1883 / 98 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger, Fri, 27 Apr 1883 18:00:01 GMT) scan diff

länger die Ehe gedauert batte. Von den in den Jahren 1867 bis 1881 durch den Tod gelösten Eben geschah dies von 11110 Fällen in 562,9, durcb den Tod des Mannes, in 437,1 durch den der Frau, und namentlich seit dem Jahre 1874 ist die Trenxmng_der Ebe durch den Tod des Mannes noch bäufi er geworden als in fruheren Jahren, Durchschnittlich hat jede im Ja re 1882 durch den Tod getrennte Ehe 23,1 Jahre bestanden, und zwar 23,7 Jabre, falls dieselbe durch den Tod des Mannes, und 22,2 Jahre, falls dieselbe durch den Tod der rau ibre Lösung fand. _ _

on 1000 im Jahre 1881 Gestorbenen (mit Ausschluß der Toitge- borenen) waren im Alter bis zu5Jabren bei dem mannlichen Geschlecht 464,76 (1880 494,08), bei dem weiblichen 440,67 (1880 469), von5-10 Jahren 43,03 m. und 46,69 w., 10-15 Jahren 16,16 m. und 18,75 w., 15-20 Jahren 18,45 m. und 18,64 w., 20-25 Jahren 24,81 m. und 23,30 w„ 25-30 Jahren 23,10 m. und 25,79 w., 30-40 Jahren 53,80 m. und 55,12 w., 40-50 Jahren 64,59 m. und 54,57 w., 50- 60 Jahren 80,66 m. und 73,53 w., 60-70 Jahren 97,84 m. und 105,30 w., 70-80 Jahren 79,65 m. und 94,90 w., 80-90 Jahren 29,17 m. und 38,82 w., 90-100 Jahren 2,17 m. und 3,70 w., über 100 Jahre 1,68 m. und 0,63 w.

Uni:“r den Grfiorbenen (obne Todtgeborene) folgender Berufs- klaffen batten sich während der ganzen Beobachtungszeit 1877 bis mit 1881 mehr als drei Fünftel Kinder von unter 15 Jahren befunden: Bergbau, Hütiem und Salinenwesen (769 pro Mille), städtische Fabrik- arbeiter ohne nähere Bezeichnung (714), Verkehrsgewerbe(679), Bau- gewerbe (646), Industrie der Steine und Erden (639), Metallverar- beitung (636), Gewerbe für Beherbergung und Erquickung (632), per- Lönlicbe Dienstleistungen alier Art mit Ausnahme des ländlichen Ge- mdes (627), Industrie der Nahrungs- und Genußmittel (626), Fabri- kation von Maschinen, Werkzeugen und Instrumenten (620) und In- dustrie der Holz- und Schnttistoffe (608). '

Die Sterblickykeitsverbäliniffe bei den ehelichen Kindern stellten sich im Jahre 1881 etwas günstiger, als in allen früheren Jabrxn, denn von 1000 Geborenen überlebten 957,86 Knaben, 965,46 Mad- chen die crsien Stunden (1880 957,20 bzw. 965,33), 948,37 bzw. 958,19 im ersten Tag (1880 947,74 bzw. 957,89), den zweiten Tag 942,85 bzw. 953,96 (1880 942,22 bzw. 953.75). Dagegen überlebxen von den unehelichen Kindern nur 943,38 Knaben und 949,32 Mad- chen die ersten Stunden (1880 943,65 bzw. 951,28), 931,63 bzw. 940,34 den ersten Tag (1880 932,28 bzw. 941,30) und 923,33 ,bzw. 933,95 (1880 924,92 bzw. 935,06) den zweitxn Tag. Nack) einem Jahre lebten von den ehelichen Kindern pro Mille noch 765,29 Kna- ben und 799,16 Mädcken (1880 747,47 bzw. 782,89), von den unehe- YYDZW 589,95 Knaben und 639,30 Mädchen (1880 579,01 bzw.

Die aÜgemeine Sterbeziffer stellt ficb im Jahre 1881 auf 26,51 (im Mitie11868-81 auf 28,28) pro Mille. Ueber dem Mittel waren besonders die Regierungsbezirke Oppeln (31,04). Breslau (30,33), Liegniß (29,63), Danzig (29,25), Stadt Berlin (29,21), Re- Yerngsbezirk (Gumbinnen (28,91), Cöln (28,79) und Sigmaringen

Kauft, Wissenschaft und Literatur.

Die Düsseldorfer Malerschule hat wieder ein namhaftes Mit- Fied durch den Tod verloren. Am 21. ds. starb der Schlachtenmaler

bristian Sell.

- DieGescbicbtsblätter fürStadt undLandMagde- burg (Mitibeilungen des Vereins 'für Gesckoickote und Alterthums- kunde des Herzogtbums und Erzstifts Mggdeburg), herausgegeben vom Vorstande des Magdeburéer Gestbubtßvereins. (Magdeburg, Verlag der Schäferschen Buch)andlixng, *A. Rüdiger) beginnen mit dem ersten Heft 1883 bereits ihren 18. Jahrgang. Das vorliegende Heft bringt weitere Aukzüge aus dem Kopialbucb im Stadtarchiv zu Burg (welches Begebenßeiten aus drr Zeit des Schmal- kaldischen Krikges erzählt), mitgetheilt vom Stadtratb Wolter; ferner eine Untersuchung über die Bibliothek des Klosters Berge, vom Prof. Dr. Holstein, Mittheilunaen über die wüsten Marken des Stadtieldes von Aken, vom Pfarrer W.Zak)n, und, als Beitrag zur Vorgeschichte der Reformation, eine von dem 1410. theo]. Pgstor Ernst Breeft, meist nach bandscbriftlicben Quelien bearbeitete Biographie des Dom- berrn zu Maodrburg, Dr. Heinrich Toke. Von dem unermüdlichen Sammler alter niedersächsixcher Volksgebräuche und Lieder, Pb. Wegner, enthält auch die es Heft einen interessanten Beitrag, nämlich eine Sammlung von Spielen aus dem Magdeburger Lande. Die mitgetheilten Spiele, denen auch solche _aus anderen Gegenden Norddeujséblands hinzugefügt. sind, bilden eine willkommene Er- gänzung der volkstbümlicben Liedersammlung. - Den übrigen Inhalt des efts iüUen die Vereinchronik, das Protokoll der 7111. Sitzung der iftorischen Kommission für die Provinz Sachsen und literarische Besprechungen. Die leßteren haben das von Dr. E, Jakobs beraus- gegebene Urkundenbuch der Deutsch-OrdenZ-Commende Langeln und der Klöster Himmrlpforten und Waterler in der GrafsÖaftWernige- rode (117. Band der Gesäxichtsquellcn der ProvinzSachsen) sowie das KerÜEW 151851131186 von H. Größler und Fr. Sommer zum Gegen-

an e.

