1885 / 68 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger, Fri, 20 Mar 1885 18:00:01 GMT) scan diff

Kuß, Wissenschaft und Literatur.

In Rostock ist am 17. d. M. der Senior der deutschen Botaniker und des akademischen Konzils daselbst, Prof. Dr. cec1. ec pki]. Johann es Roeper, im fast vollendeten 84. Jahre“ geftyrben. -- Im Verlage von Paul Lens in Berlin ist soeben erschienen: „Aufzeichnungen über die Europaische Gesellschaft',von Georg Dahlen. (circa 9 Bogen, tn eleganter Ausftattung. reis: gebéstet 3 „44, gebunden 4 .“ 25 ,x!) _ Obiges Werk ammt aus der Feier eines Publizisten, der die gesellschaftlicben, politischen und sozialen Vsrbältniffe al1er europäischen Staaten sorg- fältig studirt hat und durch seine Kenntriffe wie durch seinen scharfen Blick zu einkm Urtbeil über dieselben Wohl berechiiat erscheint, WelÖer Art seine Aufzeichnungen sind. Was für ihn Veranlaffung zur Veröffentlichung gewesen und in welchem Sinne der Verfasser dieselben aufgefaßt wiffen will, mögen nachstehende, dem Vorworte entlcbnxe Zcilen erkennexlaffen: .Die europäische Geseuschaft be- findet sicb in einer Entwickelungsvbase, in welcher die Strömungen des Geistes nicht mipder als die aütäxlicben Reibungen in den eigent- lichen Werkstättcn des Staats- und Volkslebens bereits auf das _ „.Horannqben eiues venen Zeitaltxrß binyeuien._ obne orcingenommcnbcit beobachtet, dcm entgcbi der sonst kaum mxikbare Vorschauen iaicbt, den die werdenden Typen cines ver- jiimgicn aeseUsÖaitlicbc-n Daseins auf unsere gcgenwärtigcn er- 8101211 Vcrbäliniffe, ni: auf die ?nkwcife derjenigen unserer Zsifgenoffen werfen, We1che die Gcstaltung der nächsti'n Zukunft bkxinfluffén Werken. _ Inmitten eines solchen Andranges find dicse ?inixeicbnungen entstanden. Sie beruhen theils auf autobtiscbkr Ve- 951115111726- tbeils auf vertraulichen Mittheilungen, dic dem Verfasser auf seincn verschiedenen Reisen gemach wurden. -- Die Veröffent- licbuna dcrselben erfolgte deshalb als lose Notizen, gleichsam in einc'r Abgeriffenbcit, rvrlcbe an Montesquieus „180835 8111" ['gnZ-wrxzrrs“ erinnern dürfte, um in Anbetracht des bunten Stoffes der Be- quemlichkeit des Lesers auf eine ziveckbienlicbe Wkise Rcchnung zu tragen.“ Das reiche Material, n'elcbes das Buck) enthält, ist nach folaendcn Gruppen 51:16:7318'Zxstellt: [. Die Vorrcckyte be: (Geburt Und die europäisch? GescMcbait. - 11. Aristokcaüe, Pluiokratie und Dcmokratie in den europäischen Vsrfaffangsstaaien. - 111. Dcr Yarlamcntarißmus und seine Gebrechn. Fürst BiSmarck und seine eilmittel. Der politische Untkrricht in unseren Verfaffungsstaaten. Die Männer der Wissenschaft und ihr Einfluß auf die modernen Staatsverfaffunasn. __117. Der altliberale Zopf und die soziale Frage. Anarchisten, Nihilistcn, Dynamitmänner, Nytroglyceriniften und die epochale Initiative des Reici'skanzlcrs. Dix- Theorie von dar SxaatSTividende und ihre Zukunft, Nationalstaat, Kulturstaat, Brot- staat und die Zukunft Europas nach den Aussichten der Mancbcstcr- Schule. -- 17, Wiffcnsebaft. Litteratur und Kunst in Staat und Gesellschaft. Sängerinnen, Balleteusen, frivole Romanbiéhier, pikante Feuilletonisten, Jünger der Vagabondenliieratur und die Märiyrer

anstrengender GsisieSUrbxit. -' 11". Die Frauen. Jbre Sittkn, ibis Erziebuna uni) tbr _ (Fmftuß auf Staat und Gesell- schaft. ** 1711. Die rusfi1che Vexfaffungsfrage. Negcr-Emanzi-

paiion uxnid ' Pascha-Wiribstbaft, dkr, wunde Fleck von Europa. S0 freimutbtg sich der erfaffer' auch über Pexfonen äußert, so sorg- fältig vermeidet er doch PtkanTertsn und Verlexzench. Sein ethisches Ziel verliert er nie aas den Augen. Ein entickoisdkner Gegnxr des ParlamentariSmus und des Ykanäocsiexibt-ms, ist seine Auffassung der staatiichen, wiribscbaftlicbep und ALsékaÜftliÖén Vecbältniffs im All- gemcmen ziemlich pksxthstixcb. desto Wohltbuender berührt es den Leser, das; der Verfasser die Ansicht *Vertritt, das; in dem Dcutscbm Reicb'biß Morgenrötbc einer neuen besseren Zeit sichtbar ski. Die abbor111i1§bch Form Lex DarsteÜung ist eigenibümlick), absr nicht unzweckmaszig, da der rn dem Buche verarbeitete umfangreicbc, zum Theil recht _gclebrte'Stoff und das darin enthaltene staiisiische Material in wstcmaiisckyen Abhandlungen bei Wciicm nicht so lcsbar » sem würde, wie in dieser abWechseéungsreiÖen Form.

- Zusammenstellung der Faust-Scbriften vom 16. Jahrhundert bis Mitie1884 von Karl Engel. Der 131511001863 kaustjauxx (vom Jahre 1874) zweite Auflage. Olden- burg 1885. SebuizeJcbe Hof-Bucbbandlum; und Hof-Bncbdruckcrei. 511 Schwartz. (171, 764 S.) _ 'Es giebt zwar sebon friihere Zu- iamnxcnsiellungen von Faust-Scbrlften, aber ein Viraleich dcrselben mit dem vorliegenden trefflicben Werke von K. Engel zeigt, daß in dem leytercn (me, Okkxuiend größere Reichhaltigke-it 61711th isi; daß Juibümer bericbjtgx smd; daß überall gewiffcnbaft gesirebt Wurde, nur Richtiges, Begrundeies„darzubieien; daf: rastlos keine Mühe ge- scheut Wurbxz mögltchst Vollständigkeit zu erreichcn, so das; wobl _ tem_ andercr Gegenstand der Literatur, ja auch keine'noch 1o bxrubmie und auskxezeicbnete Persönlichkeit der Geschichte sicb ciner so umfassenden L_md gründlicher: bibliographiscben Arbeit zu crfreuexi 591, wre 1)r.Fau1i in dem mit großem Fleiße, lobenswcrtber _Genautgkett und vieler Umficbt gearbeiteten Buche von Engel. Endlich 1st Trotz des sehr bedeutenden Maierials, das in dem Werke zu- sammengesteüi worden, doch durcb dle äußkrsi praktische Einricbiung der Gebrauch und das Aufsucbcn mesen11ich erleichtert. Somit kann wobl mtt Recht angenommen Werden, das; das vorftebende BMO dem

