1884 / 279 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Wed, 26 Nov 1884 18:00:01 GMT) scan diff

Personalveränderungen.

Königlich Preußische Armee.

Ernennungen, Beförderungen und Verseßungen. Jm aktiven Heere Berlin, 21. November. Erfling, Major vom Kriegs-Ministerium, unter Ernennung zum Commandcur des Pion. Bats. Nr. 6, zum Stabe des Jngenieur-Corps versetzt. Nebelsieck, Hauptm. von der ], Ing. Jnsp., vorläufig auf drei Monate zur Dienstleistung bei dem Kriegs-Ministerium kommandirt. v. Apell, Major und Ina. Offiz. Vom Plab in Wesel, zum Com- mandeur des Pion. Bals Nr. 2. Frhr. v. Rössing. Major und Commandeur des Pion. Bals, Nr. 2, unter Stellung 9, la suite». des Stabes des Ing. Corps, zum Adjut. der Gen. Jusp. des Ing. Corps und der Festungen ernannt. T (: ubert,Haup1m. von de'." ]. InansV. und Ing. Ofßz. vom Play in Solberg, unter Beförderung zum Major, zum Stabe dcs Ing. Corvs versest. Mathieu ]„ Hauptm. von der 4, Jun Insb, zum Ing. Offiz. vom Platz in We1el ernannt. Graf v. Douglas, Sec. Lt. von der Reserve dcs Drag, Regis. Nr. 22, im aktwkn Hoere, und zwar als Sec. Lt. mit Patent vom 21. November 1884 bei dem genannten Rem., angesteüt. von der Groeben, Scc. Lt. vom Drag. Regt. Nr. 12, dc'ffcn Kommando zur Dienstleistuna bei des Prinzen (Georg von Preußen Königliche Hoheit um ein Jahr verlängert. v. Trotha, Pr. Lt. vom Inf, Regt. Nr. 54, vom 1. Dezember cr. ab auf ein Jahr zur Dienst- lkistung bei der Schloß-Gardc-Cvmp. kommandirt.

Königlith Bayerische Armee.

Ernennungen, Beförderungen und Versstxungcn. Jm _activen Heere. 19. November, Frhr. v. Pcch11lann, Pr. Lt. vom 11. Inf. Regt., zum 2. Inf. RM., Schleichcr, Pr. Lt. vom 1. Fuß-Yrt. Regt. unter Stellung 5 19. 511118 dieses Trub- pentbcils, zur Jnsv. der Art, und des Trains, Endres, Pr. Lt. 11. 111 Zujrs dcs 2. Feld-Art. RMS„ bon der Jnsp. der Art und des Trains, Frhr. v, Neubeck, Pr. Lt. 519. 811th des 3. Feld-Art. Rems, unter anbebung von der Funküon als Adjut. der 1. Feld- Art. Brig, Beide in dkn etatsmäß. Stand d. (1111115111111 Rcaimcuter, versetzt. Straßner, Prem. Lieut. des 2. Fcld-Artill. Regiments Unter StcÜung s. 18. suits dieses Truppentbkils, zum Adjut. der 1. Feld- Art. Brin. ernannt. Tbenn, Pr. Lt., als Comp. (Tbcf im 2 Inf, Rest., Meyer 1). Schauensee, Pr. Lt. vom 2. Pion. Vak., im Ing. Corps, zu Hauptleuten, Winter, Scc. Lt. von der 2. Ing. Direktion, im Jng.Corbs, zum Pr.Lt.bcfSrdcrt. Frbr. v.Scherer, Hauptm. a. D., unter Stellung 91 111 511118 des 10. Inf. Regis. und unter Verleihung dcs Charakters als Major, als Platzmajor der Festung Jnaolstodt wicderamgcstcüt.

Durch Verfügung des Kriegs-Ministeriums. 22. November. Graf v. Bothmer, Pr. Lt. dcs Inf. Leib-chts., Frhr. v. Bechtolsbeim, Pr. Lt. dsc- 8. Inf. Regis, Sirl, Pr. Vt. des 12. Inf. Regts., Lobenhoffek, Pr. Lt. dss 3. Jeld-Art. RWE„ von ihrem Kommando zum Generalstabs enjboben. Illing, Pr. Lt., bisher Bars, Adjut. dcs Inf. Leib-Rcats., Endres, Pr, Lt. des 2. Feld-Art. RMS„ Frhr. v. Neubeck, Pr. Lt. des 3, Feld- Art. RWE„ zum Generalstabs kommandirt.

Abschiedsbewilligunaen. Jm ak11ve11 Heere. 13.921)- vember. rig, Oberst 13. 111 811119 des 4. (Eber). MMI„ Com- mandcur der 2. Kab. Brig., in Genehmigung skincs Abschied§aesuchcs, unter Verleihuna des Charakters als Gen. Major, mit Pension zur Disp. gestellt. Ott, Hauptm. s. 111. 511116 des 5. Inf. RUM, Platz- major der Festung Ingolstadt, dkr erbetene Abschied mit Penfion und mit der Erlaubnis; zum Tragen der Unif, bLkViÜiJf. _ 19. Novem- ber. Deu scher, Pr. Lt. 3. D., Adjut. kes Landw. Vez.Vilsk)ofen, der erbetene Abschied mit Pension und mit der Erlaubnis; zum Tragen der Uniform des 11. Inf. Régts. bewiÜigt. Reitter Oberst-Lt. a. D., als Oberst, Hoch, Simmetb, Pr. Lts. a. D.“ als Hauptleute, Haag, Mayr, Wobnlicb, Fleischmann“ Sec. Lts. a. D., als Pr. Lts. charakterifirt, -

Yiehtamtliches. Deutsäxes Reith.

Preußen. Berlin, 26. November, Se. Majestät der Kaiser und König nahmen bsute den Vortrag des Hofmarscballs sowie des Chefs des Civilkabinets, Wirklichen Geheimen Rath-Z von Wilmowski entgegen.

_ Se. Kaiserliche und Königliche Hoheit der Kronprinz empfing gestern Vormittag 111/2 Uhr militärische Zheldungen und begab Sick) Abknds 8 Uhr nach dem Deutschen

eater.

_ In der heutigen (Z.) Sißuna des Reichstages, welcher der Reichskanzler Fürst von Viswarck, die Staats: Minister von Boetticher und Vronsart vonScbeUendorff sowie mehrere andere Bevollmächtigte zUm Bundesrath nebst Kom- miffarien_ desselben beiwohnten, theilte dek Präsident dsm Hause 11111, daß ein Schreiben des Reichskanzlers, 1111terze1chn€t vom Staatssekretär von Boetticher, eingslaufen sei, welches die Neubildung der Reich?:taasbawKommisfion bLtkSffé.

