1884 / 254 p. 4 (Deutscher Reichsanzeiger, Tue, 28 Oct 1884 18:00:01 GMT) scan diff

Yiehtamjliehes.

Deutsihes Reith.

Preußen. Berlin, 28. Oktober. Se. Maje_|ät der Kaiser und König nahmen gestern, Nachmrttag 4_Uhr noch den Vortrag des Reichskanzlers Fürsten von ViSmarck entgegen.

Im Laufe des heutigen Vormittags empßngey_A11er- hiichstdieselben nach dem Vortrage des Polizer-Prasidenten mrlitärische Meldungen und ließen Sie!; darauf vor) dern Chef des Miiitärkabinets sowie von dem Chef der Admiralitat Vortrag halten. _ _ _ _

Um 1 Uhr stattete Ihre Köyigliche Hohx1t_d1e_ „Herzogin Wilhelm von Mecklenburg-Schwemn Sr. Majesicxt im Palais einen Besuch ab.

_ Se. Kaiserliche und Königliche Hoheit der Kronprinz stattete am Sonnabend Vormittag 11 Uhr dem Professor Curtius einen Gratulationsbesuch a_b und _wohnt_e der Ueberreichung des Geschenkes seiner ehemaligrn Schirirrbet.

Um 12 Uhr nahm Se. Kaiserliche Hoheit wrirtarrsche Meldungen enlgegen, und gegen 2 Uhr begab S1ch_Höchst= derselbe zur Eröffnung der Staatsrathk-sißungrn m das Königliche Schloß. _

Um 5 Uhr nahm Se. Kaiserliche Hoheit an dem Gala- diner bei Sr. Majestät dem Kaiser Theil und besuchte sodaxm das Deutsche Theater, wo Höchstderselbe mit_Jhren König- lichen Hoheiten dem Prinzen und der Prinzessin Wilhelm so- wie dem Prinzen Heinrich bis zum Schluß verblieb.

Gestern Vormittag fuhr Se. Kaiserliche Hoheit mit de_m 10 Uhr-Zuge nach Potsoam, brsuchtc daselbst den Bazar m der Friedenskirche und machte mehrere Einkäufe, stattete so- dann Ihrer Königlichen Hoheit der Hrrzogin Wilhelm von Mecklenburg-Schwerin einen Besuch ab, frühstücktx bei Ihren Königlichen Hoheiten dem Prinzen und der Vrmzesfin Wilhelm und kehrte mit dem 3 Uhr-Zuge nach Berlin zurück. _

Um 4 Uhr empfing Se. Kaiserlichc Hoheit in frrprlichcr Audienz den neu ernannten großbritannischen Botschafter Sir Edward Malek.

Abends 7 Uhr besuchte Höchstderselbe die Oper.

_ Von Sr.Kaiserlichen und KöniglichenHoheit dem Kronprinzen ist der hiesigen Stadtverordneten- Versammlung folgendrs Dankschreiben zugegangen:

„Mit aufrichtigent Danke habe Ich das freundliche Schreiben erhalten, in welchem die Stadtverordneten Mir ihre Glückwünsche zum 18. Oktober darbringen und Mich zugleich der treuen Ergeben- hcit der Bürgerschaft versichern. Mögen Berlins Bürger ihrerseits davon überzeugt sein, daß der erneute Ausdruck der alt bewährten Anhänglichkeit an Mich und die Meinen eincn lauten Wiederbali in dem warmen Wohlonen findet, welches ch ihnen fortgesetzt 'bewabre. Der gewaltige Aufschwung, dcn die sich täglich ver- schönernde Hauptstadt im lrßten Jahrzehnt genommen, gereicht der iüchtigen Leitung ihrer Vchaltung, wie dem umsichtigen und fleißigen Streben der Einwohner zu gleicher Ehre. Je ledhaster Mein, wie der Kronprinzessin, Meiner Gemahlin, Iniereffe an den? Fortschritten ist, welche nicht mindkr in dcr Vervoiikommnung ge- meinnüßiger Einrichtungen und Anlagen, wie _ auf grwerblicbem Gebiete _ in der Zunahme von Kunstfertigkeit und Geschmack [*,-TT“ vortreten, desto mehr werden Wir auch in der Zukunft bemüht sein, durch Bekundung Unserer Theilnahme nach besten Kräften da anregend zu wirken, wo es gilt, geistige und leibliche Noth zu lindern, wie Bildung und Wohlstand zu fördern.

Berlin, den 23. Oktober 1884.

Fried rich Wilhelm , Kronprinz.“

_ Am gestrigen Tage hielt der Bundesrath eine Plenarsitzung unter dem Vorfiß des Staats-Ministers, Staats- sekretärs des Innern, von Voetticher,ab. ES wurde beschlossen, daß die von dem RegentschaftSrath fiir das Herzogthum Braunschweig nach Maßgabe der Reichsverfassung _zu he- siellenden Bevollmächtigten als Vertreter Braunschweigs im BundLSrath im Sinne des Artikels 6 der Reichsverfassung anerkannt werden. Eine Vorlage, bstreffend die aligemeine Rechnung über den Lande?:haushalt von Elsaß-Lothringen fiir 1880/81, der Entwurf eines Postsparkassengesehes, endltrh eine Vorlage, enthaltend den Antrag Preußens, betreffend die Erledigung einer Streitigkeii. zwischen Preußen und Mecklen- burg:Stre1ih we en Stammg des Dechower Sees, wurden den zuständigen Au?- chüffen überwiesen.

_ Der Stadtgemeinde Schönebeck ist durch AÜerhöchsie Ordre vom 1. d. M. auf GrUnd des Gesetzes vom 11. Juni 1874 das Recht verliehen worden, die auf dem Grundstück „Falke“ zu Schönebeck, Baderftraße 3, ruhende Serritut zur Benußung des ansioßenden Elbvorlandes resp. Elbufers im Wege der Enteignung zu erwerben.

__ Mit Riicksicht darauf,daß in neuerer Zeit zu den Staats- papiercn zehnjährige Zinsscheinserien ausgereicht werden bezw. aushegeden werden sonen, ist die Bestimmung in den auch für Anleihen der Stadtgemeinden in Jnhaberpapieren zu ben_ußenden Mustern zu den Kreisanleihescheinen und zu den_eröschein-Anweisungen: daß mit dem Anleiheschein Zins- scheme für fünfjährige Zeiträume aushegeben werden sollen bezw. daß der Inhaber der Zinsschein-Anweisung eine Reihe von Zinsschemen für fünf Jahre zu empfangen habe, dahin abgeandert worden,daßin Zukunft dieAUSgabe vonZins- scheinen auch für zehnjährige Perioden nis zulässig erachtet wird.

