sonst find diese gegenseitigen Verpflichtungen zum Boykott und
so weiter sehr häufig. Wir haben sie schon bei anderen in der Enquete besprochenen Kartellen, z. B. bei dem Druck- papiersyndikat, dcn Eisenkartellen, kennen gelernt, und diese Erscheinungen werden auch in den späteren Verhandlungen noch häufig vorkommen. Kartclie sind ste aber nicht. Herr Geheimrat Bücher hat in seiner Schrift die außerordcntlick) bedeutsamen Folgen gcschildert, welche diese Berpßichtung haben kann einerseits dch-srlcgcr, eine Lieferungsspcrre cin- tréton zu lassen, andererseits der Sortimentcr, sich im die von den Verlsgcrn festgescxztcn Verkaufsbcdirigimgen zu halten; sie kann unter Umständen fiir die Händler zum Ruin, zu einer Vernichtung ibrcr ganzen Existenz fiihren, wsnn das auch vicÜsichi in dem vorliegcndon Fall nicht praktisch geworden ist, Weil sick) cbcn die Sortimenter immer fügen mußten. Iedcnfalis werden diese Erschcinungcn cinen Hanpi- gcgsnstand einer künftigen Kartoligescßgebimg bilden. Wiicküsindlrr Tr. Lehmann-Tmrzig: Meins Herren! Um die Frugc zit bcnrtcilen, ob der Börsenverein cin Kartei] ist oder nicht, möchte ick) mori) auf folgstich aufmerksam machen. Der Vcrcin sichkrt dem Verleger allein das Recht, den Preis, den cr vom Vuäüsindicr nimmt, zii brstimmen, ebenso wie den Preis, den der Wiirbhiindlcr vom Publikum nimmt. Ta cin Vcrlcgcr aber gloicixzsitig dasselbe Brick) nicht bloß an den Sortimentsbuchhändler, sondern aus sciiicm eigcnon Sortiment odcr, wenn er den Namen Sortimcnt nicbt fiihrt, doch aus seinem Vorlage iwraus an das *Lublikmn ziim Ladenpreis vcr- kauft, so steht fest, das; der Verleger als Prddnzont ch BUÖLS, der daS Buri) direkt an daes Pudliknm verkauft, anch das Rocks iwf, diesen Vcrkanssprcis fiir sick) fsstzustclicn. Und mmm er in iiczrig (wf diesen Vcrkaufsprcis, dcn Li“ selbst für sicli im OUD Pribiikmn fcststciit, verlangt, das; denselben auch derjenige a:111immt,dcr das Buck) wicdcrverkauft, so ist, glaiido ici], dmnii die Frage cntschicdcn, das; der Börscnvcrciri, dcr dicses Verdiiltnis feststellt und s(biißt, nickxt Lili Kartei] ist in dem SiiML, wic sorist dio Kartoiir siUd- Aber mcine Herren, _ Und hier ircio ick) in cinor Sachc anf, dic dcr Nccht§sck)n§: verein der deutschen Zortimctitcr vor 14 Tagen fiir die dies- jéik3ri512 Genomlvcrsmmnlmig ch Wörseiwercins als Anirag gestoiii Hat, die aber mcrkwiirdigcrwoisc im Börscnbiati noch iiiclit voriiffcnilickß worden ist (.Widcrspruci) bei den Vcrlcgcrnx _ wir [wbcw da wir voransiahcn, das; MS zwar vcriiffciit: [icht wordcn wiirdc, abcr nmdrsckxinlich erst am Tags dcr Hemigcn Vcrsmmnirmg oder nachvsr, cs besonders abdriickcn [affen _ _
Borsiyendcr cuntcrdrcchendp: Ick mdrhic dition, an dicse VdrchicMo, cm wciiiicm Jago 9-3 vordffrntlicht wcrdon wilt? odcr niclit, niriit zu weit cinzirgclrm; das iiiicrcsiicri uns cigcmiliri) iiicht.
Brick)i)ändler Tr. Lei)mani1-Tanzig (*fortfahrcnd): _ und Haben “Jimcn das;: Schriftstück Hier lzciiic vorteilcn lasscn. ("Un- lago 1.1 _ Also,. dcr Bdrsciwcrcin gcwiilrri dem Verleger dcn Niiiißait, daß er dem Preis feststhLn kann, den der Sor- iimcnier nimmt, und dcn Preis, den er gibt. Und nun bc: Hauptcn wir, daß in diescr Fcststcliimg, wsnn nicht das Sor- timcnt einc Mitwirkung an dicssr zweifachen PrsisbcstimmUng Hat, dariii aiicrdings (“ML :)iingbildung ch Bdrscmvcrcins gc- “schn wrrdcn kdmitc, Und chiwlb imiwn wir ch Antrag gcstciit, das; UW [)'isrin LiUL Miiwirkang gsgcdcn wcrdcn UOMO. Donn, msine Hsrrcn, c-Z [)undolt sick) gagcnwärtig UM dcii Raban, deii dsr Zdriiiiicntcr geiiicßt. SiO werdcn sick) sagen kiinnen, daß, wcim dcr Unicrncbmor _ durcb Konkurrenz: gründe gezwungon, wie Es immer [)cißi _ dio Diffcrcnz zwischcn dioson Preisen immer kleiner stciit, LS dahin kdmmrn kann, wie css tatsächlich stattfindet und sogar bci großcn VSL“- lcgcrn stattfindet, wenn sie wissen, die Sortimenter sind ge- Zwungcn, diose Bücher von idiwn zu kaufen, als Tiffcrcnz zwischen den Preisen fiir den Sortiiticntcr ein Null übrig bleibt. Es ist dann also von LiULM]Ui1“k[ichOU Rcinrabatt gar keine: Rede mehr. Darnm können diese Rabaitfragcn sehr [eickzi zum Irrtum fiihrsn, wenn man dcnkt, es kommt nur darauf an, don Rabatt zu beschneiden. Tatsächlich Handelt es- sick) iiicr zuweilcn nm kcincn Rcinrabait mehr. _ Also, meine Herren, ich möchte diese Unterscheidung machen: dN“ Börsenverein ist an sich keine :)iingbildung gcgeniibkr dem Publikum, weder er selbst, noch anci) dcr VerlageZbuchhandci, dem 217 dicse Stiiizc gewährt. Wohl aber kann er eine solchc Ringbildnng sein, wenn er den Sortimcnier weiter [)indort, einen Einflns; anf diesen Zwischenprcis, auf diessn Rabatt, der ihm iibrig bleibt, auszuüben.
