1907 / 61 p. 6 (Deutscher Reichsanzeiger, Fri, 08 Mar 1907 18:00:01 GMT) scan diff

wcrden. (Sehr richtig !) Das würde freilich nicht dahin führen dürfcn, daß wir nun grandsäßlicb die seitherige Methode verlassen; aber es wird eintreten können, wie es Freiherr von Zedliß gestern auch betonte, daf; wir zeitweilig daVon achicbe-n müffen.

Mrine Herren, es ist im Laufe der Diskussion noch eine Reihe von anderen recht wesentlichen Fragen erörtert worden, zu denen ich mich kurz äußern werde.

Der Herr AbgeordneteMacco hat einige Wünsche geäußert, deren Beantworiuwg ich gestern zurücksiellte, da er nicht anwesend War, aber Wert darauf legen wird, zu hören, wie ich darüber denke. Er bat eine sehr wichtige Frage angeregt, die uns wiederholt in den letzten Jahren angesichts des Feblbesiandes an Güterwagen beschäftigt hat, die Frage, ob es gestattet werden darf, daß Priyate in unseren Be- trieb eigene Wagen einsteÜen. Es lag außerordentlich nabe, daß wir uns durch Einstellung solcher Privatwagen ergänzten und dem Manko abbalfen. Meine Herren, dies ist eine grundsäßlicbe Frage ersten Ranges, und zwar aus dem (Grunde, weil wir in dem Augenblick, in dem wir die privaten Wagen in unserem Betrieb zulaffen, genötigi sind, die Privatwagen auf" unseren Rangierbabnböfen besonders zu behandeln. Das würde das Rangier- gescbäft aufs äußerste erschweren und Verlangsamen. Da wir auf unseren großen Rangierbabnböfen ganzaußergewöhnlicheLeistungen auszuführen haben, müffen wir alles Vermeiden, was zu einer Be- einträchiigung der schleunigen Behandlung der Wagen führen kann.

Aus ganz denselben Gründen müffen wir lebhafte Bedenken äußern, die Selbstentladewagen in unsern Betrieb einzustellen, wenn fie nicht für den aUgemeinen Verkehr nutzbar gemacht werden können. Denn wenn wir Selbstenrladewagen in unserem Betrieb laufen lassen, und sie nötigen uns auf den großen Rangierbabnböfen zu einer be- sonderen Behandlung, so tritt genau dasselbe ein, was ich bezüglich der Pridaiwagen vorber bemerkte. Wir find daher nur dann in der Lage, die: Selbstentlader in großem Umfange zuzulassen, wenn diese Wagenart auch für den aÜgemeinen Verkehr hergerichtet werden kann. Um das zu erreichen, ist Von mir im Vergangenen Jahre ein Preis- ausscbreiben erlassen worden; die Frist, die dort gestellt ist, ist noch nicht abgelaufen. Es ist in Aussicht genommen, für bestimmte Relationen den Selbstentladebetrieb zu fördern. Ueberall dort, wo die Züge als Pendelzüge bin und her fabren, erweist sich diese Be- triebSart als 11ü15lich, und soll sie unterstüßt wérden.

Dann hat derHcrr Abg. Macco noch eine sehr Wesentliche Frage be- rührt; er hat darauf hingewiesen, daß die LeistungSunfäbigkeit des Staats- eisenbabnneßes zum Teildarauf beruht, das; wir auf unsern Hauptlinien in Writesiem Umfange auch den Lokalberkebr bedienen müffen. Er hatte dabei den Lokalpersonenberkebr im Auge und meinte, man könne den Mißsiänden, die fick) daraus ergeben, sebr wesentlich abbelfen, wenn man in weiterem Maße, als es bisher geschehen sei, Priwal- unternebmunszen die Bedienung dieses Lokalderkebrs überlaffe. Das isi bereits gescheb€n. Die Eisenbahnverwalrung steht in dieser Frage nicht auf einem engberzigen Standpunkt. Soweit derartige Wünsche an uns beranirei€n, finden sio Berücksichtigung und Befriedigung, falis sich (1111? ihnen nicht eine Völlige Durchbrecbunz des StaatSeisenbab'ü- syfisms ergibt. Der Herr Abg. Macco wird wissen, daß wir im Westen in dieser Beziehung sebr Weit entgegengekbmmen sind. Wir haben anstandslos Bahnen zwischen Düsseldorf und Crefeld sowie eine Konkurrcnzlinie zwisch€11 Cöln und Bonn zugelaffen, und es schwebt augcnblicklich die Frogs, ob wir zwischen Cöln und Düsseldorf nicht auch 81116 Konkurrknzlinie zulassen soilen. .Diese Frage wird außer- ordc1111ich derscbiaden beurteilt. Es gibtzwei große Kommunen, die der Meinung sind, es wäre in diesem FaUe beffer, der Staat baue und nicht dis: Pridaten. Wir Werden, wenn derartige Fragen an uns herantrsten, unter Wahrung des Standpunktes, daß das Staatßeisen- babnsystem nicbt d11rchbrochen werden darf, solchen Anträgen wobl- wollcnd gegenübersirben.

Dann bat der Herr Abg. Marco gestern eine weitere Angelegen- heit bike zur Sprache gebracht, Und ich bin ibm dafür dankbar, daß das aach hier im PlenUm des Hauses geschehen ist. Wir haben Be- triebssiörungen in Wiesbaden und in Hambnrg unmittelbar nach der anetricbnabmr der beiden Hauptbabnböfe erlitten; der Wiesbadener Babnbof ist im Nbdxmber und der Hamburger Bahnhof im Dezember des dorigrn Jabrcs in Bsirikb genommen worden. Ich darf Vorweg- nebmsn, daß disse Störungcn nicht auf gleichartige Ursachen zurück- zufübrem sind. Die Betriebsstörung in Wirsbaden kann ich als aus einer Kmdrrkranibeit berdbrgegangen bez€ich11en, die dadurch kompliziert wurdc, dzß 111 den 36 Stunden, wo der Betrieb gestört War _ mehr war 65 11ickt _ sebr schwcre Nebxl auf dcm Rheintal lagen, und daß es dcm Personal dadurch sebr crscbWert wurde, fich auf dem neuen Babmbbf zureäytzusmdkr.

