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Jichtamtliehes. Deutsches Reich. Preußen. Berlin, 30. September. An dem heutigen
' Ullerhöcbsien Geburtstage Ihrer Majestät der Kaiserin
und Königin haben die Palais die öffentlichen und viele Prioatgebäude der Hauptstadt gesiag t. Die Vorstellungen in den Theatern werden durch Festpro oge eingeleitet.
Wie „W. T. B.“ aus Baden-Baden meldet, fand heute Vormittag 101/2 Uhr daselbst eine roße GratulationScour statt, welche Ihre Majestät im Sessel tßend abhielt.
An dem um 5 Uhr stattfindenden Galadmer wird auch Se. Königliche Hoheit der Großherzog„ vpn Sachsen, „w„elch„er um Besuch Ihrer Majestät .der Kaiserin und Königin m
aden-Vaden eingetroffen ist, Theil nehmen. „
Abends werden die Allerhöchften Herrschaiten m1t de„n ge- ladenen Gästen zum Thee bei Ihrer Majestät der Kaiserin versammelt sein. „ „„ „ „
Das Wetter, we1ches Ihrer Maxesiat der Kaiserin gestern keine Ausfahrt gestattet hatte, ist günstiger geworden.
_ Die Schlußsieinlegung„ zur („Hriiffnnng des oberen Neßekanals hat ihren würdigen Ab- schluß gefunden. Die Staats-Minister Maybach, von Boet- ticher und Dr. Lucius, welche ihr Erscheinen zugesagt, hatten, wie die „N. A. tg.“ berichtet, in [ester Stunde ihr Nicht- _erschei_nen mitget eilt, doch war im Allerhöchsten Auftrage Sr. Majestät des Kaisers und Königs der Vize- Präsident des Staats-Ministeriums, Minister des Innern von Puttkamer in Bromberg erschienen. Fünf Dampfer waren bestimmt, die Festtheilnehmer, deren „Zahl steh auf 70 be- lief, durch den mit "Hlaggenstangen ixnd Wunxzeln geschmückten An der Eichhorster Schleuse war aux der öftxichen Seite, wo- selbft die Schlußfteinlegung erfolgen solite, eme mit frischem Grün gezierte Tribüne errichtet; auf dem„ zu versenkenden Schlußsteine war eine mit einer Blumengmrlande umrahmte
„eiserne Platte befestigt, welche folgende Inschrift enthielt:
„Unter der rubmvolien Regierung Sr. Majestät Wilhelm 1. ist diese Schiffahrtsstraße durch die Netze, die Montwy und den Govlo- See bis zur Landesgrenze erbaut und im Jahre 1882 dem Verkehr übergeben worden.“ „
Unterhalb der Platte wurde eme Marmorkgffette ve„rsenkt, nachdem in dieselbe je ein Exemplar des „Retchs-Anzeigers“, “des _„Vromberger Tageblatt“, der „Ostdeutschen Press?“ und der „Promberger Zeitung“ vom Tage vorher, fowre die nach- “ftehende Urkunde eingeschlossen waren:
.Nachdem unter der Regierung Sr. Majestät Friedrichs U.,. "Königs von Preußen, die erste künstliche Wafferstrasze„ in der Provinz Posen geschaffen war, wurde, 8 Jahre nach der Feier des hundert- jäbri en Bestehens derselben, unter der Regierung Sr. Majestät Wil elms ]., Deutschen Kaisers und Königs von Preußen, dieser zweite Kanal erbaut. Kanzler des Deutschen Reichs, PraFkZent des Staats-Ministeriums, Minister der Auswärtigen Angelegen eiten und Fr andes und Gewerbe War zur Zeit Fürst vbn BiSmarck Vize-
räident *dos Staats-Ministeriums und Minister des nnern,
von Yuttkamkr, Minister der öffmtlichWFYrbeiten Maybach, Mini- ster fur Landwirtbscbaft, Domänen und ersten 1)r Lucius, Staats- “Fretär des Innern Staats-Minister von Boeiiicber, Finanz-
inister Scholz, Ober-Präsident der Provinz Posen von Günther, Regierungs-Präfident zu Bromberg Tiedemann, Ober-Regierungs- Rath und Dirigent der Regierungöabtbeilung des Innern daselbst
abn. Regierungs- und Departements-Ratb für Wafferbauten von
ruben, Regierungs- und Baurath für Waffcrbauten Michaelis, Der erste Entwurf zum Kanal Wurde gefertigt im Jahre 1875 von Garbe,„ damaligem Kanal- und Wafferbau-Inspckwr zu Bromberg, die ?iane sowie der Bau sind unter Leitung seines Nachfolgers, dcs Wa rbau-Jnspektors Schmartz, in den Jahren 1878 bis 1882 aus- geführt worden. Bei der Vollendung des Werkes wurde in die untere
Eichborster Schleuse ein Schlußstein eingefügt und unter denselben diese Urkunde gelegt.
Eichhorst, den 26. September 1882.“
Die Urkunde trägt folgende Namensuntcrschristen: von Puttkamer, Vize-Präsident des Staats-Ministeriums, Minister des Innern. Tiedemann, RegierungßVräsidcnt. Hahn, Ober- RegierungS-Rath und Dirigent der Reaierunasnbthcilung des Innern. von Gruben, Regierunqs Rath. Michaelis, Regie- rungs- und Baurath. Garbe, Königlicher Vaurath und Pro- fessor. Schwark, Wasserbau-Inspektor.