Das Haus trat hierauf in die Tagesordnung ein, deren erster (Hegeyfiand die Berathung des von den Abgg. Kayser und Genoßen „eingebrachten Antrages wegen Sistirung cines betm Re1ch§gertcht «egen den Abg. Heine schwebenden Straf- verfahrens war. Der Antrag lautSt:

Der Reichstag wolle beschließen:

den Reichskanzler zu ersuchen, zu veranlassen, daß das gegen den

Abg. Heine beim Rckckpsgerickyt schnoebende Strafverfahren wegen

;Beleidigung des Vorstandes der Arbeiterkolonie in Sayda auf

Grund Art. 31 der Reichßvetfaffung während der Dauer der

Session eingesteUt werde. .

Nachdem der Antragsteller Abg. Kayser seinen Antrag kurz begründet hatte, wies der Staats-Minister von Boetticher darauf hin, daß gegen den Abg. Heine bei dem Landgericht in Lalberstadt nach eine andere Anklage anhängig sei, deren

isiirung für die Dauer der Session gleichfaÜs im Interesse der Antragsteller liegen könne. Er gebe daher anheim, den Antrag in diesem Sinne zu erweitern.

' Der Abg. Kayser amendirte hierauf seinen Antrag da: hm, daß auch das in Halberstadt anhänaige Strafverfahren gegen den ng.Heine für die Dauer der Session sistirt werde.

Der Antrag wurde ohne weitere Diskussion angenommen.

Dann folgte die erste und eventuale zweite Berathung des von den Abgg. Ausfeld und Genossen eingebrachten (He- seiésentwurfs, betreffend die Abänderung des Art. 32 der Ver- fa ung des Devtschen Reichs. Derselbe lautet:

, Der Reichstag Wolle beschließen, nacbstebendem Geseßenfwurf seme Zustimmung zu geben:

, GMB, bexreffend dre Abanderung des Artikels 32 der Verfassung des Deutschen Reichs. Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden Deutscher Kaiser, König vox1 Preußen 2c. verordnen tm Namen des Deutschen Reichs, nach erfolgter Zu- stimmung des Bundeskaths und des Reichstages, was folgt:

§ 1 Der Artikel 32 der Verfaffung des Deutschen Reiches_ wird aufgehoben. An deffen Stelle tritt der §. 2 des gegenwartigen Gexc151s. )

§. '. Die Mitglieder des Reichstages erhalten aus Rejchmitxeln Reisekosten und Diäten nach Maßgabe des Gesetzes. Em Verz1cht darauf ist unstatthaft. &

. 3. Bis zum Erlaß dieses Ges§ctzes s?yt der Bundeérakd die Höhe der Rcisckostcn und Diäten fest.

Der Abg. 1)r. Frhr. Schenck von Stauffenberg wies zur Be- gründung des von seiner Partei acsteljten Antrages auf die Vorgeschichte desselben hin. Die Forderung, welche derselbe enthalte, bringe „kein Novum. In allen LandeSver- tretungen Deutschlands, viell-xicht mit alleiniger Außnahme Mecklenburgs, würden den Abgeordneten Diäten bewilligt, und dssbalb habe auch Hr. von Bennigssn mit Recht der- vorgehoben, daß nicht die Einführung nonDiäten, sondernihre Beseitigung ein Novum schaffen würde. Thatsächlich involvire die Versagung der Diäten e111eVeschränk1111a des freien Wahl- rechts, die sich aus der Bcsorgniß erklären lasse, daß bei aÜge111ei11€m Wahlrecht die Umsturzpartei in bedenk- licher Weise anwachsen könne. Wenn _ man in der Versagung der Diäten in der That 9111 Pabiativmittel in dieser Richtung erblickt habe, so liege die Fruchtlosig: keit desselben auf der Land. Abér auch nach anderen Seiten habe. sich die Diätenlo igkeit nachtheilig erwiesen. In der Person dkr Abgeordneten sei cinzrascher Wschsel eingetretcn, und vielen Ständen sei der Eintritt in das Parlament nicht möglich, weil sie die Kosten nicht zu tragen vsrmöchten, welche die Annahme eines Mandats ver11rsache. Die Handwerker: frage babe hisr im Hause so oft schon eine große 910116 ge- spielt, aber diskutirt worden sei dieselbe hier im Hause nicht von Handwerkern, sondern zum größten Theil von Groß- grundbdsißsrn. Redner verlas hierauf eine Statistik über die Dauer der Sessionen, um die K'ostcn, 111111112 die Annahme eines Mandats ver11rsach2, festzustsllsn. "DieE11tscbädiz1u11g, die gefordert werde, würde so mäßig sein, das; sie nicht als Anlockung zur Annahme des Mandats aufgkfaßt werden könne. Die Vescbränknng der; Babnkarlen babe sicher etwas Bedenkliches. Eine Einseitige Aenderung an 615121“ Et:1tsposilion sei nicht znlössiq. 21er auch dies?, Maßregel bilde nur ein Glisd 111 der Kette von Maßnahmen, die darauf abzislten, das Ansehen des Parlaments immer mohr ei11511?chrä11ke11. Er halte OS für sehr bedcuklick), wenn man auf diesern Wege weiter fortschreiten 11301116. Das Reich be: ruhe auf dem Bunde der Fürsten und auf der Armee nicht (1118111, sondern auch auf dem Ansehen, w21ches das Parlament im Volke gemisße.

Der Abg. Udo Graf zu Stolbcra:Wernigerode hielt den Zeit- punkt nicht für geeignet, einen solchen Antrag einzubringen. Das hätte vor dreiJahren geschehen 1011211, als die frei- sinnige Partei einen großen Sieg erfocksen habe, aber nicht jetzt, wo dic Partei unterlegen ski. Von der Maßregel, die bezüglich der Bahnkarten getroffen, sei anch er nicht angenehm berührt; aber man dürfe dieselbe nicht zu tragisch nehmen. Das Ansehen des Reiches und des Parlaments würde durch die- selbe nicht beeinträchtigt. Jm Uebrigcn weise er darauf hin, daß die Verhandlungen von 1874 ergäben, daß man damals nicht an eine unbeschränkte Benutzung der Fahrkarten gedacht habe. Es sollte nur der Unt *schwd in Vszug auf den Wohnort zwischen den einzklnen Abg ordnéten beseitigt werden. Auch jsßt sei es allen Parteien möglich, Vertreter im Parlamsnt zu finden ; das beweise doch auch die sozialdemokratisckze Paktei, die auch, wenn Diäten bestäuben, nicht 111€l)r Vertreter in daes Parlament geschickt haben winde als heute. Den raschen Wechssl der Personen halte er für keinen Nachtheil. Man verhindere so das Aufkommen von BerufsParlamsntariern.

