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Majestät der Königin Victoria gaben Lord Camoys und Oberst
Harding Ihrer Majestät bis an Bord des Königlichen Dampfschiffes K'Vivid- das Geleite, welches nach einer sehr glücklichen Ueberfahrt von Ramsgate nach Rotterdam daselbst am 7ten friih eintraf.
Magdeburg, 6. Juli. Gestern fand hier dieFeicr des funfzig- jährigen Gedenktages der Errichtung des 1. Magdeburgischcn Zn- fanterie-chimcnts Nr. 26, statt. Am Abend “des Festes waren, nach der »Nordd. A. Z.«, die Offiziere des Regiments zu eincchft- diner untcr Vorfiß SuKönigl. Hoheit des Fürsten von Hohenzollern- Sigmaringen, dem Chef des Regiments, vereinigt.
Schrimm, 5. Juli. Gestern beging das Jüsilier-Bataillon des 2. brandenburgischen Grenadier-chimcnts Nr. 12 das 50jc'ihrigc Jubelscft seiner Errichtung. Zu der Nachbarstadt Xions wurden zu dieser Feier 30 Thlr., freiwillige Beiträge der dortigen Bürgerschaft, der daselbst dislocirtcn Compagnie des Regiments übergeben, und zu demselben Zwecke waren in Jaraczewo 14 Thlr. gesammelt und beigesteuert.
Sachsen. DreSdcn, 9. Juli. Der König hat, wie das »Drcsd. “Journ.« meldet, dcm wegen seiner Bethciligung an den Maicreigniffen des Jahres 1849 in Untersuchung gewesenen, jedoch flüchtig gewordenen und dermalen in Milwaukic im Staate Wis- confin in Amerika befindlichen vormaligen Advokaten Grahl aus Leipzig, auf dessen Gesuch, die straffrcie Rückkehr nach Sachsen bc- willigt.
Hessen. Kassel, 7. Juli. Die "Kaff. Zig.« berichtet: Der Ständeversammlung wurden gestern von der LandtagZ- Kommission zwei Geseßcntwiirfe, die künftige Rechtsverfaffnng des durch den mit Bayern behufs Auseinanderscyimg der Kondominatsvcrhältnissc ab- geschlossenen Vertrag in den auIsckUicßlichcn Bcfixz Kurhessens iibcr- gcgangencn Orts Zlintcrsbach, und die Schuldverhältniffe der Leib- und Kommerzbank betreffend , vorgelegt. Zur Bcrathung stand als erster Gegenstand auf der Tachordnung der gestrigen Siizung der Bericht des Rccht§pflege=2lusschusscs iiber den (Hescycntwurf, das Verfahren in Rechtsstreitigkeitcn betreffend, und wurde dieselbe vom Berichterstatter mit besonderer Riickficht auf eine diesen Gegen- stand betreffende Denkschrift der Regierung cinigrlcitct. Brvor die Versammlung dariiber absiimmtc, ob anf die Bcrathung dcs Gcsciz- Entwurfs einzugehen sci , gab der Präfidcnt zu erwägen, ob diese Bcrathung noch vor der wahrscheinlich morgen Abend eintretenden Vertagung dcr Ständeversammlung aufgenommen werden solle. Es wurde jedoch beschlossen, alsbald in die Bcrathung einzutreten, und dieselbe, nachdem die Sitzung gcgen Li. Uhr geschlossen worden war, in einer NachmittagS-Sißung von 5 bis & Uhr fortgesetzt.
Bayern. München, 5. Juli. In der gestrigen Silznng der Abgeordnetenkammcr wurden die lerrßdcbattcn geschlossen und nahm die Kammer mit 108 gegen 36 Stimmen dcn Adreßcniwurf in der Fassung der Kommission an.