Obßrbibliothckar Profcffor Dr. Schulz-Leipzig: Meine Herren! WWU es sich um don Ci)araktcr docs, Börsßnvcrcins, ob Kartrl] oder nicht, [)undeit, so könnte man ja nur eine tbsoretischc Frage darin schßn. Abcr ich glaube, das hat doch aiich cine wciicrgchendc Bcdcntnng. Es ist iiber die Kartells cingckxnd wiffenscimftlich vcrhandclt worden, und eine Ueber- einstimmung ist namentlich dai)in erreicht worden, daß, wenn Kartcich gerccbtfcrtigi sein sollen, sie bis zu einem gowiffen (Yradc dffdniiick) scin miiffcn, und daß ihr (Hobaren der Kon- trdilc dcr Osffentiiciscit 1111icrstcht und somit die Möglichkeit gsgedcn ist, dasscide an dcn Anfordcrungcn dLéZ allgemeinen Wohlcs zu mcffen. Dieser (JQsickUannki ist Es gcgcniibcr dcm bisherigsn Vorfahan ch Börsenvewins, der mich interessiert und der mich iibcrzcugt icin läßt, daß die Frago auch von praktiscbcr Bedoutimg ist.
Ich glaubs, das; dis Entscheidung üiwr die Frage, wcr daS Subjekt in dor Bekämpfimg do?: Kitndcnrabatts ist, auch dis Fragc cntsriwidct, ob der Börssiworcin odor die. einzelnen Krais: und Ortsvcrciiie die Karieile sind. Bis ziim Jahre 1887, wo das neue SiatUt dLE Börsenvereins begründet ist, waren es zwzifoilos dio Kreis“- und Ortsvereine. Man hat fich ja im Buäümndcl _ und, meins Herren, die alicrbcsten und vortrefflicbsten Brichhandlungen haben darin an der Spitze gestanden _ [(m-gc gewehrt, ein Karieii adznschlicßen. Dic Teubnsrsche und die Wsidmannsche Buchhandlnng waren die moralischen Fiiirrcr gogen dis AUSgestaitung dos Börsenvereins zu 9,1an Karicii. EH war meines Erachtens e'm starkes Ehr-
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gefühl der Verleger, was diesen langen Widerstand gegen die Zwangssinrichtung des Kartciis veranlaßt hat. (Oha! bei ÖM Verlegern.) Durch diE Statuten von 1887 ist der Kampf gegen den Kundenrabatt übergegangen von den Kreis: und Ortsvereinen auf den Börsenverein. Die Statuten dieses Börsenvereins bestimmen unter den Pftichten der Mitglieder in § 3:
Die Mitglieder find verpflichtet, bei den Verkäufen
an das Publikum . . . die von den Verlegern fest-
geseßicn Ladenpreisc einzuhalten. Also, meine Hcrren, die Mitglieder dss Börsenvereins find durch die Statuten des Börscnveroins verpflichtet, die?» zu tun. Anderseits find diese ganzen Kreis- und Ortswercine, von denen Herr Dr. Liefmann glaubt, das; fie dic Subjekte dcr Karteisbcstrcbungcu sind, Organe dos Börsenvereins. Also i[)rc Wirksamkeit ist die eines größeren Körpers. Nun glaube ich, daß diese gcschichtlichc Entwicklung bestimmt darauf hin- weist, das; der Börsenverein das Subjekt des Kampfss gegen den Windcnrabatt und somit das Kartei] ist. Der Cimraktcr der Kartelic schwankt noch in der wiffenschaftlichcn Beurteilung. Darauf wiirdc ich keinen großen Wert legen, ob cin Verein mit kartellartigem Ciwraktcr oder ein wirklichss Kartell vor- liegt; das ist iiicht von wsscntlickwr Bechtung; abcr er: handclt
sich darum: von wem gehcn dicse cncrgiscizcn _ um einmal im Sinne der Buchhändler zii yprcchcn _ Maßregeln zum
Schuxze dcs Ladcnprciscs mis? von dem Börsenverein odcr yon den Kreis: und Ortsvereinen? und ich gianbc, mrine Herren, es ist kein Zweifel dariiber, daß das Sabjokt dcr Börsenverein ist.
