Der Geldbetrag drr etwa fehlenden unentgeltlich abzuliefernden Y_ilnsscbeine wird an dim Kapitalbetrag der Obligationen abge-
ten.
Soll die Einlösun von dergieicben Obligationen rveder bei dem vorgenannten Bankhau e, noch bei dcr Köni lichen Regierungs-Harsxet- kaffe hier oder der Königlichen Kreiska e in Frankfurt a. _., ondern bei einer der anderen Kassen bewirkt wsrden_1o find die
treffenden Obligationen nebst Zinsscbeinen durch_d1ese “affe vor der AUSzablung an den Unterzeichneten zur Prüfung emzysenden, weshalb diese Schuldverscbreibungen einige Zeit vor dcm Ruckzahlungstermin eingereicht werden können. Rückständig sind noch: aus den Verloosungén
pro 1. Dezember 1857: 4. 124.
pro 1. Dezember 1873: 1). 135.
pro 1. Dezember 1881: 13. 434.
687 1. Dezember 1882: 13, 284, (3. 24 219 438 609, 1). 202 376 .
pro 1. Dezember 1883: 8. 68 272, 13. 268 285 442, 0. 388 403 529, 1). 105 272 282 340 377 429 478 614 674.
Wiesbaden, den 7. August 1884. _
Der Regierungs-Prasident. v o n Wu rmb.
Yichtamtliehes. Deutsches Reich.
Preußen. Berlin, 2. September. Se. Majestät der Kaiser und König sind gestern von Schloß Babelsberg nach Berlin gekommen und hörteii die Vorträge des Civil- kabinets. Danach nahmen Se. Majestät die Meldungen des General-Adjutanten Grafen Brandenburg 11. und des General-Lieutenants von Leszczynski entgegrn.
Heute begaben Se. Majestät Alierhöchstsicb zur Abhaltung der Großen Herbst-Parade iiber die Truppen des (Harde-Corps nach dem Tempelhofer Felde.
_ Ihre Majestät die Kaiserin und Königin besuchte gestern auf der Fahrt von Babelsberg nach Berlin das Augusta-Hospitai und wohnt? heUte in Begleitung Ihrer Königlichen Hoheit der Prinzessin Christian zu Schlesw1g- Holstein der Parade bei.
_ Se. Kaiserliche und Königliche Hoheit der Kronprinz nahm gestern im Laufe desVormittags Vor- träge und Meldungen entgegen und empfing den General- Adjutanten, General der Kavalierie Grafen von Brandenburg U., den großbritannischen Oberst-Lieutenant Swaine und sodann den Hauptmann von Engelbrecht, militärischer Attaché bei der ** otschaft in Rom. Um 1 Uhr begab Höchstderselbe Sich nach Potsdam und kehrte um 4 Uhr hierher ziirück. Das Diner nahm Se.Kaiser iche Hoheit bei Ihren Majestäten ein. Abends empfing der Kronprinz den aus Rußland zuriick- gekehrten General-Lieutenant von Leszczynski, wohnte sodann der Vorsteliung im Deutschen Theater bei und folgte einer Einladung Ihrer Majestäten zum Thee.
_ Die diesjährige große Herbst-Varade über die Truppen der Berliner, Potsdamer und Spandauer Garnison, sowie über das Kadetten-Corps in Groß-Lichterfelde fand heute Vormittag 101/2 Uhr auf dem Tempelhofer Felde vor Sr. Majestät dem Kaiser und König in Anwesenheit Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin, Sr. Kaiserlichen und Königlichen Hoheit des Kronprinzen, Ihrer Königlichen Hoheiten der Prinzen Wilhelm und Heinrich, des Prinzen Arnulf von Bayern, der Erbprinzessin von Sachsen-Meiningen, der Prinzessin Christian zu Schleswig-Holstein und anderer Hoher Fiirstlichkeiten statt.
Die Truppen waren im Varade-Anzuge mit Gepäck, die Fußtruppen in weißen Beinkleidern, das 1. Garde-Regiment z. F. mit Grenadier-Miißen erschienen und so zeitig ausheriickt, daß sie 20 Minuten vor Beginn der Parade zum Einrücken in das durch Täfelchen bezeichnete Alignement bereit standen.
Die Parade befehligte der kommandirende General des Garde-Corps, General der Infanterie von Pape.
Die gesammte Parade-Aufsteliung erfolgte in zwei Treffen. Das 1. Treffen kommandirte der General-Lieutenant von Kleist, Commandeur der 1. Garde-Jnfanterie-Division; das 2. Treffen der General-Lieutenant von Winterfeld, Commandeur der Garde-Kavallerie-Division.
Im ersten Treffen hatten auf dem rechten Flügel die Leibgensd'armerie und die Stäbe Aufstellung genommen; dann folgten die 1. Garde-Infanterie-Brigade unter Kommando des Oberst yon Lettow, Commandeur des 4. Garde-Regiments z. F., bestehend aus dem Kadetten=C0rps, dem 1. (Harde-Regimcnt 3. F„ dem 3. Garde-Regiment z. F., dem Lehr-Jnfanterie-Vataiiion, der Unteroffizierfchule Potsdam und dem (Harde-Jäger-Ba- tailion; die 2. Garde-Jnfanterie-Brigade, kommandirt von dem *General-Major von Derenthali, General ck 13 Juin? Sr. Ma- jestät des Kaisers und Königs , gebildet aus dem 2. Garde-Regiment z. F. und dem Garde-Füfilier-Negiment; .die 3. Garde-Jnfanterie-Vrigade unter dem Befehl des General- Majors von Wißmann, bestehend aus dem Kaiser Alexander (Harde-Grenadier-Regiment Nr. 1, dem 3. Garde-Grenadier- Regiment Königin Elisabeth und dem Garde-Schiißen- Bataiiion; die kombinirte (Harde - Infanterie = Brigade unter Kommando des Commandeurs der 4. Garde- Jnfanterie-Brigade, General-Majors Grafen von Noon, Zebildet aus dem Kaiser Franz Garde-Grenadier-Regimeni
ir. 2 und dsm 4. Garde-Regiment J. F., sowie die kombinirte
Brigade, befehligt vom Inspecteur der 1. Jngenieur-Jnspektion, General-Major von Adler, bestehend aus dem Garde-Fuß- Artillerie-Regiment, dem Garde-Pionier-Batailion, demEisen- bahn =Reziment und der Lehr -Compagnie der Artillerie: Schießschule. _
Im zweiten Treffen befanden sich: die 1. Garde-Kavalierie- Brigade unter Kommando des General-Majors Grafen von Alten, General & ja suits Sr. Majestät des Kaisers und Königs, bestehend aus dem Regimenrder Gardes du Corps und dem (Harde-KÜrassier-Regiment;_ die 2. (Harde-Kavallerie- Brigade, befehligt vom Generql-Major von Versen, bestehend aus dem Garde-Husaren-Negiment, dem 1. Garde-Ulanen- Regiment und dem 3. Garde-Ulanen=Regiment; die 3.Garde- Kavallerie-Brigade unter Sr. Durchlaucht dem Obersten Prinzen Friedrich von Hohenzoliern, bestehend aus dem ]. Garde-
ragoner-Regiment, dem 2. Garde-Ularzen-Regirnent_ und dem 2. Garde-Dragoner-Regiment, und schließlich die Artillerie und der Train unter dem Befehl des Commandeurs der Garde-Feld-Artillerie-Brigade, General-Ma10rs von Körber,
befiehend aus dem 1. Garde:Feld-Artillerie-Regiment, dem 2. Garderld-Artilierie-Regiment, der Lebr-Bgtterie der ArtilieriGSchießschule und dem Garde-Train-Batailion._
Die Aufsteliung war im erstexi Treffen bei den Batailionen in Compagniefront-Kolonne, bei der_ Lehr-Compagnie der Artillerie-Schießschule in Zug-Kolonne; im zweiten Treffsn bin der Kavalierie in Kolonne in Escadrons, bei der Feld-Artillcrie und dem Train in Linie. __ __ _
Bei dem Erscheinen Sr. ngesiäi des Kaners und Kontgs wurden die Honneurs zuerst gleichzeitig von der anzen Pa: rade erwiesen; während des Abreitens der AZiiste _ung durch Se. Majestät ipurde demnächst brigadeweise präsentirt. Das zweite Treffen wurde, nachdem das erste vom rechten Flügel aus abgeritten war, vom linken Flügel aus besichtigt.