Der Nbg. bon „Benda erklärt?, daß seine Partei, wis schon in früheren Jahren so auch heute, die DiätLUfrage für eine offene halte. Seine Partei werde also zum Theil dem Antrage zustimmen, _ frsilich obne damit die Opportunität dessslben im jetzigen Augenbück anerkennen zu onen, _ der audere Theil würde gegsn den Antrag siimmen.

BLi Schluß des Blattes sprach der Abg. Auer.

_ Am 18. d. M. sind die Ratifikations-Urkunden zu dem deutsch-koreaniscben Ha11dels:, Freund- schafts- und Schiffahrth-Vertrags don126.N0v1-111ber v. I. ausgewsckselt worden.

_ D*sr Minister des Innern ist in einem Spezial-Erlaß vom 2. d. M. der Ansicht beigetreten, daß a11ch d'Le von Vereinen veranstalteten Tanzlustbarkeiten, zu denen (111 Jeder gegen Erlegung eines béftimj-Utén Eintritts- geldes zugelassen wird, als öffentliche Lustbarkciten angesehen werden 111üffen. Daraus folge dann, daß dergleichen Tanz- lustbarkeiten allen denjenigen Polizcilicbe'n Einschränkungen unterliegen, denen öffsntliche Tanzlustbarkeitem, den bozüg- lichen aUgemeinen Vorschriften nach, Überhaupt unterworfen sind. Es sei nicht wobl abzusehen, welchen Unterschied Ls in dieser Bezithng begründen solle, daß die Veranstalter solcher Lustbarkeiten sich als „Verein“ bczeichnsn, während es sich doch nicht um eine Lustbarkeit VES Versins, sondern um eine für das gesammte Publikum bestinnnte Lustbarkeit handele. Augenscheinlich wäre andernfalls der Umgebung der gedachten aUgemkinen Vorschriften Thür und Thor ge- öffnet. Ebensowenig könne sodann (1er auck) dJe Kon- zessionßpfiichtigkeit der Unternehmer von Theatervorstel- lungen, zu denen Eintrittskarten an Jedermann vdr- kaust werden, dadurch sich beseiiigen lassen, daß die Unternchmer äußerlich im Namen Lines Vsreins auftreten. Auch hier sei es entscheidend, daß die gsdackztc'n Vorstkllungen nicht für den Verein, sondern für das gesammte Publikum veranstaltet würden. Die Annahme, daß eine derartiqe Ver- anstaltung eine gewerbsmäßige sei, werde dadurch nicht aus: gßschlossyn, - daß der Verem in seinen Statuten die geseUige ergnügung seiner Mitglieder als seinen Hauptzweck be- ze1chne, während er fich gleichwohl tbatsächlick) auf diesen Zweck nicht beschränkt _ in ähnlichen“ Weise, wie die behufs Umgebtmg der Konzessionspflicbt zum Betrisbe des Schank- gxwerbes zufannnentretenden „KonsumverLine“ 211 Ob dte „Theatervorsteljungen einen erheblichen oder Un- xrhebltchen Gewinn abwerfsn, sei an und für sich, soviel bier m Betracht kbmme, gleichgültig. Wenn endlich hervorgehoben Mrde, daß d1e, in Rede stsbenden Lustbarkeiten von jedem emzelnen Verem nur höchstens drsi bis vier Mal im Jahre veranstaltet würden, so komme dem geéenüber in Betracht, daß „nach der ,als Feststebend zu betrachtenden gerichtlichen Praxts selbst eme emmalige Handlung, den Umständen des Faues nach, als strafbarer Beginn eines Gewerbebetriebes aufgefaßt werden könne.

_ Die im Reichs-Eisenbahnamt aufgcstellte, in Nr. 278 der Etsten Beilage veröffentlichte Uebersicht der Betriebsergebnisse deutscher Eisenbahnen für den Monat Oktobcr d. J. ergiebt für die 40 Bahnen, welche auch schon im entsprechenden Monate dcs Vorjahres im Be- triebe waren und zur Vergleichung gezogen werden konnten, mit einer Gesa111n1t:Betriebslänge von_ 30 893,02 lim, nach- stehende Daten:

Die Einnahme aus allen VerkehrSzweigen war im Oktober 13. Z.: 11. beim Vergleiche der provisorisch ermittelten Ergebnisse des laufenden Jahres mit dem Definitivum des Vorjahreés: bei 20 Bahnen mit zusammen 560205 [(in höher und bei 20 Bahnen mit zusammen 25 290,97 km niedriger, als in demselben Monate des Vorjahres, und auf das Kilometer Vetriebslänge bei 18 Bahnen mit zusammen 4216,70 [(in höher und bei 22 Bahnen mit zusan'men 26676,32 [(w (darunter 5 Bahnen mit vermehrter Betriebslänge) niedriger, als in demselben Monate des Vorjahres; 1). beim Vergleiche der pro- visorisch ermittelten Ergebnisse des laufen- den Iahres mit den im Vorjahre ermittelten provisorischen Angaben: bei 25 Bahnen mit zusammen 5841,76 law höhcr und bei 15 Bahnenmitzusa111111e1125 051,26 11111 nwdriger, als in demselben Monate des Vorjahres, und auf das Kilometer Betriebslänge bei 25 Valmen mit zusammen 5841,76 [(m höher und [11115 Bahnen mit zu- sasmnen 25 051,26 11111 (darunter 3 Bahnen mit vermehrter Ve- xrßebslänge) geringer, als in demselben Monate des Vor: 1a res.

Die Einnahme aus allen VerkehrE-zweigen war vom 1, Ja : nuar bis “Ende Oktober 5. J.: 11.1181111 Vergletcbe der provirorisck) e*smitteltbn Ergebnifsé dcs lau: fendenZabreS mitdemDsfinitivum desVorjahreH: bei 2323115111311 mit zusannncn 607875 11111 höher und bei 17 Bahnen mit zusmnmen 24 814,27 11111 gsringer, als in dsm: selben Zeitraume dss Vorjahrecs, Und auf das Kilo- meéter Vetrikbslänge bei 22 Babncn mit zUsammen 5979,25 1111. höher 11115 bei ]8 Bahnen mit zusammen 24 913,77 km (darunter 6 Vabncn mit vc-rnWhrtcr Vetriebslänge) geringer, (114 in d1111sclben Zeitraums. dss Vorjahres; 5. beim Vergleiche der provisorisch ermittsltenC-rgebnisse mit den im Vorjabrc Ermittelten provisorischen Angaben: bei 26 Vabnén 11111 zusamnwn 7512,58 kn] Odder und bei 14 Bahnsn mit zusammen 23 380,44 [1111 ge: rmg8r, als in demselben Zeitraume des Vorjahres, und auf daß Kilometer Butricbslänge bei 24 Bahnen mit zusam- men 610675 11111 höher und bei 16 Bahnen mit zusammen 24 786,27 11111 (darunter 6 Bahnen mit NUULhrtér Betrieb-Z: länge) geringsr, als in demselben Zsitraume des Vorjahres.