Vicilcicku darf ich darauf noch kommcn: in dem Bericht ist in wdrtlicher Uebereinstimmung mit der Ansicht dcs Herrn Dr. Licfmann gesagt:
Die Orts- und Kroisvcreine steilen fick) somich . . als territorial abgegrenztc Praiskdnvßntidncn dar. . . Die örtlich abgegrenzten Vereine [gabcn fcrncr Vercin- barungcn mit iiimlichcn Vcrsincn gsiroffcn. Tas sciioint mir eine tatsächliche Unrichtigkeit zu sein, soweit iki) dic Vcrhältniffe iibcrscimucn kann. Die Veroindarimg mit (ihiiliciwn Verciticn beruht (Ulf den von dem Börsciwcrcin in der Hairptvcrsamnilung von 1002 beschlossenen Verkaufs- bcdingungcn, fic ist also wicdcr ein Beschluß und eiiie Aktion des Börsenvereins. Da WR 023 untcr Z: ** Bci Verkauf an daS Publiknm nac!) auswärts find dio von dcm vom Börsenverein ancrkanntsn Ort:*“: und Kreié-Uercinc fiir das bcircffende Gebiet auf: gestelitcn VLTkiLllfÉÖLÖiUgUUgLU einzuhalten. Msi), mcins Herron, uicht einzelne Vereinbarungen, sondsm cine Bastimmmig des Börsenvereins. Das sind die fiir diL juristische Beurteilung des korporativsn und getwffenschaftlickxn Ci)akraktcrs dcr Buchhändlcrvcrcinigung entscheidenden Gesichts- pun tc. Vorsißender: Meine Herren! Es ist mir in der Dis- kussion angefailen, daß über das Verhältnis zwischen dem Börssrwcrein und den Orts- und Kreisvereinen anscheinend kcinc Uebereinstimmung der Auffassung besteht. Es wäre sehr crwiinscht, wcnn dor wciisre Vcrlan der Disknssion dicssn Punkt etwas klären würde. Aus dor Reds dos Herrn Vor- rcdners ging hsrvor, das; man zum Tsil dds Verhiiitnis anders auffaßt, ais LS vorhin dargestciit wordcn ist. Ich bitte imiithliii) auch die Herren Vortrctcr dos Bdrscnvercins, diirch T*ariogmig dcr Trganisutidn znr Klärimg diescr “Frage [wizu- Eragon. Briciziiändicr Prager-Bcriin: Moine Herren! Ich würdc miri) frciicn, wcnn ich sach kiinnte, daß dcr Börsciwcrcin cin Karicll ist; Nun ich biii gm“ kein Gogncr der Karicile, im Gegcntcii, ici) imiic fiL für eine wirtschaftliche Notwendigksit bei dcr ungcrcgclicii Prodrrkiidn und fiir ein Mittel, die Pro: diiktiim zu eincm richtigen Ende zu fiiinen. Leider ist das abcr im BUckyimndcl absolut nicht möglich; [cidcr haben wir im Bachimndei keine Einwirknng aiif die Prodnktion, und wcnn ich mich auf Hsrrn Staaissokreiär Grafon von “Losadowsky bcrnfen darf, dcr dis Kartcilc folgciidermaßon in seiner Er- dffnnngsrsde charakterisich hat: MS GTUUÖTMÖMZ dcr Kartcile kann bezeichnet werden, daß fie dic Srziolmig angcmcffencr Preise auf Grund der Anpaffung dcr Produktion an den Bedarf bc- zwecketi, so ist damit bestimmt dis Grundiage und auch tatsächlich der Wunsch bei dcr Bcgriindung dcr Gebilde, die man Karieii genannt [Mt. Jil) glaube nun nicht, daß wir hier fiir unsere Zwscke eine ganz besondere Bkgrifdecstimmmrg aufstelicn können, sondern wir miiffcn diLjLUigL nehmen, dio bis jcßt für cin Kartei] maßgcdend gcwsscn ist. ES handelt fick) also um die Festlegung der Produkiion, und dies ist im Buchhandel in der Tat nicht 311 wachsn. Jeder Produzent, jeder Verleger produziert fiir sick) ohne Riicksicht aiif soinc Miiprodnzcmicn; das ist ja gerade das Grundiibcl im Birchhnndcl, und das ist ja dor Grund dLl“ sogenmiiiien ULberprodUktion. Tie Ucbrr- produktion im Burhiwnddl ist eine andsro (115 die auf anderen Gebieten. Es [)aiidelt sick) hicr nicht darum, daß zu viel pro- dnzicri wird von den eiiizelncn Artikeln, sondcrn daß vor- sci)icdcnc gloichartigo odcr WMigstLUS ähnliche Artikcl cinandsr Konkurrenz macbcn. Ter Verirctor dor BEH'Ördc, der die Be- sprecbimg iibcr dns Karteresen LiUlLitLtL, orklärtc in dsr Er- öffnU11g§fiYUUg vom 14. Novembsr 1902: UntLr Karicilen, Syndikaten imd Konventionsn VOkstLM die Bsiwrde alle Vereinigungen von fcidständigen Unicrnchmsrn, wc-rlche den Zweck vdrfolgen, auf Grund- lage eincS privatwirischafilichsn Vertrach eine Ein- wirkung aiif die Preise der von ihnen [)ergsstcilten oder vcrtriebensn Erzeugnisse ausziiiiben. Man könnte mm sagen: der Buchhandel sucht aiif die Preise cine Einwirkung auszuüben. Adcr das ist auch nicht richtig. Die Préisc werden von den Veriegsrn fcstgßstcllt,
und dsr Buchhandel sucht nur eine Einwirkung insofern aus- zuüben, als er die von den Verlegern festgesteiiten Preise aufrecht- zucrkzalten sucht, oder sagen wir besser: daß der einzelne Ver-
leger den von ihm festgestellten Preis aufrechtzuerhalton wünscht. Das ein Kartei! zu nennen, ist meiner Ansicht nach durchaus unzulässig. Wir würden dann eine neue Kategorie schaffen, und das können wir doch nicht; wir müssen uns doch an die Definition halten, die allgemeine Geltung hat.
ES ist dann die Frage aufgeworfen worden, ob nicht die Orts- oder Kreisvereine ein Kartei! bildeten insofern, als sie auf die Preisbcmessung einen Einfluß ausübien. Das ist aber auch nicht der Fal]. Erstens mnß die Preisbemessung, die Erzielung angemessener Preise, immer eine Anpassung des Bedarfs an die Produktion bezwecken; das fälit beim Buch- handel voliständig weg. Es wird nicht etwa Rabatt gegeben, weil ein anderes gleichwertiges Buck) existiert, deshalb also dieses billiger gdgeben werden muß; das wäre eben eine An- passung an die Produktion, soweit dies die Händler warben können. Das ist aber nicht der Fail; es wird ganz einfach Rabatt gegeben, um Kunden heranzuziehen.
