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in den Ruhestand tretende Neligionßdiener. Zum Ersaß für ein aus der Verwaltung des Reichs-Jnvalidenfonds aus- scheidendes Mitglied wurde ein neues Mit lied dieser Ver- waltung gewählt. Den Anträgen der usfchüsse, betref- fend die Abänderung von Tara-Säßen und betreffend Abänderung des Regulativs für Theilungslager, den Gesex entwürfen wegen Abänderung des MilitärpenfionSgeseßrs und des Reichsbeamtengeseßes, und über die (Fürsorge für die Wittwen und Waisen von Angehörigen des Ökeichßhecres und der Marine, sowie den Verträgen mit Belgien, betreffend den gegenseitigen Schuß der Rechte an Werken der L_itrra- tur und Kunst, und betreffend den gegenseitigen Schuß der gewerblichen Muster und Modelle, _er- theilte die Versammlung die Zustimmung. Eine_En_1- gabe, betreffend die olibehandlung von Säcken, sowre die durch Resolution des eichstages vom 1. September dJ. der Reich§regierung zur Erwägung Überwiesenen Petitionen, be: treffend die Rückerstattung von Zoll für Nonnen uiid Ko- rinthen, wurden abichlägig beschiederr Nachdem __für die Ver- handlungen im Reichstage Kommiffarien gewahlt _worde_n waren, faßte die Versammlung schlixßlich Beschluß iiber die geschäftliche Behandlung zahlreicher Eingaben von Privaten.
_ Der Schlußbericht Über die gestrige Sißung des Reichstages befindet sich in der Ersten Beilage.
_ In der heutigen (10.) Sißung des Reichs_taae§, welcher der Reichskanzler Fürst von BiSmarck, der V15r=Pra= sident des preußischen Staals-Ministeriums, Stagiß=M1mstrr von Puttkamer, der StaatßMiniséer von Boetticher sowre mehrere andere VevoÜmächtigie zum Bundechath und Koin- miffarien beiwohntcn, theiltr der Präsident zunächst den Ein- gang eines Schreiben?- des Reichskanzlers mit, in welchem die Erwäcbiigung zur strafrechtlichen Verfolgung des Müllers Tafelmaier zu Siebenmühl und des Dienstknechtes M. Hublocber zu Moosen wegen Beleidigung des Reichstages nachgesucht wird.
Das Haus trat sodann in die Tagesordnung ein, deren erster Gegenstand die Fortsetzung der ersten Berathung des Entwurfs eines Geseses, betreffend die Verlängerung der Gültigkeitsdauer des Gesetzes gegen die gemein- gefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Oktober 1878, war.
Das Wort nahm zunächst der Abg. Dr. Hänel, dessen Rede bei Schluß des Blattes noch fortdauerte.
_ Das Herrenhaus hielt heute seine 10. Sißung, welcher die StaatE=Minifter Maybach, 1)r. Lucius, 1)r. Fried- berg und von Scholz, sowie zahlreiche Regierrmgskommissarien beiwohnten. Nack) Erledigung einiger geschäftlichen Mitthei: lungen trat das Haus sofort in die Tagesordnung ein.
Der erste Gegenstand derselben war der mündliche Bericht der Kommission für Eisenbahnangelegenheiten iiber den Bericht über die Bauausführungen und Beschaffungen der Eisenbahnver- waltung während des ZeitraumS vom 1. Oktober 1882 bis dahin 1883. Der Berichterstatter Herr Stumm gab eine gedrängte Uebersicht des Inhalts des Berichts und empfahl, denselben durcb Kenntnißnahme für erledigt zu erachten. Das Haus schloß sich ohne Debatte diesein Antrags an.
Der fer-Y'ire Gegenstand der Tagesordnung war die Be- rathung desu Staatshaushalts:Etats für das Jahr vom 1. April Wx) ck85. Der Getieralberichterftatter der Budget- kommission,“ (Graf von Zieten-Schwerin, gab eine Uebersicht über den Etat, wie derselbe aus dem anderen Hause her- übergekommen sei, und empfahl: 3. den "Etat in der Fassung, in welcher derselbe aus den Berathungen des Abgeordnetenhausts hervorgegangen ist, anzunehmen; 6. dem Geseßentwurf in derselben Fassung die verfassungs- mäßige Zustimmung zu ertbeilen, c:. die Ueberficht der Nor- maltransxwrtgebübren für Personen und Güter auf den für Rechnung des Staates verwaltetrn Eisenbahnen, die Denk- schrift, betreffend die in der Zeit vom 1. Oktober 1881 bis zum 1. April 1883 erfolgten Bauausführungen an denjeni- gen Wasserstraßen, iiber deren Regulirung dem Landtage be- sondere Vorlagen gemacht worden sind, und die Verhandlungen des Eisenbahnraths durch Kenntnißnahme für erledigt zu er- achten, und 6. dem Vertrage iiber die Korrektion der Rhein- stromstrecke zwischen Bingen und Mainz die verfaffungsmäßige Zustimmung zu ertheilen.
Das Haus trat hierauf sofort in die Spezialberathung der einzelnen Etatsdosttionen ein. Die Etats der Domänen- verwaltung, der Forstverwaltung und der Centralverwaitung der Domänen und Forsten wurden ohne Debatte genehmigt. Bei dem_Etat der direkten Steuern verwies bei der Position der klassifizirten Einkommensteuer Graf zur Lippe auf die in den leßten Jahren erfolgte unverhältnißmäßig hohe Steigerung dieser Steuer gegen die früheren Jahre; er befürchte, daß ein derartiger Umstand einmal später zu einer aUgemeincn Demoralisaiion führen könne.
Der Finanz-Minisier von Scholz erwiderte darauf, daß, wenn in dieser Darlegung etwa die Annahme enthalten sein solle, daß Seitens der Staatsregierung eine absichtliche Verschärfung der Steuer veranlaßt worden sei, so sei das ein Jrrthum, denn die Regierung sei durchaus nicht in der Lage, irgend einen Ein- fluß __auf die Steuerveranlagung auszuüben, könne deshalb auch keine derartige Mahnung acceptiren.
Bei der Position der Erhebung der Gerichtskosten brachte Graf zur Lippe zur Sprache, daß die Erhebung der Gerichts- kosten nicht mehr durch die Steuerbehörden, sondern nunmehr wieder. durch die Gerichtsbehörden selbst erhoben würde.