Forscber Und Kenner 'auf dem Gebiete der Faustjagc ein zuverlassiger Beratbir, em vorfickiigec Führer und ein sicherer chweiser sem Wild, und auch für viele Bücberfreunde

dürfte es wybl nicht (ckan Werth sein. - Was nun den Ixibalt kes Wcrkes speziell anlanat, 19 ist daffelbe, nach einer kurzen Darstellung dxs Lebens_ dcs 1)r. _Job, Faust und der Sage über denselben, in 1.) Abkchmttx getbe1_ii._ Jn denselben ist die Literatur zusammen- Zzesicllix ]) uber Gcichtchte, Sammelwerke und Allgemeines; 2) der olksbuckoer, einschl. dxr Volkslieder; 3) über Christoph Wagner, Fausts Famulus; 4) xtbcr Dr., Fausts HöÜenznmng (Handschriften, gedruckte Werks, magistbc Schriften); 5) der Bübnenstücke (das alte deutsche Volkssébausptel von Dr. Faust, Tbcaterzettel aus dem vorigen Jahrhundert; Bearbeitungen des alten deutschen Volkssch_auspiels Faust fur Puvpentbeatsr, Faust von Mar- lowe, Bubnenbearbcttungen nach 1770, Operniexie. Posen, Pantomimen und Balletts); 6) (Gedichte und Fragmente; 7) (Goethe's Faust (bas Fracmient, der erste Theil, der erste und zweite Theil, Bühnen- bearbeijungen. Goethe's Faust fortgeseyi von anderen Dichiern, Ueber- sexxungen des Faust von Goeibe, Erläutcrungsscbriften. Kritiken u. s. w.); 8),Romane, NovxÜxn, Erzablungkn. Sagen und Märchen; 9) Ver- schiedenes (Humoxisttskbes, Mephistopbeles,Vcrmifchtks; Bücher, Welche nur dem Titel, nicht bemInbalte nach zu den Faustschristen gcrechnei werden); 10) Tondichiungen (fur Konzeriauffübrungcn und zum Theater- gebrauch, Oporn, Trauersbiel-Mufik, Musik zu Burlcsken, Gesana-poffen undParodien, Baüet-Mtzsik, Ouverture", Lieder, Salonstücke und Täxizk); 11) Bildw-“erke; 12) Zittsckrtften; 13) Seitensiücke und VLrwandteI; darauf folgen 14) ein Nachtrag, ferner 15) ein Anbanq, in welchem die außzuscbeidenden und zweifelhaften Werke namhaft gemacht werden, 'bUleFuH' YerßicbtiYnZsetnttund k?ErngungU-a,Dexnblicl) ein Register. - u te au ire u (: ung es ,ucbes, ruck und a ier,

nichts zuEéüliséen übtrkxg.[1 P H [affen _ n e r wu vo es und im Gabraucko berciis bcwä riss Andachtsbuch ist das _soeben im Verlage vgn M. Heinfius in Brxmen m dritter Ayslage erschienene „Wort und Sa kram ent“ bon G. Chr. Djeffe'nback). Dem Verfasser schwebte bei dkk Conceviion die Absicht vor, em Buch zu schaffen, welches der konfirmirten Jugend einx Untertzxeisung sei zum _recbten Gebrauch der (Gnabcxmittcl als Mrigabe furs Leben, un_d diese Absicht ist dann auch in erwünschter Weise zum Ziele „gefuhrt, worden. Nicht in gesucbten schönen Worten, syndcrn' in ruhiger, „inviger, zum H2rzen spiecbendcr Vortragßjvetse. bei Welcher Absebnxti für Abschnitt 1einen selbständigen und klar gefaßtxn anglt bat, Wkkd im ersten einleitenden Abschnitt die Erlösung, tm zweiten die'beilige Taufe, im dritten das Wort Gottes, tm yierien _das heilige Abendmahl, im fünften das Gebet behandelt. Die Praxis hat bann dem Buche zu mancher erfreulichen EtWeiterung unh Vervollslandiguna verholfen, so daß es in der vorliegenden dritten Auflage wohl auch als ein ausreichendes Beicht- und iKommunionbucb sowie als Gebetbuch dienen kann. Mit besonderer Liebe werden die Pfiichien des

Wer Jahr_e [(MS-.

Bei der Besprechung der Taufe kommtangrmeffen neben den ethischen Momenten auch die Bedeutung des Patbenamtes, die Konfirmation und ihre Wirkung zur Besprechung, Das beilige Abendmahl findet eine allseitige Beleuchtung. auch in der Richtuyg der Hervorhebung dex unterschiedlichen Auffassung, welche die verichiedcnen christltchen Kirchen von dem Wesen dieses Sakraments haben. - Jedenfalls kann diese Erbauungsscbrift auch in der vorliegenden neuen Gestglt christlichen Familien wieder empfohlen werden, und zwar vorzügltch im Sinne des Verfassers als ein Anaebinde zur Konfirmation; _ Jux Verlage von Richard Prevß in Augsburg erschien eme kleine Brokebüre unter dem Titel „Blicke in die Lebens c- scbicbte des Propheten Daniel" von Heinrich W. J-Tbierxb. Der Verfasser stellt etwa in der Form einer geschriebenen Pxebtgt das Leben des Propheten Daniel nach den Aeußerungcn der Heiligen Schrifi dar und knüpft hieran Betrachtungen. welcbe sich auf das LMU in unserm: GegenWart und auf die sittliche Entwickxuna unserer Jugend beziehen; Aus den Schicksalen des Propbxtenffubktxk den Nachweis, wie auch unter den schlimmsten Verballmffxn die Ver- suchung im Glauben überwunden werden und der Bllck auf das Ewige erhalten bleiben kgnn. 7' “34 Wider “o e'n Trunk. Hérmi'sgcgcbcn auf Veranläsjmm des dkutscben Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Getrank'e. DreSdcn, Kommissions-Verlag von H. Minden. 1885. Preis 50 „Z - Die vorstebendc Sch1ift will weder als eiacntltcbe “Volkssäxrift gelten, noch weniger den Anspruch auf eine wiffrnscbaftliche Leistung erheben, sondern ist nur bemüht, für einen der Wundestcn Punkte d:s allgc-mcinen Wohls (die Trunksucht) dic Aufmerksamkeitxder wciten, dem gedruckten Worte zugänglichen Krcise der Gescllscbaft in unserem Vaterlande Wecken zu helfen. Nachdem T*chkrfaffer anöeinandergßseyt, daf; Peutscbland besondere rsacbc habe, vor dim Mißbrauch geistiger Gstrankc auf der Hut zu sein, verbreitet er sicb ausfübrlicb übsrbie Natur des Uebels und die nacbtbciligen körperlicben, geistigen und wirtbfcbait- 1ichen Wixkunßen bei fortgesetzten: Alkoboimißbraucb, und Wendet sick) 1ch1ießlich zux Erörterung der Mittel, die zur Heilunz dss 1175216, n'amentlicb m1t Hülfe der Ges? gebung, aankvenden seien. -- Etwa em Driitel ker Sckorift stützt auf frühere Veröffcmlikbungen des Verfaffcxs, Welche s. Z. vielfach in die Tagespresse übergegangen sind. Um die1er eine derartig? Verbreitung auch fernerhin zu erleichtern, wurde siait methodisch geschloffenen Gangks ber Darsieüung sine mehr lockere Gruppirung des Stoffes gewählt. Organe der vor- schiebenften Art können so bequemer das ihnen vertvcndbar Erscheinende allmahlich aussch„öpfen, sei es als Léituriikcl oder in Notizform, LbNisl) als Grundlage fur selbständige Bearbeitungen.

