1905 / 121 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Tue, 23 May 1905 18:00:01 GMT) scan diff

Angekommen:

Seine ExZeUenz der Unterstaatssekretär ini Ministerium für „Kandel un Gewerbe 1). Lohmann und

H er Ministeraldirektor in demselben Ministerium von der agen.

Yichtamtliches. Deutsches Reich.

Preußen. Berlin, 23. Mai.

Seine Majestät der Kaiser und Köyig nahme'n heute vormitta im Königlicbe'n Schloß zu Wiesbaden, die Vorträge des C efs des Zivilkabinstts, WirkiichqnnGeh'eimen Rats Dr. von Lucanus und des" Chefs des Militarkabmetts, GeneraUeutnants Grafen von Hulsen-Haeseler entgegen.

Laut Meldung des „W. T. B.“ ist der heimreisende TranSport der abgolösten BcsaßiingS.M.S.„Condor“ mit dsm ReichsPostdampfer „Scydvß“ gestern in Colombo (Ckylon) LiUJLsl'O en und hat an demselben Tage die Neffe nach Aden fortge etzt. „_ | _

S. M. S. „Jaguar“ Ut gestern von Schanghai nach Nanking in See gegan en. _ _

S. M. S. „Pfei ist gestern von Helgoland kommend in Portsmouth eingetroffen und geht am 23. Mar von dort nach Falmoutk).

Wiesbaden, 23. Mai. Ueber das Befinden Ihrer Majestät der Kaiserin und Kö_nigin _wurdex „W. T. B.“ zufolgk Heute morgen folgender Bericht veroffentlicht:

Schloß Wicsbaden, 23. Mai.

Das Befinden Jbrer Majssiät der Kaiserin und Kbnigin am gestrigen Tag€ und in der Nacht ist andauernd 9111988261611. 3th? Majestät bat rcichlich Schlaf gefunden. Der Appetit ist ut. Die Wunde zeigt keinerlei Ncizersckpeinungkn. Temperatur und als sind normal. N i ed n er.

Bayern.

J rs Köniqlichen Hoheiten der Prinz-Regent Luit- pold [imd die Prinzessin Therese? sind gestern abend von München nach Wien abgereist, Um der „Herzogin von Modena einen Besuch abzustatten.

Deutsche Kolonien.

Nach einem Tclcgramm aus Windhuk in Deutsch:Süd- westafrika ist, wie „W. T. B.“ berichtet, der Gcfreite Heins Heiland, geboren am 20. Mai 1877 zu WiSMar, früher im

nfantericregiment Nr. 89, am 20. Mai im Lazarett zu Windhuk an Typhus gsstorben.

Oesterreickx-Ungaru.

Graf Andrafs 1) hat, „W. T. B.“ zixfolge, die Aufgabe, das Programm der Koalition vor dem Kopig u' vertre_te_n, übernommen und reist “heute zur Audienz mm K.omg

(“71 i.“ M““"ZZY Äufhehung des Verbots der Ausfuhr von Futterstoffen ist, „W. T. B.“ zufolge, auch auf Ungarn ausZedehnt worden.

Großbritannien und Irland.

Zn dsr gestxigen Sißurxg des Unlerbauses teilte der Staats- sekretar fur Jndtezi Brodrick mit, daß die Zahl der in Indien an der Pest gestorbenen Psrsonxn Vom 1. Januar bis1.Adri1 471 [44 Und _der vom 1. bis 29. April gestdrbmicn 215 961 beträgt. - Soares (115961611112 sodann di“: Frage, ob “di? Regierung, wenn fie zur, ZSlT der tm _Jabre 1906.abzubaltendsnKolonia[konfercnz noncb „tm Amte set, beabsichtigc, die brikiickpkn VSrtreter zu er- mackxtigkn, ,die Frage dcr Vorzugszölle mit den Vertratern der, Kolonisxi zu erörtern. Der Premisrminister Balfour xrwtdertx, diess Frage sei Von der Regierung noch nicht in Erwagung gezogsn, aber keins RegiZFUng könne dsn Besprkchungen der Konferenz Schranken sexz-M, bcwnderö wenn die Regierung eme Engere xHJUdciMZrbindung mit den Kolonien wünscbs. In Er- widerung auf 61178 Reibe 1126118161." Fragkn, die von Camdbel] Bannerman und FUJITSU, Mitßlxcdtern der Opposition gestellt wurden, stellte der kannérministér es in Abrede, daß er die Politik, wie er sie in seiner _am 3. Oktobex 1904 in (Edinburg gebaltenkn Rede ge- keynzerchnei hab?, _ außxgcben babe und vcrfichcrte, daß er nach x_vte vbrkdér-Zn Anbanger 161. „Wéiter erklärte der Premierminister, die Kolomaifonierenz sokle fret sern, fi€ könne aber weder diE Kolonien noch das Mutterland binden. _Darauf bkantragte (Campbeli Banner- man unter lauten Beifaüsrusen der Liberalen die Vertagung des Haixscs, um Stkliung zu nsbmen zu der Erklärung Balfours, das; US Yrags dcr Bedorzugung der Kolonien möglicberrveisk dEr Kolonial- fonxerenz iint8_rbr€itet werde, bcvor das Land Gelegenbsit habe, seine Maniung zu_außxrn.

Dis chdrscbuxig dss Antrags Wurd? in der Abendsißung Vor- gsnommen. Caxnbbeli Bannermaa bsgründktc seinen Antrag auf Ver- taguyg des Hausss; er führt; aus, die: Erklärung des Prsmiexministers Balfour bedeut_c emen Wechjei in der Politik der Regierung, und cr Verlange Aufklarungsn bierübsr. Darauf onte der Kolonialminister Lyttelton das Wort_ ergreiscxi, die Liberalen jedoch, die eine sofortige Antwort Von Balfmxr islbst wünschten, brachkn in den unauszeseßt wieder- holten R_11f0119: Balfour! Balfour! Lyttelton Vérsuckyte Vergebens, iW Eebor zu verschaffc-n, doch War in My Lärm nicht ein Wort don einen Außfybrqngen zi: verstehen. DLL Vizesprechr legte sich eben- falls vkrgebltch ins Mittel, trosdem er erklärte, daß Baifour später das Wort exgrctfln werdx. Die Opposition weigerte sich, Lyttelton anzubqrxn, disser sprach uber 10 MinutSn zum Hause, obnx daß ein Wort ietner Rede dernebmbar War, und feste fichschließ1ich nieder. Der Larm dauerte fort. Nachdem Lyttelton seinen Play wieder eingenommen bgtie, versuchte Winston Cburchi [[ (liberal) zu raden, seine („Htim'ine wurde aber nunmehr durch lärmende Rufe der Ministeriellen ubcrtont. Churchill trat daraiäf dicht an den Platz des Sprechers heran Und redete bon diesLrSte 6 aus, ohne daß jLOVTh das Geringste Von seinen ASUßLkU179811 hörbar wurde. Lloyd George (liberal) richtete darauf'an den Vtzesprecher die Anfrage, ob nicht das Haus, da Balfour direkt zu genaueren Erklärungen über seine heutigen qulegungßn aufgeforderonrden sei, einen Anspruch darauf babe, dix]: Erklarungen Von ihm zu empfangen. Der Sprecher er- widerte, es bestehe dix Mögiichkeit, daß noch Weitere Mitgliedkr Fragen Qn den Premwrminijter zu stellen wünschten, der später antworten Werde. Der Kolonialminister Lyttelton erhob sich darauf abkrmals uztd versizchte zu sprechen, wurde aber wiederum nieder eschrien. Hugh Cecil (kontervaiiv) Ersuchts darauf die_Ve-rsammlung, yttelton anzuhören, „hatte, aber mit seiner Bitte ebenwwenig Erfolg, wie der Sprecher mtt wiederholten derartigen Versu en. Nunmehr forderte Campbell Bannerman Balfour persönlcb auf, seine Anfrage Zit beatitnßorten. Balfour erhob sich und sagte, es würde ihm un- zweckmaßrg gxscbienen babe_n, sofoxt nacb Campbell Bannerman zu sprechen, da _er doch diespateren, im Laufe der Erörterung noch fol- genden Angriffe nicht im voraus beantworten, aber doch zum Hause

