1884 / 272 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Tue, 18 Nov 1884 18:00:01 GMT) scan diff

Der dann folgende Redner, Superintendent Wendel aus Hanau, beßritt die Nothwendigkeit von Synoden und hielt das ganze moderne Synodalwefen für gefährlich. Die Kirche sei das eminent konservativste Institut, und es sei bedenklich, ihre Institutionen in Fluß zu bringen. Sie werde dadurch an Autorität und Vertrauen verlieren. Außerdem müsse er be- streiten, daß die bisyeriaenSynodalordnungen ihren Zweck erfül]: haben. Er sehe in dem ParlamentariSmus, mit dem der Staat vielleicht auswmmen könne, kein Heil für die Kirche, sondern eine große Gefahr, und müsse dringend warnen, die davor bis jetzt noch glücklich bewahrje hessische Kirche mit in den angemeinen Strom treiben zu lassen.

Dem geßenüber bekannte Metropolitan Martin aus Gu- densberg, daß er schon seit langen Jahren die Schaffung syiiodaler Jnßitutionen gewünscht und erhofft habe, und daß er den Absichten dcs Kirchenregiments warme Sympathien entgegenbrinme, DM könne ihn aber nicht abhalten, das Ge- botene fich genau zu besihen, und da könne er sich nicht ver- hehlen, daß nßben vielem Guten sich auch Manches finde, was ihm schwere Bedenken errege.

Nach feinrr Mrinung bestehe ein Bedürfniß der Reorga- nisation nur auf dem Gebiet der Gemeindeverfassung, wo es gelte, den Gemeinden eine Vertretung füribre externen Ver- hältnisse zu schaffen; er erkenne ein solches Bedürfnis; auf dem innerkirchlichen Gebiete, wo die vorhandenen PreHby: terien voklkommen genügten, nicht an.

Ein Or-ganiiationsbedürfnif; bestrhe ferner für die Ver- fassung des- Gesamnéékirckzenkörpers, und da ssi er mit dem Entwurf einverstanden. Er fürchte aber, daß durch die Ein- fügung der Ger-zral-Superintendenten in die Kirche das Superintendenteiiaint schwer geschädigt werde. Die hessischen Superintendentsn haben eine wirklich oberhirtliche SteÜung, während die GenerabSuperintendenten -nach preußischem Muster eine rein bureaukratiscbe Strüuna haben. Bedenklich sei ihm auch die Bestimmung, daß die Diözesansynoden zu ein Drittheil aus Geistlichen, zu zwei Dritttbeilkn aus Laien bestehen 1011911 und daß den Grmeindrn Lin Widersprucbsrrcht gegen die Einführung von der Synode beschlossener Gesang: bücher, KatrchiLmen, Agenden oc. zustehen solle.

Hierauf erklärte der Synodale, Pfarrer Diedelmeyer aus Obernkirchen sein volles Einverständnis; mit der Einiührnng vom presbyterialen mid synodalen Institutionen in die hessische Kirche, glaubte auch, daß durch den vorgelegten Entwurf allen wesentlichen Desiderien genügt sei. Er vermißte aber in demselben Bestimmungen über ein, seiner Meimmg nach sehr wichtiges Recht der Gemeinden, das Pfarrwahlrecht, indem er sich vorbehielt, bei drr Spezial: berathung darauf weiter zurückzukommen.

Der Synodale, Pfarrer Schimmelpfeng aus Abterode widersprach zrmäcbst entschieden den Ausführungen des Vorredners wegen der EinführUng des Pfarrwahl: rechts vnd ging bei der Beurtheilung des Entwurfs von dem Saße aus, daß es bisher in der hessischen Kirche möglich gewesen sei, Wort und Sakrament Upgestört nach den Ordnungen dcr Kirche zu verwalten. Er wollte bei

der Beurthri1ung des Entwurfs vor Aüem den Standpunkt einnehmen, ob dies demnächst auch noch möglich sei. Da

sei ihm vor AUem der §. 14 des Entwurfs bedenklich, wonach der Pfarrer verpflichtet sein soÜe, sich einem Beschluss dex- Presbyteriums über die Zulassung eines Gemeindegliedes zu den Sakramenten zu fügen. Auch die Thätigkeit der Super- intendenten scheine ihm durch den Entwurf wesentlich erschwert zu werden.

Hierauf ergriff der Königliche Kommissarius das Wort und ging in iängerer Nrde anf die von den Vorrednern be- tontsn prinzipirlbn Fragrn ein, indem er sich die Erörternng der Mehrfach angeregten Einzelpunkte fiir die Spezialdiskussion vorbebielt. Zunächst wandte rr sich gegsn den Synodalen WMdel Und wies in Bezichng auf den vermißten Nachweis der Notbwendigkeit synodaler Institutionen auf die schon im Jahre 1831 in der Verfassungsurkunde fiir das elzrntalige Kurfürsten- thum Héssen auSgesprocbene Verhsißmig und auf die seit jener Zeit immer wiedsr aus der Bcrölferung eraUs laut gewordenén Wünsche Und auf die stets erneut von den vrrscbiedensten Seiten und auch in der heutigen Sißung zum Ausdruck ge- komm-ne Ueberzcugung hin, daß es in der l)€ssischen Kirche ohne Synodalordnung nicbt 111601: gebe. Er bstonte sodann bis in ganz Deutschland, sprzibll auch in den älteren Provin- zen der preußischen Monarchie, sowie in SchleSwig-Holstein, Hannover und Nassau gemachten Erfahrungen und wies den Gedanken, daß mit den Synoden dsr Parlamentarismus in die Kirche eingeführt ivérde, bestimmt zurück, da die Sy: noden , wmn sie richtig eingerichtet und gehandhabt werden _, keine Parlamente , sondern Versammlungen zu brüderlicher Vrrständigimg über 211126, was dsr Kirche fromme, sein ioUrn und seien, welcbe ängstlich brmüht sein möchten, * das Varteigetrisbs des Parlamentarismué- so fern von sich zu halten als möglich.

Hierauf konstatirte der landeshrrrliche Kommissarius mit Befriedigung, daß alls iibrigen Redner keinen prinzipiel] ablehnenden Standpunkt zu der Vorlage eingenommen haben und glaubte die Hoffnung hegen zu können, daß es möglich sein werde, den in einzel- nen Punkten hervorgetrStenen Widerspruch zu überwinden oder zu begleichn. Derselbe ging dann auf die Einzclpunkte noch näher ein und führte itiHbesondere aus, daß es auf einer unzutreffenden Vorausseßung beruhe, wenn man annehme, daß die preußischen Genera(Superintendenten keine oberhirtliche, sondern nur eine bureaukratiscbe SteÜung haben, daß «36 95711- faÜs nicht zutreffe, wenn gesagt worden sei, es fehle fiir 'die Geltendmachung der sog. Qualifikationsbestimmungen an d.“?n nöthigen Handhaben. Das Widerspruckzswcht der Einzel- gemeinden gegen beschlossene Gesangbücher 2c. sei bei der Anbänglichkeit der Grmeinden an ihre alten Institutio- n'en eine durchaus nothwendige Kantel und was die Einfügung von Bestimmungen über die Pfarr- wahl betreffe, so sei es zwar reiflick) erwogen, ob nicht dieser Punkt schon in der Verfassung mitzuberücksichtigen sei, jedoch sei man an der Hand der Erfahrung in anderen Kirchen- körpern „zu dem Schluffe gelangt, daß es nicht rathsam sei, das Schiff noch mit dieser schweren Frage zu belasten.

