1882 / 212 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Sat, 09 Sep 1882 18:00:01 GMT) scan diff

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_ Se. Königliche Hoheit der Prinz Friedrich Carl fuhr gestern zur Pürschjagd nach Ohlau und kehrte Abends hier-

her zurück.

_ Obwohl die Anwendung der Reichs-(Hewerbe- Ordnung auf denGewerbebetrieb derEisenbahn-Unter-

n e h m u n g e n nach §. 6 der Reichs-Gewerbeordnung im All-

pemeinen aUSgeschloffen ist, so unterliegt doch, wenn eine Eisenbahyaeseyschast bei Gelegenheit des Eisenbahnbetriebes den Betrieb emes anderen selbständigen Gewerbes unternimmt, nacb e1_nem Urtheil des Reichs erichts, 1.Hülsssenats, vom 4. Juli d. I. _der Betrieb des ebengewerbes, sofern nicht andere_AUSsihließungSgründe vorliegen, der Beurtheilung nach der Reichs-Gewerbeordnung.

_ Für Urtheile englischer Gerichte, deren Voll- streckung bei deutschen Gerichten beantragt wird, istnach einem Urtheil des ReichSgerichts, 111. Civil:Senats, vom 19. Maid.J., das VoÜstreckun Surtheilohne Prüfung der (Heseß- mäßigkeit der_ englischen Entßcheidungen nicht zu erlassen, weil die Gegenseingkeit zwischen England und Deutschland nicht verbürgt ist.

_ Die Prüfungsperiode fiir Baumeister, deren Schluß bisver mit dem 15. Juli jedes Jahres erfolgte, wird, wie das „Centralbl. der Bauv.“ mittheilt, nach einer vom Minister der öffentlichen Arbeiten getroffenen Anordnung in

Zukunft bereits mit dem 1."Juli geschlossen und am 15. Sep: tember wieder eröffnet werden.

__ __ Der Bevollmächtigte zum VundeéZrath Großherzoglich -sa_chs1sche_Gehe1me LegattonS-Rath 1)r. Heerwart ist in Berlin wreder eingetroffen.

_Der Königliche Gesandte Graf von Dönhof f ist vom Urla_ube nach Dresden zurückgekehrt und hat die Geschäfte der dortigen Gesandtschaft wieder übernommen.

_ _ Der hiesige Königlich rumänische Gesandte, err Liteano, hat sich am 7. d. M. auf Urlaub begeben. äh- rend dessen Abwe1enheit funqirt der Erste LegationH-Sekretär Beldimano als interimistischer Geschäftsträger.

Breslau, 8. September. Die „Schles. Ztg.“ berichtet: Zhre Kaiserliche und Königliche Hoheit die Kronprinzes s in, begleitet von der Paiasidame Gräfin Orioia, dem Staate- Minister a.D. Friedenthal dem Kammerherrn Grafen von Secken- doxff, machte heute eine dreistündige Rundfahrt durch die Stadt zum Besuch vdn Wohlthätigkeitsanstalten. Jm Krankenhause Bethanien besichtigte Ihre Kaiserliche Und Königliche Hoheit, empfangen vpn dem Ober=Präsidenten von Seydcwiß und dessen Gemahlin, eingehend die Krankenanstalt, das alte Siechetslmus m_1d den Neubau. Im Kloster der barmherzigen Brüder ge- le1t_ete der ? ürstbischof von Breslau, der mit der Frau Her- zogin von attbor Ihre Kaiserliche nnd Königliche Hoheit begrüßt hatxe, Höchstdiefelbe durch die Säle. Jhre Kaiserliche und _Kömgltche Hoheit bekundete besonderes Interesse für die Station der kranken Kinder, unterhielt Sich liebevoU mit den: selben und Wies reiche Geschenke an. In der Volksküche des Vgterlündischen, Frauenvereins prüfte Ihre Kaiserliche und Königliche Hoheit, von der Frau (Heneralin von Tümpling empfaygen, die schmackhafte Kost und die reiche Portione- vertheiiung und äußerte Sich darüber sehr befriedigt.

m qltestex: Breslauer Kindergarten sah die Frau

ronprinzefsm dem Spiele der Kinder zu und lief; Sich üher die Kmdergartensaehe Vortrag halten. Dann besuchte dte Hohe_Frau _?as AugysW-Asyl für Vflegerinnen, das neu- eriarne israelitzfche Waffenhaus, ferner die beiden großen städtischen Znsntute: das Reiche'sche Trinitatishospital, wo 1)r. S_imon über die überraschenden Erfolge der Kinder=Ferien= Kolomen_ Vortrag hielt 1_md das Waisenhaus zum 6. Grabe. Jhre Kaiserlich und Königliche Hoheit sprach die huldreichfte Anerkennung _über die bedeutenden Leistungen der Stadt: aememde,_ sow1e_über den im Allgemeinen Sich kundgedenden Wohlthätigkeitssmn der Bewohner Breslau?) aus. Bei der FanTth Fahrt wurde Höckzstdieselbe von dem Publikum lebhaft egr .

Se. Kaiserliche und Königliche Hoheit Zder Kronprinz besuch_te heute Vormitiag die Sandkirche, die Kreuzkirche, die quktrche, das Hedw1gshospital und die Krankenanstalt der Elisabethinerinnen.

_ _ (W. T. B.) Tie heutige Festvorstellung im Stadttheater war von einer äußerst glänzenden Versammlung besucht. Zur Aufführung gelangte Wagners ,Lohengrin“; die Vorstellung begann mit einem vom Direktor iUmann komponirten Fcstmarsch. Dem ]. Akte wohnten _ hre Kaiserlichen imd Königlichen Hoheiten der K_ronprtnz und die Kronpzinzessin, sowie Ihre König: lichen Hoheiten _Prmz_ Wilhelm, P:inz und Prinzessin Albrecht 1_md die übrigen _hier anwesenden Fiirstlichieiten bei. Se. Kruserlrche und Fidmgltche Hoheit der Kronprinz entbot den Direktor zu Sich, lteß Allerhöchftfich von demselben über dte Breslauer Theaterverhältnisse unterrichten, und sprach demselben Seine Befriedigung iiber die heutige Vorstellung aus. _ Gegen 8 Uhr Abends begann die von herrlichem Wetter begünstigte allgemeine Illumination der Stadt, bei welcher selbst die entlegensten Straßen von Gas: und Kerzenlicht strahlten. Alle öffentlichen Gebäude, Denkmäler, Thürme waren durch Gas, Lichte und bengalische Flammen erleuchtet, ganz besonders traten das Rathhaus, die Kirchen, die Thürme und Terrassen der Liebi sböhe, der Tauentzienplas, das Ständehaus und das Etabl ffement der „Schlesischen Zeitung“ durch reiche und glänzende Beleuchtung hervor. Gegen 9 Uhr fuhren Se. Kaiserliche und Königliche Hoheit der Kronprinz mit dem Großfürsten Wladimir, Ihre Kaiserliche und Kö- nigliche oheit die Kronprinzessin mit der Groß- ürstin ladimir, hre Königlichen Hoheiten der rm und die Prinze! in Albrecht, Se. Köni iche Hoheit der rinz Wilhelm mit dem Großher og von thcklenburg- Schwerin in offenen 8 la Vunmoot bexpannten Wagen unter den unausgcseßte-r Hoch- und Hurkahrufen der Kopf an Kopf Y_dtängien Mepschcnmassen durch die Hauptstraßen der Stadt. e fremdherrltchen Of ziere, welche sich auf dem Balkon des Stadt-Tbeaters _poslirt atten, begrüßten Se. Kaiserliche und Königliche Ho eit den Kronprinzen ebenfalls mit Hochrufcn.

