obcn. Wir haben nur eine Alterögrenze nach unten: das 21. Lebens- jahr, und auch dixse ist keine absolute, sondern nur eine in der Regel eintretende.
Meine Herren! die Kommisfionsvorschläge geben in der Nr. 3 zum Theil hinter die Gewerbeordnung von 1869 zurück, infofein, als in einzelnen Fäklen, wo nach der Gewerbeordnung eine Versagung statt- finden konnte, nach diesen Vorschlägen unter Umständen eine Ver- sagung nicht stattfinden kann. Die Gewerbeordnun sprach von 6 Wochen Gefängniß. Damals batten wir noch ni t den Unter- sckicd vonHaft undGefängniß, aber im Strafgeseßbucb 1 heißt es: ,Uekertretungen werden mit „Haft bis zu 6 Wochen estrast' Also alle die UebertretungsfäUc, die früher auch mit Gefängniß bis zu 6 Wochen, jetzt nur mit Haft bestraft werden, scheiden ange- sichts der nur von ,Gefängniß' 1prcchenden Kommissionßvorlage aus, sofern fie im ükrigen den Kriterien der Nr. 3 entsprechen.
Mcine Herren! Ich crlauöc mir übrigens hieran noch eine weitere Bemerkung zu knüpfen. Die Hrn. Abgg. Baumbach und Richter haben eine Abfuhwäcbxzng vorgeschlagen in Bezug auf das Strafmaß. In der KvmmiUionsvorlage heißt es: „6 Wochen", die Hecrcn beantragen zu sagen: „3 Monate“. Nun, meine Herren, wollen-Sic gcfäUigst Folgendes beachten. Die ursprüngliche 1869er Vorlage statuiric dic Versagungs-Möglichkeit, wenn dem Haufirer die Zuverlässigkeit sxbitc. Die Kommission des Reichstages, bestehend untcr Anderen aus den Herren 1). Unruh, Dr. Braun, Or. Miquel, Torkel, FUr. Weigel u. 1". w., beantragte statt dicses Requisitc-Z der
uvcrlässigkeit die jeYt im Wesentlichen geltenden kasuistiscben Be- stimmungen, aber mit der Möglichkeit, daß 5 Jahre lang auf die erfolgte Bestrafung zurückgegriffen werden könne. Diese Abschwächung der Regierungsvorlage gennatc ken Hrn. Abgg. Lasker und Runge noch nikbt; mit einer Stimme Majorität, 91 gegen 90 Stimmen, drückten fie im Plenum die Bestimmung durcb, daß schon nach zwei Jahren dichrjäbrung eintrctcn sollte, um es kurz zu bezeichnen. Und nun, :cine Herren, geht der Antrag, der unter Nr. 216 der Drucksachen vor- lii'gt, noch einen Schritt weiter, und will in den Bestimmungen der Gcwerbcordnnng aus „6 WWW“ „3 Monate“ gemacht, also erst bei so schweren Bestrafungen die Versagungsmögliäykeit zugcstanden wiffcn. Mcinc Herren, sehen Sie fich doch einmal diese schiefe Ebcnc an, auf Welcher sicb der Antrag befindet. Die von den Hrn. Delbrück und Michaelis rertbcidigte Vyrlage verlangt die Zuverläs- figkcit, dic Kmnmission dcs hoben Reichstages vkrwirft diese, aber konzcdirt 5jä[)riae Verjährung, dic Hrn. Abgg. Lasker und Runge verlangen zweijährige Verjährung, und der Antrag Baumbach-Richtcr fordcrt statt der 6 Wochen der Girrcrbcordnung, die im Uebrigen bcibcbalscn Werden sol], 3 Monaie, also ein vollkommen absteigen- der Ast. Meine Herrcn, es liegt mir fern, aus dieser (Erscheinung irgendwic poliiischcs Kapital schlagen zu Wollen, aber, daß wir uns auf cincr außerordentlichschicfen Ebene mit diescn Anträgen befinden, das Werden Sie mir zuxzeben. Sie können mir nicht vcrargen, wenn iii) sage: Vom Theile laßi sich auf das Ganze der übrigkn Anträge schließen. Meine Herren, dieser Antrag in Nr. 216 der Drucksachen cht also über das hinaus, was kamals die Herren Abgg. Lasker und Runge gegenüber der Kommission des Reichstages durehgesetzt haben. Ich glaube deshalb, meine Herren, das; wir nicht noch Weiter geben soUtcn, als es damals den genannten Herren gegen den Widerspruch cines großen Theiles des Reichstages zu erreichen ge- [UWWU ist. Ick bitte Sie, die Anträge der Hrn. Baumbach- Richter ablebncn zu Wollen.
Der Abg. Walter befürwortete die Anträge des Abg. Baumbach, und führte aus, man solle bestrebt sein, einen Menschen, der einmal gefehlt habe, zur Erwerbsthätigkeit zuriickzufiihren, und nicht sich bemühen, denselben in Erwerbs- losigkeit zu stürzen. Er bitte um Annahme des Antrags Baumbach, indem damit etwas Gutes gethan werde.
Der Abg. von Schalscha erklärt?, der erste zu sein, der für die Position stimn'cn würde, Wksin cr glauben könnte, da[; eine Polizeibehörde dM Paragraphen so verstehen könne, wie der Abg. Meibauer dargelegt habe. Der Antrag Baum- bach habe eine Spezialisirung der einzelnen Fäüc ins Auge gefaßt, die aber durchaus nicht nöthig sei, weil er nicht glaube, daß eine kommunale Behörde an der Hand dieser Fassung des Paragraphen ungerechte Verfügungen treffen könnte. Er bist?, die Kommissionsvorlage anzunehmen.
Der Abg. Büchtemann erklärte, gerade, weil es gute und schlechte Unterbehörden gebe, müsse man deren diskretionäres Ermessen beschränken. HÜUL man den Paragraphen in seiner ganzen Schärfe aufrecht, so werde man nur die Zahl der Vagabonden vermehren.
Der Abg. von KöUer bemerkte, seine Partei one nicht, daß die Familie des Haufirers Hunger leide, und deshalb, nicht aus ziinftlerischen Gründen wolle seine Partei die hier smtuirtc Beschränkung des Haufirgewerbis. Er bitte den Kommisfionsantrag anzunehmen.
