen Besitz in den , Dorfern des Nilthales haben, sind seit 1881 * nicht etwa einmal," sondern mebrxre- male desertirt. Mit Gewalt und in Ketten zuruckgebracht, desertir'xn ie abermals, weil man es nicht n'agt, sie zu bestrafen. Man hort ie laut sa en, daß sie es Waren, die Arabi und dessen Konsorten zu dem gema t hätten, was fie jetzt sind, und daß diese ohne sie heulte Nichts wären 11. s. f. Arabi und feine „Genossen belassen, sie in diesem Glauben, um ich ihre Anhänglicbkeit zu erhalten. Seit mehr als einem Jahre er (beinen die Soldcxten sebr unreaelmaßtg beim Exerziercn und viele Personen'wundern sich, daß sie fich noch dazu berbeilaffen, die Wache zu [)(-ziehen. '

Dagegen deskrtirten die befißlosen Fellahs gar nie_. Diese,!)aben sich an das Garnisonsleben gewöhnt. Jezie v"on ihnen, die' das Schreiben und Lesen erlernt haben und nicht alter 01,8 25 bis 30 Jahre sind, treten zur Gensd'armerie oder zur Polizei nberz die übrigen bleich in der Armee, und wenn es absolut Joik) thut, _sie zu reformiren, schickt man sie nach den orts an den Kasten oder in dre Hauptstädte der Provinzen. Die “lasse der Soldaiep, die besitz- [osen Fellahs, können als der sclideste Theil der egyptiscbexi Armee angese en Werden. Es ist aber zu bezrveifeln, 05 sie Arabi Pascha treu bleiben, wenn er sie nicht versichern kann, daß er nach den Be- feHlen des Khedive handle. Sickyerlich waren manche unter, ihnen ge- neigt, ihn zu verlassen, wenn sie uichtfiirchteten, ihrenxinzigxn Brod- erwerb zu verlieren. Diese Sorte von Soldaten bildet indes; die Minderbeit in der Armse. '

Die gegenwärtigen Neger endlich find Sklaven 9118 dem Sudan, die aus allerlei Gegenden zusammengelesen, bauptiachiich aber den Sklavenhändlern abgcnommen und in die Armee gesteckt worden sind, als JHMail Pascha mit England ien Vertrag betreffs Abschaffu_ng der Sklaverei abschloß. Die Leute kennen den, Kbedive ,nur als cm un- persönliches Wesen und aitachiren fish an ihre Offizißre, 0031 denxn man sie nicht leicht adWendig machen Yann. _ Sie sind Wilde, die, wiewohl durch das Leben in Kairo schon eitvczs Verweich- licht, den Tod nicht fürchten. _Wenn ihre Offiziere sie die eine oder die andere Bewegung auSsühren [affen Wollen, [affen sie ihnen vorher die Busa, cine Sorte aus Brotgegorenen Bieres, geizen; damit berauscht, würden sie- den Kbcdive unter Anrufung eines Namens tödten oder sich für ihn in Stücke bauen [aiienx xe na den Befehlen, die sie von Men unmittelbar vorgesexzten Offizieren cmpFan- gen würden. Sie find Alle Verheirathet und schleppexi ihre WZider, die einen großen Einfluß auf das „Gemüth "ihrer Mannxc ausiiben, mit sich. Sie kennen keine DiSziplm iind wurden auf kcme_Befel)le hören, wenn ihre Weiber in Gefahr waren. , .

Wenn Arabi Pascha Heute wirklich einen über EinsÖiiÖtcriiiig durch terroristische Mittel oder: über einen momentanen Rausch [)m- auSreicdcnden, tieferen Einfluß auf die Armee besiZen iollie, dann wäre dies nur der Schwäche zuzuschreiben, die ihm gegenuber an den Tag gelegi Wurde und ihm von Crfolg_zu Erfolg verhalf. Sch0n im Februar 1881 gewährte man Arabi Alles, was er anlaßlicl)

