1886 / 41 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger, Tue, 16 Feb 1886 18:00:01 GMT) scan diff

größerer Zahl (7 Todes- und 20 Erkrankungs älle) zur Berieht- erftattung. _ Aus St. Petersburg wurde an Todesfall, aus Nürnberg und aus dem RegierungsbezirkMaxiemverdxr je 1 Erkrankung _ an epidemiscber Genickstarre gemeldet. _ Das Kiydbettfieber wurde seltener TodeZveranlaffung (aus den deutschen Stadien wurden nur

13 Sterbefälle mitgetheilt). _ Der Keuchbusten veranlaßte in Berlin-

und in den größeren englischen Städten (London,- Dublin, GlaSgow, Liverpool) mehr Sterbefälle _und m Hambur und Koxxn- hagen“ viel Erkrankungen. _ Zocken zeigten in Wien, YM, Zurich eine Abnahme, in Budape t, Paris, Venedig. om Ende Dezember) eine Steigerung der Sterbefalle. Aus Stuttgart, Liverpool St. Petersburg, Warschau, Odeffa werden einzelne Todes- fälLe an Pocken gemeldet. Erkrankun en „an Blattcrn kaznen aus London, St. Petersburg und aus dem themngsbezirk Marienwerder mehrfach, aus Wien und Budapest noch 1xnmer in größerer Zahl zur Anzeige. _ Jm spanischen Hafen Tarifa wllcn vom 22. bis 27. Ja- nuar 42 Erkrankungcn an Cholera mit 17 Todesfällen vorgekorxrrrxen sein. _ In Douarnenez (De artcment Finistdre) ist die Epidemie tm Erlöschen. Vom 22. bis 29. „anuar wurden daselbst 76 Erkrankungqn mit nur noch 3 Todesfällen amtlich emeldet. In Kalkutta trat die Cholera int Dezember wieder in grö erer Ausdehnung auf.

_ Die Nr. 353 der „Mittheilungen der Großherzoglicb hessischen Centralstelle für die Landesstattsttk bat folgen- den Inhalt: (Geborene und Gesiorbcne, Geburtsziffn und Sterbeztffer in den Kreisen dcs GroßbHeffen 1863 bis 1884. _ Handwerer-Fort- bildungsschulen im Großb. Hencn 1884_85_. _ Ergebnisse "der nichtstreitigen Gerichtsbarkeit im „Großb. Hemen 1883. _ Tagl. Wasserstände April, Mai und Juni 1885.

Kunst, Wiffensrhast und Literatur.

Das Februarbeft 32. Bandes 1886 von Peteruiqnns Mittheilungen aus Justus Pertbes' Gcog_rapbt1cher Anstalt“ bringt dc'n Schluß der anziehxtxd geschrtebenen Arif- zeicbnungcn am? dem Tagebuch drs ForschungSrrUrndcn Edugrd Glajxr über seine in der Zeit vom 24.Apri[b1s1. Mai 1885 quSgcfnbrie Rerse von Hodeida nacb San'ü in Südarabien. Dem Aumaß smd Bemerkungen zu der im vorhergehendrn Heft mitgetheilten Kczrtcnsktzze beYefugt. _ Dann berichtet H, Rink über die neueren damscben Untersri _ ringen in Grönland. Dieselben sind im Jahre 1885 durch zwci Expeditionen fortgesexzt wwrden: nämlich eine unter der Leitung des Li'eutenaiits Jeiisen, nac!) drm mittleren Theil der Westküste, n'abrsxid die andere, schon seit dem Jahrc1884 in Grönland befindliche und fur dtcOsterstc bestimmte jetzt nach glücklicher „Löiung ihrer Aufgabs zuriick- ekebrt ist. Diese bestand hauptsachlich in der B'cstimmun der

