1903 / 292 p. 4 (Deutscher Reichsanzeiger, Sat, 12 Dec 1903 18:00:01 GMT) scan diff

Deutscher Reichstag. 5. Sitzung vom 11. Dezember 1903. 1 Uhr.

Ueber den Anfang der Sißung wurde in der geFtrigen .

Nummer d, Bl. berichtet.

Ta esordnun : Fortse un der ersten Beratun des Entwu s des Regtckwhaus aFtSetats für 1904 itiZ Ver- bindung Mit der ersten Beratung des Etats für die Schuß- Febtete und des Gesehentmurfs, betreffend Aen- erungen tm Finanzwesen des Reichs.

Ab „Dr. Sattler ul., fortfahrend :Die Reichs nan verWaltun muß elYstandiger werden, Tl; darf nicht melir lediglich vorfii denzBeschlüsieici der ud etkommission ab an en.. Die Zuschußanleibe beträgt nach dem vorlie en en Etat" nur '59Z illlonen Mark. Wenn der Etat nach degse n Grundsaßen auiYestellt wäre, wie im vorigen Jahre, so wgrde er auch einen ehl etra von 30 Millionen Mark enthalten mussen, also eine Zus ußanlei e von 89,1 Millionen Mark erfordern ux Deckun der ordentlichen Außgaben. Aber der neue Etat über- raJt die eckung von „30 Millionen bekanntlich auf das Extra- ord narium. Im ordentlichen Etat ist von einer Verminderun des AuSgabenbedarfs nichts zu sehen. Ich sehe auch darin die olge des Mangel? einer Zraftigen, ?eordneten Reichs nanzverwaltung. Hätten wir emen selbstandi en Re chsfinanzminister, () hätte er dafur esorgt, daß der ordentlt e Etat Weniger Mehrausgaben aufwiese. o unerfreuli der Etat, so unerfreulich ist auch der völlige Bankerott des Reichsinval denfonds; Die Budgetkommis on wird keine besonders freudigen Momente bet der Beratun die es Etats erleben. Ich möchte raten, den Grundsaß der Spar amkeit in mögli st kräftiger Weie durcbzufuhrcn. Ueber den auSwärtigen Etat wi ich nicht spre en, da ich das Vertrauen zu der Regierung habe, daß sie die deut chen Interessen naä) außen kraftig wahrnimmt. Das Deutsche Rei mußte sich Punkte Lichern in den fernen Weltteilen. Daß es in den Kolon en nicbt we ter geht, ist zum großem Teil die Schuld des Rei stags, der den Eisenbahnbau in Ostafrika so [ange ver- Lchleppt at._ Was deri Etai des Reich§amts des Innern betrifft, so | es erfreulich, das; die Reichsbebördeu in der sozialen Fürsorge auf dem Gebiete; der Wohnungsfrgge vorangehen. Für die WeltaussteiLung in St. Louis ist dqs Auswarti e Amt mit der kar en Hand vor- gegangen, die wir bei ihm gewö nt smd. Auffaliend Ft es, daß das Quinquennat nur auf! ein IaLr verlangert werden sou. Ick) fra e die Kriegsverwaltizng, o" etwa eabsiFtigt ist, die gesamte Bewi gung ur das Militar in jabrlrcbe 'Bewi igung umzuwandeln? Ich meinte ißber, daß es"_ notWendig ist, die Grundlage der Webrverfa ung moglichst auf langere Zeit festzustellen, weil man dann mit grö erer fiyanzrelieonrauSsicht disponieren kann was notwendig ist. Gerade Wir, die wir in die Armee unseren Stoiz se en, die wir wollen, daß sie ohne jedxn Flecken dasiebt, müssen darau hinweisen, daß in der Armee Schaden “eingetreten sind, die in weiten Kreisen tiefste Ver- stimmung und tiefsten Schmerz erregt'baben. Wichtig ist die Fra e des notw-rndigen Ersatzes des Offizierkorps. Bei der Infantere herrscht ein großer Mangel an Anwärtern. Bei der gegenwärtigen Anfpannung aller Krafte ist es aber durchaus erforderlich, die unteren Offiziercbargen geniigend zu bese en. Wir sehen, daß die Kriegs- verwaltunq Besorgmffe in dieser eziehun hat und uns wenigstens den Vorfchlag mach die Gehalter der O erstleutnants zu erhöhen. Die Ersaßfragw bangt aber auch von weiteren Gesichtspunkten ab. Der uxus in den Offizierkreiseri bat eine solche Steigerung er- abren, daß viele Bedenken tragen, _in das Offizierkorps einzutreten. ie große Zahl der Uniformanderungen und anderes der- ursacht in kurzer Zeit den Offizierkreisen große Aufwendungen, und deshalb fra en wir, wax; die Kriegsverwaltung für Mittel er- retfen wi , um hierin , Abhilfe zu schaffen. Was die oldatenmrßbandlungen, betrifft, sd krampft fich einem das Herz MWMM- wenn man liest, daß ein einziger Unteroffizier über 1000 _ßbgndlungen begangen_ hat. Ich, bezweifle gar nicht, daß die M! itarVerwaltung derartigen Arisschrettunqen gegenüber ihre schärfsten Mittel anwendrn Will; aber rnit, der Bestrafung der einzelnen ist es ntcht getan. Die. Unteroffiziergehalter sollen aufgebessert werden. Ich bade aber den Emdrurk, daß diese Aufbesserung im wesentlichen nur denxextigen UnteroMrerexi zugute kommt, die im Bureaudienst beschcY'igt find,. a nicht denen, welche die Rekruten ausbilden. Die gelegenheit von Yyrbach hat uns gezeigt, da die kleinen Garnisonen für die Aus, tldung nicht besonders güntig smd. Die ganze Steilung _des Trams. und die Strafberseßung der Offiziere zurn Tram ira t aucb xine Mitschuld an diesen unerfreulichen Dit) en; Seit er Annxxt'on von Elsaß-Lotbringen sind im Etat allja rl1ch Zulagen ' bcwriitgt worden für die Offiziere, Unter- offiziere. und Gememen tn" Elsaß-Lotbringen. Die Polen babén also k_eme Ursache sub daruber zu beklagen. Wir haben den Zu- lczgen m Prxußen mrt voller Urberzcugung zugestimmt, Weil wir es fiir notwendig _baiten, daß gerade in jenen Provinzen. wo uns daran liegen Zmrß, nzoglrcbst zuverla1fige und ausgezeichnete Beamte zu haben, die Moglichkeit vorhanden ist, den Kampf gegen das Polentum auf- zu_nebmen. Daß Herr Schardler diese Maßnahme für eine falsche ball, wundert mich von emem Vertreter des Zentrums nicht. Er sa t_e, die Polen sollten ganz so behandelt werden wie die anderen, da ur mußten fie auch treue Preußen'sein. Ja, das ist es chen: die Polen wollen eben mrdereußen „sern, sie erstreben die Errichtung cines__ eigenen, sribstarrdtgen polnischen Reichs. Ein selbständiges polntxcbes Reith nt nicht zu crretxhen obne Loslösung preußicher wdrnzen: Bestrebungen, ,denen wir entgegentreten müssen. en- elben Grund haben wir auch gegenüber den Herren Von der Deutsch-Ha_nndVerschcn Partei. Sie werden selbst nicht glauben, daZ es _mdglich sei, xine Selbfiändigkeit Hannoders zu erringkn. J ' personlirh habe die Herren 1a immer rücksichtsvoll behandelt, weil fre Niedersachsen find; aber, den chankenfiug kann ich m_cht'mttmachen, daß sie glaixben, die Wiederberstellung eines selbst- siandiaen welfischen Herrscherxetchs ser ohne einen Kampf auf Leben und Tod mit Preußen „moglich.- Wdrauf Preußen einmal seine Hand Fecht bat, das, gibt es nicht wieder heraus. Einen Teil des preu is . en Stagts wieder [oZzureißen don Preußen, ist nur lich dur euren blut: en Kampf auf LZben und Tod. Was nun den tat und speziell den _armeetat betrifft, so hat der Abg. Schaedler ge- mxmt, daß diesrr,uber den'Rahmen' des Flottcngese es hinaus e augen sei. Das. muß ich bestreiten. k?Die Marineverwa ung hatXL vdr- behalten, in dem entetz Jahre weniger und im anderen mehr auszugeben. Die Gesamxiumme wird nicht verändert. Gefreut hat es uns, daß der xibnrub Husener seine Entlassung erhalten hat. Nur meinen wir er atis sofort nach Jnfraftireten des Urteils entlassen werden folien. Statt deffxn haben wir gehort, daß er sogar in den Straßen Magde- byrgZ spazieren gehen durftx. Das hat sehr schlimme Wirkungen auf die Strmmpng weiter Bevolerungskreise geübt. Was das Eisenbahn- wrsen, betrifft,. so haben wir Klagen aus der Pfalz gehört, die ohzekttv unzwetieibaft berechtigt sind., Der Eisenbahnbau ist dort hinter anderxn Teilen des Deutschen Reichs zurückgeblieben, namentlich qugt man ubxr schwebte Anschluss?. Erne Verbesserung im Verkehr niit den verschiedenen Landesteilen tft absolut notwendig. Namentlich dix Um ebung_der Pfalzoim Warenverkehr schlägt einer gesunden Etsrnba npoltiik geradezu ms _Gesrcht- Ich möchte den Staatssekretär des Innern drinßend bitterz, seinerseits dafür einzutreten, daß derartige Verkehrsversccbie ungen, die eme Folge des vers iedenartigen Eigen- tums der Eisenbabnxn sind, veruneden “werden. ie Einnahmen der ostyerwaltung [themen mir etwas germ verans sagt, zu sein. Hin. W der Anleihen war die Postverwal- tung frü er gcraduu muster-