J11 Hamburg lag es anders. Die Hamburger Bahnhofsanlagen find mir drn Altonaer Anka,;sn als rin Ganzes zu betrachten. Die Anlagen sind siückweifc: dem Betriebe übsrgrben worden. Die Altonaer Anlagen find bsreits anfangs der 90 er Jahre in Betrieb grnbmmen. Man wird a;1crkr1111c11 müffrn, daß die dortige Eijenbabndircktion unter 112113 unsewöbnlicb schweren Verbäliniffen einen umfaffenden Umban dsr gssamten Umlagen durcbgsfübrt bat, und daß fie während der 1111113311 Umbauzeit cs bat r*rrm-xiden können, daß dem Betriebe irgend Me Störung zuZefäZt worden ist. Im letzten Augenblick ist sie 111111 nickt ganz dorficbtig gewksen. Sie bat, ohne zu berückfichtigen, das; S1? fich UM unchkonrmene Anlagen handelt, und daß ?ebr wesent- lich: Teile noch féblten, 6111 Provisorium aufgegeben, das für die Be- diénung dess Vorortverkebrs in der Richtung Friedrickpsrube-Vücben eingericbtct War, und “(31111 bat sie einen neusn VbrortVerebr auf- genommsn. Das war zu dirl für die Altonaer Einrichtungen. Daraus haben sich die emrfindiickven Störungen ergrben, die beute j: behoben sind. Die Direktion bat oprirya 11161116 gehandelt. Sie Wußte, wie schwer die Hambnrzrr Jntereffen durch die UnroÜkbmmenbeit der dortigen An- lagen Jeiiitrn babrn, und sir war bestrebt, den dortigen Jntereffenten eine rbiikommene Anlagr zUzufübren. Hierbei ist über das Ziel binauégsscboffen worden, und so erklärt sich die Störung. Ich habe Veranlassung genommen, zu bestimmen, daß vor der Jnangriffnabme so umfaffender Beirirbß- und Verkehrßanlaqen eine Feststellung durcb Kommiffare des Ministers erfolgen soli. Ick glaube, derartiges wird sich nicht wiederholen,

Dann hat der Herr Abg. Waüenborn eine Klage berührt, die in den leJten Wochen die Oeffentlichkeit befchäftigt bat, anknüpfend an Einen Betriebßunfali, der fich auf dem Babnbof Ottersberg zwischen Bremen und Hamburg in der WeibnachtSseit zutrug. Es fuhr der Hamburger Schneüzug in einen Eilgüterzug. Ein Verfchulden konnte nicht festgeftelit werden, da Heizer und Führer getötet wurden.

Zweifelöobne ist der Unfall zurückzuführen auf“ das Ueberfabren der Signale infolge dichten Nebels und Raubfrost. Bei diesem Unfall ist leider eine größere Zahl don bradcn Eisenbahnbeamten und Post- beamten getötet bejw. verletzt worden. Das Personal, das sich in dem Postwagen befand, ist insbesondere schwer mitgenommen worden. Der Postwagen befand sich in der Tat einrangiert unmittelbar hinter der Maschine. Ich darf bemerken, daß die BetriebSordnung für die Eisenbahnen Deutschlands scharf unterscheidet zwischen Reisenden “und Nichtreisenden, und zu den Nichtreisenden das Personal der Eisenbabn- verwaltung und der Postberwaltung rechnet.. In der Betriebßordnung ist auSgesprocben, es solle tunlichst dafür Sorge getragen werden, daß die Postwagen nicht hinter der Maschine einrangiert werden, _ „tun- lichst“. Das ist auch im weitesten Umfange geschehen im Bereich der ganzen Verwaltung. Es gibt aber eine ganze Reihe von Zügen, bei denen es nicht möglich ist, das sind aus Abteilszüge, die Kopfstaiionen anlaufen _ es würde dort ein unzulässiger Aufenthalt durch die Rangiermanöber entstehen _ und weiter die O-Züge, zumal die Post- wagen bisher, keine Seitengänge haben, die den unmittelbaren Durch- gang gestatten würden. Infolge dieses Unfalls _ wir haben auch 1wischen Frankfurt und Gießen einen ähnlichen gehabt, nur nicht mit so schweren Folgen _ find erneute Verhandlungen mit der Reichs- posivermaltung angeknüpft worden, und wir haben uns dahin ver- ständigt, daß in erster Linie darauf gehalten werde, die Postwagen nicht unmittelbar hinter die Maschine zu bringen, soweit das betrieb- lich zulässig ist. Dann soll den Postwagen eine andere Konstruktion gegeben werden; sie sollen viel stärker gebaut und auf beiden Seiten mit Schußabteilungen Versehen werden.

Dann ist Von dem Abg. Wallenbom darauf hingewiesen worden, daß wir die Sonntagßrube des Personals in besonderem Maße fördern möchten, mehr, als das bisher geschehen ist. Ich habe dieser Frage meine Aufmerksamkeit zugewendet nach zwei Richtungen über daßjenige hinaus, was bereits geschckben ist. Es soli bei allen Abfertigungssielien nachgeprüft werden, ob nicht die Beamten und Arbeiter auf den Güterböden und auf den Bureaus obne Schädigung des Verkehrs in erheblicher Weise entlastet werden können, sodaß ihnen in Weiterem Maße die SonntagSrube zugewendet werden kann. Dann aber ist weiter an- geordnet worden, daß allen Beamten und Arbeitern nach jeder ein- wöchigen Tag- und Nachtdienstperiode eine Ruhezeit Von 30 bis 36 Stunden frei grmacbt Werden soll, um dem Persona[ eine aus- reichenden Ruhe zu gewähren. Ich darf hierbei bemerken, daß heute bereits in umfassendem Maße dafür gesorgt wird, daß die Ruhetage auf die Sonntage verlegt Werden. Von den Gesamtrabetagen des Monats, die in Summa 1480 000 betragen, werden betrits heute über 1,1 Millionrn an Sonntagen absolviert.

Herr Abg. don Quast bat Zweifel gehabt, ob es möglich sein würde, die 20 r-Güterwagen auf die Nebenbahnen übergeben zu lassen. Es wird bsi fast allen Nebenbahnen mögliä) sein, und ivo es nicht möglich sein solite, wird abgeholfen werden durch erwendung einer größeren Zabl von Schweüen.

Dann hat derHerr Abg. von Quast bemängelt, daß keine Mit- teilung gemacht sri darüber, welche Lasten uns daraus Erwacbsén, daß wir die Reichspost in "den Zügsn frei befördern. Diese Mitteilung befindet sich auf Seite 11 des Etats. Daraus ist zu ersyben, daß sich diese Kosten auf 32 Millionen belaufen; dabei sind die Ergen- einnabmen aufgereckßnet.

Dann kat der Hrrr Abg. Dr. Voss auf Vorgänge hingewiesen, die an Büschlußfaffungen des Landeseisenbabnrats anknüpfen. Der Herr Abg. von Pappenheim bat dieselbe Frage bebandelt und bat die Auffassung des Herrn Abg. Dr. Volß bekämpft mit Argumenten, denen ich im wesentlichen nur beitreten kann. Die Beschlußfaffungen des Landeseisenbabnrats in den Fragen der Tarißerung Von Gaskoble und Detarifierung von Schwefelsäure liegen ja auf ganz Verschiedenen Gebieten. Ick) darf bemerken, daß der Antrag, die Gaskoble sehr er- heblich im Tarif zu ermäßigen, abgelehnt wordrn ist; der Landes- eiscnbabnrat bai; mit ganz überwiegender Majorität, und zwar zum Teil unter Berückfiävtigung der Schiffahrtsintereffen, die geschützt werden soilen, diesen Antrag abgelehnt. Der Miniiier drr öffentlichen Arbeiten bar beidieser Sachlage doch Abstand nehmen müssen, gegen das Gatacbten einer Körperschaft von solcher Bedeutung, der die ersten Kräfte (1116 MM Berufözwrigen des Landcs angehören, anzugeben; wenn der Minister der öffsntlichen Arbeiten fich entschließt, gegen ein Gutachten des LandsSeisenbabnrats anzugeben, dann müssen doch ganz bestimmte, entscheidende Momente Vorliegen.

