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1956
Angekommen: Se. Excellenz der Wirkliche Geheime Rath und Gesandte am Königlich dänischen Hofe , von Balan, von Kopenhagen, „
Berlin, 23. September, Se. Majestät der König haben Aller-
gnädigst geruht: Dem KammerherrnGustav Gans? Edlen Herrn zu Putlih auf Rehin bci Perleberg die Erlaubmß zur Anlegung des von des Herzogs von Sachscn-Coburg-Gotha Hoheit ihm ver- liehenen Ritterkreuzes des Herzoglich Sachsen-C'rneftinischen Haus- ordens zu ertheilen.
Bekanntmachung.
200 Thaler Beiohnung!
Am 91en d. Mis. ist bei Beförderung der Kempen - Breslauer Personen- Post der Fahrpostbeutel von Brolin nach Breslau, einen Geldbrief Mit 1000 Thlr. e_nthaltend , abhanden gekommen.
Der Inhalt des Briefes besteht aus :
1 Stiick Pr. Banknote Zi 500 Thlr. und 5 Stück Pr. Banknoten ii 100 Thlr. .
Auf der Rückseite sämmtlicher Banknoten befindet fich folgender, init schwarzer Dinte geschriebener Vermerk:
_ Z. [i. ZkZ. 8963. --
Wer den bezeichneten Fahrpostbcuiel mit seiticm Inhalte unbeschädigt wieder herbeischafft, erhält obige Belohnung von 200 T*Yalern. _
Alle Königlichen Kassen und Behörden werden eriucht, gut das Vor- kommen derartiger Banknoten zu achten und diesrlbcn im Präjcntationsfailc anzuhalten, das Publikum wird davor gewarnt, Banknoten, welche den obigen Vermerk enthalten, in Zahlung zu nehmen und Jeder, der iiber den Verbleib des Fahrpoftbcutels oder seines Inhalts Qluskunst geben kann, aufgefordert, hiervon bei der nächsten Post- oder Polizci-Bchörde Anzeige zu machen.
Breölau, den 21. September 1863.
Der Obcr-Post-Direkior Schroeder.
Nichtamtliches.
Frankfurt a. M., 22. September. Auf den von dem Profeffor Phillips aus Wien erstatteten Aussthußbcricht iibcr dic Grüüdung einer katholischen Universität hat der Katholikcnkongreß sich einer speziclicn Beschlußnahme enthalten in Erwägung , daß auf die Bitte des in Aachen nicdergeseyten Auöschuffes der Papst durch ein Breve vom 23. August den Erzbischof von Köln zu seinem Stell- vertreter in Betreff dieser Frage ernannt und dieselbe dadurch der unmittelbaren Initiative des Kongresses entrückt habe.
Bayern. München, 20. September. Das Postulat der Staatsregierung, dic Zoll- und Handelsrierhältnissc fiir die Zukunft betreffend, durch Welches der Staatsregierung in herkömm- licher Weise die Ermächtigung zum Abschluß von Zoil- und Han- delsverträgen , Welche dem nächsten Landtag zur nachträglichen Zu- stimmung vorzulegen find, crtheilt Werden soll, ist gestern im Finanz- ausschuß der Kammer der Abgeordneten bcrathcn und UiWerändert angenommen Worden. Die Bcrathung dicses Postulats in der Kam- mer dürfte eine nochmalige Zoildcbatte bringen.
- 21. September. Wie die »Baycr. Ztg.“ vornimmt, hat der hiesige Stadtmagistrat und nach Mittheilung der »Augsb. ledzig.« auch der Von Augsburg den Beschluß gefaßt, der Einladung des Stadtrathes zu Leipzig bezüglich einer gcmcinschaftlichen Feier des 1Zten Oktober keine Folge zu geben. Für's erste smd nämlich hier bereits Einleitungen. zu einer Säkularfeicr im (Hang, sodann ist in der Leip- ziger Einladung die Art der Feier nicht präzisirt, vielmehr das Pro- gramm erst einer definitiven Feststellung vorbehalten worden, so daß sich über die Bethciligung, unter Anderem auch über den Kosten- punkt, eine genügende Beurtheilung der Sache im Voraus nicht bilden konnte. Sonst find von verschiedenen städtischen Behörden zustimmende Beschlüsse gefaßt, wie in Magdeburg, Cöln, Mannheim, Helidhelérg, Coburg. Dagegen hat HannoVer und auch Cöthen ab- ge e n ,
“B'samderg, 19. September. Gestern Nachmittags traf Ihre Maxestat die Königin A malie von Griechenland mit dem Courier- zuge von'Würzburg kommend hier ein und wurde im Bahnhofe vom König Otto und dem Großherzog yon Hessen empfangen und nach der Residenz geleitet.
