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Nack) Zurücklegung einer 60jährigen Dienstzeit ist er_ am 1. Mai 1899 in den Ruhestand getreten, hat aber über die en Zeitpunkt hinaus noch einige Jahre das seit'1888 von 1 in
ekleidcte Nebenamt als Präsident des DiSziplmarhofes für ie nichtrichterlichen Beamten weiter verwaltet.
Der Heimgegangene hat in al1en seinen AmtSUerhältnissen, insbesondere in dem verantwortungsvollen Amte_ als Unter- staatssekretär stets mit unermüdlicher, selbstloser Hingabe seine lxohe Begabung und sein gründliches Wissen bis in_ das höchste Alter in den Dienst des Staats gestellt und in reichem Maße Anerkennung seiner Tätigkeit gefunden. .
Das Andenken an diesen hervorragenden Beamten mird in hohen Ehren bleiben.
Der Königliche Gesandte in Miinchen, Wirkliche Geheime Nat Graf von Pourtalézs hat einen ibm Allerhöchst be- willigten Urlaub angetreten. Während seiner Abwesenheit werden die (Geschäfte der Königlichen (Gesandtschaft von dem etatsmäßigen Lagationssekretär, Legationsrnt Freiherrn von Wcrthern gefiihrt. . *-
Laut Meldung des „W. T. B.“ gebt S“. M. S. „Fürst BiSMarck“ mit dem Chef des Kreuzergeschwaders heute von Nankxig nach Tsingtau ab.
S,
. M. S. „Hansa“ ist mit dem Zweiten Admiral des Kren ergeschwaders am 18. April in Tsckxifu eingetroffen und geht eute von dort nach Tschimvangiau in See. S. M. S. „Tb etis“ ist qestern in Swatau angekommen. Der TranSport der abgelö sten Besaßung von SMS. ,Falke“ ist mit dem Dampfer „St)ria“ am 18. April_in Port Limon (Costarica) eingetroffen und hat gestern die Heim- reise iiber Colon nacb Cartagena (Columbien) fortgeseßt.
In der Ersten und Zweiten Beilage ziir heutigen Nummer des „Reichs: und Staatsanzeigers“ Wird die vom Reichs- eisenbahnamt ausfgestellte tabellarische Uebersicht der Be- triebsergebni se deutscher Eisenbahnen . fiir den Monat März 1905 veröffentlicht, auf die am Mittwoch an dieser Stelle aiiSzüglich bingewiesen worden ist.
Deutsche Kolonien. .
Nack) einer Meldung des Generalleutnants von Trotk) aus Kab in Deutsch:Südwestafrika mußte, wie „W. T. B.“ berichtet, der Major von Estorff die Verfolgung rer Witbois 45 km südöstlich von Komise-Kolf wegen Wassermangels auf- geben. Er wird Awadaab am „roßcn Noffob beseßt Halten und vorläufig nach Gochas zurii geben. Die Besaßung von Aminuis wird durch die 4. Kompagnie des Fcldregiments Nr. 1 und eine Halbe vierte Batterie aus Gobabis verstärkt werden.
In den Karasbergen wurde am 7. April südlich von Nurudas die Pferdewache der Kompagnie des Hauptmanns d'Arrcst von einer zweihundert Mann starken Bande iiber- fallcn. Die Kompagnie griff den Gexner an und stürmte nack) schwerem, siebenstiindigcm Gefecht (Feine Stellung. Dies: seits sind 7 Reiter gefallen und Z verwundet.
Patrouillengefechte fanden bei Gambau, 15 km nord: östlich von Bethanien, und bei Tbannarob südlich von Packriem statt. Die diesieitigcn Verluste betragen: 1 Offizier, 1 Oberveterinär, 811nteroffiziere und Reiter gefallen, 5Reiker verwundet.
Von den im Komasbochland gemeldeten „Herero: banden hat ein Teil die Eisenbahn zwischen Windhuk und Okahanbja überschritten und sich nach Nordosten gewandt. Er wird durch die in Otjihangwe stehende Kompagnie und durch starke Offizierpatroiiilicn aus Windhuk und Okabandja aufgesucht. Ein anderer Teil unter dem Großmann Andreas ist im Tal des KUFLbflusse-Z in die Gegend von Tantris ge- zogen. Ihm folgen von Norden her eine Etappenkompagnie und eine znsammengesteilte Abteilung non 90 Mann mit einer Revolvcrkanone; von Rebobotb her ist eine Ersaßkompagnie über Areb, niirblick) von Naiichat, in Marsch gesetzt.
Ein Telegramm aus Windhuk meldet, das; der Leutnant Adolf Tonner, geboren am 26. Juni 1875 zu Würzburg, früher im Königlich bayerischen 9. Jnfantericrcgim Ut, infolge der im (Gefecht bei (Hroß-Nabas (2._4. Januar) erlittenen Verwundung am 15. April im Lazarett zu Kub gestorben ist. _ An Typhus ist im Laiareit zu Windhuk am 16. April der Reiter Emil Daniclowski, geboren am 27. Juni 1883 zu MariannenHOf, friiher im ananterieregimcnt Nr. 44, Und am 17. April der Gefreite Klemens Bickert, geboren am 14. De: zember 1881 zu Düynen, früher im Husarenregiment Nr. 1, gestorben.
Großbritannien und Irland.
Jm Unterbause richtete gestern, wie „W. T. B,“ meldet, Emmott (Lib) an den Untersiaatsfekretär Earl Percy die Anfrage., ob er Auskunft geben könne über den gegenwärtigen Sand der Ver- handlungen bezüglich des internationalen Charakters der äthiopischen Eisenbahn und iiber den Bau des Uveiten Teils der Linie. Earl Percy erwiderte, er könne keine Erklärung über die Verhandlungen abgeben. Der Ministervräfident Balfour beantragte hierauf, dals; das Haus fick) bis zum 2. Mai yertagen solle. Es er- fo gte eine allgemeine Beratung darüber. Sir Henry Campbell Bannerman Verlangte von der Regierung Aufklärung über die Lane in Somaliland und Akabanistan sowie über die Verträge mit Tibet und Verurteilte die Halxung der Regierung in der Fiskalfrage. Der Premierminister Balfour erwiderte, die Regierung habe keine Kenntnis von Den angeblichen Abänderunaen des Vertrags mit Tibet. Der Vertrag mit dem Emir von Afghanistan erneuere das Abkommen, das England mit dessen Vater_getwffen habe (Es gebe in diesen Ver- handlungen nichts, was rätseibait oder dunkel sei, und er freue sicb, daß fie zu einem erfolgreichen Abtchluß gelangt seien. Der Premierminister rechtfertigte schließlich die Haltung der Regierung in der Fixkaisrage. In schriitlickper Beantwortung einer yon Hickman (Kons.) gesteUten Anfrage, “welche Zugeständnisse die deutiche Regierung in ibrem neuen Generaltarif auf die von kern englischen Außwärtigen Am! erhobenen Vorstellungen bin gemacht habe. erklärte der Untersiaatkiekretär des Aeußern Earl Percy: aus ren bereits ykröffentliiben Schriftstücken seien die Artikel ersichtlich, bezüglich deren die britische Regierung Vor- stellungen erhoben babe, ebenio auch die Abänderungen des Tarifs,
die als Ergebnis der zwi eben Deutschland und anderen Ländern des Kontinents gepflogenen erbandlun en vor enommen worden seien. Es sei unmöglich, "'esizustellen, inwe cbem aße sich DeutscLland etwa auch von den Vorßeuunéqien der brißscben Regierung babe eeinflussen lassen, als es diesen Ab nderungen seine Zustimmung gegeben habe. Sodann vertagte sich das Haus bis zum 2. Mai.
