Oesterreich-Ungaru. Wien,. 9. Oktober. (W.T.B.) Tie „Pol. Corr.“ erklärt die Mittheilung, daß die Anregung des Projekts zur Bildung eines polnischen Scharf- schiisencorps in Galizien von den beiden Ministern pol- nischer Nationalität ausgegan en sei, für vollständig unbe- gründet und fügt hinzu, „daß ?ür die Einbringung einer dar: auf bezüglichen Petition rm Landtage bis jetzt auch kein ein: ziger Abgeordneter gewonnen sei.
_ 8. Oktober. (Wien. Abdposi.) Anläßlich der er- warteten Ankunft des Kaisers in Szegedin entsendet Siebenbürgen eine Galadeputation, deren Mitglieder Nachkommen dxr Mitunterzeichner der pragmatischen Sanktion find. Weiter iind Deputationen des Arader und Kra'ffiZSzö: renyer Komitats sowie der Stadt Werses an emeldet. Der Szegediner Bahnhof wird in prachtvoller Wei e dekorirt.
Pest, 9. Oktober. (W. T. B.) Im Abgeordneten- haus e w*irde heute die Debatte über den Beschiußatitrag Tiszr's ir- der kroatischenFrage fortgeseßt. Der Depuiirte Volonyi bekämpftr dsnfelben vom Standpunkte der äußersten Linken, mochte Kroatien den Vorwurf der Untreue und des Undanks gegen Ungarn und erklärte, auch die Ansicht Apponyi's bezüglich der aUgemernrn Anwendung von Wappen ohne Umschrift involvire einen halben Rückzug. Mercy vertratxden nämlichen Standpunkt Jrunyi (äußerste Linke) erklärte, das; er den Beschlußantrag TisZa's zwar ablehne, daß er aber auch dem Helfy'schen Antrags nicht zuzuitimmexr „ver- __ möge, da er in der ungarischen Umschrift cin unerläßliches
Erfordernis; der staatlichen Einheit nicht erblicken könne, Die kroatische Auffassung widerspreche nicht dem Griese; eine Nach- giebigkeit Ungarns könne daher nicht als Schwäche ausgelegt werden; er wünsche die Aufrechterhaltung des seit 1866 beob- achteten Usus. Ten Tisza'schen Antrag wiirde er nur dann annehmen können, wenn TiSza versichere, daß auf diesem Wege die baldige Aufhebung des Königlichen Kommissariats und die Wiederhersteilung verfaffungsmäßiger Zustände er: möglicht werde. Mocsarr) und Nemeth befürworteien drn Helfy'schen Schlußantrag. Mocsarr) führte dem Miniiter-Vrä- sidentcn gegeniiber aus, daß derselbe nichts zu unternehmen wage, weil die kroatischsn Aspirationen in Wien Unterstüsung fänden. Der Minister-Präsident Tisza bekämpfte die Aus- führungen der Vorredner und stellte Mocsarh gegeniiber eni- schieden in Abrede,daß er in der kroatischen Frage mit den österrei- chischen Ministern konferirt habe: er habe dieselben garnicht ge- sprochen, habe sich auch nicht zur Durchführung der Wiener Be- schlüsse verpflichtet, habe es vielmehr nur übrrnommen, die;- selben dem Reichstage vorzulegen, ohne indeß eine Bürgschait fiir derrn Annahme zu iibernehmen. Das von Apponyi vor- geschlagene Kompromiß sei eher geeignet, die Agitationen zu fördern. Schließlich betonte der M1nist€r:Präsident, daß die Regierung, wsnn auch ein Erfolg ihrer Maßnahmen bei dem unterwiihlten Terrain nicht verbürgt werden könne, d.nnoch sobald wie möglich normale ersiände wieder einzuführen und etwa keftehendsn Mißbräuchen aur denk Wegs des (Heisses abzuhelfrn beabiichtige.
Belgien. Brüssel, 8. Oktober. (Köln. Ztg.) Der König und die Königin haben, wie der „anépendance“ aus dem Haag gemeldet wird, von dem niederländischen Königspaar eine freundliche Einladung zum Besuch er- halten und werden in der nächsten Woche sich nach Schloß Loo begeben, im April k. J. aber hier den Gegenbesuch empfangen. _ DLr außer Dienst gesteÜte General-Lieutenant Brialmont wird nächstens wieder in Thätigkeit treten und die General-Jnspektion des Geniewesens wieder übernehmen. _ Der neue Justizpalast wird am 15. ds. feierlich ein- geweiht und seiner Bestimmung Überwiesen werden.
Frankreich. Paris, 9. Oktober. (W. T. B.) Der General Campenon ist zum Kriegs:Minister ernannt worden und wird morgen die Geschäfte Übernehmen. Wie verlautet haben die Generale Saussier und Lewal selbst den General Campenon a_1s denjenigen bezeichnet, der das Ver: trauen der Armee bc1iße. _
Nach einer Depsiche des Gouverneurs von Cochinchina aus Saigon, von heute, ioU fick) die Lage in Tongking in Folge der Ankrrnft der anamitisrhen Verwü- mächtigten und der Unterwerfung der Mandarinen des Rothen- Fluß-Delias merklich verbessert haben. Zahlreiche Désertionen soUen _unter drn durch Krankheiten dezimirten „Schwarzflaggen“ ftaitgesrrndsn haden._Der Feind scheine eine Rückzugsbewegung nach Laokai zr; beabiichtigen und habe Sontar) theilweise ge: räumt. Oberst Vichot habe bsi seiner Rekognoszirung bis Dar) keinen Feind angetroffen.
__ 9. Oktober, Abends. (W.T.B.) Der Minister: Präiident Ferry hatte heute Vormittag eine Unter- redung mit dem neuernannten Gesandten für China, Patenötre, dessen Abreise nach Peking unmittelbar bé- vorsteht.
' Aus Saigon wird gemeldet: der Gouvernerir von Saigon. habe vomKönig von Cambodia das aneständniß ausgewrrkt„daß die Erhebung der indirekten Steuern im ganzen Königreich fortan durch die französischen Vshörden er- iolgen folTe._
. Anläßlich wehrerer Madrider Depeschen, in denen es hieß:. der _spanrsche Zwrsrhenfall sei noch nicht voUständig erledigt, mgt der „Temps“: Spanien habe keine neue Reklamation formulirt; die darauf dezüglichen Gerüchte seien irrthümlirhe und aus der Polemik zwischen den verschiedenen Parteien in Spanien entstanden.
Der seitherige Botschartex bei dem russischen Hofe, Vize-Admiral Jaurss, begiebt iich am nächsten Sonnabend an St. Petersburg, um sein Abberufungsschreiben zu über: rer en.
Türkei. Konstantinopel, 9. Oktober. (W. T. B.) Der englische Botschafter,_ Lord Dirfferin, hat für den Mawr Baring als engli1chen Komul in Egypten um das Exequatur nachgesucht und dasselbe bewiUigt erhalten.
Bulgarien. Sofia, 9. Oktober. (W. T. B.) Die Sobranje hat sich bis zum 27. November d. J. vertagt, um dem Ministerium Zeit zur Vorbereitung des Budgets zu gewähren. Ueber den Entwurf bezüglich der an der Ver- iassung von Tirrzowa vorzunehmenden Aenderungen wird xrach der Wiederauinahme der Sißungen berathen und derselbe iodann der großen Nationalversammlung unterbreitet werden.