Der Wafferbau-Inspektor Schwartz hielt, an den Hrn. Regierunas=Präfidenten gewendet, einc Ansprache, in welcher er„ auf die Wichtigkeit der kanalisirten oberen Neve, die in der Richtung „von Süd nach Nord denselben Distrikt durchschneide und somit dem fruchtbaren Kujawien eine neue Vcr- kehrssiraße „eröffne, aufmerksam machte und auf die Arbeiten „hinwies, die zur Ausführung des Unternehmens nothwendig gewesen seien. _Darauf voüsübrtc als Erster dcr Staats-Minister von Puttkamer die drei Hammerschläge. Es Lebloffen fich dann die anderen Herren an. _ Darauf ergriff er Regierungs-Präsident Tiedemann das Wort. Er betonte, daß dxr neue Kanal dem Bromberaer Kanal war an wirth- schaftltcher Bedeutung nicht gleichkomme, da; man aber in einer Hinsicht doch „den neuen Ncsekanal neben jenem alten ehrwürdigen hundertjährigen nennen dürfe: Beide seien der- selben Auffassung von den Pflichten und Aufgaben des Stgates erttsprungeii ; beide zeigten gleichmäßi , von welcbem Geiste die preußische Verwaltung besser sei. Die- selbe Fürsorge für die materie11en Interessen der Bevölkerung, dieselbe unablässme Aibeit im Dienste des öffentlichen Wohls kennzeichneten die Verwaltung unter der glorreichen RegierUng Kaiser Wilhelms ]. nicht minder wie damals, als Friedrich der Große das Szepter führte. Jedem wirthicbaftlicben Interesse entgegen ukommen, jedes wirthscbaftiicbe Streben zu sinken und zu ?ördern mit den Mitteln des Staates, _ das sei die Art, wie Preußen jetzt wie damals gmnanifirte. Das Werk, welches man heute cinweihe, liefere hierfür einen neuen Beweis. Die Provinß gelte durchweg für ein armes, von der Natur stiefmütterlich ehandelteo Land. Mit Unrecht! Hin- rchtlich der Fruchtbmkeit und Entwicklungsfähigkeitdes Landes önne fich Ku'awien, könnten 1ch weite Strecken des Schubiner Krei es mit den reich en Gegenden alier an- deren Provinzen messen. Aber schwer ruhe auf der Land- wirthxchaft der Druck der direkten Steuern und potbcken, Ust c enso schwer der Druck der Tramportkosien. r Boden
r e reiche Schätze" fie könnten nur nicht gehoben werden, we die Verkehrsmittel fehlten. 1er fördernd einzu reifen, habe fich die Regierung unseres et denen Kaisers und oni?- Lur Ayfgabe geßelit, und der neue Kanal zeige aner We !, n wie oßartiger Weise fie diese AusgabeÖu lösen wifsx. Schon brend des Baues hätlen sich die irtungcn der neuen Wasserstraße ge eigt. An ihren Usern seien großartige Anlagen zur Verwmbung der Zuckerrübe enißanden, und
wenige Wochen würden vergeben, so würden schwerbeladene Kühne die Produkte der Landwirthschaft den Fabriken, die Er- zeugnisse der Fabriken veyaonsumenten des In- und Auslandes zuführen. Ein neues Lebemverde aus dieser Verbindung der Land: wirthfchaft und Induftrie erblühen, ein neuer Schritt vor- wärts ethan sein in der wirthscbaftlichen Entwickelung des NeßedisLrikts. Redner bat den Minißer, den Dank der Bevöl- kerung für dieses Werk, diese neue-Hohenzoliernsche That, dem Kaiserlichen Herrn in eruraxt zu Füßen zu legen. _ Der Vize- Präfident des Staats: ini-sieriums von Puttkamer trat sodann aus der Reihe der Fests eilnehmer vor und überbrachte zu- nächst der Provinz Posen den Gruß seines Aliergnädigsten Herrn und gab dem Wunsche AUEdruck, daß die an die Er- öffnung dieser neuen Wasserstraße geknüpften Hoff- nungen sick) verwirklichen möchten. Das Haus „der Hohenzollern, welches sich wie kein anderes Herrscher- haus sowohl durch seine Werke des Krieges wie ganz beson- ders durch diejenigen des Friedens„ auszeichne, habe hier wiederum seine Fürsorge für die Ostmarken des Reichs be- wiesen, und gerade an- dieserStiitid seiSeiner zu gedenken in dem Rufe: Se. Majestät der Kaiser lebe hoch! hoch! hock)! Im Anschluß an das Hoch, in welches die Versammelten be- geistert einstimmten, fangen dieselben die Nationalhymne. Damit endete dieser denkwürdige Akt, welcher mit dem Choral: „Al1ein Gott in der Höh' sei Ehr'“ eingeleitet worden war.
„ Zum Empfange der Festgeselischaft in Ladischin hatten die Häuser der Posener: und der Brombergerstraße und des Al„tfi?dtischen Marktes reichen Laub- und Flaggenschmuck an- ge eg .
Gegen 6 Uhr landeten die Gäste. Bürgermeister Weinert begrüßte sie und hieß fie Namens der Stadt Labischin will- kommen. Der Staats:Minister von Puttkamer dankte fiir den freundlichen Empfang und gab der HoZnung Ausdruck, daß die neu eingerichtete Wasserstraße zur ördcrung der Wohl- fahrt der Stadt Labischin und des durch sie berührten Land- strichs gereichetz würden. Hierauf stiegen“ die Gäste. cms Land und begaben sich in das FridrichscheHotel, um hier das Diner einzunehmen. Von den zahlreichen Toasien, welche aUSJL- bracht wurden, heben wir denjenigen des Staats-Ministers von Puttkamer auf Se. Majestät den Kaiser hervor.
„Meine Herren _ so ungefähr sagte Redner _ es ist ein altes Wort, daß Preußen ein „Produkt des Schwertes und der Staatskunst seines Herricberhauses it. Die ie ten glorreichen (Erfolge liefern den besten Beleg dafür, daß das S wert dazu beigetragen bat, die hohen nationalen Ziele zur Erreichung zu bringen. Das zweite Wort ist, daß die Staaten und Völker nur gedeihen durch die friedliche Anstrengung ihrer Kräfte. Gerade in den 5 tlicbcn Provinzen können wir die wirtbscbaftliche Thätigkeit der 5 egierung Verfolgen, so namentlich in Ostpreußen diejenige Friedrich Wilhelms ]. Dcr Erbe alle „, Tugenden dieses Herrschers, der kriegerischen wie der friedli erm Kaiser Wilhelm sucht das Werk Weiterzufübren, welches Jener bdzronnen,„ und ohne byzantinisch zu Werden, darf ich daher wohl sagen, "“ aß me einem Herrscher die Herzen 211121: so Warm entgegenschlugen wi Ibm. Keiner aber auch war dessen so wertb wie Er. „Wir müssen s „als ein roßes Glück betrachten, einen Herrscher zu bestßen. der sich die Wohl gbrt des Volkes zur böchsten Aufgabe Iestellt. Der Jün [wg im Silberhaar, der Greis mit dem Kinder- „erzizn, auf dessen -;Snrn der Lorber thront, nicht der Lorber der rormscben Imperaxkan- sonder e jenig„e der Solidarität und des Frxdejssck„Se.M'xU1estä'f-un ergnadigster Kaiser, lebe hoch! 0 . o ." " 7 -
Am anderéen Morgen81/2 Uhr wurde die Fahrt von La- biscljn aus fo „tgeseßt. Die Gäste wurden von dsn Orts- behbden feierl .ch empfapgen. „ Bci der Ankunft am Goplofee verlie'k die (Hes 311schaft die Flottlle, um die nahegelegene Zucker- fabrik in Auéxßenscheiw zu tzehmen. Zn bereitstehenden Equi- pagen beggkro man slch„ bei regnerischem Wetter sodann nach Jnowralxaw, woselbst die Ankunft gegen Abend erfolgte. Von
anchrazlaw aus kehrten “die Gäste per Bahn nach der Heimat zur .