seiner ersten Demonstraiion ,vetkngxx-batte. Ebenso Wurde

ihm bei seine)?“ zweiten Demxßnstration - Alics bewiüigt. Arabi verlangte abcr nocb mehr. Jm-Septembér 1881 nannte Herr _vvn Bli niéres diese Demonstration: Revolution mit Rosenwasier; AraJi Pascha und _seine Raibgeber baitcn aber 0608, erreicht, was sie Wollten: Erhöbung der Bezüge, Rang, Beseitigung der Tscherkeffen und Türken, deren Erscßung durch Egyptcr 9118 der Truppe, ZUWeisung dsr den Militärschulen entivachscnen Zöglmgx an die Civilverrvaltung und der Offiziere an die Armee. Je sghwdchcr man sich ihnen gegenüber zeigte, desto Hungerigkr Wurderi sic in ihren Ansprüchen, und je höflicher man ihnen gegenüberirat, ]„e mehr man es Versuchte, sie durch Sanftmutk) zu gewinnen und ihnen klar zu legen, daß ck Alles verlieren hieFe, wenn man Alles umstoßen Wollte, desto mehr befestigte sich in inen die Ucbcrzcugung, daß man fie fürchte und daß sie selbst nichts zu befürchten hätisn. ' _ Einem hervorragenden Mitgliede der Noiabclnkammer hielt ich gelegcntlich vor, da[; die Franzosen sich seit einem voller) Jabr- bnndert auf der Suche nach einer iHnen konvcnircndcn Regicrizngs- formbcfmdcn, und daß sie noch immer davOn entfernt seien, die ihren Aspiraiioncn ciitspreiiécndc Regierung gefunden zu babcn, und [*ctonie, wic Angesichts dessen die Egyptcr glauben können, daß die ebcii in dcr AuSarbcitung begriffene Verfaffuna dcmLandc unbedingx konvcmrcn Werde. Eccrwiderte, ohne im Mindesten zu zaudcrn: „Ja, die Franzoscon sind Kinder, die nicht wissen, was sie wollen; wir Eaixpter aber,. ivir woÜen Gcrcchti keit und n'erdcn cine gcrcchteKonstiiution ausarlxciiey." Ich habe ihn n cbt verstanden; hätte ich geglaubt, daß er iclet icme Antwort vcrstcbe, würde ich ihn um Aufklarungcn gebctc'a ha cn._ _ Ein andcrcs Mitglied der Notabkenkammer antwortete eincm mcmcr Freunde im leisten Mai in einem Augenblicke, in Welchem man glaubix, dcr Kbedive Werde die Obcrband behalten, auf die Frage, ob er fur den Kbcdivc oder für Arabi Pascha sei: „Jeb byltc den Stock bei der Mitte und werde meine Hand nach der_Scite Ybrcn, nacb irclchcr er sicb neigen sollte, um nach der cntgcgcnicytcn c-citc_ zu tasten." Es bleibt also festzuhalten, daß die ganze cg1)1_'ti](i*c Armcgcius Fcblabs besteht. Nur unter den höheren Offizicrcn nicbt cs noch ctiitge wcnigc, die Türken oder Tscherkcffen sind, die iibrigen sind cgvptiichc Parvcnus, "rie ilyrc Karridrc von der Pike auf acmacbt haben. Der Präsident des Kricgögerickotcs, das zur Aburtdeilung der im Mai 1882 wegen einer angeblicbexi Vcrfcbwörung gcncn Arabi Pacha m_i- Xcklagten Tscherkcffcn cingc1c15t wurde, war Raschid _Pascba, _cin * scberkcffe, der an eine Schwester Manjur Pa1ckas, cines Schwagcts des chdivc, vcrbcirathct ist, der aber keinerlei Einflu auf seine Kollegen bcsißt. Dcr Divisions-Gcncral und laP-Kommandant von Alexandricn während der chtcn Ereigniffc war ein Türke, Namens JStnail Kiamii Pascba; man hielt ihn aber in Quarantaine und er eiyvfing die Befehle vom Oberst-Lieutenant Oöman Bev, der den Schlussel zur geheimen Corre- spondenz mit Arabi Pascha besaß. Dcr Krieis-Minister korrespondirte mit dem Oberst-Lieutenant, und dieser ert eilte dic Bcfebie an den Divisions-Gencral, den Brigade-Gcneral, dic Obersten uxid selbst an den Gouverncur nnd Präfekten von Alexandrien. Ost- mals lies; er dicse Befehle direkt an die betreffenden SteUcn mit Umgebung der vorgescvtcn Behörde gelangen. Es könnten zwar noch viele böbcre Offiziere namhaft gemacht ivcrdcn, Welche eine Stelle innehalten und dieselbe, troH ihres Widerstrebcns und ihrer Abneigung gegen ihre erniedrigende erwendung, auf Ve- febl und ausdrucklicben Wunlcb deo thdivc beibebieltcn. Sie be- deuten aber reine Schattener stcnzen und genießen nicht die geringste Zliiioiität, weder bei der Armee, noch auch insbesonderc bei den zeren.

Zeitungöfkimmen.

n der „Neuen Preußischen Ztg.“ lesen mir:

n dem Bericht der Handelskammer des Kreises Eupen über das abr 1881 wird geklagt, daß die Ergebnisse der Indutrie im Allgemeinen und nantentlicb der Tertil-Industrie Legen das orjabr wesentlich zurück ebliebxn. Bezü lich der Ursache ieses Zustandes sei jedoch weder in er fruheren no in der gegenwärtigen Handelspolitik

irgend xin Anhaltspunkx zu finden ; die iraurigen Verhältnisse könnten viel. mehr emsig der ungünstigen geographischen Lage der Stadt und den bier-„ durcb gegen die_Konkurrenzorte, Aachen und Düren, wo die Textil- industrie fich mit jedem Jahre vergrö ere, zurückstebenden Verkehrs- mitteln zugeschrieben werden. Hinsi tlicb der Streicbgarnspinneref wird „hervoxgedoben, daß die Zöge auf Garn noch zu mäßi seien und nicht hinreixbten, um die bei 1111)? Konkurrenz, Welcheibre aaren zu Schleuderpreisen auf den deut?chen Markt bringe, wirksam zu ver- drängen". Es "sei sehr zu befürchten, daß die Spinnereibesißer mit der Zeit mude wurden, obne'Nußen zu arbeiten, und es werde sich dann die jekt schon Verhaltnißmäßig große Zahl der stiüstehenden Spinnereien noch erhöhen. Dieselbe Klage über zu niedrigen Zoll auf ausländische Garne wird von mehreren Handelskammern erhoben. S0 auch in- dem Bericht der Handelskammer für die Kreise Mühlhausen i. Tb., Worbis und Heiligenstadt. Die beiden Handelskammern können nicht als reunde der Swuizpolitik bezeichnet werden; um so bemerkens- wert er ist die Anerkennung, Welche dieser Politik dadurch gezol1t wrrd, daß man zu neuem Kampfe gegen die Konkurrenz des Auslandes aufruft, und zwar zu einem Kampfe, durch das Mittel starken Schußzolls. . ' ,

_ Die „Niederschlesische Zeitung“ meldet aus Lauban, 30. Juli:

Nack) dem Berichte der hiesigen Handelskammer hat im Bézirke derselben'eine Zunahme von 302 Webern stattgefunden; im Ganzin Wurden im letzten Jahre 5047 Weber gegen 4745 im Vorjahre bc- schäftigt. Die Leinenwvberci verdrängt mehr und mehr die Baum- WVÜLsiiiidUstrié, da die Löhne für Leinen sich höher stellen. '