Schweden und Nortvegeu. Stockholm, 9. Oktober. FW. T. V.) Der Kronprinz von Portugal ist heute iruh 91/4 Uhr hier angekommen und Urs dem Bahnhofe von dem König sowre den Prinzen Oskar und Karl empfangen worden; das Kronprinzliche Paar war _dem Gaste enigegengeiahren. Zur Erweisung der militäriichen Ehren
war,an dem Bahnhofs eine Grenadier-Compagnie mit der Regimentsmufik aufgestellt.
Süd Amerika. Valparaiso, Ende August. (Polit. Corr.) Man ist berechtigt, zu erwarten, daß die Wirren und Kämpfe in Peru endlich ihr Ende nehmen und daß die neue Regierung in nächster Zeit zur allgemeinen Anerkennung gelangt sein werde. Ausschlaggebend in dieser Richtung war der entscheidende leßte Sieg, den die chilenischen Truppen über das Gros der peruanischen Streitmacht bei Huamachuco erfochten. Obgleich die Perganer dem Feinde numerisch überlegen waren, brachten ihnen die wohldisciplinirten und kriegstückitigen Chilenen_ doch eine so vernichtende Niederlage bei, daß es dem Befehlshaber der Peruaner, General Caceres, und einigen seiner Leute nur in Folge der Terrain'reschaffenheitrn gelang, der Verfolgung der chilenischen Trupprn zu entrinnen. Peru kann_somit als der Autorität des Generals Iglesias unterworien angeiehen werden, Le terer hat bereits von einigen nördlichen Provinzen Besiß ergri en, und je mehr sich die Autorität des Generals im Lande befestigen wird, um so rascher wird Chile die Eva- cuirung des Landes ausführen. Es heißt, daß die chileniichen Truppen Lima schon demnächst verlaffen wsxden. Man er: wartet aÜgemein, daß auch die bisher intramigente konstitu- tioneÜe Parisi im Süden fich nunmehr Angefichts der leßten Ereigniss der neuen Ordnung der Dinge fügen und daß es nicht nothwendig sein werde, zum Mittel einer chilenischen Expedition nach Arequipa zu greifen. Seitens Boliviens sind bezüLlich des Zustandekommens eines Arrangemsnts mit General Fglesias keine besonderen Schwierigkeiten zu besorgen. Nachdem General Jalesias (16 MW Beherrscher ÖW größeren Theiles von Bern ist, so stünds der Anerkennmig der neuen peruanischen Regierung Seitens der Vereinigten Staaten nichts im Wege. Auch Chile ist dadurch in die Lags verseßt, 8111611 Friedensvertrag mit Peru abzusch1ießen. Die Präliminarien fiir einen solchen sind bereits zwischen der chilenischen Regie- rung und dem Gsneral Iglesias festgestellt wordsn.
Afrika. anpten. Kairo, 9. Oktober. (213. T. B.) Vri dem bevorstehenden Courban:Bairam:Fesie wird rin Dekret des Khedive erscheinc'n, in welchem fiir akle während des egyptischen Aufstandes bsgangenen Verbrechen, mit AUZnahme von Diebstahl und Mord, Amnestie ertheilt wird. Ein zweites Dekret wird die besonderen richterlichen Kommissionen zu Alexandrien und Kairo und die Kriegs- aerichte auflösen. Die in die Amneirie nicht einbegriffensn Verkbrechen werden vor die ordentlichen Gerichte verwiesen wer en.
Zeitungsftimmen.
Die „Wiesbadener Zeitung“ schließt einen Artikel
über die Sozialreform, wie folgt: _ . Für Jeden, der sich in seinem Uriheil nicbt rcon augenblick- lichen Eindrücken oder nur bestimmten Jnierrffen dienenden Partei- manörern leiten läßt, sollte es über allrm Zwchifel erhaben sein, daß an dem sozialreformatorischen Programm der Kaiserlickxen Vorschrift vom 17. Novxmbrr 1881, Welches crst duroh die Botsäxafr vom 14.211761 dieies Jahres von Neuem bekräftigt worden ist, unent- rrwgi 1estgehalten_wird. Ebenso aber sollte es fich für aUe biÜig Denkenden von ielbft verstehen, daß die Sozialreform nicht wie Pgüas Athene aus dem Haupte des Zeus blöleicb fertig in die Welt gejeyt werden kanxi und “daß aus dem mehr oder weniger langsamen nga sich iiur auf die Schwierigkeit des Unternehmen?, nicht aber (zus Sinnesänderung, d. h. auf rin Fallenlaffcn der («„Ich Ziele der feierlich verkündeten AÜerhöcbsien Botiwaiten zu schlirßen ist.
Diese Ziele, dir einer weitrrcn Erläuterung nicht bedürfen, sirhen fest. Mit rrelchchitirln sie rrrcicbr rr'erdrn _ urid hirrauf srbsirit es drn Partsien_bci ihren Hoffnungen und Befürchtungrn besor-ders anzukommen_ iii Sache der praktischen Erwägring und der drn That- scicblicbsrr Verhäitniiien Rechnung iragéndcn Vérständigurig. Wenn man auß dieren] (Hrbiete “ziim Zixle gelangen will, wird maniirb freilich nicht aus rorgeiaßic Msinungen iieifen und nicht an denselberx um AUes in der Welt fesrhirlten dürrrn. DieParteien derfaUrn mir 311 [cickxt in dieséii Frhler, und das iii es, was den schnellrren Fortgang der Reform bis jeyt verzögert hat. Die Regierung wird fich deffelbsu Fehlers gewiß nicbt ichgldig machen, idndern mit den vielen Brdingungen zu rechnen wiiirn, rvelcbe ibr dir Vcrhältniffe auferlrgen; aber ebensowrnig wird fie sicb durcb Hoffnungen und Befürchtungen, die bald r*r'n ricirr, ba_l_d ron jenér Seite Zeiiußert Werden, in eine Richtung dräiigen laiien, Welche die möglräéit baldige Erreichung des Zielrs in Frage steÜen könnte.
_ Das „Deutsche Tageblatt“ schreibt:
Eine merkwürdigeBeleuchtung zu den kirinlichen Kritiken, wrlche in deutschen Parlamenten bei der Bewilligung der Miticl fiir öffent- liche Bauten und_ etwaigé noch so unbedeutends Ansihlagüberscbrei- iungrn o_m dem wgenanntén .Baurnxndarinerirhum“ vori gerriffrr Seite geubr zu werdrn Pflegen, girbt das „(Zentralblatt der Barr- erwalrxrng' durcb die Angabe der Baukosten rimiger Öffentlicher Ge- baude m den Vereinigtén Staaten von Nordamerika. Danach be- tragen_die reinen Baukoitch _ abgesrhen rom Grunderwerb _ beiidiels- weiie rür das Zoll- und Poithaus in St.Louis, ein Gebäude von 3Skcck- Werken über dem Erdgeichoß gekrönt von einer in Eisen konstruirten Kurbeh 5661 118 Doi]? d. h. der Quadratmeter 6393 ckck! Das ähnlich eniworszne Po1t- urid Gerichtshaus in Philadelphia erforderte einen Bauaurwand ron 4558800 Doll. bdér pro Quadratmeter 4274 „jk. In einer klrinercn Stadt, Albanv im Staate New-York, kostete das YM- und Posthaus (2 Stockwerke über dem Erdgeschoß) 569 300
011. oder pro Quadratmerer 1585 «Fk Dagegen erforderte das Kol- legialgerichtsgebäude in Kiel einen Bauaufwand von 638418 „16, gleirb 422,60 „Fs. Pro Ouadratnicter; das Berliner Kriminalgerichts- gebaude einen wlcberi von 2649 350.76. gleich 583,20 .“ pro Qaadrat- meier bei einer Bauzeit von nur 6 Jahren; das hiesize Hauptpost- gebäude in der Oranienburgerstraße kostete 330 000 „46 oder pro Quadratmeter 381 „ss Zn _kleineren Städten, wie beispielswrise Brrslqu, steÜrn sich die Baummmen nicht_unerheblich niedriger.
