Lu druck an einer der Lampen entzündete. Die Explosion tötete die an der 417 w-Soble arbeitenden Bergleute sogleich und giftige Nach- Ewaden seßten das VcrnichtungSwerk auf der 347 m-Soble fort. Die
ergbebörde habe 1902 nach dem Muster der westfälischen Verg- ordnung eine entsprechende Verordnun gegen Schlagwettergefabr er- laffen und diese Verordnun sei ets auf den de Wendelscben Gruben befolgt worden. Dur die Fürsorge des Hauses de Wendel sei für die Hinterbliebenen der Toten und für die Verse ten fürs erste auSreicbend gesorgt; dann träten die gut dotierte Knapp cbaftskaffe und die sjaatlicbe Versicherung ein._ Sollten außerordentliche staatliche YilfStnixtel nötig werden, so wurde die Regierung mit einem solchen
nsucben an das Haus herantreten in der Erwartung, daß es ihr seine Hilfe nicht versagen werde.
Qesterreith-ngmt.
Wie die „Neue Freie Prxffe“ aus Budapest meldet, haben die Verhandiwngen zwrschrn den österreichischen und ungarischen Ministern über _etnen langfristigen Aus- gieich ein negatives Ergebnis gehabt und find als ge- scheitert zu betrachten.
Großbritanien mtb Irland.
Der, Präsident des andelsamts Lloyd George brachte gestern tm Unterbau e e_me Novelle zu dem gegen- wärtiaen Patentgeses em.
Raki) dem Bericht des .W.T.B.' erklärte er, daß es der Haupt- zweck dss vorgelegten ("Gesetzentwurfs sei, zu verhüten, daß die gese - lichen Bestimmungen uber den Patentschuß zu einem Hindernis für d e industrieüe Entwicklung (Großbritanniens aussenüßt würden. Von den 14 700 im leßten Jahre erteilten Patenten seien 6500 an Ausländer Verlieben worden. Dagegen wolle er nichtöeinwenden, aber viele dieser Patente seien genomrnen worden, um die Anwendung der Patente in England zu verhindern. Dies sei ein Mißbrauw der durch das britische Gesetz, zugesiandenen Vorrechte. Die Novelle sehe deshalb dor, daß ein beliebiger AntragsieÜer nach drei Jahren die Nichtigkeitserklarung eines Patents verlangen könne, Wenn es in England nicht in angcmeffener Weise angeübt worden ist. Ein anderer Weg, auf dem große ausländische Syndikate britische Jn- dusiricn zerstörtrn, sei der, daß sie;,zum Patente einkämen, die sie in dunklen, ynbesiimmten Außdrücken beschrieben und die jede Erfindung deckten, dre möglicherweise in England gemacht werden könne. Diese Patente seien im Außlande nicht in Anwendung; aber wenn ein englischer Erfinder 50:13 ÜÜS eine Entdeckung gemacht habe und sich das Yatent dafür sicbcre, würde von diesen mächtigen Gesellschaften cin
erfahren wegen Patcnwerchung angestrengt. Er, der Minister, schlage vor, dem zu beg€g_nen, indem man eine oblisatoriscbe Maß- nahme treffe und diese m_acbtigen Svndikaie zwinge, Muster zu depo- nieren. Für den Fall, dax; keine Muster hinterlegt würden, solitcn die
Patentx dcrweigert werden. Nach seiner Meinung diene die Bil] den Jntcrenen des Freibandeix? und er fürchte den Wettbewerb des Aus- lans so lang? nicht, als der britische Handel frei sei, um ihn zu be- kampfen.
_ Jm'wettcren Verlaufe ds_r Stßung gab der Staatsse'krctär fur Indien „John, Morley tn Brantmortung einer Anfrage, bstreftcnd dic Opiumfragc, folgend? Erklärung ab:
Der MsinunJSaustausch, zu dem die cbimfiscbe Regierung im Hinblick Oils die beabsichtigte Einschränkung der Einfuhr ausländisäyen Opiums emgeladm babe, werde rnit aÜsr Beicbleanigung eingeleitet wrrdkn UNd werde, wii? er bdffé, ein beiricdigkndes Uebereinkommen als Ergebnis babxn.
Frankreich.
Der Ministerrat bat gestrrn beschlossen, den verstorb-men Chemiker Marcellin Brrtbelot (Mf Staatskosten zu brerdigen und dcm Parlamcnt cine LUkspkOCHMÖL Kredit- fordcrung zn unterbrciien. Dis Leichenfcicr wird gemäß dem WWW? dcs Vcrstorbrnsn rein zivilen Cbaraktsr tragen. Ter Minisierrat bat, ,W. T, B.“ zufolge, ferner br: schioiirn, den angekündigten Antrag drs Deputierten Faurés, bctrkffcnd die Bildung einrr parla- mrniarischcn Unicrsuchungskommission, der die Papiere drs Msgr. Montagnini zu mrierbrciten wären, in der Kammer nichr zu bekämpfen. Gleichwohl hielt er es fiir „1111110th, die Kommission sofort einznseßcn, da die Papiere vor Beendigung des schwebcnden Prozesses Jonin nicht mitgeteilt werden können. Trr Marineminister. TTzhomson teilte die crstrn Ergebniiir der Untersuchung über die „Iéna“-Kataitropbe mit umd gab bekannt, in welchsm Sinne cr dic Hicrauf bezüglichrn Anfragsn in der Kammer und im Senat boanxwortkn würds. Ter Ministrrrat er- mächtigte zum Schluß dcn Krichminiswr Pi(quart, der Kammer einen Gosrßentwurf zu untrrbreitcn, der die Straf- kombagmcn ab1chaff€n und sis durch Besscrun s- abtctlungen crscßcn will, die auf den im Békkick) er heimischen Gcwässsr licgsndcn Znsrln, wir 5. V. T(éron, stationiert wcrden.
