1883 / 35 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger, Fri, 09 Feb 1883 18:00:01 GMT) scan diff

richten der Zeitgenossen,“ Leipzig bei Fr. Duncker, ferner:

Nawenregister und chronologisches Urkundenverzeicbniß zu dem 4. Ba' de der deutschen Reichstagsakten (ReichstagSakten König Ruprechts. Band ].). Gotha bei Perthes.

Herquet: Urkundenbuch des Klosters Arnßein a. L. Erster Halbband (1142-1446). Wiesbaden bei Limbartb. 1883. S HZZel1cxlr: Ein Apostel der Wiedertäufer. Leipzig bei

. trze.

Koser: Für die Königliche, Akademie der Wisspnschaften: „Politische Correspondenz Friedrichs des Großen“. Band 7111. und 1x. Berlin bei A. Duncker.

von MülVLrstedt: (Joäsx äiplomaticus ölvooswbiauuz.

Erstes Heft des dritten Bandes. Magdeburg. bei Baensch.

Wapthjbuck) des auSgestorbenen Adels der Provinz Sachsen. 5. Heft. Nürnberg bei Bauer u. Raépe.

Herausaahe der von weiland Grafen zu Stolbera abge- faßtcn urkundlichen Geschichte des Hauses Stolberg. 16 Bogen des .»rsten Bandeßx

Philippiqumasberg): Preußisches Urkundenbuch. Po- litische Abtheilung Band ]., erste Hälfte. Köningerg i. Pr. Hartungiche Verlagsdruckerei.

Sattler: Personenreßister zum Sudendorfschen Urkunden- buche. Hannovex bei Karl Rümpler.

Salzer: DW ält-sien Lehnsbücher der H-rrfchaft Volan- den'. Wusbaden b'ei Niedner. Hieran reihen sich nachfolgende, the1ls mößere, th-ils kleinere Publikationen und Auisäße.

Bär: „Geschichte der luthe'rischen Gemeinde der "Stadt Posen“, „Johannes a Laßco, cin Reformator Polenéx“, „Der Bericht eines Augenzeugen über die Schlacht bei Pitschen“, „Die Bamberger bei Posen“ in der Zeitschrift für die Ge- schichte und Landeskunde der Provinz Posen. ].

Friedensburq: „Zur Kritik der bistmja 4agu5ta des Albe1tino Muffato“ in den Forschungen zur deutschen GL- schichte. );)(111.

Friedlasnder: „Urkundliche Beiträge zur Geschichte von Nheivland und Westfalen 11. Stadt DuiBburg“ in der Moxmts- schrift für die Geschichte Westdeutschlands 711., ferner „Vro- tokoU über die Kontributionen und Kriegtskosten des Ober- Barnimschen Kreise's aus den Jahren 1630/34“ in den Mär- kischen Forschungen )(711.

_ Grünhaaen: „Die Zeit Herzog Heinrichs 111. von Schle- sien 1241-1266“ und „die Cyronologie des lcßten Kremzngs TJö7*.i51M§Zc)k)ann§3 von Böhmen“ in der schlesischen chtschrlst d. .

Hmleß: „AUS dem Leben eines nacbgeborenen Cleviichen FürstenfohneH“ (Philipps von Cleoe “Z- 1505) in der Zeit- schrift des Bergischén GeschichtSUc-reins )()711.

Hegert: „Märkische FischerebUrkunde-n“ in den Märkisckyen Forschungkn KM]]. und „Dre Land: und AppsUationsgerickzts- ordmmg für die Herrschaften Lauenburg und Bütow vom 26. Okiobcr 1662“ in der Zeitschrift für preußische Geschichte und Landeskunde.

Herquct: „Ueber die Echtheit deXersia-n Kaiserlichen Lehen- briefes für Ostfrie»:land von 1454 und sein Verhältniß zu den beiden anderen von 1463 und 1464“ im Jahrbuch der Geselisciiaft fiir bilrende Knust und vaterlanwiscbe Ylterthümer zu Emdsn 17. und „Der Braunschmig1sch=Ostfriesische Adels- orden dcr trsuen Freumschaft“ in der Zeitschrift für die Ge- schichte Niedersachsen?»

KeÜer: „Zur Geschichte, der Wiedertäufer Nac!) dem Uuter- gang des Münsterschsn KömgrcichH“ in der westosutschen Zeit- schrift für Geschichte und Kunst.

. Kosex: „Friedrich der Große im Jahrzehnt vor dem siebenjahrmen Kriege“ im historischen Taschenbuch 71. Folge. Bd. 2. „Das politische Testamc-nt Karl?- von Lothringen (16 1687“ ni vox) Eybels historischer Zeiischrift Bd. 48. „lBtYFraphre Friedrichs des Großen“ in der fchwsdischen Emcy- ( opa ie.

Meinardus: „Die Verhandlungen des Schmalkaldischen Bundes vom 14. bis 18. Februar 1539 in Frankfurt a. M.“ m 591) Forschungen zur deutschen Geschichte )()(11. „Hameler Gesch1ch1_2queUen“ l_md „Der_ historische Kern der Harmler Rattemangersage“ m der Zeitschrift des historischen Vereins für Niedermchsen.

Meyex: „Die Deutschen der Provivz Poss" geaenüber

dem polnischen Aufstqnd' im Jahre 1848“, „Friidrich der Große und der NBSDLÜL'LÜ“ in der Zei1ichrift für die Ge- schichte und Landeskunde der Provinz Posen. ]. „Briefe des Kurfürsten Albrecht Achiües an die Verwalter der Mark Bran- denburg 1470-1485“ in der Zeitschrift für preußischeGeschichte und Landeskunde. _ von 'Mülverste'dt: „Vor hundert Jahren aus einer harzi- 1chen Résidenz. Die Einführung des Stiftshauptmanns von Berg in Quedlinhurg (16 1774“ in der Zyitschrift des Harz- verems I?. „Die Amtshauptleute und Landiäthe im Reqie- rungsbezirk Marienwerder“ und „Zur Militärgeschichte Wesi- preußens. Tas Jüsiliék=R9ginietit von Rohr“ in der histori- scken Zellschk1st jür den ngierunxiSVezirk Marienwerder )']. „U'eher ' das von Vrandt'fche Stammbuch in Dessau“ in der Zeit1chr1ft des anhaltschen GeschichtSV-reins.

