1907 / 57 p. 6 (Deutscher Reichsanzeiger, Mon, 04 Mar 1907 18:00:01 GMT) scan diff

die gewünschte Auddebnun erfahren, weil man sich über dßn Zwecx, der überhaupt damit errei tWerdkn kann, nicht klar gewesen tft. Mit der bloßen Gründung von Genossenschaften läßt sich nicht schon der Wohlstand der Mitglieder schaffen. Die Regierung hat auch schon erkannt, daß man das Ziel ursprünglich zu weit gesteckt batte,_ und daß die finanzielle Skike bei Genossenschaften nicht die Hauptsache ein darf, daß vielmehr eine (Genossenschaft, für die em wirkliches e- dürfnis vorhanden ist, auch selbst imstande ist, sich das nötige Vetriebs- kapital zu beschaffen. Der Abgeordnete Hamxner dankte neulich derRegie- rung, daß sie dem Hauptverband: der gewerbktchen Genossensihaften durch ihre Hilfe ermöglicht habe, außgezeicbneteRevisionen vornebmxn zukönnen. Damit schiebt er der Regierung eine Verantwortung fur die „aus- gezeichneten Revisionen“ zu. Der Gebeimxat Hagenberg, desseg Buck; Herr Hammer besprach, hat dieses Buch ntchx als Dezernent fur Ge- nossenschaftswesen im Finanzministerium gefchneben, sondern auf (Grund seiner Tätixkeit im Genossenschaftswesen in der rovinz. Wenn Kerr

ugenberg sagt, daß manche Handwerkergenoffen (haften nur geno en- cbaftlicbe Monstra seien, so hat er damit recht, abgesehen davon, daß man auf diese winzigen Gebilde nicht den Ausdruck Monstra anwenden kann. Die Un nada des Hauptverbandes der gewerblichen Genossen- Ychaften bat si Herr Hagenber dadurch zugezogen, daß *er manchen leinen gewerblichen Genoffens aften die Existenzberechtigung abge- sprochen hat. Der Redner spricht zum Schluß die Ueberzeugung aus, daß eine moderne gesunde Entwicklung des Handwerks durch eine ge- sunde und solide Entwicklung des Genossen cbaftswesens bedingt sei.