__ Es sind in neuerer Zeit mehrfache FälTe zur Kenntnis; des Ministers des Innern gelangt, in welchen eine Bestra- fung kontraktbrüchiger ländlicher Arbeiter auf (Yrund des Gesetzes vom 24. April 1854 nicht hat stattfinden konnxn, weil d1e yon den diesseitigen Polizeibehörden gesteuten Anträge auf vorlaufige Festnthme von den Polizeibehörden in den außerpreußrschen Hafenstadten, in welche sich die in Rede stehenden Personen zum Zwecke der Auswanderung begeben hatten, unbeachtet gelassen, bezw. als mit den in dem betref- enden Staate geltendxn Gesdßen unvereinbar bezeichnet worden sind. Der Munster macht deshalb die Ober:-Präsiden- ten in einem Cirkularerlaß vom 8. August 1). . darauf auf- merksam, daß die vorläufige Festnahme ländlicher ienfiboten und Arbeiter auf Grund des vorerwähnten Geseßes durch diePolizeibe-

hörden zuläsfig sei, auch daß dieselbe durch Requifition anderer Polizeibehörden bewirkt werden könne, unterlie e an fich keinem Bedenken. Handele es sich aber um eine equi- fition, welche an die Behörde eines anderen deutschen Staats gerichtet werden solle, so komme in Betracht, daß das Geseß vom 24. April 1854 ein _preußrscheS LßpdeSgeseß ist, und daß, selbst wenn die außerpreußische Behörde dem Ansuchen auf vorläufige Festnahme Fo_lge_ geben sollte, der Richter des betreffenden Ortes V0kUU§s1ch_t[lch den Verhafteten wieder in Freiheit sehen würde, weil die polizei- liche Verhaftung auf Grund eines am Orte der _Ve_rhaf_tung nicht geltenden Strafgeseßes erfolgt ser. Diese Möglichkeit set aber jedenfaUs auSgeschlossen, wenn dre V_erha_ftung gerichtlich angeordnet sei, indem die Ausführung gerichtlicher Haftbefehle durch das ganze Deutsche Reich zu geschehen habe, auch wenn die That, auf Grund deren die Verhaftung _siatrfinden soll, nur landes eseßlich mit Strafe bedroht ist. Hiernach werde es sich empfeh en, in allen denjenigen Füßen, _m denen die k_on- traktbrüchigcn Dienstboten und Arbeiter m_ Preußen nicht mehr ikstgenommen werden können, Vchufs ihrer Festnahme und Bestrafung die Mitwirkung der zuständigen Gerichte in Anspruch zu nehmen.

_ Der General-Lieutenant vort Lechzynski, Com- mandrur der 11. Division, hat Berlin nach Abstattuug per- sönlicher Meldungen wieder verlassen.

Breslau, 27. Oktober. (Schles.Ztg.) Das „OelS'er

Kreisblatt“ vrröffentlicht folgende Bekanntmachung: Breslau, den 20. Oktober 1884. Der Königliche chierungH-Rath Bayer, zur Zeit m Oels, ist von mir mit dcr Leitung der vorläufigen Verwaltung des Thronlehns Fürstenthum Oels Und der außer diifem Thronlehnx zum __Nachlasie Sr. Hyhcit des Hochseligen Hcrzogd don Braunschweig gehorigen," in der Provinz Schlesien liegenden Fidei-Commiß- und AÜodtalguter

betraut wordsn. Dcr Obrr-Prafidemt, _ Wirkliche Geheime Rath von Seydewrh.

Sigmaringen, 24. Oktober. Die „Hohenz. V.:.“Z/ veröffentlicht folgende Da nksagung:

An die Bcrvohner dcr Hohenzollermcben Lande! Es sind Uns bei dem isrnfzigjährigen Jubiläum Unscrcs Ehedundrs aud drn Hohen- zrÜcrr-sÖen Lemken von Privaten, Korporationen. Y_eremen und Ge- msindcn so zahlreich? Bevoeise von Anhanglichkeit und Lieic, theils in mündlichen _ reichen Usckoriften und Drucksachen odcr m kunstvoll auktge- statteten drcssen, theils in sinnigen 11ndkostbaren_Geschenkcn und Ehrungen zugcgangen, daß es Um; nichdmögücd ist, )edem Einzelnen sofort besonders zu dankrn. Und doch liegt es Uns am Herzen, ohne Verzug auszusprechen, wie sehr Wir_ dcn Werth «11er dieser Wohl- thuenden Kundgebungen zu srhätzen rviffen. Wir wahlen darum den Weg der Oeffentlichkeit, um von _ganzem Herzrr. Allen auf das Wärmfte zu danken. Unser Familienfest gestaétate fich durch die liebevoUe aUgemcine Theilnahme zu einem öffrntlichen, und Wir svrechen mit freudig bsrvegtem und geruhrtenr Herzen m_zs, daß diese I.,heilnahme Unser durch Gottes Gnade gewahrtes Gluck auf das WesentliÖsie erhöht hat. Insvesondere danken Wir den Einwohnern Sigmaringens, welche durch festliche Ausschmückung der_hanzen Stadt sowie durch die berzlichsten Kundgebungen aller Art gezeigt h(xben; daß Unser Familienfest auch zu dem, ihrigen geworden war. Wir suhlxzk Uns zu unvergänglickoer Dankbarkeit verpflichtet und könncn schlicf311ch nur versichern, daß Wir die Uns kundgewordenen Gcsinnungen von

ganzem Herzen crwidern. Sigmaringen, 24. Oktober 1884. Karl Anton. Josefine,

Württemberg. Stuttgart, 25. Oktober. ((St.-A. f. W.) Die Kommission der Kammer drr_ Abge- ordneten für die Vorberathung des Eniwrzrfs eines Gc- seßes, betreffend die Gem ein deangehörigkerr, hai_gestern ihre Sißungen geschlossen. Der Kommissionsbertcht wrrd_vor- cmssichtlich im Laufe der nächsten Woche im Druck erscheinen.

In würdigsier und grlungensier Weise ist heute Vormittag die Enthüllun des von dem Bildhauer vpn Hof_er ge- fertigten und gesti teten Drnkmals drs verewrgien Königs Wilhelm und die Uebergabe_ deffslben m die Obhut des Staates erfolgt. Nachdem der Prinz zu Sachseermiar alk."- Chren-Vrädent des Vereins zur Förderung der Kunst m ziim- denden Worten auf die Bedeutung der Feier des Tages hm- gewiesen hatte, fiel die Hülie des Denkmals, _deffen Erster Eindruck auf die. geladene Festversammlung erz! durchaus giinsiiger war. Der Staats-Minister de_s Krrchen:_ und Schulwesens, Dr. von Geßler, Übernahm hierauf slchtchh be- wegt das wohl gelunge'ne Denkmal Namens der Kunstschuie, in deren Hofe es steht, worauf Stadtpfarrer. Weitbrecht im Festsaal der Knnsischule die treffliche Frstredr: o_nf den ver- ewigten König hielt. EH schloß sich hieraw die Uedergabe des Kommenthurkrhuzes zweiter Klass? des Friedrichs-Ordens und einer Dankadreisie der bürgerlicth Kollegien von Stutigart an den Stifter 2er Denkmals, und ein von dem Prinzen zu SachsemWeiUwr aUSgebrachteS, begeisterx aufgenommenes Hoch auf den König Karl beschloß dre Feier.