nur einmal sprechen „könne. Er erkläre, er babe nie gehört, daß das

aus sich je geweigert babe, ein Mitglied der Regierung in einer die Regierung berührenden Frage anzubören,_ er babe nie gehört daß es eine Opposith Rachen babe, die, es fur ihr Amt gehalten, die Reihenfolge der ednet vorzuschreiben. Wenn der heutige Auftritt Nachfolge finden sollte, so würde dies das Parlament zu Grunde richten. Nach diesen Erklärun en des Premierministers machte Lyttelton einen neuen Versuch, lum Hause zu sprechen, gufs neue abcr erbob cb der Lärm. Der Kolonial ekretär fuhr in seiner Rede fort, fie g ng aber in dem Tumult vöuig verloren. Mac Neill (Ire) rief dem Minister zu: „Schaffen Sie Ordnung im Kulila ey!“, während andere Iren ibm spöttisch zuriefen: „Rufen Sie die Pol zetzu Hilfe!“ und dem * remierminister poiitische Feigheit vorwarfen. Nachdem die Lärm- zene eine Stunde gedauert, exklärte der Sprecher auf Grund der GefebäftSordnung dre Sijzung für vertagt. und die Mitglieder verließen das Haus, obne daß es zu Weiteren Zwischen-

fällen kam. Frankreich.

In der gestrigen Sißung der, Deputiertenkammer sprach in Erwiderung auf eine JnterpeUatwn. betreffend den Ausstand der Polizeibeamten in Lyon, der Minister des Innern Etienne fich tadelnd über den von diesen Beamten bewiesenen Mangel an Dis- ziplin aus. Der Minister billi te die Haltung des Prafekten, Verspracb aber schließlich, die Klagen der eamten wohlwollend prüfen zu xvoÜen, nachdem fie ihren Dienst wieder aufgenommen haben würden. Der Mtnistxr- präfident Rouvier führte darauf qus, Ordnung sei überall"_nöti , besonders in ciner Republik, und keine Re kerung dürfe Anfsmfigkeu von seiten der Beamten der öffentlichen acht dulden. DasHaus nahm mit 504 gegen 75 Stimmen eins Tagesordtiung an, in dézr die Erklärungen der Regierung gebiUigt wurden. Hierauf Wurd: die Beratung dcs Gefeßentwurfs, betreffend Trennung von Staat

und Kirche, fortgesetzt. Rußland.

General Lenewit ck) telegraphierte un_ter dem 21. d. M., daß, als am 18. Mai 6 tlich de_r Eisenbahn eme durch Kav'gllerie vcrstärkte russische Abteilung, slch deux Dorf Sk) 911 0 ts e nahertx, sie von Japanern in beträchtliche): Starke angegriffen wurde, dre von den Kohlengruben er, dre sudlick) Shahotse liegen, zur Offen? five Über ingen.- Au der Mandartyenstrqße gingen wet russische lbteilungen, o ne mite'mandex m Verbindung zu sie en, vor. Die eine stieß auf iderstan) von ]apqmscherJnÜanterie und Kavallerie, warf fie der Reihe auch aus 1 ren Ste ungen und bLsLHLS das Yußtal des-Kaakhe und das . lußtal „des Kbonda, westlich von anchentse. Die cndere Abtetiung trieb die feind- lichen Kavallerievorposten von Tadlou zuruck.

Die „St. Petersburger Telegraphen-A ent_ur“ meldet: Einige Zeitun en berichten„ Jer russtschen cherung eien von ausländi chen Kapitalisén Anerbreten großxrer 'n- leihen egen Sicherft-ilung durch die Etn- nahmen Jer staatlichen Etsqnbahnen gemachx worden. Hierzu erklärt das Finanzminftermm daß erstens ihm solche Ancrbicten nicht gemacht winden fin und, dgß zweitens das Ministerium weder die_Nbs1c1t noch das Bedurfxns hat, der artigs Anleihen abzuschließen. Ebenso unwghr sewn auch tim- laufende Gerüchte, denen zu'ol e die Regierung beabsichtige, einige Staatsbahnen PrivageJLllschaften zum Betriebe zu übergeben.

Sxauien.

In Saragos s a kame! gestern in _der _Umeung der Kirche del Pilar Nubestörtn en vor die, Wie . T. B.“ meldet, dadurch verngaßt pur en, daß die Republikaner den Aasmxt einer MdLUßdn “& y,erhindern suchten. Die Polizei und die Vürgergar e schritte . .oun-d nahyienmehrere Ver- haftungen vor. Hierauf war die Ruhe wxeder hergestellt.

Niederlande.

' Nach Meldung des „Reuterschen Bureaus“ aus dem Haag ist _der Spruch des SchiedsZerichts in der Streitfrage zwxschen Japan einerseits und Deutschland, Frankreich und England andarcrseits we en der in den chsmaligen Fremdenniederlassun en er1obenen Gebäudesteuern zu Gunstenber europäiéchcn Mächte ausgefallen. Der er: fcnnende Teil des Schiedsspruchs besagt: Die Bestimmungen dcr„Verträ„e und dcr andsren in den Protokollen des SchicdSJcri ts angeführten Vereinbarungen befreien nicht den auf Gmmd dauerndsr Pachtverträge von der japanischen chicrung 1)de 111 i?rem Namen abgctretsncn Grundbesiß aUctzx, soxidkrn sic bc reien außer den Grundstücken au die GLÖUUÖL _edcr Art, welchc anf diesen Grundstücken errichtet worden ind oder noch Errichtet werden könnten, von allen Steuern, Abgaben, Lasten, Kontributionen oder irgend- welchen Vsrpxlichtungcn anderer Art als denjenigen, die in den in Frage stehenden Pachtvertyägen ausdrücklich festgelegt worden md. DEL“ Vcrtrster der 1apanifchcn Regierung, Bot- schafter Motono in Paris, erklärte vor der Unterzoichnung, seins Meinung stehe mit der der Mehrheit des Schieds erichts- [wie?- ganz und gar _im Widerspruch, sowohl was is Be- Frundung des Schiedsjpruchs als auch das Erkenntnis selbst

etrcffc. Türkei.