Der Abg. Dr. Baumbach erklärte, er vermöge nicht ein- zuseheii, weshalb nur für den Wanderbetrieb absolute Tugend- haftiakeit zum chuisit gemacht wxrden soUe, und nicht für das stehende Gewerbe. Es ssi auch nicht abzusehen, weshalb Jemand der Schein versagt werden könne, der wegen Ver- gehen bestraft sei, die mit seinem Gewerbe nichts zu thun haben. Um diese Unbestimmtheit zu vermeiden, habe er seinen Antrag gestelit. VieÜeicbt werde gesagt, die Berech- tigung „könne“ untersagt werden, fie müße nicht versagt wsrden. Dann brauche man aber solche Ge eßesparagraphen nicht. Denn in dieser Weise könne man Alles unter die Polizei stsUen. Das sei eben der Unterschied: die Rechte wünsche den Polizeistaat,_ die Linke dagcgen den Rechtsstaat.
Dcr Abg. Dirichlet fiihrte aus, wenn man den Hausirer brodlos mache, wie wolle man da seinen Kindern Einen reael- mäßigen Schulbesuch geben! Das sei ihm unerfindlich. Das Cetitrum nehme auch in visier Frage eine eigenthümliche StsUung cin. Troß der traurigen Erfahrungen des Centrums woüe es der Polizei Line gewiffe Latitüde geben. Er könne sich des Gedankens 1_1icht erwehren, daß das Centrum fich im Rüge: meipen jkßt 11cher vor der Polizei fühle, seitdem das Centrum erfahren habe, daß es das kleinere Uebel sei und die Libsralen das größere. Man suche für erlittenes Unrecht eincn Prügel- knabcn. Tas Centrum richte seine Abstimmung nicht ein mit Riicxfickxt auf die vorliegende Sache, sondern in einem Sicher: heitsaesübl vor Polizeivsxationeii.
Dcr Aba. Stolie konstatirte, daß der von ihm erwähnte FSU bei der Zwickauer Verwaltungsbehörre vorgekommen sei, die allerdings ohne Schuld im Trange der Geschäfte den Scicin nicht gleich babe außantworten können. Der arme Munn hätte aber nicht so lange wartsnkönnen, derselbe hätte W;;tcr batisirt, und sei dann von der Glauchauer Polizei mit 10 „UE bestraft worden. Was _den Vorwurf betreffe, daß er unDcwicsMe thauptungkn Umgeftelit habe, so sei er bereit, 2 i'. ganze; thenfax-cikel, welches er b:"i fich habe und 'das UU? von ihm "in der bekanntén Angelegenheit aufgefiélltén Ve- haupximgen_ benoéise, jedem Abgeordneten persönlich vorzu- legxn, um 11ch nicht dem Vorwurf außzusésen, daß er so un- delikate S.:chen in die Téffentlicbkeit bringe.
Darauf ergriff der Bundeskommiffar, Geheime Resierunzx: Rath Voediker das Wort:
Jigkb Tieicr nkusrsn T::i'tsüun-Z kann iF: kcnirxtiren, kat“; Bie ketßciiigte Y_ckérke ni.?! ric xxkixzäe'SÉULQ TM! alten armer“- Maxine Zéxémäksr „Ui,Z '*'-Ö.;ZIUTZN kx. Der Herr kat jetzt Ten 537211 13 k.":gé'tclir, al? O!: in“. Ja::xxzr d:“: Antrag séitellt wurde und rer
Many die nächsten Tage hätte abreisen müssen. Das ist tiatürlicb nicht möglich, daß an demselben Ta e die sämmtlichen beantragten Scheine außgestelit werden. das ist an nicbt möglich nach einer Vorlage, die Ste_einncbtßn mngn wie immer. Ein ewiffer Zeitraum muß den Beborden fur die Ausmaung der Scheme einschließlich Anstellung etwa nötbiger Erkundigungen verstattet werden. Die erste Darstellung war so, als ob die Behörde den armen Mann durch ihre Schuld ge- schädigt hätte; daß das nicht der Jau gewesen ist, das vor dem Hohen Hause zu konstatiren, babe i mich für verpflichtet gehalten.
Die Diskussion wurde geschlossen.
Nach einer Reihe persönlicher Bemerkungen wurde in der Abftimymng Ziffer 1 des Z. 571), gemäß dem Antrags Baum- Zea? nöttl1§2tgegen 142 Stimmen, d. h. mit Stimmengleich-
1 a ge e n .
Der Eventualantrag Baumbach zu Nr. 3 desselben Para- graphen, welcher die einzelnen Delikte spezifiziren wollte, wurde ebenfalls durch Auszählung mit 143 gegen 143 Stimmen ab- gelehnt, und der Antrag desselben Abgeordneten, einfach statt „6 Wochen“ zu setzen „3 Monate“ mit 144 gegen 143 Stim- men abgelehnt.
Ueber die Nr. 3 in der unveränderten Kommissions- fassung mußte auf Antrag des Abg. Richter( agen) noch besonders abgestimmt werden. Das Resultat der bstimmung war die Annahme des Alinea 3 mit 147 gegen 143 Stimmen.
Der gqnze H. 57b„ aus dem durch die vorhergehenden Beschlkzsse die Ziffer 1 entfernt war, wurde mit erheblicher Maxorttät angenommen.
Der §. 58 lautet nach dem Kommissionsbeschluffe:
Der Wandergewerbescbein kann zurückgenommen werden, Wenn sich ergiebt, daß eine der im §, 57 Ziffer 1 bis 4, §. 57 a. oder §. 57 b. bezeichneten Voraussetzungen entweder zur Zeit der Eribei- lung desselben bereits vorhanden gewesen, der Behörde aber unbe- xantnt _?teblieben, oder erst nach Ertheilung des Scheins einge- re en 1 .
Diesen Paragraphen beantragten die Abgg.1)r.Baumbach und Gen. zu streichen.
Der Abg. ])r. Baumbach befürwortete seinen Antrag. Aus denselben Gründen, wieseine Partei gegen die Versagung dxs Wandergewerbescheins gestimmt habe, werde sie auch gegen die Zurücknahme stimmen. Er halte die Außdri'icke „schwindel- haft“ und „liederlich“ nicht präzisirt genug, meine auch, daß es noch viel empfindlicher fiir den Betroffenen sein müsse, wenn der Schein nachträglich Jemandem entzogen werde, der sich bereits für einen Geweibebétrieb eingerichtet habe. Die Verhältyisss des Mannes, welche von der einen Behörde als zuverlässig anerkannt seien, könnten von einer andern Behörde viellsicht für schwindelhaste angesehen, und die Konzession zum Betriebe deshalb versagt werden. Er bitte also, es bei der bestähexixen Gewerbeordnung zu lassen, und den Paragraph zu rei en.