- In der Deputirrtenkammer brachte grirérn drr KUliUSministcr Briand [aut Bsichirrß dss“ Minisxsrrais sine Vorlage ein, durch die 20 000 Jr. fÜr die Bei: srßung Bertbelots aus Ziaaxskosien ge'fordert wxrden. Das Haus nakm) dicse mir 455 gsgcn 7 Stimmen an. DLL" Präsident Briison feiert? dcrnn Beribsiot als aroßen Gclehrten und BÜrger und schiug “vor, ,um Zeichen der Trauer die Sißurig aufzuhébe'n. Ein lntrag, pack] drci StUnden dir SixUng wirdcr aufzrmsbmen, 11.111de mri 382 chsn 137 Siimmrn ubgsirdm und LS WUrdL rnit 539 gcgsn 15 Stimmrn béicbiriirn, draw LMC arißsrordent: liche Ziyang abzubaltcn.
- Ter. Senat, in ÖLffLU giirrigsr Zißung DSL“ Vräüdsnt DUbOst gibichialls derTraurr Ausdrack gab, iii di? Frank: rc_tch und 016M€11schkwlf dUrck) den Tod Brrtbslots verikßt setkn, benniligie drn Kredit von 20000 Fr. xm: Véiiryuna Brrtbelots auf Staatskostcn und b€ichldß ri'riirimmia," Oi? Stßung zum Zcichcn der Trauer zu schiießrn. “
Rußland.
Tie Reichddurrza hat gestern im Saale dsr Adil?- vrrsgmmlung cine Sixzung abgehalten, in der der Miniiier- präsrdezit Stolypin dir ministéricilc Erklärung vsrias. In dreier Erklärung gibt der I)imiircrvräiident zunächst ein allgcmemes Bild der 13013 der Neqierung angearbriieten (HUeßeMorlagen und_weiit dann barairf Hin, daß in den Staaien, dic, yeit langrm cin repräsrntatives Nx ngrungssyitém brsißen, neus Gcieß: nur die Ergeb- mii? „normaler Notwendigkrit seisn und daß die Régio- rung in solchen Stgaten keine große Mul)? Habe, die Annahme dcr Gcseße zu erreichen. In einem Lande aber, das fick) im Zustande der Wiedergrburt und Neubildung béfindé, liege die Sache anders. In einem solchen Lande ipiegele jedes neue Geseß das ganze Leben des Landes wider und es sei not: wendig, daß aUe Vorlagen der Regierung durch denselben ali- Fmemen Gedanken verbunden seien, der die Grundlage der
mbildung des Staats b'id . verteidigt werde, 1 ?, und daß dann dieser Gedanke
Die Regierung, heißt es nach dem Bericht des „W. T. W.“ in der Erklärung weiter, hält es für notwendig, die vom Leben selbst auferle ten Forderun en späterer Erwägung vorzubebalten und daher die Gesieve und Ge eßesvorlagen abzuändern. Die Regierrmg hat deshalb alle der Duma vorgelFten Gesetze auf derselben ai] emeinen Idee aufgebaut, nämlich mate elie Grundsätze zu schaffen, n denen die neuen, aus den ji'm sten Reformen sich ergebenden Rechts- verhältnis: verkörpert Lein sollen. Unser Vaterland muß in einen konstitutionellen Staat umgewandelt werden. Es müssen wirkliche Grundlagen geschaffen werden, um die Rechte des Staats und der Einzelpersonen zu bestimmen und festzuseßen und die Wider- sprüche der alten ge en die neuen Geseße zu beseitigen sowie deren völlig willkürliche uslegungen durch rivatpersonen und Beamte zu verhindern. Deshalb hielt es die egierung für notwendig eine Reibe von Geseyentwürfen vorzulegen, die unter dem neuen Regime in Rußland entstanden sind.
Die Erklärung führt sodann die Geseße auf, die wegen ihrer Wichtigkeit und Dringlichkeit bereits vor dem Zusammen- triit der Duma verkündet worden sind und nun der Duma Zur Beratung überwiesen werden. Der Kabinettschef erklärt,
aß es nicht erforderlich sei, auf der Dringlichkeit der Geseße zu bestehen, die die bürgerliche Gleichstellung aner Bevölkerungs- klassen festseßen sollen. Er meist dann auf die Notwendigkeit einer bäuerlichen (Heseßgebung hin, um der Landnot ein Ende zu machen, unter der der größte Teil der Nation leide.