Nach einer Meldung des „Wiener K. K. Telegr.-Korresp.- “'Bitreaus“ aus Konstantinopel “ist der Streit all mit Rumänien beigelegt. Es heißt, daß der ali von Janina dem rumänischen Konsul sein Bedauern ausdrücken werde. Außerdem sollen walachische Gemeinden Ortsvorsteher ibrerxigenen Nationalität wächn können und in Kreis: und Promnztalaquchüssen walachi che Untertanen der Pforte Sitz imd Stimme haben. Für die Errichtung malachischer Schulen 1ollen Erleichterungen gewährt werden.

Serbien.

Bei der gestrigen Präsidentenwahl in der Skupschtina nxurde, „W. T. B.“ zufolge, nach dreimaligem Wählen, da_ keine absolute „Mehr ert zu erzielen war, der fxuhcre Präsident Aza Stanoxemtts mit 66 Stimmen rela- Uver Mehrheit gewählt. Er erkiärte gber, die Wahl nicht azmelxrzien z_u molien, da er mcht die genü ende Autorität ftir die Leitung der Geschäfte haben wür e. Die Re- gierung _lZielt dqrauf eine Konferenz ab, als deren Ergebnis der Mitiitcrpräsident Paschitxch dem Könige mitteilte, daß das thsterium nach der Abttmnzung in der Skupschtina nur unter der Bedingung der Auflosung der Skupschtina im Amte verbleiben könne. Nach emer_ weiteren Meldun aus Belgrad hat das Kabinett Paschttsck) die Entlas?ung eingereicht.

Schivedeu und Norwegen.

_ Der König wird am Ende dieser Woche die Re ierung Wieder „übernehmen. In seinem Auftrage begibt ck der Kronprmeegent am 1. Juni nac?) Berlin, [um der Hochzeit des deutschen Kronprinzen beizuwo nen.

Der Reichstag ist gestern geschlossen worden. In seiner

Schlußrede sagte, wie „W. T. B.“ meldet, der Präfident der zweiten

Kammer die Trennung werde vielleicht nur kurze eit dauern. UMR, erblickt Hierin eine Bestätigun? des Gerücbts, da im Sommer aus Aula? der norwegischen Frage e ne außerordentliche Tagung desMeishs. tags iatlfinden werde. '

„. Aken.

Amtlich wird aus Tokio gemeldet: Am 20. Mai macht,

der Feind, bestehend aus uber 1 Bataillon Infanterie, '

1 Reqiment Kavallerie und 2 Gxxchüßen eine Umgehung von der Nachbarschaft eines 10 Met en östlich von Chan tu ge, legenen Kahlenbergwerks nach der 8 Meilen östli Von Changtu gelegenen öhe von Santaokov und eröffnete Um 111/ Uhr Morgens as Feuer. Später erschienen 4 feindliche GescFüpe auf der nördlichen .?öhc von Chinyangpao. Um 4 Uhr Nachmittags gm en 2 rus ische Bataillone von der öst- lichen Seite des orfes vor, wurden aber zurückgeschlagen, Eine weitere gemischte Truppenabtetlun rückte in Ersilipag ein, feste das Dorf in Brand und zog Fick) zurück. Abgeseffene feindliche Kavallerie Friff Tangshed auf dem rechten Ufer des Liaoho, 13 Me lcn ssüdwxstlici) Fakumen am Morgen des 20. Mai an. Nach zweitündtgem Kampf zog sich der Feind in Unordnung nach Südwesten zurück und ließ 300 Tote und Verwundete zurück. Außer kleineren Zusamrrien- stößen ist die Lage unve'rändert.

Nach Meldung der „„St. Petersbur er Telegraphcn: Agentur“ ist Seine Königliche Hoheit der Örinz rtedrickz Leopold von PreußZn gestern von Urga nach iachta ab: gereist, um fick) zur russischen Feldarmee zu begeben.

Parlamentarische Nachrichten.

In der heuti en (190) Sißung des Reichstags, welcher der Staatsss retär des Innern, Staatsminister Dr. Graf vori Posadowsky-Webnesr und der Staatssekretär des Reichßxusnzamis Dr. Nteberdtng beiwobnten, wurde zunächst die zweite Beratung „des Gesc. entwurfs, be- trseffendAenderungen der Zivilproze ordnung, fort- ge ekt.

Abg. Dr. chasckpe (nl.): Bebor wir in die Wiederholung der namentlichen Abstimmun über die Erhöhung der RéVisiOUSsumtnS eintreten, bitte ich, die amen derer, die am“ le ten Sonnabend die namentliche Abstimmung beantragten, durch das 5 ureau festzusteUkn. Ich habe wahrgeizommen, daß von den 50 Mitgliedern, die diesen Anterg steüten, einige vierziBbei der Abstimmung nicbt zuge en waren.

bg. Bebel (Soz.): ie angeregte Frage hat uns s on früber beschäftigt, sie ist aber niemals in dem Sinne des Antrags Paaicha cntscbiederz worden. Die Namen derjenigen, die de'n Antrag auf nament- liche Abstimmung unterzeichnet haben, können ja festgestellt werden. Sollte die Geschästsordnungskommission ficb dafür entscheiden, daß so Verfahrext wird, wie Herr Paasche es wünscht, so würde ich nichts da- gegen einzuwenden haben; ich mbcbte mich nur dagegen Verwabren, daß man diesen einzelnen Fali aufgreift.

Abg. Dr. Spahn (Zenit. : Ich möchte nur dem Abg. Bebel

egenüber feststellen, daß es si bier nicht um ein neues Verfahren Jandelt. ch würde dem Anfrage des Abg. Paascbe zustimmen.

bg. Stadthagen (Soz.): Sollte der Antrag angenommen wexden, so, würde ich bitten, daß das Bureau auch die Namen der- jent en Mit lieder feststelit, die am Sonnabend gefebü haben und die dur ibre A wesenheit die nochmalige Abstimmung veranlaßt baben, “insbesondere auch die der nationalliberalen Partei, von der am Sonn- abend nur ebr weni : anwesend waren.

bg. r. Yaa?che: Die öffentliche Meinung hat ein Intereffa damn, an'dem organg eine Kritik zu üben und zu erfahren, daß Von 51 Mitgliedern, die den Antrag auf namentliche Abstimmung gefteüt haben„nacbber 4/5 fehlten. Die Namen der Antragsteller sollten nicht allein tm stenograpbischen Protokoll sieben.

