Münsterberg (Berlin) in eincm Bericht über die Tätigkeit des Vereins während der ersten 25 Jahre seines Bestehens *)_gefchi1dert. Es ist eine Fülle Von Erfahrungen, Versuchen und prakttschen Vorschlagkn dort esammelt; demgegenüber den Mangel an gründlicher, systematischer
erarbeitung, der mehrfach zutage tritt, tadeln zu wollen, ware unrecht. Was aber nicht verkannt werden_darf, ist die Abneigwng gegen schärfere Kritik. Das sogenannte E1berfelder Systerxr z. B. _ eine Organisationsform der Armenpfle.1e der Mittelstadte _ erscheint zu sehr als das eine unendxiäZ große Jdeai d_er Armenpflege überhaupt. Obschon der Munsterbsrgscbe Bertcht_ m der Zusammensieüung alles dessen, was tm deutscher) Verein uber einzelne Teile dieses Systems verhandelt wurde, deutlich zsigt, wie ein Stück des Systems nach dem andern_ sich ais unbaltbax gegen- über den Ansprüchsn der neueren Z-1_t erwiesen__ hat, ist doch auch er zu sehr yon pietätooller Rucksicht ersuÜt, um mrt der Form zugleich den alten Namen aufzugebén. Ebenso War die Stellung des Vereins zu_ der Frage der Reform der Armengeseße, wo man viele Mißsiande [ab und beklaqie, aber vor ernsten Aenderungen doch in dem Gefubl zuruckxcbrecktl, daß man damit fich auf unsicheren, schwankendsn Boden begebe, wo das Ende nicht abzusehen sei. _ _ _
Gegenüber dieser Fälle von segenöretchsr Kleinarbeit, bei der nur bier und da wirklicher Fortschritt erkennbar wurde, zeigen von_Vuebl, Temming, Fleischmann und Sébwander erstattexe Verichte_uber die eutigen Ani'orderungen an die öffentliche Armenwlege und _uber die Nsuordnung der HauSarmenx-fic'ge *) ein ganz verandertés Bild. _ Die Verfasssr 53566 das entschlosicne Besirkbxn, aus dsr Erkenntnis der Fehler dsr heutigen Armenpflege die nötrgxn Sch111ßfolgerungen_ zu ziebsn. In erster Linie prüfen 712, wiewnt die Geséßgebuxig 11er das Armenwcsen _ gerade in ihrer grundlegenden Bestimmung übsr Unterstüßimg und Bedürftigkeit _ den'Ansprüchen der Neuzkit nacbkomme. Für das Geltungsaebiet des UntersiüßungSivobnfideseses ergibt sich die WekWOÜS Tatsache, daß in dcr Auslégung dks Bundes- amts für das Heimathscn allén gerechtfertigten Anforderungen unserer Zeit Rechnung getragen wird. Für manche moderne Heilwerfahren _ Lungenbeiisiättsnpflege, Sommerpflege für arme Kinder, Krankenhauspflege und Kuren für Leidknde _ wie für die Kinderfürsdrg; geben die Géséßé so V1?l_ Raum, wie man nur wünschkn darf. Der Wortlaut der Gessßé ist biegsam Und dehnbar. Wenn mit der Entwicklung__ unserkr sozialen Gesetzgebung, mit dsm Staig-Zn alier L-xbsnsbedürfnine auch der Begriff deffen steigt, was als Mindestmaß cinem Armen zum Lebensunterhalt gewährt Mrden _muß, so bietet das Gesetz sebr_ wobl di: Möglichkeit, ctes dies auszunshmkn. In äbnlicbér W6i|e äußert sich der bayerische Referent über seine Heimatgeseßgebung, wenn er 01111) einzeTne Vor- behalte macht. Dem Eisaß-Lotbringer dagegen fehlt diese rechtliche (Grundlage einer ordentlichen Armenpflkgc voiisiändig. Die R€ichs- lande sieben in diesem Punkte 011f der Veralteten französisäosn Gesetz- gebung 0011 06r1870; sie haben w2d3r die französiskbc noch die deutsche Rxchtsentwickiung mitgemacht. S0 tritt dort die Fordzrung aui, jxne geießlichen Grundlagen, die im übrigen Dxutschiand Vorhanden sind, erst eirxmal 111 schaff6n. _ _J1t_ also im übri,1_2n Dcuischiand das ELW gut und für jedcn
Zoriwbrttt aUsreichend, 10 läßt aber die Durchrübxuns, die Praxis der rmenrflkgs doch 1712111105 noch alles zu 1011111011611 übrig. Wenn Schwander für das Rsicbsland erklärt: „In (311073 Lothringen gibt es ké1n€ aiig2meinö, öffentliwe Armenpskze, sondern nur eine Armen- 1171de in 1211 größeren _STäIieU“, so muß am:!) der bayerisché Rsikxent, Rechisrar Fisiicbmann, zugkbcn: .Es waren geradezu haarsträubende Fälle, in wéicbkn fick) die völiige Unzulänglichkeit manchcr läridlicben Armenpflsge, verbunden 1nit_gan1 besonderer. lück1ichsrw21xe in ("01156111 (Grade sxitener Gefühlsrobeit ibrer Yrgane,_f0 rsrbt grcnbar SkWiSs. Kommen solche Fälle schon bei Pkkikn€n_ vor, wleoe in _dék Gemeinde verarm16n, so mag man fich_ ausdenken,_ wzlch€ Gefühle den Armen empfang-m mögen, welcbsr 1211 Jahren fremd, abxr heimatberechtigt si!) unwermutet ein- findet, um €:11äbrt zu werden'. 211111fürdastltung§gebiet des Unter- itüyungwabnfingseZ-Zs sind die Ergebnime betrübsnd. Die Verfasst kririfikren wksentlicb nur die mittleren Und größeren Städte und kommm dabei 311 dem Ergebnis, daß selbst bier, wo alles viel günstiger liegt als 0111 dxm Land?, noch sebr viel daran fehlt, daß die Armenpflege den JLFZÜÖSU Rabmm wirklich ausfülle. Mögen die Zahlen, die die Ver- 15113r dabei anxübrerz, in manch Stücxen berechtigten Bedenken be- gxznen, ibxé Schlußfolgerung wird_un:111.recb1b;1r bleiben, das; selbst in vision Städten, die finanzisll leiitunxzsfäbig find, die Armenvßege n1cht _dsn AxrcrderungM entsprikbt, die das Gcseß ibr stellt. Mebrsacb i't bsrvbrgeboben, daß wan für ganze Gebicte der Armenpkiegx, wi? be10nders der Kinderfürforge auf dxm Lande, von einer geordkaen Armenrkiége Übérbaurt nicbt deM könne, das; hier trois dsr [761160311 ngesiicben Grundlage die tatsächlichen Zustände schlimmsr_1eik_11 315 im Reichzlande. W:e_ 21:1: Gemeinde, sagt ._Klumker _111 Einem xinganzs erwähnten 211111013, fich ibren Unter- itüsungßvriicbtcn 611111651317 kann, wie man arms, besonders bile- bedürftige und 1111257111753 Kindék ia dis Stadt abschiebsn kann, 011.12 dabei entdeckt zu werden, weil_die_se Armen swb gewöhnlich nicht webren können, “darüöer weis; !elbit die kléinste kaeinde Bescheid. Freilich _iviéit bier di? Bélastm dieser G3meinden eine große Rolle; der d€1111chc Verein für AkMSUOZSJL und Wobltä-tigkéit fordert daher seit über_10_Zabren, daß fi? g_rÖßer€n_VZrbänden auferlsgt werde.