Der Abg. von Kleist-Reßow bemerkte, dcr Gewerbeschein bestehe poch auch für Frauen, und bei diesen werde es immer sehr leicht sein u wissen, ob fie liederlich seien oder nicht. Auch der Begrif? des Schwindelhasten werde leicht defi- mrt werden können. Er verlange gleiches Recht für Alis; wenn die Kommission aus bestimmtenGründen die Versagung eintreten lasse, so müsse man auch die Zurückziehung bei denen zugeben, die dieselben Vergeben begangen hätten, wie jéne.
De'r Abg. Dr. Meyer (Jena) erklärte, prinzipiell stimme auch seine Partei für eine Zurücknahme des Gewerbescheins, da sie abex mit den Versagungsxzründcn nicht ganz einver- standen sei, so behalte seine Partei sich dem entsprechende An- träge für die dritte Lesung vor.
Der Nbg. Günther (Sachsen) bemerkte, wenn die Rechte diefen Paragraphen ablehne, so stelle die Rechte den Polizei: beamten, dem man doch sonst nicht viel Virtraue, als un- fehlbar"hin, denn man gebe dsm Polizeibeamten die Macht, Konzesnoncn zu gewähren, die dkrselbe nicht gewähren würde, wenn er das Vorleben des Nachfuchenden gonau gckannx hätte. Gegen den Paragraphen könne nur der stimmen, der gegen die ganze vorliegende Novclie sei.
_ Der Abg. Meibauer erklärte, auch seine Partei fchwärme nicht für den Haufirhandel. Bedenke man doch aber, welchen Maßregeln der Haufircr fich bei der KonzessionSertheilnng unterwexfeti miiffk: derselbe müffe Legitimationen und Nach- weise beibringen, derselbe müsse sich ärztlich untLrsucben, viel- leicht auch. von einer Schönheitskommisfion prüfen lassen, ob derselbe nicht entstellt sei, da sei doch gewiß keine Gefahr vor Mißbrauch der Bestimmungen vorhanden. Auch gelte der Gewerbeschein ja nur ein Jahr, und die Polizei habe Mittel genua, ihn bis zum Jabresschluß zu überwachen.
_ Tex Bundeskommissar führte aus, auch dieser Paragraph sei aux die Petitionen von mehreren großen Städten ent- standen: er bitte, denselben anzunehmen.
Der Abg. Richter (Hagen) betonte, in diesem Para- graphen steig; der Polizeistaat wiederum eine Stufe höher. Man könne siir das ganze (Heseß und doch gegen diesen Para- graphen _stinnneu. Vorher habe man immer gesagt, die Polizei xmffe das 211126 ganz gut, und nun wolle man ihr auf einmal wlche Jrrthümer möglich sein laffen. Sodann könne diese Bsftimmung mit großer Leichtigkeit von den Polizei: beamten zum Austrag von persönlichen Feindschaften gebraucht werden. Er beantrage wenigstens, die Worte zu streichen, wonach der Schein entzoZen werden könne, wsnn ein Ver: gehen vor Erthcilung denelben stattgefunden habe.
Der Abg. von KöÜer erklärte, dieser Gewerbeschéinwerde ja gar nichx von niederen Behörden, sondern nur von den Regie- rurzgö-Prändenten ertheilt und könnte also auch nur von diejem entzogen werden. Er bitte, den KommisfionSvorschlag anzunehmen,
Dir _Abg. Richter (Hagen) bcmérkts, fkk)? man sich doch die kleinlichen Bokinflussungen dcr RégierungßPräfidenten bei den Wahlsn an! Und dixsen Leuten onte man sogar auf der Linken ihre Bejugniffe erweitern? Wie könnten dies na- Ménlllck) auch die Polen thun, die über ihre Distrikts-Kom: miffarisn „immer klagten? Gerade die niederen Polizeiorgane machten die Berichte, nach denen die Gewerbescheine etthsilt würden.
Der Abg. von Kleift-Reßow erklärte, die (Z“ntscheidung werde durch dis Behörden dsr Selbstverwaltung, in letzter Linie durch das Ober-Verwaltungsgerickyt, getroffen, die unteren Instanzsn hätten wenig dabei zu thun.
_ Nach Ablchnung der beiden Anträge wurde der Z. 58 in der Kommisfionsfaffung angenommen.
T€: §. 59 lautet nach dem KommissionSbesUuffk:
Eine? W.:ndergewerkek'ÖéinS Lexar? nicht:
]) wsr ielkstzewonnene OTkr robe Erzeuxniiie der Land- und ForstwirtbsÉI-Zt, ke?- Gartetx- urd Okstbaues, der Geflügel- und Bienenzaäzt, sckxi: seibftgmcnkcne Erzeugnise der Jagd und Fis-Öerei féilbistex:
"2,- wer in 'der UMJLZRZ ieire? Wobrsortx bi? zu 15 kw Ent- fernung von demielken felksrrerfertigte Waaren, welche zu den
Gegenständen des Wochenmarktverkebrs gehören, feilbletet o
getoerbliche Leistungen, binficbtlicb deren dies Landekgebramh 2T
anbietet;
3) wer selbt cwonnene Erzeuzni e oder elbstv Waaren, binfichtlixhg deren dies Landeégffebrauch isi, sda WÜRFEL fährt und von dem Fahrzeuge aus fcilbietet;
4) wer bei öffentlichenZesten, Truppenzusammenziebungen oder anderen außergewöhnlichen elegenheiten mit Erlaubnis; der Orts- l:))zpltizteibelHr'ye die von derselben zu bestimmenden Waaren seu, te e .
Die Landesregierungen können in weiterem Umfange dz" Gewerbebetrieb im Umherziehen mit Gegenständen des gemein" thrbtrtauch obne Wandergewerbescbein innerhalb ihres Gebietes ge a en.