ge und Ausdehnung der alten skandinavischen Kolomcn. Na. dcn Er, ebniffcn, Welche Lieutenant, jetzt Kapitän Holm von der Os'tkustc'des rät selbaften Landes zurückgebracht, bätte man nunmehr dennoch die Rumcn im Distrikt Julianebaab als die Rxste dcr altri! „Oesterbygd“ anzu- sehen. Ebenso Hat Lieutcnant Jemen die_Rumcn der „Vcstcrbygd“ aufgefunden, beide Reisenden babenalso die außcrstcn Grenzgegcnden im Osten und Westen der einst so spurlos aus der Geschichte Ver1chrriun- denen Niederlassungen erforscht. Der Aufsatz ist m deni vorlrxgrnden Heft noch nicht abgeschlossen. Die beigegebenc Karte bietet eine Skizze: von König Christian 1)(.-Land, aufgenommen von Holm, sowie aquebcn- karten eine Uebersichtsskizze von Grönland und dem König-Oskar-Hafen. _ Dr. H. Radda in Transvaal beschreibt das Kaffernland dcs unteren Olifant un läßt dabri über die Bocrn sebr batte Urtberle einfiie en. Die dazu gehörige Karte des unteren Olifanx-Brckcns (dcr südafrikanischen Republik) ist mit bciondercr Berückmchtigung dcr ethnographischen Verhältnisse cntrvorfen. _ Dr. P. Andries unter- sucht in einem sehr interessanten Aufsatz die Ursachen der zuncbmendcn Blißschläga Der Verfasser schickt die statistisch cmnescne Thatsache voraus, daß die Zahl der BliYckUäY in den chien 50 Jabrrn be- deutcnd gewachsen und in man en egenden um das Drei- bis Fünf- fache gestiegen ist. Auf das Jahr und 100000 Gebäude bczogrn, kamen durchschnittlich auf231änd1iche nur 13 städtiscbe vom Blix; getroffene Ge- bäude (dagegen Mühlen 1442 und Kircben 452). Nack) Prof. Von Bezold ist in Bayern die Blißgcfabr Von 1844 bis 82 um das Dreifache gc- stiegen' nach den Akten einer Lübrckrr Jener-Versicherniigsgesrllschaft bat fi diese Gefahr _in den letzten 50 Jabrct) Verfünffacht und nach der Statistik bon Holy ist sie für ganz Deutjcksand von 1 auf 2,75 für die Zeit von 1854 bis 1877 civachscn. Aebnlicbe Zunahmcn ergeben sich für andere Länder. acbdcm er die verschiedenartigen Meinungen über den Grund dieser Erscheixzun aufgeführt, stellt Andries seines Tbeils folgende Ansicht auf: Die auptqucüe der Ge- witier-Elcktrizität sci _die Reibung zwischen L_uft uno Eisnadeln, zwischen Luft und Wasierkügelcbrn, ziviscbcn Wasikrdampf und Wasser. Wirken außerdem noch Staubtbcilcben mit, so Werde dadurik) die ElektrizitätsEntwickelung sebr gesieigcrt, wie dies die Gewitter bci ankanaußbriiÖen betreisrn, Wl) neben dem Wasterdampf auch feine Aschenbestandtbeike maffrnbast ausgeworfen Werden und die Gewittrr einen besonders heftigen Charakter annehmen. Dazu komme nun aber ferner aucb noch eine Wirbelbewrgung, also eine rein mechanische Ursache, welche diese Reibung noch bei Weitem intenfiVcr und wirksamer _mackye. Da nun unsere Atmosphäre jeßt in Fol e der vielsn Fabrikjckpornstcine, Lokomotiven ?c. Weit mebr mit feir1en fZkkcmcb- und Staubtbeilchen an efiikit sei als in frühcrenJaHr- zehnten, diese Stäubcben aber ducm dic Rribung selbst e[cktrisch würden, so müsse in Folge der größcrcn„Leitungsfäbigkcit der staub- baltigen Luft auck) drr elektrische Funke mel öftcr als früher aus der GewitterWolke nach der Erde überspringen als yon einer Wolke zur andern. Eine Weitere interesante Frage, xvelchc mrt_der eben vcnti1irten in engem Konnex steht, sei die, ob sich,nxcht auf dicselbe Weise die in den leßten 50 Jahren konstatirte auffälbge Zunabxnc der Nordlichter an Zabl und Intenxität erklären lassen dürfte. Die Nordlichter sind erwiesenermaßen lu _telektriscben Ursprungs, und die viel größere Häufigkeit dicser Er1cheinungen auf der stauberzeugenden und staub- erfiillten nördlichen Erd-Halbkugel im Gegensatz, zu den Mit sthCNLr beobachteten Südpolar-Licbtrrn scheint dirsrr Theorie eine Stütze zu bictrn. _ In dem SYLWPM 811M_011atsbericht wird 11, a. eine Mitthei- lung von Dr. . von endenfeld in Sydney Wröffcnflicbt übrr den Verlauf der Exprdition, Welcbe im Jimi 1885 von der australiscben geographischen Gesellschaft nach Neuguinea entsandt Worden War und am 3. Dezember glücklich nach Sydney zurückgekehrt ist, nachdem man, über ihr Schicksal in nicbt cringe Bcwrgniß eratben, bereits eine Hülfsexpcdttion auSgerüstet attc. Der Verfassxscr spricht fick) über die Ergebnisse der Unternehmung nicht eben günstig aus und erklärt, dieselben entsprächen, dsn Kosten von einm 70000 „Fü, Welche die australischen Kolonien darauf verwandt haben, keineswegs. Die Schuld daran legt er dem Führer dcr Expedition zur Last, welchcr, um nach dem Hochlande „zii gelangen, den Fly River, dcn Weitesten Weg von der Küste dorthin, grwählt habe. Die Expedition habe ferner gelehrt„ das;. das Land und die Natur- produkte dcr Fly - Ebene keine1z_ praktischen Werth [)ättcn. _ Mit dem ncurn, 32. Jabrgqngr ,111 übrigrns eine Aenderung in der äußeren Anordnung der Zeitschrift vorgenommen worden, welche als wiÜkommen brgrüßt wcrden m_uß. Die umfangreicbcn Berichte über die Erscbeinungcn der gcograpbtichen Literatur, welche zum großen Theil unter Mitwirkung der hervbrragcndstry Fachgelebrten bearbeitet werden, sind nämlich jext durch eigene Yagmtrung von den Aufsätzen der Hefte getrennt worden. Am Schlux; drs Jahrgangs wird der Leser somit eine zusammenhängrndc(Uebersicht über die wichtigercn geographischen Aufsäße, Werke und Karten in Händen haben.

_ Nr.4 der Wochcnscbrift „Das neue Berlin' Von Paul Lindau (W. Spemann, Berlin und Stuttgart) hat folgerxden Inhalt: Berlin und seine Verwaltung. ]. (Fortsqung) _ ,Ab1eits von der „Gesellschaft“. Von Max Kretzer. _ Die alten Werden von Berlin. Von Ernst Friedel. _ Mein nrrvöyer Onkel. Von Ernst von

Wildenbruck). ( ortsetzun .) _ Bühne: Richard Voß: „Treu dem

errn“. Von 5 dolf (Hafer. _ Adolf L'Arronge: „Die Lorelei“. on Paul Lindau. _ Johann Strauß: „Der Zigeunerbaron“. Von J. L. _ Aus dem Concerisaal. Von Martin Roeder. _ Vormerk- alender. _ Inserate.

Laud- nnd ForWschaft.

Washington. 15. Februar. (W. T. V.)" Ein_Spezialbericht des landwirtbschaftlicben Departements fcba t dert Ertrag der Baumwollenernte auf 65 Millionen 'BaUen'de _Etnerntung it 9 Tage später als gewöhnlich erfolgt. Dtc Quafitat „tft an dxr

üfte des Atlantischen Ozeans geringer als un vongen_ Jabre außgefallen; dcr Fasemcrtraq ist, mit Außnabme der „begunsi ten Gegenden westlié) vom Misfisfippi, unter drm Durchschn:tt geblteteu. Die Quantität, welche am 1.Februar noch in den Plantagen verblieb, bildet 1/5 des ganzen Ernteertrags.

Veterinärtvesen.

Der Königlick) ungarische Minister für Ackerbau :e. bart sicb veranlaßt gesehen, die Einfuhr von Borstenvieb aus Numantxn nach Ungarn durcb Verfügung vom 29. Januar 1886 bedingungsweise wieder zu gestatten.

Gewerbe und Handel.