, Schtveiz. Genf, 19. September. Der Staatskath hat die Sihungen des Großen Raths geschloffen Wegen eines Tadclvotums gegen die Spielbank. (Schwäb. Merk.)
Niederlande. Haag, 21. September. „Heute hat derKönig die G'eneralftaaten eröffnet. In seiner Rede hob derselbe hervor, daß" die Finanzen des Landes sich in einem sehr günstigen Zustande befanden und daß troy dcr außergewöhnlirhen Mittel, welche die Erbauung der Staatsbahnen in Ausprnch nehme, die Amortisation der Schulden nicht gehemmt werden würde, auch die Lage aller übrigen ZWeige der Verwaltung wurde in der Thronrede in aner- kennender Weise hervorgehoben. Die zunehmende Bevölkerung des
Reiches erfordert nach der Verfassung eine Vermehrung der Mitglie. der der Zweiten Kammer, Hr. Philipse ist aufs Neue zum Prä. fidenten der Ersten Kammer ernannt. (Köln. Z.)
Großbritannien und Irland. London, 21.Scptem- ber. Dem Mr. Ellice , Unterhaus-Mitglied fiir Coventry, widmen heute die Blätter aller Parteien eincn ehrenvollen Nachruf. Cr War beinahe 80 Jahre alt geworden und hatte, wie 1venige„seiner Lands: leute Gelegenheit gehabt, nicht blos die britischen Besihungm in Amerika, sondern auch die Vereinigten Staaten griindlich kennen zu lernen. Politik _ so schreibt die »Timcsa - war es 11ichtaus= schließlich, womit dieser ftrebsame Mann sein Leben ausfüllte. Als Erbe ausgedehnter Bcfihungcn im Staate Ncw-York und in Canada lebte er als junger Mann lange in Amerika, leitete große Colonisa= tions:Unternehmungcn und machte noch im hohen Alter mebrcrc Rcisen-nack) den Vereinigten Staaten. Er hatte in seinem Lebendicl gesehen und erfahren. Er befand fick) an Bord des ersten in Fulton erbauten Dampfcrs bei dessen erster Probefahrt , er stand mit den großen Staatsmännern der Vereinigten Staaten in der Glanz. periode der Republik in vertraulichcm Verkehr,“ cr lernte als prakti. scher Kaufmann in London die Verhältniffe imd Bcdiirfniffc dcs Haiidclsftaiidcs kennen,“ er gehörte zu dem Aiisschuffc, wclciicr qc- mcinsam mit Lord Byron die Zeitung vom Drurylane = Theatchn die Hand genommen hatte,“ er stand an der Spitze einer Coriiiiaxxiiic, Welche der Hudsonsbay=Compagnie im Pelzhandel nicht erfolglos Koxzknrrenz machte , bis endlich die beiden sich vereinigten,“ er war großer (Hrnndbcsißcr und bei dem allen ein so gewicgtcr Politiker, daß die Whigs ihn bis zu seinem Tode in jeder wichtigen Angelc- gcnhcit zu Raths zogen. Was Amerika betrifft, hatte er lange vor Arisbruch des Bürgerkrieges diesen prophczciht, und in. drn'lclitcn ivcchsclvollcn Jahren hat er iiiwcrändert an der Ansicht fcftgchalwtcn, daß die Uuion auf die Dauer nicht wiederhcrgcstellt werden könne, gleichviel, ob der Süden mit Waffciigcwalt bezwungen werde oder nicht.
