1883 / 57 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger, Wed, 07 Mar 1883 18:00:01 GMT) scan diff

rigen Periode erkennen läßt. Das zu Grunde gelegte Kartenne , tm Maßsiabe von 1 : 5000000 für die Haupttableaux, ermögli t zugleich fur die einzelnen Jahre 1838 bis„1880 die Vergleichung des jeweiligen Bestgndes an Eisenbahnen mit demjenigen des Schluß- jahres der Berichtsperiode, indem es das in leßterem erreichte Eisen- bahnnetz in, blauem Vordrucke andeutet und so das Bild der Ge- samnztentwrckelung während des behandelten Zeitraumes stets darbietet. Auf der Rückseite des Titelbxattes des Atlas finden sich die zum kartographiscben und diagrammanscben Theile desselben sonst noch 'erforderlicben erklärenden Bemerkuygen nebst einem Verzeichnisse der un Atlas berücksichtigten Bahngebiete nach der Begrenzung zu Ende des Jahres 1881. - Aus dieser in Vorstehendem gegebenen kurzen Skizze des reichen Inhalts des Werkes wird es ersichtlich sein, daß in der wertbvolien Arbeit ein wichtiger Zeitpunkt in der Ent- wickelung 'die-ses Zweiges der öffentlichen Bauten Deutschlands in eingehender Weise ziffernmäßig und kartographiscb fixirt worden ist.

Kunst, Wissenschaft und Literatur.

Von dem Prachjwerk: .Die deutscbeKaiserftadt Berlin und ihre Umgebung", geschildert von Max Ring, mit 300 JUustra- tionen, ist die 5. und 6. Lieferung zu je 1 „1a (Verlag, von Hcinricb Schmidt und Carl Gunther in Leipzig) erschienen. Diese Hefte ent- halten die Wanderung durch das alte Berlin mit den interessanten Häusern, in denen berühmte Leute geboren wurden oder gewohnt haben, den alten Kirchen mit den erhaltenen Grabdenkmälern der Pa- trizierfamilien Berlins, wie die altehrwürdige_ Nikolaikirchk, die Marienkirche, die Klosterkirche u. s. w. Es wird in diesen Heften eine Fülle geschichtlicher Erinnerungen geboten. Die beigeaebenen zahlreichen Illustrationen bringen sehr Interessantes, wie den Todten- tanz und das Sparrefcch Grabdenkmal in der Marienkirche. Die Vollbilder zeigen die trefflicben Porträts König Friedrich des Großen, und Ihrer Kaiserlichen und KöniglicbewHoheiten des Kronprinzen und der Kronprinzessin sowie eine Abbildung des Denkmals des Großen Kurfürsten. In den nächsten Heften beginnt die Schilderung des neuen Berlin.

Geiverbe und Handel.

Die russischen Zoüämtcr find durcb Cirkulare des Zolldepar- temcnts vom 8. und 14. v. M. angewiesen worden, die nachstehend benannten Artikel, bei Erhebung des Zolles, folgendermaßen zu

klaffifiziren: ' 1) „Vaselin“ - unter Artikel 26 Punkt 6 lit. b. (1 Rubel vom

Pfund). 2) „Metaaene Knöpfe jeder Art, guck) solche aus Zinn, Blcch2c., selbst wenn sie für Unterkleider bestimmt smd" _- unter Art. 220 Punkt 1 (55 Kopeken vom Pfund). 3) „Plüsch mit Seide gestickt" - Tunier Art. 211 Punkt 4 (1 Rubel 32 Kop, vom Pfund). “.“. _ . 4) „Aus Gewebe gefertigte Gesieüe zu Damenbuten mit 2 (1 Rubel 45 Kop. _vom

Carkaffen' -- unter Art. 223 Punkt Pfund). , » '. „,

_ Gestern fand die Sißung dcs Verwaltungkraths der Drs- konto-Gesellschaft statt, in welcher über die Bilanz des abge- laufenen GrschäftÉ-jabrcs berichtet Wurde. Einschließlich des Reserve- vortraas aus der vorhergehenden Bilanz stellt sich der Gewinn auf 9887189 „Fü Hiervon gehen ab 1072761 „M' für Verwaltungs- kofxen und 2400000 „Mfür die auf die Kommanditantheile berxits be- zahlte Abschlagsdividende von 40/0, und aus dem Restgewinn 100 den Kommandijären eineSuperdividcnde von 6x /0 gewährt Werden. AlsU1'ber- trag auf neue Rechnung verbleiben 1 264 201 «M., während die allge- meine Rcserhe mit einem Bestande von 12 530 890 „ck die statuten- mäßig vorgeschriebene Höhe bereits überschritten hat. Der Verwal- tungsrath erklärte fich mit die1en Vorschlagen einverstanden und sexzte den Termin der ordentlichen Generalmzrsammlung auf den 9 April 1). J. fest. Die Bilanzvorlage des abgelaufenezi Jahres ergiebt als Zinsenerirag der Platz- und anderen Pariwechsel 1 191721 „44 gegen 779 474 „M in 1881, als Ertrag aus im Cours- wechselverkehr 429 826 „M, gegen 537 425 „44 in 1881, als Nettoertrag aus den eigcncn Werthpapieren und dem Report:;escbäft 4044 818 „44 gegen 8792 356 „M in 1881, als Provision aus den laufenden Rechnungen 1777482 ,“ gegen 2214 813 “M in 1881. Es betragen die Kanen- und Wechselbestände 50 990 715 «46. gegen 51755 645.“ in 1881, die Reports 12 481 401 „,-k gegen 29 452 675 „ik in ]881,_der Gesammtbestapd dereiaenen Werth- papiere, einschließlich der Konwrtialengagements 37 380 776 „kö, gegen 38675 720 „Fk in 1881. Nach Abzug eines Eingangs von 6645 „;ck aus früher abaksÖriebenen Forderungen belaufen fich die Verluste aus dem Bankoerkehr aui 21 970 „16.

Nürnberg, 7. März. (W, T. V.) In der gestrigen General- versammlung der Vereinsbank Wurde die Vertheilung einer Divi- dende von 75 0/11, sowie die Ausgabe von 10000 neuen Aktien im Gesammihetrage von 3 Millionen beschlossen. Der Maximalcours soll 115 betragen; dcr Besiß dreier alter Aktien berechtigt zum Be- zuge einer neuen Aktie; das Agio ist für den ReserVefonds [*estimmt.