' A „Bebel: Es handelt sick) hier durchaus um ein Novum. Die Sa e ist zwar seinerzeit angeregt, aber nich durchgeführt worden. Wir hatten die namentliche Abstimmung don Fraktions wegen bereits fur Freiiag beantragt und ' in der betreffenden Sißung wäre das FMS v:eileicht beschlußfäbtg gewesen„ wenn nicht ein Teil der

kationalltbkralen, dsnen die namentliche Abstimmung unangenehm War, herausgegangen wäre.

Abg. Dr. Bachem (Zentus: Der Antrag Paascbe ist keineswrgs ein Nodum. Ich habe schon ei früheren Gelegenheiten denselben Aptrag gestalit und darauf sindqdurch den Schriftführer die Unter- zeichner des Antrags auf namentlich Abstimmung verlesen worden.

Abg. Büsing (ul.): Ich muß es ganz entschieden zurückweisén, daß eme große Anzahl meiner politischen Freuude am Sonnabend den Saal_ verlassen habe, um dadurch die Beschlußunfäbigkeit des Hauses herbeizuführen. Der Abg. Bebel wird genau wi en, da an der Bewblu fähigkeitsziffer an beiden Tagen ungefä r 50 itglieder gefehlt aben, und unsere raktion zählt überhaupt nur 50 Mitglieder.

Abg. Frobme (Soz. : Meine Fraktion batte sui; darüber ver- standigt, die namentli 8 Abstimmung zu beantragen. Es konnte aber niemand von uns wi en, in welcher SYM diese Abstimmung er- fol cn würde. Das Vorgehen des Abg. achbe hat nur den Zweck, na außen einen gewiffen Effekt zu machen.

Abg. Be bel : Die Herren täuschen ch sebr, Wenn sie glauben, wir battxn irgendwelche Scheu, daß die amen der Antragsteaer be- kannb wurden. WirderWabren 1an nur gegen ein Verfahren, wie es bisher nicht üblich war. Dre Frage ist allerdings durch den Abg. Bachem zur Zeit der Zolldebatten hier angeregt worden, weil er glaubte, daß ein eil der ?_lntra steller nicht anwesend wäre. Es ist abxxfidatsngls ausdrücklich sesigetellt worden, daß dies Verfahren unzu a g e:.

Abg. Dr. Bachem: GYM diese Behauptung mu icb entschieden Verwabrunq einlegen. Die Lschäftsordnun skommis on begtedamals große Zweifei, und das Haus hat keine Entßcheidung getroffen.

Abg. Singer (Soz.?sk: Ich bin tebr erstaunt, daß diese Tis- kqss'ton 1eßi stattfindet. geh der Gesckpäftwrdnung ist vor der Ab- FusiIiFJ 6an Diskussion nicht zulässig, außerdem hält das nur die

e a e au.

Präsident (Graf von Balleftrem: Nun werde ich mich auch einmal aussprechen. Es liegt gar kein Antrag)? vor. Der' Abg. Paasckpe bat mich gebeten, ich möchte doch die * amen der Herren, die den Antrag_ auf namentliche Abstimmung gesteUt baden, mitteilen. Gefckyaftwrdnungsmäßig steht dieser Verlesung nichts entgegen. Es ste t ganz bei mir, ob ich das tun werde oder nicht. Da ich jedem Herrn_ bgeoxdneten, der sich innerhalb der Geschäftsordnung bewegt, gem efallig bm so werde ich dem Wunsche des Abg.Paa?che entsprechen. in Antrag iiesgt nicht vor, eine Abstimmung darüber findet nicht statt. Das steht et, daß es dem Brauche des Hauses nicht entgegensteht, wenn_ an ini Hause nicht anwesende Mitglieder einen Antrag auf namentliche bsttmmung unterschreiben. Sie müssen ihn nur eigenbandig un_terschrieben haben, darauf babe ich immer ge- baltexi. Die Ge cbaftöordnungskommiifion hat nur bestimmt, daß bei Antragßn auf chluß und Vertagung die Antragsteller anwesend sein mußten. Ob es nun eine erfreuli Erscheinung ist, daß von 51 Antragstellern, die' die namentli e Abstimmun beantragen, 42 febxen, ist ja eine andere Sache. Aber die GeÉicbäftSordnung sagt uber diesen Fall nichts, und ich kann dies als Präsident nicht“ tadeln. Ich habe ja immer die Idee gehabt, 1 man die

exten, die; den Antrag auf namentliche Abstimmung ge tellt haben, ider Abfimmung als anwesend betrachten müsse, und wenn sie nicht. estxxnmt haben, als sich der Stimme enthaltend, aber b jest ist die Geschä syrdnung noch nicht nach dieser Seite erändert worden. Jedenfa s ist es ein barmloser Wun _ck, aus dem fi ; eme so große Debatte entwickelt hat, und ich wer e ibm

t Nachkommén. (Der Präsident v'erliest darauf die Namen der Mträgftesler.)

Hieräu schreitet. das Haus zur Wiederholung der n'amentli en Abstimmung. Es werden 203 Stimmzettel abge eben avon lauten 119 "r, 74 gegen die Erhöhung der

Revi ons umme von 1500 an 2500 ckck; 10 Mitglieder ent- ,

halten si der Abstimmung. ie Erhöhung ist also nach dem Kom'misfionSVorschlag angenommen. _

.- Der § 547 der Zimlprqzeßordnun mird ohne Debatte nach dém Antrgg der Kommission dak) n geändert, daß die Revision" unbedingt stattfindet, „1) soweit es fich um die ach- liche_Unzi_iständtgkeit des Gerichts handelt.“ (Das ort „sachltche“ ist Zysaß der Kommission.)

Die. Komnitsfion hat dem § 549 ferner folgenden zweiten Absaß Ynzugefußt:

, n Rechts treitigkeiten über vermögenörecbtlicbe Ansprüche kann die Revision nicht darauf gestüßt werden, daß das Gericht seine örtliche €Zuständigkeit mit Unrecht angenommen hat..“

Abg. Stadthagen bekämpft diese Aenderung, indem er darauf hinweist, daß es dann keine Remedur gegen irrtümliche gerichtliche Verurteilung zur Nachschußpflicbt bei gewissen Genossxnschaftsformen eben würde. Redner kommt in diesem Zusammenhang auf seine Be- auvtung zurück, daß der Agrarierring den Abgang des Senats- präsidenten Hartmann vom Kammer ericbt Veranlaßt habe, und sucht lkaxxnterbnßclszWeisekn, daß der preußiiihe Justizminister Unrichtiges er- at a e.

