stimmt werden. Die Gesandten von Preußen , Holstein-Laucnburg und Lu emburg-Limburg nahmen an diesem Beratbungsgegenstand nicht Tlxyeil.
Es ward dann in Folge eines über den Antrag der Königlich preußischen Regierung auf Abänderung der allgemeinen Cartel- convention in einer friiheren Sihung erstatteten Llusschußvortrags über die in demselben gemachten Vorschläge abgestimmt und nach dem Ergebniffc dieser Abstimmung folgender Beschluß gefaßt:
1) die Bundescartelconvention vom 10. Februar 1531, und na- mentlich den Artikel 8 derselben, dahin abzuändern, daß fiinf- tig, außer der im Artikel 9 der Convention fiir Einlieferung von Dcserteuren und mitgenommenen Pferden festgescßtcn Prämie, keinerlei Vergütung der dnrch dic Aitslieferung von Deserteuren entstehenden Kosten _ weder fiir den Transport, die Bewachung 2c., noch fiir den Unterhalt der Deserteure und und der mitgeiwmmencn Pferde - zu gewähren sei, Und
2) daß diese kostenfreiteUslicferung vier Wochen nach Fassung des gegenwärtigen Beschlusses einzutreten habe.
Nach einer Erklärung der Königlich niederländischen Regierung Werden diese neuen Bestimmungen zwar auch fiir das Königreich der Niederlande Giltigkcit erlangen, 11icht aber fiir die Koloniccii, Wegen deren die Königliche Regierung zu bcsondcrcn Vereinbarungen mit den einzelnen Regierungen bereit ist. Die Königlich dänische Herzoglich holstein-laucnburgischc Regierung tritt dieser neuen Ein- richtung zwar für Holstein und Lauenburg bci, hinsichtlich des Königrcichs Dänemark und des Herzogtbmns Schle-Zwig wird es aber bei den Bestimmungen der Cartclconveiition von 1031 bc- Wenden,
Endlich ward iiber die in einer früheren *Siynng gestcliicn, die. Kosten der Unterkunft und Verpflegung dcr biefigen Bimdcsgarnison betreffenden Aussthußanträgc abgestimmt. Diese Anträge find fol- gende:
Hohe Bundcsvcrsammlung wolle beschließen:
1) daß fie den Anspruch der frcicnStadt Frankfurt auf dcn boll- ständigen Ersaß der Von ihr für die biefigc Bundcsgarnison _ abzüglich der Zahlungen der einzelnen Kontingente - seit- her geleisteten Mehrausgabc als rechtlich begriindet nicht aner- fenne, vorbehaltlich der Bcschlußfaffung iibcr einzelne Posten, wclche nach dcm Ergebnisse der Von der BundeZmiliiairkom- mission vorzunehmenden Priifnng dcr neuerdings von Seiten der freien Stadt Frankfurt gemachten Rechnungsvorlagcn etwa als dem Bunde zur Last fallend anerkannt wcrden könnten;
2) die freie Stadt Frankfurt, insofern fie fiir die Zukunft eine anderweite Regelung ihrer Leistungen fiir die hiesige Bundes- garnison, resp. der ihr hierfür zu gewährcndcn Entschädigung wünschen sollte, zunächst darauf zu verwciscn, zu dem Ende mit den Kniingcnt-Regicrungen nach Kündigung der mit die- sen von ihr abgeschlossenen Vereinbarungen in Verhandlung zu treten;
3) fich bereit zu erklären , mii der freien Stadt Frankfurt, falls [eßtere dies wünschen sollte, Bchufs endlicher Herbeiführung cines Bundesbeschlusses zur definitiven Fcsistcilung der hiesigen Garnisonsverhältniffc in kommissarische“ Verhandlung JU treten;
4) den Herrn Gesandten der freieii Stadt Frankfurt zu ersuchen, diese Beschlüsse zur Kenntnis; des hohen Senats zu bringen;
virung Kenutniß zu geben.