_ Unter Anreizung eines Soldaten zum Un- gehorsam gegen den „Befehl“ seines Oberen, welche im §. 112 des Strafgeseßbuchs unter Strafe gcsteüt ist, ist nach einem U„rtheil des Reichßgerichts, 111. Strafsenals, vom 24. Zum d. I., nicht die Anreizung zu der Uebertretung eines militärischen aligemeinen Gebots oder Verbots, welches ein für alle Mal das militärische Verhalten des Soldaten zuregeln bestimmt ist, zu verstehen, sondern die Aufforderung zum Un- ßeborsam gegen den Befehl eines Vorgeseßten zu einer konkret
estimmten Handlung oder Unterlassung.
_ Der hiesige Geschäftsträger der Vereinégcn Staaten von Columbien, Lorenzo Marroquin hat Berlin auf einige Zeit v„erlassen. Während dessen Abwesenheit wird der Minister-Resident der Argentinischer: Republik 1)r. Miguel
Cané die Gcfchäfte der columbischen Vertretung wahr- nehmen.
_ Dcr General:Lieutenant von Flatow, Direktor der
Kriegsakademie, ist von 1.1.11an aus der Schweiz hierher zurückgekehrt.
„ _ Dcr Archiv=Sckretär 1)r. 171111. Max Posner in Ber- lm und der Archiv:?!ifislent Dr. jur. Hans von Schir; meister in Coblenz find gestorben.
Württemberg. Stuttgart, 26, September. (Allg. Z.) Heute Vormittag fand hier die feierliche Einweihung der neu erbauten„ „Olga: Heilanstalt“ statt. Es ist dies ein Mußerspital für Kinder, deffen Einrichtung allen Anforderun- gen der hygienischen Wissenschaft entspricht und zu dessen Bau die Königin Olga aus ihrer Privatkasse 300000 917: ge- spendet hat, wä rend die Stadt das erforderliche Areal un- entgeltlich zur erfüguna sielite. Der Einweihung dieses Werkes erbt Königlicher Munifizenz und Fürsorge wohnten Beide Majestäteu bei.
_ 27. September. Dem am 7. und 8. k. Mrs. in Darmstadt tagenden Armenpflegerkonareß wird, wie der „Schwäb. Merk.“ berichtet, ein hiesiger städtischer Dele itter anonien. Zur Veralhung stehen insbesondere M von dr. udolf Evers zu Wernigerode aufgestellte
en über den Untrrstühunnswohnsis und das Land- atmcnwesen mit Rücksicht auf die vagabundircnde Bettelei. Es i darin namentlich die Beseitigunxi res Laiwarmenwcsens ins uge gefaßt und zu diesem Behn e eine Abänderung des Unterstü unaswobnsisgeseßes in „ der Richtung vorgeschlagen, daß em ntersmsungmo ust? nicht verloren gehen könne, so lange kein anderer erworben ei
Oeßerreich-UU ara. Wien,30.Seplember. (WT. B.) Kronprinz Rudol ist zum Kommandanten der 9. Infan- teriedivifion ernannt worden. .
Preßburg, 29„. September. (W. T. B.) In Folge der gestern Abend in einzelnen von Juden bewohnten Gassen vorgekommenen Excxsfe, denen durch das Einsckxreiten von Militärpatrouillen Einhalt gethan wurde, smd 40 Personen verhaftet worden. Der „Magistrat hat sich in Permanenz er: klärt und einen BeruhigungSaufruf erlassen. Das Militär ist in den Kasernen konsignirt. Der auf den 2. Oktober an: beraumt gewesene Jahrmarkt findet nicht statt.
_ 30. September. Heute Nacht wiederholten fick) die Exceffe gegen die Juden. Das Militär schritt ein, mehrere Personen wurden verhaftet. Wie verlautet, stände die Publi: zirung des Standrechts bevor.
Pest, 27. September. (Pest. L.) Was das gemeinsame Budget pro 1883 bétkifft, so werden für die Okkupations- Truppen in BoSnicn und der Herzegowina beiläufig drei Millionen mehr pxäliminirt als zur Zeit vor dem Aufstande, da die Truppen noch nicht ganz bis zu der damals minimalen Ziffer herabgcmindert werden können. Das ist aber auch die einzige Erhöhung in dem gesammten ge- meinsamen Budget gegen jenes pro 1882, wie es ursprünglich vorgelegt wurde, und werdxn sonach, wenn die vorstehen- den Mittheilungen richtig sind, für die okkupirten Länder im Jahre 1883 um 25 Millionen weniger erforderlich sein, als im Jahre 1882 veraUSgabt wurde. Troßdem der jüngste außerordentliche Kredit, welchen dix; ungarische Delegation noch um 2 MiÜionen reduzirte, nur fiir den Bedarf bis Ende Oktober berechnet war, wird der Kriegs-Minister für November und Dezember dieses Jahres nicht?- weiter beanspruchen, sondern mit den bewilligtrn Summen bis zum Jahresschluffe das Auskommen finden.
Niederlande. Haag, 29. September. (W. T. V.) Die Zweite Kammér nahm die Brantwortungsadreffe der Tdronrede mit 73 gegen 2 Stimmen an. Von Seiten der Regierung wurde erklärt: sie werde bereits in der nächsten Woche den ersten Entwurf, bstreffend eine Revision des Wahl- rechts einbringen, und die Revision der Verfassuna, welche eine aligemeine und nicht bloß eine particile sein müsse, mit Ernst in Angriff nehmen.3 Die Kammer lehnte den Antrag van Houtens, we1cher die Publikation der auf die Ministerkrisis bezüglichen Schriftstücke verlangt, mit 49 gegen 24 Stimmen ab.
Großbritannien und Irland. London, 28, Sep- tember. ( 211143. Corr.) Außer dsr Pairswürde ist dem Sieger von Telelkebir auch noch der Rang eines Generals der Armee zugedacht. Bis jeßt isi SirGarnct Wolseley nur General- Lieutenant,
Aus der Capstadt wird unterm 5. ds. geschrieben: Das Goldfieber in TranEvaal zcigtkein Symptom der Abnahme, troß der ungünstigen Berichte vieler enttäuscht zurückgekehrten Goldgräber. Täglich strömen neue Massen von Menschen nach De Kaup, um dort ihr Glück zu machen, was aber nur drn Wenigsten beschieden ist, denn die meisten Goldgräber sind nach kurzer Zeit froh, wenn sie ohne Geldver- aütung nur gegen die bloße Kost Beschäftigung finden können. _ Der „Times“ wird gemeldet, daß Kctschwayo bei seiner Landung in der Capftadt am 25. sehr kühlempfangen worden sei. Die Vockenepidemie richtet unter den Einde- borenen in Capstadt gräßliche Vorlxeerungcn an. Von 2000 Erkrankungen haben 600 einen tödtlichen Aiisgang genommen.
