Zürich, durch die unterzeichnete Landedpolizeibehörde verboten worden ist. Cöln, den 15. April 1884. „ Königliche Regierung, Abtheilung des Innern. von Guronneau.
Die Königliche Kreishauptmannichaft als ,LandeSpolixei: behörde hat die nichtperiodische Druckschrift: „Das Recht auf Faulheit.“ Von Paul Lafargue. Aus dem Französischen. Hottinqen-Zürich. Schweizerische Genoffenschastsbuchdruckerei 1884, auf Grund mw. §§. 11 und 12 des Reichsaeseßes gegen die gemeitrxxfährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Oktober 1878 verboten. Leipzig, den 16. April 1884. _ Königliche Kreishauptmannichast. von Seckendorff.
Iko/oAnlehen der vormals Freien Siathrankfurt a.M. von 5000000 Fl. vom 12. Mai 1846.
Bei der am 8. d. Mis. stattgefundenen 31. Verloosung des An- lebens der vormals Freien Stadt Frankfurt a. M. vom 12. Mai 1846 wurden nachverzeichnete Nummern gezogen:
14. zur Rückzahlung auf den 1. Juli 1884.
bist. 12. d- 1000 Fl. = 1714 .,“ 29 „3 Nr. 119 206 290 292 375 481 516 596 691 716 774 789 813 857 916 952 982 1040 1174 1239 1263 1323 1447 1451 1464 1487 1528 1589 1651 1711 1784 = 31 Stück über 31000 F1. oder 53142 „FC 99 „5.
Um. 14]. S- 500 Fl. = 857 „46 14 43 Nr. 1829 1832 1857 1877 1884 1887 1934 2008 2232 2316 2378 2440 2450 2560 2583 2727 = 16 Stück über 8000 Fl. oder 13 714 „M 24 „z.
"Tt, 13. s. 300 Fl. = 514 „FC 29 Y Nr. 2854 2905 2962 3094 3195 3261 3275 = 7 Stück über 2100 F1. oder 3600.34 3 „3.
Mtr. 13. 11. 100 F. = 171 „Fü 43 „3 Nr. 3329 3358 3398 3418 3496 3508 3530 3555 = 8 Stück über 800 F1. oder 1371 «66: 44 „Z. Urs, 13. Summa 62 Stück über 41 900 Fl. oder 71 828 „M 70 „5.
13. zur Rückzahlung auf den 1. Januar 1885.
Hier. 14“. 5- 1000 Fl. = 1714 ckM- 29 H Nr. 104 125 140 182 185 242 243 318 358 659 683 713 738 878 944 1106 1152 1166 1193 1237 1349 1355 1356 1365 1367 1451 1486 1538 1591 1604 1745 = 31 Stück über 31000 Fl. oder 53 142 „46 99 45.
l-jtr. k, ö- 500 Fl. = 857 .,“ 14 .«3 Nr. 1950 1961 2012 2020 2074 2101 2150 2270 2286 2348 2398 2513 2700 2719 2747 2785 = 16 Stück über 8000 Fl. oder 13 714 „36 24 „Z.
bitt). 17. a 300 Js. = 514-Fü 29 H Nr. 2811 2914 2917 3071 3129 3212 3289 = 7 Stück über 2100 Fl. oder 3600 „46 3 „3.
dirt. T*“. 3100 Fl. = 171 „FC 43 -Z Nr. 3397 3416 3435 3442 3454 3580 3590 3649 3708 = 9 Sjück über 900 F1. oder 1542 „46: 87 „5. bitt. I'. Summa 63 Stück über 42000 F1. oder 72000 „;ck 13 «3. ' .
Die Inhaber dieser Obligationen wcrden hiervon mti dem Bemerken benachrichtigt,daß sie die Kapitalbeirägc,_ deren Verztxisung nur bis zum betreffenden Rückzahlungstermin stattfirzdet, bei _der Königlichen Kreiskasse in Frankfurt a.M., beider Köytg- lichen Staatßschulden-Til ungskaise tn Berlin, ,iowie bei jeder Königlichen egierungs- und Bezirks- Hauptkai s e gegen RückJabe der Obligationen mit deri dazu gehörigen nicht verfallenen Z nssrheinen und der Zinßichein-Anmetsungen und zivar bei den Obligationen l-jrr, 12. nur mit Zinsschein-Anweiiung und bei den Obligationen 111131. 17“. mit Zinsscheinen Reihe 11. Nr. 2 bis 8 und Zinssckyein-AnWeisung erheben können. __ „
Der Geldbetrag der etwa fehlenden, unentgeltltch zuxirckzugexen- den Zinsscheine bei den Obligationen Mtr. 17“. wird an dem Kapital- betrage zurückbehalten. , ' . .
Soll die Einlösung von dergleichen Obligationen nicht her der Königlichen Kreiskasse in Frankfurt „a. M., oder bei der Königlichen Regierungs-sézaupikasse rn Wiesbaden„son- dern bei einer der anderen Ka en beWirkt Werden, so sind die be- treffenden Obligationen mit Zinsschein-AnWeisung bxi l-irr. 12., mit Zinsscheinen und Zinsschein-Anweisung Sei dite. 11". vierzehn Tage vor dem Verfalltermin bei diesen Kaffeneinzureichen, von Welchen diesxlben vor deren AUSzahlung an den Unterzeichneten zur Prufung einzu-
senden sind. " , Rückstandtg sind noch aus der
17. Verloosung bin.. 13, Nr. 3798,
22. Verlooiung Url:. I'. Nr. 1818.
23. Verlooiung 11105. 17. Nr. 139.
24. Verlooiung [.itr. 15“. Nr. 2536 3645.
25. Verloosung dir:. I. Nr. 2677 3026, Kitt. 14". Nr. 1129 2178, 2923
26. Verloosung Dirt. 14'. Nr. 2217 2807 3262. 27. Verloosung Dirk. 13. Nr. 2102 2804, bitt. 1.7. Nr. 915 1958, Urt. 17. Nr. 2095 2594 2986 3001 3205.
28. Verloosung .*,er. 13. Nr. 1803 1859 3072 3735 3766, L-itt. ]5'. Nr. 146 1754 1895 3642 3719.
29. Verloosung dite. 12. Nr. 1457 2655 3618 3709 3800, Urt. 1.7. Nr. 1449.
30. Verloosung „'s-itt. 13. Nr. 1149 1565 1862 2072 2552 3730 3768, litt.. I'. Nr. 885 895 1428 2151 2182 3137 3156 3634 3659 3689. .
Die Inhaber dieser Obligationen werden Wiederholt zu deren Einlösung aufgefordert. „
Wiesbaden, den 12. Marz 1884. " Der Regierungs-Prasident :: von Wurmb.