h, , alle einmaligen Auéßabxn bestritt sie immer nobel aus den eigenen Einnahmen. Das- isi m den letzten Jahren anders gervorden. AY gebe 317,“ daß es_ richt isi, die Außgaben für bestimmte Anlagen die An erb: zu,ubetne men, die Vorausseßung dazu aber ist, daß stem m ZtoxtesrcheErSkläxuldennlJunngÖaben, “drei m;)? eben ebl

, grungen er ronre n u das mmlpolttxsée Gebiej, und ich erkenne es mit dem nHkFi-xbskanzler

J wir eine obi?

soxialpositis “' * !.Oküllt isi, hat, wie ich chon ausführte,-in der G wart WiMAX. Ebensosehr eue ich mich über die ;,Entsch dixäung für unschuldig erlittene Unter-

. ,; _;Yndenio ., Die Aenderun des Börsen es ßes

_ ige ,und dringliche Ma naYme. Wir oäen,

daß durch sie wi-«**-„ ,- und Glauben im Gesch fts eben Play gre "“en werden. Auch eine Abänderung der Börsensteuer isi erfordxrlcb. erner wärenMirßnahmen erwünscht, die den außerordentlich niedrigen tand der Rei „rund StaatSanleibein dre e brir en. Sehr er- freulich waren d e Wärungen über die Steliung der e ierung u der Frage der Au ebung der Abgabenfreibeit für den S iffsverkeiyr auf dxn deutschen" römen, wodurch die Besorgnisse der Interessenten beseitigt sind. Eine „Erhöhung der Erxtschädigungen für die Ein- quartierun slasten m ernstlich in Erwagung genommen Werden um die Nachte e, die die ändli e Bevölkerung ohnehin von den militä- rischen„Ueb,un€en bat, mögli st abzuscbwäcben. Die wichtigste Maß- regeleur dre " eutsche Landwirtschaft aber liegt in dem neuen Zolltarif und inden kunftigerrHandelsverträgen. Ick beschränke micky auf den Außdruck dex Erwartuy daß die Regierun und ihre Unterhändler auch bei den neuenV “andlungen die deuts en Interessen nicht zu kurz kommet) lasZen werden. Was die Einführung von Diäten angeht, so [prtchi xir fie einmcz'l'der Grund, daß es in der Tat äußerst schmierig ist, ein be Ölußfahtges Haus z_u haben. Nicht Zeder hat die Neigung„ o [ange eden an:;ubörenk wie ich heute eine alte, und es besteht dt" Befur tung, dag Parteidiäten eingeführt Werden, sodaß die BesKluffe des auses von Mitgliedern Jefaßt werden, die von Außensie enden finauk-izkli abhängig sind. D ck önnte zur Erhöhung der Wurde des Re stags und seiner Beschlüsse nicht beitragen. Jeb wende mich zum Toleranzanirag. Die Religion ist gewiß zu allen Zeiten ein großes ,Kulturmittel gewesen, aber die Hauptsache ist die Wahrung des inneren Friedens. Der Staat muß, unbekümmert um irgend welche konfes onellen Rückßchten, seine Maßnahmen treffen können. In" einzelnen taaten beste en in der Tat noch Zustände, die der Abanderung bedürfen. Preußen gehört nicht dazu, der Papst hat anerkannt, daß kaum ir endwo in der Welt die Katholiken so gut behandelt werden, wie in xeußcn. ZHW Schaedler hat auch den Jesuitenantraß “wieder angekündigt. enn wir entschiedene Gegner der Auf ebay? des Jesuitengeke es sind, so Wollen wir eben das frie liche Zusammen 8 en aufre t erhalten. (Lebhafter Widersp im entrum.) Nun, Herr Ko ege Gräber, wir Werden uns s Werli darüber verständigen können. Für die Zortsuhrung der- Sozialpolitik als eines der edelsten Werke ist die nschauung im deufs en Volke von Jahr zu Jahr gewachsen seit der großen Botschaft Ka Zr Wilhelms [. Aber in Uebereinstimmung xmt drm Reichskanzlersmemesick), daß man auf diesem Gebiete nicht ubersturzen und nicst, unbekummert um die Verhältnisse in anderen Ländern vorgehen kcznn. . Es muß alles yon dem Geiste erfüllt werden, tm Interesse der mmderbegüterten Volkskla en und der Scbwa en zu tun was nötig ist. , Das Yerantwortli keitsgefübl der Be örden mu nach dieser Ricbtrm bm wachsen, denn manche Erscheinungen der leßten Zeit haben„gro en Anstoß erte t, weil sie den Anschein er- wecken, als ob die Re ierung und die 5LJeamten ihre Fürsorge mehr den " besser fituixrien Kasken zuwenden. Dabin gehören z. B. die unnotigen polizeilichen Ver aftungen. Daher kommt es, daß jeder, der m1t ir?e_nd einer Manabme der Regierun unzufrieden ist, Finck Unzrx rtedenbeit --dur den sozialdemokratiizcben Stimmzettel uSdruck,gibt. Wir müssen dahin wirken, daß diese Mitlau er der Sozialdemokratie. eh' auf