Der Kreuzer „Venus“ ist gestern von Malta nacb Kreta abgegangen: Der Kreuzer „Diana“ wird heute dorthin ab- gehen. Die Fahrt der beiden Schiffe sieht im Zusammenhange mit den Unruhen auf Kreta. „
Frankreich.
"In der Deputiertenkammer stand gestern das vom Senat zuruckgekommene Budget zur Beratung. Archedeacon und (Graf Castellane (Nationalisten besprachen, wie „W. T. B.“ berichtet, das englisch-französis e Uebereinkommen, betreffend Ma- rokko, und gaben Befürchtungen wegen der Haltung Deutschlands Außdruck. Iaurbs führte aus, die Politik Delcassés in Marokko habe sehr bedeutende Schwierigkeiten herbeigeführt. Der einzige Ausweg in dieser Lage Lei in einer direkten Verständi- gung mit Deutschland zu er licken; er sei überzeugt, daß beide Mächte den Frieden wollten, und warf Delcapé fein Schweigen vor, das die „Lage verqiite. Warum es ablehnen, ich mit Deutschland zu verständigen? Der Verlust von Elsaß habe nicht die (Größe Frank- reichs verkümmert. Der Minister des Aeußern Delcassé unterbrach den Redner und sagte, Frankreich habe es nicht abgelehnt, auf Er- klarungen zit erwidern. Jaurbsentgegneke, man hätte nichtErklärun en verlangen durfen, sondern die Initiative ergreifen müssen. „Bestehen ie nicht auf Ihrer Unvorsichtigkeit, sie wird Sie allen Bündnissen ent- frexnden. Die Lage erfordert'es, daß Sie Verhandlungen mit allen Machken,anknüpfen, wenn Sie uns nicht zu einem erniedrigenden Zurückweicben führen wollen. Wir wollen nicht, daß Frankrei die Folgen einer unheilbolien, verderblichen Politik zu tragen at.“
aillant (Soz.) tadelte, daß der Minister Delcassé Deutschland nicht von dem französisch-englischen Abkommen in Kenntnis geseßt habe, und fragte, ob Delcasséz alle Vorfichtömaßregeln getroffen habe, damit die russisxhe Flotte im fernen Osten die Neutralität Frankreich nicht konip'romntiere; La F e rr o n a y s (kons .) legte die Gefahren der Kolonial- politik der Regierung dar unix wünschte ein EinVernebmen mit Deutsch- land. Hierauf nahm der Minnier Delcas sé das Wort und führte aus: „Man fragt mrch, nZelche Veranderungen in der Lage in Marokko eit meinen letzten Erklarungen m der Kammer eingetreten sind. ck sagte danials, daß unser Gesandter in Fez in den letzten Tagen des Marz einen allgemeinen Entwurf unserer Vorschlage beendigt habe, die darauf binzielten, schrittw-Zise in Marokko mit der Ordnung und Sieherheit einen besseren Zustand der Dinge herzustellen, dcr zunachst der marokkanischen Bevölkerung und gleichzeitig aber_ auch, allen Ausländern zu Nußen kommen sollte, die dort Geschafte trieben, welcher Nation sie auch angehören _mocbten. Naxbdem die marokkanische Regierung unsere Vorschläge, die ihr unterbreitet waren, erwogen batte, teilte sie uns am 5. April mit, ße nehme diese im Prinzip an und sei entschlossen, über sie im einzelnen mit unserem Vertreter in Besprechungen zu treten. Diese begannen am 12. April und nahmen nach den le ten aus Fez eingegangenen Meldungen eincn befriedigenden er- lauf, da unser Vertreter in Fez ssicb vor allem des Mittels der Ueberredung bediente und be ondcrs bestrebt war, die marokkanische Regierung WWW zu überzeugen, daß es in ihrem Jnteresseliege; die vorgeschlagenen Reformen durchzuführen, und da andererseits, die marokkanische Regierung die Ueberzeugung von der Airfnchtigkeit unserer Freundschaft und der Bedeutung unserer Mit- wirkung gewann, die es ihr in der Vergangenen Woche noch ermög- lichte, ihre Autoritat m'der'Stadt Udja aufrechtzuerbalten, die von Rebellenbedrobt ivar, die die Stadt angriffen. Was die in leßter Zett lqurgewordenen Besorgn'sse betrifft hinsichtlich einer möglichen iZückwirknng unserer marokkanischen Politik auf fremde Inter- enen, so habe ich selbst_ dem deutschen Botscbafter in Paris erklart und dem_ franzöfiickten Botschafter in Berlin zu wissen getan, daß, rrcnn em Mtßoerstandnis in dieser Hinsicht etwa bestehe, nb bereit sei, es zu zerstreucn; und da unsere marokkanische Politik, so nne sie zehnmal, ausgesprochene (Gründe der Voraussicht der Re- gierung vorgeichrtebe11haben,so wie sie in der Kammer dargelegt worden ist, wie fie sich bis zum heutigen Tage entwickelt hat, wie fie
in' dcr Zukunft abspielen muß, zur kundgegebenen Grund- lage nicht allein die „Achtung der von anderen Mächten mit der "marokkanischen Regierung abgekcbloffenen Verträge und Ueber- einkunfte hat, sondern auch die auf alle Nationen, welche sie aucbseien, zu erstreckende Anwendung 'der in die yon uns im leßten Jahre unterzeichneten Vertrage schriftlich aufgenommenen Aufrechibaltung res Grunbsaße's der „Handelsfreibeit und der Bürgschaften gegen jede Ungleichheit, so ist,in Wahrheit für uns nichts leichter, als uns in einer Ari und Weise zu erklären, die alle Befürchtungen binsälli ryerden laßt und bie Interessen berubigt. Ich kann nicht umhin, au? eine Bemerkung m der Rede des Deputierten Jaurbs zurückzukommen. Dieser hat mir den Vorwurf gemacht, daß ich auf gewisse Er- klarungen, die, er borgebracht, nicht eingeganJen sei, und bat meinxm'Schwetgen eine Deutung gegeben, die ereits in mehrere auslandiscbe Blätter ubergegangen ist und die ich nicht durchgehen lassen kann. ' Ich lege'mel größeren Wert auf Taten wie auf Worte, und tmr scheint, daß em Mann, der sieben Schiengerichtsverträge ab- geichloffen, der mit Italien, Spanien und England Uebereinkommen Ytroffen bat, durch das jedes beteiligte Land gegen Zugeständnisse in