Frankreich. Paris, 21. September. Die mexikanische Deputation, wolchc dcm Erzherzog Maximilian die Krone anfragen soll, hat, wie der »Monitcura heute meldet, von der provisorischen Regierung in Mexiko die Weisung erhalten , vor ihrer Abreise nach Wien in Frankreich zu Verweilen, um Sr. Majestät dcm Kaiser die Hochachtung und den Dank der mexikanischen Nation auszusprechen. Wie die »ericce- hinzufügt, werden die .Herren, dercn Wortführer Giiticrrcz dc Estrada ist, fich übermorgen nach Biarrixz zimt Kaiser begeben und erst dann nach Wien reisen,
Ans Vcra-Cruz, 17. August, bringt der »Moniteura heritc noch weitere Nachrichten , welche die bereits 111itgctheilfen ergänzen. Zn Icra-Cruz war der Napoleonstag festlick) begangen worden. Habasco ist schon ganz pacifizirt,“ dasselbe geschieht in Tamaulipas mid, auf dem Isthmus von Tehuantcpcc, wo 200 mexikanische Frei- imiligc untcr Stöcklin's Führung Minatitlan besetzt haben. Selbst Yucatan, das seit 25 Jahren fich von allen in Mexiko cinaiidcr gc- f digicnchierungcn unabhängig erhalten hat, scheintfichdcm neuenKai- scrrcichc einordnen zu wollen. Carmen ist ganz frei und das Jarbholz kommt massenhaft den Strom herab. NachdcmTanwico am 11.2luguft genommen worden, bleibt nur noch Matamoras und Campeche zu be- seßen, dann find die Franzosen .Herrcn der ganzen Küste. Mcdrfack) war, 111 Mexiko gewünscht worden, die Franzosen möchten auch die Stadte im Innern des Landes bcschn. In einem 311 Mexiko cr- schrinendcn Blatts in französischer Sprache, der »Eftafcttea, war am 6. August eine Petition in diesem Sinne abgedruckt. V,)iarschall Jorcy hat darauf an die Reduction dcs Ilattes ein Schreiben ge- richtet, Welches dcr »Moniteurn heute vollständig mittheilt. Dcr Oberbefehlshaber erklärt darin, daß es jeYt Nicht an der Zeit sci, ins Innere zu marschircn,“ die Bittsteller schienen ihr Land nicht zu keimen, somft wiirden fie nicht von ihm verlangen, in dieser Jabrcs- zrit, wo es täglich in Strömen rcgne, einc regulairc Armee mit Nr- tillerie und Bagage ins Innere, d. h. ins sichere Verderben zn fuhren. »Ich habe den Ungeduldigen Frankreichs, welche meinen Marsch. auf Puebla zu saumsclig fanden, zu widerstehen gcivußt rind nnch wohl dabei befunden,“ ich werde jeßt auch den Ungedul- digen Mexico's, und zwar in ihrem eigenen Interesse, zu widerstehen Wissen,“ dem) die Armee ins Innere vorrücken (affen, hieße in dieser Jahreszeit, lch wiederhole: es , Niles aufs Spiel sehen. Mögen diese Tingeduidtgen sich ein “wenig gedulden und versichert sein, daß wir nicht mußignbletben. Die französisch=mcxikanische Armee hält zur Zeit 66 Stadte, Flecken und Dörfer von Vcra-Cruz bis Mexiko [36- seßt und bewacht dic Umgegend der Hauptstadt in einem Umfrcisc von 25730 Meilen gegen die Juaristischen Banden durch stets schlagfertigc Kdlonnen. Heißt das Unthätigkcit? frag' ich. Die Pa- cificatton Mexiro's kann nicht das Werk eines Tages sein, fie wird nur iiach und nach erreicht. Ich bitte die Ungeduldigen, auf das Sprüchwort zu vertrauen: »Wer Warten kann, dem kommt Alles zur rechten Zeit!« Juarez befindet fich noch immer in San Luiz de Potofi. Dobiado hat fich nicht der neuen Ordnung gefügt- sondern den Titel eines Gouverneurs vom Staate Guanajuato an-
genommen und fich dorthin zurückgezogen. Weiter meldet dann der
1951"
,Moniteura, Marscha11 Forer) habe die Finanzverwaltung reorgani- firt und den Schulanstalten die sequestrirten Güter und Fonds zurück- e eben. gg Die 'France- erklärt, der Herzog Von Morny befinde fich augenblicklich in Paris und nicht in Neapel, wie ein Telegramm «meldet habe.