_ Dxekxs Mißverbältnis 1wi1chen ge_ikß11ch€k Vrrschrift und tatiäch- lrcbsr Leiirung berubx zum Teil daran“, daß der Arni? keinen RZÖTS- anspruch au1_UnteriiüZ;m,1 befißt. Die Verickptérsiatxsr kommen 011: dazu, em ?olches Recht ,für den Armen zu fordern, und auch Kiumker Untr'ttt die Anfirbt, daß die öffentliche Armen- vkiege keinx Wohltätigkeit, die aus gutem Herzen schenkt, wo es ibr paßt _ 01412 Armenverbände sei)?" si- so an _, sbndern 81116 Öffentlilbe Pflicht sei. Diese Pflicht enthalte schlisx'z- lxcb 7211 N6chtsansrruch des Arms", den man nicht von einem guten Herzen der Armenvxrbände und der Armknrkiezer abbän ig machen dürfe. „Bt_Sber bat der Armx_nur ein s-xbr platonisches B2? wsrderecbt. das 5776175 bei der untérnen Instxnj des szirkSanOsÖuffes z. B. in PreyZen kndkt. deer VszxrksauHsckxuß rann übst Armenvflegk 117161151, wic er wil]; Link 55110: Macbt, die der Arme anrufen könnte, cibt_ es ni0bt. Nur so ist es möglich, d1ß selbst aligemein gültigZ Enchktdexer böcbvien Instanz von den unteren bewußt und mit Abxrcht beixeite gksch0ben und dem Armensein Recht borentbalten wird. _Wir babkn diLZ _in der Kindérfürsorge in den [Wien Jabren in dsr 115112111711th Weike geiLben. Ti: Armenrißge ist -- 0011 den seltenen L;:Uen ké'k _Sirkitizkeitcn zwischen ArmenVerbänden verschiedener Staaten abze!eben _ den unteren Bebörden vreiSZegcben, und daravs vor allem erklärt sib, da:“; jene scbwsren Mißstände, die seit langen Jahren bzklazt wzrdcn, unenthgi weiter bestehen." S0 1076-3771 die Berickyteritaner ziemlich Linbxllig, daß der Arm: ein chbt auiÜnter- ixützunz erhalte, das er _im verwaltungSgericlytliÖen erfabren er- streiten könne. Noch wichtiger als ein s_0cher Fortschritt, der noch nicht allgemein Zustimmnng smden därite, i1t die zweite F0rderun-1. dax"; jxne Ungleubbsiten in de_r Armenrrieze durch eine öffentlich? Ausficbt im Unteriiüßmgxwesen beieitigt _werden. Es wird ein:! Behörde ge- fordert, 11er deren Zuiammemesmg man ja streiten 11119. die nicbt nur ein Auiücht§recht über die Yrmenverbände besäß-x, sondern auch das Y_Teebt 1771116, das Minkeitmaiz an Armenpflége bei 0211 unteren Verbanden zwangßweixe durchzusessn. Wenn solche Forderungen im
*) Münsterberx, Genkraibericbt übst die Tätigkeit des deutschn Venus für 2717131101276 und Wohltätigkeit während der ersten 25 Jaßre ";-mes Bestehens 1580-1905 (247 S. Preis 4,20 .“). Buebl, Flemming, Fleischmann und Schwander. Die beutisezi Aniorderungm an cia öFentiiche Armenvflege im Verhältnis zur kit-berdsn Armepgsfeyzebung (184 S. Preis 3,60 .“). Beides in: „Schritten des deuticpen Vereins für Armenrflege und Wohl- tätixkeir', Heit 72 und 73 (Leipzig, Verlag 0011 Duncker u. Humblot). SÖwauder, ericbt übxr rie Vieuotdnupq derHauLarmenrfleae, im Auftrage des Armenrats der Stadt Straßbnrg erstaiiet (57 S. Nicht im Bachbankei).