_ Panzzr: „Die Eroberung Britanniens durch die Römer th auf die Statthalterschaft des Agricola“ in Dkk dem Ge- heimen Rigierungs Rall) Professor Arnold Schäfer gewid- me'ten Jubilaum-Zfchrixt „Historische Untsrsuchungen“, Bonn ber Strquß.

Ph111ppi (Münster): „_Zur Rekonstruktion der Weltkarte dcs Agrippa“ 11) de_r vorbeze chneten Jubiläumsscxrift.

Bd Z.Zauer Friedrich 11.“ in den Preußischen Jahrbüchern.

_ Pjoienhauer: „Schlesier als Rcktoren der Universität Leipzig""m dem _1. Jahrhun ext ihrsS Bestehens“ in der Zeit: schrift tur Geschichte und_ Alterthum Schlesiens ZN].

' 'Seüo: „Zur Geschichte Beilins im Mittelalter“. - Be- richtigungen Und Nßchtkaii€ zu: „Die Gerichtsverfassung und _das SQöffenrcxhtBerlm-s bis zur Mitte des 15 Jahrhunderts“ m den Märkirchcn Forschungén )(?11. „Der Fxldzug Burg: grafFriedrichs vgn Nürnberg im Februar 1414“ und „Die Einfälle der Husnten 111 Die Mark Brandenburg und ihre qusteüizng in dxr' Märktsckxen GeschichtSschreibung“ in der Zetlstbkifl iür preußische Geschichte und Landeskunde.

thlMünI „Excerpte aus anscheinend verloren gegangenen OHnabrücker Chroniken.“ Besprochen und mitgetheilt in den Mittheiiungen des Vereins für Geschichte und Landeskunde vo_n OLnabrück; sowie „11. Nachtrag zum Verzeichnisse der Yiblwti-ek und handschriftlichen Sammlungen des Vereins fur Geschichte und Landeskunde von Osnabrück“. Osnabrück bei Kissling, “'

Warschauer: „Elias Zachert. Nachricht von der Stadt Mefer1ß,“ zum größten Theil heraUSgegeben in der Zeitschrift

Posen“ ebendaselbfi.

und Landeskunde.

Außxroenx haben Archivbeamte in verschiedenen periodi- schxn Zntschnften kleinere Mittheilungen, Necenstonen und Bucheranzetgen, insbesondere in der „Allgemeinen deut- schen Biographie“ zahlreiche Artikel erscheinen lassen.

Amtliche Berichte aus den Königlichen Kunstsammlungen.

(Al_ls „dem. Jabxbucb der Königiicb Preußischen Kunstsammlungen. Ericbcmt vrerteljabxlick) zum Preise von 30 ck!- für den Jahrgang in der Wctdmannskhen Buchhandlung zu Berlin.)

]. Königliche Museen in Berlin. 13. Sammlungen der Skulpturen und GipSabgüsse.

(Fortseyung) , 11. Abtheilung der mrttelalterlichen und Renaissanceskulpturen.

An Originalskulvturen Wurden erworben:

]) Die bemalte Tbonbüste der heil. Katharina von Siena, etwas unter Lebensgröße; eine toékaniscbe Arbeit vom AuSgange des F?. Jahrhunderts; vielleicht von Matteo Civitale.

2) Die bemalte_und vergoldete Tkonftatuctte der bl. Maria von Egyptcn; sehr wahr1cheinlich eine Arbeit des Andrea del Vkrrocchio.

Unter einigen kleineren Abgüffen, welcbe für die Abjbeilung ge- wonnen wurden, befindet sick) das Relief dss Kcntaurenkampfes, die bekannte Jugendarbeit Michelangelo's im Pal. Buonarroti. Ferner sin"d zicht kleine Flackdreliefs mit Lowenköpfcn von Ghibcrti von der Nuck1eite dsr nördlichen Thür dcs Baptisteriums in Florenz, sowie einige fleinere Büsten dcs Quattrocento zu nennen.

_ Erkan sebr erfreulicbcn Zuwachs erhielt die Abtbcilung durch ein (Gewbenk dcs Hrn. Ox-kar Hainaucr, die verfilbkrte Bronzestatuette dss hl Petrus, in etwa dritfck Leiu-nsgkößc; cine tüchtige venezianisckpe Arbeit vom Ende de;“ fünfzcbntcn Jabrkunderts in dsr Art der Lom- bardi, als Bronze von großer Seltenheit. V d o e.

0. Antiquarium.

Es Wurden erworben:

,1) An Bronzen: aus Tarent cine Kricgerstaiuetfe; aus dem Gckzcte der Peligncr cin Hörkules Jovius oder jugendlicher Jupiter, aus Enurien ein kleiner Herkules mit dem Löwen- fell als Sck-urz umgescblungen , von fein archaiscvem Stil; fxrner aus .K'li'inafic'n ein? große Lampe mit Pantbcrkopf; aus Delphi eme czrchaisbk Zeux(?)statu«'ttc. Endlich als Hauptstück ein Relief (wabticbciniicb von eincr SpisgelkuvscZ aus Epirus mit der wohl altesten Darsteüung von Eros und Pw e.

2) Von Terracotien ist eiwäiyncnswcrtk) nur eine größkre wéiblicbe Maske aus Tarent.

3) An qcschni1tcnen Steinen Wurde die Sammlung durch weitere sech interessante Stücke der ält.sten “Art aus Krsta bereichert; be- sonders bervvrzubkben cine kniecnde boarnsxbießende Frau (Artkmis?) -_ Ferner ein fkin archaischer Karneol aus Grie-Mnlan'o, mit dem Bilde eines Sticker“; und ein solcher mit der Kopie der Athena Par- thenos des Pbidias, sowie ein Jaspis mit Zéus, vor dem ein schlansxenbeinigsr Gigant s1ch windet.

4) Endlich ging der Sammlung wieder ein vollständiger Grab- fund aus dsr PoUed-rara bei Vulci zu: ck War eine t0mbs. a ])0220 mit einer Reihe altertbümlicbcr (Hifäße und Bronzen.

, Dre Sammlung rbodisctzer Altcrthümxr fand in diesem Quartal ihre defimiive AufstiÜung in einem neuen SÖranke. E. Curtius.

1). Münzkabinet.