Gekocrbe und Handel.

' Dcr Polizsi-Pkäsidcnt von Veilin bat auf Grund des §. 1000 Ziffer 3 d_er Retchs-Gewerbemdnung für de:: Bezirk dc-r Barbier- und Friicur;= J)! nung zu Berlin bcst'immt, daß diejenixzkn Arbeit- gkber, welche em in dieser Innung wcrtrcicnes Gewerbe betrkiben und selbst zur Aufnabnze in die Innung fäbig sein würden, glcickzwobl aber dcr Innung nicht angehören, vom 1. Juli 1885 an Lkhrlinge nicht mehr abnehmen dürfen. _, Dcr VerwaltungSratb der_ Preußischen Hypotheken- Verst(X)"erungs-Aktiengesellichaft Hat, nachdem die Reeb- nungcn fur bas" Jahr 1884 fertig gestellt und revidixt find, die vvr- aclegien Abicbluße und die Vorscbläße Der Direktion b;“züglick) der kamnvertberiung gknsbmigt. Danach wir?.) bei der Gineral- v'ersammlung dex Antrag acsteüt mérdsn, eine Dividsnde von 50/0 dcs eingezahlten Aktienkapitals zur Vkrlbcilung zu bringen. Die Kapital- reserve erhöht sicb durch die statxxtcumäßigkn Zuweisungen um 24 903 „46 auf 1001374 „46 = ca. 26,70% des baaren Aktien- kabttal-J. Außerdem fließt d'en Rkseren dcr bcim Verkauf des Geseüsckyaitsgrundftücxs erzielte Gewinn von 194 750 «46 zu. -- Dem Geichafisbcricht der Frankfurter Hybotbeken- bank'pro 1884 cntnebtmn wir Folgendes: Das Geschäftsjabr 1884 WM ein bewnders lebbaftcs; es bracbié die Konveriirung der 4Z9/0iaen Pfandbriefe und 1ka der damit verbundenen Rückzab1ung eines Theil- betrags, eine Erhöhung des Gesammiumlaufs der Pfandbriefe um 8 867 600 „16 Und bis Hywjbekcnbestandes um 7 862 578 „M Die Kon- veriirung der 450/0igcn Pfandbrief? likß sich auf die Dauer 11th binjan balken, wenn nicht bis Differenz zwischen dem DurckoicbnitiI-Zinsxuß der Hypothekey uud bemjsmgcn der Pfandbriefe unt-sr das im Inter- eff; dk's Geschaftsbetrtßbs nöthiae Mas; berabgcdrück't wcrden soÜte. DtZBank beschloß rte, ganze Summe auf cinwal zu konvertiren, dafur aber din kOWerUrenden Inhabern die Foridatxkr dcr 4160/01381! Verzinsunglbis 1. Oktober 1886 noch einzuräumen. Der “weitaus gr'ößte'Tbetl dcr Jrzbabex' machte hiervon Gebrauch. Jn erbindung btcrmti machte ficbeme weiters Aktieneinzabümgnotbrvendig Dieselbe Wurde uri Januar 1885 in Höhe von 200 ckck pro Aktie in der Weise ausgeschrieben, dafi dxe Zablnxig in der Zeit vom Tag der Ausschrei- bxzng bis zum 1, Mar 1885 erfolgen kann. Das eingezahlte Kapital Wird bternacb 7500 000 „46. (5000 Aktien 5 1000 Fl. mit je 1500.44 = 875% Einzahlung) betragen. *? Der Reingewinn beträgt 461123 „46 Hiervvn kommen zunächst in 5«ibzug: 4"/(, des eingezahlten Aktienkapitals von 6500000 „44 mit 260 030 „zx, sodann von dem Rest _ von 201123 „116. 12% für den Rescxbefbnd mit 24 130,46“ 10% als Tantiéme des Verivaliungsratbs mit 20,112 «16, .) 0/0 als Taniikzme der Direktion 6034 „M, die (Gxaiifi. kationen der Beamten 9500 „46, zusammen 59 780 «M; hiernach bleiben „141342 «16, wozu der Gewinnvortrag aus dem Jahr 1883 mit 29 281 „Fl- intt, so daß noch 170 623 «16 zur Veribcilung ver- b1eiben. Es wnd vorgeschlagen, hiervon 130000 „FQ 1)de :).0/0 des _etngequlten Aktienkavifals als Weitere Dividende zu vkrtbeilen und 1om1t msxiesammt 6 0/0 auszuzahlen, 9216 „46 dem Beamten-Pensions. foxid zu uberWeisen, wodurch derselbe fick) auf 25000 «ck erböben xvurbe und 31407 „14 auf Gewinn- und Verlustkonto pro 1885 zu ubertÉtgen.1 20 M W T V

x_es au, . ärz. ( . . .) NW dem Veri t der .ScblesUcbeU Zeitung“ ließ sicb der Robeiscnmarki bincsL'Zchtlick) der Umsätze rubigex an; derselbe weist ami), nachdem der Export nach den,!)olnijchen Filialwetken cingestcüt _ist, eine Vkrscblecbteruvg der Preise ans. De:- Preis für Puddelrobelscn beträgt 5 bis 5,15 „;(. je nach de_r'Gr'öße dcr Abschlüffe. In den meisten Eisenwalecrken ist die Tbattgkett eiye befriedigende. Die Verzögerung im Einganqe der Spezifikatibyrn ist cine Folge der am 1. Avril 5. J, eintrctcnden Fracbtcxmaxmung. Flußcijen- und Veffemereisen-Jndustria find gut beschaftigi, Der _Grundpreis für Walzeiscn beträgt 10,50 bis 11 „46 227111?) rxxtgsr; kafarbcn batten rsgeren Versandt; Robzink 27 bis Frankfurt a. M., 19. März. (W. T. B.) Der Verwaltun s- raib der Deutschen Vereinsbank beschloß, der auf dyn 23. Apgril eirsiczéilberufenden Generalversammlung eine Dividende von 4,1 0/0 vor- zu agen. London, 19. März. (W. T. B.) Bei der gestrigen Woll- auktibn Waren Preise unverändert. Bradfo_rd, 19. März, (W. T. B.) Wolle belebter, Prcise unvxrandert. m Garnen mehr Ge1chäft, Preise anzicbend, Stoffs gexcbäftslos.