Bei dieser Abstimmung suchte der Gesandte der freien Städtc, indem er für die Curie den Aussthußanträgcn bcistimmtc, für Frankfurt in einem umfassenden Voir) das 2lu§schnßgutachtcn in verschiedenen Punkten zu widerlegen, behauptete die Be- rechtigung der Stadt auf vollen Ersaß der Leistungen svivobl für die Vergangenheit , als die Zukunft, theilte mit, daß die mit den Kbiitingentsherren der hiesigen Garnison abgeschlossenen Vereinbarungen gekündigt Werden würden , gab aber auch die Be- reitwilligkeit des Senats zu erkennen, wegen der zu gewähreiidcn Entschädigung, zu Herbeiführung eines BundeSbeschluffcs in kom- missarische Verhandlungen einzutreten, und protestirte endlich gegen jede weitere Anmuthung irgend einer Unentgcldlichkn Leistung.
Die obigen Anträge wurden ohne sonstigen Widerspruch zum Beschluffe erhoben, von “einigen Bundesstaaten war aber bei den Ab- stimmungen in einer oder der anderen in Frage kommenden Be- ziehung eine billige Rüchfichtnahme empfohlen worden.
Baden. Mannheim, 4.Juli. Dic badische2lbgeordneten= Kammer hat, wie der »Köln. Ztg.“ berichtet wird, die Einladung des Festcomité's des badischen Schüßentagcs ziim heutigen Rendczbops mit den nachbarstaatlichen Abgeordneten in dcr Schiiixenhalle schrift- lich abgelehnt, Weil ein Mitglied des Jestcomiié's sick) in dcr Banket- Rede unziemend Über die Wirksamkeit badischer Abgeordneten gc- äußert habe.
Oesterreich. Salzbtirg, 2,3140. König Ludwig von Bayern kam gestern mithfolge hier an und begab sich sogleich nacl) Berchtebgaden, wo er während des Monats Juli den gcwöhiilicbcn
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Sommeraufenthalt nehmen wird, um dann Anfangs August nach Leopoldskron bei Salzburg zu überficdcln und daselbst den Spät. sommer im Kreise mehrerer höchsten Herrschaften zuzubringen.
Gryßbritannien und Irland. London, 4. ©mli. Ihre Maxestät die Königin von Preußen reiste gestern Nachmittag, nachdem Aerh-Zchstdicselbe von der Königin Victoria im Schlosse Windsor Abshied genommen, in Begleitung dcr Gräfin Schulen- burg, ber Grasm Schwerin, des Grafen Boos-Waldeck und dcs1)i-„ Brandis nach London, woselbft Jhrc Majestät um halb .'“) Uhr an: kam und im Hotel des, preußischen Botschafters abstieg. Der Prinz von Wales machte Ihrer preußischen Majestät dort eincn Besuck), und Beide begaben sich am Abend mit ihrem Gefolge zur italie- nischcn Oper in Covcntgardcn. *
Jm Oberhausc beantragte. vorgestern dcr Herzoq bon Newcastle die zweite Lejung der die Feststellung der Grenzen von Britisch - Colmnbicn
bezwcckcndcn BiU. Kraft derselben wird Britiscb-Columbien und Vancouver-
Jsland getxcniit. Der Herzog scytc aus einander, was die chicrunq zur Hebung dic1e1' Koloniecn eingeleitet (Straßen und Tclcqrapbcn diirch Britisch- Amerifa), und theiltc bei dieser Gelegenheit dem Hause mit, daß die Inter- natwnabFiuancial-Affociaiion (der sogenannte Londoner Crédit I)iobilicr) die Besitzungen und Rechte der Hudsonsbai-Compaqnic an sicb qc- bracyt habe, wodurch diesem Tycilc der, britischen Bcfißichn und den 1111“ grenzenden Territorien cine segensreiche Ztiknnft ci'waébséii diirfte. Lord Taunton drückte einige Bedenken wegen dieser Uebcrtmmmq ans, insofern als die Hauptagcnfen der neuen Compagnie, wic variante) A*iiicrikancr seien und der Mittelpunkt des Pelzbaiideis von London Uacl) Ncw-York Über- tragen werden möchte. Troy dicser Bedenken Wurde die, Bill ziim zibcitcn Male verlesen.