_Hieraus ist er1rchtlich, daß die Kosten iirr öffentliche VerWaltungs- grhaudr in den Vereinigten Staaten fich durchschnittlich um das fünf- bis'zehnfacbe höher itelien, als der Betrag für deutsche Bauwerke glxicher Art. Dj_eier aufraUcnd große_Unterschied erklärt fich, ab- geieben von den 1ebr hohen Arbeitspreiycn, _aurb durch die Bekleidung der Fahgden mit Granit, durch die Sorge rür möglichsie Feuersicher- heit mrt_ Ausschluß aller Holzkogsirukiionen, _ rrelcbe soweit Lebt, daß, in den' Erdgesäwßraumen, in denen die Post- ureaux liesen. meistens sogar die Thür- und Fenster-Be- Lleidungen, die Futter und SchireÜen von Gußeisen hergesteüt iind _ durch sehr reichliche Anlagew Für die Ventilation, Heizung, Bexeuchtung und Beförderung (Aurzuae, Telephone, Srrackorohre u. 1. w.) U_nd durch die kostspielige Einrichtung der Briefverichluß- kirsten (Poit-office-bores), Im übrigen ist die Ausstattung der Ge- baude nicbt werenilick) von der in Deutschland iiblichen verschieden. meerkenswmh ist die Behandlung, welche der Kongreß bei An- [chlagsuberscbreitungm walten lä t, Hierfür einige Beispiele: Die Kosten des Gerichtsgebäudes in ofion_wurden im Jahre 1870 vom _Koaneß aus _1500000 DHUars festgeieyt, die Bewilligungen find ix_ideiien aÜmablrcb bis aus 5729 295 Dollars anqrrrachsen, und fur das „laufende Jahr sind nochmals 100000 Doüars zur Vokl- endung eines Erweiterungsbaues zur Verfügung gestellt. Für Chicago
wurden die Kosten für das ZoUbaus im Jahre 1871 auf 4Milliomn Dollars festgesetzt, sie sind aber auf 5851 003 Dol]. angxwacbsen rc. Auch in Betreff der Zeitdauer dex Ausfuhrung wird gro e Ngchsich geübt; beispielßweise md die Eebaude in Albany, Cin nnati, St. Louis und Philadelphia bereits seit 10 Jahren in der Ausfuhrung begriffen. Dabei werden diese Bauten nicht etwa von behördlichen Organen, sondern von großen Privatunternehmxrn ausgeführt.
Es erheÜt hieraus wieder einmal, daß uniere heimatlichen Ver- hältnisse doch in manchen Dingen rorxbeilhaft gegen das Land der Freiheit absterben, während wir andererieits recht wohl auch von dort lernen können. _ „
_ Im „Berliner Tageblatt“ lesen wrr Folgendes;
Die Finanzlage des Staates Bayern, rve1che seit einer Reihe von Jahren nicht die beste war, "„hat fich nunmxhr entschieden gekräftigt. Aus dem Exposé, rvelches der inanz-Miniiter dem bayerischen Lank- tage dicser Tage vorlegte, geht error, daß an Stelle der Fehlergebniffe nunmehr Ueberschüffe treten werden. Bereits die Generalrecbnung für 1882 ergiebt eine reine Mehreinnabme von 45 Millionen Mark, welche beionders durch die Eisenbahn-Mehreinnabmrn herbeigeführt rvurde; da diere aber schwankend sind, so wurde die Einnahme aus diesem Posten nicht in der gleichen Höhe in das Budget eingeseiZt, wenn auch etwas höher als früher. Der Biererport ist auch im Jahre 1882 in bedeu- tend „erfreulicher Weise gestiegen. Das Ergebnis; vom Jabre1882 kann im Ganen als ein sehr günstiges bezeicbret werden, Das De- fizit r*ro 1878 betrug 9733 229 „Fk., das pro 1879 12 891629 .“. das bro"_1_880 6706 300 „46 und das pro 1881 207 486 «M Die Ueber1chuiie vom Jahre_1882 werden grstatten, daß das leßterwähnte Dkfizit _ die übrigen iind gedeckt _ mit den Einnahmen von 1882" gedeckr wrrden kann.
_ Dem „Central'blatt fiir den deutschen Holz- hcrndel“ (Stuttgart) wrrd aus Stockholm u. d. 22. September ge1chrieben:
. T_ie Hudikswaü Travarn Aktienbaugesellsckyafi hielt vor 10 Tagerr ihre jahrliche Generalversammlung ab und hatte dieselbe das Jahr 1882 als em iehr günstiges "zu verzeichnen, da die ungeheure Zahl von 500000 Stämmen umgeieizt wurde.
_ Die gegerirrärrige ,enorrne Produktion von geschnittencm Holz in Norrland itt der Aurmerksamkeit der schwedischen Autoritäten nicht entgangen. _
Dic Königliche Kommission, Welche am 20. Dezember 1870 über die Wä1der ron Ndrrland Bericht erstattete, kam zu der Ueber- zeugung, nachdem iir während 2 Jahren eine aÜe Einzelheiten erschöpfende Prüiung des Gegenstandes vorgenommen hatte, daß im Jahre 1868 nicht rreniger als 2760000 Bäume, von dencn die kleinsten, 16 Fuß und darüber, vom Boden gemessen, einen Durch- mrffer von 8 Z_o11 hatten, gefäUt wvrden find. Nack) damaliger Waldhewirtbichastung rebräsentirie diese Summe eine Zahl, welche durch den Nachwuchs nicht zur Hälfte ergänzt werden konnte.
Obgleich die Kommission eine gründlickoe Prüfung vornahm, in- dem fie jede Gemeinde ipkziell behandelte, und obgleich es ihr durch das Entgegenkommen der Gemrinden sehr leicht gemacht worden war, ickxeint ck mir n9ch danrgebniffen der seirdém verflofienen 15 Jahre, das; dir Korximiificn den Bestand drs srblagreifen Holzes viel niedrig, Jch7chaßt _habe. Wenn wir dissen Umstand ins Auge fassen, bleibt kein Zweifel mehr übrig, daß gegenwärtig in Norrland eine Uebersrbreirung im Holzfällen stattfindet, und beträZt der Kudikinhalt des gefäilten Holzes! gegenwärtig 8000 mehr, als im Jahre 1868 nach den Berichten der Kommission, ungeachtet deffen, daß der Kubikinhalt eines jeden einzelnen Baumes jerzr geringer ist. als damals.
DLM Bericht der Kommission folgte im Jahre 1870 sogleich das sogenannte Nr*rrbotien-Geserz, rrrlckxm zufolge es verboten war, Bäume, die in einer Höhe von 16 Fur“; weniger als 8 3011 Durch- meffer hatten. zu fäklen, We1chcs Grieß bald darauf auch arif das Westrrbotien-Gebiet ausgedehnt wurde.