Was die-Organisation des Buchhandels anbetrifft, so möchte ick) auf die Frogs eingehen: wic verhalten fick) die Kreisvcrcinc gegeniiber dem Börsenverein. Die Krcisvorcine haben sich urspriinglich neben dem Börsenverein entwickelt, und die Organisation von 1887 hat die Kreisvcrcinc eingegliedert in die Organisation insofern, als: sie Organe des Börsenvereins geworden sind, was dadurch zur Geltung kommt, das; der Börsenverein idw Scißimgen bestätigt. Die Kreis: und Ort:*- vercine sind, wie Herr Brockhaus schon angefiihrt hat, in vielen Beziehungen souverän insofcrn, als der Börsenvereins.- vorstand gcwiffcrmaßen gezwungen ist, gewisse Dinge, die ihm vorgelegt werden, zu gcnchmigcn. Auf der anderen Seite aber hat er immer einen Einspruch, und insofern sind fio dcm Börsenverein untergeordnet; fie können aber jedenfalls eine bssondcrc Preispolitik nicht verfolgen, namentlich wenn sic in einer Richtnng gchcn sollte, die entgegen der ganzen Richtnng dcs Börsenv2rein§ ist. Ick) glanbc deshalb, man braucht in der Tat gar keinen großon Wert darauf zn legen, ob der Börsenverein cin Kartcl] genannt wird oder nicht; aber nach dem, was man cht untcr Kartei] versteht, ist meiner Ansicht nach der Buchhandel nicht unter diese Kategorie zu brings". Die Organisation der Orts: und Kreisvcrcinc können wir (ws dun sch0n angsfiihrtcn (Jriindcn auch nicht als Kartei] be- zeichnen, weil eben ihre Preisbildung, soweit davon iibcr: imnpt die Node sein kann, nur einseitig ist nach cincr bestimmten Nickßung, jcdcnfaiTS abcr niemals gcgen dic Nichtimg dcs Börscnvcrcins scin kann.
Vorsißcndcr: Aue.“, don Ausfiihrungcn des Herrn Vor: rchch bin ich doch noch nicht zu einer voliständigen Klarheit dariiber gckommen, wie das Verhältnis zwischen den Kreis- und Orisvcrcimcn und dem Börsenverein ist. Ich hoffe, daß nachor noch von aiidorer Saito auf diesss Verhältnis ein- gegangen werden wird. Einstweilen habe ich aus dcm Gesagten gcschloffen, daß die Kreis: und Ortsvereine Organe des Börsenvereins find, daß der Börsenverein ihre: Statuten zu genehmigen hat, daß er unter Umständen auch auf ihr Vorgehen in bezug auf die Preisbildung insofern einen Einfluß ausüben kann, als er eine seincn Tendenzen enigcgengcseßte Proißpoiitik vsrhindern kann, das; aber der Börsenverein als solcher im iibrigen nicht in dcr Lags ist, die VrciSpolitik der Kreis: und Ortsvereins vorzuschreiben. éZuruf: Er hat da?: B2stiitignng§rcchch VLNUUilick) werden wir nachher noch einmal aiif diesen Punkt zurückkommen.
Univerfitätßprofcffor, (Hehoimcr Rat Dr. Wackchipzig: Ick) halte LÖ fiir besser, wenn die Frage des KarteÜs cht crst erledigt wird; ich fiir mcinePerson wolite nicht zn diescr, sondLrn zu der Frage der Mittel dor Organisation und ibrcr Handhabung sprechen. Ick) bitte also, mir nachher das Wort zii gcbcn, wen" die Kartciidiskussion abgeschlossen ist.
VerlagWuchhändlcr Geheimer Konnncrzienrat Kröner: Stuttgart: Es ist der Wunsch auSgcsprockxn worden, daß diejenigen, welche im JQÜW 1887 cm dcn der Schaffung dcs: neuen Börsenvereins vormisgogangknon Beratungen teilnahmen, fick) iibcr die Frage äußern möchten, ob dicser Verein ihrer Meinung nach als ein Kartell anzusehen sei oder nicht. Ich möchte mich [)icr nur auf die Arboit des Herrn chierungs: rat Dr. Voclckcr bcrnfcn, wsickxr diese Frage in ganz klarer Weise und im volion Einverständnis mit dem, was uns damals leitete, besprochen Hat. Es ist da gesagt:
Die Regelung der Nabatwcrhältniffe liegt im wesentlichen bei den öriiichen Büchervsreinen. Tisis Vereine biidcn OitWU inicgricrcndcn Bestandteil ÖGS Börsenvereins. Nach den Zaßungen desselbsn diencn sie zur Förderung dcr besonderem geschäftlichsn Auf: gaben dcr verschiedenen (ZeschiiftH-zweige des Buck)- l)a11doi§, zur Wahrung örtlichcr Jntcre'ffen und ZW.“ Unterstiißung des Börsenvsrcins in seiner Vsrirstumg der ailgcmeincn Intorsffcn des deutschen Buchhandels. Dic Saßungcn diLsLL' Vcreinc sind dem Vorstande ch Börsenvrreins zur Gcnchmigung vorzulegen. T-cn Ortes: und KrciSvcreincn ist cs überlaffsn, sich in ikircn Verkaiiféobsstimmnngcn Beschränkungxn aufzu- erlegen, die: 11er das von dcn Saßungen des Börscii- vcrsins Geforderte noch hinaithchcn, es bleibi jedoch den betreffenden Vereinen Überlassen, die Durchfiihrung und NUfr€cht€rhaiiung solcher Voschränkungen scibst zu Überwachen und zu schiixzen.