deutschen Verein er ol reich vertreten werden können _ mögen sie auch von den 951115119811 des Alten noch manchen Widerstand finden _, so beweist dies,welche entschiedeneBcwegung unter den Leitern unseres Armenwesens vorhanden ist. _ _
Wenn die öffentliche Armenpfleae 111cht eme ander; FW;! der freiwiüigen Liebestätigkeit ist, wenn 68 vielmehr eine Erfullunß offent- 1icher Pflichten darstelit, so ergibt sixb daraus eine Reihe von Fol- gerungen für die Organisation, die zunachst darin zum Ausdruck komrnen, daß sich das alte E(berfeider System als unzureichend erweist. Dieses System war eine Uebertragung der iin Aqfangs_ _des Vorigen Jahrhunderts ausgebildeten Form freiwilliger Liebestattgkeit auf die öffentliche Armenpflege, die so lange genugen mochte, als man sich nicht bewußt war, in welchem ungebsuren Umfange die modernen WkktsÖaftsvrobleme auf die Armenpflege einwirken, und solange man noch nicht jene umfangreichen, Verwtckelten armeypflegerischen Aufgaben vor sich batte, wie in den beuLigen Grbßstadten imd Industrie- zentren. Die Mängel ienks Systems hat 111 00171651th Form guck) der deutsche Verkin früher zugegeben, aber _daß zwiscbep der heutigen Armenpfiege und jensm System ein grundsqßlicber Widersyruck) vor- handen ist, der, mit jener erwähnten prakti1chen quulan911chkett der Armenpfle : verbunden, das System gerade als System uberlebt er- scheinen lä t,dies tritt innerhalb des deutschen Vereins zum ersten Male in den erwähnten Berichten zu T_age._ Jenes_System baute sich ausschließlich auf der Tätigkeit freiwiütger Helfer und Hzlferinnen axf. denen auch nach dem GrundgedankSn des Systems die e_igent- liche Entscheidung über die Höh; und _Art_ dsr Unterstuxung überlaffen bleiben solite. Konnt-Z 1ch0n_ 121116 Einigermgßen großere Organisatioa nicht mit diésem anarchistiscbsii _Prinztv arbeiten, so trat später das Bedenken bewor, daß freiwillige Helfer, die nur ihre Mußejeif der Armenpflege widmen, schon nirgends in génugeyder Zahl zu beschaffen find, noch weniger aber in genügend6r Q-1611t_at, urn aÜen jenen schwierigen Problemen der Armut _in 1111121201 Wirt- schaftsiystem und allen den bssonderen Hilrseiurtcbtun en 111 der Kranken- und Kinderfürsorgs 9211100111211 zu sein. Je me 1:_ vor aÜem das Nrmenwesen als .ioziakes Hiissiniiitnt: angesehen wird, um so weniger erschien es angebracht, gerade in Failsn vorüdkrgehender Not und Arbkitslosigkeit oder Krankheit der) Armen persönlich von einern seiner Mitbürger, einem Pflsqer, abhangig_zu machen und ibm die öffentliche Hilfe in 611121: Form zu gewabren, die der bridatsn Wohltätigkeit eigentümlich ist. Daher betonen Schwander und Klumker die Notwendigkeit, beruflich gésckhuite Pfleger für eine _ganze Reih? von FäUen zu benutzen und dadurcb 10 7016) und so sachgemat; Hilfe für: jeden Armeniail_zu sichern, wie 75 _beiderErfüiiUng ein27 öffentlicbxn Unter- iiüßungspslicbt erforderlich 615165131111. Diesen Yerufépflcgern saÜLn die schneil zn crledigenden und die schwixrigeren Faüe zu, wahrend für die freiwilligen Helfer, die nach wie vor ein wertvoues, unerseßliches Elem-Znt bilden, wesentlich die FälLe in Betracht_k0mmen, mo gerade der persönliche, tröstende und erzieherische Einfluß Von Mensch zu Menici) wünschenswert und nö:ig ist. Der Plan, den Schwander für die Reforxn des Armenivefkns d2r Stadt Straßburg in seiner genannten Schrift entworfen hat, gründet sich theoretisch auf jene moderne Aufxaffung der Armenpflsge, Praktisch auf diese Gleichstellung des beruflichen und des frciwilligen Armenxiflegers, eine Gleich- stekiung, die von dem Elberfeidkr System bisher abgelehnt wurde“. Für den _cchten Elbsrfeider Pflegsr ist e:; eine grundiäßlich zu Verwxrstnde Anicbauung, daß ein beamteter Pilsger neben ibn ge- steUt wird und daß jemand vermuten kann, ein gexchulter Pfleger, aus- gerüstet mit (Erfahrung und gutsr Vorbildung, könne ebenso gut Armenpflcg; treiben wie Ein Priwatmann, dcr ni? sick) mit diesen Fragkn befaßt hat, aber Freiwiiiigkeii und ein gutes Herz mit- bringt. Statt das alte Systemsch3ma dcr Armenpflege anzuwenden, das bald nur im Auslande noch seinen Rubin einiam genießen wird, hat Schwander Versucht, aus den gegebenen örtlicbkn Ver- hältniffen beraus ein eigknes Sviiem für seine Stadt zu entwickeln. Vor! eingehender Prüfung des Bestehenden axis gelangt er zu Liner Reihe 0011 Forkerungen, die dann der beionderen Neuordnung zu Grunde gelegt Werden, Von allgemeinem Intereffe iit darin, daß ails Armenkäil2 von Haus aus geschieden wcrden Zoiien in solche, die den freiwilligen _Pfiegern zu übergeben sind, ür deren besondere Fäbigkeiten gleich1am ausgespart werden soßen, und in solche Fäiie, die vom Amt und von seinem bzruflicbm Pfleger, „dem Erkundigungs- beamten', wie ibn Straßbrzrg nennt, erledigt werden soUen. In vielen Siücken lehnt fich dieie Ordnung an ähnliche Einrichtungen, in Colmar und Hamburg vor allem, an; in einem Punkte gebt fi? übxr al]: in erfreulicher Weise binauT: sie steÜt jenen „Erkundigungsbsamten nicht unter die freiwilligen flxger, sondexn gleichherexbrigt neben fie. .Was den Erkundigungs samten betrifft, so _iit (ein Posten von ansehnliéber Art und nicht geringer soztalsr Bedeutung. Man muß ibn fich kein_2§wegs als _einen untergeordneten Beamten geringeren Schlages, (ondern als 2111611 gebildeten, urteilsfäbigen Mann denkén, der besonders in 011611_das Armenwesen betreffenden Dingen ge_naue Kenntnime und vislsertige Erfahrungen bkfißt. er haben ein 1tarkeanteresse daran, d1s3 dieien Erfordxrniffen auch das Ansehen seiner äußsrlicbZn sozialen SteÜun-gdoil entspricht" Das isi eine Forderung, die neben der ganz s0c_,11c11nen örtlichen Anpxffung dieser Armsnordnuna einen Play 0111 Auszug neuer moderner Armenpfiégkochungen fiskern Wird- Damit i=t endgültig einem Gedanken zum Durchbruch yxxbolfen,_den bisher scbog mancher Mann der Praxis gehegt und gelegentlich befolgt hat, der Wo aber bisher noch nie so klar und entschieden in die Oeffentlichkeit wagte.
_ Straßburg hat schon einmal unter der Leitnng desselben Mannes aus denz Gebiet der Vormundschaft in _furzer _Zeit eine vorzügliche 11e_ue Einrichtung in der “('I-rufsvormunkichxit für uneheliche Kindsr (121451111211, die ebenfalls lange, vor (1116111 Von Dr. _Taube in Leipzig, ge_1ord2rt worden war. Man hatte fie bisher 011 gelobt, viclfach kritisiert. Sie in einer Weise nachzuahmen, die unter den gegrbenén örtlichen Verhältnissen etwas Neues schuf, war der Stadt Straßburg Vorbehalten. _ Nach dieskm schönen Erfolge ist sicher zu er- warten, daß auch die Armenordnung in einer Weise ins Leben tritt, die fie vorbildlich für _viele andeke Städte und auch für die Reformen der ländl1chen Arwenpflege machen wird. Man kann es naxh solchen Erfolßen verstehen, wknn ein Reccbsiander _bei der leßten Tagung des deutschen Vereins erklärte, mz_n soli: Elxaß LotbriWen nur die gesetzliche Grundlage des Armen- wejenZ geben, die im ' eiche vorhanden 111; dafür, daß sie in einer Vorbildlichzn und durchgreifenden Form aus efübrt werden würde, werde man im Yeickpslande schon sorgen. Na dem, was wir bisher gesehen haben, ut dies kein zu großes Versprechen.