- Altpreußiscbe Monatsschrift, neue Folge. Der Neuen Preußischen Provinzial-Bläiter vierte Folge. Hergaögegeben von Rudolf Reicke und Ernst Wichert. Der Monatsschrift 20., der Provinzial-Biätter 86. Band. 1. und 2. Heft. Januar bis März. (Mit 3 autographirten Tafeln). Königsberg i.Pr. Verlag von Ferdinand Beyers Buchhandlung, 1883. -- Aua) in dem neuesten

eft dieser Zeitschrift wird die höchst intereffanie Publikation des un- gedrucktcn naturpbilosopbischen Werks von Kant aus seinen le ten Lebensjahren, welches Rudolf Reicke in dieser Form als Manus ript berauégiebt, fortgeseßt. Diese Fortsexmng enthält zunächst eine Einleitung, in Welchxr von dem Gebiet, der Methode und dem Begriff der Naturwiffcnichast sowie von dem Unterschiede der- selben yon der Mathematikund der embiriséhen Physik gehandelt und gezeigt wird, daß fie Prinzipien a. Zriori haben müssen. Dann folgt eine Cinibeilung „der bewegenden räfte der körperlichen Natur in Ansehung ihres Urwrungs, ihrer Richtqu, des Platzes der Be- wegung und ier Erfüliung des Raums, endlich eme Eintbeilung des xrinzws der Naturforschung nach den bewegcrzden Kräften der Materie. ls Urfioff und Basis akler beWegenden Kraftx im Raum und der Zeit bezeickonet Kant den Wärmesioff. Die beidxn leisten Boge_n be- chäftigen fich mit der Flüssigkeit und Festigkeit der „Materie. - ' erner wird in diesem Heft auch das von J. Gallandi gesammelte erzeichniß Königsberger Stadtgeschlecbter mit dem Namen .Kalau' fortgeseyi und bis .Lübeck' weiter geführt. Drei brigegebene Tafeln veranschaulichen eine Reihe von Wappen alter Königx-berger Familien. - Unter dem Titel, „Ueber die Verbreitung einiger Ortßnamen in Ostpreußen“ bat Adalbert Bezzenberger eine intereffante etymologiscbe Untersuchung beigetragen, die, sich an den Aufsa? über die auf :kebmen endigenden Namen anschließend, diesmai die enigen untersucht, welche die altpreußischen Wörter arbia (Berg) und aps (Fluß) sowie die ihnen begrifflich ent prkcbenden lithauiscben Wör- ter kalnas und ups enthalten. _ Die Reihe der größeren Ab- handlunggn schließt mit dem Nachweise urkundlicher Spuren einer Kirchengründung zu Bladiau, von Adolf Rogge. - Unter den Krixiken und Referaten finden wir eine Bexprecbung des von Dr. F. A, Brandstäter verfaßten Danziger Sagen uchs und die Siyunngerichte der Alterthumßge ellschaft Prussia; unter den Mit- theilungen und im Auhange eine Untersuchung über deri Naxnen Memel, von 21, Thomas; eine Mittheiluzig von Gustav Link uber Napoleons ]. Aufxntbalt in Landsberg i.Ostpr. nach der Schlacht von Pk-Ev19u„ die liniverfitätéchronik für 1882/83 und die alt- preußische Bibliographie des Jahres 1882.

- Wurttembergische Jahrbücher für Siati tk und Landeskunde, herauSgegeben von dem Königlichen taiiftisch- topographisäxen Bureau, Jahrgangs 1882, 1. Band, 2. Hälfte und 11. 'Band. Stuttgart, Verlag von W. Kohlhammer. - Der speziell stattxiiscbe 2. Halbband des Jahrgangs 1882 dieser Publikation bringt eine stati tl1che Ueberficbt der_Bewegung der Bevölkerung im Jahre 1881, dann die Statistik der landwirtbicbaftlicben Bodenbknu un und der Ernte-

Wollmärkte von 1881 und 1882, die Aus- und Einfuhr von Wein, Obstmost, Branntwein Bier und Mal: nach und von anderen Bundesstaaten in den Étatsjabren 1_879/80 und 1880/81, die Ausfuhr von Früchten und Mühlfabrikaten uber den Bodensee in den Jahren 1880/81 und endlich den Schiffs- und Waarenverkebr in denJabren 1879, 1880 u. 1881. - DerUBand, enthaltend den 5. Jahrg. der „M ü rt tem- b er gisch en Vierteljabrsbefte fur Landeskunde", welcbe das Königliche statifiis - topographische Bureau bekanntlich in Ver- bindung mit dem erein für Kunst und Alterthuuz in Ulm und Oberschwaben, dem württembergiscben Alterthumsverem in Stuttgart, dem Historischen Verein für das württembergische Franken und dem Sülchoauer Altntbumsverein berauSgiebt, bringt, wie früher, an der Spitze die Chronik und den Nekrolog des Jahres 1882. Den bei weitem größten Raum des umfanglicben Bandes beansprucht eine außerordentlich fieißige und gründliche Arbeit des Diakonus und Be- zirks-Scbulinspektors in Geislingen, Alfred Klemm, der darin eine Uebersicht der württembergischen Baumeister und Bildhauer vom 11. bis um die Mitte des 18. Jahrhunderts dgrbietet, wobei auch ihr künstlerisches Seba en die gebührende Wurdi ung erhält. In der Einleitiing zu der_ rbeit findet sich auch ein sx r wertbvoller Excurs über die merkwurdigen Steinme zeichen ihre Bedeutung und eigentbümlicbe Verwendung, ihr frü „estes Auftreten, Entwickelung und Ende. Wegen ihrer Wichiigkeit bet der Identificirung sind diese Zeichen nicht nur den einzelnen Künstler-Cbarakteristiken in Abbildung beigegeben, sondern auch in einem befondercn Register zusammengestellt, wodurch dem Kunstforschch eine willkommene Handhabe zur Ermittelung des Urhebers geboten wird, Auch, ein sorgfältißes alphabetiscbes Registermacbt die in der Arbeitaufgespetckperten Daten equem zugänglich. - Aus dem übrigen reichen Inhalt des Bandes sei dann noch ber- vorgehoben: eine Uebersicht der württembergiscben Gefcbicbtsliteratur des Jahres 1881, von Prof, Dr, Hartmann, und eine Ueberficht der Erwerbungen, durch welche die Staatssammlung vaierländischer Kunst- und Alterthumsdenkmale in demselben Jahre erweitert worden ist. Der Württembergische AltcrtbumSverein ist, von kleineren Mitthei- lungen (zur Tübin er Bau- und Kunstgeschichte von Professor 131“. A. Wintterlinxc.) (: gesehen, durcb emen Beitrag über das ständische Archiv in Stuttgart, von A. E. Adam vertreten; der Verein für Kunst und Alterthum in Ulm und Oberschwaben durch die kultur- geschichtlich anziehende Beschreibung eines Ulmer Freiscbießens aus dem Jahre 1556, welche Professor Dr. Vcesenmcyer in einer Hand- schrift der dort" en Stadtbibliothek gefunden bat, sowie durch eine Reihe in vieler Hinsicht interessanter Briefe des Ulmer Reformators Martin Frecbt an seine Gattin aus den Jahren 1548/49, mitgetheilt von den Pfarrern Boffert in Bächlingen und Meyer in Dünsbacb. Besonders groß ist die Zahl der Beiträge des Historischen Vereins für das Württembergiicbe Franken. An der Spiye derselben steht eine heraldische Untersuchung über das Wappen an der „türkis 09.8- sarjs“ zu Monopoli, von Dr. Fürst riedricb Karl von Hohenlohe- Waldenburg-Sckoillingsfürst (mit Abbil ungen); dann folgt eine bis- Zer unbekannte Urkunde von, Göß d'on'Berlickpingen, aus dem Kopial- uch der Königlichen öffentlichen Bibliothek, zu Stuttgart mitgetheilt vom Ober-Studien-Rarh Dr. W. Heyd; eme Schilderung des Be- suchs Kaiser Karls 7. in Kirchberg a. d. Jagst, aus dem Urkunden- buch des Amts Kirchberg vom Jahre 1541, ausgezogen von F. G. Bühler; eine Untersuchung über den Namen Crailsheim, von G. Bossert; eine Abhandlung über die Sekte von Schwäbisch-Hal], und den Ursprung der deutschen Kaisersage, von Dr, Völser; eine genea- logische Arbeit über die ältesten Herren von Weinsberg, von Bossert, u, v. 21. - Der elegant ausgestattete Band schließt mit dem würt- tembergischen Hof- und Staatskalaner für 1883. Veterinartvesen.