unkten untergcorbneter Art eine befriedigende Regelung seiner _auptinteressen' erhielt, daß ein Mann, dessen erste Sorge war, fich fur, die Beendigung des Krieges zwischen Spanien und den Ver- einigten Staaten einzuseßen. iznd dessen gute Dienste vor einigen quaten nicbt _ obne Wirksamkeit geroesen find, um eincn ertschenfall zu schlichten, der zwei der größten Mächte Europas zum Kampfe gegeneinander bringen konnte, _ es scheint mir, sage ick), daß die Handlungen dieses Mannes mebr Wert haben, seine Politik zu kennzeichnen, als'seine Worte.“ (Ein Abgeordneter ruftdazwiscben: Davvn tit je t nicht die Rede; es handelt sib um Marokko.) Delcasséx fir r fort: „Jeb babe erkiärt und erklären lassen, was Marokko betrifft, das;, wenn noch ein MißiIerständnis bestehe, ich bereit sei, es zu zerstreuen. Yom Bewußtsein meiner Verantwortlicbkeit er- fullt, kenn ich den Crklarungen, die ich hier auf der Tribüne vorgebracht habe, nichts Zweckbtenliches hinzufügen. Hat nicht der Minister des Aus- wartigen das Privile , bier ungestraft zu sprechen ?“ Jaurbs kon- statierte alSdann, daI Delcassé nach wie vor stumm bleibe, und ver- langte, daß die K_cxmmer fich unberzügiicb verlage. Der Minister des Aeußetn Deleutiéx erwiderte, es gebe Dinge, die er in der Kammer nicht sagen kbnne. Zairrxzs wiederholte, daß man alsdann die Kammer betragen müme. DeSohanel gab hierauf einen bistori'chen Ueberblick uber die Marokkofrage und sprach den Wunsch aus, daß alle französischen Beamten in Marokko unter die Autorität des Sultans gestellt würden. Der Redner erinnerte dann an_die Reise d7s Deutschen Kaisers und riet, sich mit Deuticbland zu Verstandtgen; Frankreich müsse in guten Be- ziehungen zu Deu11chland und England stehen und nicht eme Macht der anderen opfern, Er betonte alsdann die geschickte Politik Eng- lands,.die darm „bestanden habe, Frankreich die Verxntwortlichkeit für das Eindringen in Marokko zn ü erlassen, und schloß mit der Bitte, daß die Regierung klug und fejt handeln möge. Der Minisietvräfident R_ouv1er erinnerte dann daran, daß das Parlament die aus- waktige quitik Frankreichs aut geheißen habe, und fuhr fort: „Man wirst „uns vor, Deutschland über das englisch französische Abkommen nicbt unterrichtet zu haben, aber dann hätte man samtliche Mächte benachrichtigen müssen, wir haben mit Deutschland eine Aussprache begonnen. Es handelt sick) beute darum, zu wiffen, ob die Kammer einen Wechsel der Personen beabsi tige.“ (Verneinung auf der Linken und im Zentrum.) Rouvier cbloß: „Deutschland verlangt von uns, daß wir seine Interessen respektieren. Wir verlangsn nichts Befferes. Wünscht man etwas anderes von uns, so möge xnan es sagen, und wir werden die Fra e prüfen. Was die Neutralitat anbelangt, von der Vaillant k?prach, so tun
wir alles Erforderli e, um : u 'n. D Deutschland und die erbanlengezn dYFeerrn fort.? 1Ykekreimngxu
«mittagksißuna kritisierte Pressensé (Soz) I" d“ *
Weise das Verhalten Delcaffés gegenüber
Delcaffé babe yffenbar geglaubt, da'ß ganz En
stehe. Der Minister babe sicb pa einer Selbsttäuschung
ec Habe nur die englischrn Imgoisten für sich gehabt
habe Delcassé den Vereinigten Staaten gegenübxx' Fehler, wie gegenuber Deutschland, begangen. Frank
in Frieden mit Deutschland und müsse sich mit emanderseßen, aber nicht widerwillig und mürrisch.
habe den „Interessen Frankreichs schlecht gedient. Die Nie Kaisers Wilhelm babe zweifellos den Magbzen ermutigt, "„bei? d dessen sei das durch die Politik Delcasiés angestifte Uebel «"i. - gut zu machen. Die Erklärungen Delcassés seien auch be w' " unzureichenb gewesen. (Glücklicherweise seien aber die Erklärim Ministerprafidenten, der die ministerielle Solidarität geltend zuge" d“ gewußt babe, berubigepi) gewesen. Der Nationalist TournadeLYad en die marokkanische Poittik Delcaffés. Frankreich babe ['Steits eiakltk reichendes Kolonialretch, Marokko sei ein gefährliches Abenteu n bin. noch gro e Opfer erfordern werde. Der Radikale er da“
man mir e anerkennen, daß Deutschland unzweifelhafthoußlet sagte
in Marokko habe. Die deutsche Presse habe nicht e “t "Feresseé! Zwischenfall abgewartet, um diese Interessen zu erkennke1n,dséonndzungstkn “
rn dies
sofort nach dem Bekanntwerden des französifch-englischen Abkomméns
getan. Man könne deshalb auch nicht behaupten, daß sich die
deutsche Politik in der Frage geändert habe. Nx
daß Interesse für auswärtige und" Kolonialpolitik ein so lebFHW [kj beim deutschen Volke. Man_ musse deshalb in der marokkaniscjzéc Angelegenheit zu einer Verstandigung mit Deutschland gelangen Ö" bqffe, daß es gelingen werde, die beéiebenden MißVersiändnisse iu bk seitigen. Der konservatiVe Delafo [ e äußerte, Marokko sei nur se" Vorwand. Die eigentliche Ursache der geänderten Politik Deutsm lands seien die Besorgniffe,'die einerseits das franzöfisch.e„g[j[ Abkommen, andererseits die Schwächung des Dreibundis ' Deutschland hervorgerufen hätten. Frankreick) dürfe wrder (.an
englische noch antideutsche Politik machen. Es würde gefährlich sein,“, „
glauben, daß das englisch-französische Abkommen gegen DSUtscbicmd
gerichtet sei. Nach diesen Erörterungen wurde in die Spkiialdebattß
über die vom Senat abgeänderten Artikel des Budßets eingegang,rl a
und schließlich das Budget mit verschiedenen A " genommen.
Rußland.