ihr besseres Ick) besinnen. sibi den Wohltaten der Ar eiikerverficherung wil! jetzt auch der Mittel- stand teilnehmen, und wir müssen an die rage herantreten, ob nicht auch diesekben Versiäxferun Seinricbiungen ür die Handwerker und Priyatbeamien zu s a en nd. Gegenüber dem Ab . Bebel bemerke ich, daß am!) die [) enden Klassen es nicht an Füréorge für die Ar- beiter fehlen lassen. cb kann es als Ruhm für unsere Partei in An- spruéb nehmen, daß für die JnvgliditätöVersicberung Von den damaligen 100 Mitgliedern meiner Partei 80 eingetreten sind. Wir haben des- halb eiii gutes Gewissen gegenüber allen Angriffen der Sozial- deznoxratie, und es T„wird imrmr mehr klar werden, daß eine wirklich humane Sozialpolitik vertrFen wird durch die Maß- nahmen die die Regierung mii d bürgerlichen Parteien ge- fördert Haben, daß aberdie Sozia, emokratie ihre Durchführung ver- hindert bak. Der Rei skanzler bat die Sozialdemokraten gestern Fragt, wie denn'ibr 'ukunftsstaat und ihr Yrogramm aussieht. HWobl"sie es nicht wiffc'n, erheben [He in resden den lauten Kampf fur den Umsturz. Je nachdem ke rt die Sozialdemokratie die rauhe Laux hervor, wenn fie es für vorteilhaft hält, aber es steht ihr an dre mrlde Note zur Vrrfügun . Herr Bebel bat in Dresden Jxsagt: Solange ich lebe, solange i atme, will ich der Todfeind leser buxgeritchen Gesellschaft sein und bleiben, sie untergraben, und woriwgluh, winn,tch kann, sie stürzen. Das ganze Verhalten drr Sozialdemokratie ist nicht die Vorbedingung für die Bildung einer neuen Kultur, wahrend sie immer behauptet, daß fie die alte verrottete Kultur beseitigen wolle, um die Grundlagen für eine neue bessere _zu_ schaffen._ Wir werden uns nicht die Freude an unserer ge enivartxgen deuijcben Entwickelung durch solches Vorgehen rauben la en; wzr sebkwm Deuischland frisches, aufstrebendes Leben. Wir onen Herne _Storung dieser Verhältnisse, wir wollen auch, daß der einzelne in seiner Bildung'und Kultur fich frei entwickeln kann, und ??Ythunrxlerden wir, sowettit e? inEurZsexanKräften sieht, tätig sein ' , agen unsrer na ona en nw run in va * ' '., lichen Sinne zu schüxzen und zu fördern. 3 1 hrem, freiheit

Preußischer Kriegsminister, Generalleutnant von Einem genannt von Rothmaler:

Meine Herren! Das hode Haus wird meinen Worten glauben, wenn ich sage, daß bei meinem ersten Auftreten hier als preußischer Kriegßminister es mir alierdings lieber gewesen wäre, über crfreulicbere Dinge zu sprechen, als sie leider in der [cßten Zeit in der Armee vor- gekommen find und das deutsche Volk nicht allein, sondern auch die ganze deutsche Armeebis ins Jnncrst: erregt haben. Der Name Forbach, einst em Name von gutem Klaus, der die Herzen höher schlagen ließ in der Erinnerung an den 6. August 1870, wo in der Nähe die Schlacht von Spichern geschlagen wurde, verbreitet heute einen trüben Schatten. Es sind Dinge dort vorgekommen, die man für unmöglich gehalten hätte. Als ich das Buch des Leutnanth Bisse gelesen, als ich mich gezwungen habe, es durchzulesen, da babe ich es voll Ckrl beiseite grworfen und mir gesagt: das ist ein niedrigrs Pamphlet, und es ist eine Schande, daß ein preußischer Ofßzier etwas derartiges schreiben formte. (Ob! bei den Sozialdemokraten.) - Ja wohl, das habe ich mir gesagt. - Und dennoch ist das, was in dem Buche steht, zum Teil wahr.

Der Herr Abg. Schaedler erwähnte das Wort des Fürsten Wißmarck: „Den preußischen Leutnant macht uns niemand nach.“ Von diesem Ausspruch müsse man, jetzt etwas zurücknehmen. (Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) Ich glaube, es sind biSweilen unter den Amisbrüdern des Herrn Abg. Schaedler aucb räudige Schafe gewesen, und er wird nicht angestanden haben, zu erklären: das Waren keine Führer im Herren. So sage * ich auch: diese Offiziere, die sich derart vergangen haben, obwohl sie das Kleid des Könißs trugen, sie waren zwar äußerlich Offiziere, aber innerlich und in dem Geiste, wie “sie es sein sollen, nein, meine Herren, waren fie es nicht. Das erkläre ick), auch wenn sie heute noch meine Kameraden find.

