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stellung der von Gemeinden und Einzelnen erlitteneix Wasserschäden an. Die Feststellung soll fich auch daraus erstrecken, ob die Staatéhülfe unabweisbar sei oder nicht und in welcher Weise die geeignetste Unterstüßung zu geschehen
Heffen. Darmstadt, 8. Januar. (W. T. B.) Die StaatSregirrung hat in einer Vorlage an die Stän de die Bewiuigung eines durch Anleihen zu befchaffenden Betrags von 500000 „46 zur Hebung des durch die Uederschwemmung verursachten Nothstandes beantragt. Die Beschaffung vorläufiger Unterkunftsräume, insbesondere von Baracken, die künstliche Beförderung der Entleerung der überschwemmten Gebiete von Wasser, die Wiederhersteliung der zerstörten Häuser und event. der Ersoy des verloren gegangenen Viehes, Futters und der Früchte werden als Zweck der Verwendung der ge- forderten Summe bezeichnet.
Mecklenburg. Schwerin, 5. Januar, Abends 7 Uhr. (Meckl. Linz.) Von dem Befinden Sr. Königlichen Hohxrt de: ErbZroßherzogs ist zu berichten, daß de_rffelbe fich _1m Angemeinen zUsehends gebessert hat. Die Kräfte heben slch; der Erbgroßderzoa kann etwas umhergehen, ohne zu ermüden. Der bereits geweldete Nachlaß in den wesentlichen Krankheits- fymptomen hat Bestand gewonnen; indessen darf die Brust- affektion noch immer nicht als voilständig beseitigt angesehen werden.
Elsaß-Lothringen. Straßburg, 5. Januar. Wie die „Els.-Lothr. Ztg.“ mittheilt, wird der LandeSauSschuß zum 15. d. Mts. einberufen werden.
Niederlande. Haag, 6. Januar. (W. T. B.) Die Regierung hat bei der Kammer einen Geseßeniwurf, be- treffend die Revision drr Eintheilung der Wahlbezirke, eingebracht; in drmseiben werden im AUgemeinen einfache Wahlbezirke vorgeschlagen, mit Arisnahme der fünf größeren Städte, welche mehrere Deputirte wählen sollen.
Großbritannien und Irland. London, 6. Januar. (W. T. B.) Dis Königin hat den Herzog von Cam- bridge in Anerkennung seiner Verdienste anläßlich des egyp= tischen Krieges zu ihrem persönlichen Adjutanten ernannt.,
_ 8. Januar. (W. T. B.) Der Hangarzt drs Premiers Gladstone, Sir Andrew Clarke, welcher nach Hawarden gerufen wurde, erklärte,Gladstone sei in Folge angestrengter Arbeit leidend und bedürfe der Ruhe. Der Besuch Glad- sione's bei seinen Wählern in Midlorhian ist deshalb aufge- geben worden.
Frankreich. Uedrr das fsierlicbe Leichenhegängniß Gambettcr's wird vom „W. T. B.“ writer berichtet:
Paris, 6. Januar, Nachmittags 1 Uhr. Die Spiße des Trauerzuges [angie um 121,/-„, Uhr auf dem Boulevard Se- bafiopol an, während auf der Jnvaiiden-ESplanade noch eine große Anzahl von Delegationen drn Zug erwartete,_ um sick) demselben anzuschließen. Dsr Leichénwagen traf 1chon auf dem Pére Lachaise ein, bevor die leßten Leidtragenden das
“ Palais Bourbon verlassen hatten. Außer den Militärmusik-
corpS defandrn sich noch zahlreiche MusikkapeÜen von Vereinen und Grsrilicdaftrn im ZUM, W€[chS Traurrwrisrn spielten.
_ 6. Januar, Nachmittags. Den Leickzeiizug begleiteten auf dem aanzrn Wege die Zurufr: Es lch Frankreich! Es lebe die Rrpublik ! Die elsaß-lothringisM Delegation wurde mit sympathischen Kundgebungen empfanarn. Um 11/2 Uhr traf der Lcichrnwagen dri dem V&re Lachaise ein.
Der Kanrmrrpräsidrrrt Briffon, welchrr am Eirigange des Pérs La-iraiie dis Rridr der Tranrrnden rröffnete, Lrinrierte an die hrldrmiiiitdixirri Anstrrr-Zrmgen Gambstta's im Jadrr1870, Um Yanireird 51: rrtwi. SEM Tod sri rin nationa1chrarirrfa11; ; ank sick) drwriiir rrn fiir iLir-eir NUM?! drgrxstrrtrn Sohn; die Tribüne st-xde iir Traurr. N:“diir-r rrixinrrtr fernrr an Gam- betta's ViiiiÜhUiigén, rin? Vrrrinigurrg inr-ercild drr rrpridli- kaniscd-én Partxi drrzustsiirn, und schloß irin-Z ere etwa folgrndrrmaßrri: Uiiiér Schmerz i-2i krin riiifrucbtbarer! Auf don Sarg, wrichrn dir Frrurrdr, Mitbürger, Männer von (111911 Parteirii, Vsrrrrtrr drr Armer, sowie Kinder unierer id thriircn Provinzrn UMZLÖM, [affen Sir uns den Sckzwrir riiZT-Crlrgrn, daß wir ardeitrn deen, um diese Vér- einigiriry» drrdrizdiiidrrxr, wrlchr drr Wiitiick) Gamdrtta's war! Es lebe- Frarirsiciz! CS 1de die Rrprrdlik!“ (Vrifall, wrlcher von rerMLnxie wirdrrdoii wnrde.) Hierarif sprachrn der Justiz: Mitiistrr TENS urid drr Vizr-Präiirsntdrs Srticitcz, Pryrat. Drr Krirgé=Miriiirrr BiUOr sagts Gamixrtra Ledrwohl im Namrn der Armrr, wsici)? Ek ic) irhr grlirdt unx- W61ch€ i1)ri rdsnfalis so sshr gelirdr babs. (Rrrir: LS [rds dir Armrei, DirioigrndrnRedner warrri CEMT, Hsrrri Martin, Cdariffdirr, Faiurrui, Meétivier.