_ Jm Unterha u_sc kündigte vorgestern Heri" Horsman fbiqcndc nene Rcyolution in Bcircff Polens an: «Daß ziifolgc dci'Mcimmq dißscs Hauses“ Die durch den Wiener Traktat in Bezug auf Polen qctroffcncn Arianqe- ments nicht im Stande gewesen, eine gufc Regierung “fiir Polen und din Frieden fiir Europa zu stöbern, imd daß jeder feinere "Versuch, Polen unter die, Stipulationcn jcncs Vertrages zii stellen, ernste Vcrlcqcnbéitcii für Polen und Gcfahrcn für Europa bci'ursacbcn 11111111.» Öcrr Hbrsrimn intcrpcliirtc ferner den Unterstaatssccretair Des“ Auswärtigen (Lviv Palmerston iimr näm- lich noch nicht wieder im Parlament erschienen), wann die bcrscbicdcnen Noten in St. Pctchburg überreicht worden seien, wann die öfter- rcichischc eingetroffen und ob der britische Gesandte angewiesen worden, die englisch Note bis zum Eintreffen der österreichischen Zuriiikznlmltcn. Herr L ay ar d antwortete: »Die drciNotcn kamen andexnscibchaqc, 4111121. näiiiiici), in St. Percisburg an. Am 2311er: bcrictbcn die drei (Zicsmidtcn, welcbe Schritte ]"ic demnä_chst zii thun hätten. Das Resultat dieser Bcratlmnq wai', den Fürsten Gyrtsthakoft zu ersuchen, daß er einen Taq znr Eiiiixéixetitiiil)itie der Noten bestimme. Fürst Gortschakoff bestimmte "dazu dcrsÜstcn, an Welchem Tage er aus den „Händen der drei Gesandten die Noten cmpfina und die „Ei'kläruiiRabgab, „bas; ci" dieselbcn seinem Kaiser borlcqcn wolli. kOcm britischen (Hewiidtxn ist nicht die Weisung zuchanqcn, däß er das Eintreffen deb öste1*rctchi1chcn Note abwarten soifc, 1110151 aber, das; er sich mit den Bot1chaftern Ocstcri'eicys und Frankreichs iiber dchaqk nnd die Art der Ucbergabc in Einvernehmen scbcn “solle. Bis 5111“ Stunde ist die Pckeröburgcr Antwort nicht cingsetroffcnx fie soll xabcr gleich nach Empfang dem Hause vorgelegt werden.» -- Auf eine Aufmaß des Obersten French, in welcher Weise mmi sicb, von dem Wimscbc dci" “"Ko- nici“, dem griechischen Königreichc einverleibt zii wcrden, übcrzcuqcn ibYllc, erwiderte Herr C. Fortcscuc (Unterstimis-Sccrctair der Kolonjécn): »Am besten dadurxbx daß man das gcgenxvärtiqc Parlmncnt auflöst, ein neues beruft und dieses vcrmiticlst eincr Proclaiiiiition von dem besonderen Zwecke seiner Einberufung in Kenntnis; scyt. Dic betreffenden Mittbcilungcn sind
5) der Militatrkomnmfion von diesem Beichluffc und denen Moti- [MMZ "om KUNWMM “" “M “W OÖUkNWWsM NÖIWUIM
Öerr Foriker crsnchte dcn Unterstaats-Scci'ctair des Auswärtigen, zwei Fragen zu „beantworten: 1) ob die Angabe. des Herrn Rocbmk wabr sei, daß ein vor wenigen Monaten vom Kaiser der Franzosen der britischen Regierung. gciiiacbter Vermittelnngsborschlag in Be- treff Amerika's durch den britischen Gesandten Lord Lyons dcm ameri- ka:1ischcn Staatssccrctair Herrn Seward mitgetheilt worden sci, und 2) ob der [)icfigc französische Botschafter dcm auswärtigen Amte. in den [915th Tagen eine Mittheilung gemacht habe, welche mit den Angaben Rocbuiis übereinstimmc. Hr. Layard antwortete: Diese Fragen sind so wichtig, daß ich um die Nachsicht des Hauses bitte, wenn ich sie ausführlicher be- antworte, als sonst üblich ist. Öl Rocbuck: »Dcmwiderscße ich mich und gestalte es nur dann, wenn Sie einexi Antrag auf Vertagimg des Hauses stellena (d. l). wcnn Herr Layard cinen formellen Antrag ftclit, an den er dann weiter anknüpfen kann). Herr Layard: »Ich stelle die Entscheidung dem Hause anheim. Es handelt sich hier um eine Berichtigung von Thai- sachen (hört, hört), und wenn das Hauswill, so bin ich gern bercit,dicVertag1mg
