1883 / 253 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Sat, 27 Oct 1883 18:00:01 GMT) scan diff

Ministerium des Innern.

Dem Landrath von Schwichow ist das LandrathSamt im Kreise Kolmar i. P. übertragen worden.

Juftiz-Minifterium.

Versetzt sind: der AmtSrichter Fromme in Neustadt- Magdeburg an das Amtsgericht in Magdeburg, der Amts- richter Müller in Calbe a. S. an das Amthericht in Neu- stadt=Magdeburg und der AmtSrichter Müage in Bremer- vörde als Landrichter an das Landgericht in Stade.

Der Rechtsanwalt und Notar, Justiz:Rath Aßmy, bisher in Meseriß, hat bei Verlegung seines Wohnsitzes nach Pots- dam das Notariat niedergelegt.

In die Liste der Rechtßanwälte sind eingetragkn: der bis- herige AmtSrichter Mitschke aus Roqasen bei dem Amts- gex'icht in Kosten, der GerichtS-Affeffor Feldmann bei dem Amtsgericht in Cammin und der GerichtS=Asscssor Mertins bei dem Amtsgericht in Mohrungen.

Der Landgerichts-Präsident Freiherr von Neukirchen, genannt von Nyvenheim, in Cleve, der AmtSaerichtS-Rath Sabaßky in Cassel und der Athgericth-Rath Leidner in Wiesbaden sind gestorben.

Ministerium für Landwirthfckzaft, Domänen und Forsten.

Dem Thierarzt Otto Rudolf Eugen Koschel zu Gleiwiß ist die von ihm bisher kommissarisch verwaltete Kreis-Thierarztstelle des Kreises Tost-Gleiwiß definitiv ver- liehen worden.

_ Dem Thierarzt Carl Friedrich Lüpke ist die kbm- miffarische Verwaltung der Kreis-Thierarztstelle des Krexses Belgard, unter Anweisung seines Wohnsitzes in Belgard, übertragen worden.

Perfoualberändernugeu.

Königlilh Preußksckxe Armee.

Ernennungeii , Beförderunaen und Verseßuxrgen. Zm aktiVLn Heere. Berlin, 24. Oktober. _Frhr. v. Lüdrng- bausen gen. Wolff, Pr. Lt. vom 2. chrbe-z egt. z. F., unter Styllung 11 13 suits dieses Regis, zur Dienstleist. bei dem General- Feldmarschal] Frhrn. v. Manteuffel kommandirt. v. Wilmowski, Sec. Lt. vom 2. Garde-Regt. 3. F., zum Pr. Lt. befördert.

Kaiserlickxe Marine.

Crnen1111ngen, Beförderungen_ und Verseßungen. Baden-Baden, 20. Oktober. 11. Hae1eler, Lt. zur See, 11111. 511th des Sceofsiz. Corps gestellt. (“Heiland, Unter-Lt. zur See der Res. vom 1. Bat. Landw. R(Jts. 7Nr 45, Arenbold, Unter-Lt. zur See der Res. vom ]. Bat. Landw. Regis. Nr. 76, zu Lts. zur See der Res. des SLLOffiz- Corps beBrdert.

YichtamtlicheS. Deutsches Reich.

Preußen. Berlin, 27. Oktober. Se. Majestät der Kaiser und König trafen. wie „W. T. B.“ aus Wernigerode meldet, gestern Vormittag 103/4 Uhr mit dem Graskn zu Stolberg-Wernigerode und der Jagdgeseüschast am Hartenberge ein und m_urden dort von dem Ober-Forstmeister MüÜer und der JägerU empfangen, wclche den Fürstengruß blies. Um 11 Uhr wurde die Jagd angeblasen. Das erste Treiben, in welchem Se. Majestät 18 Sauen strxckten, war um 1 Uhr beendet.

Nach dem Dejeuner im Jagdzelt am Klausberge, wo die Gräfin zu Stolerg-Wernigerode an der Spitze der anderen Damen Se. Majestät empfing, erfolgte um 2 Uhr der Auf- bruch zum zweiten Jagen am Hurtdsrücken.

Abemds 71/2 Uhr fand im Schloßhof ein größeres Diner statt.

Nach dem Diner nahmen Se. Majestät dsr Kaiser die im Hofe des Schlosses bereitete, aus 112 Stücken Wild be- stehende Strecke vom Fenster aus in Augenschein. Der Hof war bengalisch erleuchtet und die Strecke von Fackelträgern umsteÜt. Von der Jägerei wurden Se. Majestät mit dem Fürstenrufe begrüßt. In dem zweiten Jagen am Hunds- 1ücken waren von Sr. Majestät dem Kaiser 1 Rothhirsch, 3 Stück Rothwild und 5 Sauen erlegt worden.

Heute früh 7 Uhr, nachdem die Jägerei im Schloßhofe den Weckruf geblasen und später das Trompetercorps der Halberstädter Kürassiere eine Morgenmusik dargebracht hatte, begann der Aufbruch zur Hasenjagd auf der Altenroder Flur. Die Fahrt ging durch die festlich geschmückten Straßen der Stadt, 111 denen die Schulen und Vereine Aufstellung genom- men._ Auf dem Marktplaße wurden Sc. Majestät von dem Magistrat erwartet und begrüßt. Das Wetter ist mild und klar.

Ans Anlaß des am 30. d. M. stattfindenden 25 jährigen Regierungßxubiläixms des Grafen Otto zu Stolberg-Wernigerode haben Se. Mazestai der Kaiser demselben ein in Oel gemaltes Brustbild, Se. Majestät m der Uniform der Gardes du Corps darstellend, verehrt.

_ Auf das Glückwunschschreiben des hiesigen Magi- strats, anläßlich der Geburtstagsfeier Sr. Kaiser- lichen und Königlichen Hoheit des Kronprinzen, ist folgende Antwort an denselben ergangen:

Dic Mir Von dem Magistrat zu Meinem Geburtstage dar. gebrachten Glückwünsche haben Mich um so aufrichtiger erfreut, als Ich in denselben einen erneuten Ausdruck der jrcucn Tbeilnahme er- blicke, bon welcher Mir uud Meiner kaablin zu allen Zeiten und namentlich in diesem Jahre aus Anlaß der Feier Unserer silbernen Hochzeit so überaus zahlreiche und wohlthuende Bciveise Seitens der Bevölkerung Berlins wie aus allen Theilen Deutsch- 1ands zugegangen find. Die Kundgebung solcher Gesinnung Verpflichtet nicht nur Mich und die Meinigen zu Warmen: Dank, sondern legt gleichzeitig ein beredtes Zeugniß ab fiir das zwischen Fürstenhaus und Volk bestehende innige Verhältniß. Wie auf ihm, als einem festen Grunde, Deutschlands äußere Macbistellung rubt, so bietet es auch die sichere Bürgschaft*für die stetige und gesunde Eni- wickelung seiner inneren Zustände, Zu welch gewaltigen Anstren- gungen und großartigen Erfolgen die Einigkeit in der Liebe zu Fürst und Vaterland das kwtsche Volk zu befähigen vermochte, davon

wird das nationale Denkmal an den Ufern des Rheins, welches jüngst die ergreifende Weihe erhielt, zukünftigen Geschlechtern Kunde geben, wird fie mabnen, allzeit auszubauen in der Treue zu Kaiser

und Reich.