Nach dem Abreiten der Fronten folgte der Parademarsch, welcher zweimal ausgeführt wurde, und zwar von den Truppen- theilen des ersten Treffens in Compagniefront,_ von der Kavallerie in EScadronsfront mit halber Distance i_m Schritt, von der Artilierie in Batteriefront und vom Tram in Zügen gleichfalls im Schritt. _ _
Bei dem zweiten Vorbeimarsch defilirten dre Truppen des 1. Treffens in Regiments-Kolonne , ausschließlich des Lehr-Jnfanterie-Batailions, des Garde-Jäqer:Bataillons, des Garde-SchiiizewBataillons und der Unteroffizierschule Potsdam, welche in Compagniefront=Kolonne marschirten. _ Das EisenbahwRegiment und das Garde-Pionier-Vataiilon bildeten hierbei eine Regiments-Kolonne; das KadettewCorpS und die Lehr-Conipagme der NrtiÜerie-Schießschule nahmen an diesezn Vorbeimarsch nicht Theil. Die Kavallerie defilirte m Escadronsfront, die Artillerie in Abtheilungsfront; die Lehr- Vatterie der Artillerie=Schießschuie fiir sich hinter der 2. Ab- theilung des 2. Garde-Feld:ArtiUerie-Regiments, der Tram m Compagniefront, sämmtlich im Trabe.
Nach Beendigung der Parade formirten sich die _Truppen- theile zum Abmarsch und rückten demnächst unter klingendem Spiel in ihre Quartiere ab.
Die Fahnen, welche durch die Leib-Compagnie des 1. Garde-Regiments 3. F., und die Standarte", welche durch eine Escadron des Regiments der Gardes du Corps aus dem Königlichen Palais abgehoit worden waren, wurden nach beendigter Parade wieder dorthin zurückgebracht.
Das Parade-Diner fand hxute Nachmittag 33/4 Uhr im Weißen Saale und in den angrenzenden Gemächern des Königlichen Schlosses statt. Die Tafelmusik wurde von der Kapeiie des Kaiser Franz Garde-Grenadier-Regiments Nr._ 2 gestellt. _ Abends findet eins Militär-Vorsteliung im König- lichen Opernhause statt.
_ Zur Feier des Tages von Sedan hat die Hauptstadt ein festliches Kleid angelegt; die Hauptstraßen prangen im reichen Schmuck wehender Fahnen und Flaggen und sind von einer froh bewegten Menschenmenge erfülit. Kriegervereine und patriotische Geselifchasten haben zahlreiche festliche Zu- sammenkünfte veranstaltet. _ __
Mittags 12 Uhr ließ in herkömmlicher Weise em Munk- corps von der Plattform des Rathhaufes herab seine Weisen ertönen. In den Theatern finden zur Feier des Tages Fest- vorsteliungen statt. Die Erleuchtung des Rathhauies fehlt auch diesmal nicht in der Reihe der an diesem Tage herkömm- lichen festlichen Veranstaltungen.
_ Der General-Lieulenant Wiebe, Jnspectcur der 1. Fuß-Artilierie-Inspektion, ist von den Schieß: und Armirungs-Uebungen der zur Inspektion gehörigcn Truppen- theile hierher zurückgekehrt.
_ Das „Marine-Ver.:Bl.“ veröffentlicht folgende Nach- richten über Schiffsbewe ungen (das Datum vor dem Orte bedeutet Ankunft daselb t, nach dem Orte Abgang von dort). S. M. Knbt. „Albatroß“ 29/3. Valparaiso 13/4. _ 30./5. Apia 3/6. _ 12/6. Noumea 14._/6. _ 24/6. Sidney. _ Beabsichtigte am 1./8. nach Avia zu gehen. (Post- station: Sidney [Australien].) S. M. S. „Ariadne“ Wil- helmshaven 19/8. _ 19/8. Schillig Rhede 20/8. _ 26/8. Wilhilmshaven. (Poststation: Wilhelmshaven.) S.M.Knbt. „Cyclop“ 28./8. Wilhclmshaven 29/8. (Poftstation:Wilhelms: haben.) SM. Knbt. „Drache“ 14./6.Wilhelmshaven 27./6. _ Letzte Nachricht aus Bremerhaven 13. /8. (Poststation: Cuxhaven.) S. M. S. „Elisabeth“ 7/6. St. Vincent [Cap Verbs] 11/6. _ 16/6. FactoryZnsel [Los-Jnfrln] 22/6. _ 22/6. ?reetown 24/6. _ Angra Pequenna 7/8. _ 14/8. Kav- tadt 21/8. (Vosistation: Sidney [Australien]). S. M. S. „Freya“ 18/8. Plymouth 30./8. (Poststation: bis 10/9. Kiel, vom 11./9. bis 13/9. Swinemünde, vom 14/9. bis 21/9. Zoppot.) SM. S. „Hansa“ Kiel 11/8. _ 13/8. Kiel 18/8. _ 21/8. Kiel 25/8. _ 29/8. Kiel. (Poststation; Kiel.) S. M. Knbt. „Hhäne“ 22/5. Ayia 5/6. _ nach Neu- Britannien. (Poststation: Sidney [Australien].) S. M. Knbt. „Jltis“ 20/6. Foochow 25/6. _ Hongkong 20/7. _ 20/7. Canton. (Poststation: Hongkong.) S. M. S. „Lripzig“ 11/7. Simonstown 16/7. _ Angra Pequenna 7/8. (Poststation: bis 11/9. St. Vincent [Cap Verbs], vom 12/9. ab Plymouth.) S. M. Av. „Loreley“ 4/8. Bujukdere 25/8. _ 27./8.Galah. (Poststation: Galaß.) S. M. S. „Marie“ 19/5. Caliao 24/6. _ 29/6. Rhidr Payta 30./6. _ 1/7. Guayaquil Bay 2/7. _ 2/7. Rhede Puna 3/7. _ 3/7. Guayaquil 9/7. _ 22/7. Punta Arena (Costa=Nica) 23/7. _ nach Corinto (Nicaragua). (Post- station: Panama.) S. M. Knbt. „Möwe“ 16/6. Factory- Jnsel (Los:Jnseln) 24/6. _ 24/6. Sierra Leone 26/6. _ 28/6. Monrovia 28/6. (Poststation; Madeira,) S. M. Knbt. „Nautilus“ 16/5. Canton 17/6. _ 17/6. Hongkong 18/6. _ nach der Mirsbay znr Abhaltung der Schieß- iibung. _ 26/6. Hongkong 3/7. _ 3/7. Canton. (Post- station: Hongkong.) S. M. S. „Niobe“ 27/8. Eckern- förde. _ Beabsichtigte, am 9/9. wieder in See u gehen. (Poststation Kiel.) S. M. S. „Nymphe“ 2/8.