Die Regierung babe, führt Stolypin aus, die moralische Pflicht, den Bauern Bie mäßige Wege zu weisen, um aus dieser Not beraus- zukommen. es alb seien Geseße erlasxsen, nach denen den Bauern Kaiserliche und Staatsdomänen überla en und andere Maßregeln ergriffen werden, um eine Reorganisation des Loses der Bauern sicher zu stellen. Auch für die Emanzipation der Bauern und Gemeinden habe die Regierung Maßregeln getroffen.
Außer der bäuerlichen Gescßgebung hat die Re ierung eine Reihe von Vorlagen vorbereitet, dre die Verwir lichun der in dem Manifest von) 30. Oktober niedergelegten, aber no nicht durch (Hefeß funktionierten Grundsäße bezwecken.
Die Gewissensfreibeit, die Freiheit des Brief- wechsels, die Underleßlicbkeit der Perron seien noch nicht_ dureh die russische Geseßgebung geregelt. Um die reli- giöie Toleranz zu fiebern, babe die Régierung eine Re- vision der Gesesgebung für notwendig gehalten, damit fest- gestelit werde, welchen Abänderungen die Geseßgebung im Hinblick auf das Manifest vom 30. Oktober 1905 zu unterziehen sei. Vorher aber babe die Regisrung mit Festigkeit als Grundsatz aufstellen müssen, daß „das Prinzip des christlickpen Staats, in dem die orthodoxe Religion die privilegierte sei, die Grundlage aller legis- lativen Anforderungen sein müsse. Di: Regierung halte es für ihre Pfliäot, die Freiheit der orthodoxen Kirche in besonderem zu scbüyen, denn die russische Nation sei stets Von der orthodoxen Religion durch- drungen, die den Ruhm und die Macht Rußlands bilde. Die Rechte der orthodoxen Religion sollten aber die Rechte der übrigen Religionen nicbt beeinträchtigen. Die Regisrung werde eine Reihe von Gesetzen einbringen, betreffend den Uebertritt zu einer anderen Religion, die Abhaltung von Goischiensten 2c.
Das Gefeiz über die Underleßlichkeit der Person sei auf den aklgemrinen Gxundsäßen aufzebaui, die in den konsiitutioncüen Staaten gälten. Al]: Eingriffe in MW persönliche Recht seien der richterlichen Gcwalt Vorbehalten. Die AuZnabmegeseZe, von denen es jetzt drei vorscbixdrna Arten gebe, würden wesentlich abgeändert werden; so babe die Regierung z.B. beschlossen, die administrative Verbannung abzuschaffen.
In der Erklärung heißt es sodann writer:
Die Regierung schenke besondere Aufmerksamkeit den Gesetzen über die Selbstverwaltung der Scmsiwos, der Städte und der Körpcrickßaiten der Lokalderivaliung, die völiig umsrstalist witch soUM. Dcr Entnourf steht in disser Absicht den „Wylost“ als klsiniie administrative und soziale (Finde:: Vor, die sich selbst“!)erwaltet, obne ch i_rgcnd welch Klagkn unterschiedkn werden.
Sodann folgen die exormen derVerwaltung der Stadt- gemeinden, der Semstwos, der Polizei und der ad- ministrativen Bezirke des Reichs. DLT Plan der Organisation einer nationalen Vertretung dsr Srmstwos soll fich gründen auf das Prinzip der Besteuerung unter Beteiligung der Grundbesitzer als Einer für die Kulturentwicklung wichtigen Klaffc. Die Reformen der Ver- waltungsbezirke ziclen auf eine Vereinbritlichng aUer Zivilgewalt in den Kreisen, Goadernéments, Provinzen usw. ab.
Weiter folgt dis Justizreform, bei wclckper die Wahl don Fricdenßricbtern durcb die Orthed-ölferung dirGrundlage bildet. Von dem Justizminisikr wird eine Reibe don Reformen auf dem Gebiete des Zivil- und Strafprozeßderiabrers eingrbracht werden, die auf den Erundsäßen auigsbgut find, die _i_n andersn Staaten bereits (Geltung haben, so zum Betiriel dir Zulanurg don Advokaten und Verteidigern bei der doxi cinem Unteriucbun xricbter zu führenden Voranteriuchung. Dcr_Miniitcr wird eine nem? 'odifiziirrmg dss gesamten StrafrE-Öts, des Hypotbekenrrckots Und des jeyigrn Grmnd:igcntnmörkchts vorschlagsn. „ Die Ackerbauvkrwaitung wird höchst wichtige Eeseße dorlegen, du; die bäuerliche Bevöikerung brtrcffsn, die jest in Ein neues, mit _der iibrigen Bkvölkerung gemeinicbxftiicbes Lebsn eintritt, in wrrtigbaillräzsr Beziebung abkr nock) schwach ist und iich nicht ielbst eiiie iolide Eristénz srxbem kgnn. Die AckeerUVLrwaltung wird es deshalb ibrk Sorg: skin [onen, drm Landbéfis der Bauern zu drr- xnebren. Um die Örtlicbkn Agrarkommiifionkn, von denen die Wobl- Yabrt _der Baurrn abbänxt, cngrr wit dsr Bevölksrung zu Verbindkxn, ioilddie Zahl ihrer von den BaUsrn za wäbienden Miiglieder erhöht wer en.