_Das in dicies Geier; inbrgriffene Gebiet umfaßt die Strecke zwiichen Haparanda und Ummea und hat fich in wenigen Jahren noch weiter südlich ausgedehnt. Eine gesetzlicbeMaßregel gleich dieser ist indeffen ver1chwindend ..... Troßdem ist eine solche Verordnung der einzise Schutz, der den Wäldern gewährt Werden kann.,
_ Der „Norddeutscheir Allgemeinen Zeitung“ entnehmen wir wlgende Mittheiluna:
Das AckerbaU-Debariement der Vrreinigten Staaten har die Hkrren ])r. Salmon, Chef der Vrtcrinärabtheilung dieses Debatte- ments,_und 131". F. Curtis in New-York seinerseits zu Miiglirdern riner Kommission ernannt, rrelrhe die SÖweinef'leisckofrage mit Rück- 716191 auf die in Europa erlaffencn Einfuhrverbote riner Untersucbung unterziehen ioUrn. Sobald der Prcifident die Miteren Ernennungen roUzogrn habrn wird, soll die Kommi1fion ihre Arbeiten beginnen. Von Jnterefie ist, da:“; Profeiwr Dettmers, Welcher im Auftrage des Acksrbau-Dspartements in Chicago eine Untersuchung von Schweinen auf Trichinen borgenrmmen h_at, berichtet, er habe unter mehreren Hundrrien von ihm Unteriuchter Schireine 4)/g mit Trichinen behaftet gefunden. Manchestcrlich: Blätter bseilen sicb triumphirend, obige Nachrichten zu koldortiren, und fügen der [U;teren Angabe an: „In Trutswland und Frankreich hat fich angebliib derselbe Prozent- sar; ersehen.“ Wie es in Frankreich mit der Sache steht, kann uns wenig interrssiren, die Behauptung aber, da“ „angeblirb“ in Deutsch- land sicb ebenfaÜs 4% der unrersu irn Schwäne triebinös erwiesen habe, ist cine wahrheitswidrige. Wie wir bereits in Nr. 220 der .Nordd. AUZ. Ztg.“ mittheikien, betrug bei 12816 931 von 1876_1880 in Preußen untersuchten Schiveinen die Zahl der rricbinösen 6945 = 0,054 0/0, von 1878 in Dresden untersuchten 29 832 Schweinen waren trickinös 11 = 0,036 9/0, ebendasslbst 1880 von 41500 unteriurbren 7 trirbinös : 0,017 0/0, im Herzogthum Braunschweig ergab sich für eine längere Zeit 0,017 % als Durch- schnitt der Trichinenbehaftung; in Hamburg von 1878-1882 unter- suchte 241689 drutsckoe Schweine ergaben 8 trichinöse, also 0,003 0/0. Das nenixi dir manchesterliaye Preffe: „angeblich derselbe Prozentsay!“
Statistische Nachrichten.
Von dem „Bericht über die Gemeindeverwaltun der Stadt_Ber1in in den Jahren. 1877 _bis__1881' i soeben der erite Theil ericbienen. DSL Bericht, aur demen reichen Inhalt wir noch näher einzehrn irérden, ist zum Theil eine Er- gänzung des in den Jahren 1879 bis 1881 „erfolgtrn Berichts „über dir Gemeindererwaltung der Stadt_Ber1m i_xi den Jahren 1861 bis 1876", haudträcblicb aber eine Fortieyung deiiesben; im Uebrigen ist mitunter auch über die Berichtszeit hinaus in die Jahre 1882 und 1883 binäbcrgeariffen. __ Der Inhalt des vorliegenden Theils setzt sich wie folgt zuiam_nxen:_ 1. Das Rathhaus und die an- deren Dienstgebäude der 1tadti1chen Verwaltung, 11. Das Ma- gistratskoklegium und die Gemeindebeamten. 111. Die Stadtderordneten- Versammlxmg. 117. Die Gemeiridebehörden in ihren Beziehungen zu dem Herrickoerhauie, zu__den Reichs- und SiaatSJewalten. 17.513519 Sxadtgebiet, die Verbemerung seiner Straßenzüge und die innerhalb deiielben dem Publikum zur Verfügung stehenden öffentlichen Trgnsportmittel. 71. Die das Stadtgebiet durchziehenden Waffer- läufe, der Schiffßverkehr auf denJelben und ihre Ueberbrückungen. 1711.Die V?xölkrrung und die Befriedigung ihres Wobnbedürfniffes. W. Die Öffentlichen Einrichtungen iür die Veriorgung der Bevölke- rung mri Lebensmitteln. 1x. Die von der Bevölkerung erhobenen Struern, ihre Veranlagung und Erhebung. F. Das Kämmerei» vermögen. F1, Dotationen und Renten. FU. Die Einnahmen aus der Verwaltung der städtischen Wasserwerke. WU. Die Einnahmen aus dem Verkaufe städtischer Grundstücke. YU. Andere außerordentliche Einnahmen der allgemeinen Finanzverwaltung. F7. Anlehen. FA. Generelle Uebersicht der gesammten Einnahmen und Ausgaben des Stadthausbalis. Anhang. _ Wir bejcbranken uns für heute auf diese formelLe Mittheilung; auf den materieller) Inhalt des Berichts werden wir wobl_ später noch Gelegenheit h.:ben, des Näheren zurückzukommen. _ Fur den Burb-
bandel ist der Kommisfions-Verlag der Firma Julius Sittenfeld.
Mauerstraße Nr. 63/65 bierielbsi, überiraaen. Der_Preis für den 1. circa 19 Bogen umfassenden gebundenen Theil betragt 5,00.“ Der frühere, dre Jabre1861 bis 1876 umfaffende Bericht ist in demselben Verlage erschienen und beträgt der Preis für den 1. 4.76, fur den 11. 6 „“ und für den 111. Band 5 .“ pro Exemplar.
Kauft, Wissenschaft und Literatur.