Nun darf man gewiß nicbt die Augen schließen und muß „offen fragen: wie können denn solche Zustände vorkommen? wie sind sie denn zu erklären? Ich habe vieles darüber in der Presse gelesen.

an daß nue Fortiübnm der sozialpolitisiben G eb d us erfordeclitb ifi- Ke'me Hartei und keine RegiermiTg ditengniZZÖianit

das ist das System, das ist der MilitariSmus; der Mil

der Vater alles Uebels, der alles in Ketten schlägt, UJIYFL freie Wiliensmeinung unterdrückt, der zur Verblödung führt, der hat auch dieses hervorgebraäht. Wenn das richtig wäre, dann müßte das ganze deutsche Volk, welches seit 100 Jahren die Wehrpflicht trägt, also dem MilitariSmus gewissermaßen unterworfen ist, verblödet sein. Das deutsche Volk hat aber mit einer Tatkraft und einem Fleiße ohnegleicben sich einen großxn Teil des Weltmarkts erobert; und die Sozialdemokratie müßte die [este sein, die etWas derartiges sagen durfte, denn auf dem DreSdener Parteitags ist ja be- hauptet worden, wenn die Sozialdemokratie erst an der Spiße der Geschäfte stände, würde sich ohne weiteres aus der Masse der Be- völkerung sine solche Kraft und eine solche Intelligenz entwickeln, daß sofort die Regierung übernommen werden könnte - was doch nur von einem Volke sich behaupten läßt, das Von Gesundheit strotzt.

Andere Zeitungen haben gesagt: das liegt in der Isolierung, das liegt darin, daß ihr euch fernhaltet vom Volk, daß ihr eine Kaste für euch bildet. Ich kann nicht anerkennrn, daß unser heutiges Offizierkorps dies tut. (Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) - Ja, ich aber nicht! - Ich habe auch in kleinen Garnisonen ge- standen, und ich kann versichern, daß überall da ein so freundlicher und herzlicher Verkehr zwischen Militär und Bürgerschaft geherrscht hat, wie man ihn nicht besser wünschen kann. Ich möchte beinahe glauben, daß wir nach dem Verhalten der Offiziere in Forbach uns die Frage vorlegen müssen, ob wir nicht in gewisser Weise zu weit gegangen sind in der Annahme von Offizieren (sebr richtig! rechts), ob wir nicht dabei uns hüten müssen, in Kreise hineinzukommen, die geeignete Elemente für den Offizierstand, für die schweren Anforderungen, die dieser Stand an den einzelnen steÜt, nicht liefern können. Nun, meine Herren - und das ist erfreulich für mich, konstatieren zu können _ in Forbach bei dem Trainbataillon Nr. 16 hat nicht ein Offizier gestanden welcher dorthin strafverseßt ist. ,

Der Herr Abg. Schaedler sprach mit bezug auf das Train- bataillon Nr. 16 dadon, daß ein Offizierkorps nicht auf der Höhe ge- halten wvrden könne, das sich aus Offizieren rekrutiert, die wegen Ver- fehlungen in dieses Offizierkorps verseizt werden. Meine Herren, solche Verseizungen zum Train geschehen weder grundsäßlicb, noch sind sie im besonderen beim Trainbataillon Nr. 16 vorgekommen. Aber der Dienst bei der Feldartiücrie und der Kavallerie, Von denen viel- fach Offiziere in den Train versetzt Werden, ist in der Tat ein ganz anderer als beim Train. Es kann sehr wohl ein Offizier bei der Artilierie oder bei der Kayallerie, wo es beim Felddienst nicht nur auf Tüchtigkeit ankommt, sondern auch auf die Fähigkeit, möchte ick) sagen, taktische Dinge schnell zu begreifen und zu beurteilen, nicht genügen, er kann aber im inneren Dienst Vortreffliches leisten und ein guter Trainoffizicr werden. Deshalb ist es noch keine Schande und nicht einmal ein Makel oder etwas derartiges, zum Train Verseßt zu werden, sondern der Offizier wird da verwendet, wv er wirkich Gutes und Ersprießkiches leisten kann.

Es ist auch darauf hingewiesen worden: kann es mit dem Train- offizierkorps so weiter geben, muß es nicht an andere Verbände angegliedert werden'.) Meine Herren, Versuche dieser Art sind viel gemacht, sie sind immer gescheitert, und zwar am Widerstande der Offiziere des Trains. Das Trainoffizierkorps legt einen großen Wert darauf, aus sich selbst sich zu rekrutieren. Seine Majestät hat vor Jahren infolgedessen genehmigt, daß auch der Train Fahnenjunker annehmen kann. Nicht wenige junge Leute treten heute beim Train ein, um dort Offizier zu werden, und sie sind wirklich nicht schlechte Offiziere. Auch Reserdeosfiziere, Einjährig-Freiwillige treten dorthin über, um als Linienoffiziere Dienst zu tun, der vielleicht für die Ausbildung in ihrem späteren Lebensberufe, z. B. als Landwirt, ihnen nützlich und dienlich ist. Also aus diese Fragen sind erwogen und werden weiiér erwogen. Aber ich gebe zu - und darin mag auch mit ein Grund für das Vorkommen derartiger Dinge in Forbach liegen “, daß es mißlicb ist, einen so kleinen Truppenteil mit wenigen Offizieren, abgesondert von einer großen Garnison, ohne Anschluß an andere Verbände in cinem Standort unterzuivringen. (Sehr richtig! rechts.) Aber auch diese Frage - und ich habe selbst in meiner damaligen Dienststellung in den Reichskanden dies mitgemacht - ist sehr ernsthaft erwogen worden. Ein Trainbaiailion bat eine außerordentlich schwierige Mobilmachung; es steÜt zahlreiche Formationen auf für das betreffende Armeekorps; es muß Proviant- und Fuhrparkkolonnen, Sanitätsdetaäzemcnts mobil machen - ich will Sie mit der Aufzählung aller dieser Formationen “nicht auf- halten -, die unbedingt nötig sind, das Armeekorps im Kriege lebens- fähig zu erhalten. Wo konnte dieses Trainbataiüon eine derartige Mobilmachung besser vornehmen als an der äußersten, rückwärtigen Grenze seines KorprezirkS? Metz ist ein bedrohter Punkt, wenn einmal in die Kriegstrompete gastoßen wird. Nur in einem ge- schützten Landstrich kann man Tausende von Pferden und Tausende Von Leuten für diese Mobilmachung versammeln. Also sehr ge- zwungen und sehr widerwiklig wurde dieses Trainbataillon hinverlegt in die äußerste Garnison, in den äußersten Ort des Korpsbezirks. Nun, meine Herren, das allein kann auch noch kein Grund sein für die Mißstände, und das muß ich sagen: wenn dort ein Kommandeur gewesen wäre, der seine Stellung ausgefüllt hälte, dann wäre so etwas nie und nimmer passiert. (Sehr richtig! rechts.) Der Kom- mandeur hat dort nicht hingepaßt. Damit erhebe ich keinen Vor- wurf gegen irgend jemand, nicht gegen die Stelle, die diesen Kom- mandeur als geeignet für seinen Posten erachtet hat; denn in jedem Menschen kann man sich irren. Es kommt häufig vor -- das weiß ein jeder und Sie, meine Herren, am meisten, die Sie im Leben stehen --, daß jemand, der bis dahin selbst unter Aufsicht gewesen ist, nachher, wenn er Freiheit hat, sich ganz anders entwickelt, als es Vorher Vermutet werden konnte. Welche psychologischen Momente mögen bier vorgelegen haben, um diesen Mann, der bis dahin _gut beurteilt war, so nachsichtig zu machen, daß er Zustände, die dermaßen gegen die göttlichen und menschlichen Gebote, gegen die dienstlichen und moralischen Vorschriften verstoßen, in seinem Truppenteil zu- gelassen hat! * Meine Herren, es ist überall in der Presse hingewiesen worden auf Weiberwirtséhaft, und es hat einer von den Offizieren dort vor dem Kriegögericht gesagt auf die Frage, wie er es mit den Mädchen gehalten hätte: wie jeder Lkutnant das tut. Dies bat auch-der Herr Abg. Schaedler erwähnt. Meine Herren, wer nicht gesündigt hat, der bebe den ersten Stein auf. Aber daß jeder Leutnant in der