Die Krankheit greift jeßt auch unter der weißen Bevölkerung und dem Militär um sich.
Frankreich. Paris, 28. September. (Fr. Corr.) Der König von Griechenland empfing gestern den Besuch des MinisterWräsidenten, Herrn Duclerc, mit dem er eine längere Unterredung hatte. Heute begab sich der König seiner- seits in das Auswärtige Amt. In Folge erhaltener Depeschen reisen die griechischen Majestäten bereits heute Abend nach Stuitgart ab.
Das Kontingent, welchcs im Jahre 1883 der fran- zösischen Armee einverleibt werden soil, beträgt 167 478 Mann: 129 150, welche fünf Jahre und 38 928, welche nur ein Jahr dienen folien. Die 167478 Mann vertbeilen sich wie olgt auf die verschiedenen Waffenaatlun en: 107 032 für die Infanterie, 20019 für Kavalierie, 27880 iir die Artillerie, 8372 für das Genie, 3082 für das Fuhrwefen und 6093 fiir das VcrpfiegungScorps. Das diesjihrige Kontingent über- steigt das des Jahres 1882 um 5287 Mann, von denen 2218 der Infanterie zugetheilt werden.
_ 28. Septcmb r. (Köln. Ztg.) Der Präsident Grévy trifft erst am nächsten Sonntag im Elifée ein; die Uederreicbung dcs Baretts an MsZr. Czacki wurde auf nächsten Dienstag vertagt. _ Der eputirte Graner soll zum Unter-Staatssekretär der Kolonien ernannt werden. Diese gehören jest zum Marine=Ministerium, sollen aber wieder dem Handels-Ministerium zugetbeilt werdcn.
GcsternNachmittaa um 5Uhr wurdcn dieSchwestern v om Ze ilig en Vine enz von P a ula aus der Elementarschule dcr ue dela 21111er Paris von der Polizei a itsgetrieben, weilsie ihre Schule nicht an Laicnlehrerinnen abgeben wo'1ten und fich darauf flüsten, daß 1693 eine Wittwe Louvet dem Orden das Haus vermacht habe, es daher ihr Eiaenthum sei. Die kleri- kalen Blätter klagen heute, daß die „Schwestern“ ihres Eigen- tbums bera1„1bt seicxi. Eine Note der „Agence H avgs“ste11t]cdoch die juristische Seite der Sache iichjig. Hier- nach ist das Sclxulnrundstiick den Schwestern von St. Vincent de Paule bereits in der Revolutionszeit von 1792 entzogen worden und 111 das Eigenthum dcr Assistance publique ge- fallen. Allerdings wurde der Nießbrauch des Grundstücks den Schwchstern„ im Jahre 1797 wieder eingeräumt, doch schon unter Loms Philippe wurde die Schule bereits einmal ver- welllicht, von 1837_39, und überdies bat die Stadt Paris stets„der Assistance publique cine Miethe von 10000Frs. für das in Rede stehende Grundstück gezahlt. „ _ 29. Sevtember. (W T. B.) Die Herzogin Maria „Ystawon Parma ist heute in Biarritz an denFolgen der * ntbindung von einem todten Kinde gestorben.
Rußland und Polen. St.Petersbnrn, 29. Sep- tember. (W. T. B.) In rem bereits fignalisirten Artikel des „Journal de St.Pétersbourg“ heißt es: Man habe gehofft, daß diese Vbantasmagorien zu Ende gewesen wären nach den zwischen Lord Clarcndon nnd Fürst Gorlscha= koff aqegetausckxten sreundscbaftlichen Explikationen und nach den „ hierauf erfolgten Arrangements zwischen den beiden Regierungen, sowie nach dem von Gladstone inauqurirten Pro rammc„ einer gefunden, rationellen und verständigen Poltik. Leider habe England eine Schule von Politikern
und Staatömänm'rn denen die Sicherheit Indiens ein be- liebtes Steckenpferd ei, welcbe diesem levteren ihre Stellung, ihren Einfluß und ihre Karriere verdankten und welche dasselbe nicht gern verlassen möchten., Leider fänden diese Herren auch in einer höheren und angesehenxn Sphäre der englischen Geseuschaft ein geeignetes Terrain, um traditionell gewordene Vasfionen wieder zu erwecken, unterstüßt von dem Parteigei'st. Solche Bestrebungen könnten die praktische Annäherung nur erschweren, welche sich zwischen den beiden Regierungen und ihren Ländern durch ruhige und rationelle Würdigung ihrer egenseitigen Interessen zu entwickeln strebte. Das Journai ährt sodann ort: Wir wollen die Chimären 1ener Partei und der „Morning-Post“ nicht refutiren und nicht bxkiimpfen. Alles, was wir zu sagen haben, ist, daß die „Moxmng-Post“ einen Schein von Grund haben könnte, wenn es tbr geläzrge, zu zeigen, Rußland habe irgend ein Interesse, die engiiiche Herrschaft in Indien zu stören. Die Ruffophoben fal1en m sonderbare Widersprüche; bald stellen sie Rußland als em VLB- faultes, absterbendes, der Unordnung verfallenes, „fiir ernsten
ortschritt unfähiges Land dar, als einen Koloß m1t„thönernen Füßen, drohend, unter der eigenen Masse zu unterliegen, „bald mnchen sie aus Rußland einen Popanz, einen unersättlichen Riesen, welcher die ganze Welt zu verschlingen bereit ist, um seinen unmäßigen Appetit zu brfriedigen. Ruß1and glaubt weder die eine noch die andere Jnsinuaiion zu vsrdienen. Man soÜ nur Rußland ganz einfach, wie jede andere Macht für fähig halten, seine Jiitereffen zu begreifen, und fiir ent- schloffen, diese zu entwickeln und zu vertbeidigen wie ]c-de an- dere Nation. Stellt fick) die „Morning=Vos “ auf diesen Bo- den, so muß sie zugeben: Rußland kann absolut Nichts ge- winnen, wenn Indien der aufgeklärten englischen Herrschaft entzoxzen würde, um in hindo-mufelmännische Barbarei und Anarchie zurückzufalien. Das hieße offenbar nicht nur Eng- lands civiliiatorisches Werk in Asien vsrnichten, sondern auch dasjenige total aufs Spiel seßen, wslches Rußland im nörd- lichen Theil dieses großen Kontinents zufällt, und um zu diesem, ssinen eigenen Jntsreffen direkt entgegen- laufenden Resultate zu gelangen, müßte Rußland sich den Gefahren und den Opfern eines iiber (1116 Länder und Meere der Erdkugel sich hinziehenden Krieges mit einer der größten Mächte der Welt ausseßsn. Wir sind überzeugt, die „MorningWos“ selbst würde, wenn sie eine russische Zeitung wäre, eine solche Politik für voÜkommen sinnlos halten. Ebenso unbégründet sind ihre kommerziellen Jeremiaden, wie der gesunds Sinn obne Voreingrnommenheit von selbst begreift. Das Journal zählt hierfiir Litifaché schlagende Giünde auf und schließt: Es ist peinlich, wiede elementare Wahrheiten wiederholen zu müssen. Sie werden freilich die „Morning-Post“ nicht überzeugen; so bleibt uns nur iibrig, an den guten und praktischen Sinn des englischen Volkes zu appelliren, um solche gehässige Absurditäten abzu- urtheilen.
