1885 / 24 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Wed, 28 Jan 1885 18:00:01 GMT) scan diff

Der Ab . Lauenstein hielt die Aytxahme des Antra ; für drin gend gelßoten, zumal ein einheztltches Kommunal_ euer- Lese lfeikrwdü nkchfie ZZ? noch "161111 enz" erhoffen set. Er

e , 'e Vor a e en 00 anzune . emp Zet Abg. Zelleg widersprach_ diesem Vorschlage, obschon auch er zugeben müsse, daß "d1e,Rege„lung der Kommunal- |euerfrage ein dringendes Bedurfmß sei. '

Nachdem sich noch der Abg. von Quast fü): d1e Annahme des Antraegs ausgesprochen hatte, wurde d1e Debatte ge-

lo en. . sch YM Schlußwort wies der Abg. Dr. Weber (Montabaur)

die Bedenken des Abg. Zelle zurück und wandte" sub alsdann geg en die Ausführungen des Unter-Staatssekretars errfurth. Ein Antrag des Abg. Zelle, den Geseßentwur an die Gemeindekommisfion zu verweisen, wurde abgelehnt, u1_1d_dqs Haus trat sofort in die zweite Lesung der Vorlage em, m welcher dieselbe nach einigen kurzen Bemerkungen des Abg. Zens zu §. 1 und §. 7 unverändert angenommen wurde. ES folgte die erste Berathung des Antrages der Abgeordneten Graf Baudissin und Genossen" auf Annahme eines GesehentwurfS, „betreffend Erganzuyg und Abänderung der Best1mxnungen “über die Aus- “sonderung des steuerart1gen Thx1ls aus den Fo: genannten stehenden Gefällen in der Promnz Schleswia-Holstein. _ , Der Abg. Schütt beantragte, dyn Geseßentwurs an eine verstärkte Agrarkommisfionsxu verweisen. , , _ Der Regierungskomm1ffar Geheime'FmanzzRatk) Fmstmg erklärte, das; die Regierung, gern. bereit sei„ ihre'Hand zur Regelung dieser Anaelegenheit zu bieten ;. 'freilnb ryyffe dgrauf gesehen werden, daß die Regelung auch eine defintttve sei. Nach einigen weiteren Bemerkungen , der WM., Seelig und SchÜtt wurde der Geseßentwurf an die nnz 7 Mitgueder verstärkte Aararkonemisfion zur Vorberathung uberwgesen. Den nächsten Gegenstand der Tagessordnung _b1ldete der Antrag des Abg. Letocha wegen Vorlesung emes Geseß- entwurfs, betreffend die Schiffbarmachun'g des oberen Theils der Oder und die Herstellung einer Wajserftrqße von der Oder bei Fürstenberg nach der Oberspree bei Berlin. Nui Antrag des Abl? FFW wurde d1eser Gegenstand von der Ta eSordnung a ge e . _ , Der BZricht über die Ergebnisse des Betriebes der für Rechnung des preußischen Staatßs verwaltexen E'isenbxahnen im Betriebsjahre 1883/84, somie der Verxcht Über die Bau- ausführungen und Beschaffungen der Eiseanhnverryaltung während des Eitraums vom 1. Oktober 1883 bis dahin 1884 wurden ohne ebatte an die Budgetkom1n1ss1on verwiesen. _ Der leßte Gegenstand der Tagesordnung wur d1e zwe1te Verathung des Gesetzentwurfs, betreffend 016 Berxretung des Fiskus in bürgerlichen Rechtsstreittgxeiten der Justizverwaltung. Derselbe wyrde nach einer kurzen emerkung des Abg. Bödiker genehmigt. Sodann vertagte sich das Haus auf Donnerstag 11 Uhr.

_ Der Bevollmächtigte zum Vundesrath, , KHnigljck) sächsische Geheime Regierungs-Rath von Ehrensiem 1st h1er angekommen. *

_ Seit einigen Tagen weilen hierselbst zwei höhexe ausländische Verkehrsbeamt'e: 'Herr Reymers, Mit- glied der General-Direktion der Kaiserlich russischen Posten und Telegraphen in St. Petersburg, und Herr Purcell, (101111'01161' 01' 1.118 9081388 Stamp 'DSpäktSWSUÜ of 1119 1111711141 1167311119. in London. Der Erstere ist hierher eytsgndt, um für einige Zeit dem Studium der deutschexi Posteinricbtungxn obzuliegen, der Letztere, um sich übex die Hersxellungsweise deutscher Postwerthzeichen in der Re1chsdrucherc1 zu unter- richten.

_ Nach Schluß des am 1. Oktober 1). I. bei der Artillerie-Schießichule begonnenen Kursus hahen fi_ch sämmtliche zu demselben kommandirt gewesenen Off1,ziere 111 ihre resp. Garnisonen zUrückbegeben.

Sachsen. Dresden. 26. Januar. Wie das „Dr. Journal“ erfährt, hat der Wirkl. Geheime Rath, Haus- marschall Graf Vißthum von Eckstädt im besonderen Auf- trage des Königs die Allerhöchftdemselben von dem verstorbe- nen Herzog Wilhelm von Braunschweig testamenta- risch vermachten Güter in Schlesien im Laufe der letzt- vergangenen Woche übernommen.

Hessen. Darmstadt, 27. Januar. (Köln. Ztg.) Die Zweite Kammer erklärte heute die Wahl der Abgeordnéten für Mainz, Falck und Schlenger, für ungültig.

Oesterreich=Ungarn. Wien, 26.Ianuar. (Wn.21bdp.) Heute tagten im Avg eordnetenhause der Budgetx- ausschuß und der Gewerbe-Ausschuß. Auf der Tages- ordnung des Vudgetausscbuffes stand die Berathung über die RegierungSvorlage, betreffend den Nachtragskredit für den Umbau der Gewehrfabrik, dann die Berathung über das Budget der Unterrichtsverwaltung. Der Gewerbe-Nussthuß seßte die Spezialdebatte über das Unfallversicherungßgeseß fort.