Bei den unter Staatsverwaltung stehenden Pri v a t bahn *: 11 , mxsscbließlich der vom Staats für eigene Rech- nung verwalteten Bahnen, betrug Ende Oktober “9. I. das gesammte konzessionirteAnlagekapital 160280000514- (54 91.5 000 «45 Stammaktien, 44595 0004/15 PrioritätS-Stamm: ak1ien und 60 770 000 „45 PrioritätE-Dbligationcn) und die Län ge derjenigen Strécken, für welche das Kapital bestimmt ist, 642,82 km, so daß auf je 1 11111 249 339 «45 entfallen.

Bei 0611 unter Privatverwaltung stehenden Privatbahnen betrug Ende Oktober d. I. das gesammte konzessionirte Anlagekapital 625849129 515 (311069650 «45 Stmnmaktien, 70914100 «45 Prioritäts- Stammaktien und 243 865 379 „45 Prioritäts-Obligationen) und die Län e dsrjenigen Strecken, für welche dieses Kapi- t-altfbästimmt Ft, 3300,05 1111), so daß auf je 111111 189 648 «44 en (1 en.

Cassel, 25. Novembsr. In der beutigsn Sißung des K 0 111 m u 11 a [: L (1 11 d ta ;] e H referirte zunächst der Legitinmtions: ausscbuß, woranf die in der 5. Sitzung des Kommunal- Landtadks abgebrochene Beratbuna Über dsn Bericht des ständischen Verwaltunasaussckgusfes ÜÖST die Erweiterung der landwirthschaftlichen Winterscbule in MarbUrg bcziebungs: weise die Errichtung einer Ackerbauscbule wiedsr aufge- nommsn wurde. Nach längeren Verhandlungen beschloß die Versammlung einstimmig, den ständischen Verwaltungs: ausschuß zu beauftragen, mit der Königlichen StaatEregierung und dem landwirthsckzaftlickxn Centralverein zu Cassel in erneute Vkrhandlnng über cine weitsre Hebung und Vervoll- ständimmg des landwirthschaftljchen Unterrichts namentlich in praktisckxsr Vezißbung zu treten Und d211selben zu ermächtigen, für diesen Zweck die Summe von 12 000 9-15 jährlich zu ver- wenden. Hiernäckst gclangte eine Vorlage des ständischen Ver- wa1t1111g6au§fchuffes,betreffenddieErnennungweitererständischer oberer Beamten, sowie die Abänderung “in der bishsrigsn Klassifizirung, Bezeichnung und Gebaltsregulirung von stän- dischcn Beamten zur Berathung untywurdsn auf Vortrag des Hauptansstbuffss die in dieskr Vorlage gdstsllten Anträge ohne DTGkussion angenommsn. Endlich wurde der Voranschlag Über Einnabnwn- und LluSgaben der Irrénhsilanstalt zu Marburg für die Jahre 1885/87 genehmigt.

Hoffen. Darmstadt, 25. November. (W. T. V.) Der Landtag hat sich hxutc konstituirt. Zum Präsidenten der Ersten Kammer hat der Großbsrzog den Grafen Goertz ernannt; zum Vizc-Präsidenten derselben wurde Fürst Jsenburg=Büdi11gen gewählt. In der Zweiten Kammer wurde Kugler zum Präsidenten, Wolfs- kehl zum Vize-Prasidenten gewählt. Der Großherzog wird den Landtag morgen in Person «öffnen.

Elsaß :Lothringen. Straßburg, 24. November. Die FäUe, in denen die elsaß-lothringisck1e11 Gerichte genötbigt chesen sind, auf Grund der Strafbestünmungen dcs GeseHe-Z vom 14. Mai 1879, betreffend den Verkehr mit Nubrungs- und Genußmitteln, gegen Weinfälfcher vorzugehén, haben sich, wie die „Elf.-Lotbr. Lds.-Ztg,“ einer ihr vor: liegenden statistischen Zusammenstellung entnimmt, 111 den lcßtan Jahren erfreulicher Weise nichtunbkdeute11d vermindert. Während in der Zeit vom 1. April 1881 bis dahin 1882 der Vertrieb von Wein in 292 Fällen zu gerichtlichen: Ein: schreLten wegen Weinfälschungen gkgLU Fabrikanten, Händler und Wirtbc Anlaß gegeben bat, ist in der Periode vom 12111111 1882 bis zum 1. April 1883 die Zahl der Ver: folgungen auf 74 und im nächstfolgenden Jahre auf 39 ge- sunken. In dem H1lbjabre vom 1. April bis zum 1. Oktober 1884 betrugdie Zahl der gerichtlichen Verfolgungen nur noch 13. _ Di€1e Zahlen dürften den Beweis liefsrn, daß die strengen Strafen, welche in einzelnen Fällen gegen Wein- fälscher erkannt wordsn find, ihren Zweck nicht verfehlt haben.

Oeserrrickv-Ungaru. Pest, 24. November. (Wien. Ztg.) Der Einundzwanziger-Ausschuß des Abgeordneten: hauses begann heute die Spezialbebatte Übcr den Gefes- entmurf, betreffend die Refqrzn des Oberhauses. _ Gleichzeitig berieth der Petlttonsausschuß des Ab: eordnetenhauses über mehrere Petitionen, dar: unter jene der Komitate Nograd und Szepcs 8011111111, wegen Verfügungen zur Hintanhqltung von'Unregelmaßjg- keiten bei rer Führung der israelinschcn Matrtkcln und 11111», des Komitats Torontal 11111 Ueberlaffung von Aeraxml: Domänen zum Zweck der K.olonjstrung. _ _Dcr Au_§1chuß beschloß, die Ueberweisung d1eser Gesuche cm d1c betrsfsenden Minister in Antrag zu bringen.

Belgien. Brüssel, 23. November. (Köln. Ztg.) Auf Antrag des Justiz-Miniskers de Volber dat dsr 11611113 eme Kommission von 19 Rechtsgélcbrten 1111d RtckUern 2111997th und beauftragt, die Aenderung gcmisxar Theile dos (111111,- geseßbuches zu berathen und vorzubereiten, dannt d1e Streitpunkte, welche seit längersr Zkit zwischen Recbtézlchrc und Rechtsprechung odwaltén, beseitigt werden können.