Damit ist der Etat der Handels- und Gewerbeverwaltung

erledigt. ' Es falt der Etat der Preußtsrhen Zentral-

geno seits aftskcxsse. _ ertchterstatter ist der Abg. von Brandenstein (kons.). Bei den Einnahmen bemerkt Abg. Hammer (kons.): Die ständigen Angriffe, die der Abg. Crüger als Vertreter der Schulze-_Deliizfchschen Genossenschaften 99 en die Preußische 5Kentralgen:)ffen/cbaft/Ikasse richtet, erfordern dv? eine Abwehr. ach der Beratixng über diesen Etat im vor gen Jahr, bei der es so friedlich .zugmg, daß nur noch Bertha von Suttner fehlte, weil Herr Crüger fehlte, meinte dieser an anderer Stelle, daß die HandWerker nur deshalb nicht in die Schulze- Deli schschen Kassen gingen, weil sie sic? von der Verpflichturxg der unbe cbränkten Haftpflicht zurückgeschreckt üblten. Bei einer spateren Gelegenheit hat dann der Abg. Crüger anf meine darauf bezßglichen Ausfuhrungen gemeint, da sie wie ein Scheinwerfer die Situation erbeuten. Er hat zum Beweise seiner Behauptungen sogar auf das Hugenbergsche Buch gestüßt, Weil Hagenberg ebenso wie der etzige HandelSminister n seinem früheren Amte kleingewerbli e Genossenschaften kennen gelernt habe, die man allerdings nicht mit eroßer Hochachtung nennen wird. Das Hagenbergsckze Buch, das in e nem vaterlandischen Tone und land- wirtschaftlichen und mittelstandsfreundlichen Sinne geschrieben ist, sagt aber in seinen weiteren Ausführungen, die Herr Crüger nicht zitiert hat, daß die kleinen GeWerbetreibenden si über Zurückweisung durch die Schulze-Deli13schschen Kassen beklagt [) tten ; die Entwicklung dieser Kaffen führe zur Bildung yon Aktiengesellsckpaften und Banken, und so sei es natürlich, daß sich andere, speziell gewerbliche Genossen- schaften bildeten; diese Bildung sei oft planlos erfolgt, und deshalb hätten sich diese Genossenschaften zu einem Verbande zusammenge- scbloffen. Wir haben mit Recht für tüchtige Revisoren gesorgx, um unseren Verband richtig auszubauxn. Herr Crüger sollte nur auch für seine Ge- noffenscbaften für ordentliche Revisionen sorgen; wenn man in einem Glasbause fist. soll man nicht mit Steinen werfen. Wenn behauptet wird, daß für die kleinen Genossenschaften Ykiüiconen vom Staate weggewvr/en seien, so muß man einen so schwerc'n Vorivurf auch be- Weisen könnkn. Solche Angriffe hat Herr Crügcr von jeder gegen solche Genoffenschaften gerichtet, z. B. auch gegen die Milch- zentrale. Wenn die Preußenka e etwas daran verloren hätte, wäre es cine SchulzL-Delißsch che Genossenschaft gewesen. Bei der MilÖzentrale ist alles reinlicb zugegangen. Bei Herrn Crüger ist alles gut, was die SchulzL-Delißfchschen Genosse» schaften getan [»abkn, alles schlkcht, was bei anderen (Genossenschaften geschikht. Die Preußische Zentralgenossenscbaftskasse hat Herr Crüger angegriffen Mit der Behauptung, daß Millionen über Millionen binauSgsworfen seien; das müffkn Sie beweisen. Wir bkwei/en, was wir behaupten, darin unter/cbsiden wir uns von den Sozial- demokraten. Die Gründung des Hauptverbandes der Genossenschaften war eine Notwendigkeit; wir haben nich_ts zu fchsuen, da wir eine weiße Weste baden. Ich bin bereit, „Herrn Crüger Schlag für Schlag yachzuwäscn, was al18s in seinen Genossenschaften pasfiért. Ob das iür das (Gcnoffenscbaftöwesen gut ist, lasse ich dabingostcllt. err Crüger solite [ikbßk mit nns zusammknarbeitcxi, aber jeden- alls lassen wir uns nicht mehr Von ihm auf die Stiefel treten. Abg. Dr. F aßbe n de r (Jean,): An die Stcllc des Individualismus im gewerblichen Leben ist in neuerer Zsit der genossensckoaftkickpe Zu- sammenschluß gcirctsn. __ Die weitere Folge war die Gründung der Zentralgcnoffensckya/Wkaxye. Es kommt hier auch die Frage der Ent- schuldung der LandwirUchast in Betracht. Wir haben_ im Vorigen Jahre ein_c Resoimion amgcnommen, daß die Gcnoffen/ckyaftskaffe in den Dienst der Entschuldung gestellt wird. Bei der Entschuldung, namentlich in den“ Landesteilen mit leinen ländlichen Betrieben, wird man dsr Mitbil/c dcr Zentralgenossenschaftskasse aar nicht entbehren können. Es War ein unstcrblicbes Verdienst Raiffeisens, daß kk das syckyologische Momcnt, das bei unseren Bankrn eine große Rolle pielt, in dar Struktur seiner (Genossenschaften in Rechnung gezogen hat. DLT Banck scheut ien Verkehr mit großsn Kredit- instituten, dsslialb müffén die Genosssnsckpaften anch die Vermittlung mit den Realkreditinsiitutcn übermbmen. Ohne in die Skidst- Ncwaitung dcr'Genoffcnscbaft einareifcn zu wollen, möchte ich empfehlen, daß die'Pfandbricfinstitute sub der Vermittlung der Genossen- schaftsn bedienen. Dabei möchte ich eine Erhöhung des Grundkapitals der Zentralaenoffen'chafiökaffc bcfürworten. Es heißt, daß die Zentralgenoffetxscithk/kaffe_ an dim hoben Bankdéskont der Reichsbank mit Wald 151, da sie große Beträge von dsr Reichsbank au/ Loxnbard genommZn babe. Es wäre wünschens- Wert, daß_der Prasident der Kais? sich über dicse Axigriffe aus Börsenkreijcn, Von denender Tag g€1chrieben bat, äußert. Ich sehe nicht ein, warum die Zentralgexioffenschaftskasse die Reichs- bank nicht ebenfalls denußcn wl]. Abkr auch aus anderen Gtünden wünsche ich eine (Erhöhung des Grundkgpitaifx dcr Zeniralgenoffcn- schaftskaffc. Die Junnsprucbnahme der Kaffe i/t vit eine iprungbaftk, und dazu braucht sic Ein großes Kapital. Dic Aufgabé, den Zinsfuß gleichmäßig zu halten, kantx fis nur dann erfülLLn, wenn sie nicht seibst s(cmd88 Kapxtal in Anspruch nehmen muß. -- Nötig ist auch die Gicick/sti'llnna der Beamtkn dcr Zentral- genoffensckyaftskaffe mit denen der Scebandlung. Wenn die Re- ierung mit eincm wichen: Anima käme, würdcn wir gern zu- ,timmen. Daß es zu dieier Gleichstellung noch nicht ge- kommen ist, ist eine Schuld der Regisrnng, denn alle Yaktionen des Hauses würden sicb damit einpkrstanden erklären. er GeichäftSumsa/z dsr ZLntralgenoffenscbafiskas/e bcläuft fich schon (UK 12 Milliarden. Fxrner habe ick) den Wunsch auszusprschen, daß die Kaßenboten dcr Zentralgenoffcnscbaftsknffe deff?! gestellt werden. Gerade die Leute, die leicht in die (Gefahr 8011 Defrauden kommcn könnkk', mUssen beffergestslit we1den. Nach Zsitungsbcrjchten ist ein Erlaß ergangen, "daß 'die Stacssbeamtcn überhaupt ihr («,hait an eine, Bank uberwuien und darüber mittels Schecks verfügen soilen; die Zentralgenoffenjcba/tskasse sol] jedoch davon ausgknommen sem Ein: Dszenlrglisancn des Depositenchkebrs ist wünschens- weit, aber ich bin nicht für den_Poi1scheckverkel)r aus dem- selben „Grunde me, gegen die Postsparkas/en, wkii dadurch eine Kon- zeritratwn des Kapitals eintreten würde, das dem Mittelstand entzogen wurde; wohl aber halte ich den Erlaß eines Scheckgeseßes 1ür dringend erforderlich,- da dadurch *cec Scheckoet ehr auch in die Kreise der kleinen Gewerbetxeibenden LTMJQUJ findet. Die Zentralgenoffenschaftskaffe bat daaogkn so v:?le Aus'zablungxkassen wie kein anderes Institut nnd könnte zur DczexxtraUsation der Depofiien beitragen. Dem

kleinen Kaufmannsstand kann die Zentralgenoffenschaftskaffe nicht in dem Maße nützen wie der Landwirtschaft und dem sonstigen Gewerbe. Aber nach den Statuten kann sie nur mit Genossensckoastsverbänden in Verkehr treten. Der Kaufmanns- ftand müßte also erst ebenso or anisieren wie das übrige Gewerbe, z. B. durch Einkaufögenoffens aften. Schließlich würde ich wünschen, daß die Statistik der Zentra genossens aftskaffe zu einer wirklichen Bilanz- und Abschlußstatistik angebaut w rd, und daß eine Genoffenschaftsbibliotbek eingerichtet wird. Von wesentli er Be- deutung für das Gedeihen der Genossenschaften ist eine richt ge .Ver- waltung, es sollte, deshalb schon in den Volksschulen und in den land- wirtschaftlichen Winterschlen das Verständnis für das Genossenschafts- wesen mehr wie bisher vorbereitet Werden. Innere Vertiefung und äußerliche Außgestaltung müssen zum Gedeihen des Genossenschafts- we ens zusammenwirken.

Finanzminister Freiherr v o n R l) e in b a b e n:

Meine Herren! Die beiden Herren Vorredner haben der Tätig- keit der Zentralgenoffenschaftskaffe eine sehr wohlwollende Beurteilung zuteil werden lassen, und ich möchte nicht verfehlen, hierfür den Herren meinen Dank abzustatten.

Der Herr Vorredner bat Auskunft über eine Anzahl von Einzel- punkten gewünscht, und der Herr Präsident der Zentralgenoffenschafts- kasse wird diese Auskunft nachher erteilen. Insbesondere wird er auch die in einzelnen Organen der Presse aufgestellte Behauptung widerlegen, daß die Tätigkeit der Zentralgenossenscbaftskaffe dazu bei- getragen hätte, den hohen Diskont der Reichsbank noch zu erhöhen. Der Herr Präsident ist bereits in der Budgetkommission darauf ein- gegangen und hat das widerlegt; ich glaube, er wird diese Dar- legungen nachher auch in diesem hoben Hause machen.