_ 27. Januar. (W. T. B.) Das Abgeordneten- haus hat einen besonderen A'usschuß für das Sozialistenges eZ gewählt und d1e Vorlgge wegen der Nordbahn an den Eisenbahnaußichuß verwiesen.__ Bei der Beantwortung einer in Betreff des Warnsdorier Hochverrathßprozesses gefteüten Interpellation wies der ?uftiz-Minister die Anschuldigung, daß die frag- liche Stra untersuchung in tendenziöser Weise eingeleitetworden sei, im Interesse und zur. Wahrung des Ansehens und der Unabhängigkeit des Nichterstandes entschieden zurück. Er bezeichnete die Behauptung, daß in Folge der Aussagen der Angeschuldigten die Nothwendigkeit weiterer Erhebungen fort- ?efallen wäre, als irrig und al1e Behauptungen über die

chlechte Behandlung der Verhafteten während der Unter- suchungshaft als vonommen falsch. Es seien alle mit der Hausordnung zu vereinbarenden Wünsche derselben in Bezug auf Koß und Lektüre erfül1t worden und fie selbst (die Verhafteten) hätten auch keinerlei Beschwerden vorgebracht. Der Miniéter versicherte, daß die Regierung auf die ganze Angelegen eit keinen Einfluß, geübt habe; sie sei nur insofern in Thätigkeit getreten, als sie, nach der über die Einleitung der Vorunter- “uchung genommenen Kenntniß, Allerhöchsten Orts die Ein- |ellung der Untersuchung beantragt habe. _ Der Antrag des

Großbritannien mad Irland. London, 26. Jayuar. (All . Corr.) Die erneuten Attentate, welche dje irisch- fenßschen Dynamitarden am Sonnabend 1m West- minster:Palaft und im Tomer verübxen, haben nicht nur in London, sondern in ganz England die größte Aujregung hervorgerufen, und die allgemeine Entrüstung über diese Un- thaten dürfte die Regierung veranlassen, höchsx ernste ynd außerordentliche Schritte zu thun, um dem verbrqchertfchen Tre1ben der amerikanischen Fenier ein für all? Mal em Ende zu sehen. _ ?)? ihren Leitartikeln über d1? Explofiotzen _bezetchnen die orgenblätter als Awahrmtttel zuznetst eznen ener- gischen Appell der englischen Regierung an dze Remerung der Vereinigten Staaten, dem frevelhaften Treiben O'Donovan Roffa's und seiner Spießgesellen durch _entsprechende strenge Geseße ein Ende zu mgchen. Die Blätter sind einstimmig darm, daß F1e de_n Herd der Ver1chwörung nach Amerikqverlegen. Obgleich die „Times“ hofft, daß die Amerikanex im Stande sem'werden, Mittel zu ersinnen, um diesem schre1endxn Skandal'em Ende zu seßen, fährt sie dennoch fort: „er dürfen zucht 1msere Hände falten und auf den Ausxxang wartey. Es tft dringend nothwendig, energische Maßregeln zu ergcm1fen, sowphl offen- sive als defensive, gegen einen hinterlisttgen, gerp1ssenlosen, unversöhnlicben Feind, wenngleich er an Zahl Wie an Cha- rakter der verächtlichfte ift.

_ 27.Zanuar. (W. T. B.) Hassan Fehm1Pqscha hatte ' heute in Begleitung 11011 Musurus Pascha bei der Königin in Osborn“: eine Aud1enz.

Ein Telegramm der „Times“_“_ 9116 Hongkong, vym 27. Januar, meldet: Dem franzos1schen Panzersch1ff „Triomphante“, welches zur Ausbesserung" h1er emaxlaufen war, ist, um jede Verlesung der Neutralttax zuverhmdexn, die Erlaubniß hierzu auf Befehl der engl1schen Regie- rung von den Behörden versagt worden.

Frankreich. Paris, 27. Januar. (W. T. B.) Der

Minister-PräsidentFerrytheilteimheutigenMirtisier- ratl) mit, daß in den Verhandlungen Frankreichs

mit der Afrikanischen Gexsßllschaft m_egen der Abgrenzung der beiderseitigen Gebtete am Kongo ein fast vollständiges Einvernehmen auf den bekannten Grundlagen erzielt worden sei. _ Der

„Agence Havas“ zufolge hätten die' Verhandlungen der Afrikanischen Gesellschaft m1t „Pyrtuga'l noch zu keinem Ergebniß geführt. Uebr1gens sei die Nachruht de'r T im 9 s von einem Uebereinkommen Fra nkr e1ch €; mit Portugal wegen des Congo U nb e g r ü n d e t.!

Eine Depesche des Generals BVLG'W meldet, daß alle Vorbereitungen beendet seien und daß 519. W 1 ed er a u f - nahme der Operationen in Ton g king hevorstehe. _ Der „T emp s konßatirt, daß nach, dem Eintreffen "der V erst ärku n g en die gesammten m111tärischen „Strenkrafte, über welche General Briére de ['Jsle ynd Admiral Coyrbet zu verfügen haben würden, einschließlich der annan11t1schen Tirailieurs 40 000 M an 11 betragen würd'en.

Die heutige Sitzung der Depgtirtenka mmer e_r- öffnete der Präsident Brisspn m1t einer 21 n sprach e, m welcher er das Haus zu dem Resultat der 'Se_n,ats- w ak) [ e n vom 25. d. M. beglückwü'nschte und gleichzeitig e:“- suchte, die Arbeiten zu beschleunigen. B an 11 ry d' Ass'oy wünschte die Regierungxber den jüngstßn Mißerfoxg der fxanzöst- schen Tru pen und über ie Operationenm T o n k 1 n g zu 1 n t_ e 1: - pellire Der Mikisler-Präsident erxy erklaxte, die französischen Truppen in- Tongking hätten k 21 ne. n Miß- e rfolg zu verzeichnen ; er ersuche die _Kammer,_ d1e Inter- pellation Über die Operationen in Tongkirxg auf emen Monqt zu 5 e rtage n. Die Kammer stimmte diesem Wunsche bei. Im Fortgange der Sißung wurde die Verathung d_e-Z ,a ußer- ordentlich en Budgets begonnen und da21en1ge des Kriegs-Min isteriums angenommen.

Italien. Rom, 27. Januar. (W. T. B.) , In der Deputirtenkammer antwortete, heute_ der M1n1ster Mancini auf die Interpellation 111 Betreff 'der Kolonialpolitik: daß die frühsren gégen die Kolonial- politik gerichteten Theorien angesichts. der moder'pen Ent- wickelung und der kolonialen Ausvehnung aUer Machte 111ch_t mehr haltbar seien. Italien könne 111 _dem Kampf dsr, C1v1- lisation gegen die Barbarei nicht unthatra, bleiben. DLS Re- gierung fei entschlossen, innerhalb befche1dener Grenzexi eme koloniale Politik zu betreiben, vyrausgßsxßt, daß 'd1eselbe für die ökonomische wie für die p011111ch6 Entmickelung von Nußen sei. Sie werde fern_er die besiebepden Rechte anderer Nationen respektiren, um ,]ede Komplikatwn zu'ver- meiden; sie rechne außerdem auf d1e thätige Muhülfe Se1tens des Handelssiandes. Die zu machenden Versuxhe würden durchaus im Verhältniß zu den Kräften Italiens stehen. Schon seit langer Zeit sei der Weg nach 52111 RothenMeere als für das-(Hedeihen Italiens sehr wichtig anerka_nnt"worden. Der Minister widerlegte die hiergegen gemachten Einwarxde 1111?) wandte sich dabei namentlich gegen die Annahme, 511€; Jtalwn em? gefährliche Eifersucht Englands hervorrufen kon,ne. Es se1 das Verdienst des Kabinets, daß eS, ohne der ,Aüianz m1t5en Centralmächten untreu zu werden 11115 ohne em großes Risico und große Opfer zu übernehmeq, eine Freupdschaft mit Eng- land herzustellen gewußt habe, 516 sixh auf eine'Gememsamkeit der Anschauungen und der Aktion im gegenseitigen Jntexeffe stütze. Diejenigen, welche fürchten, daß Jtalren von seiner Steüung am Mittelmeer abgezogen würde, müßten an- erkennen, daß Italien am Rothen Meere den Schlüssel zum wirksamen Schuß des Gleichgewichts am Mittelmeer finden dürfte. Die Regierung werde dxn 81.312118 quo am Mittelmeer. respektiren, Wenn aber eme andßre Macht hier Aenderungen hervorrufen soÜte, welche d1e S1cher= heit und die Rechte Italiens bedrohen, so werde, Italien fick) dagegen zur Wehr seßen ynd das Gle1chgeuncht wiederherzustellen suchen. Die Expemtion nach denz Congo sei nur für einige Wochen aufgeschoben. Die Reg1e- rung bedürfe der warmen Unterstüßung der Kammer für ihre Kolonialpolitik; andernfalls würde die Regierung sich Beschlüssen, die durch ein entgegenstehendes Votum, gefaßt würden, zu fügen wiffen. _ Auf eine V011 Crisxzi