Braunsckzweig. Brauns chweig, 27. Oktoder. (WTO.) In der hentigenSißung desLandtages verias der Pra- sident von Veltheim rin Schreiben des Fürstdn von Wißmarck. an 'von Staats : Minister Grafen Görß-Wrisberg, in welchem mitgetheilt wird, daß der Reichskanzler das Schreiben des Negentschaftßraihéz, vom 18. d. M., zur Kenntnis; Sr. Majestät des Kaisers ge; bracht und daß Se. Majestät es abgelehnt habe, de1_1 von dem Herzo von Cumberland abgeyandten Graien Grote zu emp angen und das Schreiben deS Herzogs von Cumber- land entgegenzunehmen. _ Der Präsident verlas fermer folgen: den Erlaß Sr. Maxestät des Kaisers an den RegentschaftSrath:

.Ich habe Ihr Schreiben vom 18. d. M., in Welchem die in Ge- mäßhe'it des braunschWeigischen Gesetzes vom 16. Februar 1879 erfolgte Konstituirrtng des Regentsckyastsraihes zu Meiner Kenntnis; gebracht wird, mit Dank entgegengenommen. Indem Ick Ihnen Meine aufrichtige Theilnabme an dem schmerzlichen Verluste aus- spreche, weicher das braunschweiger Land durch den Hintritt des leisten Erlauchten Sprossen einer rubmreicben Reihe von Fürsten be- troffen “hat, erkenne Ich die Konstituirung sowie das Verhalten des Regentschaftßraihes als mit den Grfehen übereinstimmend an und bin gerne bereit, dem in dem Schreiden vom 18. d. M. an Mich gerichteten Ersuchen zu entsprechen. Demgemäß habe Ick zu der ersten Nummer Ihres An- trages angeordnet, daß im Bundesrathe der Antrag gestellt Werde, die von dem Regentichaftßraihc zu ernennendcm Bevoümächtigirn als berechtigte Vertreter des Herzogihums im Sinne des Artikel 6 der Reichsverfassung anzuerkennen, und Werde bezüglich des zweitrn Punktes die in Artikel 66 der Reichsverfaffung dem Herzoge als

Ansprachcm theils in inhnkisa

Bundesfürsten vorbehalten gewesenen Rechtc rücksichtlicb des braun- schweigischm Kontingents, gestützt auf die Vorschriften der Artikel 63 und 64 der Reichßverfaffung, für die Dauer der Regentsckpaft selbst ausüben. Ich werde es Mir angelegen sein [offen, die iich aus der Situajion ergebenden Reichs- und Verfaffungsstagen, welche mit der Zukunft des Herzogthums verknüpft find, in Ge- mxinscbaft mit den verbündeten Regierungen verfaffungßmäßig zu lösen und dabei die Rechte und die Interessen des Herzogtbums und seiner Bevölkerung der Verfassung und den gegenwärtig bestehenden Gesetzen entsprechend ficher zu stellen.“

Hierauf wurde der Bericht der staatSrechtlichen K ommis sion verlesen und folgende, von derselben beantragte Res oluti o n einstimmig angenommen:

Die Landesversammlung hat die S_eitens dcs chentscbaftßrathes und des Staats-Ministeriums in der Stßung vom 24._Oktober d. J. ihr gewordenen Mittheilungen cntgcgengcnommen, mit vollster Anz erkennung des von denselben eingenommenen Rechtsstandpunktes bet der Konstituirung des Regentsckoafsdrathes undßgegerzuber sowohl der Reichsgewalt als auch der Kundgebung Sr, Königlichen Hoheit des Herzoas von Comberland. Die Landesversammlung spricht dem chentschastSrathe und dem Sjaats - Ministerinw den D_ank des Landes aus und erwartet mit demselben die weiteren Schritte. welche die ordnungßmäßige Erledigung drr Thronfolhefraae erforderlich machen in der durch die vorläufige Aeußerung Sr. Majrstat des Kaisers begründeten Hoffnung, daß dabei das aus dcr Verfasirrng des Landes sich ergebende Recht" nicht minder als die St. Majestat dem Kaiser und dem Reiche gebuhrenden Rechte werden gewahrt Werden.

Sodann wurde der außerqrdentliche _Landtag durch Reskript des Regentschaftsraths bis auf Weiteres vertagt.

Elsaß : Lothringen. Straßbzrrg, 27. Oktober. (W. T. B.) Die Feier der Einweihung des neuen Universitätßgehäudes, wrlcher der Statthalter General- Feldmarschall Frhr. von Manteuffel,_ dis Spitzen _ der (Zivil- und der Militärbehörden und ern sehr zahlreiches Publikum deiwohnten, wurde heute Vormittag 10 Uhr durch die Uebergabe der von den Frauen Straßburgs der Studenten- schaft gewidmeten Fahne eröffnet. __ Sodann feste sich der Festzug von der bishrrigen Universitat nach dem neue_n al1ge- meinen Koliegiengehäude in Bewegung. Der Werheaxt, der im Lichthofe desselben vollzogetr wurdc, wurde durch e_me Festcantate eingeleit-st. Hisrauf hielt der Rektor _Sohm eme Rede, welche mit drm Wahlspruch „_X-itsrw _61: patrws“ schloß. Das Ende der Feier bildete die VubUkatwn dcr Ernen- nungen zum Ehrendoktor und zwar des Kurqiqrs der Universität , Ledderhose, des Landesausschuß:Prasrdenten Schlumberger und dess Architekten Profrffor Warth,

_ 27. Oktobrr, Abendß. (W._T. B.) Bet der Fest- tafe:l in der Aula des neueén KoUegirngebäudes, an weicher 176 Personen theilnahmcn, brachte der Rektor der_Unwer- sität, Prof. Sohm, das Hoch auf Se. Majestat den Kais er aus, der Statthalter, Generai-Fe'idmarschall Frhr. von Manteuffel, toastete auf die Umversrtät und Elsaß- Lothringen, Prof. von Recklinghausen auf den Statthaltrr, Prof. Baumgarten auf den Reichßkanzler Fiirsien von Vrs- marck'. Weitere Toaste gaiten der philosophischen Y_iultat, drn britischen Studenten, der Stadt Straßburg 2c. “* ahrxnd der Tafel wurden Telegrarnnw an Se. Ma1estät den Kaiser und an den Rcichßkanz'ler Fürsten von Bisingrck ngesandt. Nack) Aufhebung der Tafrl wurden das Kollegiengebaude und der Universitätßplaß dcngalisch belsuchtet und auf dem gegen: über [irgenden Ufer der 311 ein Fsuerwerk abgebrannt.