Ja!; möchte mich nur noch zu einigen wenigen Punkten äußern, und zwar zunächst zu der Frage der Aufbesserung der Gehälter. Meine Herren, Sie werden mir glauben, daß bei der außerordentlicben und hochverdienstlicben Tätigkeit der Preußenkaffe, die mir selber unterstellt ist, ich in dem Interesse für diese Kaffe gewissermaßen der nächste bin, und Sie werden in diesem Etat eine erhebliche Hervor- hebung einer Anzablvon mittleren Stellen sehen. Wenn es noch nicht möglich gewesen ist, auch die oberen, die leitenden Beamten der “Kaffe den Beamten der Seebandlung gleichzustellen, so wollen Sie immer berücksichtigen, daß der Finanzminister im eigenen Hause in erster Linie ]ugdjbis äigbrjbubiya üben muß. Sie wissen, wie viele unerfüllte und zum Teil unerfüilbare Wünsche noch vorhanden sind. Wenn ich im eigenen Hause wir dringend am Herzen liegende Wünsche erfüllte, obne zugleich die Wünsche in anderen Ressorts erfüllen zu können, so würde man mir mit Recht vorwerfen. daß ich mit ungleichem Maße messe. Hierbei kommt namentlich auch die Rückwirkung auf die Beamten der Reichsbebörden in Betracht, namentlich des Reichspatentamts und de] ReichsverficberunJSamts. Ich denke aber, daß sich doch in absehbarer Zeit die Frage im Sinne des Herrn Vorredners wird lösen lassen. Mit der steigenden Tätig- keit der Zentralgenoffenschaftskaffe wird auch eine anderweite Stellung der leitenden Beamten erforderlich sein. Nun Wollen Sie aber noch erwägen, meine .Hkrren, daß, wie ich in meiner EtatSrede ausgeführt babe, uns in diesem Jahre nicht einmal die Mittel zu Gebote standen, um die ?ämtlicben Unterbeamten aufzubeffern; war das nicht der Fall, so durften wir, glaube ich, n::mentlick; nicht im Ressort des Finanz- ministeriums, an die Aufbesserung der höheren Veamien herangehen. Was speziell die Kaffendiener betrifft, so haben sie im Jahre 1905 eine Erhöhung des Wobnungégeldschuffes um 50 0/0 erfahren, und fie werden, wie die Unterbcamten überhaupt, im Jahre 1908 mit einer Aufbesserung bedacht werden. Damit wird, glaube ich, denWünscben des Herrn Vorredners Rechnung getragen werden.

Meine Herren, der Anlaß aber, weshalb ich um das Wort ge, beten habe, war eine überaus wichtige Anregung, die der Herr Vor- redner zu der Frage der Erhöhung des Kapitals der Preußenkaffe gegeben hat. Er bat auf die steigende Entwicklung und auf die enorme Zunahme ihrer Geschäfte hingewiesen, und ich möchte nun einige wenige Daten nach dikser Richtung gehen, weil sie von ganz besonderem Interesse sind.

Die Preußenkaffck hat ihre Tätigkeit begonnen mit 11 Verbands- kaffen, 786 Genoffenschasten und 83 000 Mitgliedern, und sie hat am 31. März 1906 ihre Tätigkeit erstreckt auf 51 Verbandskaffen, 13 912 Gknoffenscbaften und 1273000 Mitglieder. (Hört, hört!) Also, meine Herren, eine Steigerung Von 11 Verbandskaffen auf 51, yon 786 Genoffcnschaften auf 13 912 und von 83000 H.Ritgliedern anf 1273 000! Wenn Sie nun die Familienmitgliedsr hinzurechnen, die zu diesen Genossenschaftern gehören, so darf man sagen, daß etwa 8 Millionen unserer gewerb- tätigen Bevölkerung in Stadt und Land, und zwar gerade in den mittleren und kleineren Kleiscn, ibre leyte Geldquelle in der preußischen chtralgenoffenschaftskaffe suchen. Und, meine Herren, in welchkm Maße die Umfäße gestiegen sind, Werden Sie ja aus dem Bericht gesehen haben; Sie werden darauf; entnommen haben, daß die Preußeukaffe im [(Film Jahre auf einen Umsaß von über 12 MiÜiatden gekommen ist. (Hört, hört!) Wichtig aber ist -* und das halte ich mich für verpflichtet, bier bkrVorjuheben _, daß die Preußenkaffe bemüht gewesen ist, dxn Geldfaß im aUgemeinen auf einer gleichmäßigen Höhe zu hxiten. Sie hat im laufenden Jahre den Zinssaß auf ZH 0/0 festgehalten, und für den Wechselverkebr ist sie nur auf den Zinssatz Von 4k 0/9 gekommen. Sie hat also bei einem Reichsbankdiskont von 70/0 ihrsrseits durchschnittlich nur 40/0 ge- fordert und hat damit in der Zeit der ledknappbeit der landwirt- schaftlicben Bevölkerung und den Handwerkerkreisen einen sehr wesent- lichen Dienst geleistet. (Sehr richtig!).

Nun, meine Herren, hat sich unter dem Einfluß der Prcußenkaffe und unter dem steigenden (Gefühl dsr Solidarität in der Landwirt- schaft und im Handwerk die Situation der ganzen Genossenschaften ja wessntlich gebsffert; sie ist wescntlicb inneilicb erstarkt, u'nd wir haben die Erscheinung Vor uns, daß zum Teil die Genossenschaften geradezu mit einer gewissen Geldfüüe, mit einem gewissen Geldüberflaß, wenigstens in gewissen Zeiten des Jahres, zu tun haben. Es fehlt im Augenblick zum Teil an der richtigen Direktive, diesen Geldüber-

üuß der Landwirtschaft und dem Handwerk wieder zugute kommen zu lassen. Dieser Geldüberfiuß ist zeitweise auch nicht wieder in die Kanäle geflossen, aus denen er stammt, und auch nicht immer wieder fruchtbar geworden in der Landwirtschaft und dem Handwerk und hat sich vielfach den Großbankkn zugewendet. Er hat sich städtischen An- lagen, industrieUen Anlagen zugewendet, und die “Genossenschaften haben in steigendem Maße, aber ihrer eigentlichen Aufgabe zuwider, sich auf den Realkredit eingelassen, während doch die Pflege des

Personalkredits ihre eigentliche Aufgabe gewesen wäre. (Sehr richtig !)