estellte Anfrage, in Betreff der Nachricht über die zwischen Italien und England hergesteüte Uebereinstimmung, erklärte der Minister sich morgen, äußern zu wolXen. __ Der KriegS-Minifter Nicottt führte aus, daß nach seiner Anficht die erste Expedition genügen würdx. Soüte eine weitere Expedition in das Innere nöthig werden, so werde noch ein Bataillon nach Assad geschickt mex- *den. Der Minister wies schließlich auf den in der Armee Wie

der Nation nicht erloschen sei. _ Die Deputirtenkammxr e- nehmigte sodann die Eisenbahnkonventtopen W t- tikel 41 und erklärte fich mit 165 gegen 92 Snmmen gegen das auch von der Regierung abgelehnte _Amendement Baccarini's über den Ankauf dex Materials der Gesell- schaften beim Austausch der Konvxnnonen. _

Aus Port Said, vom heutigen Tage, wurd gemeldet, daß die Dampfer „Vesvucci“ und „Gottardo“ heute früh von dort nach dem Rothen Meere abgegangen find.

Rußland und Polen. Kiew, 27.3an11ar. (W. T. B.) Die Universität ist gestern_ wied?r exdffnet worden. Der Kurator des Lehrbezirks htelte1nZAnsprache, in welcher er dem Bedauern über im VorFaUe, welche die Schließung der Universität hexvorgerufen hatten„ Aus__druch gab und gleichzeitig die Hoffnung aussprach, daß dux Manner der Wincnschaft sich in der Universität künftig außschlteßkch den Interessen der Wissenschaft hingeben xmd_daß d1ese Jyteressen Ordnung und Ruhe in der Universität embürgern würden.

Dänemark. Kopenhagen, 27. Januar. (W.T. B.) Im Finanzausschuß des Folkethings' haben die Mit- glieder der Linken das von der Regierung vorgelegxe Budget um 71/2 bis 8 Miklionen herabae'se'ßt. Die Rechte will nur einer Herabmindcrung um 2 M1l11o11en be1- stimmen. Die Abstriche erstreckxn fich ayf ane Zwe1ge der Staatshaushaltung. Ein provixorisches Finanzgeseß wnd alt.?- wahrscheinlich angesehen.

Amerika. New-York, 27. Januar. (W. T. B.) In den Legislaturen der Staaten New-York und Pennsylvanien sind Anträge auf Regelung d'er Anfertigung und des Verkaufs von Dynamit em- gebracht worden.

Afrika. Egypte11.(W. T“. V.) General Wolseley- meldet aus Korti: er habe am 26. Januar von dem General Earl einen Bericht erhalten, wonach dxr Marsch seiner Truppeä den Nil stromaufwärts glücklich von Statten gehe. _ _ (W. T. „B.) Unter dem 28. Januar telegraphzrt General Wolseley, daß Metammeh genommen tft. Oberst Stewart sei schwer verwundet. W1lson habe sich an Bord eines Dampfers nach Khartum begebén.

Zeitungsftimmen.

Rücksichtlick) der Reichstangebaxte über pie Adressen- bewegung wird der „Magdeburchhen' Zeitung“ von einem „Mitglieds der nationalliberalen Partei, das aber außer-

halb der parlamentarischen Kreise stehk“, geschrtebsn:

Es War voraUSzuseben, daß die Majoritatpom 15. Dezember, gegen Miche sich die Adressenbetvegung im V'oxke r1ch,tete, die Gelegen- heit ersehen werde, an dieser Vervegung Kritik zu ubcn und womßg- lich sich ins Recht, die Urbebcr und Theilnebmxr der Bewegung ms Unrecht zu setzen. Das ist denn nun in der Stßung dxs Reichstages vom 23. Januar geschehen. ' _,

Zunächst ist die Spontamtat jener Beryegung angezweixelt, , es ist versucht worden, dieselbe als eine .offiztös gemachte“, kunstltchc darzusteÜen. Beweise dafür sind nickot crbracht_wordxn. AÜes, Was man vorbringen konnte, war, 1)daßderko111erva11ve .Rßichsbqte' eben dies behauptet habe, 2) daß in der „Nakronalltbc- ralen Corresvondcnz' zu EntrüstungSadreffen ayfgefordert wvr- den sei. Ich Weiß nickpt, „ob der „Reichsbote“ That- sachen für seine Behauptung angefubrt bat, glaube_ es aber mchx, Weil sonst wohl der Rednkr, det; fich auf dxn „RUchquten' bertxs, diese- Tlxatsachen gleichfalls erwäbnf haben wurde. Was dtZ.Nat.-llb. Correspondenz“ betrifft, so hat der dermaltge Fuhrer dcr Nationalliberalen im Reickstage, Hr.. von Bendcx, persichert, daß der betreffende Artikel (der ubrrgens, so _ vwl ich mich erinnere, eine „Aufforderung zu Enjrüstungs-Adresien“ _keineSwegs enjbielt, sondern nur den Ausspruch, daß dner_ Bexcbluß vom 15. Dezember das Gefühl des Volkes verletzey mußc) „1114315116 der parlamentarischen Partei hervorgegangen set.“ 'Da' es,be1 diefer Sackxe auf bcstimmte TbatTachcn ankommt, so 113111 :ck h1crmit kon- stajiren, daß u. A. an meinem Wohnorte ich sclbst “sofyrt Nag!) dcm Beschlusse Vom 15. Dezember (1116 völlig frelcm Antrtebc „Re An- regung zu einer Adresse gegeben _hqbe. Nun nehme ich aber Weder eine offizielle 1105) eine osüzröse STZÜung ein. Auch habe ick), wie mir die vcrebrlikhe Redakxton bezeugen „xvird, niemals in dem Geruche gestanden, nnch yon of7f151e11en oder offiziösen Stellen aus beeinflussen 311 lassen. Eine zweite An- regung ähnlicher Art erfolgte fast gleichzeitig vor) ganz anderer Seite aus. Die Adreffe selbst erhielt in Wenig Tagen ]9nvielU11terschriften, daf; dieselben nahezu der Mehrheit allcr 1121 der ]ungsten Reichstags- Wahl in dem betreffenden Wahlkreis abgeJleerzen Sjimmen gleich kamen. Es wäre nun doch: merkwurdig, wenn so viele Tausende von Personen, und zryar zum aUergrößten Theile sehr angesehene und ihren _burgerlichen Siellungen nach vöÜig unabhängige Pörsonen, qux em Kommando „yon oben“ oder auch nur yon einzelnen Partctfubrern emen solchen Eifer des Unterschreibens betbätigt hätten. .