Yichtamtliche5.
Deutsches Reich.
„Preußen. Berlin, 17. April. Se. Majestät der Kar! er ,und König nahmen im Laufe des heutigen Vor- mirta s du; Vorträge des Kriegs-Ministers und des Chefs des Mixii rkabmets entgegen.
_ Se. Kaiserliche und Königliche Hoheit der Kronprinz nahn) gestern Vormittag 11 Uhr militärische Meldungen entgegen ,und empfing .um 12 Uhr den Unter- Staatssekretär im Ministerium für Landwirthschaft, Domänen und Forsten, Wirklichen Geheimen Rath Marcard.
. __ Der Kaiserliche Botschafter am Königlich groß- britanmscheq Hofe, Graf zu Münster, hat einen ihm Aller- höchft bewrlligten kurzen Urlaub angetreten. Während seiner Abwesenheit von London fungirt der Botschafts-Sekretär Graf Vißthum von Eckstädt als Geschäftsträger.
_ Der General-Lieutenant von Hartrott, Direktor des Militär-Oekonomie-De artements im KriegS-Minifierium, hat eine 14tägige Dien reise nach den Provinzen Preußen und Pommern angetreten.
Ia-hseu. Draven, 16. April. Der König beabfich- tigt sich, wie das „Dr. I.“ meldet, zum Gebrauch einer Badekur am 19. Mai zu einem mehrwöchigen Aufenthalt nach
Enis zu begeben.
Baden. KarlSruhe, 13. Avril. (Allg. Ztg.) Jm Ministerium der Iuiiiz, des Kultus und Unter- richts iii die Stelle eines Ministerialdirektors geschaffen und die- selvo' dem vorfißenden Rath v o n Sey f ried übertragen worden. Zur aushülfsweifen Verwendung mit Siß und Stimme im Kol- le..iun. wurde diesem Ministerium Ober-Schulrath Vecherer unter Belassung in seiner dermaligen Stellung als Geheimer Regierungs-Rath beigegeben. Die seit mehreren Jahrewnur kommiffarisch beseßte SteUe des Steuerdirektors isi Wieder definitiv beseßt worden, da es sich gezeigt hat, daß diese Direktion mit ihrrm umfangreichen Geschä tskretse nicht gut durch einen Rath des Finanz-Ministeriums ver- sehen werden kann. Zum Steuerdirektor wurde _der Geheime Referendar von Teuffel im Finanz-Minislerium ernannt. _ In den leßten Wochen wurden die Kreisver- sammlungen abgehalten, deren Geschäfte sehr umfänglich sind, namentlich hinsichtlich der Armen: und Krankenpflege, der Hebung der Landwirthschaft und der Obstbgrtmzucht. Die Verhandlungen halten 1ich jeweils fern von Polink und haben nur das Interesse der Kreisvewohner im Auge. Darum ist diese Einrichtung sehr segenöreich, was auch in der Kammer aUgemein anerkannt wurde. _ Das Lahrer Reichs- wais enbaus wird durch Aufbau eines dritten Stockwerkes für 100 Waisen eingerichtrt und dir Eröffnung der Anstalt voraussichtlich im Herbst d. J. stattfinden. Es werden nur so viele Zöglinge aufgenommen, wie aus dem Ertrag“ des vorhandenen Kapitals unterhalten werden können.
„Hessen. Darmstadt, 17. April. (W. T. B.) Ihre Majetät die Königin von Großbritannien ist mit der Prinzessin Beatrice heute Vormittag 91/4 Uhr hier ein- getroffen. Die Hohen Herrschaften wurden von Sr. König: lichen Hoheit dem Großherzog und der Großherzoglichen Familie auf dem Bahnbofe empfangen und in das Palais geleitet, wo Dieselben Wohnung nehmen werden.
Elsaß-Lothringen. Straßburg, 15. April. (Eli.- Lothr. Ztg.) Durch Yaerhöchste Verordnung vom 10. d. M. werden die Bezirksvertretungen der Bezirke: Untereiiaß, Ober- elsaß und Lothringen zu außerordenilichen Bezirks- tagen berufen, welche am 28. d. M. eröffnet und spätestens am 30. d. M. geschlossen werden.
Oesterreieh-Ungarn. Wien, 15. April. Die „Voli- tische Correspondenz“ bezeichnet die Meldung der „Buda- pesier Correspondenz“, daß der Statthalter von Nieder- österreich die Ordre bezüglich seines, den Schlachtvieh- verkehr zwischen Ungarn und Niederösterreich betreffenden Erlasses direkt von dem Ackrrbau-Minister Falken- hayn erhalten haben soll, der diesen Auftrag ohne Wissen seiner Ministerkoiiegen und allem, Anschein nach ohne Antrag seines Fachreferenten gegeben habe, schon des- halb ais unrichtig, weil der Erlaß der Statihalterei aus veterinärpolizeilichen Rücksichten erftoffen sei, die Hanizhabung der veterinärpolizeiliwen Vorschriften aber zimächst nicht ins Ressort des Ackerbau-Minifters iäÜt, daher von einer Aktion des Ackerbau-Ministers, wie fie die „Budapester Correspondenz“ darstellt, keine Rede sein kann. Weitere Erörtrrungen der Bemerkungen der „Budapester Correspondenz“ könnten der Sache nicht dienlich sein, da diy. diesbezüglichen Verhandlungen vollständig abgeschlossen seien.
Schweiz. Berri, 15. April. Wie der „Vund“ vrr: nimmt, hat der BundeSrath von den Regierungrn der Kantone Bern und Neuenburg nicht bloß Mittheilimg des Thatbestandes in Betreff der Exzefs 2 gegen die». Heilöarmee vcrlangt, sondern dabei auch die Erwartung außgesprochen, daß die Strafjustiz gegeii die Schuidig-zn ein: schreiten und daß die staatlichen Polizeioraane Line Wieder- holung solcher VorfäÜe zu verhindern wissen werden. Im Kanton Neuenburg ist auf Begehren der StaatSanwaltschai't die gerichtliche Untersuchung im Gange. Eine Klage war ron keiner Seite eingereicht worden, Der Staatßrath hat seirier- seits energische Maßregeln zur Verhütung weiterer Unruhen ergriffen. Der ,Bund“ bezweifelt nichl, daß der Kanton Bern diesem Beispiel folgen werde.