Sodann ging noch der Professor 111. Heinrici auf die Be- denken des Synodalrn Wendel näher ein und beleuchtete die- selben vom theologisch-wiffexischaftlichen Standpunkte, indem er darlegte, daß für den in den Ausführungen dLS Herrn Wendel zum Ausdruck gslangtcn PessimiSmus in 'der heiligen Schrift keinerlei Anhalt geboten sei.

Bayern. München, 17. November. (W. T. B.) Ihre Kaiserliche und Königliche Hoheit die Kron- prinzessin Victoria ist hier eingetroffen. Höchstdieselbe wurde von dem preußischen Gesandten und dem englischen (He: schäftsträger empfangen und nahm in dem Hotel „Zu den vier Jahreßxeiten“ Absteigequartier. Die Abreise wird am Mittwoch früh crfolgen.

Württemberg. Stuttgart, 16. November. (St.=A. f. W.) Mit Note des Königlichen Staats-Ministeriums vom 15. November ist drm ständischen Ausschuß der Entwurf eines AusführungSgeseßes zu dem ReichSgeseß über die Abwehr und Unterdrückung der Reblaus-Krankheit zur weixeren Behandlung zugegangen.

Sakbsen-Weimar-Eisenach. Weimar, 17. November. (W. T. B.) Der Landtag hat heute eine 0,2prozentige allgemeine Herabseßung der Einkommensteuer ge- nehmigt.

Oefterreiclx-Ungarn. Pest, 17. November. (W.T.B.) In der ungariscben Delegation wies der Referent Falk auf dm Vericbt des Ausschusses hin, welcher den Ein- druck, den die Erklärungen des Ministers des Aus- wärtigen auf den Ausschuß gemacht hatten, möglichstgetreu wiedergebe, und beschränkte sich auf die Bitte, den Bericht an- zunehmen. Nachdem Szilagyi sick) entschieden gegen die besonders in der auswärtigen Presse verbreitete Aiisicbt ver- wahrt bait'e, als ob in Ungarn nur eine Rußland feind- l7iche Politik auf eine günstige Aufnahme rechnen könne und sick) die ungarische Nation von GefühlSniotivrn leiten ließe, wurde das Budget des Auswärtigen ohne weitere Debatte M der General- und Spezialberathung angenommen.

Niederlande. Haag, 17. November. (W. T. B.) Drr König hat die Generalstaaten eröffnrt und hier- bei darauf hingewiesen, daß die Neuwahlen, welcbe ein so großes Interesse erregtep, in vonommener Ordnmig vor sich gegangen seien. Die Thronrede kündigt sodann einen Geseßentwurf an, durch welchen die bereits angenommene Verfassungsändqrung inBezug auf die Regentschaft sanktionirt wird, sonne einrn Gsseßentwurf zur Régelung der eventuelien Vormundschaft für die Prinzessin.

Luxemburg, 15. November. (Luxemb. Ztg.) Das Staatsbudget für 1885 sieht an gewöhnlichen Einnahmen die Summe von 6234417 Fr. vor; die AUHgaben sind auf 6831632 Fr. veranschlagt. Mithin wiirde fich Ende 1885 ein Fehlbetrag von 597 215 Fr. ergeben. Da indessén von den vorhergehenden Jahren noch 1 700 000 Fr. vorhanden find, wird die Staatskasse Ende 1885 noch 1200000 Fr. in Bargeld aui- zuweisen vermögen, Vermuthlich wird diesrr Ueberschuß nock) be: trächt1icher sein. Die für 1885 gkgcn 1884 vorgeschlagrnrn Mehransgabrn betragrn rund 258 000 Fr., darunter 30 000 für das Denkmal WilhelmS U., 17 500 Fr. mehr für die öffentlicheGesundheitspflege, 20 000 Fr. mehr für Vermehrung des Personals der Post-und Telrgraphenverwaltung, 45 000 Fr. mehr (Ml Ganzen 63 000) für Anlagen von Telephon- leitungen, 15 000 Fr. für die Antwerpener Ausstellung, 9500 Fr. mehr für den Primärunterricht.

Großbritannien und Irland. L o n d o n , 15. Novsmber. (Allg. Corr.) Dem Vernehmen nach soll die Regierung beschlossen haben, das Parlament anzugshen, Vorschläge von BedLUtung bezüglich der Marine zu'genehmigcn, Außer der Au-Zgabe fiir Koblenstationen wird die Regierung vorschlagen, das; mehrere schwerarmirts Krruzrr nach dem Muster der „ESnteralda“ sowie auch Line große Anzahl Torpedoboote und andere für die Hafenvertbeidigung brauchbare Schiffe gebaut werden, Die große Geldausgabe, welche die Ausfiihrung dieser Vorschläge im Gefolge hat, wird über eine Reihe von Jahren bertbeilt werden.

Bezüglich der in mchreren Londoner Zeitungen LL“: schienenen Mittheilnngen ist der „Standard“ in der Lage zu konstatiren, daß die Führer der konservativen Partei sick) an keinerlei Unterbandlungen b€tr€ff6 dsr Wahlreformbill betheiligt habrn Und auch nicht von Ihrer Majestät Rrgierung zur Theilnahme an irgend solchen eingeladen wordrn sind. Auch vbrnimmtder„Standard“, daß die jetzige Absicht der konservativcn Führer im Obrrhause da- hin gehe, nach kurzer Debatte der zweiten Lesung der Vill zu- znstimmen und bei dem Antrag?. zum Eintritt in die Aus- schußberatbung eine Resolution zu unterbreiten, wslche die weitere Erwägung der Maßregrl hinaussck)iebt, bis die Re: gierung im Einklang mit ihren erklärten Absichtsn eine Neu- eintbeilungsbill eingebracht hat.

In Bezug auf die wahrscheinlichen Kosten der Nil: expedition erfährt der cgyptischs Korrespondent der „Timrs“, daß Lord Wolseley vor seiner Abreisr von Kairo erwaribte, diesklben würden sich auf 61/2Mil1ionen Pfd. Sterl. stellen, ja daß der Betrag möglicherweise diese Ziffsr iiber- steigen dürfte. Die amtliche Schäßung der Kosten lautet jeßt auf 10 bis 12 Millionen Pfd. Sterl.

Der Herzog von Edinburg wird nach Ablaufseiner Dienstzeit als Commandeur des Kanalgeschwaders am 3. k. M. durch den Vize-Admiral Algernon F. de H orf ey erseßt wsrden.

