K-mft, Wissenschaft und Literatur.
Von dem im Verlage von Duncker_ & Humblot in Leipzig erscheinenden Werke: „Bäuerliche Zustand_e in Drutscbband. Berichte. veröffentlicht vom Vereinf_urSoctalpol__1tik' liegt jeßt der zweite Band im Drucke vor. Wir haben diescr fur die Beurtheilung der deutschen bäuerlichen Verhaltnisse 1_ebr wertbvollen und verdienstlicben Arbeit bereits nach dem Erscheinen de? ersten Bandes gebührende Aufmerksamkeit geschenkt, in_de_m wir Auszuge aus den von sachkundigen, mit dem Gegenstande vollig vertrauten Män- nern abgefaßten Berichten brachten. Auch auf den analt_des ]eßt vorliegenden zweiten Bandes gedenken wir gelegentlich mxcb näber einzugeben. Für beute beschranken Wie uns _darauf, mit- zutbeilen, daß dieser zweite Band f_olge_nde elf Berichte m_nfaßt: ]) Die gegenwärtigen bäuerlichen Verbaltmffe der Provinz Westfalen. Im Auftrage des Westfälisckxen Bauernveretns zysammengestxllt von Gutsbefißer Wiekclmann, Köbbing, _geschaftsfuhren_den _Vtze- Präsidenten des Vereins. _ 2) Die bauerlicben Verhaltnisse m_ der Oldenburgischen Marsch. Von Geb. Obxr-RegierungSrc-th Hoffmeister, Oldenburg. _ 3) Die bäuxrltcben Verhaltnisse in der Oldenburgischen Geest. Von Generalsekretar von Mendel, Oldenburg. _ 4) Die bäuerlickoen Verhältnisse der ProvinzSchleswiq-Holstein mitAusscbluß des Kreises Herzogtbum Lauenburg. Von W. H. Boke'lmann, Prä- sident 8:5 Schleswig - Holsteinschen landwirtbjcbaftlickden Central- vereins in Kiel. _ 5) Ueber die _grgenwärtigcn bäuerlichen Verbält- niffe im Herzontbum Braunschweig. Von Oekonomicratb Buersten- binder. _ 6) Die Lage des Kleingrundbefixxes im ehemaligen Fürsten- tbum Halberstadt. Bryn W. Gerland, Sekretar des landwirtbscbaftlichen Vereins für das Fürstentbum Halberstadt. _ 7) Die bäurrlichen Verbältniffe im Königreich Sachsen. Von K. von _Langßdorff, Dresden. _ 8) Die gegenwärtigen bäuerlichen Verbältnine der Pro-
vinz Westpreußen. Y_on 131". Oemler, Danzig. _ 9) Ueber die bäuerlichen Verbältnime im Kreise Graudenz (Regierungsbezirk Marienkverder). Von M. Conrad-Jacobken. _ 10) Die gegen-
wärti en bäuerlicben Verhältnisse im Bezirk des Ostpreußischen land- wirtbLÖaftlicben CentralVereins. Von Generalsekretär G. Kreiß. _ 11) Ucber die bäuerlichen Verhältnisse im chierungsbezirk Gum- binnen. Von E. M. Stoeckel, Generalsekretar drs landwirtbscbaft- lieben Centralvereins in Insterburg. _ Der Preis dieses Bandrs betragt 7 .“ _
_ Die deutsche Kai1erstadtVerlin und ihre Umgebung, geschildert von Mar Ring. (Verlag von Heinrich Schmidt und Carl Günther in Leipzig.) Mit 300 Illustraiionen. 9. Lieferung (1 «M). _ In diesem Heft wird die _Skcilderung des „Neuen Berlin' fortgescßt. Dem Leser werden alle 1ebcnswertben Baulichkeiten Unter den Linden, Von dem Palais des Kaisers bis zum Brandenburger Thor, in Wort und woblgelungenen Bildern vor efübrt, auf der letzten Seite auch eine Ansicht des BeUe-AUiance-P «ßes.
_ Die in Leipzig am 21. Avril erscheinrnde Nr. 2077 der ,Illustrirten Zeitung“ enthält folgende Abbildungen: Zum 100. Geburtstage des Erscheinens der .Jobfiade'. 3 Abbildungen: 1) C. A. Kortum, der Dichter der „Jobsiade'. 2) J. P.Hasenclever, der Maler der .Jobfiade". Y Jobs im Examen, Gemälde Von J. P. Hasenclever, _ Wiener ilder: In der Allgemeinen Verkehrs- bank. 2 Abbildungen. Originalzeicbnungen von W. Grögler: 1) In der Pretiosenabtbeilung. 2) In der Cffektenabtbeilung. _ Der neue Ober-Ceremonienmeister am deutschen Kaiserhof: August Graf zu Eulenburg. _ Das verschollene Schiff ,Lotbaringia'. Original- zeicbnung von H. Peirrsen. _ Der Carola-See im Großen Garten zu Dresden. Originalzeichnung von Franz Schreikr. _ Der größteYund (im Befiß des Herrn Gormansky in Berlin). Originalzeicbnung von . Friese. _Goslar am Harz. 9 Abbildungen. Originalzeicbnung von Paul Feydel. (Ziveiseitig): ]) Das Brusttuch. 2) Goslar, vom Stein- erg aus gesehen. 3) Das Möncbsbaus am Marktkirchhof. 4) Der Y_nulsthurm mit Festungsmauer. 5) Der Kaisersaal. 6) Kaiser-
ortb. 7) Das Kaiserhaus mit dem Steinberg vom RammeWberg aus gesehen. 8) Die Domkapellx. 9) Das Breite Thor. _ Der Apfeldteb. Genrebild von A. LÜben. _ Hugo Grotius (geboren am 10. April 1583). _ Frauenzeitung: Somerville-Hal], das Heim für die Oxforder Studentinnen. _ Moden: Renaiffance-Schmuckgegen- ftande_. 11F1g. _ Polytechnische Mittheilungen: Damprelociped. Selbtttbatiger bydraulrscher_Flaschen- und Gläserspülapparat. Hänge- lampe m orientalischem Stil.
Gewerbe und Handel.
Der Jahresbericbt der Preußischen Central-Boden- kredit-thtengeiellsbaft für 1882 enthält den Nachweis, wie fi_cb die_52_lnlczge rn Hypothrxen-Darlebnsgefcbäften seit Beginn der Geschaftsthatigkeii nacb drn ahrlrcben Bilanzen gestaltet bat. Die Zesammten seit 1870 abgeschlo enen protbckcngesckoäste beliefen sich
is_ Ende 1882 _ auf _241743000 „ya Zurückgefloffen durcb Amorti-
sation und sonstige Ruckzablungen smd in jenem Zeitraum 60 060 000 .“ Das Jahr 1882 bat einen Zugang von 10 504000 „461 ergeben. Da- von w_aren 3 061000 ck noch abzuwickeln. Die bestehenden Darlcbne vertbeilen sich ohne Berucksichtiaung der_stattgebabten Amortisation mit rund 103 800000_-/!é auf Liegenschaften und 83 900000 .“ auf Gebäude. Das Verbaltniß_ der kündbaren zu den unkündbaren Darlebnen stellt sicb ungefahr wie 1 zu 43. Die Gesellschaft bat zur Deckung tbrer Forderungen im Jahre 1882 ein Grund- xiüik zu ubernehmen ge abt, Welches jedoch aleald wieder ver- ußert Wurde, obne daß der GeseUscbaft ein Verlust erwachsen ist.