Prag, 7. März. (W. T. B.) Die Vertrauensmänner-Ver- sammlung der Prioritätenbcfiyér der Pilsen-Pricsener Bahn genehmigte einstimmig den Antrag des Kurators 131“. Wiener: aus den Betriebsüberschüffen des letzten Jahres je 5 Fl. («gen 4 Fl. 50 Kr. des Vorjahres) für die Prioritäten auszuzahlen. Der Coupon

wird vom 1. April ab eingelöst. Bei der gestrigen Woll-

London, 6. März. (W. T. B.) auktion waren Preise unverandert.

Glasgow, 6. März. (W. T. B,) Die Verschiffungen von Roheis en betrugen in der vorigen Woche 10 217 gegen 12 597 Tons in dersclben Woche des vorigen Jahres.

New-York, 5. März. (W. T. B.) Wßizenverfchif- fungen der letzten Woche von den atlantischen Hafen der Ver- einigten Staaten nach Großbritannien 47 000. do. nach Frank- reich 15000, do. nach anderen Häfen des Kontinents 15 000, do. von Kalifornien und Oregon nach Großbritannien 70 000, do. do. nach Frankreich 5000, do. do. nach anderen Hafen des Kontinents 5000 Qrtrs.

New- York, 6. März. (W. T. V.) Der Werth der in der vergangenen Woche von hier ausgeführten Produkte beträgt 7 720000 Doll.

Verkehrs-Auftalten.

Triest, 6. März. (W. T. B.) Der _ Llovddampfer . Berenice“ ist heute MorZen mit der ostindi1chen Ueberlandpost aus Alexandrien hier eingetroffen.

Berlin, 7. März 1883.

D e n k 1" ch r i f t über die Entwickelung dsr gewerblichen Fach: schulen in Preußen,

Zweit dieselben zum Ressort dé?) Ministeriums der geistlichen und nterricht§:2lngelegenh€1ten gehören, wiihrend der Jahre - 1881 und 1882, mit Genehmigung des Minister:?- der geist: lichen, Unterrichts: und Medizinai:Angelegenheiten den Mit: gliedern der ständigen Kommisjion fiir das technische Unterrichtswesen vorgelegt im Februar 1883, (Fortscizung) In dem der Kommission 1881 vorgelegtsn Bericht ist der Fachschule für die Textilindustrie in Crefeid und * des Plans, eine Webeschule für die Tuch: KiM Buckskimndustrie der Lausitz in Cottbuéo zu errichten, gedack) worden, . Während des Baues des neuen Webeschulgebäudes m Crefeld und in Folge des eifrig fortgesetzten Studiums der

länder hai fich die Nothwendigkeit herauSgesteklt, die Dimensionen des chemischen Laboratoriums, der Färberei und Appretur beträchtlich1 u_nd zwar dergestalt zu erweitern, daß die Anstalt auch. auf ie1en Gebieten keiner anderen nachstehen und der deunchen „Textilindustrie die für ihr ferneres Gedeihen so nothwendtgen gut Wescmxlten Färber und Appreteure, und zwar mcht bios e sister, sondern auch praktisch aus- Jebildete Chemiker, liefern wird. Dieser durch die Erweiterung es ursprünglichen Planes veranlaßte bauliche Mehraufwand beträgt 88000 „46, von welchem die Stadt Ersfeld 33000145, der Staat_55000 „ck übernimmt. In dem Neubau, welcher vyr Ablauf diese?, Jahres vollendet werden soll, haben bereits die chesäle zum Theil in Benußung genommen werden können. Die Zahl der Webeschüler beträ t Jetzt reichlich 100 oder zwei Drittheil der für die Textilathei ung in Aussicht genommenen, zu welchen noch 30 Schüler der chemischen Ab: theilung kommen werden. Die VergrößerunJ der Anstalt wird an eine Vermehrung des Aufwandes, fiir eren Ausstattung, ins esondere im Laboratorium in der ("ärberei und in der Appreturwerkstatt, nöthig ma en. u iesen ca. 60000 „47; erfordernden Bedürfnissen kommen 110 hinzu die auf 20 000 „M zu veranschlagenden Kosten der Einführung des elektrischen Glühlichts in einem großen Theil der Anstalt und die eben 0 hoch anzunehmenden Ausogaben fiir die auf die Verbefferung er Maschinen für die Hausweberei abzielenden Versuche, die mit Erfolg nur in der Webeschule angestellt werden können. Es steht zu erwarten, daß die Stadt Crefeld und die dortigen Industriellen einen bedeutenden Theil des Mehrsbedarfs von ca. 100000 „46. übernehmen werden. Zur näYxren Motivirung mag bemerkt werden, daß die Färberei und - ppreturwerkstatt nicht mit Modellen, wie an anderen Anstalten, sondern mit benußbaren Maschinen und Apparaten ausgestattet _werden soll, und ferner, daß das elektrische (HlüZlicht in Creseld sich in den mit dichtem Wasserdampf erfü ten Räumen einer (“ärberei bedeutend wirksamer, als die in den Dämpfen rennenden Gasffammen erwiesen hat und daß die in einer Websrei angestellten Versuche als große Vorzüge des elektrischen Lichtes ergeben haben, daß damit der vordere und hintere Theil des Stuhles durch Umschalten des Stromes abwechselnd gleich, stark beleuchtet werden kann, daß das Licht intensiver ist und die Farben besser als das Gaslicht zu unterscheiden ge: stattet, daß dsr Weber si der (“*lamme belisbig nähern kann, daß die lstztere nicht dur ) die Zugluft, welche die Bewegung der Lade verursacht, beunruhigt und endlich kein Ruß, wir bei unvollständiger Verbrennung des Gases bei flackernder Flamme, erzeugt wird, ein Uebssstand welcher die Herstellung von Geweben in empfindlichrn Farhen bei Gasbeleuchtung iiberhaupt unthunlich macht.