Belgien. Brüssel, 15. April. (Köln. Ztg.) Der Senat ist heute zusammengetreten, um das allgemeine Siaatsbudget in Berathung zu yehmen. Zugleich mußte die Geschäftsordnung mit dem neu eingeführten Verfahren bei der Abstimmung über die Einzel-Etats und über. das (Ge- sammte in Einklang gebracht werden. Solvyns beantragte, daß in jedem Falle, wo keine Einmüthigkeit vorhanden iei, unter NamenSaufruf abgestimmt werden joue. Die Versamm- lung beschloß aber, darauf nicht einzuge-hen,sondern als Regel festzustellen, daß die Mehrheit durch Aufstehen und Sißen- bleiben ermittelt werde. Nur auf bestimmten Antrag soll der Namensauiruf eintreten. _
Der neue Erzbischof von Mecheln, Goossens, "hat am Sonnabend vor veriammeltem Kapitel seinen Stuhl ein- genommen, um seinem Nachfolger auf dem Bischofsiße in Namur, Belin, am Ostersonntage die canonische Weihe erthxilen zu können. Diese Weihe ist in großer Feierlichkeit zu, Namur erfolgt. Der festliche Einzug des Erzbischofs in seine Metropolitansiadt Mecheln findet am 29. d. Mts. statt.
Großbritannien und Irland. London, 15. April. (Ang. Corr.) Ein großer Theil des Raumes der heutigen Londoner Blätter ist den Oster-Freiwilligenmanövern gewidmet. Die große Parade bei PortSmouth hat viel Befriedigung erregt. _
_ 17. April. (W.T.B.) In einem heute veröffentlichten Schreiben der Königin aus Windsor-Castle, vom 14. d'. M., spricht (“YM Majestät ihren Unterthanen in aÜen Theilen des eiches ihren wärmsten Dank aus für die der Königin und der Herzogin von Albany anläßlich des Todes des Herzogs von Albany bewiesene" Theilnahme. Die Königin fügt hinzu: obwohl fre durch die zahlreichen schmerzlichen _ Prüfungen der leßten Jahre sehr erschüttert sei, werde sie doch nicht den Muth verlieren, sondern vielmehr bemüht sein, so lange wie möglich für das Wohl des Landes zu arbeiten. Die Königin spricht sodann der Herzogin von Albany, welche den schweren Schicksalsschlag mit bewundernswerther Resignation getragen habe, ihre Anerkennung aus. Das Schreiben schließt
mit dem Wunsche der Königin, ihren Dank auch allen anderen Ländern für deren Theilnahme ausZUsprechen, insbesondere dem t?:Tlatrhbarlande, in welchem der Herzog den lessen Athem- zug
Der Staatssekretär des Innern, Harcourt hielt eiiern in Derby eine Rede, in welcher er erklärte: unvor- Fergesehene Ereignisse hätten die Regierung verhindert, die Truppen aus Egypten zurückzuziehen. Was die Frage wegen einer Annexion angehe, so habe England nicht das Recht, Egypten zu annektiren, da dort auch noch andere Mächte Rechte hätten. Eine dauernde Verwaltung Egyptens durch England würde zu unauSgeseßten Verwickelungen mit den übrigen Mächten führen und die Erhaltung einer Armee in Egypten nothwendig machen, deren Kosten die egyptische Regierung nicht tragen könne.
Frankreich. Paris, 16. April. (W. T. B.) Die Nachricht englischer Blätter, daß die französische Flot te sich nach Amoy begeben und von diesem Orte Besiß ergriffen habe, als Garantie für die Zahlung der Entschädi- gungssumme von Seiten Chinas, entbehrt, bestem Vernehmen nach, jeder Begründung.
Türkei. Konstantinopel, 14. April. (Allg. Corr.) Server P ascha, Adjutant desSultans, und Ibrahim Ver) begaben sich heute an Bord der Kaiserlichen Yacht „Jz edin“ von hier nach Varna zum Empfange des öfter- rei ischen Kronprinzlichen Paares, dessen Ankunft hier am 17. d. M. erwartet wird.
_ 16. April. (W. T. B.) Der Minister des Aeußern, Aarifi Pascha, hat seine Entlassung er- halten und ist durch Ai sym Pascha erseßt worden.
Rumänien. Bukarest, 16. April. (W. T. B.) Der Kronprinz Rudolf von Oesterreich und Ge- mahlin trafen heute Morgen 8 Uhr in Smarda ein und wurden in einer Yacht des Fürsten von Bulgarien über die Donau geseßt. Die Weiterreise nach Varna erfolgte im strengsten Inkognito um 8 Uhr 40 Minuten mittelst Extra- zuges.
Schweden undNorWegen. Christiania, 13. April. (Hamb. Nachr.) Gleich nach Ostern gehen der Staats- Minister Lövenskiold und die Staatsräthe Johansen und C'. Herßberg nach Stockholm, um die dortig-z norwegische StaatSrathS-Abtheilung zu bilden. Der'konsrituirte StaatSratl) Lehmann übernimmt dann nach dem StaatSrath Johansen das Marine- und Postdepartement, bis der zehnte Ministerposten beseßt ist.
Amerika. (Alig. Corr.) Aus Philadelphia meldet man der „Times“ 11. d. 14. April: Die Ernennung von De- legirien für die Nationalkonventionen, welche die Präsidentschaftskandidaten aufstellen sollen, tritt be- reits Lark in den Vordergrund. Die Konventionen werden im Laufe des Juni in Chicago tagen. Auf Seiten der Republikaner kommen "Mr. Blaine, Mr. Arthur, Mr. Logan und Mr. Edmunds in Frage. Neuerdings wird auch der Versuch gemacht, General Grant als Kandidaten vorzuschieben. Mr. Robert Lincoin, der j-xßigr Kriegs-Minister, isi als Vize- Präsident ins Auge gefaßt worden. Der leitende Kandidat der Demokraten isi Mr. Tilden. Es wird fich hauptsächlich um den Gewinn der zwsifelhaften Staaten New-York, Ohio und Indiana für jede Partei handeln.
Afrika. Egyptezi. Kairo, 16.21pril. (W. T. B.) Der General-Konsui. Baring empfing eine Depesche des Generals (Hordön, vom 8. d. M., nach welcher ein Spion von Saleh Pascha, der fich am Blauen Nil be- finde, von dort angekonmien sei und aussage, daß dafelbü Alles gut stehe und daß Saleh 500 Reiter um sich habe und über 57 Schiffsladungen Getreide verfüge. In Folge von inneren Uneinigkeiten inKordofan sei die von dem Mahdi organisirte Expedition gegen Khartum aufgegeben und befänden sich anscheinend zwei Parteien in Auflehnung gegen den Mahdi. Der Versuch Saleh Paschas, den Scheik von El Obeid gefangen zu nehmen, sei mißkungcn. Dis Pläße Kaisala und Sennaar seien gesichert. .