_Jm Besitze der Gesellschaft befindet sich noch das vor einigen Jahren m der Subhastatwn rrworbene Rittergut Liffow in Pommern. Im Jahre 1882 ind 12 895 100 „M 40/0 Pfandbriefe neu begeben, davon wurden tt_n arz 1882 12000000 „M zu einem Course von 98 0/0 mit gnnstigenz Erfolg_zur Subskription aufgelegt. Im Januar dJ. cht em_e gleiche_ Etmfion zum Course von 98,40% stattgefunden. Dre weitaus m_etsten arlcbnSabschlüffe erfolgten zu einer Annuität von 4Z 079 _ eingeschlossen 1% Amortisation-bei Hinausschiebung rs Beginns des _lexzteren bebufs Deckung der Couröverluste, Kosten
und Provision. _Die für da? Jahr 1882 der Generalversammlung vor- geschlagenr Divrdende beiragt wie im Vorjahre 82 0/0 auf das eingezahlte Grundkapital, Cs ergiebt sicb dann ein Reservevortra von 334838.“ egenüber eincm Reservevortrage von 382 822 „M im orjabre. Der
m Jahre 1881 begründxte Pensionsfonds soll um 15000 „4- erhöht werden. Der ftatutenmaßige Reservefonds steUt sich auf 920 351 .“ _ Dns „Dresdn. Journ." tbeilt folgenden Weiteren Bericht von
der Leipziger Messe mit: Die Manufaktur- und Seiden- waarenbr_anche_, verbunden mit Konfektion, wurde in dieser Frühjahrssatson v1el_ von dem ungünstigen Wetter beeinflußt. Leider __aben sicb aucb bis xeßt die Witterungsverbältniffe nicht besonders ge- andert, und der Gang der Messe War in dieser Branche, bis auf fertige GLZenstandx, die in der letzten Zeit lebhaft gesucht wurden, ruhig. n Kletderstoffen hat sich die Fabrikation in der Hauptsache auf Carreau geworfen, und, wie es scheint, dringt dieses Genre durch. Die carrrrten Sachen Werden tbeilrveise mit glatt zusammengestellt, theilweise auch als ganzes Kleid ge- trggen. Selbstredend Werden auch glatte Stoffe gekauft, die wieder mit den verschiedengrtigsten Auspuyen, als karrirten Seidenstoffen, Vamaffä, Cbiné, turk1schen Effekten und “Sammelband, letztere drei Sachen neu und tbeilWeise begehrt, zusammengestellt Werden. Ferner sind in Wollstoffen quer__Jeftreifte Sachen gearbeitet (Travers), jedoch haben dieselben bisher 111 t viel Glück gemacht. Als neue Farbe in Wollstoffen ist Reseda zu erwähnen. Für baumtvollene Stoffe war fast noch gar keine Nachfra?e. In den fertigen Sachen ist sowohl Paletot als Umhang belieb ; die Gegenstände werden bauplsäckotlich
in ScbWarz _gekauft; für den praktischen Gebrauch Wollstoffe, wobei nuerdmas_ die quer gerippten Sachen die Haupt- rolle spielen; Fur den elegantem Geschmack glatte und ge- musterte Seide, als le tere baup äcblicb Traversstoffe, Cotelene, Ottomane :c. genannt. ehr schön md für den bocbfeinen Geschmack die Gazevelours in Schwarz aus earbeitet. Viel Werden die Hima- laya-Shawls Verwendet, die *t eilweise als Rad-, theilweise als Brunnenmantel grarbeitet werden. Für baumwollene Rock- und Foxenftoffe war diese Ostermeffe eine der schlechtesten Leit vielen (: ren. Gedacbte Stoffe, von der Arbeiterklasse zume st gesucht,
wurden der zu kalten Witterung ckIm nicht gefragt; die Lax? batten
Zieh nicbt gelüftet, weshalb die äufer von den Meßeink fen fich ern hielten. Ein gleiches Schicksal erfuhren vogtländiscbe Weiß- waaren; auch für diese fehlten die Käufer.
Antwerpen, 19. April. (W. T. B.) Wollauktion. An- geboten 1916 B.. verkauft 1031 B. Preise unverändert.
New-York 19. April. . T. B.) Der Werth der Ausfuhr an Örodstoffen im Monat März stellt sich auf 18 Millionen Dollars oder 51 Mill. mehr als im März 1882.
Verkehrs-Austalten.
Schlüsselburg, 19. April. (W. T. V.) _ Die Newa ist 28 Werft stromabwärts fast vouständig frei von Eis.
__ Ri a, 19. April. (W. T B.) Der EiSJan auf der Dun (: Fat bei ziemlich hohem Wafferstande begonnen, ?o daß man nicht obne einige Sorge wegen einer Ueberschwemmung ist.
Triest, 19. April. (W. T. B.) Der Lloyddampfer _.Affpollo' ift beute Nachmittag von Konstantinopel bier einge- ro en.
New-York, 19. April. (W. T. B.) Der Dampfer .Rbaetia" ist heute Morgen 3 Uhr bier eingetroffen.
Berlin, 20. April 1883.
Den Beschickern der großen allgemeinen Gartenbau- Ausftellung smd von der Jury folgende weitere größere Preise zu- erkannt worden:
Die große silberne Staaismedailie erhielten: 1) Hr. A. Kachlet- Tempelbof für 1 Sammlung gegen 50 Arten Coniferen in gro?en Exemplaren. 2) Hr. Gärtnerribefitzer Brandt-Cbarlotfenburg_ ür Palmen des Warmbauses. 3) Die Gartenverwaltung St.Königlichen Hoheit des Prinzen Albrecht von Preußen (Hofgärtner Hoffmann) fiir die reickobaltiaste Grup e von Agaven, Daiylirien, Yucca, Cacteen 2c. 4) Hr. Gärtnereiberx-er Licbia-Drekden fiir Rbododendron-Hybriden eigener Züchtung. 5) r. Gärtnereibesitzer Sevdel-Strießen bei Dresden für deSgl. 6 r. Gättnereibefißer E. Mewes-Berlin für 1 Sortiment Hyacint en. 7) Hr. Oekonomie-Ratb L. Späth-Berlin für 1_Gruppe getriebener, nicbt blühender Gehölze des freien Landes in uber 50 Arten und Varietäten. 8) Hr. Fr. Moien- tbin-Euttitzscb bei Leipzig für 1 eiserurs Gewächshaus.