Großbritannien und Jrlmtd. London, 6. Jilli. Die Königin Victoria hat fick) mit ihren Töchtern Hclcne, Luise und Beatrix am Sonnabend nach Osßorne begeben. Da auf den Wunsch Ihrer Majestät die Reise durchaus einen Privaicharaktcr haben sollte, so unterblieben jegliche BcgriißungZ- odcr Empfang:?fcicrlichkcitcn, mit der einzigen Ausnahme, daß die Kriegsschiffe ihre Flaggen senk- ten, als die Königliche Jacht aus dem Hafen von GoSport zur Ueber- fahrt nach der Insel Wight auslicf.
Der Herzog und die Herzogin von Anmale gaben vorgestern Abend ein Diner mit folgendem Ball in ihrer Wohnung Orleans- House in Twickenham. Unter andern hohen Personen waren dort anwesend der Prinz von Wales - desen Gemahlin wegen des Ab- lebens ihres Großonkels der schon angenommenen Einladung Folge zu leisten verhindert war -- , der Herzog, die' Herzogin und Prin- zessin Marie von Cambridge, die Mitglieder der Familie Orleans, der österreichische Botschafter Graf Apponyi.
Lord Palmerston darf nun als von seinem Gichtanfallc erlöst betrachtet werden; er war bereits im Stande, cincr Kabinctsbcrathung in seiner Amtswohnung bcizuwohnen und wird heute Abend wohl wieder im“Untcrhause zu erblicken sein.
In Liverpool hat vorgestern einc Feuersbrunst für 160,00() Pfd. St. Schaden angerichtet. Für 110,000 Pfd. St. Baumwokle | Verbrannt.
Frankreich. Paris, 6. Juli. In dem schon erwähnten Bericht des Kriegsministers Marschall Randon Über die vorgeschlage- nen Reformen im Invalidenwesen heißt es: "Schon in den ersten Zeiten der französischen Monarchie giebt sich der Gedanke kund, den im Kampfe verstümmelten oder im Lager crgrautcn Kricgélcuten zu Hiilfe zu kommen. Der Organisationsgcist Karl's des Großen machte es den Abteien und Klöstern Königlicher Stiftung zur Pflicht, die zu Krüppeln gewvrdenen Soldaten als Laienbrüder bei fich aufzu- nehmen. Später richtete der heilige Ludwig die Oninze Vingts ein, wo die erblindeten Kreuzfahrer aufgenommen warden; Heinrich 17. stiftete in dem Hause der Charité Chrctienne ein Asyl für verkriippelte und hinfälligc Offiziere, aber diese Anstalt hatte keinen langen Bestand, Ludwig )(lll. gründete , auf Vorschlag des Kardinals Richelieu, im Schloß Bicétrc
eine Komthurei des heiligen Ludwig, wo al1e, die nachrvcislich jm königlichen Krichdienste verstümmelt worden, bis an ihr Lebensende
b.ekö|igt und, uytcxhaltcn werden sollten. Endlich gründete und do: * ttrte aufs reichlichytc Ludwig )(17. die großartige Anstalt, um Welche -
Frankreich so lange vom Auslande beneidet worden ist und deren
Glanz Napoleon ]. durch eine Dotation von 6 Miklioncn Einkiinf. '
ten so sehr steigerte. Die der Invaliden = Stiftung gehörigen Kapj=
talicn und die verschiedenen Einkünfte, aus denen dieselbe ihre Rab. '
rung zog, fielen WZB an den Staat zurück, und die fortan aufdie Kredite dcr Gescygebung angcwicscnen Ausgaben bildeten alljährlich ein besonderes Kapitel des Kriegsbudgcts. In den ersten Zcitcn hatte die Invaliden = Stiftung, troß ihrer großen Verhältnisse, der Zahl der Bewerber nicht hinreichend cntsprcchrn kiinncii, Man sah sich damals 1chon genschigt, vielen dcrsclbrn eine Pension oder den unbestiimntcn Genus; ihres Solch zu gewähren. Diese neue Art Von Renmncration dehnte sich immer weiter aus; 11cbcndicNatural-Ver. pflcgung trat die (Helduntcrstiiyimg, und diese nahm allmäliq dcn Cim- rakter cines Rechtes an. Dieses Recht wurde zuerst anerkannt" durch das