_ 9. eptrmber. (W. T. B.) Der gestrige Fest kommers der Studentenschaft im Saale des Concert- hauses _verlief äußerst glänzend. Der Rektor Magnificns, die Universitänpro'fe oren nahezu vollzählig, die Schulräthe,

Studiosus Bayer wies in seiner Festrede auf die hisiorischen

dem Herrsckoerhause der ohenonern verbinden. Der Redner forderte dte akademische gend zur Treue gegen den König und zur Vaterlandsliebe auf und schloß mit Wünschen für das Heil Sr. Majestätdes K_msers und des gesammten Hohenzollernschen Hauses. Die Rede wurde mit großem Enthusiasinus aufgenommen.

Baden. KarlSruhe, 8. September. (W. T. B.) Der Erbgroßherzog hat fich heute in Vertretung des Groß- herzogs, _vom Staats-Minister Turban begleitet, gleichfalls nach Freiburg begeben, um die bei dem Bahnunglück Ver- wundeten zu besuchen.

Elsaß - Lothringen. Straßburg, 8. September. (W. T. B.) Die„Elsaß-Lothringische Zeitung“ theilt folgen- des_ax1 den hiesigen Frauenverein gerichtete Telegramm Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin mit:

„Das entseylicbe Eisenbahnunglück, durch welches so viele Be- wohner des Elsaß betroffen worden find, veranlaßt Mich, den Zweig- verein zu sofortiger Ermittelung aufzufordern, in wie weit durch Geld- spenden die Lage der Hinteröliebenen erleichtert und das hervorgerufene Elend gemindert werden könnte. Cntsprechenden FalTes hat der Verein sogleich durch Aufruf eine Sammlung zu veranstalten, an der Ich Mich mit 1000 «M 6eth_eil_i_ge„-cdie dem Vereine morgen zugehen Werden. *-,_ ', Kaiserin und Königin.“

Oesterreich:Ungarn. Klagenfurt, 8. September. (W. T._B.) Der Kurs er ist heute hier eingetroffen und so- wohl hier, w1e_ auf allen Stationen, welche er während semer Reise passtrte, auf das- Glänzendste empfangen worden.

Großbritannien und Irland. London. 7. September. Allg. C.) Der Herzog von Albany ist von seiner jüngsten *rankhea so weit wieder hergesteÜt, daß er gestern Nachmittag mit seiner (Hengahlm sich zur Königin nacb Balmoral begeben konnte._ Da_d1e Aerzte eine kurze Seereise empfahlen, trat der Prmz die Reise nach Schottland an Bord des Aviso- bootes „Liveley“ an. _

NeUerdings ist wieder die Rede gewesen von der Ver- wendung von Luftballons im Kriege; Mr. CoxweÜ, der bekannte Luftschiffer, hat_ mit dem Kriegs-Departement eme Berathung gehabt; doch smd seine Vorschläge noch 111cht angenommen.

_ - Aus Kapstadt wird unterm 6. d. M. gemeldet: Nack)- r1chte11 von _der _Griqualand Westgrenze zufolge drohen Wiederum Feindseltgieiten zwischen den Grenzhäuptlingen aus: zu_brechen. Maffouv und Gaffiboni treffen in Gemeinschast mit den Boern Vorbereitungen, um Mankoroana anzugreifen, dessen Anhänger ihm in großer Anzahl abtrünnig werden.

Aus Durbgn: wird der „Times“ unterm 5. d. berichtet: John Dunn ist m_Durban. Er bestreitet gänzlich die Angabe, daß er vorbereitet "sei, Cetewayo zu bewillkommnen. Sein Glaube 911 _die '_:'.verhäzignißvollen Folgen und monströse UnZerechttgkeu dB? Wiedereinsetzung des Königs sei un- veranderx. Er “sagt. die1e Handlung werde das leßte Ueberbletbsel _ von Achtyng der Eingeborenen für die Fläche Regierung „vernichten. Er räumt ein, daß drei _1ertel seines (“Volkes 1hn verlassen düéften, und er sieht die Fruchtlosmkeit, der Regierung Widerstand zu leisten, ein. DW Zulus glauben, Cetewayo werde, bekleidet mit vollen Ge- welten, zurückkehren, und die alten Gebräuche: .Hexenkraft, Tudtungen und Militärdienst, wieder beleben. Dunn ver- mu1het, er solle sem Gebiet als eine neutrale Zone behalten und er hat an Lord Kimberley ein Schreiben gerichtet, worin er seine Ayschauungen außeinanderseßt. Cetewayo, so glaubt er, werde s1ch mit den Holländern verbünden.

Frankreich. Paris, 8. September. (W.T. V.) Das Gerücht. Italien werde reklamiren, weil der Italiener Me1_3c1)1no, der _einen französischen Soldaten in T unis an- gegriffen, vor em französisches Kriegsgericbt gesteUt worden set, w_1rd von den Journalen für nicht wahrscheinlich gehalten. Es wird von denselben darauf hingewiesen, daß in einer Note Freyemets zwar aUSgesprochen sci, daf; Frankreich die Kapi: tnlattonen respektire, in ollcn für Armeen im Felde bestehen- den Vorschriften aber sei anerkannt, daß für die Unterdrückung von Verbrechen und Vergehen bei einem Expediti011s:Corps die Militärjustiz eintrete.

