1885 / 40 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger, Mon, 16 Feb 1885 18:00:01 GMT) scan diff

feln, welcbe aus dem Jahre 1882 übernommen waren, während die Futterernje des Jahres 1883 selbst sehr gering war.

Bei so ungünfxigen Ernteettkägeu war es um so empfindlicher, daß die Getreidepreüe im Laufe des ganzen Jahres durchaus gering blieben und keine Ausgleichung boten; fie stellten ck erheblich niedriger als im Jahre 1881, und bis auf die leytm onate selbst roc!) niedriger als im Jakre 1882 Brffer und günsüger als im Jahre 1881 gestaltete sich das Gesammtergebniß der Viebwirtbfcbaft; die Viebpreise waren tm Allgemeinen bestiedigend, wenngleich für Mastvieb _und süx alle Produkte der Schweinezucht gegen Ende des Jahres. em; betrachtJiche Prekkminderuna eintrat Die Produkte Yer Mtlcbwutbscxaft fanden guie Verwertbun . Wenn aber in dem ubrigens so ungunstigen Jahre 1881 die Prokperität der wichtigsten 1andwirthfchastl1chcn Nebengewerbe hervorgehoben werden konnte, so sxandxmf dtcsem Gebiete das Jahr 1883 leider erheblich nach. Die Svintus- und Starkeindustrien litten unter der mangelhaften Kar- wffelcrnte_des Jahres-1882, sehr geringen Preisen und ungünstigen AbsaZverk-altniffen, während die Rübenzuckerinduftrie zwar für die Campagne 1882,“8_3.sebr aünstig abschloß, mit der neuen Campagne 95er,durch ubermaßcgcs Angebo! und dadurch bedingte niedrige Preise m eme bedrohliche Lage kam.

3111 Rückblick auf das Jahr 1883 bieten sicb für die preußische Lanthrjh1chgftwenig Lichtpunkte, weniger als in einem der Vor- jahre, aber ubZraU war die alte Energie erkennbar, welche der U11- gunft dex Verhaltniffe 11118 Möglicbste abzuringm sucht und durch alle weigexer Landwirtkqckoaft 1111111 ein frischer rüstiqer Fortschritt.

_ 5 as d1e"Ck111e des Jahres 1883 speziel] anbetrifft, so zeigte es denjelbxn unaunstigen Charakter wie die vorigen Jahre. Auf einen mxgerr-ohnlich milden Winter folgte ein lange anhaltender harter Nack)- w1n1_er, welcher die Frühjahrsbestellung der Felder in unliebsamer W5'11c've1-35Jkrte. In der Hauptvegetaiionéperiode unserer Feldfrüchte, im Frubltnge, fehlte es durchweg an auskeickvenden Nickersckolägen, in manchen Gegenden herrschte voUständine Dürre und in den Ernte- 11101101211 JL'ZZ und August trat fast überall ein andauerndes Regen- wettcr cm. unter dessen Einfluß die Einbringung der Ernte erschWert 11115 dxren Qualität in nackotbciliaster Weise beeinträchtigt wurde. Zahlrmcbx Flußtbälcr wurden von Ueberswwemmungen betroffen UNd 511171 Tbetl 51-1)? erheblich bkscbädiat. Von dieser Ungunst dcr Witte- xung 1111115111 [ast alle Landcé-icil- hkimaesucbt, am stärksten die öst- 11ch1n Provinzen, und (1111 Wenigsten die Provinzen HanUOVer und Sch1e§wig-Holftein.

_ Das Gcsammtcrgcbniß der Ernte war in Quantität und Qua- ltjät unbefricdégend und blieb fast noch binjer demjenigen des Jahres 1881 zmücl'. Von den Hauptfrücbten gaben nur die Kartoffeln eine befriedigi'Uk'c Erntc', während Hafer und Gerste besonders gkrinq (1119- fielen. Es Wurden im Jahre 1883 gccrntxt: Roggen“. Winter- roggen 38 399 033 Doppelccntner Körner (71 165 572 Doppelcenter Stroh), Sommurogaen 587140 Doppelcentner Körner (1135809 Dopvelcentner Stroh). durchschnittlich pro Hektar Winterroggen 890 11,4; Körnex (1649 11,1; Stroh), Sommerrogaen 512 kg Körner (978 kJ Stroh); H afcr: 21 254 352 Doppelcentner Körner (29 204642 Yoppelccntner Stroh). durchs 1511111116) pro Hektar 865 kg Körner (1187 kg Stdrob); „Kartoffeln: 142632106 Doppelcentncr; Weizen: Wmfchtxen 11 623 097 Dovpklcentner Körner (18974 581 Doppel- ccntner Stroh), Somn1er111e11en 954 074 Doppelcentner Körner (1 420185 Doppelcentner Stroh), durcbscbniijlicb Pro Hektar 1147 kg Körner (1873 kg Stroh); (Gerste: Winteraerste 451108 Doppel- ccntner Körner (463 968 Doppelcentner Stroh), Sommergerste 9649 251 Doppelcentner Körner (11714881 Doppe[ce11t11er Stroh), durchschntjklich pro Hektar Winxergerste 1450 kg Körner (1491 kJ Stroh), Soxnmergerste 1063 kJ Körner (1289 119,- Stroh).

Dte Durchschnittspreise im Jahre 1883 betrugen für 1000 kJ: fur Weizen 185 „16, für Roggen 147 „44, für Gerste 146 ass., für Hafer 137 „M Der Zuschuß der Einfuhr, abzüglich der Ausfuhr, betrug 1111 Jahre 1883: Weizen 5611520 Doppelcc-ntner, Roggrn 7649118 Doppelcsntner, Gerste 2386 831 Doppelcentuer, Hafer 2 182 5.37 Doppelcentner.