Möge dem deutschen Volke aucb die dem Gedächtniß Luthers gewidmete Feier eine ernste, nie überbörte Mahnung sein, die unscbäy- baren geistigen Güter, welche die Reformation uns errungen, zu be-

haupten und zu pflegen.

Mit dem Ausdrucke des zuverfichtlicben Vertrauens, daß in der Veibätigung echt patriotischen, echt deutschen Sinnes die Hauptstadt stets voranstehen Werde, verbinde Ick gern die Versicherung Meiner warmen Tbeilnahme an der erfreulich fortschreitenden Entwickelung

Berlins wie dem Wohle seiner BeWobner. Wiesbaden, den 22. Oktober 1883. Friedrich Wilhelm, Kronprinz. An den Magistrat zu Berlin.

_ Nach Mittheilungen aus Rumänien ist folgende Sub- mis sion ausgeschrieben worden:

für den 3. Dezembxr d.",J. von der Stadtverwaltung zu Bukarest eine Submission auf Herstellung einer gußeisernen Wasserleitung von 2300 111 Länge und 0,50 111 Durchmesser.

Die näheren Submissionsbedingungen liegen in unserem Expeditionsbureau zur Einsichtnahme aus.

_ Der Kaiserliche Gesandte bei der schweizerischen Eid- genoffenschaft, Wirkliche Geheime LegationS-Rath Von Bülow ist nach Bern zurückgekehrt und hat die Geschäfte der dortigen Gesandtschaft wieder übernommen.

_ Der BevoUmächtigte zum VundeeZ-rath, Großherzoglich oldenburgische Geheime StaatSrath Selkmann ist hier an- gekommen, und der Herzoglich sachsßn-meiningische Staats- Mimster Freiherr von Giseke ist nach Meiningen wieder

abgereist.

Bayern. München, 24. Oktober. (21119. Ztg.) Jm Finanzausschuß der Kammer der Abgeordneten wurde gestern die Vorlage, betreffend den außerordent- lichen Militärkredit für Verlegung des Hauptlabora: toriums und der Erzgießerei nach Ingolstadt (511000 + 495 000 «M), mit 1 006 000 „46 genehmigt und auf Antrag dss Referenten, Abg. Keßler, mit provisorischer Einwiüigung des KrieJOMinisters beschlossen, daß der nach Verwendung von Erü rigungen früher bewilligter Militärkredite noch er- forberliche Restbedarf im Betrage von 823 378 514 aus den verfügbaren Mehreinnahmen des ersten Jahres der )(71. Finanz- periode entnommen werden soll. » Dagegen wurde der vom Kriens-Minkster gemachte Vorschlag einer Anlehensaufnahme zur Deckung des Restbedarfs abgelehnt.

_ 27. Oktober. (W. T. B.) Die Kammer der Reichsräthe genehmigte den Militäretat für 1883/84 ohne Debatte und einstimmig.

Oesterreich-ngarn. Wien, 26. Oktober. (W. T. V.)

W dem Ausschuß der u:?garischen Delegation für die Auswärtigen Angelegenheiten erklärte heute der kinister des Auswärtigen, Kalnoky: Nach der nun- mehr erfolgten Ratifikation ber Eisenbahnkonvention stehe die Frage 1363 Ausbaues der Eisenbahnen im Vordergrunde; in onftantinopel sei bereits eine Offerte gemacht worden, und auch in Bulgarien sei eine Offerte zu gewärligen. Eine materieÜe Garantie dafür, daß der Vertrag erfüllt werde, sei nicht vorhanden, aber dcr Vértrag selbst biete Mittel und Wege zur Realisirimg desselben. Der Minister bemerkte

weiter: auch er sei der Ansicht, daß Bulgarien besser thun würde, wenn es einen Thsil der AUSgaben für sein Heer auf die Schwifting ber Festungen vcr-

wende; er habe sich auch in diesem Sinne an maßgebenber StelXe gcäußert. Auch mit der Bkzahlung des Tributs an Die Pforte sei Bulgarien im Rückstanbe; gleichwohl hoffe er, daß Bulgarien seinen Verpflichtungen nachkommen werbe, wcnnschon die Kosten für die Schleixun der Festunßen koine geringfügigen seién. Uebrigens interesire diese Frage keine einzelne Macht speziel], sondern aUe Mächte insgesammt, und das Ergreifen der Initiative sei jedenfaÜs Sache der Türkei. Was das Eiserne Thor anbslange, so werde die technisch3 Aus- führung sammt “den Kosten von Ungarn übernommen; Ungarn werde nach den Bestimmungen des Londoner Vertrags auch die Véage einheben. Von Serbien seien die betreffenden Arbeiten unterstüßt worden, und ein glßiches Vorgehen sei auch von Runzänien zu erwarten. Der Minister gab sodann noch Aufschlüsye über bis Reform 'der österreichisch:ungarifchen Konsulate. Die Hauptschwierigkeit liege in Rumänien, wo Psrsonen, die der österreichisch=ungarischen Monarchie nicht angehörten, von den österreichisch-ungarische11 Konsulaten Schuß ihrer Intéressen erwarteten. Er habe sich dar- über mit dem rumänischen Minister-Präsidenten Bratiano besprochen, und es stehe eine einv€rständliche und baldige Beseitigung der Uebelstände in Aussicht. Der Minister erklärte ferner auf_ das Entschiedenste, daß das Verhältniß zu Italien in jeder Béziehung ein befrie- digendés, und daß die bereits im vorigsn Jahre von ihm angedeutete freundschaftliche Annäherung wirklich zu Stande gekommen sei. Der Minister verwies dabei auf die im unga- rischen und im italienischen Parlament ertheilten Aufklä- rungen. Daß bis jest nicht jede Partei in Italien diese Situation acceptire, liege in der Natur der Sache, aber die Überwiegende Mehrheit der italieni1chen Nation sche ein, daß das zwischen Oesterreich-Ungaru und Italien bestehende freundschaftliche Verhältniß vom Gssichtsvunkt des aÜge- meinen Friedens und der Interessen Italiens aus wichti und wünschenswerth sei. Er hoffe, dieses herzliche Verhältni werde auch künftig aufrecht erhalten bleiben, wobei es sich von selbst verstehe, daß das Bündnis; zwischen Oesterreich- Ungarn und Italien ebenso wie das Bündniß mit Deulsch= land ausfchließlich auf Erhaltung des Friedens gerichtet sei. _ Der Berichterstatter Falk verwies auf die seiner Zeit durch die Blätter gegangenen Nachrichten und Enthüüungen über das deutz"ch-öfterreichische Bündnis; und fragte, ob eine Krifis bestanden habe und welches die Ursachen derselben gewesen seien. Graf Kalnoky er- klärte auf das Bestimmteste, _daß das Kabinet jenem WÜÜLU Lärm sowohl betreffs seines Ursprungs als seines Wesens vollkommen fern gestanden habe. Seitdem er die