In dem Vororte von Warschau Powonski liaben “ dem „W. T. B.“ berichtet wird, die Polizei und Militär iii.? Nacht zu gestern zweihundertPersonen festgenommm. Beiden Verhafteten, wnrden zahlreiche Revolver gefunden.
In fünfzig Dorfern' der Kreise Kameneß-Podolsk u'nd Proskurow macht sich eine gegen die Gutsbesißergx richtete Bauernbewegunq geltend. Nach den in Flair kommenden Orten wurde Militär abgesandt. '
Italien.
, Die Deputiertenkatnmer nahm in der gestrigen Von mrtiagssißun? wie „W, T. B." meldet, die Beratung über «Gx- setzentwurf, etreffend die Verstaatlichung der Eisenbahnen, wieder auf und_ nahm die Artikel bis einschließlich 12 an. In der Nachmtttagssitzung beantrvortete der Ministerpiäsmnt Fortisqmehrcre Anfragen wegen eines Vorfalls in Foggia, wobei er,er_klarte, ker wiederholte Gebrauch der Waffe seitens des Militars sei durchaus unbermeiblich gewesen, da dieses beraus- efordert worden sei und sich im Stande geseßlickper Verteidigungbe- unden habe. Der Gebrauch der Waffe sei nicht anbefoblen worden, sondern durch Patronillen erfolgt, die mit Knütteln und Schüüu angegriffen worden seien. Dabei sei ein Soldat tödlich Verwun- drei der Manifestanten seien getötet und zwölf verwundet wordex Es „sei im Einvernehmen mit den richterlichen und militärism Beborden eine Untersuchung angeordnet worden. Hierauf wurde die Beratung 'der Vorlage, betreffend die Verstaat- lichung der Eisenbahnen, wicder aufgenommen. Die Be- sprechung bes Artikels. 16, betreffend Errichtung eines obligatorischen Schiedßgerichts, wurde einstweilen miti- gestelit. Artikel 17 gelangte mit großer Mehrheit zur Annahme.
In diesem beißt es, daß alle Angestellte der Eisenbahnen Staait- ,
beamte seien, und daß im Falle der Einstellung der Arbeit oderdn Störung des regelmäßigen Dienstes angenommen rrcrde, daß sietbn Entlassung eingereicht hätten. Bei Artikel 19 der Vorlage, bctreiienk dieGebaltserböbung für ältere Beamte, erkläriederimitei- prasident ortis auf eine Anfrage: die Regierung werde bei Anwendu-E dieses Art keis mit der größten Billigkeit vorgeben; fie werde namentli di: verdientcsten alten Beamten berücksichtigen, die auch, wie er hoffe, durch ihre Autorität b:"i ihren Kameraden dem jetzigen beklagt,!“- werten Zuttand ein Ende machen würden. Hierauf wurden „samtliche Artikel der Vorlage angenommen, darunter auch der Artikel % dk! festsetzt, daß die Bestimmungen des Artikels 17 sich auch aiif d? im Betriebe von, Privatunternebmungen stehenden Bahnen LMU sollen. Der Ministervräsident Fortis erklärte hierzu, daß die Artikel 17 und 24 nach Maßgabe des gemeinen Rechts in Wirksamkeit zu tristü batten. Schließlich wurde das nanze Geseß in geheimer Abstim- mung mit 289 gegen 45 Stimmen angenommen. Alsvann erklärt! Meardi, er glaube im Namen der Kammer zu sprechen, W“ er vor der Vertagung dem Ministerpräsidenten Fortis und dem Präsidenten der Kammer Marcora den Dank des Hauses ausspretbb Der Ministervräfident schloß sich namens der Regierung der Kuni- gebung für Marcora an. Dieser sprach seinen Dank uiii) diLHoi“ nung aus, daß Nube und Frieden bald wiebrrbergesteüt 1ern unddlk ausständigen Babnbeamien zur Ueberzeugung kommen _wurden, da, die Kammer ihren berechtigten Ansprüchen gegenüber nicht tczybskk Marcora schloß mit einer begeistert aufgenommenen Huldigung ""de König und die Königin. Sodann vertagte fich die Kammer zum 11. Mai. Schiveiz.
Der Bundesrat hat, dem „W. T. B.“ zllf0„lgk- ““ schweizerische Delegierte der am 8. Mai in Bern beginnende! internationalen Arbeiterschußkonferenz die folgend- .Herren bezeichnet: . VundeSrat Dr. Deucher-Bkrn- Kaufmann, Abteilungschef beim schweizerischen JÜÖUM departement, Bern, AltbundeSrat Emil _ Frkllc-éBkM den Präsidenten des Nationalrats Schoktp_§ikk;»UzW den Nationalrat Heinrich Scherer, Praiantk" m internationalen Vereint ung für gesetzlichen A_rinitersch"s.on St. Gallen, den Indquiellen Jules Vauiier-(Z'YLUNW/ Snz- Schiri bier, Präsrbenten des schweizerischen FWW“; WWW und Zwirnervereins in Z"rick), und den Mkr» in Otto Lang, Präsidentendes schweizerischen Arbeitxxbim or?" Zürich. Den_Dclegierten werden schweizerische FabriklkU-Wk1 als Sachverständige beigegeben,
Niederlande. _ Auf-
Der niederländisch:deutsche Ausichukz „zar *An- hebung der Schwicrigkeiten der gleichzkllngUfo, wendung der niederländischen und deutjibkkYYZ versicherunngescße wird, wie „W. T. V;“ M*), ,t z], 26. April im „Haag taqen. Die deutsche ngchunZZürmt- ihren Delegierten den GebcimenOberregicrnngswt «er. aso ling und den Professor Dr. Laß vom Retch6versichkWnMchx ernannt, die niederländische Regierun den Direktor ZFUW“ versicherungsbankDr. Macalester oup und den “, im Ministerium des Auswärtigen Dr. Rochussen- “
ute wieiex “
nderungen an. „
Gesundheitsstand und Gang der
serbien.
el' rad meldet das Wiener „Telegr.-Korre p.-
AF 2 vxrlaute daselbst, daß eine yon emem serbis en BuriteL “gebildete- aus einem Major, zwei Hauptleuten, vier Kontknants zwölf Unteroffizieren und sechÉg Mnnn bestehende Leu dc a,m Sonntag Von Belgrad nach _ran 1a abgegangen Ba" m von dort in Alt-Serbien em ufallen. Der in haquj e w aß interniert? Bandenchef Di ß ko abe versucht, nacb KZ-Serbien zu flüchten, sei aber in Lapovo angehalten, nach
Kragujéwaß zurückgebracht worden und solle unter strengere
Kontrolle gestellt warben sein.
Amerika.
. “taatsde artement in Washington ist, wie
ZMB?“ berichtet? davon in Kenntnis geseßt m_orden, daß „ r'este'rn in Schanghai Verhandlungen rpegen eines neuen ;Tugtsch-chinesischen Vertrages, eingeleitet worden seien.