_ Turkei. Der Minister des Aeußern, Said Pascha, hat m ?lngelcgenhert des jünnsien Grenzkonfliktcs mit G__r1eche1_11and an die Vertreter der Pforte bei den Groß- machten eme Ctrkularnote gerichtet, welche in der Ueber: tragung der A. „Allg. Z.“ folgenden Wortlaut hat:

_ Konstantinopel, ]. September. In Ergänzung meiner letzten Cirkulardcdeschc glaube ich Ihnen mittbcilcn zu müssen, das; trotz der Erklarung der griechischen Regierung, an der Grenze das Feuer einstellen zu_ lassen, und troß dcr Eröffnungen, welche von dem Vcr- trctcr Griechenlands in Konstantinopel in demselben Sinne gemaeht Wurden, die Feindseligkeiten, Welche von den ariccbijrbcn Truppen begonnen wurden, nach unseren In- formattcncw gestern noch fortdauektcn. Ick bccile mich, becn bei dieser Gelegenheit mitzutbcilcn, das;, um abermals den Geist der Versöhnlicbkcit, von welchem wir mit Rücksicht auf den bc_dauer11ckcn Konflikt _Von Karali-Dervrnt beseelt sind, zu bin*eisen, wir dem _Athencr Kabmet den Vorschlag gcmacbthabcn, den strittigen Punkt, bis dqs: der Streit wegen Regelung der türkffcb-griecbiscbcn (Grenze gcschltchtct sem werde, als ncut_ral zu erklären. Wir für unseren Tbeil Wunscben mit Rückxicbt auf die Aufrechter- bgktung der _auten Beziehungen zivixcben den beiden Staaten nichts scbyltcber _ als die augenblickliche Rencluna dieser Anaelcacnbcit. _ Wir _crfabrm außerdem, daß die Regierung Ihrer nriechischezi Majestat cm Rundschreiben an die (ziroßmäcbte acrichtct bat, worm fie unsere Truppen anklaat, den Angriff bci Karali- Dervent begozmen zu haben, und worin Ye die ganze Verant- wortltcbkeit fur den daraus resultircnden 'onflikt auf die hohe Pforte schiebt. Ich wiederhole nochmals, der Angriff ging nicht von "unseren Truppen ages, Dies ist eine feststehende und erwiesene That- sache. Das griechttchc Detacbemenl war es, Welches auf di gerechten und vernünftigen Eröffnungen, welcbe demselben von Seite unserer Truppen gemacht wurden, mit Flintcnschtffen ant- n'ortctc. Ich habe ancn dicse Mittlxcilunßen ['m-its in meiner leisten Depesche zur Kenntnis; nebracbt. So-ntt iv.;r das t:“iri“is-.1:c Dctacbemcnt «.;,wungcn, in einem alle le itimer Vcrtbcidigung in der_selben Weix zu erwidern. Sic önnen d esc Thatsache dem Herrn Minister der uEwärtigen Angelenenbeitcn in entschiedener Weise er- klaren und Se. Excellenz unserer friedlichen Gesinnungen und unseres Wunsches, die Frage wegen der strittigen Punkte obne Zögern zu lösen, versichern. '

S d. _ 9. September. (W. T. V.) Die Pforte hat“ [gestern

Gymnasial- und lfchul-Direktoren wohnten demselben bei.

wiederum eine Note an Konduriolis gerichtet, in welcher

Momenie hin, welche Schlesien und namentlich Breslau mit

und die Agitationenhingewiesen wird, die bestimmt seien, die Bevßlkerung aufzuretzen. Die Pforte verlangt, die griechische Regierung soÜe _energtickie Meßregeln ergreifen, um der ge- fahrdrohenden Situation ein Ende zu machen.

Rußland und Polen. St.Petersburg, 9. Sep- tember. (W. TV.) Der Fürst von Montenegro empfing gestern den Besuch des Großfürsten Sergius und erwiderte denselben spater. Heute beabsichtigt sich der Fürst nach" Peter- hof zu begeben.

Schweden und Norwegen. Christiania, 5. Sep- tember. (Hawb. Cdrr.) Während der gegenwärtigen Wahl- bewegung spielt die m leßter Storthingssession geschaffene Myrmann3=Instituti0n einehervorragende Rolle. Die radikale Maxorität des Slorthings hat nämlich wieder- holt den Versuch gemacht, das angemexne Stimmrecht einzuführen; diese Versuche schlugen indessen fehl, weil die Partei sich selbst nicht wegen der näheren Wahlbestimmungen em1gen konnte. Um nun aber die radikale Wählerzahl bei den vor sich gehenden Storthingswahlen möleichst zu ver- mehren, erfunden die Radikalen eine neue Auslegung des bestehenden Wahlgeseßes. Dieses bestimmt, daß jeder mündige Grundbesrßer wahlberechtigt ist. In den norwegischen Gebirgs- gegender] Zieht es nun große Strecken voljständig werthloser Landereien, „Myra“ (Sumpf, Morast) genannt. Die Besißer solcher Ländereien wurden bisher nicht als wahl- berechtigt _anerkamit, das Storthing beschloß aber in leßter Session, denselben das Wahlrecht zu gewähren. So entstand _die „Myrmanns=Jnstitution“. Ueberall im Lande werden „Myrwänner“ fabrizirt, d. h. die Befißer von Myrländereien parzellrren diese und verschenken die kleinen Parzellen an ihre L_lrberter oder Parteigenossen, und damit sich leßtere als wirk: liche Grundbesitzer legitimiren können, wird idr Besiß mit einer Hypothek, vielleicht von wenigen Oere, belegt, und der norwegische Wähler ift fertig.

Arnerika. New-York, 8. September. (W. T. B.) Nach hier eingegangenenkiachrichten hat gestern in Panama em Erdbeben stattgefunden, durch welches namentlich die Kathedrale und mehrere größere Gebäude starken Schaden er- litten haben. Mehrere Personen wurden getödtet. Die Verluste smd sehr beträchtlich.

Afrika, Egyyten. Alexandrien, 8. September.

(233. T. B.) Der_ Vorschlag auf Ernennung einer inter- netropalen K0m_rmssw_n behufs Feststellung der Entschädigungen fur die durch die Ereixxnifse vom Juni geschädigten Personen ist heute den General:K011suln in Form einer Note, welcher der Er_nwyrf des betreffenden Dekretes der egyptifchen Regierung beigefügt war, zugestellt worden. In der Note wird vorgeschlagen, daß die Kommission zusammengeseßt werden soll _aus 4 Mitgliedern der Staatsschulden- kaffe, L __egyptrsckien Delegirten und je einem Delegirten der 6 Großmachte._ England und FkaUkkeick) erhalten auf diese Weise ]e _2 Stimmen. Einer der egyptifchen Delegirten soll den_V0r__stß führen. Der Vize-Präsident soi] durch einfache Mawrriat gewählt werden. Schmuck:, Werth“- und Kunst: aegxnstande so_lien_ von der Kompensation ausgesehlossen werden. Die von der Liqurdationeskommission fiir Verwaltungsausgaben _Egyptens sestgeseßte Summe bleibt intakt. _ Ju Ramleh rst AÜes ruhig. IYmailiq, 8. September. (W. T. B.) Heute früh 4Uhriwurde eme größere Rekognoßzirung in südwest- licher Richtung Unternommen. Die RekognonirungSabtheilu1“.g, zusammengeseßr anS_Detachen1ent§ von indischer Infanterie und K_nvaljerie, forme beri1ten gemachterInfanterie mit 4 Geschüßen stieß auf den Feind und zwang ihr!,mtr 8111117 nach einem lebhaften (Hewehrfeuer _srch zurückzuziehen. _ Die Rekognoßzirungö- Lbihcilung eri1tt keine Verluste. _ Gerüchtweise verlautet, der Gußwafserkanal sei ]enseits des Dam-ch bei Telelkebir abgelenet worden und habe die tiefer aeleaene Gegend im Suden uberschwemmt. Die Garnison von Telelkedir ist gestern durch 40 Kanonen aus Kairo verstärkt worden.