_ 16. April. (W. T. B.) Zebehr Paicha erhielt heute Nachmittag nachstehendes Telegramm des General Gordon, vom 7. d. M.; „Ich habe Sie zum General: Gouverneur-Adjunkten des Sudan ernannt. Machen Sie mir von Ihrer Ankunft in Berber Mittheilyng; wenn es möglich ist, werde ich zwei Danzpfßr schicken, welche Sie mit zwei anderen, gegenwärtig in Berber befindlichen mit eiserner Schanzbeklerdung zum Schuß der an Bord befindlichen Truppen versehen wollen. Nehmen Sie auch möglichst viele Leute vom Stamme drr Galyieen und liefern Sie häufiger kleinereGefechte, ohne s1ch jedoch größeren Gefahren aUSzuseHen,“ „Diese Depesche wird hier als unverständlich angesehen, weil der Stamm der Galyieen sich gegenwärtig im Aufftaiide „befindet, ,und aus der Depesxhs nicht hervorgeht, ob dre Ntchxgenehmrguyg der Ernennung Zebehrs von Seiten der englischen Regierung dem General Gordon bekannt war.
Zeitungsftimmeu.
Die „Pfälzer Presse“ bringt die Rede, welche der Ober-Bürgermeifter ])1'. Miquel auf dem Parteita e .der Nationaliiberalen Süd- und Südwestdeutschlands zu eustadt a. d. H. am 14. d. M. gehalten hat. Wir entnehmen daraus die folgenden SteiXen: _
. . . In der nationailiberalen Partei hat es immer Schutzzöllner und Freihändler aus Prinzip gegeben, aber die große Mehrheit der Partei erblickte in diesen Jntereffeniragen keine Haupt- und Staats- fragen eines Werdendey deuiscben Staates, ihre große Aufgabe als einer Vertreterin deurichnationaler Staaten entsprechend hielt die
roße Mehrheit der nationalliberalen Partei stets an dem Grundsa Lest, daß auch die wichtigsten Zoll- und wirtbscbaftlichen Fragen do nur Tages- und Zweckmäßigkeitsfragen seien, die heute so und morgen so nach den veränderten wirthschaftlichen Verbältniffen entschieden werden müßten.
Wir bedauern von ganzem Herzen, daß langjährige Kampf- genoffen dieie Dinge anders ansaben als wir,'daß sie ein entscheiden- des_ Gewicht auf diese Jntereffenfragen legten, denn hierin liegt der ent1che1dende Grund, der fie von uns trennte, allxrdings um gerecht zu sein, müffen wir anerkennen, daß hier eine tiefere Scheide zum Vorschein_kam. Ich werde später noch darauf zurückkommen. Es ist grundiaßlick) die verschiedene Anschauung von den Pflickoten, Rechten und Aufgaben der modernen Staatßgemalt, die uns von diesen alten Freunden trennt,
Meine Herrcn! Nun scheint diese Scheidung „durch die Ver- einigung zur neuen freisinnigcn „Partei eine definitive geworden zu
sein. Bis dahin konnte man noch immer ein Cinbiegen nach uns zu hoffen. reilich, denn wir onen im vollen Maße gerecht sein, giebt es auch in der neuen freisinnigen Partei, wie das natürlich ist bei Xelbständig denkenden Deutschen, viele Nuancen in den Anschauungen e “nach der persönlichen Stimmung und der historischen Vorbildung. Mit manchen Elementen würden auch wir uns wohl verstandiaen können, jcdenfaUs hoffen wir dirs iür die Zukunft, aber wir wissen doch aUe, was die leitend.- dominitende Stimmung in einer Fraktion bedeutet. Wir kennen die leitenden Männer und das macht uns be- denklich. (Lebhafter Beifall.)
Jch red§e_bier nicbt _ absichtlich nicbt _ von den aus anderen politischen Kampfrn bergekommenen politischen Gewvbnbciten, von gewissen verleyenden Formen poiiiischen Auftretens (Beifall), ich rede auch nicht, meine Herren, von einer unangemessenen Verkeßerung selbst nahestehender politiicber Anschauungen.
Das AUes ist dock) nur sekundär, aber ein Oppofitionßgeist, ein negativer Geist. wie wir ihn kennen gelernt haben “seit langen Jahren, der st-ts in Gefahr ist. das ScbWergewicht des großen Ganzen, die entscheidenden Dinge für eine Nation über Cinzciheijen, die ibm ge- fallen, zu vergessen (Beifall), der stets in Gefahr ist, jeden Anders- denkenden, der unter Erwägungen aUer gegcvüberstebenden Macbivy- hältnisse das zeitrveilig Mögliche, Wenn aucb xiicbt immer idealBeite, nie sein 1215123 Ziel vergeffend, durchzuführen 1ucht, für einen schwäch- lichen Kompromißmackoer erklärt.
Ein ULJÜÜVLr Geist, welcher ron diesrm Stand:;unkt aus die norddeutsche ReichSvecfaffung, unsere deutsche Reickosversasiung, unsere Justizgeseßc, unsere H-xeresorganisation verworfen bat, uniere Heeres- organisaiion, dicse Grundlage unseres nationalen Seins und Werdcns, ein solcher Geist flößt in weiten Kreisen Mißtrauen ein. (Stür- mischer Bxifaü.) , „
So ist denn die Heidelberger Erklärung, denn 112 iit kein Pro- gramm, znr rechten Zeit gekommen. Es galt zu dieien Neubildungen nicht-!)los, sondern zu der veränderten politischen Lage in Deutschicmd feste und bestimmte SteUunq zu nehmen.
Hie Heidelberger Erklärung ist kein Zukunftsprogramm. Sie beschrankt fich verständigerweise _ und das sollten alle politischen Programme thun _ auf eine bestimmte Sthungnahme zu den brrnnenden politischen und sozialen Tagesfragen von brate. Die Heidelberger Erklärung ist keine süddeutsche srparaiiftifchc Partei- auffaffung, sie steht voll und ganz auf dem Boden des Programms der nationalliberalen Partei des Jahres 1881 und schließt sick) in allen Punkten an dirselbe an. Aber sie nimmt zu d-sn in der
' Zwischenzeit sckoärfer und bestimmter [)eroorgetretenen Fragen natur-
gemäß „aucb „bistimmtere und deutlichere Steuung.
Dir Heidelberger Erklärung ist kein Akt der Feindseligkeit gegen irgend eine andere Partei, noch weniger aber die Einleitung zur Verschmelzung mit anderen Parteien. (ch-hafter Beifall) Sie be- dsuiet, daß die nationallibcrale Partei des Jahres 1867, der 70er Jahre, auch heute noch dieselbe bleiben will und unabhängig ZÉnfwöri; naiv oben und nach unten, fest nach rechts und nach links.
ein . . . .