Tsr ZUirii:Minisr€r Terms degriißtr Nam-„nx, dsr Regierung die srrrdiich HÜUL deH großen ViirgerZ. DerVi-riiist eiweiß solchen Manrrrcx-ixi xine ndtidn-le Traurr. Tas Vatsrlarid trags Trauer um einen Sohn, der er; grlisdt un: leidriiichaftiici) vertheidigt babe. Ja, dis Lirre zu Frankreich., daes Vertrauen auf seirir Geschicke, alH alis Hrffrxung auf eim? giiickiich WEUÖUUJ zu irrwinden ickiirir, drr Entschluß, Frankreich iiicht in eine untrrgrdrrnsts thUUpg fallsri zu lasen, krnriieichnetén die unvrrwricßdar groß? (Hrstait drs V:rsrorbsriéii. Außer dem Patrirrirrx 115, der 311 drr nationalen Vertdeidigung beseelt hab?, 71111772 man bei Gamdrlt-a auch noch die Höhe skinrr rdiixiichrri GriirdtSpunfte und da?- tiefe Gefühl für den WUK? 1:62 Landrs drwundérn. SM Leben sei
anz und rdiiirdndig drm Tirnste Frarkreicizs und drr
epubiik grwidmrt grwrirn, wslchs skins Hinqedung alS Sohn dr?- Larrdr'r niemals ron Einander getrrnnt hade, DLT Versrordsne sri viel zu früh dahin (;(-schieden, er habe Übék dax- Land zurückgrlaffrn ais drn Hrrrn seiner Geschicke und gédridend und irri untér rinrr Staatélsitung, die von al1rn Sritrn rripeftirt wrrde und mit Recht populär sei. Die bkidxn großrn Güter, denen die Sorge drk; Vrrstorbenen ge- Oltéki haéé, dir rrpublikaniiche Ordnung im „Innern und das skikkliÉé YUfkhM Frankreichéz nach Außen irren fiir die Zu- Lunik sichrrsrfrrüt. So werde, verknüpft mit der nationalen Geichichte, Gamdetta'H Andenkrn leben in drn Herzen aller Patrioten.
Faiarrui sprach im Namen drs Jarreau, Nachdem er die periöniickxen Eigrnichaixen und daS Talent Gamdetta's lobend hervorc-Zßhdden, sagte er: Unter rinrr demokratischen Regierung würdrn iolche Ehrenbezrngungen entweder keinen Sinn haben, odrr eine Ardankung bedeuten, wrmr sie 12diglich den Menschen im Auge hätten. Adrr dieselben zirlten höher und wriier; sie seien ugleich dem Andenken an den Widrrfrand gegen rin iiegreirhe Invasion gewidmet;
sie gäben dem Gefühl der Erkenntlichkeit gegen alle die- jenigen Ausdruck, welche auf den Ruf Gambetta's für das Vaterland gestorben seien, „jene Todten, welche sich vergessen wähnten, und welche jest nch erhöhen angesichts der thnxn der Armee. „Vor diesen Todten verneigen mir uns; dies ist der Sinn dieses feierlichen Tages“. _ Der Zug der Leichen- fol e und der Menschenmenge bis zum Eintritt in den Fried- ho dauerte dreiStunden und umfaßte an zweihunderttausend bis dreihunderttausend Menschen. Der Leichnam wrzrde in dem provisorischen Grabgewölbe beigeseßt. Nur dre Ver- wandten und Freunde Gambetta's batten Zutritt zum Friedhofs. DerdLeichnam wird morgen oder Montag nach Nizza gebracht wer en.
Chauffour hielt im Namen der elsaß=lothringischen Gesellschaften in Paris eine Rede, in welcher er sagte: Während des Krieges war (Hambetta für uns die Seele des Vaterlandes; in der Nationalversammlung von Bordeaux war er der Repräsentant unseres Unglücks; nach drr Ver- stümmelung des Landes blieb er der Repräsentant unserer unbefiegbaren Hoffnung. .Wenn er von Elsaß-Lothringern sprach, so sagte er, sie seien zweimal Franzosen. Garnbetta ftößte in ganz Elsaß-Lothringen ein besonderes Gefühl em, ge- mischt aus Bewunderung, Erkenntlirdkeit und vertrauender Hoffnung. „Ein Mann, der Edeles geleistet, ist dahin, aber von seinem Werke bleibt das, was wirklich vollendet ist und das noch viel größere, was den geheimen und großherzigen Ehrgeiz seines Lebens bildete. Theuere Mitbürger! Was wir dem großen Todten schulden, smd nicht unfruchtbare Thränen und Worte der Verzweiflung; wir müssen hierher einen männ- lichen Schmerz bringen, einen Schmerz von Männern, welche, weit davon entfernt, in Trauer unterzugehen, fich wieder auf- richten und an ihre Aufgabe mit neuem Eifer zurückkehrrn. Ein großer Freund Elsaß-Lothringens isi todt, aber Frank- reich, unser theures Vaterland, lebt, ist kräftig und bereit, dem Appel an seine glorreiche Bestimmung zu entsprechen. ES lebe Frankreich! Es lebz die Republik!“
_ 7. Januar, Morgens. Die republikanischen Zeitun- gen sprechen fich übereinstimmend mit Anerkennung iiber die ernste, gesammelte und patriotische Haltung der VolkSmrnge bei der gestrigen Beerdigungßfeier aus. Die royalistische Presse sagt, daß die Ceremonie zu theatralisch gewesen sei und der Aufrichtigkeit ermangelt habe. Von Seiten der Organe der Intransigenten wird behauptet, das eigentliche Volk sei der eier fern geblieben. , '
_ 7. Januar, Abends. (W. T. B.) Die republikani- schen Abendblätter sprechen die Hoffiinng aus, daß aus dem Gambetta'schen Leichendegärrgnisse und den Ereignissen dieser Woche für a11e Republikamr und besonders für das Parlament Entsch1üsse der Eintracht hervorgehen würden, und daß die Gefühle der Einigkeit, welche in den Trauerreden zum AUSdruck gekommen seien, längrr dauern würden als die Blumen auf dem Grabe Gambrtia's.
Das Journal „Le Chat noir“, welche§aiiläß1ichdes Todes (Hambetta's Angriffe gegen Deutschland richtrte, ist heute früh mit Beschlag brlrgt worden.
Die Beerdigung des Generals Chanzr) in & halons wird, einer Entschließung der Regierung zufolge, ebenfaiiH auf Staatskosten erfolgen.
Spanien. Madrid, 7. Januar. (W. T. V.) In einem gestrigen Ministerrath s.:xlug der Finanz- Minister Camacho vor, den Staatsstdoß zu verpflichten, “alie Staatswaldungen, mrlaiw einen Werth von 40 Mill. Vesetas repräsentiren, zu verkauirn. Der Minister der öffrnt: lichen Arbeiten widerscßte sici) rnrrgisch dirsrm Plank. Beide kündigten darauf ihre Triniision an. _ Sagasta hofft eine Vrriöhnmig zwischen beiden Minisrrrn lwrdrizufiihren; andern- fal19 dürfte der Finanz-Minisrcr im Kadinrt verbleiben, der ArdritKMinistrr aber skin Porirfruiild (1119911911.
Dir Rrgirrung hat hrute friil) dcicdldssrn, die Verantwort- lichkeit fiir die Reden Briffoch, Myrats, sté-H' und BMW zu iidernrbmrn; (211€ andrren ?)irdrn haben einsn durchaus) privaten Charakter. _ Bei der Frier ist kciiirrlri Unordnung, kein ernstrrer Unfail ddrgrkommcir. _ Unter den Amvxsendcn demerktr mcm den Fürsten H0l)?11l0h€, Effad Bcr), Léon Say, Frrycinct urid viele andcre dcroorragrnde Prrsönlichksiteir deS In: und Außlandrs.