_ Aus London meldet „W. T. B.“:

unter dem 8. September:

Emo Depesche Geyerai Wolseley's aus szailia _vom 7. d. M. sagi: Du», Etscnbahnverdindungen mnktioniren 1th (4111, (Hesundhett nnd Geist der Truppen sind ausgezeich- net, die Durchsclnnttschhl der Kranken ist wenig erheblich, alle Verwrmdeten befinden sich an Bord der Schiffe in ärztlicher Pflege. _ Dte Abendblätter bringen eine Depesche ans Alexand rien von heute, wonach gestern Abend arabischer Pöbel die (1116 Et:_1gebo_renen bestehende Polizeiwache angriff und ver- trieb, die be1_dem Galgen aufgestellt wurde, an welchen der Yiyrdcr zweier Etialändcr aufgehängt worden war. Der Pobcl bemächtigte sich des Körpers des Gehängten.

Unter dem 9, September:

Der englische Generalkonsul Malet übermittelte dem Staatssekretär des Aeußeren GranviUe aus Alexandrien eine Depesxhe, in welcher er nnttheilt,i der thdive habe ihm ein S_chre1'«1en zugehen lassen, in welchem es für unbegründet er: klart _1mrd, daß_eme Anzahl Kriegsgefangener von den egypitscherz Behörden gemiszhandelt und der Tortur unter- worfen se1en. Nur bei einem Spion, w«lchcr sich weigerte Außsagen zu machen. _wuroe dic Tortur angewandt. Eine gleiche Vehandlmm 1er übrigens für die Zukunft verboten.

_ _Der „Köln. Ztg.“ wir aus London vom 7. d. tclengFnrt:

_ o_sclc'vs lintksätiakeit Vermehrt cincr'cits dic .“ü 8“ chde. 19 das; gestern 40 Reiter unmittelbar'nn die cnßlixzx)? ?;er eranniten, feuerten und einen Kapitän der Husaren verwundeten, andererxctts erschlafft dic Untbätinkcit die Energie der englischen Truppen, wie der _.._Standard'-Correspondent betont, und beim Mangel an kricgcrtjcbcr Aufregung, welche den besten Schuß noch das K_lima 11111) das schlechte Wasser bietet, Wachsen die Krankheiten wie Diiscnteric nnd Diarrhöe, unter- stuyt durcb schlechtes, iiberscmtcs Brod nus Feldbäckercicn. Im Ucbrigen h_errscbt rege “T_bcztmkett: Ingenieure bessern Bahnstrecken aus und fugezt Ausladc1chtenen_binzu, so daß nach Ankunft neuer Loko- motwen 200 Tonnen taglich zur Front geschafft und ein drcitäai er Leaervetrati) qngclxgt werden kann. Das Hauptquartier zahlt sic en Sw._111ng taglich fur französische, griechische, italienische und arabische Arbcttc'_r,_we_le11e durcb Hocblänker und Judicr unterstüyt werden. D.;- 63. 1671er Regiment ist in Iemailia angekommen, bleibt aber an Bord «ictxb dcn »mblänrern, an eblich behufs leichterer Ver- pflegung. Wolkelcv verstärkte die Mar ne-Brigade durch 100 Mann vom „Monarcb“,_ .Temeraire' ,Alexandra' und .Superb' zum Zeichen der Auszeichnung; dieselben ginnen gestern mit vier Gatlings- kanonen zur Front. Der Herzog von Connaught wird mit den (sire- 277611721116, Kaffassm aeben, wobin bald das Hauptquartier verlegt 0 .

_ Die „Alla. Corr.“ meldet:

auf die fortdauernden Rüstungen Griechenlands

_ Ueber das Vorvosten efe tbei Ka ' *_ _ einem Londoner Blattc bericßtet:ch ssasst" am " d wird

, ente Mittwoch) am frühen Morgen fcznd eine Parade der Kas- fassin ?eseßt( haltenden Truppen statt. Dre feindlichen Vorposten waren auf der Hut. und es Wurde gesehen, wie eme sta_rke Kavallerie- atheilung schleunigst vorrückte und unsere Vedetten zuruektrieb. Em Detachement berittener Infanterie_ und vier Trupps indischer Ka- vallerie Wurden sofort über die sandige Ebene nach der Front aesandt, um den Feind im Schach zu halten. D:: die Rebeklen sic!) in beträchtlicher Menge zeigten; Wurden Boten abgesandt, um Verstärkungen zu requiriren. Erne Zeit lang fand em leb- “baftes Gewehrfeuer anf 700 m Distanz statt; _ allem General Macpherson ließ das Feuern auf unserer Seite cnistellen_, in der Voraussetzung. daß die feindliche Artillerte m die Linie kucken _und Gelegenheit für einen Angriff bieten wu_rde._ Der Feind hcgnugte sich indeß während etwa einer Stunde init _cmem matten GcWehr; feuer, und unsere Mannsckzasten kehrtet) mit einem Verluste _von zwei "Todten nach dem Lager zurück. Etn_?us_arenoffizter, RittMLtstLk Holland, trug eine schwere, aber nichr gefa rliche Wunde davon. (Zs verlauiet, daß das ganze Land um Tel-el-Kebtr umer Waser steht.

_ Der Correspondent der „De_iiy News“ 1n__Al_exandr1en «giebt aus einer „durchaus zuverlgjstgen Ouekle dte genaue Stärke der Armee Arabi's wre i_olgx an: _

In Kafrdowar 2 Regimenter Jnfanterte,_1edes aus 3 Batarllonen bestehend, und im Ganzen 5000 Marin _zahlewd, 3 Schwadronen Kavallerie = 452 Mann, 24 neunpfzmdtge Krupysche Kanonen, 12 Raketengeschoffe, 12 Berageschütze, eme 15 Centrmeterkanone u_nd 10000 Beduinen. Touiba Pascha ist der Befehlshaber. Ju Marmi stehen 4 Regimeter Infanterie, 3200_Mc_1nn stark, 18 franzofiLche Kanonen und 6000 Beduinen. AliRaibr rst daselst der BeKhlJHa e_r. In Rosetta 3 Regimenter, im Ganzen 2400 Mann stark; «511 &bukir 6 Bataillone, im (Ganzen 4800511161111 zahlend; 12_Krupp_sxhc Kw nonen; eine Schwadron KavaÜer1e_und 1500 Bedumen. «zu Da- mietta 5000 Mann Negertruppen mrt 12 Kruppjcberx Kanonen, u_nd Addellad Pascha als Befehlshaber. In Telelkebrr befinden sick) 37 Bataiklone Infanterie oder 19 200 Mann; 6 Schwadronen Zia- vaÜerie = 900 Mann, 40 Krupysche Kanonen, 12 Berggeschuße, 6 Naketengeschoffe und 8000 Bedumen. _ Ruschrd Pascha tom111__and1rt hier. In Salahieh befinden sich 2 Negm1enter_, 5000 Mann zahlend, “2 KrUppscbe Kanonen und 8000 Mann Bedmxzen. Dl? Gesamwt- stärke beiäuft fich auf 44 600 Marzn Jnfanierxe, 1802 Mgnn Ka- valTerie, 143 Kanonen, 18 Raketenge1choffe und 50 500 _Bedumen.