zu beantragen. Das chrcmvcrthe Mitglied hat im Namen cines auSwär- *„ tigen Monarchen in diesem Hause eine Beschuldigung dcr ernstcstcn Ari gegen Ihrer Majestät Regierung erhoben. Ich ersuche das „Haus, mir zu gcsiatten, die thatsächlichanewcisc beizubringen, daß die Angaben des ehren- werthen Mitglieds ungegründct finda. (Hört, hört,!) Herr Roebuck: »Jcl)
rufe den Redner zur. Ordnung und bestehe darauf.« (Verivorrener Ruf:
Zur Ordnung!) Heri E*oniiile)c11n: »Das chronwcrthe nnd gelehrte Mit- glied ist nicht der Diktaibr dicses Hauses«„ (Hört, hört!) Herr Rocbuckx «Ick QPPLULW an SW- IYW' Sprecher, gestüßt auf die Regel, das; in diesem '
Hause nichts gesagt werden darf, worauf nicht eine sofortige Erwiderung 111öglichist,« DLT Sprecher: »Ein chrcmvcrthes Mitglied hat an den Uiitcrstaatssecrctair eine ange gerichtet, worauf dieser sich anschicktc, diese Frage zu beantworten. Es ist somit nichts geschehen, was gegen die Regel des Hauses verstießc.« (Hört, hört!) Herr Layard: »Es ist im Namen
eines frcmben I)ibnai'chcii von dem cbrenwerthen Mitglicdc behauptet wor- den, daß die Regierung schuldig. ..... _- HW" Rocbuék: »Ich rufe aber-
mals zur Ordnung. Denn das ehrenwerthe Mitglied bringt eine Beschul-
deung gegen mich vor, ohne daß es mögiich wine, eine Diökusfion anzu- knupfen.« -« Da der Sprecher sich weiter .mcht cmmischte , seßte nun Herr Layard auseinander, wre gqnz faljch die Angabe Roebucks von einer Indiscretion der Regierung sei. Die Depesche des Herrn Drouyn deLhuys, jn welchcr England zu ciner„gemeinjchaftlichcn Vermittelung in Amerika aufgefordert worden, sei, wie ]ich Jedermann aus den Blaubüchcrn über- zeugen könne, vom 10. Oktober dankt, der Regierung aber erst am 10. No-
vember mitgetheilt worden, und zwar blos vorgelesen, ohne daß ihr eine “
Abschrift gegeben wäre. Schon drei Tage später,. am 13. November, somit bevor die britische Regierung geantwortet, sei die französische Depesche im »Moniteura abgedruckt erschienen. Erst am fokgenden Tage habe Lord Cole die britische Antwort in Paris Überreicht, irclche gleichzeitig (am 14, November) in der »London Gazettca erschienen sei. Wieder einen Tag später, am 151cn, sei diese Depesche an Lord Lyons nach Washing- ton gcschikét worden, und am Lösen habe Lord Lyons an Graf Russell berichtet, daß der Vermittelungs - Vorschlag Frankreichs am LÖstcn durch den Telcgraphcn von Cape Race in den Ncw-Yorkcr Blät- tern bekannt geworden sci. Aus den hier gegebenen Daten gehe hervor: erstens, daß der französisclxc Vorschlag nicht yon der britischen chicrnng, sondern von dcr. franzö1ischcn im »Monitcur« veröffentlicht worden, bc- vor sie noch die Antwort aus London in Händen 'gcbabt. Zweitens, das; Lord Lyons die französische Note. dem amerikanischen Staatssccrctair nicbt mitgetheilt haben konisitc, da fi_c so_lbst'gai' keine leschxift dcisixlbcn besessen (Höri, [)öi'tk), und drtttan, day; fOUUf Lord Lyoxis uber dich Note nicht zuerst mit Herrn Seward (mbc Pmchen können, wndern dai; Leytcrcr zu Erstcrcm darüber gesprochen. Die Regierung könne es daher getrost dem Lande und dem Hause überlaffen, iiber die Sticbbaltigkeit der chen sic erhobenen Anklagen cin Urthcil zu fällen. (Beifall.) Herr Rocbuck “wünschte min noch die eine Frage zu stellen, ob nicht vielleicbt cin Vermitt- lungs-Vorscblag Frankrciibs in diesem Frühjahr nach London gelangt sci. Herr Layard erwiderte, er habe das ganze I)iinistci'ium des Auswärtigen
durchstöbern lassen und nich s Derartiges gefunden, was ein neueres Datum -