(Schluß des Blattes.)

- Der Schlußbericht über die gestrige Sißung des quxses der Abgeordneten befindet fick) in der Dritten etage.

- Das Haus der Abqéordneten erledigte in seiner heutigen (187) Sißung zunächst eine Anzahl vonPetitionen.

Ueber eine Petifion der Grundstücksbesißxr Fürchtenioöt und Genoffen in Niederschönbausen bei Berlin um Ae nd er u n g der Baupolizeiordnun a für die Vororte von Berlin gebt das Haus auf Antrag der Gemeindekommisfion mit Rücksicht darauf, daß die Petenten den gleichen Antrag auch bei den Staatsbebörden gesiellt haben und daß dieser Antrag dort zur Zeit einer Prüfung unterzogen wird, zur Tagesordnung über.

Eine Petition des Innungsverbandes deutscher Baugewerksineister in "Berlin um Aufhebung der Beitritts- und Beitrags- pflicht der, HandWersgroßbetriebe zu den Handels- ka m m er n wird der Regierung zur Erwägung überwiesen.

Eine Petition des Verbandes deutscher Köche um A n w e n d u n g der besonderen Bestimmungen der Gewerbeordnuna für Han dwerker auf die Köche wird durch Uebergang zur Tages- ordnung erledigt, deSgleichen mebrere Petitionen Von hannoverschen Festeinen um Aenderung der Städteordnung für die Provinz

a 11 n l) 1) L.

Eine Petition der Oberlehrer an den Königlichen [) c“) b e r e n L b r a n st (1 l t e n zu Biedenkopf und Marbur Webmeyer, Ewoldt und Armbröster um Anrechnung ib rer BesTäftiqun g an vriva ten böber en Lebran stalten, Welche die Berechtigung zur AussteÜung von Zeugnissen für den einjährig-freiwilliaen Militär- dienst haben, auf die pensionsfäbige Dienstzeit und das Besoldunasdien staltet, beantraßt die Unterrichtskom- m is s i o n hinsichtlich der Anrechnung be der BemeffunYJdes Rube- gebalts als Material, hinsichtlich dex Anrechnung auf das dienstalter zur Erwägung zu überweisen.

Abg. Dr. L o ti ch i u s (ul.) empfiehlt das Petitum unter Hinweis darauf, das; der Staat ein Interesse an der Erhaltung solcher pridaten Anstalten babe.

Das aus beschließt nach dem KommissionSantrage.

Außer em wird eine Reibe von Petitionen persönlichen Inhalts obne Debatte nach den KommissionSanträgen erledigt.

Es folgt dann die Beratung des Antrags der Abgg. Freiherr von Zedliß und Neukirch (freikons.) und Ge- nossen, betreffcnd pensionsfähie Zulagen für

Seminardirektoren, ;Semmarle rer und Seminar- lebrerinnen.

Nach dem StaatshaushaltSetat für 1905 sollen zum ersten Male der dienstälteren Hälfte der Lehrpersonen an den Seminaren und Präparandenanstalten nicht penfionsfähige Julaqen gewährt werden; fie sollen betra en iur. ÖW Direktoren 600 „16, für die Oberlehrer, ordentli en Se_mma_r- lebrer und Präparandenanstaltsyorsteher 400 «46, fur_ die Zweiten Präparandenlehrcr 300 W und für die Semmar- lehrerinnen 200 „46 JUSgesamt find dafür 219 600 „14 aus:

gewvrfen. . Dic Abqq. Freiherr von edliß und Neukirch und

Genossen haben bei der Etats eratung beantragt, die Er- wartung auszusprechen, daß diese Zulagen durch den Staats- haus altSetat für 1906 pensions äHig gemacht werden._

ie Budgetkommission, welcher der Y_ntrag uber: wiesen war, beantragt durch den Berichterstatter Abg.

Winckler, den Antra abßulehnen.

Abg. Freiherr von ed i und Neukirch (freikons.): Ick) b'alte dem Kommisfionsbescblu gegenüber meinen Antrag auf- recht und bitte, dem Antrag der Kommission entgegen, meinen Antrag anzunehmen. Die Gründe 'der BudJetkommisfion sind nicht dnrchfcblagend. Nach der Meinuncz a er, welche mit dem Seminarwesen vertraut find, iit die Stellxn- zusage obne die Pensionsfäbigkeit eine halbe Maßregel und, wird nicht den Zweck erreichen, den Mangel an Seminarlebrern zu beseitigen. Daß die Zulage nicht pensionsfäbig gemacht ist, beruht zwar auf einer Vereinbarun zwischen Unterrichts- upd Finanzderwaltung; aber in der Reg? muß man nach kurzer eit do das geben, _was man zuerst versagen Wollte; denn jede halbe aßre el istunxweckmaßig. Finanziell ist die Sache nicht von Bedeutun ; es andelt sich nur um etwa 10 000.44 an Pensionen mehr jährlich. ir kennen auch s_onst außer der Ostmarkenzulage keine Stellenzulage, die nicht YensionsfabiY ware. Wir- kommen in die Gefahr, daß wir nicht die nöttg'en Lebrxr fte zur Ausbildung unserer Volsschullebrer besi en. wenn die Semmarlebrer seben, daß sie sicb schlechter sieben als 5 eVolksscbullebrer selbst. Im Interesse unserer Lehrerschaft, im Interesse unseres Lehrerbildungs- Weseöis und unseres ganzen Volks bitte ich Sie, meinen Antrag an- zune men.

(Schluß des Blattes.)

esoldungs-

Statistik und Volkswirtsckxaft.

Ueber die geistigen Fähigkeiten der Knaben und Mädchen.

In einer Versammlung der 861.151] 145300136011 in Cam- brid e . erregte ein Vortrag des auch in Deutschland als Ver asser statiJLiscber VeröffentlichurYen bekannten Gelehrten Dr. osef von Körössv- Direktors des tati tischen Amtes in Budapest, Aufsehen und zwar nicht nur' in den reisen der (Gelehrten, sondem ams in der Presse und im blikum. Dr. Köröffy legte nämlich das Ergebnis einer seit 27 abren

dem-Verbältnis der geistigen l€cht befaßt.

ähigkeiten um Ges

DiefeStatistik scheint vor allem von met odologisckxem Werte" zu

Ziml mid bwird zu ähnlichen Erhebungen in anderen Stadten vielleicht n (1 "ge en. _ .

m Jahre 1873 xegte Dr. Köröfiy die Aufnahme dieser Stgtisjik

an und bewog den Stadtrat von Budapest, die Abgabe ' des xiotigen

Materials zu veranlafjen. Seitdem werden alljahrlich ausfuhrliche

efübrten Statistik vocrö die sich mit“

AuSweise über alle Schüler der Budapester Kommunalscbulen geliefert.