In Frankreich) hat man in allerjiingster eit unter Auf-

wsndung sehr be eutender Geldmittel die grö te Aufmerkmm- keit dsr Einführung des mechanischen ststuhlS an Stelle dees Handstuhls in dcr Hausindustrie gewidmet. Schon im Jahre 1867 hatte die Lyoner Handelskammer einen Preis auf das Studium der Motoren und der am besten in der Haus: industrie verwendbaren mechanischen Webstühle außgeseßt. Die Erfindung der Gaskraftmaschinen hat die Beschaffung der Triebkraft sehr erleichtert, die Verbesserung des Webstuhl?- ist aber noch nicht genügend. Gewebe von geringerer Qualität, gemischte Gewebe und viele Spezialartikel, die _erst im Stück gefärbt wcrden, fertigt man in Lyon auf mechani1chen Stühlen, die komplizirteren Gewebe dagegen sind der Handweberei noch verblieben. Immerhin aber hat eine im vorigen Jahre in Lyon angestelXte Enquäte ergeben, daß dort jetzt 18000 mechanische Stühle, oder mehr als doppelt so viel wie vor drei Jahren, vorhanden sind. Man zweifelt dort nicht, daß es dem erfinderischen Geist der Weberbevölkerung gelingen wird, wie an dem Webstuhl, so auch am mechanischen die ahlreichen kleinen Vsrbefferungen, drren er bedarf, um ihn iiir ails Anforderungen der Seide: und Sammetweherei ver: wendbar zu machen, zu entdecken und anzubringen. Um den: 'enigrn Vorstehern von Handwebebetrieben und solchen Webern, welche ihre Stühle umändern wollen, sowie den Fabrikanten von Motoren und Webestühlen Gelegenheit zu ge en, sich zu belehren und sie bei der Außfiihrung ihrer Ideen zu unter: friihen, sind in Lyon mit einem Aufwand von 40000 Frcs. vor einigen Monaten zwei Versuch§stationen mit 12 Stühlen neuester Konstruktion und zwei Motoren eingerichtet worden. Man vrrhehlt sich dort keinesweges daß die Frage nach der Verwendung von Motoren in den kleinen Weiebetrieben noch nicht gelöst ist, und“ fragt sich, ob der verhältnißmäßig hohe Preis des Motors, des Stuhles, der Verbrauch von Brenn- material und die Kosten der Unterhaltung die Vorthsile der Yuahme der Produktion und der llöhercn Löhne, welche der - eher mit dem vrrbefferten Stuh erzislcn wird, aufwie_en könnten; man ist zweifelhaft, ob eine Dampfmaschine, we che durch TraneZmissionen die Triebkraft Fir mehrere Werkstätten hergiebt, den einzelnen Gasmotoren, eron PreiS verhältniß: mäßig höher und deren Vcnußung eine weniger konstante ist, vorzuziehen sei. Fiir die rheinische Ssidenindustrie _- die ersts der Welt nach der französischen _, welch? viele Tausende und vorzugsweise in drr eigenen Wohnung beschäftigt, haben diese Fragen keine geringer? Bodéutung. Die Verminderung der Produktionskoften und die Vermehrung der Arbeitsleistung sind heute die «01161110 51119, qua 11011 für das Gedeihen, ja für dmr Fortbestand dieser Industie. Der schnellste Wechssl in Muster, Farbe und Her- stellunchweiso, überraschsnde, glänzende Efsckts und trotzdem die größte Biliigkeit wsrden heute von dem Fabrikanten ge: fordert. Da ein Arbeiter 16 Meter ordinären Sammst auf einem mechanischen Stuhl in derselben Zeit weben kann, in welcher er mit dem Handstuhl 1 Meter herstellt, so wird sich, wenn man es dahin bringt, den mechanischen Webstuhl auch für die bessere und faronnirte Waare vßrwenden zu können, voraussichtlich trotz einer Erhöhung des Verdienstes eine nicht unbctriickxliche Verminderung der Generalkoften des Fabrikats erzielen lassen.

Einer der tiichtigften Lyoner Fabrikanten hat vor einigen Tagen in dem 1311110t111 (108 50185 St (108 50181108 angefangen, die Ergebnisse einer von ihm nach Crefold und den libri en Sißen der rheinischen Seidenindustrie unternommenen e- kognocs irungSreise mitzuthcilen. Erk011statirt_, daß die Fabrikanten in Creield - denen am Niederrhein mcistcns die Webstühle, mit Achnahme des Holzes, gehören, während sie in Frank: reich Eigenthum des Webers sind - wie in Sachsen, Oester- reich und der Schweiz, eifrig bestrebt seien, die mechanis e_n Stühle einzuführen. Er bemerkt dazu jedoch wörtlich: „,-UL mechanischen Sammetstiihle, welche für disse Umg.stalt1mg als Muster dienén, sind aber absolut unvollkommen und müssen in kurzer Zeit durch vollkommenere ersetzt werden. Das

gnd gewebten Stoffes, aber es ist der erste Schritt in der _chtung des Fortschritts; die VerbeFserun en wird die Zeit bnngen._“ Unmögli dar! man fich hierbei eruhigen, end Frankreich, seine. an die em Gebiete gemachten Forts ritte nicht fiir genügend haltend, bedeutende Anstrengungen macht, um die Konkurrenten änzlich zu überfiügeln. Auch kann man sich nicht der HoZnung hinßeben, die auf französische Kosten zu machenden E ndungen emnächst kopiren zu können. Abgesehen davon, daß hier so vieles auf das Wann? und wie bald? ankommt, fo find die. Verhältnisse, unter denen der Lyoner Arbeiter in den hohen äu ern der 010111 KQUIIG zu: fammengedrängt arbeitet, und eine Stellung zu dem ihn be- schäfti enden Unternehmer, nicht minder der Charakter der "abri ation in vielen Beziehungen so verschieden von den- 1enigen Faktoren, die für den niederrheinischen Weber und Fabrikanten maßgebend sind, daß jede Fabrikation die Frage der Einführung des meYanischen Stuhles und der dazu ge- eigneten Motoren für si allein wird lösen müssen. Den Mittxlpunkt dieser Bestrebungen wird um Nußer AÜer die Fach1chule für Textilindustrie bilden müsien, der Einzelne wird sie dabei unterstüßen und doch viel Geld und Arbeit_ .'auf: wenden müssen, um den Betrieb der von ihm beschäftigten Weber umzugestalten. Jm Uebrigen sind nach dem Urtheil jenes Franzosen die Verhältnisse der rheinischen Seidenindustrie, insbesondere auch die der Weber zu den wg. Fabrikanten, in vielen Beziehungen besser als die Lyoner und er tritt der bei seinen Landsleuten viel verbreiteten Ansicht exitgegen, als ob ihre rheinischen Konkurrenten vom Musterdiebjtahl lebten. Er nennt die?: einen schweren Jrrthum und erkennt an, daß man, ganz vereinzelte Fälle auSgenommen, heute nur noch davon reden könne, daß die leßteren sich durch den französischen Ge- schmack anregen ließen und ihm eine Anerkennung zollten, auf

welche Frankreich stolz sein dürfe. (Fortseßung folgt.)