_ Der „Westfälischen VolkSzeitung“ Wird aus Bochum, 3. August, geschrieben:

Es ist ein Unglück, daß nach der je igen Lage der Geseßgebung die Industrie ihre Invaliden, Kranken, ittwen und Waisen einfach der Kommune zur Last ict*en kann, anstatt selbst dafiir zu sor en. Dadurch wird ein [einer Ort, Ws) sich eine Fa tik niederläßt, _ in kurzer Zeit von den Schul- und Armen- laftcn erdrückt, und früher Wohlhabende Leute geben dcm Ruin ent- gegen. Besser steht es mit dem Bergbau, der durch seineKnapdschafis- kaffen selbst für die JiiValiden der Arbeit sorgt, anstatt sie einfach- der Civilgcmcinde zur Ernährung zu überlassen. Es ist leicht, ziffernmäßi nachzuweisen, daß überal] da, Wo vorwiegend Bergbau mit Knapp ckafi§kaffen exisiirt, die Gemeinden nicht in so rapidev Weise belastet ivorden sind, wie in solchen Gcrneinivcscn, die von dem 2530th01160 ost manckicsteriiciéer Fabrikberren und den Folgen des l)]ZÖst defekten „Hafipflichtgesetzes abhängig sind. FüHren wir (118 ;Beweis zwei Städte auf, deren Entwickelung eine ziemlich gleich- maßige war:

Unsere Nachbarstadt Gelsenkirckpen befiizt wenig Industrie, Wohl (iber einige gut reniirende Bcrgrverke; während Bochum vorwiegend eine“ durch KnapPsÖthskasien nicht geschÜHte Eisen- Und Stabl- industrie besitzt. Im Jahre 1880/81 nun betrag in der Stadt" Bochum 'der Armen-Etat exkl. Verivaltungskosten bei 33432 Ein- wohnern 100546 «W., gleich 3 «M rund auf den Kopf der Bevök- kerung, im Jahre 1870 aber bei 17 585 Einrvobnern nur 18 783 „ss, gleich 1 „M 10 45 rund Per Bevölkerungskopf. Die Armen- lasten Bochums stiegcn also um 530 0/0 gegen 1870 (in 11 Jahren), während die Vermehrung der Einwohnerzahl nur rund 90% betrug. Die Armenlastcn des 1870 noch als Amt rangirendcn Gelsenkirchens betrugen 5103 «M, gleich 27 «3 per Kopf der chöl- kerung. Im Jahre 1880/81 betrug die Bevölkerung der jungen Stadl 15 122 Seelen (die Gemcinden Bulmke, He [sr, Brandauer- schafi, Hüllcn und Schalkc, Wclcbc früher zum mt Gelsenkirchen gehörten, bilden jetzt das Amt Schalke), dic Armenlasten dagegen nur 12 692 „is, was also nur 83 „3 pro Kovf der Bcvölkerunq auImacht. Die Armcnlast Gelsenkirchens ist also um fast 200 % gestie en, in Weicher Zeit die der Stadt Bochum, Dank der keine Knapps aftskaffen besitzenden Eifenindusttie, um rund 530 *'/0 gestiegen sind. Diese Zahlen müssen zu denken und den Impuls an den maßgebenden Stellen geben, mit alier Energie dafür einzutreten, daß die projektirtcn Unfailéö, Krankcn- und Invalidenkaffen noch in diesem Jahre greifbare (Gcstcxlt gewinnen. Die Industrie soll nicht mehr die ihr „gebührende Verwrgung ihrer Invaliden, Waisen, Witt- Mn oc. auf die Gemeinden abn*äizen dürfen. .

_ Der „Essener Zeitung“ schreibt man aus West- falen unter dem 6. August:

Ueber den [egenßrcicbcn Einfluß der neuen ZoUvolilik auf die clocmiscbe Jnduiiric spricht sich dcr socben crschiencnc Bcrickit dcr Aachener Handelskammcr aus, indem sie lyervorbebt, dai"; diesePolitik nacb _0llen Richtungen bin belebend und fördernd fiir die vater- ländijcbc Industrie gcwirkt Habe, da cindcimisibc Rohproduktc (Salz, Scdn'efclkics, Kohlen und Kalkstein) nichr als je acfördcrt und Verarbeitet Werden und Weniger Kaditalien als früher fiir das fertige Produkt ins Ansland Wandern, wäbrcnd der Konsument erheblich weniger für die fertige Waare zu zahlen hat, als vor Jahren. Im Vertrauen auf die Beibehaltung der jetzigen Einganaszöllc Werden u. a. die vorhandcncn Sodafabriken verbessert und ayschebnt, und mehren sich daneben die Anlagen von Amvwniakwdafabrikcn in Deutschland, so daß bald auch in dieser Branche eine Ucbcrprodnktion stattfinden wird. Nachdem solche Ammoniaksodafabriken in Grevcnberg, Duisburg, Dicuzc, Heilbronn, Nürnberg, Trotha bei Halle und Wiidlcn cxislircn, wird auch Mitte des Jahres eine solche Anlage in Jnowrazlaw und Ende 1882 die Solvavscbc Fabrik in Bernburg in Bctricb kommen. Die englische Soda ist mehr als früher zurückgedräiigt und trotz der Erhöhung dcs Eingangszolch auf kalzinirtc Soda miik der Verkaufspreis seit 1879 um 5 „16 der 100 kg. Alle Etablissements, welcbe sich in Deutschland mit der Fabrikation cbcmiskbcr Produkte bcscbäfjigcn, sind vollauf beschäftigt und namentlich auch die Fabriken des Aachener Bezirks.

Statistische Nachrichten.