Martin Luther. Sein Leben dem deu1ichenPolke__erzäblt von Prof. Dr. Friedrich Junge. 176 S. 8. Mit Brldninen und Facfimile. Ganzleinenband mit roibem Swnitt. Berlin, Verlag von Franz Siemenrotb (.ké. 1,25). _ Die reirbe Lutherlitexatur hat durcb diese soeben erschienene Schrift noch eine,rec_bt erwünycbtsVer- rollstäridigung erfahren. Prof. Junge zeichnet rn 1cblichter, einfacher, darum gemeinverständlicber Weise das Lrben des gro"en Reformators und gewaltigen Volksmannes, gestürzt auf die er e von v. Ranke, Köstlin u. A., in großen, aber doch irbarfen Umrinen im Zuiammen- bange mit den damaligen gesellschaftlichen, staatlichen imd kirchlichen Zuständen. Dadurch, das; Luther Überall_im thmen ieiner Zeit ge- schildert ist, erhält sein Charakter und rein Wrrien die ric_b_tige Be- leurbtung. Auch hat de_r Verfasser in reiner Arbeit 'zwsckmaZig Maß gehalten; fie ist nicht io kurz,_ daß Manches arhorrstricb" ware, und nicht so lanZ, daß man in Ver1uchung kamr, riiazclnes zu uberichlagen. Zu dem gediegenen Inhalt geseUt sich eine Wurdige Ausstattung, bei welcher auch auf aute Poriräts und Facsimiles Bedacht genommen ist, und ein biUigrr Preis, so daß neben den andern zahlreichen Luthrrscbriften auch noch dieser eiiie rveitc Verbreitung gesichert ist,
Ein anderes, kleines Lutherbucblein (80) ist im Verlage von Hugo Klein in Barmrn bereits in dritter Auflage erschienen. Um- schlag und Titelblatt ziert Luthers gut getroffenrs Bildniß. Den Inhalt des 60 Seiten starken Heits bildet zunächst" ein ganz kurzer Abriß von Luthers Leben, der (0125 Wichtige in leicht faßlicber Form enthält; daran schließt sich mit _kurzrr Einleitung die Auszahlung der 45 wichtigsten aus dcn 95 Theien. Weiter folgrxi 15 von Luthers geistlichen Liedern in korrektem Teri, drr [rirhericbe Morgen-_ und Abendsegen und 5111th zwri Briefe Luthers: der [eHie an reinen Vater ror deffen Tode und der an sein Söhnlein Hänschen. 1 Eren]- rlar disser Schrift kostet 3() „_i , bei Bezug von 50 Er. jrdrs Heir 20 „4, von 100 jedes 15 „5, von 500 jedes nur 10 „5. _
_ Der nerrite (1111) Band der Internationalen wiisen- schaftlirben Bibliothek (Leipzig, _F. A. Vrrzxkhaus 1883) be- handelt eincn Geaenstand von aUgemeinxtem Jntereiiednd bewndcrer Wichtigkeit,:rämlich: . Dic menschenahn_lichen Arsen und ihre Organisation im Vergleich zur men] cblichen“,vcri Robert Hartmann, Profcffor an der Universität 311 Berlin. Wie aus der Vorrede ersichtlich, sollte_ das Thema'urixrünglicb von „dem be- rühmten Lehrer der chirurgi1chen Pathologie, „Hrn. P. Brocagn Paris, bearbeitet Werden; nach deffen plößlicb erwlgtkm Tode i1t daffelbe aber dem Professor Hartmann Überwiesen worden, der sich als Anawm eines großen Rufes erfreut. Der Verfaffer beherrscht sein reiches Material dergestalt, daß er sub nicht durch Mode-Thcrriei) vori drm Wege ab- lenken läßt,an Welchem ihn die ielbsigewonnenr Erfahrung und das eigene Urtheil leitrn, und in der That nur so objrktiv wissenschaftlickxe Unter- suchungrn, wie sie das rorliegrnde Buch enihält, können das Dunkei, welches auf dieser_Materie noch lagert, allmählich lichten. Zuerst erzählt der Verfasier, wie silb die Krnntniß von den menichen- ähnlichrn Affen seit den Zeiten der Karthager (5C0 Jahre 12. Chr.) bis auf die Gegenwart eiirwirieit hat, die es den Gelehrtea ermöglicht, die merkwürdigenGrscbörie lekriid in Mirße zu beobarbtrn. Das zweite und dritte Kapitel behandeln dann in sehr eingrhendrr Wcise die äußere Gestalt und dcn aiiatrmisrben Bau drr m_errirbsii- ähnlichen Affen im Vergleich mit drm Menicben. Selbstverstandhrrb ist dieser Abschnitt. der das eigentliche tbsma probanäuw betrifft, streng wissenschaftlich Zehalten und in seinen zahlreichen Details auf den Fachgelehrten erechnct; (i_her auch der Laie gewinnt aus der klaren,_ _durck) irrnliche Zeichnungen erläuterten Darsteüung des Vrrsaners die Ueberzeugung, daß bei aller Aehnlich- keit, welcbedie anihrobomorbhrn Affen in ibrrm anatomischen Bau mit drn Menschen zeigen, dock) im Einzelnen viele und wichtige Ver- schiedenhciien obwaltcn, gxzen rrclcbe der Glaube der Abstammung des Menschen von_dem Affen nicht stichhaltig ist. Das vierte Kapitel prüft die Forrzwerirhiedrxiheiten drr menschenähn1ichen Affen, während uns das fünft? in „anirrechender Weise über drrcn Verbreitung, Freilcben sonore die einheinxiichen Namrn und das sechste Über das Leben in der Gefangcnicksaft belrhrx. Jm firbcntén Kapitel wird den Arithroporrwrpben „riach denJchebniiien der rriffcnschaftlickoen Forschungen in dem_ zoologrirhen Sbitem ihre Srellung angewiesexi, die sie, unier Auflöiung der Ordnung dcr Virrhänder, in der Linné- scben Ordnuxig rer Primarss, axs Familie kriwarii mit drm Men- schen grmeiriiam erhalten. Die]? bilden in dieser Ordnung die Erste Unterfamilie Lrscri (aucb bezeirhnend 1101110 53 19115 genannt), jene die zweite (surbropomorxba) mit rer1cbiedenen aitungen, die wieder in Arten zeriallen. An 112 icbließen sich als zweite Familie dieeigent- lichen Affen (Zimiina); Das ackots und letzte Kapitsl ist das wick;- tigste: in “demislben zieht der Prriaffer seine Schlußfolgerungen aUS dem Vorentwickelien dahin, daß im außerlicb Körperlichen MÜUÖLZ die scheinbare Kirift zwiirben Meriicbexr rind Affen Übrrbrücke, aber es blieben auch hierin der dem Affen Abioriderlickokeiten, die sich bei drm Menschen nicht finden, nanxentliib drr Greiffuß; vorzugsweise sei abrr zu beachten, daß die Menjrbengbnlrchkcit sich mit dem Wacbxibum des Affen im,mer mehr vrrmrndere, während bei dem Menschen der _ vollsntrrrckexxe „Mann fast " ausnahmslos das typisch Memrhliche rxpra1eniire. Obwghl 1147) nun der menschenähnliche Affe dem farbig3n Menschen phr7_117ch unvrrkennbar nähere und ihn psychisch in mancher Hinsicht rogar übertreffe, so bleibe zwischen Beiden doch imnrer_e_ine beträchtliche Kluft dadurch, daß das Menschen- aeschlecht erziehbar 1er und sicb geistig zu der höchsten Kulturentwicklung fortzubilden gerrußt habe, wahrend der inteUißentrste Anthropoide 83 immer nur zu einer gewissen Abrichtung habe ringen können, welcher überdies durch die mit drm Alter zunehmxnde Bosheit eine Grenze
21th iei. .Die Anthropoiden [affen 1lch wohl zu interessanten Wenagerieobjek'ten heranziehen, nicht aber, wie selbst unsere gewöhn- licbsien Hausrhiere, _zu nützlichen_Mitg[iedern des ökonomiicben Be- reichs“. Der Verfaner spricht 1ei_ne Ueberzeugung dahin aus, daß der Mensch weder von einem der bis jeßt bskannt geWordenen fossilen, noch von einem der noch lebendrn Affen abstamrnen könne, und daß alle Versuche, von dem vermeintlichen Urahn unieres Geschlechts ein wenn auch nur ungefähres Bild zu entwerfen, auf einer bedeutungs- loien Spielerei beruhen. Gelängx es aber auch, den vermeintlichen Urtypus in i_rgend Welchen Erdjchichten zu entdecken, so blieben für die For1chung . immer noch außerordentliche Schwierigkeiten zu überwinden, nämlich die Deutung der Entwickelung des Verstandes und der Sprgcbe sowie die Ausbildung der felbstthätigen menschlichen Intelligenz uberhaupt klarzulegen. Das Buri) Verdient umsomehr Beachtung, als Profeffor Hartmann keineswegs ein Gegner der Descendenztheorie ist; er verzweifelt vielmehr Angesichts der groß- artigen paläontologrsckpen Ausjckpluffe, Welche die Neuzeit gewährt hat, nicht an der Möglichkeit der Auffindung eines wirklichen Bindegliedes zwischen drr Menichen- und Säugethierwelt.