Jm Viartc-ljabr Juii bis Septnnber hatte das Münzkabinet wiedkrum einige Gcscbenke zu verzeicknen. S&Kaiicttliäoe und König- liche Hobqit, der Hohe Protektor, überwies zwei Denarc VLS Burg- grafen Friedrich 7. von Hohenzollkrn, des Vaters des Kurfürsten Friedrioo ]. von Vranrcnburg, trclciéc» aux; eivcm in Franken ge- txiacbten Fuyde stammc'n. Herr Freibcrr von Saurma acstattcte aus Emir Anzahl antier Münzen, Welche cr aus Egvvten mitaebrackyt, die dem Münzkabinxt seblcx-dkn 9 Stücke außzuwäblen, und Se.ExceUenz Gxavaedom 1chenkte eincn Bwnzcmedaiüon von 159; mit den Budmmn Philipps 11. von Spanien und seines Feldhcrrn Pyrrhus Malvezzi von Bologna.

Untc-x den Ankäufen zeichnen ficbvicr skltene Münzcn aus: ein mczcedonichos _Octadrackomon aus der ältesten Zeit der Münz- Pragung; xbcnfalis maccdonisch ist eine scböne Silbermünze von Texone; eme von Abdera hat auf der Vorderseite ein büpfendes Madchen mit dem Kalatbos auf dem Hauvte und cinem kurzen fltegepden (Jemand. “_Qas nur bis Über die Mitte des Lkibes reicht. Miiltxrgen bat in die]er Figur die „0.1.77; in Beziehung aufden Namen des_pragenden Beamiexi Molpagoraé- )("ka wolien; allein dawider spttaot, daß solche Beziobungen auf die Namen nicht in den Typen, syndsrn nur m den kleinen Beizeicben derselben zu suchen smd, denn die Typen wurden von Staatswkgen festgestellt. AUT) konnte wohl die ““./27";- der_ vom T'anz begleitete Gesang, nicht daraestsllt Werden. Dieselhe anzerin_mtt dsm Kalatbos und kurzem Gewandc, Welche fick) „haufig m anttkén DarsteUunaen wicdcrfindet, wird jetzt wvbl richtig aus den xaLa-No'xk); genannten Tanz bc'zogen (s. Stephani: Sowxmz renäu (18 1a commisgiou imp. awbéqlogique 1865 S 60). Bemerkenstverth ist (ine kleine unedirte Broniemijnze mit dem Kopf desstApoU und einem weiblichen, neben Mlckoem die deutliche Auf- schckr17t87D01T4UQ steht. Föroxä9ych 5/20; axx-F kommt in der Hymeriscben Hymne an ApyÜo Delius (v. 35) vor; die von Jlaen in seiner Au§gaixe der Homerixchcn Hymnen angenommek-e Emendation (;;-MUZ");- Wird durch unsere Münze widerlcgt Autokancs ist ohne Zweifel das "sonst Kane oder Kanes gsnannte Vorgebirge in Aeolis, Lesbos gegenuber, an welchem die von Schriftstelicrn öftsr gen.;nnte St_adt Kane" oder Kanae lag, niclcbe bier zuerst in die Reibe der Pragcnden tritt; sie hat gleich dem Vorgebirge zivei Namcn. gehabt, Kane_und Autofans. Dieie Münze irt auI eincr her Sammlungen, wc-lcbe durcb freundliche Vermittlung des Herrn Konsuls Tettenborn in Smyrna uns zukatxiext. Die m_blkeiäoen daraus gcträixlten Münzen füÜten in xccht crwun'chter Weije Lücken unserer Reibin; außer der eben [*e- 1prochenen rz*arcn_noch einige andere von Werth darunter, z. B eine uncdirte_ Ka1s€rm_unze von Ninive-Claudiopolis, und eine untcr Cara- caÜa tn Caeiarea aeprägte, mit der seltsamen Aufschrift 510 041335131170 RUAG? und dt Jabrzabl ][" , 13. Sie bezieht fick) auf den Tod _des Septimius cherus, Welcker im dreizehnten Jahre der Mitremerung seines Sohnes Caracalla starb. An römmben Münzen gewann die Sammlung eine goldene des Severus Alexaknder, von Welcher bisher "nur ein Exemplar bekannt War, unh cintge zum Theil interesante Exagia, bronzene Normal- gewiÖtc für die Goldmünzen. Untex den neueren Münzen befindet fick) eine seltene Prokemünze deZ polninben Königs Michael WiLnowiecki, Wklck)? nicht zur Aus- pragung gelangt ist, und ein Halbtbalcr von Danzig aus der Be- lagerung von 1577, leider skbr schlecht erhalten, aber gleich alien Notbmünzen selten._Als selten ist ebenso eine Probemünze von GoElgr 1516 zu erwabnen, dcr Abschlag der Stempel eines Groschens, auf ein dickes Silberstück geprägt.

J. Friedländer.

(Fortsetzung folgt.)

für Geschichte und Landeskunde der Provinz Posen und

„Beiträge zur Verfassungs- und Kulturgeschichte der Stadt

Winter: „Die Märkischen Stände zur Zeit ihrer höchsten Blütbe 1540-1550“ in der Zeitschrift für preußische Geschichte

dem Pastor von Bodelschwingh der LandtqZSabgeordnete von Hülsen- Merseburg das Korreferat, zum Schluß folgende Thesen als Reso- lution der Versammlyng vorschlaaend:

„4. Die biébengen freiwilligen Vereine genen Bettelei haben fich nur dann 913 nüßlich erwiesen, wenn fie Unterstüßungen der Regel nach nur in Najuralten (Obdach, Speisung, Kleidung) und nur gegen eine Arheiisleistung gexväbrt haben. Die Hauptscbwierig- lex! dwird hierbei in der Beicbaffung von Arbeitsgelegenbeiten ge n en.

13. Daher wird zunächst ein Zusammenwirken der Staatkregierung, der Organe der Selbstvenvaltung (Provinzen, Kreise, Gemeinden) und der freien Liebestbätigkeit in der Weise erforderlich, daß:

a. die freie Liebeétbätikeit, unterstützt von den Provinzial- ben». Kreisverbänden, zur Beiwaffuna von Arbeitégelegenheit, ländliche Arbeiterkolonien für größere Distrikte ins Leben ruft, in Welchem eine fittlich-religiöie Einwirkung auf die Kolonisten möglich ist; sodann mit größter Energie die Einrichtung von Herbergen zur Heimat!) be- treibt und die richtigen Persönlichkeitcn für dieselben liefert;

1). 'die Organe der Selkstverwaltung nacb einbcitlict'en Regeln Natural“Verpflegungsstatiotcn in Stad_t und Land einrichten;

0. als ein nachahmecswertbes Bei1piel empfiehlt die Versamm- lZm? tdie Ackerbaukolonie Wilbeldeorf der Beachtung aller Be- t ei ia en."