Amtlikben Nachrichten zufolge ist die Rinderpest in dem Dorfe

Zagraby'), Kreis Warschau, erloschen. Gewerbe und Handel.

Die nächste Börsen-Versammlung zu Essen findet am 30. April d. Z. im Hotel Höltgen statt.

Brüss el, 26. April. (W, T. B.) Nach einer Mittheilung des „Etoile Belge" sollen die Wegen Aufnahme einer Anleihe ge- führten Verhandlungen zum Abschluß gelangi sein; Die An- leibe werde 160 Millioyen betragen, von denen 100 Millionen für das Anleibe-Syndikat reservirt und 6') Millionen zur öffentlichen Zeichnung aufgelegt Werden würden. Die Anleihe werde als 4proz.

ente emittirt. Die Zeichnung auf „dieselbe werde am 7. Mai eröffnet werden; der Emisfionscours set 101,50.

Antwerpen, 26. April. (W. T. B.) Wollauktion. An-

geboten 1834 B. Laplatawoklen, verkauft 1353 B. Preise fest. Verkehrs-Anftalten.

St. Petersburg, 27. April. (W. T. B.) Die Eröffnung der Schiffahrt auf der Newa ist bevorstehend, da das Eis gänzlich aufgegangen ist. ,

Bremen, 26. April. (W. T. B.) Nach hier eingegangener Nachricht hat der Dampfer „Standard" den Dampfer des nord- deutschen Lloyd „Habsburg“ am 17. April auf 48 Grad Breite und 23 Grad Länge gesprochen. Der „Habsburg' hatte eine gebrochene Welle; an Bord war Alles wobl.

Hamburg, 26. April. (W. T., B.) Der Ha'mburger Postdampfer .Saxonia' ist heute in St. Thomas eingetroffen.

Triest, 26. April. (W. T. B.) Der Lloyddampfer .Venus“ ist heute Nachmittag aus Konstantinopel bier einge-

troffen. Sanitätsweseu nnd Quarantäuewesey.

Nach Weiteren?) Nachrichten aus'Rio de Janeiro hat das gelbe Fieber in der zweitrn und dritten Woche des Mbnats März noch zugenommen. Der Hafen war bis zu dieser Zeit von der Epidemie völlig frei geblieben.

*) okt. R. A. Nr. 62 von 1883. "f) oft. R. A. Nr. 83 von 1883.

Berlin, 27. April 1883.

Das Landwirtbschaftliche Museum in der Invaliden- stra e bat namentlich in der leßten Zett intereffante Bereicherungen erfa ren. Unter der sachkundigen Führung des Prof. Wittmack nahm gestern Nachmittag die Gesellschaft ziir Beförderung des Gartenbaues in den preußischen Staaten die Schaße, des Museums in Augensciein. Die im Parterre untergebrachte Loologtstbe Abtheilung ist in aller- neuester Zeit durch eine überaus nstruktive Eier- und Nestersammlung vermehrt worden, die alle jene Vögel umfaßt, die fur die Land- wirthscbaft irgendwie nützlich oder schadlich smd. Auch die Sammlung von Skeletten der Haysthiere, wohl „die vollständiTste, die Deutschland überbaupi besißt, hat neuerdings manche emerkenSWertbe Ergänzung erfahren. Vor Allem den Bemühun en des Prof. Nehring ist es zu danken, daß nunmehr auch von dem ?osstlen Pferde, auf das man erst, in le ter Zeit aufmerk- sam geworden, Schädel und Knochenrefie m grö erer Anzahl dem Museum einverleibt sind. Die hier aus esteUtext Hunde sind im Braunschweigischen auSgegraben worden. ' ucb die ossile Kyh ist jetzt in recht cbarakteristtscben Schädeln u. dergl. vertreten, wahrend vom 1308 prjmi sniua, dessen Schadel das Greifswalder „Museum als Unikum be ißt, nur eine Gipsnacbbilduxig vorhanden ist. Das werthvoÜste Stück dieser Sammlung dürfte jener mopkabnliche Kub- scbädel sem, der, aus Südamerika" stammend, schon von Darwin er- wähnt wird und deffen fich kein anderes Museum zu erfreuen hat. Die Schädelsammlung der Schweine, deren Grundstock von Hrn. von Naibufius für 40000 .“. erworben, steht wvbl unubertroffen da. Das Museum besißt auch das Skelett des größten Hundes, der_ bisher existirt hat; es war das die deutsche Dogge .Mark', die einst Hrn. Mestern-Cbarlottenburg gehörte. Eins der _wertbvollsten und intereffantesten Stücke der Hundeschädelsammlung ist der Schädel des so ilen Bronzebundes, den das Museum dem Prof. Nehring verdan Daß Berlin, namentlich aber die Rixdorfer Sandgruben,