Zur Arbeiterbewegung.
Y_m Mittwockxabend fand, _wie die .Voff. Zig.“ berichtet, eine ungewobnbch zahlreich besuchte önenxliäpe Versammlung der Photo- grapbengebtlsen un_d -geb.ilftnnen Berlins und der Um- gcgend, die 00m „Teui1cbcn Photographen;chilfenVerband' einberufen worden war, (takt. Zweck der Vsrsammlunq war, eine Lobnbewegung vorzubereiten um geregklte Lobn-_ und Arbeitsverbältniffe herbei- zuiubren. 27011 den etwa 1000 in dteiem Beruf in Frage kommenden Personen seren, irie' der Haurtredner ausfübne, fast immer 15 v. H. arbeitslos und infolgedessen die Löhne sebr gedrückt. Disse bewxzten fich zwischen 40 und 60 „46 monajlicb und die Arbeitözeit sei 1114111 unbegrenzt. In Dresden sei erst kürzlich ein Taiifoertrag zu- stande gexommen; ein derartiger Vertrag Werde auch hier angestrebt, und es fa_nden zu liefern Zwecke sta_t1stische Erhebungen über Lobn- u_nd Arbeitsverbäitniffe statt. In einer weiteren Versammlung soll ein Lohntarif aufgestellt werden.
_ Auch Bochum meldet die ,Rancstf. Ztg.“, das; wegen angeb- ltcber Herabseßung des Akkordlobns_ alle Walzwerkarbeiter des Walzwxrks 3 auf den Westfälischen Stablwerfen ihre Kün- digung eingereicht haben.
Wegen des Ausstandes ier Seidcndrucker in Crefeld (vgl. Nr. 7 d. Bl) den, wie die ,Rh.-Westf.Ztg.' mitteilt, die Fabrikanten fur unbercchtigt heilten, ist der Verband der Rheinischen Samt- und
Seidenfabrikanien zusamxnengetreten, um über eine eventuelle Aug, sperrung aller Textilarbeiter des Bezirks zu_beraten. Es würden über 20 000 Arbeiter kin Frage kommen. Zunachst sollen jedoch Schritte getan ___werden, um dem Ausstand ohne diese Maßregel ein Ende zu ma en.
M* Wetterbericht vom 19.Ianuar 1906, Vormittags 8 uhr,
RK
Witterungs- verlauf
der letzten 24 Stunden
Wind- richtung,
Wind- stärke
Name der Beobachtungs- station
“fand auf
1
elfius Niederschlag in
Wetter
eereSn dran und Schwerein 450Breite
TemÉeratur in 24 Stunden
Barometer 0 0 M
5 |Z
*-
Nacthiederschl, NegenschW RLM
Borkum . 748,9 NW 7 bedeckt Keitum . . 742,8 N 9bedeckt Hamburg . . 739.7 W 9 Regen Swinemünde 738,7 SSW 7 Regen 4,1.
Rügenwalder- münde . . 740,2 SSW 4bedeckt 36
Neufabrwaffer 741,6 S 5 bedeckt Memel . . 743,6 SO 5Regen 1,0 Aachen . . . 757,1 W Hbedeckt 2,8 Hannover . . 746,9 W 7 Regen 3,4 Berlin . . . 743,5 SW 7 bedeckt 6,3 Dresden . 749,6 SSW 6 balbbed. 6,9 Breslau . . 759,5 SW 5wolkia 7,7 Bromberg 745,1. WSW5 Regen 5 9 Meß . . 760,1 W 7 bedeckt 341 Frankfurt,M. 756,7 SW 6 wolkig 56 Karlßrube,V. 759,5 SW- 6 Regen 4,0 München , . 760,8 SW 7 bedeckt 2,5
57! .» » ©
_» Sd pax...- OOO
meist bewölkt Nachts Niederskhs anhalt. Niedersch[ RegM Nacme NacmeiLd-xrscb]: Nachm.Niedersch( meist bewölks M meist bewölkt Vorm. Niederichj, Vorm. Niederschl. meist bewM (77111161111va anhalt. Niederschl, (Kisi) anhalt. Niede1schi
(9711561077 1.111) Nachts Niedxrsckyl. (Üöujxsbgq 131.) Nachts Niederschl. (088861)
OBNNBPQW
Stornowav . 768,0 NNW 6bedeckt 2.8
bedeckt 5,6
1 1 86333
Malin Hsad 7 685 N Valentia . . 773.9 bedeckt 6,1 SciÜv . . . 769,1
Aberdeen . . 761,8
wolkig 7,2
wolkig 3,3 11118 6611111“
( RFJenschaFe):
(Grün!)?rZZcxbi.) Nachw.“)iiederschl. (1111111113118.,11213) Nachts Niederschl. (krisäricbshak) Nachts Niederschl-
(138111561130 Vorm. Nieder“ch1
Shields . . 760,1 wolkig 3,3 Holybead . . 766,2 Isle d'Aix . 766,5
St. Maibisu 769,1 N 7 halb bed. 8,3
wolkig 6,7
wolkig 8,5
Grisnex . 760,5 NW 6wolkig 4,6 Paris „ _ _ 762,3 W 3bedeckt 3,2 Vlissingen _ 757,6 WNW 5 wolkig 5,0 Helder , _ , 753,0 WNW5balbbed. 5,2 Bodoe . , . 751,1 N 5Schnee _1,2 Cbristiansund 753,9 ONO 1 Schnee 0,6 Skudesnes 749,9 NRW 4 wolkenl. 1,2 Skaaen . _ _ _ _
Vestervig . _ _ _ Kopenbaaen . 735,9 SW 3Dunst 2,61 Karlstad . . 746,5 N «L'bedeckt _1,2 Stockholm . 746,5 ONO 4 bedeckt 0,6 Wisbv . . 742,5 OSO 4Schnee 1.0 Hérnösaud _*7_5_0,0 WNW2valbbed. _7.8 Havaranda . 7459 NW 2 beiter _7,0 Rig: . . . 750,7 _SSO 1Schnee 0,8 Wilna 760,9 |S ] Schnee _1,4 _Pinsk 755.4 !SSW 2 bedeckt 0,9 Peterßburg . 751,0 SW 1bedeckt 0,5 Wien . „ 7596 Windst. bedeckt _1,1 ang . . . 1 754,7 SW 4bedeckt 56“ Rom . ! 765,5 N Lbedeckt 1,8 Florenz 762.4 S 3*bedeckt 6,8
3 7
(."![SQ'JF-SQ » dd
Cagliari . . 765,6 NW wolkenl. 6,0 Cherbourg Clermont . Biarriß
764,0 NW wolkig 7,0 ' 766,1 WSW4balbbed. 5,2
771,6 NW 5 bedeckt 10,0 Nizza _759,7 SW 1 halb bed. 5,1 Krakau . . . 754,0 OSO jbeiter 3,4
1 i 1 1 1 Lemberg . . 1 757,8 SSWL beiter 1,9 1 1 ] Z
Hermanstadt 764,8 S 1beiter _7,8 Triest 760,5 Windst. Dunst 4.8 Brindifi 766,2 W Livorno Belgrad
wolkenl. 6,3
, _ 762,8 SO
Helsingfors . 1 749,8 SW Kuopio . . .1 “- _ _ , Zürich . . 765,0 W 4bedeckt 2,6 Genf 1' 766,2 SSW4bedeckt 2,6
beiter 0,4 halb bed. _2,8,
3
762,2 S 5 bedeckt 11,8 2 1
Lugano. . .; 761.7 NW 1312115: 2,0 Säntis 555,1 WSW91Schnee _13,0 Wick. . . . 763,6 N 7'bedeckt 2,8 Warfchau * 750,2 SSW 3 bedeckt 2,8 Portland Bil]! 763,91NW 7 halb bed. 8,0
Ein Hochdruckgebiet über 768 mm befindet sich westlich 179" Irland, ein Minimum unter 736 mm bei ebmarn. Zn Deutsé“ 1and_i1t das Wetter, bei stellenweise siürmichen südwestlitbeu uud westlichen Winden, trübe und_ warm; allenthalben ist Regen 9?- fallen. _ -Windiges. etwas kalteres Wetter, vielfach mit Medek-
scblägen, ist wahrscheinlich. Deutsche Seewarte.