Also den Gedanken, den der Herr Vorredner anregt, auch die Genossenschaften in den Dienst der ländlichen Entschuldung zu stellen, halte ich für durchaus fruchtbringend und durchaus der Erwägung bedürftig. (Sehr gut!) Herr Faßbender hat meiner Ansicht nach voükommen mit Recht gesagt, daß an den Landwirt ferner stehende Organisationen, die Landschaft oder gar der Staat, vielschwerer berau- ]ubringen sind als die ihm örtlich nahestehenden kleinen Genossen- schaften, mit denen er täglich zu verkehren hat. und daß, wenn man, was bekanntlich sehr schwer hält, dem Bauern den Gedanken der Ent- schuldung nahe bringen will, man auch solche ibm örtlich nahestehenden Organe aufsuchen muß, wenn anders man zum Ziele kommen wia. (Sehr richtig !)

Ich stehe dieser Frage mit besonderem Interesse gegenüber, nicht nur nach der negativen, sondern auch nach der positiven Seite. Rath der negativen Seite in dem Sinne, daß ich es für meine Person fürim höchsten Maße bedenklich halten würde, wenn der Staat seinerseits etwa die Entschuldungöaktion in die Hand nehmen würde. Ich glaube. das würde zu ganz unübersehbaren Konsequenzen führen. Denn was heute der Landwirtschaft, dem ländlichen Grundbesitz recht ist, das ist morgen dem städtischen Grundbesitz, dem Hausbesiy billig

und übermorgen dem Gewerbe, und so würden wir immer weiter-

kommen, in dem direkten Eingreifen in die ganzen Wirtschaftsverbält- niffe unseres Landes.

Jeb dcnf auch auf die Konsequenzen hinweisen, auf die enormen Belastungen, die- sich daraus für den Staat ergeben würden. Wir haben schon jetzt eine außerordentlich hohe Eisenbahnsthusd, die ihre vollkommene Deckung wohl in FriedenSzeiten findet; aber nehmen Sie Kriegßzeiten an, nehmen Sie an, daß die ganzen Eisenbahneinnabmen in den ersten Monaten stocken, und rechnen Sie dazu eine nach Milliarden fich belaufende Belastung infolge von staatlichen Ent- fchuldungßmaßnabmen, so würde das in KriegSzeiten zu den aller- ernstesten Krisen führen. .

Also ich glaube, der Staat seinerseits darf die Aktion nicht in die Hand nehmen, und er ist auch nicht die geeignete Organisation dazu; dafür haben wir die vortrefflich bewährten Landsckpaften, deren eigentliche Aufgabe sie ist. Aber ob der Staat seinerseits diese Aktion nicht indirekt fördern kann, liegt meiner Anficht nach auf einem anderen Brette. Ich habe diese Frage an einem allerdings ganz bescheidenen Ende angefangen, an der Abzugömöglicbkeit der Amortisation von den Steuern, und ich habe zu meiner Freude aus landwirtschaftlicheu Kreisen gehört, daß selbst diese verhältniSmäßig geringe Vergünstigung dahin geführt hat, daß die bäuerlichen Kreise jest kn steigendem Maße zu amortisablen Hypotheken übergegangen sind.

Meine .Herren, aueh die Idee, eventuell die Erhöhung des Kapitals der Preußenkaffe zu diesem Zwecke vorzunehmen, scheint mir durchaus der Erwägung wert, wenngleich der Plan eine feste Ge- staltung noch nicht gewonnen hat. Die Frage ist ja in dem engeren Ausschuß und dem Weiteren Ausschuß der Preußischen Zentral- Genossenscbaftskaffe sebr eingehend erwogen worden, und sowohl der engere Ausschuß wie der weitere Ausschuß sind zu einer Resolution folgenden Inhalts gekommen:

Auf dieser Grundlage eröffnen sich dem GenossenschaftSwesen für die Zukunft folgende wiehtige und mehr oder weniger neue Auf- gaben:

1) die Mitwirkung bei der Umwandlung von privaten und überhaupt kündbaren in unkündbare Tilgungshypotbeken der auf gemeinwirischaftlicber Grundlage beruhenden Rsaikreditanstalten (durch Raterteilung, Erledigung der Formalitäten und Gewährung von etwa erforderlichem Zwischenkredit).

2) Vermittlung und geeignetenfalis Gewährung schnell tilgbarer Nachbypotbeken zur Abstoßung von privaten bockxverzinslickpen, leicht kündbaren Hypotheken.

Hierzu soüten die verfügbaren Mittel der Genossenschaften in erster Linie verwandt werden, soweit dies bei voUer Sicherungibrer Liquidität und der Erfüllung ihrer bisherigen Aufgaben auf dem Gebiete des Personalkredites möglich ist.

Also eine, wenn ich so sagen darf, schiedliche und friedliche Teilung der Arbeiten zwischen den Landschaften und dcn Genossenschaften in der Weise. daß die Landschaften ihrerseits den Realkredkt innerhalb der sicheren (Grenzen zu befriedigen suchen, die hochverzinsliäpen Hypo- theken in Landschaftsbypotbeken umwandeln, und andererseits die Ge- noffeuscksasten die außerhalb der (Grenzen des Realkredits liegenden Hypotheken, die ja viel mehr in das Gebiet des Personaikredits ge- hören, ibrerieits abstoßen (sebr richtig!), selbstdexständlicb gegen eine erhöhte Risikoprämie.

Nun ist bei den weiteren Verhandlungen des Ausschusses hervor- gehoben worden, daß, wenn die Genossensäßaften sich diese neuen Auf- gaben steüen, fie doppelt bemüht sein müssen, sich 1196166 für ihre nächsten Aufgaben zu erhalten. Denn das kann ja nicht verkannt werden, meine Herren, daß eine solche Operation eine erbebliche Festlegung der Bestände der (Genossenschaften mit sicb bringen würde (sehr richtig !), also insofern sehr ernst überlegt werden muß; denn die erste Rücksicht muß unter allen Umständen die Sicherheit und Liquidität der Genossen- schaften bleiben. (Sehr richtig!)