Süd-Amerika. Buenos Ayres, 29. August. (21119. Corr.) Der argentinische Kongreß hält fortdauernd ge- heime Sißungen. _ Nach Berichten aus Rio de Janeiro
at die Kaiserlich brasilianische Regierung den Vor- ?chlag des argeminischen Ministers drr Auswärtigen Angele- genheiten, die Missiones-Grenzfraae einem S_(hieds- gerichte zu unterbreiten, abgelehnt. _ Aus Peru wrrd ge- meldet, daß General Garcia die chilenischenTruppen in Lima zusammenzieht. _ Die Session der bolivianischen Kainz mer ist von dem Viw-Vräsidenten eröffnet worden, der bei dieser Gelegenheit eine Rede zu Gunsten drr Aufrechterhailiung des Friedens hielt.
Afrika. Egypten. Das „Neuteriche Bureau“ msldrt aus Kairo unter dem 29. d. M.: Dor 21mnah„me,„daß die Explosion das Werk von Brandstiftern sei, wrrd 1„m eng: lischen Hauptquartier nicht zugestimmt, man glaubt vielmehr, das; der Brand durch das Explodiren cines Zirnders entstand, der zufällig in einer egyptischcn Granate 11ccicn gßbiiebcn war. Die Eisenbahn ist gegenwärtig zwar wieder iiir den Verkehr freigemacht, ein Tlieil der Eisenbahnschienen 111 aber durch die Gewa1t der Explosion gekrümmt und vsrboaen und wird durch neue Schienen ersetzt werden mixffen, Von Sol: daten wurde nur ein Mann gctödtet.
_ Dcmselden Bureau wird aus Kairo unterm 27. d. M. gemeldet: „
Gestern Abend übermittelte Str Edward Malct “ccm K'bcdivc dic Warmen Glückwünsche Ihrer Majestät ?)icnierung zu seiner Rück- kcbr nacb scincr Hauptstadt, und heute Morgen siattctc Sc. Hobcit dem britischen Generalkonsul einen Besuch ab,„ um ihm scincn„Dax.k für diese Botschaft abzustatten. Von der briti1cbcn Rrgicrung in noch keine amtliche Mittheilung betreffs der Anzahl drr in EJMÜM zu bleibenden Truppen cmgeaangen, allein Sir Garnet„Wol1e_led und Sir Edward Maler stimmen in dcr Meinun überein, daß 10000 Mann genügen werden, um bis zur icdrrbcrstcllurxg„ nor- malcr Zustände die Ordnung aufrecht zu erbaltey. Dtcjc 21-1- zabl irird demgemäß wahrscheinlich in Egypten zuryckbletbcn. Der Kbedive stattete beute Nachmittaa dcm General Wolseley im Abbin- palast und dcm Herzog von Connaught im KaEr-en-chkbgvaiast Bcsucbc ab. Der Ministerrath trat heute zusammen und vrrslandmtc
fich über den Wortlaut von drei Dekrctcn, die morycn vom Kbcdivc
untcizcicbnct werden sollen. Der erste Erlaßscyt c nen Synderaud- sébuß ein, welcher in Kairo zusammentrcten 11nd„a11e Militärischen oder bürgerlichen Personen, kvclcbe sicb rebelliscbcr Handlungen (buldia gemacht haben, in Anklanczusiand verscch wird.
iescr aus neun Mitgliedern bestehenden Kommiifiow wird Jomail Bey präfidiren. Der„ zweit? Erlaß ordnet die Ab- haltung cines Kriegegericbtes in Kairo an, welcbe„*3 in glicn dcmfrlbcn von der oben cnannterbmmission unterbreiteten Fallen sein Urtbcil in Gcmäßbet dcs Militargcseycs abgebcn wird. Gcgcrx dicse Uttbeilc wird eine Berufung nnbt zulasfig Lem. Mobaxned Ren! ?ascba wird der Präsident dirjez Gerichtsboles sem, er aus 8 Mitgliedern estcbcn wird. Das dritte Dekret setzt e n weiteres_Ktieaögertcht cm, welches sich in Alexandrien versammeln wird, um uber alle ibm von den vor einigen Tagen ernannten Kommissionen in Alexandrien und Tantal) unterbreiteten Fälic Recht zu„ sprechcn. Dic Verhand- lungen beider Kriegßaericbte wcrden öffentlich sein, gnd den Angescb„ul„- diztcn wird es gcstaitct sein, sich mit Anwalten flir ibre Vcrtbrxdt- gung zu versehen. Der Kbedivc wird in Kurzem ca_n Dekret erinner), welches allen Offizieren vom Zauvtmannsrange abwarts einc Amnestie gewährt, von der nur solche ffizixre auSgescbloffen sein wcrden, die an den Rubesiörunqen direkt betbctligt waren oder seit dem Be inn„e des Feldzuges in die Armee eingetreten nd. Das Manches1er-' egi- ment, das 3. Bataillon des Derbvsbire-Kegiments_ und ein Dctarbe- ment Genietruppcn babcn Befehl erhalten, sich fur die Einschiffung nach Indien bereit zu halten. „
_ Der „Times“-Correspondent in Kairo schreibt unterm 26. b.:
Das Militärtribunal, welches allen an der Nebel- lion betbeili : gewesenen Personen den Prozeß machen soll. w rd morgen ernannt werden. Der „Kbcdioe Sberif Pascha und. Ria; Panda bestcbcn alle encrgmb aui
der absoluten Notbwendigkett der Vollstrerkung der Todesstrafe gegen die Hauptverbrecher, eine Meinmg, von welcher nur wenige, wenn überhaupt welcbe, a- * (ben. Sberif. deffen fanflek Charakter wobl bekannt ist, lie? sich mir gegenüber heute wie folgt vernehmen: „Ich bin dieser An ich!, nicht weil ich einm Grol! gegen irgend einen der Rebellenfübrer empfinde, „ sondern Weil es durchaus gotbwcndig ist für die Sickzerbeit Aller, die in dem Lande zu wvbnen wünschen. Cine englische Expedition ist etwas Vortreffliches,„aber weder Sie noch ich wollen dieselbe alle 12 Monate wieder- beli sehen.“ _ Sir Garnet Wolsely leidet an einer Er- kältung und an Diarrhoe. _ Der Volksdicbter Nedim ift nycb immer auf freiem Fuße. Unter den Personen, welcbe der Kbedwe heute nicht empfangen wollte, befanden sich u. A Ragbib Paschc„1, der Exprcmier, Ali Sadyk, der Finanz-Miniiter. Maracbli, ehemali- ger Kriegs-Minister, und Daud Pascha, Gouverneur von EIneb. Leßtgenannter ist derselbe, der, wie man sich erinnern wird, im Juni in der GegenWart des Khedive den Wunsch ausdrückte, daß„ alle Christen getödtci werden sollten. Er ist der Vater von Suleiman Pascha Sami, dem Hauptbrandsiisterbon Alexandrien, der, wie Ver- lautet, nacb Fayum geflüchtet ist und auf dessen Ergreifung eine Be- lohnung ausgefeßt werden wird.-
Zeitungsftimmen.