Es ist ferner den Tbeilnebmern an [ener Adreffenbewegung vor- geworfen worden, sie hätten den Sinn des BescHluffeS vom 15. De- zembcr entsteüt und dadurch den Reiébslag, der emen sqlchen Beschluß gefaßt, in den Augen des In- und Auslandes verunglimpft. Nun, daß jener Beschluß vom 15. Dezember zu sehr ernsten Bedenken vom patriotischen und nationalen Standpunkte aus Anlaß gczb, daß er uns Deuische gerade vor dem Auslande in kein besonders gunstrges Ltcbt ste_llt, das haben sogar die meisten und angesehensten Blätter der deut1ch-

freifinnigen Parkei, die [den Beschluß mit gefaßt hatje, direkt, die anderen wenigstens indirekt dadurch anerkannt, daß sie 'die Bedeutung des Beschlusses abzuscbwächen suchten; nur ganz, vereinzelxe wagten es, ihre Schadenfréude über „,die Niederlage, dte der Re1ch6kanzler erliTten“, offen auszusprechen; grade dadurch aber bekannten sie (Was jetzt die Vertbeidiger des B?.sébluffes abzuleugnen suchen), dgß min- destens ein Theil der Ykajorifät voxn 15. Dezemher nicht aus bloßen .Sparsamkeitßrückstckyten' so [Festtmmfhattß wre er gethan.

Aber man geht weiter, man wi in den Kundgebungen gegen den Beschluß vom 15. Dezember ein Attentat auf den Reichstag selbst erblicken Die „Autorität“ des Reichstaczes, sagt man, sei angetastet, .das Volk sei aegen seine geordnete Beborde gZHth„'worden.' Ich

laube, hier ist wohl zu unterscheiden. Ware d1ese GelegenheYt enußt wvrden, um den Reichsjag als tzationale Jnstt- tution herabzuseßen , um die alte Strettfrage zwischen AbsolutiSmus und Parlamentarismuß zu Ungunstxn des le teren aufzugreifen und zuzuspißen, so ware das gewiß zu be la en und sofern einzelne Andeutungen etwas dergleichen enthalten „ba en soUten, so würde ich für weiße Person dies böchlicbst mißbtlligxn und würde eine solche Adreffe niemals unterschrieben haben. „Allem der Reichstag als Institution und ein einzelner konkreter Reichstag sind nicht dasselbe. Den leßteren für unfehlbar und über jeder Krikik stehend auszugeben, wäre doch Fehr bedenklich und möchte am aller- wenigsten “cem Reichstage als In titution, dem Prinzip des Parlamentaris- mus zu Gute kommen. Es wird im vernünftig regierten Staaje nicht als ein Majestätsverbrechen oder auch nur als eine Ehrerbietungs- verleXung angesehen, wenn die Unterthanen im Wege der Bitte, der Vor ellung „von dem schlechtunterrichteten an den besser zu unterrichten-

Abg. Schönster, über die Antwort des Ministers zu debattiren, wurde mit 141 gegen 101 Stimmen abgelehnt.

im ganzen Lande herrs enden EnthusiaSmus hin und sch19ß daraus, daß die_ Begei erung für große Unternehmungen m

den Monarchen“ appeüiren, und es sollte ein Majestätßverbrechen sein, wenn das Volk seinenVertcetern gegenüber seine von denen dies er abweichen-

den Ansicbten ausspricht. zumal wenn, wie im vorliegenden Falle, die Volksvertretung selbst noch nicht ihr leßtes Wort gesprochen bat. also eine Nemedur des „gefaßten Befchluffes möglich ist! Wo bliebe da das Recht der Petition, welches doch sehr häufig gerade in dem Sinne und zu dem Zwecke geübt wird, um einen entweder zu besor- genden' oder vielleicht in erster Lesung gefaßten Beschluß des Reichs- tages 111 sein Gegentbeil zu verke?ren!

Man kann vielleicht dalüker treiten, ob nicht etrva der korrektere Weg,'sta1t jener Adreffen an den Reichskanzler, der Weg eben der Petition an den Reichstag gewesen wäre. Aücin der Beschluß vom 15. Dezember war _ nach den vom Reichskanzler wiederholt gege- benen allerhestimmtestcn Erklärungen darüber, daß die Verweigerung der von 1hm geforderten Hülfskraft ihm die Möglichkeit oder doch Freudigkeit eines fortgksetzten ungeschwäcbten Wir- kens auf dem bochwicbtigen (Gebiete der auswärtiaen Politik taube, dieses für die Sicherheit und Größe Deutschlands so unentbehrlichen Wirkens _ ein so direkter Schlag gegen diesen Mann selbst und gegen das, was er der Nation ist, daß das Gefühl des Volkes" wvb! nicbt irre ging, wenn es das Bedürfniß empfand, dem gegenuber dem großen leitenden Staatömanne recht augenfällig

kundzugeben, Haß wenigstens ein sehr großer und nicht der schlechteste Thkll der Nation in der auswärtigen Politik zu ihm stehe. Ja, eine solche öffentliche Kundgebung war um so nothwendiger gerade ixt einem Augenblick, wo der

Reichskatxxler einen der kühnsten, aber auch für die nationalen Ju- terxffen 11cherlicb nicht am Wenigsten heilsamen Akte seiner aus- wärtigen Politik zu voUzieben im Begriffe stand, die entschiedene Geltendmachung der Rechte Deutschlands “auf Tbeilnahme am Kolonialbefitz in fremden Wklttbeilen gsgenüber den übertriebenen Ansprüchen des seebeherrsÖenken Englands. Mit chht bat Fürst BiSmarck gesagt: „eine Kolonialpolitik im großen Stile zu betreiben, werde für ihn nur dann möglich, wenn er sicher sei. daß die Nation hitzter ibm stehe." Durch den Beschluß vom 15. Dezem- ber konnte dicse VorauMeLung in den Augen des Auslandes leicht entkraftet werxen, es galt daHer, so schmal] als möglich diesen Ein- druck zu verwqcbcn, un,d das ist durch die Adreffenbewegung (wie die Stimmen der auswärhgen, namentlich auch der cngli1chcn Presse 172- zeugen) auf das Wirkjamste geschehen.