Unter diesem Gesichtspunkt ist dann auch in den Ausschuß- beratungen erwogen worden, das Kapital der Preußenkasse zu erhöhen. um d'en Genossenschaften, die sich in den Dienst dieser großen Ent- schu1dungsaufaabc stellen, erhöhte Mittel zu gewähren und dadurö ihre Liquidität in erhöhtem Maße sicher zu stellen. Wclckoe Be- dingungen da im einzelnen Falle zu stellen wären, das anzugeben, würde hier zu weit führen; dazu ist die Sache noch nicht spruchreif genug.

Ich kann also auch heute mit einem bestimmten Plane vor das Haus nicht ttetc'n. Das würde auch nicht meine Aufgabe sein, da in erster Linie der Herr Minister für Landwirtschaft dazu berufen ist- diesS Frage der Entschuldung weiter zu führen. Aber das kann ich hervorheben“ - und das weiden, wie ich hoffe, dix Herren aus meinen Ausführungen ersehen haben -, daß die Frage im Kreise der Preußen- kasse, im Kreise des Ausschusses, im Kreise des Finanzministeriumk aufs ernste erwogen ist, daß wir mitten in den Verhandlungen sieb“! und suchen werden, einen Weg zu finden, der sowohl den (Genofsen' schaften wie dem ganzen ländlichen Kreditwesen zum Segen gereicht- (Lebhafics Bravo!) .

Abg, Dr. Crüger (frs. Volksp.) bedauert, daß die persönlichen An- griffe dcs Abg.Hammeribnzunächftzu einer Entgegnung zwängen, eh!?er auf den Etat der Zentralgenossenjchastskaffe eingeben könne. Die Rede des

Herrn Hammer habe aus vaotbesen und Widersprücksen bestanden, W" iciner Drohung, furch1bareAbiechnung zu ballen, babe er, der Redner-

, "des

andere Bank Ges

. aebörigen

.aber nichts bemerkt. Würde Herr Hammer die Zeitschriftenliteratur über das Genoffensckoaftsweskn genauer verfolgen, so würde er bemerkt Labem, daß er (Rednex) sich auch mix dem zweiten Teil der Hugen- ergscben Schrift eingehend beschaftigt babe. Bedauc-rliaberweisc sei Zen Ha mer noch nicht einmal über die Anfangßgründe enoffen' aijWesexis unterrichtet, denn sonst müsse er wissen, daß auch am erheblicher Teil der Schulze - Delißsch - Kaffen Genossenschaften mrt beschränkter Haftpflicht sind. Herr Hammer könne nicht bestreiten, da die Preußische Zentralgenoffensckpaftskaffe eine (des Redners) sacbli 8 Kritik nicht unbeachtet gelassen babe. it Herrn Faßbender könne man sich im großen und ganzen, ab- eseben von der Entschuldungsfrage, einverstanden erklären. Die entralisation des Geldes durch den Betrieb der Preußenkas-sk nach oben seixzu bedauern; wenn das Genoffenscbaftswesen n Frankreich nicht dieselbe Entwicklung genommen habe, wie in Deutschland, o liege der (Grund darin, daß auch in Frankrei die Gelder zu ebr der Provinz entzogen worden seien. err aßbendcr müsse einen Wunsch der Dezentralisation aber nicht loß auf den Depofiten- verkehr der Geno en chaf_tsbanken, sondern auch aufs den Kreditderkebr erstrecken. Veden li set auch, das; die Preußen asse die Genossen- ?clkfaften zu einer gewi en Juteressengemeinschast führte, aber anzuerkennen - e daß die Leitung dieserBebörde selbst den Folgen solcher Interessen- ?emein/cbaft entgegenzuxvirken suche. , Da die Preußenka e manchmal törend in die Geldverhaltnisje eingretfe lege daran, daß e nicht bloß mit Genossenscthen geschaftlicb verehren könne, sondern wie "ede , äfte machen e. Was solle es überhaupt heitxen, wenn man voti einem . roßen“ Ein ußaufdenReicbsbankdiskontspreéhe? Solche Einfluss: erfo ten obne weiteres aus dem Vorhandensein der Kaffe. - Wenn der inanzminister auf den Kreis von 1200000 Mitgliedern der Preu enkassc hinwies und mit Anschluß der zu- amilien " bis 8 Millionen Seelen Interessenten- kreis festste te, so musse man doch bedenken, da so manches underttausend davon seinen Bankier aucb no wo anders uche. -- Der Wunsch des Herrn Faßbender nach Einrichtung einer Gengffenschaitsbibliotbek dur die Preu enkaffe sei sehr unterstußenswert, aber die parsamkeit i rer Leitung werde es wobl nicht dazu kommen lassen; denn zur Fort- führun'zé des von der Preußenkaffe herausgegebenen Adreßbuchs der an- geschlo enen,Genoffenschasten habe sich die Verwaltung schon wegen BeteiligunZ an die Genossenschaften gewandt. Bedauerlicherrveise habe der 5 räsident der Psreußenkaffe, Herr Heiligenstadt, es gelegent- lieb hervorgehoben, daß ein der Kaffe angebörender Verband Verlukxte durch eine S ulze-Delißscbsche Genossenschaft erlitten ba 8. Man babe darau bin neue Angxiffe gegen die Schulze-Delißscbschen Kacßen Fes leudert. Der niedrige Zinsfus der Preußenkaffe bestände d be i rem Wechselverkebr nicht; vielmehr richte sich dieser wie überall nach dem Reichsbankoiskont. _- Die Berliner Milchzentralc sei von ihrem Schicksal getroffen wvrden; Herr Hammer habe noch am 3. Februar 1906 von der inneren Gesundheit der Milchzentrale gesprochen und auf den Ueberschuß von 130000-44 hingewiesen. Wie glücklich wären die märkiéchen Bauern, Wenn Herr Hammer recht hätte! Der Rednxr betont, da er diese Angelegenheitjeßt nicht zur Sprache gebracht hatte, i_venn nicht der Präsident, Herr Heiligenstadt, in der Budgetkommi/sion erklart hätte, daß er die Abschlüsse der Milch- :entrale durch seine Beamten wiederholt babe prüfen lassen und troxzdem zu keinen Beanstandungen Veranlassung ebabt habe, und das, obgleich sich nicht nm.; die Spa en in Berlin, ondern die Spaßen von den Dachern aller markisehen örfer einander zupfiffen, wie die Dinge lagen! Herrn Faßbenders warmem Appel] an Handwerk und Landwirtschaft zur weiteren Organisation des Genoffensckpaftswesens könne man nur zustimmen. Präsident der Zentralgenyssenscbaftskaffe Dr. Heiligenstadt: Auf den Vorwurf, daß ich mtch von den Verbältniffen der Milch-