„Der Me_tal[arbeiter“ beginnt seine industrieile Rundschau mit wigMden Worten:
Die Rundrcise dcs Staats-Minifiers von BNÜ'sÖLk durch di? Jndnstricbezirke Rheinlaud-Weftpbalens ist von der Mehrzahl der Bevölkerung mit großrr Sympaihie aufgenommen wvrden, was wohl am Besten beivcisi, daß man mit der wiribschaftlicben Politik der Regierung zufrieden und einverstanden ist.
_ Die „Deutsche Fiyanz-Correspdnde„nz“ bezeich- ne:t als Grund des zur ZELL herrschenden firxanzieUen Pessi- miSrnu-Z u, A. die mehrjährige zoüpolitifwe Mißwirthschast:
MiÜiardkn waren an das Ausland verloren Worden, dercn Feb- [en man erst gewabrie,„ als dcr Luxus der ebedrm Reichen sich wer- minderte, der Konsum iich vcrringerte, der Absa? der))?abriken stockte und die Industrie zu Falle kam, weil der Heimi che arkt der frem- den Industrie schutZlos überliefert worden rvar. Die Arbeiter frier- ten, die Löbne sanken unter das Niveau der Kosten der nothWendig- sten täglichen Lebensbedürfniffe und „die Entwutbigung nabm derart zu, das; die doch sonst so starke, kernige, fleißige deutsche Nation fast den Glauben an sicb selbst verlor. „
Leider mischte sich auch ein Theil der Presse in dxr unberständig- sten Weise in dern Jammerchorus ein. . „. . .
Der hierauf sicb einstellende traurigx allgemride Zustand war daher cin mebr gemachter, daher kein rern natürlirbrr. Man wird sich erinnern, daß immer und imMer wieder„Perioden eintrafen, in Welchen cine allgemeine Besserung der geschaftlia'xen Lage zum Durch- bruch gelangen wollte; es fehlte jedoch an dem Alles belebenden Haucbe des Vertrauens. Der Geist des„P„esfimismus schtvebte Über den Gewässern und sobald inirlligentc patriotische Männer die tbatsäÖlich gebefferte Zeitlage dazu benußen wollten, eine gute Idee auszufiibrxn, um grdiegcne, neue, gesunde Unternebmngen zu schaffen, die beschäf- 1ignng§wsen Händen Arbeit Verschafft, dle Geldzirku1ction wieder in Fluß gebracht, oder schon bestehendewund crbaltemeerihen temporär eidenden Uiiiernebmungen wirklich Hulfe gebraéyt bgtter» schrie man, das sei eine „Griindung“, und mit dem Nameri .Grunder“ verknüpfte man in tböricbtestcr Verkennung der Tbatsackyexn emen bkscbimpfenden Begriff, sodaß man damit den tüchttgstcn uiid besten_Männern vo„r den Kopf sciylug und schließlich die Dinge gehen [aßen mußte wie fie gingen. 1", _ „ „„
Wenn fick) Jene, ipeicbebeutzuiage- no„ch dsp Pe1sim13mus naoren und schüren, mit „Vorliebe auf obige Gründe des aligemeinen Ver- falls berufen, so ist emzurvenden, daß soicbe zum großen Theile nicht mehr cxistiren. Dic Nachwehen der Grunder- und resp. Milliarden- zeit sind durchrvcgs ausgebetit. An die SteÜe» der verfehlten Zoll- politik ist eine heilsame Reform g„etre1en, deren Wirkungen sich auf den mristen Gebieten der Industrie und der Gswerbe in erfreulicher Wrise manifestiren ......