lymouth 14/8. (Poststation: bis 12/9. St. Vincent [Cap Verbs], vom 13/9. ab Bahia [Vrasilien]). S.M.S. „Prinz Adalbert“ 16/6. Kobe 29/6. _ 2/7. Yokohama 23/7. _ über Kobe und die Jnlandfeen nach Nagasaki. (Postsiaiion: Honkong. S. M. Trnsprtfrzg. „Rhein“ Kiel 8/8. _ 18/8. Kiel. ( oststation: Kiel.) S. M. Brigg „Rovcr“ 23/7. Swinxmünde. _ 13/8. Travemünde. _ 18/8. Neustadt in Holstein. __ 27./8. Sonderburg. _ 30./8. Eckernförde. (Post- station; bis 9/9. Eckernförde, vom 10/9. ab Kiel.) S. M. S. „_Sophie“ 28./7. Neustadt in Holstein 12 /8. _ 13/8. 51191 18/8. _ 24/8. Wilhelmshaven. (Poststation: bis 4/9. Wilhelmshaven, vom 5/9. bis 9/9. Kiel, vom 10./9. bis 13/9. Swmemiinde, vom 14 /9. bis 21/9. Zoppot.) S. M. S. „Stosch“ 16/6. Kobe 25/6. _ 27./6. Yokohama 22/7. _ iiber Kobe, Nagasaki nach Chefoo. (Poststation: Hongkong.)
S. M. Brigg „Undine“ 5/8. Neufahrwasser. _ 24/8. Zoppot. _ 26/8. Swinemünde 29/8. (Poßstation: bis 9/9. Eckernförde, vom 10/9. ab Kiel.) S. M. Knbt. „Wolf“ 3/7. Port Louis 10/7. _ 20/7. Port Natal 20/7. _ 25/7. Port Elisabeth 28./7. _ 31/7. Kapstadt 5/8. (Poststation: bis 11/9. St. Vincent [Cap VerdS], vom 12/9. ab Ply- mouth.)- Ucbungsgeschwader 15/8. Wilhelmshaven 18/8. _ zu Uebungszwecken. 26/8. Wilhelmshaven 30/8. (Post- station: bis 4./9. Wilhelmshaven, vom 5/9. bis 9/9. Kiel, vom 10/9. bis 13/9. Swinemünde, vom 14/9. bis 21/9. Zoppot). Panzerkanonenboots-Division 15./8. Wilhelmshaven 18/8. _ zu Uebungszwecken. 26/8. Wilhelmshaven 30/8. (Poststation: bis 4/9. Wilhelmshaven, vom 5./9.-bis 10/9. Kiel, vom 11/9. bis 21/9. Zoppot). Torpedoboots-Divifion 8/8. Wil- helmshaven 18/8. _ zu Uebungszwecken. 26/8. Wilhelms- haven. (Poststation: bis 4/9. Wilhelmshaven, vom 5/9. bis 10/9. Kiel, vom 11./9. bis 21 /9. Zoppot.)
Bremen, 31. August: (Wes. Ztg.) Der Senat theilt der Bürgerschaft den Bericht der Ausschüsse fiir Zoli- und Steuerwesen, für Handel und Verkehr und fiir Rechnungs- wesen über den Antrag Bremens, betreffend den Zoll- anschluß Bremens mit. In demselben heißt es:
Nachdem dir Berichterstatiung der im Jahre 1877 niedergese ten Deputation wegen der Freibafensteliung Bremens im Jahre 18 zu dem BeschluZe geführt hatte, von Weiteren Schritten zur Herbei- führung des oiianschluffes zur Zeit abzusehen, sah der Senat gegen Ende des genannten Jahres in Folge der Veränderten Situation sicb veranlaßt, dieser Frage von Neuem seine Aufmerksam- keit und Thätigkeit zuzuwenden. Er beauftragte zunächst, und zwar im Dezember 1880, die Behörde für Handel und Schiffahrt, Welck)? sich zu diesem Behufe mit der Handelskammer ins Benehmen schie, in Erwägung zu ziehen, welcbe Erleichterungen im Zoliverfabren und Welche bauliche Anlagen für dcn Fall einer Einbeziehung Bremens in das Zoligkbiet erforderlich sein würden. Sodann richtete er. da er inzwischen im Hinblick auf die damals weJen dds Anschlusses Hamburgs scbwkbendcn Verhandlungen die Ue erzeugung gewonnen hatte, daß es im Jntcreffe des Gemein- wesens geboten sei, auch bremischerseits mit der Reichsregierung cine Verständigung über die Freihafenfrage zu Versucbrn, unter dem 5. April 1881 einen Antrag an die Bürgerschaft auf Niederfeyung cines Vertrauensausscbuffes, um diesen über die Sachlage orientiren und mit ibm die etwa zu ergreifendcn Maßnabmrn beratben zu können. Die Bürgerschaft entsprach diesem Anfrage zur Dank- verpflichtung des Senats, und es mag gleich hicr bemerktpcrdep, daß der Senat bei allen Schritten, rvelcbe von ihm in dieser be- deutungßvolien Angelegenheit unternommen- worden sind, in vollem Einberständniffc mit diesem Ausschuffe gehandrit hat. _
Um cine Grundlage für die Lösung“ der Ansciolußfracie zu genun- nen, lag es nahe, vor der Einleitung eigentlicher Verband!ungen_den Wra cincr informatorischen Besprechung, wie er Hamburg gegenuber beliebt worden war, auch hinfichtlicb der für Bremen in Betracht kommenden Punkte zu beschreiten. Der Senat wandte sich, deshalb im April1881 an den Königlich preußischen Finanz-Mimster, als den mit Hamburg Verbandrlnden Kommissar drs Reichs, mit der der- iraulichen Anfrage, ob er, die Gutheißuna dcr ReichSrcgierung voraußgeseht, zu einer informatorischen Besprechung mit Bremen die Hand zu bieten und die dazu erforder- lichrn Technischen Kräfte zur Vcrfiigunq zu ftelierz geneigt set. Dieser Anregung wurde bereitwiiiigsi entsprochen und im Laufe _der Monate April und Mai 1881 Wurden die erwähnten Vorarbertxn unter Mitwirkung eines Dclegirten der Zolibertvaifung erledigt. Die- selben führten zu der.Ueberzeugung, daß es möglich sein i_verde, den Zoiianscbluß Bremens unter solchen Modalitäten zu _volizieben, daß einerseits den Anforderungen