. zentrale nicht genügend überzeugt bättx, erwidere ich, daß die Anfrage

in der Kommission nur dahin ging, ob (“ine Sanierung der Milchzentrale vorgenommen werde oder in Aussicht stehe.

habe in der Kommission schon erklärt, daß die Zentral- genossensckpaftskafse mit der Milcbzentrale nicht in Verbindung siche, da wir nicbt in das Selbstwerwaltungs- und Selbstbestimmungs- reibt der Genossenschaft eingreifen WQÜLU- Darum hatte ich keinen Anlaß, mich über die Verhältnisse der Milcbzcntrale zu orientieren. Ich Habe in der Kommisfion *nur erklärt, daß, soweit mir bekannt ist, die betrcffenden Maßnahmen nicht vorgenommc'n würden. *Der Rechtsstrkit der Milchjentrale ist beim Kammexgericht zu ihrem Vortkil und er]t beim Reichsgericht zn ibrsm Nachteil entschieden. Wenn diese beiden Gerichtsböfe zu _VLrscHiedcnen Auffassungen kommen, kann man den beteiligten Kreisen nicht vorwerfen, daß sie leichtsinnig gehandelt haben. In der General- versammiunq d2_r_ Miichzentrale wurde erklärt, daß nicht wegen der schlechten Gestbastsiage', sondern deshalb, weil 6000 (Geschäftsanfcilc im Oktober1906 außgetreten sind und Weitere zum April 1907 q-kündigt haben, die Auflösung beschloffen wurde. In einem Bericht darüber heißt es, daß keine Schwierigkeiten Vor- gelegen hätten, sondern daß nur die Untreue dcr (Henosscn dcr Grund zur Auflösung sei. Das dcckt fich mit dsm Bild, das ich jetzt gewonnen habe. Wen" die kleinen Kanflente und Handwerker noch nicht genügend dcn Yedit der Zenttalgexwffcnsckyaftskassc genießsn, so ist das nur die Schuld dixjer _Krei/e selbst, wxil fie noch nicht die nötigen Organisationen geschaffen babkn. Mit dem Haupt: veiband der (Hknoffen/cbaften bat die Zentralgeuoffcnschaftgkass? selbst gar nichts zu tun. (Fin Beamtcr der Zcntralgenossenschaftskassc ist allerdings im Nebenamt beim Hauptverband tätig, aber sowohl das Direktorium wie ich persönlich enthalten sich jkdcr Einwirkung auf den Hauptwerband. Dieser ijt Vollständi selbstandig, und es handelt sich nur um einen Beamten, der lange ZZ-it im Genoffenscbaftswesen steht und dort zweckentsprechend wirken kann. Von däm Adreßbuch der Gmioffenscbaftsn sind noch keine 100 Exemplare abgeseyt worden. Deshalb müsstn wir uns schr Überlegxn, ob xine Fortseyung diescr Publikation zweckmäßig ist, w:!nn nicht„ die Interessenten zu den Kostka beitraaen. Aiif einc tlieoretijcbe Erörtemng, was Ukrai- und Per/onalkce'dit ist, will ich nicht_ cingcbcn. Unler Real- kredit wird verstanden, daß das Pfand lediglich durch den B-ésitz gskkckt, ist, während für den Personalerkdik in ersikr Linie die Person steht. ie Fragc ist absr nicht aktuell. Dis Grundsäßk, die wir anwenden, sind zum Teil nach die yon Shulze-Delißsch, aber es sind allgemeine kaufmännische Grundiäßx. Darum, weil fie von Schulje-Delißscb angewendet find, brauchen wir sie nicht zu kopiercn. Der“ Abg. Crüger bklmnptkt cine ungerecht- ferti Te Konzentration des Kreditvetkabrs nach oben durch“ die Zentral- gknojenschaftskassc. Wie das Hkrr Crüger meint, ist 11111“ nicht rx'cbt klar. Die Regierung ist immer für die Dczkntrali- sation auf dikskm Gcbicte eingetrsten. Der Finanzminister hat einmal acsagt, daß möglichst jedksx Dorf seine Dorfbank baden soll. Daß nachhkr aUe Fäden aus dem einheitlichen Weld- txiatkt usammex-fließen müssen, ist doch ganz reibswersfänd- lich. 5 ei unserer Kasse ffießen dic [syien Fäden dez Kredittxr- kkbls der yon uns vertretcnkn Bevölkezri1ngsschichten zusammen. Die Ze'ntralgcnoffcnschaftskasse soll nicht iediglick) dem (Heidausgleich disncn, sondern schon 1896 hat der Finanzminister crilärt, daß die Kaffß zunächst den Geldauögleicb zu organisiaren habe, das; sie aber darüber hinaus die wrchtiae Aufgabe babe, die notwendig]? Brücke ziim Geldmarkt darziistellßn. Durch ric Deientralisatxon und Zennalifation m der Zentralgenonensehaitskasse soll die Unabhängigkeit der Ge:- nossenscbaften_bkcinträchtigt sein; hier fißkli viele Genossenfawfter, die den Geschaftsvnkebr der Kaffe kennen und mir bestätigxn w-"rOcU, daß die Kasse niemals in di“: Selbstvyxwaltnng de'r GUWsUÜÖÜTOU eingegriffen bat. Dadurch, daß die Zentraigenosscnschaftskasse Gcid 3118? 0/0 außgciicben und fich selbst bei der Reichsbank zu 8 9/0 geliehen hat, soll fie dl? 1chwieriac Lage des Gelomarktss mik VZk- anlxßt baden. Aliexdings bat die Kasse Ultimo Dezkmbér 54 Mrklionen bei der Reichsbank al_s Lombarddarleben entnommen. Diese Dikposikionkn werden_ aber reaelmaßtg in jedem Vierteljahr ausgefübi't, und niemals ist daruber ein Vorwurf erhoben worden und kann nicht schoben wsrden. Auch die Art der Geschäfte ist durchaus nicht dem Geldmarkt schädlich. Es handelt sick) um Gelder, welche die Zentralgenossenschaftskaffe kom-