Der Abg. Dr. Papellier schlug folgende Faffun Ziffer 1 vor: „wer Erzeugnisse der Land- und Forstwirthgschahfetr des Garten: und Obstbaues, der Geflügel: und Bienenzuché der Jagd und Fischerei aufkauft oder feilbietet;“ “
Der Abg. Kayser (Freiberg) wollte nach folgenden Zusaß der Nr. 1_ gxben: „oder wer selbstproduzirte Waarenin eigner Person fetlbietet oder durch Familienangehörige feilbieten läßt,“
Der Abg. Kayser (Freiberg) befürwortete seinen Antrag, Durch alle Beschränkungen würden die Kleingewerbetreibenden ebenso wie die Haufirer beschwert, vorzugsweise die sächsischen Weher und die Holzwaarenfabrikanten in Württemberg. Die Klemgewerbetreibenden auf dem Lande seien schon jest nn- gemein beschwert, so daß fie vielfach im Hanfiren ihre [este Rettung sähen. An den Tagen, wo die ländliche Arbeit ruhe, verfertigteti sie ihre Waaren, und mit diesen gingen dann Familienmitglieder hausiren. Es liege hierin noch ein geringes Ueberbieibsel der Selbständigkeit gegenüber dem Großkapital und diese Selbständigkeit werde erhalten, wenn das Haus seinen Antrag annehme,
Der Abg. Dr. Papeüier motivirte seinen Antrag damit, daß bisher der Nußdruck rohe Erzeugnisse der Landwirthschaft auf zu enge Grenzen ausgedehnt sei. Die Motive gäben auch keinen genügenden Aufschluß darüber. Es sei sowohl im In- teresse der Konsumenten wie der Produzenten, wenn auch die Artikel des Wochenmarktes, z. B. Eier, Hühner 2c. als rohe Erzeugnisse der Landwirthsckmst zählten.
Der Bundeskommiffar Geheime Negierungß-Rath Vödiker erwiderte, daß in den Motiven der Unterschied zwischen „rohen“ und „nicht rohc-n“ Erzeugnissen der Landwirthschast genügend dargelegt sei. Mit Eiern und Hühnern dürfe ohne Wander: gxwerbesthein hausirt werdcn, fie seien zu den rohen Erzeug- mssen der Landwirthschaft zu rechnen. Der Antrag des Abg. Papellier aber sei weiteraehend,als im Interesse der Ordnung wilinhschcnswerth sei. Schließlich bitte er, beide Anträge ab- zu 2 nen.
Dcr Abg. Dr. Baumbach beantragte den Absatz 1 folgen- dermaßen zu fassen: „Wer Erzeugnisse der Land- und Forst- witthschaft u. s. m., sowie selbfigewonnene Erzeugnisse seid bietet 11. s. w.“ '
Der Abg. Dr. Braun wünschte im Interesse der Fische- rei, daß dem Fischvsrkauf keinerlei Schranken aufgelegt wür- den, wie es in §. 59 der Vorlaae geschehe. Solle die Fische- rei in Bliithe kommen, so dürfe man nicht nur die Produk- tion der Fische, sondern auch den Konsum fördern; und die: sen schränke man ein, wenn man nur selbstgemonnene Fische frei feilbietcn lasse. Er bitte um Annahme des Antrages Baumbach,
Der Abg. von Chlapowski erklärte, die Liberalen hätten den Polen schon mehrfach Vorsteüungen darüber gemaéht, daß fie für die Verstärkung der Volizeibefugniffe eintreten. Den Polen gcgeniiber werde ja die Macht der Polizei häufig miß- braucht" er woÜe einmal sehen, ob die Liberalen die Anträge der Posen in dieser Beziehung unterstü en würden.
Hierauf vertagte das Haus um 5 U r die weitere Debatte auf Donnerstag 11 Uhr.
*- Im der heutigen (64.) Sitzung des Reichstages, welcher der Staats-Minister Scholz sowie mehrere Bevoli- mächtig1e zum Bundeßrath und Kommiffarien desselben b?!- wohnten, forderte der Präsident von Levcßow die Mit- glieder des Hauses auf, fick) in der Erinnerung an den ver“- storbenen Abg. Sandtmann von ihren Pläsen zu erhebxn, was geschah. Ferner kündigte der Präsident für heute eme Abendfißung an, weil die Gewerbeordnungßnovelle wenn FrgEtszmöglick) noch in dieser Woche zu Ende berathen wer-
en o e.
Hierauf feste das Haus die zweite Berathung des Essex entwurss, betr. die Abänderung derGewerbeordnxing, und zwar mit der gestern abgebrochenen Debatte über J. 59 und die Anträge der Abgg. Or. PapeÜier, 1)r. Baumbach und Kayser fort.
Der Abg. von Köller kritifirte die zum „6. 59 geßeaten Anträge. Der Antrag Papellier verbessere nicht, sondern ver- schlechtere den Geseßentwurf; der Antrag sei unnüs, unpraktisch und gefährlich, derselbe würde mir dyn Hehlern, Wild- und Fischdieben ihr Geschäft erleichtern. Der Antrag Kayssr, der den Handel mit selbstproduzirten Waaren ganz fk?! geben woÜe, sei bedenklich, denn es sei unmöglich, in jedem Falle_zu unterscheiden, ob der Betreffende die Waaren selbst produzirt oder im Handel erüanden habe. Auch der Antrag Baumb'acb, nach welchem der Händler, der in großen Massen die Fische aufkaufe, befugt sein sone, die Fische ohne Gewerbeschemjln das Land hinein zu verkaufen, sei unnöthia und bedenklicks, weil derselbe dem Fischdiebstahl Vorschub leisten würde. Er bitte, sämmt1iche Anträge abzuxehen.
Dsr Abg. Dr. Baumbach erklärte, daß er dem von dem Abg. Kayser gestellten Anlrage sympatisch gegenüberstehe, nur der darin gebrauchte Ausdruck „Familienangehörige“ sei zu un- bestimmt. Der Antrag Vapellier gehe ihm bezüglich der Jagderzeugniffe zu weit. Er bitte besonders im Jntereffe der kleinen Landwirthe um Annahme des von ihm selbst gestelilen Antraaes. „ „
Dsr Bundeskommiffar, Geheime Regierungs-Rath Bodtkkk bat um Ablehnung sämmtlicher Anträge. 1869 sei em ent; sprechender Antrag, welcher auch die „selbstgewonnenen Waaren babe streichen wollen, mit großer Mehrheit abgelehnt worden; Wenn ferner, wie er glaube, der Wunsch gehegt werde, dz)!"- die Butter für ein rohes Erzeugnis; der Landwirthschast WJ Sinne dieses Paragraphen erklärt würde, glaube er nicht, daß die verbündeten Regierungen dem entgegentreten würden.
Die Anträge Papellier, Baumbach und Kayser wurden abgelehnt, und §. 59 in der Jaffuna der Kommission geneh- migt. Ebenso wurden ohne iskusston die §§. 59 a., 60 UKV 60 a. nach dem Kommissionsvorschlage angenommen.