Oesterreich-Ungarn. Wien, 27. Oxtober. (W.T.B.) Das den Delegationen vorgelegte gemernsamrBudget beläuft sich im Ordinarium auf 109 000 000 Fl., irn Extra- ordinarium auf 7000 000 F1. Nack) Abzug der Einnahmen aus den Zölien mit 18 000 000 F1. verblerbt e_m Gesammt- erforderniß von 97 800 000 Fl.; die auf Oesterrerch eytfailende Quote beträgt 67 000 000 Fl. Jm Extraordmarmm der Kriegsmarine wrrden fiir em T0rpedosch1ff 300 000 Fl. und für 16 Torpedoboote 840 000 F1. gefordert._ __ _ _

West, 27. Oktober. (W. T. B.) Die osterrerchrsche Delegation wählte einstimmig S1n01_kc_1 zum Prasi- denten und Ceschi zum sze-Prasidenren. Der Präsident “theilte mit, daß der Kaiser dre Drlegatwn morgen Mitiag empfanden werde. Unter den gemernsam_en__Vor- “lagen bxrfindet sich ein Exposé, betreffend die Einfuhrung eines neuen Gehaltssyftems für die Konsularbeamten, wofiir pro zweites Semester 1885 27 837 F1. beansprucht_ werden- T'a-s Gesammtnetto-Erforderniß für das Kriegsbudget ist grgen 1884 um 163 017 Fl. geringer, das des Marinedudgets um ]. 905 659 F1. größer; der Okkupationskredit i_st uw. 837000 Fl. geringer, und das Budget für VOSUWU weist emen Ueberschuß von 65 353 Fl. auf.

Agram, 27. Oktober. (W. T. B.) Im Landtage gab heute der Banus eine Erklärung ab Über den Stand- punki der; Regierung zu den Wahlen und dem Yus- gleich. Mazuranic erklärte, daß, nachdem dre Anhangrr Siarcer-ics von der:.Verhandlungen aUSgeschloffen sersn, auxh die Unabhängigen nicht mehr an den Verhaydlungen theil- nehmen würden. Die Linke verließ sodann w Corpors den Saal. Das Haus beschloß schließlich, m die Spezialdebaite des von der Majorität beantragten Ydreßentwurss em- zutreten.

Schweiz. B er n , 27. Oktober.

(W. T. _B.) Von drn gestern stattgehadtrn 145 Wahlen zum Nationalrath ist

bis ]“th das Resultat von 141 definitiv bekannt. Von den Gewähilen gehören 85 den Freisinnigen und Demokraten, 37 den Ultramontanen und Konservativen, 19 dem Centrum oder keiner bestimmten Partei an.

Belgien. Brüssel, 27. O_ktoder. (_W- T* B) Axis die Beschwerde des Bürgermeisters bri_dem_P01_1ze1- chef wegen Verwendung von G e n_sd'grmcn m eriklerdung ist ein S chreiben des Polizeicheis erngegangxn, in_ welchem derselbe mittheilt, daß er auf Befehl des Justtz-Mrmsters ge- handelt und nicht nöthig habe. dem Bürgermeister Rechen- schaft abzulegen. Der Bürgermeister vrrlas dieses Schrerhen in der heutigen Sißung des Kommunalraths und srklärte, daß diese Frage bei dem Zusammentritt der Kammern zum (Hrgcnstande einer Interpellation gemacht werden solle. _ Der Kommunalratl) hat ferner“eine auf Aufhebung des Schulgeseßes gerichtete Resolution beschlossen. Moti- virt wird dieseihe durch den Hinweis, daß die Kommunal- wahlen die klerikale Politik verurtheilt und daß die zu den Kommunalwahlen Berechtiaten den Protest des Kompromisses der Gemeinden auf das Entschiedenste ratifizirt hätten; es ier daher eme dringende Nothwendigkeit, den durch die Aus-

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führung des neuen Schulgeseßes hervorgerufenen Agitationen ein „Ye! zu sehen. on den gestrigen Kommunal-Stichwahlen find bis jest die Ergebnisse aus 92 Kommunen bekannt. In 53 Kommunen siegten die Kandidaten der Liberalsn, in 29 die Klerikalen; in 10 Kommunen wurden theils Liberale, theils Klerikale gewählt. Antwerpen, 27. Oktober. (W. T. V.) Der hiesige Kommunalrath hat sich ebenfalls für die Aufhebung des neuen Schulgesetzes aUSgesprochen.

Großbritannien und Irland. London, 25. Oktober, (Allg. Corr.) Der Hof wird Ende November in Windsor eintreffen und dort bis gegen Weihnachten verbleiben, um dann, wie sonst, nach Schloß Osborne überzusiedeln. _ Lord Dufferin, der neu ernannte Vizekönig von Indien, welcher in wenigen Tagen abreisen wird, hatte am Mittwoch in Balmoral Abschiedß-Audienz bei der Königin.

_ 27. Oktober. (W. T. B.) Das Blaubuch emhält u. A. folgende Aktenftücke Über die Sudan-Ange: legenheiten: eine Depesche des Generals Gordon an den Mudir von Dongola, welche zwar ohne Datum ist, jedoch aus der Zeit vor dem 23. Juli herrühren muß, und in Mle es heißt: „Ick bin hier wie eine Geisel und wie ein Wächter; es ist unmöglich für mich, Khartum zuverlaffen, ohne eine regelmäßige, von irgend welcher Macht ausgerichtete Regierung zu hinterlassen;“ _ ferner die Instruktionen der englischen Regierung an den General Wol- seley; dieselben lauteten dahin: Gordon und dem Oberstrn Stewart den Abzug aus Khartum zu ermöglichen; sobald dies Ziel erreicht sei, sol1e keine offensive Operation irgend welcher Art weiter unternommen werden; sie schließen damit: daß weder England noch die egyptische Re:;icrung die geringste Verantwortlichkeit fiir eine Regierung im Nilthale südlich von Wady Halfa Übernehmen wollten.