missionsweise erhalte'n und weitergegeben hat. Die Kaffe mußte den Auftraggebern den Ztnsfuß Vergüten, der dem Geldmarkt entsprach. Es War mit Sixberbeit anzgnehmen, daß der Zinssaß der Reichsbank nach dem Januar zurnckgeben wurde, und es kann nicht verlangt werden, daß die Zentralgeno enschaftskaffeden Verlust trägt. Seit Jahren hatdie Zentral- lenossenscba tskaffe den Diskontkredit der Reichsbank überhaupt nicht in

nsprucb genommen. Mit fixtd es nicht, die den Geldmarkt beeinträchtigen, sondern das sind die allkzemetnen Verhältniss auf dem Geldmarkt. Hat denn aber die entracJenoffensckpaftskaffe überhaupt etwas Unrechtes getan, daß sie d 6"Nei Sbank in Anspruch nahm? Jedenfalls ist sie, wie auch Herr Cruger anerkennen muß, dazu bereehti .-Die Zentral- genoffenscha'ftskaLe ist ni t eine um station; dize Genossenschaften haben alle ihre redite bis_er zurü geza lt, und die Kaffe hat nur den Kredit zu organi eren. Die Reichsbank ist durch die Geseßgebung mit elastischen Zirka atioitsmitteln auSgestattet. Unsere Zentralgenossen- schaftskasse umfaßt jedenfalls einen erheblichen Teil der VolkSwirt- schaft und vertritt ca.é unserer Gesamtbevölkerun . Wenn man bedenkt, wie Handel und Industrie die Reichsbank mit 13 Héilliarden in Anspruch ?enommen haben,dieZentralgeno enschaftska saber nur mit4Millionen, o muß man zu der Ansicht ommen, da die Kaffe den (Geldmarkt geschont und den Platz eingenommen bat, den fie beanspruchen kann.

Nach 41/2 Uhr wird die weitere Beratung auf Montag 11 Uhr vertagt. (Außerdem Etats der indirekten und direkten St_euern, der Loiterteverwaltung, dcs Finanzministeriums und kleinere Etats.)

Nr. 18 des „Zentralblatts der Bauverwaltung“, berauskxegeben im Min sterium der öffentlichen Arbeiten, vom 27. Februar, bat fo genden Inhalt: Aus dem Reichsbausbalt für 1907. - Ver- mischtes": Ergebnifse der vor dem Königlich sächsischen Technischen Qborprufun Samt abgelegten Prüfungen. _ Wettbeiverb um Entwürfe fur ein Kön ;; Georg-Denkmal in Dresden. *- Erricbtung eines deut- schen Gesandtschaftögebäudes in Adis Abeba in Abessinien. - Förde- rung von Versuchen auf dem Gebiete der Motorluftscbiffabrt. -- Länge der Eisenbahnen Rußlands. -- Belastungßgleichwerte.

Land- und Forstwirtschaft.

Anbau Von WinterYetZeiWei)? Frankreich für das a r .

Nach Schatzungen des französischen Landwirtschafwministerinms waren im Januar d. J. 1 210 608 da mit Roggen bestellt e en- über 1255438 118 im Vorjahre. Mit Gerste waren zu Agnßang d._I. bebaut 134 673 118. egen 139 232 118. im verflossenen Jahre, wahrend die Haferanbaufiä en auf 766 896 113 gegen 758 383 da im Jahre 1906 geschäßt Werden. (146 1311116ij (1851131165, 13011k803 sb Uarobézg.)

Gctreidemarkt in (Genua und Savona.

Das Kaiserliche Generalkonsulat in Genua berichtet unterm 25. v. M.: Im Monat Dezember v. I. wurde von Taganrog Hart- weiser) nicht mehr verschifft, und auch das Geschäft mit Novorossisk war wahrend des Monats Dezember wenig lebhaft. Die Mühlen in Genua hatten in den leßten Tagen des Oktober nnd im Nowember se_br groÉFMengen Taganrogweizen aekaust und große Vorräte ange- bauft. uditalien und besonders Sizilien waren mit nordamerika- nis em Hartweizen übxrfüllt, und deshalb war im Dezember die Na frage nach Novorosfiskweizen, der ohnehin bei den Mühlen nicht sehr bciie"bt ist, nur gering. Trokdem behaupteten fich dia im No- vember fur Royorossiskweizcn geza lten Preise (fr. 197/z «it“. für 10 1'. Dezember - Januar-VersckpiffunaZ während des ganzen Monats Dezembex, da die Ankünfte in ')oVorossisk sehr gering waren. Nord- amerikamscbe Hartweizen markn'im Dezember ziemlich starken Preis- schwankunZLn' ausgeseét. Da in Süditalien sehr viel Hartweizen nordameri umsehen Ur prungs lagerte, wurden einigs prkulanten, die noch unVerkaufte schwimmende Weizenmengcn batten, zum Verkauf ge- drängt. So wurde Mitte Dezember von diesen Spekulanten Ware, die am Ursprung 17,50 Fr. und 175/3 Fr. oil. kostete, für 17'/g Fr. und 17,“ Fr. abgegeben. Einige Cxpoxtc'ure 571an auch kleinere Mengen unwerkauft verladen. Jnfolaedeffen wurde Ende De'zember ' in Genua Ware 311 16,75 Fr. und 1677. Fr. ait". angeboten, während sich die Preise sur Januar- ebruar-Verschiffung am Ursprung auf 17,50 Fr. und 173/3 Fr. (xis. telitkn.

Die aus den Donauländern stammenden Weichweizen haben sich im Dkzember annähernd anf dkn Ende Noyember erzielten reifen gehalten, und ('s wnrde" größ9re Abschlüsse fiir FrühjabrSVers iffun gemacht, an denen sich sowohl_ *)Teapxl, als anch dcr Nordkn ziemli rage beteiligten. Di.- Preise itslltc'n sib für 77/78 20/0 für März- April auf 15% Fr., K sit", und für 78/79 20/0 auf 15,85 Fr., 75 cis. Verschiedene uxiverkauft schwimmende Viengkn Wurden kurz Vor idrcr Ankunft m GUM], Neapel. Venedig und Livorno zu sehr niedrigen Preiscu ab,;- cben (75/76 3% zu 14,50 Fr. gik. und 78/79 20/0 11: 15% ' r. ait"). Nicolaieff-Gbitca-Uica 9,30 40/0 w_a_r anfangs Dézcmbkr immer noch zu 16'/,; Qik. fär prompte“ Ver- schtffung käuflich. (Gegen ZNittc des Monats machte sich jedoch-einc Bsfesiigung der Plei/e _fäblbar. Dic (Hennefer Spekulation, die bis dahin immer noch c:us_eincn Preißrückgang gehofft batte, fing an, ängstlich zu WLkdé'n und 1ich einzudccken, was naturgemäß die Hauffe noch förderte. Jnfolaedcnen wurden Ende Dezember sür 9,30*/o prompte unnd Januar_Jebrugr-Vsrscbiffung 16,50 Fr. und 165/„ Fr. ?ezadblt, wahrend sich fur spaterc Verschiffung überhaupt keine Adgever

an en.