_ 7. Januar, Abend?». (W. T. B.) Dcr?) Ministerium hielt heute Abend wiedsr eiii? Sißurig ab und beschloß nach liingerer Berathung iidsr dis riiirirtrx-triie Krisis, feind Ent.- 1assung rinznreichrn. Das Tcmissionsgrsnck) wnrde dem König vom CoxiseilH-Präsideiiteii Sagazm alsbald Üdrrdracht.
Italien. R om, 7. Zariuar. (W. T. W.) Der StaatSvrokurator und 6111 Untersnchung§richter haben grstern 81116 Büste Oberdanks, wrlcize heute Adrnd von dem demokratiscden Universitätxvsrcin 6111511111: werdrn sollte, sowie verschiedrnr Papiers mit Beschlag brlegt. Drei Studrnten, w21che die Eiiilddungcn zu dirsrrEnthüUung unterzeichnrt harren, sind verdaitst und bei densrlden Haus- suchungen vorgenommen worden.
Türkei. Koristantinopei, 7. Januar. (28 T. V.) Nach einer Deprsche aus Tripolis„1)at der dortige italie- nische Konsul eiiie Sckiildwackgs mißhandr-lt und hat die Pforte deshalb bsi dem hiesigen italienischrn Botschafter Grafen Corti Vorsiillungrn erhoben und Genugthuung verlangt. Ueber den Hrrgang srldft wird Folaendes gemeldet: Der itxlienische Konsul, der sich auf die Jagd begab, wollts ein FestungSthor passiren, bei welchem der Durchlciß nur gegen besondere Erlaubnißicheine gestaltrt ist, wr1che viele Personen, namentlich aber die Konsuln bssißsn. Der Konsul hatte srinen Erlaubnißsckyein vergessen, bestand abrr troßdem darauf, das Thor zu passiren. Als die Schildwache dies in Gemäßheit ihrer Instruktionen verweigerte, schlug der Konsul auf die Wache mit der Reitpeitsche ein.
Rußland und Polen. St. Petersburg, 6. Ja- nuar. (W. T. B.) Der Minister deg Kaisrrlichen Hofes, Graf Woronzoff-Daschkoff ist von seiner Reise zurück- gekehrt und hat die Leitung des Ministeriums wieder über- nommen. .
Amerika. Washington, 6. Januar. (W. T. B.) Die landwirthschaftliche Kommission des Re- präsentantenhauses hat beschlossen, die Bewilligung von 30000 Doll. fiir die Entsendung von Vertretern zu der in Hamburg stattfindenden Viehausstellung zu empfehlen.
Die qeseßgebende Körperschaft von Tennessee hat eine Resolution angenommen, in welcher sie der Annahme Ausdruck giebt, daß der Scha meister des Staats, Volk, ein Neffe des ehemaligen räfidenten Pdik, derjenige Beamte sei, welchem der 400 000 Doll. betragrnde Defekt zur
Last falle. Die Behörden find angewiesen worden, das Ver: mögen des Polk, welcher während der Prüfuna der Kasse flüchtig geworden ist, mit Beschlag zu belegen. Die Geschäfte des Staatsschaßes find einstweilen eingestellt.
Afrika. Egypten. Kairo, 7. Januar. (W. T. B,) Dem „Reuterichen Bureau“ wird gemeldet: Das Dekret des Khedive, welches die internationale Kommission für die Entschädigungen ernennt, wird aleald erwartet. Nach dem den Vertretern der auswärtigen Mächte gestern unterbreiteten Entwurf wiirde Egyvten zwei Mitglieder an derselben entsenden, und zwar den Präsidenten und den Vize- Vräfidentrn; England, Frankreich, Italien, Deutschland, Oesterreich, Rußland und die Vereinigten Staaten von Nord- amerika je ein Mitglied; Dänemark, Hannd, Portugal, Spanien und Schweden würden gemeinsam durch ein Mit- glied in der Kommission vertreten sein.
Alexandrien, 6. Januar. (28.25. B.) Gestern Abend fand hier zwischen türkischen und europäischen Polizei: beamten ein thätlicher Zusammenstoß statt, wobei es mehrere Todte' und Verwundete gab; den Anlaß sollen die türkischen Pobzeibeamten gegeben haben, welche betrunken waren.
_ 7. anuar. In dem am Freitag zwischen europäischen und albaneischen Polizeibeamten stattgehabten Streits wurden ein Albanese getödtet und sechs schwer verwundet, von den Europäern zwei leicht verwundet. Die englischen Behörden erließen eine Warnung mit der Androhung, daß jede neue Unordnung mit Gewalt unterdrückt werden würde.
Zeitungsftimmen. *
Unter der Ueberschrift „Ungereéhte Vorwürfe“ sagt das „Deutsche Tageblatt“:
Immer und immer wieder kommen die liberalen Zritungen auf die Aenßerung der „Prov.-Corr.' zuriick, daß die augenblickiiche Nicht- zustimmung der Volkövertrctung zu den Plänen der Regierung für [eßtcrc durckzaus kein Grund sei, von denselben abzustehen, sondern daß sie beabsichtige, die betreffenden Vorlagen stets von Neuem zu machen, bis fie angenommen Werden würden. Es ist immer das alte Lied von dem „ScheinkonstiiutionaliSmuO“, das die liberale Presse zum Besten gibt, welches aber durch seine Wieder- holungen nicht wobllautender wird. In Preußen und Deutsch- land ist eben nur das verfassungsmäßig, was in der preußi- schen bezw. deutschen Verfassung steht, mögen in andern Län- dern noch so drrichiedene Einrichtungen bestehen. Der verfassungs- mäßiae Einfluß der Volksvrrtretung beschränkt sich bei uns darauf, daß ohne ihre Zustimmung kein Grieß erlassen werden kann. Liegt nun der Regierunn viel am Zustandekommen eines Gesetzes, so macht sie in grwisien Punkten der ausschlaggebenden Partei Zugeständnisse, wie dies lange Zeit zu Gunsten der liberalen Partei geschehen ist. Darin hat aber auch der Einfluß der Volkévertretung seine Grenze, sie hat der Regierung nicht vorzuschreiben, Welche Vor- lagen sie zu machen, oder zu unterlassen hat. Wäre dies der Fall , so wäre die Regierung nicht mrbr gleich- bercchtigicr Faktor mit der Volksrartretung, denn auch die Re- gierung kann es nicht verhindern, daß von Seiten der VolkSvertretung. Gesetzentwürfe eingebracht werden, wenn fie ihr auch noch so unlieb- sam sind. Niemand _ und auch wir nicht _ wird dann von einer „Mißachtung“ dcr Rrgierung sprechen, welche yon der Volksdrrtretung ausgedt, aber wirderlangen nun auch, das; diejer VoriVUrf nicht gegen die Regicrirng gcschlrudrrt wird, wrnn sie nur innerhalb ihrer ver- fassungsmäßigen Zustäiidigkrir Haiidrlt. _ Und auch abgesehen davon sollten wir wahrlich Gott danken, daß wir noch eine starke Regierung da[»gn. Die Parteien sind Mixer nichts als der Ausdruck von Jntrrrmcngryrpeu. Diese Jriteresien bekämpfen sicb natürlich. Damit nun dieicr Kampf nicht dem Bestehen drs Ganzen gefährlich idrrdr, ist es nothwrndig, daß eine eralt vorhanden ist, wxlcde, von dirsrm Ringen nicht berührt, da eine That der außglcichem den Gcrecbtigkrif zu rdÜbrinarn vrrmag, wo die einseitige Betonung gewisser Jntereffrn das Glrichgrwirixt der Kräfte zu stören droht. Diese Gewalt aber ist nur in eiiirr starken Monarchie grgeben. Was wiirde z. B. aus Preußen nach 1806 geworden sein, Wenn die Staatsgewalt damals nicht stark grnug gewesen wäre, die Befreiung drs Bürgrr- urid Baucrnstandrs aurh gegen den Willen der maßgrberiden Partei durcbzusexien? In einer ganz ähnlichen Zeit leben auri) wir. Nuri) jetzt ist es nothwendig, daß diese angleichende Gerechtigkeit wirder einarcife, Weil in der That das Gleichgewicht der Kräfte gestört ist 11:10 tägkich noch mehr gestört wird, Die Librralen können dir Stein-Hrrdrnberasche Zrii nicht genug loben, iiur sollen sie nicht Vsstrcbungrn, rrelrhe den von den genannten Vianncrn ge- macdicn Wilkommen ähnlich sind, nur deSwegen in der bekanntrn un- erhörten Weise vrrunglimpfen, Weil sick) dieselbet) nun gegen fie richten.