Nun hat der Herr Abg. Dr. Volks sicb darauf berufen, daß um- gekehrt der Landeßcisenbabnrat fich für die Detarißerung don Skhwefel- säure angesprocbcn habe; die Beschiußiaffung ist mit 20 gegen 17 Stimmen erfolgt, aber Hier hat die Gentralkoafcrcnz dsr deutschen Eisenbahnbrrwaltungcn mit Rücksicht auf die großen Jntereffen, die gegen den Antrag sprechen, sich einstimmig gegrn die Detarifierung angesprbchen. Ick meine doch, die beiden Fälie sind vöÜig anders gelagert.

Es isi dann Von mir noch eine Bestätigung darüber gewünscht worden, daß demboben Hause anäbrlich eine Denkschrift über die Tätigkeit drs Zentralamts Vorgelegt werden möge. JH halte diese Anrrgung für außerordrntlick) dankenswert, ich glaube, das hohe Haus wird sich im Larife der folgenden Jahre dadon überzenqen, wie außerordentlich nützlich fick) die Tätigkeit des Zentralamts 8111- wickeln wird.

Abg. Kirsch (Zenit) bittet zunächst ernkut den Minister, den Beamten cmsrricbrrde Grießbnbeit zu geben, den (Gotteßdienst besuchen zu können. _ Um den Rbeinstrom noch mcbr dem Fremdenberkebr zu erschlisßen, bättxxn die beteiligten Eiyenwbndirektionen, auch die süddeuiscben, gemeinkam ein Ausschreiben, betrrffend ein Reklame-Rbein- Plakat, erlanen. Bedarrerlicherweiw solle darin der Rhein nur bon Cöln bis- zur schweizerijcberi Grenxr berücksichtigt werden; die land- schaftlichen Sébönbeiten des Niederrbrins bis zur boiiändischen Grenze und die Bxdeutung der Stadt Düffeldorf für die fürstl-riscbe Welt würden dadurch in den Hintergrund gsdrängt. Der Minister möge doch auch in ähnlichen Fällen dafür sorgen, ebrntueli durch das neue Zisntralamt, daß die Direktionen darin nicht so uneinheitlich vor- 9 ngen. Abg. Nebbel (kons.): Die Heizungßanlagen in den Sekundär- babnzägen sind außerordentlich mangelhcxst. Es kann einem pasfieren, daß bei 10 bis 15 Grad Kälte draußen einem die Hose anaesenat wird, und man das Fenster öffnen muß, weil die Heizung nicht ab- gesteilt werdkn kann, Ebenso primitiv in grsundbeitlicber und ästhe- tischer Hinsicht sind die Abortanlagen auf den Nebenbahnen. Ich bitte den Minister, auch hierin Voükommen-s zu schaffen.

Abg. Münsterberg ifrs. Vgg.) dankt dem Minister dafür, daß den Beamten jeTZt möglichst viel Sonntagßrube gewährt wird. Er schließt sich den orrednern in ihren Wünschen einer rechtzeitigen

Vorsorge für den Ausbau des BetriebSmaterials auch in Zeiten ge. ringeren Verkehrs an und betont, daß eine planmäßige (Entwicklung des Gütertarifierungswesens im weitesten Jntereffe notwendig sei.

Abg. Vorster (freikons,): Die Frage der Selbstentladung der Wagen barrt ibrer dringenden Lösung, und es sind die dafür angestellten Versqcbe mit Genugtuung zu bégrü en. Diese Selbsientlader werden 111 erner außerordsntlicben Erlei terung des MaDengütervetkcbxs dienen. Schon . der Abg. Hirsch-Effen bat getern klargelegt, daß eine _Remsion der AbiertigunJSgebübren notwendig jß, Diese Gebubren können einen Transport außerordentlich yer. teuern, obwohl es für die Verwaltung die elbe Arbeit be- deutet, ob em Wagen von 10, 12 oder 20 Tonnen abzufertigen ist, Darunter „haben z. B. die Braunkoblmdistrikte Sachsens sehr zu leiden. Eine Gebühr Von 5 .“ für die großen Wagen würde ge. nugen, voe1l'die Verwaltung obnebin durch diese großen Wagen schon spart.__ Em außerordentlicber Mißstand für die Besitzer von Privat, anschlussen an den Güterwagenverkebr liegt darin, daß ihre Wagen erst dann zugelassen werden, ,wenn der amtliche Verkehr abgefertigt ist. ES kann vorkommen, daß er 60 zusammengesobobene Wagen auSeinandergezogen werden müffen, e 2 diese Privavvaaen berücksichtigt werden. Dadurch ist der gro e Kunde der Eisenbahnverwaltung schlechter daran als der kleine. ck bitte den Minister, Anordnungen zur Abhilfe zu treffen.

Abg. R ein b a rd (Zentr) bespricht die Frage der Außnabmetariie für Nybei en in ihrer speziellen Wirkung auf den GroßbandelOSnabrücks. Die uSnabmetarife bätien ihre einschneidende Bedeutung erfi erlanZJt durch das Syndikatswesen. Cs 1ei dahin gekommen, das; die * eförderung von 10000 Kilo Roheisen vom Industriegebiet nach Bremezr nur 139 „ck koste, hingegen die nach OSnabrück, das bedeutend naher lie e, 179 «;ck Ja man sei imstande, durch geeignete Umleitunßen (der 5 ednet legt zum Beweise deffen zwei rachtbriefe Vor) Nr) eisen über Bremen biiliger nach OSUabrück zu chaffen als aux dem direxten Wege. Eine generelle Beseitigung aller damit ve:- knupsten Mißstände sei wobl nur durch die gänzliche Abschaffung der AuSnabmetarrfe berbeiznfübren.