Der Justiz-Minister Or. Friedberg erwiderte, daß die Staatsregierung zu diesem Modus auf Wunsch der Landes- vertreiuyw zurückgegangen sei, daß dieses Verfahren zwar augenblicklich noch auf manche Schwierigkeiten stoße, da die Richter sich mehrfach dagegen sträubten, weil sie es als eine Degradation ansähßn, daß er jedoch die Hoffnung hege, dieser Uebelstand werde sich mit der Zeit beseitigen lassen.
Die Etats der Verwaltung der direkten Steuern, der indirekten Steuern, der Lotterieverwaltung, der Seehandlung, der Münzverwaltung und der Berg:, Hütten- und Salinen- verwaltung wurden bei Schluß des Blatteß ohne Debatte genehmigt.
_ In der heutigen__(63.) Sißung des Hauses der Abgeordneten, welcher mehrere Regierungskom- “missarien beiwohnten, wurde zunächst der Vertrag zwischen der Königlich preußischen und drr Großberzoglich hessischen Regierung über die Korrektion der Rhein tromsirecke zwischen Bingen und Mainz berathen. _
Die Abgq. 131". Lotichius und 01'. Thilemus erklärten sich mit dem Vertrage vollstiindig einverstanden.
Der Abg. Dr. Hammacher machte Bedenken dage_gen geltend, daß die ganze Breite des Wafferspiegels de? Rheines erhalten werden solle; bei einer derartiae_n Korrektion werde nicht die für die Schiffahrt erforderliche Tiefe von 2 Metern erreicht werden.
Der Vertrag wurde genehmigt. _
Das Haus ertheilte dann in Bezug auf die Rechnungen der Kasse der Ober-Nechnungskammer für 1882/83 Decharge, erklärte den 35. Bericht der S_taatsschuldenkommission für 1882/83 durch Kenntnißnahme sür erledigt und die Wahlen der Abgg. Volierthun und Wiedwald (Elbing) für gültig.
Hierauf vertagte fiel; das Haus um 121,12 Uhr auf Mon- tag 11 Uhr.
_ Nach einem Circularerlaß des Ministers des Innern, vom 11. d. M., ist der in der Circularverfügung vom 1. Ok- tober 1872 aUSgesprochene Grundsatz, daß die Behörden sich der Empfehlung bestimmter Versicherungs- gesellscbaften iowohl Beamten als dem Publikum gegen: über zu enthalten haben, in neuester Zeit wiederholt außer Acht gelassen worden. Der Minister hat deshalb Veranlassung genommen, die Befolgung des in Rede stehenden Grundsaßys in Erinnerung zu bringen.
Bayern. München, 20. März. (W. T. B.) Die Kammer der ReichSräthe erledigte heute drn KultuS- etat und sielite dabei einige für die Universitäten München und Wiirzbnrg gestrichsne Postulate wieder her. Die Be- schlüsse der Abgeordnetcnkammer wegen Ertheilung dcs kon: fessionellen Geschichtsunterrichts an den Gymnasien und wegen Gestaltung der Separatvorbercitung für Präpa- randenscbüler wurden mit großer Majorität abgelehnt.
Die Kammer der Abgeordneten erledigte den Etat der Pensionen, Susientaiionen und Unterstüßungcn nach den Anträgen des Ausschusses. Die Interpellation des Abg. Off über die Getreidezölle erklärte der Minister des Innern demnächst beantworten 'zu wolien.
_ 2]. März. (W. T. B.) Die Kammer der Abgeordneten hat den von der Kammer der Reichs- rätbe »“ über eine staatliche Mobiliar: Brandver- sicherung§anstalt gefaßten Beschlüssen zugestimmt. Der Abgeordnete von Stauffenberg erklärte, das; er auch diesem Beschluß gegenüber seinen _ friiheren verneinenden Standpunkt einnahme. Der Abg. Off suchte durch die Schäd- lichkeit und das Ungenügende in den Statutrn und den Ein- richtungen mancher Privatgesellschaften die Nothwendigkeit der Errichtung staatlicher Anstalten nachzuweisen.
Sachsen. DreSden, 20. März. Das „Dresdner Journal“ vrröffenilickzt folgendes, heute_Nacl)mittag 11/2 Uhr auSgegebenes Bulletin iiber das Befinden des erkranktrn Prinzen Georg, Königliche Hoheit:
Der Hautausschlag hat sicb weiter entwickelt und trägt voll- kommen den Charakter eines Masernexznthems, T. 40,0, P. 100. Der hohe Kranke klagt viel über Kopf1chMerz, bedrohliche Erschei- nungen smd aber nicht vorhanden.
1)r. Fiédler.
Die Erste Kammer genehmigte heute den Berg-, Hütten- und Münzetat durchweg nach den Beschlüssen der Zweiten Kammer. Dem von der leßtern anläßlich eines von den Abgg. Vize-Präsifient Ur. Pfeiffer und KäUffer gesiebten Antrags bezüglich der, Errichtung eines Gesundheits- museums gefaßten Veschlusfe trat die Kammer nicht bei; sie begnügte fich vielmehr damit, den Antrag Pfeiffer:Käuffer der StaatSregierung zur Erwägung zu übergeben. Zum Schluß wurde über das Resultat verschiedener Vereinigungsverfabren Bericht erstattet. Hinsichtlich TLS Eisenbahnprojekls Geithain: Lausigk-Lcipzig war dassrlbr resultatlos geblieben. Die Kammer beschloß jedoch mit 21 gegen 20 Stimmen die Ab: lehmmg des Antrages der Majorität ihrer 2. Deputation, bri dem frühern Beschluss: stehen zu bleiben, und trat gegen 1 Stimme dem Beschluss der Zweiten Kammer bei.
Die Zweite Kammer nahm zunächst den Brricht über verschiedene Differenzpunkte mit den Beschlüssen der Ersten Kammer in Bezug auf das Subhastalidnsgeseß und das Kosiengefeß dazu entgegen, indem sie den Beschlüssen der Ersten Kammer auf Antrag ihrer Deputation beitrat. So- dann ließ die Kammer eine Anzahl von Petitionen auf sich beruhen, nachdem sie bszügiick) der Petition der Gemeinde Lindenau um Abänderung des Wahlrechts in den Land: gemeinden einstimmig dcn Bejchlüssen der Ersten Kammer beigetreten war.