Frankreich. Paris, 27. Oktober, Abends. (W. T. B.) Das Journal „PariS“ führt aus: es handele sich grgcn- wärtig nur darum, soviel Mannschaften nach Tongking zusenden, als nothwendig seien, um die Effektivsiärke drr Com- pagnien wieder zu ergänzen. Die Entsendung von 10 000 Mann, welche bestimmt sein foUten, die Angelegenheit mit China rasch zu Ende zu bringen, dürfte nur mit Genehmi- gung der Kammern erfolgen.

Aus Tanger wird gemeldet, daß gegen den fran- zösischen Konsularagenten in FLZ ein Attentat be- gangen und wegen diescr Angrlegenheit bereits diplomatische Schritte eingeleitet worden seien.

Italien. Rom, 27. Oktober. (W. T. B.) Die Eiscnbahnkommission hat ihre Arbeiter beendet, den erstatteten Bsricht genehmigt und dessen Vorlegung an das Kammrrpräsidium beschlossen. Sämmtliche Vorichläge der Kommission sind im vollen Einvernehmen mit der Regierung gemxcht und auch von den "dreiEisenbahngeselischasteuacceptirt wor en.

Gestern kamen in 5 von der Cholera infizirten Pro- vinzen 35 Erkrankungen und 21 Todesfälie vor, davon in der Stadt Neapel 6 Erkrankungen und 6 Todesfäile.

_Bulgarien._ Sofia, 27. Oktober. (W. T. B.) Die Session der Natronalveriammlung ist hrute mit einer “Thronrede_ des Fürsten eröffnet worden. In der Thronrede wrrd auf die im ganzen Lande hrrrschende Ruhe hingewiesen .und gleichzeitig das fortdauernde WohiwoÜen aller Mächte, namentlich Rußlands, Bulgarirn gegenüber be- tont. _ Die T_hronrede [rnit die Aufmerksamkeit drr Kammer auf die Verbindung der ierbisch-türkischen Eisenbahnen durch Bulgarien, konstatirt, daß die zur Ausführung bestimmte Frist abgelaufen sei, und giebt schließlich der Hoffnung auf eine baldige Vsiiegung der Differenzen zwischen Serbien und Bulgarien Ausdruck. .

Rußland und Polen. St. Peteerurg, 28. Okto- ber. (W. T. B.) Die Einführung dsr Friedens- richter in den baltischen Provinzen ist auf Kaiser- lichen Befehl bis zum Erlaß des nhuen Regulativs für die Bauerngerichte daselbst aufgeschoben worden.

Afrika. Egypten. Suaiim, 24. Oktobrr. (Allg. Corr.) Major Chermside ist von. Massauah zurück- gekehrt. Maffauah ist in keiner Gefahr. Die Häupt- linge in der Umrunde find loyal- und wünschen nur Beistand von der Regierung. König Johann hat Ras Alula Befehle ertheilt, auf Kassala zu war- schiren. Major Chermside bemüht sich, dies zu verhindern. Die Concentrirung von Oswan Digma's Streitkräften ist nicht von Erfolg brglcitet, und die Beniamers und Amarars, die fick) ihm zwahgrwcise anschlossen, verlassen ihn, sobald sich eine Chance birtet.

Nun, wir glauben, daß ein großer Theil der Wählerschaft, namentlich einer an den Jntereffen von Handel und Industrie so innig beibei- ligten Großstadt durck) eine solche Taktik fich nicht abhalten lassen werde, dtee wahrhaft nationalen Unternehmungen aufrichtig und ern_stltch zu unterstußen. Wir wollen nicbt dazu thun, daß die ganze weite Erde_unicr die anderen Völker vertbeilt werde und nur der deutschc Michel wie der Schillerscbe Poet immer wieder post fegtaw komme; und dartzn] wählen wir keinen Deutscksfreisinnigen.

2) Der Mtlttaretat und das Septcnnat. Die Deutschfreisinnigen wdllen güe Jahre den Militäretat diskutiren, jährlich die Präsenz- starke, die Zahl der Regimenter, die Länge der Dievstzeit beschließen u. s. w. Angenehm und ersprießlicb wäre das Geschäft nicht, etwa so, als yd Einer immer beschließen wollte, wie vicl Athemzüge und Herzschlqge er machen wolLe. Es möchte indessen noch angeben, wenn irgend wc-icbe_ Ausficht wäre, daß dabei das Urtheil kompetenter Sackwerstandigm_Bcachtung fände. Aber die Grund- lagen uyserer Arwee-Orgayimtion und damit unserer nationalen Sicherheit und Existenzdlljabrlick) auf die Schneide, sei 26 Ultra- montan-konservatwer, ser_cs ultramontan-fortschrijtlicver Kompromiss oder solcher ZufaUE-Absttmmungen zu stellen, wie sie in neuerer Zeit ber uns so häufig gLWLskn,_da§ wollen wir nicht. Am allerwenigsten aher whilen Wir _die En11ckeidung über militärische Fragen in die Hande einer _Partet lrgen, die ihre besondere Befähigung für die- selben durck) ihren Abstufungsantrag vom Frühjahr 1370 so glänzend dargethan Hat. _ _

3) Das Soztalrstengesetz. Die deuischen Forjschrittler haben aus der Vkrwerfung der Verlängerung diexeß Außnabmegeseßes einen wesentlichen Punkx l_hreH Parteiprogramms gemacht. Hr. von Fdrcienheck bat _er1_t m dtesrn Tagen im Nachbarwahlkrcise gezeigt, wie xchrrwr rs sct, tm Wege der Abänderung des g::meinen Rechts wrrk1ame Handhaben zur Hintanbaltung der auf dyn Umsturz von Staat_und Gesrüschaft gerichteten Bestrebungen der Sozialdemokratie zu gegrmyen und hat deshalb die Uebernahme einer ':erartihen Ver- bixldlrkhkrtt abgelehnt. Fr.Büchtemar-n bat fich durch diese Schwierig- keiten nicht abhalten la cn, auch diesen Punkt zu vertreten. Darum rvrrdxn Wie, die sich nach gewichtigeren Garantien, als papierene Pro- gramme_ fie gewahren können, gegen jene Erfahren umsehen, ihm ihre Stimmen nicht geben können.