_ „Steins volkswrrthschaftlrche Correspon- denz“ fck)reibt: '
Die sogenannte Lizenzsteuer, aus Welcher die Deckung für die von der Regierung beantragte Aufdrbung'der vier unterster] Kiaffenjteuer- strich dcicdafft werden sol], ist 6111 eme Kommission uberwiesen wor- drri, mis rvclrhrr dirielbe dem Landtage wohl kaum zur Annahme wird empfodicn wrrdrn. Es ist dicaÜseitigeOppofition gegen diese Steuer- rdrlnxxe aber um so merkwürdiger, als die Anschauung der Remc- ru_ng frier di? Nothwrndigkeit einer ,ebesten Aufhcbyng der untersten Kiaffrnstrucrstrifen in der Wrirndert auch ziemlich vom ganzen Landtaze (rrtbeiit wird, und als eine andere Art der „Bedeckupg des daraus cnistclxrmden BUdgctausfalles von keiner Seite förmlich be- antragt Wurde. DaSjrnige aber, was diesbezüglich yon de„n Rednern des Hauses als wünscbrnswerth bezeichnet Worden rst, „durfte aller Vorauéiicdi nach die Zustimmung der StaatSregrerung mcht'crhalten, welchc sich in den Motiv.?n ihrcr Stegervorlogc wohl deutlich geriug dahin aus,;esprockxen hat, daß die errncknabme der den_Steuerpf11cb- tigen in dcn znvri leßtrn Jahren gewahrten Steuemachlaffe nur aus (Gründrn der dringendsten Nori) gerechtfertigt Werden könnte.
ES wird dann bedauert, daß die Urbereinstimmung aller Parteien nur dahin gehe, die vonder Regierung vorgeschlagene, sogenannte Lizenzsteuer abzulehnen, wodurch erstere gezwungen werden solle, in die Rücknahme der durch die Gesetze v"om 16. Juli 1880 und 10. März 1881 festgestellten S_teuererlasse zu wiiligen, aus, denen dre Deckung für die Anshebungder untersten Klassensteuerstufen zu, beschaffen wäre. Ynaltfire man die Einwendungen gegen dre Steuer, so „finde. src!) bald, daß dieselbcn sammt und. sonders pur auf ein Einziges 313- rückzufiihren seien, närnlich auf dre Verqmckrmg der „fiir Preußen nothwendigen mternerr Steuerreform mit der Reichs- steuerfrage. Dann heißt es werter:
Würde auf diese Verweisung der preußisckyen Steuerreform_ auf die Reichsmittel verzichtet, so würden damit voir selbst aus Wider- sprüche in der Begründung, sowie der provisorische Charakter der Steueraufiage beseitigt sein; dieselbe würde Jedermann nur als dg!- jenige erscheinen, was sie wirklich ist, nämlich, eine nach der Große des Geschäftsbetriebes und der lokalen Einwohnerzahl auf die Person der Geschäftsinhaber umaelegte, direkte Gcwerbefte'uer, welche eine Verthcuerung des Konsums der betreffenden Artikel, bei ihrer Beschränkung auf die preußischen Lande, „faulm nach sich ziehen dürfte. Es mag an der Steuervorlage hinsichtlich der Art der Veranlagung und Einbebung noch'Mancbes zu andern und zu bessern sein, allein prinzipiell läßt sich eine auf den Vertrieb der geistigcn Getränke und des Tabacks gelegte höhere, oder besondere Gewerbesteuer nicht verurtheilen, insbesondere wenn man sich vorbält,
daß fie gewiß viel beffer und gerechter wäre, als die Klaffensteuer, welche dagegen aufgehoben Werden soll, und daß im Fakle der Ablehnung dieser sogenannten Lizenzsteuex, d_och nichts anderes bliebe, als entwkder der Forthestand der bisherigen, "- oder eine Staawanleibe zur Deckung des dte'Aufbedung der untersten Klaffensteuerstufen ent- stehenden Ausfasles im Budget. „Denn davon, daß diese Mittel recht- zeitig, sei es durch_dte vyn der,emen Seite befürwortete Reform der direkten Steuern, inbegriffen die beantragte Börsensteuer, oder durch die von der anderen Seite begehrte Reform der Rübenzucker- und Branntweinbesteuerung, aufgebracht werden würden, kann doch keine Rede sein. _ . . _- Dre „Deutsche Consulats:Zeitung schreibt: In dem soeben erschtenenxn, aucb iki diesen Blättern schon erwäbn. ten Werke .Das deutsche Wirtbscbaftslabr 1881“, nach den Jahres- berichten der Handelskammern dqrgestellt von dem Generalsekretariat des deutschen Handelstaxe's wird bei der Schilderung der allgemeinen Lage von Handel u_nd'Jndustrre betont, daß fich'auf allen Gebirten der Er- werbstbätigkelt em Uebergang zum Besserer) zeige. Ein solches Fortschreiten kann, wie in der :Deutswen ConsulatE-Zertungk wiederholt nachgewiesen wurde, auch fur das Jahr 1882, konstattrt werden, und zwar kommt dasselbe gatiz „besonders tn der deutschen Handelsbilanz, welche uns augenbltckllch, wxnn aur'! nur provisorisch für die drei ersten Quarxale 1882 oorlrrgt,_ zum Ausdruck. Im Jahre 1881 bezifferte fich dlkselbk auf 152 Mill; Mark Unterbilanz, im Jahre 1882 hinge en nur auf 119 _Mtll. Mark, was ein Plus von 33 Mill. ark zit Gunsten „einer Unterbilanz ergiebt. Dieses Plus resultirtnvorwtegend aus einer erhöhten Ausfuhr und würde fich noch hoher a_este11t bab'en, Wenn nicht bei Getreide eine Zunahme von 62 Mill. Mark rn der Einfuhr, verbunden mit einer Abnahme von 7 Mill. Mark in der Ausfuhr stattgefunden hätte. Die Zunahme der AUHqur erstreckte sicb besonders auf die Positio- nen: Eisen- und Ctseywaaren, Instrumente, Maschinen und Fahr- euge, Kleider, Leibwasche und Puywaaren, Leder und Lederwaaren, apier und PaPPWchen, Seide und_Seidenwaaren und Material- waaren und zwar der letiteren hauptsachlich Branntwein und Mehl. In den einzelnen Quartalen stellt sich die Bilanz wie folgt (Mehr- einfuhr +, Mehrausfubr _):
1882 1881 (1000 „ckck) (1000 96) im 1. Quartal auf + 59 895 + 84 749 11 . . + 50133 + 74772
Fm". , „ + 9234 _ 7684
Sa. +119 262 +151837
Auffallend ist im dritten Quartal 1882 das Plus von 9 Mill, Mark gegenüber „einem Minus von 7 Mill. Mark, was indessen lediglich durch die „um ca. 40 Mil]. Mark erhöhte Einfuhr von Getreide entstanden ist. '
Somit läßt fick) auch hier wiederum bestätigen, daß das Getreide der wichtigste Faktor in_ der Handelsbilanz ist. Lediglich von dcr Ernte ist dieBilanz abhangig; bei einer guten Ernte Werden wir stets eine giinstige Handelsbilanz haben. Ist hingegcn die Ernte mittelmäßig, so ist die größere Einfuhr von Getreide die Folge und ein AuMleicb kann alsdann nur durch eine Zunahme der Ausfuhr von Jndustrieprodukten geschaffen ivrrdrn. _
Der Export hat im [eiiien Jahre ganz enticbieden zugenommen, und falls es im letzten Quartal des Jahres dri einem Fortschreiten in dieser Brziebung bleiben sollte, so dürfte für das Jahr 1882 nock) einc Ucberbtlanz zu erhoffen sein, vorausgesetzt, daß keine iiberaus große Einfuhr von Getreide statifindct.