Die sozialdemokratiscbe Presse macht es sich am leichtesten, sie sagt:

Armee so leben sollte, wie es in dem Buch geschildert wird, daß

die' Weiber aUS- und eingegangen sind, daß er mit ihnen gelebt hat, daß ß; ihm, ich möchte beinahe sagen, das Abendbrot gebracht haben -- nun, meine Herren, das weise ich mit Entrüstung- zurück- (Sehr richtig! rechts und bei den Nationalliberalen.) Meine Herren, es mag vermessen klingen, aber ich wia an dieser Stelie mich verbürgen: ein zweites Forbach ist in der preußiséhen Armee nicht möglich. Und nun, meine Herren, sind in der Presse die Offizierdamen angegriffen, und es ist dadon gesprochen worden, das Avancement würde durch die Damen gemacht, solche Zustände müßten auSgerottet werden. Ich aus meinerJu-gend denke mit Freude und Dank zurück an die Ankeitung, die wir als junge Offiziere von den Offizierdamen bekommen haben. Edle Frauen können auf einen jungen Offizier wirken wie die Mutter auf den Sohn. (Bravo! rechls-) Ich spreche das hier aus, Weil der Vergleich dieser Frauen, die sich in Forbach Vergangen haben, mit anderen Frauen in der Armee eine Beleidigung für die letzteren ist, für ehrbare Frauen, die als höchste Ehre stets ihre Tugend angesehen haben. (Bravo! rechts und bei den Nationalliberalen.)

Andere schwere, uns alle betrübende Fälle in der Armee find die Mißhandlungcn. Ehe ich auf die Sache näher eingehe, möchte ich mir gestatten, in Kürze einige wenige Zahlen über die Mißband- [unggn zu geben, wie sie die Statistik ergibt, die wir bei dem Kriegs- minisierium über die Zeit vom 1. Juli 1902 bis 30. Juni 1903 auf- gksteUt haben. Es sind in dieser Zeit bestraft worden wegen Miß- handlung Untergebener: 50 Offiziere, 525 Unteroffiziere, 52 Gefreite. Ju Prozenten auf die? preußische Armee angedrücki, ergibt das für Offiziere 0,26 0/0, Unteroffiziere 0,83 0/0, Gcfreiie und Gemeine 0,01 0/0. Die Höchstzablen innerhalb der letzten zehn Jahre ergaben als be- straft 67 Offiziere, also 17 mehr als im letzten Jahre, gleich 0,37 0/0, 792 Unteroffiziere, das heißt 267 mehr als jest, gleich 1,31%, und 72 Gefreite und Gemeine, das heißt 20 mehr als jeßt, gleich 0,020/9. Gegenüber diesen Höchstzahlen isi daHer im [eßten Jahre eine Abnahme zu konstatieren. Ich meine, meine Herren, wenn man diese Prozentsäße einer Krankheit zu Grund? legen wollte, so würde das niemand eine Epidemie oder eine Endemie nennen können. Gewiß- handelt sind in demselben Zeitraum 1239 Mannschaften, Was einen Prozentsatz yon 0,32 für die preußische Armee auSmachi. Ich glaube, auch dieser Prozentsatz würde bei einer Krankheit kaum Be- denken erregen.

Nun wird gesagt werden, diese Zahlen sind zweifellos unrichtig- sie geben kein richtiges Bild, denn nebenbei find ja natürlicher- weise noch eine großr Anzahl von Mißbandlungen Vorgekommen. Ich kann selbstVerständiich nicht sagen: nein, es sind keine Wejtßxéü vorgekommen, es ist aUes entdeckt worden, aber es wird dem hohen Hause doch eine gewisse Gewähr bieten, wenn ich ausübte, daß yon diesen Mißbandlungen, die zur Sprache gskommen sind, 68 9/0 durch Beschiverde und Meldung zur Kenntnis der Vorgeseßten gelangt sind. Nur 32 0/0 sind auf anderem Wege ermittelt worden. Ick) meine also, man kann nicht sagen, daß das Beschwerderecht nicht funktioniert hätte. Ich kenne nur den einen Fali eines Hauptmanns in Holstein, wo seitens des Vorgeseßten nicht auf eine Beschwerde eingegangen ist. Wenn durch diese Zahlen festgestellt ist, daß die Mißbandlungen fick) Vermindert Haben, so habe ich kcineßwegs die Absicht gehabt, sie zu entschuldigen. Wenn es hundert wären, wären es hundert zu viel.