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zum Deutschen Neichsanzeiger und Königlich“ Preußischen Staatsanzeiger.
„72: 16.
Nr- 2 des „Ministerialblatts f_ür Medizinal- und medizinische Unterrichtsangelegenbettenz', heraus egeben im Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und MSdizmalangx egenbeiten, vom 15. Januar 1966, hat folgendan Inhalt: 1. Perwnasjem __ ]1 Allgemeine Verwaltungssacben: 1. Erlaß vom 22. Dezember1905, beireffend Ausstellung ärztlicher Atteste zur Beßründung von Anträgen auf Invalidenrenw; 2) Erlaß vom 30. DLFkMa-Lk 1905, bctreffend die Bescheinigung der ReisekOstensNdeungönachweise der Kreisärzte. _ 111. Fürsorge für Kranke und Gebrechiiche: 1) Fahrpreis- exmäßigunaen auf Eisenbahnen irn Jnxeresse der öffentlichen Kranken- pflege“ 2) Erteilung der Erlaubnis z_um Gebrauch des Roten Kreuzks. _ 117. Éeuchenbekämvfung: 1) Erlaß votzi 5. Januar_ 1906, betreffend die wöch6n11ichen Meldungen der Kreisgxzte ube_r die im Kreise vor- ekommenen Erkrankunqs- und TodeSiaUe_ an xbertragbaren Krank- ßeiten; 2) Nachrichten über den Stand Jemelngefabrlicher Krankheiten; 3) die Genickstarre in Preußen. _ 17. Gewerbehygiene: Bekannt- machung porn 28. Dezember 1905, _betreffend Ausnabmen von dem Verbote ier Beschästigung eigener Kinder unter zehn Jahren.
Land- und Forstwirtschaft.
Ernte Galiziens im Jahre 1905.
Der Kaiserliche Konsul in Lemberg berichtet unterm 5. d. M.; Jm Jahre 1905 herrschten in Ostgalizien im allgemeinen günstige Witterungsverbältniffe, sodaß sich die Gesamternte als eine durch- schnittlich mittelgute darstellt. _ _ _
Die Winterfrucht hat im ailgememen gat uSerwintert. Nur Raps wurde in einigen (Gegenden durch Frost stark beschadigt.
Was die Anbauflächen anlangt, so zeigt der Anbau_der Zucker- rüben und der Futterrüben eine stetige Zunahme. Dirier Zuwachs beläuft sich im Jahre 1905 im Vergleiche zum Vorjahre bei den
uckerrüben auf über 33 0/9, bei den utterrüben 0117 über 15 0/0. Die berfläche der Brache ist in stetiger bnabme begriffen.
Der Ernteertrag beim Winter- und Sommerweizen und auch beim Wintarro gen ist als gut 1111 be1eichnen. Eine gute Mittelernte haben auch ersée, Hafer, Mais, Buchweizen, Hirse, Lupinen, Kartoffeln , Zucker und Fujterrübkn gebracht. Sommerroggen, Wicken, Mohn und Anis lieferten nur einen mittelmäßigen Ertrag. Sch1echt fiel die Ernte in Raps, Leindotter und Erbsen aus. Lein und „Hanf 11.011211 eine ziemlich gute Ernte, sowvbl was dkn Samen als auch die Faier anlangt; in beiden war die Ernte bedeutend reicher als im Vorjahre. Tabak lieferte Eine gute Ernte, ebenso der Hopfen, soweit die Menge in Frage kommt. Das Kopfkraut ergab ebenso wie im Vorjahre einen schlechten Durchschnttt€ertrag.-Für die Futter- pflanzen war das Jahr 1905 bedeutend günstiger als das Vorjahr. Klee lieferte einen mittelmäßigen, Mischling einen guten Ertrag. Die Wiesen standen schön- Die Gesamtmenge an Heu übersteigt die Vorjäbriga um mehr als 40%.
Für die Landwirte in Westgalizien War das Jahr 1905 ver- hältnismäßig (.ünstigsr als die beiden vorhergehenden Jahre.