Dem bereits erwähnten. von dem Finanz-Minifixriumder Republik Mexiko? (Iserstaria (16 Uaaienäa )* ()réäitq 131119100) in spanischer Ueberscßung veröffentlichten Bericht über_dte Handelsbewegung_des Jahres 1884, welchen das SchaÄkretartat. der nordamerrkamjcben Regierung drm Kongreß vvrgele t 1, sind die nachstehenden'Arzgaben über den Handelsverkebr * exikos mit den Vereinigte)! Staaten von Amerika seit dem Jahre 1868 entnommen.: Die Einfuhr Mexikos von den Vereinigten Staaten ber zetgi m dem Zeitraum von 1868 bis 1880 nicbt geringe Schivankungen. Sie betrug dem Wcrtbe nach 1868: 6441339 Doll., 1869: 4883107 Doll., 1870: 5859700 Doll., 1871: 7612113 Doll., 1872: 5543 589 Doll. 2c., stieg dann Von 7866 493 Doll. im Jahre 1880 bis auf 16587 620 Doll. im Jahre 1883, und ging darauf im folgßndm Jahre wieder auf 12- 704 292 Doll. [)emb. Die'Ausfxubr Mexikos nach den Vcreinigirn Staaten Weist cin ziemllxb stetiges Wackpstqu von 1590 667 Dokl. Werth im Jahre 1868"th 9016486 _Doll. im Jahre 1884 auf. Im Jahre 1884 (das mexika11iyche Etatsxabr lauft vom 1. Juli bis 30. Juni) brwcrtbctc fick) die gesammte „Fandelsbewe ung zwischen Mexiko und Nordamerika auf 21720778 Do _.,_ oder 1,4 0/0 des gesammten auswärtigen Handelsverkebrs der Vereint ten Staaxcn. _ In dem Dezennium 1874_1884 betrug der m1tt crc_1abr11che Wertb dcr Ausfuhr von Mexiko nach'_det'1 Vcrrtntgten Staaten 6 745 706 Dollars, der Werts) der 1abrltchen Einfuhr v_on dort nach Mexiko andererseits 16331358 Danrs. _Durchschnttil1ch hat sich die jährliche Handelsbcnwgung zwischen betdan Landern in dem angegebenen Zeitraum im Ganzen um 11,10% gehoben, und zwar die Ausfuhr von Mexiko nach dcn Versmtgien Staaten um 7,42%, die Einfuhr aus den leßtcrcn nach Mexiko um 12,14 9/0. _ Im Jahre 1884 waren die mexikanischen Haupt-Ausfuhr- Artikel im Handel mit Nord-Amcrika die folgenden: Lebende Thiere (Werth: 959 467 DM.), Färbbolz (158 523 DM.), Gumnnbarz (96062 Doll.), Vanille (341676 Doll.), Flackps, nf, Jute und andere Pflanzenfasern und daraus gefertigte Waaren (.- 874 839 Doll.), Nüsse und andere Früchte (69637 Doll.), kostbare SXeme und Imitationen, obne Fassung, (62 672 Doll.), Zuckerö(252-2 Doll.), Gemüse (27 805 Doll.), Wolle, unverarbettet, (37 648 Doll.) und verschiedene andere, nicht näher bezeichnete Erzeugnisse (137 4-99 Doll.).

_ Der Aufsicbtskail) derBerliner KaJmmgarn-Sprnnerex, Schchdy & Co., hat beschlossen, drr Generalvcrsammxung dix Vertheilung einer Dividende von 1§0/o : 5 „44 pr. Aktie _ bei üblichen Abschreibungsn“ _und angemeffcnrr Reservestellrmg auf Dclcredere-Conto _ vorzuschlagen. _ .

_ In der außerordentlicben Gcncralberjammlmxg des PNY:- schen Leibhauscs, Vom 13. d. M., Wurden die von der er- waltung vorgeschlagenen Statutenänderuxigen gmebmrgt.,

_ Dem Geschästsbericht des Aktien-Bauvereixis,„1]nter de n Linden“ entnehmen wir Folgxndes: In den Verbalttitffen der Gesellschaft sind während des Geschaftsigbres 1885 jchsentlicbe Ver- änderungen nicht eingetreten. Die Mietbscrtrage xveifenxme _Ver- mebrung von roc. 22.00.46. gegen das Vorjahr aiif; sammiltcbeRaume smd Vcrrnietbct und Mietbsrückstände nicbt verblieben. Piescbniebctide Schuld, Welche Ende 1884 noch 77 830 5-4 betrug,_vemngerxe sich im Laufe des Jahres 1885 durch Rückzablngen aus „eigenen Mitteln der Gesellschaft auf 55 633 4/46, worauf inzwischen Zvertere 9000 «zuruck- ezablt wvrden find. Die jährlicben Ueberschuffe tyurdcn bisher zur Dcrringernng dcr Untrrbilauz verbucht; den' Vorfcbriften des Geseyes vom 18. Juli 1884 entsprechend, wurden m der dicSMaltgen „Bilanz Von den Ueberscbiissen des Jahres 1885 nur 33964-Mzur Verkleinerung der Unicrbilanz verbucht und Vom GrundstuckScdnto 20 483 „ck ab- g€schricben. Die Hypothekenberbältniffe smd dtesrlben gcbltcben wie 111 Vorjahre. Die Hypothckcnscbulden betragen also 1 650000 „xs.

Antwerpen, 15. Februar. W. T. B.) Wollguktion. Angeboten 2480 Balleu australische Wollen, davonderkauft1922 Baklen Preise entsprachrn denen der Londoner Schlußaukfrdn.

London, 15. Februar. (W. T. B.) Die, am S_onnabend stattgebabte Sch [_ u H - W oll au kti on war ohne Wextcre Veranderung. Ailkskralische und Kapkale ? bis 1. d. unter den Pretsendcr Dezember- au tion.

Bradford, 15.Februar. (W. T. B,.) Wokle ruhig, Export- garne ruhig, Käufer verlangen Preisermäßigung, ln Stoffen JUTEI Geschäft für Amerika. *

Berlin, 16. Fßbruar 1886.

Am 24, und-25. Februar finden im bissigen Stadtmisfionsbause (Jobannistisck) 6) die dirsjahrigenVersammlungcn derMisfions- konferenz in d'er Provinz Brandenburg statt. In der Ver- sammlung am Mrttwo , Abends um ZZ Ubr. giebt nach einer Be-

rüßungßansprachexdes ofpredigcrs Stöcker, Stadtmissions-Jnspektor

erensky Mittheilungen iiber die Bantuvölker, ihre Verbreitung, Sprache und griffigen (?igcnscbaften. Die Helferkonferenz am Don- nerstag, Vormittags 9 Uhr, eröffnet Pastor Koller (Nojvaiveß) mit Gebet, und lettrn die Pastoren Bubliy (Börnicke) und Fliegenschmidt ( Altdöbcrn) mit Besprechungen ein über die Aufbringung von Missions- beiträgen und die Vorbereitung pc) ulc'irer MissionIscbriften. Für die Hauptversammlung um 11 Uhr ai die einleitende Anspraélzyze Hof- prediger Bayer übernommcn Und der Vorsißsnde Pastor 1). runde- mann den Hauptvortrag über die_Frage: „Welche Gaben Hat das deutsch-evangeliscbe Volk fiir die Heidenmission und Welche Aufgaben erwachsen demsrlben aus drm deutschen Kolonialbesiy?“ Ueber das Missionslebcn m unserer Probixxz und die Thätigkeit der Konferenz wird dann noch Pastor Zoller bcr1chten._ Die bisher genannten Ver- sammlun en Hyd" nur ftir die Mitglieder und die Von drnselben etrva mitgebra ten Gastc'zuganglick), für die Abendvrrsammlung um 8 Uhr dagegen stehtfder Eintritt Jedermann frei. In dieser wird Super- intendent Krtick'eberg (.Bcclixi) die erbaulicbe Ansprache halten und dann Ost-Yfrikg, das 1a zuniThril jc t auck) deutscher Kolonialbefiß gemorden ist, xtitgebend gcschi[deri Wer en und zrvar „Land und Leute“ von Siadtmiiswns-Jnspekwr Merensky, welcher eine Reihe von Jahren selbst 111 Afrika gelebt und gewirkt hat, ferner „die bisherigen Missions- arbeiten“" von Pastor 1), Grundemann.