Das Iunibcft dcr" Monatsbcfxc zur Statistik des Deutschen Reichs 211117011, außer den aus den cntsprcchcndchonat bczüglichcn Nachweiscn ubxr die Ein- und Ausfuhr dcr wichtigeren Waarenartikcl, die Durcbicbnittsdrcise wichtiger Waarcn im Grof:- bandcl und über die Zuckcrvcrstkuerungnocb folgende Jahresstatistikcn: ]) für das Kalcnderjabr1881dieHauptcrgcbnissc derWaarcn- Verkehrsslatistif nacb Mengen und Werthe", 2) für dqs Ctatsjabr 188] 82 eine Ucbcrsicbt über den Tabackbau und die Ergebqiffe dcr abackcrnte, 3) für denselben Zeitraum eine Uebersicht dcr Einnahmen an Zöllen, gcmeinscbaftlicbcn Verbrauchs- steucrn und an Stempelabgabcu von Spielkarten, Wertbpapicrcn, Schlußnotcn, Rechnungen und Lottcriclooscn, sowie 4 über den Ver- braucb von aestcmpclten Blanketts und Stcmpclmar en und die Ein- nahme an Wechselstempel-Stcucr.

Kunst, Wissenschaft und Literatur.

Wien, 5. August. Die amtliche „Wiener Ztg." veröffcnllicbt folgende Bekanntmachung: Die Jury der ersten internatio- nalen Kunstausstellung in Wien hat die vom K. K. Unter- richts-Ministcrium für die hcrvorragendstcn Werke der Ausstellung gewidmeten drci ig goldenen Staufixmcdaillen den nach- benannten Künst ern zuerkannt: Belgien: Henri de Braekcler. Maler; Louis Gallait, Maler; Jahn Vcrbaö, Maler. Dänemark: Tbommld Niß,Malcr. Deutschland: Reinhold Beaaö,Bildbauer; ranzDe reggcr,

M;:lcrÉ Robert Diez, Bildhauer; Eduard von Ge bardt, Falch, er a

F,: nffcn, Maier; Ludwig Knaus, Maler; Jean v. Lenbach- alcr. England: Joseph E. Böhm, Bildhauer. ranireicb: Paul ouis Clémentin Bru erke, Ar itckt; Medailleur; Paul Du ois, Bild uer' Akol be Joseph ?uot, KuFfetstecber; arie tac,

and: obann A. B. Stroebel, aler.

ules C Lment Cha lain, cnti HatpiMit-ö, alex; can Antoine

acqucs Baudrv, Maler; William Adole Bou uereau, Maler;

Bild auer. Fo Aalien: Emi io Marsili, Bildhauer. chterreiÖ-Ungatn: Hans-

Makart, Maler; Michael von Munkäcv, Maler; oferb

Tautenbayn, Medailleur; Otto von Tboren, Maler; Victor T lgner„

ildbauek- Schwedcn-Nonvegenz Karl Gustav Hellauist, Maler.

Ypanien: Joss Casado del Alisax, Maler; Francisco Pradilla, Maler. Zu dem vorstehend aufgefubrtewEr ebniffe der Jury-Ver- handlungen nu?)? bemerkt werden, daß _m emäßbeit der Bestim- mungen des eglements der Jury jene Mitglieder derselben, welcbe zugleich, Aussteger sind, auf Erlangung der Staats- medaillen Verzicht geleistet haben. Diese find: Heinrich von Angeli, Karl Becker, Lédn Bonnat, Hans Canon, Coradin Cunoeus, Claude Ferdinand „Gaillard, Claude Guillaume, Konrad Kiesel, Karl Kundmann, Vicior Lagye, Jules Lefebvre, Morten-Müller, Victor Marie Charles Ruprtxb-Robert, Edmond de Schampheleer. Ferner als Ersaßjuroren: Sigtpund ['AÜemand, Kaspar Zumbuscb. Die Jury der ersxen interpanonalen Kunstausstellung hatte auch die Sedel- meyerscbe Widmung im Betrage von 6000 rancs zu Vergeben, und wurde diese dem Maler Franz Rumpier em timmig zuerkannt.

Land- und Forstwirthfäzaft.

Leonberg (Württemberg), 7. August. Die le ien schönen Tage der vergangene): Woche baden es dUrck) fxeißige ände möglich gc- macbt, daß wn: alle geschnittenen Brodituchte gut nach Hause gc- bruck)? haben und daß selbst 'das Stroh Wenig an seiner Farbe ge- litten hgit. Es Wild Wohl in den l'eytenx 2 Tagen 4 Theil der Ernte 1118 Trockxne gebracht worden sem. Allerdings ist es rätblicb, daß "bei der zivcifelbaften Mittelung. Wenn die Fruchi rcif ist, ge- schnitten iind sogleich gebundcn und nach Hause gcbrachi wird, weil bei dem vielen„Reg€n der Boden doch warm bleibt und die Frucht |ck trocken erhalt.

Vom Bodensee, 6. August. (Karkér. Zig.) Die Roggen- ernte ist in hiesiger Gegend weit besser als in der SÖWLiz aus- gefaüen. ' Ganz leere oder halbleere Aehrexi sind in der That eine Seifenbett. Was Gerste und'Korn betrifft, so erzielte man stellén- weise um F.:nebr Garberi als im Vorjahre. Aber auch der Körner- ertrag ist durchans zufriedensteilexid, Ein Landwirtk) gewann bcim Ausdruscb V011 52"G0rben Korn nicht weniger wie 51 Sester, mit- hin nahcziz die Halfte mehr, als in anderen Jahren. Korn und WeizM zc1chneu sich namentlich durch "schweres Körnergewicht aus. _ Während in England die Aussichten fur die Hopfen ernte sich scHr schlecht gestalt'cien, la 1 sich aus 'der Secgegeiid hicrüdcr nur Günstiges berichten. le Yopfenpreise Haben sich daHer befestigt, und jene Sorted, wclche fur den Export nach England sich Lianen, baden eine Preissteigerung von 20-30 «14, d. i. etwa 25%, crfaHren.