Cöln, 7. März,“ 12 Uhr 24 Minuten früh. (Tel.) Die englische Post vom 6. März früh, planmäßig in Verviers um 8 Uhr 13 Minuten Abends, ist aUSgeblieven. Grund: Das Schiff ist in Ostende nicht herangekommen wegen Schnee-

treibens im Kanal. VervierS, 7. März. (Tel.) Die englische Post

vom 6. März Abends, planmäßig in Verviers um 8 Uhr 39 Minuten Vormittags, ist au-deblieben. Grund: Starker

Sturm im Kanal.

Die Arbeiten auf dem Terrain der Hygiene-Ausstcllyng schreiten außerordentlich rüstig voran, so daß das AuGsteÜungSgebaude bis auf den Thurm als fertig angesehen werden kann. Die unteren zWei Etagen des Tburmes sind bereits geliefert und zutxi T eil schon montirt; die Aufrichtung selbst erfordert nicht viel Zett. ie Höhe des Thurmes beträgt 45 111, der Umfang 20 111 im Quadrat. Das jetzt noch trübe Aussehen des eisernen Gebäudes wird durch emen grauei Anstrich mit abgesetzten Linien fich verlieren und_ das Ganze cinen imposanten Eindruck machen. _ Unter der Leitung des Baumeisters Kuhn läßt das Ministerium der öffentlichen Arbeiten durch die Baugeschäfte des Zimmermeisters C. (Heerdß und des Maurermeisters Zul. Krengel eine Ver werks-Nacbbtidung ber- stellen, die nach jeder Seite hin die genaue harakteristik eines Berg- werks erreichen wird. Die Nachbildung l).1_t eine Länge von 23 111 und eine Breite von 16111. In der Frontacbje sehen wir das masfivx, der Wirklichkeit entsprechende Siollenportal, durch welches, das „Publi- kum zur Besichtigung und Umfabrt eintritt. Sehr stattlrcb wird fich neben dem Bergwerk das Wohnhaus aUSnehmen, deffen Errichtung der Ausschuß ebenfalls dem Zimmermeister C. Geerdy und dem Maurermeister Krengel übertragen hat. Das Wohnhaus,„22 111 lang, mit der Hauptfront nach der Ulanenstraße zu gelegen, enthalt 3 Stork- werke in altdeutsckzer Architektur mit reichen Gruvpirungen und 113- tereffanten Formen. Theils massiv, theils FachMrk, wird es Mit dem feuerficheren sogenannten RabiZ-Putz verjehen. In „dem Woby- hause, dessen Inneres alle diejenigen Etnrickotungen erhalt, die fur hygienisch zweckmäßig gelten, wird eine KoÜektiv-Ausstellung Berliner Industrieller veranstaltet. Die U(anenstraße wird zur Promenade dienen, von Welcher aus man einen freien Blick auf da§ gesammte Ausstellungsterrain hat. Die Eröffnung findet bestimmt am 1. Mai statt.

Im Königlichen Schauspielhause kgmeq gestern Abend drei einaktigeNovitäten zur Aufführung, von denen die beiden ersten, „Echtes Gold wird klar im Feuer“, ein Sprichwort von Emanuel Geibel, und .Cxstor und PoÜux', Lustspiel in einem Akt von W.,(Érnst„xebr lebhaften Beifal] fanden. Die kleine dramatische Arbeit Get 219 hatte ihren Erfolg namentlich der Darstellerin der Hauptrolle." Fri. Schwur , zu damkcn, deren edles, melodisches Organ aufs Beste ur die „Schau pielerin Helene“ paßte._ Der Konflikt,. welchewder ichiex poetisch wirkungßvoll und doch in kna„ppen Strichen“ gezewhnet hat, ut folgender: Helene, eine Wahrhafte Kunstlerrn, bewahrt sich als edles Weib auch außerhalb des Rahmens, der Buhne. Sie „opfxrt ihren Geliebten einer Andern, weil sie weiß, daß das LebenSgluck jener An- deren durch dieses Opfer begründet, und ohne dasselbe _zerstört wird. Der Künstlerin wird es klar, daß sie an ihrer Kunst sich „aufrichten und in ihr ihren chenözweck nden kann. Das kleine Werk Geibels gab in Form und Inhalt eugniß von dem vorn_ebme11 Geist und dem geläuterten Geschmack des Verfassers. - D_er zweitenEmak'ter: „Castor und Pollux“, ein munteres kleines Lustxpiel, tra"gt „seinen Namen nach zwei Zwiüingsbrüdern, welchc Leibpagen der Fursim 'von Dessau sind. Der Zuschauer wohnt einem,?)iendezvorxs des emen Bruders bei; die Liebenden werden -- zu ihrem Glück -- ertappt; denn der gut gklaunte Farsi bringt die Verlobung zu Stand?. „Der Vrrfaffer hat einige komische Scenen geschickt herbeigefuhrt, in denen besonders rl. Meyer (Hans) und Hr. Muller (Kurt) mit überströmender aune ihr darstellerisches Talent bewahrten. Die dritte dramatische Kleinigkeit des Abends„ .Makart", Schwank von Ernst Engelhgrdt, fand nicht so reichen Beifall wie dre vorigen. Alle komischen Mißverständnisse dieser Komödie beruhen auf dem am Schluß aufgeklärten Wortspiel „Makart' und „um carta“. Trqtz der lebhaften Anstrengungen der mitwirkenden Künstler konnte i'em rechter Erfolg erzielt werden. Reichen Beifall erntete Fr. Frieb- Blumauer (Raffaella) in der Maske ein_er begeistxrten Malerin, Welche sie durch ihren köstlichen Humor, so we:t es angaggig wgr, belebte.

- Jm Wilhelm-Theater findet gegenwartig dre alte Posse „Die Mottcnburger' vielen Beifall und großen Zuspruch.

Da die Kirchenconcerte mit Militärmusik sich großen Anklanges bei dem kunstliebenden Publikum erfreuen, wud einwetteres Concert in der St. Matthäuskirche, und" zwar am 12. Marz, zum Besten der Armen in der St. Matthgus-Parocbtne„ stattfinden. Billets zu 1 „16 sind beim Küster Hth. Luck, Matthaiktrchstr._22a., und im Bureau der .Deutjchen Militar-Musiker-Zeitung", Linden- straße 106, zu haben.

Redacteur : Ri e d el.