Großbritannien und Irland. Lo n d o 11 , 24. November. (Allg. Corr.) Das Unterhaus hielt am Sommbend Nach- mittag eine Sißung, in welcher die mimstexxeÜe Vorlage, welchc bcduf-Z Deckung der Nachtragskr8d1te_für d1e Nil-Expcdition und die Expedition nach Bctjcbuana: land die Einkommensteuer um einen Venm) xür das

. Pfund erhöht, durch die Einzelberalbung gLfÖdekt wurde.

Fast gleicbzxsilig fand in D01vninc1:street ein 511111111th- ratb statt, um die Bill für die Neneintdeilung dcr Wahlbezirke zu erwägen, welche im Vcrlanf des Tages auck) Gégenstand LiULk Konfcrc'nz mit den Führern der kon:

servativen Parts? bildcte. Der Meinunasauchusck) wurdo

indes; in dieser Sitzung nicbt zU Ende geführt und bis Mitt-

" woch vertagt. Was in dieser Konfdrenz stattfand, fck)Wibt dcr

,Observcx“, ddstärkt dis Régierung 111 ibrer 2011111111116, daß

* éjch «1116111 (1111116131211 Vsrglcick) über die Vorlage für die M11: * einthcil1mg dsr Wahlbkzirkc k1ikl unüberwindl1chct§ H111dern1ß * in dsn Weg stellen wird.

_ 26. November. (W. T. B.) DiE „Daily NEWS“

.“ bezsickzncn die gestrige Mittheiinng der „Timos“, daß die '- Regicrumg die Vorschläge betrxfss eines Arrangenwnts Über

die egyptifcden Fit1a11zschwicrigkeitcn dcn Mächten “5 bereits bade zugchen (affen, als unrichtig; djesclden seien _ den Mächten 11011) nicht untorb eitet, Und Es werd? dies erst - nach der nächsten Sitzung des Kabinetsraths erfolgen.

Calcutta, 23. November. (A. C.) Dis nach dem

.I) Zbobtbale gesandte Expddition befindet sickxjeßt auf dem Rücknmrsck). Dio Expedition _hat wenigsten?» cm Werth: : volles Résultar erzislt, nämlich dre vollständige Vermxssung

dLE Zhobtbales. Es ist festgc-steklt worden, das; die Handt-

'j' straße vom Go111111paß nach andahar nicht, wie 1111111 glaubte, _“ durcb daes anbtbal läuft, 101158111 durcb das Tbalm 11011 - Khwandar, und daß 5123101116 für eine große 211711168 pasnrbar

ist. Das:: Zhobtbal scheint für 61118 d11rch111arschir€11dd Armee keine Hülfsmittel zu bieten, atthen0mme11 einigen ausgczcich- neten Wcidegrund.

Frankreick). Paris, 25. November. (W. T. B.) In

der Deputirtenkammer wu1de houte die Verathuna der

Kreditoorlage für Tonaking fortaessßt. Dsr Bischof

' Freppel Uerkhcidigte die Politik der kolonialen Aus-

breitung mit dem Bemerken, daß Frankreich als _Seemacht und civilisatorisckw Nation Kolonien haben 1111'1s1e. Dte Eroberung 13011 Tongking verdiene daher d1eve1la11gtsn Opfer.

Anatole Delaforge führte aus: die chi11csische Frage sei *:) nicht das Blnt eines einzigcn französischen Soldaten wertl); man dürfe nicht an eine Kolonialpobtik dénkdn, so langs Frankreich nicbt Elsaß-Lothringen wiedcr habe. Grancx und andere Redner verlangten, daes Kabinet soll? scinc Ild11chten klar darlegen. Dic Bsrathung wird morgen wrtßeseßt.

Die am Sonntag anläßlich der Arbeiterversamm-

lung 139x11aftetenAnarchisten wurden 'theils wegen ajufé JZ rühreriscbx-r Handlungen, tbsils wegen VLlL'ngUUg der Pobzer zu (Hefängnißstrafen von 8 Tagen [114 4 Monaten ver- urtbeilt.

Angssichts des fast gänzlichen Erlösckzens der Cholsro. bat

auch dm: Seine-Präfekt die Veröffentlichung von Cholera- bericbten eingestellt. _ Aus Oran We'rden 3 Cholera- Todesfäüe gemel et.

Italien. Rom, 25.91011211111217. (W. T. B.) Die

he11tige (1111111198 Zeitung veröffentlicht die Dekrete, durch F; welche das Entlassungsgesucb deeZ J11stiz-Minister6 Ferraciu genehmigt wird und der Senator Pessina Kum Justiz-Minister sowie General Dura11d0 zum Präsidenten des Senats erxmjmt werden.

Türkei. Salonicbi, 22. Ndvcmber. (Mg. Corr.) Ein

“1 Detacbement von 600 ausgediemen Soldatén ist hier cm- gekommen und nach Anatolien weiter gesandbworden. '-“' Dtese Mannschaften bilstsn einen Theil der Garmson von

Monastir, welcbe Ende vorigen Monats behufs Erzielung

ihres rückständigen Solbes eine Meuterei anzettelte. Einige ' Jnsuborbinationeöfäüe kamen in der vorigen Woche auch unter “0111

in Salonicbi stationirten Truppen vor, aber jetzt ist die Nude in

: der Garnison wieder völlig bergesteüt.

Rußland und Palen. St. Pétersburxx, 25. No- vember. (W. T. B.) Der Kaiser und die Kaiserin sind

".“ heute nach St. Petersburg übergesiedelt.

SchWeden und Nouvegen. Stockholm, 21. Novem- ber. (Köln. Ztg.) Der oberste Gerichtshof hat heute

sämmtliche 19 Stockholmer Reichstagswahlen, welche

sehr liberal ausgefaüen, aber angefochxcn worden waren, weil fünf nicbt stimmberechtigte Ausländer mitgewirkt haben, für null und nichtig erklärt, Die Neuwahl isl auf Anfang Dezember anberaumt.

Amerika. New =York, 22. Novsmber. (Allg. Corr.) Das Revisoren-«Zollegium des Staates New-Yoxk trat Fostcrn in Albany zusammen und erklärte endgültig das kkesultat der Präsidentenwahl in dem erwäyuten Sta'ate. Der niedrigste demokratische Wablmann hat eine Mawrität von 1043 Stimmen über den höchsten repnblika- Utschen Wablmann. Der höchste demokratische Wahlmann bat eine_ Majorität von 1149 Stimmen Über den höchsten republi- kamscben Wahlmann. Das Kollegium begab sich alsdann jn

' “N90"! zu dem Gouverneur Cleveland, um ihn anläßlich

seiner Erwählung zum Präsidenten zu beglückwünschen.

Asien. China. Haiphong, 15. November. (Allg. Corr.) Schwere Kämpfe werden in Tongking erwartet.

