Alle Kollegen aus dem Königreich Sachsenperden mir bezeugen, trade die sächsische Regierung und tble Verwaltungsbeamten
ck ganz korrekt und tadellos verhalten haben, daß sie „icht und Schattén nach beiden Seiten ganz gleichmäßi verteilt haben. Nun hat dxr Aba. Fischer die trauri 8 alte Kame e wieder vorgeführt von msiner Cbina- und Afrikasa e, um zu zeigen, wie man (Gouverneur wird. Was er vorbracbte, beruhte auf vounändiger Unkenntnis der Verhältnisse. Mein Fr-und Arendt hat das bereits früher vollständig klar widerlegt. Es handelte sich um zwei Dinge: um meine Entsendung als Jnstrukteur chinesischer Truppen nach Psking, und anderseits war ich in Aussicht genommen als (Goudsrneur von Ostafrika. Ich wurde dann zum Gouverneur yon Ostafrika ernannt. Ebenso irrtümlich waren die AuSeinanderseJungen des Abg. Fischer über die Station Kweit. Ein Gouvernsur legt keine landwirt- schaftliwen St_ationen an, dazu hat er seine Leute, seine Beamten. Es aibt abkr Ysrreri genug, die die Station in sehr gutem Zustande gefeb-xn haben. Die Sache cht led gekostet, aber sie hat fich glänzend bezabli. Die afrikaniycbe Kompagnie isi gegründet nach dem Vorbild der Kompagnie des (Großen Kurfürsten. Wenn mir aber nun vorgeworxen wird, ich schwärmte und arbeitete bloß für die Kolonicn, um dort (Held zn ve'rdienen, so wciß ich in der Tat nicbt, was ich dazu sagen soll. Skil 20 Jahren gebe ich mein ganzxs Hrzblut für dis Kolonien bin, j-Zt erst babe ich mich be- stimmsn [*:ffsn, in Eine Kauischukgesellschaft einzurreten, und da wird mir drr Vorwurf gemacht, ich arbeite nur dexbalb für die Kolonien, um Geld zu dkrdienen. Das ist recht schwach. Was die Frage hinsichtlich déZ Schmux appens betrifft, so spielt sie ja jest Vor Gericht. *Ich babe dcn , bg. Schöpflin soiort in Leipzig wegen schwerer Bsikfdigung rrxflagi, seine Worte iaffen gar keine andere AUSlegung zu als die, daß mit der Féaggc uniere schwarz-weiß-rote gemeint ist; im übriqsn wird ja das Gsricbt Entscheiden. Ein paar Worte über die nationzlén Versine. Die Kolonialgrsellsibaft bat fick) aUzu vornehm und bdrfiwtig derbaltezi. Sie hätte dis Pflicht gehabt, die Massen dss gamen Deurichen Reiches übsr die schwrb8nd€n Fragxn aufzukiären. Der Flottenderein bat anders gehandelt; er ging daddn aus, daß man im ReiÖStage mit der Réicbsregieiung nicht Über narionale Fragen der aUswärtigen PZlitik feilschen dürfe, sondern das; man dem Kaiser geben müns, was des Kaisers isi. Disse Frage mußte doch entschicden werden. Darum drrbt sich die ganze TätigkCit dss FloiienNrrins. B:“kanntlich sirebt er einsn b€sch1€unigteren Ausbau unsrrer Flotte (1:1, damit unsSre Flotte: im Falle uns Sine grdße Seémach überfäUt, nicht in Grund und BOOM gebohrt werden kann. In diesem Sinne bat dsr Flotienderein bei dem Wablén gearkkitU. Das Wie babe ich nicht zu drrtrekrn. Die Kriegcrdkreine find kcins volitiicbcn Vkreine, aber man kann es dkn altCn Soldaten nicht DFrdénken, daf; sie national füblén, sick) bxnebmen, bandcln, wähls". Handelt es fick) doch bei den Wiblen auch um militärisch-Fragen, und sie warxn verstimmt, als dis Kommandogewalt des Kaisers angxtasiet wurde. Ueber alle diese Fragen kann man ja verichirden derkén, abkr ich versiebr nicht die Logik, wonach unsere Trvppkn, die vor dem Feinde standen, zurückgerufen werden soklten, und daß, wenn der Aufstand wieder auf- loderie, neue Trurvsw wieder binau§ß8schickt krkrden soliten. Ich weiß nicbt, ob das juristisch? Oder kirch1ich8L0„ik ist. Ich komme nun zu dem Viki gslisbtsn und gebaßtsn RsiÉZverband gegen die Sozial- demokratie. Ter bat nun die Wablcn schon lange vorberkitlt gkbabi und béi dén Wablex: seine Schuldigkéit getdn. Der Reichßderband stkbt gänzlich unabbängig Von der quierung da. Der ReichÖkanzler bat micky pkrsön1ich gar nicht grkannt und ich habe erst im Fébruar die Ehre gkbabt, ibm vorxxsteüt zu "werden, und ich bin swlz darauf, daß er mir den Silvssterbrief geschriebm bat. NUn ist bist don_ der linken Seite mebriack) das Wort: „DLT Reichs- lügenwrband“ grfaliep, gegen das ich protestieren mUß, Unter einkr Lüge rsrsiebt man bakanntlich sin? betrußrk Unwahrheii, ein VrrWUrf, rsn man sonst einkm Gegner nicht macht, so etwas geschieht unt-xr Ebrenmännern nicbt. Wir sind obst gern bkreit, aus dissen! Namcn Linen Ebrénnamsn zu mackpyn. Wie fick) die chiM, dar; beißt,_ die mit dem Béttklsack, fick) den Spaniern furchtbar macblcrx, 79 onen auch wir es tun. Wir find rann drr Vérban'c, der das Réécb 1:89:11 dic Lügxn dsr Sozial- r€1ndkratie rértéidigt. Das: ein sdlcbkr Verband notwemdig isi, dafür babm _die [cskén Wablen einen ganzen Aktknstcß Von Beweiism gelixssrt. Was sich die Soziaidémokratie an WabliügM geléisict bat, überstkigt wirklich alles Maß. Der „(Elsäffrr Kurisr“ bsivrjcbt z. B. eine Tkndemlüge eincS sozialdkmokratiickoén Bldtxés Über „Maria bxlf“ U:;d Erklärt jene Bebathungen für in aiicn Téilsn erlrg-xn Und in jsdem Sake unwabr. 