' Bezug auf die ?uchtergebniffe. k

manchem Berliner noch neu sein. Das Museum besitzt eine ann Menge die er Funde. Ein Glanzpunkt ker zooloYYben Abt!» ng ist die n schaffte Modellsammlung vor. Racepfer und Rindern, die auf Veranlassung des Prof. Settegast. zumeist nach lebenden Vorbildern vom Prof.,Wolff und Bildhauer Landsberg neuerdings modellirt sind. - Die erste Etage “ist der botanisäm Abtheilung eingeräumt. Gerade ibre Besichtigung dürfte auch dem Laienpubltkum babes Interesse bereiten, da wobl keine ähnliche Samm- lung so inftruktiv und allgemein verständlich geordnet i , wie gerade diese. Von allen Pflanzen, die als Nabrungkmittel d enen, werden zugleich die einzelnen Bestandtheile in den Prozentsäßen, in denen sie zu der Pflanze vorkommen, vorgeführt, und ist es so möglich, auf e'inen Blick den Werth der Nabrungömittel zu erkennen. Vergleichsweise werden in ähnlicher Art auch die Bestandtheile von Fleisch und Milch dargestellt. In der Abtheilung .Gertte“ finden wir auch solche aus alten Gräbern Egyptens, die nunmehr über 2000 Jahre alt ist. Auch die Weizenkörner und die Erbsen, die Virchow aus Troia mitgebracht, find neuerdings dem Museum einverleibt. Ihre im Vergleich zu unsern ieviaen Sorten geringe Größe zeigt, da unsere Landwirts)- schaft im Laufe der Jahrtausende doch fortqe cbritten ist, auch in Noch mehr als beim Getreide tritt das bei den E im hervor. Hocbiniereffant sind vor Allem dann auch jetie Hafer- und Maißreste, die die 1)1)r. Reiß und Stübel gelegentlich ihrer letzten Reise aus den Inkagräbern in Peru aus- gegraben Gerade diese Sachen haben sich ganz Wunderbar erhalten, einmal weil der Boden sebr salzbaltig ist, und dann auch, weil es in Peru fast gar nicht regnet. Seit 1848 hat das Land nur 5mal Regen gesehen. Die dabei gleichzeitig gefundenen prachtvollen Gewänder zeigen einen den modernen Anforderungen fich derartig anpassenden Geschmack, daß die bekannte Firma Gerson U,Co. bixrselbst bereits ernstlich mit dem Gedanken umgegangen ist, die Ge- wander zu imitiren, um sie als „neueste Mode“ einzuführen. Auch Bohnen sind in den Gräbern von Peru gefunden worden, und es hat sich dabei gezeigt, daß nicht Asten, wie man bisher immer annahm, sondern Amerika das Vaterland dieser Pflanze ist, die auch bier viel mehr gegessen wird als in Asien, Nebenbei sei bemerkt, daß das Museum die größte Sammlung von Gartenbobnen besi t, die es üSbtethßupt sgiebt. Die interreffante Besichtigung dehnte si über eine an e au .

Der Berliner Hausfrauen-Verein, der z. Zt. 1789 Mitglieder umfaßt, hielt gestern in Sommers Salon seine dies- jabrtge Generalversammlung ab. Der Verein hat bekanntlich im November v. I. den Betrieb der damals noch in der Beutbsiraße be- legenen Verkaufsstelle aufgegeben, als er vor einem Defizit von 7000 .“ stand. Nur Firma und Inventar smd noch Besiytbum des Vereins. Die Thätigkeit hat fich nunmehr ausschließlich auf die Stelscnvermittelung, die Kochschule und die Armenunterstüßung er- streckt. Bei der Stellenvermittelung standen 3483 Stellen- suchenden 1619 Herrschaften gegenüber. In 1026 Fällen war die Vermittelung von Erfolg. Die seit nunmehr 6 Jahren bestehende Kochschule des Vereins bat ins- gesammt 616 Schülerinnen auSgebildet; davon entfallen auf das vorige _ Jahr 216. Augenblicklicb erhalten 23 junge Damen dort Unterricht. Die Unterstüßungskaffe hat vom April bis Anfang De- zember v. J. ibre Fürsorge über 334 Familien ausgedehnt“ vom De- zember bis April 5. J. konnten von den 3432 Hüliesuckyenden 540 !Familien berücksichtigt werden. Von ihnen erhielten 203 Lebens- mitte , Kleidung u. dgl., 327 Volksküchenmarken, deren insgesammt 2633 vertbeilt wurden. Im Ganzen Wurden für die Armenpßege 1434 «46 verrvendet. Außerdem wurden zu Weihnachten 40 Famüien beschenkt. Das Vermögen der Unterstützungskaffe beträgt 3. Z. 195441714 In derselben Versammlung wurden die Statuten ge- an er .

„Der Allgemeine deutsche Musikverein wird seine dies- jährigeTonkünstlerversammlunginLeipzig veranstalten, und zwar in den Tagen vom 3. bis 6. Mai. Dieselbe wird “sechs Concerte umfassen: 3. Mai (Himmelfahrt), Nachmittags 3 Uhr, Thomaskirche: Oratorienconcert des Riedelscben Vereins; 3. Mai, Abends 7 Uhr, Gewandhaussaal und 4. Mai, Vormitta s 11 Uhr, ebendaselbst: zwei Kammermusikaufführungew 4. Mai, bends halb 7 Uhr, großes Concert im Neuen Siadttßeaier, veranstaltet von Hrn. Direktor M,

5. Mai, Abends 7 Uhr, Concert in der Nicolaikirche; ormiitags 11-2 Uhr, großes Concert im Krystall- Palast. Von auszuführenden Werken find u. A. zu nennen: Borodin, 1123-6111“ - Symphonie; Brahms, .Parzengesang' und Violinconcert; Cornelius, Männkrcböre; Felix Draeseke, 151-1501]- Requiem für Chor und Orchester; Giovanni Gabrieli, Sonate für Trompete, 6 Posaunen, Bratschen und Violoncelli; Adalbert von Goldschmidt, Vorspiel_ und Duett aus: .DieHleben Todsünden“: E. de Hartog, Suite tür Streichquartett; von erzogenberg, Duo für 2 Pianoforte; H. Huber. Or elkomposition; Fr. Kiel, Piqno- forte-Quinieti, & (iar; R, Korsa off, Streichquartett; Frz. Liszt, Kyrie und Gloria aus der O-moll-Meffe, Pianoforte-Concert un „PrometheUS“ (symphonisckpe Dichtung und Chöre); von Mibaibwicb, Faust-Fantafie für Orchester: Rich. Müller, Motette für Manner- timmen; C. Piuiti, Orgelfuge; J. Raff, „Liebesfee“ für Solo- Violine und Orchester; W. Rust, Motette für_Mannersiimmen;Rob. Schumann, Mignonlieder; einr. Schütz .Die sieben Worte", Pas- sions-Oratorium; Richard agner, Faui Ouverture; Vorspiel und Schlußscene aus dem 1. Aufzug des .Parsifal„ Kaisermarsch.