_ (AÜg. „BW 11. Honf. kg.). Der vierte Bericht des deutschcn Hopfenbauveremes meldet ,in einem angmeinen Theile: Eine milie!- gute,wcn11 auch (zucmnxatw mcht ebenso befriedigende Ernte wie im Vorjahre scheint 71112, Bayern, Württemberg, sowie fiir einen Theil der Österreichischen Hopfenziegenden einstweilen gesichert zu sein. Das im großky „(Ganzen „gunstige JUÜWLÜCT hat aile durch die naßkalte Junnvrtterung in der (Entwickelung zuriick- gebaltencn Garxen b€1ten§ geföxdert. Ungeziefer und Krank- deiten baden sich mir in wenigen _ Gegenden dcs Kontincntes in größercni Maße gezeigt und fcimeseßt. Lkidék aber ist die derzeitige Witterung rzicht dazu angeiixan, diese günstigeren Aus- sichten ivcifer'zu beiesti'gcn. Württc-mbcrg wird nach den bisherigen Aussichten _kenie reichlick)e„ aber bei bleibend guter Witterung doch eine Durcbjchntttsernte erzielen. Das Gewächs steht iiberall gesund und rcin, Wenn auch mitunter nur schwach entwickelt. Insbesondere auf dem größten 5Ylatze, Rottenburg a. N., wurden in neuester Zeit alle älteren Vorratbe aufgekauft und relativ gut bezahli, woraus die dortigen Produzenten den Schluß ziehen, das; das voraus- sichtliche Ernthuantum dicses Jabres allgemein als nikdrig an- gesehen wird.

_ Vor einigen Tagen starb in Schiverin der Gartendircktor THeodor Klett, einer der bedeutendsten deutschen Landschafts- aärtncr, im Alter von 74 Jahren. Der jeyt Verstorbene schuf den Schweriner Biergarten, der das Großberzogliche Schloß von der Sceseite ummc t, und verschöncrte dyn Schloßgartcn in ge- scbtnackvdiler Weise. Auci) legte er den neuen SÖWcriner Friedhof nach dem Muster des Pariser kérs - baubaizez im Jahre 1862 an. Nicht nur auf mecklenburgiscbcn Gütern (beson- dcrs zu Iyenack und Tressow), sondern auch auf holsteinischen stellte er präcbxigc Parkanlagen [)er. Seine lctzten größeren Arbeiten waren die Verichönerungen auf dem Leud zu Doberan, Parkanlagen in Dobbertin und der Entwurf eines Planes zu Anlagen bei dem neuen Museum in Schwerin.

Gewerbe und Handel.

Der Gesckzästsk'cricht der Preußischen Hypotheken- Aktien-Bgnk z_u Berlin für das erste Scmcstcr 1882 bezeichnet die Ergebniße die1es Zeitraums als im Allgemeinen befriedigend. TieYypotdeken des Instituts vertbciltcn sicb am 30. Juni 0. I. auf rundstiickc in Berlin mit 88,99 "/--, in Posen mit 6,20 “'/,*, in Breslau ntit_ 1,47 0/9, in verschiedenen Städten der Provinzen chufzcn, Pojen, Pommery, Schlesien, Brandenburg und Sachsen niit 1,61%, und auf ländlichen Grundbesitz derselben Provinzen mit 1,73%. Für die seit dem ]. Januar d. J. ncn chorbcnen protbcken im Betrage von 1002 270 «ja sind städtische Hausgrund- [xiickc z_ur cistcn Stelle verpfändet, dercn statutcnmäßigc Beleidungs- mixigkctt 1027 570 «70 beträgt, während dcr Terrainwcrtk) der Grund- stuckc_anf ca. 450 000 „M und der FcuerverfickpcrungßWertd auf 1402 985 „16. acscbaixt find. Im abgelaufenen Halbjabrc war die Bank bci9Sub- bastatiqncn bctbciligt, in denen diejelbc cin Grundstück erstanden hat. Der_Psandbriefumlauf Hat sich in Folge der Hddotbckenrückzablungcn crmafngt. Es waren im Umlausmn 31. Dezember 1881 84 635 7004/16 iind anz 30. Juni 1882 83 248150 «ili Von den vcrloosten, noch ctnzuldiczidcn Pfandbricfcn find seit dcm ]. Juli d. I. bereits ca. 11MillionenMark zur Einlösung gelangt. Dcr Rescrfonds ist durch die Zuschreibung aus dem Reingewinnc Pro 1881 auf 1040 659 „44 angewachsen. Ein außcrdcm vorhandener Spczial- Rcichcfon'cs bezifferte sick) am 30. Juni 1882 auf 413 586 „44 Der Effektenbestand von 1262 771 „76 wird bis auf wenige Tauscnd Mark vcrloystcr Effekten nur aus preußischen Consols und dcutichcr Reickys- Anleihe gebildet. Der_Sfatus vom 30. Juni d. J. craicl't, nacb Abrechnung". allrr chcbäftkunkosten, cinen Gcwinnüi'crscbux“; von 181 175 „“

Glasgow, 8. _August. (W. T. B.) Die Verschiffungcn von Roheisen wahrend der letzten Woche bctrugcn 13 579 gegen 12 669 Tom; in derselben Woche des vorigen Jahres.

Ncw-York, 7. August. (W. T. B.) Weizcnvcrs if- fxlngen der levten Woche von den atlantijcbcn Häfen der er- einigten Staaten nach Großbritannien 330000, do. nacb Frank- reich 95 000, do. nach anderen Häfen des Kontinents 55 000, do. von quiformen und Oregon nach Großbritannien 50000, do. nacb Frank- reich _, do. nach anderen Häfen dcs Kontinents 7000 Qrtrs.

VerkebrS-Anftalten.