_ 4) Uliramontan-Deutsckyfreisinniacr Wahlkompromiß. Die Deutsc!)- fcetfinnigen brtrachtcn _fich als die aUciniaen Liberalen. . .. Da muß rs dcn_n dock) Wunder nehmen, wie dir'c Partei, die den ganzen Labr- ralxsmrrs gewuchtet _zu haben meint. sick) w trefflich mii dem Ultra- montamßmud, d._1. der ärgsten Reaktion, wie fie im Synabns theoretisch und tm belgi1chen Sckmlgcsei; praktisch ihre Ziele vor Ailer Augen klar gelegt hat, abzufinden weiß. . . . Da _BtImarck troiz manches _Entgegenkommend zum (Gange nach Canoiia fich nun ctnmaldocb nicbt bequrmen will, wollen diese kreuz- .iiderqirn Leute ihn an feinst Stelée antrejrn. Möge cs ihnrn nacb Vkrdrenst bekommrn! Der gehoffte Lohn ist schon jetzt nicht aus-

geblieben. . . . Oktober) wird ders klbcn

_ Aus Könnern (23. Zeitung berichtet:

_Am 22. d. M. sand im Gasthof zur Preußisch2n Krone cine Ver1ammlung der Wohler dcr nationaliiberalen, freikonservativen und ko-qervativen Parterstatt, die zahlreich besucht War. Hier führre ddr Professor Dr. BorrimS-Haüx den Vorsitz. Dersrlbe begründete in semrr Ansprache dir Vrreimgung der drei politiséden Parteicn zum geweinsamen _Handeln im bevorstehenden Wahlkampfe da- mtt, daß in Folge_ der cntschisdencn Ophofition der deutschfreisinnigcn" Partei dW Poliiik drs Fürsten - Reichs- kanzlers uziterstußt Werden müsje und daß sich zur Er" reichung dic1rs Zwrckcs aile staatSerhalienden Parteien ihre Sonder“ interesirn bei Seite? schen und gemeinsam handeinmüßten. Die Be- fürchtungen, die Natwnalliberalcn könntsn sich mit den Konservativen versrbmelzen. seien_ nicht gerechtfertigt. Die nationalliderale Partei Werds auch sérnerhm fur sub bestehen bleiben, aber da, wo es gelte, den Staat zu unterstühen, sich mit anderen Parteien zum gemeinsamcn Handeln vereinigen. Die Kandidatur des ])r. Alcxar'der Meyer müsse auf das Entschirdenste bekämpft Werden. erstens Wrgen seiner Zu- gehörigkeit zur deutscbfrezsinnigen Partei und dann zweitens wegen seiner Opposition gegendte Regierung. . . . Mit großer Majsrität wurde die Kandidaiur T_aglichsbcck vorgenommen.

_ _ Der „Kdlnrschen Zeitung“ wird über die berrits mr_tgethe1lte _regrerungsfreundliche A;:briterkundgehung aus Leipzig geschrieben:

Aus dem von sozigldemokraécisäyen Elemrnien besonders bearbei- teten Lcipzrgcr Landkretie, in dem von den vereinigten National»- liheralexi und Konservcztwen als Reichstahskandidar der Guisbcsiixcr 1)r. Heine aus Pidgwth, von de-a Sozialdemokraten dagegen der Re- ferendar a. D. Btercck,_von dem Fortschritt endlich (als bloßer Zähl- kandrdai) Redactrur Krieger (_rufgdstellt Wordrn, ist heute ein Ereignis; zu melden, Welches von nicht zu unterfrhähender Tragweite scin kann. Es hat sick) dasslbfi nämlich eine neue Arbeiterpartei hcdildct, Welche fich Offen jowdhi von den sozialdemokratiswen Y_gttawren als auch von den aiies ncgircnden Deutschfreifin- niger) lossaht UNd fich freudig bereir erklärt, für die arderterfreundlichen Pläre der Reichßregierung und für den diese Plank uniersiürzen wviienden Kandidaten der Ordnungsparteien, Hrn. 1)r. Heine, einzustehen. Der mit fünfzehn Unterschriften von Arbeitern bedeckte Aufruf wacht im sckoroffen Gegensaye zu den sozialdemokra- Tischen Schreierctxn imd Hehcreien einen äußerst Wohlthuendcn Ein- druck und ist brzxtänxcnd genug, um wenigstens die Hauptpunkte des umfangreiches Sckyrtfistücks auch für weitere Krrise hervorzuheben. (Es folgi eme Analyse und ein längeres Ciiat aus dem Aufruf.) Jeder wirkliche Nrbriterfreund wird seine Freud:- iiber disse offene Kundgebung aus einem der von der Sozialdemokratie seit Jahren ge- fährdetsten Wahlkreise habari.

Zeitungsftimmen.

Die „Magdedurgische_ Zeitung“ tritt in ihrem Wahlaufruf gegen dte Fortschrntshartei auf; sir sagt:

_ Die Erwartung hat sicb_nicht bestätigt, die hier und da anfäng- 11ch gehegt wurde, daß . . . dte gcmäßigtere Seite der Forischriitsparrei zm erhöhiexn _Cinfiuß auf die neue GesammiÄ-artri gelangen werde. Vielmehr ist in dieser heutzutage der Einfluß *icbters unumscbränkter, als er je in der Fortschrilispartei gewesen.

Dies hat sich in der noch jungen Geschichie der Deutschfrei- findigen, tzamenxlrch aber im Verlaufe dieser Wahlbewegung, während weither wir es erleben mußten, daß diese Partei sogar so gut liberale Manner, wic Hrn. von Benda, auf das „Heftihste befehdet, deutlich kundgethan. Wir erinnern nur an folgende vier Hauptpunkte, in Bezug auf welche dic' Haltung der Deutsäzfreisinnigen die höchstc-n und frmdawentalsten Lebensintercffen der Nation so empfindlich be- rührt, daß jeder liberale Mann, der nicht aufhören wil], national gcsrnnt_zu sein, sich “agen muß: „Hier kann ich mit der deutsch- sreisinmaep Parfcr nicht zusammengehen'.

1) Die Kolomal- und DampfersubvenTionsfrage. Die ganzr Art und Weise, _wie die Deutschfreifinnigen im Bunde mit den Ultra- montanen diese wichtige. die Lebrnsbedingung des deutschen über- see_ischen Handels- _und Unternehmungsgristcs eben so wie der ein- heimischen Industrie innig berührende Frage in der letzten Session hehandelt haben, mußte in den weitesten Kreisen der Bevölkerung tiefe Verstimmung erregen. Was die Vsrtreter der Partei seitdem in den Wahlreden über diese Frage geäußert haben, ist nicht sehr geeignet, diesen Eindruck abzujchwäckocn. Jetzt staut man sich, theils, als ob man gegen die Vorlage gar nichts ein- zurvc'nden hatte, und eigentlich genau Alles das auch will, was Bis- marck vorgeschlagen habe, theils als ob es sich überhaupt bei der ganzrn Kolonial- und Dampferfcage, um nrbensächliwe Dinge handle, die von BiSmarck nur um von der Wahrung der Verfassungs- rcchte abzulenken, durch ein pfiffiges Manöver hervorgeholi seien.

Kunst, Wissenschaft und Literatur.