Der Fabrikant des Dr. GJ"). Zerenerschen Patent-Aniimerukions (gegen Hausschwamm), Hr. Yat) Schailehn in Magdeburg, hat vor Kurzem eine Anleitung zur cseitigung des Zausscbwamms herausgegeben, die er gratis und franco obne „erbindlicbkeit ver- sendet. Derselbe liefert ein flüssiges 309radiges Silicat, das haupt- Zächlich mit Borsäure und Cblornatrium praparirt ist und zum An- trieb des Holz- und Mauerwerks sowie zur Desinfiziruna des Mörxels und Füllmaterials 2c. dient, sowie zwxi trockene Sorten Antimerulth, präparirt mit den gleichen Stoffen, die noch den Vorzug besi en, die Feuchtigkeit, die das Schwammgewächs „erzeugt, nach erfolgter ödtung desselben dem Mauer- und Holzwerk wieder zu entziehen.

Warséhau, 26. April. (W. T. B.) Bei einem in der ver- flossenen Nacht in einer TischlerWerkstatt ausgebrochenen Feuer fanden 16 Personen den Tod in den lammen. - In Folge eines Strikes der Fabrikarbeiter in vrardow Wurde zur Verhaf- tung der Anführer Militär dorthin abgeschickt. Es mußte, da das

Stägemann * 6. Mai,

macht werden, wvbci 2 Arbeiter getödtet und 5 andere schwer ver- wundet wurden. __

Morgen, Sonnabend, findet'in Krolls Etablissemeni das 5. und vorleJe populäre Concert unter Leitung des Prof. Klitzd- worth statt. ls Solist wirkt Emile Samet mit, welcher das Violin- concert von Ernst mit Orchester und seine 131119501119 raaso zum Vor- trag bringen wird. Von Orcbe terwerken gelangen die Ouverture zu „Romeo und Iulie'_ von T (bai owskv, Wagners ,Sicgfried-Jd 11“, das ,FieSco'-Vorfpiel von ab; und auf Wunsch Klughardts 111. in- fonie zur Aufführung.

Am Sonntag findet das lezte SonntagSconcert des Phil- harmonischen Orchesters siaékt. Die bervqrraJendsten Solisten deze Javelle werden darin mitwirken, Der Etntr ttspreis beträgt

Redacteur: Nie 5 el.

Verlag der Expedition (Kessel). Druck: W. Els ner. Vier Beilagen

Berlin:

eriräge' im Jahre 1881, eine Uebersicht der Hage chl ge von 1828 bis 1882 einschließlich, die Ergebniffe der Frucbtmärkte im Jahre 1881, der

als Fundorte von Mammutszäbnen bekannt sind, dürfte selbst

(einschließlich Börsen-Beilaae).

Militär mit Steinen beworfen wurde, von der Waffe Gebrauch ge- .

M

Yichtamtliches.

Preußen. Berlin, 27 April in ' _ ., . weiter : Ygufe „der gestrigen (72) Sißung deZReichstagesaniZ-e ze zweite Verathung des Entwurfs eines Geseßes betreffend die Krankenversicherung der Arbeiter mit,§. LLfort- gescßt.Fü§. ?äL lautet nach dem Kommissionsbeschluffe*

, "r mmtliche Kaffenmitglieder beginnt das .

Zxsxßrixéx"§§x"z»3x (Mx, KMS“? ......3391295

' , mt em '- ei u ' Mitglieder der Kaffe gew-zrden find (Y 15).nkt§§“oanIffxel§iei?iglJ-F dern, welche nacbwelß'n, daß sie bereits einer anderen Krankenkaffe an ehort oder Beitrage zur Gexneinde-Krankenversicherung geleistet ba en, urid daß zwischen dem Zthunkt, mit Welchem ie aufgehört haben, einer solchen Krankenkaffe anzugebören oder eiträge zur Gemeinde-KranfenyersicherunZ zu leisten, und dem Zeitpunkt in welchem sie Mitglieder der rts-Krankenkaffe gewvrden sind,. 1,1th

Keb?! akxserxxx'izehn Wochen liegen, darf ein Eintrittsgeld nicht er-

SoWeit die vorstehenden Bcstimmun en ni kann d111ch Kaffensiatut besiimtüt Werden, gdak“; “OY KetZetglefebdie“ Untersiuyungeri der Kaffcxerst nach Ablauf eiiier Karcnzxéit beginnt und das; neu ezntrßiende Kaffenmügliedcr ein Eintrittchld zu zal)- !cn haben., Die Karenzzeit darf den Zciiraum von sechs Wochen das Einirtitngld darf den Vetrag des für sech Wochen zu lei:- ftenden K_affenbettrgqcs nicht übersteigkn.

Durä) das Kaffcqsiaiut kann ferner brstimmt werden:

1) daß Kgffenmttgltedet, Welche die Ka 2 wiedrrholt durcb Betrug gejchädtgt haben, von der Mitglied chaft außzusrhlicßen

find;

2) daß Mitßlicdern, wäcbe 1 die ,' '

JFF éßrschuldeZ,bTruankZÜiZketiTYder gZJlJFLLZitÖFUFÉWIeF uezoaenaen,a an "e '- oder-ZUF Sheilweiserku glewährssn istxnmaßig Krankengeld gar mcht . «1 einem it iede, wel es die " " - uxterstkzyung ununterbilochen oderchim LauxteatilitneysmFaiclxeendKe-TYHTI fu]; dreizehn Wochen bezogen hat, bei Eintritt einer neuen Krank- hxit nur der gesxylicbe Mindestbetrag der Krankenunierstükxung und die volle statuixnmäßige Krankenunterstüßung erst wieder“ chährt wird, wenn zwtkcben der letzten Unterstü rung und dem Eintritt dcr neuen Krankheit ein Zeitraum von dreizexn Wochen oder mebr liegt Sofern das Staiui nicbis Anderes bestimmt, ist deri Mit; gliedern, Welche gleichzeiiig anderweitig gegen Krankheit versickert find, die statutcnmäßigeKrankenuntersiüxzung so weit zu kürzen “als

L;,anZUsamtm-FWMÜ dEr ausaanchrzwxiter Versickerung brzox/enen

. cnunrr u*un, en rocn ' , '

.Tageiohnes übersteiZen würde. ? rag MW durO'ÖWUWM

ZierzF [WLW foandZZAréträge vor:

on en * gg. 1". at ei und 131“. :

Der Reichstag Wolle beichließfecxli: Paasche

it) §„ 22 Absaß 2 Nr. 2:

1) die Worte „durch eigenes grobes Verschulden“ zu streichen;

2) vor .Trxmkfälligkeit“ zu setzen: .voriäslick) odcr druch schuld)aft€ Bcikwtiigung bei Schlägercirn oder Naufbändeln“;

WYÜYlYNdiésie Tir. 2 wlixh f??) zdu YFM:

„.. (: .gie er11,we c 1 ie Krank eit vor " '

durck) schu1dbafie Beiheiliguna bei Schläaiereienhoder RFZYY'OOFZ

durck) Trunkfäüigkkii oder arscblecbtliche Ausschifungen zxi-Zezogaii

haben, das ftatuicnmäßige Krankengeld gar nicht, oder nur thril- weise zu gewähren ist".