Die kleine silberne Staatsmedaiüe: 1) Hr. Baumschulbefilzer C. Schulze-Cbarlotfenburg für 1 Gruppe Coniferen eigener üchtung. 2) Hr. Baumschulbesißer Weiße-Kamenz in Sachsen für 1 ort. im freien auSdauernder Conifercn. 3) Hr. Baumschulbcfitzer Peter Smith u. Co.-Hamburg-Bergcdorf für 1 Sortiment Coniferen. 4) Hr. Oekonomie-Ratb L. Späth für 1 Sortiment Aüeebäume mit Über 10 Sorten. 5) Hr. Gartnereibesißer L. Mathieu-Berlin für 1 Koxlektion Dasylirion, Yucca :c. 6) Hr. Obergürtner Maecker, Geheimer Kommerzien-Ratb Heckmann,_ für 1 Agavengruppe. 7) Hr. Gärtnereibesißer F. Stange-Hamburg “(ür 1 Partie Citrus 0111111211st mit Blumen und Frücbtrn in 15 Exemplaren. 8) Hr. Gärtnerei- befi er C. Weckmann u. Sobn fiir 1 Gruppe getrieben blühender _Ge ölze des freien Landes. 9) Hr. Gartentechnikcr Adolf Söht-Heide m_Holstein für 1 Entwurf zur Anlage eines Patch nach gegebener Sxtuation. 10) Hr. W. I. Wegner-Berlin für rauchlose Feuerungs- an agen.
Die bronzene Staatémedaille: 1) Hr. Zac. Jurriffen u. Sohn- Naarden in Hannd für 1Sammlung im Freien ausdauernder Coni- feren. 2) Hr. Garteninspekwr Kirchboff-Donaueschinqen für 25 Exemplare neubolländiscber und Caprlanzen. 3) Hr.Gärtnereibefißer C. Allardt-Schöneberg bei Berlin ür 1 Gruppe Araucarien(Steck- lingspflanzen). 4) Hr. Gärtnereibefixxer Fr. Harms-Hamburg für eine Gruppe von ca._ 50 niedrig veredelter Rosen. 5) Die Frei- berrlich von Friesemche Gärtnerlebranftalt, Garteninspektor Hr.
artmann-Rötba 1. S. für eine KoUektion von 16 bocbstämmigen
bstbäunzen, 4 Aepfel, 4 Birnen, 4 Pflaumen, 4 Kirschen. 6) Hr. Gärtnereibefißxr R. Grouel-Bremen für 1 Sortiment Caladien in ca. 15 Varietaten. 7) Hr.E.Fischer-Königsbera i. Pr. für Gesammt- leistung in Blumenarrangements. 8) Hr. J. Biesel-Berlin für ein kleines Gewächshaus für einen Bxumenliebbaber und Ansckxluß an die _Wobnräume mit best. Grundflache. 9) Hr. Baumschulbesißer Wergt-Dresden 1 Sammlung bei uns im Freien ausdauernder Coni- feren. 10) Hr. Buchhändler Parey-Berlin für 1 Kollektion Garten- bücher nebst 1 Tableau mit Plänen.
Die große goldene Ausstellungs-Meda' e: 1) Hr. Oekonomie- Ratb L. Späth für eine Aufstellung von Ob äumen in den diversen Erziehyngsstadien, 15 Aepfel-, 19 Birnen-, 14 Kirschem, 18 Pflaumen- Hocbstamme, sowie diverse Cordons- und Pyramiden-Bäumchen. 2 Hr. Y_lb. Richnow-Scböneberg (Obergärtner Ianicki) 1 Gruppe
almen in diversen Sorten und Exemplaren.
Die kleine goldene Ausstellungs-MedaiU-zt 1) r. Garten-Jn- spektor Kolb-München für 1 Gruppe Alpinen. 2) r. Obergärtner Maecker, Geheimer Komm.-Ratb Heckmann, für 1 Gruppe blühender und nichtblübender Pflanzen des Warm“ und Kaltbaufes. 3) Hr. Gärtncxeibefitzer Bartbeldes-Striesen bei Dresden für 1 Gruppe KameUien. 4) Hr. Kunfi- und Handengärtuer E. Wieble-Scböneberg für 1 Gruppe 070111111811 ysraioum, 5) Hr.Gartenbaudirektor Gaerdt (C. R. Borsig) Moabit für 1_SortimentBaurx1-Farne. 6) Hr. Komm-Ratb Spindler (Obergartner Fr. Weber-Köpenick) für ] Sortiment Crown. 7) Hr. Kunst- und Handengärtner C. Sulse- Weißenßels für 1 Draeaenen-Gruvpe. 8) Hr. Garten-Infpektor Kircbbo Donaueschingen für 1 Gruppe sog. fleischfreffender und ??_lauchpfianzen. 9) Hr. Fr. Ad.Haage jun.-Erfurt für 1 Kollektion
a een.
Der Ehrenpreis der Stadt Berlin (500 „M) für 1 Sor- timent blühender Warmbauspflanzen ist dieser Gruppe nicht zuerkannt, wie in Nr. 89 d. Bl. irrtbümlicb mitgetheist Worden ist, sondern derjenigen für Blumenacrangements, und zwar den Gebrüdern Leyderbelm-Hamburg.
Die böcbst interessante AussteUung, welcbe fich des lebbaftesten Besuchs erfreut. bleibt noch bis zum _23. d. M. geöffnet, Morgens 9 bis Abends 6 Uhr, dann bei elektri1cher Beleuchtung und Concert Abends 7 bis 10 Uhr.