des Reich auf Sicherheit der “Zolierbe- bung, andererseits den (Erfordernissen des hier entwickelten andels- und Schiffahrtsverkebrs Rechnung getragen Werde. Auch durfte rrwartrt werden, daß das Reich, wie bei Hamburg, drffen mittlertveile fort- geschrittene Verhandlungen eine Verständigung in nabe Y_ussicbt stellten, so auch in Betreff Bremens bereit sein Werde, die rnit dem Ueberganße in das neue Verhältniß verknüpften Opfer und Kosten durch eincn Beitrag zu den letzteren zu erleichtern. Nachdem daber auf (Grund der informatorischen Besprechungen und unter Be- rück1chtigung der oben erwähntcn, auf die Aenderung der Zo regulative bczüalicben Arbeiten der Handelskammrr, nZeliiZe dem Vertrauensausscbuffe zur Kenntniß ebracbt waren , www der durch die Vermittelung dcr Gelber ekammer de_txi Senate zugängig gemachten Wünsche «Weiblicher Kreise die dicmcits anzu- strebenden Modalitäten festgestellt und von dem Vertrauensausschuffe gebilligt Worden waren, gab der Senat feinen Wunsck) auf Eröffnung förmlicbec Verhandlungen über die Modalitäten, unter welchen der ZannsÖluß Bremens zu erfolgen haben würde, zu erkennen. Nachdem dureh Umstände, auf WklÖL der Senat cine Einwirkung nicbt auszu- Übcn Vermocbte, die Einleitung solcher Verhandlungen fich langecmeit Verzögert hatte, stellte der Senat, nacb eincr mitdem Herrn Reichskanzler arpflogenen Corrcspondrnz, am 29. Miirz dieses Jahres an den BundeSratk) dyn Antrag auf eine kommisiariscbe Erörtergng "O_er An- aeiegenheit. Der Bundesraik) ermächtigte in Folge dcsien some zu- stän igen Ausschüsse, dis Modalitäten des Zolianscbluffcs Bremens mit bremiscköen Kommissarien zu erörtern, und es fanden zu dem Ende Verhandlunhrn, bei denen die oben erwähnten im Vizrtraucns- ausscbuffe sestgrsteliten Grundzüge den bremischen Kommiiiaircn als Richtschnur dienten, im Laufe der Monate Mai und Juni d. J. statt.
Das Ergkbniß dicser Erörterungen, Weiches sich der Sache nach als cine Verständigung zwischen den Ansicbüsirn dcs Bundesratbs und den bremischen K“ommis1aricn_darstellt, lirgt in dem anliegenden Anfrage der VundoSrathSausschüsie vor, und es steht nunxnebr zur Frage, ob die Bürgerschaft gewillt ist, dam Senate dic Ermachtigung zu i'rtheilcn, auf dieser Grundlage den in der Reich?;verfassung vor- gcschrnen formelicn Antrag auf Einbeziehung Bremens m das Zoll- gebict zu stellen. _
Der Senat nimmt keinen Anstand zu erklaren, daß er die Er- tbeilung dieser Ermäcbiigung im Stqatsintcreffe fiir grbotcn hält, und zweifelt nicht, daß auch dir Bürgerschaft bei eingsbender Er- wägung der Sachlage sich dieser Auffassung anschließen rvird.
Bei dieser Erwägung wird in Betracht zu ziehen sein, daß, nachdem die Reich§grwalten durch ihre Beschlüsse bezüglich Ham- burgs klar dokumentirt haben, daß die Einbeziehung der Hanse- städte in das Zoilgebiet als im Gesammtinicresie Deutschlands liegrnd zu erachten sei, (méi) Bremen der Pflicht, sich anzuschließen,
sich nicht entziehen darf, sofern dieser Anschluß ohne Schädigung drr
Lebc-nsintereffen unseres (Gemeintvesens gefcbc en kann. Maßgebend fiir die Entschließung, ob dem Anschlusses auf der vorliegenden Grund- lage zuzustimmen sei, wird daher lediglich die Erwägung sem kiinneii, ob die von den Bundesrathsaussckoüffen festgestellten Modalitäten geeignet sind, die Aufrechtbaltung und Weiterentwicklung der Handels- stellung „Bremens zu sichern.
Daß dies der Fall sei, ist die Ueberzeugung des Senats.
was die staatSrecbtliche Qualität des Freigebiets und die Zulassung der Exportindustrie in demselben betrifft. Allein diese Punkte werden nicht als solche bezeichnet werden können, welche die Zustimmung zu der Verständigung in Frage stelien müßten. Denn in der That dürften die gewahrten Bedingungen _ der Ausschluß des Hafenareals in Bremerhaven vom Zollgebiet, der Besih eines genügend großen Freibezirks bei der Stadt Bremen. Welcher nach wie vor die freie BewegunÉ der Schiffe und Waaren gestattet, der unbebinderte Durchgang des chiffsverkehrs bis Brenien, die Ucberiaffung der Zollberwaltung an Bremen, die usicbcruna einer
Revision der Regulative in Riicksicht auf die Bedürfni ie des bremischen ,-
HandclSverkehrs und die Gleichstellung mit Hamburg in dieser Beziehung _ in der That dürften dieseBedingungen die Möglichkeit,
Zwar * bleibt es zu bcdauern, das; nicht in allen Punkten die diesseits geltend grmacbten Wünsche Erfülluna Zefundcn haben _ wie insbesondere
den Handel Bremens auf der bisherigen Höhe zu halten, gewähr- leisten, während andererseits voraussichtlich manche Zweigeindustrielier Thätigkeit und des gewerblichen Kleinverkehrs durch'den Zollanscbluß gewinnen werden. . . .