Meine Herren, der Herr Abg. Sattler hat gesagt, das Herz krampft fich zusammen, wenn man von derartigen Mißhandlungen liest. Ja, meine Herren, Sie empfinden das menschlich, und Sie haben ja auch natürlich bei der Liebe und der Hin- neigung zur Armee, die der Mehrzahl Von Ihnen eigen ist, auch das Gefühl, daß derartiges abgestrlit wcrden müßte. Aber wir Soldaten empfinden nebenbei doch noch ganz anders militärisch den schweren Schaden, der durch diese Mißiwndlungen uns erwächst. Mißbandlungsfälle, bei denen brutai mit einer gewissrn Woklust, wie in dem Fall Breidenbach, dcr Unteroffizier darauf ausgeht, geradezu Qualen zu erfinden, um den Mann zu schinden, - fie find das Schauderbafteste, was man fich denken kann (sehr richtig! links), und ich stehe nicht an, zu erklären: wcnn das längere Zeit in einer Kompagnie Vorkommt, so muß unter allen Um- ständen der Vorgesetzte daddn wissen. (Lebhafte Zustim- mung links, bei den Nationalliberalen und in der Mikis.) Mir ist es unbegreiflich und unfaßlick), daß ein Vorgesetzter derartige Fälle nicht klar erkennen kann. (Sehr richtig! _links.) Enlwcdsr hat er seine Unteroffiziere in falschem Geiste erzogen, odcr er ist kein Menschenkenner, oder er hat einen solchen Optimißmus im Vertrauen, wie er nicht gerechtfertigt ist. (Brain)! links.) Meine Herrén, ich bin überzengt, daß wir diese Mißhandlungcn aus der Armee beraus- bekommen werden und daß wir sie herausbekommen müssen. (Bravo! bei den Nationalliberalen.) An keiner StrÜe wird dies so tief empfunden und so als durchaus notwendig anerkannt, als bei Seiner Majestät dem Kaiser selbst (Brado! rechts), der genügend Gelcgcnbeit genommen hat, Seine ernste WillenSmeinung in dieser Richtung auSzusprechen. (Bravo! rechts.) Ick) kann nur sagen, wir kommen dahin. Dafür aber, daß hier und da ein Söhlag fällt, das; in menschlicher Erregung ein Uateroffizier einen Mann schlägi, stößt, haut - meine Herren, olange es Menschen gibt -- und es brauchen nicht einmal Soldaten zu sein -, werden Sie das nicht aus der Welt schaffen! (Sehr richtig! rechts.) Das nennt man aber auch Mißbandlung, das wird als Misshandlung Verurteilt, davon hören Sie als Mißbaridlung durch unser öffentliches GerichtSVerabrr-n, das kommt als Mißhandlung in die Zeitungen, und nun geht es lawinenbaft weiter: in der deutschen Armee ist wieder mißbandelt, - und es ist nichts weiter gewesen als eine Ohrfeige. (Zuruf von den Sozialdemokraten.) Meine .Herren, Sie werden mir nicht vorwerfen können, daß ich nicht in der allerschärfsten Weise über die brutalen Mißbandlungen obne Entschuldigung den Stab gebrochen habe; aber für eine solche Art der MißHandlung, für einen Schlag odcr Stoß, babe ich eine Entschuldigung, weil sie sich aus dem praktischen Leben erklärt. (Zuruf von den Sozialdemokraten.)

Meine Herren, ich bin neulich, als noch der Metaliarbciterstreik war, hier in einem Laden gewesen und habe es selbst miterlebt, daß ein Arbeiter kam und zu dem betreffenden Geschäftsinhaber sagte: „Geben Sie mir Arbeit, aber geben Sie mir man kleine, daß ich fie unter den Rock stecken kann. denn wenn sie sehen, daß ich arbeite, dann gibts Senge1' (Heiterkeit rechts.) Wenn Sie eine Statistik machen wollten über die Schläge, die es gibt in den Werkstätten (sehr gut! rechtß), in den Fabriken (sebr richtig! sehr gut!), auf dem Bau (Wiederholte lebhafte Zustimmung rechts und bei den Nationalliberalen;