“ Spanien. Aus Madrid , 19. September, wird telcgraphirt“: »Man verfichert, der Kaiser von Marokko habe erklärt, er würde es gar nicht ungern sehen, wenn die störrigcn Riff-Stämme von den Spaniern tüchtig geziichtigt wiirden.-
Jtaiien. Der König Victor Emanuel ist am 21. d. Mts. nach dem Lager von Somma abgereist, um den dortigen Manövern beizuwohnen.
Der Provinzialrath dcr neapolitanischen Provinz Principato citeriore hat beschlossen, cin Anlchcn von 4 Millionen Lire aufzu- nehmen, Welches für öffentliche Bauten, hauptsächlich Straßen, vcr- wandt werden soll. Anch der Genicindcrath von Caltanisetta will von einer englischen Gesellschaft 3 Millionen Lire entlchncn und dieselben für Straßen ansgebcn.
Rußland und Polen. St. Petersburg, 21. Septem- ber. Der Kaiser Alexander ist gestern und der König Georg von Griechenland heute friih [)icr eingetroffen.
Schon häufig haben wir Gelegenheit genommen, zu berichten, bemerkt die "St. Petchb. Ztg.« vom 20. d. M., daß Jusurgentcn aus den Banden freiwillig zurückkehren und um Gnade bitten. Dic Jahl derselben vermehrt sich fast mir jedem Tage. So erschienen “. V.. am 7. September in der Stadt Sslonim 30 Mann bei dem Militair-Chcf. Auch in Kowno kehren täglich Aufständische ans den Wäldern zurück und reden wir nur von Edelleutcn, so haben schon über 40 Personen in Gegenwart des Gouvernements-Chefs den Eid der Treue geleistet. Sowohl die Aussagen diescr Zurück- fehrcnden, als auch die Berichte der Ortsobrigkeiten bestätigen, daß dicJnsitrgcntenbandcn fast iiberall auseinandergehen und in den Wäldern nur die Anführer mit 5 bis 6 Mann zurückbleiben, da dicse ihrer Stellung wegen nicht auf Gnade hoffen diirfen. Unab- hängig [)irrv011.fi11dcn sich fortwährend in verschiedenen Kreisen bei den Militairchcfs Leute aus nicdercm Stande und Schljachtizcn in großer Zahl ein und bitten um Gnade, Sie Werden becidigt und in ihre .Heimath entlassen.
Am vergangcncnSonntag, den 13. September, legten in Wilna in der Kirche des hci[.J0ha1111cs in Gegenwart des Gouvernements- chefs und des Wilnafthcn Kreis- Adclömarschalls Grafen Pinter dic Echcntc BroniSlaw Mincjko Und Johann Sachccki den Eid der Treue ab.
Anficdlcr aus Polen nach Rußland überficdcln wollen, auch zum Theil schon übersiedelt smd, ist bereits gemeldet worden. Nnn [mch in jüngster Zeit anch vicic Deutsch aus der Klasse der Arbeiter, Weil sie in Polen den Verfolgungen und Gefahren, denen fie von Seiten der AusstandsPartci Unaufbörlici) auSgcsth find, zu entgehen, ihre Wünsche zum Ueberiritt nach Rußland „zu erkennen gegeben, und die Regierung kommt ihren Wünschen mn so lieber entgegen, als es im russischen Reiche nicht an Arbeit aller Art und lobncndem Verdienst, abcr nock) schr an Arbeitskräften und besonders an Jeldarbcitern schlt. -- Aber nicht allein in Rußland ist der deutsche Arbeiter gesucht und beliebt, son- dcrn auch in den [»altischcir Provinzen öffnet man ihm bereit- willig die Thore und nimmt die gerne auf, die Polen durch ihren Fleiß so viel Ruch brachten, mm aber von den Jeindcn dcs armen zerrütteten Landes Verdrängt werden, um dessen Ruin auch Von dieser Seite durch Entziehung der ihm so nöthigen Arbeitskräfte zu iwsthicunigcn.