Das Ergebnis der Winterkornernte komu_1t zwar: nach Ménge und Beschaffenheit der vorjäbrigen Ernte_nicht gie1chx es ist jedoch iniofern ünitiger, als eine größsre Gleichförmigkeit in der (Ernte des
"mier: und Sommergetreides erzielt wurde. _ Die
ernte ift nicht schlecht ausgefallen, jedoch bat_ der
Schnitt nicht die erhoffte Menge ergeben; er zeichnet skb gber durch gute Beschaffenheit aus. Der zweite Schnitt ist der Menge nach gut ausgefallen, er hat jedoch infolacZ häufigerer Regengüffe und wegen der Verspäteten Ernte an Qualitat stark ge- litten. _ Die Futterernte war sowohl binsithlicky der Baschaffen- beit, als auch hinsichtlich der Menqe sebr günittg. Obgleich infolge der vorjäbrigen Dürre die Anbaußärße für Rotklee bedeutend „JSringer war, ist doch eine genügevde Menge Futter eingebracht worden, die vielleicht sogar den Bedarf übersteigt. _ _ _
Die Schotenfrücbte lieferten ein mittleres, Buchweizen, Hit]? und Raps ein mittelmäßi es Ernteergebnis. Die Hopfenemte fikl be- friedigxnd aus. Karto eln, Zuckerrüben und Futtermohrrüben brachten emen iehr guten Ernteertraq. „_
Die Ernte der Faserpflanzen, Lein 11118 Flachs, 111 im Vergleich zum Jahre 1904 besser ausgefaÜen, obgleich _der Lein in manchen Gegendkn infolge übermäßiger His: zu schnell reiste, sodaß der Samen nlchk aebörig ausgebildet ist. _
_ _Das Ernteergebnis der einzelnen Fruchtarten in Ost- und W611- 841111611 tm Jahre 1905 zeigt nachstehende Zusammenstellung:
Anbaufläche in Hektaren Ost- Wést- galizien aalizien
Ernteertrag in Körnern Ostgalizien Westgalizien
Weizen . . . . 353576 116624 4253375 (12 1256023 112 Roggen . . . . 424284 235 579 4452784 2481746 „ Gerne . . . . 225623 123116 2325557 1107819 „ f?r ..... 428 044 233 700 4031567 2328 302 , MW ..... 82630 25 1084910 179 , Hufe ..... 25035 6567 227470 Erbsen . . . . 49132 6408 402 882 BU-“ciweiien .. 62216 7387 519073 Kartoffeln . . . 344818 193643 45 572399 Kraut .... 15634 11576 1653035 Mengefutter . . 61337 13 572 1607094 Prerdebohnen . 30215 , 315104 2F***ILfruci1t . . . 2017 . taken . . . . 26027 5566 240813 '" 100392
9 479 1 208 ?“363' (77753 . 4 . 12 041 4 621 Faser Faser 84 846 19 656 „ :JYZ FW" 456 17 973 2 005 Faser Faser _ 118 385 9 584 Zuckerruben . 4 047 1 382 927 985 295 350
FrUchtgattung
60 412 „
66 226 .
25 212 512 (12 1 742 706 „ 236 393 .
20 567 111 56 006 , 16 961 (1:
utterrüben . . 15358 11743 3716 636 3587207 leebeu . . . . 187137 126 273 3 624 970 4 596 002 Hopfen . . . . 2342 834 12 692 2 957 Stroh , „ „ „ „ „ 34 865 000 20102 683 Grasbeu . . . 618 531 174 074 11 330 886 3 546 918 Kleesamen . . . 39 300 192 38 780 277 Jukxermohrrüben 961 . 332 562 _ uvmen . . . 7 926 671 86 931 58 039 111 176 814 117.
obn , , _ 8588 Möhren. . . é089 , Anis_ . . . . 297 3028 FPM. . . . .
lnen. . . .. 4639 39775 Tabak. . . . . 3441 . 40984 §1chorien . . . , 1'2 . Övbnen. . . . _ 8245 .“
1 551 29101
1368 117. 66592 111
83 054 111 *
Ziveite Beilage
Berlin, Freitag, den 19. Januar
1906.
Anbauflächen Grqßbritanniens im Jahre 1905 unter besonderer Berücksichtigung des Getreideareals.
Nach der vorläufigen amtlichen Statistik über die ?(!„ndwikislbaft Großbritanniens waren im Jahre1905 (unter gleichze1txger Angabe der Ziffern für 1904 in „Klammern) von dem gesamten, 56 787 669 Acres betragknden Areal des Rsicbs 32286832 (32 317 610) Acres kultiviert, einichiießlicb der zeitweilig oder andauernd mit Gras_ be- standenen Flächen, obne Berückficbtigung der Gebirge; und H21den. Hiervon entfallen mehr als 20 Millionen Acres au! Graéiläiben, denn mit Klee und (53:06 im Futterwechsel Waren 4477 520 (4 671495) Acres und mit permanentkm Gras 17 200494 (17 098 056) Acres bedeckt; von leßterer Fläche werden aUerdings nur 4688520 (4 765 403) Acres zum Heumacben verwendxt.
Das brachliegende Land umfaßte eme Flätbe von 349 313 (432 690) Acres. _ _
Die mit Getreide oder sonstigen Vodenfrucbten bestandenen Flachen
hatten folgenden Umfang: _ „ Anbauftachen m Acres gegen 1904 Fruchtarten 1905 1904
+ mehr Weisen ...... 1 796 985 1 375 284
(Gerste ...... 1 713 664 1 840684 fer 3 051 376 3 252 962 oggen 62197 55 714 Bohnen ..... 254 765 252 782 Erbsen ...... 175 235 175 608 Kartoffeln . . . 608 471 570 209 Steckrüben . . . . 1 589 273 1 604104 Mangold ..... 404 123 398 827 Kohl 67 758 64 607 ' 17 587 15 607 93 881 97 772 136 429 128 229 53 410 55 724 106 120 100 947 441 563 48 968 47 799 1 169 78 822 ' 77 947 875.
(ckFr101111111'81 KSturUZ 01' (Z'rl'Skk 131106110 1905.)
1 983 373 38 262 14 831 5 296 3 151 1 980 3 891 8 200 2 314 5 173 122
Luzerne ...... Andere Bodenfrüchte Flachs ......
opfen ...... * eerenobst
++1+1+1+++1+1++
Gesundheitswesen, Tierkrankheiten und Absperruugs- maßregeln.
Gesundheitsstand und Gang der Volkskrankheiten.
(Aus den .Veröffentlicbungen des Kaiserlichen GesundheitsamtS“, Nr. 3 vom 17. Januar 1906.)
Pest.
Portugal. Von portugiesischen Zeitungen wurde zu Bxgiim der zweiten Januarwoche mitgeteilt, daß in F unchal neuerdings mehrere Erkrankungen und Todesfäae an der Pest vorgekommen _1eien, und daß am_ 3. Januar dort 15 pestkranke Personen sich im Ho1p'1tal befunden _baitßn. Die von der Re ierung ergriffénen Absperrungs- und DeSrnfekanSmaßregeln sollen eit dem 5. Januar zu Wider- seßlicbkeiten und Unruhen unter der Bevölkerung geführt haben.