§, 606. lautet nach dem Kommisfionsbeschluffe: _ „
Minderjäkkrigm Personen kann in dem Wanderge'wé'rk'ék!ck“"e “rie Befckoräiikung auferlegt werden, daß fie das Gewerbe nicht "347 SonnLnuntergang und minderjährigen Personen weiblichen .?“ schlecht; kann außerdem die Beschränkung auferlegt werden, daß 7“
* WZIJen der Sittlichkeit nicht so viel helfen, als sie auf der
nur auf öffentlichen Wegen, Straßen und lä , nicht “:abTsrelßßn Haus zu Haus betreiben dürfen. . P sen ' Desgleichen kann von der Oxtspolizeibebörde minderjäbri en Personen verboten werden, daß s_'1e innerhalb dx; Polizeibezirks je im 5, 59 Ziffer 1 xmd ?„aquefubrten Gegenftzmde nacb Sonnen- untägang, und mtndeqabxigen Personen weiblichen Geschlechts, daß fie dieselben Gegenstande von, Haus zu Haus feilbieten.
Der Ab . 1)r. Baumbach nzemte, d_aß _durch die Bestim- mungen die es Paragxapbezt die Sittlichkeit nicht gefördert werden würde" „dle Zeitbestimmting „nach Sonnenuntergang“ sei sehr unpraktisch. Ganz en'tschieden müsse er sich aber gegen 11 von Ver Kommission hmzugefügtey Ahsas aussprechen, sul) im Jntereffe der Sittlichkeit absolut nichts
den r Er bitte, den Paragraphen abzulehnen.
11 Uhren [affe- a s D
er Abg. von Kleist-Reßow verthei'r-igte den §. 60 b. n die vom Abg. Baumbach dagegen erhobenen Bedenken. Der Abg. Büéhtemann schloß "nch den Ausführungen des
gege
Baumbach an; die hier vorgeschlagenen Bestimmungen
Seite dem Haufirhandel' schaden könnten. Die Hebung der Moral müsse auf einem ganz andsren Gebiete versucht werden. §. 60 6. wurde migenommen'. . 600. lautet nach dem Kommisfionsbeköznuffe:
Der Inhaber eines Wandergewerbescbeins iyi yerpflicbtet, die- fen während der Ausülazing des Geixerbebetriebes bei fich zu fubxen, auf Erfordern der zustarxdigexi Beborden'oder Beamten vorzizzcigen und, sofern er hierzu nicht tm Stande ist, auf datei]: Geheiß den Betrieb bis zur Herbei1chaffung des Wanke'rgewcrbezchems _emzu- stellen. Auf gleiches Erfordern bat er die von ihm gefubrtcn
& aren vorzulegew „ „ _ „ Wa Zum Zwecke des Gewerbebetnebes ist obne vorgangige Er-
'“ der Eintritt in fremde Wohnungen, sowie zur Nachtzeit YYbl-JLTI-Ytreten fremder Häuser und Gehöfte nicht gestßttet. '
Denselben Bestimmungen - Abjaiz Z - untcrltcgt_das Feil- bieten der in § 59 Ziffer 1 und ? ausgesubrixn Gegcnstgnre,
Der Abg. Dr. Baumbach beanxragtc, den zxpetten mzd dritten Absay zu streichen. Der Regiexungsxoninnsnar habe in der Kommission erklärt, daß der Haustrer die_ ublichxn Ziegeln des Verkehrs beobachten soU_e. Er halte diese Be1chrankung für Überfiüsüg und bitte drmgenp um Ablehnung derselßexi.
Der Bundeskommiffar, Geheime RegierungsMatk) Bodiker wies darauf hin, daß _die kaeibeordnung von 1869 hier? über noch schärfere Beßimmungcn„enthalten hab?. Es sxi sehr wünsckzenswcrth, daß_der Hausirer wenigstens anklopx und die Erlaubnis; zum Emtteten abwarte.
Der Abg. von Schaischa bemerkte deni Abg. Baumbach, daß derselbe mehr die Jntercffezr, der chunrer als der von denselben Belästigten zu verihsidigen scheme.
Der Abg. Meibauer befizrworteteudexi Aytrag Baumbach, derselbe wies auf die prakmche Unnxoglixhkeit hm, daß die hier vorgeschlagenen Maßregeln im Hausxrhandel sirxnxz be- folgt wiirden; wenn man solche Beschrankungexi emiiihren wolle, möge man lieber das Hausirgewerbe ganz„vsrbieten. §. 60a. wurde angenomménx Ebenso oline Debatte die §§. 6011, 61, 62, 63 nach den Kommisfioiisbeschluffey. . _ "
Bci Schluß des Blattes begann die DlSkUsston uber
Art 103. §. 83.
- Die zu einer Militärschießschule'oder eitxexn ähnlichen Militär-Jnstitut ko'mmandtirten _Oxfz- ziere gehörenmach einem Urtheii desR e 1 ck 6 g e r 1,cht s, Ü.C1Vl[= senats,vom 22. Februar d. J. Pichl 31; dem xtgxntltchen Personai- beftande des In ituts und tßeilen nicht nut diesem Pexsyrial die Eigenschaft, der Gar n i s o n des Ories, woselbft pas Militar-Jn- stitut sich befindet, anzugehören. Die Orisgememde hat demzii- folge diesen Offizieren Quartier zu gewährm. Nur wenn die Dauer des Kommandos länger als skchs “Monate feststeht, smd die hinkommandirten Offiziere a'ch dahin vsrseßt zu he- trachten, und braucht die Ortsgemeindethnen dann kein Quartier zu gewähren.
- Die Eröffnung der internationaleiz Fisch_exci- Ausstellung in London findet nicht - wre m eimaexi Zeitungen gemeldet war - am ]., sondern erst am 12. Mai 7). J. statt.
_ Der General-Lieutenant v_on Hartmann, Direkiosr des Deparkements für das analtdenwesen im Krieg?:Mim- Üerium, hat einen mehrmonatlichen Urlaub nac!) Italien an- getreten.