"Die Zoll- und Wirthsck'aftsiragrn, ob Schuyzoü oder Frsihandel, erklart mit Recht die Hkidklberaer Erklärung für eine vorläufig für die nachsten Jahre entschiedene Frage. Jedox" von uns mag feine per- sönlichen Meinungen haben über die Rtck7*igkeit dieses oder jenes Zoüsaßes.' In drm SaSe jedoch _ das können wir verlangen und vequavgt die Heidelberger Erklärung mit Recht _ müssen sich ver- standiger Weise beide Anschauungen rersinigrn: die Mehrheit des Reichstages, dic Reicbéärcgicrung und dix Regirruna der xinzelnen Siaaien hat nun einmal vor wenig Jahren dies ncue Zolisystem accrptrrt. Es ist in vollster Geltung, es hatte noch kaum Zeit gehabt, fich zu bewghren oder nich: zu bewährcn. Ein faiséber Zollsay isi wcniaer nacizibelitg als ein ewiger Wechsel im System. (Stürmisäoer Beifail.) Ruhe; rot' AUem und Sicherheit der Kalkulation thut der Industrie noth. Welches aiso (zuck) früher unsere versönlicbe Msi- nung war, wir müffen doch zuerit zusehen, ob das System sicb _bc- wäbrt, und deshalb [affen Sie uns die Zoiifrage für die nächsten Jahre von der Tagesordnung setzen. Meine Herren, cin grundiätz- licher Standpunkt schließt vicht aus die Beachtung in der Zwischen- zeit neu heryortrctender Erfahrungen im Einzelnen. Wo Korrek- turen im (Einzelnen erforderlich sind, nach obsn oder nach untxn, da werden wir gewissenhaft und unbefangen erwägen. Nur keinen zikrieg zur Zeit gegen das System; Friede vorläufig in den Prin- zvren ......
_ Wir verlangen eine billige, mäßige Berücksickoiigung der Inter- ef|en der Gefammtheit und aUer einzelnen Klaffcn von "eder Einzelnen Klasse, ohne die ein friedliches, ruhiges ForTleben in einem Staate möglich is!. Meme .Herren! Wenn ich vorhin gesagt Habe, wir scllien die Zolliragen ruhen lassen, so glaube ich sagen zu dürfen, mit Ihrer Uebereinstimmung. Diesr Erklärung bezieht fich nicht nur auf die grwerblicben und industriellen Zölie, sondrrn auch auf die Agrar- zölle. Viele von zins haben schwere Bedenken getragen, drr Herfteüung eines Korn-, Fleisch- oder sonsttgsn Agrarzotlcs zuzustimmen. Sie hatten darin 81113 unberrchitgie Beiaftung anderer, der konsumirendcn Klaffer: durch die zu brfrirckoiende Steigerung der Preise für die noth- Wendigsien Lebenßmitiel erblickt. .Aber diese Befürchtungen sind auf der einen Seite doch in Wahrheit, wenn wir aufrichtig sein soüen, nicht eingetreten.
Die Konkurrenz bilLiger Produzirender Länder hat schon dafür gesorgt, daß trois, mäßiger Ziiile die Korn- und Weizenpreise heute so niedrig stehen, wie fast mcht seit einem Jahrhundert, und eben dieser gewaltige Konkurrenz billiger yroduzirender Länder und un- geahnte Verbesserung der Verkehrsmittel hat die Lage der Land- wirthschcxft so gefährdet, daß es nach meiner Ueberzeugung unver- antwortlich sein würde, an eine plößlicve Wiederaufhebung eben erst voiirter, höchst mäßiger ZöÜe zu denken. (Lebhafter BeifaU.)
Ich für meinen Theil aUerdings kann auch dies nur als meine persönliche Ansicht bezeichnen. Ick glaube. daß für die Landwirt!)- scbaft, und natpentlicb für den mittleren Grundbefiß, die Einzelstaaten mebr Thun können und mehr thun müssen als das deutsche Reich. In wie viel deutschen Staaten hat man es noch fehlen [affen an der Herstellung von Kreditinstituten, Welche auch den niedrigen gegenwär- tigen Zinsfuß der Landwirtbscbaft zu Gute kommen lassen!
Kann man x_iicht in einer Reihe von Staaten endlich „beginnen, in stärkerer Weiie wenigstens es i'ortieyen, zu Landesmelwrationen überzugeden, von denen Niemand bestreitet, daß auch für fie der Staatsnsa-xkel vorhanden sei? Sonic nicht durch die Verwaltung und zwrckmaßige Einrichtung das landwirtbichaftlicbe AffoziatronLWesen in den einzelnen Staaten mehr als bisher gefördert werden können? Hat man genug gethan für die landwirthscbafxlicben Schulen? Hat man diexVerfeinerun der Landwirthscbaft, den Uebergang von der bloßen Körnerprodukt on auf Produktion von Handelßgewächsen, Obst- kuliur u. "dgl. genugend gefördert?
Und endlich, meine Herren _ icb wage auéb das offen auszu- sprechenx wenn es Wahr sei oder wahr werden soUte, daß dauernd, von vorubergehenderi Konjunkturen und Verhältnissen abgesehen, der Reinertrag namenxlicb drs Kleingrundbefiyers fällt oder gefallen ist, dann muß auch mrt voll_er Bestimmtheit und Unbcfangenheit erwogen werden, ob die in drn Einzeistaaten bestehenden Besteuerunqsiysteme die Staais- und Kommunalsteuer, welche auf dem Grundbesitz lastet, den heutigen Reinerträqen des Bodens noch entspricht. (Bravo.)
Meme Herren! Die landwirthicbaftliche Produktion _ ich sehe nicht ein, warum es anders sein ioll _ hat mindestens doch den- selben Anqspruch auf Schutz als die Jndustrieprodukte, denn die Industrie tft viel beweglicher, sie iii nicht an Sonne, Wetter und Bodenbeichaffenheit gebunden. Sie kann neue Erfindungen und Ein- r1chtungen viel scbneUer sicb aneignen, wie die Landwirthschaft. Jhr itehen ganz andere Kapitalien und Kreditverhältniffe zur Disposition. Wenn der Steigt sagt, ich muß die Industrie schüßen und ihr helfen, w' möchte ich wissen, wie er verantworten könnte, dies für die Land- 1vtr1hschaftabzulehnew (Brifali)
. Wenn der Wohlstand _ wie unzweifrlhaft _ in Deutschland tm Wachsen ist, wenn der Reichthum in vielen Theilen Deutschlands rasch gestiegen ist, das mobile_Kapital bat daran den Löwenanrheil genommen. Wenn es also galie, neue Mittel für die gesammten
Aufgaben der Staats- und Reicbknotbwmdigkeit fordern zu müssen, dann allerdings spräche ich aus: die erste Stelle, an welcbe man sich wenden muß, ist nicbt der Grundbesiy. sondem das mobile Kavital, das fundirte Kapital. in welchen Gütern es auch steckt, unter Frei- lasiun _des Erwerbes kes lebenden Menschen, der nichts weiter hat a 81ein Eigenrs blos, mit dcm er stirbt und das nicht ver- erblicb ist. Wenn die Heidelberger Erklärung auf die Börsensteuer hinweist, so glaube ich. hat wohl der eben außgesprocbene Gedanke dem vorzugswäsc zu Grunde gelegen. „
Meme Herren!_ Unsere Freunde haben niemals grundsäßlich die Reichöregierung bekampft in ihrem Bestrebcn, das Verhältniß der indirekten Steuern zu den direkten zu Gunsten der ersteren zu ver- andern. Wohl sind wir eben in Differenzen mit dem Reichskanzler
era'ben in Betreff des Zweckes der neuen Besteuerung und vor allem in Betreff der Objekte. . . .