_ 17. November. (W. T. B.) In der heutigen Ober- hauSsißung erklärte Lord Granville: die Nachrichteniiber angebliche Gewaltsamkeiten in Macedonien seien von den dortigen Konsuln nicht bestätigt worden; im ngentheil sei der Zustand in Macedonien ein besserer gewordrn, und das Räuber- wesen habe sich wesentlich vermindert.

Jm Unterhause stand die Wahlreform auf der Tagesordnung. Der Premier Gladstone erklärte: in Betreff der gesammten Wablreformfrage könne nur dann ein Arrangxment erreicht werden, wenn die Regierung hinläng- liche S1ch_erheit dafür habs, daß die Wahlreformbill in der Hrrbstsession angenommen werde. Für diesen Fall stelite der Premier folgende drei Eventualitäten auf: Die Re- gierung sei bereit, entweder sofort die Hauptzüge der Bil] über die_ Neueintheilunq der Wahlbezirke, oder diese selbst der Opposition freundschaftlich. mitzutheilen, oder zweitens diese Bil] dem Unterhause vorzulegen, deren Berathung mög- lichst zi; „beschleunigen und die zweite Lesung im Unterbause aleichzeitig mit der Spezialdebatte der Wahlreformbil! im Oberhause zu beantragen, oder endlich drittens aus der An- nabrne der Bil] über die Neueintheilung der Wahlbezirke eine Kabmetsfrage zu machen und sich die Aufgabe zu stellen, deren Annahme frühzeitig im nächsten Jahre durchzuführen. _

Hierauf wurde die Generaldisknssion geschlossen. ]

Der Kanzler der Schatzkammer, ChilderS, beantragte zur

EKF*M* „,x-“so, -*“,

Deckang des durch die Nachtragskredite entstehenden Defizits von 2 Millionen, die Einkommensteuer im laufenden Finanxjahr von 5 auf 6 Pence zu erhöhen, Dieser Antrag wurde ohne Abstimmung angenommen. Delhi (Indien), 15. November. (A. C.) Ueber Tausend Adressen aus aUen Theilen Indiens sind dem Lord Ripon überreicht worden. In Beantwortung derselben drückte der Vizc-König den Glauben auß, daß Indien niemals loyaler gewesen, als es dies gegenwärtig sei.

Frankreich. Paris, 16. November. (Fr.Corr.) Der Ausschuß für die Tongkingkredite hielt gestern eine lange Sißung, um den Bericht seines neuen Referenten Arthur Leroy entgegenzunehmen. Die Erörterungen zwrscben dsr Majorität und der Minorität waren stellenweisk so heftiger Art, daß Lsroy seinen Entschluß ankündigte, nach dem Beispiele scinrs Vorgängers das ihm anvertraute Amt nieder- zulegen, und nur durch eindringliche Bitten bewogen werden _konnte, dies nicht zu thun. Die Minorität mit Clémenceau an ihrer Spitze bestand darauf, daß die Bedingungen des Ver- trages von Ticntsin nicht in der bisherigen Fassung, sondern genau Nach den diplomatischen Schriftstücken dargelegt werden sollwn; aUein der Antrag wurde schließlich mit 6 gegen 5 Stimmen verworfen. Als dann Maze beantragte, in dem Bericht anzudeuten, daß Frankreich mit China nicht eher fertig werden wiirde), bis es Langson, Kaobang und Laokai beseßt hätte, entbisltrn sich sieben Mitglieder der Abstimmung, und die Motion wurde mit 2 gegen 1 SUMME abgelehnt. Dem Drängen Clémenceau's aelang es„ den Beschluß herbeizuführen, das; ein Protokoll der Sißungefn rnit nur wenigen, aus diplomatischen Riicksichten unerlässlichen Unterdrückungen, sowie ein Theil der von dem Kabmet _mitgstheilten Aktr'nstückk veröffentlicht wsrden soll. Drr Bericht wird wahrscheinlich schon am Montag auf den Tisch der Kammer gelkgt mérden, die Debatte abrr kaum schon im'Laufe der Wochs in Angriff genommen wrrden können, weil dsr Druck die Vertheilung erheblich verzögern wird.

Der ConseilS-Präsident erschien gestern im Schooße des Ausschusses fiir die Wiedereinführung des Listenskrutiniuch, welches er bkkanntlick) im Jahre 1881 als„Ministrr-Präsident brkämpfte. Ueber die SteÜung der Rrgierumg zu der Wahlreform befragt, erklärte Hr. Jules Frrry: dieselbe wäre ihr ganz und gar geneiat, und er sei bereit, sie aus der Tribüns zu befürworten. Gegen den An: trag eines der Kommissäre, in .das Wahlgefes der Depu- tirtenkammer wie in dasjenige des Senats die Bestim- mung aufzunehmen, welche den Mitgliedern dsr einstigen Herrscheriamilicn die Wählbarkcit abspricbt, hatte er sowohl in ieinrm als _im Namsn seiner Kollsgen keine Einwendung zu mach8n. Hnisichtlick) der verfrühten Auflösung der jetzigen Dsputirtsnkammer Und der Einberufung des Wablk'o'rpers auf den Monat April odi'r Mai, statt auf die Herbsimonate, gab der ConseilS-Präsident eine ausweichende Antwort.

_ 17. November, Nachmittags. (W. T. B.) Gestern find in Paris 44 Cholera-Todesfälle vorgekommen, und zwar 11 in der Stadt und 33 in den Hospitäler", heute von Mitternacht bis Mittag 4 TodesfäUe in den Hospitälern, in der Stadt keiner. _ Dsr Präfekt in Toulon theilt mit, daß der GesundheitIzustand der Matrosen und Soldaten ein vortrrfflicher sei.

Die brasilianische Gesandtschaft hat bekannt ge- macht, daß dis Häfen Brasiliens für aus Frankreich kommende Schiffe gesperrt seien.

_ 17. Novcmber, Abends. (W. T. B.) Inder heutigen Sißung dsr Deputirtenkammer verlas Leroy den Be: richt der T0naking:K0mmission, welchrr sich fiir die Entsendung von Verstärkungen ausspricht, und erklärte: die Regierung halte fiir das erstr Halbjahr 1885 40 M11]. für erforderlich. Die Berathung wurde auf den Antrag des C0nseils-Präsidenten Ferri) auf nächsten Montag festgesetzt.

DLL“ Munizipalratl) nahm einen Antrag an, in Mlchem dEr Scine-Priifekt aufgefordert wird, provisorisch dir Brodtaxs wibder [)erzustsüen.

Von Mitt€r116cht bis heute Abend 6 Uhr find hier 20 Todesfälle an Cholera vorgekommM davon 7 in der Stadt und 13 in drm Hospitälern.

Madrid, 17. Novrmber. (W. T. B.) Aus Valriicia) werden 9 Cholera-

Spanien. B e ni 0 P a (Provinz Todesfälle genwldet.