Gcsry voin 14. “Orzeijibcr 1790, sodann durch das Gesel; vom 1], April 1551, dcncirxaris untcr dcr'grgciiwärtigen Regierung namhafte Erwei- tcrungrn erfahren hat. Dirie Erweiterungen, in denen das Land
seine Schiild gegen die Armee abtrug, haben die Lasten des Staats- schaßes citeigcrt, was ein Grund mehr fiir das Kricqsministcriiim wurdc, ic Invaliden=Vcrwaltung dcn Grundsäßcn wc'isrr Sparsam- keit zu unterziehen und den Regeln, auf denen die Einrichtunq die- ser Anstalt beruht, eine neue Bestätigung geben JU lasscn.« Bis auf diesen Tag hat, dem weiteren Inhalt des Berichts infolge, fiir die Jnvalidcn-Stiftung kein Gcncral-chlcmcnt béstandcn; es giebt mir eine, lange. Reihe von Verfiigunqcn verscbjczczxstcr Art die zum 'Thkll LÜUandöcr aufheben odcr“ anßrr Gebrauch qc: kommen smd. Dic Spezial = Kommission hat dirsclbcn cillc gepriift und neue Gcncral-chrlu fiir das Kommando, dic Vkl'jval: tung und die Ycrwendung drr Fonds aufgestellt. Diese sind es nun, die mit dem nachstrn Jahre in Kraft treten sollen. Die wesentlichsten Bestimmungen „WWU UNd fOlgcndc: Aufnahme im analidcn-Öoicl finden solche Militairs, denen Alter, Blrssnrcn odcr “Schwäche iiicht mehr ZU arbeiten IUWUM. Dcr Uiigchiirigkcit, das; A:!fqriwmmrnc aus Launeodcr Unübcrlcgthcit 1ViLdeÜUI3Usck)kidk11 und b'ald daranf wieder aufgenommen zu werden begehren, wird das neue Rcalcmrnt fteurrn. Dcr “Verwaliungsrath wird zum Obrrrati) erhoben iind bat künftig "Uk WU ÖM WUHÜIU'M Fragen, namentlich mit der Entwcrfiinq des Budgets zu thun. C'in Militair- Rntrndant wird künftig die Leitung und Kontror der Verwaltung fiihren. Dcr Archivar *wird künftig Nicht mehr zugleich Zalilmcister sein; dicse Stelle wird eincm Beamten iibertragen, drr Caution zu stellen hat und Untrr der Kon- trolc dcs. R?CÖJUYUJIVVL'LI steht. Krim Invalide darf anszrrbalb drs Hotels cchstlwft Ortrribcn, z.B.chcnImittcl verkaufen; dochblcibt ck11?" UUWJOUUULU/ 111 ihren Mußrstundcn bezahlte Arbeit zn tlymi. Kein Jiivaiide darf Lebensmittcl aUI dem .Hotel hcraiistraqcn, wril damit höchst bedauerlichcr Mißbrauch gctricbrn worden ist) Aitsqc- UOUUUM iindsdtc vcrhkirathctcnInvaliden, dcrrn Fraitcn in dcr Städt WOHNEN. UUisormr-ock und Hut wcrden abgeschafft, jrdcr “*mvalidc cr- [)ält einen zweiten Mantel Und eine zweite MiiYc. Fiir die kleinen Bedürfnisse wird der Sold, drr srii 51) Jahren derselbe geblieben War, namhaft U'hÖ'ht. Die Offizier-Jiwalidcn erhalten fortaiiDicnrr. Barbicrcn, Haarschiicidcn und Wäsche wird künftig anf Kosten des Hotels besorgt. Ein neuer “Tarif der Brköstigung wird eingefiihrt; alle Morgen soll Kaffee verabreicht werden. Das [ici offiziellen Bc- suchcn zu beobachtende Ccrcmonicll ist bis ins Einzelne klar bc- ftimmt und in Erinnerung gebracht, daß bei dcr Aufnabiiic von Krichtrophäcn oder bei den lcßtcn Ehren hohcr Würdenträger ch Staates keine Truppcn-Abtbcilung in Waffen durch das Gitter des Hotels kommen darf, das ist ein altes Vorrecht dcr Invaliden.