Verkehrs-Anftalteu. Köln, 18. März. Heute Abknd 7T Uhr ist der v d' BadisÖen Schraubendampfscbikfabrts - Gesellsocixaka

.Maynbeim' erbaute erstze Seeflußdampfer „Industrie“ auf seiner ersten Fahrt von London im Zolibafen bier eingelaufen. An Byrd deffelben b-7f1111d sich eine Anzahl von geladenen Gästen aus Koin, bie dem Schiffe auf einem festlich geschmückten Dampfer der Mublbeimer Gesellschaft bis Monheim entgegen gefahren waren. Es waren darunter neben hervorragenden Vertretern des Handels- und Großgervexbestandeß. durch deren Kapitalbetbeiligung das Unter- nehmen hauptiacbltcb zu Stande gekommm ist. der Regierungs-Präsident und'der Probinzial-Steuerdirekior von Köln. Das mächtige neue Schiff, so berichtet die „Köln. Ztg.“, kam gegen 5 Uk): in Sicht und wurde sowobl von der Festgesellstbaft als von den zahlreich an die

Christen und die Aufgaben eines christlichen Lebens brhandelt.

Ufer berbeigeeilteri Bewobnery der Rbcinortschaften mit kräftigen Hochrufen und mit Böllerscbuffen begrüßt. Die gleiche Tbeilnabme

Erscheinung cines bocbragenden Seeschiffes sich auf der weitern abrt desselben , seine beiden elektr [eben Schiffs- laternen aufzog und mit drei Kanonenstbüffen die alte Rhein- stadt bcarü te, für welche_ es, wenn die auf seine Erbauung gese ten Ho nungen sicb erfullen, den Beginn eines neuen Verkehrs- abs nities bedeutet. Ueber das nach der höchsten Schifféklaffe von Lloyds durcb L. D. van Ouverbeck auf den Wersten L Smits und Zoonen in Kinderdyke vollständig aus Eisen erbaute Fahrzeug herrschte unter den großentbeils sacbverstandiqcn Tbeilnehmern der Fkstfahrt nur eine Stimme der Bewunderung und Anerkennung. Der Kommerzien-Ratb Langen gab der freudigen Genugtbuung über das für Köln bochwichtige Ereigniß durch ein Hoch auf Se. Majestät den Kaiser Außdruck, und der Vorsißende der Kölner Handelskammer, Kommerzien-Ratb Leyendecker, feterteeden Vorsißenden des Aufsicthrc-tbs der Gesell- scbcz'ft, Hrn. Wahl in Rotterdam, als den Vater des so glücklich aus- gefuhrten Gedankens. Das Schiff liegt morxxen im ZoUhafen, um seine Ladung zu lösch2n, geht am Freitag nach Mülheim, um Ladung einzunehmen, und kehrt atxi Sonnabend in den biefigcn Hafen zurück, um diefclbc zu Vexvollstandtgen. Es hat mit demselben Ticfgang, w21chenocs auf"dc“m Rhein batte-,«bei ruhigem WeT-t-sr-die Fahrt nach und v_on Lo_ndon ga-macbt. Dem Vsrnebmcn nacb beabsichtigt man, demtzacbsi eme großere Zabl solcher Dampfer zu bauen, um den regel- mäßtaen Frgchtver ehr zwischen den Rbeinstäöten, den englischen und den Ostseebafen einzurichten.

Triest„ 19. Marz. (W. T. B.) Der Lloyddampfer . Aurora" ist aus Konstantinopel bier eingetroffen.

Reval., 19. Marz.“ (W. T. B.) Die Rhede ifi nock) auf 7 Werft Wert mit Treibeis bédéckt, das Tbauweiter Verhindert absr cin Zusammenballexi und Festseßen deffelbcn. Hinte sind 4 be- ladene Dampfer mit Hulfe Von Bcrguwgödampfcrn ausgelaufcn, ein Dampfer gelangte ohne Bergynasdamvfer berc-in, mebrrre andere Dampfer forciren den Hafen mit Hülfe von Bergungsdampfern.

für die ungewohnte auf dem beine zeigte

bis nach Köln, wo dasselbe

Berlin, 20. März 1885.

Schlagwetter=Explosion.

Ein erschüttxrnder Unglücksfall, wie ihn in solchem Um: fange die Gesch1chte dss prsußischen Bergbaues seithsr nicht kennt, hat fich in der Nachi vom 17. zum 18. März in den Camphgusen-SckmMen des ßskalischen Stsinkohlenbergwerkes Dudweiler bei Saarbrücken ereignet.

"Gege-n Mitternacht erfolgte auf dem 3. [639 der genannten Schachte m der 496 m tiefen ]. VÜUsO)[L eine Explosion 1chlagender "Weiter,.dercn vernichtende Wirkungen fich fast auf dW gesan:mten,_m einigen Tausend Metern Länge sich ausdeh: nendén Baue jener Sohle erstreckten.

Zur Nachtschicht „waren'am Abend vorher überhaupt 219 Berglcute in die Schächts emgkfawen, Davon hatten 16 kurz vox ber Explosion 1bre Wiederaubfabrt bowerkstelligt, so daß bet Emirttt der thastrophe sich noch 203 Mann in der Grube befan- d_9n. D:esof9rtz11 ihrer Rettumx begonnenen Arbeiten wurden leider langere Zeit nicht nur durch die theilweiso Beschädigung der lezachte selbst un'd die alles bekannts Maß übcxsteigende Zer- trummeruxm des eisexnen Streck€nausbaues,sonvern auch durch stark entrmckelte g1ft1ge Nachschwaden aufgslwlten. Erst nach und nach wnrds es den Die Arbkiten leitenden Beamten und den 91ettu11g§1nannschaften möglich, weiter in denHauptstrecken vor- zudrtzzgey. Bis zumfrühen “"Morgen (6 Uhr) des 19. war es nach fast 30 siyndtgen Anstrengungen zwar gslungén, 51 der Ver- unglücbten lebend zu retten, daneben waren aber auch bereits 100 Leichenszu Tage gebracht; weitere 36 Leichen folgten bis zum Nachmxtiage. Die noch ferncr vermißten Arbsitsr werden zrqeifellos" leider auch nur als Leichen zu Tage kommen. Dte Aufrazzm'ungsarbeiten schreiten unter Lkitung der Lokal- und Provmzml-Bergbehörden mit Aufbietung aller Kräfte unumierbrochen fort.