Türkei. Konstantinopel, 18. November. (W. T. B.) Der Großfürst Paul Alexandrowitsch von Ruß- land ist (1116 Atbcn hisr eingstroffen und war gestern zum Diner in Yildiz=KioSk geladcn. Heute reist der Großfürst nach Odeffa weiter.

Asien. China. (W. T. B.) Wie der „TimeS“ aus Shanghai u. d. 17. Nobémber gemeldet wird, wrrden von chinesischer Seite Anstalten getroffen, um durcb englische umd amrrikanische Sch11811segler die Vlokade von For- mosa von verschiedenen Punkten der Küste ach zu durch- breckxn. _ Zwanzig bis dreißig Tausend chinesische Sol- daten babkn zu Ende vergangenen Monats den Yangtse- Kiang siidwiirts in der Nähe drs G0jang=Sees Überschritten.

Afrika. Egypten. (W. T. V.) Nach einem Tell;- gramm der „Time-Z“ aus Alexandrien, vom 17. No- vember, meldet der Mudir von Dongola telegraphisck), daß er einen Brief (Hordons vom 4. November erhalten habe, in WLlch€m Gordon ihn, den Mudir von Dongola, zum Brigade-General ernennt und hinzufügt, daß in thrrtum NULL gut gebs.

Zeitungsftimmen.

Der „Nordde_utsch9n Allgemeinen Zeitung“ wird aus Bremen mrtgetherlt:

In der letzten Sißung der bissigen Handelskammer gelangte der an die Regierung erstattete Bericht über die Lage der Industrie und des Handels während des mit dem 1. Oktober abschließenden Sommer- balbjabrs zur Mittheilung. Es wird darin erfreulicherweise fest- gestellt, daß,'wenn aucb nicbt in allen, so doch in den bervorragcndstcn Industriezweigen unseres Bezirks eine entschiedene Wendung zum Beffern eingetreten sei.

_Dem „Deutschen HandelSarchiv“ (November- heft“) mird aus Gaboon (Bai an der Westküste von Süd- Afrika) geschrieben:

ki Das Jahr 1883 ist für den deutsibcn Handcl im Aügemxincn en

_io günstiges “gewesen, wie das Vorjahr, obgleich eine größere- Schiffsbewegung in unserem Hafen stattgkfundcn hat.

Es kavi'eii ein 50 deutsche Seeschiffe mit einkm Nettb-Raum- gehalt von 15 861 Reg.-T., _mit AuSnabme von 3 Segelschiffen'von 230 Reg.-T.Ra1151gebalt, sammtlich Dampfschiffe. Von Schiffen fremder Natiorzalität Yamen ein:

34 Britiicbe, meistens Dampfschiffe, von 33 734 Neg.-T.,

12 Französisckxe Segelschiffe . 5156

3 Amerikanische . 1 148 2 Oeftkrreicbiscbe , 1092 3 Portugiesische 750 1 Nongisches , 264 zus. 55 Schiffe von 42144 Reg.-T.

Der Hamburger Firma C. Woermann gehören von den 50 deutschen Scbiffén aUcin 43 mit einem Netw-Naumgebalt bon 15211 Reg.-T. Dicse Schiffe bringen von Europa fast nur deutiche Fabrikate, wie__Vaumkvol]enWaaren, Steinzeug, Bier, Spirituosen, Ejscn- und Meiiingrvéiaren, Pulver, Gemebre, Kistenbretfex, Brettxr und Balken, Staßfurter und Stader Salz, Seiie, oxdinare Parfu- merien, Möbel, Berliner Lampen und Konfektionéwaaren Ic. und laden auf ihrer Rückreise nach Hamburg über Havre Elfenbein, (Gummi elasticum, Palmöl, Palmkerne, Eben- und Rotbbolz.

Von den Woermannswen Schiffen kamen 2 in VaUast; 2 solche und 1 anderes Dampfschiff gingen in Baüaft wieder aus,

Duni) ein vom borigrn Graberneur von Gabdbn, Kommandant Masson, crlaffcnes Einfubrycrbot auf Pulver und Gewehre, Welwxs ganz ohne Grund 8 Monate dauerte, ist der Handel mit Elfenbein und Gummi clasiicum schwer geschädigt worden, da ohne GSWLHXL (Stciiiswlos; dcr ordiiärsten Art) von dcn Eingeborenen krin Eiskri- bxin und (Gummi cingctauscbt werden kann. ,

Wenn somit für die bier etablirtén deutschen Firmen und deren Likferantrn in Europa das [14512 Jahr keine so „günstigsn Gescbafts- refultatc crgeben hat, so ist doch erfrculicheriveiie im Großen und (Gamen der dcnisck)? Exportbandel davon wemiger betroffen worden; dersclbe bai, bcgütistigt durcb die vielscitigcn Dampferverbindungen und namentliib seit der Eiöffnung der direkten Woermannicben Dambferlinir mit der Küste bedruiend zugenommen.

Namentlick) säwsische und rbeinischc(Elberfe1d) bedruckte roibe Kaiiune und andere Baumwollenwaaren führen sicb immer mehr in dem Markt ein und bildrn bereits unenjbebriiche, viel bcgsbrte und beliebte Tawscbartikel boi dcn Negern; ferner konkurriren grobe und feine (Eiien- (Hagen) und Mesfinmvaaren voilständig mit" den engliicbrn. Seit Jahren bobcrrsibt Dcutswland an der ganzen Kystx den Markt in Pulver, und erstaunliche Mengen gebsn davon 11111 xedcm Schiffe von Hamburg und Vrsmen ab; aucb Berliner Artikel, Korifektwnß- nmarsn, Lampen :c. finden immer mehr Anklang und berdrangen die iogcnmmtcn Ariicch de Paris. _ '

Ein ncuer deutscher Jiidusiriezwe1g bat seit cincm'Jabre dem amerikanisibcn Import von mit Papier und Bieri) berztcrtcn Holz- kbffern den Rang streitig gemacht; es ist unalaubltcb, Wc1che Mkngcn von diesem Actikrl bier Absaxz firiden. Durch Antveiiunacb und Dräniicn dcr Hamburgrr Exportrure sind denn unsere Fabrikan'ten endlick) dabin gklangi, diesc bislang von New-York aeiiefsrten Artikel vondmmrn konknrrenzfäbig auf den afrikanischen Mark1'_zn brtngxn. Auch Glaswnakcn (Karaffcn und Gläser 2c), sowie 1ächs11cbes Stein- zeug werden in immer größeren Mengen von Deutiwland aus „bezogen.

Das Jniereffe dcs deutscben Handelsstandes 1n Afrika ist noch immer im Steigen begriffen, wie die vielkn Anfragen von Fabrikanten über 2111681110 nur 111 auf bezeugen. Daffelbr ist aucb vonommen berechtigt, dci die Aussichten auf immer Writere Erschließung des schwarzen Kontinents die denkbar günstigstrn sind.