Die Nr. 43 von .Sckzorers Familienblatt' hat fylgenden Inhalt: Apotheker Heinrich. VOLL Hsrmann Oeiderg. (3. Fortjexzung). _ Vom_ bayerischen Volksstamm. Von A. Woldt. MitJllustrationen nach Skizzen Fr. Defreggers. _ Das Gcheimniß drr Wünschelruihe. Von Julius Stinde. 11. (Schluß) Mit ciner Jüustration. Ein moderner Rutengänger. _ Altes (Gold in neuer Prägung. Von E. Jakob1en. _ Aus dem Tagebucbe eines Kriminalbeamten. Von A. Oskar Klaußmamr. 111. Falsches Papiergeld. (Fortseßung) _Sprech- fahl. _ Briefkasten. _ Plauderecke: Wie findrt man den sechsten Sinn? _ S_ehr gern. _ Die Vögel und die Eyidemien. _ Faxa- n1fches Reisbter in Deutschland gebraut -_ Ein Werk in zwei B - dcn. _ Das Erwachen Scheintodter in ihren Gräbern. _ Unsere Bilder. _ Holzschnitte: Cin Opfer des Irrwahns. Von Franz Reiff. _ Erste Bxilage: Dcutschiand in Westafrika. Mit 8 JW- strthnen naeh Ortginalaufnahmen Und einer Handschrift. _ Zwsite Beilage: Humdristiscbes: Ode an meinen Freund, den Bildhauer, als er auf Fretersfiißen ging. Mit Illustration von P. Klette. _ KindlicbcnRache. _ Hauswirthschastliche Neuheiten, Laubsägearbeiten. _ Dcnkuhungen. _ Graphologischer Briefkasten.

Beterinärtvesen.

In Distrikxcn Virginicns und Marylands ist neuerdings die sogenannte S ch w ein e * (€- b o l e r (: ausgebrochen, welche im Westen der Vereinigten Staaten von Amerika schon vor längerer Zeii auf- getreten war.

Gewerbe und Handel.

Das 9. Heft 18. Jahrgangs 1884 von „Kunst und Gewerbe“, Zeitschrift zur Förderung dcunchrr Kunstindustric, herauSgegcben vom Bayerischen Gewerbcmmeuw zu_ Nürnberg (Druck und Verlag von G. P. J. Bieling (G. Dich) tri Nürnberg) bringt den Schluß der Studien über Schmiede-Arbeiren, von Fr. Otto Schulze. Auch

dieser Theil des intereffaxiten Effays ist mit einer Reihe von Abbil- dungxn bemerkenswertber alterer und neuerer Arbeiten, dießmal aus thlten, agégeßattet. Carl Friedrich sucht eine präcise Antwort fest- zujtellen fur die Fraae „Was nennt man Kanne und was Krug?" Die 10 gelaufigsten Typen beider Gefäßarten illustriren den Aufsatz. Sodann deswrktbi Hermann Billung die Ausstellung der Kron- diamanten zu Pans. _ Daran reiben fich kleinere Artikel über den Yuzsburger Rarbhausbau und die urgirte Freibaltung der Ostfacxade, uber die Glasperlenipdystrie 311 Frankfurt a. M., über den Erwei- terungsbarr des Promnzral-Muieums in Hannover, über das Gewerbe- Myseum_1n Bremen, uher die Aussteuung für das Kleinarwerbe zu thn, Uher die Ausstellung von kirchlichen Gegenständen in Brunn, uber das Landes-Mgseum ,Rudolfinum" in Klagenfurt, 1113er den Verfal] des maurijcben Kunstgewerbes und Handwerks in Algier und uber die neuestem Aukgrabungen in When. _ Von_ den 3 Kunstblattern des Hefts zeigt das erste (Radirung) cine thbc alter Schmuckgcgenstände aus der Mustersammlung des Bayer:)cbexr Gewerbemuseums: ein schönes emaiuirtes Armband aus Gold, 1tal1eqni1cher Herkunft (16. Jahrb.), einen Halsbandscbmack und ein Halsgehange (deutsch, 18. Jahrh) und eine Gürtelschnalle (Ocutstb, 17_. Jahrb.); das zivette den _scbönen Taufstein (aus Sandstein und Zinn mit hölzernem Decke!) in der Marienkirche zu Zwickau (aus dem Jahr_e 1538), das dritte dcn Enjwurf zu einem Räbmcben in Mctali tmt geaxzten Ornamenten, von Otto Häberle. Im Text fin- den wir ferner den schönen Entwurf zu einem Majolikajeller, von C. Mell und eine Ofenkachel mit Löwcnmaske aus dem Schlosse Vie- hofen in Steysrwark,

__ Im 10. Het) der eitscbrift bkricbtct zuyäcdst Richard Siecbe uber die [Wie Oitrrmeßö usstrllung des Börsenvereins der deutschen Buckyhandler zu Leipzig. Dann folgt ein Auszug aus dem intercffan- ten Vortraae des Kustos 131". Stockbauer über die Textiiabtheilungin der Mustersammlung des Bayerischrn Gewerbemuseums und eine amt- liche Darstellung der Entwickelung der gewerblichen Fachschulen in Preußkw Kleinere Aufsätze enthalten Narhricbten aus Karlsruhe, uber die Organisation zur Förderung des GewerbeMsens in Baden; aus Brünn, über die Aussteüung der K. K. Fach- fchu1e__für Weberei dasklbst; aus Buda-Pest, über das Königlich unharUcb? teckmologisäoe ererbe-Museum daselicst und über die ge- plante Einrichtung des orientalischen PaviÜons auf der nächstjährigen ungarischen LandeSauSsteUung; aus Zürich, über das dortige Gewerbe- Nkuse'um, nach dem 9. Jahredbrricht. Rathschläge für die Werkstatt, “Mittheilungen aus dem Buchhandel und kurzeNotizen reihen fich an. _ Em „der_rx Heft beiliegender !chöner Farbendruck rcproduzirt eine schö_ne tu_rkr!ch_e Fayence-Piatte von Jechil Dami in Bruffa; die zrretteTaxel zeigt die sorgfältige Aufnahme eines schönen durchbrochen aearbmtetcn Kugelleucvters von Meffing aus der Marienkirche zu Zwickau, die dritte __ dcn Entwurf zu einem Schreibtisch in modcrnem Renaiiiancestii, erfunden von Paul Koch. Jm_ Text_ wird auch noch eine Seitsnanficht dieses Schreibtisches, forme zwa Zcrchnungen Von geschuwckvolkn, dazu passenden Stühlen gßgehen, _wUckoe drnselben Urheber haben. Fernerc TextiUustrationen dreien dre Aufnahmen zWLier Faycnce-Fußbodenvlatten aus San Sebastian in Venedig und eine Tafel von dem Diptvcbon des Konsuls Fl. Theodorus Valeniinianus rm Berliner Königlichen Museum. _