Zn bstreff der Arbeiterfrags ist die Regierung Von der abso- luten Notwkkdigkeit der Beteiligung des Staats an der Gestaltrmg der L7ge der.?irbeiter Überzeugt. Da die Ncgisrung dLr Anfich ist, daß die Arbeiterb€n*eg*.:ng eine Yserung drr Lage der Arbsiicr ÖS- zweckt, wird_ dir Régierung VM all:“n Maßrrgeln absehen, die eine kunstltcbe _Nabrurig dieser BSWLZUUZ in sich s(bließen, aber awc!) won aUeii Maxregelm, dis geeignet fixéd, di? Beibrzimg einzudämmen. Die Rxgzerung wird auch die Znteresi-Zn der Gkselischaft wahren m_Uiien, um ÜL'ZSZIP Außickoreitumgen zu sÖÜSSU. Sie wird dsn be- teiligteri rteiZn ?owbbl Unternrbmern als Arbritern Vollkommene Akttqnéreibeit 1Zchern, eizxkcbließlich des Nscbts zu wirtschafliichsn StrUkS. Als Wirtin; Maßnahmen PZM; dis Regierynq ZnWlid-en- und Krankenveriicherunz der Arbeiter, das Verbot der Arbeit bei Nacht und Unixr Tage für Frauen 111?!) Kinder sowie, Herabiesung dsr Zahl der Arbeitsstunden für aUe Arbeiter.
Das Verkebrßminiiierium ist mit dsr Wsiterentwicklung der Eis_enbabne_n b-eichäitigt, die gkgknwäriig eine Schienenlänge dyn 61-25 W211! befissn. Geplavt ist auch der Bau einer Arnur-Ei'enbabn, die von einer Station der Transbaikalbabn bt; xacb Cbabardxrék Zeiübrt werden sol], um einen durchlaufenden Srbienerwsg zwncben drm euroräiiäpen Rußland und dem fernen Often bsrzusieiien, der nur durch russiiches Gebiet führen wrrd und für „di? beensintercffen des Reiches not- wanig tit. Wettsrr Maßnahmen bezwecken die Ver- bxnerunZ der russisckoén Eirenbabnen in Europa, der Wasserstraßen usw., eine Abarderung der Gesetze über die Enteignung von Privatbesiy in besonderkn Fällrn usw.
Die_Regizrung ist der Ueberzsugung, daß alie aufgezählten Maß- nabmen_11cb nicbt verwirklichen lassen ohne eine radikale Reform des öffentlichep Unterrichts. Die Regierung wird die Teil- nahme am Unterricht zunächst eine freiwiüige sein lassen, sie dann aber, was die Elementarsckoulen anbetrifft, obligatorisch machen.
Die Regierung ersucht sodann die Duma, die Beratung des Budgets unverzuglick) zu beginnen, da die Bud et ragen um so dringender seien, als einerseits die Lage u lands
S qrsamkeit erfordere, andererseits die Reformen Ausgaben er er ien.
eBudgeteinnabmen sind, so wird in der Erklärung ausgefü niedriger geworden Wegen der Aufhebung der Ablösunggzabku" “ wel e die Bauern für ihre Ländereien zu zahlen batten, und [„Zen- der unabme der inözablungen für im Auslande aufgenommeneÉu leihen. Die Entw ckelung eines Staats kennt ebenfo' wie die E t- wickelung der Tätigkeit von Éprivatpersonen Perioden verstärkter ALS: breitung. Die radikale enderung unseres Systems im Jab 1905 bat eine solche Periode eröffnet und neue Ford“ rungen für das Staatsleben geschaffen. Der unglücklich verlaufux' Krieg macht, so groß auch der Wunsch auf Erhaltung des Frühen: und so notwendig die Beruhigung des Landes sein mag neue Aus- gaben notwendig. Wenn wir aber unsere militärische MUÖLsleliun und die Würde unseres Vaterlandes wahren, wenn wir nicht unser“ Zrzstimmung dazu geben wollen, da wir unseren Pla unter den Große machten verlieretx, dann dürfen wr nicht vor der otwendi keit d;; AuSgaben zurück|chrecken, die uns die große Verxzangenbeit UKUßlands auferlegt. Dcr außerordentliche Charakter d eser Anforderungen zwingt zu der Oeffnung außerordentlicber Einnahmequellen, Finanzminister wird infolgedessen neue Steuern beantraaen eine Einkommensteuer und Abänderungen der Eri) sieuern. Die Regierung will auch den Organen der Selbstverwaltxm einen Teil der Staatßeinkünfte überlassen, denn wenn die BqugnjffI der Semstwos und der Städte ausgedehnt werden, muß die Regierung ibxizä auch die Möglichkeit gewähren, ihre neuen VerpfiichtUngen zu er u en.
Am Schluß der Erklärung heißt es:
Die Beruhigung und die Wiedergcburt des großen Naßland ist nur möglich auf dem Wege der Verwirklichung der neuen Prinzipien Die Regierung ist bereit, die größten Anstrengungen zu machen; ibri Arbeitskraft, ibr guter Wille und ihre Erfahrung stehen zu: Ver- fügung der Duma, die als Mitarbeitrr eine Regierung haben wird die es für ihre Pflicht erklärt, die geschichtlichen Forderungen Ruß.“ lands zu wahren und die Ordnung urid Ruhe im ande wiederberzu. stellen, das heißt: eine feste und eine rein russische Regierung, wie es die Regierung Seiner Majestät sein soll und sein wird.