Diese Resolution fand einstimmige Annahme.“

Usher den zweiten Gegenstand der gestrigen Tageéordnunq: „Wie kann der nicht genügend kuljivirte Boden (Moor, Bruch, Sand) besser wie bisher benutzt Werden?“ referxrten die Herren Gutsbxsißer und Landtagsabgeordneter Scbuly-Lupitz und Fr-iberr von Massen- bacb-Pinne. Die Ausführurgen wiegeln sich in folaender Resolution:

„Der Kongreß citbeilt 1cimm Auéschuß den Auftrag dahin wir- ken zu Wollen, daß ,

1) die bessere Benutzung _ker nc_cb nicht gcnüßcnd kultwirten Niederungsmoore ermöge det Rtmpuu'ickxiZn Dammkultur unter Beob- achtung eincs Wanerbausbaltcs, wo ctsctdcriicb. auf Grund des xreußischen Geiexes rom 1.21pril1879, eine Förderung erfahre; a

2) die Beschlüsse des kcutichcn L_andrviübscbafkratkeS in Betrcff des Antracxcs auf cin Reick'LWasicracwy aus den Jahren 1875 und 1880 kräftig unterstützt Werden; daß

3) die bessere Benutzung des Sandhodcns auf Grund der Vor- sck1äge von Schu1xz = LupitZ einer allxcitigen Prüfung unterzogen Werde; daß

4) die Sicherunxx dcr Kali- und in spczcis Kainiilager für die deutsOe Landwirtschaft in angemcffener Wciie [)“-wirkt wirke; daß

lichen Dungstoffe auf da? zuläsfisxc Minimum berabgesetzt Werden.“

Disse R solution wurde mit einem von Hrn. von Dicft Daber proponirten Zusatz anßenommcn, dahin gebend, daß dic Resolution unter Biiligung dcr darin aus;“.esprocbcnen Grundiäye dem Ausschuß zur ivcitcren Verfoxgung und Berichterstattung im nächsten Jahre überwiesen Mr_dcn 1011.

Den näch_110n Gegenstand der Tagesordnung: „Die Baucrnvereinc, deren Organi1ation nnd event. Gsmeinsamkcit', leitete der Abg. [)r. Frhr. von Schorlcmer-Alst als Referent cin. Derseibs befürwortete folgende einstimmig angxnvmmene Resoluiion:

„Der Kongreß deuticher Landwirtbe empstkiUt dringend die Bil- dung von Bancrnvexeinen fü. dis cirzelnen Landeétbeile, zur Erhal- tung des Bauernstandes und Wahrnehmung seiner Jntereffen. Der Kongreß erscheint zur Z:it_als der geeignetste Centralpunkt, um die dem Gruwdbesiße im DquÖcn Vqterlande Ncmeinsamen Beschwerden zum Aurdruck zu bringen und mit aüscikixr Unterstützung, wozu hierdurch die Aufforderupg ergeht, auf deren Abbülfe hinzuwirken.“

Den letzten s€,unit der Tagesordnung bildete ein Referat des Landtagsabgeordneen Mooren-Eup21t iiber das Thema: „Welche Schäden entstehen durch die Eismerbefrcibeit in Stadt und Lar-d und wie ist densrlben abzuhelfen?“ Zu diesem Referat wurde folgende vom Ausschuß vorgeschlagene Resolution angenommen:

.Die )(17. Hauptversammlung des Kongrcffes Deutscher Land- wirtbe in Erwäaung:

das; die Jntcreffcn der Produktivstände, Hand in Hand gebend, durcb di? fortdauernden Witkunacn der libkralen Manchcsterscbule glcickxmäßig in Mitleidenschaft gczogen Werden; daß kesondsrs dex znblreicthandwcrkerstand durch die traurigen Folgen kcr „Geworbesrcibeit“ schwer geschädigt wird, weil diese io,“.cnannte Freibcit in den Wesentlichsten Punkten sowohl das natiiklichc Affoziationsrkcbt als den Schutz der ehrlichen Arbeit verkennt und dadurch lclxtcre indirekt immer mehr unter die Botmäßigkeit des Kapitglisxnus bringt; das; hierdurch schließlich der Kampf Aller gegen Alle her- beigeführt wird; _ daß korvorative Verkgnde ihrer ganzen Natur nach gegen diese bcdrobliÖe ErsÖc-inung xine feste Stütze bilden, überhaupt cine Wertbvolle Stärkung der tnnxrcn Volkskräfte [)erbeifübrcn; Z'cgr'ük'zt in voller Sympathie alle Bestrebungen, welche darauf rnzic en: die obligatorischen Innungen im dcutscbxn Handwerke anzubahnen und auf zeitgemäßer Grundlage wieder aufzubauen, das Handwerk zu hsbcn, cinen tüchtigen Mcist'crstand im Handwcrk zu erhalten, und wo er bereits fsblt, wieder heranzubilden.“ Alsvann schloß der Vorfißende Oekonomie-Rath SÖüiZe den Kongreß, wie er ikn eröffnet hatte, mit einem Hoch auf Se. Ma- jestät den Kaiser. ck

In) Königlichen Opernhause ging gestern Abend die Neßler'1che Oper „Dcr Rattenfängkr von Hameln“ nsueinstudirt wieder in Scene. Die_ Aufnahme war eine bei Weitem günstigere als bei der etsiz-n Aufführuwg, ohne Zweifel b sondkrs in Folge der veränderten Beießung dec Titelrolie, deren Anforderungen Hr. Bex; aUerdings gesanglich mehr gerecht zu werden wermocbte, wie er denn auch mit 1einer l'er'rlickxen, gexmgenen Cantilene als Liedersänger vielen und wohlverdienten Bei'all erntkte, wäbrcnd dem boch geschätzten Künstler äußeriicb die_ vollkommene Verkörperung des leicbtlebigen und lustigen, abcr damoniycben Spielmanns nicht in gleicher Wcise qelana. In dieser Beziehung füllt Hr. Oberbaufer die Rolle des Singuf entschieden glücklicher aus, und der Erfolg, dcn der so erfreulich ent- wickelte Sänger bei dcr gestrigen Wickeraufnabmc der Oper darin batxe._rrar ein vollständiger Eine vortreffliche Maske, ckakak- tc;ri1ti1chcs Kostüm und ein fcin ausgearbeititcs Spiel untexstüßten die gesanglick-e Leistung sehr Wescntlicb. Daffelbc Lob läßt sich freilich der yeucn, Gertrud, Frl. Bccjk), nicbt spendcn: sie vermag ihre Vorgangerm, Fr. Mallipger, keinek-kregs zu erfcyen, weder im Spiel, das noch Zußerordentlick) Vikl zu wünschen übrig läßt, noch in Maler" Hinncbt; rveit ansprechxndkr war Frl. Panck ais ngina. Die ubiige Besetzung irak dienlbe gcblieben; namentlich fand Hr Kroiop als Kanonikus Rbynpeka wisder viclcn Beifal], ebenso Frl. Hyrtna gls Base Dorothea. Ohne Zweifel wird das hübsche Lieder- ipiel, wie man, dre mebr lyriich as dramatisch veranlagte Oper nennen, möcbtx, tn “rer vorzüglichcn Besexung dcr Titelroüe nun noch recht Viele Wiekcrbolungen finden und sich verdientirmaßen Freunde erwerben; nur könnte ka? 3x) Stunde erfordcrnde Werk zum eignen Vortheil wohl etwas gekürzt werden.