_ Aus Kas s as in wird der „Times“ von ihrem Corre-

ondenten unterm 5. ds. berichtet: _ __ sp „Ick ritt heute früh in nordWestlicher Richtung Von den Hohen, oder vielmehr von den Sandhüge1n aus, Welche den Söhauplalz des jüngsten famosen Kavallerie-Arzgrrffs_begrenzen und von_denen inan einen vollen Ueberblick über die umliegende Gegend_ge_meßt. _Direkr nördlich oder westlich War nichts zu sehen; aber in sudlixbxr Richkung an dem Kanal waren die Spuren der zuyehmenden K_uhnheit de_s

eindes sichtbar. Beinahe 3 511ieilensudrvestitch von Kasiajfin__ltegt die Feine Stadt Yorein _ eine AnsamgilungemcrAnzah! von Lehwhuttexi, Von einer Mauer umgeben, Welche 1ammtltch verlasieu zu sem s(1_)12k1€11, mit AnsiialUne von einigen ruhig gussehenden L_andleztter), die_a_1_n Ufer des Kanals mnherstanden. Wetter Westlich, tt_1 fa1t_61:16r_5))1_e_11c Entfernung, stand ein Zelt aus_e1nem sehr großen Uher ctrze Barxiere gespannten Stück Zelftuch gebildet. Zu jeder Seite dtes__€6 Zelxes erstreckte sich eine Reihe von Pferden nach Norden und S_itden hm, anscheinend an einem Vorpostensezle“ angebunden, und egyptiiche (_Sei- daten bewegten sich nach ailen Richtungen hm. Der Zahl nach mussen deren mindestens 200 gervefen sem innerhalb einer halben St_unde MarsÖentfernunq von unserem Lager. Es war _ein Viertel nach 7 Uhr. General Wilkiiiwn kehrte gerJde rnit einer Cskdrte indischer Kanlcrie das nördliihc U_fc_r ostwartii chlang Von einer Ykorgenréchognoszirung zuriick._ Emm? anscheineUd _harmioH (1119- selzende Landleute an dem südinde1111_ser nahmen kerne Notiz 17011 ihm, und er ritt dem Lager zu._ Unmrttclbar darauf aber legte1_1_sie ihre Büchsen an und feuerten _1charf auf unsere nach der EY?!)- baim zu postirten Vcdcttcn. Die Rauchwolken nvirbelten cine „Une von etwa einem Dußend Jnfantcrresoldaien entlang auf und ent- wickelten sich dann p[öhlici) von der Gegend der berumstebxnden Landleute her. Dieselben sandten a_uf_un[_crc Vcdetten, ali; dtejc zin: Rapportiruna eintrafen, eincn _Ab1cdted§1chus; und marsxhtrtcn dann in einer Linie auf den bereits crwßhntcn KavaUcricpostcn z1_1. Ein halbes Dußcnd Reiter „wg aus,_1rxncn _entgegen,_ [cdbgft mit ihnen gesiikulirend. Jbre Offiziere m duyieln Tumken 161611101 von einem erhöhten Standpunkte _[nntcrdc11jclbcn_zu. Zu gleicher eit wurde eine Anzahl Kavalleristen aber dem Kamm nordwetiitch rcdtbar, 1111) nach der Vedeite in Bcwcgizna _scycxid, _wclcbe zur Lime zurückgaloppirtcn. Sie hielten, wre gewohnlich, in einer klugen "Eni- fernung von der Feldwacbe, und, zogewsui? dann aus dem (YUMYU- kreise zuriick. Bci meiner Wicderanynst 1111 Lager nahm ich cnze schriftliibc Mittheilung von dem Offizier der Feldtzmchc (111 den die 19. Husaren kommmidircndcn Obersten,_ und lwscbricb detnjclbcn den ganzen Vorfall. Der Oberst thetlte mtr 11111, das; au_f_nckn selbst vor mehreren Taaen von hinten ber gc1choffen_ Wyrch 161 9011 Leuten, die wie Landbaucrn gekleidet waren._ Die1c List macht die Lage zu einer sehr unangenehmen für die Wirklichen Dorfbewohner der Um- gebung, welibe meistens darauf bedacht find, thre Produkte _an die Briten zu verkaufen. Dieselbe]! werdcn haufig arret1rt_un__d eme Zeit lang festgclzaljcn, bis ihre Umcbnld fcftgcstht worden 1s1“.

_ Aus Alexandrien wird dem Rcuierschen Bureau unterm 6 de. gemeldet:

Dcr Ministerrajh ist “etzt mit der Frage betreffsdcr Schadlos- haltung der Einwohner Für Verluste durc_13_ Brandjltftuxtgrn _und Plünderung beschäftigt. (73 ist beinahe gewiß, das; das M_m__1stcrnzm den Märkten vorschlagen wird, eine internationale Kornnnsrwn em- zusexxen, wclche diesc Ansprüchc ohne Zulassung einer Berufung rege 11 soll. _ _ _

_ Um ihre Angriffsfwnt ['ci Alexandrien» etwcttcr11,_habcn die Engländer bcscbloffcn, dcn Ma r_c otisrvcn S ec. der mehr cm Sumpf als ein See ist, durch Einlassen des Meeres schiffbar zu m_acben. Der See liegt 2,5 m unter dem Meeresspiegel _1111d die Landjchast, ivclcbe ibn umgab, war sehr fkuchtbar, ("init berubmt durch__dcn ror- trcfflicben Weißwein, der von Horaz und Verml besungen Ut. Der See, früher auch vom Nil gespeist. trockncxc nach_und x_mcb aus, [“is bei der Belagerung von Alexandrien durch die Englander im Jahre 1801 dicse Westlich von Abuki: dic Landzmmedurrvstncbeq, welcbedcn Sec vom Meere trcnntc und dadurch dem Salzwasser den Zutritt zu dem fruchtbaren Boden des Mareotiscbcn Sees eröffneten, wodurii) 150 Ortmxafxcn zu Grunde gerichtet wurden. 1k0 Soldaten und 300 Araber _11_'.1d dabei beschäftigt, jeyt dcn Durchstich auszuführen. (% wcrden frmitcb Monate vergehen, bis der See auf eine Tiefe von 8 Fus;_angafu[1t ist, aber in ciniaen Wockzen Werden flache Böte und Dampfbarkasscn ihm auf weite Strecken befahren können. Mehmed Ali _batte enorme Kosten darauf verwendet, den verursachten Schaden wreder gut zu machen" aüein noch heute sind 40000 Acres fruchtbaren Landes von Seewa 1er bedeckt.