als das des“ November borigcn Jahres trage. Lord Robert Cecil: »Hat auch keine iiiiindiicbc Mittheilung stattgefundcnch Herr Layard: »So viel mir bekannt ist, kcinc.« -- Lluf eine Anfrage des Herrn Bcntinck erwiderte Herr Hennessy, er wolle heute seinen lereß-Antrag in Betreff Polens noch nicht einbringen und lieber warten, bis die von (Graf Ruffeil vcrsprocbcnc Vorlage der betreffenden Noten geschoben sei, was boffcntlicb in den nächsten Tagcn der Fall sein werde. -- Nun crhob sich der Kanzler der Scbaxikammcr, um eine (Zieidbcwilligiing von 105,000 Pfund Sterling behufs Ankaufs" und Reparatur des Ausstellungs-Gcbäuch zu beantragen. Die Diökllffivn iibcr dicscn (Licgcnstand war aiißcrordcntlick) lcbbaft und zog sich bis in den Mor- gen hinein. Vergebens bciiiiibic sich Herr Gladstone, dic Vortheilc des Kaufs 11121 beste Licht zu stellen. Es trat cin (kicgncr nach dem anderen auf,“ von Parteisubordinaiion war dabei keine Spur zu finden. Mehrere Konservative sprachen fiir, noch. mehr “Liberale gcgen den Antrag der Regierung. Nach Mitternacht wußte Jedermann schon ziemlich gewiß, daß dcr Antrag nicht
durchgehen jvcrdc. Man wollte weder Herrn (““Kinacli, noci) irgend Jemand „
mehr zu Wort kommen lassen,“ das „Haus schritt zur Abstimmung und bci"- warf den Antrag mit 287 gegen 121 Stimmen. Die Ankündigung dieser großen Majoriiät (100) wurde mit dem lautesten Beifall aufgenommen, in welchen Mitglieder von allen Seiten und Bcsiegtc sowohl wie Sieger cin- stimmtcn. Dic Sißimg schloß erst gegen 2 Uhr Mörgcns.
Gestein iiberrcicbtc im Oberhaiisc (Liraf Russell eine von Kollegien- borstcbern, Profefforen und sonstigen Mitgliedern der Oxfordci' Uni- versität unterzeichnete Petition, welchc um Abschaffung des bishci'igcn Branches bittet, daß Jeder, der einen akademischen Grad erhalten soll, ein religiöses anglikanisclch Glanbcnsibckcnntniß unterschreiben miiffc. Graf Ruffcll äußerte dabei die Ansicht, das; durch bloße Unicr- scbrcibung von GlaubenSartikcln der Moral cher geschadet, als geniiyt werde und da[; es Zeit sci, cincr Unbilligkeit gegen alle nicht dci“ anglikaniscixn Kirciz-i' angohörcndc Staatsbürger ein Ende „zu machen," cr hofft dabei", das;, Wenn 1111131 in dicser Session, doch in dcr umi)- stcn dcm Wunsche dcr Bittsteller durch ein betreffendes (Zicscxz werde (Fchiige geleistet werdcn. Lord Derbi) (Kanzler der Universität Oxford) bcbqupicte dagegen mit Entscbicdcnbcit, das; in der vorliegenden Petition dic Wiin1chc nur eines kleinen Theilcs der Universität vertreten seien, und erklärte sich ebenso entschieden gegen jede derartige Neuerung. Ihm schloß sich Lord Harro w b 1) an, während Lord Granville und der Bischof von London auf Seiten Lord Ruffcils standen. Letzterer hält es für einen großen Fehler der Uni- versität, von ihren Mitgliedern ciné Erklärung zu verlangen, die, weil sie eben gc- lcisict werden in üsse, gedankenlos abgegeben werde und die traurigerlgc [)Tbc, das; Viele fiel) zur Unterschrcibung eines (Hlaubcnsbckenntnisscs l)crbciließen,denen Inhalt fie kaum kennen, für dcffcn Wahrheit sie nicbteinziistehetxvcrmiicbtckn und bei dessen Ansicgung sie fick) später vielleicht zu rophistiychcn Kunit- griffcn verleitet sähen. Aus diesen Gründen stimmte er für die Berücksich- tigung der vorliegenden Petition, -« Der Bischof Von Oxfordxist der cntgegcngescyten Ansicht, vornehmlich chhalb, Weil die eine K'onzesyion zu imabschbaren weiteren Forderungen führen wiirde. Nachdem noch ()Zr Lord-Kanzler seine juridischen Zweifel ausgesprochen, ob die Universitat aus eigener I.)"iachtvollkmnmcnheit das fragliche Statut zu ändern befugt sei, ließ man den Gegenstand einstweilen fallen.