auswärtigen Angelegenheiten leite, sei das zwischen der Monarchie und Deutschland bestehende intime freundschaft; liche Verhältniß noch nicht einen einzigen Augenblick lang getrübt worden; er könne nur bedauern, daß diese Beunruhi= gung babe entstehen können, und, o ne den Quellen derselben nachzuforfchen, könne er dieselbe a s vol1ständig unbegründet erklären. Er könne kein Kabinet nennen, welchem aus dieser Beunruhigung Nußen hätte erwachsen können. Bezüglich der Stabilität dieses Bündnisses, erklärte der Minister noch- mals, könne man unbedingt und vollständig beruhigt sein. _ Zn Beantwortung mehrerer an ihn gerichteter Anfragen er: lärte _(Hraf Kalnoky: bei seinen Besprechungen mit dem rumänischen Minister-Präfidenien Bratiano sei beiderseits der feste Entschluß auSgedrückt worden, zu den früheren freund- schaftlichen _Verhältniffen zurück zu kehren. Mukhtar Vascha sei bei seinem Besuche in Wien zu Vereinbarungen über _konkrete politische Fragen nicht beauftragt gewesen, habe sich auf solche auch nicht eingelassen. Die guten Be- ziehungen zur Pforte seien ununterbrochen aufrecht er: halten und durch nichts getrübt worden. Was Rußland axilange, so_ seien _die Beziehungen der beiden „?errscher zu eincrnder die herzlichsten, und auch das Verhältni der beiden Rxgtxrungen set ein normales. Die russische Presse aUein set die Ursache der Beunruhigungen. Die Auffassung, daß Rußland emen Angriffskrieg projektire, halte er für unrichtig, we_1l_ bekannt fer,_ daß Oesterreich-Ungarn einem solchen An: griff gegenüberwcht allein stehen werde. Seine persönliche Uebkrzeugung sei, dgß weder der Kaiser Alexander persönlich, n_och_ a_uchfeiz1e Regierung an Krieg denke. Er hoffe, daß dre ]eßige_Frieden8aera noch von längerer Dauer sein werde. _ L_luf eme Anfrage des Abg. Karman über die Reise des Königs _von Rumänien und des Mmifter-Vräfidenten Vratiano tt_ach Wien, erklärte Graf Kalnoky, daß die Donaufrage und einige andere Episoden das Verhältnis; zu Rumänien einiger: maßen getrübt hätten. Der König von Rumänien habe nun dem Kaistr und der Regierung gegenüber dem lebhaften Wunsche nach besseren Beziehungen Ausdruck ge- geben. _Ngch dem darauf zwischen Vrati-ano und ihm (dem Minister) erfolgten Meinungsaustausck)e seien beide Theil? __ zu ber Ueberzkugung gelangt, daß ein Konflikt der beiderseitigen Interessen nicht vorliege, und von bciden Sexten sei der_ feste_Entsch1uß ausgedrückt worden, zn den früheren frcnndsthaftlichen Verhältnissen zurückzukehren. Von konkreten Ergebnissen laffe_ sich 518er zwar Nichts sagen, wohl aber darüber, daß das sreunbschaftliche Verhältniß erhalten bleiben werde. Auf eine Anfrage über den Zwsck der Reise Mukhtar _Vaschas Lrtpiderte der Minister, daß der Sultan, welcher 117.1 langer ZM zu Deutschland in guten Beziehungen stehe,_ Mukhtar Pascha zur Theilnahme an den preußischen Manovxrn abgesendet habe. Es sei selbstverständlich, bas; bei dM Vesprechungsn mit Mukhtar Pascha auch poli= tische Fragen berührt worden seien. Dies sei auch in Wien der Fal1 gerpesen, W0_s1ck) Mukhtar Pascha _ wie dies dem freundschaftlichen und intimen Verhältniß zwischen Oesterreich: Ungarn und der _Pforte entspreche _ aufgehalten habe, Mukhtar Pascha séL vor Allem Soldat und sei daher zu Ver- einbarungen über konkret? politische Fragen weder beauftragt gewesen, noch habe er sich auch auf solche eingelassen. Ein heute? Hingegangenes Telegramm spreche die vollkommene Befriedigung pes Sultans aue.“- über den Mukhtar Pascha in Wien zu Theil gewordenen Empfang. Die guten Beziehungen zu_r Vfbrte fete_n ununterbrochen aufrecht er alten und durch nichts irgendime getrübt worden. Bezüglich ußlands erklärte Graf Kalnokh: von ben Beziehungen der beiden Herrscher zu e_mander brauche e_r mcht zu sprechen, da diese stets die herz- lichsteii gewxsen seien; er_ könne auch versichern, daß das Ver- hältniß zw1schen den_betden Regierungen ein normales sei, was aUerdings im Widerspruch zu der Haltung der rusfischen Presse stehy, welche die aÜeinige Ursache der Bcunruhigungen bilde. Er sei überzeugt, daß die Gereiztheit gegen Oesterreich- Ungarn nur ans sehr enge Kreise beschränkt sei, er halte die Auffassung für m_)llkommen unrichtig, daß Rußland einen 2111-- griffskrieg proxktire, nicht blos wegsn der inneren Verhält- niffe Rußlands, sondern weil es außerdem auch bekannt sei, daß Oejterreich-Ungarn einem solchen Angriffe gegenüber nicht aUein stehen werde. Er leugne nicht, daß man in Rußland auf militärischem Gobiete sehr thätig sei, man könne aber gegen die im Inneren bewerkstelligtkn Fortifi: kationen keine Einwendungen erheben. Zum Schluß gab der Minister wiederholt seiner persönlichen Uebcrzeugung Aus: druck,_daß weder der Kaiser Alexander für seine Person, noch auch 1eine Regierung an Krieg dächten, er hoffe, daß in d_8_n wiederholt auSgedrückten Wunsch der maßgebenden Krems xpsgen Aufrechterhaltung des freundschaftlikhen Verhältnisses nch auch das russiche Volk hineinfinden werde, somit sei die Hoff-

nung gestattet, daß die jehige Friederisära von längerer Dauer sein wxrde. Frankreich. Paris 27. Oktober. (W. T. V.) Die

äußerste Linke beschloß, ihre Interpellation Über Tongking erst am nächsten Montag einzubringen. _ Das Gerücht, daß zwischen dem Minister-Präsidenten Ferry Und Léon Say eine Besprechung stattgefunden habe und daß es fich um eine Wiederaufnahme des Finanz-Minisieriums durch Léon Say handkle, wird von der „Agence Havas“ als unrichtig bezeichnet.