Dte Thierzucbt anlaugend, so lieferte, wie der Bericht ausführt, das Jahr 1883 im (Gegensatz zu dem Vor'abre eine spärliche Futter- ernte. Der" crfte Klee- und Heuschnltt blZeb hinter den durchschnitt- liche11 Erkragcn zurück Der zweite Schnitk wurde durch die an- dauernde Regenzsit viclfach verdorben, und das Stroh hatte aus der- jelben U11achc an Futkextryrjh verloren. Auch die Futterrübenernte hefxiedigfx nich1, und M Weiden gewährten in den meisten Landes- tbetlen eme u11z11rcichende Ernährung. G1ück11cher1veise hatte jedoch das Jexhr 1883 aus dem Vorjahre beträchtliche Vorrätbe cm Futtermtxtcln ubernommen, und im Spätherbste konnte die angkcbige KarWffc-lcrntc aushelfen. Die vermehrte Sorgfalt, welcbe auf die Züchtung und Haltung der 1andwirtschaftlich nutzbaren Thicrstämme verwendet wurde, 113111 auch 1111 Jahre 1883 überall erkennbar. Namentlich ift d1_e (Ernahrung der Nuy- und Gespanntbiere eine kräftigere und re1ch11ckere geworizén und auch die kleinen Beßßer verwendeten darauf eine größew Umstcbt. Aus allen Landesjheilcn wurde eine bedeutende szabme 111 de; erwcudung von Krafxfuttermitteln gemeldet. Anderer- sxtts battx 11111u111ch dcr ungewöhnlich 11affe Sommer des Jubres 1883 'exnen ungun111gcn Exnfluß auf die Vkébbaltung. Die Tbiera littsn körper- l1ch unfer 111111 Emflzxß des, unaufhörlicben Regens und der kalten W1tte1ung, 512 W-1dcn 111 den Niederungen wurden vielfach durcbgckrNYU und „Twix der besseren Witterung im Herbfte kamen die Hcezden 1111151111 111 keinem günstigen Futterzustande auf dkn Stall 11111111. DW Preis: hielten s1ch bis zum Sommcr 13011). Im Hörbst 1131111711 alles Mastmeb voL kéner Preisminderung betroffen; die Preise 1111: magere und „fette Gchweine sanken rapide. Der Gesundbeils- zustqnd der Nutztbtere War im AÜKLMÜUW nicht ganz so befriedigend, a]s 111 den Vorjahren; aus vielen Landestbeilen wurde eine ungewöhn- ltche Vcrbrmtung des Rotblaufs unter den Schweinen gemeldet.

Gewerbe und Handel.

21111 Abemd des 21. Januar 5. Z. ist zu la Gloire Dieu, Arrond19cmcnt 231113111 Seine, D1partement Aube, in Frankre'nß, ein dreifacher „Mord 136171151, 111117 find von den Verbrccbsrn eine Anzahl Werlbpap1cre, Welckoe einem der Ermordkten, Namens Delabacbc, ge- börte11, geraukbt wvrden. Die gestohlenen Papiere bestanden aus 11111 engltscben Konsols über je tausend Pfund Sterling mit folgendcn Nummern: 15: 20 671, 13 21889, 12 21890, 14.". 21891, und aus cls 1117711115611 Rentxnti1eln _der Anleihe von 1870, Welche nach dem gcgcmwartigen K1111e emen KapitalWertk) von zusammen 42 500 Fr. haben, 2142 Fr. Rente crgkben und folgende Nummern tragen:

Nr. 71510, 90 434, 95 944, 96102, 96108 und 103 105 über je 63 Fr. Rente,

Nr. 4772, 29 236, 43 026 und 73 605 über je 126 Fr.?)kente und

Nx. 631 übcr 1260 r. Rente.

Fur ken FaÜ, daß dress Papiere in Deutschland in den Vsrkebr gebracht Werden wüten, empfiehlt es fick), der nächsten Polizeibcbörde *UÜUHLUUZZJ zu machen.

Nürnverg. 14. Februar. „(Hopfenma'rktbericht vcw Leopold Held.) In den letzten drct Tagen dixfer Woche wurden bei cmer Zufnßr von (9. 500 BaUen gegen 800 Säcke zu gedrückten Preisen verkauft. Emnxr smd sehr nachgiebig und fügen sicb wiÜig ken Yngxboten der Käufer. Ganz schöne Hopfen Werden schon Mitte _dcr s1ebz1g abgegeben, wirkliche Ausstichwaare kostet dagegen wegen tbrer Selxenheix immer noch 95-100 „461 Der Export kaufte in le ter Zett großere Posten, meistens Marktbopfen, zu 50-57 akk

palter, gute Qualitat smd in den leßten Tagen gefragt gewesen; für schwexe Lagen wurde bis 165 „M, für Stadt gestern 180 „16- be- zahlt. Letcbte Lagxn werden billig ausgkboten. Die Sümmung ist trois der sehr betrachtlicben Verkausziffern in Folge des großen Lager-

bestandes fortgeseßt matt.

_ _Essen, 16. Februar. (W. T. B.) Rbeiniscb-West- kaltscher Metallmarkt. Eisenerze sind um 10-20 «3 per Tane gesunken. Spiegeleisen isl lebbakt vom Auslande gefragt, Y_retse verhältnißmäßig fest. Puddeleisen st wenig gefragt. Stab- e11e11 obne Aenderung. Grobbleche noch immer gedrückt. Feinblecbe

etwas lebhafter gefragt, Preise troßdem noch weichend. Walzdrabt

wenig gefragt. Waagonfabriken haben durch die leßten Submissionen wieder einige Beschäftigung. '

D_resden, 15, Februar. (W. T. B.) Der Verwaltungsratsx der Sachsi_schen Bank beschloÉ in seiner heutigen Si una. der gut den 23. Marz einzuberufenden eneralversammlung r1884 ctne

Dividende von 580/ vor uschla en. 0 z 9 Die gestern beendete

London, 14. Februar. W. T. „B.) Wollauktion sch1oß zu Eröffnungspretsen.

GlaSJow, 14. Februar. (W. T. B.) Die Vorräthe von Roheisen in den Stores belaufen s1ch auf 583500 Tons, egen 592 700 Tons im vorigen Jahre. Zahl der im BeTrieb befind (ben Hochöfen 92. gegen 90 im vorigen abre-

New-York, 14. Februar. (W. T. B.) Der Werth der Waareneinfubr in der vergangenen Woche betrug 6344000Dol- lars, davon 2 187 000 Dollars für Nenbeüen und Lcinenwaaren.

Verkehrs-Anftalteu.

' Die Handelskammer zu Frankfurt a. M. hatte an den Mtqisfer der öffentlichen Arbeiten eine ausführliche Denks christ, be- zugltcb der Verhandlungen zwischen den preußischen Staatsbahnen mit der b„essischen Ludwigsbabn gerichtet, in welcher fie verschiedene Anfrage und Bitten in Bezug auf Vec-Febrßerleichterungen vgrtrug. Auf diese Eingabe hat die Handelskammer folgende Ver- fugung erhalten:

Berlin, den 4. Februar 1885. Der von der Handelskammer in der Denkschrift 111111 4. Dezembkr v. J. gestellte Antrag, es möge diesseits auch weiterhin dafür gewirkt werden, daß die Gewährung geheimer Frackxtrabatte in den inneren und außwärtigen Verkehren gänzlich ayfhöre, sieht in so röUigem Einklange mit den Grund- saßen der preußischen Staatßcisenbahnverwaliung, daß es der Zusécbcruna, es wetde hiernach auch in Zukunft verfahren Werden, 1111131 511111th wird. Nicht minder wolle die Handelskammer ver- trauen, daß den Jntcreffen des Frankfurter Handels diesseits auch ferner jede thunlicbe Förderung werde zugewandt werden; insbesondere bildet die vermehrte Berückfichiiaung der Frankfurter Interessen einen weskntlicben Gegenstand der gegenwärjia schwebenden er- handlungen mit der Verwaltung d?! Hessischen Ludwigsbahn, Wobei die StaaksbahnverWaltung gern darauf Bedacht nehmen wird, jede Schädigung, welche aus einer Aufhebung oder Ethöbung direkter Frachtsaße entstehen könnte, so viel an ihr liegt, von dem Frank- furXer Handel fernzuhalten. Ob es angezeigt sein wird, der ge- nannten Privatbabn die Einrichtung Liner Vertrejung ihrer Ver- waltung in Frankfurt, wie diese dortseijs bezeichnck ist, aufzugeben, unterliegt noch der Erwägung.