Dcr »Monitcurn meldet, daß das auf der Fasanen-Jnscl vor der Mündung der Bidassoa ins [viscayischc Mccr errichtete Denkmal cht fertig ist. Auf der nach Spanien gerichteten Seite ist eine spa- nische, auf der französichen Seite eine französische Inschrift angebracht, Auf den anderen Seiten, wclche nach der Bidassoa und nach dem Meere schauen, stehen die Jahreszahkcn 1659 (Pmrnäcn-Fricdc) und 175361 (Wiederherstellung dcr Jasancn- odcr Konferenz=Jnscl). Die Insel ist mit Gras bcsäct und mit Bäumen bcpfianzt. Hiermit ist der Z. 3 des Art. 27 des Bayonner Grcnzberichtigungs = Vertrages vom 2. Dezember 1856 vollständig zur Ausfiihrung gekommen.
Ein Telegramm aus Marseille meldet die Ankunft des Prinzen und der Prinzessin Napoleon.
* Heute hat die Preisvertheiiung an die Künstler der nunmehr geschlossenen Kunstausstellnng stattgefunden. Dcr HauI- und Kunst- Minisicr Marschall Vaillant eröffnete die Siriung durch eine Rede, dcr fich cine Ansprache des Intendanten Grafen Nicuwckcrkc anschloß. Das Ritterkreuz der Ehrenlegion wurde 5 fremden Malern: Achen- bach, Alfred Stewens, Schwertschkow, Vela und Wilmann, 5 fran- zösischen Malern: Gustav Brion, Cibot, de Rudder, Bcnouvillc und Desjobert, -Z französischen Bildhanern: Brion, Jsclin und chccl, und dem Lithographcn Desinaisons verliehen.
' Dic Dampf-Jrcgatte »Mogadora hat Ordre nach Alexandrien
1399
bekommen, um die nächstens in Suez eintreffende "anamitische Ge- sandtschaft des Kaisers Tuduc nach .Jra'nk'rcich zu fuhrrn. -- Aus Brest meldet die »Francca, daß die Lnnendgmrfer vZean Ya», „Ville de Lyon“ und »Wagran1« fich verproviaiiiireti und nachstcr Zeit nach Mexiko abgehen werden. Statt des mit deiii MarschaUs. sabe fiir Forcy nach Vrra- Cruz abgesandtcn "Forfait? Wird der TransWxt-Dampftr »Rhm« von Toulon nach dem Stillen Ocean, und zwar" nach Acapulco,'abg„cfcrti§gt. . . . . Heute haben sich, Wie die „Franceu meidet, die Miinftrr m Fontainebleau beim Kaiser zur Berathung vrrjammclt. Herr_Billault Lehrt heute Abend nach Paris zurück, Waerend des Kaiicrs Ab- wesenheit wird er im Ministrrrgthe „dcn Vorjiy fuhren. . . . Die »Francca sagt, es sei .Ulchf wahr, was viele italienische Blätter melden, ndaß die italienische Flotte untcr Contrc = Admiral Provano nach Cherbourg gehen werde, um dort vor dem Kaiser der
(" dcn Revue u »a fircn»:
Wanz-s 7. Jiili. chxr sheutige »MoniteureZ publizirt e_incn Bcricßt des französischen Konsuls zu Tananarchi vo11115.2)„)iqi. Es wird darin iiber die auf Madaxzask'cir statigchabtchvolutikon ge- sagt, daß diese aus einer Rivalitat zwiichen den Großen und jungen Leuten entstanden sei, die bei Radarnathronbcstcigun'g *aus Rudrr gelangten, jede Art von Gunst an 11([) rineiiirnd den Komg zu Maß- regeln bewogen, wclche die Bevölkerung, mißbiliigte; _sic wurdeii de_r Ungerechtigkeit, dcr Erprcffungcn und ubcriiaupi großer iinyittlichicit anarklagt. Der König hatte, indem er cancirlZ. dcrtundcn ließ, ivc'lchesidcn Zweikampf Und selbst den Kamps dcr «tainnir imd der Dörfer gegeneinander, ohne andere Jörmlichfcii als beidericitrgc Zu- stimmimg, fiir zulässig erklärte und auf diese Wciiedeii Yurgcrkrieg pro- klamirtc, [zicrmit cinen Vorwand zu den chmdicligkcitcn dar- geboten. Die Offiziere und die Großen unter dcmjVolkc flehten den König an, dieses Gesetz zuriickzimchmcn, rr weigert; fich aber entschieden; darauf trafen die Großrn Vorbereitungen, ihii aiizu- greifen. Dcr Konsiil Versanimrltc dir auf "Madagaskar besmdlichcn Franzosen, der englische Konsril die EiiZlandcr, «Uiid es „wurden Maßregeln hinsichilich dcr Methodistcn-Mtinonaire ergrinneii, die seiner Anffordcrung iiicht gefolgt waren, Nachdem der Konig sich nord- mals geweigert hatte, jenes Gesetz zu widerrufrn, “versamiiifclten iich das Volk, Sklaven und Soldaten auf den önciitlichcn Pfla'ßeii und snchtcn nach 33 Personen von der Umgebung des Konigsx die von den Vcrschworcncn proskribirt waren,“ 11 fielen, unter "ihren Streichen. Unterdessen entspannen sich Unterhandiringcn mrt drmKomgc, der fiir die noch nicht umgebrachtcn Ungliicklichcn um Gnade hat und versprach, daß er fie für immer verbannen woile: Die Ver- sckiworiien blieben unerbittlich und verlangten rwige Ciiikerkeriing dcr *Zchnldigcn. Dies verweigerte der König aiiiairgs, gerichmrgtc es aber doch nach vielen Uiitrrhandlungcn. Am Uef'ichftc'il „xxxage wnrde drr Kiiiiig ermordet. Das Conseil proklamirtc dic Komgm Yiab-odo und vcrkiindcte, der König habe, außer sich iiber den Verlitii seinrr Freunde, sich selbst den Tod gegeben. Die Kömgm gcnehiiitgtc die Vrrfaffnng, welche unter Anderem dic Zulaffimvadn Spiritnosrii vcrbictct, das Recht iibcr chen und Tod in die Hande dc's Coiisrils giebt nnd die Religionsfrcihcit anfrccht crhäli. D'cr Prcnucrmrmstcr zriiitc Herrn Labordc an, daß er den Befehl an dir Gouverneure gc-
1midt liabe, die Weißen in Schutz zu nehmen.
Italien. Turin, 4. Jiili. Dcr Lliissckwß dcs Turiner Ab- ., 7_ _ ' “ “_ ." ' , ' “ dcs LangrrwrrzWchorps organiiirtc cr eme:znsurgenten-Abtheilung
gcordnctcnbmiscs, drr die Aufgabe hatte, eine Repartirung der auf das mibcwcglickrc Vcrmögcn gcicgtcn Steuer von 30,000,1ii)0 Fr. vorzuschlagen, hat, nach der »Köln. Ztg.«, die von den ctiizrliieii Provinzen des Königreichs Italien zu entrichtenden Steuer-Bcitrage folgendermaßen vcrtheilt: Neapel 8,059,029 Fr., alte picmonteitschc Provinzen mit Einschluß von Pavia 7,641,591 Jr., Lombardri 4,LLL,L)()4 Fr., ehemalige päpstliche Proviiizcn Z,044,992Jr., Si- rilirn L,847,316 Fr., Tchana 2,457,402 Fr., Modena 880244 Jr., Parma und Piacenza 669,517 Fr. '
Rom, 31). Juni. Wie dem »Moniteura gemeldet wrrd, war auf die durch den Befehlshaber der französischen Gendarmerir am 23. und 24. Juni vorgenommenen Verhaftungen Tristany's imd Stramcnga's die Verhaftung cines gcwiffcn Durrlwlz, ehemaligen Offiziers im 2. Schweizer-chimcnte zu Neapel, gefolgt. Mgn faiid bei ihm wichtigc Papiere, dic gegcmvärtig in Händen der iranzöii= schen Militair-Behördcn find.