_ Dte „Meckleyburgischen Anzeigen“ 1chreiben über den „Normalarbeitstag“:

Ohne Zweifel ist es ein berechtigtes Verlangen dcr arbeitenden Bevölkerung, daß eine übermäßig lange Arbeitszeit vermieden werde. ..

An_s1ch freilich scheint die wirthschaftliche Weltlage andere Auf- gaben näher zu legen, als die gesetzliche Regelung der Arbeitszeit. In Eygland belaufen fich dis AufWendungen der Gcwerkvereine für _die Unterstützung ihrer feiernden Genossen schon auf Millionen, 111 Paris und Lyon hat der Mangel an Arbeit und Verdienst den Charakter einer öffentlichen GefaHr an- aenommcn, Jm Dcutschland ist es, zu einem großen

Theile, Dank 'der unseren Verhältnissen" entsprechenden Zoll- und Handelsxvolltik, bisher gelyngcn, von den Arbeitern ähn- liches M1ßge1chick in der Hauptmche fern zu halten. Hätten wir

cht, wie nach 1873, das ungeschützte Deutschland zum Ablagerungs- plaß fremder Ueberpropuktion gemacht, so könnten wieder Hundert- tausende fleißiger Arberjer sib vergebenS' nacb Arbeit umsehen, die Frage des Normalarbcitstages würde vor der Frage nach Arbeit von selbst von der Tageßordnung verschwinden. Deshalb ist gerade vom Standpunkte der Arbeiter unter den jetzigen aUgcmcinen wirtbschaft- lichen Verbälkniffen die Frage der Erhaltung der Arbeitsgclegenheit und deß ArbeitSverdienstes_ungleich wichtiger und dringlicher, als die gesetzliche Regelung der Arbeitszeit.

Ceniralblatt für das Deutscbe Reich. Nr. 4. _ In- halt: Konsulatswesen: Todesfall. _ Exequaturertheilung. _ Heimatb- wesen: Zusammenstellxng über die Geschäfte des Bundesamts für das Heimatblvesen wahrend des Geschäfjsjabres vom 1. Dezember 1883 bis dahin 1884. _ Handels- und GewerbeWefen: Ausführung dxr Nummer 3. des Schlußvrowkolls zu rer deutsch - italienischen Literar-Konventwn vom 20. Juni 1884. _ Polizeiwesen: Aqueisung von Ausländern aus dem Reichßgebietc.

5Zlmtsblatt des Reichs- Postamts. Nr. 4. Inhalt: Verfugungen: vom 21. Januar 1885. Postpacketverkebr mKt Por- tugal,. _ Bescheidungen: vom 20. Januar 1885. Umuläsfigkeit der Bezeichnung „Portopflicbtige Dienstfasbe' bei den portopflicbtigen un- frankirten Briefen der Orts-Krankenkasien.

Iuftix-Ministerial-Blatt. Nr. 4. _ Inhalt: Allge- meineKVerfugung vom 13. JÜUUQT 1885, betreffend die Verrechnung der fur Verstorbene Gefangene angesammelten ArbeitéNrdienstantÜeiie. _ AÜgemetne Verfügung vom 14. Janyar 1885, betrcffend die Auf- bebuxxg dcs koÜegialiscben Sckxöffcngericbts zu Feldkirch. _ Aügemeine Verfugung vom 14.Januar1885, betreffend die Erweiterung des chixks der Strafkammer bei dem Amtsgericht in Siegen. _ AU- gememe Verfugung vom 17. Januar 1885, betreffend die Ausführung des Gesetzes vom 20. Mai 1882.

E11"enbakxnxVerordnungs-Blatt. Nr. 3. _ Inhalt: Erlasse dcs Mimsters der öffentlichen Arbeiten: vom 13. Januar 1885, betxeffend Uebertragung der Vorwaltung und Betriebsleitung der Verbtndunasbybn von Station Bockenheim(111.17.), einerseits nach Station Loutsa (111. R.), andererseits nacb Station Rebstock der Strecke„Hochst-Frankfurxa. M. an das von der Königlichen Eisen- babnthrektwn zu Frankfurt a. M. reffortirende Königlick): Eisenbahn- Betrtebßamt zu Wiesbaden. _ vom 14. Januar 1885, betr. Berech- nung der Dienstzeit 5er beurlaubten Kapitulanten der vormaligen Hannoverschen Kayallerie. _ Vom 21. Januar 1885, betr. Aenderung des chlements fyr die Berechnung der Nebenemolumente der Be- amten des Fahrdienstes. _ vom 22. Januar 1885, betr. AufsteÜung der Betriebßetats. _ Nacbricbten.

Centralblatt der Bauvertvaltuna. Nr. 4. _ Inhalt: AthicheE: Bkkanntmackaung. _ Pcrsonal-Nachrichten. _ Nicht- amtltcbes: Dte Waffervexsorgung und der Wasscrthurm des Central- bahnhofs in Straßbura 1. E. _ Die Begründung eines Verbandes der ,Arcbitektm des Westenö' m Nordamerika. _ Die (Erweiterung des Suezkanals. _ Die Kanalisation von Berlin. (Schluß.) _ Versammlung zur Vereinbarung einheitliéher Prüfungßartcn für Bau- und Konstruktjon6material. _ Vermisébtes: Preisbewerbung um die Ausfuhrung eines Wandgemäldes im Ratbbause in Berlin. _ Neu- bau des amtsgerichtlicben Geschäfts- und Gefängnißgebäudes in

Kaxpeln. _ Elektrische Beleuchtung der Königlichen Theater in Munchen. Statistische Nachrichten. Die Bewegung der Bevölkerung in Frankreich

und Canada. (101111151 of tba 8131151310111 8091617.)_Jn Frank- reich ist die yajürlicbe BerkerungSzunabme auf ein Minimum berabgesunken; tm Jahre 1883 betrug sie, wie wir schon neulich be- richteten, nur 96 843 Köpfe. Die Zahl der (Geburten bleibt seit einigerchit bestandig dieselbe; sie belief fick) im Jahre 1881 auf 937 051, 1882 auf 935 566 und 1883 auf 937 944 Köpfe. Dagegen 5111 sich leider die Zahl der außerehelichen Geburten in dem vier- 1abrigen„ Zeitraum 1880_83 um nahezu 9pCt. vermehrt.