Der Minister der öffentlichen Arbeiten. Maybach.

Bremen, 14. Februar. (W. T. B.) Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Ems“istbeutefr1"1111n New-York ein-

getroffen.

--16. ebruar. (W. T. B.) Dcr Dampfer des Nord- deutscbcu loyd „Salim: ist (;;-stern Vormittaa 91151111 Naw- York angekommen. '

Hamburg, 14.Febr11ar. (W. T. B.) Dér Postdampfer ,Rbenania“ der Hamßurg-Amerikanifchen Packckfabrt- Aktiengesellsckzaft ist, von Hamkurg kommend, heute in St. Thomas eingetroffen.

-15.Febr11ar. (M.TB.) Dcr Postdampfcr .Tburin la“ der Hamburg-AmerikanischenPacketfabrt-Akticngeéell- schaft hat, Von Westindien kommend, heute Lizard Pasfirt.

Sanitätswesen und Quarantänewefen.

Griechenland.

Laut tclegmprsckzer Meldung (1115 Athen Werden nunmehr auch dic Provenienzen aus Italien, Frankreich und Algerien zum freien V'érkehr wieder zugelasscn. Somit smd sämmjlicbe für Gxiccbenland 1111121: Zeit ergangenen Quarantänemaßregeln 11117111" Kraft gesetzt wor cn.

Berlin, 16. Februar 1885.

„Verein für Geschichte der Mark Brandenburg. S1ß'u11g vom 11. Februar 1885. Hr. Steffens vom Kaiserlichen Stanstisckßcn Amt hatte dem Vcrein z'cvei Silbermünzen übersandt, Welche zu einem größeren bei Sckooüebne in der Nähe von Raxbenow ausgegrabencn Funde gkbören; dieselben wurden von dem SOU!- vorstcher Bude,“,iés entziffert und als Dcnare erkannt, der eine von Otto dem Bayern, der andcrc von einem luxemburgisäoen Markgrafen geprägt. - Graf-zur Lippe machte auf die seltene Korrektheik auf- mcrksam, mit Welckzer “die 151211 F1icd11chWilbelt11117. veranlaßta Aus- gabe der 081117198 1311; großen 813111115 (365111111 ist; der Sorgfalt dcs Herausgébers Preuß und 1118 Hoxsbuchdruck'srs R. 11. Decker, der selbst die Korrcktur aelescn, wcrda11kt 1111111 18, daß in den sämmt- lichen Bänden bisher 11111 zwci Druckfehlérsefundcn Worden smd. - Hr. Dr. Krauske verfolgte die Anfänge dimentiscber Vertretung des brakdenburgisW-Preußiscben StaaTcs bei auswärtigen Mächten. Wäh- rend regelmäßige Ge1andjsc5aften dcr itakieniseben Regierungen schon im 15.Jabrbundert 11ach111eisbar sind, hatte man bisher angknommcn, daß Brandenburg seine Gcfcbäfje im Auslande bis tief in das 17. Jahrbundctt nur durch gclcgentlich Beauftragte habe wahrnehmen lassen. Im Geaknsch dazu bewies der Vortragende aus den Akten des Geheimen StaatSarcbivs, daß Brandenburg-Preußen eine ständige Vertretung durch Ambaffadeurs oder Reßdenkcn gehabt hat in Warschau 1eit 1594, in Wien seit 1609, 56111111 Generalstaakcn seit 1618, in Schweden seit 1631, in Frankreich seit 1646, in Danzig seit dem ersten Viertel 1318 17. Jahrhunderts, in Brösel seit 1634, in der Türkei seit 1761, in Madrid seit 1774, in Turin seit 1778, mit einigen Unterbrechu11- gen in England seit 1625 und in Rußland seit 1657. Aus den ge“ vauercn Nacbwäsungen gcht hervor, daß der große Kurfürst in der Regel Reüdenten und nur aUSnahmßweise Ambaffadeurs an den frem- der1 Höfen beglaubigte und daß er diese Stellungen auffalTend vielen Bürgerlichen anvertraute. _ Professor Schottmüüer fügfe diesem Vortrage eine Reihe von Mitlbeilungen aus den Flagscvriftkn des 17. Jahrhunderts hinzu. -- Major Schnackenburg [Js ein als Flug- blattZJedrucktes Gedicht vor, in welcbem ein Lieutenant von S. des Dragoner-Regiments von Normann Friedrich xden Großen um Ersoy sxiner "Equivirung bittet, die er, bei LoWofiß verwundet und gefangen, emgeb'ußt bat. _ Profßffor Koser nahm daraus Veranlassung, auf die'wtrjhscbaftlickyen Verhaltnisse der preußischen Offiziere während der dret schlesischen Kriege näher einzugehen.

Der Verein zur Förderung der Moorkultur im Deutschen Reiche trat beute bierselbst im großen Saale des Hotel dx Nome unter Vorfiß des Rittergutsbesilsers Pogge-Blankenbof zur dxesxahrigen (Generalversammlung zusammen. Dcm vom Geschäfls- fuhrer, Dozenten 131! Grahl vorgelegjen Jahresvericbt war zu ent- nehmen „daß der Verein, getragen von der eifrigen Thätigkeit sowie dem Üergenden Interesse der Mitglieder und gehoben durch das Wohlwollen und die werktbätige Antbeilnabme der Be- bördm, auch im abgelaufenep zWeiten Jahre des Bestehens im Innern und nach Außen hm erfreuliche Fortschritte gemacht hat. Der Verein konstituirte fich am 17.Februar 1883 mit 82 Mit- gliedern, zählte am Schluß deffelben Jahres 150, am Schluß von 1884 332 Mitglieder und umfaßt deren heute 351. Davon gehören an: der Provinz Brandenburg 115, Otpreußen 53, Pommern 46, Sachsen 35, Posen 22, Mecklenburg 19, a1111over10. Aus dem Aus- lande find 3 Mitglieder dem Verem beigetreten. Demselbcn gehören ferner, als Mixglieder a1_1: sechs preußische Regierungen, ebensoviel preuß1sche Provtnzialverbande, das badi1che Ministerium des Innern, die'Königlicbe Centralsteüe für Württemberg, das Mecklenburgische Mmistenmy des Innern und das Kreis-Comitä des landwirtbsckoaft- lichen Vereins für Oberbayern. In Bezug auf die Ursachen, welche zur weiteren Verbreitung des Vereins und seiner Thätigkeit wirkten,

ist zunächst der regen und fördernden Thätigkeit der Moor.