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Verein für Geschicbte der Mark Brandenburg. Sitzung vom 11. Avril 1883, Professor Schmoller eröffnete die Sitzung mit einem Vortrage uber die „Russische Compagnie“ zu Berlin. König Friedrich Wilhelm ]. verlangte von allen seinen Ver- tretern an auswärtigen Höfen, daß sie auch auf die wirtbschaftlicbe Hebung des Heimatblandes ihr Augenmerk richteten. Diese Aufgabe löste mit besonderem Eifer der preußische Gesandte in Petersburg, von Mardefeldt. Nicht durch die sonst allgemein üblichen Be- stechungen, sondern indem er die freundschaftlichen Beziehungen seines Monarchen zu Peter dem Großen geschickt benußte, gelang es ihm im Jahre 1724 den bis dahin berr1chenden Einfluß der Engländer so weit zurückzudrängen, daß er einen Vertrag _abscbloß, der die Lieferung des Tuchbedarfs für einen Theil des russi1chen Heeres dem preußischen Handel übertrug. Die Stettiner Kaufnzannxcbaft wagte es nicht, sich auf dieses Geschäft einzulassen; in Berlin a er fanden sich 10 bis 12 Häuser, Splittgerber und Daum an_ der Spitze, die eine Handels-
esellscbaft (Russische Compagnie) bildeten, deren rechtliche Organi- ation rasch mit der Regierung vereinbart wurde. Obwohl es An- fangs nicht leicht war, die nötbigen _Stucke von den märkischen Tueb- macbern geliefert zu bekommen, da dix Tucbweberei in den Notbjabren seit 1707 sebr zurückgegangen war, blubte das neue Handengeschäft doch bald in erw_ünschter Weis e auf, dehnte sich aulb auf andere Aus- und Ein- fubrgegenstande,namentlich Kupfer und Zuchten, aus und erreichteseinen Zöbexxunkt in den Jahren 1729-1731. In Foége des schwun haften
escbaftsbetriebes stiegen die Woupreise derma en, daß es Fraglich wurde, ob der preußische Lieferant die Konkurrenz mit dem englischen werde aufrecht erhalten können. Aber nicht an diesem Umstande scheiterte das Unternehmen; sondern die preußenfeindlicbe Stimmung,
welcbe in den wechselnden Regierungen nacb Peters des Großen Tod, die Oberhand gejvann, bereixece drr Compagnie ein rasches Ende. Ihr Eingeben war em Unglucx für die Marken, besonders für die Neumark, deren feinere Tucbr- in Rußland die beliebteßen gewesex waren; der bleibende Nußen aber lag in der heilsamen Anregung, welche das Unternehmen nach allen Seiten gegeben hatte, vor. nehmlich in_ der durch dasselbe herbeigeführten Vervoll- kommnung tn der Technik der heimischen Tucbmacberei Sehr lehrreich war der Nachweis, wie die Staatsbebörden sich zu der Comyagnte strksten, wie ryan weißlich jede polizeilich bevormundende Einmischung m das Gescbast vermied, wie der König in seiner Sora: fur den kleinen Mann bei Streitigkeiten stets für diesen gegen die Kaufleute Partei nahm, und wie gut das Generaldirektorium es ver- sta_nd, fal_sche Maßre eln abzuwenden, in denen der Eigenwille des Krzni s mitunter gene gt war. _ Der Landesdirektor von Lewchow knup e an das Gehörte e_inen HinWeis auf die Verdienste des Mark- rafen Johann von _Küstrm um die Tucbmacberei in der Neumark, insbesondere um emen der Hauptfiye dieses Gewerbes, die Stadt Neudamm. _ Der Gymnasiallehrer Bolte sprach über die be- kzmnte Sage vyn dem Ritter, der bei dem Ablaßprediger Teßel emen Zettel fur eine zukünftige Sünde löste, ihn dann überfiel und beraubte. In den verschiedenen Versionen wird bald Leipzig, bald Magdeburg, bald Braunschweig, bald Iüterbogk als Ort der Tbczt angegeben und der Ritter Curt von Hagen oder Hake auf Stuxpe genannt. Die ganze Geschicht_e, welcbe zuerst 1562 von einem S_cbulex Melanchthons, Job. Manhus, mit Teßels Namen erzählt wird, _1st _aber nur eine neue Auslage einer äljkeren Anekdote, die zuerst m_ eurer 1498 gedruckten lateinischen Predigtsammlung auftaucht und darin nach Mailand unter Franz Sforza (+ 1466) verlegt wird. Sie bietet somit _ein Beispiel für die häufige Erscheinung, daß altere Schwanke auf_ bekannte historische Personen ubertragen werden._ _ Bet der Besprechung des Vor- trages, an der fich_dte Herren Gymncxfial-Direktor 1)r. Schumrtz, Profcffor Scbotimuller und Schulvorteber Budczies betbeilinten,
ergab sicb, daß fünf verschiedene Tetzelkä-ien, an denen dieselbe Sage ..
haftet, in der Mark und in Sachsen gezeigt Werden, und daß ein
Hair auf _Stulpe bet der Beraubung Teßels schon deÉWegen nicht be-
Zeil"? sein konnte, Weil Stülpe erst 1537 in den Befiß derer von a e am.
_ Unter sebr zahlreicher Beibeiligunz fand am Dienstag Abend in einem Saal_e des Herrenhauses eine öffentliche Arksscbußfißung des deutschen Fischereivereins statt. In den letzten Wochen sind dem Perrin vom Professor Baird (Washington) wiederum 75000 LaTbSeier ubersandt worden. Der Ausschuß bat die Eier an 17 verschiedenen Brixtstellen ausgeseßt und_außerdem noch einige an die Fischerei- vereine der_Schiyetz,_Deut1ch-Oesterreich und Galizien gesandt. Der Deutsche Fischereiweretn hat für diese wiederholte Aufmerksamkeit an Professor _Baird 80000 Forelleneier gesandt, die auch glücklich nz ngbmgton angekommen sind. 10 bis 12000 Zander, die _1ungst (x_us Galizien nach Deuschland gesandt wurden, find, jedenfalls in Folge der siattgebabten großen Kälte, abgestorben angekommen. Dagegen _ist eme Sendung von 500000 Aalen fast ohne allen _Verlust eingetroffen und konnte mit den besten Hoffnungen in die Donau_geseßt werden, Es wird zu erwägen sein, ob die Aale aus thlten biUiger zu beziehen find. _ Im Monat Mai _ findet in Regensburg eine große Tbierscbau, verbunden m1_t einer Fischausstellung statt. Zu derselben sind sammtltcbe Mitglieder des Deutschen ischereivereins eingeladen. _ Unter Anderm werden dort einige Otterbunde aus England zu sehen sem und w_1rd _mit diesen Hunden eine Otterjagd unternom- m_en werden. Endlich ist aus einem von dem MiniZer für Land- wrrtbschaft 2c., Vr. Lucius, dem Verein übersandten ericbt mitzu- thetlen, daß im verggngrnen Iabre 500000 Reiher, bekanntlich nächst den Ottern die schlimmsten Feinde der Fische, in den preZKistben St_aatsforsten Lescboffen worden sind. _ Prof. 131. öbius (Kiel) sprach herauf über den Versuch, nordamerikanistbe Austern in der westlichen Ostsee anzusiedeln. Der Redner bemerkte, daß Hr. G. E. P. Meyer im Jahre 1879 250000 junge und 5000 auSgewachsene Austrrn, die _9llerdings bedeutend größer und weniger schmackhaft als dre europaischen seien, aus Nordamerika herüber- ebracbt und nn 10 _versßbiedenen Stellen auSgeseßt babe; fie hätten Nich auch bereits drei Winter in der Ostsee gehalten, viele von ihnen eren m_erklich gewachsen, eine Fortpflanzung sei bis jekfrt jedoch noch mcht_ zu_ konstcztiren. enn es gelinge, Autern zu erbalten, _ die m _ weniger salzhaltigen und von der Tempera- tur xvemger begunsttgten Gewässern leben , dann dürfte |ck cuzcb m_der _Ostsee eme Austernzucbt ermöglichen laffen. Der Deutsche Fischereiverein könnte. angesichts stiller Beziehungen mit Amerika, der Yusternzycht an der Ost1ee sebr förderlich sein, tvenn er stille Freunde in Amerika um Beantwortung einiger darauf bezüglicben Fragen ersuche. Der Vorsitzende, Kammerherr von Bebe (Schmoldow) gab de_m Profeffor__1)r. Möbius die Versicherung, da der Verein aufs Erfrigste bemubt sxm werde, den ibm ertbeilten uftraa schnellstens und bestens auSzufubren, und tbeilte noch mit, daß in Nordamerika 52000 Personen vom Austernfang leben. Es würden daselbst jähr- ltcb 22_M1111onen Busbel Austern gefischt, die einen Werth von etwa 1311 Millionen Dollars darsteüen.