Das livländischc Landraths-Kollegium bringt zur öffentlichen ;
Kcnntniß, daß eine nicht unbeträchtlichc Zahl deutscher Arbeiter und
Kolonisten aus Polen in das Kaiserreich iibcrfiedcln woilc, und for- „
dert dic Gutsbcfiyer auf, von dieser Gelegenheit Gebrauch zu die diplomatische Action fiir Polen als bccndigt zu betrachten sei,
machen, um dem Mangel an Arbeitskräften abzuhelfcn und ihre
Anträge, mit Angabe der Zahi und Art der benöthigten Arbeiter, !
recht bald zu machen, damit das Weitere diescrhalb Veranlaßt wer- den könne.
An der Grenze von Litthaucn haben einzelne Bauern iich zu Patrouillen formirt, um die Wälder abzusuchen und was fich etwa
Verdächtiges zeigt, aufzuheben. Jm Lublinschen haben an mehreren 1
Stellen offene Anstrittc der Bauern gegen den Adel ftattgchabt und
es 'ich ni t ive ren la en i r Iich an' den utsherrlichcn Wiesen „ , / ck h ff , h s g “ Winter fortzuführen. Dafür spricht u. A. auch die völlig vcr-
zu Weiden. Dies und andere für den Aufstand ungünstige Anzeichen scheinen die weniger cxaltirien Theile des Adels endlich zu der Ein- sicht bringen zu wollen, zu welcher der größte Theil des litthanischen Adels bereits gelangt ist, daß nämlich Polen nicht in den Lagern der Umsturzpartei, sondern einzig und ailcin im engen Anschluß an den Kaiser 31: suchen sei,“ denn nicht allein aus dem westlichen (Hou- Verncmcnt und Litthauen, sondern auch aus dem Lublinschen, Augustowschcn imd Radomschcu sind Adressen, von Edcllcutcn untcr-
zeichnct, eingegangen, und der Bruch des Adels mit der Rebellen- partei scheint bereits ein offener zu sein.
Wie eine heute eingegangene Nachricht aus dem Lublinschen' mittheilt, find am 9ten d. M, in einer Kolonie drei Henker des - geheimen Tribunals von acht Bauern erschlagen Worden, als sie einen Kolonißen erdolchen wollten, fich gegen die zur Hülfe herbei- gccilten Bauern zur Wehr seßten und einen derselben durch einen Schuß verwundet hatten. Die durch die Bauernlynch Gerichtesen hatten außer Revolvern und Dolchen auch Schnüre bei fich und außerdxm ein Päckchen mit einem weißgrauen Pulver, wahrscheinlich ein Gi t.
Ein eben aus PeterLburg ankommender Reisender erzählt, daß man gestern die Leiche eines Offiziers aus Polen angebracht, und daß dieser von dem Volke eine fast abgöttische Verehrung erwiesen worden, indem mcm sich von allen Seiten herangedrängt habe, den Sarg zu berühren und zu küssen.