Nation zu aedenken' wesentlich agitatoriscb trugen auch LT:“ führten _ Kulturarßeiten und deren günstige Resultate ."“ Die mtt der vorlaen Generalversammluna verbundene J.., stellung von Feldeisenbabnen hat entschieden vielseitig gute Fol gehabt, nich nur durch eine weitere Verbreitung dieses wichtjgen Hülmeittels der landwirtbscbaftlicben Produktion, sondern insbesondßex: auch dadurch, daß die Fabrikanten die Anregung zu Verbefferuxx erbtelten. Der Sommer fubxte den Verein in Ostpreußen zusammen. ea bier qeboteye persönliche Emficbt in die Erfolge führte der Moorkultu: besonders vtele neue Freunde zu. Der gemeinsame Bezug vonKainit bathr- deutende Dimensionen angenommen. Der große Absaß bat die Kaini zu_einer im Jntereß'e der gesammten Landwirtbscbaft erwünschten Er- maßigung des 51'1're1ses veranlaßt.-Der vom Dr. von Canstein vor- ae1egte Kaffenbertckot wies, einschließlich 1099-44 Bestand, 4831,70 .“ Etnnabme und 383242 .“ AuSaabe auf. 2628 ,“ kostete allein das Vereinsblatt. . Der Bestand hat fich in Folge dessen auf 999 „44 reduzirt, _- Die sogsitgen Punkte der Tagesordnuna beirafen die Beratbung nber e_ine fgr das Jahr 1886 geplante Moorkultur-AussteUuna und VorZrage uber Hopfenanlaae und -Kultur mit besonderer Berück- ficbttgung des Moorbodens sowie üöer Anlage und Unterhaltung von Wiesen auf Moorboden. Von Seiten des preußischen Ministeriums fur Landwirtbsckzaft war, der Geheime Rath Thiel, von Seiten der „mecklenburgischen Regterung der Geheime Rath Dr, Schmidt znr Tbetlnahme an den Verhandlungen deputirt worden.

Der Verein . Frauen 5 eim“, dessen Zweck es ist, alleinste e Raum eine ihrer gesellschaftlichen Stellung entsprechende WobeLtY mxt aUen zur Wahrung der Stttlicbkeit und des häuslichen Behagmz w11nschenswxrtben Einrichtungen mietbweise zu gewähren, hielt am gestrigen Sonntag unter Vorfig des Justiz-Ratbs Frenßel seine 10. Jabreßversammlunnq ab. Dem bier erstatteten Bericht nach war das_vcrfloffe11c Jahr fur den Verein ein solches friedlichen und rubigen Wetterbcstebxns. D1e Zahl der Mitglieder bat eine wesentliche Aenderyngtmcht erfahren: es standm dem Verein im [eßten Jahre 115 Mitalteder, darunter 42 ständige, zur Seite; die Beiträße derselben beltefen sub auf 1025 .,“ Das in Groß-Lichterfelde, in der Lankwiystraße belegene'Anstalthebaude, welches 14 Wohnungen enthält, war das ganze Jahr htndurck) voll beseyt und brachte 1458,50 144 Mietbscrträgnifz. Zur gemeinsamen Bemaßung der in der Anstalt wohnenden Damen fteberx ein Speisesaal, Hie mit Zeitschriften aller Art ausgestattete Biblrythek und ein mrt Lauben versehener (Garten. Die Gesamm- orgamsation des Hauses hat fich auch im verflossenen Jahre gut be- wahrt. Die Einnahme des Vereins belief fich inSaesammt. einschließ- lich 4456 „44 Saldovortrag und 1000 „;ck einge1ablter Leibrente, auf 8182546, dre Außgabe" auf 2948 „14, so daß ein Bestand von 5234 „,x; verbltcb. Das Vermogcn des Vereins bat eine Höhe von 20 516 „ji

New-onrk„15. Februar. (W. T. B.) Durch eineSÖnee- lawtne 1oUen dk?! Viertel der Stadt Utah zerstört wvrden und 16 Personen ums Leben gekommen sein.

Im Königlichen Opexnbausqwurde am Sonnabcnd „Die Hochzeit des tgary" unt Neubewßung der Rollen der „Su- 11111ne 11111) „des . berubm' in mustergültiger Weise aufgeführt. Dic l1chené1v111d1ge„Mus1k zum .Figaro“ bewährt stets von Neuem ihre zau- b,ertsche Kraft 11511" die Seelen und jenen Reiz der Frische und Ursprüng- 11chke1t, her nur junaxken Werken eigen zu sein pflegt. DieHörer stan- den wtcder fichtlrcH unter dem Banne der gefühls- warmen und berzbeweqenden Melodien. Fast jede größere Num- mex brachte, den wirkenden Künstlern warmen und wiederholten Betfakl; Dre Parne derMSusc-ntne“, welche durch Frl. Leifinger neu kretrt wurde, reihte 1111) würd1g den Leistungen der altbewährten" Daxsteller an. Wenn dre Lebhaftigkeit und Schalkbaftigkeit der“ Smanne vorgesxern oft nur äußerlich zu Tage trat, so wird die_ taleqjvqlle Kuustlerin unfehlbar bei mehrfachen Wiederbolungei syaxer dre fxische Laune und den Uebermutk) vollständig und als ein Etch dcs etgenen Wesens 511111 Ausdruck bringen. Der Vortrag war aefaßtq und korxekk und,'abae1chen von einer zuweilen bIrvortretenden Scharfe ,der Sttmme 561111 Hervorbringen kräftiger hoher Töne, von sympatb1schem, voUen Klang. Das Briefduett, (mit Fr. Sachse- Hofmeister) War _von durchschlagender Wirkung und mußte wiederholt 1131151211; xbsnso zundend wirkte die Arie im leßten Akt: „O säumc langer mcht, geliebte Seelex' Als .Cherubin' trat Frl. HOfmann zum ers1e11 Malevauf; fie fubxte statt der noch mangelnden Routine pes Sptels thre jugendliche Fr1sche und ihre weiche volle Stimme 1119 Feld, sodaß e111e anmutbtge Wirkung nicht ausblieb. Beigrößercr ge1s11ger „Durchdczngung' des Tones und Beseelung des Vor- trags "hatte d1e Lctstung allerdings kräftigere Anregungen bieten konnen. Daß Fr. Sachje-Hofmeister eine klasfiscbc „Gräfin' 111111, brauckt bm dcr aÜgememen Anerksnnung iHreI hoben Talents 111151 besnonders hervorgehoben Werden. (Ebenso rübmlicb bekannt find d1e vorzuglixken Leistunggn der Hrn. 2318 (Graf) und Krolov (Figaro). Auch Hr. Liban. erntete 111 der Rolle des „Basilio' durch den lebendigen Vortrag der Arte: „Zu den Jahren, Wo die Stimme de'.“ Vsrnunft vergebkns spncht' reichen Bctfall; diesem Künstler kommt bei seiner beUen 111131 Fluren Sttmm: die sebr deutliche Aussprache und das gc- 1119111312 «wel so 'zu Statten, daß er die angest1ebte Wirkung nicht lctcht verfehlen Wird.