Von den Nbgg. Or. Buhl und GM.:

Der Reichstag wolle beschiießem (315 Nr. 4 im zweiten Alinea hinzuzufügen: .4) daß auch andere als die in den §§. ], 1a. undLanannten

Personen als Miigiiedcr dcr Kaffe aufgenommen werden können.“

Vom Abg. Leuschner (Eisleben):

Der Reichstag one brichlikßsn: . im [eizien Alinea statt „dex: voUen Betrag“ zu sehen: „Drei- viertel des Betrages.“

'Der Abg. Dr. Buhl erklärte, das System der frei- wMgcn Versicherung, das in der Kommission zur Annahme gc-rlangt sei, steil? eine der wesentlichsten V?L?- bcfferungen dar, die durch die Kommission überhaupt an der Vorlage vorgejiommcn worden seien. Diese freiwiilige Ver- sicherung müsse a'oer nach seiner Uebcrzeugung noch weitér guxégedehnt werdsn, und dns brzwscke sein Antrag. Dsm- 12mgexi kleinen Gewerbetreib-enden, z. B. Schuhmachkr oder Schneider, der fiir Fabrikanten oder Konfrktionäre arbeite, würde der Eintriit in die Versickzsrunaskassc ohne weiteres ge- stat'tet sein, wohingegen dersclbe Msister, wenn dersklbe für Privatkundschaft arbeite, dcs Rechtes zum Beitritt in die Kasse verlustig gehen foüe. Er wünsche, das; auch diese Klasse der kleinen selbständigen Handwerker Zutritt zu der Kaffe haben solle, ebenso wie die bersits früher erwähnte Kategorie der Schreiber, die bis jetzt vollständig unberücksichtigt geblieben seien. Em Bedenken könnO der Antrag absolut nicht haben, da es ja auf der einen Seit? dem Meister unbenommen bleibe, der Kass? beizutreten, und ebenso auf der andern Seite die Kasse übkr die eventuel]? Aufnahme desselben Be- schluß fassen könne.

Der Nbg. Leuschner (Eisleben) bemerkte, das Kranken- geld müsse immer im Verhältniß zum Lohne stehen. Vom Standpunkte aUgemriner Humanität sci 1a zu wünschen, daß jeder Arbeiter nicht nur viel verdienexr, sondern_in1 Falle einer Krankheit auch möglichst viel Krankenentschädtgung„er- halten möge, aber alis diese Wünsche müßten doch im- mer im Rahmen dcr Möglichkeit sich, beweaen. Man werde zugeben müssen , daß die weniger gewissenhaften Arbeiter unter Umständen auch „ganz „Mt- schuldbare Neigung haben würden, m Fallen, wo eme geringe Jndisposition sie bewegen könne, „fich krankziz meldexi, dies auch sehr gern thun würden, und sick) so auf btlltge Mets? und auf Kosten dcr Koliegen ein bequemes Leben verschaffen wiirden. Das seien menschliche Schwächen, die nicht allem in Arbeiter- kreifen, sondern auch in höheren Kreisen beobachtet werden könnten. Um aber diesen Eventualitäten vorzubeugen, wünsche er, daß auch im Falle der Doppelverficberung der Betrag des Krankengeldes nur drei Viertel des Lohnes „betragen sollte.. Der Paragraph enthalte außerdem in seiner 1eß1gen Fassung die Bestimmun , daß für den„Fall der Doppelversicherizng "jeh: der durch chnittliche ortsübliche Lohn, sondern der wirk- !lche Verdienst des Kranken berechnxt werden solle. AUF!) das 1ei eine bedenkliche Bestimmung, die festzUhalten fur die ver-

, . , _ Erste'B'eilag'e zum Deutschen Reichs-Llnzriger und Königlich Preußischen Staats-Anzciger.

“E' 98.

Berlin, Freitag, den 27. April

' Der Abg. Dr. Gutfleisch erklärte, sein "2 i er 21 ' die Konsequenz seines früheren Antrages 3111st 6, tijzterragaiies1 irgend wxlchen Gründen abgelehnt sei. Es sei sein Be- strebeti, die Unterstüßngsbedürftigen nach Möglichkeit von alien Zwetfxln 'zu, reititgen. Bei dem vorliegenden Para- graphen se: die m semezn Antrag erörterte Frage noch von höherer Bedeutung als beim §. 6, und die ganze Wirkung des _Gcseses würde wesentlich abgeschwächt, alle damit beab- sichtigten,Wohlthaten wesentlich verringert werden. Er bitte daherCK seiZebn Yiißrag anzlunehmtén.K