__ 21. März. (W. T. B.) Das heute früh iiber das Befinden des Prinzen Georg veröffentliche Bulletin lautet:
Prinz (Georg bat die Nacht zniar unruhig verbracht und fast gar nicht geschlafen, das Fieber ist jedoch von 40,4 auf 39 brrab- gegangsn. Der Masernausschlag hat sich über din ganzen Körper außgebreiret; kaiarrhalisckye Erscheinungen fehlen fast ganz, und das Vervußtsein ist klar. _
_ 21. März. (W. T. B.) Die Zweite Kammer hat die Regierung zur Uebernahme des Betriebes einer von der Regierung von Sachsen:Altenburg zu erbauenden Eisen- bahn von Ronneburg nach Meuselwiß ermächtigt.
Hessen. Darmstadt, 20. März. (W. T. B.) Die Vermählung der Prinzessin Victoria von Hessen mit dem Prinzen von Battenberg ,ist nunmehr definitiv auf den 17. k. M. festgeseßt. -
Oeßerreich-Ungarn. Wien, 19. März. (Wien.Ztg.) Jm Eisenbahnausfchuß wurde gestern die General- debatte über die Regierungsvorlage, betreffend die Zugeständ= nisse und Begünstigungen für Lokalbahnen, zu Ende ge- führt und der Abg. Ritter von Kozlowski zum Referenten gewählt. _ Der Branntweinsteuerausschuß beschäftigte sich gestern mit dem §. 25 der Regierungsvorlage. Jm Inter- esse der größeren landwirthfchaftlichen Brennereien Galiziens stellte der Abg. Ritter von Czajkowski einen Zusaßantrag, nach welchem allen landwirthschastlichen Brennereien über 45 b] eine Uebergangsfrist von einem Jahre gewährt wird , so daß fie erst mit 1. September 1885 verpflichtet wären, die Vroduktensteuer einzuführen. Der Bericbterstatter Abg. Jahn sprach sich für diesen Antrag mit der Beschränkung aus, daß blos den Brennereien von 45 bis 60 bl versteuerten Gährraumes jene Uebergangsfrist gewährt werden* folie. Der Abg. Auspiß plaidirte diesfalls für 45 bis 80 11], womit fich der Abg. Ritter von Czajkowski konformirte. Bei der Abstimmung wurde der Antrag Czajkowski-Auspiß angenommen und im Uebrigen §. 25 nach dem Wortlaute der Regierungsvorlage acceptirt.
Die „Wiener Abendposi“ i| gegenüber der gegentheiligen Meidung eines Morgenblatts zu der Erklärung ermächtigt, daß die Finanzverwaltung mit_ dem Golbedarf für den Aprilcoupon der Goldrente vollständig gedeckt ist.
Großbritannien und Irland. London, 20. März. (W. T. B.) In der heutigen Unterhaussißung verlas
Lord Hartington ein Telegramm des Generals Graham, worin derselbe erklärt, daß weder in dem Gefecht von El Teb, noch in demjenigen von Tamanieb den _yerwun- deten Arabern cin Leid geschehen sei, außer wenn ne eng: lische Soldaten _ angegriffen hätten. Die Araber hätten aber keinen Pardon gegeben und keinen Pardon genommen, und die englischen Soldaten seien zu ihrer Selbstverthsidigung ge- zwungen gewesen, die Ara ber zu tödten. Was die telegraphische Ver- bindung zwischen Kairo und Khartum anlange, so sei dieselbe noch unterbrochen; in dcr Umgegend von Berber scheine es mehr oder weniger unriihig zu sein. Der Generalkonsul Baring habe indes; noch in jüngster Zeit konstatirt, daß er troß der Unterbrechung der telegraphischen Verbindung binnen 2 bis 3 Tagen mit General Gordon zu korrespon- diren im Stande sei; die Regierung babe seitdem von Baring nichts erfahren, was jene Erklärung modifiziren könnte. _ Jm weiteren Verlaufe der Sißung legte der Parlamentssekretär der Admiralität, Camp bell- Bannermann, das der Hauptsache nach bekannte Marine- Budget vor und erklärte, daß sich unter den neu zu kon- struirenden Schiffen mit leichtem Geschütz zu bewaffnende Torpedokrcuzer von 1430 t befänden, die besonders durch ihre Torpedovorrichtung mächtig sein sollten. Außerdem sei auch der Bau von mit Torpedobooten versehenen Avisos beabsich- tigt. Ferner solle die Flotte Mitrailieusen erhalten, welchc 10 sechspfiindige Granaten in der Minute abfeuern könnten. Fiir die Herstellung von 200 solcher Geschütze seien bereits die usträge ertheilt.
Eine heute Nachmittag im Kriegs-Minisierinm ein- egangene Depesche des General Graham aus Sua: im, von heute, sagt: nach Meldungen aus Handuk hätten
fick) heute drei zu den Stämmen dczr Samara und Amrar ge- hörige Sch eiks mit 17 ihrer Anhänger der Rrgierung unter- worfen. Mahmud Ali Bey versichere, daß morgen, wo der Scheik Morgani mit seinem Bruder nach Handuk käme, noch weitere Unterwerfungen erfolgen wiirden. Ueber den Gesund- beitSzustand der ihm untergebenen Truppen sagt General Graham in derselben Depeichc, der Krankenstand sei unter 2 Prozent.
Ein Telegramm der „Daily News“ ausSuakim, vom heutigen Tage, bestätigt die bereits aus Kairo gemeldete Nachricht, daß die Brmühungen Digma Paschas, den heiligen Krieg zu predigen, geschritert seien Und die meisten seiner Anhänger ihn verlassen haben. Digma Pascha selbst habe sich mit nur wenigen Personen in das Innere zurück: gezogen.
Bei der Ersaßwahl einesDeputirten in Cambridge- shire, an SteÜe des bisherigen Sprechers drs Unterhauses, Brand (liberal), ist der von den Konservativen aufgestelite Kandidat Thornhill mit 3815 Stimmen gewählt worden, Der liberale Gegenkandidat Coote erhielt 2912 Stimmen.
_ 21. März. (W. T. V.) Die „Times“ spricht sich dahin aus, daß die egyptische Armee nußlos sei, so lange die Anwesenheit der britischen Truppen zur Verhinderung eines aÜgemeinen Zusammenbruches in Egypten nothwendig sei. Sie empfiehlt deshalb die Auflöiung der egyptisckien Armee, durch welcbe Maßregel sick) auch das jährliche Defizit in den egyptischrn Finanzen beseitigen lasse.