Die Parade-Gala-Vorstellung, welche am Sonnabend zum Bcnefiz für pie Fangilie Hager im Circus Renz stattgefunden bIt“ nahm emen „glanzenden, erfolgreichen Verlauf und truz dem be- ruhmten Schulre11er unh seinem, ihres Erzeugers würdigen, für den 151811 Rcitsport 111cht 111111de begabten Nachwuchs vielen und reichlich verdzenten Veinfall e111.Hr. Hager, Vater, excellirtenamentlich mit der erst- n1a11g„en Vorfizhrung eme,s pracbtigen ostpreußischen Fuchshengstcs, dcr 11111 fax d1c Schw1eriqkeit semer Schulung bezeichnenden Namen „Galgen- str1ck' erhalten hat, Der Bcnefiziat ritt das schöne Thier mit der gewohnten Elegarz m allxn Ganaarten der hohen Schule und fand bei allen Kennern ber Pserdedrcffur die höchsie Bewunderung und lauteste Anerkennung. Auch die von ihm mit den Schulvferden ,Ingomar“ und „Johnnniter', zwei prachtvoüen Rappen, ertttene Fahrschule „bxacbte ihm vielen Applaus ein. Hk-

tto Hager, Sohn, debumte sehr glücklich mit der Vorführung eines von „ihm drensßrten, neuen edlen arabischen Schimmelbenastes „De- metrzuS“, wahrend 'die anmutbige Tochter des Benefiziaten, Frl. Clotckde Hager, hmtereinander zwei, ebenfaüs neue Pferde in dre Arena brachte, nämlich die Vollblutfuchshengste .VeaukkM“ und „Blauer Rüter“, Die kleine zierliche Dame entwickelte wieder- 1ro13 ihrer zarten Jugend, so viel Kraft, Eleganz und (Grazie- na- mentlich 51117811 Lanyaden und später auf dem VoÜblut-Sprknsvfékdk .Cobham“ 1m Nehmen der böchsten Hindernisse und eines wetten k11nstltche_n Gxabens, daß man der jeßt schon allgemein bk“ ltebten Cykbulretterin noch eine glänzende Zukunft prophezeik)?"e darf. Alle dre1,leieder der Familie wurden mit Kranz- und 23111111211- spenden retchltch h_elobnt, öfter Hervorgeklatscht und von dem aedrqnst voUen Hause mtt Veifal] überschüttet. - Auch "im 112111111?" war das Programm ein sehr mannigfaltiges und unterhaltendes- Wir nenncn nur die glänzende, von 16 Damen gerittenc Quadrille am Anfang, die Produktionen der Damen" Loyal uud Re- gtna, des H"), WeÜs, der musikalischen Clowns, (Gebrüder Dian?“- der anmuxb1gen Mtß Mazella mit ihren Tauben und endll die unverwust11che Pantomime .Die lustigen Heidelberger“, Wklche noch allabendltch die größte Heiterkeit erregt.

Redacteur: Riedel. Berlin:

* Verlag der Expedition (Scholz). Druck: W.- Elsner- Sechs Beilagen '

(einschließlich Börsen-Beilage). (2251)

Erste Beilage

zum Deutschen Reichs-Anzeiger und Königlich Preußischen Staats-Anzeiger.

„28 40.

Yichtamtliches.

Preußen. erlin, 16. Februar. In der vor- eftrigen (49.) S1ßung des Retchstages begann das “aus die zweite Berathung de's Gesetzentwurfs, betreffend die Abänderung des Zolltar1fgese§es vom 1531101879, und zwar mit §. 2 Nr. 5 der Vorlage (Kornzölle).

Der Abg. Richte“; (Hagen) beantragte, zunächst über die Punkte a 111111 1) (2811131211 und Roggen) die Diskusfion zu er- öffnen, die in den emgegangeqen Anträgen enthaltenen Be- merlungen aber gesondert 3,11 dtskutwen.

Das Haus schloß fich dtesen1 Anfrage an.

Weizen und Roggen„ZoU 111th121 1 „46 pro Doppelcentner, nach der Vorlage für We1zen' 3 FH,.FÜr 2101113211 „2 916, nach den Anträgen der fre1en wtrthschastl1chen Veremtguyg, von 1); Frhr. von Schorlemer-Wft und Genossen für bewe Ge-

' rten 3 «46 MMI“ Abg. Dr. Delbrück beantragte, im Fall der Ablehnung des Roggenzolles von 3 146. eine Erhöhung des Weizenzolles

leckßerdem find zwei Anmerkungen _zu Nr. 9 resp. 51) der Nr„9 eingegangen„übex d1e selbständu; nach der Beschluß- fassung Über die Getrmdezdüe verhandelt werden soll: 1) von dem Abg. Broemel: bei 51) (Roggen, Hafer 2c.) emzufü en: Anmerkung: Die Erhöhung des Roggcnons tritt nach5 blaxxf des deuLsch-spaniscben HandelSVcrtrages vom 9. August 1883 m

rast. ___ .___.-." K 2) von dem Abg. Racks: der Nr. 9 folgende Anmerkung hinzuzufügen: ' '

Der Bundesrat!) tst befugt, dre 8111) a-f(a11e Getxeidesorten, Rapß und Rübsaat, Mais und Mglz umfaffend) mzfgefuhrten Zoll- säjze im Falle einer Tcherung ent1prechend zu ermaßtgen, eventuell vouständig außer Kraft zu seven.