_Vorerst ist aber die Steuerfrage keine dringende, denn die neuen Zolliäße und öllc und indirekten Sieuern haben sick; noch nicht in ihrer vollsten rtragsfäbigkeit zeigen können. Vor Allem würden wir in entscheidendem Falle den Bedarf nach neucn Steuern zu prüfen haben nad wiirden in Erwägung zu ziehen baden, ob die Reform der einen Steuer zur Beseitigung der anderen führen könne.
Meine Herren! Ich wage dic Ketzerei auSzusprechen, daß die Frage nach den Reichs-Ministrrien nach einer varlmnentarischen Re- gierung im Reiche, ob fie 11a.b dsn Verträgen unmöglich ist mit unserm deutschen Bundesratb, ob sie nicht die Steckung des BundeSratbs völlig verkehren würde ins Grgcntheil, ob daraus mit Notbwendigkeit dcr Einheitsstaat folgt _ diese Frage wage ich keßeriskb genug zu scinnfürdic momentane Gegenwart für eine Doktorfrage zu erklären. (Siurrnisaxcr Beifall.) Wenn wir sie aufwürfcn, so würde da- bei , kein greifbares Resultat herauskommen, höchstrns un- nötbige Erregungen und unnöthiges Ecbauffement des Einen oder Andern , selbst wenn es der hohe BundeSratb wäre. (Beifall und Heiterkeit.) Wir stehen auf dem Boden der Reichsverfassung; allxrdings gebietet es die Ehrlichkeit und Offenheit zu sagen, daß wir die Reichßverfaffung keinestregs für unabänderlicb für akle Zeiten halten, Wir glauben, daß die Entwickelung aber beruhen muß aui einer friedlichen Behandlung, wslcbe aucb Achtung vor den Rechten der Cinzelitaatcn zeigt. Nachdem einmal die Reichs- verfassung fich„vcrpflichtet hat, auch die Steiiung der Einzelstaaten im Reich zu beschu. e_n und anzuerkennen, ist Gewalt nicht mehr möglich im Dcutscben ' *etckxe. Alles muß in friedlicher, geseßlicher Entwicke- lung weiter neben .....
Meine Herren, ich komme nun an das andere Fundamcnt deut- scher,(§inbeit, das zugleich der nowwendige Gerant nationaler Unab- hätrzgigkeit ist, an das druische Heer und unsere HeereSorgani- (: ton .....
. . . , Aike miliiärischcn Werkzeuxe, AquüstungSgegcnstände, Kasernen, Festungen, Oifiiierc, alles beruht auf Gesey, daran kann das Pariament von Jahr zu Jahr nichts ändern, jedss Votum würde der Zustmtmung drr Reichsregiernng und des Bundesraths bedürfen. Wie woÜen wir anders eine große Volksarmee organisiren mit einer Stärke von 400000 Mann im Frieden und 1 200 000 im Kriege; bat ja doch die Schweiz und die franzöfisch: Republik nichts anderes ihun können.
Es find so und so viele Bataillone, Regimenter und Brigaden und zu jeder Compagnie gehört eine bestimmte Anzahl von Sol- ?Zjen, damit die nur nöthigen militärischcn Uebungen gemacht n'erwen onnsn. . . .
Meine Herren! Die Herren von der 'frcifinnigen Parteiscblagen eine dreijährige BewiUigung dcr Präsenz vor. Ick weiß nicht, wenn einmal auf 3 Jahre bewilligt werden soll, was es für ein schreckliches reaktionäres Verbrrcbrn vorstellt, dann gleich auf 7 Jahre in bewilliqcn.
. . Glaubcn Sis, meine ercn, das: bei der je igen Lage Europas irg-xnd cin_Parlamcn1 mit Zustimnmns dcs deut chen Volks eine etwaig? Vermmderung unserer H?creskrast durchseßrn könnte? (Rufe: nein !)
Meine Herrcni Wenv. die Lage der Dinge einmal eine andere sein wird, Wenn die Völkir nicht mxhr bewaffnet (1992116111011de stehen, wenn jeder irn friedlichen Mitiéeir-erb mit dem Andern leben wird -- wir wissen mM, wann urid ob disse Zeit kommt _ dann wird keine Macht der Wél't"da§ Vtxrlangen _des deutschen Volkes verhindern können. die miltigrischen Lasten, _die dann entbehrlich sind, zu“ erleich- tern und hera'bzuießcn. I.)?eine Hsrrew! Wir betrachten es bei den vielen schwierigen Aufaabx-n im Deuticben Reich für eine Wohlthat, daß wir die militärische Frage einmal aus dem Miitelpunkl des Streites heraus hahc-n, und ick) glaube, wir finden uns nicht schlecht dabei, es ist zum:: cm schwerer Panzer zu tragen, das ist abcr nicht Wiiikür der Regierung, n;;d es isi nicht das reine militärische In- teresse, es ist unser eigenstes Jniereffi, unser eigenes Gut kommt in Frage. (chbaftrr Beifali.)
Mrine Herren, die Ruhe, welche uns wenigstens einige Jahre gegenüber den Verfassungs- und Militärfragen gegönnt zu sein schcint, die wolTen wir benutzen, sow-zkt ati uns ist, auch den inneren Frieden herzustellen 11111) zu befestigen. Dies bringt mich auf die SteÜung unserer Partei zu der sogenannten Sozialpolitik des Reichskanzlers und ich fürchte, daß hier eiiie _schr bedeutende Grenzicbeide ist, zwischen uns undder nechn freiiinmgrn Partei. Ich habe schon an- gedeutet, daß m“.t der e*[ammten Yuffaffting dieser Partei _ gewiß muß ich Einzelne auSne men _ ww si: uns jexzt erscheint, beträcht- liche Widersk-rückpe be leben. . . .