Wiesbaden, 11. April. In der heutigen 2. Plenar- sißung des Kommunal-Landtages wurde, nach Verlesupg des Protokolls der vorigen Sitzung und Mittheilung zweier neuer Eingänge die Wahl der 4Kommisfionen, 1) der Finanz- kommission, 2) der Eingabenkommisfion, 3_) _der Wegebau- kommiifion, 4) der Rechnungs-Prüfunaskomtznssion,vorgenom- men und sodann zu der Wahl einer Kommisfion von "(Mit- gliedkrn fiir die Begutachtung der Geseßssvorlage, dxn zorst- schuß betreffend, geschritten. Hiermit wurden , die einge- gangenen Eingaben und sonstigen Vorlagen an die betreffen- den Kommissionen vertheilt.
Bayern. München, 12. April. (W. T. B.) Der König von Sachsen ist heute früh hier eingetroffen und am Bahnhof von dem Prinzen (Hsorg von Sachsen, dem Herzog von Genua, dem Prinzen Alphons von Bayern „_uxzd dex sächsischen Gesandtschaft empfangen worden. Der Konig stieg im Bayerischen Hofe ab. . , .
- 12. April. (W. T. B.) Prinz Liidwm Ferdi- nand von Bayern und seine Gemahlin, Jnxantin dklla Paz, hielten heute ihren Einzug.
„ Sachsen. Dreßden, 11. April. (W. T._B.) Der Konig ist heute Nachmittag nach München, abgereist. Nach Ablaus der Hoffestlichkeiten in München begiebt sick). der König nach Meran, wohin die Königin Karola bereits am 9. d- M. abgereist ist.
Württemberg. Stuttgart, 11. April. Nax!) chm heut? in dem „St. 21, f. W.“ veröffentlichten Bulletin zeigt fich in dem Befinden des Königs fortschreitende „Besserung, so daß morgen kein Bulletin aUSgegeben werden Wird.
Baden. KarlSruhe 10. April. Das Ministerium des Innern wird, wie die „ arLSr. Ztg.“ mittheilt, im Laufe des Jahres in 36 Gemeinden Erhebungen über die Lage der landwirthschaftlichen Bevölkerung ver- anstaxten. Bei der Auswahl der Gemeinden wurde darauf RÜchUchL genommen, daß alle Kulturzonen des Großherzog- 1[)umks und asle Wirthschaftsverhältnisse zu'entsprechender Ver- "exung gxlangen; ebenso ist der thatsächlrch bestehenden er- schiedenhett der Erbfolge Rechnung getragen worden. Epdlxch war inan darauf bedacht, neben solchen Gemeinden, die "sich m,)wklscb zur Zeit in wenig günstigen oder schlechtxn Verhalt- Kiffen befinden, auch solche zur Erhebung heranzuziehen, deren
anderen
wirtbschaftlicbe Lage im Allgemeinen als eine befriedigende angesehen wird.
Mecklenburg. SÖwertn, 11. Apxil. (Meckl. Anz.) Ueber das Befinden des Großherzogs ist heute folgendes Bulletin außgegeben worden: _ _ _ _
Jm Veriauf des gestrigen Wes, Ueß sich_ das _Vorbundemem einer Entzündung von nicht betrachtlichem qufang__m ?_cx rechten Lunge nachweisen. Das Fieber ball fich ans mastger O:»,e. d?! Husten ist von keiner Bedeutung, der Umfang der entzzxndetxn Partie bat seit gestern Abend nicht zugenommxxy' Der Kraftezuttan'c dss [when Patienten ist bis jekt durchaus befriedigend.
Waldeck und Pyrmont. Arolsxn, 10. April. _Der auf den 8. d. M. zu einer außerordentlichen Sesnon embe- rufene Landtag der Fürstenthünzxr Waldeck und Pyrmont trat alsbald nach der Tronnung desselben zu seiner Konftituirung zusammen und wahlte den Vorßand und die verschiedenen Kommissionen. „ .
In der heutigen 2. öffentlichen Sißung kam die Geseßes- vorlage, betreffend die Konvertirung der beiden StaatSanleihen von 1854 und 1860, zur Bexathung- Nach dieser GENIES- vorlage soUen die noch ungetilgten 41/2 proz. Staats-Scbuld- vcrschreibungen zu 2424 300 „jk: am 30. d. M. ziim 1. August d. J. gekündigt und gegen 4proz. Schuldvxrschreibungen m_n- getauscht bezw. zurückgezahlt werden. Diese Maßregel lst damit motivirt, daß Der Zinsfuß von 41,'-; Proz._ nach dxm gegenwärtigen Stande des Geldmarkt? zii hoch_se1, und eme Ermäßigung desselben bei der ungunstigxn Fmgnzlage dex Fürstemhümer besonders erwünscht er1chei_nen mxzffe. Die Durchführung der Konsertirung isi durch emexi mit der See- handlung zu Berlin abgeschlossenen Vertrag genchert.t . _
Der Landtag nahm die Geseßesvorlage EU 5100 eixifttmrmg an, sprach dabéi jédocb den Wunsch auI, Haß die Be'ftimmxm'g, nach welcher die eingelösten Schuldverschretbungen „tm Beisein eines Mitgliedss des:: Amtherichts Axolsen“ kajm-t werden sollen, ausfallen möge, falls die Regierung kein Bedknken hiergegen habe.
Ocsterreich=Ungarm Wien, 11. April. (W. T. B.) Im Abgeordnetenhause exklärte IMF bei dxr Débatte über die ergebung dks Baues der Völ)_n111ch= Mähr_1schen Transverfalbahn der Handels-Mimsier, Baron Pino, er 1608 in dem Antrags auf Ausschließung dLr Ge_neralu11ter- nehmung einen Eingriff in die Exekutivs der, Régierung _und er würde nicht in der Lage sein, die Scinktion des Geießes mit dieser Bestimmung zu erwirksn. Bei der „namentlichen Abstimmung wurde der vorbezeichnete Antrag Mit 156 gegen 145 Stinmwn abaelxhnt. '
Prag, 11. April. (W. T. B.) In dem hier verhan- delten S ozialistenprozesse wurden heute der angexlagte Schuhmacher Thiele wegen Geheimbündelei zu 5wöchentl1chem, cin Genoffe zu eivmonatlichem, ein andxre'r zx: 14tägigem Arrest verurtheilt. Vier Angeklagie wurden 1re1ge1prochen.
Pest, 11. April. (W. T. B.) DEL" Just13au§fchuß_de5 Abgeordnetenhauses nahm dyn Geseßentwuef betresxsnd Eheschliefznng zwischen Christen_und Juden nut 6 gegen 5 Stimmen als Grundlage füx die Spezialdebatte an. Der Justiz-Minisier sprach fick) dabei aegen die Aufhebung der kirchlichen Gerichtsbarkeit aus. Mehrere Reimer _be- kämpften den Entwurf und verlangten Einfiihrung einer Wirk: lichen Civilehe.