Reichötags=Angelegcnhciéch.
Schlochan, 6. Januar._ (W. T B.) Definitiv festgestelltes Resultat der i)ieich61ag§strchrvabl_: Von 17 267 abgraebcncn Stimmen erhielt Gcl). chierungs-Rarh von Tepper-Laskiifrei- kons.) 9602 und Rittergutsbesiyer von Komierowski (Pole) 7626 Stimmen.
Statistische Nachrichten.
Der vor Kurzem erschienene, vom Archiv - Raik) 1)r. Fr. Wigger in SÖWerin herauSgeaebcr-r 47, Jahrgang der „Jahr- bücher für Mecklenburgische GesrLUcdte und Alter- thumskunde“ enthält zunächst zMi Wertbvolic Arbeiten drs Heraus- xekerd: „UrkundlicheMitthriirmgrn iiber dieBegbinen und Brabarden- Häuser in Rostock“ und „Dcr Erbstreit um das Gut Postdw im Jabrr 1386, ein Beitrag _zur Kenntniix drs schwerinsckzcn Rechtes“. Es folgen alrdann nacbitekiende Auf1äxze: „Mickyael Kopmanns Cdronik St. Nicolai zu _Wismar“ don 1)r. F. Crul]; „Dic Deko- ration drs Innern der Kirche St. Nicolai zu Wisinar“ von drm- ]eldcn; „])r. t11201. Hinrich Boxier oder Hinricns Flcxor, dcr Bc- gleitcr drs Herzogs Erick) nach Italien (1502_1504) von Dr. K. C'. H. Krause zu Rostock; .Der Leibarzt Dietrich Ulsrnius“ von dem- seibcxi; „Das BtLtOum Schwerin in dcr evangelisckyen Zeit“ vom Archivar ])r. Fr. Schi1dt, 1. Theil; .Die Gemeinde Vrllabn zu Anfang des, 18. Jahrbundcrts“ don demselben; ,Uebkr das Treffen, der WaiSmüblen arg 5/6. März 1719" vom Grnerai-Maxor„z. D. Köhler. Den Schluß bildet eine Reibe von Mtithetlringen uber auigefundrne Alterthümrr. Diese Beiträge ent- balieii wiederum vicir und wcrtbvolie Ergebnisse der mecklenburgischen Gejchrwtsforscbung, die fick,» zum Theil, d, h. solvcit sie in den Zeit- raum vor dem Jahre 1350 icillen, auf das treffliche mecklenburgische Urkundenbuch fräsen. Im Einzelnen mag noch bcmerkt werden, daß das oben angefiihrte Treffen bei Walsmübien, Welches zwischen den Mecklenburgern und Russen unter dem damaligen mccklenburgischen Geiiecml-Major von Schwerin cinerseits sowie den von der Elbe brxanruckenden hannoverschen Exekutionstrupprn unter General von 5LZUlow andererseits stattfand, bisher nur aus dem ausführlichen Be- rndt brkannt war, Welchen der genannte, später im preußischenDienst beruhmt gewordene General von Schwerin an den erzog Carl Leo- doid von Mecklenburg-Scdwerin erstattete. (Vergl. lüvers Beschrei- bu_ng des Herzogthums Mccklenburg, Band 17. S. 4 ff.). Die Koblersch Darst'ellung des. Treffens beruht noch auf anderen Quelien irn Großb.Gehe1meii Archiv in Schwerin. Sie ist militärnxiffenschaft- 11ch gehaiten und bringt genaue Angaben über Formation und Stärke der bethetligtcn Truppen.
_ _ Summarische Uehrr'sicht iiber die Zahl der Stu- dixenden auf der Königlichen Universität Marburg im Winteriemeftcr 1882/83. Im Sommersemester 1882 find (einschließ- llch 2 noch Hinzug-kommrncr) immatrikulirt gewesen 768. Davon sind abgegangen 240. Es sind demnach geblieben 528. Dazu sind in chiem Semester gekommen 228. Die Gesammtzahl der immatriku- lirten Studirenden beträgt 756. Die evangelisch-theologische Fakultät zahlt Preußen 96, Nichtpreußen 16, zusammen 112. Die juristi che Fakylia't zahlt Prxußexi 87, Nichtpreu en 15, zusammen 102. ie medizinische 'akultat, zahlt Preußen,“ , Nichtpreußen 31, zusammen
. Die 1) tlosopbische Fakultät zahlt & Preußen mit dem Zeugnis; der Reife 257, b. reußen obne Zeugnis; der Reife nacb §. 3 der Vorschriften vom ]. kto er 1879 48, zusatr'imen Preußen 305, 0.Nicht- preußen 66, zusammrn 371. Außer diesen immatrikulirten Studiren- den besuchxn noch Vorlesungen mit Genehmigung des Rektors 34, Es Ulbmen mithin an den Vorlesungen überhaupt Theil 790.
Geiverbe und Handel.