Zeitungsftimmen.

Der „Reichsbote“ schreibt über die Noth des Grund- bei es: svUeber die Ursachen mag man streiten, mgn mag sie in der über- seeischen Konkurrenz oder nur in einer unglucklichen, dcn landwirtb- schaftlichen Verbältniffenß widerstreitenden K_redii cseß chung suchen: die TbatZacbe bleibt zweifellos, daß die landlt en ubbastaxionen in beäng tigender Weise zugenommen haben und bei ihrem weiteren Fortschreiten allmählick; eine Enteignung unseres ganzen Bauern- andes herbeiführen werden. Zugleigb abxr wird hier *cin_c dcr emkxfindlicbsten Lücken in unserer Statistik fuhlbar, welcbe fur die mc

lands liefern für eine eingehendere Erfor1chung dcr landwirtbjlbaft- lichen Frage, an welcher Irlands .Woblstand zu Grunde aegaqgcn und der Großöritanniens zu Grunde zu geben droht, gar nicht. Einiges Licht gewähren höchstens die Angaben des Zankrup-y Court.. Nach diesem machten bankerott: _ 1877 etwa 470 Päch1€k,

1878 mehr als 800

1879 , 1400 _ _ In Deutschland und Frankreich ist ebenfa118_keine Statistik der bäUerlicben Verschuldung vorhanden, Wo zufqlltg genauere Zahlen rorliegen, lassen fie den Optimiömu? der liberalen WirthsÖafxß- politiker wahrliÖ niki berechtigt erscheinen. Man pergletche n_ur1ur das Königreich Sachsen die Zahl der ZwangSversteigeruygen m den Jahren 1858-1863 einerseits, und1877-187_9 andererseits! EI ge- langten nämlick) in Sachsen zur Zwangézverstetgerunq:

1858 337 ländliche Grundstücke m1t 1884912 „78. Tarwerth,

1859 299 ., 2392 302 , ,

1860 290 2720 589

1861 285 1833 405

1862 301 2309 619

1863 291 , 2783 871

Davvn entfielen: _ auf Bauerqüter auf Haus- u. Feld- (Ggrtenö Grundstucke

1858 ' 6 ("[[ 88 FaÜe

1859 50

1860 * 45" ,.

1861 73

1862 ' 52

1863 34 _55 . _

Dem entsprechen fiir die Jahre 1877 bis 1879 folgende Zahlen:

1877 790 länd1iche Grundstücke mrt 16 020 264 „16 Taxiderth, 1878 1052 „, 18 696 533 1879 1069 15 863 334

Von diesen Zwangsversteiaerungen e11_tfal]en:__

1877 55 anf Bauergiiter, 267 auf kleine land[rche Befißungen, 1878 38 327 , 1879 58 371_, _ _ _

Die Zahl der Zwaiigsverstetgerungen ist also der [andstiYen Grundstücken durchschnittlich um_ 222 % gewachsen. Dre _Bguerguter sind noch Verhältnißmäßig giinstig gestellt, obwvhi auch bei ihnen dre ZwangsNrsteigerungen 54 0/0 mehr betragen. Dagegen smd von den kieineren ländlichen Grundstücken 437 0/0 mehr unter den Hammer gekommen! _ _ _ _ _

Ein einziges größeres Reich bietet unseres_Wis1ens durch seine Staiistik ein scharfes Bikd der __jüngsten landwrrthschafrltchen Ent- wickelung, freilich ein Bild der dustersten Art _ Oesterreich.

In Eisleithanien beträgt der Reinertraa_ des Grund rind Bodens nach der veuen Grundsterterregulirung 165_M1[[. Fl. und m_cht weniger als 154 Mill. davon Werden von den Zinsen dcr Grundxchuld nebst einer einprozentigen Arnomisation beansprucht. Beide Berechnungen sind ziemlich zweifelhafter Natur, dagegen durfen iolgende Zahlen auf volLe Glaubwürdigkeit Anspruch erheben. _

Vom Minen ländlichen Besiy wurde exekuirv verkauft:

Wirth- mit einem Schulden- aiso per

schaften stande von Wirthschaft 1874 4413 13 840 000 F1. 3136,2 F[., 1875 4585 15 794000 3444,7 ., 1876 5575 20 250000 3632,2 1877 6948 27 386000 „, 3941,6

1878 9090 38 997000 _429!],0 , _ _

Eine noch cindring1ichere Sprache rcden die Zahlen fur die „wegen Unzulänglirhkeit des Erlöses gelöschten Hypothekenforderungen . Diese befragen bei einem gesammten Lastenstande von

1874 13 840000 F1. 4680000 Fl., d. h. 34 9/0, 1875 15 794 000 6343 000 ., ., 40 0/6, 1876 20 250000 7779 000 38 0/0, 1877 27 386000 11700000 „, 43 ()/0, 1878 38 997 000 20366000 . ., 529/71.

Gerade in den Vorzugsnwise Korn produztrenden Landern gelyt die Vernichtung des Baucrnstandes am schncÜsten wor fick,). Jn Gall- zicn wurden angeordnet: _ __ _ -

1867 in 130 Or11chaften 164 Ltzttatwnen.

1868 , 187 . 271

1873 409 614

1874 633 1026 1875 740 , 1326 1876 885 , 1433 1877 1209 , 2139 1878 1347 2450 1879 1493 , 3164 _ _ _

Man [iat nicht unrecht, wenn man behauptet, die Pfandbrief- Jnimbcr, die Sparkassen, die Stiftungen, _dte Hvyothekenbanken und anderweitige (Gläubiger seien, Wenn auch nicht die )urtjtuchen, 10 doch die faktischen Herren dcs Grund und _Bodcns. Die Vertreter des Manchcstertbums finden es (mel) aleichanlt1g,_ob der Barter als Herr oder 11le als Pächter auf dem Stiicke Erde _slth, das er im Schweiße seines Angesiihts bebaut. Wer aber in eigen) selbstbewußten kon- smntionx-fähigcn Baucrnstand eine der tiiatxrafngsten _Saulen unseres politischen und wirtbscbaftlicden chcibcns _11ebt, der Wird mit Bangen die Frage aufwerfen, wie unser Grundbesitz zu retten ist und ob er überhaupt zu retten ist.