Logdon, 9. August. (W. T. B.) Wie aus Penzancc von heute frub gemeldet wird, ist das Packetbvot des Norddeut- ichen Liovd .Mosel“, wchcs von Southampton nach New- Ziorf bestimmt war, in der Nähe des Kap Lizard gescheitert. Die PaffYiete steigen in enzance aus Land.

lvmoutb, 8. ugust. (W.T.B.) Der Hamburger Post- Damvfer .Suevia' ist hier eingctroffcn.

Berlin, 9. August 1882.

Ernteaussichten und Preise landwirthschaftlicher Produkte im Auslande.

]. Amerika.

Wenn man eine gute Normalernte leich 100 schäßt, dann errei einiäe Distrikte der Verein gien Staaten, n Folge versch ebener mfiände, eine solche nicht, wofür jedoch andere durch eine melkr als 100 versprechenden Stand diesen Mangel wieder ausa eichen, so daß durchschnittlich in den

ereinigten Staaten für Weizen 102 angenommen wird.

ternacb wären die Aussichten also besser als auf eine nie 5 ormalernte. Von Pennsylvanien_ nordwärts bis zur at an- tische_n Küste, in einem kleinen Theile New-Englands, vorzüg- lich'm Connecticut, Weß-New-York und New-Jersey litt der Weizen durch Frost Schaden, der besonders auf nassem Kleiboden (8000ZZ' 01a), 80118) intensiv und noch im Mai sichtbar war, wodurch die Ausfichten der Ernte in diesen Staaten zwischen 81-94 schwanken. Auch in Tennessee und VirZinia schadete der Frost, doch war der Weizen hier so aus: gezeichnet, daß ein Zurückgchen unter Normal nicht nur nicht stattfand, sondern der Stand in Tennessee vielmehr noch auf 107 qeschäßt werden konnte. In der Baumwollen-Gegend hat der. Weizer) in cinigen Distrikten durcb Rost und Ungeziefer gelitten; 10 wurden in Texas, wo Rost, Trockenheit, die Heffepfliege und anderes Ungeziefer zuiammenwirkten, die Aussichten um 24 Proz. verringert, und in Jack=C0uniy, von wo man bis Mitte April die herrlichsten Aussichten meldete, hgben Wiirmer dis halbe Ernte vernichtet. Dagegen melden die übr1gen Staaten sämmtlick) mehr als eine gute Normal- ernte, so daß die YuHsichten der Weizenernte im Allgemeinen als aquezLickmete bezLichnet wsrden müssen.

Die Aussichtén der Roggknernte stimmen in den meisten Staa'tezi mit dem Weizen iiberein, und wenn dieselben in den Vereinigten Staaten durchschnittlich nur 96 Proz. einer guten Normalernte sind, so liegt dieses daran, daß New-York und Pennsylvanien 83 Und 92 Proz. melden, welche beiden Staa- ten fast die Hälfte des in den Vereinigten Staaten produzir- ten Roggens dausn.

Die namentlich Gerste bauenden Staaten Kalifornien, New-York und Wißconsin (3/4 Theil 0011 den Vereinigten Staaten) melden 93,70 und 78 Proz. einer guten Normal- criite, und ebenfalls verspricht der Hafer, der im- Süden in größerem Maßstabe als sonst angebaut ist, eine gute Ernte, dg der Rost, von dem verschiedene Correspondenten melden, [US 1th keinen ernstlichen Schaden angerichtet hat.

11. Rußland.

Nachdem sick) in dsr [eßten Hälfte des Maimonats 031) so lange gewiinschte Regen in Südrußland eingestellt hat, ist der _Stand der Saaten jeßt aÜerdings ein besserer geworden, doch ist, ver chén zu spät gekommen, als daß auch nur eine nnttelmäßige Ernte in Aussicht gesteilt werden könnte. In 11201 größten Theile des Kreises Dneprow ist an eins Ernte Überhaupt nicht zu denken und in den Kreisen Werckme- dneprowsk, Slawänoierka, Alexandrowsk, Melitopol, Verdi- ansk, Perekop, Feodosia und Cherson sind die Wintersaaten schlecht und an eine Heuernte kann ebenfalls nicht gedacht werden, wenn auch der Regen den Graswuchs fördert und wenigstens dem Viel) ]"th genügend Nahrung géboten wird. Im Distrikt Waiwara wurde außerdem am 10. Juni stellenweise viei Roggen durch Hagelschlag vernichtet. Die Sommer- saaten dagegen gewähren ißt Aussicht auf eine mittelmäßige Ernte, wenn es gelingt, das Überal] austrétende Ungeziefer (Ziesslmäuse und Käfer) in Schranken zu halten. In den Fruchtgärten der Umgegend voti Karasubafan haben der Apfelblütbenstecher (1100100001118 0001011101) und der Birn- kuospensteckwr (Juibonomus yiri) den Akpfel- und Birnbäumen großen Schaden zug9sügt. Diesen schlechten Aussichten gegen- über melden Rostow am Don und Reval im Alxgemeinexi gute Ernteaussichten, wie man auch in Finland eine gute Mittel- ernte erwartet,

In Warschau wnrden Ende Juni folgende Preise bezahlt:

r. Ctr. Weizen Hoch fein pro Pud 1,68- 1,72 Rbl. 16,Y0_16,79„16. bock) bunt . 1,56_ 1,60 15,23-15,62 blauspilßig 1,35_ 1,40 13,18_1Z,67 Roggen inländi ck 0,91- 0,94 8,87_ 9,16 , russisch 0,87- 0,90 8,48_ 8,77 Gerste, Brau- 0,65_ 0,75 6,34_ 7,31 Fake; _ 0,85- 0,95 8,29_ 9,25 Frb1cn, Kosh- 0,90- 0,96 8,77_ 9,35 Buchweizen 0,75- 0,85 7,31_ 8,29 RappsnndRübsen : 8,75_ 9,00 8321-8775 che roth : 8,00-10,00 78,00-97,50 . weiß : 6,00- 9,00 58,50-87,75 111. Ungarn.