Verlag der Expedition (Kes s el). DruckiW. ElSner. Vier Beilagen

Berlin:

neuesten Einrichtungen und Fortschritte in der Textilindustrie und den für sic: bestimmten Unterricht?:anstalten der Nachbar-

Fabrikat hat nicht den Werth, nicht die Frische des mit der

(einschließlich Börsen-Beilage).

. E r | e B e i l a g e zum Deutschen Retchs-Anzetger und Königlich Preußischen Staats-Llnzeiger.

„KL 57.

Berlin, Mittwoch, den 7. März

_ 1883-

Yiehtamtliches.

Preußen. B'erlin, 7. März. Im weiteren Ver- laufe der gestr1gen(42.)Sistung des Hauses der Abgeordneten trat das Haus 111 die Berathung des An- trages der Abgg. Dr. Oetker und Hansen, betreffend Aende- rungen in der Stempelgesesgebung, ein. Der An- irag lautet:

. DJYH'aus der Abgeordneten wolle beschließen:

Dix Kontglicbe StaatSregierung um baidtbunlicbste Vorlage eines

Gcstßeanrfes zu ersuchen, „durcb welchen

]) der Stempel fur, K_auxverträße über insätikiscbe Grundstücke und Grundaerexbttakerten von 1%,

2) der Stempzhfur Pacht- und Miethverträge von &0/0

aZFcYeffeÖtermaflMit“ UZJd t er empe ür er läge, welche die Uebertraguna eines be- stehenden Pacht- oder Miethverhältniffes auf eine andere Person als, Pachtcr oder Miethcr zum Gegenstande haben, auf 15 „14 bestimmt wird.

HWUU hatte der Abg. Frhr. von Minnigerode folgenden Antrag gestellt:

_ Das Haus der Abgeordneten one beschließen: ,Die Staats- regierung aufzufyrdern, dahig 311 wirken, das; die Umsätze des bc- wegltcben Yermogeps nacbdruciltcb für den Stempel herangezogen werden, ivahrend'dte Ster_n_pel für Jmmo-biliar Kauft, Pacht- und Mletthertrage eme Crmaßigung zu erfabrgn haben.“

Der Abg. Dr., Oetker, befürwortete 1ei11en Antrag. Der- selbe bezwecke" cuie gleichmäßige Verminderung der Be- lczstung de_s landl1chen und ftädtischen Grundbesitzes Und die _Besenmixng der Ungewrßheit und Ungleichheit be- zuglich der Hohe des zu den 5111) 8 bezeichneten Verträgen zu verwendenden Stempels. Nament11chim Gebiete des gemeinen Rechtes seien) die herrschenden Mißstände geradezu unerhört. Er wolle mit seinem Arurqcie nur eine Anregung geben, mit enzer angemessenew Ermaßignng der auf dem Grundbesiß lartenden Steuern emen p_rakiischen Anfang zu machen. Der Absatz 1," weicher von Kamverträgen handele, beziehe sich selbstverstandlkich aUch auf Nuflaffungs- und Tauschveriräge. Ayck) diese seien init "1 Proz. bc-lastet, während mobile Bcsise mit 1/3fProz. Steyer iibertragen werden köz111tcn, und zwar nur, wenn ÖW, schrit_tl1ch geschehe,. Bei den Bestßveränderungen der J1m11 obilien's 61 inixner der Beistand der Gerichtsbarkeit erforderlich, bei den Mobilien nicht. Sogar hei den Pachx-und Miethsverträgen seien hoch zu besteyernde schriiiliche Verträge vorgeschrieben. Zn_Bezug _an “di; 311 3 erwahmkn Cessionen bestehe cine grqße Ungleichheit m den Gshiexen des Landrechts und dees ge- meinen Rechts. Zn leßierén müsse der Stempel, wenn die Pachtncedir't werde, noch emmal gezahlt werden. So müsse oft ftir enz (Hut, 3 Mal der Pachtsiempel gezahlt werden. EH _wurde sich ubrigens empfehlen, seinen Antrag einer Kom- 1111711011zu'untcrhreit'en, wclche zugleich über die Fraae der Dzch1111JSn11tiel fiir die entsichrnden Steuerausfälle mit Unter- siußung der I)iexxwrung zu _berathen haben würde.

Hierauf ergriff der Fmanz-Minister Scholz, wie folgt, das Wort:

Ick War sehr gesYannt aufdie Begründung des Antrages, weni- ger des Antrages an UZH, als Vielmehr der Opportunität seiner Cin- hrmgung und 'kann nicht sagcn, dgß die Ausfiihrunaen des Herrn Vorredners mczme Erwaxiungen bekricdigi hätten. Er hat (mSge- “fnhrt, daßqes ihm und 1emen Freunden nöthig ckskhisxien sei, eine Iiyrcgung fur diese Sache zu gehen und daß mit derselben ein prak- Ü]ck?1“,'1VMU"QUck nur ganz ilcmkr Anfang gcmacht Werdensolle, um das Mtßperhaltmß zw1schen der Belastung des beireglichcn und des unhzwegltchxn Vermögens auszugleichen. Wenn man unter der Abxicht, eme. [oiche Anreguyg zu geben, etwa das gemeint hat," 'die Prwrttat der Furwrge nach dieser Richtung hin zu beihaitgen, 12 glaube ich, werden Sie mir zugeben, daß ein soicher Antrag zu [p_at Yomryt. Ich glauhe nicht zu irren, Wenn ich sage, zu all_erersi Ut die Furjorge nach dieser Richtung hin, und zwar schon Vor langrrer Zeit, von der Regierung ausgesprochen. Die Regierung hai zuerß darauf aufmerksam gemalht, daß nach ihrer Meinung Hier xm deurfmß vqrhanden sei, welches Befriedigung crhcisckxe, und bat ihrer1e1is „schon" dre Absicht ausgesprochen, sorvcit die Mittel dazu vor- handen sem wurden, rnit" der_Resorm des preußischen Stcmpelsteuer- wessns diesein Bcdurfmye abzuhelfen, Auch weiß ich, daß noch in emer nicht lange hinter uns liegenden Vexhandlugg ,der Hr. Abg. Richtcr seinerseits wiederum 73,1st Bedurfmß betont und'dabei volle Zustimmung vom Regierungs- U1che gefunden_ hat. Also die Frage nach dieser Richtung hin blos anzuregen - ja, dazu hat es dieses Antrages wahrlich nicht bednrft. Wenn aber dxr Herr Ahgkordnete gemeint hat, es hätte desselben bedurft. um emen'prakchhen Schritt zu thun, wenn auch zunächst nur einen sehr kleinen, so gebe ich daEleiztere durchaus zu; es würde, auch Wenn das Haus dem Anfrage beitritt, wirklich nur ein sehr kleiner Schritt gethan sein, um dem Mißverbästniß zwischen der Be- lasiung des mobilen und immobilcn Vermögens abzuhelfen, Und, metrie Herren, wenn Sie_ der Sache auf den Grund geben, 1? ist einc,Stempelex_1naßrgung beim Befitzwechsel vielleicht doch nicht, so sehr im Jnterene des Grundbefißes Zelegen, wie viele andere Erlercbierungen. „Den Ueb'ergang des Grund efitzes in andere Hände Wesentltch zu erleichtern, 1th nur kaum recht als eine Erleichterung des'Grundbesißes _erscbeixien. Denn, wenn es auch nach manchen Sxiten hin vorthetlhaft ist, so scheint mir, daß viel dringender und wUnschenswcrther die Angleichung nach der andern Seite ist, daß ZUM „den Uebergang des mobilen Befißes aus einer Hand nz die andere angemeffenkr, nämlich hoher besteuert, als bisher und die Sorge darauf richtet, so Wandel zu schaffen. Es wird Ihnen ,bekanni sein, daß die Stempelabgaben bei dem uebkkggng des immobilen Vermögens in andere Hände bei uns im Vengetch mrt anderen Staaten nicht exorbitant boch smd. Unter den ubrigezi deutschen Staaten haben wenige einen geringeren Pro- zents'ay, wie in Preußen; in Elsaß-Loihringen, in Bayern links des Rhein? beträgt er, soviel ich mich erinnere, 40/0, und in Bayern ist neuerdmg? erst ein Geseß erlassen worden, weltbes in den älteren Landestheilen des Königreichs den Stempel von dem Uebergang der Immobilien sogar erhöht hat. Ich will aber mit diesen Bemerkungen kxtneßWxgs ein Wort zurücknehmen von der Syml-Fathie, dix, fruher, die Regierung dafür auSgesprocben hat, an auf