_ In einer Berliner Corrcspondenz des „Diissel- dorfcr Anzeiger“1esen mir:
„Ich babe immcrfort darüber nach;;„edacbt“ gab Isaak Newton dem Könige Georg ]. von England zur ntwvrt, als diescribnfragie, wir ihm ein so koloffaler Gedanke wie derjenige des Gcseizeß der Schwere aufgogangen sci. An diesen Au,??prch) des großxn englijcbcn Naturforsckyrrs sind wir bei der Lektüre des vom Wirklichen (Hebcimcn Obcr-Reaierungs-Nath „ Dr. Ludwig Hahn neuerdings berauSgegebenen Buches „Zwanzig Jahre 1862-1882“ wieder- holt erinnert ivorden. Das Gebctmniß der großen Erfolge unseres Reichskanzlers ist von dem Vcrfaffer dadurch erratben wvrdxn, „daß dcrselbc nacbzmvriscn geroußt hat, wie Furst Biqurck dem namlrcben auf die Größe Deutschlands „und Preußens gerichteten Gedanken während seiner gesammten jtaaiSmanntscben Thätigkeit unver- wandt nachgegangen ist ..... „ Der Gedanxe, das; ck „zur SiwcrftcliunJ dcs Reicbbaues cigner Reichsemnabmen bedurfe, daß diese „innabmen aus den indirekten Steuern zu schbvfcn sricn, und daß Deutschland _ dem Beispiel anderer Grof;- staatcn folgend _ das Haupttbcil seines Staatéaufnxandes nicht aus dirckten, sondern aus indirekten Steuern beschaffen musse, ist vondcm Rcirbc-kanzlcr bereits bei Begründung der Verfassung dei; Norddeut- schen Bundes außgcsprochcn, unmittelbar nachdem sich d1c„ Notbwen- digkeit eincr umfaffcnden Steuerreform praktijch berauögcjteUt hatte, wieder aufgenommen und seitdem konsequent weiter verfolgt worden. Während die große Zahl Derjxnigen , welche_ die Reichs- arundstcinlcaung enthusiasti1ch begrußt batten ,„ im Laufe der Jabra von dcm einen großen chanken, der um jeden Preis zu be- werksielligcnden Rcicbßbefe tigung wieder abgezogen und Nebepgcdanken der verschiedensten Art zugewendct wurde, hat der Kan ler „m_nnerfort darüber nacbgcdaäxt'. Kein augenblicklicher Erfolg, ein Betfaliöruf dcr Maffen vermochte ihn in dcr Ueberieugung zu beirren, daß wobl Großcs aetban worden, daß aber noch Vieles und Großcs zu thun übrig cblieben sri, wenn der Gedanke seines Lebens zu Ende gedacht und se ncm vollen Umfange nacb „verwirklicht werden sollte. Wir stehen am erabcndc eincr Entscheidung. welcbe hinsichtlich des Zeit-
unkts für dic Verwirklicbung dcs Grundgedankens der Btémarckjchcn inanz- und Steuerpolitik von entscheidender„Bedcutyng sein wird. ür den Zeitpunkt, _ denn an dem scklit lichen Siege „der Sache elbst wird dieses Mal ebensowenig zu Mei n sein, wie wabrxnd der ubrigen Zeitabschnitte scheinbarer Vorbeck cbaft dcr vppofitt„onelien Strömung. Nic hat der englische Geschäftögrundsaß, daß ,ZettGeld ift“, sicb handgreiflicher anwenden lassen, wie gegenwärtig, wo jeder Zeitverlust neue Schwierigkeiten unserer finanziellen Lage im „Gefolge haben würde, und Alles datau ankommt, rasch zu einem Ab]ch1uß zu gelangen. Helfen wir dem anne, der einen_chanken sein Leben lang verfolgt und durch die Uncrmüdlickzkeit inner auf einen Punkt ßerichtcien Geisteöarbcit das Höchste erreicht bat, auf einem der„wich- tigsten sc„iner ArbeitMebiete obne ferneren Zeitverlust an das Ziel zu gelangen.
_ Ueber die Bildung von Innungen sagen die „Meck- lenburgischen Landes nachrichten“:
Eo lie t im eigensten Interest der andwerker, auch Derek, welche in eiter Linie Zwangsinnungen an 11, von dem 1881er Gefen ausgic igften Gebrauch zu machen. Erst wenn das geschieht, wird man in der Lage sein diejenigen Erfabnmgen zu ewinnen, die erforderlich sind, um die Frage: obligatorische und :; [tative - nungen? definitiv zu beantworten. Man darf gerade an diesem Geb etc nicht roße Kreuze und Quersvrünge machen, wenn nicht eine siete Be- unrub?aung hervorgerufen werden soll. die am Ende dem Handwerk noch mehr schaden kann, als die gegenwärt : AtomisimW der An- gehörigen der verschiedenen Beruföarten del divert]. ollie man
beute, ohne die erforderlichen Erfabnm ammelt ba " Zwangsinnungm übergeben, etwa dadurtgk:n „T€ man die- SFM des a„lten„ Zuanesens acceptirte, so würde steh bald genug die Notk- wendrgkett von Reformen ergeben und man wurde lange Zeit bindurö aus dem Expenmenttren nicht herauskommen.
Statiftisaje NachtlebOeu.
Auf den unter Aufsicht der preußischen Bergbebörde stebenden Bergwerks-„und AufbereitungSanftalten waren, dem neuxsten Heft drr Zeitschrift für Berg-, Hütten-: und Salinenwesen zirfolqe, im Jahre 1881 im Ganzen 260779 Arbeiter beschäftigt, die hochste Zahl, welcbe bisher überhaupt erreicht wurde. Im Jahre 1867 betrug dre_ Zahl 181503; dieselbe stieg bis zum Jahre 1873 auf 247 594, ging bis 1877 wisder auf 231117 zurück, um vvn da ab wieder in die Höhe zu geben, und zwar 1878 auf 232 064, 1879 auf 235 617, 1880 auf 250 294 und 1881. auf 260 779. Von diesen waren 162 951 beim Steinkohlenberabau, 19 959 beim & Braunkobli-„nbergbau, 69 984 beim Erzbergvau und 7885 bei anderen Mmeraigewinnungen beschäftigt. Es verunglückten mit tödt- lichem AuSgange im Jabra 1881 680 Arbeiter, also 2,608 auf Tausend, gegen 2,597 auf Tausend im Vorjahre, Die meisten Verunglückungen "Ut tödtlichem Außgange kamen beim Steinkohlenbergbau vor, näm- lta) 3,111 pro Tausend, die Wenigsten beim Erzbergbau, nämlich 1,529 pro Tau„send.„ Mit AuSnabme des Steinkohlenbergbaues stehen die Yrrunglucksziffern der verschiedenen Betriebe im Jahre 1881 ungün- stiger als die des „Jahres 1880. Es erlitten ferner durch Unfall bei der WerYSarbeit Beschädigunaen, welche eine Arbeitsunfähig- keit von mindestens einem Monat zur Folge hatten, im Ganzen§2548 Mann, d, i, 9,771 Mann auf je 1000 Arbeiter. Von diesen smd „2363 „11in vorübergehend, auf die Dauer von 1 bis 6 Mo- naten, arbeitxéunfabtg genossen, dagegen 186 dauernd in ihrem Berufe eriverbsunfabig gewwrdezi, Im Jahre 1880 wurden von 2428 Ver- lrtZi'en 2217 nur voriibergehend und 211 dauernd erwerbsunfähig. Bernt Stemkoblenbergbau belief sich die Zahl der Verleyten mit vorubergebender Arbeitsunfabigkeit auf 1798 Mann, diejenige der dauernd Erwerbsunfabigen auf 157, zusammen 1955 Mann, Beim Braunkoblcnbergchu wurden überbaupt 125 Mann beschädigt, und zwar 111 „ vorubcrgebend arbeitsunfähig und 14 dauernd ercrbSunfabm.„ Bexm„ Erzbergbau sind 428 Mann vor- ubergebend arbeitéunfahig und 12 Mann dauernd erwerbSunfähia ge- wvxdcn, „zusammxn also„ 440 Mann. Bei der Gewinnung -sonftiaer Mmeralzer) e„nd11ch erhielten Verietzungen mit vorübergehender Ar- bextsunfahtgkett 25 Arbeiter, mit dauernder ErwerbSunfäbigkeit 3 Nr- bexiter,„zus„ammen 28 Mann. Auch hinsichtlich der Verunglückungen obn_e todiltcbey Auégang weist der Steinkohlenbergbau die ungünstigfte Ziffer auf, namlich 11,997 bon Tausend, wogegen der Vraunkohlen- bergbau iiur 6,263, drr Erzbergbau 6,287 und die Gewinnung son- stiger Mineralien 3,551 von Tausend.