Dre Londoner „Allg.Corr.“ meldet: In Großbritannien "Nd Irland haben im abgelaufenen Jahre 11 019 F allissements stattgefunden, von denen 1314 auf das Engroögeschäft und 9705 auf den Kleinhandel entfallen. Im Vergleich mit 1881 ist in den In- olvenzen eine Abnahme zu verzeichnen; in 1881 nämlich betrug die
Kattowitz, 6. Januar. (W. T. B.) In der heutigen Konferenz, voix Walzetsenfabrikanten wurde beschioisen, die Grundprxise fur Walzeisen unverändert zu lassen.
Weimar, 5. Januar. (Thür. Corr.) Die Ausfuhr von Waarexr aus dem Konsularbezirk Sonneberg nach den Vereinigten Staaten betrug im Jahre 1882 2028056 Doll., 1881 dagegen nur 1 876 310 Doll., erkiob also ein Mehr von 160 745 Doll. Das letzte Quartal 1882 weist indeffen geZen das namlicbe'éßuartal 1881 eine Abnahme vo_n 49 633 Doll. auf. Doch Pflegt diejes Quartal ux der Regel das 1chlechteste zu sein. Die de- deutendsten Ausfuhrarttkel sind: chinesische Artikel (für 604193 Doll.), Pupäien und Spielwaaren (552 322 Doli.), Glaswaaren (105911 _Dl) .), baumwollene Strumpfwaaren (473 92123911). Dann foigen Samcrcten. Papiermacbéwaaren, arbwaaren, Raucbartikel. _ Dre Ausfuhr aus drm Konsulardistrikt cra-Greiz ergab im 1815- ten Quartal 1882 ein Mehr von 159 464 „44 gegen den gleichen Zeit- raum im Vorjahr, das werentlirb bedingt wird durch den gesteigerten Export an wollenen Kleiderstoffen (319 248 „44 statt 199 881 „M). Der Export im ganzen Jahre 1882 Weist ein Mehr von 1 306 829 .“ aiif (3 058434 „kü statt 1751605 „Fi im Vorjahre). Einfluß auf diese Zunahme hat auch die Ueberweisung Erfurts in jenen Konsular- bezirk gehabt.
Glasgdw, 6. Januar. (W. T. B.) Die Vorräthe von Robetsen in' den Stores belaufen fich auf 606 400 Tons ge,;en 628 200 Tons im vorigen Jahre. Zahl der im Betriebe befindlichen Hochofen 109 gegen 105 im vorigen Jahre.
New-Ydrk, 5. Januar. (W. T. B.) Baumwollen- _ Wochenbericht. Zufuhren in allen Unionsbäs'en 225000 B., Ausfuhr nach Großbritannien 123000 B., Ausfuhr nach dem Konti- nent 66000 B., Vorrath 964000 B.
Verkehrs-Anftalten.
Triest, 8. Januar. (W. T. B.) Der Lloyddampfer .„Orton“ ist gestern Abend mit der ostindischen Ueberlcmdpost dier eingetroffen.
Berlin, 8. Januar 1883.
Ihre Majestät die Kaiserin und Königin dat zu Beginn des neuen Jahres dem Central=Provinzial:C0mits in Coblenz 2000 „,-Fk., den Unterstüßrrngs-Comités in LridWigs- hafen, in Karlxruhe und in Darmstadt, dem bayrriicdrn Frauen-Verein, drm Vaterländischen Frauen-Vrrein in Straß: burg und dem Bürgermeister von Worringen in der Rhein- éroinz je 1000 „44 fiir die Ueberschwemnrren iibrrmitt-xln a en.
Aus England sind Ihrer Majestät 6500 «%., als Ergebnis; dortiger Sammlungen fiir die Nothlcidenden, zur Verfügung gesteUt worden.
Ihre Majqstät die Kaiserin hat dem Deutschen Central- sCoFtlté der Vereine vom Rothen Kreuz folgendes Srhreibrn ükrr- an :
Die Glückwünschz des Central-Comités zum Jahreswechsel haben Mir wahre Freude brreitet, wie jeder Anlaß, der Mich mit drm- selben in Bcrührung bringt. JH Hoffe, daß das dcginncnde Jahr es Mir ermöglichen wird, die alte Theilnahme einer THätirikeir zu 13e- wabren, deren Ziel ein so erstrebenswertHes ist, und ich erkcnnr dank- bar in dem Verlaufs des vergangenen Jahres manche Förderung Und Außdebnmig an, Welche dem Wrrkc dcs Rothen Kreuzes zu Theil geworden, dessen ivritere VervoÜkmnmnung unablässigc Sdrgr er- fordert.
Berlin, den 2. Januar 1883.
Augusta.
An das Deutsche Crntral-Comité der Vcrcinc dom Rothen Kreuz Hier.
In der am Sonnabend abgebaltcnen Sitzung der Gesellsckiaf t für Erdkunde widmete zunächst der Vorsixcnde, Korvetteii-Karixän "Freiherr von Schleinitz, dcm Profrffor Vr. Bastiarr, als friilyrrrm Vorsitzenden, Worte dankbarer Anerkennung, gedachte sodann in Li,?kr kurzrn Uebersicht dcr Ergebnis1e_des [ctfxteii Jahres und der r.'rscdicdsrien Reisenden und gab zum Schluste einige [iatittische Zahien iiber dig GeseUsÖafr, dir cht 990 Miialrrdcr zählt, aber doch nicht Vermögen genug besitzt, um fick) das läixgsi gridiixis-„Re eiacne Heim z1_l grürtdrn. _ Den ersten Vortrag dicli der Direktor der [)iriigenStcrnwirrtr, Profrffor 1)r. Förster, über dir. (?r- gedniffc der Beobachtungrn des Venusdurchgangs von 1874 und 1882. Rednrr rröffncic srinen Vortraxi mit einrr Verwahrung gegeniiber drn mannigfachenVorwürfen, welche den Astronomen grmaiixt wrrdrn, daß rin drsinitives Rcsulfat fick) aus dea Brrrcbnungcn des Zadrcs 1874 noch nicht ergeben babe. DenigrgcnüIrr möge man an dir Venniiri- gung des riesigen Stoffes drnkrn. Damals Hatten E!];iifiiid 12, Frankrcick) und Deutschland je 6, Rußland 26, Italien 3 Erpcdi- tionen ausgesandt; 62 Stationen brdbackseten den Vorgang; 40 derselben Waren vom Wettergiucke begünstigt und jede dieser 40 Haiti: eiiiigc_ bunderx Einzelergebnisse aiifzuwriscrt. Besondere Miihe vrruriackZren dic photographisrch AufimiMiM, deren gegen 2000 vorlirgen, Den Franzosen find einige Hundert gelungen, niclche 34 000 Mcffrinaen thnöiilikhéii; dir Drutsckicii brarbtr-n 124 Pldtten zurück. Jede Messung ist mm wieder rina selbständige kritijrbe Arbeit, die wiederum alle_unter sich rrrgiii-cn werden müssen. _Dazu kommt das vcrdälinißmäßig grringe Personal, das Wenigstens "in Deutschland zur Verfügung iteht: es sind nur ctwa 10 bis 12 altereGelehrtc und 100 jüngere tbätici, wrlchrn außer- dem norb die gesammten übrigen astronomischen Arbeiten obliegen. Das wiffcnschaftltche Ergebniß von 1874 würde i"1ch nun allerdings srddn ergeben haben, man habe abcrnunmebr geglaubt. die Erfahrungen von
1882 noch mit Verwertben zu können, damit man nicht eine Somrenenthr nung von 1874 und ev. eine sdlcbe von 1882 habe. Die Kontaktbeobacb-
junger] sind 1874 als vöÜig mißglückt zu betrachten, ami) dis Photographie
hat nicht den Erwartungen enrsprochen und ist drsdalb Skikens der
Deutschen 1882 nicht, wieder in Anwendung gebracht. Die Augen-
blicksbilder, [ind „gennß' von wunderbarer Schärfe, aber gerade ihre
Momentamtat arebt ein falichrs Bild, da die Wallungen der Luft
ein bedeutendes Hindernis; in den Weg legen. Der dritte Weg, der
der mikrometrischen Meffunßen mittels des Heliometers, ist be-
sondxrs von dxutschen Atronomen gewählt wordrn, welche
dannt sebr glucklicbe Resultate erzielt haben. Mit gleichem
Erfolge . haben ._die deutschen Astronomen im Jahre 1882
durch_ mtkrometriicbe Messungen ihre Aufgabe gelöst. Die
Englqnder haben sich nur auf Kontaktbeobachtungen beschränkt, die
Amerikaner konnten viele hundert Photographien aufnehmen. Eine
mtcrncztionale Vergleichung und esiseyung des Schlußresultates hat
sicb leider nicht verwirklichen las en, und so wird in einigen Jahren
Deutscbiand seine eigene Sonnenentfernung haben ebenso wie England,
Frankreich und Amerika die ibrigen. _ Den zweiten Vortrag hielt
rof. 1)r. Brauns aus Halle Über die Insel Yezo.