Wahrend sub dre Bevölkerung Frankreichs nach diesen An aben im Niedergange beßndet, sind die Nachkommen der alten franzö schen Rasse in Ca nada auf dem besten Wege, in friedlicher Weise diesen Tbetl der neuen Welt zu erobern. Aus den 11000 französischen Kolonisten aus der Normandie und-Breiagne sind nach der leßten YolkSzablung (1881) 1298 929 Individuen «(worden; ste machen uber 30pCt. der Gesammtbevölkerung jenes Landes aus. In der Provinz Quebec bildeten die 1073 820 Eimvobner französischen Ursprungs im Jahre 1881 fast 80th. der Bevölkerung, Welche s1ch auf 1359027 Personen belief. Aae Gemeinden um Montréal,

zu neun Zebnteln aus Franzosen. In den Oft-Kantonen dieser Pro- vinz verdrängen fie friedlich aber unaufhaltsam die Bewybner anderer Nationalitäten. Jm Provinziallandtage von Quebcx giebt es nicbt ein Mitglied, das des Französischen nicbt kundt warx, Jm Reprä- sentantenbause zu Ottawa (der Hayptfladt dee rzadtschen Conföde- ration) ist von zweiAbgeordneten xtnerimmer franzosiscben Ursprungs, und mehr als 100 englische M1tglieder dieses Parlaments lesen französisch und vermögen einer Diskusfiyn 111 dieser Sprache zu folgen. Die Stadt Ottawa selbst hat em_en französischen Bürger- meister, und die Mehrzahl ibrer Bewohner_1st französisch, Bei jeder Zeitung giebt es einen des Fra-nzoßscben machtigen Reducteux.

Kunst, Wissenschaft .und Literatur.

.Allgem eine Deutsche_WechselOkdnUYg undWechsel- stempelsteuer-Gesexz, erlqutert „durcb dre Rcchtsprechung des Reichsserichts und des vormaltgen Reichs-Ob'er-Handelsgericbts von J. Basel), Landrilhter a. D., Recht€anwalt bei dem Landgericht 1 zu Berlin. Zweite, verbesserte Aufl'agc. Verlag von H. W. Müller in Berlin. Taschenformat. kartonnnt Preis 0,75 „46 _ Das Werkcben bietet den Text der Wechselordnuna und des Wechselstempelsteuer- Gesetzes in ihrer jeßt geltenden Faffung, ferner das Reichs-Einfüb“ runaMescZ vom 5. Juni 1869 und 13:16 Geseß, betr. die Aufhebung der Sebuldhaft, vom 29. Mai 1868, die Vestxmmungen des Gerichts- verfaffungs-Geseßcs und der Civil-Prozeßordnung_ über die Kammern für_Handelssachcn und über den WeÖslerozeß, wwie schließlich eine Zujammenstellung der verschiedenen Falle der Wechselklagen. Der Wechselordnung find kia in zabxreichen Entscheidungen der höchsten Gerichtéhöfe enthaltenen Grundsatze, dem Gcseße Über die Wechsel- stempelsiéucr die Bekanntmachungen des Reichskanzlers über Ver- wendung! der Stempelmarken, über Umrechnuna ausländischer Wäh- rungcn, Über Crsafzanspruch für veryorbene Stempelmarkcn 2c. bei- gkgeben. Ein ausführliches Sachregister erhöht die Brauchbarkeit des gut ausgestatjetem handlichen Werkchens.

_ Von dem ,Corrcspondxnzblatt des, Gesammt- Vereins der deutschen Gesch1chts- und Alterthums- Vereine“ (herausgegeben von dem Verwaltungs-Ausschuß des Gesammtoereins in Frankfuxt a.M.' unter Redaktion von Ernst Wörner in Darmstadt) ist weben dre November-Nummu (11) des 32. Jahrgangs 1884 versandt wsrden. Den größeren Theil dieser Nummer nimmt ein Beitrag von Georg Hamann über den Westbau der MÜnsterkircbe zu Essen cin. Die gründliche Untersuchung über die Zeit der Entstshung des Baues bietet kgnstgesckxichllich mancherlei Jnterxffantes. Die durch viele urkundliche Beigaben illustrirte Geschtchte „der Herren und Grafen von Heusenstamm (verfaßt von Friedrich Ritsert) wird auch in dieser Nummer fortgeseßt. Von den literarischen Besprechungen betrifft eine die .Fundstatistik der vorrömischen Metaüzeit im Rbeingebiet' von C'. Frbrn. von TrölTsch, Württcmbergischin Major a. D. _ Am Schluß wird mit- getheilt, daß, nachdem der Verein für die Geschichte Berlins die ihm yon der Generalversammlung des Gesamthreins zu Meißen ange- tragcne Vorortschaft für das Jahr 1885 angenommen habe, mit dem Januar 1885 die Gsslhäftsleitung des Gesammtvereins an den ge- nannten Bkrliner Verein übergehen werde.

Gejverbe und Handel.

' Nach den statisiisÖen Ermittelungen des Vereins deutscher Etsexi- und Stahlixzdustrieller belief fich die Robeisenpro- dukan des Deut1chen Reichs (einschließlick) Luxemburgs) im Monat Dezbr. 1884 auf 295 618 t, darunter 168 593 t Puddelroheisen, 10 069 v Spiegeleisen, 3,6 329 t Beffemerrobeisen, 40 730 1: Thomas- robetsen und 37 097 t Gießereiroheisen. Die Produktion im Dezember 1883 betrug 292129 1. Vom 1 Januar bis 31, Dezember 1884 Wurden produzirt 3572155 1 gegen 3 380 788 1; im Vorjahr.

_ In der ordentlichen Generalver1ammlunq der Aktionäre der GeFreidc- Maklerbank, in Welcher 1324 Stück Aktien mit 263 szmmen' vchreten waren, Wuxden Seitens des Vorstandes der Ge- schaftsbertcht und_ die Bilanz Für das GeschäktSjabr 1884 vorgelegt, lexztcre unter FesUeéung der Dwidende auf 10% für dasselbe geneh- migt und dxm Vor tande durch Akklamation Dechar e ertbeilt. Das staxutengxmaß ausscheidende Auffichtsrajhsmitglied. r. Okcar Rotb- scb1ld, dre bisbxrigen Revisoren, Herren C. F. W. Adolpbi und P. Alexander, forme der Revisor-Stellvertreter, Hr. Ad. Bernstein, Wurden durch Akklamation wiedergewählt. In der darauf folgenden außerordentlichen Generalversammlung Wurden die dem neuen Aktien- gexexz enxsprechenden Statutenänderungkn ohne Diskussion angenommen.

Nurnberg. 24. Januar. (Hopfenmarktbericbt von Leopold Hely.) D1e TSUdan des; Marktes bat fich etwas abgeschwächt 11111). find M_111e_[sorten in Folge Nachgicbigkeit der Eigner einige Mark btUtger erbaltlwb. Verkauft Wurden in der zWeiten Hälfte dieser Woche'caa. 400'Ba11en, zugcfabren ebensoviel. Export kauft kleine Quantttaten leichte Hopfen, Zählk aber nur in seltenen Fällen über 60.611 Es nojtren: Primawaare 90_100 «16, gut Mittcl 80-85 „14, Mittel 68_75 ck16 Antwerpen, „27. Januar. (W. T. B.) Wollauktion. Angeboten 1475 B. Laplata-Wollen, davon 885 B. verkauft. Ziem- lich belcbt, sch5ne neue Baknos-Ayrcs-Woüen 5 Cts. niedriger, alte ganz Vernachläxfigt.