Diese Lerschiedenheit der Auffassung trat ja nicht blos bezüglich des Krankenkaffengeseßes und Unfallversicberungßgeseyes _ demnächst
vielleicht auch des Jnvalidengeseßes _ hervor, wir haben sie kennen _
gelernt bei den Debatten über die Fragen, ob die großen Verkehrs- mittel drm Staate oder Privatgefellschaften gehören, insbesondere, 91) die Eisenbahnen verstaailicht Werden sollten. Sie ist hervor- getreten in dem von jener Partei aufgesteilien Satze, welcher den ein- zelnen auf die Selbsthülfe anweist und m der Kolonisanonßpolitik gegenübrr dem Verhalten und dem Bestreben, die AuSwanderung nicbt drm Zufall zu überlassen. sondern unsere auSwandernden Brüder dauernd ans Vaterland zu fesseln. '
Auf vielen andern Gebieten sind wrr diesen verschiedenen Auf- fassungen begegnet. . . , ,
. . . Meine Herren! Ob das Sozialistengese da ist oder nicht, die jest fraglichen Organisationen müssen wir um ca, wcil wir deut; sehen, daß die Naturnotbwwdigkeit es fordert und das Verhältniß der Klassen zu einander und die Stellung des Staates zu diesen Klassen. Es ist dies nicht blos ein zukunftiges Moment, sondern eine naturgemäße nothwendige Entwicke1una.
Meine Herren! Auch wir wollen die Selbstveraniwvrtlicbkeit und die Selbsthülfe nicht abschwächen bei den eizizeinen, wir wolien nicbt babey, daß der Staat wie ein Vormund uberall auftritt und den einzelnen auf allen Wegen und Schriften begleitet. Auch wir saßen, die Hauptsache ist, was du selber leistest. Jeder ist in diesem Sinne seines eigenen Giückrs Schmied. Ick Protestire ausdrücklich gegen die Mißdeutung, als Wenn ich_ den hohen Werth der persönlichen Verantwortlicbkeit nicht in roUem Maße anerkenne. Was wir aber behaupten, ist dies. daß es (Gebiete giebt, wo der einzelne: sich _nicbt [)Zlfen kann, wo die Frage, ob er sich hilft, gar oft vom Zufal] ab- hangt, und wir wollen in diesen Dingen die arbeitenden Klasen nicht auf den Zufal] verweisen, sondern durch Feststellung einer Organisa- tion fieber stellen. (Lebhafter Beifall.)
Sie sehen, meine Herren, wir stehen in Wesentlichen Dingen auf dem Boden der jeßigen Reichßregierung und biliigen die Stellung des Reichskanzlers in wichti en urid entscheideyden Fragen. Meine Herren, nichts desto weniger md.w1r keine Regierungspartei ..... Wirireuen uns, wenn wir mit dem Fürsten Bi5march in vielen wirbtthn Fragen zusammengehcn können. (Lebhafter Beifall.) Wir sind i m niemals feindlich, Wenn wir Nein sagen müssen, aber wir reserviren uns doch, wie wir als unabhangige Partei das Recht und die Pflicht dazu haben, Nein zu sagen. wenn wir uns nicht über- zeugen können, von der Richtigkeit seiner Ratbsckoläae. (Beifall.?
Meine Herren! Wir sind dem _ürsteq Reichskanzler gewß alle dankbar für seine Großthatcn und ur feine unübertroffenen Ver- dienste um das Deutsche Reich und das deutsche Volk und es freak
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mich. daß die leidige Furcht verscbnmnden ist, für einen Schwächling oder scrollen Mann gehalten zu werden, wenn man diese Schuld nationaler Dankbarkeit einmal offen abrrägt. (Stürmiscber Beifall.)
Meine Herren! Ich sehe, Sie sind mit mir einverstanden (Bei- fall), wir freuen uns und find stolz auf die herrliche Mawtftellung, die unsere Nation jetzt in der Welt hat, wir find auch stolz auf den Mann, der die hohe Autorität in Europa hat und fie am wenigsten mißbraucht (sjürmischsr Beifall). Wir frcum uns und sind stolz dar- über, aber selbständig wollen wir doch prüfen und entscheiden und das wissen aucb unsere Vertretcr im Parlament. . . .
Wir hoffen, daß gegenüber den gemachten Erfahrungen, geaen- über der Thdtsache, daß, mächtige Differenzpunkte inzwischen erledigt sind, in Zukunft fich em befferes Verhältniß des Reichskanzlers zu den Mittklparteien anbabncn werde.
Wir hoffen, daß eine eneraicroile Entschlossenheit eintreten und der Miitelpartei eine Mehrheit im Parlament bringen werde, Welche gewiUt und entschlossen ist, wcnn irgend möglich im Einvernehmen mit Bi8marck an den Gesammtaufgaben der Naiion zu arbeiten, Positives zu schaffen und nicht immer nein zu sagen, sondern dies nur dann zu thun. wenn es nicht anders geht, aber selbst dann eine mögliche Verständigung zu suchen,
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Amtsblatt des Reich-Postamts. Nr. 17. _ Inhalt: Verfugungen: vom 6. April 1884. U::berganasicbcine zu den im Durchgange durch Bay:rn zu brfördernden alkoholhaiiigen Parfümerien.
Kunst, Wissenschaft und Literatur.
Von dem in der Verlcrchanstxlt für Kunst und Wiffenscbait (rorrnais Friedrich Bruckmann) zu München vor drei Jahren erschienenen Prachmcrk: „DieHohenzollern und das Deutsche Vaterland“ von Dr. R. Graf Stilliried-Alcérnrara und Pxoieiior Dr. Bernhard Kugler, illustrirtron den ersten deutschen Kynstlern, erscheint jetzt xine dritte durchgrsrhene Auflage, eine wohl- feile_Pcachtausgabe. Diesem nationalen Pracbtwerk batten fick) die Königliäpen Swlöffcr und Archive _mit ihren sonst unzugänglichen Schatzen erschloffxn, .und mitRecbt iii cs aligemein anerkannt worden, daß dieses vaterlandtscbe Ebrenbucb es verdiene, nicht nur den Salon- tisch zu zieren, sondern seine Verbreitung auch in den breiTeicn Schichten des Volkes zu finden. Es ist daher dankend an- zuerken'nen, däß die Verlagsbandlunsz dies durch Veranstaltung eincr wohlfetlen Angabc _ dieselbe wird nur ungefähr den vierten Theil der ersten Anga're kosten _ ermöglicht. Die wolxlfrile Prachtausgabe sol], wie der Prospekt verspricht, in 32 wöchentlichrn Lieferungen zu jc 50 «& erscbcincn und, da Text und JÜustkationen bereiis fertig vor- licgrn, bis Weihnachten dicses Jahres voiliiäxidig sein. Die mus Angabc ist in einem einws kleinercn Format als die LuxuSauSgabe gehalten ,und dadurch handlicher geworden, im Urbrigen aber, wie die bereits rorlirgendr erste Lieferung beweist, ebenso reich aus- gestattet wie jene.