Große Abtheilungen chinesischer Truppen nähern sich den Franzosen in verschiedenen Richtungen. General Briére de l'Jsle behauptet nur die Hauptposten im Delta; General Négrier hält eine verschanzte Linie dicht am nörd- lichen Saume des Deltas bescst. Das KrankheitSverhältniß unter dkn französischen Soldaten hat in leßter Zeit in Folge des Umstandes, daß das Kriegxtheater jeßt nach den Dickichtcn und Bergen verlegt worden ist, zugenommen. Die Kanonen- boote können den Fluß nicht weiter hinauffabrcn. Shanghai, 23. November. (“21. C.) Die chinesische Flotte schickt fich an, Formosa zu verlassen. Man glaubt, daß die französischen Forderungen die Ausführung des Ver- trages von Tientsin, die Besetzung yon Kelung und Tamsui für füanahre Seitens der Franzosen und eine chinesische Abbitte für die Affaire vvn Langfon umfassen. Die Chinesen andererseits behauptkn, daß die Katastrophe in Langson die Schuld der Franzosen sei, und verwerfen die ihnen ango- lwtcncn Bedingungen gänzlich, da sie glauben, das; die Franzosen 111 diesem Faüs Formosa behalten würden.

Afrika. Egypten. Kairo, 25.Novembcr. (W.T.B,) Die auf heute anberaumte Vorhandlung des Prozesses der Staatsschuldenkasse gegen die egyptifche Regicrnng ist auf acht Tage verschoben worden.

Dongola, 23. November. (Al]g. Corr.) NLULkdingÖ sind wieder Gerüchte im Umlauf, daß Lord Wolseley Emiisäre zum Mahdi mit Friedensanbistunaen gesandt bach. Diese Gerüchte entbehron indes; der Be: gründung. -

Zeitungsstimmen.

Wie dw „Norddeutsche? A11g€1n1zi11e Zeitung“ mitthyilt, ist dom'Neickkatzlkr von 0911 angesehensten, 111 3189111051520 ansässigen Deutschen nachsWhende Adresse zu: gegangen:

Monfcbidco, im August 1884. Durcblauäztigster Fürst! Hochvsrelckrter Horx Reichskanzler!

Die Gcfüble tiefsn Dankes, kvkltbe Deutschland unstrem erhabenen Kaiser schuldet, dcr Ew, Duxcblaucbt zu dkk «1111111119111 Aufgabe dsr Leitunß dcr dcmscden Politik bcrufen ux-d so die (Findeit, Tic Größk, dic Sicherhcit des Vaxctlandcs geschaffen hat, find dUrck) ein neues, hobcs Vordicnst Ew, Durckzlsnckot (][)thnäls gesteigert worden.

Seit Jabrbundsrten lebte im dcutschen Volke der dunkle Drang, scinkn stribsamcn Kräftkn, die _ sich immer bcrmebrcnd _ in dsr Hcimatb kein 13011 lohnendes Feld für ihre Thätigkeit fanden, im Auslaude Linen Boden für ihr Wirken zu bereitén, wo die Früchte ibrer Arbcit nicbt dem Vaterlande Verloren gingen und nur dem Auslande zum Nußeb gcrciÖtcn.

Aber, wie früher die Erreichung der Einheit Dcutsckplands, so ist auch bis 111 dic 111516 3811 das Von VCM Gefühl ciner inncren Notbwendigkcit gef-"agenc Strebkn nach einer Wahrhaft dsutschcp, inéMsZW gesunden Kolbnialpoütik auf übermäßige, äußere Hindkrniffe gew en.

Erst E11). DurÖl-mcbt bobcr Weisheit und Thatkrast war es möglich, diese? Hinderniss aus dem Wege zu räumen und die Bahn zu öffnkn, auf welckoer der deutsche Handel untsr eigendr Flagge mit- 1elst rcgelmäßigc-r Verbindungcn nach dcn fernen Küsten des großen Ozeans dinausstrcben, auf Mlcben der deutsche Unternehmungsgeist von eigenem Lande die Früchte fremder Himmelsstricbe ernten kann; eine Bahn, 111211136 die Vertreter dekz Volkcs nur cinzuschlaaen brauchen, um dem tiefacfüblten Bedürfnisse der ganzen Nation voUe Befriedi- gung zu verschaffen.

Mögen fie _ das ist auch der Wunsch, der bier im Osten ch Silbkrstromes der alten Spanier, des mächtigen La Plata, Weilendcn und dier für deutsche Jntereffsn wirkenden, untcrzeicknu'tcn Söbxxe Deutschlands _ die nunmehr freie Babm vvrurtbeilslos cinsckvlagkn, zu Heil und Segen für unser Tbcurcs, deutsches Vaterland! (Folgen zahlreiche Unterschriften.) ' .

Die „Norddsutscbe AÜgememe Zc1tung“ lmnerkt dazu:

Diese 11cue Kundgebung, die sich an viele ähnlich reibt, die wir 71311111- 3611 veköffkntliäzt babcn, liefert wicdxrutn den erfrculichn Bc1vei6, daß die in den übcrsssischcn Fragen vom Reichskanzlcr ber- folgte Politik (made an kombejcnter SteUc, nämlich bei den in MW- sceiscbcn Ländern wohnenden Deutschen, dankbare Ankrkknnung findet. 21er wenn unspre Landslkute „im Osten des Eilderstromß dcr alten Spanier“ den Wunsck) aussprechen, daß „die Vcrtrcter des Volkes die vom Fürsten Bi§marck frei gkmachte Bahn zum Heil und Segen des deutschen Vaterlandes vorurtbeilslos einschlagen mögen“, so ist dies wvbl nur als (*in „frommer Wunsch“ zu bxzcickonen; denn daß die Oppoßtion irgend ein€ Vorlage der Rogierung andkrs als vom Parteistandbunkt aus borurtbeilslos, im Interesse des H(ils und Segen?; dcs Vaterlandes aUein Prüfen soÜte _ das ist bis jeyt noch nicht daßcwcscn, und wir bezweifeln, je ein solchcs erbauliches Schau- spiel zu erlaben.