Minister der öffentlichen Arbeiten Breitenbach:

Meine Herren! Ick) kann es verstehen, daß der Herr Vorredner darauf binzuwirken sucht, eine Jnkongruenx _ tariftechniscb nennt man dies eine Disparität _ der EisenauSnabmetarife zu beseitigen. Das Ministerium der öffentlichen Arbeiten beschäftigt sich mit der Regelung dieser Frage schon seit Jahren, ja, wie ich aus eigener Erfahrung sagen kann, schon seit Jahrzehnten. Die Tarife sind Von den Privat- bahnen eingeführt, und zuzar durch die Cöln-Mindener Babn, als sie nach Bremen und Hamburg durchbaute. Man hat diese Tarife nach der Verstaatlichung bestehen [affen ganz in Uebereinstimmung mit dem sonstigen Vorg€ben der preußischen StaatSeisenbabnverwaltung, der- artige Außnabmetarifierungen zur Schonung bestehender Interessen be- stehen zu lassen. Man hätte an die Frage gelegentlich des Zollanscbluffrs der Städte Bremen und Hamburg herantreten können; denn es ist zu- trrffend, daß diese Außnabmetarife den Zweck hatten, der Konkurrenz des englischen und des ausländisckpxn Eisens zu begegnen. Man hatsir abrr _ wiederum zur Schonung bestehender Interessen _ basieben laffen, weil bei den mik den Verbältniffen durchaus Vertrauten Lokalbebörden die Auffassung bestand, daß die Aufhebung schließlich doch eine Stärkung der Konkurrenz des Auslandks nach fich ziebe. So likgt die Sache im wesentlichen aucb heut? noch. Ich erkenne vollkommen die Gründe des Herrn Vorredners an, daß _ wenn auch unter erschwerten Ver- hältnissen _ durch diese AuGrmbmetarife unserem Jniandberkebr iu beschränktem Umfange Konkurrenz gemacht Werden kann. Es müßm aber doch immer gewiffe Manöber gemacht werden, um einem Trans- port, der auf Bremen oder Hamburg gerichtet ist, eine rückiävßzc Bewegung zu geben, da doch eine Kontrolle besteht, daß die (Hüier abgenommen werden; sie müffen also abgenommen und dann neu aui- gegeben Werden. Wenn der Herr Vorrednsr einen Fall anführte, das; Eisen auf demselben Wagen, in dem es in Hamburg eingetroffkn war, ins Land zurückgefahren worden ist, so ist dies allerdings etwas der- däcbtig.

Die Siaatßeiscnbabnbrrrvaltung bat in Anerkennung der (Gründx des Herrn Vorrrdnrts immer ernsut geprüft, wie man Wenigstens zu einer Ab- schwächung dcr Nachteile des bisherigen Zustandes beitragen kann, und ck find auch ganz gleichartige Erwägungen angestellt worden, wie fie der Herr Vorredner angestelit bat. Eine gänzliche Beseitigung ersäyeint ausgrscbioffen; das wäre rin so starker Eingriff, wie ihn die Staats- eisenbaberwaLtung kaum ja an einer Stelle sich hat zuschulden kommen [affen- Es kann fich also nur um einen Ausgleich bandclp. Ich kann dem Herrn Abgeordneten erklärrn, daß nach dieser Richtung bin auch beats: noch Erwägungen schweben, bitte ihn aber, zu berück- sichtigen, daß Ls sich bikk urn ezine Einrichtung handelt, die nunmehr bald 30 Jahre in Geltung ist.

Abg. Fritsch (nl,): Der Unterstaatssekreiär des Finanzministerium? bat gestrrn darauf Hingewir1€n,_ dafi gewiffr Expansibbrstrebungm bet den cinzelnsn Reffbrts auf größere Außgabcn mit Rücksicht auf kte_1u crwart-xndcn ileb€r1chüffc der CivknbaanLrwaltung b'rndränse-n; es ware erwünßcht, das; die ei11z€ln€n Rifforts-amb ihrerseits (111 Ersparun en dächt€n. Es ist angebracht, daß die E1s€nb€1bnber1oalt1111g Vor soi ct Cxpansibbesirébungen, die ja schon d_11'-ch die Zwischeninsianzdes Finanz- minisje1iums gemildsrt wkrden, gckcbüßt wird. Die Tarife befinden fich seit Eirrführung d&“; Normaltariks erfreulichérweisc in sinkende; Tendenz; aber zu einsm Landeseisenbabnrat müßten noch mebrdu Vertreter des Mittelstandks, drs kleinen Gewsrbestandes herangrzesev wxrdrn. Ju kcr Ermäßigung der Tarife ist jeßt immexbin e111c ge- wiffe Stagnatidn eingetretxn. 62,8 0/0 der gesamtcn Gütermenskn werdrn zn Anxnabmetariskn besärdsrt. Landwirtschaftliche nnd (Gärtnerkiyrodukte bcdürien bLsondLrs niedrigrr Tarife._ Jm Béxllk drr (Zisrnbakndirektion Franifurt a.M. und in SüddsutjÖland fixékék bereits Vr1suche ndcb engl1schcm Muster _mit drr Beiörderung von Kikingütcrn mit geringem_G€wicht zu ermaßigten Einbkijsäßrn stöß- Einc Beseittgung der bcstcbenden ysrsch1edenen Ungerschtigkmteq lk der Taxifikrung wird nur durch eine Revision des Normaltartxs zu fmden ein.

Abg. Dr. Dahlem (:?-mtr.): Miliionen kann die StaaWtisMbÜbu gkwimncn, wenn fie mrinen Anregungen fol t. Von Loibttnsk" werdrn große (Gütrrtnngn über die belgische * abn nach Antrrlrrln geführt, und die kel1111chen Bahnen haben den Gewinn. preußischen Bahnen solitkn diesen Verkebr an sich ziehen. Hunkkktk von Wagen werden täglich unserem Verkehre entzogen, da die lothringischen und luxembnrgiscben Erze mit unseren_Wagen durcb Belgien nacb Aniwsrpen transportiert Werden. Diexg TransVVka iollten unter rationélbrsr AUSnußung unseres Wagknvarks “"t unseren Bahnen nacb Oberiabnstein und von da zu Sch1ff "“ck Antwerpen gebracht werden. Das wäre zugleich ein“ großez Gewinn für die preußischen Eisenbahnen und für umere «ck1ffabrk, außerdem würde dies eine Tarifersparung bedeuten_. Ferner [OM nach der Vereinbarung der Zollfrsiheit für schwedi'che Pflasterlkklxe in dem schwedischen Handelßbxrtrag unsere beimische Bgsallmdusk ? durcb Ermäßigung der Tarife für Steine unterstutzt WMW" Von dem Westerwald nacb Castel] besteht ein Außnabmetarii dafur, aber nicht nach dem nahe gelegenen Hafen in Oberlabnsksm- handelt sich hierbei um den Schuß der armrn Bevölkerung drs WE,“: waldes. In dem Bctriebsbericbt der preußifch-besfischen Staatße11mu bahn wird auch auf die Woblfabrtöeinrichtunqen bingewtesen. Daß sind wohl auch die. Warteräume für das Publikum zu rechnen. _?“ kenne aber am Rhein zahlreiche Uninkunftöräume, die menschenumm!r

„», Ferna: haben mir Beamte geklagt, da fie 14 Wochen hinter- |nander überhaupt keine Sgnntagßrube geba t haben, und daß eine Menge der Beamten uberhaupt niemals die Gelegenheit hat, einen Gottesdienst_zu besuchen. _Die nachgeordneten Bebördrn scheinen ncht imnur Verstandnis fur die ertentionen der Zentralinstanz in die er Ricbkung zu haben. An Maria Lichtmeß werden die Gewerbe- treibenden am Rhein gezwungen, ihre Waggons entladen zu lassen, wenn sie nicht kurch Standgeld bestraft werden wouen. An solchen Feier- tagen mM das Standgeld aufgehoben werden. Ich habe das Vertrauen zu dem inisier, daß er dieser Unsitte ein Ende machen wird; es gilt nur, einen alten Zopf abzuschneide_n. „Der Wagenman el wird dadurch nicht vermindert, denn die derstandtgen Gewerbetrei enden lassen an solchen Feiertagen doch nicht entladen. Dafür sollte man sie nicht durch dasß Standgeld bestrafen, das nur ein bitteres Gefühl er- eu en mu . , i (; Abg. Meyer-Dtepbolz (ni.) stimmt dem Abg. Reinhard in dem Wunsche nach Beseitigung der Außnabmetarife für Eisen zu Gunsten von Bremen und zu Ungunsten von OsUabrück bei.