_ Die „Dresdener Nachrichtxn“ brachten jüngst die Meldung, daß dte_Brunnen-Direktton rn Btlin auch die nach Deutschland besnmmten Flaschen, welche den erfrischenden Biliner Säuerling ent- halten, mit Etiquertes versehen Werde, die durchweg in czecbischer Sprache gehalten seren. Wie uns mitgetheilt wird, istdies ein Jrrtbum- ?Znnft alle diese Frascben tragen Etiquettes mit rein deutschen Auf-
U en.
„Ornis' , Verein f_ür Vogelkunde und -Liebbaberei in Berlin. Am Montag, den 23. April, Abends 8 Uhr, im Restaurant Knorr, Unter den Linden 12: Vortrag des Vorfiyenden Dr. Karl Ruß: .Die sprechenden Vögel.“ Die Damen der Mitglieder haben Zutritt, und Gaste sind w111kommen.
London, 17. Avril. (W. T. V.) Der durch das Feuer in P a t e r n o | e r - S €; a r e (City) verursachte Schaden wird auf 90 000 Pfund angeschlagen.
Venedig, 19. April, (W. T. B.) Zu Ehren Richard Wagners fand beute eine Feier auf dem großen Kanal vor dem Paiazzo Vendramin statt. Durch das deutsche Orchestex des thbard-Wagner-Tbeaters gelangten die Ouverture zum ,Tannbaußer' und der Trauermarsch aus_ der .Götterdämmerung' zur Auffx": rung. Mit dem italien schen KönigSmarsch begann und schlo die musikalische Feier. Gegen 400 Gondeln umgaben die Bar e, auf der fich das Orchester befand. ,
Jm Königlichen Scbauspielbause ging ?estern Abend Fugs) Lubliners (Burger) neues vieraktiges Schauspie .Aus der roßstadt' zum ersten Male in Scene und erzielte vor auSver- kauftem_Hause einen _schönen und verdienten Erfol , der ebensosebr der poetischen Grundidee des Stücks und der tre lichen sceniscben Behandlung des Stoffes wie der lobenswmhen Inscenirung und der in den Hau tryllen mr_isterbaften Darstellung zu danken ist. Wir kommen an diese Auffubrung noch zurück.
Nedacteur: Ni e 11 el.
Verlag der Expedition (Kessel). Druck: W. ElSner.
Sechs Beilagen (einschließlich Börsen-Beilaae).
Berlin:
zum Deutschen Reichs-Anzeiger und Königlich Prch
„IH 92.
Erste Beilage
Berlin, Freitag, den 20. April
11111111 Fiüats-Anzciger. 1883.
__
YÜÖTamUiÖcs.
Preußen. _Berlin, 20._April. Im weiteren Ver- laufe der geftrrgen (67.)S1ßung des Reichstags theilte der Präfident mit, daß an Vorlagen eingegangen seien: der Zandelßvertrag zwischen Deutschland und Serbien, und der
tat für 1884/85 nebst _dem Anleihegejeß. Ein Schreiben des ReichSkamiers war e_mgegangen, wrlches die Ermächtigung zur ßrafrechtlichen Verfolgung des Abg. von Vollmar in Augsburg verlangte, dasselbe wurde an die Geschäftsordnungs- Kommission vermiesen. _
Auf der Tagesordnung stand zunächst die erste VeraWung der allgemeinen Rechnung für das Etatsjahr 1879/80.
Der Abg. Rickzrt beantragte Verweisung _der Vorlage an die Rechnung§kommisfiom und lenkte die Auxmerksanzkeit der testeten aus _gew1sje, durch den RechnungshN stark monirte Mampulattonen der_ Reichs = Postvrrwaltuna, welche durchaus etatswidrig ]rien. Es handle fich einmal um xine Urbkrschreitung _ von 140 000 „111, welche die Reichsftnanzperwaltung mit keinem Worte motivire, ferner um eine etatxwrdrige NUÖgabé von 150 000 „Fk, ent: kunden durch ein von der Postverwaltung eigenmäcixtig mit einer ausländischen Gesellschaft für die direkte Kabelvrrbmdng Deutschland-Norwrgen eingegangener, Schuldvrrhältniß. Em Jndemnitätsantrag sei unentbehrlich. _
Der Bundeskoxximiffar Direktor im Reich_s-_Postamt1)r. Fischer sante xiir die Berathung in der Kommiyston vqllstän- dige Ausklärung zu. Uébrigens habe dl? Postverwaltung in den: urgirten Faue durchaus nach vorgängigem Emvernchmsn niit den übrigkn Ressorts gebandclt. _
Nach kurzen Bsmerkungen der Abgg. von K_qxdorn imd Rickert wurde die Vorlage der Rrchnungskomm171ion iiber- wiesen.
Das Hays: trat darauf in dir zweite Bcrathung die?, Ent: wurfs eines Gesetzes, betresfmd dießrankrnvem1che_r_r_xng der Arbeiter aufGrund des Berichts der 1-111.Kommr1non.
Die Diskusion über die §§. 1, 111. und 2 wurde ver- bundrn. _ __
Dieselbrn lauten nach den KoninnmonsdQchluffen:
3. Verficberungszzxvang. §. 1. Prrfonen, welcbe gcgen Gehalt oder Lobn beschäftigt iind _ _
1) in Bergivrrken, Salinen, AufberettungI-Anstalfen, Brucben und Gruben, in Fabriken und Hüttenwerksn, beim Eiscnbabn- und Binnen-DampfschiffaHrTHbctrirbe, auf Werften und bsi Bunten,
2) im Handwsrk und in sonstigen nicht im §. 2 auxgesübrtrn stehenden Gemerbebetriebrn, _ __ _
3) in Betrieben, in denen Tamprewcl oder durcb elementare Kraft (Wind, Waffer, Dampf, (Has. beiße Lufi 2c.) bewegtcTrieb- werke zur Verwendung kommen, sofern die1e Vermendung _mcbt ausschließlich in vorübergehender Benutzung einer nicbt zur Betriebs- anla e gehörenden Kraftmasckine b_estebt,_ _
md, sofern nicht die Beschäftigung tbrcr Natur nach eine vor- übergehende odcr durch den ArbeitLVLrtr-ag im Voraus aus einrn Zeitraum von weniger als einer Woche beschränkt ist, nac!) Maß- HFW der Vorschriften dieses Geieyes gegen Krankhcit zu ver- 1 ern.