Concerthaus. AufdemProaramm des morgigen Beethoven-

Abends stebt_u. A. die 0-111011 Symphonie und das Septett (mit mehrfacher Bejeßung der Streickp-Jnstmmente).

Redacteur : R i e d e [.

Verlag der Expedition (Kessel). Druck: W. ElSner. Vier Beilagen

Berlin:

Ja der gestrigxn Hauptversammlung des Kongresses deuticber Landwirthe erstattete über das Vagabundenwesen nacb

(einscb ließlicb Börsen-Beilaae).

5) die Eisenbahnfrackxten für die zum Bodcnbausbalt erforder-

„YZZZ.

Erste Beilage zum Deutschen Reichs-Anzeiger und Königlich Preußischen Staats-Llnzcigcr.

Berlin, Freitag, den 9. Februar

18Z3-

*

Jichtamtliches.

Preußen. Berlin, 9. Februar. Im weiteren Verlaufe der gestrigen (48) Sisunq des Reichstags wurde die zweite Verotbunn des Entwurfs eines Gesetzes, betr. die Feststellung des Reichsbaushajts-Etats für das Etatsjabr 1883/84 mit der Diskussion des Etats der Zölle und Verbrauchssteuern (Einnahmen Kap 1 Titel 2) fortgesetzt. Zu Titel 2 (Tabacksteuer) hatten die Abgg. Sander und Genossen folgenden Antrag “,ingebracht:

Der Reichstag wolle beschließen:

den Reichskanzler zu ersuchen, beim Bundesrats) zu beantragen: ,die in den §§. 30 und 31 des Gesetzes, betreffend die Be- steuerung kes Tabacks. vom 16. Juli 1879, festgesetzten Ausfuidr- Yexgürungssäye nunmehr in vollem Umfang zur Einführung zu rinnen“. Der Kommission hatte dieser Antrag nicht vorgelegen, doch hatte sie ihren Referenten Abg. von Wedell-Malchow_ beguf- tragt, die Reich6r9qierung zu bitten, baldmöglichst tmt einer angemessenen Eihövuna der Bonifikation im Interesse der Tabackbauer und Fabrikanten vorzuaphxsn. Da der Bundes- rath einmal das Recht habe, den Zc-itpunkx 13er höherezi Boni- fikation zu bestimmen, so habe die Komnnssron sich nicht ent: schließen können, ein- sofortige Erhöhung zu beantraaen, Wie es der Antrag Sander beabsichtige. Sie habe dxn Neferxnten noch beauftragt, die Regierung zu ersuchen, dahin zu w1rken,_ daß die Einzelstaaten, welche den Vcrsteuerungßmodus mrttelft Blättxrziihlunq noch nicht aufgegeben haben, imJntereffe einer einbxitltchen Steuernethode dem genaueren und bkquemeren Systxm der Gewichtsichäßuna fich anschließen möchten.

Der Abg. Sander befürwortete seinen Antrag. Der Bu: deSrath habe durch Beschluß vom, NoviZytber vorigen Jahres eine höhere Rückvergütung für mländidchs Fabrikate festgefeßt, aber für Fabrikate aus aquändtschen Tabacken babe derselbe es noch nicht für anae:eiat erachet, auf die ErfülJung des Gkskßks vom 16. Juli 1879 einzugehen. Die Ausrubk vergütunaen seien auf das dem Steueriaße fiir dasZghr 1880 Entsprkchende Maß erhöl) worden. In der Kommqnyn habe der Vertreter dkr Regierung es für unmöglich weitkrzugehen erklärt, weil sonst für große Mannen von inländischem Rohtaback aus der ]880_er Ernie die Gelegenheit zur Erlangung eincr Yuswhrpränne gewährt werden würde. Die Behauptung, da); noch große Vorräthe aus der 188031? Ernte vorhanden seien, entbehrten jeden thatsächlichen Grundes. Die Ernte voii 1879 aiif 1880 sei eine äußerst geringe gewesen, sie habe cm Eraebmß von nur 454 000 Ctr. gehabt. 1880 sei von dieser Ernte wsnig mehr vorhanden gewssen; in diessm Jahr, wo zum ersten Mal die höhere Steuer erhoben sei, seien viel größere Flächen bepflanzt worden, und das Erträgniß demgemäß Lin reichltcheres gkwesen, es seien 800 000 Ctr. geerntet. Die Folge des Tabaksteuer- geseßes sei aber gewesen, daß nunmehr in Dyuticblaztd in der Fabrikation sehr viel inländifch« r Taback viraibeitet sei, währenp die Fabrikation aus ausländischem Taback zurückgegangen set. Während fxüher ungefähr zroei Drittel der Fabrikate aus ausländischem Taback, ein Drittel aus inländischem her- gestel1t sei, dürfte jeßt das Verhältnis; io stehsn, daß 700 000 Ctr. aus ausländischem und ebenso viel all_s inländiscbsm Taback vkrarbeitet werde. Es sei klar, das;, wenn 800000 Ctr. produzirt, und 700000 Ctr. in deniseibqti Jahre verarbeitst seien, davon später_ nichts_ mehr übrig bleiben könne. Die Ernte von 1880 exiitire al1o nicbt mehx. Den Grund der verminderten Tabackeinfuhr 1115176 812 Rexxierung einmal auf das Vorhandensßin aiter Tabacke und ferner auf den verminderten Konsum zurück. Als Haupt- grund dafür gxlte seiner Partei vor allen Dingsn der Schuß- zol], und die Mehrverarbeimnn von inläydischemTaback, sowie der gänzliche Rückgang des Expor's, der sich von 1876, W der- selbe.74 000 Ctr, betragen,!)is 1882 auf 32 000Ctr. vsrmmdert habe. Auch der Schnnmgel an der holländischen Grenzehabe LTW?- dazu beigetragen. Fer er bebanpte die Regierung, es; seien noch große Vorräthe von Ciaarren vorhanden. “Wohl m den Räumen der Kaiserlichen Tabackmanufaktux in Straßburg, wo sie ein friedliches Dasein führten. Er sei ühexzeugt, daß die Re,]iérung davon Kenntniß baby, allein dteie Ctgzirren seien jedenfaUs nur nicht rechtexpornijhig. Jedenfalls durfxen sie nicht mit Ursprungszeugniffen verjehen werden; de::„n ihr Ruhm gehe weit über die Grenzen Deutschlands hinaus. Man gebe sich vergeblich aße Mühe, sie ins Ayslqnd zu schicken, und zwar sollten sie nach Belgien gehen, - viellé-xchi mxt der bklgifchen Expedition, nm die Widerstandsfahrgkett der Neger an den Ufern des Kongo zu prüfen, Solis aber die Privatindustrie für die Sünden der _StaatJ- industrie büßén? Man hätte die Straßburger Tahackmdustrie unter amtliche Kontrole stellen sollen; Bei den 1p1gen Ver- hältnissen fkhle die Konkurrenzfäbiakett. Ein wichtxger Punkt beim Export sei auch noch die Rücksicht auf die axbeitende Klasse, deren Lage durch einen vermehrten Export miedeyge- hoben würde, und Arbeit geben sei doch noch nothnxend'xger als Arbeitsbückzer geben. Die Reichskasse würde daher keinen Schaden haben. Sollte aUerdings troß aÜedem 13er Bunch- rath nicht entgegenkommend sein, so dürfe es nicht Wuiider nehmen, wenn diese Verzögerung immer zmd insxner Wieder Fiitchder Einführung des Tabackmonopols m Vexbmdung ge-