Abg. Dr. Loticbtus (ul.) bittet unter Zustimmung zu den Aus- führungen des Abg. Dahlem, AuSriabmetarifx auch für Bausteine aus dem Westerwald nach Oberlabnstem zu gewabrcn, um die wirtschaft- lieben Verhältnisse der grmen Bevölkerung des Westerwaldes zu heben, und wünscht ferner die Wiedereinführung der AUSnabmetarife, die einerseit als Ersatz fur die Aufhebung des Rheintrajektverkebrs bei

ingen zu estanden ewesen seien. '

Abg. r. von oettinger (anbringteinige Wünsche der Blei- weißfabrikanten zur Sprache. Die leiweißfabrikanten beschwerten ck über die ungleich; beandlung bei dem Ankauf von Materialien durch die Eisenbabndtrektwnen. Hoffentlich wrrde sich dies ändern, wenn aue Materialien durch das Zentralamt beschafft würden. Die Blei- weißfabrikanten seien ferner durch eine Verfügung dom Vorigen Jahre benachteiligt, welche die Verwendung von Eisenmennige Vorschreibe. Als ein Mißstand in dxn D-Wagen werde es oft empfunden, daß auf den Korridoren Reisende an den Fenstern ständen und den Siyenden das Licht wegnäbmen. Der Redner empfirblt ferner, daß der den U-Wagen wie in England auch an den Seiten für jede Abteilung AuGgangstüren angebracht würden, die eine schnellere Entleerung der Wagen ermöglichen würden, sowie die Verlegung der Toiletten von den Enden der V-Wagen nach der Mitte, um den im Sommer unangenehm bemerkbar Werdenden Außdünsiungen beim Ein- und Aus- steigen entgehen zu können. Er bemängelt ferner die Zugberbindurxgen zwischen Wiesbaden und Frankfurt, die neuerdings eine erlängerung der Strecke um bKilom. gemacht hätten, und widerspricht schlikßlich drm Wunsche des Abg. Volß na-cb Detarifierung der Schwefelsäure. Die ständige Tarifkommission des Eijenbabnrais babe diesrn Wunicb mit 8 gegen 5 Stimmen abgelehnt, und ebenso habe der Landeßeisenbabnrat selbst entschieden. Die Produktion der Scbwéfelsäure liege im Westen anders als in Schlesien. Jm Weitkn werdc_Schwefc[kies aus Spanien bs- zogen und müsse bezahlt werdxn, wahrend Schlesien die Schroefel- säure aus den Blenden 'in den kabüiten fabriziere. Wenn Schlrsien Lein Produkt durch b1llige Tarife nach Mitteldeutschland werfen önntc, so würde die Produktion des Westens zwischen zwei Feuer eitel]! werden, da sie _a_uch dort mit einer außerordentlich starken ßÖroduktwn aus den Rückstanden der Zinkfabrikation zu kämpfen babe.

Minister der öffentliche'n Arbeiten “Breitenbach:

Meine Herren! Es ist bcmängelt worden, daß die Fortbildung unseres Tarifwcsens, so weit sie nicht durch die Gewährung don Anonabmetarifen erfolgt, sich überwiegend so Vollziebe, daß wir die Gütrr detarificren, die 111 d€11 niedrigsten Tarifkiaffen sich befinden, also diejenig-In Güter, die in Spezialtarife aufgenommen find. Es ist bcrdorgebcben, daß die Güter der Normal- klaffr _ das find die Güter dcr aÜgcmrinxn Wagenladungsklaffe _ seit Vestsben dcs ailgcmcincn deutschen Gütertarifs mit geringen Aus- nahmen eine Ermäßigung nicbt Erfahren Haben. Es war drr Hrrr Abg. Fritsch, der dieser Meinung Ausdruck Verlieb- Er hat ja freilich hervorgehoben, daß der Stück,;uttarif doch nicht unberändert geblieben ifi, daß brreits in dm 801? “Zairrn cin crmäßigtrr Stückgnttarif cin: gefübrt worden ist, daß fern-Zr wenige Jahre später ein Staffelstück- guitarif gewährt Worden ist, und er hat 63 unterlaffsn, berbor- zubeben, das; fast zur srlben 3811 ein sehr ermäßigter Aquubrtarif für Stückgüter eingcfübrt wurdk. Meine .Herren, meines Erachtens ist es doch ein naiurgemäßxr Vorgang, daß, wenn wir (111 dieFortbildung unseres Tarifsystems Herangrbcn, wir sie im wesentlichen brfcbränken auf die Güter der nicdrixxrrcn Tarifklaffen, namentlich Haibfabrikate und Rohprodukte, und daß nnr in Artsnabmefällen an die eigexntlicben Normalflaffen _ dic bilden das Standard unseres Tarifsystems _ berangegangen wird.

Nun hat der Herr Abgeordnete: gsmeinf, man soUe doch aaf diesem Gebiete weitrrgcicn rmd namentlich den Stückgutfarii in dem Sinne weiterbilden, daß wir uns demjenigen anschlicßen, was in Süddeutschland in Gcltung ist; es gelten dort Pakcttarife und Expreßguttarife. Diese Pakrttarife sind den preußischen Eisenbahnen durchaus bekannt; d€1111 bsi dch€rf1aailichung der Hcsfischen Ludwigs- bahn übernahmen wir diese Einrichtnng, und es ist unmittelbar nach der Versiaatlickxung srbr eingehend rrwdzrn ivordrn, cb es fick) empfiehlt, diese Pakcttarifs, die auf gswiffe Entfernungen erheblich Geringeres bieten als die Reichspost, aiigkmein in unsernStaatsbabn- tarif [u übernebmrn. Nach eingehenden Erwägungen ist man aber doch zu der Auffassung gekommen, das; fich das 11ichtrmpfeblen würde; denn einmal war die Meinrmgr es emdfebl? sich nicht, der Reichspost, die diefkn Kleinbcrkebr in ganz ausgezeichneter Wrist und eigentlich alle zufriedensiellend besorgt, Konkurrenz zu machen Von ieitkn unserer preußischen Staatébahnen; dann 11er war es eine rein wirtschaftliche Erwägung, die dagegen sprach, es würde ja unzweifelhaft zu einer Zérspiitterrmg dicses Kirinv-rrkebrs führen, beide große Unternehmer, Reichspost und Staatsbakn, würden diesen Verksbr in Anspruch nehmen; der Verkehr könnte krinesfalls so wirtschaftlich abgeferiigt werden, und es wü1d€11 swb, weil er geteilt wird, möglicherweise Verzögerungkn für dcn Verkehr ergebrn.