Der Kriegssekretär'Tafk bat itcb en„tsch_l0isen, nach der von ihm qeplanken Reise nach den Philippinen in Tokio einen offiziellen „Besuch _abzustattcn. Die Einzelheiten diescr BesuchSreise seien noch mcht festgestellt.
Der Gouverneur des Staates New York hat das Eeseß betreffend die Umsaßsteuer auf A„tien, unter: ejchnét, das bereits von der geseßgebenden Korp'er'schaft an- zenommkn ist. Durch das Gesetz„das 'am 1. Zum im Staate Ztew York in Kraft treten soll, „Wird eine Steuer von 2Cents auf je" 100 Dollars Nomrnalaktien festgeseßi. _
Die „Agenzia Stefani“ i_neldet atis Lima, dort sei, vor- gestern ein allqemeiner Schtedßgerrchtsvertrag zrvifchen Italien und Peru unterzeichnet worden.
Afieu.
Ein Telegramm des Generals Linewitsck) vom 18. d. M. an den Kaiser meldet, dem „W. T. BY“ zufolge:
Am 14. d. M. Morgens nabnx der, Feind in der Richtung arif eichimao und auf dem Wege Stummpao_Tachtchotsu die ffenfive wieder auf; gegen 5 Uhr Nachmittagsfbeseßten die Japaner
Padiatse und begannen ein Gewebrfeuer mit unserer Kavallerie, die einen Engpaß besetzte. Der Angriff des Feindes kam alsdann zum Stillstand. Am 14. beseßten die Japaner auch das Dorf Nansanchentse.
Xn Tokio ist amtlich bekanntgegeben worden: .
Éine japanische Streitmacht ist nach dem frznfzig Meilen östlich von Hsingchinq gelegenen Tunghua vorgeruckt" und hat,diesen Platz am 15. d. M. besetzt. Der Jeind hat sich in nordlicber Richtung zurückgezogen. Auf den anderen eilen des Kriegsschauplaßes ist keine Aenderung eingetreten.
Das „Reuterscbe Bureau“ meldet aus Tokio: obgleich dort keine direkten Nachrichten eingelaufen seien, nehme man an daß die baltische Flotte noch in der Bucht von Kamran oder in einem anderen Hafen von Annam liege und dort die Vereinigung mit dem dritten Geschwader abwarte. Pie Meldung, das; der Admiral Roschdjestwenskt) auf ber Hohe von Kamranl) kreuze und die neutrale Schiffahrt kontrolliere, erhöhe die Erregung gegen Frankreich, das dem Admiral erlaubt Habe, den Hafen von Kamrank) gls Stützpunkt für seine Operatibnen zu benußen. Dem „Daily Telegraph“ wird aus Tokio mitgeteilt, daß der fran- zösischen Regierung ein formeller Protest Japans ubermitteit moroen sci.
Aus Saigo 11 vom heutigen Tage wird der „Agence Havas/“Kbcrichtet, daß das russische Geschwader sich noch in der Kamranbbucht befinde. Dcr Admiral Jonquieres habe alle Maßregeln getroffen, um die Neutralität Frankreichs sicherzustellen.
Afrika.
Aus Tanger erfährt „W. T. B.“, das; Graf Tatten- bach aiif seiner Reise nach Fez von dem Obersten von Schenck, dem Major Freiherrn v on Senden und dem Haupt: mann von Kleist begleitet sein werde.
Nr. 16 der „Veröffentlichungen des Kaiserlichen GesandbeitSamts“ vom 19. Abril 1905 hat folgenden Inhalt: Volkskrankheiten. _ Zeitweilige
Maßregeln gegen Pest. _. DeSgl. gegen Cholera. _ Geseßgebung usw. (Deutiches Reich.) Arzneitaxe _ (Lpreußen) Säuglingssterblichkeit. “" Eisenbaxnbediensiete. _ Fleisch eschau. _ (Reg.-Bez. Marien- wekxk-k) Schlachtvieb- und Fleischbeschau. _ (Berlin.) Eingeführtes .lUsÖ- "' Nea.-Bcz. Posen.) Fleischbeschauer. _ (Rea.-Bez. *ldkshkkm) Schlacbtvieb- und Fleischbeschau. _ (Reg-Vez. Stade) LsL[-_ (Württemberg) Apotheken. _ Schußpockenimpfung. _ “ck) Todesursachen- 2c. Statistik. _ (Bremen.) Trichinen- sÜÜlek-? (Hamburg) Tierärzte. _ (Frankreich,) Arbeiterschlafräume. * (BUMM) Tuberkulinprobe. _ (Südamerika.) Sanitätsübereinkunft. * Tiklskucben in Rumänien, 4. Vierteljahr 1904. _ Zeitweilige Maß-
_ "LU" gegen Tierseuchen. (Preuß. Neg.-Bez. Sigmaringen; Aegypten.)
* Verhandlungen von geseßgebenden Körperschaften, Vereinen, Kon- qressen usw. (Preußen.) Staatshaushaltsetat für 1905. (Fort-
WUUJ) _ A anderung des Berggeseßes. _ Uebertragbare Krank- eiten. - (Frankreich.) 2. internationaler Kongreß für Milchwirt-
' [ckM- Vcrmischres. (China.) Gesundbeitéstand in Schanghai,
Kobember und Detember1904. _ Geschenkliste. _ Wochentabelle Zoek ble Sterbefälle in deutschen Orten mit 40 000 und mehr Ein- frohnsm- _ Desgleichen in größeren Städten des Auslandes. _ Er- danfangen in Krankenhäusern deutscher Großstädte. _ DeSgleichen in stkUkscben Stadt- und Landbexirken. _ Witterung. _ Grundwasser- CFM? uni“- Bodenwärme in Berlin und München, März. _ BLUME: mi? tllcbe Entscheidungen, betreffend den Verkehr mit Nahrungs- tk " (Pferde 2c., Hunde, HanSgeflügel, Wild).
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Statistik und Volkswirtsthaft.
31" Geschichte der Statistik in Brandenburg-Preußen.