ra t wsrde.

Der BundeE-kommiffar Geheime Ober-Negierunns-Rath Boccius entgegnete, durch den BundeSrathsbcsch1uß vom 23. November 1882 seien seit dem 1. Dezxmber dcffßlben Jahres die Steuervergünmgssäße für Rohtaback und entxtppte Blätter, sowie für Fabrikate aus inländischer: Tabackblattern auf das dem Steuersaße für das Jahr 1880 entsprechende Maß erhöht worden. Die Antraasteller erklären diese vox- läufige Erhöhung für völlig ungetzügend und wollen, daß die Sleueroergütung sofort auf den 111 den_§§. 30 und 31 vor: gesehenen Saß gebraeht werde, so_daß xiisizesqtidere die Ver- gütung für Rohtaback und Fabrikate inlandifchen Tabacks nach dem Maße der Steuer von 1882 zu erfolgen hahen würde. ierzu scheine ihm eine genügende Veranlassung 111cht nachgewießn zu sein. Ein Export *aus der 1882er Ernte m größerem Umfange werde schwerlich m der zweiten Halfte des

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laufnden Jahres erfolgen. Andererseits aber würde die von den Antragstelb rn ins Auge aeiaßte Maßregkl voraussichtlich eine erhebliche Schädigung der Steuerkasse zur Folge haben. Im Widerspruch mit dem Vorredner gehe er davon aus, daß noch e1hebliche Vorräthe von der 80er Ernte und von Fabiikaten aus Rohtaback vorhanden sein müßten. Die Vergütung dieser Fabtikate nach dem Steuersaße von 1882 würye eine Schädiguna der Reichskaffe um mehrere hunderttau'end Mark herbeiführen. Außerdem seien noch er- behliche Vorräthe von Cii-arren vorhanden, welche auslän= dischen, zu dxm früheren nierrigen Zoüsaße veronten Taback enthalten Ob die Cigarren in Straßbnra liegen, sei ihm nicht bekannt. Uebe1haupt spiele die Rücksichtnahn-e auf die Stiaßburger Manufaktur, oder gar das zu erneuernde Mono- pol bci den Uebc-rlcgungcn des Bu-=desraths absolut keine RoUe. SZien aver jsne Ciaarronvocrätbe voxhanden, so em- pfehle es 1ich nicht, die Ausfuhrprämie fiir ausländisayen Ta- back zu erhöhen. Er könne dem Hause dLSUalb nur empfeh= [M, den Antrag abzulehnen. Eine fernere Erhöhunß der Vergüiungssäße fiir iniändischen und auch aiiéländiscben Ta- back Werde im Jut-reffe des inländischen Tabackvaues und der inländischen Tabackindustrie in Erwägung gyzoaen wer- den, sobald es möglich scheine, die bezeickxneien Maßnahmen ohnseßwesentliche Benachtheiligung der Steuerkaffe ins Werk zu e en.