Armee-Verordnungs-Blati. Nr. 20. _ anali: Ein- fübrmm cincs ncurn evangrliscbcn Militär-Geiang- und Gebetbuckzs. _ Brfbrdcrung bon Unier-Lazarkibgrbülikn dob'BZurlaubtc-nstandes zu Lazarcibgsbülfcn. _ Wintcr-Fabtplan dcr Mtlitar-Eisenbabn. _ Tcrminc für die Portcpceiäbnricbs- und Osfizicrßpküfungkn im Jabra 1885. _ Crböbung dcr Kapitulantcnzulagé für miiitärifch Kranken- wärtrr. _ (Eröffnung ncucr EiscnbabUcn. _ Ciscnbabnbefördcrung bon Militärpersonen und Militärtransrortcn mit Cil- und ScbncU- Ic. Zügen, _ Nachtrag zum Vrrzricbniß der höheren Lebranstalien, welcbe zur AussteUung von Zeugnisikn über die wiiienswastlicbe Be- fäbiaung fiir den cinjäbrig-frciwiliigcn Militärdienst bsrecbiigt sind. _ Militär-Wittwenkaffcnangelcgcnbrit._ Eröffnung neuer Eisenbahnen. _ Vorrätbigbalfung von Formularen.

Amtsblatt des ReichI-Postamxs, Nr. 59. _ Inhalt: Vcrfügungen: vom 6. Norrmber 1884. Beitritt Skrbiens zur inter- nationalenRcblauS-Konvcniion. _ Vom 7. N08?1119€k1884„ Deutlich- keit der Macb- und Riickscndunchrmerke bz. Vrrwcndung bewndrrer Umschläge beiNacb- und Rücksendungen. _ Vom 11. November 1884. Seepostvsrbindung niit Noeren.

Artbiv für Post und Telegrapbic. Nr. 20. _ analk: Aktenstücke urid 2111715152: Zur Bcstixnmmig des Begriffs „Telegrabbie'. _ Zur (9669111111- deö PostMsens m Sacbscn-Wcimar nnd Eiicnack). _ Mines msrikaiiiicch Postgesetz vom 18. April 1883. _ Kleine Miitbcilungen: Herstellung von Post- und Telearabbengrbäudcn in Oestkrreiw. _ Das Arlbsrxi-Tunnrlkabrl. _ Flaichenpost. _ Dic nördlilbsic' Eisenbahn (Europas. _Dis Landbrstellung ix-i England. _ Die Drcibtieilbabn dcs WansÖeq Rigi. _ Belobiites Wohlverhalten bei Posiuntrrbandlunaen, _ ForUcbritte im Vrrksbrßmcsen von Ar- gentinien. _ Die ersten Eiscnbrücken. _ Literatur und Mxrkebrs- Wesen: Teebniscbes Wörterbuch für Telegrabbie und Post, deut1ck- französisch und franzbfiicb-deutscb, von T bon MÜÖ, (5,571). Rechnungs- Ratb im Reicbs-Posiamt. Berlin, Vrrlag von Julius Springer. 1884. 80. _ Zeitswriftrii-Ucbkrswau.

Marinebcrordnungsblatt. Nr. 23. _ pralf: Ver- seßung bon Sanitäts-Offizicren._ Inspektion der Martnc-Artillme. _ Personalberändrrungrn, _ Benachrichtigungcn.

(*Zisknbabn-Vcrordnungs-Blatt. Nr. 28. _ Inhalt: Eriasse ch Ministers der öffcnilicben Arbciicn: vom 4. November 1884, betr. die Ueberiwgniig der Vcrrvaltmig Und Betriebsleitung der Verbindungsbabn E1ÖW1ile1-Aue_St01bkra an das VV?! der Iburg- 1icbcn Eisenbabn-Dirckiion (linksrh) zu Cöln reffortirende Könmliibe Eisenbabn-Betriebßamt zu Aachen und drr chbcnbabn Jews,.Unsrr Friß“-Bismarc1 an das von der Königlichen Eisenbabn-Dircktion (recbiéörb) zu Cöln reffortirsnde Königliche Eiscnbabn-Bcirirbéawtzu Effen; _ vom 7. Morkmber 1884, betr. die höheren Lehranstalten, Welchc zur AusstcÜung cxültiger Zeugnisse über diewiffenscbas'tliche Be- fäbiaung für drn cinjäbrig-frciwiüigcn Militärdienst berechtigt sind. _ Nachrichten.

(Central-Blait der. Abgabcn-„(Geießgcbung und Ver- waltung in den Königlick) preußtsÖrnStaafen. Nr.23. _ Inbalt: Anzeige der im Reichs-Gese15blatte erichiknenen Gcseße und Verordnungen, _ AÜgeMLine Vcrwaliungßgegenftände: Ver- änderungen in dem Stande und in den Befugniffcn der 3011“ und Steuersiellen. _ Verrechnung der zur Zablung von AusfuhrVex- gütungen erforderlicben Vorscbüffe. _ Jndiri'kte Steuern: Verzeichnis; der dem Vereine deutscher Eisenbahnen aiigebörenden auslandiscben Bahnen. _ Stempelverwendung zu Lieferungsverträgen. _ Personal- nachricbtrn.

Centralblatt der Bauverwaltung. Nr. 46. _anali: Amtliches: Petsonalnacbrickyten. _ Niwtamtlicbes: Verigmmlung in München zur Vereinbarung einheitlicher Priifungßarten fur Bau- und Konstruktions-Materialien. _ Eisenbabn-Viadukt in K_abland. _Die Klosterkirche von Jerichow (Fortsetzung). _ Dcr baul1cheZustanddes Wormser Doms. _ Vermischtes: Abbrucb der Stiftskircbein Jdrnscn. _ Preißaufg..ben zurn Schinkcifest1886._Prcisbcwerbung: Wieder- brrstellung dcs Aackoener Ratbbauscs. _ Ehrenbürgerrecht an Eduard Wiebe. _ Das Fremdwort in der Ausspracbe. _ Gedankenlose Ver- wé'ndung architektoniscbcr Formen. _ Neue Einriibtung an Pxiroleum- [TMPM- _ Eigentbümlicbe Oberbau-Konsirukiiom _ Eisenbahn- ?Öiffsbrücken. _ Vericbwäcbung der Konstruktionstbsile durch Niet- locher. _ Bau der Fortb-Brücke.

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Neichötags : Angelegenheiten.

Fernere Ergebnisse der Stichwablen zrrm Reichst'agr: '

2 Wahlkreis Danzig. von G/rama ki, Landratbm Danzig (Kons.), mit 4578 Stimmen aegen 4261 Stimmen für Pfarrer Sten- gert in Danzig (Eintr.), gewählt. ' , .