Die vom Mimsterpräsrdenten abgegebene Erklärung wurde von der großen Mxhrkiezt der Duma mit Schweigen und nur vor) der Rcchien mri Vcrfal] aufgenommen. ' Sodann hielt der soziqldcmokraitsche Angordnete Zereteli eme Rede gegen die Re ierung, m der er 111 Heftirn §Zlusdrücken die Politik des Ka metts Stolypm nach der uflosung der Duma kritisierte,
Der Redner warf dem Ministerpräsidenten die Einführung der Feldgerichte vor, Knebelung der Preffe und die sogenannte Verbesse- rung des Loses der Bauern, deren wahrer Zweck nur sei, den Appetit der Grundbesißer zu befriedi en. (Lärm. Rufe: Gsnug! Hinauß! auf der Rechten.) Der rä dent batte große Mühe, den Lärm xu unterdrüxken, der ck noch verschiedentlich wiederholt und besonders itari wurde. als Zerctcli die Worte des Abg. Nabokow wiederholte, die dieser im Jahre 1906 nach der Er. klärqu des damaligen Ykinistervräsidenten Goremvkin äußerte, da? die Exekutivgewalt sich der ?Sse gebenden Gewalt unterzuorincn ba :. Zcreteli meinte, er zwei! e, aß diese Hoffnung sicb erfüllen werde; aber deffen sei er gswiß, daß die ganze Nation fich gegen iie Unterdrücker und die Veranstalter der Po rome erheben werde. Die Duma wisse bereits, daß die Regierung ch dem Willen des Vcikes nur unterwerfeererde, wenn fie dazu gezivungen werde; folglich müffe das Volk organisiert werden, um sich die Exekutivgewalt gewaltsam zu unterwerfen. (Lärm auf der rechten Seite. Rufe: Wir können nicht mit anhören, daß die Duma zur Erhebung mit dm Waffen aufgefordert wird.)_ Zereteli erwiderte, nicht er bcreiteeine bewaffnete Erhebung vor, iondrrn die Regierung, die das Volk ZULU außersien treibe. _Cr vrrlas iodann namens der sozialdemokratisiben Partei eine Erklarung, die besagt, daß die Partei als einziges Ziel anstrebe, dem Voike die_ Augen über die Wahren Absichten der Rigie- ru_ng zu öffnen, um es für den Entscheidungskampf gegen das Willkür- system zu organisieren.
Der ,Präsidrnt Golomin verlas hierauf eincn von 35 Dcputtertrn eingebrachten Antrag auf Schluß dcr Debatte; der Arxtrag wurde abgelehnt, da mehr als 50 Deputiertc da,- gegen itimmtrn. Der Fürst Dolgorukow verlas eincn An: trag auf Uebergang zur einfachen Tagesordnung, der von dcn Kadetten ein cbracht war.
ZahlreiZc Redner der RecHten, wie Graf Bobrinskn, Kruschcwan, Purischkewitsch, der Bischof Platon vgn Kiew, forderten die Duma auf, mit dem Kabinett Stolypm zu arbeiten und von den revolutionären Ideen abzulaiisn, andernFalls würden UnterdrückUUJSmaßregeln von ncucm unerläßlich stin. _
Ein Mitglird dEr Rechten, der Deputierte für Bcffarabten Sinadino, sagtk, Man müßte 48 Stunden sprechen, um die Duma Von der Notwendigkrit der geskßgeberischen Arbrit zu überzeugen. “Der Bischof Platon bekiagte sich über die Verleumdungen, die voii den Blättern der Linken Vsrbrcitst würdkn. Der GrafBobrinskv wblus cine Tagesbrdnung Vor, die das Vertrauen zur Regierung_und Deu Wilien der Dimna ausdrückt, mit ihr zu arbeiten, und die sriie Dilax; radelt. Der Präsident bcmerkte, daß eine Kritik drr ersten Duma)" ZU tzweithn unzulässig _sci. (Lebhafter Beifal] auf der Linken uud im
611 rum
Ein Y_lntrag, die Rcdezeit auf 5 Minuten zu beschränken, wurde einstimmig angenommen. „ .
Zahlreiche Redner der Rechten befürwortetxn weitsrkdie Ausrührungen der RegierungNrklärung und ,rinen gleichzeitig die Redner der Linken aufs Heftiaste an, ie Verhandlung nahm den Charakter eines Durlls zwischcn den Sozialdemokratkn einerseits und der Rechten andererseits an, während _das Zentrum und die iibrigen Parteien der Linken im EchWkaSU verharrten.