_ 27, Oktober. (W. T. B,) Die internationaYe Konferenz zum Schuss der snbmarinen Kabelist eschloffen worden. Wie das „Journal officiel“ meldet, kon- tatirte der Minister für das Postwesen, Cochéry, in der Schluß- sißung, daß der Entwurf einer Uebereinkunft jeßt einstimmig von dLn Delegirten von 32 Staaten festgestellt worden und daß nur noch über die Frage des Schußßs in Kriegözeiten Beschluß zu fassen sei, welche Frage noch der Prüfung Seitens der Diplo- maten zu unterliegen habe. Cocbéry erklärte, er hoffe, daß ach dem Entwurf binnen drei Monaten ein internationaler Yertxag werden würde, und sprach den Delegirten seinen

an aus.

Zeitungsftimmen.

Aus Cassel (Ende Juli) berichtet das Oktoberheft des „Deutschen HandelSarchivs“:

Das allgemeine Gepräge des Geschäftsganges im Verfloffetien Quartal war ein ähnliches wie im vorvergangenen Jahre: ziemlich lebhafte Tbatigkeit auf industrieklem Gebiete, guter und ausgedehnter Absatz sowie durchgängig rege Beschäftigung der Gewerbe, Welchem jedoch ein weniger günstiger GeschäftSverlauf einiger und_ zwar ber- hxsrrßgendder Hankelszweige (besonders im Getreidegeschaft) gegen- u er an .

_Gut lag das Schubwaarengeschäft. Der Umsatz war recht be- friedigend, der Nutzen dagegen nur gering; der kleinste Vortheil mußte benuyt Werden, mp mit der Konkurrenz gleichen Schritt halten zu_ onnen; und die Fabrikanten waren gezWUngen, fortwährend für Etnstellung_ neuerer verbxfferter Maschinen Sorge zu tragen.

_ Auch in der qunellmdustrie waren die Fabrikanten genötbigt, zu großexen Anlagen mit Dampfbetrieb ihre Zuflucht zu nehmen, Weil dte_ notbig_e Zahl der Haybweber nicht mehr beschafft wsrden konnte. Die Fabrikanten _baben fur_den künftigen Herbst genügende Aufträge, und wenn auch_dt§ chxgen uber niedrige Prcise, heworgerufen durch die starke auswarttae Kotzkurrenz, sich ständig wiederholen, so dürften solche Yocb dieses Jahr omen befferen Nasen lassen.

Die aÜgemetxie Besserung der Flanellindustrie ist aucb noch auf den Uuzstand zuruckzufuhren, daß fich dieselbe mebr und tmbr befferen O_ualimten zuwmdxt, so _daß das biefige Fabrikat, im Gegensatz zu frpberen _Jahren, jekt ctnezi guten Ruf genießt und gern gekauft nzird. Die zur FlanelLf_abr1ka_tion gehörenden Hülfsztvkiae, speziell die_Spinnereten unb Farbereten, haben ebenfalls ausreichende Be- schafttgyng. Nur wird auch hier über gedrückte Preise, die nur einen schr kleinen Nutzen lassen, geklagt.

Demselben Blatt Wlkd aus Königsberg i. Br. gemeldet:

Dte_ itzdustriellen Etabljsßmchs in unsercr Provinz waren durchschnittlich recht gut bkschaftixzt und dürften auch lohnende Preise erzielt habexi. Hier am Platze ist die längere Zsit außer Betrieb gewesene Zizndbolzfabitk wicber in Thätigkeit gesetzt worden, an- fcbeineyd mit Erfolg; aux!) Wird die Errichtu11g einer Ammoniakfabrik proxektirt. In ker PWNUF entstehen fortwährend neue Projekte zur Erbauung v0_n Zuckerfabriken. Neuerdings beabsichtigt man, in Ger- daucn und Loxen dergleichen Ctabliffemenis ins Leben zu rasen. Am lexztgenannten Orte sollen die zu liefernden Rüben Per Dampfer von den Seeufern abgeholt werden, das Projekt interess'nt daber am meisten_ die Befißcr, deren Güter in der Nähe des Mauer- und Löwenttnse_cs,_ (OWM dcr Spirdingmewäffcr gslczcn sind. Für die Zuckerfabrik m Rasteyburg sm_d übrigens für dieses Jahr bereits etwa 3000 Morgen Zuckerrubkn gezeichnet Wordcn, während im rergangensn Jahre nur ctwa 1800 Morgen gebaut 1V11kd€11,

Auf dxm Gkbiete des Geldmarktes haben hcrvorragcndc Be- Wegungen n1cht_ statt;",efunden. Der Geldjtand war stets ein überaus flüssiger und ubertraf das Angcbot “saft durchgängig bei Weitem die

Nachfrage. „Berliner Politischcn Nachrichten“

_ Die melden:

Die Lage der beutscbenMaschinenbauinknstrie_[**[cibt daucrnb eine zufriedenftellende; sziSÜ ist es dsn großen (Hewüschaften gelungxn, sich auf Weitere Monate hinaus Bestellungen rom Zn- und Auslande zu sichern. Die Ksffelschmieden cnifaltcn kiUL große Thätigkeit, bci dcn Lokomotibs und Waggonbauanstaltcn Walken bie glci-kben Vcr- bältniffe bor, nachdem die Verkehrsanstalten wiedcr bertnébrts An- schaffungen vornehmen. Die Werkzeug-Maschine_nfabriken Nordwest- Deutschlands und Sachsens sind wiedkr m2hr beshäftigi.

_ Die „Norddeutsche Allgemeine Zei_t'.1n_g“ent- nimmt einem Briese aus Dresdcn iiachwlgcnde Mittheuungen Über die wirthschastliche Lage in Sach1et1: _

Die aÜgcmeine wirihscbastliche Mga in Sagbsen da1s zxreifcls- ohne als eine sehr günstige bkzcicbnci Wöldl'U. Fast (1119 Zweige der sächfischen Industrie sieben in hoher B(üthe; Erwxrbsq Handelé- und VerkehrSverhältniffe habrn einen bebxutendkn Au71chW1mg genommen, und der Wohlstavd sowie 516 Sisuxrkraft der Bevölkerung find in Folge dkffen erheblich gcn*ach1e_n._ Als Anzeichen [zier- für möchte ich zunächst auf die" in_ dMém Jahre slstIIstLUtE bedcuiende Steigerung dcs Ertraxinißes dec Flet1chst€uer auf- merksam machen, welche voraus1ichtlich ungefahr 900000 .17. gegen das Vorjahr betragen wird; ferner auf die diesjahrtge Besse- rung der Einnahmen aus denStaatsforsien, welcbe a11f_deansimctcr ungefähr eine Mark, in dsr sächfisch8n Schwetz! sogar 1315 zwei Mgrk mehr als im Vorjahre betragen Werden._ Da jedoch dte_Kixfcrn nicht dieselbe Preissteigerung aufweisen, so wird als durkhschmitltche Prcls- erhöhung etjva 75 „3 angenomWn Werden können. _Dazu kommt, daß das in diesem Jahre eingeführte Holz VOTYLH11111ch_(11_16_ babe- riscben. also deutschen Waldungen hcrstammt, wahrend_d1e fruher 111 so großen Mengen aus Galizikn imd Böhmen cmgckfubrt€n__ olz-r in Folge der in Oesterreich für diese Route erfolgten _TarrUerab- setzungen jetzt ihrsn W771 über Ludwigshafen nach _Frankrcrch nehmcn.