Der Abg. Broemel berichtete über die heir. Petitionen. Der Petitionskommission sei es 111cht mögl1ch ge1112sen, djs große Zahl von Eingaben für Erbhhung des GLULLDHJOUS, 1116 ihr gleich nach EröffnUng der Sesswn zugegangen senen, nach den einzelnen Wünschen der_ Pétenten zu sche'1den._ Wahrend fie mit ihrer Prüfung beschäftmt gewesen 121, set 1121: vor- liegende Geseßentwurf an das Haus gekommen, 111113 11113110111- mission habe deshalb am _4. d. M,. beschloffsy, dW Berathung über alle auf den ZoUtartf bezügltcben Peptmkzen auszuseßen, bis das Haus selbst entschieden habe, ob d1e1v11tereVerath11ng über die einzelnen Post_tionen der Vorlage im Plenum oder in einer Spezialkommisjion zu erfolgen habe. Inzw1sche_n habe die erste BLrathung im Plexmm stattgefuxtden, 1319, GctreidezöÜe seien nicht a11 eme Konnmsstyn 11er- wiesen, und gestLrn ihre zwe1t1zBerathu'nq auf 11111 heunge Tageßordnung geseßt. Die Pet1t10n§kon1m1ss1011 W 111 Folgs dessen heute früh zusammengetreten und 11abe_ 11)n beauftxagt, fich mit einem kurzen Berichte übex 1312" ins gestern e111ge- gangenen Petitionen für und gegen d1e Erhohung der Getrß1de= zölle zu äußern, der nur den Werth emer SYtzze und emes Vorläufers für einen späteren umfassenden Ber1cht haben WM. Die Vorsch1äge dcr Petenten betreffs des We1ze11s erstreckten fick) auf 3, 4, 5, 6 „44, ein 131113211121 Vorschlag aus mehreren Ortschaften gehe auf 12 1171 DW Vorschläge betreffs des Roggens lauteten auf 3 und 4 „46, 516 für RUbsaat auf „3, 4, 6 „16., für Malz auf 4, 5, 6 «413 Daneben würden noch weitere Wünsche laut in Bezug auf Produkte des Landbaues wie der Viehzucht , daruyter auch, aus Er- zeugniffs, welche imJnland überhaupt mehr, produz1rt würden, wie Baumwolle und Jute. Im Ganzen se1en bis gestern für Erhöhung der Getreidezöüe 637 Pstitionen etngegangén, davon 321 aus landwirthsckzaftlichen Krcisen, 286 von Gemeinde- ausschüffen und (Hsmeindevorständen und 30 von _größerez1 landwirthschastlickxn Centralvereinen; aus Städten se1, fo 111811 die Uebersicht erkennen lasse, nicht eine Petition für Erhöhung der Zölle eingelaufen. Gegen die Erhöhung seien 124 Petitionen 6111- gkgangen, davon 85 aus landwirthschastlichen Kreisen, 9 von MM- schen Behörden und 30 von Handechkammern und Handelsyorfiän- den. Die Summe der Unterschriften für Erhöhung betrage 89 715, segen Erhöhung 60 192. Die Kommisston schlage vor, 'sämmt- 11che bisher eingegangenen Petitionen durch die über 516 Vor- lage zu fassenden Beschlüsse für erledigt zu erxlären. ,

Der Abg. Racks erklärte, mit statis111che111 Matqrml wolle er dem Hause nicht kommen; Zahlen bew1esen N1cht13 o_der bewiesen Alles, je nachdem die Voraussetzungen, a11f 1111», sie sich gründen, richtig oder falsch seien. Er se1 weder 6111 enragirter Freihändler, noch ein enragirter Schußzöllner; dre Persönlichen, materieüen Interessen würden und müßten stets auch in der Politik eine RoÜe spielen; aber es komme darguf an- daß dies in der richtigen Grenze geschehe; 11111) dxese Grenzen seien durch die nothwendig zu wahrende Soltdamtät aller Interessen vorgezeichnet., Gegen pics [eßtere Haßptprinzip schienen sich die be1de11 roßen W1rthschaft11chen _trömungen der jetzigen Zeit v1el?ach z11 versündtgen; msbesondere geschehe- das Seitens des_ ltberalen qu-

ésterthums und der Sozialdemokratw, welche be1de von demselben Boden des Jndividualiswus ausxzegangen und mxr in ihren Aeußerungen verschieden seien, da 1119 Manchester- manner als 611311 9053111811163 die heutigen sozialxn Zustände erhalten wollten, die Sozialdemokraten aber emen Kamyf 1111 gegen Alle wünschten. Auch er sei bestens bestrqht, 111e v1el_fach traurigen sozialen und wirthschaft11chen Vexhaltnzffe SU oeffern; aber nur in der Weise, daß dre Gegensaße n1cht noch mehr verschärft würden. Bei diesen ernsten Fragen solle WM in der That aÜe gehäsfigen Auseinanderseßqngen ver- 111e1den, damit nicht noch neuer Zündstoff in 13112 Massen !„nau4getragen werde. Auch in den leßten „Debatten atte er gern alle scharfen Ausdrücke vermzßt und bedaurx besonders, daß das Wort gefallen set, Korn- set Blutzoll. Wenn alle ehrlichen Bestrebungen nach esserung der sozialen Zustände bisher so wemg Erfolg

Zkhabt hätten, so liege dies namentlich an dem Man'gxl Whensfähiger Organisationen zur Vertretung der Soltdarttat

,k Interessen gegenüber dem Überall hervortretenden zer-

Uörenoßn Element des EgoiSmus; des EgoiSmus, an welchen “*Ich“ die leßten Debatten „leider mehrfach Anklänge ge etg_t hatten. Man müßte nun 111cht sagen: Schußzoll- oder re1-