2115 einem frechen Sckowitédel béisiwnet Sin anderés katboiisch:§ Blatt die Zusammen- iteilang res Vrrwäxts über_ die Zahl der Versicherten. Derselbe „Vorwärts' batte 1906 gs'agt, die Demonstrationsdersammlungen wärkn don 50000 Psrscncn besucht worden. Es ist aber festgéstélit WOLFF", daß in jénk 22 Säle eigentlicb nur 16000 Personen bixcimgingxn. Tatsächlich smd 21500 Pérsomn darin gswssen, 23500 waren zugelogen. Auf die ioziaidkmokratiscbe Wablreckotxlügs will ich bisr nicht NäÖSk cingxben. Wir stebkn akle aaf dcm BKM drs ailgkmsinen und gebkimen Wablrecbts. Ebenso kriozen i11_ ÜUÖ dis Nachricht, daß die bayerische Rigierung odrr dsr PM an Lins Aerd-rung dex- Reicbétagkwablrkcbts d-ane. Ein andrrer irxckorr WabiiÖwinréldés .VorwärtI“ war die Nachricht, daß für Mitte Januar 30000 Landwebrlkute singezdgén w-Zrden würds", Um :*ixe Zabl OM Wäirlxrn um ibr Wabltrck)! jU bringkn. TaßIikar11ich1f17n in Swnxe Und (Zis übsn idlicn, ist für jeden Kennxr där Ysrbältniffk ein barer Urfinn. Tsr Abg. Schriksmann bar 25 fÜr xine albkrne Lüge Skkiäés, wf; der Abg. Bbsl ri“. Lankwirticbzir b€schiwrft babe. E? ist aber das Wort ,:Sfaiieti: „Es gibt kin? egrxstiicbkren Und rückfiÖts- loserkn, ksire brutalerkn Menickzen, wie die bäuerlicbe Klaffe.“ Das Jazte Bxiel aaf dem Partéitage in Märchen und damals warks aUcb Sci“): ricblizk gerufen. Daß man auch in sozial-
daß
T-xmrkraxiicbkn Kkkiié'n dei“. TM res „Vorwärxs' und der _.Leipziger „ webrsrxn Kundgxbungén :
Voikszyiwriz' iatt_b;t, wiffkn _wir au? _ der BUÖkkllckCkkkkiäwmiUkZén in Ich muß aycb den Hagemann Md m:: ZSMQÖJTU erwurf ZUTUckWLUCU, ais wßren wir irxendwu'
iür die Flixskiärtkr reranxwdrtlicb. Wir rrarkn bcids 6 Wrcbm bon „
Bsriin abwéisrd ywd baxtFx? Ui die Flugkläriér nicht im mindesten EMÜUJ qiixuben frrineri. erym untnbaixen wtr unZ _béute uberhaupt uber dir!?" Gszrwtanc? Wéii das TSUT'ÖS Volk 781! 40 Jahren
zum kriteri Mal? sich des aiigxmsinen W3birscht§ wirklieh bédient Wabirsch ' soll Z Ick rmrß cker kie ' _ ; nicbt deuticb Verstehen, ftebt nur aui dsm Papier; in der
Tas _ und da
bat. wsil ÖLSÖST nw]: dis Sozialkkmc'kratie
wirklich aUÉFLÜÖT bat. Tuber rie Usbérraicbunz es anf einmal dis Negierwxg ZkWéi-cn sein! errkn Von T?! Linkém durcbaxs bitten, fiÖ mit dsr Lage, wie sie einmal dvrbanrcn i"t, Vertraut zU m::bsn; irissm, kikr mu?; geriffkn werken. Viacbr bérrirßt gswrrdxn. WTM eZ Wilier. durcb. uniisrbliä) blamirrt durch ihr dez-bsn JUZSR dl? Koloniaxpdlnik res Rkicks. Tas TSYTsÖL Vril bzt einem i-“inxn J'st nkt für déé NeiÉeZ
wil] iLHT SÖ
Macht Und Größe und für seine zukßnilixe (Knxw-cklxng und es war -
,:eradxzu lawbgir, _rri-Z wan Uns Afrikansrn im Wabikawrf mit Brocksn aus Véösi'cbön Rekén sxganertrat.
st-br isi: zu Kaiser Un: NSU; und wir wkrdsn nach wie dor rie
Wäkler auikiärkn und in diciém Sinne rie Wahlen bésirsiafisn. -
Abg. Brxjxki (Prix,; kann swb bei der Zintrstenden gkcßen U.“:ra'de :Ur :Éwör rrrmamdlmb machen.
wiedérbr'lt [3111 am Mai:! bittét.
Beamten in rsn Uwini'ckzkn alis ibre Krait iir dis ;szi-an KJUTLTITUTSU rm: zUr Bkkämriupg der rolnivcbxn Cinießcxi MÜfféK. Zn ??irem T_bdxn-K-lm-Brisien ssisn bei rxr JöaTwakl, die durch die Ka'ilskllkg seiner Wahl notwenrig wurkL, srßar Militärreridnkn in dicse amjiigoeAaitation brnsixzrzogen wdrdrn, mrém m:ri dis (Z“:Zbolera xine JLZUUZ Rolle in der Wab'z-it babe spislen in gewine
bier Zibt SS kein Mund- ;" Tas 'der-kicks Volk il't fich seinér ' QUÖ iki-“SN .? Ti? SOZiQiTTMOkTITiJ bat ch bei “den Wablsn „'
Ta? deatscbe Volk ' _ - tkazen, in eine andere Schule übergeht, wo kein drutfchkr Unterricht
okrrkbi der Präsident . Trr Nxdnxr brirsx Line Rribe [71:11 F Beickorercen Un: Arkiazsn gr„zkn rie Wablazixaxicn rer reuticbxn z L:.nde-téiien drr, r'eie Beamten bänsn : * KreiSWuiinsVwaren den deutickxn Untsrricht selbst in der Untsr- f7äbersn belkrsise „
_, _ _ _ [aßen und ; Orte Mtliiar lezte, welcchl joxort wieder zurückgezogen :
wyrderx sei, nachdem der offizielle deutsche Kandidat gefiegt hätte. Dre aewobnte Ungefesliebkeit des unberechtigten Verbots von Ver- sammlungen sei auch bei den leßten Wahlen sebr stark zu Gunsten der deutschen Kandidaten fruktifiziert worden. Die Polizei habe das Jrumtrggen von Plakaten verboten, auf welchen die Katholiken zur
ahl eines kgtboliscben Kandidaten aufgefordert wurden, und sei egen die Trager sogar wegen groben Unfugs eingeschritten. in größerer Unfug sei wobl im Deutschen Reichs noch nicht_vorgekommen. Die Wablerlisien seien außerordentlich un- vplistandig gewesen; derjenige polnische Arbriter, der etwa die Listen emiebe und sich nachtragen lasse, werde bei der nächsten Ge- legenheit als Krakxeler entlafsen. Aehnlicbe Beschwerdepunkte trägt der Redner noch eine Anzahl vor; insbksondere sucht er nachzuweisen, daß die Bkbörden den gesxllschaftlichen und wirtsäxaftlichen Boykoti der Polen begünstigen und sogar organisieren. Auch die Personen der polnischen Kandidaten, die der Regierung nicht genrbm seien, würden in der unerbörtejten Wrise von den Beamten uiid Behörden als_ .Spisbuben' uiw. beschimpft. Neben dén eigent- lichen Beamten taten sick) aueh die Lehrer in dieser Hinsicht hervor. Alis diese Beamtenpraktiken bei drn Wablén müßxen verschwinden, eber werde ex nicht besser werden.