], Das Köllißlkcb preußische Statistische Bureau kann demnächst auf
! ein buridertjäbriges Bestehen zurückblicken; denn am 28.Mai1805
unettirletckpnete ?riedrich Wilhelm lll. die KabinettSorder an das ein sktkcxlidirektor um und den StaatSminister Grafen von Hoym, die
aYstistbeg Bureau für den ganzen Bereich der Monarchie ins Leben Naiio ngeregt durch Li" Buch von Leopold Krug über den preußischen seinernFULÖLUm und durch den Staatsininister Freiherrn vom Stein in abrik Ufsassung bestärkt, befahl der König: ,bei dem Commercial- ieibenedn' und Accjstk-Departement, ivo es am zweckmäßigften und ohne ann jeKostkn nur mit einem geringen temporären Zuschuß Yscheben wenigenBIUkeau zu errichten, Worin alle bei den verschiedenen eparte- ministexznd Be[)ökkten des Generaldirektorii und des schlesischen Finanz- TabeUe um imxileichen bei den Spezialdepartemeuts efübrte statistikckpe sollen“n ve" niger UUd zu einem Ganzen earbeitet wet en * Lange vor Friedrich Wilhelm 111. hat man in Preußen
Statistik getrieben. Es ist das Verdienst eines kürzlich er. [ckienenen, gehaltvollen Buches 'von Otto Bebre, die Be- "trebunFen der älteren eit eingehend naehgewiesen zu baben.*) ' m e ten Abschnitt besch fiigt sich der Verfaffer mit der ältesten eit, auSgebend von den ermaniscben Stämmen zwischen Elbe und
eichsel, der slavischen roberuna. der deutschen Wiedereroberung und Kolonisation und dem ersten Bestande des märkischen Staats- wesens bis zum AuSgange des luxemburgischen Hauses. Der zweite Abschnitt umfaßt 'die Periode vom Eintritt der Hohenzollern in die Mark Brandenburg bis zum 30jäbriaen Kriege. Der dritte, nach Umxank; und Inhalt bedeutendste Abschnitt behandelt die Zeit vom 30j br aen Kriege bis zum Frieden von Tilsit. Dem Königlichen Statistischen Bureau und seiner Gründung ist der vierte Abschnitt gewidmet, und ein Rückblick und Vorblick schließt das glänzend aus- gestattete Werk ab.
Für die ältere Zeit fließen die Quellen nicht allzu reichlich, man ist da vielfach auf Zusammensteliun einzelner Mitteilungen anae- wiesen. Doch schon für das 14. Ja rbundert finden sich wertVolle amtliche Statistiken, wie das Landbucb der Neumark, das Markgraf Ludwig der Aeltere aus dem bayerischen Hause während seiner Regierung der Mark Brandenburg im Jahre 1337 hat auf- nehmen [affen -und das den Anhalt zu einer zablenmäßigen Feststellung der Bevölkerung auf miirkiscbem Boden ge- wabrt _ nacb ibm würde für die Neumark ohne die Städte i. J. 1337 eine Bevölkerung von 60 000 Seelen ergeben, und es würden 250 Köpfe auf die Quadratmeile, 4,5 auf 1 qkm ent- fallen _, und das Landbucl) Kaiser Karls 17. von 1375, das einen vortrefflichen Ueberblick über den Umfang und die Einteilung, die Steuerkraft und die Verschuldung- der Mark Brandenburg gewäbrt.
Alsbald nach dem Eintritt der Hohenzollern in die Mark Brandenburg traten zwei Momente bes Staatslebens scharf in den Vordergrund: die Militärfrage und dre Finanzen. Zwei Matrikeln über die Kriegssiärke des Deutschen Reichs lassen den Anteil Branden- burgs daran erkennen; er betrug noch im 16. Jahrhundert nur 1,8 v. H. Den Finanzen War eine rasche und erfreuliche Ent- wickelung beschieden. Die unter tätiger Mitwirkung Friedrichs 1. angebahnte Reichssteuerreform scheiterte zwar an der allgemeinen Opposition der Stände; aber die Aufgabe, zu deren Lösung sich das Reich als unfähig erwiesen batte, löste der Einzelstaat. Mark raf Albrecht Achilles war der erste Landesherr, der, den Grund zu e ner modernen Finanzstatisiik legend, eine Art von Voranschlägen und Wirt- scbaftßübersiibten anfertigen ließsowie eine auf direkt für den Landesherrn erhobenen Abgaben beruhende geordnete Finanzwerfassung besaß. Seinem Finanzminister ist ein Grundkatasier der Mittelmark zu verdanken, das durcb sein Alter nichts an Wert eingebüßt hat. Die Verwendung statistischer.Nachweisungen zur Begründung Von Steuervorlagen tritt zum ersten Male während der ReYierung Joachims ll. bewor. Der Kurfürstlicbe Rat Thomas Mattl) as bediente sich ihrer auf dem wichtigen Landtage von 1563, um die Notwendigkeit einer anderweiten Steuerverteilung zwischen Stadt und Land und einer stärkeren Heranziehung des beweglichen _Vermögens, des Luxus und Verkehrs zu den Steuern zu erweiien. Eine Schäßung des Wertes des Jmmobiliar- und Mobiliarvermögens, ab eseben von dem der Ritter- schaft, und der Kirche, ergab 9T Mi ionen Gulden, von denen 5,Mtllionen auf die Städte entfielen. Von nun an bedingten das Fmanzinteresse und andere wirtschaftliche Probleme immer regel- mäßiger wiederkehrende Aufnahmen, die auch der 30jährige Krieg nur vorübergehend zu unterbrechen vermochte.