Großbritannien und Irland. Lo'ndon, 10. April. (Allg. Corr.) Das neue Gese 'in Bezug auf Explosionen und die _Fabri ation und den Befis von Sprengstomen, welches gestern „voii beiden Häusern des Parlaments mit em2r 'Schyeüigkeit durch (1116 Stadien gefördert wurde, die m den Annalen des Parlaménts seit dcr ebenso rascheii Annahme der Bil], welche die Habeas-CorpusxAkte in Irland mr_J. 1866 suSpendirte, ohne Beispiel daßeht, smdet urigeachtxt seiner sehr stréngen Bestimmungen die Zustimmung _aUer Zeitungen ohne Unterschied der Varteifärbung. Allgemein wird anerkannt, daß eine solcheMaßregeldringend nothwendigwar, um der um sich greifendcn Dynamit-Verfchwörung der irischen _Schreck2_ns- männer Einhalt zu thun. „DLL Regieruxig“, sagt die „Daily News“, „hat nicht allein dieU11zul€ing11chkeit des benehendxzi Gesetzes zur Behandlung eines gefährlichen und ve'rhältmxz- mäßig neuen Verbrechen§ anerannt, sondern auch die Zweck: mäßigkeit, das Strafmaß de Schulhgrade anzupassen. Das Geseß ist Natürlichermeise nicht rßckxmxkender Naiar, denn das würde gegen die gesündesten Prinzipien und die bsften Tra- ditionen der englischen Politik verstoßen.“ Unter den Unz- ständen wird das neue Geseß, Ya dasselbe erst heute die landeöherrliche Genehmigung empfing, keine Anwxndung "auf die vor einigen Tagen verhafteten Tynanntyerschworer Norman, Wilson, (HallagYOr, Dalton, Eurim, Ans- burgh, Whitehead u. s. w. smdxn. - Daß gestern 111 “Unm- lauf gewesene Gerücht, daß die Polizei weiter? Ennffgxe des Dynamitbundes dingfest gemacht habe„hat kerne Bestatt- gung gefunden. Seit Synnt'ag babeZl keine _ncuetz Verhaf- tungen stattgefunden, aUem die Polizei kennt xcßt die ganzen Details des Dynamitkomplotteß, welches bezweckte, durch eine Reihe gleich52itiger Nitroglycerm- _plofionen'ganze Stththetle von London zu zerstören. Das Ittroglyxerm sollte m ve_r- schiedenen Quartieren ker, Hauptstadt, in „obskuren Logir- liäuserxi, Kaffeehäusern, Privat: unix offentlichen .Hotel-.?. und ändern Mösen dsponirt und auf enz gegehencs Sigxial e„nt- zündet werden. ])1'. Gallagher hat „im Miübank-Gefangnisse eine Erklärung zu Papier gebracht, m welchex er sich als 901 in Brooklyn ansässigsr Arzt ißeze1chnxt und jedwede Bethetli- gung cm der Dynamitverscbworung m Abreyeustellx. Wilsoxi, in dissen Logis in Nelsonfquare eine Quantitat Nitroglycerm mit Beichlag belegt wurde, bestreitet, daß GaUaghe'r irgend welche Kenntnis; von dem Vorhandensein des Nitxoglyxe- ring gehabt habe. Mehr Lichi uber ,die Angelegen eit mird wahrscheinlich das nächste Verhor der in Haft gehra ten_ Ver- dächtigen vor dem Polizeirichter n) Bowftreet verbreitxn. Wie vex- lautet wird Norman, welcher emen Koffer v_oll Nitroglycerm aus Birmingham nach London brachte, in diesem Verhör als Kronzeuge gegen die übrigen Verhafteten auftreten.
Frankreich. Paris, 10.21pril. (Fr; Corr.) Gestern Abend um 9Uhr lraten die Minister zu emch gußerordent- lichen Conseil zusammen, welcher fast au§schl1eßl1ch ,der Vor- bereitung von Dekreten gewidmet „war, die am Schluß des heutigen Ministerraths dem Präsidenten der Rxpublik zur Unterzeichnung vorgelegt werden sollten und _auf die Erseßunvg der verstorbenen Mitglieder des Episkoyals sthe der höheren Magistratur Bezug haben. Wie verlautet,
entspann sich über die Ernennungen im _ Nichterstande zwischen dem Iuftiz-Minifter und dem ConseiYs-Prßfidenten einer: und ihren übrigen Kollegxn anßererseits eme Ex- örterung, die sich namentlich um die Pervpn des_neuen Pra- sidenten des Kaffationshofs drehte,. Die Eniexx mochten "diesen wichtigen Posten mit einer vorwregenp polixuchen Personlich- keit bekleiden, während die Anderen die Aßnncht _vertraten, Ls käme zunächst darauf an, daß der Neugeryahlte eme Autoritat in seinem Berufe wäre. Da auch im Ministerxath von heute Morgen. eine Einigung über die Personltchkeit des Nachfo'l: gers Mercier's, Präfidenten des Kaffaiionshofes, welcher pte gesesliche AlterSgrenze erreicht _hat, nicht LMM. worden tft, so wurde die Entscheidnng bis zu dem tmfterrath am Donnerüag vertagt.
- 10. April. (Cöln. Ztg.) Der Herzogvon Aumale und der Graf von Paris haben gestern ihre Reise über Rom nach Palermo angetreten. _ __
- 11. April. (W. T. B.) Der _Conseils-Prqndent Ferry konferirte heute Vormittag mit dem_ Finanz? Minister Tirard. Die „France“ sagt: Tirqrd sei der Meinung, daß die Verhandlungen m_tt d_en Eisenbahnen fehlschlagen müßten; das , Gleichgewgcht des Budgets sei daher nur möglich durch die Konvernon der Rente. Mehrexe Journale stellen Betrachtungen über die Fluktuationen an der heutigen Börse an und fordern die * egierung auf, ihre Absichten offen kundzugeben. Der „Temps“ konstatirt, “Daß eine Anleih2 erst für 1884 notwan- dig sei, und erinnert daran, daß di? Dariegung der Motive zu dem Budget für 1884 die Absicht, eine Anleihe von 300 MiUionen für öffentliche Arbeiten aufzunehmen, durch- blicken ließe, und daß in diesem Budget eiii Posten v_on 13 MiUion-xn als Kostenbetrag für die vorgejehsne Anleihe figurire. ,
Die „Agence Havas“ vexöffenilicht folgende Nach- richten aus Tonkin: Die Niikumt der vom „Corréze“ ge- brachten Verstärkungen hatten gegeii Ende Fevriiar d. ? unter den Anhängern dér anamitiychen Mandarinen gro e Erregung hsrvorgerufcn. Letztere veryucbtxn dcn Flußaxm, wclcher nach Hanoi führt und den diZCitadeÜe, yon Mamdmk beherrscht, abzuspßrren; dcr franzömÖe Vexeylshabe; _am Fluss sah sich dahsr zur Erhaltung der Vsrbindung gendthigt, am 27. März die Citadekle zu besessen. Edemo besetzt? der_xelbe die Stellung von Honghay in der Bay von Al'ong; der iran- zösische Vertreter am Hofe von Hue, der berczis der Gegen- stand von a!!erhand Turbationen war, disanch leicht vér- schlimmern konnten, hiélk desvalb seine Abreixesüx Zeb'oten und ist mit seinem ganzen Personal gegenwarng in Saigon eingetroffen.