' Ueber den eigentlichen Entstehunasberd der Explofion und die,utim1ttclbare Veranlassung der leßtern ist bei den seit: herigen Arbsrten'noch keinkrlsi Anhalt Jewonnen. Unzweifel- haft hat aber bei dsr ganzen Katastrophe der leicht entzünd- liche Kohlenstaub, welcher die Baue der durchaängig vöUig txocknen Grube erfüllt, neben den entzündeten Schlagwettern dW verheerendsie Rolle gespielt.

VaTerländisÖ er Frauexnverein. Nach Allerböcbsie'r Be- st'imn'iurix'x Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin findet die dte81abrige Gcneralversczmmkung des Vaterländisckzen Frauenbereins am Mittwbcb, den 25. Marz d. J., Abends 61 Uhr, im Adler-Saale dks Koniqlrckocn Palais„ Eingang durch das ehemals Niederländische Palais, Unter den Linden 36 statt, wozu wir die Mitglieder dss HauptveramT xwd ber Zweigvereine hierdurch freundlichst einladen.

Zur chttimatwn beim Eingange dient die Mitgliedskarte.

Zugleich bxnierken wir, daß nach §. 5 und 6 des Vsreinsstatuts zur Aufnahme in den Vcrein als ordentliche Mitglieder unbescboltene Frczan und Jungfrauenqobne Unterschied des (Glaubens und Standes beiabtgt sind, welcbe fur die Dauer ihrer Mitgliedschaft sich ver- Pflicbten, einen Bxitxag von monatlich mindestens 50 «3 zur Vereinékaffe zu zahlen und Weibliche Handarbeiten für die Zwecke des Vereins un- entqextlich atzSzufuhren oder sonst für den Verein nach Maßgabe der Umstande tbattg zu icin.

AgßxrordentlicheS Mitglieddes Vereins wird ein Jeder, der einen rkgelmaßcg'cn Gcldbeitrag zur Vercinskaffe zu zahlen sich verpflichtei. z zaFlthlge (JFK; umsAZx'fZabme in den BUY mit Angabe des u en kn e L! rage ! en wir an un er ureau, Wil elm- siraße 73 bierselbst, zu richten. s ' b

Berlin, den 23. Februar 1885.

Der Vorstand des Vaterländischen Frauen-Vereins. Charlotte Gräfin von Jßenpliß.

In den Räumen der Central-Turnanstalt in dcr ' riedri - straße fand beute Nacbmittas um 1 Uhr das SÖlußturJen Zr irn lexzten Sommer ayögebildeten Civil-Eleven statt, das durch das Erscheinen Sr. Kaiiexlichen und Königlichen Hoheit des Kronprinzen ausgezeichnet wurde. Höchstderselbe wurde von dem Geheimen Ober-chtexungs-Raib oldt und den Lehrern der An- stalt embßfangen'und außerte wiederbot während der Prüfung Seinen Yxilel 5ck11):be die nZustterbaftZi LeItlbnaYid? F?r?er. Der inter-

n,«-n_ ru uxig wo n en 11. . an er aa s- n ter von Go 1er. Mintsierial-Dtrektor Greiff bei. s ß

Die hl d l " ' ! inkl. 19, ZUM, FHM und Vadegasie m Burtscheid betrug 1716

Im Neuen Friedricb-Wilbelmstädtiscben Theater wird am Geburtstage Sr. Majestät des Kaisers der VorsteÜunq der

Operette „Gaspawne' die Jubelouveriure von Carl Maria von Weber vorausgehen.

Nedacteur : Ri e d e [.

Verlag dcr Expedition (Scholz), Druck: W. ElSner. Fünf Beilagen

Berlin:

(einfchließ1ich Börsen-Beilage).

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Yichtamtlichez.

Preußen. Berlin, 20. März. Im weiteren Verlaufe der gestrigen (71.) Sitzung des Reichstages wurde die zweite Berathung des Entwurfs eines Geseßes, betreffend die Abänderung des Zolltarifgeseßes vom 15.Juli 1879 (Holzzölle) auf Grund des Berichts der 341711. Kom- mission mit der Position 130 1 und 2 (Bau: und Nußholz 2c.) kaÉJSsT'ßkx