London, 27. Januar. (W. T. B.) Bei der gcstrigen Woll- auktton waren Preise unverändert.

_ St. Pete_r§burg, 28.,Januar. (WTB) Die Gesclz-Sammlung veroffentlicht emen vom Katser sanktionirten Beschluß des Minister- Clétmtrééts, Welcher die Einfuhr ausländischer RasscschWeine ge a e .

931€ Ge1911schaft der „Russischen großen Eisenbahn“ hat 111 PMP Mit dem „()réciib mobilisr“ (Pereire & Hottinger) 2111 U ebereinkommen abgeschlossen, durch welches der vom Sréäxr mobjljsr, von Pereire und Hottinger gegen die Gejeüscbaft dex Russischen Eisenbahn angestrengte Prozeß gütlich beigelegt Wird; Den Gründern der (Gesellschaft wird ein Antbeil von 6070 amARetngewinn dec Nikolaibahn vom 1. Januar 1885 ab z11gbeUi_gt, Wahrenp für 1884 dieser Antbeil an die Gründer und die dre: Klager zu gleichen Theilen, also mit 3% für jeden, verjheilt wcrpen 1011. Auf alle Reklamationen, die sick) bis zum Dezember 1883 erstrecken. wird Verzicht geleistet. Die Gesellschaft wird zur ErsexzunJ der ]eYigen Titres 10000 neue ausgeben, in Welchen beson- ders erwahnt wurd, daß im Falle des Ankaufs Seitens der Regierung die Inhaber der Gründer-Anthcile dieselben Vortheile genießen sollen wie 512 Befißer von Jouiffancen. Für das Uebereinkommen ist die Zusttmmunq der Inhaber der Gründer-Antheile und die Genehmi- gung der Generalversammlung erforderlich. New-York, 26. Januar. (W. T. B.,) Weizenvers if- fungeen der letzten Woche von den atlanti chen Häfen der er- einigten Staaten nach Großbritannien 100000, do. nach Frank- reich _, do. nach anderen Häfen des Kontinents 22 000, do. von Kalifornien und Oregon nack) Großbritannien 96 000, do. nach an- deren Häfen des Kontinents _ Orts.

New-York, 27. Januar. (W. T. B.) Der Werth der in vergangener Woche aus;;cf übrten Produkte betrug 6883000Do11

Verkehrs-Anftalten.

Bremen, 27. Januar. (W. T. B.) Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Main* ist heute Morgen 8 Uhr in Southampton angekommen.

Berlin, 28. “Januar 1885.

Preußische Klassenlotterie.

(Ohne Gewähr.) Bei der heute fortgesetzten iehung der 4. Klo e 171. Königlich preußischer KlaYsenlotterie fielen: ff 3 Gewinne von 15 000 «14 auf Nr. 18 358. 35162.

schreibt die „1161011118 80011118“ nach einer dortigen Quelle, bestehen

75 527.

5 Gewinne von 6000 „sé auf Nr. 18985. 36 032. 38383. 73 390. 78420. _ 41 Gewmne von 3000 „15 am Nr. 1563. 2159. 3320.

3343. 8371. 9108. 9490. 9532. 21 508. 21 891. 22 248. 22 370. 22 809. 23 575. 25 147. 27 215. 28 390. 28 962. 32 529. 33 052. 33 430. 34 296. 36 947. 37 505. 38 267. 39 204. 46 818. 47 076. 66 258. 66 392. 67 161. 67 863. 70 071. 75 862. 79 114. 81 165. 82 696. 84 602. 89 085.

90 797. 92 938. 50 Gewinne von 1500 «44 auf Nr. 2494. 3893. 4786.

7442. 8365. 8597. 8800. 9316. 13 328. 15 724. 16 990. 19 841. 21 494. 21 521. 21 524. 21 593. 21 997. 23 302. 23 640. 23 678. 24 567, 29 121. 31 717. 37 517. 37 852. 39 554. 50 951. 52 823. 54 106. 55 167. 57 455. 58 136. 58 445. 62 619. 63 024. 64 443. 65 022. 66 401. 68 678. 71 584, 73 135. 74 029. 78 206. 80 063. 87 580. 87 889. 90 145 90 518 92 430 94 202

76 Gewinné von 550 „2 a11f Nr. 533. 3147. 3714.

5770. 6561. 7112. 9992. 10 599. 12 618. 13 085. 14 536. 18 013, 18 665. 20 724. 20 766. 21 587. 22 359. 25 547. 25 666. 25 779. 26 454. 30 805. 31 995. 32 496. 32 972. 33 414. 34 103. 35 080. 35 521. 35 594. 38 961. 39 879. 40 757. 42 621. 43 075. 43 390. 43 632. 45 909. 48 412. 48 932. 49 638. 52 250. 53 931. 55 737. 56 371. 57 242- 60 384. 61 968. 62 276. 66 241. 67 214. 68 001. 68 992. 69 346. 70 689. 71 233. 71 239. 71 659. 74 604. 76 502. 78 180. 82 236. 83 447. 85 046. 85 839. 86 839. 88 018. 88 736. 88 989. 90 004. 90 697. 90 906. 91 651. 91 711 . 94 239. 94 906.

Friedrich der Große nach Catt'H „Memoiren“. (Schluß.)