, „dex g. «.o ren erk ärte, ie ommis um ei na Diskujsipn ,zu dem Resultat gekommen, dax cs sdem ÉHTYYF der Billigkeit entspreche, den AUSschluß w:»gen grober Ver- schulden aufrecht zu erhalten. Er habe fich für den Antrag Buhl zmd Gen._ erklärt, der ganz den Intentionen entspreche die die „Kommisnon bei Durchberathung der Gesche ge; lxitet hätten. 'Der Hauptwerth des ganzen (Heseßes lieg; für ihn im vorliegenden Paragraphen, der nicht aliem yon Doppelverfichxrung und von Eintrittszeit, sondern auch vzm ganzljckxer bder therlwetser Entziehung des Krankengeldes oder der Mitgliedschgft spreche. *Diese Zusammendrängung so vieler wichtiger „Bestimmungen, m den wsnigen Zeilen des Paragraphetr sei außerordentlich verwirrend, so daß auch die Kommission in 5le ersten Lesupg nicht leicht darüber hinweg- gekommexr sei. 'Es [affe fixk) nicht verkennen, daß die Bestim- mungenuiiber die Karen'zzeit ganz außerordentlich böse Folgen haben wurden„ iind fast immer Fchädlich, niemals nüslich wirken könnten. BU emzelt'ienogut' sttuirten Kassen möge die Fest- sesmxg der Karcnzzeix in dieser Form angängig sein, im All: gemeinen aber sei ne_ durchaus nicht zu empfehlen. Der stqtmrte Unterschied zwrschen einem Arbeiter bei seinem Ein- tr11t_ in die Fabrik, und einem Tagelöhner, einem landwirth- scha1tlich€n Arbe1ter,.sei unhaltbar, der Unterschied seiWiUkür. Auf der anderen Serke müsse er sich ganz entschieden gencn das _hier festgesxßte Eintrittheld auUpreckxn. Wenn man die arbeitsnde Bevolkerunq ganz Mutschlands zwinge; den Kassen be_1zutreten, dgpn müffq man nothwendigerweise auch das Ein- trittsxzelo vermeten. 'Ein solches würde nur dann zulässig som. wenn de_r Arbeiter überhaupt zum ersten Mal in eine Kasse trete, m_cht 95er, wenn derselbe eine andere Beschäftigung anxiehme. " Wie ein Geseß viele Bürger gegen ihren WiUen zwmgenkonne,_eme1_: Krankenkasse beizutreten, und diesen Lenßen obendrein em „Eintrittsxzeld bis zum Betrage von 6 Y.al 3 = 18 Proz. ihres Wochenlohnes abzunehmen, um in den "Zwang, zu_ gelangen , das vermöge er nicht zu, fassen. Wie ort, komme es vor, daß Arbeiter im Winter in Brayereren , Zuckerfabriken , GaLansialten, Kohlenzecben, Strinbrüchxn 2c. beschäftigt würden, während fie zur So'inmerzeit, wo diese versicherungspflichtigen Arbeiten reduzirt wurden, m_onatexatzg im Garten und auf dem Felde arbeitctexi. 'LrßtereBesckxqftigung unterliege dem Versicherungs- zwange im Angemeirzenmcht, Komme also ein solcher Arbeiter 11:1Herbste,zur_ Winterarbcit zurück, so soUe derseibe von NEUML „em Emtrtingcld in Höhe von 6 Wochenbeiträgen zahlen, und“ außerdem 6 Wochen Karenzzeit durchmachen“. Man habe hieraus ermrdert, daß der Arbeiter nac!) §. 23 es 1:1 der Hand habe, aufck) nach seinem Austriitaus dem BLtriebe, Kaffenxmtgiied zu hleiben. Das sei allerdings richtig. Man solle hisrbkr aber nicbt vergessen, daß dieses Vergnügen sehr thxuer fdr, denn er:; solches Kaffenmitglicd sci verpflichtet, nicbt blos srmen Eigenen Beitrag, i_ondern auch den des Arbeitgebers fortzu- zahlcti. Wenn das Oqus dteseVestimmungen annehme, dann gebe es 11111? ein Mittel, rme der Arbeiter all diesen Ouälereien und Eintrittsgsidern en'igehen könne und das sei der Eintritt in eme f1816 eingeschriebene Hülkskaffe. Das hätten die Freunde des frcien Hülfskaffenwesens m_ der Kommiifion sehr wohl cr- k-mnt, undderhalb hattsn sie für die Regierungsvorlaae und gigen Streichung der beiden ersten Absäße gestimmt. Würden diese Vestimmupgen angxnommen, so würden ganz besonders die_ waerfverxmsiaffßn,freie Bahn bekommsn, ihre Agitation ans die landw1rth1chaitltchen Arbeit-zr auszudehnen. Er könne daher nur, warner), Bestimmungen in das Geseß aufzunehmen, wel_che_geemnet seiexi, die ländlichen Arbeiter unvermerkt der Lxgttatton aniralisirtxr Hülfskassen zu überliefern. Hierin lagen neue sozialpolitische» Gefahren, deren Traaweite gar nicht abzusehsn sci. Cr zweifle Zilierdings keinen Augenblick, daß der Abg. Dr. Hirsch diese [eme Bedenken 2112an als Scb1varz= feherci und als „xragi-komrsckz“ bxzeichnen werde, wie dies bei §. 15 geschebsn sei. Or. Abg. Hirsch werde wiederum sagen, daß seine Warnquen nur aus Zorn und Neid, aus Haß gegeii seine„,bescheiden_e“ Person und aus Fanatißmus für Arbettgebermteresen hier vorgebracht worden seien. Er über- lasxx es Abg. Hirsch, diese Sammlung charakterisiiscber Aus- sprache 311111 Nußen und Frommen seiner Parteipresse heute FathBZliebeix zx: vergnkxehrxn. dEr Zinne nur sagen, daß ihm a“ 0 an em un e es b . ir" unan ene me wareÖals Mien Fadxel. k g H ?ck g h 1: “er Z. ü )temann erlärte, man sci gewöhnt den Haß des Abg. Lohren gegen die Genossenschaften, weil ,dem- selben sachliche Gründe fehlten, in persönlichen Angriffen sich Luft machen zr: sehen, aber damit mache der Abg. Lohren nur Propaganda fur diese Genossenschaften. Er glaube nicht, daß der Antrag Leizschner der Simulation ein Ende machenwerde, halte es aber fur Unrecht, die Versicherung, soweit sie nicht Ueberverficherung sei, zu beschränken.

Der Abg. 1)r. Hirsch bekämpfte den Anirag Buhl, weil derselbe über die dex: Rahmen des ganzen Gesetzes bildende Zwaygsversicherung hmauSgehe und so das System ändere. Uebrigens werde der Antrag Buhl nicht einmal allen kleinen Gewerbetreibenden hilfen, sondern gerade die durch Alter oder Kranklichkeit am schlimmsten Situirten blieben außerhalb der Kassen. Auch den Antrag Leuschner möge man aus den von anderer Seite schon vorgebrachten Gründen ablehnen. Da der Abg. Lohren keinen An- trag gestellt habe, so könne er nur annehmen, daß seine ganze Rede aus Unmuth gegen ihn entstanden sei, und ihn zu weiteren Widerlegungcxn provoziren sollte. Er werde dem aber mcht nachgehen, und sich nicht das billige Vergnügen machen,

sicherten Arbeiter selbst nicht empfehlenSwerth sein würde. Aus diesen Gründen bitte er, seinen Antrag anzunehmen.

1883.

alie Amendements, besonders we en der rakti “- ' ' - keitenÖ dieAslie möicheZ würden. g p schen Schmierm- , er g. r. ammacher (Essen) glaubte, da allerd' die geringere Unterftüßungsfumme die Simulatßionen 1itvtegrs- FZYFYYFFÜM enzlpfehxe haber: doch die dAblehnung des An- , wei era run Smä i ' ' NebeZUerficLhinungÉnheingingen. g ßg te besten Arbeiter er g. r r. von Heriling bekäm fte den Antra Buhl mit den schon vom Abg. Hirsch vorgebxxchten Gründer? urid empfahl den Antrag Gutfteisch, wenngleich auch die aus YYJZLFFUFTMWrgeschriLbCeznen SicherheitSmaßregeln ent- . en vom n ' - WMF: tZlisßten. g e der Unterstüßung aus er ' g. von Kleist-Rc-ßow bemerkte, der Na men Geseßes sei dazu da, un) bei den Zwangskassen ÜbeYhauptLei: Form zu finden, wre sie möglich sei. Wenn nun derartige Kgffen dem Rahmen des Geseßes entsprechend gebildet worden seien, „warum solle es darm nicht zulässig sein, Bedürfnisse auf die mgn stoße, hmemzufügen in die schon bestehenden, Kassen. Die, Hgndwsrkex', auf dem Lande seien, wie der Abg. Buhl ganz richtig ausgefuhrt habe, selbständige Handwerker ' allem ihre'mate'rteUe Steüung sei in der That kaum einé andere, wre die dex Gesellen. Diese Handwerker wür- den als solche vxrncherungßpflicbtig sein, wenn auf dem Lande Kassen gebildei werden könnten, was aber nicht- atigehe, da znan von 1511931 keine Beiträge einfordern könne. Dieseibcri seietz augenblicklich in einer weit schwierigeren Lage a'ls die eigentliFenHandarbeiter. Für (eßtere sei es leicht, in eine Zrankrnka e zu, kommsn; schwiüriger dagegen für den Handwerker. Nach seiner Ueberzeugung bestehe kein Hinderniß den Antrag Buhl anzunkhmen. Was den zweiten Animé Gutfleisch aybetxeffo, Fo freue er sich über denselben aus dem Grunde„weil die'Zahigkeit und Treue des Antragsteuers, der selien die Majoritat des Hauses fiir sich habe, die gleiche bleibe. Er erklare fich nicht gegen den Antrag, sondern er habe nurjden Wunsck, daß bei der dritten Lesung der §. 6 dxr Gememdxvexstckxrung ebenso gefaßt werden sollte, wie es hier gsgenwartig geschehen werde. Bezüglich des Antrages Lcuschnxr _gebe „er xine größere Gefahr der Simulation zu. Doch Wichtiger fur ihn sei es, daß ein Arbeiter in viel auf- bieie_und spare, daß derselbe in einem solchen Falle für die ZHW???" Fax? 2026 Ytskoeren habe. Er bitte also vor allen , a a aus ie beiden ' ' ' BUhYUUIleFne-S Anträge Gutfleisck) und