Der Bundeskommiffar, Landforstmeistcr Donner erklärte,

der Abg. Diricblet habe sowohl im Eingangs wie im Schluß der dee die oft gehörte Behauptung wiederum aufgestellt, daß die Erhöhung der Holzzöüe dem kleinen Manne nicht zu Gute kommen würde. Es sei gestern schon ausgeführt worden, daß etwa die Hälfte des deutschen Walwvesißes sick) in den Händen des Staates, der Gemeinden und wohl- thäiiger Stiftungen befinde. Von den iibrigen etwa 7 Millionen Hektar seien 2 bis 3 Millionen in den Händen der kleineren Befißcr. Es sei dann ferner ge: sagt, daß diese kleineren Besiser ja Übkxhaupt kein Nußholz hätten; auch das müsse er auf das Emscbiebensie bestreiten. Der Abg. Diriehlet- habe selber fcbon darauf aufmerksam ge- gemacht, daß in Westfalen sehr bedeuténde Holzvorräthe zu finden seien, und zwar nicht nur in einem klcinen, sondern recht bedeutendkn Theile der Provinz, ebenso auch in Han- nover. Dsr kleine: Glundbefitzer sei von Nußholzerzcxngnng in keiner Weise angeschlossen. In Hannover habe man eine große Zahl von bäuerlichen Kisfcrnwaldmmen, welche nach Westfalen und zum Theil nacb Eng- land Holz lieferten. Den außerordentlichsn Bemühungen der Forstverwaltnng sei es aÜerdings gelungen, die Einnahmen zu steigern, namentlich dadurch, daß man mit dem altcn Verfahren gebrochen habe, das Holz in Liziintionen lediglich in kleinen Partien zur Versteigcrung zn steUen. Man nehme: jsßt ganze Schläge, und datin wesentlich sei der Grund der gesteigerten Einnahmen zu finden. Tas- Faktum sei ja ein ganz erfreuliches, und der Minister für Latibwirtbschast betone es in dLm an Se.Majes1ät erstattetan Bericht mit Rscbt. Aber wis stehe es nun mit den Reinsrträgen? Diese hätten keinestgs mit den Bruttoerträgen glcichcn Schritt ge- baltén, sie seien im Vorjahr noch znrückgegangsn. Man habe dabei immer noch drei Fünftel der ganzen prenszischen Holz- erzeugung fiir das Brennholz disponibel. Dcr Abg. Kroeber habe Der bayerischsn Regierung den Vorwurf gemacht, sie gebs mit Nr AUSttußung der Hölzer zu weit; das müsse er auf das Enlschiedenste zurückweisen. Der Nbg. Kroeber habe sie!; auch absäÜig über den Nußholzertrog der Buchenwaldun- gem geäußert und habe, glaube er, 31/2 MiÜionen Doppel- centner genannt. Diese Zahl sei keineswegs eine übertriebene, er wolle abkr hoffen, daß man diese Zahl noch verdoppeln und verdreifachen werde. Die mit der Buche», angestellten Ver- suche, namßntlick) an der Rheinbrücke bei Köln z. B. seien außerordentlich günstig aus;]efallen. Die Frage des Buchen- nußbolzés füvre ihn noch auf die Frage der Hsmbseßung des ZoUsaHesfiir Fslgen, Er warneaufdas Entschiedenste,einem dahin zielenden Anmige stattzugeben. Wie stehe es denn mit dcn „Holz: käufcn, bis von den großen Jmportgeschäften Deutstblandd im Auslande, in Ungarn und Galizien, gemacht würden. Es sei ihm mitgethkilt, daß dabéi nur das Nadelholz und auch nur das iiéixkste wirklich bezahlt werde. Was das Buchenholz bstreffe, fo bleiba es dem Käufer überlassen, ob derselbe es mit verwerthen one oder nicht. Ermäßigß man_den Zollsaß auf Felgen, so sei die einfache Folge die, daß diese Holzhändler schleuniqft Feigenbauer in die Waldungen schicken und Deutschland mit diesem Produkt überschwemmen würden, welches man in deutschen Waldungen in ungemeffener Zahl beschaffen könne. Auch seién gérade diese Hölzer sehr [6th transportirbar, so daß sehr wohl der Ueberschuß in einer Gegend dem Mangel in einer andcren abhelfsn könne. Der Nbg. Dirichlet habs gesagt, der Minister Lucins habs sick) kühl gegenüber 521: Anregung verhalten, Ermittelungsn anzustsllen bezüglich der PreisveMgung dss Holzes, getrennt nach ein- KEMA! Sortimenten. Er könne das nicht finden, der Minister )abe nur erklärt, das [affe fick) augeriblicklicl) nicht machen, derselbe habe abcsr sofort die Initiative ergriffen, nm die Sache eitizuleiten, und würden die Berichte veröffentlicht werden. ES sei fsrner der Antrag gestellt, das Grubenholz in einer besonderen ZoÜposition zu vereinigkn. Was heiße denn Grubenholz? Nach dem Sprachgebrauch sei es das: jenige Holz, welches in Gruben verbraucht werde. Da seien aber sehr werthvolle Hölzer und sehr wenig werth- volle zur Verwendung gekommen und, wer woÜe es denn dem Holze an der Grenze, wenn es eingeführtwerde, ansehexi, ob es zum Grubenbau bestimmt sei oder nicht? Es sei ]a richtig, daß in einzelnen Gegenden Deutschlands das Wort Grubenholz eine spezifische Bedeutung habe, wie in einigen Theilen Hannovers. Er meine, daß die Seitens der Kom- mission des Reichstages gemachte Konzession, die schwächeren Hölzer mit einem geringerenZollsatze zu belegyn, völlig genüge, um (1116 Interessén der Grubenbesißer ausreichsnd zu wahren. Betreffs der Faßdauben müsse er den Abg. Dirichlet noch daran erinnern, daß die Regierung in ihrer Vorlage lediglich den Beschlüffen der Kommisfion vom Jahre 1883 gefolgt sei und daß es gerade die Partei des Abg. Dirichlet gewesen sei, die diese durchzuseßen gewußt habs.

Der Abg. Frhr. von Wendt bemerkte, das große Zahlen- material, mit wslchem die Gegner der Holzzölle ihre Reden angefüklt hätten, habe für seine Partei gar keinen Werth. Die Statistik stehe ja Jedermann zum StUdium zur Ver- fügung; es seien bei diesem Studium sehr viele ver1chiedene Faktoren gleichzeitig zu würdigen. Ob das die Redner, die hier mit so viel Zahlen gekommen seien, wirklich gethan hätten, könne. man absolut nicht beurtheilen, weder beim bloßen An- hören der Reben, noch später beim Durchlesen. Wenn Hr. DanckeXmann gesagt habe, als reicher Mann würde derselbe sein Geld im Wald anlegen, so verstehe er dies dahin, daß derselbe meine nur ein reicher Mann könne daS thun; nur ein solcher, der auch bei ver- hältnißmäßig geringer Rente eine_s Kapitals immer noch genug zu leben habe; und ni t em solcher, der trachten

Erste Beilage zum Deutschen Reichs-Anzeiger und Königlich Preußischen Staats-Anzeiger.

Berlin, Freitag, den 20. März

müsse, von seinem Geld möglich| hohe Zinsen zu erzielen. Es sei gesagt worden, die Seestädte und der Handel WÜWÉU durch die Holzzölle geschädigt. Die Seestäbte müßten sich aber dkm fügen, was im Interesse der Gesammtheit liege; und für den Handel-xönne es, wenn derselbe nur nicht übertrieben spekulire, ganz gieicbgiltig sein, wie hoch die Holzprxif“: seien; der Handel werde seine Prozente doch steis gewinnen. Das Reich thue andererseits sehr viel für den Handel der See: städte; zum Schuß des Handels habe: es die ganze,.Fwttc. gegründet, treibe es jsßt Kolonialpolitik und.. snbv-sn: tionire Dampferlinien. Da könnten die Seestäbte aucb Lill: mal für die Jntereffsn der Forstmirthscbaft ein kleinis Opfer bringen. Seine Partei one keineSwegS ein Recht auf höhere Waldrente proklamiren; sie thue mit den Holzzöllen ganz dasselbe, wie mit den Getreide: und IndustriezöÜ-en; d. 1). sie verschaffe einem großen Thsil der Bevölkerung lohxiends und angemessene Arbeit. Wenn man ferner erwäge, daß gerade die kleinen Waldbesißer vorzugsweise Nutzen vor: 0611 Zöllen haben würden und das AuSland die Zölle zu bezahlen habe, so werde man sich nicht bedenken, ven Kommissioncs- beschlüffen zuzustimmen und die Amendemexnts abzulehnsn.