Hierauf vertagt sich das Haus.
Persönlich bemerkt der
Abg. Gvßiin _q (fr. VMM): Die von dem Abg. Kretb eiwäbnte Bemerkung des Vorsisknden Sinkt Königsbsrzer Versammlung ist don diesem in der Form, wie fie die konserbatide Presse wieder- gegeben hat, nicht getan worden.
Schluß 61/2 Uhr. Nächste Sißung Sonnabend 11 Uhr. (Zweite Lesung des Gcseßentwurfs, betreffrnd die Berufs: und Betriebszählung, erste Le ung der Vorlagen wegen Kontingen- Uerung der landwirtschaftlichen Brennereien und betrkffend Maßnahmdn zur Verhütung dcs Rückganges der Erträge der Maiichbotttckxstruer, Fortskßung der eben abgebrochenen Bx sprechung.)
Preußischer Landtag.
Haus der Abgeordneten. ZZ. Sißung vom 14. März 1907, Mittags 12 Uhr. (Bericht bon Wolffs Telegrapbischem Bureau.)
Tas HauH fkßt die zweite Lcjung des Staatshaus- haltSLtarcz fur das Rechnunqsxahr 1907 bei demEtat dcs Mininertums der geistsichen, Unterrichts: und Medizinalangelegenheiten fort. '
Die Beratuzig béginnt bei den dauernden Ausgaben; bor der beim erytrn AUsgabetitel „Gehalt des Ministers“ gblichcn allgxmsinen Besprechung des ganzen Spezialetats findet _zunxichyt_ eme bksondere Erörterung des polnischen Schulstreiks statt.
Bxxichterftatter Abg. Dr. Wolif-Gorki referiert über die Kommiiankarbandlungen.
Abg. _Stvcbel (Pole): Die Staat:?regierung macht brstänrig mit dcn Volksicbulen in den polnisckoen Landesreilen politixckoe Experimente. _Emem Tril der deutschen Presse und der deutscbkn Bevölkerung er- 1cheint alis? gut, was von der Regierung kommt; aber in der unab- hängigen Preffc, in !er freie Mannesäußerung zu finden is!, sowik in der geiamtsn zivilisierten WSU hat dies: Politik, Verurtei- lu'ng gefuudsn. Der BSWCJUUJ des iogénanvten pvlniicbkn Schulüreiks liegen nicht frivole Motive zu Grunde, sondern fie ist die nothrdige Abwehr sims G:w;ltaxts der Negicrimx. Dec KaitUScninister sagt, die garxzr Bewsgung 1ei aus politiscbxn Gründen künstlich blk- rwrg-Zruxen worden. Wir werden ja sebsn. Die „Frankfurter Zei- tmig', dis: drr ailaeineirxen Meénung Ausdruck gibt, hat sich mit der Sachs in einsrRsibe don Artikeln befaßt; fi:- sagi: Daß auf demsckoer Seite? ki: VNa-xiassung zu dem Streik likge, könne mit Fug nicbt bestritten werden. Die Béwegung sei auf polnischer Seite durchaus etbiscber Natur. Das Alipolsntum ski nicbt die Ur- sa:be der prsußifcben Politik, sondern umgekebrt. (Der Redner derliest längere Au§züge aus kirscn Artikeln im Wyrtlaut.) Die Situation ist in drr „Frankfwrter ZeiUrng" sebr präzis bs- zeicbnct. Man fragt, warum der Schulstreik nicht schon früber aus- gebrochen ist; die Langmut des polnischen Volkes ist ja bekannt, aber einmal muß die Sache zum Klappen kommen. Die Negixrung batte früber gerkcbterk, dernünitigere pädaaosiicbe chndiäye für den Religionéynterricht, davon empfinden wir Nichts mehr. Die Schu]? in doch nur die Ysrt'reterin der Eltern ur-d soll die Erzieburia fort]? cn. Die Schu1e ist eine Erziehungsanstalt, aber kein Drillinijitut. 'n Uiigarn ist troß der magyariscben Amts- sprache der dSUtsÖI R-[igionsimterricbt für deutsche Kinder nach einem Erlaß des Ministers Apronyi zugelaffen, Es ist gar nicbt anders _ möglich, als daß dsr ReligionSuntxrriÖt in der Mutter'vrdckßr erteilt wcrdkn muß Die Regiernng wiki aber die po!- niscbe Mititeridtacbe aus rchchu18 Vékkiäxigkn, damit die fremds, die deutscbe Sprache auch in das FImiiiCKlkbkn bineingetrisben wird. Wo sind da die politiicbsn Motidé, aui unixrer S-ite odrr aui der Seite der Regierung? Der Kuliuéminister bot sich erlaubt, zu be- bauvtcn, daß wir die pädagogiichn Gruxdsäß? mit Füßen Treten. Aber der Staat in Es, _der dies in Wahrheit tat. Die Criaffs der Regierung übér dis Eirxxübrans der deutichn SPTZÖS im Unterricbt sind im Prmziv falsch und unvädazdziich. DCU Religion:“- untcrricht kann das umcxtwickrlte Kind nur in drr Mutter- svracbe erfassen, in anderen Fächern kann man dir deutsche
,' Sprache dii'cb dkn Anschauung§unterricht untersiüsen, man kann da-
mit alle Gegenstände darsU-Uen, aber Barmbrrxigkeit kann man durch keinen Ans_chauang§11nixrricht darstellen. Als ein Lébkék dkn Kindern den Anfang der Wsit darsieilen woÜte, sazte er; dies ist eine Sckulbank, dies bikr dcr Anfxrd 117.17 dies das Ends, danach ist nicbts, und dann antwdrieten die Kinder auf seine Frage; „Jm Anfang sch11f Gott cine Bank.“ Um den Begriii „wüst und 16er" klar zu machen, zeigte dsr Lkbrer einen VOÜFU Topf, Zoß ibn aus und zeigte daran, dgß es nicht ein [irrer Tobi war; da antworteten die Kinder a_us sei.".e Frage: „Jm Ansa?» war ein Lehrer und ein Toys.“ Dir Kilikék battén also übe'rbaubt nicbt be- griffen, daß er ibnen dcn Begriff „leer" erklären wollte. Das; dr Uyterriibt polniscko ericilt werden soll, wenn dir Kinder raxis ist der deutsche Unterricht nicht eine Auk-nabme, sondern die Regel. In Oberschlesien gibt es keins Volksschule, wo nicht deutscbrr Untsrrickpt ist. S0 ist LG auch in_ Westpreußen. In Posen wird mehr ais der Hälfte der bdlniscbkn Kinder der Reikionxuntsrriäyt in dkutscber Svrackde erieiir. In der Obkrstufe wird der Unterricht deutsch in 120 Schulen erteilt, in der Mittelsiafe in 143 Schulen und in dcr Unt-ritufe sogar in 65 Schulen an “rie 6-7jäbrigm Kinder, die keine Abn'ang von der deuxickßex Ebrach haben. Wenn ein Kind, deffen Papiere den Stempel .d,k“, d. b. „deutsch-katbolisäp'