Direktor Köröffy bat die Dajen _,über 808 305 Schüler aufgearbe tet, sodaß feine Feststeüun en einen ubera_us ernsten BeitraJJLzur Abwehr der Annabme einer pbgyfiologkscb & rundejen ?eksügen inderwe_rtig- keit des Weibes bilden. Die Erbe ungen ers reckten sich nach xinem in der .Sozialkorrespondenz' Wiedersegebenkn Auszuge aus jenem Vortrage auf: Knaben Mädchen 412 758 350 382 in 6 Elementarklaffen von 1873-1899, 14 201 20 588 in 6 Bürgerklaffen von_1899-1902, 2628 5326 in der 4. Klas? der Burgerscbule Von 1881-1894, 2208 214 in 8 Gymnafialklaffen Von 1900-1903,

431795 376 510.

Vor allem konstatiert der Bericht, der demnächst veröffentlicht werden wird, daß Von einer angeborenen Minderwertigkeit keine Rede“ sein kann, da in der von Dr. Körößys Statistik bebandelten Alters- lage dom 6. bis 16. Jahre die Madchen den Knaben an Jaffyngs- vermögen überlegen sind. Es Zeigt fich eme Ueberlegenbeit, die im ersten Schuljabre kaum nennenswert ist, aber bis an,die Grenze des behandelten Wters stetig und zu auffaüendxr Höhe stetF. , ,

Die Statistik bewegt sich nach zwei Richtunaexp tnersetts zeigt sie, wie sicb der aUgemeine Schulerfolg 'der Madchen zu dem der Knaben dsrbält, andererseits inwieweit „fich m gewiffsn, und zwar in den bauptsächlickyften Lebrgegenständen, eme Verschiedsnbeit des Erfolges bei Knaben und bei Madchen zeigt. In ersterer Richtung war die Zahl .der Si engebliebenen ausschlaggebend. Da von den 412 758 Elementarsckzü ern 69 422, also 168 Vom Tausend, und 1)th den 350 382 Mädchkn nur 54 391, also 158 Vom Tausend, sißexi blieben, ergibt sich, daß hier von einer Mindertvertigksit des weiblichen Ge- schlechts nicht die Rede sein kann. .

Wie diese Ueberlegenbeit von Jahr zu Jahr steigi, geht aus der folgenden Aufsteüung über die Wiederbolenden der emzelxten Klassen hervor. Von je 100 Schülern wiederholten, d. b. wuxden nicht berseßt:

Knaben Madchen

1873-1874 . . . 17,8 16,7 1875-1879 . . . 17,6 16,2 1880-1884 . . . 16,7 16,5 1885-1889 . . . 17,6 16,6 1890-1894 . . . 17,2 15,4 1895-1899 . . . 15,7 14,0.

Die Erbsbungen über die Erfolge in Spezialsäcbßrn maden chr vierter) Klose dcr Elementarscbuien entnommen, auf dsrkrz Ergxbnis Dr. Kdröffw darum das größte Gewicht legte, weil nach,d1€ier'zklc111e die großen Vérscbiebungen bezü lich, der weiteren Schuldtfferxnzixrung eintreten, diese also für die ein eitltcben Beurteilungen am ,gunsttgstsn ist. Von den 172 477 in Betracht grzogenen SchUlern der 4. Elementarklaffe erhielten beste Noten: _

Knaben Madchen in Muttersprache . 15 494 = 23,6 0/0 15 955 := 32,3 0/0 in Arithmetik . 18 344 = 28 0/0 18450 = 37,3 0/0 in Geographie . 9300 = 29,2 0/0 9491 = 36,9 0/0.

Bis zu diaser Klasse muß die an efßbrte Statistik, mit als Bsweis

dafür diencn, daß das Gehirn der adchen sicb, glxtcb dem schui'lleren

Jaéstum des w:iblichen Körpers, rascher entrvtckelt, als das der na en.

Wenn nun dia Statistik der höheren „Elementarscbuleri, der sogenannten Bürgerschulen, eine ganz beachtlich? Ueberlegeyheit der weiblichen Jnteüigenz ergibt, so müssen wxr die zablexzxnaßig n_icht feststeUbaren Verbältniffe mit in Betracbtnjieben, um die Sache _naber zu erklären. Daß von 14201 Bürgerschulxrn und 20588 Burgsr- schülerinnen 840 Knaben und nur 450 Madchen fißen blieben, oder gar das; in der 4. Klasse beste Noten erhielten: _

Knaben Madcbsn

in Muttersprache. . 16,7 0/0 44,6% . Deutsch . . . . 12,2 39,2 , . Geschichte . . . 20,9 4-,3 . Arithmetik . . 10,8 35,3 .,

kann noch nicht als absoluter Maßstab einkr aUgemeirZLn Ueberlegen- beit der gleichaltrigen weibli sn Jugend über die mannliche Zellen. Die Mädchen hatten in Pest is Vor einigen Jabren qußer der Burgex- schule keine höhere Schule, während ein groLex Teil dsr Knaben 1." die Gymnasien und Realschulen_ übergeht, die 5 urgerscbulen daher die geistiZJOder materiel] vielleicht 1chlechter stehenden Knaben bebalten. irektor Körbffy weist auch noch auf einen anderenUmsmnd Hiri: Die Bürgerschulledrer sind vielfach „akademisch gebildet, wLbrexid dis Bügerfckoullebrerinnen lkdiglich an Praparandenanstaiten und Oemmaren ausgebildet tvsrden. Erstere, meiniKöröffy, stellten also woblstrenge'ce? und qrößcrs Anforderungen als ihre weiblichen Kolle 511, was fig.) in dkn Noten und Verseßungen widerspiegeln dürfte. isser Ayifammg ent kgm wird in der .Soziali'orr.“ betont, daß dix eigentliche Sciiulvlan vorschreibt, was sowohl yon_ Knaben wie boxi den Mädchen geforderk rverden mnß, der persönlichen strengerén Aufsaffang im .“"aÜenlaffen' also viel zu géxnaue Grenzen gezogen werden, ais daß 6 so aussckolaagebsnd sein könnte, ww Köröffv vorausieF; SM sini sn Jahren besißt nun Pest ein Mc'idcbengynznafium. . “_ck, Vcr- glex über die vanasialerfolgeAsind jedoch night berystsfabtg._da die vergleichenden Untersucbun en 11ch vorlaufig erst aus 2208 Schuler und 214 Schülerinnen erxstre ten, Von denen bei dem Abiturienten- examen 494 = 22,4 % Knaben und 22 Mädchen : 10,3 % dmc!)- fislen; das Gésamtresultat ivar folÉndes: ' ymnasiasten vanasiastmnen

sehr gut absolvierten . . 283 = 12,8 0/0 44 - 20,6 0/0 gut absolvierten . . . . 512 = 23,2 68 : 31,8 einfach absolvisrten . . . 919 = 41,6 , 80 = 37,3 , durchgefaiien smd . . . 494 = 22,4 , 22 : 10,3 „.