Der Aba, 13011 Benda erklärte, auf die Jutereffenten Whme er bei der vorlicgenden Frage keine Rücksicht; ihm liege: nUeiU am Herzen, welchen Einfluß die Erhöhung der Holzzölls auf den deutschen Wald haben werde, und aus Liebe zam deut- schen Walde werde er mit dem größeren Theile seiner poli- tischin Freunde gcgen die Erhöhung stimmen. Dis Walbfragk sei keine Rentenfrage, sondern eine Kulturfrage. Man dürfe nicht jeden Baum darnach taxiren, wis viel Groschen RUM dsrselbe wohl bringe. Diese Auffassung habe crst in den siebziger Jahren in Deutschland P(aß gegriffen; erst da habe man den Wald als Das scbäßen gelernt, was der- ilee sei , und von. dieser Zeit datirten erst dia großen Verwendungen für unseren Wald. Aber auch die Runte habe (wie Redner ziffernmäfzig nacbwisS) sich nicht vermindert, zumal dann nicht, wenn man bxrücksiobtige, daß auch für das Kapital der Zinchuß von 5 auf 4 Proz. in den leßten 15 Jahren zurückgegangen sci. Sci nun diese gefnnde und gute Entwickelung des dc111sch€n Waldss nicht durch die geforoerton Holzzöllz gefährdet? Es mözxe zweifel- haft sein, ob man damnf antworlen könne) daf; dEr Baum- bpstand keinen Schaden leiden werds. 21er daß die Antwort a11ch nur zweifelhaft sei, sei für ihn schon Grund g€n11g, um gegen den Zol] zu stimmen. Wixthschastlicbe Ylutoritäten hätten belmuptct, daß die höheren Zölle im Gegsntlwil n einer höheren Waldkultnr führen würden. Er halts daß ?ür einen Jrrthum. Der Ankauf von Oedländereicn zm: Forst- kultur sei ein so unrentables Geschäft, daß die Gefahr größsrcr Abholzung in Folge höherer Holzpreise nicht durch die vermehrten staatlichen Ankäufe zum Zwecke der Aufforstung außgeglichen werde. Ja, Wenn das Ho1z den doppelten Werth vieUeicht erhalten würde, dann könne man zugeben, daß die Forstkultur sich erweitern würde, aber daß dieser „8011 einen solchen Einflnf; anbüben könne, müsse, er auf das Entschiedenfte bestreiten. Die Anschauungen, die in Preußen zu so erfreu- licher Fördernng des Waldes geführt hätten, würben mit eben so Vißl Grund heute gsgcn die vorgsscblagenen Holzzöüe sprechen.

Der Bundeskommiffar, Königlich baycrische Ministernl=Rath Ganghofer erwiderte, wenn der Abg. von Benda dcn Wunsch habe, den deutschen Wald erhalten zu sehen, so stsbc er mit demselben auf dem gleichen Boden. Ec fürchte aber nicht, daß man bei sieigendkn Prkisén zu größerer Abholzung kom- men würde. Die meisten Waldungen seisn ja in den besten Händen, in denen des Siaates Und der Gemeindon; nur 25 Proz. seien in der Hand privater Besißer. Der Preis- stand habe aUc-rdings auf die Forstkultur 8111911 Einfluß. Eine statistische Zusammenstellung der Waldausstockungen und Anlagen in BÜYLTU zeige dkutlick), daß der Rückgung der Preise einen Mangel an Kulturlust zur Folge habe. Bsi höhSan Holzpreisen sei eine Menge von Flächen, welche nicht gsrade Oedland seien, die aber höchstcns der Viebweide dismzn könnten, aufgeforstet worden, max; 1th nicht mehr geschehe. Auch der Staat rechne mit dem PrLiEriickgang. Man habe in Bayern ohnehin so viel Wald, daß man bei schlechtem Preisstand von Neukulturen absehen müsse. Die Forstpolizeigeseße scien nur ein schwaches Mittel für die Er- haltung des Waldes. Daß viel Holz den Wäldern enjnommen werde, sei an sich nicht schlimm; der Wald wachse ja dazn, daß derselbe niedergeschlagen werde. Die HauptsaM sei nur, daß der Wald auch wieder aufgeforstet werde, Auch in den Gemeinden greife be!? Gedanke aber immer mehr Play, daß der Wald eine Rente bringen müsse. Ec fürchte, es werbe mit den Holzzöllen gehen wie den sibyüinischen Büchern; ]e länger man damit zögere, desto höher würden fie sein.

Der Abg. von Gramaßki erklärte, der Holzzoll cntspringe aus der Notvwendigkeit, den Preis des Holzes so zu rcguliren, daß derselbe die Produktionskosten dccke und noch einen kleinen Uebersch11ßlaff9. Alle Holzproduzenten hätten sich auch fiir die Zollerhöhimgsn auedesprochcn. Im Osten und Nordwesten des Reiches werde der . 011 gewiß von den Importeuren, von dem Auslande ausschlie 'lick) getragen werden. Denn Rußland sei gezwungen, sein Holz in Deutschland abzuseßen. Jm Uebrigen glaube er aÜerdings, daß der Betrag des ZoUes ganz auf den Preis aufgeschlagen werde, aber gerade dieser Zoll trsffe vornämlich die Besißenden, da die ärmeren Leute verhältnißmäßig weniger Holz brauchten. Denen, dic dezt deutschen Wald erhalten wollten, empfehle er besonders die Annahme der erhöhten Zölle; sonst gerade laufe man Gefahr, WZ)? die Zölle verhindern onten, den Wald zu Grunde zu r: en.

Dcr Abg. StoÜe bemerkte, die HolzzöÜe würden damit motivirt, daß der Staat verpflichtet sei, eine gewisse Garantie für die Grundrente zu übernehmen. Warum ziehe man gber nicht die Konsequenz, auch des Arbeiters einziges Kapttäl, dessen Arbeitskraft, durch den Staat zu schüßen? Der "Schutz der nationalen Arbeit werde auch wieder ins Feld geführt, aber, als seine Partei bei der Dampfervorlage gewünscht

habe, daß nur neue und deutsche Dampfer eingestellt würden, da hbee fick) die Rechte ablehnend verhalten.

1885.

Zunächst bostreite er nun, daß der Wald nicht ge: nüaende Rente abwerfe. oPreußen ziehe freilich geringere Erträge daraus alis Sachsen, wiewohl die Holzpreise hier nicht höher seien als dort. In Sachsen habe man dazu keine Wasserwege, der größte Theil der Hölzer müsse per Bahn odér per Achse befördert werden; die Elbe werde für die sächsischen Stqatsforsten wenig in Aufbruch genommen, im Gxgcntbxil, sie führe Sachsen. noch die böhmischen Hölzer zn.