Betriebsbeamie unterliegen der Versicbrrungprlickot nur, wenn ibi: Arbeitéverdiensi an Lobn xder Gebakt 1echs zwei drittel Mark für den Arbeitstag nicht übersteigt. _ _
Als Erhalt oder Lohn im Sinne diem"? (Hewtch gelten auch Tantiémen und Naturalbeziige._ Der Werth der (extercn ist nach Ortsdurcbsckonittéprciien in Amar“; zu bringen. _ _ _
„§. 191. Die Vorschriften des §. 1 finden (1117 die _1z1_ der Land- und Forstwirtbscbast gcgen Gehalt oder Lohn bcicbasiigtc-n Prrsomn mit Anénabme des Gcstndes Anwendung. soweit dieselbe nicbt durcb Beschluß einer Gemeinde für - tbrxn Bezirk _oder eines weiteren Kommunalverbandek- für seinaneth oder für Theile deffelben aUSJescbloffen wird. Diiser Bc1chluß bedarf drr Gene!)- migung der höheren Verwaliungsbkhdrde. _ _ __
§. 2. Durch statutarijcbe Bestimmung einer Gemcinde _mr ibren Bezirk, oder eines Weiteren Kommunalverbandes fur feinen Bezirk oder Theile desselben kann die Anwendung der Vorichristen dcs §. 1 erstreckt werden: _ _
1) auf diejenigen in §§. 1, 18. bezeichneten Prrwnen, dercn Beschäftigung ihrer Natur nach_einc rorubergebendc oder dnrch den Arbeitsvertrag im Voraus auf einen Zeitraum von weniger als einer Wocbe beschränkt ist, _ _ __ _
2) auf HandlungSgebülsen und -Lebrlmge, Gehalten und Lehr- linge in Apotheken, _ _ _
3) auf Personen, welche_t_n_ anderen als den tn §. 1 bezeichne- ten Transportgewcrbcn beschaftigt werden, _ _ _
4) auf Personen, _rvelcbe von Gewerbetreibenden aurzerbalb ihrer Betriebsstätten be1chästigt Werden, _ _
5) auf selbständige Griverbetretbende, welcbe in eigenen Bc- Uicbsstätten im Auftrage und für Rechnnng anderer _Gewerbe- treibender mit der Hsrstelluna oder Begrbeitung geirerblicher Er- zeugnisse beschäftigt werden (Haußtndustrte). _ __
Die auf Grund dieser Vorschrift ergebenden statutarticben Be- stimmungen und Anordnungen müssen nrben genauer Bezeichnung derjenigen Klassen von Personen, auf welcbe __dte Ankrendimg de_r Vorschriften des §. 1 erstreckt Werden soix, Be1n_tnmungen uber _drc Verpflichtung zur An- und Abmeldung, 1owie uber dre Verpflich- jung zur Einzablung der Beiträge enthalten. _
Sie bedürfen der Genehmigung der boberen Vernoaltixngs- bcbörde und find in der für Bekanntmachungen _der G_eme1n_de- bebörden vorgeschriebenen oder üblichen Form zu veroffentlichen,
Der Abg. von Bühler beantragte die Ueberschrift „Ver- ßcberungSzwang“ zu streichen und .I). 1 folgendermaßen zu sass'enund anzunehmen: _ _ _ _
In allen Gemeinden des Dquchen Reiches sind auf offentlicbe
Kosten und unter Staatsgarantie .Hülfsyflxgen' zu errichten, in welche axle Arbeiter mit einem durchschmtt11cben Jabreßverdtenst
von weniger als 2000 ;“- freiwillig, feste, regelmäßige_Beitcäge, nach verschiedenen, ihrer Wahl zu uberlaffenden Stufenboben, _em- zahlen und biegegen nach Maßgabe der §§. 6, 7_, 16, 17 dieses Gesetzes und der ergebenden statutarischen Bestimnxungen ent- FreäoÄndebUnterstfößunFen kiön Krankheit und Unfall fur sich und re n e öri en ezie en nnen. _ , Mi? diesIn Hülfspfiegen sind öffentliche Spar- und Kredit- kaffen zu verbinden. _ _ _
Der Abg. Frhr. von ertlmg beantraßte die Stre1ch_ung des §. 1 a. und die Hinzu ügunH der [an = und forftwrrth- schaftlichen Arbeiter in §. 2 a_ls r. 6.
Die Abgg. 1)r. Gutftxtsch und 1)1'. Paasche wollten dagegen diese Arbeiterkategorren in §. 1 als Nr. 4 aufnehmen, §. 1 a demgemäß modifiziren.
Die Abgg. Ausfeld und Gen. wollten an Stelle der
§§. 1, 1 und 2 einen §. 1 sehen, der den Zwang ausschließt und nur besagt, daß durch Gemeindestatut die Vsrpftichtung der betr. Kategorien (auch der LandwirthschaftSarbeiter) zur Ve_rficheru_ng ausgesprochen werden kann.
_ Endlich beantragten die Abgg. Bios und Gen. die §§. 1 bis 3_d_er Kommisfionsbeschlüffe durch folgende Paragraphen zu erxe en:
§. 1. Aile Angehörigen des Deutschen Reichs, sowie alle dauernd in Deutschland sicb aufbaltenden Ausländer, welche das 15. Lebenéjabr znrückgelegi und ein selbständiges Einkommen bis 311 7») «141519 Tag baben, find auf Grund dieses Gescßes gegen Krankbeitssälle zu versichern.
Betrirksbramte, Welche in Betriebkvetwaltungen 'de-Z Reichs, eines Bundesstaais oder einrs Kommunalverbandes mit festem Ge- balt angeyteüt, smd von der Verficherungépfiickyt befreit.
§. 2. Die Krankenverfichcrung wird ausgeübt durch:
11. Geme_inde-Krankenverficberung,
13. Beruschnbffenicbaitliche Krankenversichernng,
0. KnappWankaffen.
Der Referent Abg. Frhr. von Malßahn-Gülß verwies zur Rechtfertigung der Kommisfionsbeschlüffe auf den von ihm erstatteten sshr auéfübrlichrn schriftlichen Bericht und be- merk_te sodann: Er glaube, es sei auen Mitgliedern diefes Harne?- gegenwärtig, daß die Berathungen, in die das Haus ]th emtrete, von einer ganz ungewöhnlichen Wichtigkeit für das gesammts Vatérland sein werden. Die Vorlage bedürfe gewiß der aklerernftestrn Prüfung, und sei derselben würdig, und nicht mir dér Verstand, sondern auch das Hérz und_G2- wissen nzüffe bei den Berathungen das Haus leiten. Er habe die Honnung und Zuversicht, der Reichstag werde zu der Ueberzougung kommen, daß die Vérschiedenheit der Ansichten bei diesem Gesrß nicht so groß sei, daß es nicht möglich wäre, eine Mittellinie zu finden, mit der sich fiir 1th akle Theile des Hauses einverstanden erklären könntsn. Vergeffe man nicht, daß hier virUeicbt noch mehr wie bei anderen Gelegsn- beitrn oft das BMW des Guten Feind sein könne, daß das HauS bei diesem Ersten Schritt auf einem bisbrr unbekannten Grbirt nicht gl€ich etwas, VoÜkommenes schaffen werde, daß aber einen ersirn Schritt zu thun, und ein Gesetz über die Krankenvcrsicizerung der Arbeiter, so gut wie man es heute: Zäune, zu Stande zu bringen, die heiligste Pflicht dieses Hau: es er.