Griechenland. Athen. Dem pariser »Monitcura zufolge wäre die in Athen ausgebrochene Militair-Revoltc durch die Ver- haftung eines sich gegen die Regierung xaiiflchncnden Offiziers ver- anlaßt worden. - Die »Franccn will wissen, die Gesandten Frank- reichs, Englands und Rußlands hätten in einer an die Natioiial- Versammlung gerichteten identischen Note erklärt, fie wiirden, falls die National-Versammlung nicht sofort die Ruhe im Lande wieder herstellc, ihren Posten verlaffcn. -- Aus Turin vom 6. Juli, wird der »Jndep. belge« telegraphirt: *Die Lage der Dinge in Athen hat fick) noch nicht gebessert. Admiral Vacca hat Truppen zum Schußc des italienischen Gesandtschafts-Hotcls und der in Athen lebenden Italiener landen lassen. Mehrere Italiener haben fich an Bord der Schiffe unseres (des italienischen) Geschwadcrs gcfliichtet.«
Türkei. Konstantinopel, 5. Juli, Der 'Jndép. belge«
wird tclegraizhirt: *Der im Daghestan gegen die Russen ausge- brqchenc Aufstand greift um sich. Die Tscherkeffen haben das be"- festigte Dorf Zakgtal genommen; den Russen find dabei 920 Sol- daten und_ zwei Generale, deren eincr Citianew ist, getödtet worden.-
AN'Uszla'nd und Polen. Von der polnischen Grenze, 6; Juli!, wird der =Oftsee - Zeitung“ geschrieben: *Die von einem fluchtig gewordenen Postbeamten in WarscDau am 2. Ö, Mt“ weiidetc Summe von nahe an 60,000 SRO. war soeben von der rusnichcii Jntrndantur der Post zur Beförderung nach Plock an die dortige (Harniion Übergeben worden. Es ist noch zweifelhaft, ob die- icr Diebstahl auf Befehl und im Interesse der geheimen National- Negicrung oder lediglich zum Vortheil des Diebes verübt worden ist. Ein gut untcrrichtetcs polnisches Blattwill wiffcn, daß die entwendete Summe bis zum Abend des 2. Juli noch nicht an dicKaffe der ge- heimen chierrmg abgeliefert war. Sogleich nach Entdeckung des Dieb- stahls wurde uns der Post und in mehreren der Bank gegeniiber gele- genen Wecksel-Comtoirs die strengsteNachsuchung vorgenommen, aber ohne Erfolg. -- Jiir dcn Ober-Prokurator Johann Wolowski ist. aus St. Petersburg die Entlassung aus dem Staatsdienfte einge- sendet morden, das Urthcil gcgen denselben ist aber noch nicht er- gangen. Als Kandidaten für die erledigte wichtige Stelle des Ober- Prokurators hat der Marquis Wiclopolski vorgeschlagen: den StaatI-Rcfcrcndar Szymanowsfi , dcn Advokaten Grabowöki, das Senatsiiiitglicd Porzclski und den Kanzlei-Direktor in der Justiz- Kominimion, Cholewinski. Die Vorgeschlagenen haben aber sämmt- lich die Annahme der Stelle entschieden abgelehnt. - Die ge- heime »National-Regicrung- hat so eben zwei Jnstructionen fiir die Formirung von Parteigänger=Abtheilungcn der In- fanterie und fiir die Organisation des Volkshecrs in den Krei= sen veröffentlicht. Nach diesen Jnstructionen sollen im Kö- nigreich neue Abtheilungen organifirt und in möglichst kurzer Zeit schlagfertig gemacht wcrden. Personen, welche die Vcrhältniffc und namentlich die Stimmung der ländlichen Bevölkerung im Königrcich genau kennen, find überzeiigt, daß die crneueten Anstrengungen der RevolutionZ-Partci nur sehr geringen Erfolg haben werden. Das» größtc Hindernis; für dieselben ist nächst dcm Widerstandc der Bauern der bereits“ sehr fühlbar gewordene Mangel an Waffen und Muni- tion.