_ Wie dem „Ulmer Tageblaxt“ mitgetheilt wird, hat der Reichskanzlßr auf den telegmphrschen Gruß ciner VET- sammlung in Augsburg zu _Fxschors Wablfeier folgende schriftliche Anwort gx-langcn lasjen:

„Den Gruß der schwäbischcn Vc-rsammlung zu Augsburg cr- widere ick) mit herzlicbem Dank und chu: miä) über den Sieg der naLi-ormlen Pariei in Ulm um so mehr, als er dem Reichstage cin bewährtes Mitglied zurückgegeben dat, dkffen Fehlen seit Jahren em- pfunden Wurde. von 251911111111.“

_ Der „Hamburgische Correspondent“ bringt über die im Deutschen R-sick) a11brech211de „nationalwirthschaft- liche und soziale Aera“ einen Laitariikel, welcher lautet:

. . .. Usberblickt man die lkptcn sechs Jahre und die Bc- strebungen, die in dieser Zeit fick) 111 den Vordergrund zu drängen suchten, so wird der unbefangen? Beobachter zngcben müssen, das; Deutschland drauf und dran war, von dsr nationalen Bahn hcrabgedränat und in politisöde sten hineingezogen zu Werden, Wklcbe 111 [cher Konschenz nicht nur ('in? Schwächung der natio- nalen Kraft, eine (Hefädrdu-rg d1'r bestcbendcn Verfassung, sondern ein Vcrkcnnen dcr Aufgaben und Bedürfnisse der neuen Zeit, eine Bedrohung der sozialen Sichcrbcit_find. Zech Ding bal seineZsit. Der Kampf für Volksrecixte und Volk-F-frciheit hat seine 361! gcbabt. Er war einst eine Nothndigkcit. Wir find aber cht in dem Besiße der VolkSrccbte und Freiheiten, dank dem LiberaliSrnus in allen seinen Scdattirungen. Für das Errungenc wkiker kämpfen ist eine Kraftwergcudung. zumal Wenn es Von Niemandem be- droht w'nd Hand aufs Herz, aucb jcder „Frcifinnigc“ muß, wenn er ehrlich ist, ('i-„gestehen , daf; Niemand, daß keine Partei, und daß vor Allcm nicbt die chkcrumg, an deren Spitze Fürst Biömarck stehj, daran denkt, die Rechte und Freiheiten des Volkks zu beeinnäcdtigcn, das Parlament abzuschaffen und eine unverantwortlich? RegierungSaünmcdt bsrzustcÜen. Es wird nach Nacht u*- d Gesc? regiert und verwaltet, nur solche Entwürfe Warden zum Gescy erbo en, welcbe die Zustimmung der gesetzgebenden Fak- toren erhalten haben, nur solche 5211163111701 wcrden gemacht, Welche das Parlament gutgebeißen hat. Wo itt auch nur die Spur von einer politiscbcn ,Reaktion' zu bemerken chsen, die nun schon seit vielen Jahren von dcr privilegirtkn Oppofition dem Volke vorgespiegclt wird ? Immer und überall, wv dcm Parla- mente ein Gesetz vorgelegt wurde, Welches nicht voüständig den Intentionen dcs „Fortsäyrists“ entsprach, hieß es „Reaktion“ _ das ist ebenso bei der Vorlesung der preußischen Vchaltungßreformgesexze

.-

Miite dec fiebenziaer Jahre geschehen, wie bei allen anderen Gesesen und Maßregeln seit 1878. Wurde nicht das Soßalistengesey von jener Partei aerade deshalb bckämpft, weil LS den Anfang eines politisch reakjionären Systems bilde, wclcbes darauf ausgehe, aUmäblick) dic Preß-. Vercins- und Versammlungsfreibeit vollständig zu beseitigen“? Und was war es denn, was dieserfottwäbrenden Vorspisgelung von „Reaktion“ zu Grunde lagi? Nur das Streben, die Macht und dcn Einfluß der Regierung zu brecbkn, die politische Gegenpartci zu diskreditiren und der eigenen Partei eine so große Anhängerschaft zu verschaffen, daß sie im Parlament und später durch das Parlament berrscdcn könnte. Das ist auch das leitende kativ bei den jeßigen Versuchen, das Volk gegen die Sozial-, Stcuer-. Wirthscba'M- und Kolonial- politik einzunehmen, gewesen, Es wurden ihm politische (Gefahren vorgewiegelt, um ein?! Partei die Uebsrmacdt zu ver- schaffen, welche das Schroekgewicbt dcs Staatslebens in das Parla- ment verlegen, das Parlament zum Ausschlag ga-benden Faktor und zum angeblich alleinigen Bssckzüycr der VolkSkkl-bté und Freiheiten machen wollte. Vcrfaffungskämpfe und Streitigkcitcn über das Ver- hältniß dcr öffentlichen Gewalten zu einander wars" das Zikl, die Pthlamcntsbkrrsäzaft das Ideal, für Welches fick) das.? Volk [)?-geistern 10 e.

Das mag „ideal' gedacht sein, ist doch aber in Wahrheit nichts weiter als ein Anackoroniömus. Ukberall Unterdrückung skbcn und nach den letzten Formen politischer Frsibyit _ wir !Iffen dahin- gestellt, inwieweit dieselben das Prädikat dpr „Voklkommenbeit' vcr- dienen würdcn _ streben, mag Vor einer Generation noch den einzig berechtigten Inhalt dks politischen chsns (18511th haben. Heute abcr hat doch die Politik einen andelen, etwas rcicdchn und gewichtigcrcn Inhalt bekommen. Die formale Poliük mag am Plaßc sein, wo die sozialen Jntereffen in schönster Ordnung find, oder wo dem Volke dic jkdem anderen civilisirten Volke gewährten RcckÜc und Frcibeiten vorcntbaltsn mkrden. Heute hat das Volk keincn Sinn für formale polijiscde Streitfragsn. beute barlath es nicht 111611likdst vollkommc'nen Ausbau seiner Konstixution, sondern Besckzättiaung mit feinen sozialkn und wirthsebastlicbcn Verbältniffen.

Dcr Ausfall der Wablen bat dcutlicb bewicscn, das; das Volk der Bcstrebunacn satt ist, die es; für Vcrvonommnung der Ver- fassung, für formale politische Streitfragc-n degcistérn w-kkltc'n, und daß es die c'xnseitmc Vcrfolgung dcr politisckzen Ideale des Freifinns für cim' “direkte Schädigung seiner näkdstliegcndkn wirt[)schaftlichen und sozialen Jntéreffen hält. Das Gewittcr dcs Wahlkampfes bat die von dem „Treismn“ verbreiteten Nebel und Dünste zerstreut und Deujscbland wieder auf skins nationalen Aufgaben bin- aewicsen, Welche nach Lage der Dinge nur in der Vervollkommnung scim-r wirth'cbaftlichcn und sozialen Ver- hältnisse _ dor wahren (Grundlagen des nationalen Daseins _ bestedsn können. Jr1dem die thbwendigkeit dicskr Aufgaben dem Volke mehr und mehr zum Bcroußtsein gckommen ist, Hat es einen bedcutungsvoÜen Schritt auf dem Weg: skin?! Entwickelung voll- zogen und eine 111116 Aera eröffuet, _wclckoe _ wie wir nicht zwsifeln _ für viele Jahrzehnte die Gcistsk bcherrscbsn und nach und nach alle Völker ergreifcn wird.