Dann Wurde erwogen, daß dieser Verkehr, wenn wir ibn führen wollen, unbedingt mit unseren Personenzügcn gkfabren Wsrden muß; denn wenn wir ihn nicht mit unseren Personenzügen fahren, befördern Wik ihn nicht so beschieunigt, daß das Publikum Interrffc hat, sich Unserer Einrichtungen zu bedienen; befördern wir ihn aber mit unseren Persönenzügen, so belasten wir die Personenzügr, und dieses wiederum führt zu einer Verzögerung der Abfertigung der Personenzüge. Ich glaube, die Gründe sind so überzeugend, daß anerkannt werden muß, das es sich nicbt empfiehlt, auf diesem que weiter fort- zuscbreiten. .

Meine Herren, Herr Abg. Dr. Dahlem bat eine Frage berührt, die ja ganz jüngst zu einer Entscheidung geführt hat, das ist die Frage der Umschlagstarife nach Oberlabnstein und dem luxemburgisch- lolbringischen Revier. Meine Herren, das luxemburgiscb-lothringische Rebler fertigt ja, sofern es seinen Verkehr über die Häfen abgeben MÜ- über die belgischen Seehäfen ganz naturgemäß ab, das ,ist der “Wiesene Verkehrswrg, und es würde ja eine, ich möchte sagen, un- natürliche Verkehrsbedienung sein, diesen Verkehr abzuziehen, erst von dem Westen nach dem Osten zu fahren und dann über den Rheinweg

und die belgischen oder holländischen Häfen zu exportieren. Die Frage hat aber gam außerordenllicbe Konsequenzen, Wenn ich mich auch zu der Auffassung bekennkn könnte, daß es unter gewissen Umständen fich rechtfertigen ließe, eine solche Verkehrsbedienung und Verkebrßleitung eintreten zu lassen und zu beeinflussen durcb Gewährung von Aus- nabmetarifen, so erscheinen doch die Konsequenzen so Weit- gehend, daß die Maßregcl nicht in Aussicht genommen werden kann. Wir würden Gleichartiges allen Umschlagsbäfen ge- währen müffen im Versand Von bestimmten Gebieten, an denen sie ein besonderes Jntereffe haben; wir würden den Berufungen, die aus dem rbeinisch-U'esifäliscben Gebiet an uns herantreten, im Verkehr nacb Rubrort-Duisburg uns nicht erWebren können. Gewähren wir aber solche AuSnabmeiarife, dann würden wir mit den Beschwerden unserer deutschen Häfen zu rechnen haben, daß wir durch Aanabmetarife den Verkehr über die Rbeinbäfen nach den Auslandsbäfen bringen. Das ist der Zirkel, in dem wir uns bewegen und aus dem wir nicht herauskommen und der schließlich dahin führt, daß man sagen muß, es gebt nicbt.

Dann hat der Herr Abg. Dr. Dahlem den allgemeinen Aus- nabmetarif für Pflastersteine bebandeit. Dieser Auönabmetarif ist im vergangenen Jahre zrxr Einführung gelangt und bat unmittelbar nach der Einführung zu weitergehenden Anträgen Veranlassung gegebkn, die namentlich in der Richtung sich bewegten, daß in den Außnabmetarif auch noch andere Steine, u. (1. Bausteine auf- genommen werden mögen. Diese Anträge sind von anderen Seiten auf das lebbaftesie bekämpft worden, und augenblicklich schwebt die Sache; eine Entscheidung ist noch nicht getroffen.

Der Herr Abg. Dr. Dahlem hat darauf hingewiesen, daß am Rhein sich eine WoblfabrtIeinrickptung der StaatIeisenbabnvrrwaltung befinde, die zu den lebhaftesien Vsanstandungen Anlaß gebe. Er hat auf AufenthaltSräume unseres Betriebspcrsonals bingewirsen, die geradezu menscbrnunwürdig seien. Meine Herren, ich darf im An- schluß an das, was ich gestern mir auSzufübren erlaubte, feststellen: es widerspricht durchaus den Auffaffungen, die an der Zentralstelie und auch in den Direktiouen bestehen, daß solche menschenunwürdigrn Räume ursxrem Persoral zur Verfügung gestellt Werden. Ich wärs dem Herrn Abg. Dahlem dankbar, wenn Cr mich des näheren Unter- ricbtcte, wo sich diese Räume bcfinden. Ich glaube die Zuficbcrung geben zu können, daß sie alsbald beseitigt sein werden.

Dann hat der Herr Abgeordnete bervvrgeboben, daß an dem katholischen Feiertage Mariä Lichtmeß don drn Verladcrn und Ab- ladern Verlangt würde, das; fie entladen, und, wenn sie ihrer Auflage nicbt entsprechen, das Wagenstandgeid erboben würde. Meine Herren, es ist unter dem 18. April1895, also noch unter dem Minister von Thielen, folgende Anordnung ergangen, die beaw noch 111 Recht besteht und unbedingt befolgt werden muß:

An Orten mit überwiegend katholischer Bevölkerung ist von der Berechnung don Wagensiandgrid bon dornberein abzusebkn an folgendcn katholischen Fcicriagen: Hcilige drei Könige, Mariä Lichtmeß, Mariä Verkündigung, Fronleichnam, Petrr und Paal, AUerbeiiigen, Mariä Empfängnis;

darunter befindet fich Mariä Lichtmeß. Also ist Von einer Berechnung von Wagensiandgeld bon Vornberein abzusehen. Das ist das Entscheidende. Es muß sich also bist um irrtümliche Anwendung einer bestehenden Bestimmung handeln. Der Schlußsaß lautet:

Die Stationsorts, in denen die erwähnte Voraussehung zutrifft,

find von den Direktionen zn ermitteln. In zwsifclbaftcn Fälien -

ist die Entscheidung des Lbsrpräfidentsn zn erbitten. Sie sehen, die Sachc ist durchaus ordnungsmäßig geregslt.

Wenn unserem Personal, das im Betriebe tätig ist, zeitweilig “'

die Sonntazsrube, die für daésélbk vorgesehen und ganz bestimmt begrenzt ist, nicht bat gewährt wkrdcn könrcn, so [irgt das eben an den außrrordentlichen Betrieböschwierigkeiien, mit drmm die Verwaltung in einzelnen Teilen drs StaatSeisenbabnberciÖS in den leßten Monaten zu kämpfen gcbabt bat. TroZ «Urdcm besiebt die ausdrückliche Anweisung, das; jeden zweiten, mindesténs jedkn dritten Sonntag drr Angestrilts, Bcamt: oder Arbeiter Gelegenheit zum Kirchenbesuck) babrn soli. Danach muß der- fabrrn werden. Im aiißcmrinen ist 1111781: Psrsonal abrr darübrr unterrichtet, daß 8:3 eben zu schwkren Zsiten anch an Sonntagen seine Pflicht tut. WEnn fick) diese AuE11aick111czustä11dc awßcrordrntlick) drr- längern, Wenn sie zu Liner ständigen Einrichtung werdsn sollts", dann muß sklbsibrrsiändiich das Personal so bermcbrt werden, dax“; die gebviene Sonntagsrube auch gcwäbrt 1rerdk11 kann.