Yritiscb-Osiindien. Während der am 23. Dezember ab- gelaufenen Woche sind in der Präsidentschaft Bombay1078 neue Erkrankungen (und 725 Todesfälie) an der Pest zur Anzeige gelan t, davon je 13 9) in der Stadt Bombay und im Stadt- und Hafengebiet von arachi und 1 (1) im Hafen von Broach.
bina. In Niutschwang sind _ zufolge einer Mitteilung Vom 21. Noyember_seit dem 29. Okrober 1). J. keine pestverdächtigen Erkräpkizngen mebr vorgekommen, nachdem inSgesamt 2 Japaner und 8 (6511121211 der Pest erlegen waren. Von den seitens der japanischen M11_itarVSrwaltung ergriffenen Maßnahmen gkgen die Seucbs sei noch erwahnt, daß nicht nur für Einlieferung jeder toten Ratte eiye Belohnung Von 10 Seri (= 20 „Z) gewäbrt, sondem dabei auch Losnummern verteilt wurden, deren Ziehung von Zeit zu Zeit untxr _ Ausseßung Von Geldgewinnen bis zu 100 Yen stattfand. Aus dte_se We se in es gelungen, die allen anstéckenden Krank- heiten gegenüber 1857 sorglose chinesisch“: stölkerung „zur Mitwirkung bei AUIrottung der Pestträger heranzuziehen. Um ferner das Volk bei guter Stimmung zu erbaltcn, wurden an die in den Absperrungs- bezirken eingeschloffenen Personen, unter Hkranziebung der reichen chinesischen Gilden, Unterstützung in Geld sowie tägliche Rationen von Reis Verteilt; Besißer von Häusern, deren Zerstörung sicb nötig _ machts, wurden besonders _entschädigt; wer sich bei der thnigunq und Desinfektion der Häuser beteiligte,_ wurde mit 50 Seniazlich bezahlt“ die Hinterbliebenen einzelner Opser erhielten ein Troljgeld. Durch 1011170 Maßnahmen wurden Unruhen unter der chinesischen Bevölkerung Vsrbütei, die Seuche blieb auf ihren Herd beschränkt, und der Hafen konnte bcrxits nach kaum einem Monat _ noch yok Schluß der Schiffqbrt _ am 9. November von den japanijchen Behörden unter Zustimmung des Konsularkorps für pest- frei erklärt werdsn.
Japan. Gegen Ende November 11. J. wurden in Kobe und Osaka fast täglich neue Peijsälle gemeldet; im ganzen waren seit Ausbruch der Seuche bis zurn 30. November in Kobe 53 Erkrankungen (und 36 Todsssälie) fLstgeitellt, in Osaka 41 (etwa 30); Ausländer 1110an bis dahin verschont geblieben. Zur Bekämpfung der Seucbs sind durch Kaisxrliche_Verotdnung besondere Beamtx: besteüt wordkn, und zwar für die Prafckturen HWY (Kobe) und O_iaka je 3 böbere Sanitätsbeamte, 90 Aerzte, 5 chreiber, 90 Aussichtébeamte. Unter anderem find_gründliche und aligemeine Desinfektionen der beiden infizierten Stadte beschlossen worden, zu deren Durchführung bedeutknde Gsldmittel _ in Kobe vorlaufig 60 000 Yen _ von den Stadtverwaltungkn bereit gesteüt worden sind.
Neu-Caledonien. Mitte November v. I. war im nördliLen Teile Von Neu-Caledonien die Pest aufgetreten, wgs zu gesundheitli en Vorsichtsmaßregeln gegenüber den von Numea eintreffenden Schiffen im Hafen von Sydney Veranlassung ab. Zufolge einer Mitteilung vom 2. Dezember war die Seuche be 4 Personen in der Zeit vom 7. bis 20. November festgestellt worden.
Pest und Cholera. Britiscb-Ostindien. In Kalkutta starben in der Woche vom 10. bis 16. Dezember 21 Personen an der Pest und 61 an der Cholera. Cholera.
Rußland. Jm Gouv. Lomza sirid vom 31. Dezember bis
3. Januar 5 Erkrankungen (und 2 Todestalle) an der Cholera fest-
esteUt worden, davon 3 (1) im Kreise Ostrow,„1 (1) im Kreise
akow und 1 (_) im Kreise Lomza. In der Stadt Warschau sind bis zum 18. Dezember 9 Personen erkrankt und 5 gestorben.
Gelbfieber.
Es gelangten zur Anzeige in Rio de Janeiro vom 6. bis 19. November 10 Erkrankungen (und 5 Todesfälle), in Havana am 14. und 15. Dezember 17 (1), in der Provinz Matanxas (Cuba) vom 14. bis 17. Dezember 3 (0), in der Provinz Santa Clara (Cuba) am 5. Dezember 1 (0), erner in Honduras 5 (0), und zwar
in Cboloma vom 22. Novxmber bis 2. Dezember 2 (0), 'm in Umgebung Von Puerto Cortez 130111 2991052111567 bis 5. DGZMK: 1 (0) und in San Pedro vrm 22. N006mb€r iiZ 5. T-xxembkr 2 (0); in der Start Mexiko 02111 25.2100275537 b:5 2. D?- zember 1 (1), in Tebuarxtérkc vom 10. S&temeräbi 2. DezZmber 1 (0); enklich in Buenos 211768 bis zum 30. 365 tember 57 Toixsfäile und in Gubaauil vom 15. bi? 28. NTVLNZK 3 Todesfälle. Pocken.
Deatfcbes Reick). Für 'die W015? 00111 7.bi§_13.J:11-111;rr *"13d in Steffenswalde (Kr. Osterode, Reg.-Bez. 2111611116111) _1 115: Mr die Vorwoche in Ostaxzewo (Kr. Löbau, Neg-Bex. M;:UMTFTTST) 2 Pockenfäile gemeldét wordkn.
Fleckfieber.
Oesterreickp. Jn Galizikn find in der Zeit“ 173751 24. bis 30. Dezembér 18 Erkrankungen (darunter 1 in der “Stadt Lembxrg) gemeldet, Vom 31. DLZSMÖU 518 6. Januar 54.
Verschiedsne Krarifbeirxn.