2. Berlin. 01", Virchow, Profeffor m Berlin (Dfr.),_ Mi 23 797 Stimmen von 39 647 gültig abgegebenen Stimmen gewahlt.,

3 Berlin. Rechtsänwalt Vkunckel in Berlin (Dir.) _ mtt 13 002 Stimmen von 21950 gültig abgegebenen Stimmen_ getvabli.

5. Berlin. Eugen Richter, Schriftstelier m Beritn (Dir.), mix) 10946 Stimmen von 18 837 gültig abgegebenen Stimmen ge- lt.

6. Berlin. Hasenclever, Wilhelm, Schriftstellerain- Halle a.Saalc(Soz.-Dem.), mit 24 465 Stimmen von 25 187 3111113 ab- gegebenen Stimmen gewählt. _ _

6. Schleswig-Holstein, Das bisher ausstehende Stimmverhalt- niß ist: für Halben 9303 gegen 8233 Stimmexi fur Sachau.

7. Schisswig-Holstein. 1)r- Hanel, Prowffox in Kiel (Dir.). mit 13 579 Stimmen gegen 9166 Stimmen für HetntZel, Sckxneider in Kiel (Soz.-Dem.), gewählt.

13. Haunsber. von Alten, Oberst-chutenant a. D. in Han- nover (Centr.), mit 8097 Stimmen gegen 6759. Stimmen für Re- gierungs-Präfident von Pilgrim in Minden (D, Reich»), gewählt.

. Hannover. von Estorff, „Ober-Anitsrickyter a. D. zu Veerffen(15.entr.), gewählt. Stimmverhalmiß steht noch aus. _

*. Arnsberg. Das bisher noch auIstc-bkndeStimmverbältniß ist: 11802 Stimmen für Dr. Langer hans (Dir) gegen 9107 für Colsmann (Nat.-Lib.).

3. Mittelfranken. Kroeber, Holzbaudler in München (VOMP), mii 7452 Siimmen gegen 5832 Stimmen für Tegel, Steinbruch- besißer in Wendelstein (Ost.), gewählt. _

2. Sachsen. Fäbrmann, Fabrikant und Gutsbefißer in Groß-Scbönau (Dir.), mit 8216 Stimmsn gegczi 8167 Stimmen für 01". Pfeiffek. Rittergutsbesißer auf Burkersdorf (Nat.-Lib.), gewählt.

22. Sachsen. Mar Kaiser (Sox.-Dem.) mit 9041 Stimmen gegen 7641 Stimmen für Albert Nietbammér (Nat.-Lib.) gewählt.

1. BraunschMig. Bios, Schriftsteklcr in Sluttgart (Soz.- Dem.), mit 10 994 Stimmen gegen 9994 Stimmcn für Kulemann, Amtßxickztir in Braunscbwrig (Nat.-Lib.), gewählt.

SacbsLn-Altenburg. Herrmann Julius, Rektorin Kubla (Dir.), mit 12964 Stimmeii gegen 10 852 Stimmen für Wohlfarth, Berg- ratb ,in Altenburg (D. Reichsp), gewählt.

2. Coburii-(Hotba. Bock, Schubmachrr in Goiba (Soz.-Dcm.), mit 10754 Stimmrn gegen 6938 SÜMUU'U für 01.Barib in Berlin (Dir.), gewählt.

_ Schwarzburg-Sondershausen. Llpke, Rcchi§an1va1tin Berlin (Dir.), mit 5749 Stimmen (180611 4986 Stimmen für Wilson, Amtleicbter in Sondershausen (Nat.-Lib.), gewählt.

Reus; jüng. Linie. Rödiger, Bildhauer in (Gera (Soz.-Dem.), mit 6923 Stitnnicn gegen 5820 Stimmen für Lautenschläger, Bürger- meister in Langenrrolscbcndorf (Ost.), gewählt.

Landtagö- Angelegenheiten.

Im1.Aachencr Wahlbezirk (Schleiden, Malmedy, Mont- joie) ist an SteÜc des, verstorbenen Rentncsr, Kreuser zu Bonn Frei- berr Julius von Dalwigk, Rittergutsbefixxer zu Mükxster i. W., (CNN.) mit 241 gegrn 11 Stimmen für von Früb'bus, (Hutsbesißer und LandratbSamtsvrrMser in Wa([erode, zum Mitglied dcs Hauses der Abgeordneten giwäblt.

Statistische Nachrichten.

(Gemäß den Vcröffentlicbungen des Kaiferliében 'Geiunb- bettsamts sind in drr 45. Jahreswiyckpe von je 1000 Emwvbnchi, an das Jahr bcrcchnet, als gestori) en gemekdet: _ in Berlin 2“, , in Breslau 29,2, in Königsberg 28,0, in Cöln 20,9, in Frcmkfuri a. M. 16,0, in Hannover 16,3, in Cassel 12,8, in Magdeburg 27,7, in Stettin 28,5, in Altona 22,0, in Straßburg 21,1, m Mex; 21,5, in München 22,9, in Nürnberg 33,6, in Augsburg 37,4, ir) Dres- den 21,6, in Leipzig 24,6, in Stutigari 17,9, in Braunicbweig 22,3, in Karlßrube 12,0, in Hamburg 29,0, in Lübeck__, in Wien 22,5, in Budapest 25,0 in Prag 25,4, in Triest ?, „in Krakau 28,9, in Basel 12,4, in Brüssel 21,8, in Amsterdam 23,2, in Paris.23,4, in London 19,7, in (816691016256, in Liverpool 26,0, in Dublin 25,3, in Edinburg 17,7, in Kopenhagen 24,7„in (Siockbolm 19,4, in Chr)“ stiania 21,4, in Si. Petersßurg 22,8, in Warschau 30,7, m Odessa 25,9, in Rom _, in Turin 25,4, in Bukarest23„4 in Madrid 29,8, in Alexandrien 32,4, _ Ferner aus der 32a Vom 12. bis 18. Oktober er.: in New-York 24,0, in' Pbrlqdelpbia 20,4, "171 Chicago _, in Cincinnati _, in St. Lomé; _, in _San Franzisko 14,6, in Kalkurta 24,0, in Bombay 29,6, in Madras 51,9.

Beim Beriinn der Veriwtswocbe berrscht§kn in" BremeZi ,und Karlsrubesibwacbe Westliche und südwcstiiwe, m Mnncbxn 011111199, an den übrigrn Sta1ionen südöstlicbe WmdriÖtungi-n, die an dxn meisten Stationen am 3. und 4., in Koriiiz erst am 6. nach Sud und Südwest, in München am 3. über „Nordwest na„ch_Wc_st und dann nach Südwest drehten. Ja der zwcxten Wochcnbalite gmx; drr Wind in Müncben wieder nach Ost, in Karlsrybe 111111), Nordost, m Heiligrnsiadt nacb Südost, an den übrigkn,Stationen blieben 31Vlsch6n West und Süd laufende Lufisirömungcn bis zu Ende der WAHL, wo fiéb vielfacky aucb nordWLstlikbe Strömungen gcltend mackdten, vor- wiegend. _ Die Temperatur dcr Luft war für die Jabrészeit eine ungewöhnlich bol)? und überstirg daS Moriatsmittel . an allen Stationen um mehrere Grade Crisius. _- Bet meist bertercr, nur 1376 Morgens vielfach nebliger Wiikerung erfolgten meßbare Nieder- sch1ä6e sebr selten und spärlich. Der bKetm Wocbcribc-ginn bobc Druck der Luft zcigie nnfer wiedcrboltcn maßigen Schwankungen am Schluß der Wockoe an allem Stationen ein? erbsblichc Zunahme.