' Als Miteres gewichtiges Merknml des stetigen S_ieigens ber Verkehrsverhäljniffe sind die seit dem Jahre 1879_wach_1e_nden Em- nabmen aus dcn Eisenbahnen anzuführxn, 188111)? 111 _ d:?!xm Jahrs mit der Ziffer von ungefähr 68 Millrbncn Mgrk __bre h_béhste im Jahre 1867 erzielte Einnahme um fast 1211sz1111011 Uberstcigexi. _Und wenn auch vikllcicbt die ledcinnahme nicht als ganz_ un_trugltchrs ZeiÖen gehobenen Verkrhrs angesxhen WTM." Yann, wxrl sie zu sehr von den jetveiligen Tarifvcrhälinimen abhcxngtg ist, so lrefcrt doch die Vermehrung des Gewichts beziehzzngswäje des Tonnengxhalts der beförderten Frach1en für di? thatxachliibé: Hebnng_ bes Elfcnbahnver- kehrs einen unanfechtbaren und erfreulichen Verweis.

Justiz-Ministerial-Blait. Nr. 39. _ Juhalx: Er- kenntnis; des Reichsgerichts vom 20. September 1882. Centralblatt der BauverWaltzing. Nr. 43. _ Inhalt: Amtliches: Personal-Nachrichtc11. _ _NtÖtamiltcbrs: Das neu? Reichstagsgebäude. _ Ueber die Vortheile de_r Zuxhnstangcnbabgen bei starken Steiaunaen. _ _Uebcr Lüftung der Pieh1ta11x._ Vertp11chtes: Der EntrVUrf für die Korrektion dcs Rhmns ZMWM Marnz__und Binnen. Konkurrenz für Entwürfe zum Bau ein8r_Zvangclt1chcitKrrche in Unjerbarmcn. _ Aus dem baherisckkn Etat 1111? _die Jahre 1884 und 1885. _ Lokalbahnen in dsr Umgebung _wort_ Wien. _ Intar- nationale elektrische Ausstellung in Philadelphm nn Jahre 1884.

Statistische Nachrichten.

Nach dem Bericht über die GemisindeVerwaltung der Stadt Berlin in den Jahren 1877 bis 1881 Warkn in 8211 städtischen Ehrenämtcrn der unbesoldeten Gemetnbcbsamien im Jahre 1881 tbätig als Bkzirksborsteher 200 (gegen 1877 +_6), m den Armcnkommisfionen 1528 (+ 134), m den Schillkommißzoncn 1249 (+ 225), als Waisenräthe 696 (+ 381), als Warsenpflegermnen 356 (+ 107. _ _ _

Von den) 126 Stadtverordncien, von denen gesetzlich die Halfte

ausbesitzer sein muß, waren im Jahre 1881 97 Hausbesi'er und 9 Mietber. 74 gehörten dem Gewerbestand _an, 32 Waren 51enticrs, 6 Aerzte, 4 Lehrer, 5 Staatsbeamtc, 2_Gesc[1_1cbciftsb_camte, 2 Rechts- anwälte, 1 Sibtiftstyller. Das Mißvxxhaltmß ,L" der Stimm- berechtigung der Wähler, Welches zux Auflojung der Stadtverordnetem- versammlung geführt hat, ergiebt 1111) u. A. aus fqlaendcn Zahlczi: Im Jahre 1878 fielen in der 111. Abjhxilung auf jeden Wab1beztxk durchschnittlich 3838 Wähler, in 6 Bezirken waren 111111 10686 W 14 720, in einem anderen nur 413 Wabler borhanben In der 3111er- ten Abtheilung zählten bei einer durchschmttluben Wablcrzahl von 475 6 Bezirke 841_1428 Wähler, wahrend_dqs Minimum bis auf 140 sank. In der ersten Abtheilung (1199 bei emem Durchschnitt von 100 die Zahl dcr Wähler in 5 Bezirkxn auf 182 bis1 609 und sank in einem auf 27. Die Beibeilmung an 13211 Neu1v_ahlen der Stadtverordneten scbwnnkxc vo_11 1872_1880 von 11,3 0/0 der Wähler (1876) bis 20,6 “74. (1818). BLZ den LatZdthswahlen war bis Bc1hcikigung 1873 25,40 %, 1876 22,38 0/0, 1879 22.94 0/0; bei den Reichstagswahlen 32,070/01187411-115 79,71 9/0 (1878). Noch ungünstiger stel1t sich das Vkrbaltmß fur dre Stabtberqrdnktenwahlen, wenn man die 3. Abtheilung für s1ch betracbic't; 1n dieser War das Minimum der Bethciligung (1874 und 1876) 8,1 0/0, das Maximum

78 17,1 0 . (18 Durch d/ige Jnkommunalisirung des Vtchboisterrams 11115 des Tbiergartens ist die Fläche des Stadtbezirks auf 6310 113. gestWgen,

davon 180 113 (2,85 %) öffentliche Wafferläufe, 411 1113. (6,52 0/9) öffentliche Parks und Gärten. 120 118 (1.90%) Fr1_edhofe, 325 ha (5,15 %) Eisenbabnanlagen, 805 11a._(12,7_5 0/0) 0ffcn111cheStraßex12c., 1814 113. (28,75 0/9) bebaute Flache einschließlich der Höfe und Garten und 2655 im (42,08 0/0) noch zu vexwendxn. _

Wie sehr die Frequenz der_ offentlichen Perwnenbeförderunas- Anstalten zugenommen bat, erwnsen fo_lqende Zahl_en: Es benutzten die Berlin-Charlottenburaer Pferdeetsenbgbn im Jahre 1876 3360 291 Personen, im Jahre 1881 3962 055, die Große Berlzner Pferdeeisenbabn 23 300000 bezw. 52050000, die Neue Berliner Pferdeeisenbabn 1878 970183, 1881 2663 531. Dagegen_ hat fich der Pferdebestand bei den Drostbken, Thbrwagen und Omnibus von 1878 zu 1881 von 10 250 auf 8795 berrtngßrt. _ _

Ueber den Schiffsverkehr Berlins rctchkn 512 Daten bis zum Jahre 1804 zurück, Wo 24 698 Fahrzeuge oder 13,5 auf 100 Ein- wvhner in Bérlin verkehrten. Im Jahre 1840 war die__Zabl guf 48 354 (14,7 auf 100 Einwohner) gefttxgeri; seitdem 1st Ne verhalt- nißmäßig gesunken, Weil die Tragfahtgke1tdchxSchiffe zugenommep hat. Erst vom Jahre 1870 an hat _der Ei1enbabntransport mtt 64851658 Ctr. den Wassertranqurt mrt_ 53 454 700 Ctr. überflügelt. In den Jahren 1870-77 betrug jener im Durchschnitt pro Jahr 107 964 312 Str., während dieser nur 73 522 870 Ctr. e_rreichte.