ist, wird für dieses Kind ein besonderer dcutscher Unterricht eingerichtet, und dann wird bald der ganzx Unterriast déutscb, vm die Cinbeitlickpkeit berzUsieUen. Nach einst Verordnung der Regierung in Marienwerder soil in den national qemiicknen Schulen der Unterricht deutsch sein, er ist es aber auch in den Schulen, die nur don polnischen Kixrern bssncbt werden. Oft fübrkn die
stufe „auf Probe" ein, das_iit nur eine Phrase, um die Schal- politik zu Verreckxn. WRn !rlbst das Gsbet deutsch skin muß, dann ist es auch danack); das deutsch? Gebet ker volniicbén Kinder ist eine Prcianation, denn sie dersieben LS gar_nicht. Der Erbitierungéswff in der polnisckxen Bevölkerung hat fich Leit Jahren angesammelt, aber das Maß wurde voll, als im vorigen Jahre auch in der Unter-
LMM STÜHYW YSMMW reu ta
nischen Bevölkerung. Eine so fertigung der Regierung,
eingerichtet w ** gegen das Nalurreczjkrkä'a" ') leichtsinni e und sch ** wie die in der . korddeutscbm A
Zeitung" beim Ausbruch des polnischen Schulstrecks, 5,45€“ [vii Le
meinem Leben nicht gesehen. Der deutsche Intere e der Kinder selbst liegen; das verstehe, wer kam, polnis er kaszt werden überhaupt nicht mehr ' ** Von, den Gersthchen vxrlangt man, daß sie sich auf die * Regierung in diesem Kampfe siegen. Es ist aber ihre eigene die sie verxreten, wenn sie für dte Erhaltung der Mutterspxq *“ treten. Fur das kleine Kind ist die Muttersprache die nia“ liche Unterricbtxsbrache, denn es versteht nur fie. Selbs wgchsene_ wtxd sern Gebet nur in seiner Muttersprache,- Furft Bismarck schrieb in einem Briefe von1851, er WFK". Gebet nicht in französischer Spraxbe sprechen, das käme ibm ne ' vor., So dachte der größte Deuticbe, der Diplomat. Die pra“). Regierung wendet zweixrlei Maß an. Anstatt uszkebren an"“ zugeben, daß den polnischen Kindern unrecht geschch9, wen»? Schulpraxis Gewaltmaßregeln an. Man kann sehen, mit wel , dre Amisgewalt von den brutalen Gewaltmittein Gebrauch ' Die Kinder, die im Streik sieben, werden gegen das "" über das_ 14. Lebensjahr in der Schule zurückbehalten. ;" blödfinnntg, wre die Kinder, die schon so weit dknken können der ReligionSunterricbt in der Muttersprache erteilt wzrken' durcb dre Eewaliwaßregeln demoraiifiert werden. Mit strafen werdrn die Kinder belegt, die nicht deutich antworten “,L geben frubmorgkns obne ein warmes Frübs1ück_mebrere Kilometx'x ' zur Schule, und fiL müffen dann für die Arretifirafe Nachmittags 1 Uhr nochmal; in der Schule sicb einfinden; da können sie wextxn Wege nicbt bin und ber machen, sie bleiben gleich dort c Mittagbwt zu haben. Das ist barbarisch. Schuldersäumnch wurden fesxgeseßt, weil die Kinder krank wurden. Song eine „*s' die ihren Kindsrn nicht das trockene Brot in die «ckck]: kdnnte, Wurde bestraft, Weil sie ihr Kind in der Winterkäite "iii" die Schule geben ließ. Mt derselben barbarischen Lust, “:“. iind Robeit wird auch gegen die Lehrer vorgegangU eiiiem Lehrer wurde gesagt, er_ möge lieber Schweine x=. Nicht im Jntcreffe der polnischen Bevölkerung, fenden; - Interesse der Humanitat und der Kultur ist es zu beda daß wir_solche verwilderten Zustände haben, und daß MIZ Brutalitaten in der Presse und noch an anderen S i_bre Approbation finden. habe eine ganze stbe' licher Atteste, die zsigen, mit wcicbcr Robeit sega; Kinder vorgkgangen ist, die 20, 30 Schläge jn * SchUlix'unde bskommen, sodaß sis ohnmächtig zn Boden;;x Iii emam Attest heißt es, daß der Rücken eines Kirdeg Eindruck machte, als ob das Kind pi'gkißklt sei. Arbeiter wer»- .. laffxn, wenn fie ibr_e Kinder am Schulstreik teilnebmsn laffcn; . L_)oriieber und Ortsyckpuizen werden ihres Amtes entsetzt um.: x., strafen werden gegen die Eltern bis zu 30 .“ festgeskßi, ja biz 40 „;ck, auf Grund alter, derrosteter Bestimmungen. E1t2rn,djx , 95 „3 zur BS_sÖaffung eines deutschkn Lebrbucbks beigeben . -!„ wurden WSJ?" disscr 95 „_3 Kleiderschränke, Uhren, eine Nähmaschine sdgar zwai, S_“cbwcme gepfändet. Und was baden denn - dre GymLanalicbüler derbiocben, die n'eg-n des Streiksibrerzs -' don der Schule verwiesen wurden? Die Geschichte wird die edler **- ttbe de_s passivxzi Widkrstandes drr polnischen Schulkindererkennen ' und dre preußische Schulpraxis als einen Verstoß JM?" dir??: rechte bxrurteilen. Die alten Lehrer wabren ibre Püicbt de: ** szung de'r Kinder, aber die jüngeren Lehrer, die eb-xn an;.- “&ckme berausgekommen sind, vergeffen die Aufgabe der Erzie und_la11en sicb berabdrücken zu Werkzéugkn der preußischen nk Frkixts und zu Denunzianten, Wir werden in diesem Kamdfka a ten.