Italien. Rom, 11. April. (W. TB.) Bei der heut): ixn S enat fortgcfeßten Verathmm Über das Bu d get d es M1, 21 i : steriums deS Aeußern drückte der Bexichte'rstatter Cara_c- ciolo den Wunsch aus, daß dis gegenwärtig zwxschen Frankxeich und Italien besteysnden Meinungsverschiedenheiten' aiifhoxen möchten. Die Gesinnung der Regierung gegeii Frankreich sei keine feindselige und könne ein? solche nicht sein: inan müsse bx- ziiglich der Kapitulationen cinen 1110C111§ x'iyencjx fitiden. Die guten Beziehungen zu Deutschland 01111 Oesterxeich-Ungqrp wiirden viel zum Erfolge einer konservativen, FULdllekn Poittik beitragen. * Der Minister deSAUswärtigen, Maycini, sprach darauf den Vorrednern seinen Dank für die An: erkennung auß, daß sich in Folge dsr Bemühungen des gegen- wärtigen Kabinetts die Politik Italiens in den leßten heiden Jahren merkbar gebessert habe. Insbesondere; dant€ der Minister den Vorrednern dafür, daß von ihnen die mtuner gewordenen Beziehungen Italiens zu Deutschlqnd und Oysterrei'ch-Unga'rn gebiUigt worden seien. Diese Beziehungczi hätien sich bexeits gezeigt bei dem Einverständnis; der drei Regierungeri uber die Hauptstagen, sowie in dem wachsenden Emfluffe _ taliens in dem europäischen Aroopczg, _Von pen schwxren ***flichten einer Regierung könnixn diejenigeii kemen richtigen Begriff haben, welche fie dahin drängen mochten, gngxfichts der Verncherimgen und Gerüchte aUer Art, welche seit crmgex Zeit über diesen Gegenstand in Umlauf gefaßt m_erdsn, „die nothwendige Vorsicht und Reserve aufzugeben. Die Zuruck: haltung der Vorredner, welche gxglaubt haben, davon Ahftand nehmen zu sollen, darauf bezügliche wezieue Frageii an ihn zu stellen, werde er gleichfalls beobachten. In dex Deputirtenkammer habe er nur genau .die in der Deleggtion m Pest abgegebenen Erklärungen des österreichisch:ungar1schen Ministers dLSUAtzs- wärtigen wiederholt, welcher gesagt habe, daß die yoUstandtge Einigkeit zwischen Italien, Deutschland u_11d OestxrreichUngarn aUein einen friedlichen Zweck hab?. Die Erklarungen pieses Ministers hätten zu keinerleiBemerkungen und Jnfinuatiotzen Raum gegeben. Er sei daher verwuzidert d_ar§xber_, daß seine vonommen identischen Erklärungen m d'er italienischen Depu- tirtenkamme: eine so abweichende Wirkung hqrvorgerufen hätten. Ec bleibe bei dem, was er in der Deputtrtenkamm§r erklärt [)abe, sage nicht mehr, auch 'nicht weniger und besta- tige, was er erklärt habe, ausschließlich unix ganz. “Enie wichtige Thatsache sei, daß Jialißn nicht . 11ol1rt sei 'in Europa; seine Politik sei eine Politik des Friedens; Italien arbeite in Uebereinstimmung_ mit den an_Ocre_n Machten, qqf die Ruhe Europas und das 1riedliche Fort1chre1ten der Civili- sation hin und thue dies, indem es seine eigene Unabhan'gig- keit, seine Initiative und seine Würde bewahre. Der großxe und vortheilhasteste Erfolg dieses'Einveriiehmeiis werde'darm bestehen, daß es den Kalamitäten eines Krieges vorbeuge, iLdem es jede aggressive Politik verhixidsxe, Den Namen unix dre zoxm dieses Einvernehmens präzinren zu wollen, , sei 'umzuß. Caracciolo habe Recht, wenn er sage, daß Italien _bei seiner Annäherung an die antralmächte niemals einßn feindseligen Gedanken gegen Frankreich gehegt hahe._ Der emmutbige' Ge- danke der Mitglieder des Kabinets sei, ]eheii Anlaß zu einem Mißverständnis; mit Frankreich zu beseitigen und_ die Be- ziehungen zu Frankreich immer heffer zu gestalien. Nichts ent- spreche den Gesinnungen Italiens und settieti Interessen, Bedürfnissen und Traditionen melr. Er (_dethmsier) glgube nicht nöthig zu haben, gegen nfinuationen 'zu, protestiren, welche der italienischen Regiexunggm Jnlande wie im Auslande in Bezug auf das ihr durch die Machte vorgesckxrtebxne Verhalten untergeschoben würden; er könne deiife'lben nur imtVerachtung begegnen. Die lebhaften_ und „aufrichtigexi Gefühle des Wohl- wollens für Frankreich seien nicht unvereiribar nut einen) wach: samen Schuß der Interessen Italiens. Italien wolle verhuidern, daß irgend welche voÜendete Thatsachexi noch größere Mißver- ständniffe hervorrufen, werde ,aber, nicht gleichgültig bleiben können, wenn irgend eine Nationxme auf_ Erobqrungen aus- gehende Kolonialpolitik ausüb'e, indem sie Besißungen am mittelländischen Meer; zii gewmnen suche. Jed? große See- macht würde, wenn sie sich solchem Beginnen mcht entgegen-