Frankreich. Paris, 20. März. (W. T. B.) Die“ Deputirtenkammer lehnte heute den Antrag, bei der am Dienstag erfolgenden Wahl der Budgetkommifsion dasLisienskrutinium anzuwrnden, was auch eine Ver- tretung der Minorität in der Kommission ermöglicht haben wiirde, mit 310 gegen 201 Stimmen ab. Dic Beratbung der Interpellation iiber Madagaskar wurde auf iiäcbsirn Montag fesigrfeßt.
Das Journal „Paris“ glaubt versicbrrn zu könnsn, daß di? militärischen Operationen in Tongking nach der Brséßung von Hdiighoa als beendet angesehen werden wiirden.
_ (Fr. Corr.) „Paris“ bringt folgende Note: „ES ist heute ngiß, daß Angesichts der Situation, welche die Englän- der sich im Rothen Meere geschaffen haben, die fran- zösische Regierung von den SouveränetätSrechten über Obock, welche der Vertrag vom 11. März 1862 ihr verleiht, Gebrauch machrn wird. Der Kommandant des „Infernet“ hat vom Marine-Ministcr dahin gehende Befehle erhalten und bis zur Ernennung eines französischen Residenien wird der erstere die civilen und militärischen Gewalten in seiner Hand vereinigrn. Das Kanonenboot „Etendard“, das in Toulon ausxzerüsiet wurds, um das Levantegeschwader zu verstärken, wird sick) unverzüglich nach Obock begeben, um dort bis auf Weiteres zu bleiben,“
_ (Köln. Ztg.) Der Marine-Minister hat von dem _éßuvernenr von Cochinchina folgende Depesche er:
a en:
„Saigon, 18. März. Gestern bin ich mit der coébincbikcfiscben lotte aus Kambodscha zurückgekehrt. Mir wurde der bcrzlicbstc mpfang vom Könige von Kambodscha zu Theil, und in jeder Zu-
sammenkunft bribeuerie er seine Opferwiliigkeit für Frankreich. Die Feste waren Prachtvvll. Ick übergab die Geschenke der Kolonie Cochinchina. Alle Geschäfte Wurden abgemacht. Wir einigten uns iiber die Gründung einer gemischten Gerichtsbebörde, der alle Vergehen in Sachen der indirekten Steuern unterbreitet werden folien. Dieses Grricbt besteht aus zehn französischen Beamten, von denen einer Präsident ist, und zwei Man- darinen. Der Verirag bestimmt in 99 Artikeln die Regeln des von dem Gericht zu befolgenden Verfahrens und vervoüständigt den Ver- trag von 1883, der unsern Landriiangehörigen und den Europäern bei ihren Streitigkeiten mit den Asiaten keinen gr- nügenden Schu gewährt und der französischen Verwaltung keinen Einfluß auf die Unteribanen des Königs von Kambodscha giebt. Die Nachricht von der Einnahme von Bacninh traf am 14. in P, Nomte-Peuk ein, Alle Häuser Wurden beflaggt und erleuchtet; drei Salven der Flotille wurden abgefeuert, auf welcbe die Artillerie von Kambodscha aniwvrtere. Der König Norodon drückte seine große- Freude aus und erhoffte den endgültigen Sieg unserer Armee m Tongking. Charles Thompson, Gouverneur von Corbincbina.
Spanien. Madrid, 20. März. (W. T. B.) Nach hier vorliegenden Meldungen aus den verschiedensten Theilen des Landes herrscht überail Ruhe und Ordnung. Das Vorgehen der Regierung bei den jüngsten Verhaftungen sol], gutem Vernehmen nach, den Zweck gehabt haben, dir revolutionären Bestrebungen, welche_ sich seit den bekannten Vorgängen im August v. 3. gezeigt haben, in ihrem Zu; sammenhange möglichst klar zu stellen.
Italien. Rom, 20. März. (W. T. B.) In der heutigen Sitzung der Deputirtenkammer theilte der Minister-Präsident Depretis mit, daß Angesiwts der parlamentarischen Lage das Ministerium dein Königseme Demission überreicht und der König fich die Entscheidung noch vorbehalten habe. Das Ministerium werde bis dahin auf dem Plaße bleiben und die gewöhnlichen Angelegenheiten erledigen. _
_ 20. März, Abends. (W. T. B.) Der „Moniteur de Rome“ veröffentlicht ein Cirkularschreiben der Proyaaanda an die Bischöfe und Chefs der katho- lischen Missionen, in welchem mitgetheilt wird, daß die Propaganda durch die Konvertirung ihres unbeweglichen Vermögen?, dazu genöthiat werde, administrative Stellen zur Empfangnabme von Legaten und Schenkungen im Aus: lande zn errichten und wonach solche Filialsteilen sich be: finden folien bei den Nuntiaturen in Wien, München, Paris, Madrid, Lissabon und Haag, bei dem Agenten des päpstlichen Stuhls in Malta, bei den Kardinal=Erzbischöfen in London und Dublin, bei dem päpstlichen Vikar in Kon- stantinopel, bei den Erzbischöfrn von Mscheln, Algier, Sidney, New-York, San-Franci-Zco, Qurbeck, Toronto, bei dem Inter: nuntius in Rio ds Janeiro Und bei den apostolischen Dele- girten in Buenos=Ayres und Quito.
_ 21. März. (W. T. B.) Dkk König konferirte im Laufe des gestrigen Nachmittags mit Tecchio und Coppino, drn Abend mit Cairoli und heute früh mit Dirudini (von der Rechten). Mancini soll, wir die „Agenzia Stefani“ erfährt, nicht grncigi sein, die Bildung eines neuen Kabinets zu Übernehmen.
Rußland und Polen. St. Petersburg, 20, März. W. T. B.) Auf eine von Israeliten des Kreises „oltawa eingereichte Petition um Sisiirung der Ver- fügung der (Houvsrnementsreßierung Poltawa, wonach solche Jsrarliten, die kcin unbewegliches Eigenthum benßen, aus den Dörfern au-Zzuweisen seien, ist ]"th ein U fas des Sernatt.“- ergangen, der die Ansfiibrung jener Verfügung drr Regierung bis dahin beanstandet, wo eine objektive Erörtrrung und Untersuchung des Bittqesuches stattgefunden habrn wsrde. _
_ 21. März. (W. T. 58.) Mr General=Adjuiant, Gras Wladimir Adlerberg, der Aelierc, ist gestern gcsiorben.
Schweden und Norwegen. Christiania, 20. März. (W. T. B.) Das Reichsarricht sprach [)eutc den Staats- rati) Vogt schuldig, srin Amt verwirkt zu haben. Die Ent: sch9idung deeZ Reictherichts siith sich auf dicselbcn gesrßlichen Bestimmungen, auf Grund deren die Vrrurtheilimg des Staats-Ministers Selmer erfolgte.