1e1cvaebtet Erleichterungen für den Grundbc 173 heröeizuführen.

ck mychtc nur die Meinung nicht aufxomnirn la en, da dieser An- tkaI eine wichtige und bedeutende Abhulfe fiir den Grun besitz wäre. , Nun aber meine ich, meine erren, das doch dem Antrags unbe- dlngt ais ein sehr ernstes Baden en entgchnhaklten zu sollen,_ daß er LÖ, Wie, der Herr Abgeordnete meint, edigltch darauf _be1chränken xoxnte, hier im Kaufe eine nach vielen Millionen zu'schaßende Er- ".beerung vorzu chlagen und„d1e Deckungsfrage erst in einer Kom- Wston ziir Erörterung zu bringen. Meine Herter). ich kann kon- statiren, daf; erst in den leßten Verhandlungen uber das Sxeuer- reformgeseß, welches das Haus ja vor wenigen Tagen erst beschaftigt

bat, das wenigstens als ein nicht na e u mit ' - stmnmgketi, sondern wirklich, einstimmig betonixrz Saß hierEirrln ;Hause aufgestellt wgrdex Kein Erlaß mehr ohne Deckung. .)kun frage ub: Wo ist dieser Antrag hier nach diesem Grundsatz be- messen,? Crsprtcbt „gar nicht vox! der Deckung, sondern er hofft alles in d1c1cr_Bezrebunq von einer Kommisfionsberathung. Ich meine, das ist dre unvollkomm'enste Faffung, die ein solcher Antrag erhalte'niann. Der Immobiliarkaufstempel beträgt rund ungefähr 15 Mintonen Mark. Wenn Sie ihn auch nur um 4%, also auf di; Halfte herab1cßrn woxlen, - wenn Sie das nicht thun, dann wurden Sie doch wohl uberhaupt nicht von einer Hülfe für den Erundhenß reden konnen - fo find das ?ck Millionen. Nun fraue ick), wissen die Herren Antragsteuer, wo fie die Deckung für diese 71T Millionxn bernehmen, „oder ivo soll sie eine Kommission vernehmen? Wolltcn Sie „etwa auf kie„Ltze1)zsteucr zurückgreifen? Dann, meine ._Hcrren,_,k)abe ich auch nyxb nicht d1e Uebereinstimmung mitder Regierung in Auézjicht _zu stellen, 1ondcrn,daun kann ich Ihnen sagsn, wir haben 1106) ytel drmgcndere _Bedurfniffe als dieses. Wirwürdcn, wsnn Sie aux dieses Deckungßmittel zurückgehen wollten, vor aUem bitten, daß Sie dte_Jlaff'c-nsirurrcx:kationen der dritten und vierten Stufe beseiti- gen, wonzr wir dtcjes Dcckungsmittcl Vorgeschlagen kabkrn, das leider uns'abgcjcblqgeu"wurde.“?[ndere Herren, Welche mit uns in dieser Beziehuga iiicht uberemytimmen, würden vielleicht die Fürsorge für die Ye111zymrixng der Elxmentquehrer aucb noch als ein dringenderes BcdurfntßUamehen, als die baldige Ermäßigung eines Stempclbctragcs; andere Wurden „anderes als dringender empfinden, io a'ccr, mcine H-eren, kqmmx ich zu de_mResultat, daß ich den praktische113weck bet der E1nbr1ngung_ dte1cs Antrags absolut nicht zu finden vermag. Ick glgube auch, daß, xs wohl nur mehr taktische Rücksicbten gewesen sem moZen, welche dre1en Antragweranlaßt haben. Ich möchte des- balb meinerseits dem hohen Haun empfe len, den Autrag in irgend welcher Form abzulehnen.