Minister der geistlichen, Unterrichts: und Medizckai angelegenheiten Dr. von Studt:
Dxr Hsrr Abg. Sivcbel hat zu Beginn sein.“!" A*»Ziibwy die Waffen znr Bekämpfung der preußischen Sch21v2btii dem Arsenal unserer eigenen Preffe bergebolt; TÜ iii * sicb zu bedauern, zu bxrwundern ist es aber nicht. EZ - stets so gewesen und wird für absehbare Zeit leider ;uÖi bleiben. Meine Herren, der Zufall wii] es, daß beats 24 Jabren, am 14. März 1883, durck) den damaligen Abgeorduet den späterem Erzbischof Dr. von Stablewski, dieselben Arznwe - dir bsute hier ins kaecht geführt werden zur Bekämrivnz preußischen Schulpolitik, bereits geltend gemacht wdrken im aber mit dem ssbr viel weiter gebenden Zieie, DS? "4" bloß im Rsligionsunterricbt die deutsche Spracbs röliiz seitizt werde gegenüber den polnischen Kindern, ');-MM -"* baubt der gesamt? Schulunterricht wieder in polniicbxr €;! bsrgefteiit werde. Meine Herren, damals ist der Antrag mit “1"- großen Mehrheit abgelehnt worden. Ick) boffs, daß (:*-Mb ÖSUU , beinahe einem Vierteljabrbundert diesexbe Mebrbeit fich ßndén ? um die der Königlichen Regierung durch die narixnairoinU Agitation aufgedrungsnen Maßnahmen zu unterstüsen. (ÖCÜUÜU den Poken.)
Meine Hsrren, auf die altsn Beispiele don dkm marski" Vsrständxiis, die dsr Nbg StyÖ-Jl sowobl in dieiém Lob:“n O3 wie in unzählig-en Volksversammlungen zum so und so Dieiten M" dorgxtraZen bat, möchte ich nicht eingehen. Durch WENN", Darlegungsn körntc ich Ihnen bcweisen, daß derariizeSÖT ksiten bei j-edem Sprachunterricht borkomxnen. (Heitsrksit ZN “ Polen.) „ Längst widxrlegt ist insbesonders auch die rorgkkk-LÖU_ bauvtung, daß grundsäylick; keine polnischen str-cr Wi wsrden. Meine Herren, wie der Herr Abgeordnrte MU _kkm disk Bxbauytung beute wieder auizxfriichen und zwar m_ selben Fabuxg, mit der sie wiederholt hier und MÜ "' V“.. Versammlungen Vorgebracbt ist, nachdem fis wiederkdltxdlkki- wirersegt worden ist, das ist mir nicht rrcb'r derständliÖZ 5“, * Herrn Abgeordneten scheinen übrigens ekensowenig WWW“ "** zu existieren, dir Von Anfang an die demfche Sprache brberriÖM kd"? oder minder anzuwewden in der Lage sind, wie dir Kinder der FUT; Katbdlrkcn. Sonst würdr er nicht don dem Eindrink-M FkkMZ“ Sprache in den Poiviick) katboljsxben Eottsédiensi iprkcbkn- N “L;“; eben (11185 außschlisßlicb von seinem polniscb-naticnain „71 punkt. Der Herr Abgeordnete bergißt dabei, daß UF Ri?!“ durch die traurige Erfahrung der stetigen Polonqték'FK Tanienden deutscher Katholiken genötigt ist (WiderskaÖ ""T ** “_ „ bei den Polen), - vollkommen richtig! - (ssb: richtig? "ÖL„- zulässigkn Mittel anzuwenden, um den Fortgang diesésßPWM'“ Verbindern. Die Regierung würde ihre Pflicht M S “T“ nationalen Ehre und der nationalen Zntereffen au? 7:99 stbkrjcf __ lese'n, wenn fie diesem Prozxffe nicht mit Voller Kraft enxz-«CU wollte. (Sehr richtig! rechts.)
Unterricht
..... ,- T:-
(ertsevung in der Zweiten Bxilagk-)
jcherukiz "*
zum Deutschen Reichsanzeiger und Königlich Preußislhen Staatsanzeiger.
Zweite Beilage
Berlin, Sonnabend, den 16. März
1907.
„€ 680 É/“é-____"___________________""
(Fortsevung aus der Ersten Beilage.)
Der Herr Abgeordnete hat zum Schluffe seiner Rede gesagt:
Denken Sie nicht, daß wir gegen den preußisÖen Staat an fich sind.
Meine Herren, das ist richtig und bestätigt sich täglich dadurch, daß die zahlreichen Wohltaten, die der preußische Staat der po_lnischen Zwölkerung entgegenbringi (Abg. Korfanty: Wir danken fur Ihre Wohltaten, die Wohltaten werden zur Plage !) in Form 'von 1115511997: Millionen, von Beihilfen zu aUen möglichen Kultuv- Meliorations-, Verkehrs- und anderen_Zwecken mit dem zßten Vergnügen genommen werden, aber die Erfuilung der weiteren gr icht, der allgemeinen staatsbürgerlicben Pflicht, die sicb aus der Zu- aebökißkeit zum Deutschen Reiche und zum preußisÖen Staate ergibt, bebt auf einem anderen Brett. (Sehr richtig! rechts.) _
Nun, meine Herren, wollen Sie mir gestatten, gegenuber den Wollen Urteilen, die der Herr Abg. Siycbel über die preußische Schu1vecwaltung auskusvrecben stch bemüßigi befunden bat, ck „xoh', .blödsinnig“, .brutal", .barbariscbe _Maßnabmen', (Sehr richtig! bei den Polen.) (Glocke des Prasidenteri.)_ WoUen Sie mir gestatten, Ihnen die Zusamwenstellung derjenigen Maßnahmen vorzulesen, welche beim Schulstretk zu beobachten find and die als Instruktion den einzelnen Lehrern übermittelt sind: _
Wo das gemeinsame Sprechen des Schulgebets zu Schwierig- keiten führt, ist der Lehrer ermächtigt, das Schulgebet allein zu sprechen. Wo Schwierigkeiten für die Schulsucbt nicht entstehen, bleiben die Widerspenstigen Kinder in der Religionssiunde anwesend und werden unter Aufrechterhaltung der Schulsucht mit anderen Arbeiten, die den ReligionSunterricht nicbt stören - wie z. B. mit Deutschschreiben - _ _ beschäftigt. Um den erzieherischen Einfluß der Schule auf die
durch ibre Eltern zum Ungehorsam gegen die Schulordnung aux. geheizten Kinder (unruhe und Zurufe bei den Polen) _ _ wirksamer zur Geltung kommen zu laffen, erhalten sie fur )ede
Religionsstunde eine Zusaßsiunde in einem anderen Lebrgegenstande.