Die Sterblichkeitsvwbältniffe der metFten Großstädte Eurobas blieben in der Berikbißtrocbe günstige. Fur die deutschen Städte zeigte die aügemeine SierblicbkbitSVLrbältmßzabl keine wesentliche Ver- änderung, sie stieg auf 23,4 von 22,5 der" Vorwoche pro MiÜc und Jabr bsrccbnrt. Die Theilnabme des Säuglingsalters an der Sterb- lichkeit erfuhr cine geringe Steigsrung. Von 100008ebenden starben, aufs Jahr berechei, 72 Säuglinge, in Bérlin 61, in München _.

Unter den Todesursaiben haben Masern, Scharlach und _Dibbtbrrie erheblich zugenommrn, während das Vorkommen von Keuchhusten, Ruhr und Pocken ein ieltcnercs wurde und typböse Fieber und Darm- katarrbe im Allgemeinen nur unweisntlicbe Vkränderungen zeigte. _ Masern herrschen in Königshütte, Ingolstadt, Dresden, Hamburg, Varn1611,Jserlohn, Neuß, Hagen, Berlin, Auqxzburg, Nürnberg, obwvbl in letzterer Stadt eine Abnahme der Todesfalle ersichtlich ist. Auch in Paris, London, GlaWow, Kopenhagen nahm die Zahl der Masern- todeéfälie zu, in Warschau ab. _ Das Scharlacbfieber, in vielen Orten in Verbindung mit Dipbiberie auftretend, bat beson- ders in Königsberg, (Greifswald, Kolberg, Graudcnz, Königshütte, Brsslau, Leipzig, Elberfeld, Berlin, Frag, London, GlaSJokv, Amsterdam viel TodesfäÜe hervorgerufen, in Danzig, Elbing, Stow, Warschau ist ein Narblaß der letzteren zu konstat-iren. _ Diphtherie und (Group fordertM in KönigsberÉ,k Stettin, Elbing, Stow, Dres- den, Zwickau, Plauen, Eisleben, ünchen, Berlin, Leipzig, Magde- burg, Frankfurt (1. Oder, Kottbus, Zeiß, Hamburg, Wien, Prag, Amsterdam, Stockholm, Paris, St. Petersburg, Warschau, Odessa, Madrid, Murcia und anderm Orten zahlreiche Opfer. _ Typböse Fieber bliebkn im AÜgemeinen in ihrem Vorkommen beschränkt, nur in Posen, Hamburg, Turin, Pest, Warschau War die Zahl der durch sie Veranlaßten Sterbefälle eine orößere. _ Todesfälle an Fleck- 11Wbus kamen aus Loudon, St. Petersburg und Palma je 1, (1118 Madrid Zzur Mittheilung. _ Dcr Kcucbbusten berlief in Berlin milder, in Hamburg nahm die Zahl der Sterbefalle

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daran zu. Die Sterblichkeit an Darmkatarrben der Kinder war in Hamburg. Berlin und Wien eine größere als in der Vorxvowe. _ Todesfälle an Rubr baden sebr abgenommen, aus be'uticben Städten kam nur 1 Todesfall zur Mittheilung. _ Dem Ktndbeüßeber erlagen in deiatsckoen Städten 19 Frauen. _ Pocken vkranlaßten in Paris, St. Petersburg, Wien, Warschau, Odkffa, Prag, Turin nur Wenige Todesfälle, in Venedig stieg die Zabl der- selben a_uf 6, in London Auf 22. Aus Görlitz wird 1 Todesfall an VarrceUen mitgetheilt. _ Die Cholera ist in Paris ausgebrochen, dych zetqi sie fick) bis jetzt auf weniae Stadtviertel beschränkt imd nimmt einen im AUacmeinen milden Verlauf. Auch in Toulon iind WU?)?! eme größere Zahl von Erkrankungen gemeldet worden. In Naxites bat die (Epidemie abgenommen. 01111) aus den indischen Stadien Werdcn wenigsr Sterbkfälle an (Cholera gemeldet.

_ Den „Mittheilungen der Großberzoglicb hessi- schen Centralstelle für di? Landesstatistik (Oktober 1884)“ entnehmen wir in BLZUJ auf die Ergebnisse der Verwaltung der Sparkassen im Großherzog- tbum Hessen im Fabre 1882 folgende Daten: In der Provinz Starkenburg belief sich die Zahl der Einleger (Sparkaffenbücber) zu Anfczng 1882 auf 65 602 Personen, der Zugang 1882 (neue Einleger) auf 13084, zusammen 78 686 Personen. Der Abgang 1882 betrug 7227, drr Bestand zu Ende 1882 betrug 71459. Der Betrag der Einlagen wies an Bestand zu Apfana 1882 (Guthaben rinicbließlicb dsr gutgeschriebenen Zinsen) auf 36 656 041,87 916 Der Zugang 1882 (neue Ein- 109611, Zuschußeinlagen Und gutgeschriebene Zinsen) betrua 9078 122,34 „46, zusammen also 45 734 164.21 „46 Der Abgang1882 (Rückzablitngkn) betrug 6814 670,84 „x( Der Bestand Ende 1882 (Guthaben cinschl. der gutgéickzriebencn Zinsen) belief sicb auf 38 919 493,37 „46 Baarer Kassenbestand Ende 1882 betrug 1 660 659,45 „46 Vérzinslich atigeleßte oder auMcliebene Kapitalien Ende 1882 39 264 224,26 „46, ReisrrkfondsEnde1882/„282611340917: _ In der Provinz Oberbrffcn betrug die Zahl dcr Einleger (Sparkaffetibücber) 35 333 zu Anfang 1882. Der Zugang 1882 (neue Einleger) 6361, zusammen 41694. Abgang 1882 4234. Bestand am Ende 1882 37 460. _ Der Betrag der Einlagcn wies zu Anfang 1882 einen Bestand (Guthaben einscbl, dcr gutsescbricbcncn Zinsen) von 15 894 732,14 916. auf, dkk Zugana 1882 (neue Einlagen, Zuscbußeinlagcn und gutgeswrisbene Zinsen) 2874 378,87 „46, zusämmcn 18 769 111,01 «% Abgang 1882 (Rück- zahlungen) 206156278 „FH, Bcsdnd 311 Ende 1882 (Guthabrn einschl. drr gutacschriebenen Zinsen 16 707 548,23 .,“ _ Baarer Kassenbestand Ende 1882 733 772,81 „76 Verzinslicb an- Mlcgte oder aqueliebcne Kabitalien Ende 1882 1699108393 5714 Reservefonds Ende 1882 1349167,43 944 In der Provinz Rheinhessen wies die Zabl der (Einleger (Skatkaffenbiickzer) zu An- fang 1882 auf25117, derZugang 1882 (neue Einlegkr) 6698, der Ab- gang 1882 3841. Der Britand zu Ende1882 27974. _ Dcr Betrag der Einlagen wies zu Anfang 1882 einen Besiaiid (Gui- babcn einschl. der gutg€fchriebcnen Zinsen von 2015187353 .44 auf, Zugang1882 (neue Einlagen, Zuicbußeiniagen und gutgeschriebene Zinsen 6504 092,53 „44, zusammen 26 655 966,06 „46 Der A5- gang 1882 (Rückzahlungen) 401107490 «76 Der Bestand zu Ende 1882 (Guthaben einsch. der gutgesibriebenen Zinsen betrug 22 644 891,16 „74 Baarer Kassenbestand 862044,47 „xa Verzinslicb Wieleaie oder 6116021125261" Kapitalien Ende 1882 23 448 295,27 „46 Ncikrrikfonds Ende 1882 1946 800,09 „ki _ Im ganzen Großberzogibum betrug die Zahl der Einleger (Sparkassen- büwer) zu Anfang 1882 126 052. Der Zugang 1882 (neue Einleger) 26143, zusammen 152195, Abgang 15302, Bestand (Ende1882 136 893. _ Der Betrag der Einlagen wies zu Anfang 1882 einrn Bestand (Guthaben einsckol. der gutgeswricbenen Zinsen) 72 702 647,54 „44 auf. Zugang 1882 (neue Einlagen, Zuicbußeinlacicn und gutgeschrie- benen Zinsen) 18456 593,74 «16, 5010111111211 91 159 241,28 „44 Der Abgang 1882 (Rückzablungen) 12 887 308,52 „76. Der Bestaqd zu Ende 1882 (Guthaben einschl. der gutgeschriebenen Zinsen) 78 271 932,76 „76 Baarer Kassenbestand 1882 3256 476,73 «46 Verzinslicb angclcgte odrr ausgsljebene Kapitalien1882 79 703 603,46 «jz. Reservcfonds Ende 1882 6 122 080,92 976 Ucbrr das Anwgchßnder Kapitalicn u. ,s. w. giebt folgende von 1875_1882 reichende Lachs Auskunft:

Bctrag dcr Cin- Vaarer Kaffe- lagcn. bestand.

Zabi der Einleger. - --

Verzinslicb angclegie oder außgeliebene Kapitalien.

aii

Am Ende der Jahre.

MQ

Großbrrzogxbum. 46 364 245,57 2 196 917,03 50 511690,87 2 339 547,73 53 970 740,02 2 336 006,27 56 997 738,47 2 329 009,58 60 218 879,57 2 801781,10 67 143 357,56 3 526 248,54 1881 125 190 72 656 681,94 3 259 624,30 73 949 305,40 1882 136 893 78 271932,76 3 256 476,73 79 703 603,46 Die Rescrbefonds stiegen bon 3 740 589,25 „44 1111 Jahre 1875 auf 6 122 080,92 914 im Jahre 1882.

Kunst, Wiffenséhaft und Literatur.

Die „Geschichte des: deutschen VolkeS“, 1101101. David Pkt"! [ler, erschien zuerst im Jabrc 1864 und crwics sich durch dcn Patriotiscbrn (Hoist, rorlcbcr den Verfasst: besealte, und durcb ibre auf gründlicbem Studium beruhende, anregende, dabei kurzgesaßic iibcr- fichtliche Darstcüung bald als ein so trcfflicbes Hülfsmittcl bei dem Unterricht in den höheren Lehranstalten wie zur Sclbstbrlebrung, daß zehn Auflagen rasch an einandér folatrn. Dcr Verfasser hat den sich steigerndcn Ruhm seiner Arbeit nur bis zur 7. Auflage (1871) Lklkbt, aber es war ihm noch brrgömit, skin Werk biszu dem glo/rrciibrn Wiederaufbau dcs Deujscben Reich ibrtzufübren. Mit der 8. Auflage (1872) hat der Dirkkwr des Gbmnasiums zu Greiz, Proicffor Vr. Frikdrick) Janas, die Rebifion und Weitere Bearbeitung der Müllersckyen Giscbicbw ganz im Sinne des Verfaffrrkz fort- geführt und fick) selbst dadurch ein nicbt zu untrricbatzcndes Vsrdienst chorbkn, daß das Werk sich auf der Höhe der Zeit erhalten hat. Auch der jeßt von ibm berausgkgebkn'en 11. Auilaze (Berlin, Vsrlag von Franz Vabxkn) dürfte eine weite Verbrrirmig fichrr sein.

In demselben Vsrlage hat der Professor 1)_r. Junge „Geschichs- repetitionen für die oberen K_1911e11_böberer Lebr- anstalten" herausgegeben. Diese Repetitioncri lisiern dcin Swuier den gesammTen Gcscbicbtßstoff 11) zusammengedrangt und ubcrsicbtlicb geordnet, daß er denselben in 40 Stunden wicderbolen kann, Wozu Lebrbüchsr zu umfangreich und TabeUen zu kurz und trocken find. Die Arbeit des Verfassers wird gewiß den Lernenden bock) will- kommen sein.

_ Von der bei Max Woywvd, Verlagsbmbbandlung in Breslau, erscheinenden „Vaterländiicbcn. Gesch"ichts- und Unter- haltungs-Bibliotbek, Patriotiscbc Erzablungen für die bekan- wachsende deutsche Jugrnd und für das deutsckoe Volk“ sind 3 neue Bändchen (10_12) erschienen. Der Zweck disses Unternehmens ist, der bekan- Wachsenden Jugend und dem dxutschen Volke in feffelndcr Darstellung seine Herrscher und Helden, seine bervorrsgenden Staanänner und verdienten Bürger zu iÖZLDLrU. Unbeschadet der historischen Treue büllt sich jedes dieier Zcit- und Cbarakterbilder in das GeWand einer ansprecbcnden Erzahlung , deren Leser die Liebe zum Vaterlande wie zum Herrscherbaiise, zur bestehenden Ordnung, wie zu allem Guten und Sittlrcben fördert und festigt. Dieser patriotischen und christlichen Tendenz, wxlckoc bereits durch Anerkennung zahlreicher Bx- hörden gewürdigt worden ist, entsprechen auch die neuen Bändchen. Sie enthalten: BandF: „Jesus meine Zuversicht!“ AusdemLeben der Kurfürstin Louise Henrietie. Von Ludovica Zesekiel. _ Band F1: „Eine feste Burg ist unser Gott!“ rzäbluna aus der Zeit

47 287 681,77 50 312 132,26 55 869 639,53 58 819 334,62 61 233 433,03 67 655 244,27

1875 1876 1877 1878 1879 1880

93 947 92 777 96 142 98 318 100 764 108 236