Zeitungsftimmen,
Der „Post“ wird aus der Provinz Sachsen, 11. d. 16. März, mitget heilt :
Jm Etablissement Waldschlößckxen bei (Erfurt taoic beute der landwikibschaftiicbe Verein Waldschlöß-bcn. Zu der Versammlung batten sicb außer ca. 100 Verrindmiiglicdrrn noch ca. 400 Mitglieder anderer benachbarter landwirihsckyaftlicber Verrine eingefunden. Nack; anderen Besprechungen sprach Hr. Oekonomickommiffarius 131“. Franz (Weimar) über dir „Schwächen und Vedenklicbkeitrn dcs Eisenacher Bauernprbgramms." Dem Vorirgge folgte eine lebhafte Diskussion, aus der eine Rcwiuiion mit Einstimmiger Biüigung hervorging, welcbe sick.) mit der ganzcn Wirtbschaftspdlitik dcs Reichskmzlers einverstanden erklärte. Auf Aufforderung des Hrn. Direktors Ritze (Kirchheim) brachte hierauf die Versammlung auf Se. Majestät den Kaifrc cin dreifaches bezcistertis Horb aus, und ferner beslblof; man, folsriidcs Tclegramm an den Reichskanzler Fürsten Bi8marck zu richten:
.Der lattdivirilckschafilichr Verrin Waldsckylößckyen bei Erfurt und die mit ihm tagenden zablrricbrn I.)?iiglieder vieler benarbbarter land- wirtbscbafilirbcn Vereine, sowie_ die anwrsendcn Gä-ic, welcbe fick) in der Heutigrn Versammlung cnt1chirden gegen die Tendenzen drs sog. Allgemeincn druiicben Vaucrnvcreins ausgesprocbrn baden, begrüßen Ew. Durchlaucht als den rvabrew Freund dcr Landwirtbschafi, er- hoffen von der bisherigen Wirtb1chaftäbrliiik Ew. Durchlaucht cine segrnSrciche Entwickelung sowie die Bejeitigung der gegenwärtigen Notblagr dcr Landwiribsrbafi, und vcrsprrckyrn, Ew. Durchlaucht im Kampfe grgen die der Landrrrrtbschaft feindlichen Elemente trru zur Seite zu sieben.“ _ __ _ _ __ _
Wie die „Weiinar11_che Zeitung“ mittheilt, iti hier- auf unter dem 17. d. M. sdlgende Antwort eingetroffen:
Euer Woblgeborrn und allen an dem Telegramm vom 16. d. betbeiligien .Herren danke icb rrrbindlicb für den Ausdruck Jbrer Zustimmung und die Zusage Ihrer U-itcrstüßung. So lange wir Gott die Kraft dazu schenkt, mirde ich an der nach dcm Willst; Sr. Maje'siät drs Kaisrrs eingeschlagenen Wirtbsckpastspolitik fast- balien und insbesondere auch darauf hinarbeiien, daß die Jnirreffen der landwirtbschaftiichen Bevölkerung], wi-lcbr zwci Drittel unserer Nation darstrlit, in der Geseßgebung diejenige Berücksichtigung finden, welcbe eine _so große Mehrheit branspruckyen darf. von Bikimarck'.
_ DW Stimmimg der gemäßigt Liberalen in Kaisers- lautern wird durch emen Berichterstatter der „S ii d d e uts ck) e 11 Presse“ folgendermaßen gekennzeichnet:
Um alien Mißverständniffen vorzubeugen, dürfen wir nicht länger zurückhalten mti der_Crklarung. das; heute die nationalliberale Partei in unserem Wahlkreiie Hrn. vori Stauffenberg, den Bundesgenossen E. Richters,_als eine_n politijcben Gegner beirachtet, dessen Be- kämpfung Pfltcbt eines ]Zden qulers ist . . . Die Partei Richter- Stauffenberg WLÜ den JurstewBtsmarck von seinem Platze drängen. . . Hr. von Stauffenberg aber Wird_so billig sein, uns zu vsrzeihen, daß wir ihn bei solidem Strebcn nicbt unterstüxzen können, denn wir wünschen, daß Fürst Bismarck noch lange lcbe und_im Amte bleibe.
_ Dem „Deutschen HandelSarchiv“ wird aus
Hane a. S. (Anfang Januar) berichtet:
Die für die Weizensiärkefabrikgtion gehegten guten Erwar- tungen für das Herbst und Wintrrgescbafi haben sich durchaus nicht erfüllt, und War das Refaltat im vergangenen Quariale ein sehr im- aünstiges. Trois der billigen Weizcnprcise bleibt bet dem niedrigen Werthe des Fabrikats kein Nutzen für den Fabrtkantrn,_und dazu ist der Absatz noch schleppend. Die Konkurrenz_ der Retsstarke und die wegen der großen Kartoffelernte billige Preisstellung _der _Kartoffel- stärke wirkten erdrückend auf die Fabrikation dcr Wetzenstarkr, und auch eine rentable VerWertbung des Futters war den_ Fabrikanten nicht mögliw, Wcil Wegen der reichen Kartoffelvorratbe sehr viel Schweine auf dem Land.: gemästet Werden und der Preixistazid fur Fettviek) naturgemäß berabgcbt. Wegen der Unrentabilitat in dcr Fabrikation [affen die meisten Fabriken nur die Hälfte arbeiten. _
Unsere Maschinenfabrikaiion steht nach wir vor in _Blutbe und sind vornehmlich die Fabriken, wriche sick) mit der Lieferung aanzer Zuckerfabriken-Anlagcn beschäftigen, noch reich mit lobnrnden Aufträgen versehen. Dir sehr aiinftige Lage _unsercr Masckymenfabrtken bxrubt vor Allem darauf, daß fie stets gewisie Spezialitäten besonders fur Zuckerfabriken, chemische und Spritfabrikcn gepflegt und darm wlche Vollkommenheit erreicht haben, daß sie auf dem Weltmarkt gegen die Konkurrenz mit Erfolg auftreten können. Zur Zeit kommi der Maschinenfabrikation noch der Niedergang der Eisenpreise bei unvrränderten Preisen für die Maschinen besonders zu statten.
Die Klagen der Kesselscbmiederei über unlobnenden Absacß dauern an. Ja den Wintermonaten ist dieser Fabrikationszweig dur den Fortfall der Reparaturen überhaupt wenig beschäftigt.