Bei Festsetzung der Ersaß- und Zusaßsiunden sollen Harten, die zu
berechtigten Vorwürfen gegen die Schulberwaltung Anlaß geben,
insbesondere die Gesundheit der Kinder gefährden könnten, ver- mieden, besondere Verbältniffe, wie z. B. weite Schulwoge, aucb berückiilbtigt werden. (Zurufe und Lachen bei den Polen.)
Den widerspenstigen Kindern ist die Rückkehr zum Gehorsam tun-
lichfi zu erleichtern. _
Nun, meine Herren, bat der Abg. Stychel nacb bewahrten Mufiern heute wieder einzelne Fälie von Mißbandlungen Von Schul- kindern bier vorgetragen. Aber, meine Herren, die Statistik der gerichtlichen Bestrafungen wegen Ueberscbreitung des Züchtigungs- nchts ergibt das Gegenteil. (Lachen und Zurufe bei den Poien.) - Ja, meine Herren (zu den Polen), Sie kommen bier sebr haufig mit dem Spruch:: 11)- a 665 FUZZI ck 136x113 (Abg. Korfanty: Ron! Robi); sobald man Ihnen aber eine gerichtliche Entscheidung anführt, die Ihnen nicht paßt, dann heißt es immer: die preußischen Serichie fällen unzutreffende Urteile. (Sehr richtig! rechts.)
Nun, meine Herren, daß in einzelnen Fäiien die Lehrer, ficher gegen ihren Wunsch, zu ernsten Züchtigungcn haben greifen müssen, kann bei der Verbeyung der Schulkinder kein Wunder nehmen. In welcher Lage sich die Lehrer mehrfach befunden haben, dafür möchte ich Ihnen nur folgenden Fall bier vorführen. '
In einer Volksschule im Kreise Schubin brach der Schulstretk schon Ende August aus. Er wurde von einem ebenso frechen wie kräftigen Jungen dadurch eingeleitet, daß er die übrigen Kinder durch Nägel zwang, die deutschen Antworten zu verweigern (hört! iörtl bei den Nationalliberalen) und die deutschen Religions- dscher zurückzugeben. Einzelnen Kindern riß er gewaltsam die Bücher aus der Hand oder aus der Schultasche heraus. Den in die Klasse eintretenden Lehrer schrie er mit dem W[Uischn Gruß so laut an, daß sein Schreien die von den übrigen kindern deutsch gesprochenen Grüße übertönte. Als der Lehrer ibn "Zen seines Verhaltens züchiigen wollte, Job er über die Bänke, und als der Lehrer ibn faßte, warf er sich zur Erde und iiß den Lehrer so stark ins Bein (Heiterkeit bei den Polen), "ß dem Lehrer das Blut in die Stiefel floß. (Hört! hört! "ckck und bei den Nationalliberalen. _ Heiterkeit bei den Polen.) NW nach 8 Tagen hatte der Lehrer, wie durch den Arzt iéskgestellt wvrden ist, eine deutlich sichtbare Bißwunde. D“ W Junge sich vollständig fest gebissen batte (Heiterkeit bei den ptUSU) und durch Ziehen nicht los zu bekommen war, blieb dem Lehrer Üchts weiter übrig, als den Knaben durch kräftige Züchtigung Um Loslassen zu zwingen. Daß dabei einzelne Schläge auch einen luderen Körperteil irafen als den, für den sie bestimmt waren, (Heiterkeit) ist 1eicht etklärlich. Selbstverständlich Wurde dieser Vor- UUJ aber vom .Lecb“ - das ist ein bekanntes polnisches Blatt - “UW, um die Bevölkerung gegen den betreffenden Lehrer wegen an- ikblicber Mißbandlung des Jungen aufzubeßen.
Das ist bloß eins von vielen Beispielen. Es ist mehrfach borge- kommen, daß kräftige polnische Jungen die ganze Schulklasse unter ihrem
orißmus gehalten und die Widerstrebenden mit Fausten derartig kSarbeitet haben, daß entgegen dem Wunsche der Kinder und auch teilWeise entgegen dem Willen der Eltern der Streik auögebrochen ist und W so lange fortgeseßt hat, bis endlich der terroristischen Herr- (haft dieser jungen Herren ein Ende gemacht wurde.
Der Herr Abg. Stychel hat nun seine Rede mit der Behauptung Eingeleitet, daß es sich um eine Abwebrbewegung gegen politische M«ßnabmen der Regierung handle. (Sehr richtig! bei den Polen.)
“in? Herren, gerade das Gegenteil ist der Fall, wie ich Ihnen Wb" n«khw'eisen werde.Gestalten Sie, daß ich nunmehr die Rolle des
Ick muß das in einer längeren Darlegung tun und bitte um Nach- sicht, meine Herren, wenn ich Ihnen diese Darlegung verlese, da eine Menge Einxelbeiten darin enthalten sind, die sonst wobl verloren geben würden.
Meine Herren, die bestehenden Vorschriften über die Unterrichts- sprache in den gemischtspracbigen Landesteilen sind in diesem hoben Hause so oft Gegenstand der Erörterung gewesen, das; ich über diesen Punkt mich auf nachfolgende kurze Mitteilungen wobl beschränken darf.
Auf Grund der , betrübenden Erfahrungen, die man mit den abweichenden Vorschriften aus den vierziger Jahren gemacht hatte, ist im Jahre 1873 auch in den Volksschulen der gemiscbtspracbigen Landeßteile als einheitliche Unterrichtösprache die deutsche eingeführt worden. 'Eine Außnabme wurde nur bezüglich des ReligionSunterrichts gemacht, der in den Provinzen Westpreußen, Ostpreußen und Schlesien auf der Unterstufe, in der Provinz Poien dagegen regelmäßig auf allen Stufen den Kindern in ihrer Mutter- sprache erteilt werden sollte. Nur wo die Schulkinder in der Kenntnis der deutschen Sprache so weit vorgeschritten sind, um auch den Religionßunierricbt in dieser Sprache mit Erfolg empfangen zu können, soll auch die Religion in deutscher Sprache gelehrt werden.