Fiir das am nkzchsten Sonnabend, den 20„ stattfindende Ballfesi des, Vereins „Berliner Preiss“ ist ein Cyclus von [rbendrn Bildern cntivorfcn wvrdcn, Welche dic bauptsä lichsten Entwickelungsstufen dcs Schrifttbums Veranscbaulicben. D e zum Theil sebr figyrenrcichch Gruppen werden von Damen und Herren aus den literari chen Kreisen unserer Stadt gestellt Werden. Den ver- bindenden Txxt at einer unserer bckanntestezi Lyriker und Humoristen gedichtet, wahrend die künstlerischen Einrichtungen sebr bewährten Händen anvertraut find.

Der ,.Milchwirthschaftliche Verein“ hielt gestern hier- elbst im'Lokal des Klubs der Landwirthe unter Vorfiß des Landes- ekonomtc-Raths Hoppenstedt-Schladen seine Generalversammlung

ab. Dy vom Oekpnomie- tb Boyserx-Kjel erstattexen Geschäfts, bericht war zu entnekmen, Verein f. 3. 30 Rnbter und M Yitglieder umfaßt; unter [e txren befinden sich 42_Vereine. von dem Verein ausZes nebene Konkurrxnz fur . .Milcbtra“.

portkannen" berichtete r. Benmx, qurny-Berltn. An Konkurvnz haben fich 32 Berverbcr Détbetlxgt, dte.75 Gefäße zur rüfung eingesandt haben. _ Den ersten Preis hat die Fa kanne von elm, den zweiten die bereits in der Praxis bevabrte kanne v leinert und Fleischmann erhalten; außerdem sind drei “tte Prei e vertbeilt worden. Den Hauptpun der Tagesordnung Wdeten die Referate über den Stand kes * Schließlich gelanIZte folgende Re olution zur'Annabme: „4. DerMilch. wirtbschaftlicbe erein cm fioblt die Ert'tchtun?B vdn Vereinigungen unter den ;Produzenten, ge ildet nacb lokalen ezirken, bezm nacb Gleicharti eit der Verhaltnisse, welcbe folgxnde Zwecke verfolgen; 1) Herstc Upg einer möglichst feinen, gleichartigen, den AnforderUngen des aufzuxuchcnden Marktes entsprechenden Ware, 2) Ver- mittelung des Absaßes der Produkte unter einheitlicher Ver- packung, entrveder direkt an die Konsumenten, oder durch Kontraktabscbluß mit Kaufleute) unter Bedmgurgen die der ör- derung des Molkereiwesens entiprechen, 3) Herbeifü run mög ck| günstiger Transportverbältniffe, soww öffeqtltcber Einri tungen in den größeren Städken, welche den Handel mit Molkereiprodukten zur Versorgung der Konsumenten aui reeller Grundlage zu fördern im Stande smd. 13. Es iytrd der Vorstand beauftragt, einzelne Musterentwürfe für dre Staxuten derartiger Vereini- gungen festzustellrn. 0. Der Vorstand wird ersucht,_ in Erwägung zu ziehen, ob es sich nicht eznpfeblcn sollte, eme aus einem Händler, einem Produzenten und einem Konzmuzxalbeamten bestehende . ommijfion zum Studium der Marktverbabtmffe in andere Groß- städte zu entsenden.“ In Verbindung nut diesem unkt besprach die Versammlung auch die Frage der Kunst- und Mis butter.

Dcr Kriegerverband Berlin und Umgegend besteht, wie der in der letzten Vorstandssißung festgestellte Jahresbericht ergiebt, z. J. aus 104 Vereinen mit 6 4 Ebrenmrfgliedern und 8676 Beitrag zahlenden Mitglirdern. Der Zchbs dcs le ten Jahres beträgt: 12 Vereine mit 788 Mitgliedern; die bereits von rüber ber dem Verbande angcbörenden Vereine haben sich um 796 Mitglirder vermehrt. Die von dcm Verbande gestellte Sanitätskolonne rst von 88 auf 124 Mit- Hlieder gestiegen; die bis jeßt für, 1886 erso1gten Anmeldungen tollen die Bildung Von 3 bis 4 weiteren Abtheilungen in sichere Aussicht. Der Verband Hatte 4609 „zz Einnahme und 4376 „M Aus- gabe. An die Untrrstüßungskaffe des Bundes sind 1179 „44 gezahlt, und 650 «46 von dcrselben empfangen ivorden.

Wie dLm .Ncwyork Herald“ aus Chicago berichtet wird, soÜen in Hondnras ausgedehnte Goldkagcr gefunden worden icin. Ein amerikaniscbrs Syndikat babe vor längerer Zeit eine Expedition ausgsrüstet zur Durchforscbung des Gebiets der Republik onduras, und diese Expedition habe ein Goldfeld gefunden von der röße der Golddistrikte in Kalifornien. Das Goldfeld lie : im östlichen Theile von onduras, ungefähr 150 Meilen von der Kü?te, im Hauptgewäffer des uajape-Flusscs, eines Nrbcnfluffes des Rio Patuca. Der Strom sei auf eine Lan e von 50Mcilen ausgeforscht worden; man habe den Fluß an einer tolle aus seinem Bette geleitet und daselbst einen regelmäßigen Bergbau angefangerz. In einer Tiefe von sechs Fuß sei man an eine chm- und Kiesscbicbt gcftozßen, in Welcher Golderz mit einem (Gehalt von 7 bis 10 Dollars Pro *ubikmeter gefunden worden. Das wäre allerdings ein Ertrag, welcher dem der kalifornisiben Gold- gruben vollständig gleich ist.

London, 15.,Jebruar. (W. T. B.) Nach hier eingegangenen Nachrichten aus Birmingham waren heute dort “durch beschäf- tigungslose Arbeiter Rube'störungen veranlaßt worden, welche indessen alsbald von der Polizei unterdrückt wurden. Von den Behörden Waren für den Notbfall KavaUerie-Abtbeilungen in Bereit- schaft cbaltcn worden. Auch in Great-Yarmoutb versuchten die Ar eiter eine [ärmende Kundgebung, Wurden aber von der Polizei zerstreut.

Das Victoria-Tbeater ist bei dc'n je t eingefübrten baxben Preisrn fasi aUabendlich ausverkauft. Das ublikum wird b'aufig zu wahren Lack,)salven bingeriffcn, während die errlicben Dckorattqnm und das großartige Ballet mit Frl. Sozo stets jubekndcn Verfall Hervorrufcn.