Der Abg. Richter (ÖKJLU) erklärte, gewiß müsse, um mit dam Bcrichterstattrr zu reden, Verstand und Herz dei solcher Vorlage mitwirken. Aber den oerften Schritt in ein bisher unbekanntes Gebiet der Geseßgebung könne man dies Grieß doch nicht nennen. DirFortschrittSpartei habs dri einer Reihe von Gexrßen mitgawirkt, welche den besondern Bedürfnissen der Arbeiter im Vereinsleben gegen Gewährung entsprechen- den Rechtsschuße§ Rechnung tragen sollten. Er nenne nur den NamenSchulzL-Delißscb, der leider heut durch Erkrankung von hier fern gehalten werde. Auch die Krankenkaffengeseß- gebung sei von der FortschrittsPart-Zi durch Jnitiativantriige mehrfach gefördert worden. Die Unfallver11cherung§geyeß= aebung habe zuerst 1869 mit einem Antrag Becker aus der Fmtschrittspartei begonne11,und sei 1878 wiederum durch einen Antrag der FortschrittsPartei in Fluß gebracht worden. Die Fortschrittsimrtoi verhalte sich auch diesem Grseß gegenüber durchaus nicht negirend. Was seine Partei dem Kommisnonk“: beschluß gegrniiber positiv wolle, kennzeichne der Antrag der Fortschrittépartei. Seine Partei stehe durchaxx§ mehr auf dem Standpunkt, als ob sie auf die1em _Ge- 'oiet keinen staatlichen Zwang onte. Wer jeden Zwang zurückweise, müffe zuleßt den Staatszwang sclbst vérwerfsn. EH komme nur darauf an, bis zu welchem Maß man die Ausdehnung der Zwangsgewalt für richtig halte. Seine Partei woÜe selbst den bestehenden Zwang zur Kranksnversicherung ausxzehnen, aber nicht so weit, wie die Kommission. Man könne dssbalb den Standpunkt seiner Partei nicht einmal nmncbefterlicb nennen, so sehr mgn auch mit solchen Vorwürfen bei der Hand sei. Die Mehrheit iyoUe den aUgemeinen KrankenverficherunUSzwang für die_ landwrrth- schaftlichen Arbeiter aucb nicbt. Der Antrag seiner Partei unterx'cheide sich von der Mehrheit nur darin, daß dsrselbe den Zwang auch für die gewerblichrn Arbeiter nicht angemein woile, sondern nur da, wo die Gememdeorgane die Ausfüh: runxi eines solchen Zwanges durch Ortsstatute für gerecht- fertigt hielten. Auch bei den gewrxbltchen Arbeitern seren die Verhältniss nach Ort und Berufsarx durchaus verschieden. Die Mehrheit, indem sie den landwrrthschastlichen Arbeiter ausnehme, gebe zu, daß der Zwang nicht unter aÜen Um- ständen das Beste sei. Wenn diese Arbeiter das Gesetz als eine Wohlthat empfänden, würden fie nicht ihre Kräfte der Landwirthschaft entziehen, um fich einem unter der Woblthat dieses Geseßes stehenden Gewerbe zuzuwen- den? Der Antrag seiner Partei wolle die Gemeinde im einzelnen über die Ausdrhnung des Zwanges zur Krankenversicherung entscheiden lassen. Die Vorlage spreche freilich von der ungenügenden Einsicht und Thatkraft der Ge- meindeorgane. Darin zeige fich wieder das alte Mißtrauen in die Selbstverwaltung. Warum mrßtraue man nicht ebenso den ländlichen Gemeindeverwaltern? Die Motive sagten, daß die Mit lieder der Gemeindeverwaltung ein Interesse hätten, der Ein ührung des Zwangs und damit den Beiträgen de_r Arbeitgeber zu den Krankenkassen entgegenzuwirken. Aber die Organe der ländlichen Kommunalverwaltung seien 1a au§- schließlich Besser, und würden von Befißern gewählt. Die Anschuldigung gegen die Gemeindevxrwalter sei überhaupt nicht gerechtfertigt. Seit 1876 seren nicht weniger als 170 Ortsstatute zur Einführung des Verficherungszwangs er- laffen worden, während in den 22 ahren vorher nur 190 solcher Statute erlassen seien. In Prru en seien 343 solcher Orts- ftatute in Kraft ; wenn nun viele Gemeinden ein solches nicht haben, so sei das ein BeweiS, daß die Bildung freier Verbände dem Bedürfnisse bereits Rechnung getragen habe. Er bedauere, daß in dieser Beziehung noch keine genaue Statistik exißtre. Auch hier komme er wreder aus dem Widerspruch der amt- lichen Zahlen nicht eraus. Zu _verwundern sei alxerdinkzs, daß nach so vielen inderniffen, die dem freien Vereinswe en auf diesem Gebiete bereitet worden seren, fich doch noch aus der freien Initiative der Arbeiter so viele Krankenverbände
gebildet haben. DZT verstorbzne Abg. Jakobi, der seiner Zeit Dezernent im Ministerium gewesen sei, habe diese von der Verwaltung aufgestellten Hinderniss sebr drastisch geschildert, wie z. B. sogar über die Lebensfäbigkeit einer Kaffe die bereits 100 Jahre bestanden habe, nicht eher Untersuchungin annefteklt seien. Viele Verbände seien in der Reaktionszeit der fünfziger Jahre so lange gemaßregclt, bis sie 11019115 10117115 den bisherigen Boden hätten verlassen müffsn. Erst durch das Gessß von 1876 sei eine freier? Ent- wickelung des Kr'ankenkaffrnwesens gestattet worden. Auch das Sdzialisisngrsss habr vielfach in die frei», Kassen siörrnd eingegriffen. Dis obrrsn gestUick).