Der König rühmte sich seiner Menschenkenntnis), und wir wiffca, daß seine Zeitgenoffcn seinem geistigen Auge gleiche Schärfe beimaßen wie 1_emem BLick, den Niemand ertragen konnte. _ .Ich kenne die Mcn1chen1 ick) hake fie zwanzig Jahre hindurch in der Nähe studirt: man sol] mic!) nicbt betrügen! Jeb duxchsckyaUe dic Rapporte, Welche man mir abstattet: webe! rvenn man mich täuschen wollte!“ (S. 368). _ Sein Bruder. der Prinz Wilhelm, sagt der Könia, sei da_s OpTer dcr ,teyfliwben UM1k1LbL jener böUisckxen Kreaturen" ge- jve1exx, die 1:11:11) ihre Obrcnbsäscreien sein edlss Herz gegen den König vxrbtttert bättcn. „Warum hat er fie gcbört! Ohne fie lsb1e er viel- leicht noch! Herzensgüte ist ohne Zweifel eine große Tugend 1111: einen Fursten; abcr Wexxn sie nich1 mit Charakterstärke gkpaart ift, chn fie uns den Etnfiüstcrunßcn eines jeden Quidam Oreisgiebt, Wenn fie uns ohne Prüfung gefährlichen Verbindungen überliefert, Wynn_fi,e uns zum Spielball unserer Hößinge macht _ darm, Mein Freund, wrrd dtkse Herzensgüte schlimmer als Tyrannei, oder wenn Sie das Wort zu „hart finden, schlimmer als die größte Herzensbärtigkeit!“ . . Der König hat das Treiben der Höflinge genugsam kennen gelernk, um fewer, Umgskxung zu zeigen, „daß man bei ihm durch Angebercien und Jntrtguen 1111115 aUSricvten könne, daß er Manns genug sei. um se'lbst zu sebey, und unerfcbütjerlick) in seinen Plänen!“ . . . Durch dle ("Erkenntmß von dem ,Blendwerk der menschlichen Tugenden“ habe er fur sich selbst 3113111: nickots aetvonnen, „aber für das W051 des Staats!" Sapperment! Fcstigkcit, und brave und ehrliche Leute um einen Furstcn! _" oder alles geht stromab!“ . . . Anknüpfend an seivne Bemerkung uber Kauni15_: wer ihn bei seiner Toilette sähe, nxurde fick) vo_n ihm wenig verWrcchen, bclebrx der König Catt über dxe Kunst, die Menschen zu beurtheilen: „.Sie sehen daraus, mein Lieber, 5aß_ man die Menschen nicht oberflächlich beurtbeilen. nicht leichtiertrg aber ihre Fahigkeiten absprechen darf: Das ist ein sehr Wichtiger Puxtkt, von dem ich mich nie entferne. Oft, wenn ib die Menschen DUN, _ das ist mein Privatstudium, _ oft lerne ich an et'nfachen Kleirxtgketten fiq aus dem Grunde kennen, und ich erblickc diesen Grund in ds_n unwichtimskén Dingen, während Anderen, die für dxe Beobachtung nicbt gc1chaffen find, diesc unwichtigkn Dinge als mchts bcdeuteqde Nebensachen erscheinen.“ _ Catt scbäßt dic Menschenkenntmß des Königs nicht ganz so hoch; sein Uribe?! ekscbsine oft durch vorgefaßxe Meinungen getrübt, und er [affe fich durch den ersterx Eindryck bcexnfiuffen. _ „Se. Majestät erging Sieb zicmlich uznstandxläy aber dieses Thema. Aber ich konnte Ihre Behauptung mch 11111 der Beobachtung vereinbaren, Welche ici) oft gsnug za" nxacbep 111 der Lagke war, Haß Se. Majestät nämlich mitunter die Menschen nicht 10 ansah, w1e_sie wrrklich waren, sondcrn nach der Idee, Welche Sie Stck) von "ll)rem (Cha'rgk'tcr und Talentm in 5211 Kopf gescßt hatte.“ _ Nun fuhrt er Betjytelc für seine Bshauptung an, darunter den Gen'erax Wedkü, und schlikßt: .JedeSmal Wenn ich sah, wie Se. Maxxstat Sich von Ihren Vorurtbeilcn für Jemand hinreißen ließcU, ihn aber al1e Maßen erheben sal), jedeSmal sah ich Sie wieder gc- zwxmgen, nachzulaffen_und einzugestehcn _ letzteres freilich selten _, Ste habe Ihr Urtbe11 durch den ersten Eindruck zu voreilig zu Gunsten der'Person sttmmen lassen. Dcr Marquis d'Argens hatte mir wohl be1_me1n€r Ankunft in Breslau gesagt: „Wenn der König bei seinem Flötensmcl jagt, daß Sie Geist haben, dann behalten Ste den Geist, man mag reden und thun, was man will; urtbeilt er das „Gegentheil, so bleiben Sie ohne Geist Jbr Lebelang'. _ Dcr Marquts traf in seinem Urtbeil manchma1 das Nichtige, in diesem Punkte war, nach „meine'r ganz s1che_ren Wahrnehmung daran etwas aztSzuseßen“. _ Dre Neigung des Königs zur Voreingenommknlzeit fur Talente und Charaktere hätten fich gewandte Leute zu Nutze gc- macbl: ,Wchexem, der diesen Leuten iHr Talent und ihre RechT- schaffenhett streitig zu machen gewagt Haben würde!" _

Aeußerst merkwürdig sind zvoei Sthen der „MMWZWN“, welche den von dem Könige gehegten Plan einer Tbronentsaaung (rsrrach) behandeln. Nach. dem Tode des Prinzen Wilbeluz kl_agt der König Catt: „W113 n11ch ganz besonders den Tod diejes 10 zärtlich und aufrichtig gel1ebtcn Bruders ewig beklagen läßt, fck betbeucre es Ihnen! das tft die 'Zorstörung eines Planes, der mir lieb geworden war: ich woÜte m1ch zurückziehen, diesem aufen Bruder die Zügel dex Regixruyg [affen'und ein ruhiges Leben führen; ja, mein Freund, m1ch zurqckztehen: nicht um als Katholik in dem modernen Rom zu leben,. nicht um m1ch zum Abbé von Saint-Germain-des-Prés installiren zu [affen _ sondern um als Weiser den Tod durch eine_n Zwischenraum vyn aUem diesem Wirrwarr zu trennen. Mein Körper hat vteÜeicbt noch zehn oder zwölf Jahre Leben in sich, das ist aUes. Warum sollte ich nicht, wenn alles dieses aufhört, der Ruhe im Schooße der Gesellschaft einer kleinen Zahl aufgeklärter und von mir augerlesener Freunde ge- nteßen? Und d1es3n Plan durchkreuzt diescr beklauenswertbe Todes- fall! Jm Vertrauen: ich könnte ihn dock) in einer Zeit der Minorität (seines Neffen) niemals verfolgen . . . ich liebe mein Volk zu sehr, Gott ist mein Zeyge, um es noch größeren Leiden außzuseßen“ . . . Mit niehr Aus uhrlichkeit unterhält der König Catt über seinen Plan etnes Zur cktritts von der Regierung bald nach der Affaire von Ma en: .Und, mein reund, Wenn ich dann eines Tages all die em schrecklichen irrwarr entfliehen kann, sehen Sie, dxmn würde ich den Rest meiner Tage so binbringen: Ich wurde mir „xine Provinz vorbehglten, deren Einnahmen 100000 Thaler jahrlich erreichten;" 1ch wählte mir einige rechtschaffene Freunde . . . . ich wurde die 11 große Nähe einex Stadt vermeiden: man könnte sich da der dee von meinem Kömgtbum (royaucé) und der Ehrfurchtsbezeugungen doch nicht ent- schlagen; _ vaangloszgkcit, und daß jeder mit mir als Freund fpräcbe und umgtnge, ware unverbrücblicbes Gesetz _ ich für meine

;person würde gewiß ein zärtlicher, verträglicher und treuer Freund ein Jeder Fr'emde, wenn er nur gesellig, von gutem Ruf, ein Mann von Getst und sonst bekannt wäre, fände bei mir offene