Kunst, Wissenschaft und Literatur.
Jm Verlage von E. S. Mittler u. Sohn, Königliche Hofbuch- handlung bxersrlbst, find erschienen: R. de l'Homme deCourbiSre, (Geb. Kriegsratb) (Hirundzüge der Deutschen Militär- VerWaltung. gr. 80. 27 Bogen 8 „ik, _Es fehlte bisher an einem Werke, welcbcs das große und mächtige Gefüge der modernen Heeres- verwaltung m kurzrn und verständlichen Zügen Laien klarlegte. Ein solch„es„Handbuch, in dem Sinxie etwa, wie der Vortrag auf der Königlicher! Kriegs-Akademie die militärische DiSziplinen behandelt, bietet der m der„ Intendantur durch lange Dienstzeit erfahrene Ver- fasser. Er bezeicbnrt und „ckarakterisirt alle einzelnen Zwei e der Heeresverwaltung (die „Verviicgung, Besoldung, Bewaffnung un Aus- rüstung des Heeres. seine Unterkunft, das Justiz- und Sanitätßwesen, Transport- „und Remontewesen); er betont je nach deren ZweckJW iel die Grundsaße, nach denen die erforderlichen Einrichtungen getko en find ux1d dle entsprccbcpdc Gesckoäftsbebandlung stattfindet; ja, er weist uberall darauf bm, weiche geschichtliKe Entwickelung diese Jnstituiwxzcn durchlarxfen haben, und welche andlung des Stand- Zunktes die fortschreitende Grstaltung der modernen Heere in der
uffasiuna nach „ lch gezogen hat. Es ist offenbar daß ein solches„ Werk in 1 nur den Offizier über eine Menge ibm nächstliegender Jntereffcn unterrichtet, ja, ihm für eine Reibe von Arbeiten u„nd Aufträgen ein umfaffenderes Verständniß, ein_ sichcrcrcs Eingreifen, ein besseres Wiffen und Können vcr1chafft, „sonderwdasz ein so wichtiger Theil der Staatsverwaltung, in allgemein verstandlrcher und die Grundfä e allenthalben hervor- bebender Behandlung daraesteÜi, ebensowo [ auch in der wissen- scbafjlicben Welt und ber dem ganzen für das öffentliche Leben inter- esfirteii Publikum naber beachtet und gewürdigt rverden wird.
Berlin, Moskau, St. Petersburg. 1649 bis1763. Ein Beitrag zur Geschichte der freundschaftlicben Beziehunßen zwischen Brandrnbura-Preußcn und Rußland von 1)|'. phil. Frei errn By. Köhne. Berlin 1852. Preis 3 «76 _ Dies ist der Titel des so- eben berausgeacbenrn xx. Heftes der sog. Oktav-Schtiftcn des .Ver- eins für die Geicbtrbte der Stadt Berlin', welches dem Leser inter- effante Einzelheiten über die Umstände und die Art und Weise, wie die guten Beziehungen zwistben den Monarchen beider Reiche im Laufe von 114 Jabren gepflcgt worden, darbietet. Dcr Verfaffer, Chef der Heraldik-Abtbcilung des diria. Senats in St. Petersburg, hat in den Arcbwen von Berlin, St. Petersburg und Moskau AÜes gesammelt, was„„irgcnd fiir die Beziehungen beider Hcrrscherbäuser von Bedeutung nt. Von arvßem ntcreffe sind die vortrefflichen Holzschnitte, so ein Bild Peter dcs roßen nach dem Original im Berliner Scbloffe, über dessen Ursprung noch immer jede kuoerlässige Nachricht fcbit. Ein ausführliches Sachregister erle cbtert dat Studium des Buches.
Roedlicb, C. F.(Obcrst-Lieut. a. D.), Das Leben des Generals Hikeronvmus„Roed1ich (1767_1833). Mit Porträt. gr. 8. 3,60 «46 _ Cm buntbewcgtes und cbrenrcicbes Soldatenlcbcn aus der naxolconiscbcn Kriegkzcit schildrrt dieses Buch; eo bringx durcb die na en Beziehunacn des Generals zu berühmten und leitenden Männern manehen Beitrag zur allgemeinen Gexchicbtc und manchen Yngerzeig für GeschichtSforscher Roedlicb kämp te in österreichischen
iensten argen die Türken und gegen Bonaparte (1788-1790), dann in neapolitanischen Diensten gegen die Franzosen und unter Erzherzog Karl in Deutschland und Italien. Er folgte 1806 der Anerbtctung. in preußische Dienste: iu irrten, und nahm nun tbätigen Antbeil an der ereignißteicben kriegerijcben und diplomatischen Aktion Preußens bis zum Pariser Frieden.
Bernavö, Guillaume Schicksale des Großherzog- tbums Frankfurt und keiner Tru cken. Eine kultur- bistoriscbe und militärische Studie aus der t dcs Rbcinbundes. Mit einer Karte von Spanien. gr, 8". .“ 10._. Der 1: Nat- werpen am 7. Januar d. I. ruchlos ermordete Advokat avi hatte in lebbafter Vorliebe für die neuere Geschichte unseres Vater- landes und dcffm militärische Institutionen sicb Fabulous Studien über die Rbeinbundkzeit Imidmet. Er hatte ae gen wollen schmäblich unter der Fanz sischen Fremdherrschaft das deutsche en daniederla und kran e; wie elend und ohne Dank damals ebe Truppen f r fremden Ruhm in fernen Landen Blut und Leben mußten, Er wollte durch das Geambild dieser noch nicht lange vet-
angencn Zeit unseren Stolz auf die Errungenschaft des neuen deut- ?eben Reiche9 und unsere Kraft aufrufen, diese tbeueten Besiytbümer die Grundzüge von Deutschlands Ruhm und Größe, nicht wieder m “" YT“? "Xia?“"nd'iKW'i “kt “"'"? vmwa- u sam..“ * er 1 n t eegn er im em m . als die Erinnetun an die Zeit des Übänbum _ und :U- sie ck F"" '" 17.71 ZM“11§7"'67“'“1„M "Wii:?“ “„.-"'" a er! 11 ver n , en an ganzen ange fü ren. und auch nur der Treue und den eigenen Bund eines Freunde!, des Rittmeistetv Ftbtn. von Ardenne, ii! es ]- Ul-