Es isi dann im Hinblick an die VO 8511110, dir fich 1111 kik Ve- sriiigung dcs Trajckics Vi11g§rbrück_Rüdesbeim knüpften, ge11x»1“111scbt worden, daß der AuInabmetarif, dcr für Wagenladungsgüter 3wischc11 Bingerbrück 1111d Rüdrsbcim ge'wäbrt wbrdkn ist, 11111 dic Härtsn (1115- zuglkicben, dic fiel; aus der Arxfbebung dcs Mitsrtrajektss erzaben, Lk- gänzt WLW? dUrch den Artikcl Hdlchlis. Ick) gianbc das in AUIÜÖt sieULn zu könncn, wäbrknd ich lcbbafte Brdc11k€n babe, die Ausnahme- maßrrgein, dis cbén doch als solche Mg bZernzt srin sOÜM,anS1Ück- güter außzudrbnen.

Dann hat der Hort Abg. 11911 Böttingcr eine Rribe bonWünscben .

Vorgetragsn, die fiel) mit drm Vrrkcbr in dc111)-Zägen befassen; er hat gewünscht, daß das Pnblikum derbinrcrt werdkn soll, 111 drn Korridoren Vor die Fcnsicr 311 tr-Ztcn und dicirnigen Reisknden, die in den Abteilen siyrn, der freien Ausfuhr zu berauben. Das ist ein Mißsiand, ker obne wcitcres anrrkannt wxrdcn muß, und 111131111 die Vrrfügung nicbt beacbtet wird, wird sie Ebru erneut eingkscbärft Werden. Ich stehe ganz aufdsm Stanrpmrkir deSHcrrnbon Böttingcr. (BMW!)

Was aber den Wunscb brtrifft, in den U-Wagen neue Türen einzubauen, etwa vor jsdcm Abtril, so muß ich dem widersprcchen. Diese Frage ist, wir dir" Herr?" fich vicÜcickpt erinnkrn Werden, im Anschluß an den OffenbacherUr-fail rrörirrt worden. Damals wurde das Verlangen gesislit, daß im Jntereffe drr Réisenden die 1)-Wagen in weit größerem Umfange mit Türen berfebcn werden möchten außer den beiden Türen an den Enden. Es ist mit Recht darauf hin- gewiesen, daß dicfcs eine erhebliche Schwächung drr Wagen bedeuten, daß das Publikum dabon keinen Vorteil, sondern sebr erhebliche Nach- teile haben würde. Denn das hat sich unzwkifelbaft ergeben bei den Unfällen des leßten Jahrzehnts, daß die 1)-Wagen dock) eine große Sicherung für die Rrisenden bedeuten. Es muß daher alles dermieden werden, was dem entgegenwirkt.

Die Frage der Waschabjeile ist streitig. Ein großer Teil unserer Pasagiere wünscht eben die Waschabteile an der Türseite, nicht am

Fenster, weil fie am Fenster die freie Aussicht hindern, d. b. die Möglichkeit, sich dort zu plazieren.

Betreffs der Züge, nach Wiesbaden kann ich dem Herrn Abg. Von Vöttinger auch nicht beipfbchten. Wir haben im Jniereffe Wiesbadens, des großen internationalen Bades, es dabin gebracht, das; die Züge der Hauptbahnen, bon Cöln außgebend nach Frankfurt, Wiesbaden unmittelbar anlaufen. Die Wiesbadener _ ich glaube, der Herr Abg. Loticbius wird das bestätigen _ haben diese Verbesserung mit großer Freude aufgenommen. Es hat sick) ja naturgemäß eine kleine Verzögerung in der Abfertigung der Züge daraus ergeben; das war nicht 111 Vermriden. Die Vorteile der Wiesbadener Waren eben größer. (Fim? Verteuerung für den durchgehenden Verkehr nacb Cöln ist nicht eingetreten; die Tarife regeln sich nach den Entfernungen der linken, nicht nach der rechten Seite des Rheins. Wohl aber hat sick) eine kleine Verteuerung des Lokalderkehrs für Wiesbaden ergeben. Das hat Beschwerden berborgerufen, aber es wird sick) wenig dagegen tun laffen. Eine nützliche Maßnahme mußie durchgeführt werden, die zu kleinen Nachteilen geführt hat.

Abg. Strosser (kons.); Eine alte Klage ist es, daß die Speise- wa en nicbt alien Ansprüchen cnügen. Der VerksbrSminister bat frü er stets darauf die Auskungft gegcben, daß die Spei ewagen zu leicht gebaut ssien, und bat Beffkrung i11 Ausfickyt gkste 1. Es ist aber absolut nichts in dieser Hinsicht geschehen, wenigstens babe ich auf meinen Rsisen die Erfahrung gemacht, daß Personen gar nicht so selten im Speiséwagcn durch das starke Schütteln bon den Sißen direkt beruntergeworfkn werden. Bezüglich der so oft gerügten Ueber- füliung der Stadt- und Untergrundbabn in Berlin entgegnete der Minister, das wäre ein Ucbrisiand, der fich nicbt Vermeiden ließe, man solle eben einfach nicht zu solchen Zeitsn iabren, wo cine Urbcr: füilung zu ermarten sei. Wcr abrr gescben hat, wie die AngesteUten der Stadt- und Untergrundbabn die Passagiere bineindrängen und bineinkiemmen, so daß, wie ich es scib1t einmal sah, ein Abteil für 8 Personen 24 aufnahm, der muß fich dm? sagen, was einmal auch nnr bsi dem aeringstcn Unglück au dsr Stadt- babn daraus werden könntr. Wiederholt ist auch die Aufmerksamkeit des Ministers auf die Einfübrun? des Vorortsorrkebrs, wie er bis jeßt nur "111 Berlin beitcbt, auch 11 andércn Großstädten bingelenkt worden. (Gerade aus BreF-laulsind Wünsche wirderboit dafür laut Zewbrden, Und man hat R:!) 111 Pctitionrn, _so aus Brbckan, an den andtag gewandt; auch in dem Hsrrenbause 1i11d Stimmen in diesem Sinne laut gsworden. Man hat aber vom Ministerium kinfacb er- widert, daß drr Vorortberkcbr sich nicht einmal in Be'rlin rcntiere. Ick meins absr, daß die Frage doch nicht bloß Von diesem Gesichts- Pnnki aus 311 betrachten ici. Yuck) andere große Städtc neben Breslau baben ein «roßrs Jntereme darau, daß die' Bcwobnrr auch ibrcr writeren Umgebung biiiigc Fabrgeiegenbeik haben, um die Stadt erreichen 311 können. Ich babe weilsr dom Minister gkbört, daß in Zukunft eine FabrtberbiUigung bei Versins- 1111d Fabrtsn don ?rößercn Gesellsckxaftbn nicht mehr stattfinden solle und 511116. Auch bier iii der Wunsch 1111 mick) berangeiretkn, daß bci Gsirgenbeit des 7. deutschx11Sämgkrbundfcstcs, das 111 dieskm Sommer in Breslau siattfindcn soil, ebc11so wie bei früberenGclegkn- beiten für Turnerfeste usw. Vkrbiiiigungkn gcwäbrt würden. Soilisn solche VLkbiÜkgllUMx] ganz aufhören, sd wiirdsn damit auI iük Krikgcrdrrcins, rrc1111 sic dis Schlachtfsid€r b€s11chr11 wwlirn, (111 für Fnbrtcn 111 Kaissrmanödcrn derartige Vcrgiinsitgungkn ganz Weg- failrn. Wrnigsisns müßte drci) aber dann schon konskannt Vorfahren wsrdsn; absr dir F?rirnzüze sind gcblirbcn 11nd11181d€11 bléibcn 1111d bringsn bksdndcrs Vsriin große Vorteils. Jai) möcht? dc11 Herrn Ministrr bitten, diesx'n Wii11schrn dock) cinige Be1ückßchiigung 511 téil werden zu lassen. _