Die Orts- Und KreiÉ-vereine stellen fick) sorwcki, soweit die Regelung der Rabattstage in Betracht kommt, als isrritorial abgßgrenzte PreiSkonventioncn dar, innerdalh ihres Gebieteß dürfen die einzelnen Exemplare einer Auflage bezw. einos bcstimmtcn Werkes nur zu einem einhsitlichen Preise verkaUft werden. Die örtlich abgegrenzten Vereine haben ferner Vsreindarungen mit ähnlichen Vereinen ge- troffen, wonach bei Vßrkäufen in ihre gegenseitige" Adsaßgebieie die fiir diese festgeseßten Bestimmungcn einzuhalien sind. Die Aufrechterhaltung der Ver- einbarungen wird gewährleistet durch die Einrichtungen und Maßnahmen des Börsenvereins, dessen Tätigkeit
jenen Preiskonventionen gegenüber als die einer “Aufsichtsinstanz und eines schiedßrichterlichen Organs dezeichnst werden kann. Man kann daher den Börsen- verein als solchen nicht wohl als ein Kartei] bezeichnen, sondern nur als das gemeinsame Organ einer im Kartellverhéiltnis zu einander stehenden größeren Zahl von bnchhiindlerischcn Preiskonventionen. Da jeder Verstoß gegen die von jenen getroffenen Abmachungen zugleich einen Verstoß gcgen die Saßungen des Börsenvereins in sich schließt, da ferner sedes Mit- glied cines anerkannten Kreis: und Ortsvereins zu- gleich Mitglied des Börsenveroins sein muß, so steht dcm leßtcren gemäß seiner Saßungen das Aus- sck)licßungsreci)t gcgen jedes rsniienie Mitglisd eines Ortk: und Kreisvercins zu. Da aber eine Aus- schlicßung aus dem Börsenvcrciric den Geschäftsbetrieb cines Buchbiindlch außerordcntlick) erschwert, wenn nicht unmöglich macht, so erklärt sick), wie die Orts- und Krci-Zvercine dank ihrer organiscHen Eingliedcrung in den Börsenverein imstandß sind, die Durch- fiihrung ihrer Vereinbarungen und Abreden zn sichern. Meine Herren, klarer als es hier ausgedriickt ist, kann man in der Tat nicht wicdcrgcbcn, was damals bei Schaffung der neuen Vereinbarungen über diese Frage von uns gedacht wurde, und ick) kann meine Meinung nur dahin aussprechen, da[; das, was von Herrn RegicrungSrai Dr. Voelckcr hier niedergelegt ist, auch heute noch vollstiindig unseren Anschauungsn ent- spricht. (Zustimmung bei den Verlegern.)
Vorsitzender: Vielloicbt gestaitdn die Herren, daß ich noch eiiie chorkung dazwischen mcnix. EH war vorhin, ich glaube, von Herrn Brockhaus, darauf anfmcrksam gemacht, daß die Oris- Und Kroisvcrcine nach dieser ?)iichtnng selbständig vorgehsn könnten, und OS war andcrcrscits von Herrn Professor 'Dr. Schulz ein Brief verlesen worden, ans dcm anscheinend das (Hsgcntcil hervorging. Vielleicht erklärt sich mm nach den Darlegunch des Herrn Geheimrat Kröner die Sache dadurch, daß in bezug anf die Einhaltung WZ Laddnprciscs das, was ddr Börsenverein angeordnet [)at, als Minimum anznsehen ist, daß abcr dariiber hitmus noch die KrciS- und Ortsvereine weitere Beschränkungen beschließen können. (“Zustimmung bsi dcn Buchdändlcrnkd Dann würde ja der Widersprnck) gclöst sein, ich wiirde l)icr1mck) armehmcn, da[; _ um auf den an- gcfii[)rten Fall zu crcmpiifiziercn _ man dsn .Herren, die in Dresden bsteiiigi waren, vcrwsigert hat, hinter dem znriick- zublciben, was der Börsenverein als, Mininmm vorgcsckzriebsn hat, daß man ihnen (1er gestattet haben wiirde, weitere Be- schränkungcn eintreten zu lassen.
Verlagsbaniindlcr Albert Brockimus-Loipzig: Msin-x Herren! (Icstattcn Sie mir, ganz kitrz anf den Dresdener Fal] einzugehcn. Bevor ich das ine, miicksto ich noch auf etwas: andrrcs zurückkommen. Wenn ich Herrn Professor Schulz richtig verstanden habe, sagte er, die Hauptver- sammlnng ch Börsenvereins habe jene drei Verkaufsdr- stimmungen _ Paragraphcir _ genehmigt, welche hier in dem Referat abgedruckt sind und welche für MS maßgebend sind. Das ist Nick)! richtig. Der Haitptvdrsamrniung ist nur mitgeteilt wordon, daß die Krcis- nnd Ortsvcrcins in ihrer Delegisrtenversammlmig beschlossen haben, die §§ 1 bis 3 in dcr bekanntsn Weise zu faffon. Also 26 ist vollkommen das souveräne Recht der Lrts- und KrciSvcreino gewahrt worden, ihrerseits die Nabatic fiir ihr Gebiet und fiir Licfcrungen nack) ihrem Gebiet festzusetzen. Im großen und ganzen sind für uns dio Gssickxswinkte maßgebend, die Herr Professor Schiilz amgsfiihrt hat aus dem Saßungen. Die Konstruktion läßt sick) nicht kiarer und hübscher geben, alS sie Herr chicrnngsrat Tr. Voelcker bier gogebcn hat. Die Darstellung trifft ganz richiig den Sinn dLffLU, was Herr Geheimrat Krönßr damals mit seinen Freimden geschaffcn hat und was wir fortgeseßt haben und weiter ausführen. _ Was min den Dresdner Fail anbetrifft, so liLgi die Sache in kurzem folgendermaßsn. Der Verein der Dresdener Buchhändißr und der Verband für das Königreich Sachsen _ zwei Vereixie, VW in Dresdon bestehen _ beschlossen iib-ereinstimmpnde VorkaufSNstimmungen im Juli 1903. Disse enthalten in § I did