Daraus kann nur konstatiert werden, daß fich auch da zu Gunsten dxr wsiblicben Studierenden groß:: Verfchtedenbeiten zeigen; als Beweis darf dieses dürftige Material aber nicht verwendet werden.

Köröffv stand am Anfang seiner Forscbiing der Frauenfragegayz objektiv gegenüber, und auch heute glaubt er seine Schiusse ganz objektiv zu sieben, indem er schon in den angefuhrten Daten eine Ueberlegenhett der weiblichen Intelligenz während der Schuljahre nxeint'wabrnebinen zu können. Er schließt aber aus deux Umstand, das" „nicht nur in dan Wiffenscbaften, sondern in aklen Kunsten' das m'annltche_ Geschlecht alLein die großen Leistunßen getan hat, daß die Entzvtckhlgxg dEr

eistigen “äbigkeiten bei eiden Geschlechtern nicht glxickymchig yon tatten ge 8. Er neigt zur Annahme daß beim Weide_dte Ent- wicklungsjädigkeit mit Eintritt der Reifezeit aufböre, wahrsnd die Leistungsfähigkeit des männlichen Gehirns, trotz eingetretener Reife, fortiabre, sieb zu steigern- ,

Der Mangel an AuIbildungSgele enbeit fur die Frauen. dem, 1:1 erst in neuester Zeit und Vorläufig an noch zögernd abgeholfen, wird, wäre - wie auch der Bischof von Hereford bei der Diskusfiongn der erdigb 4550013131011 hervorbob - aber in erster Reihe zu berücksi tigen. Köröffy sagt dage en, daß dieser Mangel kein Entf u di un Sgrund sei, weil das enie a keine Schrankezi kxnnt und ck kBKM brechen muß, wre es bei vielen m_annltchen Genies materiellen und sozialen VerbgltnYen gegenuchr zur Geltung gebracht hat. „Kann aber“, fragt die . ozialkorr.“, „jemand beweisen, daß die im Verhältnis zur Menschheitswbl unendlich kleine Zahl der „anerkannten Genies“ den uptteil aller je'geborenen Genies bildet? Ist es nicht mögli , daß die sozialen und materiellen Kämpfe unsäglich viel von jenex Glut ?elöscht b?bexi, die die Kultur um ungeahnte Geistesschase bere chert bat_te.- Die ?rau bat aber nicht nur aus ihrem Stapd, aus den wirt- ; aftlchen Verhältnissen heraus,]ondern überdies auch als Ge;- . lechtswesen ju.kämpfen. Müssen wir also ni t annehmen, daß die Mehrbelastung, der Hemmungsüberscbuß, aucb chuld daran ser. daß fich numerisch von den weiblichen Genres noch weniqxr durchringen konnten als von den männlichen ?“ -Aber tro dicier Einseitigkeit des Urteils Körösfvs ist seine wertvolle Statittk ein bervyrrageudes Dokuyient' ur Untersuchung der Frage nach dem Verhaltnis der geistigen FäZigkeiten der Geschlechter zueinander.

Tie Fürsorgeerziebung in Großbritannien und Frankreich.

Für die weitere Entwicklung der Fürsorgeerziebung in Preußen ist es vielleicht von Interesse, über die Fürsorgeetziebung in England und Schottland aus dem neuesten, dem Parlament vorgelegten Berichte ') einiF): Mitteilungen u erhalten.

Am 31. ezember 1903 eianden fich in der Erziehung der Kskormabory uncl 1nc1115trja1-Zc2110015 22 954 Knaben und 4919 Mädchen, zusammen 27 873 öglinge. Der Zugang im Jabre 1903 betrug 6323 (geaén 6523 in reußen im Rechnungsjabre 1903/4), der Abgang 5672. Dabei muß beachtet werden, daß der ürsorgeerziebung in' Großbritannien nur ugendliche bis zum 16. ebensjabre über- wiesen werden können, also 2 Jahresklaffen weniger als in Preußen.

Die dafür aufgewendeten Kosten beliefen sich auf rund 11815840 sb. Die jäbrlichsn Kosten eines Zöglings schrVank-“n zwischen 300 und 440 sh. Von den Kosten tragen: der Staat 5198900 sb., die Gemeinden 4531820 sh, die Eltern 578300 sb., freiwillige Beiträge und Vermächtniffe 725 960 sb. - Die Gesamt- zabl der ErziehungsanstaTten für diese Zö-Zlinge beträgt 193.

Dazu kommen noch 24 Day ]UÜUHU'181-ZC11001Z, die am 31. De- zember 1903 von 3396 Kindeén besucht Wurden und eine Ausgabe bon 788 240 sb. erforderten, zu denen der Staat 148 000 sb., die Ge- meinden 532 340 sb, die Eltern 60 040 sb. beisteuerten. ,

Die Bestrafungen der Jugendlichn find seit dem Jabra 1892 m Engkand Von 4036 auf 1081 im Jahre 1902, in Schottlarid Von 718 auf 215 gesunkkn troß der Zunahme der Bevölkerung. _ '

Welche, Bedkutung diesem Zweige staatlicber Fürsorgs Fiir die Jugend beigelegt wird, mag daraus berdbrzeben, daß dafur dm eigxnes Amt im Ministerium des Jnnsrn (JOUR) OSPQTTWSUQ) e_xn- gertcbtet ist, an dessen Spiße ein Inspektor siébt, dsm fünf_©€blli_c'x1, dar_unter eine Dame für die Besickytiaung der Erziehungsanitalten *e'ur Madchen, beigegeben sind. Diese Beamten haben jedi? Anstalt, im ngre zweimal und noch öfter befichtigt und fis auf ihre bÜUllkhkn Ctnrichtungnen, Verwaliung, körperliche und geistigstlLI? der ZIA.“ lmge, Befabi ung der Beamten, Untsrrichtu1memgebend JePkYst und das Erge nis für jede Anstalt in den Berichten niédergelegt, 70- daß der Zustand dicser Anstaiten sowvbl der Kontrol1€ desPariaxnenis Als auch alien Kreisen, die fich für die Jagendfürwrge mtsresmersn, offen dargelegt wird.

. Frankreich hat durch zwei Gescye vom_18. und 27. Jimi 1904") die Fursdrge für die Verlasenen, Verwahrlbstcn und beibrscberitcikxn Jugendlxckoen in einer Weiie geregklt, die noch Mit 11er denRabmsn der engliskhen und dsr deutsckßen (Heseßgsburig biriausgebt. Dideitcn dsr Exziebung der berlaffenen und geiäbrdetén Jagendlicben werdeii zn xe zwei Fünfteln Vom Staat und Vom Departement, zu einsm Fiinitsl von dxn Gemeinden gktrage'n, die Kosten der Erziehung der 1361"- ZZYrtsthen Jugend don dém Staat und den Departsmsnts je zur

a e.