Gestern batte dar Berkiner Wagncr-Verein im Saale der PbilbarmoniezumGedächtnißRicbard Wagners einCon- cart veranstaltet, dessen Programm eine scbrinfereffante Auswahl aus den Werken des Meisters enthielt. Nach dem beliebten Vorspiel zu den ,Meistersingcrn von Nürnberg“ sang Hr. Frixz Ernst,_ vom Stadt- theater „zu Hamburg, Walthers Probegcjang aus derielben Over. Mit kraftiger und seör umfangreicher Tenorstimme begabt, paßte der Sänger nur die Ausdrucksweise nicht immer den Worten an, z. B. war der srntimentale Vortrag der Stelle: „Er 1auscht, wie er das froh? Singen zu Schaden könnte bringen“ nicht zu billigen. Das bekannte, zart und poetisch gghaltcne Siegfried-deÜ für Orchstcr, von der auf 105 Künstler verstarkten Kapelle mit musterhafter Präcifion und schwung- voÜem Ausdruck vorgetragen, folgte diesem Lieds. Die hervorragend- sten Leistungen des Concerts bestanden in den fick) hieran anschltcßcn- den Brucbstiicken aus drr „Götterdämmerung“: dcm Vorspiel, Siegfrlkds Tod und Briinnbildens Schlußgesan . Hr.Ernst als Siegfried uiid Fr. Sucher aus Hamburg als Brünnßilde waren ganz vortrefflich an ihrem Pla 6. Mit einer in' (111911LagensebrwoblklbigcndenSonranfttmme Verbindet r. Sucher zugleich eine sympathische und verstandmßvoüc Ausdrucksweise, doch war mitunter eine Wortzertbeilurzg bemerkbar, die man grsanglicb nicht schön ßnden konntr, z. B. bet den Worten „O, ihr, der Eidc beili e Hüter.“ Die artie der drei N_9rnen batten Y:. Wegner, Frl. Gal?!) und Fr. er-Ronnrburgcr ubernommen.

ie gaben der feierlichen, ernstsn Stimmung ibrer ROÜezi stets den Ausdruck, nur blieb bei Frl. Galfy emx bessere

und Ausspracbe zu wünschen, während die beiden anderen amen in hohem Grade befriedigtrn. Den, 50chstsn Preis der Anerkennun verdient jedoch Hr. Prof. Kltndwortb- der die Leitung des oncerts übernommen batte, und dem das Pbilbarmonisckye Orchester mit Liebe und Begeisterung fokgte.„ Das sebr zahlreich vrrsammclte Publikum ehrte die Leistungen der Kunst“!“ durch reichen und wohlverdienten Beifall].

Morgen, Mittwoch, Abends 71 Uhr, veranstaltet der Muslk' Direktor V. I". [(wäre aus St. Petersburg, welchem em ehre!" vokler Ruf als pieler des Concert-Harmomums und als PWUst vorangeht, im großen Saakc des Architektenhauses ein Concert-

passenden Tonbildun

Dcr Zoologische Garten Hat dieser Tage ein Paar,T[)lL§ crbalten, Welche dic ersten Vertreter ihrer Gaitung sind, dle „na Europa gelangten. Es smd dies ein Paar Schweine aus N€U*GU1ULÜ; deren Erwerbung durch das Entge enkommen der Ncu-GumeaCom- pagnie dabirr ermöglicht worden iSt. Die Thiere, welche„zwcr ver- schiedenen Arten (8118 pnpususis und 8114 kiusabij) angeboret), wUx“ den im Mai vergangenen Jahres durch ér11._1)r.Otw FWW le" ibrer Heimatb angekauft und von ihm per önltcb nack) Europa In bracht. Es waren urspriinglich von jeder der „gerxannten Arten el Paar, von denen jedoch nur je ein Thier die Reise uberlebte.

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Redacteur : R iéd e [.

Verlag der Expedition (Scholz). Sechs Beilagen (einscbließlicb Börsen-Beilaae).

Berlin: Druck: W. E[sner

bsatzes der Molkereiprodukte..

ordnung, dessen einzi er Artike

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- Berlin, Dienstag, den“““16.Februnxz HI X *

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Preußen. Bexlin, 16. ,ebruar. Im weiteren Mrlauf der geWgen (47.) ißung des Rei Stages folgte die erste Berathung “des (Heseßentwur I, be- treffend die Ergänzung des „809 der (Zivilprozeß

au e :

em „809 der- ivilprozeßordnung tritt als dritter Absaß

folgende Be fimmung hinzu: An Stelle der Zustellung dcs Arrest-

befehls an den Schuldner (§. 671 genügt es, wenn die Post mx

Bewirkung der Zustellu ersucht §§. 177, 179) oder, sofern eine

Zustellung mittelst Crsu ens anderer Behörden odcr Beamten oder

eine öffentliche Zusicllun erforderlich ist, das Gefuch um die Zu- stellung (§. 190) überrei t ist.“

Nach dem jeßigen Zrüandc der Ges gebung würde die Vollziehung eines Arrestbeéehls in allen äÜen unausführbar 'ein, i1s1 welchen der Au enthalt des Arrestscbuldners unbe-

nt 1 .

ag Hierzu ergriff der Bundesbevollmächti te für Hamburg ])r. VerSmann das Wort: Die Frage, melckJL den Gegenstand dieser Vorlage bilde, habe die Iuristenwelt srit dem Entstehen der Civilprozeßordnung beschäftigt. Praktiker und Theore- tiker, Richter und RcchtSanwälte auf der einen Seite, Kom- mentatoren und gelehrte Schriftsteller auf der anderen Seite hätten sich bemüht, sie_ auf dem Wege der Interpretation zu lösen. Er beschränke sich darauf, den Mangel hervorzuheben, dessen Heilung dieser Gesetzentwurf bezwecke, und die Noth- wendigkeit zu begründen, die Heilung auf dem nge des Ein: schreitens durch die Gesetzgebung vorzunehmen, ohne hier auf das Heilmittel einzugehen, das Sachkundige aus der Mitte des aufes ohne Zweifel eingehend prüfen würden. Yraktisck) au gefaßt sei die Sache nämlich die folgende: Nieman führe gern Vro- zeffc im Auslande, am wenigsten im weit entfernten über- 1eeischen Ausland, weil ja der Kulturzustand nicht überall der gleiche sei, auch bis sonstigen Vorausseßungen einer befriedi- genden Rechtsprechung nicht bedingungslos und aUStiahmslos überall vorhanden seien. Es sei deshalb die Praxis, daß ein inländischer Gläubiger, der an einen überseeischen Schuldner “,'orderun en habe, eigentlich nur dann auf den Weg der

cchtSver olgung sick) begebe, wenn es ihm möglich sei, durch den Arrestschla auf ein im nlande befindliches Vermögens- objekt die schießliche Voll treckung des von ihm zu erwartenden günstigen Erkenntnisses zu sichern. Er habe dann außerdenx den Vortheil, daß die einheimischen Gerichte die Entrcheidung der Frage in Folge des Arrestes an fich zügen. Dieser thalsächlick) nothwendige, von jeher, so lange überseeische Beziehungen in Deutschland existirten, in Uebung befindliche We des Arrests [ages auf das Gut ausländischer Schuldner wer e, wie, sich as mehr und mehr zeige, durch widers rucbsvolLe Bestimmungen der Civilprozeßordnung be: schrän t. Der Hergang sei nämlich der folgende: Der Gläu- biger, welcher die Ansprüche geltend mache, lasse dem betref- fenden Gericht die Forderung vorlegen,_ mache diese durch das Gericht fasse den Beschluß,