Der Weizen versprich: im Allgemeinen eine gute, in den südlichen Komitaten sogar eine vorzügliche Ernte, während R0 gen weniger günstige Aussichten bietet, auch haben stellen- wei?e Brand und Rost einigen Schaden verursacht, Das Sommerqetreide steht gleichfaüs gut, in den Komitaten Arod, Vidar, Csanäd und Jaz_1)gien:Gr0ß-Kumdnien-Szolnok sogar sehr gut, und die Hackirüchte, besonders Mais, versprechen Zrößtcntlieils eine gute Ernte. Dagegen ist Raps mit wenigen luMahnien hinter einer Mittelernte zurückgeblieben und auch die Futterkräuter geben nur eine schwache Ernte. Mit Aus- nahme einiger Komitatc Siebenbürgens, welche durch Kälte litten, gcwähren die Weingärten sehr gute Aussichten.

17. Türkei.

In den Vilayets Aidin, Konia und Angora und auf den türkischen Inseln des Archipels ist die Ernte besser als in den leßten 10 Jahren, indem dieselbe nicht nur durch günstigesWelter be ördert wurde, sondern auch die in den leßten 5 Jahren immer zunehmende Heuschreckenplage in diesem Jahre voll- ständig anSl-lieb. Die Qualitätder eernteten Gerste ist gut und der Ertrag sehr craiebig, 10 da die Preise für diese Frucht von 28 aus 22 Piafter Kupfergeld, etwa 2,46 (il: für ein Kila von 161/2 Okken oder 21 kg gefallen sind. Ebenso reich war die Ernte dcs Weizßns, des Mais, der Mohn- ftanzungcn, der übrigen Oeimaten und der Baumwoll- anten. Auch der Wein, die Feoigeiibäume, Melonen und Ge- miiscgärten versprechen schr ergiebiger) Ertrag. Die Weinlese findet im Juli und August statt und im leytgenannten Monat auch die Feigenernte, und da das Trocknen der Früchte gleich Unter freiem Himmel vorgenommen 'Wild und jeder Regen dann schädli ist, so hängt die Qualität der für die Ausfuhr bestimmten osincn und Feigen, welche in großen Mengen von dort nach Deutschland versandt werden, von der dort jest herrschenden Witterung ab.

7. Schweden-Norwegen. In Norwegen waren die Ernteausfichten bis Anfang Juni sehr gute worauf kältere, bis zum Frost niedergeYende em eratur be onders Hafer und Kartoffeln Schaden zu tigte. Die ann Ende uni eintretende roße Hive 0 ne Regen war der Entwicke ung ebenfalls un 11 g,_ 0 da mit Aus- na me der sehr Men Heuernte de msi ten nur mittel- ige waren. anhaltendem Re en de erten sich die- selben wieder, so da die le ten Nachri ten w eder Hoffnung auf eine ute Ernte ausspre n. Die reise für landwirthschaftliche Produkte waren im Juni folgendi:

[] || [| || || |] [] |] |] [| ][ || [] |] |] |] [[ |] [! [] []

1) Christiania.

Roggen ' , , pro 100 kg 12,50-14,00 Kr. Gerste, zweizei'lige . , 12,00-13,50 . sechézeilige 9,00- 11,00 Hafer 9,00-11,00 Kartoffeln 5,00_ 6,00 2) Molde. Roggen pro 100 kg 17,00-18,00 Kr. Gerste . , 17,00-18,00 Hafer 13,00_14,00 Kartoffeln 6,00- 7,00 3,33-3,88 Heu 6,00- 7,00

. . _ 3,33-3,88 ' 171. E n g l a n d. Berichte aussEngland melden, daß im Juni kalte Winde und häufige Niederschläge, welcbe mehrere Wochen fast ununierbrochen fortdauerien, die sehr günstigen Aussichten mxrklzch bedrohten. „Da jedoch Ende Juni, Anfang Juli eine giinstige Wendung enitrai, so erholten sich die Saaten all- mahlich .und stehen 1th kräftig und üppig. Die Heuernte ist verichieden; während einige Dißrikke sich äußerst günstig iiber dieselbe aussprechen, können andere nicht viel Rühmliches darüber. berichten. Bszahlt wurden Anfangs Juli: 1) Birmingham. 45-4631]. *- 10,12_10,35 „74 pro Ctr. 26_27 6,77_ 7,03 . . .. 23-24 8,08_ 8,43 . , 50_70 51,00-71,40 Tonne

2) Cork. Kartoffeln alt Pro Tonne : 6 €€ 122,40 «16 pro Tonne "* 244,80

neu .. 12 .- . .- Butiec 10.. CU". 106 511. 2,12 , Kilogr. 1,98 .,

119“ t 99 ., 1,86 ,

TU“. .. = 1711. - rankreich. Troß der mchrwöchen lichen sehr naßkalten Witterung 102711611 die AuHsichten im Südwesten Frankreichs, soweit sie Getreide betreffen, als sehr giinstige bezeichnet, dagegen sind die Aussichten zur Weinernte auch in diesem Jahre sehr kümmeriiche, und glaubt man nicht mehr, als im vergangenen Jahre, 111 dem das geerntete Quantum kaum den achten Theil eme? wachschnittsertrages erreichte, zn ernten. Dieser Erntenus- fall istein? Folgedes während der Blüthe herrschenden feuchten Wetter?- und der immer mehr um sich greifenden Verheerungen der Reblaus, welchen Kalamitäten sich außerdem noch in auf- fallendem Maße die sogenannte „malaäjkz 0000“ oder „antraab- 005€“ ziigeselit. Diese Krankheit macht sick) zunächst durch schwarzeFlecken auf den Zweigen des Weinstocks bemerkbar, worauf in sehr kurzer Zeit die jungem Traubcnansäße plötzlich absterben. Der Preis für Wsizen war im Juni in Bordeaux 23-24 Fr. pro 80 ](J gleich 11,50_12,00 «76. pro Ctr.