Der Bischof Eulogius dersuchte die Vieinunßsverschi§denbklxlk auSzuZléicben. Er i'rklärte, die Mitglider der Rechten seien FU"? innde des Volkes, sie hätten aber die eberzeugung, daß eine Wtékkk' gebZrt Rußlands nur auf friedlichen: Wege möglich sei. Hieraus kk" griff der Ministerpräsident Stolypin nochmals das Wort_ Md wandte sick) an das Zentrum und die Linke, indem er ausfubnk- daß die Rrgierung niemals solche Töne des Hasses ansckilößk" werde wie die äußxrsts Linke. Die Regierung halte es für 716th k," erklären, daß nach dem Gesetze die Duma nicht aus Richtern und ?“ Ministerbank nicht aus Angeklagten bestehe, leßtere iei vielmebk_ "U Befisr der Macht. Die gesenwärtige Regierung habe ihr ij-ubet- nommen, als die Flammsn der Redolution im ganzen Lamde wutellxl- sie wußte, welche große Verantwortlickykeit sie übernahm, welchen A"“ griffen fie ausgesetzt sein werde, aber sie sei bereit, für die Beruhigzlkis des Landes zu arbkitsn. Die Rexierurg wisse auf!), daß Wii; hörden biSweilen geneigt sind, ihre „Macht zu mißbrauchem ""dzi' werde sich freuen, wenn die Duma solch? Uebergriffe anfdkcke- .“ Regierung fliebk die Verantwortlickykeit nicht; wenn man aber _:dre Absichten und ihren Wilier! läbmen wolie und ihr zuruie ÖM“ boch“, io sage sie: „Sic können uns keine Furcht einjagen“- . ,
Hierauf wurde mit großer Mehrheit beschlossen,_ zur M* fachen Tagisordnung überzugehen, und die nächste Sitzung an heute angcseßt.
-- Jm Reichsrat wurde die RegierungserklgrUnI esrern abend ebenfalls durch Stolypin verlesen und hier m Zeichen des Verfalls aufgenommen. Von drei von der_ Recht?"? vom Zentrum und von der Linken gestellten Antragen “Y UebergaM zurvTageSordnung wurde der des ZMkrUins m großer ehrheit angenommen. Er hat, nach dem Bericht
„W. T. B.“, folgenden Wortlaut:
uin 5 :“m
m der Reichörat die Mitteilung der Re ierung zur NÉYn-mmm, gibt er [einer vollen .Bereitwilligke Ausdruck, Realisierung der läne an Maßnahmen der Regierung mit- en, die unter erwirkli ng er Entscbluffe der böcbien Ü" welche ein neues Leben in das Land rief, das Woblerge en
Vt'olkes und die Berubixxxg des Landes als Ziel haben werden, r.
. kd gebt zur Tagekordnung
Spanien. Der König vonSacbsen ist gestern mittag in Madrid
' angktkoffe" und, „W. T. B.“ zufolge, auf dem Bahn?of von
öni Alfons, dem rinzen Kari, den In axiten jc:*;ZFYnan?) und Rainer owie _den Spi en der Behord'en Impfungen worden. Unter militärischer Es orte begaben sich die beiden Monarchen nach _dem Korzerchen Schlosse, wo roßkk Empfang und danach em Frühstu stattfanden, bei dem &Ünksprüche MSg-stauscht wurden. Am _Abend trgt der König von Sachsen über Paris und Coin die Nuckrerse
„ck Dresden an. Portugal.
Die Pairskammer hat geftertz, wie das „W. T. B.“ „eldet, den Geseßeniwurf über die Presse, der box) der Minorität als der Gedankenfrethett und der Preßfreiheit zu- „ider heftig bekämpft wurde, mit 131 gegen 38 Stimmen angenommen.
Rumänien.
Jnfol e der seit einiger Zeit in den Bessarqbieii benach- ßaxjen Geßietcn der Obermoldau betriebenen Agtiaiion ver- „üsteten, nach einer Meldun dcr „Agence Roumame“, vor-
ern mehrere hundert auern aus der Um e_gend von otusani eine Anzahl ßäuiex und Ges aste der Stadt, darunter mehrerer gro er ]üd1scherF1rmen._ Die Jegen djeAufrührer entsandte Miltiärabteiiung wurde mri Revo wem und Steinen angegriffen. Nach wrederholien Aufforderungen machte das Militär schließlich von der Wgffe Gebrauch. Die Zufrübrer räumten dann den Plaß und ließen mer Tote und neun Verwundete zurück.
Bulgarien.
Das weitere Ergebnis der Untersuchuna in dcr Angelegen: heit der Ermordung des Ministerpräsidenten bestäiigt,
„T. B.“ zufolge, die Annahme von der Existenznemes weitverzweigten anarchistisckzen Nexes. Erdruxkrnde Beweise liegen geYn den Buchsenma er des Militär: arsenals in Sofia * laskow vor, 0011 dem fick) beraus- ßeüt, daß er einer der Hauptanarchiften 1st. Blaskow war auch Mitarbeiter des von dem Bandencbef Gerdschikow
ausgkgebenen geheimen anarchistischen ' Blattes „Freie Fseüschaft“. Zahlreiche neue Verhaftungen smd vorgenommen worden. Die egicrung beabsichtigt, eine Gesetzesvorlage ein- ubringcn, nacb der künftighin Leute, die Mordanschläge ge en Diinisier ausführen, standrechtlich verurteilt wer en sollen.
Dänemark.
Das Landsthing bat gestern, nach einer Meldung des „WT. B.“, in dritter Lesung die Rrgierungövorlage, bc- mffmd Einführung des nietrisch€n_ Systems, an.: genommen. Damit ist das Grieß cndgulttg vom Reichstage genehmigt.