_ Die in Leipzig, den 19. d. M. erscheinende Nr. 2129 der Jllustrrrten Zeitung enthält folgende Abbildunzien: Bäuerin aus dem Sirwzrzwald. Originalzeicbnung von Fritz Reiß. _ Zum 150jäbrigcn Jubiläum des 1. Königl.Sächs. Husaren-Rsaimenis Nr. 18 zu Großenhain. Originalzeicbnung von F. W. Heine. _ Franz Pulizfy. _ Eisberge im Atlantischen Ozean. Nach einer Zeichnung von_Charles Graham. _ Aurora. Nach Guido Rrr-i's Fresco- gemalde im Palait Rosvigliosi zu Rom. _ Ignaz Kuranda, i' am 3. April. _ Gustav Richter, iam 3. April. _ Der langbaarige Hübner- bund Mviord (im Besitze drs Hrn. Borchers in Braunschweig). Aus Vero Shaw's .Jüuiirirtem Buck) dom Hunde“ (Leipzig, E. Twiet- meyer). _ Die relative Zeit dcr fünf Zeitzonen Nordamerikas. _ Von der druticbrn Polarstation im Cumberlandsund 1882 bis 1883. 15 Abbildungen, nach photographischen Aufnahmen eines Theil- nehmers der Expedition: Astronomisches Observatorium. _ Die Station ron Süd-Südwest _ Inneres des Observato.iums _ Dic (Germania am 20 August _ Die Station kurz vor dem Verlaffen derselben _ Observatorium für absolute magnetische Beobachtungen _ Dcr Cisfuß des Vorlandes _ Universalinstrument _ Hunde- schlitten mit Kabelkolie _ Segelmarbcr beim Fiscbräucbern _ Familic Jack vor der Hütte: _ Pearl Nr. 111 und 117 _ Wimpel- berg _ Eingeborrne_ _ Der Zimmermann der Expedition im Kostüm. _ Privtecbniiche Mittheilungen: Die Anwendung des Oels zur Beruhigung der McereßWrUen im Hafen von Folkestone.
Land: und Forstwirthschaft.
Pest, 12. April. Der ungarische amtiichs „volkswirihiäoaftlicbe Anzeiger“ Nr. 15 vom 10. d. M. veröffrntlickzt den nachsteh-xnd i;: Uebersetzung wirdergegebencn Bericht Über den derzeitigen Stand der S_aaten:
„Dic Herbitsaaterz stehen im AÜgemeinen befriedigend und an vielen Orten (Tut. Die [eßien Frosttage haben dem Reps einigen Schadm zz.:gefizgr. „
Die Frühjahrsiaaien smd in Folge der regnerischen Witterung im Aügemetpen gut aufgekeimi und entwickeln fich schön.
In einigen namrntlich oHerungarisében und siebenbürgischen Gegcndxn isi der Anbau noch im _Gange.
Ueber die durch Insekten, Maus: und Maulwürfe verursachten Schäden sind aus mehreren Komitaten Klagrn eingelangt.
Der Anbau von Kartoffeln und Rüben hat an vielen Orten bereits begonnen.“
Gewerbe und Handel.
In der Avrilnummer 18. Jahrgangs 1884 der Monatsbefie „Kunst und Gewerbe, Zeitschrift zur Förderung deutscher Kunst- indusirie“, berauSgegeben vom Bayerischen Gewerbemuseum zu Nürn !) e r (redigirt von Dr. O. von Schorn; Druck und Verlag von E. P. J. Bie ing (G. Dies) in Nürnberg) fest Dr. Franz Bock seinen Beitrag zur Geschichte des Goldfadens in alter, neuerer und neuester Zeit mit der Schilderung des mittelalterlichen Goldgeipinnstes fort. Daran reiht sich ein 4. Artikel der iÜusirirten Arbeit „Vronzestudien'. Den Beschluß der größeren Aufsähe bildet die Jortseßung der Ab- bandlung von C. Friedrich über die Venetianerglaser in der Muster- iammiung des Bayerischen Gewerbemusrums; der zweite, die Krystall“ gläser beschreibende Abschnitt, ist mit xiner Reihe sorgfältiger Abbila dungen auSgestattet. _ Von den drei Kynstbeilagen reproduzirt die erste in ganz außgezeicbnetem Farbendruck emen holländischen Fayence.- Teller aus der Sammlung des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg; auf der zweixen Tafel bietet F. O. Schulze eiiie Kollektion von Ornamenten dar. fur Welche der Lßwe als Motiv sedient bat; die dritte zeigt die Aufnahme eines pracbtigsn sizilianischen Seiden- stoffs aus dem Uuseo artistioo-ivänsniais in Rom, mit dem heiligen Baum des Lebens der altpersischen Religion und den Gazellen und Vö-
eln, Sinnbildern des Guten und Bösen, welche ihn bervacben (13, Jahr- Jundert). Aus den maningfacben Text-Illustrationen sei die Aufnahme des prachtvoüen Cborgeftuhls der Sta. Giustina in Padua hervorgehoben. _ Jn Nr, 6 der" „Mittheilungen' des Museums wird a. 21. be- richtet, das; „bezugltxb der Heabiichtigten Gründung eines Erport- musterlagers m Munchen die Handels- und Gewerbekammer für Mittelfranken nachstehenden, dem Bayerischen Gewerbe-Museum mit- getheilten Beschluß an die Handels- und Griverhekammer für Ober- bayern hat gelangen lasiert: .Die beabsichtigte Gründung eines Export- mufterlagers in München gelangte in heutiger Sitzung unserer Kammer zur Bcratbuna und wurde in Folge derselben nachstehender Beschluß einstimmig §Fefaßt: Die Gründung eines Exportmusterlagers an emem anderen „laße als Nürnberg ist nich veranlaßt und wünschenswerth, da die Voraussexzungen und Anfänge eines solchen bereits in dem dahier bestehenden Bayerischen Gewerbemuseum ge- Ybey find; es kann demnach nur der Weiterentwickiung dieses leßteren
nstttutes nach obgedachter Richtun hin mit Unterstüßung des Handelsvorstandes Nürnberg und der sZonst noch hierbei in Betracht