(Gleichzeitig mit den beiden Heften wurden die Nrn. 16 bis 19 der ,Mittheilungcn“ dss Bayerischen Gewerhe-Museums ver- ]cmdt, dercn eraklion an Siehe das_crkranktcn Hrn. Dr. Otto von Schorn, gleichwie die der Zeitichrift „Kunst und Gewerbe“, der Kustos der Musterwmmlung, Hr, Dr. J. Stockbaucr, übernommen hat. Wir rntnehmcn_denselben zunächst, das; das chemische Lakoratorium des Museums in de_n sogenannten Nonnengarten derlegt und dort seit dem 24. v. M. m Thätigkcit ist, sowie daß mit dieser Ver- legung auch Aenderungen der Burequs im Gewcrbe-Muskum ver- buziden gewescn find und sich da?; Auskunftdbureau jexzt im Erd- geichoß mit dem Zugangs vom Glashof (LUS d.smdct, Diese Ver- änderungen wurden dadurch nothwendig, daß, um einem dringenden Bedkrriniß adzuhclfen , die Vordiidcrsammiung und der Zricbensaal vsrgröfzrrt und für letzteren der gcgen- wäriige Bihliothekraum mii denüßt Werden muß. _ Ferner wird in der Nr. 18 das Programm für die historische Abtheilung W der Internationalen Ausstellung von Arbeiten aus edlen Metallen und Legirungen in Niirzibe rg 1885 Veröffentlichi. Dasselbe lautst: Der Zweck" dieser htstortsthxn Adthcrlung ist, einen Ueberblick iiber die Entwicklung drr Arbeiren aus ed[e_n MetaÜen und Legirungen zu geben, die Vor- zuge der alten Arhertewin trchnischer und künstlerischer Beziehung zur _ Anschauung zg bringen und dadurch zu erhöhten Fort- schritten und Verbrnerungcn auf dem Gebiete der neuen hierher ge,- hortgen Metcrliarderten anzuregen. Die historische Abthcilung um- faßt kunstgewerblxche Arbeiten ältester, alter und neuer Zeit bis zu dem _Beginn dieics Jahrhunderts, und ztvar: Gold- und Silber- schwiedrardeiten, Juwelicrarbciten, Kunstarbciien aus Kupfer, ein- schlte_f311ch _der Emailirn, _kunstszewerbliche Bronze- und Mesfingarbeiten, Ku_n]tarbetten dex Zinngrcßer. Die Gegenstände der historischen Ab- theilung werden 111 bevorzugter Weise aufgestellt und mit den Namen der Besißer versehen Fiir den Schutz und die Sicherheit der aus- grsirUten _Gcgenstande wird in gleicher Weise wie für die Objekte der eigenen Sammlngen gkiorgt und mrrden hierfür die umfassendsten Yiaßregcln getroffcnhverdrn. Das Bayeristhe Gewerhemusrum trägt sämmtliche Kosten dieser Abtheilung; es Übernimmt die Kosten der chpackung, des Tran§ports hierher und zurück und der Transport- vcrficberrrnh, der Versicherung gegm Feuersxiefahr, soWeit die?] Von den AUJithcrn Verlangt wird, es besorgt die Ausstelsungsdehälter, das Anistsiierr der Yegcnstände und dsren Bewachung. Die Ein- sendung der Gegenstands für die historiséoe Abtheilung wird bis zum _30. Ayril 1885 erbetrtr. _ Zuni Zwe-ke der Kontrole der eingesendeten Gezzcnstande werden Lie“'erschetne ausgegeben, Welche iu dri 10 aus- Zefulix_ dkkl Kisten beigelegt wrrden müssen. Bei effnung der Kraken wird deren Inhalt mit den Lieferscheinen vrrglichen, über den Behind ein Protokc-U aufgenymmen und der eine Lieferschein mit der Emykangsbestattgunh zurückge1endet. Die eingrsendeten Gegen- stande kcnnrn von denMBefiiZern ais derkäuflichdezeichnet und Ver- kauft, aber _erst now *SÖlUß der AuxZsteUung an die Käuferadgegeben Werden. _ Dte Veriendung der verkaurikn Gegenstände an die Käufer besorgt U11 hesondercn Auftrags der Befixzer das Bayerische (Herverhe- museum au]" dcren KZostcn o_nd Gefahr. Von abirn Verkäufen ist an diaHÜB-ayeridbe GeWrrdemuieum eine Provision von 10 0/0 zu ent- r en.

_ _Nach den sta_1iftischen Ermiitc'iungen desVereins deutscher Ersexj- und Stahlindustrieller belief fich dieRoheisenpro- duktion des Deutsckycn Reichs (einschließlich Luxemburgs) im Monat Septbr. 1884 auf 294 330 r, darunter 165 428 r Puddclrohzisen, 11 033 t; Spiegeleisen, 37 20'- t- Besscmerroheisen, 44641 v TbomaSA roheifen und 32 928 r Gießereiroheisen. Die Produktion im September 1883 betrug 278 486 r. Vom 1 Januar bis 30. September 1884 wurden. Produzirt 2678 953 7 gegen 2 514 358 t im Vorjahr.

_ Die (Gen-:ralversamm1ung der Chemnißer Werkzeug- maschinen- Fa brik, vorm. Joh. Zimmermann. ertheilte dem Vor- stande einstimmig Decbarge und grnkhmiate die Vorschläge dcffelbrn, wonach von dem erzielten Rodgewinn von 591019 „ck 5x “/0 Divi- dende :: 297 000 „M an die Aktionäre zur Vertheilung gelanae'n, 204 910 für normale Abschreibungen, 14 920 ail: für statutarische Do- iirung des Reservefonds, sowie außerdrm 47 314 9-4 (116 außerordent- liche Abschreibun aus vvrräthige Maschinen derivendet werden. Der nach Abzug der antidmen verbleibende Rest in Höhe von 10141 .“: wird auf neue Rechnung vorgetragen.

Essen, 28. Oktober. (W. T. B.) Laut dem WoÖ-rnbericbt de"): theinisckp-Wesifälischen Zeitung“ über den rbeinisch-west- ialiichewKohlenmarkt ist die. Lage gegen die Vorwoche_nur insofern geandert, als für Hausbrandkohle allgemein lebhaftere Nach- frage“ herrscht. Die Lebhaftigkeit des Gesckoäfts früherer Jahre ift hauptsachlich wegen andauernd niedrigen Wafferstandes des Rheins und geringerer Konsumtion der Eiseninduftcie und der Zuckerindustrie noch nicht erreicht.