Das'Heidenmissionsfest, das gestern Abend in der St. Thomaskirche gefeiert wurde, hatte die Weiten Räume des Gottes- hauses mit einer dichtgedrängfen Gemeinde gefüllt. Die Festpredigt hatte der Pastor Knauert übernommen, den Bericht erstattete der Zrediger Stiegliß. Derselbe wies zunächst darauf hin, daß unser ahrbundert in der That ein Jahrhundert der Mission geworden.
abi derselben 11005; im Londoner Bezirk speziell die Zahl der alliments im EngroSJcschäst in 1882 399 gegen 313 inY1881.
Namentlich von England und Nordamerika aus sei man mit regftem
rheinische, 1836 die norddeutsche, 1848 die Leipziger Ge'elli rt und 1844 der Bayerisch Centralverein fich begründeten, sei 'nicht? iurück- geblieben.. Der Ersdig der Thätigkeit aUer dieser sei keineswegs so geriiig, wie man ihn oft hinzustellen 71.1) bemühr. Wädrend mit Begirin dieses qu_rdunderts erst 50 010 Heiden dern CHri-"trntbum zugefubrt warxri, 1er ]e«t die Zahl derer, die jährlich bekehrt Wrrden, auf 6000“) gernegen. _ «zn mehr denn 1500 Stationen wirke ein Herr von mehreren Taujrnd Miisionarcn urid nchzu 2 MiUionen Andersgigubrge seien dem Christentbum gewonnsn worden. In Berlin xpkzteli, smd _im Vorjabrr zwei Misfionsdäuicr mit der Ausbildizng don Mixsionärrn tdätig gew-cien. Da?- Goßarrbauk Fonnte 1111 Novrmder 12 Missionärc abordnen. Das Missionshaus m der_yFrtedcnsstraße, deffrn Sendlinge im Kaplande, im Oranje-Jrciitaat und in TranÖraal tbätig find, Hat seine Jahres- rechrrung _mtt einem Defizit abschließ-xn müssen. _ Ein zweitcs _thonssest, das Kindermiision-chst, iand am Abend vorhrr m Gege'nwarx eincr zadlrrirbrn K'indersckxaar in der icitlirb rrlrurhterrn und mr_t Krgnzew und Blumen griibmückten Bsthlci*em51irche statt. Die Feitpredigt Htelt hier Pastor Knak.
Bromb_rrg,_6. Janqu. (W. T. B.) Nax!) weitrrer Mei- dung der .Oitdeuti_chrn Prriieé irt die Weichsel “stelirnwcisr iiber- getreten; die Trqjekte ber Kulm, Marienwerder urid Fordon find unterbrochen und dir_Bewobnrr der Wxicdselnirderrmg trlrxirardisrh gc- Warnt erden. Aus der Brad; urid Wsicbscl treibt Grundris. Der Wanerstand der Brahe war Vdrmittngs 10 Uhr 2,10. Auch die Rei,: 8 Ut über ihre Ufrr gctrricn.
Cöln, 7. Januar, Vormittags 8 Uiir 30 Minursn. (W. T. B.) Der Rhe'inpegel zeigt hier gcgenwärrig 8,24 m (gestern Abend 8,46 m); rn Coblenz 7,35 m (irrstcrn Adcnd 7,63 111); in Binger- brück 5,60 m Kkgestrrn Abend 9,75 m); in Mainz 5,40 111 (gssixrn Abend 5,58 m). Barometer strigsnd, Wxtrer heil, [cirbirr Frost.
Cöln, 8. Januar. (W. T. B.) Der Rbrinrrgci ist seit gesterr) Vormittag hier von 824 auf 775, in Codirnz VOii 735 auf 685, m Bmgcrdriick von 560 auf 530 grfailrn. Wriirr dri], [eirbrcr Frist., Der Eriexrhahnvrrkchr arif der Strccke Maiiiz-Binzcr- bruck ist wieder eröffnet. '
Dresden, 7; Jandar, Mittag?» (W. T. B) Elddegcl- stdnd 2,60 111. Die PerwnrndamdfsÖiffaHrr ZkviiÖW hierrmd Pirna Wird morgcn wieder eröffnet.
Mwnnbeim, 6,Jai1uar. (W. T. B.) VM denke an vcr- krbren wrcder säirimtliche Züge zwisÖe-i Ludwigshafen und Neustadt; zwrxchen Frankenthal urid WormF rcrkcdrsn 3 PersMxnzüge in briderlri Nirbiimg.
Matrix, 6. Januar. (W. T. B.) Dar Wasserstand dcs Rberris tit jetzt 5,65,
Ems, 8.“J.3nuar. (W. T. B.) Die 85511 ist wieder aufden normalen Waiirrttand zurückgrgangen. 4 Grad Kälrr.
London. 8. Januar. (W. T. B.) Gcstrrn fräi) fand zwischen der don_Ncw-Y0rk kommenden „City of Bririicis“ und dem Dampfer „Kirby Hall“, der fick) auf einer VersuÖZfabrt von Glangw narh Livrrpooi descr:?) _ etwa 20 Mci1rn ron Lirrrror'l entfernt _ ein Zuiammriistos; stati, drr dic „Ciid oi Bruffriö“ ziim Si nken brawtr. Von drr Mannsrhaft kamcn 8, vom dcn Paffagicrrn 2 (Jiaiirrier) in den Wellcn um.