Abg. ZiesÖS (IMU) schlicßi sicb dcm Vorredner in drr Bittr an, das; wenigstsns bsi Gelcgenbrit drs 7. dcntschen Sä11118rb1111d- fkstc§ "111 Brcslail ("1118 Vsrgünstignng wir bisbrr nm 50 0/0 iür die Teilnehmer gewährt werde:.

Abg. bd11chking(kr111s.)bemä11gelt,daßmandd1kirit1c'11Städt611 und Or1schaftk11 dss 1311111811 Lamdks nicht nach alicn Städtrn Fabrkartrn 1141111 könnk, sonkkrn OsLzWCiLUQl, wie 13 ibm bassml sci, bon dsr Miss don Psst 11achD611111 sogar drciuml cim: Fabrkartc ]ösc'n müsse. 511 den Unbcqurmiiäykcitr", dir damit berbunkcn seésn, komme noch bi11z11, dxs; durcb dir Fabrkarirnstemrr Cine immrrbin i11sGewicht fallcndr VcrU-usrnns dsr Fabri eintreten Auch die Gepäckgcbübren erbbbten fick) daxnrcb. Dic kikinexn Städtc bärtrn schb11 gc1111x1 unter drm Z).)WUFÜ VM S*Örcllzügsw 511 lsiden. Wknixzstcus müsse bon alicn Städtxn der 1*1811fzisch-bcsfi1chs11_ Ci]€11ba[)11d(r11*1ltu11g nach allen cmdcren Städisn die Löxung bon Fahrkarten möglich sein.

Daranf mird kin Sck)l11ßantrag angenommen.

Damit schließt die allgemeine Bciprccbnng. Die beiden Titel der Ei111111h111c11 uns dem Vsrsonen: und (Viitcrvcrkcbr wcrden bc111ill1gt. Dic Vcrkmndlrmgcn des Lamdcsriscnbawwats 11011 10015 und der Bciricböbsricht für 1901") wrrdcn dnrck) K611_111Ui§110k)1110 für erledigt erklärt, dis .“)éesointidn dcr Kom- 11111'11011 irbcr dic Vcrwrndnnq dcr 50 Mikiibncn für Betriebs- mijtci Über den Etat dcs Jahrcs 1.906 hinans wird ange: nommcn.

Als dcr Prändent von K*rbchcr znr Bcsprechrmg dcr Pcrsonentarifrcform iibergriwn will, fragt

Abg. Frsibyrr 1) 1) 11 Z ? dl 111 und N e u ki r ck (freik011s.)zur Gikschäfts- brd1111119 (111, we'lcbr Absichtkn drr Präsident iibcr dir Frrtigsteiinng des- (Ffats bxgr. Schwrriich könne man den Krtltrtdeiat nech vor Ostern fertig stelicn, da zudem noch die Erlcdigdng „193 Poltzcikostcngcscßks bor Ostcrn angkbracht sei, Und die? Kommi]fionöbrratnngsn fiir daß Yeragesriz usw. frine dcrariigc Verlangsanmng Erfahren düritsn, daß nacbbcr für dic Picnarstynngen ksin Stoff Vorbandxn sri.

Präficht von Kröcber crwidcrt, daß es Eriks Pflicht dcs Haus:"s sri, den (Etat rechtzcitig fcrjigzninücn, 1111d 11191111 das“ nicht 111ögiich sci, ibn so schn?[] wic möglich zu fördern. T111chck_We111.Zabilse- 11ab111x? dyn 'Ilbcndsiyrrngcn sci dic (Tricdignng dcs 511111'115111115 bor Osirrn d111“ck)a1113111ö,1lich. Wenn abe'r das Haus etwas andcre's be- schlössxy so wiirde er der, Erst? 'Dienc'r dcs Hausks sci11.

Abg. Dr. P11rsch131r.) stimmt dcn Vinsichtcn drs Abg. bon chlitz bsi. Es »Irsäoeine auch skincc katibn11a11za11sgcsckxlbffen, daß, wenn bisbrr keins? Abendsiyunaen erfolgt seicn, ge1ade dcr K11iiu§eiat dnrch solch Lrlrdigt wcrden solle.

Abg. Dr. Friedberg (_111.) schlikßt sich den Vorrcdnrrn (111 und hält ks verfaff1111gkgrt11äß fiir zweckmäßig, das; in Erster Linie der Bau- etat b1ba11deit 1vcrde, Nun die Baubrrwaltung könne 11achdcn Er- gclbniffen der zweiten L=.„s11ng eher an die Lösnng ibrcr Didposijionen ge cn.

Abg. Dr. don Heydrbrand und der Lasa(k011s.)sp1ichtsich i11 demsciben Sinne aus, ebenso Abg. Dr. bon Jazdzcwski (Pole).

Präsident bon Kröcber: Ich werde dies mit angeführten Gründe überlegkn, fürchte aber, daß ich zu keinem andcrcn alk; meinem bis- herigen Resultat kommen werde. .

Abg. Dr. Friedberg fragt an, ob sieh das Haus vicllsicbt morgen am Sckluffe der Sian nacb dem Resultat der licbcrlegung des Herrn Präsidenten erkundigen dürfe.

Präsident don Kröcher: Die Schnexlligkcit mci11er Ucbc'rlegung wird zunächst davon abhängen, wir das Haus den Ciscnbahnetaf er- ledigt.

Darauf vertagt das Haus um 41/4 Ubr die weitere Be- ratung dcs Eiscnbahnetats auf Frcrtag 11 Uhr.