Dsr Aba. Frhr. von Minnigerode konstatirte, daß in dem Antrag Oxtker endlich einmal auch auf der linken Seite ein agrartsch-Ir Gedanke zum Durchbruch gekommen sei. Auch dre Lmke hahe sick) genöthigt gesehen, anzuerkennen, wie un- acrecht d'as, immobiie Kapital im Vergleich zum mobilen be- steuert set. 1111 Gebiet Yes Landrechts wie in dem des gemeinen RechtéF. Es hcindele sick) geradezu um die Bessitiguna eines gesehltchen Unsinns, einer auf die Dauer unmöglichen Doppel- betteusruna. Aber der Antrag Oetksr sage nicht, woher der- selbe die Deckung der mehr als 71/2 Millionen Mark nehmen wolle, welche die Staatskasse verlieren würde. Deshalb bitte er, 761116111, Antrags zuzustimmen und gleich damit noch emen Schritt weiisr in drr agrarischen Richtung vorzugehsn. Wenn man die, Umsäße dex: mobilen Kapitals fULMisch zum Stemyel heranzwhe, so ersüUe man damit nicht allein eine moralische thcht, sondern decke auch die Ausstilie, welche durch die Erleichterung des Grundbesißes, die die Linke selbst faystrebseä)"hfsrivxigejührt YrYZn. fi Er halte ssinen Antrag ur er op en sr Wie an 'r nan iel! ere tsrti ter als den drs Aba. Oxtker. 5 g chf g

Der “Abg. Stengel erkläxie, als Grundliesißer müsse er naturlich für den „Antrag sein, als Abgeordneter koxme _er sich aber nicht damit_ einverstanden erklären. Die Fmgnzlage gestalte dem Hause nicht, die Steuer noch weiter als es schon geschehen sei, zu erlassen. Erst ,in- diesem Jahre habe man wieder eine Anleihe von 23 Mtlimnen ZUB _Dcckung eine?: Defizits aufnehmen müffen. Der Antrag Mmmgerode sei ihm ebenfalls nicht voÜständig genehm. Er wiirdo. es am liebsten gesehén haben, wenn man vz_el1e1cht nur die Emschiebung in den Antrag Oetker gemacht hatte, daß man die Regierung um einen bezüglichen Gefes- e11twnrf xrsjtche 111_1_ter gleichzeitiaer Beschaffung der Deckungswütel. Jydenen wolle er nicht so peinlich sein, und fiir den Antrag Mznnigerode stimmen, weil er die Erleichte- rung des GrundbxstßeS wünsche, und in dem Antrags das Bestreben sehe, die Erleichterung, sobald Deckung vorhanden, eintreten zu lassén.

. _ Der Abg. 'von Ludwig erklärte den Antrag Oetker 1110 11111119. Jm Himmel sei mehr Freude über einen Bekehrten, ald iiber 99 (Herßchte. Er habe sich vergeblich gefragt, wie die Liberglen auf einmal dazu gekommen seien, Erleichterungen fur ,die Grundbesitzer zu beantragen, die :ie denselben niemals bZnnlbgt hätte.", als sie die geseßgeberische Macht gehabt hgtten. Es set charakteristisch, daß die Linke auch jetzt nicht fur dezt qlten béfesiigten Grundhefiß, sondern für die neuen Einschiehlmge eintrete. Außerdem habe die Linke dm Antrag wohl ails tgktischenGesichtswmkten gestellt, um sick) jeßt, wo die lesten landlichen D1strikte ihre alte Vorliebe für denLiberalismus verloren häiten, denseiven wieder in gute Erinnerung zu bringen., Die ganze Sache sei nichts als ein ableitendes Kantharrdenpflasier, hinter die Ohren der Konservatiwn gelegt, die ]th endlich „einmal mit der Börsensteuer Ernst machen wollten, namentlich auch ein Pflaster hinter die Ohren seines hochverehrten Kollegen von Wedell-Malchow. Die Linke sehe 1e_vt em„daß ihr geliebtes Pflegekind, die Börs-s, doch endlich einmai em Bischen herangenommcn werden solle, und da wolle die Linke wenigstens das eine Argument der Gegner der Bökrsenstruer, das von der ungerechten Belastung des Grund- bestßes einigermaßen aus der Welt schaffen.

Der Aba. Hansen bedauerte, daß_der Finanz-Minister dem Antrag ablehnend gegenüberstehe. Die Bedürfnißfrage werde 1a allgemein anerkannt, er sehe nicht ein, warum man. nicht der Regierung eine Anregungzur Abschaffung der brenraendsien und schreiendsten Mißstände geben solle. Er zweifle 'nicht an dem Wohlwollen der Regierung gegen den Grundbesis, aber ne möge dies Wohlwollen praktisch bethätigen. Dai"; man den Nationalliberalen Feindschaft gegen den Grundbesikz vorwerfe, sei durchaus ungerecht“ in der nationalliberalet'. Partei be- fänden sich 28 Grundbesißer. Sein Antrag wolle nur der po- sitiv feststehenden Thatsache der Ueberlastung de-ß Grundbesißes ein Ende machen.

Der Finanz-Minister Scholz entgegnete, er habe sich durch- aus nicht gegen die Tendenz des Antrages Oetker auszie- sprochen, ,sondern fich gegen denselben nur vom Standpunkte der praktischen Politik gewandt. Er halte. es nicht für richtig, daß man hier solche Anträge auf Steuererlaffe einbringe und die Deckun sfraqe de_r Regierunguüberiasse.

Der A g. 1)r.„W1ndthor| erklarte, seine politischen Freunde und er würdet) für'den Antrag von, Minnigerode stimmen, da derselhe ganz 1m_Smne der Steuerpolitik liege, die das Cen: trum immer verfolgt habe.

Der Abg. 131. Hänel erklärte, er sei dem Minister dank- bar daiur, daß derselbe mit einer gewissen Kühle dem An- trag Oxtker gegenüher getreten sei, nicht aber wie der Abg. von anigerodx, nch für die Tendenz desselben erwärmt und daraus gle1chze1tta em Engagement für die neue Steuerpolitik gefolgert habe._ Er. müsse dem Abg. von Ludwig die Freude nehwxn, daf; dre Liberalen bekehrte Sünder seien: gerade seine: po11t11chZn Freunde hätten in der vorigen Session ebenfalis eine Herabmmderung der Jmmobiliensiempelsteuer beantragt; damals habe_ aber die Ligke ihren Antrag dem Verwendungsqeseß der Regieruna gegenuber gestellt. Er könne nur in dem Sinn dem 21111111ng119 zUfimtmet], daß er das Wort „baldthuniichst“ ' dahin emschrank'e, daß die beantragte Reform nur mit der Steuerreform im Ganzen siatismde, und daß nicht neue Deckungswittel fiir die StempxlaUsfäUe gesuchi würden, fon- dxrn die Deckung aus vwhgndrnen Mitteln genommen werden konne. Der Abg. von Minnmerode one mit seinem, übrigens etwas unklaren An_trage die Börsewsieuer im Reichu11tersté§ßem nwme derselbe damit den Antrag des Abg. Nn WedeU-Malchow? Dieser Herr habe_1a doch selbst eingesehsn, daß sein Antrag unausfuhrbar sei; oder meine der Abg. vzn Minnige- rode den Antrag_ des Fürsihn Haßfeld? Er bitte den Abg. von ,Mmmgerode, drr Linken darüber Auskunft zu gehen. Er 'seiuberzeuat, Preußen tverde vom Reich aljmählick) (niit den nothigexi Deckungswitteln vsrsehén werden. Daß der Yiixtrangestle eines? (ciquax'izzchen (Hledanken enthalte, finde er

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' 1era_u1wur e ie Diskussion : [0 en“ es "olt i Reihe persönlicher Bemerkungen. g W F ' 7 g e 2 ne

, Oezr Abg. von WedeU-Malchow bemerkte persönlich: Es ser mch. dw Rede_davo11, daß er an der Du1chfiihrba1keit des- vhti ihm im RUckZÖtÜJL _heantragtexx Gesesrs zwsifele Das Prinzip semes Geseßes 121 von der Kommission des Reichs- tages schon angenommen. Es handele sick) nur noch darum, Kontrolmaßregeln zu finden.