Wir stebcn in den Anfängen einer nationalwirtbsckxaftlickycn und sozialen (Epoche, Wklcbe sich als einen Forxscbritt gchnüdcr dcr kon- stitutioncll-libcralen Akra darstellt, die ihr UrsprUng und ihre Grund- lage", freilich aber eben auch nur ihre Grundlage ist. Auf dieser Scheren, von Ni-cmandcm im Ernste bestritxcnen Grundlage, deren Vsrlbcidigung daher auch 111 der That nicht mehr die einzige Lebens- aufgabe cinkr Partei zu sein braucht, baut fick) die Idee von cincr Stärkung und Kräftigung _des Staatsgedankens zur För- dc1unch1 wirthscbaftlieber Jntcresten und AußgleiÖnng gesell- sÖaftlicher Gegensätx'e auf. Die Ideen der Freiheit und Gleichheit Werden von großen Maffen des Volks von dem poli- tischen Gebiet auf das wirtbschaftliche Übertragen, um so mehr, als die Unfreiheit Und Ungleichheit auf diescm Gebiet zu immer größeren Gegensätzen und Schäden geführt hat. Da hilft kcin Majoritäts- byschluß, kein Zaredcn, keine Logik“, da darf man nicht wie der Vogel Strauß den Kopf in den Sand stcckcn. Hiar beißt cs, dsn Gefahren, w-clcbx aus dsr wirthsckpaftlicben und sozialen Unfreiheit und Un- gleichheit entstehen können, die Spiße abbrechen durck) ein Ein- beben auf diese Jdecn unter Bwbacbtuna strcnastkr Gérecbtigkcit. Das kmm den Einzelnen nicbt übsrlaffen bleiben, das kann nur der Staat Thun, und dieser muß es abc!) Tdun durcb AuSgleiÖung der (Hkmnsälze und durch Zusammenfasxen dsr gleichartigcn Elemente. durcb einc Einwirkung auf das wértbschaftlicbe chen, durcb Hebung des Lebensstandcs dcr untsrstcn Volksklaffcn. Das ist die Aufgabe und dcr Inhalt der ncusn Ebocbc, 111 die wir aUtnäblicb eingetreten find. Wer das nicht bcgreist, sicht auf einem boraltcten Skand- punkt, und über den wird die „Zeit zur Tagesordnung übkr- Jcbén. Je Weiter wir in dicse nationalwirtbsckzafjlikbe und soziale Epoche bincintreten, desto mehr rvrrdkn die veralteten An- schauu1111c11, das; die Regierung eine natürliche Feindin dss Volks sei, und daß es kein größeres Zisl (3131312017; sic [adm zu legen, zu ducken und zu stürzen, aufbörcn, dssto mehr Werden sicb die rein politischen (Gegensäye, dke von Parteiegoistnus und Parteieifersuckyt gevflegt wer- den, vorwiscden, und desto mehr wird die kleinliéde Auffassung bon dkm Wesen des Staatcs, daß er eine undcheme Ein- ricbfung und nur eine VeranstaUung zur Stcuererbabung ski, vcr- scdwindcn. Don Partcien, welcbe fick) auf diesen Standpunkt t'theu, gehört die Zukunft. Wer fick) von dem Staatsaedanksn durchdringen läßt und sick) tbätig an der neuen wirtbsckpaftlicbcn und sozialen Auf- gabe 131€» Staatc's bctbsiligt, dcm wird in der wirtbsebaftlicben und sozial-yn Aera nicbt nur der größte Einfluß zufakle'n, sondern er wird auch vor Allcm das größte Verdienst um die Gesundung der Nation baden. Möchte disscr Gedanke der) neuen Reichstaa beherrschen und durcb ihr: auch im Einzelnen praktijcbe Anwendung finden!

Statistifthe Nachrichten.

(Stat. Cor.) Das neue „Viel)standslexikon für das Königreich Preußen“. _ Auf (Grund der Matc1ialicn der [1513th Vieb1äblungi11Pr1-ußenist scitens des Königlichen statistischen Bureau's ein Werk blatbkitkt worden und soeben in dreizehn Provibzialbcften zur Außgabe gelanat, weltbes. analog dym in den Jahren 1874 und 1875 etscbiensncn ähnlichen Werke, für jede cinzclnc Kommunaleinbeit, d. b. für jede Stadt, jede Landgsmcinde und jdcn (Hufszbczirk des preußiscben Staates, einc summariscbe Nachweisung ch Viebstandes nach der Aufnahme vom 10.Januar 1883 gicbt, indem es die Anzahl der Pferde, ch Rindviebcs (darunter besonders dcr Kühl), dcr Sédafe. Schweine, Ziegen, Bicncnstöcke naxbwcist und außcrdenx die Zak)! der Häuser (Gcböfte) überhaupt, sowic derjenigen mitVicbrtand, die Zahl der vicbbcfitZenden Haushaltungen und endlick) dic ortsanWesende Be- völkerung nach dkl. lkßtcn Volkszählung vom ]. Okzcmber 1880 mittbrilt. _ _

Dcr Jubalt dcs neucn Viedstondslc-xikons [cdlteßt snd im Wesent- lieben jenem älteren, unter dem Tijel: „Dcr Vichstand dcr Gcmcinden und Gutébezirkc im Preußiscken Stams nach de_n Utmaterialien der aüßcmeincn Viebxäblung vom 10. Januar 18733. Veröffentlickzten Werke an und unterscheidet sicb von demselben nur 111 den nicht den Vicbstand selbst betreffenden Angaben, und zwar in der Weise, daß rincrseits neben der Zahl dex viebbFißcndey Hausbdltungen, wie scbon bervorgcbobxn, aucb dicjerztge dcr diesmaltgen (??thcbungseinhciten (Häuser, Gehöft?) bczw. derjenigen unter, ihnen, welche am Zählungs. t.,qc Viel) besaßen, anßcgebcn, andcrcrsctts aber die in dem älteren Werke nocb mitentbaltene Angabe der Familienbaußbaltungcn nach der vorgehenden VolkSzäblung, als für den vorlixgxnden Zweck ent- behrlich, fortgclaffcn ist.

Die Anordnung der Kommunalrinbciten itt dcn Rsaicrunqsdczirkm 11. s. w. ist nacb Kreisen (für Hannover nach Acmtern, für Hohenzollern nach Oberämtcrn) und innerhalb dicser alpbabetix'cb je nach den drri Kategorien der Städte, Landgemcindcn und Gutsbezirke erfolgt. Die

in dem 1873 er Viebstandslcxikon 1873 nocb bcrückficbtigte Zugebökks' keit der Kommunalcinbeiten zu den Polizeibezirken (Amtsbezirken,

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