Genf,5_. Jannar. (Band,) Die Bläiirr meirrn, da?“; di: Linie Genf-den für Monate lang total irtiisrdroxdrn sei, und zwar in Folgr mcbrcrrr zwiséi'Cxl drii Statidiirir Colldnzir-Z und Cdancy ([Wiill Fort ['Eciirsc) stattgefundcnrr irrdÖcr Erdrutsche. Der erste Riztsck.» fandDirnstagsNardtI kur; nasd 11 Uhr statt, nach- dem drr PerwnrmuZ dexi-Grns edrn dic fatalr Steile sdwir den Turme1 bcrm Fort [Erin]? daisirt Hatte. Dir dcrrmtergcstiiriicn Erd- maffcn legten iii) quer iidcr di: Rhone. Infolge dffxii isi di: Ebene von Colioiigrs iibcrschwcmtnf. Gegen 9 [idr Morgrnß drai) daI Wasscr sich einen AMußkanal, ward jrdoii) um 121117r Mittags durcb ritten ncurii Erdswiidf grstairt. Ein Turrrici ist cirigcstkirzr: bir? cht ist dir Zinir auf (.1. 350 m Fäkiziixb zerstört Uiid dic Tr!c- grapdrrilcitung eiiisicstiirzr. Wxitcrc Narbruisrhichii siiid [*.«rdrstrdcnd. Dank dcr Warbiamkeit drs dortiarii Eisrnb.rkirrwkir1iters irirrdr eiiie größrrc Karasiroddc abxirirrndri. BLI? ich ist kein ZL'iriiscbcriicdon ZU brklarirn, aber da:“? Fort bcdrddt. Di? Mdiir-(Zriiis-Ziiiic isi „mch rintrrkrdchrrx, dock) tmr für klilZZ Zrii. Drr Erkriiiiä» [*ri C:»!longrs mißt 110 U] „in der Ringe Uiid 5 bis 10 111 iki drr Tirfc.
. Bicroria-Tdcarrr, Zirrc Köniziid: H)i).ir di: Pxirrirsün
Friedrtkk) Carl dardrir dir gCis'kixiL Sviiiitagérdrit:11mm dcr „Frau Vcnrrs“ mit idrcr (Zicgkiiidnrt ('i-Z zum Siriirisc. DIZ Hair? war iiäxrzlirb airsdcrkrufi. _ Die Vyrstciimrgrii enden jrrxi rr.i:11:i(i!';é.r um 10 Ubr, do. dir Mairdinrrieir VOWTQFÜÖ iuxikti-oiiirrn mid dis Tempo der Schaitspirirr drtriii drr? Ziisaxninrnidirl Ein 7101) sch5chilcrcs „115 in drn ersten Vorsrrliimgrii xiciv-ordcii ist. _ Bciie-Viiliaxrrc-Tdrater. ** rdizdcxn dxr unicriraitcnd: SZdwaiii“ „Sodom imd Gomrrrda“ am gritrig-sii SQxiiiiäßc rin ans- drrkanfrr-Z Hans dradtr, br.ri*sichti-,rt die Direktion dock.» ickWkl am Mittwori) Ciéieki W-Wssi drs Rrrcrtdires rixirrrrcxi zn lrsfeei, Um drm Wirng'ci) drÖ Mrblikitms naÖzxrkommcn, Weiches irixiexi Liedliii], Frl. Eriiritiiie Weiner, idicdrr 3,11 skixii drrlangi. Zxr diesein Brkmf ist Jacobsdiis „Larbtaubc“, ciric drr rrizcndstrn Lristnxigcn dcr Kiiitsticrin, neu ridstudirt Words".
Daß Concert mit Orrhestcr, ivelrhxs Hr. Anioinc Hriking am Sdiiiiadrnd in dcr Sirigakademir vcranstalfctr, Warze mir riiixxn Concert in 3411011 von Golfrrinnnn eröffnet. Unter dem iiIrigcii PZéxcen nahmen die birr zucrst zn Gehör gcbrgdtsii erkc cines w:.iiiz dr- kümiiEli, aber iiichtsdcstdwciiizer irihr begabten Kdnrdonistrn das In- teresse am meisten in Airspruib. Es waren dir:“; eins Srindiwnic iii 11-m011 „Die Jahreszeitrn“ und rin Quintett 0112811111" von W. Friße , zivei Konpositionrn, Wr1chr fick) im Wcsr111ichcn im Stil der klassischen SchUic brqucn und von edciisd ernitem Studium als tiefer Empfindung Und gcistvolicr Entwickiung Zeugnis; ablegen. Dic Zirbörrr sidienrn fish aber nur zirwrilrn Von den Harmonien erwärmen zu lassen und spendeten dadn gebührenden Beifall. _ Dor Concertaeber Hr. Hckkiiia bewies durch 1eincn stimmungsvollen Vortrag des Adagio aus dem Cciloroncert von Virurtemps, eincr Srrenadc von Godard und cines Nocturno von Cbopin_ seine Meisterschaft als Crilist und gewann da- mit aliiritigcwlebhaftcn Brisas]. Anßcr drm Conccrrgcber wirkten in dem Friizcffcbcn Quintett die Herren Eugénc Baudot, Richard Müller, Berthold chke und Ludwig Hirschberg erfolgreich zu einem klatigroll schönen Ganzen mit. Die Leistrmgen dcs Philharmonischen Orwcsters, Welches den orchestralen Theil des Concerts unter Leitung drs bewährten Hof-Kapcllmeistcrs Seifriz cxekutirtr, Wurden allrn Anforderungen gerecht und fanden dcrdirntcrmaßcn allseitig eine bei- fange Aufnahme.
Bei dem morgen, Abends 7 Uhr, in dcr Dreifaltigkeits- kirche stattfindenden, Kirche„n-Conccrt mit Militärmusik (Billers zu 1144 bei dem _Kuiter der Kirche, Kanonicrstr. 5, und m der Expedition der „Deutjcben Militär-Musiker-Zeitung“, Linden- straße 106 werden' die Concert-Opernsängerinnen Frl. Cale und Frl. von alitzka mitwirken.
Circus _chz. In den nächsten Tagen wird Hr. Di- rektor Renz eme „neue sensationelle Piéce zur Darstellung brin- gen und zwar die vor einigen dreißig Jahren im Renzscben Circus Vor dem Brandenburger Thore mit so großem Bei- f"a11 aufgenowinenen .Trcmplinsprünge' durch Feuerreifen und uber 30 vollstandig armirte Soldaten, die, während der Salto mor- tales„ uber ihren Köpfen, i_hre Gewehre entladen werden. Bei den vorziiglicden Kräften der Geielisckpaft, namentlich im Farbe der Gym- nastik, durfte diese von Hrn. Renz selbst in Scene gesetzte Piéce ,sich
Eifer thätig gewesen, aber auch Deutschland,wo 1823 die Berliner, 1828 die
wiederum großcn Beifalis erfreuen. .» «»
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