Indem er annehmen darf, daß die Bürgerschaft mit der Ertbei- lung eines solchen Auftrags eventuell einverstanden“sein wird, bean- tragt der Senat: .Die Bürgerschaft one ibn ermäcbtiaen, für den Fail, daß der Bundesrat!) dem anliegenden Antrage der Bundeskatbs- aysscbüffe für Zoll- und Steuerwesen, für Handel und Verkehr und fur Rechnungswesen seine Zustimmung crtbeilt und unter dem Vor- behalte, da der Reichstag den vorgesehenen Reichbeitrag zu den dursb den ollanscblus; erwachsenden Kosten bewilligt, den Anschluß Bremcns an das Zollgebiet zu beantragen.“
Oxftexreich-Utigarn. Agram, 31. August. (Presse.) Der feier11che_Schluß des Landtages erfolgte heute um 10 Uhr Vormittags. Mihalovics überreichte dem Vize:Präsi- denten Horvat das Allerhöchste Reskript. Dasselbe lautet:
„Nachdem im Sinne des §. 2 dcs Gesehartikcls 11:1870 die dreijährige, mit dem Königlichen Reskript, (1. (1. 28. August 1881, auf den 27. September desselben Jahres einberufene LegiSlatur- Periode des Landtages der Königreiche Kroatien, Slawo- nien und Dalmatien zu Ende gebt, übermitteln Wir „Ihnen Unser _ Königliebes, an den genannten Landtag ge- richtetes Reskrtpt in Angelegenheit der Schließung und Auf- lösung des Landtages und ermächtigcn Sie gleichzeitig, Unser König- licsz Refkript in dem Landtage am 31. August 1884 zu beriefen und denielbexi in Unserem Namen als geschlossen und aufgelöst zu erklären. Gleichzeitig beauftrage ich Sie, für den nächsten Landtag im Sinne des Geseßes die neuen Wahlen außzuschreiben und bezüglich des Tages, an Welchem der neue Landtag einberufen werden soll. den ent- sprechenden Anjrag zu unterbreiten. Gegeben zu Wien, 22. August 1884. Franz Josef 111.1). Koloman Bedckovics 111.1). Graf Kbuen-
Hedcrvarv m. p.“
Best, 2. September. (W. T. B.) Der König und die Königin von Serbien sind mit dem Kronprinzen gestern Abend 101/2 Uhr hier eingetroffen. Der Zug hatte in Folge eines bei Semlin erlittenen Achsenbruchs eine längere Ver:
spätung.
Großbritannien und Irland. London, 30. August. (Alig- Corr.) Ju Woolwich ist man jetzt mit den Vor: bereitungen zur Ausrüstung der fiir die Nil-Expedition erfordcrlichen 800 Boote eifrig beschäftigt. Falis man nach Liner Besprechung zwischen General Wolseley und den Militär: behörden in Egyptcn die Route iiber die Baynda-Wiiste fallen lassen sollte, diirfte die Anzahl der Boote wahrscheinlich auf 1000 vermehrt werden.
Es drutrt Alles darauf hin, daß, wenn es möglich ist, den ganzen Weg bis Khartum hin die Nilronte benutzt wer: den wird. Die Straße durch die Wüsts von Baynda ist wenigstens für jetzt aufgegeben worden.
_ 2. September. (_ . T V.) Der „Times“ wird a_us Peking, von heute rüh, telegraphirt: Zn drn Straßen sind Anschläge angeheftet, in denen der Krieg gegen Frankreich proklamirt Und gisichzsitig alien Bewohnern unter strengen Strafen anbefohlen wird, sich jeder Brlästigung von Angehörigen anderer Nationen zu enthalten.
Edinburg, 1. September. (W. T. B.) In der Rede, zvelche Gladstone heute vor einer großen Versammlung in der Kornhalle hielt, erwähnte der Premier auch die Frage der deutschen Kolonien und wies entschieden die in deutsrhen Blättern auftretende Behauptung zurück, das; die Cnglander und Schoiten die Bemühungen der Deutschen m_ Bezug auf die Kolonisation mit eifersüchtigen Vlicken_ betrachteten;_ er sei vielmehr vom Gegen: theil _iiberzeugt. Die Richtschnur für England müsse 019 sem, sick) gegen Andere so zu verhalten, wie England wunscht, das; Andere sich gegen England verhalten. Der erner sprach dann sein lebhaftes Bedauern aus iiber den Nichterfolg dsr Konferenz, der das Ansehen europäischer Kon: ferenzeii als Organe der civilisirten Autorität im Jnteressr des Friedrns und des Glückes der Völker schwer schädigrn wrrde, und__ yerbreitete sich iiber die Politik der Re- g_1_eru_ng bezugiick) Egyptens in der Vergangenheit; iiber die kunft1ge Politik lehnte" er ab zu sprechen, bis Lord North: brbox und Gsneral Wolseley ihre Mission durchgefiihrt haben war en.
Frankreixh. Paris, 31.21ugust. (Fr. Corr.) Die _Gruppe der außersten Linken hielt grstern Nachmittag ihre zweite Versammlung, welche von etwa 20 Mitgliedern, darunter Barodet, Tony Reviilon, Clovis Hugues, Gailiard, Roques de T1lhoi u. 21. besucht war. Abermals wurde die Fraxxsaufgerborfcn, ob die Gruppe Angesichts des Fortgang??- dxr Kriegsereigmsse im äußersten Osten nicht die Rogierung ge- bixteriscb auffordrrn sollte, die Kammern endlich einznberufen. Hrernber herrschte nur eine Meinung Und die Verschieden- heit dcr Absichten trat erst in der Erörterung drr gé- eignetstcn Miitel,_ die Regierung zum" Nachgeben zu zwingen, hervor. Schließlich einigte man sich darüber, das; die Gruppe em Schreiben an den Präsidenten der Repnblik mit der Auf-
forderung _ nicht mit der Bitte _, die Kammern sofort ein:"
zuberufcn,_ richten soils. Wie die „Köln. Ztg.“ meldet, soil das Schreiben dnrch eine aus Barooct, Granit und Brousse bestehendsAHordmmg nach Mont-sous-Vaudrey gebracht imd dem Prasidenten vorgelegt werden.
__ 1. September. (28. T. V.) Der Minister- Praiident Ferry ist nach St. Dis 'abgercist, wo er diese_ Woche zu verbleiben gedenkt. _ Dem „Journal Paris“ zufolge hat Admiral Courbet die Rhede von Mat1on verlassen und s1ch, wie man glaubt, nach Hainan begeben._ Dasselbe Blatt meldet, das; 500 Mann des in Cochmchma stehenden Detacbiments nach Kelung gehe-n wiirden.