Bestimmung, daß sämtliche Ausnahmsbestimmungen, also (mch diL Wheren Rabatte an diE Königliche Bibliothek, abge- schafft wcrden sollien. Dar Bßscksuß ist in einerHaUptversammlung gofaßt wordsn. Nun faßten im Jahre 1904 der Vorstand des DreSdcncr Vereincö und des Verbandes Sarhsen den entgsgen- stehendaneschlufz,die100/0fiirdieKöniglichoBibiiothckzugdftattcn. Es war die Pflicht des Börsenvereinsvorstands die Dresdner Lieferanten darauf aufmcrksam zu machen, daß nicht ihre Vor- stände, smidcrn nnr ihre Hauptversammlungen in der Lags seißn, einen von einer Hauptversammlung gefaßten BeschlUß abzuändern. Ich habe ihnen namens des Vorstandes zu „W klären gehabt: entweder es wird eine Haitptversammiungf'ein- berufen, die eine Ergänzung zu §Z beschließt, daß die Konig- lick)? Bibliothek 100/0 bekommt; oder es bleibt bei dem Be- schluß der beiden Hauptversammlungen, dann miißi ihr die Lieferung mit 100/() ablehnen. So ist die EinwirkunZ des Börsenvereins in disfem FaUe gewestn, und ähniickrgeftalfet si? sick) in allen anderen Fiilien. Meins Herren, die Oris- und Kreisvereine wiffen ganz genau, obcs droht, daß in ihrem Gebiete Rabatte, die bßwilligt worden find, Nachahmer finden, od ihnen droht, daß neue Ausnahmebestimmungen ver- langi werden, oder ob sis das nicht zu befürchtet) haben. Je nach dem einen oder andern Falle WSUÖM sie sich vorher. an den Börsenverein und teilen sie uns vorher gelegentlich ihre Ansicht mit, oder sie unterlassen es. Ist das gesckxcheii seit dem Erscheinen von Prof. Biichers Schrift„so habe ich jedem einzelnen dieser Vereine geschrieben, daß ich m.) Named des Vorstandes Sie bitten möchte, die Reibungsflachen zwischen Buchhandel und Vibliothsken nicht zu „vermehren, „daß 11? (1er das ausführen sollten, was vor zwer Jahren die Haupiver- sammlungen ihrer Orts- und Kreisvereme beschlossen hattizn, entweder die Ausnahm2bestimmungen abzuschaffen oder'geWtsse Ausnahmebestimmungen, Uebergangsbestimmungen weiter be-
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stehen zu lassen. Meine Herren, der Vorstand ist außerhalb der statutarischen Rechte machtlos gegeniiber dem, was die Kreis- und Ortsvereine bcschlosscn haben. Können sio es mit ihren wirtschaftlichen Interessen nicht vereinigen, die Ueber- gangsbestimmungen, AuMahmabestimmungen weiter zu ge: währen, und fiihren sie einen Beschluß ihrer Hauptversammlung von vor anderthalb Jahren aus, so können wir ihnen nur sagen: diese Aiisrmhmebestimmungen werden anfgckiindigt. Nun könnten Sie sagon: der Börsenverein [)at soviel Macht, er müßte imstande suin, dcn Gegenwiilcn dsr Orth- und Kroisvercine zu brechen. Das ist tatsächlich nicht dcr Fail. Wir fassen uns auf als gerechte Richter. Wenn uns ein derartiger WWW zu Ohren kommt, haben wir uns- die Frage vorzulegen: wird ein Juteroffe dcr buchhändlerischcn Allgemein: heit geschädigt durch dio (chehmigung oder Verweigerung dsr Genehmigung dessen, was von uns verlangt wird? Dicscr Gesichthpunkt ist fiir die Entscheidung allein masxgsbond, Und da ist denn bereits 1887 vom Vorstand des Biirscnvrrcins erklärt worden, daß wir einen Rabatt von so und soviel fiir möglich, dariiber hinaus fiir schädlich und fiir vom Bdrson- vereinsvorstand nicht zu genehmigen ansehen. Anf (Hrnnd dicses damaligen Beschlusses, den alle späteren Vorstiindc bestätigt haben, hält sich der Börsenverein fiir berechtigt, die (532- nebmigung zu versagen, falls iiber gewisse Prcirxsäßc [)inaiw Wünsch gsäuszcrt werden; aber nicht fiir berochtigt, irgend eine Gedehmignng zn vcrsagen, die innerhaib dieser Grenze liegt, wsnn der betreffende VLrein auf scinßr Haiipivcrsanim: lung den Boschlns; rin; gefaßt hat. Ick) möchte also, als das Einfachste, mich beziehen _ wie eben Herr (Zchcimrai Kröncr _ auf den Sachbericht von Herrn RegierungsratDr. Voelcker. Es sind richtig dargestellt: das Aufsichtsrechi, dW (912nci)mi- gunchrcckst, daS Einspruchsrecht des Börscnvcrciiwiwrstandcs, und es istrichtig, wcnn gesagt wird: wenn, iiber die „bcsondercn Vcrkmrfsnormen“ des J“ 3 Ziffer 5 der Saßnngon [)imms, von dcn Orts: und Kreißvcreinen anderes beschissen wird zum Bcispicl, ch soll nicht erlaubt sein, in cinom Ladonfcnster Antiqimria und 112116 Biichdr durcheinander auszustellen, da: durch werds dcr Anschein des unlauteren Wettdcwords er- weckt _, so sci das eine Bestimmung, die der .VÖL'sLUVU'Li11 nicht schütze, wenn dagegen gefehlt werde, sondcrn or sage dann: schiixzt citci) selber. Insofern gibt es also iatsäclüick) _ und dadurch erklärt sich der anscheincnde Widcrspriick) _ Be- stimmungon, die der Börsß!102rci1111ichtschiißi, und andere, die er schiiizt mid zu s(hüHLU verpflichtet ist.
Vorsißcnder: Zu der Frage, deren Vesprcchnng wir vorhin unterbrochen haben, ob LÖ sich um Lin Karteii [)Nildßlt, wollte Herr Dr. Lsimmnn das Wort habßn.