Der Geschäfthang in den Tbonwaarenfabriken war wäb-
regd des abgelaufenen Vierteljabrrs zufriedensieüynd. Eine Auf- benerunq der Preise ist zwar nicht eingetreten und steht auch wegen der stczrken Konkurrrnz nicht zu erwarten; indes; trat bei der anhaltend mildc_t_1 Witterung eine Störung im Versandi der Fabrikate nichtein, und 11110 dieLagerbcständc demzufolgeso außerordentlich mäßig, das; die Fabriken den Winter über stark arbeiten körmen, um das Lager wieder zu vrrvollständigen. Von Wichtigkeit für die Fabrikation war im vrrgangenen Iabrr die Fortsetzung der Kanalisation einiger Städte, sowie der Bau ron Eisenbahnen und Fabriksn. Ebenso war der Bedarf der Landwirtbi'craft ein größcrcr als in früheren Jahren. Man bofft, daß dicse aÜmäblick) ein immer größerer Konsument der Tbonwaareqartikei irerden und daß lektere auch auf weitere Ent- fernungrn bin die aus andercn Materias gefertigten Röbrcn, Krippen, Trözr _und dergleirben verdrängen werdcn. _ Die Braunkohlen-Jndusirie mit ihren Nebrnzwrigen bat fich im vergangrnen Jabra eines rccht günstigen Rrsultais zu crfrcuen aebabt, obwohl bescheidene Preisrückgängr in rinzelnen Produkten drr Z))?mcraiöl-wnd Paraffinfabrikaxion zu bemerken dcwcksen find. (Tine 1dlchr ruck_lau_figc Bewegung ist indeß natiirlich, wenn aus vorüber- Nebendsn Griinden eine übermäßige Steigcrung Vorausgegangen war und Zit _durcbaus niibt als ein Anzeichen für dcn Niedergang der In- dustrtr_ubrrbaupt anzusehen.
Zur Klgrkoble, deren Absatz fick) aklcrdings nicht sebr writ über das roduktwnsgsbiet erstreckt, trat gegen die frübcrcn Jahre in Folgk der_mebrter Fabriktbätigkeit besonders in den Zuckerfabrikkn ein erhöhter Konium ein, Eine Preissteigerung war allerdings nicht da- mit verbunden, indeffrn begnügtß sicb der Grubrnbefiycr scbon mii drm L_rbo'hten A saß, da er den Klarkoblenbandrl Weniger fÜr einen lukratwerx _Tbril seines Gesckxäfts, als vielmc-hr für ein Mittel be- trachtet, irtnen Arbeitern einen regelmäßigen Verdienst während des ganzen Jahres zu erhalten. . . . _
_ Kann schon der Erfolg des eigentlichen K'dblenbandcls als ein giinsitgrr brzricbnet Werden, so läßt sich diesrs noch mrbr ron drr mti den Braunkohlen zusammenbängenden Lcuchtst0ff-Fabrikaiion sagen; mqn datirt diesc günstige Wrndung unserer Mineralblindusirie auf die seit dem Jahre 1879 bcfolgie WirtHsÖaftsbdlitik zurück. Es verging aUerdingÖ zunächst eine längere Zeit, ebr sich die an die Zollgeseßgkbung geknüpften Hoffnungen erfüllten, nachdem aber die noch unvcxzdlltcn Brstände konsumirt waren, kamcn auch die erwar- trten Erfolge zur Geltung. Recht K_Ötbar wird dieser Einfluß, Wenn man die Preise des amerikaniichen Petroleums mit denen unseres Solaröls, welches in unmittelbarem Abhängigkeitsverbältniß zum Petroleum steht, vergleicht, Es brtrugcn nämlich die Preise pro Centner: „
Petroleum Solaröi unvrront loco Bremen: [rcd Weißcnfrlöx 1880 . . . 8,50 (FC:, 5,94 „M, 1881 . . , 7,86 . 7,72 „
1882 . . . 7,18 ., 8,22 , 1883 . . . 7,76 „ 8,84 „
Aehnlich: Verhältnisse traten auch für Paraffin rin, so das; dirser Artikel jetzt wieder als hauptsächlichste Stütze für unsere Mineralöl- industrie beirachtxt Werdcn kann.
Der Prris iür Paraffmöle zur Oelqasberciiung und zu SÖmirr- zwécken war in der Annahme einer Ueberprodukiidn in den Jahren 1881 Und 1882 sehr grdrückt und bis auf 3 „76 pro Crntnrr Herab- acgangen. Je mehr fick,) die Handelskrclt von der Unrichtigkeit dieser Annahme überzeugt?, um so mehr befferien silb untcr immer reger werdender Nachfrage die Preise und erreichten dieselben die Höhe von 6 «ck und dariiber, Seit Jahren nimmt aber im Auslande, nament- lich in Galizien und am Kaépischrn Meere, die Gewinnung von Paraffinölen gewaltige Dimensionen an und äußrrt ihren
“Einfluß bereits in einer, unsere Industrie stark bcdrobendc'n
Weise. ES wird daher als eine zeitgemäße Notbwcndigkeit angesehen, daß mit Beginn dcs neuen Jahres auch auf diesen Artikel ein Ein- gangSzbÜ von 3 „FH Pro Centnrr brutto gelegt ist. Eine Steigerung des Preises erivartet man allerdings hierdurch für unsere Gas- und Schmieröl? nicbt, da dem Preiie von etwa 6 „76. pro Centner durch das Steinkoblrngas und durch die bessere Qualität ausländischer Schmierölc Einhalt (icbotrn wird, indes; würde sich die Industrie schon mir dem Fernhdltcn dcr andländischen Produkte vom deutschen Markte begnügen.