Auf die Entwickelung der Statistik in Brandenburg War der zu Münster geschlossene Religionsfrieden von Weit- aebendem Einflusse. Mit dem Uebergange der Vorherrschaft im nördlichen und protestantischen Deutschland von chbsen auf Brandenburg strömten viele Talente deutscher Kunit und Wissen- schaft dem brandenburgiscben Staate zu, darunter Manner, die als Bahnbreckper der Statistik zu bezeichnen sind. Neben Kurt Bertram von Pbul, der als erster seinem Landesherrn den Plan einer aus- führlickyen Verwaltungsstatisiik vorlegte, ragt Veit Ludwig von Secken- dorff hervor, der erste Kanzler der Universität Halle. In einem seiner Zeit weit verbreiteten Buche unternahm er (1670) zum ersten Male in Deutschland den Versuch, die „Beschreibung eines Landes und Fürstentums inSgemein und nach seiner sichtbaren und äußerlichen Beschaffenheit“ zu geben und den Wert statistischer Tabellen für die Staatsverivaltung zu beweisen. Seckendorff Vertrat das System einer staatlichen 5Yiflege der Volksbermebrung; da er auch in seinen Ansichten über den atzen der Akzijeeinricbtung, wie er sie in den hochentwickelten Niederlanden studiert hatte, mit dem Kurfürsten Friedrich Wilhelm übereinstimmte, werden „vermutlich seine Lehren auf die fich entwickelnde, mit den Steuereinrichtunaen eng Verbundene Bebölkerungsstatistik Einflu'ß ebabt haben. Bestimmt wissen wir dies yon dem großen Philo opZen Leibniz, der auI einem Feinde zu einem Bewunderer des aufstrebenden brandenburgtscken Staats und ständiger Gast am Berliner Hofe geworden war., Er wußte die Be- deutung der Statistik für die Staatsökonom1e so klar zu er- weisen, daß es nur eines ürsien bedurfte, der bereit war, Leibnizens Theorien in die raxis zu überführen. Ueberzeugt, daß die Volkswirtschaftslebre die wichtigste unter den Staatßwiäsen-
schaften sei, bezeichnete er als Volkswirtschaftlicbe Grundwi en- scbaft die Statistik, da sie dem Fürsten in kurzer Zeit einen Ueber lick über alle Staatskräfte zu eben imstande sei. Tatsachlich sind die von Leibniz auSgedachten „ inanzbüchlem“ mit ihren Rechnungs- abschlüssen der Staats- und Provinzialkaffcn, ibren Zahlen über Stand, Bewegung und Beruf der Bevölkerung, ibrenAngaben über den Viebstand u. a. m. sämtlichen preußischen Königen bis auf Friedrich Wilhelm lll. ein Ratgeber bei ihren Besichtigungßreisentim Lande gewesen. Eine besondere Sorgfalt widmete Leibniz tn seiner Schrift .Anti-Jakobit“ der Landwirtscbaft, die von ihm als Bafis der Nation bezeichnet wird, ähnlich wie Wurzel und Stainm die Basis des Baumes seien. Der Getreidebau war in Ostpreußen und Pommern der weitaus wichtigste Produktionszweig, und, auch den übrigen Provinzen bot der Getreidebandel fast das einzige Mittel, Geld ins Land zu ziehen. Gleichwohl bekämpfte Leibniz die von dem englischen Nationalökonomen William Petty vertretene Ansicht, das; aller materielle Reichtum seine Entstehung allein dem Grund und Boden verdanke, als einseitig und vertrat den Standpunkt,_ daf; Acker- bau, Gewerbe und Handel gleichwertig seien. Aus alledem erklart sich, daß Mei anscheinend so verschiedene Naturen, wie der große Philosoph und der „größte innere König“, auf volkswirtschaftlichem und besonders statistischem Gebiete geistesverwandt waren. Mit dem Instinkte des praktischen Genies ergriff der König das, was Tbomafius, Leibniz, was die ersten Juristen und Kameralisien der Zett lehrten, um, es weiter aussubilden und praktisch durchzuführen. In alle Einzelheiten der Verwaltung, in alle Preis- und Wirtschaftsverbaltntsse eingeweiht, eßte Friedrich Wilhelm 1. nicht nur jene Umwälzung der inneren erwaltung, als deren cbarakteristisches Merkmal eine ]trenge Zentra- lisation und eine gutgegliedette Verwaltungsskntisttk berdortritt, sondern auch eine von neuen Gesichtspunkten beherrschte, systematisch betriebeneFinanzpolitik durch. * , Zur erwirklicbung dieses Programms war_in erster Linie eine starke Staatögewalt auf der (Grundlage einer tucbtigen Armee und einer geordneten inneren Verwaltung erforderlich; beides ,aber war nicht ohne eine blühende Haushaltung und viel Geld zu erzielen, und dies se te wiederum eine Entwickelung und Steigerung, der inneren Produ tivkräfte, der menschlichen Arbeit und des BtnnenVerkehrs, voraus. Durch Ueberführunq aller Truppen, auch der Kavallerie, nach den Städten, bei leichzeitiger Verwandlung der bisherigen Naturalverpfiegung in ene Geldzahlung, suchte der Konig die städtischen Steuerkassen zu füllen, und durch eine gesunde Ge- treidspolitik, durch Hochbaltung der „prerju reram“: sor te er dafür, daß die Domänenpäcbter und Bauern zahlungsfabig lieben.
*) Geschichte der Statistik in Brandenburg- reußen bis zur Gründung des Königli en Statistischen ureaus. Von Otto Bebre. )(71 und 468 eiten. Berlin, KarlHeymanns Verlag. Preis 20 „kt '
.Wenn daneben Manuxakiuren, hauptsächlich für Tm?- und Wollen- waren überall mit Er olg eingerichtet werden“, schreb er an den Thronfolger, „alsdann werket Ihr sehen, wie Eure Revenüen zu- nehmen werden und Eure Lande in floriffante Stande kommen., Früher schickten wir das Geld außer Landes und iso kommt aus anderen Ländern Geli) im Lande. Ergo Manufakturen ein recht Bergwerk geheißen werden kann und ein rechter USMUJ rSrum Ksrenäaruw ist. Ein Land sonder Manufakturen ist ein menschlicher
örper sonder Leben, ergo ein totes Land, das beständig power und elendig ist und nicht zum Florleiner Tage nichtgelangen kann.“ Auch der Vermehrung der Untertanen se nes Staatxs und damit der Bevölkerungs- statisjik widmete der König besondere Sorgfalt. Entgegen der An- sicht des großen Halleschen Juristen J. P. Ludewig (1670-1743), der durchaus nicht fur Bevölkerungsdiäptigkeit schwärmte und es als eine „mächtige Beschwerimg' bezeichnete, Wenn ein Land mit über- flüssigen Menschen angefulik sei, bekannte sich der König zu der volle- wirtjcbaftlicben Ansicht Christian Wolfs. die ?auptmittel der Volks- vermebruna darin zu suchen, daß jeder Mann rübzeiiig in den Stand komme, Weib und Kinder zu ernähren, und durch Einrichtung guter Anstalten im Lande Fremde anzulocken. Darum Verlangte der König an„_ber Hand einer Prozeßsiatistik, daß jedermann sein Recht gleich- maßig und so schnell wie möglich erlange; darum räumte er alles aus dem Wege, was die Menschen am Heiraten bindern könnte, orbnete durch Gesetz an, das; die Landleute *mit 25 Jahren betraten sollten, und zog durcb Zusicherung der Freiheit von Steuern, Kriegsdiensten und Einquartierung, der Abzugsfreibeit oder der un- entgeltlichen Aufnahme in Bürger- und Zunftrecbte Fremde ins Land. Auch entsprach es der Stellung des Königs als Hauptes der preußischen Protestanten, daß er alle um ihres Glaubens willen Bedrängten zur Uebersiedelung in ,seme Staaten einlud. Ueber den Erfolg aÜer dieser ebenso Weiien wie bochberzigen Maßnahmen liegen seit dem Jabre 1723 statistische Angaben bor.