Was die Bevölkerung Berlins betrifft, so betrug die1elbe Ende 1877: 1024193,1878: 1054701,1879: 1089 070, 1880: 1123 608, 1881: 1155 217 Einwohner. Der Zuwachs berechnet sich von 1875 bis 1880 auf16,10/0 und von 1877_1882 ans 15,8 070, also auf 3,03 bezw. 2,98 % jährlich im Durchschnitt. Die wirkliche Zunbbme gegen das Vorjahr war 1876: 3,25 0/0, 1877: 2,65 0/9, 1878: 2,98 (70, 1879: 3,26 0/0, 1880: 3,18%, 1881: 2,81070. Dkk Zizxvacbs ist hauptsäcblicb durcb Zuzug veranlaßt wyrdcn; drk Geburtszirsxr betrug bon 1877_81: 45,4, 44,1, 43,0, 41,5, 39,5 pro MULL, durc1ck1chmtt11ch 42,7; die Sterblichkeitsziffer 31,5, 31,5, 29,3, 31,2, 28,8, "curcbscbnni- lick) 30,5 P. M. (1860_1876: 32,7 1). M., vor 1860: 27,4 P; Pi,); der Ueberschuf? der Geborknkn Über dic Gcstorbcncn dabcr drirck)1chnit_t- sicb 12,2 1). M. (in den vorhergehenden _16 Jahren 7,6 p, M.). Fiir den alcixben Zeitraum ergab sich Un Uaberschuf; in Preußen von 13,2, in Paris von 1,9, in Wien_ vqn 10,1 1,1. M. Die Höhe dé!) Sterbliébkeit in Berlin ist hauptsachlich durch die Sommersterb- lichkrit der Kinder bedingt. Der Zuzug ergab 111 den Jahrcn 1877 _81 einsn Usberschuf; von c. 90000 Personen über dcn Verzug. Dre Zahl der in Berlin Geborenen bat sicb von 1875 bis 1880 von 413 auf 435 1). M. gehoben. Dsr Antbe_il de:"- männlicbsn Gkschlecbis an ier EinWohnerschaft ist von 1875 3111880 von 502 (111x484 zurücksegangen. Dic Zuziehenbcn standen mit mehr als zwei Drittkln im Altsr von 15-30 Jahren _ , _ _

Das Verhältniß der Religionen und Konfesfionen ist _Z1k111[1ch unvcränberi geblieben; cs gehörten der evangelischen Landisktrcb-x cm 1875: 863 P. M., 1880: 866 p. M., den Scbarafistcn 12 bczw. 10 1). M., dsn Katholiken 70 bezw. 71, den Dissidenten 3 bezw. 3, anderen christlichen Gemeinschaften 1 bezw. ], dem Judentbum 47 bczw 48 x:. M„ anderen oder keiner Rcligion 4 bezw. 1 U. M. an.

Währeud in den Jahren 1861_76 _an 1 Einwohner 63_ (1111 Fläcbenraum cnjfielen, Verringerte fich dietrr, der Jnkqmmunaltjirung des Tbiergartcns und de:“; Viehhofsterrains ungeachtei„ tm Jahrg 1880 auf 551 qm. In dem Spandauer Viertel geht der Raum bis auf 20 (1111 zurück, in dcm Köniasviertcl steigt derselbe bis (mj 125 (1111, im Wsdding auf 162, in Moabit_ auf 206, in der Thiergarten- rorstadt auf 269 (1111, doch iji in vislen Stadttheilcn das günstigerc Vérhältniß nur ein scheinbares, weil große Bezirke fast ganz unbewvbnt sind und fick) die stölkerung tn don beivohnten Tbsilkn desto dichtet: zusammendrängt. _ _

Das MietbskaserneiiWcsen hat weitere ForUchtte gemgcbt, denn während die stölkerung um 16,28 % gcstiegen ist, haben die Grund- stücke nur um 11,03 % zugenommen; deshalb hat sich die durch- schnittliche Béwohnerzabl eines Grundstücks von 57,9 auf 60,6 ver- mehrt. Dieser DUrcbscbnitt wird noch überschritten in dem Königswiertel (65,7), der Fricdrich=Wilbelmstadt (66,8), der Tempelhofer Vorstadt (68,8), in Moabit(70), der Rosenthaler Vorstadt (76,5), dem Sirqlguer Vicrtcl (76,6), der Oranienburger Vorstadt (77,9) und dcrxxnseitigen Luisensiadt (91,3). In dem zum Stralauer Viertel gchörtgcn_11_8. Stadtbezirk erreicht dé!) Durchschnitt 116,17. Die Zahl ber Hamer mit 111951: als 20 Wohnungen ist von 2947 auf 3977 gestiegen, wo- IWM fick) die Zahl der Häuser mit nur 1 Wohnung Wiederum um 2 (auf 795) und die mit 1 bis 5 Wohnungen von 4010 auf 3992_Vcr- mindert hat. Dementsprechend ist auch die Zahl der hoben Hauser gcivachsen, denn die Häuser mit 4Treppcn boch belsgensn Wohnugigxn haben fich bon 6515 auf 7558, bkrmchrt, und es sind noch 835 Hagxer mit Wobxiunsicn im 5. Stock binzugetreien. Ueberhaupt fanden (ich im Jahre 1880 23 289 Kellerwobnungen. 10416 Dachwobmmqet], 728 Wohnungcn im 5. und 30 624 im 4. Stock bcwohnt vor. Wahrend fich ron 1876_80 die Wohnungen im Ganzen um 20,4 % _Vermebrt haben, find die KeUerivohmmJen nur um 7,6 %, dagrgen dle Woh- nungcn im “Hache um 74,5 0/0 und diejenigen im 4. Stock um_52,8'/0 gestiegen. Die durchschnitilicbe Zimmerzahl der Wohnung nt von 2,33 auf 2,29 zurückgegangen, wwgegen fich die Zahl der Wohnungen mit nur einem heizbarkm Zimmer von 109115 auf 127_492 bermebxt hat. Die ahl der männlichen Schlafleuteistvvn 60574 au? 41475, die der Wei [ichen von 18124 auf 17612 zurückgegangrn. Mohr als die Hälfte der Wohnungen (ctwa 5/9) hatte in 23 Mhnatrn die Be- wvbncr geWechselt. Von den Wohnungen und Gelaswn standen [cer 1876 14126 (59,5 Pro Milk), 1877 17 965 (711,9P.M.), 1878 20 671 (77,8 P. Ni.), 1879 18508 (67,6 b. M.), 1880 14049 (50,3 1). M;), 1881 12 897 (45 1). M.). Die Miethcn Waren von 1860 bis 1815 Allmählich auf 163,8 «76. pro Kopf gestiegen, seitdem Und sie auf 143,6 .“ herab,;egangen, in den Jahren1877_1881 Von 722 auf 606 „74 pro Wohnung. Die Zahl dll“ billigsten Wohmmgsn (bis 150 36.) ist von 15 auf 31 P. M. des Miethswcrtbs, die dsr Wob- nungen von 151 bis 300 „77: von 108 auf 137 478.1). M._(.-esttc'ge11. Di? Klasse Von 451 bis 600 «45 ist mit 64 1). M. unwexrandcrt ge- blieben, alle übrigen habcn ficb etwas Vermindert, nur die Zahl der tbeueisten Wohnungen (11er 12000 .76.) hat von 87 auf 104 p. M. zugenommen. __

Von 1876 “bis 1881 ist gcstiegen: die Zahl der v2111cherien Grundstücke von 16682 auf 18 310, deren Vsrsicbcrungssumme_ Von 1619 263000 auf 2010306100 „74. oder im Durchschnitt vbn 97 066 auf 109793 .77, der Miethwcrtb von 17737 (Grundstucken von 167431233 «46. auf 171156493 .76 bei 19 463 vcrmiethete_n Grund- stücken, dec Werth der Grundstücke nach dem 18fachen Miethswerth von 3013762197 auf 3080 816874 «Fk.; derselbe ist aber im Durch- schnitt von 169 914 „76. auf 158 291 „76. gefallen.