_ _ 2. September. Die „Agence Havas“ meldet aus Tien-tsin, dasz Li-l)ung-chang degradirt Und seian Ranges als Großsekretär und Vize=König fiir verlustig erklärt wurde. Die Nachricht bedürfe jedoch noch anderweitiger Be- stängung.
_Spanien. Madrid, 2. September. (W. T. B.) „ZOia“ meldet, daß in Alicante, Novelda und ElcheCholera- full_e vorgekommen sind. Es sind sofort die nöthigen Jsoltruugsmaßregeln getroffen worden.
Italien. Rom, 1. September. (W. T. B.) Gestern sind in den Provinzen Bergamo, Campobaffo, Cuneo, Genya, Lucca, Massa e Carrara, Neapel, Parma, Pisa nnd Turm insgesammt 120 Erkrankungen und 74 Todesfälle an der C h o l e r a vorgekommen.
__ _Serbien._ Belgrad, 1. September. (W. T. V.) Der Konig und die Königin sind mit dem Thronfolger heute Nachmittag 21/2 Uhr von hier abgereist. Während der Ab-
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wesenheit derselben ist der Ministerrath mit der Regentschaft'
betraut.
Der König von Rumänien ist bereits geiern Abend nach herzltchster Verabschiedung von der serbischen Königs- fam1lie abgereist.
Rußland und Polen. St. Petersburg, 1. Sep- teznber. (W. T. B.) Der „Nordischen Telegraphen-Agentur“ Wird aus Wladiwostock gemeldet: Die im Auslande ver- breiteten Gerüchte über Unruhen an der russifch-chine: sischen Grenze iind unbegründet. An der Grenze herrscht volikommene Ruhe; weder offizielierseits noch privaterseits ist
“etwas über Ruhestörungen gemeldet worden.
Amerika. New:?)ork, 1. September. (W. T. B.) Die strikenden Grubenarbeiter des Kohlendistrikt Hocking in Ohio haben am Sonnabend ernste Ruhestörun- aen begonnen, die Strikenden griffen die zum Schutz der Gruben aufgestellten Wachen an, tödteten einen der Wächter, verwundeten 2 andere und durchschnitten den Telegraphendraht. Die strikenden Arbeiter lagern bei den Gruben, um die nicht Strikenden am Arbeiten zu verhindern. Zur Hersteliung der Ruhe sind Truppen abgesendetworden, der Gouverneur von Ohio hat sich persönlich an Ort und Stelle begeben, der Sheriff ist an- gewiesen, die Tumultuanten in der geseßlich vorgeschriebenen Weise heute zum Auseinandergehen aufzufordern. _Nach spä- teren Berichten aus Hocking sind weitere Ausschreitungen da- selsbsZtiiicht vorgekommen; die Ruhe wird nach und nach her- ge e
_ Asien. China. Nach einer Reuterschen Meldung aus Tien=ts in vom 28. U. M. hätte der japanesische Gesandte die Souveränetät iiber die Inseln Loochoo für Japan in Ansprnch genommen und im Uebrigen dieselben Vertrags- rechte, welche China anderen auswärtigen Staaten zugestanden habe, a_uch für Japan gefordert. Der japanesifche Gesandte wiirdr sich nach Peking begeben, um dort dariiber weiter zu verhandexn.
Ein Telegramm aus Hongkong vom 1. September, sagt, Admiral Courbet habs angezeigt, die französischen Flottenoperationen seien beendet, Handelsschiffe könnten von jcht ab den Minfluß wieder ungehindsrt und in Sicher- hLit passircn.
Afrika. Egypten. Kairo, ]. September. (W.T. B.) Dem Major Kitchener in Dongola sind, nach hierher ge- langten Miltheilungen, mehrere Briefe General (Horizons zuxiegangen; der lehre derselben datirt vom 15. Zuni (. und enthält die Versicherung, daß sich Khartum noch 4 Monate werde halten können.
Die „Alig. Corr.“ meldet aus Wadi) Haifa unter dem 28. August: Zwei weitere Compagnien des 1. Batailions des Sussex-ngiments sind hier angekommsn, der Rest solite hrute Assuan verlassen. Das Bataillon hat den Befehl erhalten, mit dreimonatlichen Nationen für 1000 Mann unverzüglich nach Dongola aufzubrechen. _ Ein amtlich9s Telegramm aus Assuan meldet, daß sieben Dampfer den ersten Katarakt passirt haben. Der Nil steigt fortwährend, bei Wadi) Haifa ist er bereits vier Fuß gestiegen.
Zeitungsstimmen.
Wir [ssen in der „Berliner Vörsen:Zeitun “:
Es steht wohl außer Zweifel, daß die überwiegende Mebrciyeit des deutschen Volkes mit der Kolonialpolitik des Fürsten BiImarck Voli- kommen einvcrstanden iii. Jeder einzelne Bürger Deutschlands muß fick) in scinem Nationalbewußtsein mächtia_geho'ren fühlen, Wenn er sieht, wie die imposante Macht- und Kulturstcüung scincs Vater- landcs in fernen Zonen zu Ausdruck und Geltung grlangt. Dieser Umschwung in dem Uribeil über die Wirthscbaftspolitik BiEniarcks tritt am deutlichstrn in den Organen der freisinnigcn Partei zu Tage, die den Kanzler noch Vor Kurzem in einer übersrciscbcn Frage auf das Schärfste bekämpften. Ein Sturm von enirüsteten Protesten ging durch diese Blätter, als Fürst Bis- marck in der letzten Scsfion der Volksvertretung einkn Zuschuß aus Reich9mitteln fiir Errichtung einer Dampferlinie nach Osi-Afien und Australien vcrlanaie. Der Abg. Bamberger erthcilte die Loosung zum Angriff auf die Vorlage mit dem Witze: .Wir wollen überseeische Dinar nicht wie iibcrsinnlicbe behandeln.“ Nun hat der geniale Lenker des Deutschen Reiches seinen Gegnern bewiesen, daß er kein Mann der phantastischen, nebuloien Ucberfinnlicbkeit ist, sondern dcm Deut- srben Reiche sebr maieririie imd grkifbare Vortheile von kostbarem Werthe zu erringen sucht. Vor diescr Vervrisführung muß selbst die Prinzipielle Opposition beschämt die Flagge streichen, und es verdient bervyrgehoben zu werdrn, _daß auch __ die aiisgcsprochcncn ,aniibisinärckiscben“ Blätter der Aktion des Kanzlers aus bolirm Herzen oder wenigstens aus volirm Munde beipßicbten. _ Aus dem Lager seiner Widersacher ist dem Fürsten Bislmarck noch bai jedcm voikbtbümlicbcn Akte, den er vollzog, der böhnrndc Vorwurf „Wahl- Politik!“ cntargengescbleudcrt wvrdcn. WWU er die Versoraung der arbeitenden Klasen anregie _ es Wurde ais Hascbcn nach Populari- tät, als grobe Bauernfänacrschast bezeichnet, es war nichts weiter als Wahlpolitik. Wenn cr cinen Enitvurf zum Schuh der heimischen Industrie vorlegte, wenn rr die Entlastung der kleinen Steuerzahler als nothndig crkiärte, es wurde immer und immer wieder als Wablpolitik stigmatijirt. VirÜeicht wird es auch beute noch unbeugsameDoktrinäregeben, in deren Augen die ganzen ÜbrrrascbcndenSkbacbzÜJL des Reichskanzlers in Westafrika nichts Weiter als ein verblüffench Wahlmanövcr, ais cine Speku- lation auf die nationale Eitelkeit des deutschen Volkes iind. Aber die Masse der Nation dürfte mit dem Urtbcil diescr vrrbixicrten Richter schwerlich übereinstimmen, i_ind an der Urne der ngkbstxn Reichstagswahlen Wixd cs sicb berausstrlien, daß das Verständmß fur Bisinarcks Bestrebungen unter dcn Dcut1chen zugegwmmen hat.