_ In der „Kölnischen Zeitung“ finden mir 101- genden Artikel." _ _

Triumphe der deutschen Hutindusine gegenuber dem Auslande. „Unter dieser Ueberschrift lesen wrr in dcr .Deut1chc:1Hu_t_- macher-Zcitung' vom 15. August d. I. das Folgende: Es Ut allgemein bekannte Thatsache, das] fich_ alle Arten englycber Hux- fabrikate durch besondere Schwere auszeichnen, i_vahrend tn Denim“ land das Verlangen nach möglichst leichten Hirten an_ der_Tages- ordnung ist. Unsere dcutschen Fabrikanten können _die _H_utc der Kundschaft jest nicht leicht acnug_n1achcn_nnd [)chn m d_U'!cr Bc- zicbung unstreitig das Möglichxtc _crretcht, Wahrcyd dic Waarc dabei doch vcrdältnißtnäsiig solide m Qualitat 11110 die Ausstattung im Allgemeinen an (Hesibmack und Eicgaxis ntcbts_zu wünschen iibrig läßt Durch 1vclchcn Umstand bcrhctgcfu rt, ift bier- bei Nebensache, jedenfalls ist es der Fal], daß jcPt auch England nicht nur ihrer besonderen Leichtigkeit und daher doch Soliditat und Eleganz n'egen Filz- und Seidenbittc von uns bezieht, sondern daß das auch unter dem Umstande gejcbiebt, das; dtc betreffenden Hnte innerlich durcb Stempel als „(ierxyan manufacture“ (deutsch Fabrikatz ausdrücklich zu bezeichnen ausgegeben werden. Da); durch olcde T atsachc ein großer Triumpb_ unjerer deutjchen Hutmdustrtc konstatirt ist, wird jeder bekennen mussen; der sich _nut uns noch der

eit erinnern kann, wo die deutsche Putfabrtkatwn noch auf de_r “tufe stand, da fic sicb bescbcidcntlicb dee Dccknmntels d_cr franzo- siscbcn und eng iscbcn Moden bediente. W_cr dachte vor diesen etwa fünfzehn Jahren, das; die deutsche Huifabrtkatwn Frankreich jemals bedrohliche Konkurrenz entgegenscycn, m England „(361531611 manw factors“ inHüten modern und verlangte Waare werden wurde? Vor- wärts, deutsche Hutindustrie, zu weiteren ruhmreichen Erfolgen! Schmach aber Dcnjrnigen, welcbe axigcjtcbts solcher Triumphe unserer deutscvcn Hutindustrie noch die Stirn haben, irgend welchen auslan- discbcn Fabrikatcn bei uns ein be onderes Wort zu reden und be- bauplan zu wollen. das; unsere ut "dustrie nicht wenigstens dasselbe leiste, wie jede ausländische Kon urrenz.“

_ Man schreibt der „Norddeutschen Allgemeinen

eitun “: _ I Bei Jem Kampfe gegen den bestehenden deutschen Zolltarté und argen die seit 1879 angenommene Zollpolitik ist es zur ste enden Gewohnheit geworden, alle Maßregeln anderer Staaten in Bezug auf öüe, sobald diese den deutschen _Ervorteuren unbcquem werden, als etorfionen gc en die deutschen Zölle zu bezeichnen. Eine solche An-

Faktor hielten, nach dem fich alle civilifirten Staaten _ bei ihren internationalen Verkeh'rSmaßnahmen richteten. Bekannthcb bat die nordamerikani'sch Union seit Beendigung der Sezesfionskrtege Scbyß- zöÜe eingeführt, welcbe insbesondere die deutschen Zöüe um das Viel- fache übertreffen und welche dem gesammten europaischen Importe nach dort großen Abbruch gethan haben. Ferner ha_t Frankreich, trotzdem es nominell zu Anfang der 60121," Jahre die_Freibandelsvnn- zipien annahm, noch viel höhere EinqangSzölle beibehalten, als fie deutscherseijs 1879 eingeführt wurden. Beide genanntenStaaten stehen an Einfluß auf dem internationalen Markte nicht nur mcb_t bintec Deuschland zurück, sondern übertreffen es darin nacb mancherlei Richtungen, doch hat seit 1860 kein Staat in Europa_ Retorfions- maßregeln gegen sie ergriffen. Wenn die deutsche Zollanderung yon 1879 von so vielen ähnlichen in anderen Staaten gefolgt 1st, so_ltegt das offenbar darin, das; die letzteren denselben zwingenden Grunden unterliegen, wie das Deutsche Reich, Grürzde, dre an 611) _kerner Weiteren Darlegung mehr bedürfen. Wohin _man aber mat der tendenziösen Wiederholung solcher Aussprüche, wre _der der Retorfion gegen Deutschiand kommt, das zeigt der neueste Berwht der Karlzßruher Handelskammer, worin der Nähmaschinenindustrie em langeres Kayrtel ge- widmet wird. Der Bericht erwähnt die ZolTerhöbyng auf Nghmajchmen, die neuerdings in Oesterreich Und Rußland eingetreten 1st, und be- zeichnet diese direkt als eine Retorfion «egen de_n deutschen Zokl_auf das gleiche Fabrikat. Einige Zeilen weiter erklart aber der _Berrcht, der deutsche Zoll von 2 «776 auf 100 Kilo hahe durchaus ntcht_aus- gereicht zur Fernhaltung der amerikanischen Konkgrrenz. qu1t_ist deutlich gesagt, daß die deutschen ZöÜe absolut_ keine Prohtbxttvzolle find, sondern nur Schutzzölle unter ganz besirwxnter Bescbrankung. Da in der deutschen Sprache bisher Prohtbttrvzöüe tmnxer e_rls Schußzöüe bezeichnet wurden, und eine andere Bezetchnng f_n_r leicht stbüßende Eingangszöüe nicht vorhanden war, so wird _mtt dre1er_2_3e- zeichnung gegenwärtig ein Spiel getrieben. Wo aber kerne Prohibition vorhanden ist, fäklr auch jeder Grund zur Retorfion Weg.

_ Ach einigen kiirzlich veröffentlichten Handelskammer- berichten registriren die „Berliner Politischen Nachrich- ten“ folgende Mittheilungen: _ So äußert sich der Jahresbericht der Handelskammer zu _Brele- feld iiber die Lage der dortigen Leinen- und WäsM-Jndustrte m fol- gender Weise: _ _ „Während in den Vorjahren vom Sommer bis zum Herbst eine stiÜe Zeil für das Geschäft in Hemdeneinsäßen einzutreten pflegte, waren im Betriebsjahre viele Fabrikanten ohne Wesentliche Unter- brechung beschäftigt und zu Beginn des laufenden chbres_ Februar 1882 _ machte sich sogar ein Mangel an Arbeitskraftew geltend. Nach amtlicher Zählung werden in den hiesigen _Nahereten 660 Maschinennäheri11nen beschäftigt; dazu kommen 1400 [m_Stadtkretje und 300 im Landkreise wohnende HauSnäherinnen, forme 200 W(z- scherinnen und Pxätrerinnen. Demnach finden 2560 Weibliche Arber- terinnen in der hiesigen WäsÖe-Jndustric ihren Erwerb“ hierzu kommen noch eine nicht geringe Anzahl Arbeiterinnen m Heréord und verschiedenen anderen Orten des Bezirks.“ __ _