Auf La Plata-Weizcn sc t man große Hoffnungen, da nach den eingegangenen Berichten die ente sowohl nach Menge, als auch nach Beschaffenheit !kbr befriedigend ausgeéallen skin sol1. Während jedoch Ende Dezembcr 1905 bereits die ersten Ankünfte erwartet wurden, sind in Genua Ende Dezember 1906 nicht nnr keine Ankünfte zu erwarten, sondern es fkbien sogar Angebote.

Donau-Gelbmais (B*(UUln-CQLN'Ö) wurde im Dezember in ziem- lichen Mengen zum Pr-ise von 10% Fr. und 11 Fr. Februar-Mai- Verschiffung gehandelt.

U f.Zu/err, Roggen und Gerste waren im Dezember nahezu ohne 111 a .

Das neue Jahr hat für den Getreidemarkt in Genua einen un- günstigen Anfang genommen. Das Geschäft war während des ganzen Monats Januar wenig lebhaft. Die Gründe hierfür find folgende; Die (Hennefer Mitblen waren noch mit Vorräten reichlick; Versorgt und mußten außerdem ihre Produktion infolge geringer Nachfra : ein- schränken. Die Weizen jedcr chkunft waren im Preise gcßiegen, weil nach Einstellung der Schiffahrt auf der Donau, den nord- amerikani/Öenßlüffen und in Tazanroa die Vorräte in dkn noch zu- gänglichen Häfeix nur bsgrenzt Waren.

Der Preis für Nyvoroiiisk-Hartweizen 101). Ver Januar-Februar- Vsrsäxiffung stieg an/amg-Z Iannar a4f 20 und 201/3 Fr. und (Ende Januar auf 201 Fr. aji'. Zu ditsen Prxisen wurdc auch nach Süd- italien etwas gehandelt, während nach dem Norden im Januar nichts Verkauft wurdc.

Die Preise für Donau-Wcicbwcizen steUten sich im Januar auf

16%; Fr (311. für 77/78 20/0 Februar-März,

1 ,- , . 78/79 20/0 . , also um etwa 1 Fr. höher als im Dezembar. Gekauft wurde jedoch zu diesen hohen Prei/cu nicbis, und nur einige kleinere schwimmende Sendyngen wiirden zu nicdrigeren Preisen umgsseßt.

Nicolaieffweizen 9,30 40/0 wurde anfangs Januar mit 16% Fr. bis 17 Fr. 011". und g9gen Ende des Monats mit 17,50 Fr. und 172%, bezahlt.

Was den La PlataWeizen anlangt, so waren für diese Getreidesorte, mit Außnabme von etwa 100 -200 t., welche versuchweise unverkaust Verladen und hier zu guten Preijen Veräußert wurden, noch keine Ab-

schlüsse nach Italien 'zu verzeichnen, troßdem La Plataweizen infolge der Preissteigerung 'für Donauweizen mit diesen in Konkurrenz treten

In Platabafer wurden im Januar kleine Sendungen 45/46 zu /a und 14,50 Fr. gehandelt. (Getreidevorräte und die Preise für den Doppelsentner stellten fich in Genua, wie folgt:

am 31. Dezember 1906:

15,75-16,75 Fr. 16,00-19,7 5 11,00-12,25

Preise inländiscb

Weicbweizen 16,50-16,7 5

am 31. Januar 1907:

15,50-17,00 Fr, 16,25-19,75 11,25-12,50 13,75-14,25

In Savona fteÜten sich die Preise am 31. Dezember 1906: . 25-26 Fr.

Weichweizen 16,50-16,75

am 31. Januar 1907: 26-27 Fr.

wurden nach Savona im Dezember 1906: 6160 cla

Weizen, im Januar 1907: 12 320 (12 Weizen und 3140 (12 Hafer. Hierdon Verblieben Ende Januar 1907 an Lager: 1680 (12 Weizen und 130 (17. Hafer.

Gesundheitswesen, Tierkrankheiten und Absperrungs- maßregeln.

N a ck w e i s u n g über den Stand von Viehseuchen in Oesterreich:

Eingefül/rt

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am 27. Februar 1907 (Kroatien und Slavonien am 20. Februar). (Auözug aus den amtlichen Wochenauswcisen.)

er verseuchten

Komitate (K.) Siublricbterbezirke Munizipalstädte (

Nr. des Sperrgebiets

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a. Oesterreich. Niederösterreick; ......

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Oberösierrkicb Steiermark ........

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K. Abauj-Torna, MKaschau (Kassa) ...... *. . . . K. Unierwcißenburg (“211/5- St. Arad, Borosjenö, Clek, Kisjenö, Pécska, Viléxgos, M. Arad ......... K. Alva, Liplau (Liptéx), Turéxcx .......... Bchöalméxs , Topoiya, Zenta, Zomdor, nta, M. Baja, beresiopel (Sza- badka), Zombor ..... - St.APatkn, HÖOsÜ-g, Kula, Neßmetpalémka, Titel, Neusay (Uividé-k), Zsablya, M. Ujvidék . . K. Baranya, M. Fünfkirchen (Pécs) .......... K.Bars,Hont, VéSchemniß (Selmecz- 66 B61abémya/ K. Bézkézs .......... K. Berkg, Ugocfa ..... Barettyöujfalu Ermibéxivfalva, Szeßkelylxio,

SKC/ésffa, Elesd, Központ, Mezökeresztcs, Szalénd, M. Großwardein (Nagy-

) St. Bézl, Belénves, M*a- yarcséke NagyszawUta,

K. Borsod . . . K. Csanéxd, Csong HédmezövéziKrbélv, Sze- gkdin (Szeged) ..... K. Csik ...........

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