(SMM folgt.)

Kunst, Wissenschaft und Literatur.

Die Nr. 19 der Mittheilungen des Sekretariats der Handels- und Gewerbekammer in Stuttgart enthalt die Verhandlungen dcr Handels- und Geiberbekammer, betreffend den Geseßentmurf 11er die Akiienrecbtsrcform. _ _ _

_ In der Verlagsbuchhandlung von Jul. Springer 111 Berlin ist soeben der ]. Theil des von dkm Geh. Ober-Yorstrakb Judejcb und dem Gkb. Rechmmgs-Rath Behm herausgxge enen bekannten und beliebtenForst- und Jagb-KglendersFur den 12. Jahrgang 1884 erschienen. Obwohl die vcrschrebenxn Wuhsckze, welche hinsichtlich desselben ausgesprochen worden, moglichst beruckncbtigt wurden, so_tst doch bei dcr Herausgabe des Jahrganges 1884 eine Wesentliche Aenderung des Inhalts sowie der Form _dcs Kale_nders im Ganzen nicht erfolgt. Nur die Walzeniafel bat eine kactcherung erhalten; außerdsm erlitten auch die Zins-_ unk; Renteniascln_ eine nicht un- bcdcutende Veränderung. Die [119112119611 Tafeln fu_r den Kapital- Werih eines bintcren Rentenstques und fur den der sog. Betriebsberiobenrenten smd namlich weggelaffen, dagegen die Tafeln für Nach-, Vor- und Renteneanerthe _er- wciiert und ergänzt worden. __ Der_ Ka1ender zerfallt in 3 Abtheilunaen. Die 1. Abtheilung entha[t_ eme _Tafel zur SieUung einer Uhr, eine Erklärung der Kalenderzetchen, emen Ueber-

ficbtskalender, ein Kalendarium nebst ForstwirtbsÖafis-, Jaad- und Fischereinotizen, einen_Jagdkalender, einen Scbreibkalender und liniirtes Papier, die 2. Abtheilung verschiedene Formulare (Notizen aus dem genehmigten Forst-, Kultur“ und Verbefferunqsplane sc., Notizen aus dem genehmigten Hauyngsplane sc., Sckoläaerlöbne und Holztaren, ein Rügebuch oder Frevelltste, cine Schießliste); die 3. Abtheilung endlich ein Hülfsbucb, verschiedene Tabellen und Notizen, und zwar Formsln zur Berechnung der wichtigsten Flächen und Körper, eine Walzentafel, eine Kreisfläckoentafel, eine Maffcntafel für Nadelbolzklöize nacb Obe1- stärke, cine Maffentafel für Fichtenstangkn nach Unterstärke, Maß:» aebalte der Scbichtmaße und des Reifigs, Ertragstafcln, Brustböhen- Formzahlen, Derbbolzrxmffezi von Mittelbäumcn, Rundbolz-Zovf- Durchmcffer für 1charskan11g bsschlagcne Hölzer, Hülfszablen für Aufstellung von Kulturplänkn, Samen- und Pflanzenmenge für 1 113, Entfernungkn beim Verschulen der Pflanzcn, Nachweisung der von Saatkämpen zu erwartendcn Menne brauchbarcr Holzpflanzen, Kostensäße für Dünenkujturen, den Betrag des Gefälles einer Linie, Tafeln über die Säye von Waldwegbauten, Notizen und Hülfs- zahlen für Bausacbcn, Tafeln zur Be1cchnung ron Kabital- und ZinsWertbcn bei Annahme von Zinseszinsen, Gewichte der Rinde und des Holzes, Kostennachwcisuna über Anfc'rtiaung von Tbkerrinakn, aUerlei ZablenBergleicbuna alter Maße mit den jeyigcn doutscbkn Maßen, Bestimmungen über die Einführung gleicher Holxsortimentc 11115 ciner aemeinscbqftlicben Rechnung?;einbeit für Holz im Deutsibcn Reiche, Zahnwchxel des Reik», Dam- und Nehwildes. _ Tem eigent- 1ichc_n Kalender geht eine Nachtveisung der Post- 11115 Tclcgravbsn- gebuhren, sowie cine Ciscnbahn-UeberfiÖiskakte von Dcutscbland voraus. _ Der 2. Theil kes Forst- und Jagbkalendsrs 0117 das Jahr 1884 wird Ende November ausgegebsn und 9311 Käufern des 1. Theils für den Preis von 1 „48 50 „_! geliefert.

_ Von den Buchbämdlcrn und Antiqaaren Joseph Bär u, Co. in Frankfurt a. M. 11. 1“. w. smd wiederum 2 K_ataloge, Lagerkatalog 132 und Antiqnarisäper Anzeiger Nr. 335, er1ckie_n€n. Der_LagerkataloJ, (HUc-Öiicbe und Römiscbe Arcbäologre“, enthält ein Verzeichnis; Mi 1767 Schriften, die 1111121" folgend.“ Ab- ibeilungcn vertheilt sind: ]. Zeitschriften sowic Allgcmcincs (64 Nrn.); 11. Geschichte und Gebararhie (439 Nrn.); 111. Mvtbbloaie (owie Sitten, GébkäUÖL und RM'tslebcn (im Ganzen 358Nr11.);17.Kunst- benkmälcr und Forschungsreisen (im Ganzen 537 Nrn.); 7. Münz“, Medaillmi- imb GEMMLnÜ-"ndk (im Ganzen 180 Nrn.); 71. In- scxirtioncs (136 Nrn.); 1711. Nachtrag (53 Nrn). Unicr den_ im bor- sicbendkn Kataloge zusammcngcstsliteii Schriften befiridcn 1ich Vikié interessante und tvarthvoUc. _ Der _anliquari]cke Anzxißcr, ,Naiionalbkonomie“, 357 Nrn. umfasstnd, führt _Scbriftcmcbr verschiedenen Inhalts auf: Schriften iiber Volféwirtbxcbast im AU- némcinen, über Bevölkcrung, Laiidxvirlhsäyaft, Gcwxrbe, Zünfte», Handel und Verkcbr, (Held- und Münzwes-n, die Banksragc, Finsinz- wssen, das Aktikmrcsan, Eisenbabnkn. die_2lrbeiierfrage', Armenchn, Judenibum u. dgl. m. Die Sibriftcn 11111) theils allgemeinen In- halts, thsils betreffen sic cinzclne Ländcr, wie Prcußen, Hannom'r, Sachsen, Bähcrn. Wiirttkmbcrg, Hoffen, Frankreikb, England, Italien, einzelne Staaten Italiens, die Schweiz, Rußland. Upter den verzéichnetcn Schriftkn finbkt man Sebristcn von R. Bbckb, Corsi), Dieterici, Hirsch, Hock, J. (H. Hoffmann, Huhn, Krtcgk, Malthus, F. W. v. Rech, Roscher, Schäffle, Smiib, Sbctbeér, A. Wagnar u. A. _