Der Jahresbericht der Handelskammer für die Kreme Rerchenbach, SÖWcidniß und Waldenburg_ kmxstatirt im_Emgange, daß der allge- meine Charakter des (Geschäfts m 1881 sich den Vorxahren gegexi- über mehr konso1idirt habe, und daß Fabrikation urid Verbrauch _m höherem Maße als dies vorher der FW war, mit einander tm Em- kkange standen. _ _

Zu der günstigen Veränderung hat _ so fuhrt de_r Berrcht aus _ unsere neue ZoUpolitii', M1che dem Fabrikantexi emen_ großeren Schutz gegenüber der außländischen Konkurrenz gewahrt, _betgetragen; (111111 erkennen einzelne Branchen, in denen sich das Zurnxkrreten der ausländischen Konknrrenz direkt fühlbar macht, den wohlthattgen Em- flnß derselben auf den vergrößerten Absaiz _offen an; in a_nderen Branchen, welche schon bisher den inländi1chen Markt allem _be- herrschfen, ist der Vortheil ein indirekter, indem er fich durch den große- ren Verbrauch derjenigen Konsumenten bemerklich macht, welche durch die Schutzzollpolitik in eine günstigere Lage gekommenifind. _Es ist _dtes beispielereise bei dem Verbrauch der Maffenartikel fiir die m der Etien- industrie Beschäftigten der Fall. Der Bericht bemerkt noch, daß man den Einfluß der Schu13z911politik auch für seinen Bezirk m_! großen Ganzen als Zünftig anerkenne. „Es kann nicht ausbleiben, daß in einzelnen Fällen unsere Industriexlen eine Erhöhung der Eingangs- zölle erstreben und ist dies in den Spezialberickyterz als Wunsch der einzelnen Brunsbek! erwähnt; im Ganzen ist jedoch dreHandelök-rwmer der Ansicht, daß fie keine Veränderungen der jcyigen ZöÜe f__ur__er- spricßlicb hält, weil durch jeden neuen Zoll, namentilch in Ruck_11cht auf die Halbfabrikate, die Konkurrenzver-älfniffc dcr Ganzsaixrtkaxe wieder verändert Werden und eine gcwiffe Konstanz derselben fUr dre Entwickelung jeder Industrie nothnwndig ist,“

Gewerbe und Handel.

Nack) Mittheilungen aus Italien ist von der P:äfektur _zu Messina für den 30. September d. J., Vormittags 10 Uhr, _ctne Submission fiir den Bau cines Leuchttburms auf der _ltva- rischen Insel Vulcano im Tarxvcrth von 59 509 Lire außgckkhmbcu worden.

Ueber die speziellen Bedingungen ist das Nähere an Ort und Stelle einzusehen. __ _

_ Durch Vcrfüaung dcr Königlirb s_va:111ckc11 _chtcrimg vom 31. Juli d. Z. ist das Zollamt zu Bielia, Provinz Huröca, zur Abfertigunq der aus Spanien zur Ausfuhr kommenden Bleicrzc ermächtigt worden.

Nürnberg, 6. September. (Hovfcnbcriibt dcr .AUgcmei- nen Braucr- und Howfcn-Zcitung'.) Dcr ncuc_Monat begann mit erwünschter Sommerwittcruqa, welche der Außretfe dcs Spaxbopfxns und der fast allgemein begonnenen Hopfxncrntc noch wesentlich nuß- lich zu werden schien, allein schon der dritte Taz des Monats brachte wieder ausgiebige Gewitterrcgcn nnd Sturnxc, wclxbc die Ausbildung des Hopfcns aueh in seinem letzten Stadium _storen. __ In Saas, Stadt und Land, haben bereits zahlreiche Verkaufe zu 270-275 .“ stattgefunden, während in Spalt noch i_cinc sa_ckl*are Waare vorbau- dcn ist, nachdem dort erst vorgestern die Pfluckc begonnen. _ Aus den unten folgenden Berichten itt nocb bcsonderö_ hervorzuheben, daß hier und da die Hopfenvflanzx, _wclcbc scbon_ tm Veriaußdcs ganzen Sommers untcr anormalen, 1chadmendcn Witterunasemflusscn zu leiden hatte, nun auch noch unmntclbar vor der _Ernte von Kupferdrand, Schwärze, Schimmel und anderen Krankheiten, welche die Qualität und ncscdäytc Quanität nocb bedeutend vermindern können, beim esucbt zu werden dro .

Wie ficbgaus der Mehrzahl der uns vorliegenden Berch1c_crseben läßt. smd dic Pflanzer in den meisten Bezirken mit der fluckc des Hopfenz beschäftigt" der überwiegende Tbetl_klagt beute cbon, daß das Erträgniß die Éwäyung kcincsn*eqs_crrctcht, sondern mehr oder weniger bedeutend gegen die lemcrc zuruckbxcibt. Ucbcrdicö erweisen fick) die Witterun Svcrbältnissc leider (111l i_ur dlc Hopfcnerpte wenig günstig; cin fast toto bewölkter Himmel laßt nur 1c1ten dte warmen Sonnenstrahlen durchdringen, 1“te_ jevt dem_Hovfcnpfianzer Jo vor- zügliche Dienste leisten könnten, wahrend täglich Regen in me r oder

minder ?toßm Mengen fällt. Zu der obenbcrübrten Klage aus Pro-

duzcntcn reiten gesellen sich denn aur!» solche über langsames Trocknen des xcvflückten Produktes sowie uber dessen hierdurch gefährden Farbe und Qualität. Von den uns _vorliegcnden Berichten be- rühren daber fast alle auenabmelos dte genannten zwei Punkte, nämlich den Ausfall gegen die Schäßunq einerseits, andererseits die Gefährdung des Produktes durch das schlechte Erntemtter. Im Einzelnen rcfumiren wie nachstehend die 1169 zugegangenen wichtigeren Berichte: Nach Mittheilung des Hm. Wirth au Kaltenberg kirk dessen [este Scbäxung von 5500 Centner im beramt Tettnang keineswegs erreich. Sackreife Waere geht von dort zu M bio 260 .“ rasch ab; beschädigte ist etwas bini er erhaltlich. während

sten Länder eine genauere Feststellung der [) crber gehörigen Zahlen gar nicht ermöglicht. Die reichen statistischen Publikationen Eng-

gabe verrätb (: er einen ziemlich engen Geficbtökreis, die Urheber er- wecken die Vermuthung, als ob fie Deutschland fur den maßgebenden

andrerseits tadellose Prima über diese Notiz hlt werden. Kupsch brar*1d hat in dieser Gegend seine Verbcerungen in nicht unbedeuten-

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