Dokumente glaubhaft, dieser Beschluß werde

den Arrests lag zu genehmigen; dem Arrestk (1ng von Amtswe en mitgetheilt, und ihm lie 8 nun die Aufgabe ob, em Arrestschuldner diesen VKckUUß ustellsn zu lassen durch Usbergabe dcs be: treffenden “*chriftstiickcs. Bevor diese Zustellung geschehen sei, könne der Arrest nicht vollzogen werden, d. 1). es könne dem In aber des dem Auswärtigen gehörenden VermögenScib'ekts ni )t der Befehl beigelegt werden, dieses Guthaben des [US: nxärtigen festzuhalten, bei Gericht zu deponiren u. dergl.; vielmehr solle, bevor die?: gescthe, die Voüstreckung entweder vollzogen sein oder begonnen ha en. Eine andere Bestimmung der Civilprozeßordnung aber schreibe vor, dgß der Arrestbefehl mcht mehr voklzogen werden dürfe, wenn wir dem Tage, an welchem der Befehl der Partei, auf deren Ersuchen derselbe erging, zUJestellt sei, zwei Wochen verstrichen seien. Damit wäre für ie vielen Fiille, wo die Zustellung eines solchen Arrestes im weit entlegenen Auslande binnen zwei Wochen zy bewerkstelligen thatfächlich ausxzeschlossen sei, die Voll- anhung des Arrestes einfach unmöglich gemacht. Noch starker träten die Widersprüche der Civilprozeßordnung in dem ebenfaus sehr häu “gen Fall hervor, wo es sich um „)uldner unbekannten ufenthalts handele. In diesem FaÜe sei bekanntlich das Verfaeren der Affigirung an der Gerichts- tafel angeordnet: die Zu teÜung gelte dann erst als bes afft, wxnn 14 Tage seit der Affigirung verstossen seien. enn dies? 14 Tage verstossen, so sei nun wieder nach der eben- erwahnten Bestimmung der Civilprozeßordnung der Arrest mcht mehr vollziehbar. Die Sache sei also ein unlösbarer Knoten, aus dem ohne Hülfe der Geseßgebung schwerlich heraus- zUkoxiiineii sein werde. Die Existenz dieses Widerspruches sei allseitig von den Gerichten, Kommentatoren und Schriftstellern anyrkazmt. Auch im BundeSrath sei darüber, daß dieser Wideriprch) bestehe, durchaus kein Zweifel gewesen; dagegen abe der Vundesrath begreiflicherweise schr ernstlich er- wdgen, ob das Bedürfnis; der Abhülfe so dringlich sei, daß

man zu einer theilweisen Abänderung der Civilprozeßordnung ]

schreiten müßte, oder ob es nicht angängig sei, die Remedur

m der hier fraglichen Beziehung bis zu der event. einmal ein:

treienden generellen Revision der Civilprozeßordnung zu ver- schieben. Der'BundeSrath habe sick) indessen nach dem ihm 1)LWElegten Material davon überzeugt, daß bei der Dringlich- keir des Bedürfnisses ,die Verschiebung auf unbestimmte Ut mcht thunlich set. Thatsächlich .sei das Bedürfnis; ésonders lebhaft in .. denjenigen Kreisen empfunden wor- en, deren Aufgabe es sei, den geschäftlichen Verkehr .es Reichs mit dem Arisbaride, namentlich mit dem ßberseeischen, in erster Lime zu vermitteln, und zwar mdenSeestädten und ber den hanseatis en Gerichten in so dringerzdex Weisse, daß die Gesetzgebung da elbe s werlich un- Yrücksrchngt la sen dürfte. Der jeYti bestelende ustand sei 'r, daß die Betheiligten auf den ath i rer Rechtsanwalte Uk Jahren bereits in weitem Maße von der Nachsuchun YAML" Arre'ste Abstand nähmen; man dürfe sagen, es sei an 1esem Gebiete ein wirklicher theilweiser Rechtsstiüstand ein- getreten, unk) er glaube, die Geyrygßbuxtg werde sich s werlich

Aufgabe Entziehen können, hier Wandel zu chaffen.

' sei. Am 22. Februar 1879 seien hier vom

*

Natürlich lasse fich der angerichtete Schaden nicht zifferne mäßig berechnen; aber daß er sehr erheblich sein müsse, werde aus den in den ersten Jahren nach Entnehun der Civilprozeßordnung hervorgetretenen That: sachen fi klgr «eben. Jntereßant sei„ “daß gerade der neyeste Schriftsteller auf diesem Gebiet geglaubt abe, nach- xveisxn zu können, daß es eines geseßgeberiichen Einschreitens m diesem Fall gar nicht bedürfe, svndcrn, daß fick) Alles von selbst erledige. Ihm (dem Redner) habe aber gerade diese Schrift von Neuem bestätigt, daß ohne gesetzgeberischen Ein: griff in diese Frage nicht zu helfen sei. .Wenn es ein Mittel

äbe, die Pter zu veranlassen, e_ine vermeintlich richtige Aus: egung, d . die Auslegung eines Einzrlnen, fich anzueignen, dann wäre die Sache ja recht gut; aber auch (1901arat0ria könnten nur auf dem Wege der Gescßgebung ins Leben ge- rufen werden. Die Mitwirkung der Gesetzgebung wsrde also wohl nicht entbeYrt werden können; Pra 'is und Wissenschaft hätten is ]"th vergeblich na einer Lösung gerungen. Er empfehle deshalb dio wohlwollende anetrachtnahme des Entwurfs.