_ Das „Posener Tageblatt“ schreibt:
.Wir haben schon wiederholt an konkreten Beispielen dargetban, wie gänzlich falsch die freihändleriscbe Behauptun ist, daß durch Schutzzölle dic Vcrtbcuerung der notbwcndigsten T-ebenßmittel des armen Mannes herbeigeführr Werde. Nachdem nmz Seitens dss französischm Handcis-Minifters die Erhöhung der Vieb-Jmportzöiie ins Auge gefaßt und die betreffende Vorlage am Donnerstag in der Deputirtenkammer eingebracht wordch ist, ck_scbrint cs iiicht unzert- gcmäß, darauf binzuwrisrn, daf; kurzlich die sehr kapitalsfreund- liche Pariser „République francxaise“_ geleaxxitlich einer Besprechung der unverhälinißmäßig hohcn Pariier Fleicbpreife das interessante Zugeständnis; gemacht hat, daß der Zivis enhandebeß ist, welcher Produzenten und Konsumenten durch _scin verWerfltcbes Gebabren gleichmäßig schädigt, Welcher dcn inlaridiscben. d. b, den französischen Viehzüchter dahin bringt, sein Viel) ins Ausland zu verkaufen, und andererseits den inländischen Konsumxnten gayz m_ach Wilikiir aus- beutct. Wie drückend das Joch der Vtehkorrimhfionare und Zwrschen- händler von den Betbeiligten empfunden Wird, geht aus _einem, von den Blättern veröffentlichten Gutachten _ der Pariser Fleischerinnung hervor, in Welchem es u. A. beißt: _.Emc der Ursachen der Fieisch- theuerung liegt in den Geschäften, die_ rbk Beginn der reiclmafzigcn Verkaufsstunden gemacht werden. Die Zwischenhändler itellsn nur das Quantum des Tachvrrzehxs zum Verkauf und halten so den Preis auf einer künstlichen Höhe. In Folge der gegenwärtigen
Organisation des Geschäftsbetriebes wird dieselbe Waare auf demselben Markte mehrere Male verkauft. Die Zusammen- bäufung in wenigen _Händen ist an sich schon eine Gefahr für den Handel mit nothwendigen Lebensbedürfniffen; dieselben der Agiotage preiszugeben, mußte aber unter allen Umständen vermieden Werden.“ Axbnlicbe_K_lagen sind von den landwirtbscbaftlicben Vereinen Frank- reichs unzabltge Malerfolgios erhoben worden. . . . Die “jetzigen Miß- stande smd so bimmciscbreiend, daß selbst ein Blatt, wie die „Rep. franxk die Berechtigung e_iner weitgehenden Staatöeinmischung in Voi Sernährungsfragen einraumen und zugeben muß, daß dir Inter- essen der städtischen wie der _ländlicben Bevölkerung eine gieich ge- bieteriscbe Rücknchtnahme crbei]chen.
_ In ihrem Ithesberitbte für 1883 sagt_ die Handels- kam_mer zu Lahr, wre mir der „Norddeutjchen Allge- meinen Zeitung““.entnehmen:
Einen neuen Beweis der Für“orge der Reichsregierung und ein sehr geeignetes Mittel für die He ung unseres Exportes enthält di: tm April d. I. im Reichstag eingebrachte Vorlage, betr. die Ver- wendung von Reichßmitteln zur Einrichtung und Unterhaltung von Postdampfer-Verbindunaen mit überseeischen Ländern, rvelcbe ailerfeits mit lebhafter Sympathie begrüßt wurde und der Zustimmung der aeseßgebenden Faktoren wvbl gewiß ist. Wir erblicken in diesem Plane, dessen NuSiÜbruna unsern Handelsbezicbungen zum Auslande nicht bloß matcrieU-e Vortheile, sondern durch die Befreiung aus einer zur Zeit noch bestehenden Abhängigkeit von fremden Verkehrßmitteln, Zucb einen noch höher anzuschlagendcn moralischen Gewinn, cine Er- höhung der Selbständigkeit und des Ansebexis des deutschen Handels bringen würde, ein Unternehmen von großer nationaler Bedeutung.
_ Wir die „Zittauer Morgenzeitung“ mittheilt-
ist der GeschäfWgang in der Textilbranche, namentlich für die in Zittau und Umgebung fabrizirten Artikel, ein anhaltend günstiger ge- blieben. Die meisten großen Fabriken sind voll beschäftigt, einzelne Etablissements bereiten sogar Erweiterungen ihrer GeschäftSräume vor, während in anderen Fabriken man damit beschäftigt ist, neuere und Vervollkommnete Webstühle (Welche leider zum großen Theil immer noch aus _England [Bradford] bezogen werden), aufzustellen. Besonders fabrizirt Werden jeht balbwoliene urd feine Kammgarn- sioffe. Bei länger andauerndem Bestand dieser Modericbtuna müssen Lich auch die seit Jahrrn in Zittau, namentlich für die Arbeiterwelt, ehr ungünstigen Erwrrbkivrrbältniffe wieder aufbessern.
Statistische Nachrichten.