= - Ueber die Vergangenheit des am 19. 1). M. gefallenen Jnsurgcnten-Anfiihrcrs Bordan Boncza theilt dcr Korrespondent der »Osts.=Ztg.« folgende Data als zuverlässig mit: *Dersclbc hieß Konrad Blaszczynski (war also kein Prinz Radziwiil, wie eine Zeitlang vcr- breitct wurde) und war 1S34 in Warschau geboren. Nach dem Tode seiner Eltern trat er in die russische Armee ein und nahm Dienste bei der Artillerie. Mit bcsondcrem Eifer widmete er fich der Mathematik Und den Krichwisscnschaftcn. Im Jahre 1859 wurde er zum Lehrer an der Artilleriefchule in Warschau ernannt. Nachdem er Anfangs d. I. vom Ccniral-Comité dicC'rnennung zum Chef der bewaffneten Macht der Woiwodschaft Plock erhalten hatte, reiste er am 13. Januar von Warschau ab und begab fick) nach der genannten Woiwodschaft. Hier unternahm er Ende Januar einen Angriff auf die Stadt Plock, der aber von den Ruffenzuriickgeschlagcn wurde. Voll Mißmnth iiber das Mißlingen seines Planes und iiber den geringen Anklang, dcn dcrAufftand bei dcr Maffe der Bevölkerung fand, verließ Blaszczynski bald darauf die Woiwodschaft Plock und begab fich iiber Posen in das Lager des Langiewicz. Nack) Zertriimmerung
im Gouvernement Radom und später nach Zcrsprengung dcrscibcn einc Reitcrfthaar in der WoiwodschaftKrakau, die durch ihre Raub- züge und Gcwaltthätigkciten gcgen friedliche Einwohner mehrere Wochen hindnrch der Schrecken der ganzen Woiwodschaft war.« -- Aus WarscHaU vom 6. Juli schreibt man demselben Blatt: »In der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag wurden viele Einwohner Warschau's durch eine in der Mitte der Stadt aufsteigende große Rakete erschreckt, denn man glaubte fie als ein Signal zum Aufstands ansehen zu müssen, da man schon lange von einem solchen spricht. Jndeffen eilte sofort Mili- iair und Polizei zur Stelle, und soonl aaf der Straße als in den zunächst liegenden Häusern wurden mehrere chrhaftungcn vorgenommen; das Nähere werden wir wohl später erfahren. Gestern Morgen ist hier auf der Gartenstraße wieder ein Mann als rasfischcr Spion crdolcht worden. Solche Morde sind schon so gewöhnlich bei uns;, daß man es kaum Werth hält, davon zu sprechen. - Am 30. v. M. ist beim Dorfe Gozdzikow in den Opoczncr Wäldern (Gouvernement Radom) abermals eine der klei- nen Banden, 40 Mann stark, durch ein Dragoner-Detachement unter Lieutenant Schmidt vollständig bis auf 6 Mann, dar- unter der Anführer Wisniewski, nicdergehaucn worden. Diese Bande, der sogenannten polnischen Gendarmerie angrhörig, hatte den Zweck, alle Bauern, wclche sich dem Aufsiande entziehen wollten und nicht die Mittel besaßen, durch möglichst viel Geld. fich loSzukaufcn, aufzuhängcn, ohne Unterschied des Geschlechts und Alters, ähnlich der unlängst aufgehobenen Bande des Boncza (Bleszczynski), der mit seinen den höheren Ständen angehörenden Leuten nur das voraus hatte, daß er fich vornehmlich mit dem Hängen ,der rusfischen Gendarmerie befaßte. =- Die Jnsurgenten machen fich 1th