Berlin, Montag, den 16. Februar

handels:Prinzip seien allein richtig; vielmehr werde man je nach der Verschi-kdenbeit der Ze1t bald dem einen, bald dem anderen Prinzip folgen müssen. Dqs Richtige sei: auf den verschiedenen Zweigen des wirthschafthchen Lebens die Nation möglichst sslbständig zu machen. 2171311111111 111 dieser Richtung wünsche er auch, daß die Agrarpol1t1k' in Deutschland getrieben werde. Die Ernte des JahrecZ 1884 fer reichlich, troßdemsei der Bauer allerwärts in Noth ; in Rußland und Amerika lagerten 110ch enorme Getreidemaffen, die auf den Export warteten,die Ueber- produktion nehme stetig zu. Da ergebe fich natürlich die Noth- wendigkeit eines mäßigen, aber „ausreichenden Schußwas für ländliche Produkie, wenn man n1cht den 111storisch gewordenen Bauernstand zu Grunde gehen lassen wolle. Er betrachte die- sen Sckmßzoll 111cht als Staatshü116 für den Bauern, sondern nur als A11sgleichsmittel, um 1118 ländlichen ErwerbszWLige xbenso günstig “zu stellen, wie die übrigsn. Niemand wünsche fick) wohl 1112111321.“ die Staatshülfs als der deutsche Bauer; Niemand habe mehr als der Bauer Selbstgefühl und das Streben, ohne fremde Hülfe selbständig zu bleiben. DeHhalb rede die Linke doch nicht immer von Staatshülfe bei diesem Schußzoll; die Linke habe dazu um so wsniger ein Recht, als er (Redner) noch niemals bei ihr ein Stränden gsfunden habe, wenn z. B. 111112 Aktiengeseüschast unter Staatharantie gestcUt werden Wie. Di? Sozialdemokraten, die ein Arbsikerschuß- gesetz eingevmchk hätten und immer dieJntereffen 504 Arbeiter- standes vertreten woÜten, müßten in erstsr Linie für diese ZöUe stimmen, durch welche die Lage Tausender von länd- 11che11Arbsitern erträglicher gemacht werden solle. Mit welcher Vorsicht st in dieser Frage zu Wexke gche, 11116 sehr er wü111chs, daß dieser Zol] nicht ein bloßer F111a11zzoll 181, sehe man aus seinem Vorschlag, den er nacher gnzunehmen bitte und wo- nach im Falle von Theuerungen d1e Regisrungen befugt skin soÜten, Ermäßigu11g oder Aufhebung der (8111115956111: 2111- treten zu 1119211. 211111) wünsche er nicht, daß über dieser ZoÜpolitik andere Gebiete, die noch wichtiger für dis hsimischsn Gewerbe 11111), bsfonders für die Landwirthfthafk seien, vernachlässtgt würden. Dahin rechne er namentlick) die Anbahnung einer gesunden Tarif- politik; die energirche Fortsetznng der_Flußkorrekturen, den Ausbau des Kanalnetzes. Bei der Abst1mmung würde er für den Regierungsvorschlag eintreten, weil darin der von Natur zwiscth Weizen und Roggen vorhanden? Unterschied Auswruck gefunden habe, und weil er fich auf das Minimum bszüglich der Höhe 136€- Zolles beschränken wolle. , Der Abg. Flügge bemerkte, er erkenne noch heute scme Auslassunth vom Jahre 1879 als vollkmnmen richtig 1111. Er stehe in der rein volkswirthsehaftlichen Auffaffgng der Frage 11112151th noch auf demselben Standpunkt. Dre FMM selbst stehs aber nicht mehr auf demse1hen Standpunkt und müsse deshalb unter einem anderen Genchtswmkel' betrachtet werden. Es gebe Zeiten, wo, das w1rthschastl1che Leben fich auf dem Boden der steten msnschl1chen GeseÜschaft entwickele. Da sei die Frage einfach, auf welchem Wege werde das Wohlbefinden der einzelnen Menschen ge'fördert, 11111) ebenso einfach sei die Antwort: durch _d_en fretet11v1rthcha1tl1chen Ver: kshr. Wenn aber hohe 111311111339 Eretgmsso [tqttgefunden hätten, 31111 111.11 staatliche (881111116 entstaxtden 1e1e_n, dann trete an die Stena deS einzelnen wirthschaftl1chen Jndwrduums die kollektive Einheit des Staates. Es fr_age s1ch da11n, 1ye1che§ seien die produktiven Kräfte dieser Einhett und 11118 konnte'n fie gestärkt werden? Das; bei einer" solchen Umwalzung, 11312 der Reichskanzlcr gesagt habe, Spqhne fielen, daß für eme nicht unerhßbliche Zahl von Ex1ftenzen Schaden entstehs, könne er am wenigsten leugnen. Ern solcher Umschwung trete mit elementarer Gewalt auf _11nd 121 11na11fl1altsam, sie sei na111e11111ch mächtig, wenn sre „mm 21112111 solchen Manne, wie 1121: Reichskanzler „ser, gestußt werde. Durch Argumente werde eine folche N1ch1ung,"11nter„ der U16 civilisirten Staaten sjänden, ebe11s0 we111g_zuruckgedrangt, 11119, die Argumente der Friedsnsliga den Kr1eg aus" der Welt schafften. Am wenigsten werde ma11 glguben konnen, den Reichskanzler, einen Mann von so schöpfemscher, stqrxer Natur, durch Argumente zu bekehren. Dagegen habe der Re1chskanzler ein offenes und sehrfeines Ohrfür 1116 Sprache der Thatsgchßn, und wenn LS sich zeigen soUta, daß der Schußzou schadl1ch wirke, dann werde der Kanzler 1n1t derselbey kurzen Ent- schlossenheit auch wieder die Pforten des 'fre1en, w1rthschc_1st- lichen Verkehrs sich öffnen laffsn.' Wenn 11111 sem Ohr 111cht täuschs, höxe er auch schon 1316 Pendelschwmgnngen der schußzöl1neri1chen Bewegung sich 121111116 vexlangsamen'. ' die Vorlage betreffe, fo hätten, d1eiMottve"das ,ftskaksghs Gesicht ganz abgelegt und led1g11ch d1e schußzollner1sche Setxe heraußgekehxt. Das gefalle ihm. ' E17 bedauexx qber, daß 1312 Courage der Motive nicht auch m-den Taru Ubergegangen sei. Der Tarif sei für einen wirkramen Sch11ßzoü,v1el zu schmack). Im Jahre 1879 habe er bemerkt, daß dte_La115- wirthschaft bei dem Schußzou zu kurz gekommen set. DLL ZöÜe seien so niedrig bemessen gewesen, daß s1e nur 511311 ge- dient hätten, nicht blos den Hatzdel, so'ndern auch 1119 Pro- duktion zu bsnachtheiligen und hätten 1 ren Zweck 111th er- fülLt, der deutschen Produktion den 1161111 en Mqut zu s1cher_n. Was man im Norden und Osten uberproduz1re,'sollte 1m Westen und Süden gegessen werden, aber dasGleetdakqmn1e aus Amexika billiger dahin als Teut1chla115 es ['tefernxönne. Es bleibe also für Deutschland nur das M1ttel, dtese D1ffere11z durch den Schußzoll auszugleichen., 2111 11,211 Rythstano der Landwirthschaft glaube der Abg. N1'ckert fre111ch n1cht, derselhe woÜe, daß dsr Landwirt!) aus, semen Büchern den Bewe1§ liefere, daß er mit Schaden wirthschafte. _ Er (Repner) 191 nun seinerseits bereit, buchmäßig nachz11we1sen, daß eme stettge Progression in dem Mißverhälkniß zw1schen den Brutto- .und Nettoeinnahmen durch fortwährende Steigerung dex Löhne und Betriebskosten und durch das Smke_n dex Pretse statt- gefunden habe. Welche weitere Wellen 611111111111 der Land: wirthschaft ziehen undlchlagen würde,11avonkönne'111an s1chg_ar keinen Begriff machen. Er one die Z1ffer der Mtumnen m„cht aussprechen, die 111 der Landwirthschaft steckten und es, ware eine Staatskalamität ersten Ranges, wenn die'Pfamdbmefe zu finken anfingen. Der Abg. Rickert 1vo11e; keme AUSnahme- stellung für die Landwirthschaft. Ste set aber gewesen und

Was .

18Z5.