Die Träger der _Braunkohlen-Industrie benutzen übrigrns die jetzige günstige Geschäftslage dazu, die früher schon geplante bessere Gestaltung der Arbeiterwrbaltniffe durckozufübren, und betbätigen dieses durch Gewährung böbrrcr Löhne, durch rrichcre Dotatidnrn an Wobltbätigkritsinstitute und durch Zutrendung von Unterstützungen IT. in besondrrs geeigneten Fäürn. _ _
_ Aus Dresden Wird der „Schlesischen Zertung“ geschrieben:
Nach den Mittheilungen des sächsischen statistischen Bureaus betrugen im Königreich Sachsen die Einzahlungen der Sparkassen während des Jahres 1882 insgesammt 88 404 300 „M, die Rückzahlun- gen 87134 896 „46, während sich im Jahre 1883 die Einzahlungen auf 88 959 037 «M, die Rückzahlungen aber auf 83 080 028 W beliefen. Es ist also der früher im Vrrbältniß zwijcbrn Einzahlungen und Rückzahlun- gen konstatirie Rückgang nicht nur zum StiÜftand gckommen, sondern bereits durck) ein erhebliches Einzahlungsplus ersetzt wordcnIn den Jahren 1877 bis 1879 hatte der Ueberschuß drr Einzahlungen durchschnittlich nur eins Miliion Mark briragrn, im Jahre 1881 war an seine Stelle sogar ein Minus von mehr als einer Miilion Mark grtreien, im Jahre 1882 hatte sich dann wieder ein Plus von etwas mehr als einer MiÜion eingrstelit, im Jahre 1883 aber find nahezu 6 Miilwnen mehr cin- als znrückgrzabli worden. Es ist dies Lin11CUkk erfreulicher FTM? der fortschreitenden Gesundung unserer wirtbxcbaftlichen Ver-
5 ini r.
Neithötags = Angelegenheiten.
Dem Reichstage ist folgender EntWUrf eines Geseßes, betreffend die Prisengerichtsbarkeit, vorgelegt wvrden:
Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden Deutscher Kaiser, König von Preußen 2c. _ recordnen im Namen das Deutschen Reichs, nach erfolgter Zu- stimmung drs Bundesraths und des Reichstags, was folgt:
§. ]. Die Entscheidung über die Rechtmäßigkeit der in_einem_Kriegc gemachten Prisen erfolgt durch besogdere Behörden (Priscngerichte).
Der Sitz der Prisengericbte, ibrc_ZusammenscZuna, das Vsr- fahren vor denselben, sowie die Vervfltcbtung anderer Behörden des Reichs oder der Bundesstaaten, in Prisensaiben mitzuwirken, Werden durch Kaiserliche Verordnung bestimmt.
Begründu_ng.
Darüber, ob eine Prise für rech1maßig zu erackoten sei, wird nach feststehendem Herkommen der Srestaaten von besonderen Behörden (Prisenaericbten) entschieden. Es bedarf_ solcher Behörden in jedem unter Mitwirkung maritimer Strctikrafte geführten Kriege selbst dann, Wenn die Kriegführenden, wie died in x_ieucrcn Kriegen mehrfach geschehen ist, auf die Ausübung das_cigentltchen Scebeuterecbts ver- zichten. Denn auch in diesem Falle wird dem Rechte niemals entsagt werden, Schiffe aufzubringen, welchc Kriegskontrebande führen oder fich des Blockadebrucbs schuldia machen. Es ist daher dafür Sorge zu __traaen, daß im Kriegsfallc Deutsckxe Prnengcrichie sofort in Tbatigkeit treten können
Bebufs Reaelimg der hier in Frage stehenden Verhältnisse ist in Preußen der Allerhöchste Erlaß vom 20. Juni 1864,_ betreffend die Genehmigung eines Prisrnreglemcnts, sowie dcr Bestimmungen über
das Verfahren in Prisensacbcn ergangen (Pr. G-S. 1864 S. 369 ff.). Hurry diese Vorscbriften wird indes; dem oben hervorgehobenen Be- durkniffe gegenwartig, nachdem die früher Königlich preußische Marine durch die Reichverfassung zu einer einheitlichen dxutscben Kriegs- marine_ umgewandelt ist. wenigstens insoweit, als es sich um die hier allein in Betracht zu ziebendsn BZstimmungen iiber das Verfahren in Prijeniackoen handelt, nicht mebr Genüge geleistet.
Die Anwendung der Vorschriften, welchx '."!kier die Errichtung des Prtienraibs und des Ober-Prisenraths, sowie über das von diesen Behörden einzuhaltende Verfahren gegeben find, würde schon aus dem Grunde auf Schwierigkeiten stoßen können, weil inzwischn die damalige Bxkiördenorganisation wesentlich verändert ist.
Mit Rucksicht hierauf ersch2int es nothwendig, den Gegenstand von Reichswegen neu zu rrarln, Dir gescßlichs Grundlage dafür zu schoiien, ist der anlirgcnde Entwurf bestimmt.
Der „S. ] desselben srizt fest, daß die Entscheidung über die Recht- mäßigkeit der in eincm Kriegs grmacbtcn Prifen durch besondere Be- börden (Priiengrricbtc) erfolgt, und bringt damit den im Wesen der Sackor licgenden und von der Grfeßgebung drr übrigen Seestaaten anerkannten Erundsar; zum Aquruck, daß der rrisrngerickptlicben Ent- schridung die Brdeutung und Wirksamkit eines chbiHiprucbs zu- kommt, wck1chcr einer Weitrrrn Priifung und Anfcrbiang vor anderen Behörd_;n, insbesondrrc vor den ordentlichen Gerirbten, unbedingt cnt- zogen i .
Jm Urbrißen sieht der Entwurf davwn ab, dir Bildung der Prisengrrichtr, das Verfahren vor drnselbcw sririe die Vrrdflicbtung anderer Bcbördcwzur Erwähruna drr Rrchi§bülfe odrr sonstigem Mitwirkima in Prisrnsarben im Einzeln zu regeln, bsbäli vielmehr nach dem Vorgange aquärtigrr Seestaaten (z. B. Frankreichs, 1.01 )*813c176 uu: 00n8r€8dat10n8 8111" 187311008 (185 perLZ Maritimds, (111 26 178116 an 8, art. 2 und Italiens, (Idäidiz 118!“ 18. marina 11181"- cancijs. vom 25. Juni 1865 Art. 225) die brziiglicben Vorsckyrifien dem Verordnungswegr vor und grwäbrt damit die Möglichkeit. dir- selben für jeden Kriegsfall dsr jerrrils rbwaltenden besonderen Sack)- lage anzuraiien.
Schon der Umstand, daß nicbt nur auf die eigenrn Verbältniffe Nückxickxt zn nrhmen ist, sondern auch auf diejenigen etwaiger Ver- biindctrr, läßt (E als notbwrndig crscbrinrn, daß der Kaiser bezüglich der in FMM stehenden Anordnungen nicht durcb gesexxlicbr Brstimmungen beschränkt sri.
Landtags = Angelegenheiten.