Biichi)ii11d[er Dr. Lehmann-Danzig: Horr (Ishcimrat Kröner und Herr Brockhaus haben die Sackw nach meincr Ucberzeugung ganz richtig aitßeinandergcscßt. EH könnie (1er noch wünschenswert sein für die Herren, 003 11i(i)i im Buch- handel stehen, die ganze Entwicklnng, wie die Sachs geht, zu belcuchten. Es ist die Friigs erörtert wordon, ob die Orts- vereine Preiskonveniioncn darstelien. Meine HLN'LU, dicser Ausdruck „Preiskonvention“ kann Wir in ganz geringem Maße zntreffcnd sein, denn diE VreiIkotwention ist bercits gdchcn gewissermaßen durch dio Differonz zwischen Ladenpreis und Nettoprcis. Es kann dalisr unter den bsstchendcn geschäftiirhcn Verhältnissen der Buchhandel in dcr Provinz sowie dor Krois: verein unter eine gewisse Minderung ch Ladenpreises nic herrinidrgehen, weil sonst der ganze Buchhandel in die Brüche gehen wiirde. Also cine Preiskonvßntion wie bei anderen Kaufleuten ist bei uns absolut unmöglich, infolge diescr Differenz, dic iiberhaupt feststeht. Wir woiion sagen, ein Buch wirft in ciner bestimmten Gogcnd eincn Reingewinn von 100/0 ab, wieviel könnte denn da schließlich iiberhaupt "dia Preis- konvcntion von den 100/0 «blasen, worm sie darunter ginge? Denn die Preiskonvention _ was wir hisr Preiskonvsntion nenncn _ dreht sick) doch immer nnr um den Punkt, wieviol noch von dem Ladenprcis abgdlaffen wsrden kann. Und was von dem Ladereis adgolaffcn werden kann, das geln nicht von 25 oder 300/() oder, wie gar in dor Denkschrift von Herrn Regierungswt Dr.Woelckcr gesagt ist, von „Zwischen 30 und 400/0“ ad, sondsrn das geht von dissem kleinen Spißlraum von 100/0 oder 150/0 (111, im Durchschnitt bleibt ein Reingewinn von 10, violfack) aber nnr von 50/0. Darum kann es sick) bei dieser PreicZkonvontion nur um diesen Spiel- raum handeln: ob von diesem Durchschnittssaß von 100/0 Rsingewinn _ der Gewinn ist vislfack) (1er geringer _ noch etwas abgeben kann und wieviol. Nun, meine Herreii, kann immer etwas abgehen. ES ist ja möglich, daß ein Buch- händler plötzlich unter dem Nettopreis vorkanst, das heißt unter dem Preise, zu drm er selbst eingekauft hat. Z. B. es wird eine Anzeige Erlassen in den glänzendstén Farbon: der Verleger verbürgt fich auf das äußerste, daß das Buch kolossai gehen wird, und ein Sortimentsr kauft beispielsweise daraufhin 100 Exsmplare. Er vergibt sie dann aber unter dem Netto- preise, um sie nur los zu werden und dadurch wcnigstens noch ein Paar Mark zu retten. Das wärs die einzige Möglicthit, weit von diesem Ordinärproiss hcrunierzugshcn. Meine Herren, da handcit es sick) aber tatsächlich nicht nwhr um eino Preiskonveniion, sondern da handelt es sich um die Existcnz dieses bßtreffenden Buchändlch.
Dann, meine Herren, möchie ick) auch darauf aufmkrksam machen: der BUchi)andel ist so einc Eigenart für sich, das; er fich in ails die tczrmini tSGHUiEi, die sonst für das Geschäft und den Handel gelten, gar nicht fassen [affen kann. Wolit'en Sie ihn untsr den Begriff Kartei] bringen, so wiirden Sie fick) in Gefahr begeben _ ich wollte mir die Freiheit nehmen, als: praktischer Mann das den Herren von der National- ökonomie einmal zu sagsn _, diesen Bitchhandel zu vernichten. Er läßt sick) eben nicht mit solchen tsrmiui tsubnici, die fiir andere Sachen gültig find, fassen und nicht nach deren Maß meffen. Also, meine Herren„ die Kreis- und Ortsvereine sind nur Konventionen, die sich dagegen schiißen, daß plößlicl) in dem Umkreis, in dem sie [eben, diirch ungewöhnliche Preis- ermäßigung der ganze Buchhandel in Gefahr gerät. Denn
sobald das Publikum sich einbildet, dor Buchhandel Uirdient so viel daran, daß er 300/() Rabatt geben kann, dann ist der Buchhandel vernichtct. Diese Meinung hat unzweifslhaft auch auf Professor Bücher eingewirkt; disse Meinung, das; der Sortimenter so viel verdiene, ist so WLii verbreitet, das; wir Sortimenter _ und dadurch unterscheidßn wir uns VIU den anderen Herren, die wütend sind auf Herrn Professor Bircher, (Heiterkeit) aufgejubclt haben, wie das Buch erschien. Wir haben anfgejnbelt, als: diese bisher stiiia und schleichende Meinung über unssren großen (Jewinn durch einen Mann der Wissenschaft anfgcstcllt wurde und wir nun in die Lage kamon nachzuweisen, das; wir tatsächlich dsr Airspovsrmig und dem Untergange entgegensdixn. Das ist ddr Grund, woöhaib wir Herrn Professor Wiichcxr gar keindn (Jroil nachtrathi; im (»Icgentcil, wir tragM nur donjenigcn (Jroiinack), die iim falsch unterrichtet Haben.