würden wir glänzend dastehen. (Sehr richtig! WMQ) Aber eine derartige Statistik kann eben leider nicht aufgenommen werden. Meine Herren, die sozialdemokratiscbe Prsff? hät fich sehr darüber aufgeregt, daß ein sonst die militärischen Verhältnisse ziemlich absprechend beurteilender Herr, Freiherr von Gublen genannt, "(:ck- gewiesen hat, daß vielfach durch passiven Widerstand Mißbandlungen geradezu herbeigeführt würden. Die Sozialdemokratie bat erklärt: welch ein Unsinn, das fällt den Leuten gar nieht ein, die DiSziplinar- machtmittel des Militärs sind so furchibak 8108 daß so Ein un- glücklicher Mensch sich der allerhärtesien Behandlung aussetzt, *- und troßdem ist es wahr. Vielieiibt wird nicht dem, der den passiven Widerstand mit großer Geschicklichkeit und geistiger Uebersegenheit [Listet- die Mißhandlung zugefügt, aber er ist es, der den Unter- offizier so reizt, daß er schließlich zu dem Schwäcbling greift und ihn mißbandelt. (Zurufe von den Sozialdemokraten.) Da mögen Sie sagen, was Sie wollen, meine Herren, das ist so und das kommt vor (Zurufe von den Sozialdemokraten), Wld das ist nicht von heute, sondern schon vor 20 Jahren so gewesen. Wenn Sie in den Berichten des Reichstags nachlesen wollen, so hat schon der Feidmarschali Moltke von bösen und guten Soldaten gesprochen, und der" verehrte Präsident des Hauses Graf Baklestrem hat aus seiner Erfahrung als Eskadroncbef gesagt: .Wenn da einer aus der großen Stadt kommt, so ein böser Mann, dann grault einem, der konzipiert mit dem GSM? und führt mit dem Körper aus.“ Also es hat damals schon solche Brüder gegeben wie "jetzt auch. Und dann, meine Herren, das Unteroffizierkorps ist auch nicht beffer geworden. Ich meine damit nicht seine moralische Qualität; aber es ist nicht besser geworden, weii es jünger ist als früher, weil es die früheren Erfahrungen nicht hat, weil es nicht so durchgebildete Soldaten zählt wie früher, und weil demgegenüber doch die Anforderungen so viel größere gewvrden sind. (Sehr richtig! rechis.) Sie finden infolgedessen in unserem Etat eine Position, durch die die Kompagnien von Abgabe der Unteroffiziere entlastet werden, indem Schreiber usw. bei den betreffenden Behörden etatifiert und eine An- zahl von Unteroffizieren in ihren Bezügen besser gesieÜt werden. Ich Hoffe, meine Herren, daß Sie darauf eingehen. Bei näherer Dar- legung wird auch der Herr Abg. Sattler finden, daß es sich nicht bloß um die Schreiber handelt, sondem daß wir auch den anderen Unteroffizieren zu Hilfe kommen wollen. Daduréh, daß wir an Zahl gewinnen, wird der Kompagniechef in der glücklickyen Lage sein, mehr Auswahl an solchen Unteroffizieren zu haben, die er herausnehmen muß, um die junge Mannschaft auSzubilden. Ich bin sehr dankbar für die Anträge, die in dieser Beziehung gestellt worden sind, und für die Anregung, die gestern der Herr Graf Stolberg gegsben bat, um die Lage der Unteroffiziere zu verbeffern. Wir werden dem gewiß mit Freuden folgen und glauben, daß wir auch dadurch Zustände aus der Welt schaffen, die die Armee in häßlicher Weise belasten. Meine Herren, es wird immer so getan, als ob die Armee ein Ding für sich sei, ass ob wir eine Prätorianertruppe wären. Wir smd das Volk in Waffen, wir schöpfen unsere Kraft aus dem Volke, und wir gehören eines zum andern. Volk und Armee sind auf- einander angewiesen davon sollte das Volk durchdrungen sein und auch die Armee, und darauf sollte die gemeinsame Arbeit gerichtet sein. Meine Herren, der Herr Reichskanzler hat gestern außgefübrt, gegen Kritik hätte er nichrs, und ich kann dem nur voll beistimmen. Eine Institution, die so hineinreicht in das Volksleben, für die vom Volke so viel an Gut und Geld gefordert wird, dir sieht dem Volke so nahe und muß dem Volke so nahe stehen, daß es Auskunft über alias das Verlangen kann, was in der Armee vorgeht. Aber, meine Herren, es kommt auf das Maß und die Art der Kritik an, und ich möchte alle diejenigen, dir die Armee erhalten woilen, biiten, cin wach- sames Auge darauf zu haben, daß die Kritik nicht überhand nimmt und in unserem Volke nicht die Freude am Soldatentum tötet. (Brady! rechts und bei den Nationalliberalen.) Ich meine, es ist ein gewaltiger Unterschied, ob ein Mann zur Truppe ent- lassen wird mit der Instruktion: gebe bin und folge Deiner Fahne, die Deinen Vätern Vorangetragkn ist in so und so viel Schlachten, tritt ein in dieses Regiment, das einen Ruf in der Armee hat, das unter vielen Königen gefochien hat und immer siegreich; als wenn es heißt: Du kommst “18th unter die Soldatenschinder, steh' man zu, daß Du die zwei Jahre hinter Dich bringst, und alles, was Du da trribst und tust, das ist unnötig, aber augenblicklich halten Dich noch die Sklavenketten. (Sehr gut! rechts.) Meine Herren, da töten Sie die Freude im Herzen eines jeden. Wir aber brauchern freudige Soldaten, wir müssen heute von jedem Soldaten das Höchste der- langen an Intelligenz, an Moral, an Hingebung. Wir müffen von dem Soldaten erwarten und fordern, sein Leben cinzuseßen, und nicht bloß, Wenn er beaufsichtigt ist durch seinen Offizier, nein, namentlich auch dann, wenn seine Offiziere, die ihm vorangingen, gefallen find. Kein Reglement der Welt, glaube ich, drückt das so schön aus, wie unser Reglement in den Worten: .Wenn die Offiziere und die Führer gefallen sind, so möge der Soldat nur auf die Tapferen schen, die immer in der Truppe find, und möge ihnen folgen.“ 4 Meine Herren, erhalten wir uns diese T_apferen auch dadurch, daß wir ihnen die Freude am Dienst nicht verbittern. (Bravo! rechts und bei den Nationalliberalrn.) Was wird alies geschrieben, was wird gezeichnet über den Offiziersstand! Dcr Offizier sol] in kritischer Zeit, wenn es sich handelt um Sieg oder Niederlage, der Führer seiner Mannschaft sein. Dazu braucht er Autorität. Nehmen Sie ihm diese Autorität nicht, meine Herren! * Es kann die Zeit kommcn, wo wieder der Ruf nach dem preußischen Leutnant erschalit. Das kann ich Ihnen sagen: sterben wird er, das wird er verstehen; aber wenn es so weiter geht, ob er dann die Autorität noch hat Über seine Leute, die Sie von ihm der- [angem das ist die Frage. (Schr richtig! rechts.) Erhalten Sie ihm die Autorität! An der Armee soli es nicht fehlen. Die Arme"? arbeitet fleißig, mit Hingcbung und mit Treue. Wir werden uns vieÜeiäot noch bei anderen Gelegenheiten darüber unterhalten. Ich will mich über dieses Kapitol nicht weiter verbreiten. Ich babe nun noch einige gestern und heute an mich gerichtete Fragen zu beantworten. Der Herr Abg. Bebel hat gestern in Längerer Rede seinem Un- mut gegen Rußland den beredteiien Auödruck gegeben, er hat mit be- redten Worten die unglücklichen Zustände geschildert, die im Innern des russischen Reicheö walten, uud fich zum Anwalt eines Teiles des russischen Volkes gemacht. Man solite glauben, daß der Führer einer

Konsequenz betvußt sein müßte. Würde eine derartige Rede über

unsere innere Lage in Frankreich geba-kten, so könnte man wohl

davon sprechen: da ist Krieg in Sicht, und wenn sie im japanisÖM' Parlament gehaiten wäre, dann würde jeder sagen: die plaßen