Der Abg. Dr, Buhl erklärte, in seiner Heimatb, der Pfalz, sei man schon lange, aber vergeblich, dafür eingetreten, das Blätterzählon durch die Gewickytsabscha'ßung zu ersetzen. Die Form des Vlätterzäblkns habe sich vor zwei Jahren als völ1ia Un311lä11glich erwiesen. Allerdingsmüffe bei der Ge- wichthschäßunq mit großer Vorsicht verfahren werden, weil hierbei Steuer11achzablungen sehr 18icht eintreten können. Er glaube iiberhaupt, daß man dic ganzen Kontrolmaßrsgeln weniger scharf handhaben könne, ohne eine Schädigung des Fiskus durch Kontraventicnen befürchten zu miiffxn. Er komme nun zu dem von dem Abg. Sander und ihm gesteÜten Antrag. Damals, als das Geseß zu "Stande gekom: men ssi, babs der Regierungskommiffar erklärt, es sei angemcffcn, daß die Einführung der neuen Ver- gütungsgeskße nicht weiter hinausaeschoben werde, als durchaus erforderlich sei. Man dürfe keine aUzu lange Usbek- gangSperiode schaffen, da jedes Kilo Taback, welches aiZSge- fül)rt werde, durch hochveisteuerten Taback fiir den inländi1chcn Konsum erseßt werdén müsse. Er (Rednor) glaube, dxß an Stclie des ausgeführten Tabacks nicht im Inlande gebauter, sondern hauptsächlich fremder" treten werde; also spreche auch in dieser Beziehung das Interesse des Fiskus dafür, die ver- hältnißmäßia niedrigen Ausfubrvergütungenzu gcwäbrkn, und dafür sich hohe EingangszöUe bezahlen zu lassen. Die Ver- bältniffe in dieser Beziehung lägen in den verschicdencn deutjchen Tabackgebieten nicht gleich Baden mit seinen vielen Accise- beamten werde den steuerfreien Lagern leichter Konzessionen machen könnkn,aks Bayern; die Errichtung steuerfreier Niedex- lagen an Pläßen, die keine Hauptzollsteüen seien, werde schwierig sein, und den Händlern Bedingungen auferlegen, um de_rent- wiUen sie jc-ßt von der Errichtung dicser Niederlagen abiehen müßten. Ste müßten namentlich die nöthigcn Zoübeamten selbst bezahlen. Eine höherx Exportbonifikation _würde auch dazu dienen, daß die elsässischen Tabacke, die s1ch auf dem deutschen Markte noch nicht hätten einführen können,. ihren alten Markt behauptetén. Enolich würde eine derart1ge ac- waltsame Verschiebung der Preis?, wie sie durch eine zu späte Gewährung von Exportdoxiifikutionen eintrete, den Fabri- kanten dazu zwingen, statt des außländischen Tabacks inlän- dischen zu VSTWMDLU; dicser werdesich dann alxer später durch den ausländischen wieder schwer verdrängen lassen. Das fer für die ganze Einnahme aus der Tabacksteuer von größter Bedeutung. Er empfehle also dringend die Annahme des Antrags.

Der Abg. Kopier bxmerite, schon am ]9. Dezember 1881 Habe er Beschworden Über das Blätterzählen bei der'Taback- stsuerkontroic geführt. Diese Beschwerden würden 1§ßt vpn dem Berichterstatter neuerdings vorgebracht, und er schließe sick) denselbcn an mit der Bitte, das Blätterzählen, das sich als kostspielig und belästigend für die Produzenten, und unzxwer- lässig für die Steuerbehörde ermiesen habe, ganz zu beseitigen. Bezüglich der Steuerzahlung habe er am 19. _Dezember 1881 das Eriuchen gestclit, die Steuerbktréige mehr mehr an die einzelnen Aemter, in deren Bezirk _die Pro- duktionsorte liegen, sondern an dqs Amt, welches die Steuer- Kreditcettifikate autdestellt habe, im Ganzen zu zahlen. Der Regierunngommissar habe damals geantwortßt, dasz Erhebngen gemacht werden soÜten, um zu sehen, ob mes thunltch sLt, er bitte nun um Auskunft, ob diese Erhebungen stattgefunden und welche Resultate dieselben e_rgeben hgben. ,Er wolle., nun hier auch noch erwähnen, daß die Verschiedexiheix ,der Flachen: steuer gegenüber der Gewichtsbestxqerung „vielse1ttg Aniaß zu Beschwerden gebe. Da aber Petitionen in dieser Beziehtzng vorlägen, so behalte er sich vor, bei Beratbung derselben hier- auf näher einzugehen. Was nun den Antrag Sander und Konsorten betreffe, schließe er fick) den Ausführungen der Abgg. Sander und Dr. Buhl an. Redner machte geltend, daß die Regierung bis zum 1. Dezember 1882 mir die Steuerrückver- gütungssäße vergütet habe, die vor dem neuerx Steuxrgeseß von 1879 cxistirten und z. B. auf fermentirten 1nlandt__schen Roh- taback nur 31/2 „45 per 100 kg betragen haben, wahrend d1e Vrovuktion von 1880 20 „16, von _1881 30 «M, von 1882 45 «16 bezahlt hätte. Wenn nun die Remerung das, wgs sie m jener Zeit zu wenig rückvergüiet habe, in „Vergleich damit ziehe, was etwa jSHt, wenn die volie Rückverguxung so- fort eingeführt werde, auf 188,0 und 1881 Gewach zu viel vergütet werde, so würde sich ergeben, daß der Stxuer- fiskus dabei nicht aUcin keinen Nachtheü hahe, sondern sichex- [ich noch im Vortheil bleibe. Redner mies nch) auf em Referat hin, welches Hr. Bergmann aus Waldheim bet der Versammlung zu Hannover am 12. November 1882 gegeben habe, und woraus hervorgehe, daß der Export von Taback- bLättern und Fabrikaten, welche in You Jahren 1872 bis 1877 im Durchschnitt 204 035 Ctr. pro Jahr betragep habe, im Jahre 1881 auf 93 374 Ctr. heruntergesunkcn set.

Rcchne man von dem differirenden Gewicht 8 Mille Ciaarren auf einen Centner und nehme an, daß zwei Cigarrenarbeiter (ein Roller Und ein Wickelmacher) jährlich 125Mi11eCia1rri-n fertigen könnten, so ergebe sich, daß der verminderte Export: mindestens 2000 _Nrbeiter brovlos aemaÉt habe. DLS Export- gescbästs hätten iich schon jsst Hannd und Belgi'n meistens- bemächtigt, und wenn dasselbe für die dkutiche Industrie nicht ganz verloren gehen soUc, Dann sei es nöthig, Haß die 69116 Stxuerriickvergütung nach d„m Gesxß von 1879 alsbald ein- tritt, er bitte: desvalv, den qsteliten Antrag anzumthen,

Der Abg. Reinizier hat auch dringend, den Antrag Servder' anzunehmen. Derselbe ioÜe den deutschen Tabacksxwkkstärksn, und vor der Verdrän-xiuvg durch das Anx-land schüßm. Er halte auch alle Behauptungen, als ob die Tabackindxstxie bei; dsr Regierung nicht die genügende RMsicbtnahms finden würde, für unbegriindkt, denn es liege im woblverstxydsnm Jntercffs des Reiches und also auch der Regieruwa, die- Tabackvranche ja'ßt endlich etwas zur Ruhe kommen zu [affen- Aus diesem Gesicbthpunkt sei der Antrag qefieüt.