Daß die BezirkSregierungen der Provinz Posen binsicht1ich der Einführung der deutschen Unterrichtssprache in der Religion erst nach eingehender Prüfung und mit der gebotenen Vorsicht vorgegangen find, mögen Sie daraus entnehmen, daß im Regierungsbezirk Posen in 822 Volksschulen don inSgesamt 1392, die überhaupt don Polnisch sprechenden Kindern besucht werden, der Religionßunterricht noch auf allen Stufen in polnischer Sprache erteilt wird (Lebhafter Widerspruch bei den Polen). Wenn im Regierungsbezirk Bromberg dagegen in der Mehrzahl der Von polnischen Kindern besuchten Schulen der Religionßunterricht auf der Ober- und Mittelstufe und an einigen auch auf der Unterstufe in deutscher Sprache erteilt wird, so berubtdies darauf,daß der Regierungs- bezirk Bromberg, wie schon die Ergebnisse der Volkßzählung beweisen, in so hohem Maße von Deutsch sprechender Bevölkerung bewohnt ist, daß Tausende von polnischen Kindern schon mit einem solchen Verständnis für die deutsche Sprache in die Schule eintreten, daß sie nicht als rein polnische, sondsrn als gemischtsprachige bezeichnet werden können.
Meine Herren, die Vorschriften über die Unterrichtsspracbe der Volksschule in der Provinz Posen sind, wie gesagt, seit mehr als einem Menschenalter in Kraft. Sie sind wohl von polnischer Seite im nationalen Interesse wiederholt an- gefochten worden, haben aber bisher doch noch niemals zu einer solchen Maffenbeivegung An[aß gegeben, wie wir sie in dem jest herrschenden Schulsireik dor Augen sehen. Schon dies beweist, daß wir es mit einer im großen Maßstabe künstlich organisierten Be- wegung zu tun haben.
Meine Herren, von polnischer Seite wird zwar in Volks- versammlungen und in der Presse geiliffentlich das Märchen der- breitet, daß der sogenannte Schulstreik der polnischen Kinder ohne jede äußere Anregung von selbst aus den Herzsn der Eltern und Kinder entsprungen sei. Was es mit dieser Fabel auf sich bat, mögen Sie aus folgendem ersehen:
Schon im Frühjahr 1905 wurde bekannt, daß die Leiter der groß- polniscben Bewegung im Auslande infolge der vsränderten Lage in Nussiscb-Polen ihr Hauptaugenmerk auf Preußen gerichtet und u. a. die Entfärbung eines möglichst Umfangreichen rolniscben Schülersireiks ins Auge gefaßt hätten. Kurz darauf erschienen absr in der polnischen Preffe des Jn- und Auslands Arxikéx, in denen vor]. einem solchen Unternehmen entscbisden abzcraten _warde. So be- zeichnete der Vorfißendc der Polenfraktion dieer bdben Haused, Dr. Szumann, in einem im Sommer 1935 im _.thenntk Poznanski“ erschienenen Artikel den Schnlitréik als _ernr „krankhafte Cr- scbeinung“ und als eine „ungeschickre Dsmomtrarwn'. Auch in der ausländischen Preffe, z. B. in dem in St. Petersburg bsraaSgegebenen Kraj, Wurde von der Veranstaltung ki,".eI !olchi abgsraFn._ Der Plan, troß allen Widerspruchs die SÖalkindc: m deri_Sir€1t der Nationalitäten mit bineinzuzirbsn, ja fi: zum Sturmbock fur die groß-
polniscben Zwecke zu machen, scheint in den maßgebenden polnischen Kreisen erst im Frühjahr 1906 festr Gestalt gewonnrn zu haben.
von Gnesen und Posen am 12. Mai 1906 an die Dekane rriaffenes Rund- schreiben über die deutsche UnterrichtssvraÖr im NCllgiOkiZU-nkkkkiÖt,
Bevölkerung gegen die bestehende Schulordnung aufzubsyen. Dabei
" raut urück ubalten. Dieser Gedanke fand abkr uObeeff?titlxichkckzit wiknig Anklang, weil ein solchs Verbaiten natur- gemäß zu Schulbersäumnisstrafen gegen kik ,betetltgtcn Eltern führen mußte. Da erschienen Anfang Juli in der bekannten (;«ezba Sruäzjzäzka,
die olni chen Eltern zu tun bis zu dem Moment, wo_ der ZTTÉürdigfiY Hersr Erzbischof und die bochwürdigsten Herren Yijcböfe den deutschen Religionsunterricbt verboten haben werden? und .Was hat das polnische Volk noch mehr zu tun in Sachen
auf en ReligionßunierrichtS?" :;Tgeldrgt ,sth daß ein Zurückbalten der Kinder vom deutschen ReligionSunterricht des staatlichen Schulzwanges wegen unaus- fübrbar sei; wohl aber könnten die Eltern ihren Kindern befehlen, die Religion 'nicht in deutscher Sprache zu lernen. Sie hätten die Pflicht, dies zu tun und die Lehrer von dem erteilten Verbote schriftlich in Kenntnis zu seven, wenn sie nicht .die furchtbare Schuld auf iich laden wollten, die Seelen Zebntausender polnischer Kinder der gräßlichen Gefahr des Verlustes des Seelenheiles außzuseßen.“ Außerdem sollten sie einen
Uäßeks übernehme gegenüber der Rolle, die der Herr Abg. Stycbel der ersten Lesung des Etats sowohl wie heute hier gespielt hat.
.donnernden Protest gleich einem Sturme dem Unterrichts-
Sie benußten für ibreZwecke zunächst ein Von dem dxritdrbsnen Erzbischof _
um in zahlreichen Preßartikeln und Volksversammlungen dic rolniscbe .
wurde den Eltern nahegelegt, ibrs Kindsr dom erigionsimiterridcbt : n er
vorigen Jahres _, dem polnisckpén „
Hetzblatt schärfster Tendenz, zwei Artikel mit dsr Ueberschrift: „Was -
In diesen Artikeln wurde,
in die Ohm 1:51:1ka (Hxirxrkekr) Muster sowohl für die MiÜCUURZM :.". L:;krc: wie für diesen Protest wiirden in den Arxäsl: :bzerwckr. Auch wurden Protestformnlare zur Bézaxmlicbkrit "rx: Aiiemker darch den Druck Vervielfältigt. Jnioige dicier ZFentiicben Aufiorderung, die auch Von anderen politikchn Blärrern wiederzeßsbrn wurde, find viele Hundsrte yon Protssten bei “den Rxßierungen und bei der Zeniralinsianz ein- gelaufen. Obwohl der Skbliißias dieser formularmäßigen Proteste
lautet:
minister
), xi!