Jm Unterhause wurde gestern der bei weitem größte Tlieil der Sißung durch eine DiZkusfion Über Baumwolle, ihre Bezugsquellen u. s. w. auSgefiillt. Veranlassung dazu gab ein von Herrn Caird gc- stelitcc Antrag: das; ein besonderer Lliisschuß ernannt werdc- ivclchcr untcr- smhen soilc, ob und wie die Baumwollenproduction Indiens mit Hülfe der Regierung gehoben werden könne. Der Llntragftcüer hob die Thatsache hervor, daß seit Beginn der amerikanischen Krise die Zufuhr aus Indien slch wundcibar rasch gehoben habe. Es sei dies der schlagcndsic Veivcis für die Productionsfähigkeit des Landes, und es bedürfe blos cincr verständigen Unterstiiyung seitens der Regierung, um Indien zum reichsten aller baumwolleerzeugenden Staaten zu machen. Herr Smolleti sprach gegen den Antrag, nicht, weil er an der Productionskkast
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Jydiens, sondern an der Möglichkeit zweifie, daß dieselbe durch Re ierunqs- niittel gesteigert werden könne. Herr Cobden theilte diese Zweifel urcha*us nicbt. _ Er äußerte im Gegentheil die Ueberzeugung, daß unter den eigen- thumlichßn Verhältnissen, in welchen England und Indien zu einander stehen, die. britische Regierung, als Haupteigenthümerin des Bodens daselbst, gerechtfertigt ware, vermittelst ihrer dortigen Beamten für Unterricht der Lzzndleute in dcr Baumwollenkultur, für Preisausschreibungen, kleine Unter- stUBUUJM lxnd dergleichen zu sor en, um auf diese Weise die Production zu fökdkkn- LUdek seien statt dessen en kleinen Landbebauern in Indien wäh- rend derießten ziveiJahre Hindernisse in den Weg gelegtworden. SirCharles Wood (Staatxzsecrctair für Indien) erkannte es als eine Pflicht der Re- gierung „an, die Communicationsmiiicl in Indien zu verbessern," doch sei diese .PftickÜ ,anci) bis jetzt nicht außer Augen geseßt worden, und die Com- munication [11 Indien sci wenigstens eben so gut wie die in den Vereinigten Staaten. Was die Baumwoilcnkultur betreffe, so seien bereits 5Jahre hin- diiröl) Versuche darin angesteÜt worden, aber gescheitert. Einige geringere Erfolge ausgenommen, babe fich herausgestellt, daß eine Konkurrenz indischer Baumwolle mit der unter günstigeren Bedingungen erzeugten unmöglich sei. Doch werde die Regierung stets bereit sein, Privatleute in dcr Baumwollcn- kuliui' zu untcrstiich. Nachdem sich noch mehrere Redner an der Diskussion bctheiligt, wurde der Antrag zurückgezogen. '
Lord Palmerston's Befinden hat sich so weit gebessert, daß für heilte cin Ministerratl) in seiner Amtswohnnng iii Doang-Strcet aiigcsagt werden konnte.
„Herr William Smith O'Brien, der kiirzlich von einer Reise durch Polen zurückgekehrt ist, hielt vorgcftcrn auf vielfach an ihn gerichtetes Ersuchen in Dublin einen Vortrag iiber jenes Land und den gegenwärtigen Aiifstand, Dabei sagte er von den Agenten der britischen chicrmig in Polen, dieselben sprächen von den Aufständi- sck)cn iiur als von Aufriihrern, und ein intelligenter russischer Offi- zier, mit dem er eine lange Unterchng gchabt, habe ibm versichert, allcn zu seiner Kenntnis; gekommenen Vorgängen nach zu schließen, sei die englische Regierung eher den Russen giinstig gestimmt, als den Polen. Als er auf seiner Reise nach Krakau gekommen, habe er geglaubt, auf Seiten Oesterreich aus politischen Gründen die striktcste Neutralität finden zu müssen, aber er habe im Gcgcntheil gefunden, das; alle anwendbare Mittel in Bcivegung gescßt worden, um, obne offen für Rußland Partei zu nehmen, den Russen zu hel- fen Und die Polen in Nachtbcil ZU setzen.