_er (3. tolle: hielt es für unre t, da aiif die Versicherung bei anderen Kassel:?ft oder cYuf di? "LTL diesen gxzahlten VLitkäge Rücksicht nehme. Nur der Arbeiter werde die Verfichcruna_ bei mehreren Kassen nachsuchen, dem es daruzn zu thun sei, im Falie einer Krankheit eine hohe Unterstützung zu erhalte'n. Diese gewiß lobenswerthe Absicht Wie mein nuit durch die Vorlage Unmöglich machen. Die Simulgtton emer_Krankheit könne nicht vermieden wcrden auch nxcht durch _die vorliegenden Anträge. ,

Die Diskussion wurde geschloffen.

Nach einem kurzen Schlußwort des Referenten Nbg. Frhrn. 0011 Malßahn-Giiiß, der nochmals unter Hinweis auf den Komm1sstonsbemcht die Kommissionsfaffuna empfahl, wurde, unter Ablshnung des Antrags Buhl sowie des Antrags Leyschnex, der Knmwissionsantrag mit dem Antrags Gut: fteisch mit großer Maxorität angenommen.

§. 23 [auiet pack) dem Vorschlage der Kommission:

„Kaffennxrtgltcder, welch? aus der die Mitgliedschaft begrün- denden Beschafttxzung ausichc1drn und nicht zu einer Beschäftigung ubergeben, ve_rznoge welcher fie Mitglieder einer andercn der in den'§§. 13, 53, 63, 67, 68 bezeichneten Krankenkassen werden, bleiben sy „lange Mitglieder,. als fie die Kaffenbeiträge zu den siatutcnmaßigen Zahlungsterminen iortzablen und sick) im Gebiete des Dxutschen' Reiches aufhalten, sofern ssie ihre dahin gebende Ab- ficht binnen xinxr Woche dem Kassenvortande anzeigen. Die Zab- lzrng der Beitrazix zum ersten FäÜigkeitstermine ist der ausdrück- lichen Anzeige gleich zu erachien.

, Die Mitgliedschaft erliicbt, wenn die Beiträge an zwei anf- emander folgenden Zahlunßsicrminen nicbt geleistet werden.

Durci) Kafferisiatut kann bxstimmt werden, daß in diesem Falle fiir nicht im Bezirke der Gemeinde sicb aufhaltende Mitglieder an die _Stekle der in §. 6 Absatz 1 Nr. 1 bezrichncten Leistungén cine Erhohung drs Krankengeldcs um ein Vieriel bis ein Drittel seines Betrages trixt. _ _

" Ueber die Etyßndung der Beiträge, die Auézahlung der Unter- siußngen und die Krankriikonirole für die nicht im Bezirke der Gemeinde sicb aushaltenden Personen hat das Kassenstatut Bestim- mung zu treffen."

Der 2153. Leuschner bsantragte, statt des Aufenthalts im Deutschen Reich den Wohnort im Gemeindebezirk des bisheri- gen Aufenthalts oder im Gemeindebezirk der leßten Beschäfti- guxig außer_der_ wetteren Beitragszahlung zur Bedingung der weiteren Mitgliedschaft bei der Kasse zu machen.

Der Abg. Leuschner (Eisleben) empfahl seinen Antrag um der Erlxichterung der Kontrole willen, während der Abg. Prinz Radztmrli_(Beuthen) auf Grund der in den Oberschlesi= schen Bergbaubnmktxn gemgckxten Erfahrungen ihn abzulehnen bat, um an der Freizügigkeit der Arbeiter nicht zu rütteln.

_ Hierauf nahm der Bevollmächtigie zum Bundesrath, Ge- heime Ober-Regierungs-Ratb Lohmann, das Wort:

Meme Herren! Ich möchte Sie doch bitten. den Antrag des Hrn. Abg. Leuschner, abzulehnen und zwar um deSwilien, Weil er einem Gedanken entgcaetitriit, _demvbci der Abfaffung dieses Paragraphen eine besondere Wichtigkeit beigelegt ist. Nach der Auffassung, auf welcher die Vorlage beruht, wird es für den Arbeiter als ein Vorzug angesehen, " wenn er einer organisirten Kranken- kaffgangebort und nicht nothtg hat, der Gemeindc-Krankenversicherung anheimzizfallen. Nun, kann_ aber der Fall so liegen, daß der Arbeiter, welcher, seine Be1chäftigung wechselt, aus einer Gemeinde, in der er bis jetzt einer orgamfirtxn Krankenkaffc angehört, in eine andere Geuzeinde konxmt, mo_er eme organifirte Krankenkasse, in die er wieder emtrcren konnte, nicht vorfindet, und dann würde ihm, wenn der Antrag des Hm. Abg. Legschner angenommen würde, nur die Gemeinde-Krankenverficherung iibrig bleiben. Dies isi der eigentliche Grund gewesen, warum man dreies Recht konstruirt bat.

Ich glaube nun auch, daß die Bedenken, die gegen dieses Recht geltend gemacht fixid, nicht so erheblich sind. Der letzte Abfaß des Paragraphen schreibt vor, daß das Statut dafür Vorsorge treffen

dem Abg. Lohren zu widerlegen. Der Abg. Prinz Radziwiu (Beuthen) erklärte sich gegen

so!], wie in diesem Falle die Beiträge einzuzahlen, die Untexstü ungen auSzuzahlen sind und in welcher Weise die Kontrole geübt ?verden