Vorsißeiiddr: Moine Herren! Wir werden dicse Fragc dcs ?)idingcwinns vicÜeicht nachher noch d'ciwndLln kiirmcri, wenn wir die FMM des Bachbändlerrabatt-Z besprdchen. Universitiitöprofeffor NippoldKena: Meine „*)-Irren! Ick) wolite mir mir cinem knrzcn Wort daranf [)'inwoiscn, das; mit den Ztaiutori von 1887 ctwaö dcszwcri'i werdcn sollte, was: sick) eden Jimi andsrs Mimirei kimi. Unicr den Ursachen, die zu der ZUUWUTME fiir drm “)[kadcmiichoii Zciintz- verein an vielen UUiUN'siiäiLn gdfiiHrt iwdon, ÜWT das obenan, daß man ctwrw wicdsrizerswl'len miiciric, wwz vor den Staintcn von 1887 da wur imd wa-Z dnrch sis wimögiick) gemachi wnrdo. Es de;“xedi fick) das aiif dar- Vcrdiiitmis zwischSn Lcixorm Und Srbiiicrii, odor NU don iiirivcrsiiätcn zwischen Proféfforon nnd Stndontcn. Dei wawn friiiwr Em- richtimgcii möglich, die dnrch dio SWULLLU anoiriiioffM werden. Ich giaiidc, dcr 0“le der Firma “Jircitkopf & ÖÜkiLi wird in der LUIS sciii, daI 511 destiitixirn, waz ici) «123 Foigß dißser Statuten mm 1887 (infiilircn :irdrliic. DMU ick) erkenne joxzt nacb dsm, waH vorher miigeioili wnrde, wic daS, was zu dem :'(kadomisrhcn Schnizvcrcin fiihrte, in 001“ Tat Qin Iiiickschlug war gegon die Erfdiximgsri, die daan gemacht WUsdLU. Mein deriibiiitcr ,“onrgiiiiczcr Hase ?miic in feinen Kollcgicn sein cigML-Z Lßbrduck) ",n (Vrimde gciogi mid konnte natiirlirk), da Er im Griwds ins) seim QigLiiOi' *Yxrlogor war, es andcrs machen als, UUÖEL'L Vrdfcffdren. *)de1“ ch (iss; sick) doch das anfrechteriwiicii, wa?) damiich UiOiMiLiI „qofrich ist, daß dcnStUdioandcn das 'zu Wriindc gclcqrs Iclirdirri) dircf't biUiger in dil) Himd gsgdbcn werdcn kiiwiiie. Fri) [ratte die Vergiinstigimg, daS Hascschc LThkbUck) in Jena weirer zii dcr: breiten 111101111111. dan “Ztndicrciidcn diroki, also 011712 Ror- mittiung dos Sortimentch, dicses “IZM in dio Hand Fu JEÖLU. Ick wiil oinsckmUen, das; ick) schr simwaidisri) dcn (Iriindsäßcn gegeniibrrstcho, die 0211 Wridg daZU gcfiiirri Linden, dM SNÜMLULSÖUCHÜWWU JU schiitan. (Brads! dci dmr LZUÖ- händlsrn.) ES ist ein IML?- Ziiiii I)iiiisistandsvdiiiik, das darin [icgt. (Brcwo!) "Lider 055 miiiion dock) sdickw Dinge daneben mögiick) sein, das; *Yrdfoffordn Biiiiwr direkt diiiiger bdzißben könncn, dic nichi erst VOM SQL'WULTU dcxozzcn Mrdcn. In tnLincm Falle stalid 05 mm so, das;, ais mir iiiicgeieiit wnrde, es muß der Rabatt gostrickwn wordsn, cx“- mir nick): mehr möglich war, das „Handbuch in dishsrigcr Weise zu be: zicbcn. ES war oiric größorc Zahi von Excmplarcn in den drei Jahren 1884 diE 1887 rcgclmiißig bezogen wordcn; das hörte mm auf, wiwo daßirgcnd cin Sortimenter Vorteil davon Hatto, weil sich das- Brick) nnn nichl mchr dcn Vdricsimgcn zu Grunde [Egon ließ. Das ist also eine tatsächliche Erfahrung, und ici) glaube, gerade fiir die Herren Verleger werden die tatsächlichen Erfabrnngen niihi nnwoscniiici) sein, die 111111 die Ztimnmng verdorgcrufon imbcn, wie sie im Akademiscbcn Schnydercin zum NUÖdl'Uck gekommen ist.
Vcrlagdbmhhiindlcr N. Voigtländer:Leipzig: Meine vorchrton Horrem! Im Anschluß an dLU Dr-esdnor Fall hat Herr Professor “Dr. Sckwlz vorhin dcn Schluß gczogon, das; die treibsndo Kraft in diesen Dingen nicht etwa die Kreis.: und Oriswercine seien, sondern der Börsciworcin. Dieser Schlns; ist sowohl nach den augenblici'iickwn tatsächlichen Ver- hiiltniffen unrichtig als auch nach der historischen Entwicklung, und da auf diesd Dinge dock) etwas ankommt, so gland? ick), das; ich zur Klärnng bcitmgc, wcnn ick) diese Entwicklung kurz schildcrc.
Im Laufe der 70or Jahre war die Notlage dcs Sor- timentsbuchhandßls derartig gestiegen, das; die Klagen unauf- iiörlich von asien Scitsn hervortratcn. Es fiihrtc das zu der Einbcriifung dcr sogcnannten Weimarer Konferenz im Jahre 1878. Das hauptsächliche, bleibende und wichtigste Ergebnis dieser Konferenz war dcr Rat an den Sortimentsbuchhandcl, sick) in Ort“): und Krcisvsreitio znsammenzuschiießen, um ge- ordnLt und organisiert seine Wünsche und Bedürfnisse geltend zn machen. Das ist in den nächsten Jahren gascheiwn. Die Orks- Und Krcißvcrcine schlossen sich zn cinem Vsrbandc zu- sÜMMM- Dieser Verband entwickelte sick) neben dem Börsen- vcroin ais sina von deffen Vorstand zuzeitcn sehr unangenehm empfimdene chcnrcgicrnng. Dic Kämpfe wurden so leiden- schaftlich, daß sie unanslöschlick) dcnjcnigcn, die UE mitgemacht habrn, in Erinnerung bleiben wcrddn. Der Börsenverein wsr- k)iclt sich zurückhaitend, [)emmcnd, zögernd. Erst als die Zu: stände derart auf die Spiße getrieben waren, das; der Bestand dss Börsenvereins in Frage gestellt war, entschloß dieser sich zu einer Reform seiner Saßungen, die im Jahr? 1887 in Frankfurt boschloffcn worden ist. Aus dikscr Entjtcimngsge: schichte heraus erkiiirt es sick), daß noch [;ouic diL Gesamtheit des Börsonvcreins gegeniivrr dem Vcrbando dcr Orts- und Kreisversine das zurückhaltende nnd m(ißigendc Elcmeiii ist. In welchcr Lage: sich auch heute noch der Börsenverein bcnndet, werden Sie aus der einen Tatsache ermessen, das;, all.“, zwei Jahre nach der Frankfurter Vcrsammlung,1889, ddr Vor- stand des Börsenvereins eincn Schritt zu tun bcabjichtigte, der als Riickschritiangesehcn warde, er dem Sturm der Entrüstung der Vereine weichen mußte; der Gesamtvorstand mußte damals zurücktreten. So, meine .Herren, steht die Sache heute noch. Derjenige Vorstand des Börsenvereins, der es wagen würde,
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