Pocken: St. Peterébyrg, Wariciyax: j: 3 Tbkséiäli-z; PariZ 13, St. Perersbura 10 Erkrankungen; Varizklién: N;";rnbkrz 45, Budapest 39, New York 206, Prag 32, Wixn 135 EkkkäUkUNZSR; ?leckfieber: Warschau (KrankknbäUs-Zr) 2Erkrankungen; R11 ckfali- ieber: Moskau 2, St. Pst-erburg 3 Todeliäile; Sr. Petersburg 78 Erkrankungen; Gentckstarre: Hamborn 2, New York 15 Todesfälle; Neg-Bezirkk Düffeldorf 10, PKW 2, 91712 York 15 Erkrankungen; Milzbrand: Hamburz (KrankénbäUiEr) 2 Er- krankungen; Rotlauf: Wim 26 EkkkäUkinén; Influenza: Berlin 7, Amstérdam, Antwerpen js 2, 2011705 15, Msskau 2, Nsw York 5, Paris 2, St. PSTSTÖÖUTJ 10 TochZäUs: Nämbxrz 20. Ham- bng 11, Kokenbagen 72, Swckbbim 10 Erkxankurxgex: Jungs.",- entzündung: Reg-Bez. Arnsberg 55, Nürnberg 28 EkkkIUkUUIén; Krebs: Berlin 44 T0de§5äliex Ankvlostomia1is: Reg.-Bez. Arnsberg 9 Erkrankungen. _ Msbr als ein Zebntel alier Gestorbenen starb an Scharlach (Durcb'cbnitt (11161: deutschen Berichtsxrte 1886 95: 0,91 0'5): in Altsnburg, Danzig, Warschau _ Erkrankungen 73171611 zur Meixxng in Berlin 26, Budapest 33, Cbristia5ia 21, 85117011 (Krankmbänikr) 291, New York 170, Paris 49, Sr. PöterskUrz 91, Swckbrlnx 49, Warschau (Krankenhäuser) 37, Wikn 70; 722,3. an Maxern und Röteln (188695: 1,15%): in 2329111211, Heilbronn, Pforszxm _ Erkrankungen wurden anzezeigt in 2371351611 44, Nürnberg184, meburg100, Budarest 150, Kovxnbxgen 35. NchOrk 764, Paris 314, St.Pstersburg 62, Wién 142: deLgl. an Diybtberie und 611151) (1886/95: 4,27 0/0): in Halberstadt _ Erkrankangen kamen zur A5- 12192 in Bérlin 37, Hamburg 27. erdavést 21, Cbriitiania 58, London (ernke'nbäuier) 92, New York “300, Paris 70. St. thkrs- burg 82, Stockbolm 23, Warschau (Krankenbäuskr) 26, W165 118; des,]l. an K2uchbusten in Karlérube _ Erkrankungxn wxrren ,:e- meldet in Nürnberg 52, Hamburg 42. KODMÖQZM 57, W1211 94; fkrner rvurdkn (Erkrankungen angkzeigt an Tvpbus in Nsw York 72, Paris 34, St. PLTLTIbng 76.
China.
Das Kaiserliche Generalkonsulat in Scham,;ioai bat die ge!" und - beitsvolizeiliche Kontrolle der aus Kan_ton 1061111512211 und die Häfen von Woosung und Schanghai anlausknden deut__s)chen Seeschiffe wieder aufgehoben. _ _ _
ie Einfuhr von Lu_mpen, altem Papier. _Sargen mit LelÖFn sowie von trockener und skuchtcr Erde aus Kanton ist arxcb fernerhin verboten. (Vergl. .R.-Anz.“ vom 16. August 0. I., Nr. 192.)
Das Kaiserliche Generalkonsulat in Schangbai bat unterm 11. Dezember 11. J. angeordnet, daß die 511931052 kwmuxenden und die Häfen von Schanghai und 213001an anlaufenden deutschen Seeschiffe der ge1undbeit§polrz€iiich6n Kon- trolle unterliegkn.
Handel und Gewerbe.
(Aus den im Reichsgmt des Innern zuswmwxngsüeilnn „Nachrichten für Handel und Induytrre'.)
Bau neuer Eis_enbabnen in den 111311 erworbenén afrikantichen Kolonien Englands.
Der Bau neuer Eisenbahnen wird neuerdings in dkn bsiden neuxn Kolonién Englands, der Orange Ri06r Colony und dem TranSbaal. sebr emsig bktrieben. _
In der Orange River Colom) ist die Linié ron Betblebkm nach Moddrepoort mit einst Länge 13011 106 Mkilen im Bau begriffsn. Ein? Zweiglinie läuft 00:1 Moddrapobr! na_ch Larvbrand. Die!: kurze Linie, 66 Meilen, iit ebenso wie die Mayerulinie, di? 164- Meiisn lang ist und Basutoland in Verbindung mit Bloemfontein bringt, der Eröffnung yabe, des,]leichxw die kurzen Anichlußbabncn Svring- TZZteZ__lJa)gerssontein_Fanre)mttb (86 Msileu) und Dovew-Parvs .." et 71: .
Jm Transvaal ist die wichtigste Linie, KierkNorp-Fourteen Streams. die unter einem Abkommen mit der de Beers Ges2lischaft gebaut wird, nabe der Vollendung. _Pie Schienen soUten bkréits am 15. Nodember 1). J. gelegt sein. Dieke Linie wiÜ Johannesburg mit Kimberley in Verbindung bringen. Die Entfernung zwischen dem Witwaterérand und Kiwbcrley wird durch diese neUe Linie bis auf 308 eilen verkürzt werden, und es beitebt die Abfieht, einen Zu ' n 13 Stunden auf der Strecke laufen zu lassen, wäJrend jeßt der Zug über De Aar 34 Stunden braucht. Auch Kapstadt wird auf diese Wxife 4 bis 5 Stunde!] dcm WitwaterSrand näber gébracht. Eine Zwetglinie verbindet dikie Linie bei Eastlsigb Junction über die neue Milner Bridge mit den Koblenbetgwerken in Vikrfontein und Groenfontein in der Orange R1ver Colony. Es besteht die Hoffnung, daß diese Zweiglinie später an Kronstadt an- geschlossen wird, und daß der westliche TranSvaal mit Durban via Bethlehem und Harriimiti) in Verbindung gebracht wird.
Im westlichen Teil des Transvaal wird weiter die Sektion Krügersdorp_Kleinfontein der Linie nach Zeerust voraussichtlich demnächst in Angriff aenommmen werden. Das Material ist bkstellt und wird in einigen Monaten erwartet. Die Linie schlieth die frucht- baren Gegenden des Hekpoorttales und die südlichen bbänge der Magalies- und Witwatersrandberge auf. Bei Eröffnung der ganzen Linie bis Mafeking oder einem anderen Anschluß der Rbodesiabzrbn wird die Entfernung nach den Viktoriafällen auf zwei Tagereisen
„abgekürzt.
Auf der Sektion Pretoria-Krokodil River der Rastenburg- Eisenbabn sollen demnächst die Schienen gelegt werden, und der Er- öffnung einer 21 Meilrn langen Teilstrecke wurde fur Januar d. J. entge engesebxn.
m Osten des Transvaal ist gleichfaUs xia erheblicher Fort- schritt zu verzeichnen. Die projektierte neue Linie nach Delagoa Bay st etum 123 Meilen von Springs n_ach Kupsiapel gebaut worden. Dort wird e einstweilen enden. Wetter ist_m1t dem Bau der Saft Rand_Wit nk Linie begonnen worden, die 68 Meilen lang _ift. Das Material wird in Delano? Bay abgeliefert. Durch diese Lmie werden die Kohlenfelder im Middelburg Distrikte eWa 30 Meilen
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