-1ftltch€n Klaffén hätten sich nach Erlaß disies Gxsxßes nicht, wie erwartrt sei, mehr als früher der :?;rbxiterinterrffen anxxcnommr-n. Wie viele Arbeiter befänden sick) donn ükerbaxxpt nicht in tLiner Krankenkasse? Jedr Zt.1tistik dariiber fehle. Man sage ihm, es gebe in Preußen 1700000 gewerbliÖe Nrbeitchr, wovon etwa 1400 000, rinschlirßlick) drr Knappschaitévsreins, drreits in Krankenfaffrn seirn. Sokle man nun dir iibrigen 300 000 zwingen, sick) solchen Verbändrn anzuschlissxen? Disse 211521- ter gehörten keinrn Vsrbänden au, wobl auH dsnsrlden Grün- den, die für dir landwirtbscbaftlickzen Arbsiter hiklgkstélii wor- 0211 seien, Nachbarhiilie, Naturalleistungen U. 1". w. Arbeiter, die schon etwas vor sich grbraibt hätten, könntrn uniér Um: ständen bei der Selbstverdich€rm1g besser fahren ai§_52i der Kranksnversicberung. indem sie aus ibren Ersparnißcn die Koiten drr Krankhrit ertrankn könntc-n. Die neiieren Zwangs- vrrbände, welche dieses G'Fséß säxaffsn wiirde, jchädizztcn die Entwickelnng der freisn Kaffrxi. „Diess paßtrn 1111) dem indi- vidueUen Brdüriniß an, jene: müßsn nxck) LMU" Schadlonr cin- geriiirt sein, und könnten iidsr cin newiffetZ Minimum der Léistungen iiichtinnaqucben. Dieseidrn hätten vor drnfrrirnArbei- trrkaffen den Vorthril, dasz die Arbeitgrber rin Dritxsl der Beiträge beistensrn müßtrn. Tir Bciträaze würdrn cxckutoriich eingezogen. Bii der (Henwindevrrsicbrrnng kdmme noc!) BLS Unentgeltlichfeit dsr Kaffenvrrwnlnmn 5111311. Mit dsrart priviligirten Kaffrn vermöchtkn die freisn Kuffrn 11111“ zu kon: kurriren, WEnn sir in ihrer Vrrwaltung di? mißdräuchlick)? Auszahlunn, von Géldern deiondch fernbislteii. Jhnx 121 L_?- unklar, ob nicht durck) diries GLsZH den sréisn Kanrn die Handhabr zu diiser Kontrois, wrlchr in drr Karrrnzzxzt Und im Eintritisiisld bestehe, entzogrn wsrdr. DcmArbciter 711116 es gegenwärtig schon schwer,iri11 freics Wahlrrcbt zu bxwabren durch Abgabe cines verdecktrn Stimmzettelés, um m:rviel 1chwsr2r WLW? es d-xmse'lbrn fallen gegsnübsr dsn Behördén und Arbeitgebern. Die Leistungen drr Zwangskaffen würden in der Re,;rl nicht über dir eräbrung der Hälfte drs Tagclobncs zur Deckung der Mchrkosten der Krankhéit, und zur U11trrhaltung dcr Familir des Erkrankten gewährt. Ihre Verpflegung «ihr nicht? über 13 Wochen hinaus. Dabei sei das Grieß nicht :inmal konsequent. Wolle es für die gewerblichen Arbeiter einen aÜgemeinen Versicherungßzwang einführen, so dürfte man die Tagelöhner und diejenigen Arbeitrr, welcbe keinen ständigen Arbeitgebrr haben, am wenigsten ausnehmen, denn Die- jenigen, welche ach der Hand in den Mund lebten und unsichere Arbeitsgslrgsnbeit hätten, seien der Erschütte- rung ihrer wirtbscbaftlicbrn Vrrhältniffe in Krankheitsfäüen am meisten aUSJLsLHT. Vom Standpunkt des Grießxntwurfes sei der sozialistische Antrag jédenfalls insofern kor11€1111611t2r, als drrsélbe sick) anf alle Arbeitsr iiber 15 Jahre rrstreckr. Dir wirthichaitlich [„Über stkbenden Arbeiter unterwrrsr man in dieserVorlaq-e dem Zwangs; Dikjsnigen, welche nicht unier diesrn Zwang fielen, wiirden LÖ mn_so schwerer cnipfindrn, sich anderen Kassen anznicblicßsn, als 112 selbst für 1ich ksxine be- sonderen Kassen dildrn könnten. Beispielsweise fielen die Familienangehörigen des Arbeiters nicht unter die Zwangs- kaffen. SoÜe der Arbeiter nun für diese brsondere Krisen brgründen? Der drn Familienangéhörigen grstattexe Brxtrrtt sei unpraktisch, weil die Zwangskaffe nur am die drm szgng angehörigen Kategorien eingerichtet sei. Am Nachtherligiten sei aber die Neuerung, zur Durchführung des ZWcmgrsi dre Form der Gemeindeversicberung einzuführen. Die Ge111ei_1_1de- versicherung unterscheide fich von den bisherigen Ortskanén: Verbänden dadurch, daß bei der Gemeindever11ch2rung der Arbeiter keinerlei Antheil an der Verwaltung habe. Hier höre also das genoffenschaftliche Clément der korpqratwen Zusammenfassung voUständig auf. Aüerdings wolle die Vor- lage die Gemeindeversickzrrung mir äußerst subsidiär _als Ver: sicherungsform gelten (affen. In der Prax1§__ aber werde fie in Folge des Einflusses der““- Tragbeits- moments die herrschende werden. Was soÜe der Bürgermeister, Regierungsdezernent für ein Interesse haben, sich erst zur Em- richtung der Kassen mit Vertretern der Arbeiter zu benehmen? Sie hätten es ja bequemer, wenn Sie die Form_ der _Ge- meindeverficherung wählt-en. Die sogenannte Schreivrrwzrth- schaft und Bureaukratie bei den Behörden werde durch duxses Geseß ganz außerordentlich ausxzedehnt werden. Als Ynterjtes Organ werde der Polizeidiener bei der Gemeindeverncherung fungiren zur Ueberwachung, ob die als krank gemeldeten Arbeiter auch wirklich krank seien, und die Unterftüsyng ver- dienten. Das nenne man doch nicht korporattvrs Zumnxmen- fassen. Bei der Gemeindeversicherung trete das Verhaitmß von Leistung und Gegenleistung mehr zurück, und der Beitrag der Arbeiter nehme den Charakter einer Krankenbesteuerun
an. AUerdings gestalte der Gesetzentwurf den Gemeinden au
Erhebung dieser Krankensteuer zu verzichten. Glnube" man, daß die Gemeinden, über deren Belastung__ schon _ 1th ubergll geklagt werde, dazu im Stande seien? Waren ste dazu rm Stande, so würde die Deckung der Krankenkoften aus der Ge- meindekaffe thalsächlich aus emen Zuschuß zum Arbeitslohn aus dem allgemeinen Steuersäckel_ hmaztslaufen. Gemiß solle die Gemeinde Demjenigen, der sich nicht mehr _selbst helfen könne, Beistand leisten. Aber man werde doch nicht etwa die anze Klaffe der Arbeiter von vorn erem derart zu Unter- üßungöbedürfniffen degradiren i_vo en. Für den, der dre meisten Arbeiter beschäfti e, würde die Gemeinde auch den größten Zuschuß zu bezahlen ha en. Zuleßt laufe dies auf eine Prämie der Gemeinde zur Unterstützung der_ Großindustrie hinaus. Der Druck für den Arbeiter ser übrigens derselbe, ob dem- selben nämlich der Beitrag vom Lohn abgezogen würde, oder
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