Laud- und Forstwßthsthaft.
Ueber dieProdufiion und denVerhrauchDeutschlands an Flachs und Hanf meldet der in Bielefeld erscheinende „Leinen- JndustrieUe“ Folgendes: Was Deutsrbland an Hanf produzirr, wird iämmtlicb im Lande verbrarr-Irtz ja es reicht dies noch lange nicht aus, um drn Berarr de_r ?Yerlcrcien und der vorhandenen Hanfspin- deln zu dsckén, so daß jahrlich noch immer 300000 bis 350000 Ctr. fremdes Gewächs eingeführt Werden müffen. Beim Flachs liegt das Verhältnis; rhenw; man 7511171, auch vom Flachse sagen, daß Alles, Was in Deutschland aebau_t_ wird, im Lande selbst verbraucht wird. Eine eigentliche Ausruhr exiiiirt nicht, denn_das Wenige, was etwa von Königsberg und_Memel, rerncr aus den schlefiickxen und sächsischen Grenz- distrikten über die österreichische Grenze, und von Hannover nach Spanien
erportirt wird, fälLt bei dem gro en ngntum, welches Deutschland erntet, nicht ins Gewicht. Selbt die reichste Ernte vermag den Be- d_arf Deutschlands an Flachs nicbt xu decken. und werden' daher als- jahrlich große Quantitäten aus Rußland, HOÜCYB, Belgien LC- ein- geführt. Die Ernte der Jahre 1881 und 1882 ist nach dem Bericht auf 1615640 Cn. Flachs, und 219249Ctr. Hanf anzunehmen. Die Quantitäten Flachs und Hans, uber welcbe die deutsche Industrie und der deutsche HMM in den Jahren 1880- 1881 und 1882 zu verfügen Hatten, iteklten sicb nach dem Bericht, wie folgt: Flachs: Ernteertrag: 1880 1528 640 Ctr., 1881 1615 390 Str., 1882 1615 390 Str., Einfuhr: 1880 727 385 (Tit., 1881 1003182 Elk., 1882 1483 60“ Elk., Summa: 1880 2256 422 Str., 1881 2618 572 (Gtr., 1882 .) "98 992 (Etc., ab AuÉsubr: 1880 464 SW Str., 1881 637 434 Stk., 1882 1053 040 CU.- Rest-Summa: 1880 1791422 Sir., 1881 1981138 Str., 1882 2045 952 Ctr. Hanf: Ernterrtrag: 1880 216000 Etc., 1881 219240 Elk., 1882 219 240 Stk., Einfuhr: 1880 813 782 CU„ 1881 1090 244 (Tn., 1882 779180 Str., Summa: 1880 1029 782 Str., 1881 1309 484 Ctr, 1882 998 420 Str., ab Ausfuhr: 1880 470 814 Str., 1881 691682 Str., 1882 481326 Cie. RM- Summcr 1880 558 968 Gtr., 1881 617 802 Stk., 1882 517 096 (Tir. Hierzu kommt noch das Quantum Héede, welches als Ueßcrschuß der Einfuhr über die AU-quhr ergiebt, nämlirb in 1880 83016 CU„ _1881 100568 Ctr, 1882 112 744 Ctr. Der größteTheil der Einrubr in Deutirbland ron Flachs und Hanf ist russischer Herkunft; es wurden bezorzen aus RUßlarid: Flachs 1881 891738 Str., 1882 1 394 800 Str., Hanf 1881 927 270 Str., 1882 618000Ctr., Wer,; 1881 132 778 EU., 1882-151670 Ctr. Was Deutschland jedes Jahr an Flachs, Hanf u'nd «Heede rerbrarrrbr, dürfte auf mindrirens 1850000 Ctr. RW:? (inkl. Herde) und 530000 Ctr. Hanf anzunehmen sein. Von diciem Quaniuzn verbrauchen die 271038 mrcbaniscben Flacbs-, Hanf- und Wergrprndeln, die Tsursckoland jetzt in Betrieb hat, etwa 830000Crr, Flachs und _Herde und 50000 Cir. Hanf. Dxr ganze Übrige Reit von 1 020 000 (JLU, Flaws und 480000 Ctr. Hans entfäilt auf den Ver- brauch der Cetiékéi und der Handspinnerei. Was an Flachs in Deutirblgnd rwxb jährlich mit der und verswnnrn wird, veranschlagt der Bericht auf mindestens 850 Ctr. Hisrzu bcmerkt der Bsricbt wörtlich Folgsndes:
_.Es mag bsfremderd und auffaÜend erschrinen, daß Troß drs großen Verbrauws ron Maschinengarn noch immer ein sr) bedrarendes Quantum Flachs mit der Hand in Deutschland rersponnen werden wü. Verzegenwärtizr man sich aber, in welehem Umfange in magrhen Gegenren,_ 3- B._ in Ost- und Westpreußen, Mecklenburg, Herren, mehrersn iüddeutichen Staaten, Hannover :c. das Spinn- rZrd nock) _ jerZT dic FüUarbeit der langen Winterabende bzeten_ min;, wie noch allerwäris im dcutscksen Vaterlande die _landlrcbe _Brvölkerimg es als eine Ehrensache betrachtet, nur ielbstgeseriigte Lein_en zu tragen und im Haushalt zu Verwenden, un_d_ aur deri Bauernhöfen der mit Leinen aus selbstgesvvnnrnem (Harn gesuÜte_KMer n_r*_ch immer den Stolz der Hausfrau bildrr, so _wird man gerieben munen, daß jenes Quantum Flachs nicht zu groß ist. Zadenr rrrrd auch noch viel Leinen aus Handgarn für den Handel gcarberist. Sr) ürid z. B. von aÜrn in der Landdrostei Lüneburg zur Legge reid. zum Vrrkaur gebrachten Leinen noch immer fast 95 *),/0 aus Handgariien gearbritei! '
Gewerbe und Handel.