In dem Maße, wie die Ansicht immer allgemeinere Geltung erlangte, „daß Volkaenge das erste und unentbehrlichste Datum von jedes Landes Statistik sei und daß der Fürst über seine Bürger, als uber sein"teuerstes Kapital, Jahr aus Jahr ein Bach und Rechnung fuhren musse“, _rvuchs die Zahl der Tabellen und die Genauigkeit, mit der siekan „efertigt wiirden. Wenn trotz der FüÜe der über städtische uni) landiche Verhaltnisse erhobenen Nachrichten so wenige Nach- tvetsungen erhalten sind, so ist dies nur aus dem Umstande zu erklären, daß handschriftliches Aktenmaterial aus jener Zeit massenhaft vernichtet worden ist, einer allgemeinen Ver- breitung statistischer Nachrichten durch den Druck aber die damals beobachtete Scheu Vor der Oeffentlichkeit entgegensiand. Bezeickonend hierfür ist die Tatsache, daß 1713 und 1714 auf Grund eines König- lichernVerbotZ in Berlin keine Zeitungen gedruckt worden find. Bei derartigen Anschauungen mochte eine zu des Königs Ohren kommende Beschwerde über unzulässiges Eindringen in FamilienberbältniTe genügen, um die seit Jahren geübte Veröffentlichung der Na weisung der in der Kurmark getrauten, geborenen und gestorbenen Personen in den ZnteÜigenzblättern zu untersagen und damit zugleich die Aufsiellitng dieser wichtigen Tabellen von 1732 bis 1747 zu unterbrechen. Bis zum Jahre 1775, in dem Scblözer begann, staatliche Tatsachen in einer in vielen Tausenden von Exemplaren ge- lesenen Zeitschrift zu veröffentlichen, lag ein allgemeiner (Geist der Verschwiegenheit über allen öffentlichen Angelegenheiten Prenszens, der ein Bekanntwerden der durch die Statistik ermittelten Fortschritte auf dem Gebiete des Staats: und Volkslebens verhinderte. So boliiog fich das wirtschaftlicbe Gedeihen des aufstrebenden Staates gleichsam hinter einem Schleier und offenbarte sich nur dem Kundigen. Während Friedrich Wilhelm [. die große Aufgabe löste, ein üppiges Volk sparsam, einen Verschiildeten Staat reich zu machen und jenes Heer zu schaffen, dessen beide Grundpfeiler ein nie schwankender, auf ritterlicher Ehre beruhender Charakter des Offiziers und ein unerschütterlicher Gehorsam des ge.- meinen Mannes waren, kannte Europa nur des Königs Vorliebe für große Soldaten, hielt ihn für geizig, weil er Geld in den Schat3 [ÖRK und blickte mit Geringschäßung auf das preußische Land und
o .
Ein zweiter Artikel wird der Geschichte der Statistik in Preußen vom Beginne der Regierung Friedrichs des Großen an gewidmet sein.)
Zur Arbeiterbewegung.
Die Brauereiausfperrung in Cöln (vergl. Nr. 89 5. Bl.) droht nach der „Frkf. Ztg.“ einen nroßen Umiang anzunehmen. Während einerseits die christlichen Organisationen erklarten, sich dem Boykott nicht anzuschließen, fordert das „ Duisburger (GewerksckIaftskartell die Fünfcrkommission aui, alsbald eine Beschlußfassung berbeizufübren, ob nicht die Aussperrung der organisierten Arbeiter, die Kündigung resp. die soi-xrttge Arbeits- niederlegunq aller yon der Aussperrung noch nicht betroffenen Brauereiarbeiter herbeizuführen sei. Die Verhandlungen mit kern BoykottVerband der rheinikch - Westfälischen Brauereien beginnen sofort. Es sollen keinerlei Konzessionen gemacht werden. _ Der Ausstand der Maler und Anstreicher sowie der Schneider- gebilfen in Cöln (Vgl. Nr. 70 u. 80 d. Bl.) scheint demselben Blattc zufolge mit einem Siege der Ausständigen zu enden. Bei den Anstreichern haben 102 Unternehmer den 520 Gehilfen die Forderungen bewilligt. 390 Gehilfen find abgereist, nur [60 befinden sick) noch im Aussiande. Bei den streikenden Schneidern be- willigten 70 Geschäfte und Meister mit etwa 500 _„Gebttfen die Forderungen. 200 smd abgereist, im Außttand befinden 111) noch etwa 250 Gehilfen. „ ,
In Düsseldorf sind, wie die „'Wir-Westf. Ztg.“ mitteilt, gestern morgen die Brauereiarbeiter in samtlichen dortigen Großbrauereien in den Ausstand grireten. _
Zur Lobnbewegung der Schneider in Aachen erfahrt, das- selbe Blatt, daß dort am Dienstag eine gemeinsame Sitzung der Lohnkommission der Arbeitgeber und Arbeitnehmer statt- gefunden hat. Der von den Gehilfen geforderte, Tarif wurde von den anwesenden Arbeitgebern gutgeheißen und isi _schon Von einer Anzahl Arbeitgebern unterzeichnet worden. Die Gehilfen Forbern in der Hauptsache einen Wochenlobn von 27 .,“ bei zehnstundiger Arbeitszeit, für junge Gehilfen ein Jahr nach beendeter Lehrzeit 15 „M; für Stückarbeit 50 45 Stundenlohn. _ "
In Hamburg sind, der „Frki. ZtJ.“ zufolge, gegenwartig etwa 10000 Arbeiter in einer obnbewegung ' begriffen. Es handelt fich Vorläufig um die Transportarbetter Ver- schiedener Art, wie Schauerleute, Kutscher" usw. (Vgl. Nr. 91, d. Bl.), ferner Tischler und Holzarbeiter, Backergesellen, Gießerei- arbeiter, Landschafthärtner und Marmoxarbeiter. Jm Streik beßnden sich bisher nur die Landschaftögartner. In den anderen Arbeitözweigen dauern die Unterbandlungen fort. '
In Dresden haben nach der „Koln. Ztg.“ die Backer- gesellen in einer am Dienstag abgehaltenen Versammlung den Beschluß gefaßt, sofort in den Ausstand zu treten. Eine am Montag vor dem Gewerbegericht in dcr Lobnfrage verfuchte Einigung war nicht zustande gekommen.
Die Unruhen, die gele entlich des Ausstandes ,der Porzellan- arbeiter in Limoges ?tattfanden, haben sich bisher nicht wieder- bolt. Bei dem Begräbnis des am Montag getöteten Arbeiters folgten, wie „W. T. V.“ meldet, etwa 15000 Personen dem Letchenwagem Der Bürgermeister, die Munizipalräte und mehrere Deputterte gingen mit der Familie des Toten im Trauerzuge (vgl. Nr. 94 d. Bl.).
Zum Ausstand der Eisenbabnangestellten in Italien (bgl- Nr. 94 5. Bl.) erfährt „W. T. B.“, daß Nachrichten aus ver- schiedenen rovinzen übereinstimmend berichten, daß die Verkehrxßver- hältnisse si allenthalben bessern, auf einzelnen Strecken sogar schon v_öllig normal find. Die Blätter stellen fest, daß der Auxsiand vollstandig mißglückt ist, und heben hervor,“.daß dies die Folge der entschlossenen
Haltung der Regierung, der Besonnenheit der Kammer und der all- emeinen Mißbilligung des Ausstandes durch die Bevölkerung Zei Die Etsenbabngesellschaffen haben auf allen Bahnhöfen