Der Abg. Freiherr von Vuol meinte, die Vorprüfung in einer besonderen Kommission sei um so mehr geboten, als vielfache Zweifel in wissenschaftliclxjuristischen Kreisen darüber bestünden, ob dem zweifellos auf diesem Gebiete vorhandcnrn Notbstande nicht durch eine zweckentfprcchcnde Interpellation der Civilprozeßordnung abgeholfen werden könne. Es seien denn auch von verschiedenen wissenschaftlicben Autoritäten darauf abzielende Vorschläge gemacht worden. Aberselbst, wenn man sich zu _einer Aenderung der Civilprozeßordnung entschlöffe, würde man zu prüfen haben, ob die Form der Aenderung auch eins richtige sei. Ihm scheine das Interesse des Schuldners» nur dann ge: wahr_t zu sein, wenn demselben wirkli die Zustellung des Arrestfchlags eingehändigt sei. Die 1) oße Zustellung an die Post oder das Gesuch um Zustellung an eine Behörde scheine ihm (Redner) nur ein Versuch der Zustellung zu sein. Man dürfe [ja zur exakten Expedition der Post das größte Vertrauen hawn. Wie aber, wrnn der Schuldner sich gar nicht an dem Ort aufhalte wohin das Schriftstück gcrichtrt, oder die Adresse mangelbat angegeben sei? Die Kommission müsse diese Bedenken beseitigen.

Der Abg. Klemm schloß fick) ach denselben Griinden dom Antrag auf Kommissionsberathung an.

Der Abg. Meyer (?alle) äußerte, ciner der vorzüglichsten Prozeffualisten, der Pro. Fitting in HaÜe, habe nachgewiesen, daß die Civilprozeßordnung die Sache nicht aÜeiU vollständig befriedigend, sondern sogar mit außerordentlicher Feinheit gc: regelt habe, und daß es nur darauf ankomme, ihre Inten- tionen zu verstehen. Nun sehe er (Redner) eine sehr großr Gefahr darin, wenn an einem so sorg ältig vorbereiteten Geseß, wie es die Civilprozeßordnung sci, gerüttelt werde, ohne die sorgfältigste Vorprüfung darüber, ob einc Aenderung wirklich erforderli sei. Es WÜL'ÖL mit einer solchsn Neude: rung ein bedenkli es P,:äzedenz geschaffen. Man sollte erst abwarten, ob die ser verständiger: Ausführungen eine Widerlegung fänden, und,“ wknn nicht, ob die Praxis sich denselben nicht unbequemen würde. Zu glauben, daß die Praxis bei einsm gut redigirtcn Gesetz den richtigench ver: fehlen odcr ihn nicht in Zukunft finden werde, hieße auf den Verfall juristischer Eleganz in drm Richterstands sprkuliren. Diese schwerwiegenden Bedenken bestimmten ihn gleichfalls fiir Verweisung der Vorlage an eine Kommission,

Dcr Abg. von Cum) hirlt es auch nur fiir höchst bedenk: lich, in das durchdachte System der Civilprozeßordnung eine Aenderung hineinzubringen. Er erkenne aber das Be- dürfnis; nach Abhiilfe vollständig an und empfehle deshalb die Vorberathung des Entwurfs in cinch besonderen Kommission von „134 Mitgliedern. _ Das Haus bcschloß diesem Antrags gema .

_Es folgte die erste Verathung dss Geseßsniwurfs, be: trefzend die Unzulässigkeit der Pfändung von Eisen: ba nfahrbetriebSniitteln.

Der NegierungE-Kmnmiffarius, Geheime NathHagens, er: klärte: Auf den pünktlichen, fahrplanmäßigen Betrieb der Eisenbahnen seien die wichtigsten öffentlichen (*ntcressen ang?- wiesen. Der Entwurf bezwecke, ihn dagegsn jeher zu stellen, daß von einem Privatgläubiger der Eisenbahn im Wege der

Exekution oder gar das Arrestes eine Lokomotive vor dcm .

Zuge oder Wagen aus dem Zuge gepfändet werde und da: durch der ganze Bahnbetrieb in Unordnung komme. Der Gedanke, daß Leßteres überhaupt nur vorkommen könnte, sei an sich schon ungeheuerlich, habe aber den: noch praktische Bedeutung. In der Geseßgebung der Schweiz, Italiens, Rußlands, Englands und anderer Länder sei die

fändung von Eisenbahnfalxrbetrieanitteln Für unzulässig er- klärt worden, weil solche fändungen mehr ach vorgekommen wären; und anck) in Deuts land habe man dergleichen Fälle erlebt. Schon 1856 sei in Elberfeld eine bereits angehängte Lokomotive der Bergisch=Märkischen Bahn durch einen Privat- gläubiger gepfändet worden, so daß der Zug nicht habe ab- fahren können" ebenso sei 1872 in Oels im Bezirk der Breslau- Warschauer Qisenbahn eine bereits an ehängte Lokomotive Ür diE Forderung eines Herrn Czi )os von 616 Thlrn. prändet worden; und eben dort später noch ein anderer

agen oder eine Lokomotive wegen einer zweiten Forde- runß. Der diesem Geseßentwurf zu Grunde liegende Ge- dqn e, dqß solche“ älle wie die erwähnten, zu verhindern seien, sei schon ei cBerathuug der Civil rozeßordnung er- wo en und zum ersten Mal praktis es Re t eworden durch Au?nahme in den deutsch-österreichis en Hande svertrag. Hier

trete er (Redner) auf ein Gebiet, au welchem das einzige Be:

denken oder richti er das einzige Bedauern dem Entwurf Legenüber laut wer en könnte. Es betreJe dies den Schutz er Privatintereffen der Gläubiger österrei ischer Eisenbahnen. Man solle sich erinnern, daß nur in dem ersten Handels- vertrage von 1878 diese Bestimmun aufgenommen gewesen, dagegen bei seiner Erneuerung ?aüen gelassen ;vorYzen an e e- denken gegen die Bestimmung angeregt und eine esolution in diesem Sinne gefaßt worden. Darauf abe der damali 9 Präsident des Reichskanzleramts erklärt, der Nachtheil,

welcher dem Verkehr durch die Beschlagnahme von Eisenbahn- wagen zugefügt werde und dessen - “tigung lm öffentlihen

Interesse liege, schon lange, ehe mit - esterreich über den Ver:

trag _verhandelt worden“ von Eisenbahn:Verwaltungrn, insbewndcre von der preu “ischen, erkannt und empfunden sei. Es habe deshalb bei Einleitung der Verhandlung im Wunsche dieser Verwörltung gelegen, daß _eine Bestimmung, wie die auf- genommene, tm Interesse des öffentlichen Verkehrs dem Vcr- trgge Zingesügtewerde. Aber, 10 habe er fortaefahren, man»?- hattq 11ch zugleich sagen'miiysen, daß, soweit Vrivatinteressrn dabei am dem Spiele _ ständen, die Vortheile aller: dings n_ur auf österreichiicher Seite, die Nachkheile auf der_ deut1chen lägen. Die verbündeten Regierungen hätten diese Bestimmugg bei Erneuerung des Handelßoertrages ,fauen lasxen niit Rückncht agf den derzeitigen Stand der ogenann ('n Couponfrage. Cs ieien ukgefähr 560 Millionen Guld-xn Prioritäten Seitens verschied'ener österreichischer Eisenbahn: Leyeüschaften ausgegeben worden, die hauptsächlich auf drm:- chem Markt ihre Abnehmer gefunden hätten. In Folge der veréitzderten Münzgeseßgebung in Deutschland seien dann die Stroingkeitcn zwiéchen den Gläubigerrx uud den österreichischen GeyeUschaftsn cnttanden. Die Recht1prechung beider Ländsr fei eme diametral entgegengescßte gswesen und es sei der sygcnanntc Couponkrieg entstanden, der mehrfach die öffenj: lichen Jnterrssrn berührt und geschädigt habe. Den Schuß des Privatinterenes habe die Regierung niémals be: 1chréinkcn wollen, sondsrn das Jhrige gethan, um den Privatgläubigern fördernd zur Seite zu stehen. Man habe damals dafür gr[)a1ten, daß der Streik am Vßsten bsigelegt werdrn _könnte durch einen Vergleich d:!r (6161151ng mit de_n GkicUsck)cxst€11. Die österreichische Elisabeth: Balm sei "zunächst 1111001616111 Gedanken bervorgetrrtM, die (111251 mit einsm Priorttätenkapital von 83 MiUionen parti: zipirt habe, Es sei aber in keiner Weise von der Regierung Yer Vrrsuch Ze1nacht_worden, einon Druck auszuüben, daß die (Hläubiger aus einen wichen Aquleich eingehen sollten; vielmehr habs sie_ es nur als ihre__2lufgabe betrachtet, die Gläubig-Zi' zu unteritiißxn, falls sie nch bei dem Auleeich betheiligon wollten. Dre Betheiltgyng sei aber so gering gewesen, daß er zu Wasser gezvordeti sei. BangsJahreseieuseit diesem Versuche o_crgangen' die_Regierung habe abgewartet, wie sich die Gläa: 51ng 111th hellsen wiirdsn. Dsr Kampf habe zu einer Niedcr: [zige _der Gliiuiixer gefiihrt. Die Lago. derselben sei jetzt an?;- sicl)ts[oc3. DW (1 crmeisten und zwar die größten österreichischon Bahnen hätten im Laufe der Zrit Konvertirungen vor- genommen. Die Böhmische Westbahn mit etwa 15 MiUion-Jn wrrde sick) jetzt diesen K011v2rtir1mgen nock) anschließen. Kon: vertirt , habe schon die _KaiseÜn-Elisabetl -Ba[)n mi? 83 Miüionen, die Kaiier : Franz - Josef) : Balm mit 53 Miklioxien, dic. Vorarlbergbabn mit 74 MiÜioncn, die Graz-Köxlacher Balm mit 6 Miklionen, die Kronprinz; Rudolf:“Bahn mit.58 Millionen, die Galizifche Karl Ludwigs:- Bahn mit 40 Millionen n. s. w. Er (Redner) habe die Bahncn mehr alle aufécfiilm, glaube absr, man werde nicht fehl gehen iii der Annamie, _daß das Ynzs Prioritätsnkapital jeßt auf em Dritiel, yielleicht auf ein iertel hcrabsgesunken sei. Man würde sicherlich fehlgehen, wollte man 9 auben, daß es die Kapitalisten, welche bei der Emission der Papiere auf deutschrm Markte „ihr GQ in solchen Papieren angelegt hätten, wären, welche jetzt dieCoupons resp. die Obligationen verfolgten. Es hätten sich _gewiffe Gruppen gebildet, z. B. in Breslau, (Frankfurt a. M., wslche sich der Aufgabe widmeten, diese bligatidnen und Coupons bestmöglich zu vrr: xverthen, und es habe sick) gezeigt, daß lierbei durchaus nicht in der Mehrzahl die urspriinglichcn VeZiZer oder auch nnr eiwa deutsche Interessenten betheiligt seien. Mit einem Wort, dis Sa lage habe sich bezüglich des am Couponstrcit beth-«i: ligten rivatkapitals gegen damals ganz erheblich geändert, und nun trete als entscheidendes Moment cin, daß bei der sehr energischen Verwerthung dieier Interessen des Privat: kapitals sick) eine vollständige Notblage fiir den öffentlichcn Verkehr gebildet habe. Die1e "habe *sich namentlich in Bayern gezeigt, wie es ganz naturgemäß sei, daß der Eisenbahn:- verkehr Bayerns durch die Verhältnisse der österreichisckwn Bahnen am _näck)sten in Mitleidenschaft gerathen sei. Jn ähnlicher Wei1e sei die Nothlage auch in Preußen eingetretsn 1_md könns jeder Zeit eintreten, ,wenn es nicht schon escheh-en iei, in Sachsen. Es sei daher nothwendig, das ö entliche Interesse zur Geltung zu bringen und gegen dies den Schuß der Privatinterossen zurücktretetx zu lassen. In den Motiven sei darauf hingcdcutet, daß es iich hier um keine Bevorzugung ausländischer Gesexlschaften, nicht einmal darum handele, dcm Material ausländiyeher Bahnen eine Immunität zu gewächn. Die nöthige Immunität solle ihm im Interesse des deut chen Verkehrs werden, denn das Material der ausländischen Bahnen, welches gesichert werden solle _ und nur insowrii soüe es gegen die Pfändungxn einzelner Gläubiger gesichert werden _ befinde s1ch_ aus deytschen Bahnen im deutschén Betriebe und daher_eben1o gu; Wie das Material inländischrr Gesellschaften im Dienste des mländiichen Verkehrs. Er glaube daher, das einzige Bedenken gegen die Vorlage müsse bei näherer Bstrachtung der Verhiiltnisse sckwinden, er dürfe das Haus daher wohl bitten, sem Wohlwo en auch diesem Ent- wurfe zuzuwenden.

Der bayerische Vundesbevollmä tigte Graf Lerchenfeld äußerte: Dre Uebxlstände, welche der kangel einer eseßlichen Regelung 'auf diesem Gebiete mit sich brin e, ätten sich besonders mBayern geltend gemacht, was mit en zahlreichen Bahnanschlüffen, die in Bayern an Oesterreich bestünden, zufammenhänge. Seine Re ierun-g habe daraus die Ver- anlassung genommen, ihrer eits die Initiative zu diesem Gefeßentwurf beim Bundeßrath zu ergreifen. Nach dem Veri t der Generaldirektion der VerkehrSanftalten vom 28. ktober *1885- hätten vom _ 24. bis 30. Juli 1884 67 Wagen 821: böchinben, Westbahn einc Brichlagnahme' erfahren, am 7. ,.ktober 4 Wagen der öftsr- reichischen Südbaln, am 6. Oktober 1884 14 Wagen der österreichischen S1": bahn u. s. w., in Summa vom 30. Juli bis zum Oktober, wco der ericht abschließe, seién 154 öfter- re1chische Waggons m “bayerischen Bahnhöfen ' der Pfändung