Ddrtmu_nd_,_ 8. "Oktober. (Rheiniscb-Westi. Ztg.) Die Lage des Eiiengeirbasts rit im Allgemeinen noch immer wenig befrie- dizrnd, wennglxrrh in einzslnen Branchen cine Fortschreiiende Belebung unrerkeimbar iii. Namentlich ist solches in drr Stahlindustrie der Fall, “ca dieirUze in der letzten Zeit viele und zum Thril schr belang- reirhe Ordres aus dem Ausland? wie aus dem Jn1and2 erhalten und writers durch bereits auSgeicbriebenc Submiiswnrw von hri- miichen Eiirnbabnen zu erwarten hat. Darcb iolche Li???- rungen wird_nichr 6108 die Siahlbrancbe, sondern auch das Ge1chäst der Kleineiienzeugfabriken, der Verkehr in Beffemer Roheisen :c. günstig beeinflußt. Jm St ab eisen ;; e i" ck äft machr die Nachfrage nur [angiame Fortichritte, doch entjpricht der Bedarf so ziemlich der Pro- duktion und fanden die Vertreter der karteüirten Stabeiienwalzwerke daher aucb in ihrrr vor einigen Tagen abgehglt-nen Versammlung kerne Veranlassung, den Grundpreis für Stabrijen zu verändern, Jn St_ahldraht laufrn_die Aufträge etwas regelmäßiger cin, während Eiiendraht vernachlassigt bleibt, doch bietrn die einxrhendcn Ordrrs i_n _Siahldraht nch) nicbt allrn betreffenden Werken grnüzende Be- ickrariigung, aucb, find die Preiic riarb wie vor edrückt und ircnig lrhncyd. Auch in Kes1elblerhen geht es nrrkgp immer nicht nach Wunirb, Vielmehr dauert die eingetretene S10ck11U_g in der Nachfrage an„ doch Fd arzcb darin die KonventionSpreiie unverändert ge- bliebsxi. Fernblechen hat sich dagrgen eine rege_ Nachfrage und iloiie Beicbafiigimg erhalten; Die Maschinensabriken, erßxrrren, Lokomotiv- und Waggonsabriken sind andauernd befriedigend b21chartrgrl erhalten auch fortwährend naue Aufträge. Was schließlich dic Rbheiicnhranrbx betrifft, sq bleibr der Verkehr schlepbrnd bei unvrranderten Preiien. _ Jm Kohlengeschäft ist der Absatz noch immer irhr bedeutend, indem derselbe Zach den täglirben Mittheilun- gen des „Königlichen Wagenamts zu (81101 inSgesammt pro Tag ca. 17,1 .Miüwneir Centricr an Kohlen und Kokes beträgt. Die Kohlen- rrerie find iiicht rverter verändert worden urid wrrden gut behauptet. Jm quesgeschaft nehmen die Vorräthe stark ab und sind auf manchen Kokereirn,_d_errn LagerblätZe vor einirien Wochen noch hock) bedeckt lagen, vollstandig verschwunden. Die Preise für Koke und Kokekohlcn bleiben aber Werren starken Angebots gedrückt.
London, 6. Oktober. (Allg. Corr?) Die heute erschienenen au]_i[ichen_ Ausweise überden britischen andel im September [cinen er1ehen, daß der Export im abgelaufenen Monat einen Werth von 20 495 494 „€ erreichte, was im Vergleich mit dem entsprechenden Monat im vdrhergehendrn Jahre eine Abnahme von 426 924 5.6 ergiebt. Verglichen mit Srptember 1881 stellt sich die Abnahme auf 405 _159 5,7. In den verflossenen neun Monaten 1). I. belief sich die Ausruhr auf 179 665 085 53 d. i. eine Abnahme von 2469 859 «1; im Vergleich mit dem entsprechenden Zeitraum VO?! 1882, aber eine Zunahme von 7845 373 ;6 verglichen mit der ParaUelderiode von 1881. Der Werth der Einfuhr im September bezifferte sich auf 32 307.465 .O und für die neun Monate czuf 319392159 56. Im Vergleich mit September 1882 Weist die Einfuhr eine Abnahme von 828 443 „;(-,' und mit den neun Monaten im vorhergehenden Jahre eine Zunahme von 11895782 .;6 auf. DieEdelmetall-BeWegung umfaßte im September d.J. eine Einfuhr von Gold und Silber im Betrage von 1 720 405 .'.6 Legen 1738 168 ;6 resp. 1 309 314 .É' im September 1882 und 1881, owie eine Ausfuhr im Betrage von 1 223128 4.6 gegen 1362 380 X resp. 1 810 898 46 im September 1882 und 1881. In den vrrfloffenen neun Monaten betrug die Edelmetalleinfuhr 13 340611 56 (Wegen 19 317 645 «T' in 1882 und 13 190992 38 in 1881) und die usfuhr 11253276 .'.L (gegen 17 279 612 „i, in 1882 und 16 750 700 zi; in 1881).
New-York, 8. Oktober. (W. T. B.) Weizenvers ii- fungen der leyteii Woche von den atlantischen Häfen der er- einigten Staaten nach Großbritannien 54 000, do. nacb Frank- reich 20 000, do. nach anderen äfen „des Kontinents 30 000, do. von Kalifornien und Oregon nacb roßbriiannien 84000, do. nach dem Kontinent _ Qrirs.
New-York, 9. Oktober. (W. T". B.) Der Werth der in der vergangenen Woche hier ausgefuhrten Produkte betrug 6599000 Dollars.
Verkehrs-Anftalteu.
Bremen, 10. Oktober. (W. T. B.) Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Habsburg' ist gestern Abend 6 Uhr in New-York eingetroffen.
amburg, 9. Oktober. (W.T._B.)_ Der Postdampfer .Fr sia“ der Hambur -Amerikanischen Packetfahrt- Atktiffengesellschaft ist cute Nachmittag auf der Elbe ein- gero en.
Berlin, 10. Oktober 1883.
Dem Ausschuß der Allgemeinen Deutschen Ausstellung auf dem Gebiete der Hvsiene und des Rettungswesens in Berlin ist folgendes Kabinetsiit'reiben Ihrer Majestät der Kaiserin zugegangen:
Unsere Aufgabe ist gelöst. Wir rvrüien beweisen, kaß die For- schungen des menschlichen Geistes fortschreitend dem Wohl unserrr Miimrnschen sicb widmen, daß GesundheitspileZe und RettungSwesxn vereint unsere Zeit durch ihre Leistungen ehren, und daß wir berech- tigt sind, von diesem ersten Versuch einer Umfai'icndrn Darsteüung dicses wichtigen Gebietes einen bleibenden Erfolg zu erwartsn. Jeder, der dazu beigetragen hat, möge das Brwußßein einer guten That be- wahren! Ick crinncre hierhci mit briondcrrr Erkenntlirbkeir (M die muthige Ausdauer ker Untrrnehmer und an den Bristand, drr urs von nah und fern .ru-5 ganz Deutschland und namsnrlicb aus der eng befreundetrn Österreichisch=ungarisrbcn Monarckxic zu Théil .;cworden ist. Vor A(lcm crinnere Ich an die Dankbarkeit, die wir Gos: schuldsn fiir "einen a[[märhiigrn Schny. Tem Mir brwirscnen Ver- trauen und der Mir noch soeben durch ein rrertkrollcs urid *"mniZes Andsnken gewidmeten Theilnahmc cntsprecbr Ick crm Schluss unserer grmrinsarrien Arbris mit dankbar bervcgrcm Hcrzen kimi) Mciiicn treuen Ssgenswunsrb.
Badrn-Badrn, krii 5. Lkwbcr 1883.
, Mr_irgen, Donrrerstag, findrt Königliche Parforce: ]agd itari. R0ndezv0u_s:_ Mittags 1 Uhr zu Forsthaus Plantagenhans ier Oberförsterei Potsdam.
Augusta.