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9,43-9,98 7,21-7,87

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Weizen pro Quarter Gerste Hafer Karioffeln Tonne

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Ernteaussichten deutscher nichtpreußifcher Staaten.

In den beiden Großherzogihümem Mecklenburg-Schwerin iiiidPiecklenbuwatreliß sind die AuIsichten fiir die dies- ]ahrige Ernte iehr günstig und verspricht man sich namentlich vom Wmtergetreide, Weizen und Roggen, reiche Erträge. Ebenso entwickelte sick) das Sommergetreide, Hafer, Gerste,

“Sommerroggen und Buchweizen, recht gut, da Niederschläge

im Juni die nachtheilige Dürre des Maimonats vollständig aUSglichen. Erbsen, durch die Trockenheit etwas zurück- geblieben, jmd befriedigend und Rüden und Kartoffeln sehr gut, während der Raps nur ein mittelmäßiges Resultat ergab. Klee ist in Folge der vorjähri- gen Fröste und der Dürre im Frühling zurück- geblieben und hat beim ersten Schnitt nur einen mittelmäßigen Ertrag gegeben, während die Heuernte, besonders auf feuchten und auf Rieselwiesen, bssser war.

Im Großherzogtvum Hessen erwartet. man eine vorzüg- liche Ernte, indem sämmtliche Getreidearten schöner als seit langen Jahren stehen. Nur die Obsternte wird nahezu gänz- iich cZussfailen, wiihrend die Weinberge recht guten Ertrag vdr- pre en.

Am 7. d. Mts. ist der um 5,20 Nachmittags von Ober- hausen nach Holland abgelassene Eilzug zwischen Ober- hausen und Wesel in Folge eines Radreisenbruches entgleist, wobei mehrere Personen leicht verletzt wurden. Die Strecke war am folgenden Morgen bereits wieder fahrbar.

Inden Taacnv0m15.-17.d.M. findet in Schwerin dic all- gemeine lutherische Konfcrcnz statt. Nach cinerVoxvxrsamm- lung am Dicnstaa Naiiimittaq und einer gegenseitigen Begrüßung am Abend folgt am Mittwoch Morgen ein Gottesdienst in dcr Domkirche, bci ivclwem Pastor Büttner aus Hannover die Predigt hält. Vormittags 10T Uhr bcginnt_ unter dem Voriißc des Ober-Kirchcnratbs 1)r. Klicfotb dix allgemeine öffentliche Vcrsammluni in der St. Nicolaikirche. Zunächst rcscrirt Professor 131". cbeoj. Dicckboif aus Rostock über die Sreuung der_tbcologifchen Fakuitätcn und ihrer Mitglicdcr zur Kirchc_.und die denzelbcn daraus criyachscndewAufgaben. Daran scblic t ]1cb eine Be precbungitl'cr die Organimtion dcr gemeinsamcn rbciicn dcr lntbcriscbcn Kirwc (kirchliche Vcrforgung der Auswanderer, die Zuthe- rische Diaspora u. Lw.), bei dcr Kirchcn-Ratb Vr. Ru crtt aus Eutin und Haupt- astor Krcuslcr aus Hamburg als ' cfercnten fungiren. Nachmittags 61151“ hält Superintendent Polstorff aus Güstrow in der Aula des Gymnasiums cine Sixung in Sacchi des .Gottcskasten', deffen Dclegirtcn sich am Donnerstag Vormtitags unter Leitun dcs genannten Geistlichen zu einer Sivung vereinigen. Gleichzeitig nd noch fol ende Spezialkonferenzcn guf daCProgramm

csc .t: 1) Zur Heidenmis 1011 unter Leituzig dcs Missionsdtrektors 131“. Far eland-Lciv tg. 2) Zur inneren Misiion unter Leitung des Grafen

Lißtbum aus rcsdcn. 3) Wegen Kirchengcsang und der Kirchen) gesangsvereine unter Leitung des Pastors Postler aus Mclkbos. 4 Bcratbuna der in der ersten Haupto'ersammlung zu crwäblcndcn

ommission für Organisation der kirchlichen Axbcit. Um 10 Uhr Morgens wird alsdann wieder eine all cmcine offentlicbe Ver amm- lung in der St. Nicolaikirche ihren nfang nehmen. Die_ ages- ordnung derselben lautet: 0. die Gymnafial rakze d. 5. uber das Verhältniß der gegenwärtigen Art der vana ia bildung zum Stu- dium der Theologie (Referent: Dr. Schnedennann aus Leipzig). 1). Herstellun eines allgemeinen Gebetbuches LReftrent: Pastor Kittan aus Friesniß in Sachsen. Nachmittaxx - U r ist Ves er- gottcsdienst n der St. - au1skirche. Pastor bler- werin «111 eine Ansprackve. _ Sil'ltcß lib itnocb zu erwähnen, daß am 16. Au uff, Abends 71 Uhr, dcr Schloß or untcr Leitun des Mufikdire ots Kade sich hören [affen wird, und zwar ollen ervorra ende Meister- werke aus alter und neuer Zeit, u. . von Seb. acb- Haupt- mann, Reißiger, Mendelssohn, Nils Gade, zum Vortrag kommen.

Krolls Theater. 5.111an singt vr. Emil Kran au] Ham-

burg den „Ri oletto'. Als . ilda' tritt an diesem d unn ersten Male tl. Kauer auf ; den Herzog giebt Hr. Oberländer.