" Der Abg. Frhr. von Minnigerode erklärte, der Abg. Fan?) habe semfen Aptchq unkxar gefiLilnden. Er (Redner)

rau „8 nur an zum «Zotte cines ntra es 111 uwsi'en: „nachdrück1iche Börsensteuer“. ;) y z 1

' Der" Abg. von Ludwig hemerkts, dsr Abg. Hansen scheine e?- 1hm ubelzunehmen, daß. er dénsslhen zur lihrralen Seite gerechnet habe. Er habe hier die Naturgeschichte des Abge- ordnete11ha11ses aufgejchlagen (Redner öffnete unter stürmischer“ Herterkeit den Parlamentsalmanach) und finde bei [1911 Namen Haufen und Oetier das Wort „nationalliberal“. Wenn der Awg. Hansen meme, 'das sei nich_t liberal, so habe er nichts dagegen. Es gebe Viale, die das 1chon lange geglaubt hätten. " Der Abg.1)_r.Hanel bemerkw, dem Abg. von Wedell gegen: uber müsse er seme'VZhauptr'mg zurückzieh-“n. Der Abg. von Wedell werde der Einzige bleiben, der an der Durchführbarkrit wines Antrages noch heute glairbe.

Nach einigen weiterer: persönlichen Bemerkungen wurde der Antrag Oetker abgelehnt, dcr Antrag von Minnigerode dagegen angenommen.

Das" Haus.", beschäftigtesichdarauf mit Wahlpriifun-gen m_id erklarte die Wahlen der Abgn. von Körber, 01. Bsrgknödth, Zierold, Jacobs,Letoch§1, von Sch11lscha,Baron von VUWMVch, von Wiesner für gült1g. Die Wahl des Abg. von Kaßler wurde bsanftandet.

' In Bszug der Wahlen der Ahgg. von Lessing und von Wied'ehach (Vomsdors) hatte die WahWrüfungskommission die- Gültigkeit vorgeschlagen, ferner aber folgenden Antrag. gesielit:

DaJHaus'der Abgeordneten wolle baschiicßen:

Dre Königliche Staatsi'xgierung zu ersuchen, die Brhauwtung der Proiesterheber üher Aufjieüung von Gensd'armcn im Wahl- lokal Wahrend des Wahlaktcs näher zu erörtern und zutreffenden FaÜH dcn Wahlkommiffar zUr Verantwortung zu zichxn, auch dem Hume das Ergebnis; mitzutheilcn.

Der Abg. Dr. Meyer (VreE-lan) beantragte Ungüitigkeit. drr Wahlen, weil eine ausdrückliche Vorschrifix de?- Wahl- reglemepts, §. 13, wonwch in dsr Wahlmännerversammlung nur Stimmberechtigte anwesend ssin diirften, v2rlcht fei; be- waffnete Diener der Macht im Wahllokale ayizustelien, sei. die stärkste Wahllweinflu-fsung, die sich denken laffe. Der Land: rath habe in einem FaUe gedroht, eincn Wähl-sr hiuausführm zu lassen, dadurch hab? unzweifelhaft eine Einschüchxernng der" Wähler stattgefunden.

Der Abg. Frhr. von Minnigerode glaubte nicht, daß dic.“ Anwesenheit der GenW'armen irgend welchs Bveixaixussung dar Wahlmänner darstelle.

Der _Abg. 131. Hänel wies darauf hin, daß hier in bru: taler Weise das Geseß ins Gesicht geschlagen sei, welches aus- drücklich die Anwesenheit anderer Personen als der Wahl- männer verbiete. Wenn man nun erwäge, daß der Landratk) einen Wahlmann, welcher auf die polizeiliche Ueberwachung dcr Versammlung hin ewiesen habe, in ganz ungehöriger Weise mit dem Hinaus iihren aus dem Lokal bedrohx habe,. so k_önne man wohl nicht zweifelhaft sein, daß hier eiw Ueber- griff vorgekommen sei. Er könne deshalb nicht für diE Gültigkeit der Wahl eintreten.

„Hierauf ergriff der Vize-Präsident des Staats-Mini- steriums, Minister des Innern von Puttkamer das Wort:

Es liegt mir, wie fich von sclbst versteht. gänzlich Fxxn, durch die Bemerkungen, die ich zu machen genöthigt bin, irgend emen Einfluß: auf die Entscheidung des hohen Hauses über die „vorliegende Frage an und für sich ausüben zu wollen. Ich will betlaufig nur bewerken,. daß mir wknigstens der Versuch der Herren Vorredner aus dem Uw- stande, daß bei der Wahl zum Abgeordnetenhause im Wabibezirk Guben-Sorau zwei Abgeordnete der bewaffneten Macht zur Affistenß dcs Landratbs und Wahlkommiffars - ich nehme an als Ordonnan- zen - im Wahllokale anwesend gewesen sind, auf die Möglichkeit der Absicht oder gar der Thatsachr einer Beeinflussung oder Berin- träcbtigung der Wahlfreiheit zu schließen -, daß, sage ich, mir dieser Versuch so völlig mißglückt erscheint, daß ich seine Beurtheilung ge- trost dem Hause, und ich glaube. ich darf weiter gehen, auch dem Lande. überlassen darf. Beide werden mcht ermangeln, ihreSchlüffe daraus

zu sieben. Was mich nöthigt, das Wort zu er reifen, das

Meinx Herren! ist die Prufung der mir oblie enden Frage, ob die vom errn Vor-

redner gegen den beihciligten andraih und Wahlkommiffar erbobenezi Beschuldigungen und in welchem Umfange fie begründet sind. Dre