Der Abg. Goldschmidt bemerkte, er Melle nur k1175 das- ergänzen, was der Referent und der Abg. Kopsér in BERN auf den §. 6 des Tabackiisusrgestßss, nach welchem die Siouer- hihöL'NL befugt sei, vor dem Beginn der Ernte zu einx-r für den Inhaber des Grundstückss vsrbindlicbén Feststsüunz“; der Blätterzahl oder der Gewicthmenge zu schreiten, ausaeiiibrt babe, und auf diejsnigen Gkgenden hinweisen, in welch?" fust ansichlxeßlici) minderwerthige Taback? aemonnen würden Die Steuer sei in einzelnen (Hegénsen Schlesiens so hoch wie der Preis, der fiir den Taback erzielt werde, und oft noch höh-Zr. Trete nun die Erforderliche Arbeit zum Bläti-xrziiern hinzu, so werde der Etwaige und so geringe Gswmn von, dsr Steuer und der Art der Erhebung gänzlich aufgczehrtx. Die Erkxebung der Sienkr auf Grund der Fssistelluna der“ Blätter sei Durchaus unzuverlässig; sie würde, namentlich in Gegenden, wo nur mindern) rthigkr Taback gedeihe, den Tabac!- bau völlig unterdrücken. Er benéerke das hier, weil auf die Anfrage einer Stadt, fiir welche der Tabackbau chénsfraae sei, die Provinz-SkcxwrWhörde (Breslau) geantwortet l_wbe, es sei noch nicht entsciiisdsn, ob der frühere Exnichäßnngs- modus nach dem Gewicht beibehalten, oder die Einschßung nach Blättern eiimcfiivrt werden solle, weil man diescrhald Befürchtungen hege. ES wäre sehr dankenswerth von der RcichSrexzierung, wsnn fie dicse Ungewißheit im Sinne des Vorredners beseitigen wolite.

Der Abg. Frhr. von Minnigerode erklärte im Namen seiner politischen Freunde, daß auch seine Partei, tyie dieAn: tragsteller, möglichst bald normale Verlxältniffe hinnäitlick) de Tabackexportprämien wünsche. Andererieitß stiert abcr dieEr- klärungen der Regierungsvertreter durchaus konziiiant; und da die Regierung im Sinne der Antragsteller vorgehen wolle, sobald dies ohne Nach1heil für die Steuerfuss? geschehen 1611112, wolie seine Partei dies abwarten, und nicht 1th schon die Re- gierung zu einer endgültxgen Regelung der Sache drängen. Auch seien durch den Verzicht auf die Nachsteuer den) be- treffendén Interessénten bkrcit-Z genen 40 Miuionen Mark asc.- schenkt worden, so daß kein dringlicher Grund zur Klage fiir“ '.16 vorliege. Seine Partei werde chhalb nicht für dsn An:. trag stimmen. _ .

Nachdem die Abag. Reiniger und Kopier die [ZBW Be- hauptung des Abg. Frhr. von Minnigerode ais unzutréssend be- zeichnet hattkn, schloß die Debatte und wurde der TitZl bes- wiUigt. Die Abstimmung über den_Antcag Sander nndex“ erst bei der dritten Lesung des Etats itatt,

Titel 3 „Rübenzuckcrfteuer“ 44443 780 016

Der Referent Abg. von Wedell-Malchom empfahl einst- weilen die Genehmignng dieses ?Lnfchl.1g§; die anqe 5er Herabseßuüg der Export-Vonifikation werde demnachst den- Reickxstag speziell beschaftigen. DLL". Anschlag sei auf Grund dreijährigen Durchschnitts sehr vorsichtig berechnet.

DLT Aba. von Bennigssn bat, in em? weitere Berathung. der Rübenzuckerfteuerfrage heute 'nicht exnzutxcten, da nim- mehr eine Vorlage der Reichsregierung m sicherer Aussicht? stehe. _

In Folge dieser Anregung verztcbieten die Abgg. Loewe- (Berlin), Haerle und Fürst von Haßfeldt-Trachenberg aufs. Wort. Der Titel wurde bewiliigr. _,

Bei Tit. 4 (Salzsieuer) bemerkte der Abg. R1ckeri)„er habe,- in der Kommission bLT'Lits eine andere Yeradnschlazquna Zier“ Erträge der Salzsteuer gewünscht, doch set sem Aukrug „mcht- zur Annahme gekommon. Der Voxanichlag des Eta'tSFei um eine Million Mark zu niedrig; die m der Kommission von d€n RegierungSvertWtern hievüber_abgegebenen learungen hätten sich widerspxochon; erst str, gemiffermaßen zugi-geben worden, daß aus xechncrischen Gründen der Voranschlag zu; niedrig angeseßt ski, nachher habe aber dxr Regrerunxisweyxreter den Voranschlag fiir völlig rich1ig exklart. ES wurde Jedem: faÜs im Interesse einer korrekten Aufsteüung dsa"- Etatsitegem den Titel um 1 Mil1ion Mark zu erhöhen.

Der Bundeskommissar Geh. Rogierrixigs-Rath Neumann- bestritt, daß ein Widerspruch in den Erklaxumgxn der Bundes: koinmiffarien liege und behauptete,. 1)qu _die. Einnahmen aus. der Salzsteuer von der Regierung richng 1111. Etat veranschlagx seien. _ ,

Das aus genehmigte die Position.

Zu deöin nächsten Titel (Vranytxpeinßßuex) dxmxrkte der Abg. Uhden, schon im der Kommisnon ;er die :mßltchx LWL. der Branntweinvrenner besprochen worden. Der Riickaana der Steuerbejräge auf Vranntweinbreimereien von'41600000- 915 (1874/75) auf 34851 0004/16 (1881/82) beweffe d,": Ve- rechtigung disser Klage. Ob bei dieser 1n1ßltch211LagH d18n0ch durch eine schlechte Kartoffelernte verschlumuert werkze, die zm Etat veranlagte Branntweinsiener herauskomme, bleibeZahin- gestellt. Die großen Brenneremn legtxn mm hauvtigchl1ch Gewicht auf die Spiritusfabrixakion, wahxend dre klemere-«x. und mittleren mehr im Interesiz der Landwxrlbsxhast arbeitet:;n. Seit 1876 aber hätten etwa "554 yon den kleinen unkz__1n11t= leren Brennereien ihren Vet,cieb _etnste'lien müssen, wahxend. die Betriebe der großen B*„ennereiep sich FW;!) mehr erweitert hätten. Das sei eit) wirtbschaftlickier_Mißiiand. Solle „der Branntweinindustrie ni die Höhe geholfen werden, so musse

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