Wir trilen EUS: (Fxxxlienz mit, daß wir unseren Kindern der- boten haben, wäbreiid des Religionöunterricbts Deutsch zu beten und die deutschen Fragen des Lehrers zu beantworten,
sind zabireiche derartige Proteste auch Von Eltern unterschrieben worden, wxlche gar keine schulpfiichtigen Kinder befißen (hört, hört! rechts), aach bon unberbeirateten, kinderlosen Personen (bört, hört! rechts), don Deulschen, ja von Schulkindern selbst. (Höri, hört! r6chts.) Man hat sich sogar nicht gescheut, die Namen von Leuten, die im Jrrenbause oder im Zuchibaufe fißen, ja in einigen Fällen selbst die längst Verstorbener unter die Proteste zu s eßen. (Heiterkeit - Hört, hört! rechts - Rufe bei den Polen: Namen nennen!) Also selbst vor derartigen offensichtlichen Fälschungen hat man sich nicht gescheut.
Wie wenig im übrigen die Unterzeichner der Proteste überhaupt wußten, um was es sich eigentlich bei den Eingaben handelte, erhellt deutlich aus folgendem.
Die Proteste beginnen regelmäßig mit der Bebauptung: „Unseren Kindern wird der Religionöuntrrrickot in der ihnen unverständlichen deutschen Sprackoe erteili“. (Abg. Korfanty: Das ist auch richtig!) Troßdem sind derartige Proteste aus solchen Gemeinden vielfach eingegangen, in denen noch heute beim Re- ligionßunterricbt und beim (Gebet die polnische Sprache auf allen Stufen benutzt wird. Ein solcher Protest ist in einer Gemeinde zu meinem Erstaunen an erster Stelle Von dem mit der Leitung des NeligionSunterrichts betrauten polnischen Ortspfarrer unterschrieben worden. Der Herr wußte also nicht einmal, in Welcher Sprache der seiner Aufsicht unterstehende Unterricht überhaupt erteilt wird. (Große Heiterkeit. Hört, bört! rrcbtö.) Trotzdem glaubte er, sich der Protestbewegung anschließen zu müssen.
Sie werden es nur natürlich finden, daß derartige, den Stempel künstlicher Mache an der Stirn tragende Kundgebungen auf die UnterrichtßderWaltung keinen Eindruck machen konnten. (Sehr richtig! rechts.) Trotz der Aufreiznngen der Preffe und troß der fortgeseßtrn Bearbeitung der großen Massen in Volksdersammlungen fand im übrigen der Gedanke des Schulstreiks bis zu den Hrrbsiferien nur in wenigm GeMCinden Anklang. Die Leiter der Bewegung sahen sich daher veranlaßt, in den Herbstferien kurz vor Wiederbeginn des Unterrichts im Oktober vorisen Jahres in Tausenden von Exemplaan folgenden Aufruf zu Verbreiten:
Rette, wer an Gott glaubt!
Eltkkn! Erwachet! Weckt mit aller Gewalt auch Eure Nachbarn! Sebi Ihr nicht das über Euren Häuptern flammende Feuer? Sebi Ihr nicht, was Euren Kindern droht? Wenn Ihr ibnen gestaltet, weiterhin die Religion in deutscher Sprache zu lernen, so sei Ihr Abirünnlinge von Eurem Glauben. Der allmächtige Go , diefer liebende Vater, aber auch gerechte Richter, wird Euch Eltern grausam bestrafen für das Abtrünnigwerden von ihm. (Zuruf bei den Polen: Der Aufruf kam gar nicht zur Verteilung! _ (Glocke des Präsidenten.) Denn seht Ihr Blinden nicht, daß der lutherische Preuße dem katholiscb-polnischen Kinde nicht nur die Sprache, sondern auch die Religion entreißen will? Leute! Ueberlegt! Bedenkt, was durch Eure Gleichgültigkeit mit den Kindern geschehen wird! Oeffnet Ihr ihnen doch selbst die Pforten der Hölle angelwcit und stoßt Ihr sie doch in das Verderben! Oh, wie schmerzlich werden doch ihre armen Seelen sich beklagen über die eigenen Eltern, die Ursache ihrer Verdammnis, über diese Eltern, die Gott selbst zu ehren und zu lieben befohlen hat. Diese Eltern wird er am Tage des Gerichts von sich stoßen und mit furchibarer Stimme rufen:
Ick) kenne euch nicht, ich kenne euch nicht, ihr seid meine
Kinder nicht!
Geehrte Eltern! Untersagt alle wie ein Mann
am 17. Oktober 1906 Euren Kindern streng, im ReligionSunterricbt deutsch zu antworten! Möge es unter Euch kein räudiges Schaf geben, das dieser Aufforderung nicht gehorchte! Ihr seht, geschäßte Eltern, wie groß Ihr seid! Ihr allein habt die große Macht, disse bon Gott verliebeneMacht, daß Ihr ein solchesVerbot an dieKinder erlassen kö nnt, und dieKinder müssen ih m gehorchen! Ihr seid in Euren Eliernrechten mächtiger als die Minister, als die höchsten preußischen Beamten selbst! Angesichts Eures Verbots, das an die Kinder seitens aller katholisch-polnischen Eltern ruhig, einmütig, Hand in Hand erlassen wird, werden sich die Feinde keinen Rat wissen. Nur auf diese Weise könnt Ihr durchführen, daß man den Katechiömus und das Gebet in allen Schulen und in allen Klassen polnisch lebten wird. Fürcbtet Euch nicht1 Kein Gesey, keine Strafe wird Euch für die Verteidigung des heiligen Glaubens erreichen1 Denkt an Mittwoch, den 17. Oktober190611! Möge Gott Euch beistehen und im Leiden trösten! Fast zur selben Zeit, nämlich am Sonntag, den 14. Oktober 1906, also unmittelbar vor dem Wiederbeginn der Schule, lief; dann der Erjbischof seinen durch die Presse allgemein bekannt gewordenen Hirtenbrief gegen die deutsche Sprache im Religionöunterricht von allen Kanzeln polnisch verlesen. Wenn auch in diesem Hirtenbricf nichts vom Verweigern der Antworten im schulplanmäßiz«cn