Amerika.
Die chilenische Regierung bat, „W. T. B.“ znfolge, beschlossen, eine Aenderung im Flortenprogramm vor- nehmen und den Bau von großsn Kriegsscht M zu Gunstrn einercr Schiffe zu verschieben, Sie beabsr tigt, fernxr m Talcabuano ein Dock zu bauen_, das Schiffe bis zu 18000 Tons aufzunehmen imstande sem soll.
Asien.
Nack) Meldungen des „Reuierschen Bureaus“ sind, wie bereits gestern amtlich von rufsifcher Seite erklärt worden ".t- die beunruhigenden Gerüchte über Ankunft russi- scher Truppen in Teheran grundlos. Es smd dre1ßig Kosaken ohne Pferde angekommen, um die Schußmannschaften der Konsulate in Kerman, Kemnanschak) und Zépahan gb- Filösen. Wir das genannte _Burrau erfahrt, smd
ngland und Rußland entschloßen, tn Persien nicbt Yu intervenieren; denn eine Intervention wurde en fremdenfcindlichrn Elementen in Persien nur den Attias; zu Angriffen auf die Frrmden geben. Sollte eine Intervention 1chließlich notwendig werden, so worden England und Nußiand, bevor sie einschreiten, sick) untercinandcr verständigen; bisher ist, eine solche Noiwrndigkeit nicht eingetreten. Eiigland hqi iem_c Vcrstärkimq seiner Konsulatswachen in Persien Herbei- kaUHrt; die Meldungen iibkr die Abreise indiscbrr Truppen nach Persien beziehen sich auf die regulären Mannschafts- ablösungen.
Parlamentarische Nachrichten.
_ Die Schlußberichte über die gestrigen Sißimqetr des Reichstags und desHauscs der Abgeordneten befinden fick) ln der Zweiten und Dritten Beilage.
* Auf der Tage?:ordnung der heutigen (23) Sißung des Reichsrags, welcher der Staatssekretär des Innern Dk- „Graf von PosadowEky=Wehncr, der Staats- sekretar dcs Reich6schaßamis Freiherr von Stcnqel UNd der stellvertretende Direktor der Kolonialabteilung des Auswarttgen Amts Dernburg beimobnten, stand als Lkßcr Gegenstand die Wahl des Präsidenten undder
1zLPräsidenten für die Dauer der Sesston; (NU) dex GeschäftSQrdnun? werden die drei Präsidenten bet LIM?) einer neuen Legis aturperiode zuerst für die Dauer von vier Wochen, danach für die übrige Dauer der Session
gewählt.) „ Der Vie räfident Dr. nasche leitete den Wahlgang fur den PrZidenten. Die YVahl erfolgte durch Namens- aukaf und Stimmzettelabgabe. Es wurden 325 Siimxn- ?Jnel abgegxben, davon sind 131 unbxfchrieben, also ungültig. Gon den gultigen 194 Stimmen entfielen auf den Abg. Dr. * rasen zu Stolberg:Wernigerode 192, dancben je eine Stimme auf die Abgg. Schwabach und Ortel. W Abg. Dr. Graf zu Stolberg-Wernigerode: Ich nehme die Fabi an. (Den Präsidialsiß einnehmend): Ich danke Ihnen für “? Vertrauen, welches Sie mir abermals erwiesen haben, und nehme "“I auf das, was ich vor 4 Wochen an dieser Stelle gesagt habe. P um Ersten Vizepräsidenten wurde der Abg. Dr. aa ck)? (ni.) mit 191 von 199 abgegebenen gültigen Stimmen
18,0 i eL? Tt r ?e w (i [) lt ; zersplitiert waren 8 Stimmen, unbeschrieben e e. Abg. Dr. Paasche nahm die Wahl mit kurzen Dankes- worten an. , Darauf schritt das Haus zur Wahl dedZweiten Vize- präfidenten. (Schluß des Blattes.)
_ In der heutigen (ZZ.) Sitzung des Hquses der Abgeordnrten, welcher der Minister der geistlichxn' 2c. Angelegenheiten Dr. „von Studi und der Finanzminister Fretberr v'on. Rhernbaben beiwohnten _gelangte zunächst der von Mitgliedern aller Parteien unter tuytr Anlraq des Abg. Dr. reihxrrn von Erffa zur Beratung, m dem Geseß- entwurf, etrefiend die eststellung des Staatshaus- Haltöetats für das echnungNahr 1907, folgenden § Za einzuschieben:
.Die bis zur gesetzlichen Feststellung des StaatshaushalYSetats und der Anlage dazu innerhalb der Grenzen derselben geleisteten Ausgaben werden hiermit nachträglich genehmigt.“
Abg. Dr. Freiherr von Erffa (toni): Leider ist es nichtmöglich geworden, die Beratung des Eiats so zu beschleunigxn, daß er, wie wir alle gewünscht haben, noch rechtzeitg fertig wurde. Ich habe deshalb mit den anderen Parteien einen Antrag emgebracbt, der die Regierun aus der Notlage befreien soll. Ick darf dabeivorauxxscßen, daß die egierung ck zu neuen Auögaben nur dann fur ermachtigt Zraétft, wenn es ck um dringende und notwendige Leistungen
an e t.