Aus Warschau, 20. September, enthält die »Ofts. "Ztg.- noch nachstehenden Bericht über das Attentat auf den Grafen Berg“: Dasselbe fand auf dessen Fahrt aus Lazienki nach dem Stadtschloffe in der Weise statt, das; vom ersten Balkon des von Miethcrn (mehr als 1600 Personen) bewohnten Hauses des Grafen Andreas Za- moyski (welches neben dessen Palais auf der Neuenwelt imd Kra- kauer Vorstadt belegen ist) mehrere Schüsse abgefeuert, und zugleich einige Orfinischc Bomben geworfen Wurden. Einer der Schüsse ging dem Grafen Berg durch den Palctot und durch den Wagenfiß, ohne den Grafen oder den Kutscher zu verlexzcn, die Bomben da- gegen beschädigten ein Wagcnpferd, den Wagen an mehreren Stellen, und vcrivundctcn zwei von den den Grafen begleitenden Kosaken. Die andern neben dem Wagen reitenden Kosaken bcseßten sofort das gedachte Zamoyskiscbe Haus, und die alsbald herbeigeeilten Trup- pen begannen nun die angeordnete Revifion und Arretirung der ganzen in diesem Hause befindlichen männlichen Bevölkerung, so wie
? cines Theiles der männlichen Beivohncr des benachbarten Palais
des Grafen Andreas Zamoyski. Im Ganzen Wurden gegen 200 Personen verhaftet, darunter Fiirft Lubomirski, mehrere Standes- personen, der Kaufmann Leon Krupccki, viele Beamte und andere Personen, Bcdiente u. s. w. Sie wurden gegen Mitternacht zu Fuß nach der Citadclle eskortirt. Das ganze Haus Wurde (gemäß den vor einigen Monaten publizirtcn Kriegsgescßen, Wonach im Fall aus irgend eincmHaUsc Schüsse fallen
,wiirden, dasselbe demolirt werden soll) den Soldaten
prengcgeben. Alle Möbel, große Spiegel, Haué'geräth, Bilder, Flügel (allein fiinf solche kostbare Instrumente aus dem ersten
,Stockwerf), Uhren, Kleider und alles bewegliche Eigenthum , 7 der Bcwvhncr wurde durch die Fenster auf die Straße geworfen
Aus Rußland, 16. September, wird der »Poscncr' Zeitung,.- gcschricbcn: Daß eine bedeutende Anzahl deutscher
und in drei großen Haufen auf der Breitenftraßc (Krakauer Vor- stadt) vor dem Copcrnikus-Monument verbrannt. Das bedeutende Wein- und Kolonialwaarcn -Lagcr des in diesern Hause wohnenden Kaufmanns L. Krupccki, welches sofort versiegelt Wurde, soil morgen dem Militair als Beute iibcrantwortct werden. In dem neben dem Zamoyézkischen Miethshause bclegencn Zamoyékischen Palais find
; gestern ansehnliche Waffen: und Munitions-Niederiagm entdeckt und
heute ist auch die Kreuzkirche und das Kloster, Welche unterirdische
; Verbindungen mit gedachten Zamoyskischen Gebäuden haben sollen,
beseyt und revidirt worden, Fortwährend finden Verhaftungen statt, und um in dcr Citadclle Play zu gewinnen, find heuié 500 Ge- fangene imd Militairpflichtige per Extrazug nach Wilna abgesandt worden. -- Gras Sigismund Wielopolski hat seinen Posten als
; Stadtpräfidcni niedergelegt, und an seine Stelle ist General Wit-
kowski getreten. »- Kavallerie-Pairouillcn sprengen durch die Stadt. Es herrscht große Erbitterung, aber auch große Furcht. Nirgends Aufläufe oder Excesse. - Laut hier eingegangener telegraphischer Nachricht ist Großfürst Constantin bereits Freitag, den 18“.- in der Krim eingetroffen.
Von der polnischen Grenze, 2]. September, wird der »Osts. Zig ., mitgetheilt: Die polnischen Blätter gestehen Offen, daß
Und daß die russische Diplomatie den Sieg gewonnen habe. Den- noch fahren sie fort, fiir die energische Fortscxzung des Aufstandes zu agitircn, indem sie die Ueberzcugung aussprechen, daß, wenn der Aufstand sich bis zum Friihjahr behauptet, alsdann die bewaff- nete Jutchention Frankreichs nothwendig erfolgen werde. Bis dahin verlangen fie von “den drei Mächten nur die 1110ralische Unterstiißung, daß sie die Jnsurgenfen als kriegführendc Partei anerkennen. Es unterliegt also keinem Zweifel, daß die Revo- lutionsxiartei entschlossen ist, den Kampf gegen Rußland auch im
biirgtc Thatsache, daß die geheime National-Regierung nicht. blos eine neue Anwerbung von Zuziiglern in allen ehemals polnischen Landcétheilen angeordnet, sondern auch bedeutende Beste(lungen von Winterpelzcn fiir die Jnsurgeuten im Qlusiand gemacht hat. Doch wenn nicht alle Anzeichen trügen, so bereitet fich in der polnischen Gesellschaft nach dem Fehlschlagen der diplomatischen Action in Bezug auf den Aufstand ein völliger Umsch1vung der Meinung vor, und die