Als das Unterhaus den Ankauf des AusstellimgSgcbäudcs am Donnerstag abgelehnt batte, entstanden chifcl, ob die Bauunter- ncbmcr, die Herren Kclk Und Lucas, fick) bald zum Niederreißcn des Gcbäubcs entschließen, odcr bis zum vökligcn Ablauf der kontraftlich fcstgcscßtcii Frist warten wiirden; dock) erklären dicse Herren nun, daß siescbon am nächsten Montag mit dem Abbruch beginnen wcrden.
Frankreich. Paris, 4. Juli. Dem heutigen »Monitcur« Zufblgc ist von dem franzöfischcn H,)Tinister des Auswärtigen und dem belgischen Gesandten cine Convention bchiifs des Betriebes einer Eisenbahn von Lille imci) Tournai unterxcichnet worden.
(“Kas amtliche Blatt meldci ferner die Bsförderung von fünf Obersten des mexikanischen Expeditions-Heeres zu Generalen.
Das General-Secretariat im Ministerium des Innern ist wieder bcrgcsiclltx dic Gcncrai-Diccction dcr Departemental- und Kom- nnmal-Vcrwaliung und die Personal - Direction, wie fie Graf Per- sigm) als Minister des Innern vor drciJahrcn eingerichtet hatte, sind wieder aufgehoben. Staatsratb Thuiilier, der bisheran der Spixze dicser Dircction stand, ist zum Abtheilimgs-Präfidcnten (für Inneres, Unterricbi und KultUS) im Staatsrati), Und Herr Boinviilicrs, der diesen Posten bisher innegehabt, zum Präsidenten der Abtbeilung fiir Ackerbau, Handel und öffcutlici)e Arbeiten, sein Vorgänger USU? in diesem Amt, Herr Viiillcfroy, ziim Senator ernannt. Auch Mar- quis de Gricourt ist zum Senator ernannt. Der Nachfolger des jcßigcn Ministers des Innern, Herr Vonder, im Präsidium der StaatHrath=Abtbcilung fiir streitige Jäilc ist der “StaatSrath Bau- cbart. Zum General-Sccretair im Mimistcrium des Innern ist der chuctcnmeistcr Chamblain ernannt und zugleich zum Staatßratb befördert worden. Der A(lier-Präfekt Gentonr ist an (Hitstav Rou- [and's Stelle (Hencral-Sccrctair im UntbrrichtS-Ministerium geworden. Herr Rouhcr hat seinen Sohn Gustav, Auditcur ]. Klasse, zu sei- nem Kabinctschcf ernannt. Der Kabinctschcf des Ministers des Innern ist der Auditcur 1. Kiaffe Herr Perret geworden, Der bis- berige (Heneral-Sccretair im StaatS-Minifteriiim , Armatid chébrc, ist ziim bevoilmächtigtcn Minister 1. Klaffc ernannt, an seine Steiic tritt der Staatsrath Eugénc Marchand.
Aus Havana erfährt die »Jrance-e, das; Der von Puebla nach Zcra=CrUz “dirigiric Zug der Kriegsgefangenen, circa 2000 Soldaten und 1501) Offiziere, in [eßtcrer Stadt am 2, Juni eingefroffen war. 'Die Offiziere sbiltcn auf dem Traiisporidampfer "SSMTP eingeschiffi und nacb Frankreich gebracht werden. Die Zabl derjenigen, welcbe unterwegs nebst Ortega entkommen find, soll beinahe 400 sein. Lar- unter ist auch der General Mendoza, Der Chef Vom Gencralüabe Oricga's. _
Der so eben zum Marsckiall ernannte “General Elie Frederic Forex) ift nacb der -Francc« am 10ten Januar 1704 geboren und 1822 in die Militairschitlc von St. Cyr eingetreten. Den Zug nach Algier machte er mit und diente in Afrika mit Auszeichnung bis W441, wo. er ab:; Oberst nach Frankreich zu-
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