sei noch jest vorhanden. Im Jahre 1879 sei die Landwtrth- schaft sogar noch belastet worden; die Eisenvertheyerung a_[le1n mache 7 bis 8 Proz. der Grundsteuer aus. Dte Landw1rth- schaft verlange also jeßt nur Gleichs111111ng; ste _wol1e nur dem herrschenden System eingereiht werden. Set nun der vorgeschlagene Schußzoll ein geeignetes Mittel, dem thh- stande abzuhelfen? Die Wirkungen eines Schußones_ se1€n nicht sicher vorherzusehxn. Auf den aesymmten' Vcrmzögens- stand einer Nation habe dcr Schußzoll 1a me emen Emfluß, sondern nur auf eine andere Vertheilung des Vermögens, und in dieser Beziehung werde derselbe im Aügxmemen den Zweck erreichen, indem er eine Preiöerbövung bermrken werde. Unter Umständen und gerade bei gedrückten Preisen in Folge von ausländischer Ueberproduktion nehme das Ausland den ZoU auf fich, dann sei der Zvi] freilich nur ein Finanz- _ zoll für dcn Staat. Indessen müsse Und könne ein Versuch gemacht werden, schon weil die Ziffer dex Interkffenten ei113 so 11ngch€uere sei. JU einer Vettth me'rde dieselbe, gew1ß zu niedrig, auf 70 000 Betriebsstellen, die von dem ZoUe Votheil hätten, angegeben. Er halte diSsL Zahl für zu ge- ring, aber wenn sie auch der Wahrheit entspräche, so hingen doch an 111121: durchschnittlich 100 Köpfe, welche direkt Vortheil vo11 ihr hätten, denn die ländlichßn Arbeiter seien mit dem Besißer 111 sozialéstischer Art verbunden und könntxn ihre Ueberschüése von Getreide 1121111er11; sie 1311111211 auch 1hren Vortheil 112120 ohne Abzug von Betriebskosten. Er 11111119 51131? nicht streuen, ob der Preis; des Brotes dem des Getreides folge; er meine, das; 11an in beschränktem Maße der FU! s81._ Schla11e man aber wirklich den Zoll auf das Brot, so 11121111». 215 Hei dem jeßigsn Preise 111111161: noch unter dem D:1rchsch11itt§preije. Er verstehe nicht, wie die Petitionen über Vertheuerunq des Brotes Lärm schlagsn kö11nten. Von Vsrtheuerung könne man a11ch bei dem niedrigsten Preise sprechen. Bedeutung 116111111111: die Suche Erst, wenn man die erte Silbe weglaffk, wenn eine Thcuerung eintrete. Darin unterschcide er fick) 111711 den Verfechtern des Schußzol1§, daß er denselben für 9111 Mittel 1111 1101: betrachte. Die Kehrseiten des Schußzo11s 181211 11er Ueberproduktion und Krisen. Die Gefahr der Ueber- pxoduktion sei bei der Landwirtschaft freilich nicht vorhankxev, aber eine andere sei viel schlimmer. Dcr Schyßzoll WWW dauernd als Subvention und habe zur FolgesStPgerung 1391" 91131112, des Preises und der Belastu11gsfäh1gke1t._ Daduxch werde dsr herrschendßn Kapitalnoth wohl abgeholxcn, dann ßeigs aber der Bodenpreis von NLULM, und .die Sache stehe “auf 56111 alten Fleck, vieUeichr aaf emem noch schlimmersn. Ein dauernder Schußzoll würde der. Land- wirthschast nur dann nicht schädlich, sondern von ble1bend€m Vortheil sein, wenn glsichzeitig eine Grenze der, Verschuldbar- keit konstituirt würde. Eine Zeit [11119 habe 111111 eme 13121- 1131158 Skala 'empfehlsnswerth gesch1e11en, er set aher'dapon wieder abgekommen, weil fie doch ihre großen Schw1er1gke112n habe. Nach 131. Barth seien Schußzölle für 1111rthschasxl1ch2 Sännerzen, wach- Morphium für Den kranken Körper set, 712 111111011911 fÜr den Moment, aber die Schmerzen kehrten nach einiger Zeit verstärkt zurück. Die Aerzte sähen doch aber 51152 Linderung 11151911 ersten Schritt zur He11u11g an; fre1l1ch müßten dann andere Heilmittel dazu kommen. Sgbetrachke er auch diesen Schußzol! als eine 11othwe11d1ge MorphmmgabZ; er bitte aber zugleich zu bedenken, daß eme zu germge Do:“.S

steels nur aufrkge.

(Während dieser Rede war der Reichskanzler in den Saal getreten.) ,

Mr Abg. Rohland erklärte, als er_ 1879 1112918513 dxs Abg.Fl1"1gge gelesen habe, habe er sich gexagt, das [61 1312 112112 dee, 1312 gegen den Kornzoll gehalten 1111115611 se1 _und alle seine Freunde hätten dasselbe: gesagt. M11 der_„heungen 'Er- klärung sei der Abg. Flügge, tros einiger Anklange an 16119 Zsit, 1101111511511; 111 das jenseitige Lager übergegangen, 11181111 auch nicht auf eigenen, sondern auf'den Fßß'en des Re1chs= kanzlers. Sympathisch in gewissem S11111e 1€1_ 15111 heute n:_1_r dessen Renßerung, wenn schon einmal Zolls 1e1n soüxen, 716 dann auch gleich so hoch wie möglxch zu machen, dam1t ste so bald als möglich wieder beseitigt werden könnten. _Der Ahg. Racke habe behauptet, daß seins Partei geneigtcr 111, Akt1enges611- schaften zu subventioniren, als d1e _Landtmrthschaft. Das sei nicht richtig. Die einzige hier'nx Betrachtukommendß Samoageseüschast sei von seiner Parte1 mcht unterstutzt 1110113611. Denke der Abg. Racks etwa an dis Gründgngen von_1870 bis 1873, so werde derselbe Betheikgw hdchsteys ben den Nationalliberalen und auch auf der rechten Setxe fmden. Der Abg. von Puttkamer habe behauptet, auf dex_1111ken Se1te_des Hauses 118513 es nur einen einzigen praktnchen Landzmxth, aber diese Behauptung sei ganz “falsch. In semer Pgrtet sexzm nicht blos 17 oder 18 Grundbestßer, sondern, es befanden 1111) darunter auch ungefähr 14 praktische Landwwch, d1e o_on der Pike auf gedient hätten. Der Abg. Frsge bcgrunde seme B2- l)aupt11ng über den Rückgang, der Lan111v1rthschast _dam1t, daß Dsutséhland, früher em „Getretde exporttrendcs Land, jeßt ein Getreide import1rendee3_ Land geworden sei. „Dieser Schluß treffe nicht 311. SStt'30-40 ahxcn 511119 die Bevölkerung Deutschlands s1ch 1111111111) um fat eme halbe Million „Seelen vermehrt, daher serDe1ttschland auch bei vervoükommneker Kultur nicht 1111 Stande, eme steh ver- mehrcnde Menschenmenge zu erhalwn. Troßdem habe„dcr Nbg. Frege behauptet, die _deutfche Lgndwnthschafx konne zweimal so viel Korn produztren, als d1_e ganzenBevölkerung von Deutschland gebrauche. Als. Landmwth musse er _absr bestreiten, daß das überhaupt mögltck) se1. In _ dem ardßtm Theile-DeutschlaUdS, besonders 111 den_Prov1nzen,Sachscn und Hannover, werde die Bodenkultrzr 111151 mehr mtenswcr betrieben werden können als _das Wk geschehe. Der Abg. Frege habe seiner Partet wetter vqrgeworfen, es sei ein Widerspruch, zu behaupten, d1e Großgrund- besißér hätten den Ruhen von per Erhöhung ' der Zöue, da doch der Großgmzndbeßs _zum größten Theil in den Händen von Paxhtern ser. Allerdmgs werde auf den Pächter, so lange; d1e gegenwärtige Pachtzeit dauere, ein Theil des erhöhten Zmscx faUe11. Aber es ver- stehe fich von selbst, daß der Pachtzms ste1gen werde, sobald

die jeßige Pachtzeit abgelaufen sei. Der Abg. Frege habe