Nach den Vrrbffentiisbunqen dcs Kaiserlichen Statistischen Amts Waren die Preiie für 100 kg Robzucker 1. Produkt, Korn- Zuckcr, 96 % Polarisation in Magdeburg in den ersten 7 Monaten
dieses Jahres folgende: Januar . “54,00 „xz Mai . 48,76 «16. Februar. 53,56 , Juni. 49,07 , März . . . 52,52 „ Juli. 47,10 „ April . . . 50,07 ,
Der Durchschnittsbreis für das Jahr 1883 stellte sich auf 59,91 „xs, der für 1882 auf 64,05, für 1881 auf 65,69, für 1880 auf 64,08 .“
_ Gemäß den Veröffentlichungen des Kaki etlichen Gesund- heitSamts sind in der 34. Jahreswocbe von je 1000 Einwohnern, auf den Jahresdurchicbnitt berechnet, als ;; esto rb en gemeldet: in Berlin 34,8, in Breslau 40,4, in Königsberg 33,8, in Cöln 34,0, in Frankfurt a. M. _, in HanniWer 31,3, in Cassel 26,4, in Magdeburg 34,2, in Stettin 23,8, in Altona 33,8, in Straßburg 25,0, in Metz 22,5, in München 36,8, in Nürnberg 31,1, in Augsburg 33,3, in Dres- den 28,0, in Leipzig 28,4, in Stuttgart 21,7, in BraunscbWeig 30,0, in KarlSruhe 26,0, in Hamburg 26,0, in Lübeck _, in Wien 21,3, in Budapest _, in Prag 28,6, in Triest _, in Krakau 22,0, in Basel 17,0, in Brüffel 24,8, in Amsterdam 27,3, in Paris 25,4, in London 20,5, in Glaßgow 26,6, in Liverpool 30,5, in Dublin 30,3, in Edinburg 14,5, in Kopenhagen 26,1, in Stockholm 17,2, in Chri- tiania 23,9, in St. Petersburg 27,0, in Waréchau 39,7, in
deffa 53,8, in Rom 23,9, in Turin _, in Bu arcst 26,0, in Madrid 35,6, in Alexandrien 44,1. _ Ferner in der Zeit vom 27. Juli bis 2. August er.: in New-York 34,4, in Philadelphia 25,5, in Chicago _, in Cincinnati _, in St. Louis _, in San Franzisko 23.1, in Kalkurta 22,4, in Bombay _, in Madras 31,4.
Beim Beginn der Berichtsrvoche und bis gegen die Mitte der- selben herrschten an den meisten deutschi'n Beobachiungßorten schwache östliche und südöstliche, in Karlsruhe nordöstliche Winde, die in München und Karlsruhe bald nach West- resp. Südwest ginaen. Um die Mitte der, Woche lief der Wind an drn Meisten Stationen Nordwest, in Koniß, Berlin und Brßmen bis nach Nordost, nur €:: Karlsruhe blirben iüdireftlicbc bis nach Südost umlaufende Luftströ- mungen überwiegend. An den letzten Tagen der Woche drehte der Wind jedoch an den meisten Stationen wieder nach Nordost und Ost zurück, in Cöln nacb Südost, in Bremrn am Schluß der Woche nach Nord- Wcst. Die Temperatur der Luft entsprach in Konitz dcm vieljäbrigen Monatsmittel, in Breslau, Berlin und an den süddeutschen Stationen lag sie etWas unter, in Hciligcnstadt, Bremen, Cöln (hier um 2,0 Grad 0.) über der normalen. Vi-i meist beitercm Writer er- folgtcn Niederschläge nur nach Gcniittcrcntladungcn. Aus Mittel-, Osi- und Nordrmsidentschland wurden keine Niederschläge ge- meldet. Der beim Wociirnbcainn hohe Druck drr Luft nahm in den ersten Tage der Wocbc ab. Vom 20. an stirg das Barometer jedoch wieder und behauptete bis zam Schluß der Woche seinen hohen Standpunkt. _ _
In der Berichtswocbe hat die Sterblichkeit in den meisten Groß- städten Europas ein wenig abgenommer]. Die allgemeine Sterblich- keitsverbältnißzahl fiir die dcuticben Stadte sank (ans Jahr berechnet) Von 31,5 der Vorwoche auf 30,8 in der Berirbtswscbe. tend bohen Temperaturen der Luft äußertcn ihre ungünstige Ein- wirkung auf das noch immer abnorme Vorkommen _von Darm- katarrbcn Und Breckydurckzfäiicn, die in den größeren englijcben Städien eine bedeutende Steigerung, in den dcntschen nur eine geringe Ab- nahme (1450 Todcsfälie Wurden gemeldet) zeigten. Die Sterblichkeit des Säuglingsalters blieb eine hohe, wenn fie auch etwas kleiner als in der Vorwoche wurde. Von 10000 chenden starben (aufs Jahr berechnet) 161 Säualinge gegen 166 der Vorwoébe; in Berlin 186, in München 197. _ Eine _Abnabme der Todesfälle an Darmkatarrhcn und Brccbdurcbfäiien ivar in Stettin, Riirnbera, Gera, Leipzig, Bellin. Magdeburg und in den märkiichen Städten, fcrnrr in Braunschweig, Cöln, Düssel- dorf, Aachen, Straßburg, Mainz, _Mannbcim, Karlsruhe, Wien, Paris, London ersichtlich, während in Köbigsberg, Danzig, Elbing, Breslau, München, Stuttgart, DreSdcn, Halberstadt, Hamburg, Han- nover, Altona, Elberfeld, Essen, Dortmund, Kopenhagen, Pra , St. Petersburg, Warschau, Odessa u. a. die Zahl der durch die?]e Krankheitsformen bcrvorgerufcnen“Todesiäiie eine größere wurde. Ein- zelne Fälle von Cbolcrine kamen aus Hamburg und Casiel, an011016ra noßtkUZ aus Paris, Madrid, Saragossa und Baltimore zur Anzeige. Auch in den amcrifaniscbcn Städten starben zahlreiche Kinder an diesen Darm- katarthen. _ Sterbefälle an Ruhr wurden besonders in _Berlin häufiger. _ Auch die Infektionskrankhcitcn zeigten sich meisibaufiger, nur Pocken nahmen ab. So wurden Stcrbrfälle an Masern AUS Breölau, Leipzig, Barmen, Hglberstadt, Worms, Kopenhagen, tm Haag häufiger, in Elberfeld, Esten, Paris, London seltener. _ Das Scharlachfiebcr grassirt in Gotha, Potßdam, Bremen, Elberfeld, auch in Amsterdam, London, Glashcw stieg, in Berlm,(xlb1ng,Ya_ris sank die Zahl der Scharlacbtodesfäiie. Dic Sterblichkeit gn ipbtberie war in Berlin, Stolp, Königsberg, _Stnttggrt, _Leipéig, Frank- furt a. O., Hamburg eine größere, in Paris eine leinere. _ Tyvböse Fieber zeigten in Königsberg, Ktel,_ Breslau, Posen, Bcrlin cin häufigeres Vorkommen, in Paris, London bat die Zahl der Sterbefälle etwas abgenommen. _ Sterbefälle an Flecktypbus wurden nur aus Saragoffa und Palma (xe 1) e- meldet. _ Der Keuchhusten herrscht in Danzig, DreSden, Berln,
Die anbal- “