Die TU. Kommission des Herrenhauses zur Vor- beratbuna des Entwurfs Lines Gesetzes zur Ergänzung des Geseßes rom 13.März 1878, betreffend die Unterbringnng verrrabrlostcr Kinder hat fick), wie folgt, konstituirt: (Graf von Brühl, Vor- fiixcnder; ron Kleist-Reßow, Stellvertreter des Vorfißendrn; von Borcke,
(brififiibrrr;_ Friedrnsburg, Stellvertreter des Schriftführers; von Norbow, Graf von Schlieben, Graf von der Schulenbura-Angern, Graf von der SÖUletibng-Beeßendorf, Freiberr'rrn Malyabd, Frribrrr ron Tettau, Adams, Freiherr ror- Manteuffcl-Kroffcn, (Braf von dem Busswe-Jppcnburg, Freibcrr bon Winßingcroda-Kndrr, Graf von Zietkn-Schwerin.
_ Bei der im 8, Breslauer Wahlbezirk (Neurodr, Glatz, Hgbel1chwerdt) stattgefundenen Ersaywabl für den verstorbenen Yiticrgutsbcfiyrr und Landesältcstrn ron Ludwig zu Neuwaltersdorf Ut der RechtSanwalt Porsck) in Brrßlau (Centrum) mit 430 von 447 abgegebenen Stimmen zum Mitglied des Hauses der Abgeord- neten gewählt worden.
Statistische Nachrichten.
Nach Mittheilung des Statistischen Amts der Stadt Bcrlin sind bei de_n bicfigen Standesämtern in der Woche vom 9._Marz_b:s inkl. 15. März cr. zur Anmeldung gekommen: Y_x) __Cbeäcbließungen, 880 Lebendgeborene, 30 Todtgeborene, 559
er eta c.
Kunst, Wissenschaft und Literatur.
Das „StandeSantis-L exikon für das Königreich Prrxtßrn.“ (Stat, Corr.) Das vorbezriébnete, soeben vom Königl. statistischen Burrau aussiegrbcnc Werk hat die Aufgabe, einem im amtlichen Verkehre drr Vrrrvaliungsbebördrn und Königl. Standes- ämter bervdrgeiretcnrn Bcdürfniffr entgegenzukommen und zuverlässige Auskunft dariiber zu crtbeilen, zu welchem Standesamts-Bezirke die ein- zrlnen Städte, Landgrmeindrn und Gutsbczirkedes prcußisrbcn Staates gehören. Zu diesem Zwecke cntbält drr ziveitc Abschnitt des Lexikons ein alphabeiijcb geordnrtes Verzeichnis; sämmtlicber Prrußisckycn Städte und wiisiigcn Kommunaleinbeiten und Wrist durcb zrvei Ziffern dercn Zugehörigkeit 3." einem bestimmten Kreise und Standrßamts- Brzirkr des ersten Ab1chnittes nacb. Diesrr erste Abschnitt umfaßt das mai!) Provinzen, Regierungs- u. s. w. Brzirkcn und Kreisen bezw. Oberämtern gkordnrte Vrrzcicbniß der am 1. Juli 1883 im Preußischen Staate rorbandcn gewesenrn Standesämter. Die Kreise und Oberämter sind dabciiur den ganzcn Staatdurchlaufend numerirt, ebenso innerhalb jedes KrrUes oder Oberamtes die nach ihrer amtlichen Benennung geordneten Standesämter. Für jeden StandeIamtsbezirk sind der Sitz des Standesbeamtrn der Postort, das Amthericht und die Berölkerungßzabl nach dem Ergebniffc drr VolkSzäblr-ng vom 1. Dezember188_0 nachgewiesen, und außerdem ist zur Darstellung des Geschaftsummnges des betreffenden Standeßamts angegeben, wie viele Lebend- und Todigeburten, Eheschließungen und Sterbefälle nach den amtlichen NachrVeisungen während des Jahres 1882 in die Standesregister einartragen wvrden sind.
Bei der Herstellxmg des StandeSamtS-Lerikons für drn preußischen Siaai ist auf die richtige Schreibweise der Namen der Kommunal- einbetten ganz brsondere_Sorgfa1t Verwendet wvrden. EE wird schwer gelingen, nacb dicsrr Richtung hin allen Wünschen voll gerecht zu _werden, da 1ür_eine beträchtliche Anzahl von Ortßnamen sowbl innerhalb drr einzelnen VerwaltungSzweige wie auch bei der Be- völkerung drei, vier und mehr vcrschiedenartige Schreibiveisen im Ge- brauche sind. Abgesehen von einigen aus slawischen Sprachen über- komwcnen _und verschiedenartig geschriebenen Endungen mußte nament- lich uber die Schreibweise der wechselnd mit K oder C im Anlautc geschrrrbrnen Namen Entscheidung getroffen werden. Bei diesen Namen ist nun dem K der Vorzug gegeben worden, sobald es sick) um Namen deutschen slawiicben Ursprunges oder um völlig germani- sirtc Nawcn romanischen Ursprunges handelte, so daß nur die nicht germanisirten Namen romanischen Ursprunges, z. B. Courl im Land- kreise Dortmund, mit dem als K anlaufenden C geschrieben worden sind. Diese Schreibweise der Eigennamen entspricht einem gelxgent- lich der Aufstellung der Grundsätze für das neue OrtschaftSverzeichniß des preußischen Staates im Jahre 1871 gefaßten, _böhcren Ortes ZL- nebmigten Beschluffe drr statistischen Zentralkommixsion, dessen mog- lichste Beachtung im allgemeinen Interesse licgt.
_ Durch Vermittelung des japanischen Konsulats sind der „Nat.-Zta.“ die Jahresberichte der Universitat von Tokio in Japan (Tokio Daigaku) für dic Jahre 1881/82 u_nd 1882/83 zuge- gangen. Dirselben enthalten einen kurzen _ historischen Ueberblick, eincn Univerfitäiökalender, eine kurze Be1chreibung der Organisation, einen Plan der verschiedenen Unterrichtskursc, endlich eine Liste der Studcnfen, der Graduirtcn, der iris Ausland geschickten Studentenrc. Die Universität hat vier Fakultaten: die der „Gasese', _,Wjffen. schaft“, „Literatur“ und „Medizin“. In der ersten W_trd Jurtsvrudenz und StaatSrccbt, in der zwcitrn Mat_be1nattk,_©eologic, Bergbau und Mineralogie, in der ditten Pbilosopbtr, Politik, Volkswirtbschaft und japanesischc sowie chinesische Literatur gelehrt. Außerdem bestehen Kurse in der Geschichte Japans, der Gescbitbte des alten Rechts