.Prsußen aber habe viele Wasserwege, die das Holz vom Osten

nach dem holzarmen Wcsisn bxingen könnten. Anch der Hin“; weis darauf, daß die Hölzér in den Jndustriegegcnden theursr seien, gebe keinen genügenden Grund für die geringen Er- träge in Preußen, denn die preußischen Wasserstraßen führten das Holz unmittelbar in das Herz der Industrie hinein. Auch die privaten Waldmigen hätten glcicb günstig Zemirthschaftet. Da müsse doch in der preußischen Forstver- waltung irgend etwas mangelhaft sein. Der Aba. Krocbcr habe schon auf die unfreundliche Behandlung der Käufer hin: gkwiescn, aber LS müßten noch andsre Gründe vorliegen. Jn 5671123th Jahren erst sei man zu einem freihändigen Mr- kauf Übergegangen, und in Folge deffßn scien die Erträgß auch schon gestiegen. Bei dem früheren Verfahren habe man die Produkte zu einem annehmbaren Preise nicht abskßen könnén. In Sachsen betrage der Nettobetrag pro Hektar 40 „46, in Preußen nur 8 N: In Sachsen arbeite 111011 auch 117-3515 Vrozent Nnßbolz aus VLM Walde herauS als in PWUZLU, er glanbe (1er nicht, daß im prsußiscbcn Staate weniger Absaß fÜr Nußholz sei, als in Sachsen. Fiir bis er- höhten ZöÜe mache man dann JLUCUÖ, daß die Konkurrcmz des Auslandes skhk stark sei, und das; Deutschland mit aus: ländischen Hölzérn Überschwemmt würde. Deutschland hätte absr die Aufgabk, die nationale Arbßit zu schiißen, und es könnts selbst so viel Holz produziren, daß man das Ausland nicht mehr brauche. Wie reime sich aber damit, daß bei ge- wisscn Submissionen die Bedingung gestsllt werde, daß aus- ländische Hölzer geliefert werden müßten? W002 man damit das.; aneständniß machen, daß die deutsche? Forstverwaltung nicht im Stande sei, Ebenso gutes Material zu liefern? Wenn nun aber der Staat dio Aufgabe habe, dafür zu sorgen, daß der Forstbestand erhalten werde, so meine er, es sei dann für den Staat überhaupt nicht nothwendig, sich darum zu kümmern, ob der Forst eine Rente bringe (152: nicht. Das siehe jedenfaÜs fest, daß eine ganz bedeutende Anzahl von Industrien durch diese Erhöhung der HolzzöÜe geschädigt werde. Dann ssi auch zu bedenken, daß durch eine Vertheuerung des Holzes die Gefahr in den Bergwerken eiUL größere werde, denn aUe polizeilichen Vorkehrungen in dieser Hipsiazt würden gegen den Eigennutz der Einzelnen nichts helfen. Aus diesen Gründen bitte er dringend, die Zoll- erböhung abzulehnen.

Hiaiayf nahm der Bevoümäxhtigie Staaks-Mmister 1)r, Lucius das Wort:

Meine .Herren! So empfänglich icbdafür bin, Anregungen (111511- nebmen, die dahin geben, in der bréußisäoen ForstVcrwaltung für eine tüchtige Gcsckzäftévarwaltung und füreinc tüchtige praktische und tbeore- Tische Ausbildung der Königlichen Forstbcamtcn zu sorgen, so glaube ich doch, das; der Herr Vorredner durcb fiine Bemerkungen nicht bewicscn bat, das; er in diesen Vkrbältniffcn genau genu-Z oricnjirt ist, um gute Ratbsckyläge zu geben.

Er bat sicb in seiner Beuribcilung der preußischen Verbältniffc bie Aufgabc sehr leicht gemacbj, indem er Verbälfmiffe Verglicbcn bat, die eben nicht vcrglcicbbar find. Eine große Vexwaljunß, die mit MiÜionsn von Hektaren operiri, mit Tausendcn von Beamten, muß der Nainr der Sache nach etwas scbwcrsälliger sein wie eine größere Prixmiberwaltung oder auch wie nur eine kleinere StaaLSvcrwaljUng, wo die erste und [cyie Instanz in der Person des leitenden Beamten oder des Beiißers sicb vereinigen. Ebknsowsnig ist dcr Vcrßlcicb zutreffend, den er axigczogen bat zwischen dcn Vcrbäliniiiin des Königreichs Sachsen und W Kbnigreich§ Preußen, Die Vi'k“ bäliniffe dcs Königreichs Sachsen sind höchstens vergleichbar mit dcncn ciner preußisäxen Provinz, ejwa der benachbarten Provinz Sachscn, oder sie sind vergleikbbar vielleicht mit einem einzelnen RcaicrnngÖbezirke; (1er das Königreich Sachsen in seinen einbeiilicben Verhältnissen zu vergleichen mit der großen Mannigfaltigkeit, wie sie Preußen in seiner großen räumlichen Ausdehnung bietet, das sind ganz inkommensurable Größen. Zunächst hat das Königreich Sachsen durchmeg einen sehr guicn Waldboden, die sächsi- sMn Forsten sind sozusagen mit Scrviiutcn kaum noch bclastci, das „Königreich Sachsen erfreut fich der dichtesten Bevölkerung in DMW.)- land, es ist im Besiß ciner außerordentlich bock) entwickelten Indu-

zum Bundesrath,

stric, ck ist im Besitze eines schr dichten Eisenbahnnetzes, es ist außerdem begünstigt durch die natürliche, vorzüg- liche Wasserstraße , welche die Elbe bietet ; das ist eine

Summe von günstigen Verhältnissen, die das Königreich Preußen in seiner Totalität gar: nicht bieten kann, die es nur in icinc-n bevorzuaicsten Bezirken ctwa bieten kann, ich will sagen, etwa im Rcaicrungsbezirk Düsseldorf. Jn dicsem Regierungsbezirke smd wir auch in den letzten Jahren auf Nntzbolzprozentc gekommen; die denon des Königreichs Sachsen gleichkommen oder selbst uber- treffen, indem hier der Satz von 80 9/0 Nußbolzausbkutc crrcicbt wurde. Ich glaube also, daß man in BerückfiÖting diescr Umstände doch sagen kann: von den Bemühungen der Forstverwaltung allein sind dergleichen _ Erfolge nicht abhängig, sondern von der Summe der Verbältnisxe und Faktoren, mit denen eine große Verwaltung zu rechnen und zu tbmx hat. Um das noch weiter nachzuweisen, Weise ich noch darauf bm, dos; die Königlich sächsischen Forsten etwa das 5fachc relativ anZichcn- boden und FichtenWaldungen haben wie Prcußen. Nun ist auch wiedsr Lcuten, die mit den Forstverbällniffcn vertraut find, bekannt, das; keine andere Holzart einen größeren und schnelleren Nuycn gewäbrt wie die Fichte. Ncbmexi Sie dagegen die preußisibcn Staatsforsten, wo ca. 62 % der gejammten Staatswaldfläcbk besicht aus Kicfernbodcn, also einem Boden der nicht entfernt die Zuwa_chs- prozcnie haben kann und auch gar nicht dasselbe Material produzrrcn kann, wie eg bci dengTForsten im Köniareick) Sachsen durchscbnittlich derFall ist. Was diexemcrkungen betrifft in Bezug anf das Gruben- bolz, so ist die Verwaltung unangZscyx bestrebt, gerade den Absatz dieser 1cichtercn, schwächeren Hölzer, die im Ucbermaß bei uns produzirt werden, zu begünstigen und zu befördern; allein das liegt doch auf der Hand, das; ein so gcringwertbiges Produkt wie die leichten Gruben- bölzer keincn weiten Transport veriraaen, etwa von der russ'iicben Grenze bis in die Industriebezirke von Schlefien, oder von Westfalen und der Rheinprovinz; wo Konsument und Produzent vielfach so weit auseinander liegen, wie das im Köni rcicb Preußen der Fall ist. walten naturgemäß voUständig andere crbältniffe ob, als wie in

einem engbcgrenzten, hochentwickelten Jndusikicbczirke, wie ihn das

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