" Das diesjährigr' Hcrkixmeeting drs Unionklrrb wird am kunstigen Fréitag"1rincn Anfang nrhmen und am Sonnabend und Sonntag rortgesuhrr urid .ieiwloffrn irrrden, EZ wird damit auch gleichzeitig die Rennsaison 1883 für Vsrlin gcirbloffen, d.: dir für dcn «Herbir in Airsficht genommenen Rermrn des Hinderniß-Remnvrreiiis in Lsipzrg ar(ausen werden. Wie immer so zeigen QUO indiesem Jahre wieder die Okrbbrrrrnncn einesehr1cbhafic Betheiligung dcr Befiizrr von annpferdcn. An jrdem Taxe Werden 6 Rennrn abgehalten." Der Freitag beginnt mii dem Erneuerunasrennsn für Stuten um den Staatspreis von 180) «is fiir 2jähr, urid Ziähr. inländische Stuien, die nie gesiegt haben. Distanz 1000 m. Elf Pferde habeir die Konkurrenz anaenommen. In dem großem Rennen um den Staatspreis ]. Klose von 10000 ..ck-. find von 28 Unterschriften 7 stehen gebxiebsn. Zu_dcm deutschn Gcsiüisdrris bon 5000.17: für 1881 gsborene inlandiicbe Pferde Waren 62 Unterschriften cingcgangen und 50 Pferds haben von dieren die Korikurrcnz angenommen. In drm Ornrrium um den Unionklubvreis von 2500 „76 w.?rderi 15 Pfsrdr starten. Zu dem Oktober-Verkaufsrennen um den Gradixer Gestütspr-eis von 1800 .-z,_ zu dem die Briheiligung noch offen ist, sind bis 1eth 5 Prkrde angemeldrt, und in dem Rennen um den Staatsbreis 117. K!affe von 1500 .Fr. werden 15 Pferde kon- kiirrirrn. _ Die Sonnabend - Konkurrenzen eröffnen mit dem Erneurrungörennen für 2- und 3jährige inländische Hengste uni drn Staatspreis von 1800 „16 11 Pfrrde sind hierin genannt. Das H rricfeld-Rennen um den Staatspreis von 6000 „77. mid eiii Silbrrgcsrbirr im Werthe von 1500 «16 auf die Distanz von 3000 m haben 23 Pfrrdr anarnommrn. Iii dcm Siurrn- Biennia[_ bro 188384 um drn Staatspreis Von 3000 „46 find 19 Pscrde und in demgleichen Renrren pro 1882/83 um drnsrlbcn Preis 13 Pferde gcnarint. Das Rennen um den Staatspreis 11. Kl. _ von 4500 «!(-. auf die Distanz von 4800 m wird 8 Pxerdr zum Pfosten bringrn, und in dem Sabinirs- Hürden- Rennen um den Unionkiubbreis von 1200 «xis sind 14 Pferde genannr. _ Der Sonntag beginnt mit dem Memorial- Renncn um den_ Staatspreis von 3000 9-4, zu dem 15 Pferde gc- nannr iind. Ebenwdiel Unterschriften Weist auch das ZUchtrennen um den Staatsprris von 3000 446 auf. Das Kinder-Trost- Renn en um den Staatsbrsis don 1500.46. hat 18 Unterscbriftrn erhaltcn. Zu dem chnsn urn den Staatspreis 111.511. von 3000 .I, auf 2000 m sind 16 Pferdc genannt. Das YerkaufSrrnncn um irn Gradixxcr Gestütsbreis vvn1083,70_ .li: iii noch ziir Bethriligung 977611, hat aber schon ert 12 Unterichrifien aufzurvkiseii, während das Logir- ha_us-Stceplr-Chaie um den Unionkiuddreis von 1800 .15. nur 4 Konkurrenten zum Start bringrn wird. _Dis Remmi beginnen an jedem Tags um 1 Uhr Nachmittags und find um 4 Uhr breiidet. Die beiden Erirazügé, _w-3[_che zu densrlbrn abgelaffcri wcrden, Pasfircn den Bahnhof Friedrichstraße um 11 Uhr 38 Mimiieri Und 11 Uhr 53 Minuten.
Sr. Petersburg, 9_, Oktobcr. (W. T. B.) Das Leichen- be_gängniß Turgsnje'st hat heute in fcierlickzster Weise statt- gefunden. Schon frahzcrirg hattewfirh die Theilnehmcr .in der Pro- zession mit Kranicn vor dem Wirtshaus; Bahrhof aufqrstcllt, wäh- rend arif dem schwarzwrapiricn Bahnhof selbst die Geistlichkeit, die offizirÜen Persönltchkrtten Und die Ordner der Prozeision versammelt waren._ Nach Ankunft des Bahnzugrs mit der Leiche wurde zunächit auf dem Bahnhorr cine kurze Aridarhr_abgrhaltrn; hier- auf setzte fich der Zug nach dem Kirchhof in Brwcaung. Dem mit einem goldenen Baldachin versehrnen und mit Kränzen bedeckten Leichenwagen vsraur 'giizgen die vcr1chiedencn Dcputationen mit ihren Kränzen uiid die Grrstlrcbkeit; Unmittelbar hinter der Lricbc schloß fick) das endloie Tradergefolge an. Die Straßen, Welche der Zug Passirte, wirrewam berdrn Seiten mit_einrr zahllosen, in thril- nathvoUem Schniergen vrrharrsndetr Memcbenmenge besetzt, welche bei dem Annähern der Lerche die Haupter eniblößte. Mittlerrveile hatte in der Kirche des Friedhofes das vom Bischof Sergius cele- brirte Todtenanir reinen Anfang genommen; beim Eintreffen dcr Leiche wurde dicielbe auf den prächtigen mit Blumen und Gewächscn geschmückten Katafalk gehoben und die Einsrgnung voÜzogen. Hierauf ward der Saxrq nach der Griifthixiausgetragen, deren Wände mit blaurm Atlas auF-gricblagen und mit rrijrhen Blumen gesrhrnückt waren. Als der Sarg in die Gruft gekLenkt wurde. sprach der Bischof Sergius den Segen; nacb ibni na men die Rektoren der St. Petersburger und der Moskauer Universität, sowie die Schriftsteller Grigorowitscb und P(esiychejeff zu Trauerreden um den Verstorbenen das Wort. Unter den afuf drm Sarge liegenden Kränzen befand fick) auch ein von der Famrlie Viardot und ein von dem Verein der Berliner Presse gespendeten“ Morßen Abend findet eine vom Comité der „Gesellschaft zur Unterstutzung ülfsbedürftiger Schriftsteller“ veranstaltete (Gedacht- nißfeier zu Ehren drs Verstorbenen statt. _ '
_ 9. Oktober, Nachmittags. (W. T. W. Von einem, zweiten Korrrspondentrn) Die Beisetzung der Leiche Tiirgenjrffs rst heute unter außerordentlich großer Veiheiligung der Bevölkerung erfolgt. Dem Kondukt voraus gingen 176 verschiedene _Dcprrtaiwncn, Welche von Städten, Ständen, Lehranstalten, Unwcrsriäien, Gewerbe- treibenden und Bauernschaften entsendet waren; Pracbtvollr Lorbrer- kränze und Kränze von Silber bedcckten dcn Leichenwagen oder Wurden im Lkicbenzuge getragen._ Die Straßen, durch welche der Zug führte, waren mit rincr Kopf an Kopf gedränaien Volksinrnge angefüllt imd aUc _Fenster rind Daiber mit Menschen beseyt Die Vertreter der Presie sowie diejenigen der Wissenschaften und Künste gingen neben dem Baldachin. Der Zug hatte eine Länge von nahezu 2 Werft; derselbe setzte sich Vormittags 35131 Uhr in Bewegung und [angie erst gegen 2 Uhr auf dem
olkowofelde an. Bei drm Gottesdienst in der Kirche wurde keine Rede gehaltcn. Am Grabe sprachen der Rektor der St.Petersburger Universität Beketoff sowie die Schriftsteller Grigorowitsch und Plesiscbejeff. Die Haltung des Publikums war trotz der großen Menschenmassen eine durchaus. wurdiqe und musterbaftc; nirgends kam eine Störung vor, und dir Polizei verhirlt sich gänzliéh passiv, da ihre Einmischung nirgends criordcrlich war.