nächstens aufeinander. (Bewegung.) Er muß antiveder als Führer

seiner Partei an deren Einfluß auf unsere politischen intemationalen

Angelegenheiten nicht glauben oder ein ungeheueres Vertrauen auf das

Heer haben, das hinter ihm steht, um eventueli alle Konsequenzen zu

ziehen. Das besitzt er aber auch nicht; denn er hat gesagt-

wir hätten die miserabelsten Waffen, ein vollständig minder-

wertiges Geschüß, und er meint, es wäre unglaublich, wie

die preußiséhe Militärverwaltung im Jahre 1896 ein der-

artiges Geschüß bäkte anschaffen können, nachdem das Robrrück-

laufgescbütz voilständig fix und fertig gestanden hätte. Ich glaube,

daß ich ihn nicht falsch verstanden habe. Wie lagen denn nun die

Sachen? Ein RohrrücklaufgesÖüfz war im Jahre 1896 nicht fertig,

nicht einmal konstruiert. Es ist vielleicht dagewesen, wie auch bereits

Napoleon [. ein Hinterlader vorgestellt worden sein soll. Aber es

ist uns nicht einmal gezeigt worden. Das erste Rohrrücklauf-

geschüß, das uns vorgestellt ist, war von Ehrhardt konstruiert. Man

hat es bei der Artilierieprüfungskommisfion als einen interessanten

Versuch auf diesem Gebiet bezeichnet, es aber nach seiner Konstruktion

als ein vollständig unbrauchbares Geschütz hingestellt, gewiffer-

maßen als die Spielerei eines genialen Ingenieurs. Schon im Jahre

1893 War aber der preußischen Militärverwaltung klar, daß das

Feldgeschüß von 1873 verbraucht war. Es handelte sich nur darum,

entweder eine neue Auflage dieses Geschützes zu machen oder

ein neues einzuführen. Die Entscheidung fiel in leßter Richtung, und

zwar deshalb, weil das Geschüß von 1873 konstruiert war für das

schwarze Pulver, während das rauchlose Pulver bereits erfunden war,

und man dieses fich zu nuße machen mußte. Erleichtertes Gewicht,

erheblich beffere Nichtmascbinen, die Möglichkeit, das Geschüß

fester zu stellen, als es bis dahin gelungen war, gaben die Veranlassung, das Modell vom Jahre 1896 zu wählen. Nun kamen nachher - die Technik arbeitete mit der größten Regsamkeit weiter - dir Robrrücklaufgeschüße, fie waren zunächst aber so mangelhaft, daß die schärfste Kommission, die wohl jemals über Robrrücklaufgesckyüße geurteilt bat, die der Schweiz, im Jahre 1901 der Bundeöregierung den Vorschlag machte, kein Robrrücklaufgescbüß, sondern ein Federsporngeschüß zu wählen, also fünf Jahre nach Ein- führung unseres Geschüßes noch nicht zum Rohrrücklaufgeschüß schreiten onte. Erst infolge des Umstandes, daß andere Fabriken, durch diesen Beschluß der Kommission ermuntert, glaubten, Krupp schlagen zu können, und andere Modelle vorfübrien, gelang es, ihn rückgängig zu machen und die schweizer Regierung zu bestimmen, auf eine erneute Prüfung einzugehen. Diese Prüfung endigte mm mit einem glänzenden Siege des Kruppschen Gescbüses. Das ist im leisten Jahre gewesen.

Wenn ich, msine Herren, beute vor die Wahl gestellt würde, das jeßige französische Robrrücklaufgeschüß oder das preußische Modell 96 zu nehmen, ich näbme das letztere. (Höri, hört! rechts.) Das fran- zösische Gescbüß - ich will nichts darüber sagen, aber zwei Mängel hats: es ist schwer und es ist kompliziert. Es isi so kompkiziert, daß bei jeder Batterie MSÖÜRikSk vorhanden sein müffen, die jederzeit bereit sind, die Schäden auszubeffern. Jeb wia Ihnen auch eine Geschichte erzählen, die mir von einem Höheren Offizier mit- geteilt ist. Er sagte im Manöver zu dem Führer der ftanzöfifaben Artilierie: nach unisren Grundsäßsn würde man jest mit der Artillerie dem weichenden Gegner folgen, um ihm mkkr Abbruch zu tun. Da dat jener erwidert: Sie haben ganz reibt, das möchte ich aurb ganz gern; ich bin aber schon 15 km marschieri, und WOÜIU Sie ficH ein- ma! das Gelände dirt ansehen, da komme ich mit meinkn Gefchüßen nicht durch! Mit unserrn Geschüßen, meine Herren, komme ich aber hin, wo immer es möglich ist, Krieg zu führen.

Also, wenn wir auch zu dem Robrrückiaufgescbüs kommen müssen - wegen anderer Gründe, über die wir uns noch unterhalren können -, Unser jeZigcs Geschüß ist durchaus kriegsbrauchbar.

Dre Herr Abg. Bebel hat weiter gesprochen über ein neues Gewehr: das (Gewehr 98 müßte schon wieder erseßt wsrden. Mir ist davon nichts bskannt. (Heiterkeit) Natürlich, meine Herren, arbeitet auch auf diesem Gebiete - das weiß ich sehr wohl - die Technik rastlos weiter, um einen Selbstlader zu erfinden, und es find ja auch schon Selbstlader erfunden worden für Jagdzwecke. AUS diefe Selbsispanner aber find so Vollständig unkriegsmäßig, so schwer, daß man mir von sachderständiger Seite gesagt hat, es wäre gar kein Gedanke daran, daß in absehbarer Zeit ein derartiger Selbstfpanner jemals als MilitärgeMbr zur Einführung gelangen könnre.

Nun, meine Herrkri, Hat der Hm Abg. Saftler die Frage an mich gerichtet, wie es mii dem Tuinquermat stände. Meine Herren, als ich die Geschäfie des KriegSministeriums übernahm, da fand ich einen Entwurf für ein solches Quinqucnnat vor. Dieser Entivurf hatte aber weder dem Herrn Reichskanzler vorgelegen zu: eingehenden Begutackptung, noed waren die hohen Behörden des HeersI, die bei derartigen Dingkn umb sebr miszufprechen haben. wir der Chef des Generaistads usw., über diesen Entwurf Sebört worden. Er batte am!) die Billigung Seiner Majestät noch nkbt er- halten. Nun, mrine Herren, wäre es ja ganz gewiß ein leicbtrs ge- wesen, entireder diesen Entwurf zu nehmen oder da, wo er mir nicbt gepaßt härte, irgend Einen anderen Entwurf auSzuarbeiten und dam! als Quinquennatscntwurf zu bringen. Ich war mir aber vollkommen klar darüber, daß bei unserer ganzen finanzieilen Lage, wenn etwas für die Armee geschehen soll, nur das, was wirkliib notwendig ist. was dic Linken unserer Organisation schießt, was uns fähig mak. aus unserer Friedenöorganisatioa auf das allerleirbteste in die Kriegs- organisation überzugebcn, dem boden Hause Vorgekegr wcrden kW. Darüber konnte man verschiedener Anficbt sein. und ich dab? mi: mcf der einen Seite gesagt, daß das Gefüge des Heeres WW ein ko festes ist, daß ich ohne Schaden ruhig mit diesen Dingen ein Jahr warten könnte.

Auf der audcren Seite babe ich es abs eine Ebrenftkuld der R!" gierung betraÖtet, das von ihr längst angekündigte VnsooW _ das auch vom boden Hause geforderr worden is!, WW das mußte noch fertiggestellt werden; es war im WWW _ _ bearbeitet, bedurfte aber noch der Billigung des WW, W ministeriums und des Buvdesrars. ,

Meine Herren, ich babe wick einfatb KKW: W ist da.- wicbtigere Gesch? Und da war die Antworr: das '

ZUTUfe von den Sozialdemokraten und Unruhe), meine Herren, dann

so großen Partei. der eine derartige Rede bäii, "ck der politischen

WW weil ich der Uebenéugung bin, diefes Versorgungs» ck M ck

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