_ Dic „Scb1ctterscbc Bitkbbandlung (_E. Fanck) Antiquariat in Breslau“ hat über ihr antiquarixchcs Bucher- [agxr Kataloki Nr. 183 „Rechts- und Staatsivi1xerz1ch_a_ft, Nationalökonomie, Statistik“ Veröffentlicht. Dte_rn die7em Kataloge aufgeführten Scb1iftc11, WClÖL friiher die _szltotbex des Geb Justiz-Ratbs ron Küstcr bildeten, find des vchrcbengrttgsten Inhalts, betreffen Siaats- und Privatrecht, Straf- _Und (Z1Vllrccbt, Kirchenrecht, Bergrecht, Bauwesen, Lankwirthstbast, Gcwcxbc, Handcl, Finanzwksen, Zollwcscn, Steusrn u. s. w., bcbarxbeln ch genannten Wissensgebiete theils im Allgsmeinen, theils 131512th 112 fick) auf einzelne Länder und Städte (den altsn rbu111chcn Staat, Deutsch- land im Mittelaltcr und in neuerer Zcit, nach 1815, zur Zett des Norddeutschen Bnndes und dcs jetzigen DcyUcb-sn Reichs, Preußen im Allgemeinen und Einzelne Provinzen dcs1clben, BUMM, Englanb, Frankreich, Polcn, Rußland u. s. w.). Urticr dxn 966 Schriften, die in dlm Kataloge Ukk581ch1161 find, beschäftigen 11113 941 mit Rechts- und SiaaiswisscnsÖast sowie VolkswirthsckUft, _!vahrcizd 25 dcmelben dem Gebiefc der Statistik angehören, 11115 die)? theils tm AUFL- mcinen, theils die Statistik von Dqucblanb, Preußen, Hamburg, dsr österrcicbisében MOUQTÖik, von Elsaß-Lotbrrngen, Frankreich, Italien, SVMÜM, Portugal, Yclgicp, Rußland betreffen. Untcr den aufgLführten Wcrken befinbcn 1111.) Viele iverthvosl-s.

Getverbe und Handel.

Die Generalvcrsammlung pro 1884 dss „Vereins de_r Spiri- tusfabrikanten in Deutschland" und des mit dcmxc-lben ver- bundenen „Vercins dcr Stärkeintcresscntxn in Deutsch- land“ findet am 21., 22. und 23. Fcbruar nachsten Jahres in Berlin statt. __ __

_ Das Oktoberbsff drr „Gew erbchallc“(rcd1g1rtvon L. Elten- [ohr und C. Wciglc', Architekten in Stuttgart; VZrlag von J. Engel- horn daselbst) bietet dem Kurisihandwerk wicbcr etch Rcihc sehr ge- schmackvoÜer Mustkrblätter. Die erste Tafel zcrgt cin schwiedeciscrnes Gittertbor mit fein erfundencm Rankcmverk, entworfen von banrcht- tektcn Brost u. (Hroffer in Breslau, ausgéfbhrt vom Sch10ffextneister Schammc1 daselbst; das dritte ci11_e_n prachtvoklcn Wcinkrug(K_111ytallglas in reich ornamcntirtcr Bronza-FQUUUN) vo_n so eblcn Formen 11n_Ganien wie im Einzelnen, daß 1,“in die besten Parixcr Arbeiten mcbt damit messen können (der schöne E111Wllkf rühri von dem Crsc_lcur Hans Petcr in Stuttgart ber); die folgende ci11cn gediegcnkn einfach gebalnxncn Holztiscb, wc'lcbi'n F. C. Uhlmann in Miinchen mit Benutzung eines alten Motivs im bavcriscben National-Muscum gezeichnet hat; eine andere endlich ein rcicbes orientalisches TcppiÖmustcr, entworfen von Ludwig Schwarz in St. GaUen. Das auf einer rvci_tcrcn Tafel 111 Ab- bildung mitgetheiljc Jujvklcnschränkchcn (Barockstyl) von Christbflc 11. Co. in Paris ist zivar ein kostbares Prachtstuck, an Welchem alle Hülfsmittcl dcr hcuiigen_ Goldscbmtcdckixnst, wie Cisclirung, NieÜirung, Da111ascirung, ZellmUcbmelz, durchsichttgrs Email, gefärbtes Gold und patinirte Bronze zur vxrskbivcndcrtwbsten Entfaltung gckommcn find, obne daf; jedoch dicse i_nctst_auf dcr Flache üppig wuchcrnden, zum Theil schr barocken De_tails fur dcn Mangel an Originalität der Erfindung und an oraantxchxm Zusammenhange des Ganzen zu entschädigen vermöébtcn. Das altere Kunjtgxxyerbc ist dissinal durch ein köstliches W111 altdcutscbcr Renmnancc vertreten, Nämlich das prachtvoUc Oratorium dcr _Schloßtapelle zu Reichenberg in Böhmen, Welches Prof. Riidolf MuUcr_ daselbst ge- zeichnet und mitgethcilt hat. Von dem 111cht mr_ndcr 1chönen Hoch- altar der Kapeüe soll eine Abbildung in dvr nachsten Nungr ber „Gewerbehaüe' folgen. Die arbenbrucktafel des Heils zeigt schope Holzornamentc im Jntarfia-C araktcr axis dem Jahre 1605, mti- getheilt vom Bildhauer Prof. C. Lacber in Graz.

New-York, 26. Oktober. (W. T. _B.) _Bagmwollen- Wochenbericht. Zufuhrcn in allen Unionshafen 253 000 B. Ausfuhr nach Gro britannicn 44000 B., Ausfuhr nach dem Konti- nent 78000 B., »orratb 724000 B.

Verkehrs-Anftalteu.

Hamburg, 26. Oktober. (W. T. B.) Der Postdamvfcr ,Silcsia“ dcr Hamburg-Amerikanischcn Packctfabrts- Aktiengesellschaft ist hcutfef Nachmittag 4 Uhr, von Ncw-Yer kommend, an der Elbe eingetro cn. _ _

Wien, 27. Oktober, (W. TMB.) Wie dre .Frcffc' srfabrt. soll die Tbeilstrecke Nc111atz-Gemlin der Pc t-Bclgradcr Linie definitiv am 15. November crbffmt wcrden.