Zur ArbeiterbeWegung.

Nachdem die Schmisdegesellen Berlins und dcr Um- gegend (5.11. Nr. 119 d. Bl.) am Sonntag in zwxi Versammlungen nack_ dkm Vorschlage der erweiterte'n Or1sdecwa1tun,i dcn tcilwctien Aysjiand beschloffen haben, ist dix Arbeit, wie die .Voff. Ztg." mttterit, gcstsrn früb überali dort niederxielsgt worden, "".) dic F**rdsrungen nicht unterschriftlich bewiÜigt sind, und ÜiTch bei solchen Arbeitgebern, die wobl die FOWLUMZM bkwiliigt haben, aber die Unterschrift verweigertkn. In der Erstsn Versamm- lung der Ausständigen, die gestérn stattfand, batten fich bis Mittag 900 Ausständige zur KontrdUe emeldet, während etwa 70 bis 80 ArbeitswiÜige in den noch Vom usstand betroffensn 460 Betriebn zu O_erzkicbnen waren. In 100 Bctrikben, die die Fordkrungxn unterychriftlich bewiiligi baben, arbeiten 400 (Gehilfen zu dsn nxn-In Bedingunsxcn. Soweit bekanni gervOtdcn. woilsn fick) die Jnnumcn Von Charlottenburg und Nixdorf den Beschlüffsn der Bsriiner SÖMiSkL- innung anschließen.

Ein Ausstand der Holzarbeiter in Magdkburg, der zckn Wochen gkdauert hat, ist, der .Magdsb. Ztg.“ zufolge. am Sonntag durch, Vergleich beendet worden. Es gilt danach für die Woche eine ArbertSzeit von 56 Stunden; für die Arbezitsstnnde wird Lin Lo:*_-n- zuschlag Von 3 „5 gewährt. Diese Vereinbarnng soll bis zum 31. Marz 1908 in Kraft bleiben.

In Heilbronn find, wie die ,Frkf. Ztg.“ mxldet, dis Maurer einschließlich zahlréicber italienisckyer Arbeikcr in 61116 Ldbnbewcgimg eingetreten. Sie woklen in an Ausstand trcten, chn ibre Fordcrimg eines Stundenlobns von 48 „5 nicht bswilligt wird.

Aus St. Gallen wird demselbsn Blatt.? télegradbiert: Tie Arbeiterunion bertagtc den allgemeineén Ansxtand nnd beschloß Line Demonstration vor dem Re,]ierungsgebäude und DSM städtischen Rathaus. (Vgl. Nr. 120 5. Bl.)

Der Ausstand der Cismibabmbsdiknsteten im französiscbkn Dedarterxient Corréze (vgl. Nr. 116 5.231) dauext, wi: „W. T. B.“ meldet, sort, dock) wird der Dirnst mit Untcrsiüßung don Pivnilke'n aufrcchtcrbalfen. Dic Zug? ist gléichwobl nicht unbedenklich, da MCH die Arbeiter der Metallindustrie sowic iisjcnigen sämtlichcr Waffensabriken des Departements mit Aasstand drobm,

Jn Lyon stimmtc, dcm „W. T; B.“ zufoigs, 61116 don 7*"0 Polizisten besuchte Vsrsammlung gestern für die: Fortscßung rss Ausstandks (vgl. Nr. 119 d. Bl.). Gleichzeitig wurdZ brfchloffkn, an den Präfekten eine neUc Abordnung zu sendkn, welcbs dis F0rdcrun,;m der Polizisten vertreten sol]. Man glaubt, daß dsr Ausstand iwck) beute beendet werden wird.

DL! Ausstand der Fuhrleute in Cbicago(vg[.Nr.120 d. Bl.) nimmt, wie" 176171 „W. T. B.“ von dort telsgradbicrt wir), wieder an Ausdehnung zu. -

Kunst und Wissenschaft.

In der Ménzel-Ausstellung in der Nationalgalcxie find die léytbin noch aiissiebendsn Weil's ch Küzi'sjlkrs, de'r bsrübipte Ccicle Kaiser Wilhelms 1. und das koloris1i1ch äußcrst reizddlle .Boudoir" aus Wormser Privatbcsixz eingetroffkn. Die dritts Auslige des Katalogs ist um einen Nackptrag von über 1200 Nummyrn vermehrt wdrden, sodaß 'th fast 7000 Werke Menzkls in ihm Verz€ichne_t smd. Ter Nachtrag i t für die Besiycr der früheren Auflagen um "40 „5 kauslick). Für die große Zahl dcr Mcnzclderkbrkr f(i _nocbmals auf die für eine rubigkre Betrachtun am günstigsten gelcgencn Nachmittaizstunden _don 2-4 Uhr und au? die Dienstags hingewiesen. - Ein großsr illustrierter Katalog, ds_r die Abbildungen sämtlicher Oelbilrcr, Aquarellk, Guaschn und Pastslle enthalten sol], die in, der Aus- stslinng zu sehen Waren, ist in Vorbereitung und wird in wenigcn Wschen erschsinen.

14.17. In dEr Maifixzung der Berliner Gcssllscbaft für Anthropologie berichtete der Professor Dr. Lissau_c r, der als V:r- trcter der Gesellschaft am Internationalkn archäolqgirckxen Kongreß in Alben teilgenommen battk, über die_dort einprangeden _Cindrs-xke. Besonders die Ergebnisse der kretensikcbkn Ausgrabupaen ubertrcnkn aÜe Erwartungen: Eine Kultur bon bobcr Entwrcklung_ ati der Schwelle der Mctallseit, anscheinend sogqr zUk11ck7e1ch€1id in die neolithische Zeit, sodaß die allgchistne Annchi 'der Besucher war, weitere Ausgrabungen, in _dcn" Köiiigx- palästen zu Knossos würden noch wichtige Ausschluffe uber diesen Mittelpunkt einer ältesten, don Asien und Akgydten ber bc- frucbteten Kultur erbringen, die um mehrere Jahrhunderts als b.*r- mykeniscb zu gelten bat. Profeffor Lissauer nahm untcr der F:!ile

") Iorby-ZSWUW Ksport for 1.116 168,1" 1903 01' WS 1x)- 81380501' ot" Kskorwadoky 8116 1väuxtri31-80110015. 13r05611r66 t0 1)on JanSJ 01' 1731118111056. _

**) Ein Abdruck dieser franzöfischxn GcsWC in als. Apque dsr im vreusßisckpen Ministekium des Innern bearbeiteteii „Statistl, über die Für orgeetziebuna Mindetjäbriger und über dre ZwangTszlébUng Jugendlicher für das Rechnungsjahr 1903“ (Ab]chnin 13 S. 62 ff.) beigefügt.