inanzminister Freiherr von Rbeinbaben: Der Abg. reiberr von rffa hat seinen großen Verdiensten als Vorfißender der * udget- kommission um die Gestaltung des Etats ein neues hinzu- efügt, indem er uns einen Ausweg aus der Situation Jietet, die sich daraus ergibt, daß fick) eine rechtzeitige Verab- schiedung des Etats nicht erreichen läßt. Durch die uns erteilte Ermächtigung wird uns ja ein ako es Maß von Vrrantwortung auferlegt. Die laufenden Ausgaben im Na men des Etats von 1906 zu leisten, werden wir uns für ermächtigt halten. Zu neuen Auögaben werden wir uns nur dann für ermächtigt erachten, ivenn es sick) um dringende und notwendige Leistungen handelt und wir an- nehmen können, das; das Haus seine Zustimmung dazu geben wird. Das ist bei eim'r sehr großen Anzahl von Positionen schon der Fall, die bereits die ziveite Lesung passiert haben. Nur ein Teil des Kultußetais steht noch aus, im?) wir werden uns zur Leistung der betreffendenAusgaben nur für ermacbtigt erachten, wenn die betreffendenPositionen in der Budgetkommiision nicbt angefochten sind. Es handelt sich dabei vor allen Dingen um die B:seßung neuer Stellen, die Gewährung von Gebaltrzulagen und die Vorbereitung von Bautsn. Es würde ein ganzes Jahr Verloren gehen, wenn man mit der Vorbereitung dieser Bauten, mit den Verdingungen nicht alsbald begönne. Feile Regeln, wie man im einzelnen verfahren wird, lassen sich naiurgemaß nicht aufstellen, wir werden aber die Geschaite des Landes ordnung?- mäßig weiterführen und anderseits die Intentionen d:s Hauses, wie fie sicb in der Budgetkommifsion kundgegeben haben, nach Mb,:zltcbkett berücksichtigen. ,
Abg. Dr. Dahlem (Zentr.): Bet der Beratizngdes Etat- notgeseßes im Reichstage hat der Reichßschaßsekretar _tm Namen des Raichskanzlcrs erklärt, daß im Wege dss ErganzungSetats dcn unteren bezw. mittleren Beamten Zula en von 100 bezw. 150 «M gkwäbrt werden sollen, und daß kFür 1903 diese Zu- lage bereits in den ordentlichen Etat eingeseßt wrrden soll. Ich benutze die Beratung dieses Notgkseßes für Preußen, um die Frage an den Finanzminister zu richten, od er dem Vorgange des Reicbs in beiden eziebungen auch für Preußen zu folgen gedenkt. (Präfident von Kröcher: Das gehört doch Eigentlich nicbt hierher!) Solche ZgwsYdungen wären doch auch für die preußischen Beamten sehr er- WUU .
Damit schlirßi die Diskussion, der _Antrag des Abg. Frei- herrn von Erffa Wird der Budgetkommisfion überwiesen.
Zn dritter Beratung wrrden darauf die Geseßentwürfe, betreffend Erweiterung des Stadtkreises Hanau (Ein: qcmeindung von Kesselstadt) und des Stadtkreiscs Danzig (Eingemeindung von Treml), Endgültig ohne Debatte genehmigt.
Sodann wird die Beratung de_s Etats d e s Min i ste'rium s der JEisk[1chLU„ Unterrichts: und Medizinal- an rlegenheitcn im KÜPllOl „Elemrntaruntcrrichts- we en“ bei dcn Forderungen für die Präparanden: anstalten fortgeseßt.
Abg. Ernst (frs. VW.), der bei der herrschenden Unruhe kaum zu Verstehen ist, scheint die Umwandlung drr Präparandenanstaiteu in Realschulen zwéiter Klasse- zu befürworten. '
Abg Dr. Arendt (frcikons): Ich kann mich diesem Wunsche nicht anschließen, der cine VöÜige Umgcsialtung unieres Lehrer- bildungswesens bedeuten würde. Auch ,balte „ick; es „für not- wendig, daß gerade den kleinen Städten diese Pmparanden- auffallen erhalten bleiben. Dagegen stimme ich in dem andern Wunsch dcm Vorredner bei, die Vorsteher der Präparandenansiaiien bksserzustslien. Ihr Einkommen darf nicht hinter dem Einkommen der Seminaroberlrbrer zurücksteben; eine Gleichsteüung beider wüide die Leiixr-ngen unscrer Präparandenansiaitrn entschieden erhöhen. Ich bitte die Unterrichisvwwaltung, diesem Wunsche räberzutreicn, denn auf den Präparandxnansiaiten baut fich die ganze Ausbildung unseres Volks'schuilcbrerstandes aux.
Damit schließt die Besprechung. Die Ausgaben fiir die Präparandenanstalien wcrden bewiliigi.
Bei den Ausgaben für die „S ckulaufsicht“, und zwar bei den Besoldungen für die Kreisschulinspektoren, geht
Abg. Dr. Dahlem auf die grstern Von den Abgg. Dr. Loticbius Und Wolff-Biebrich vorgebrachte Beschwerde über einen katholischen Krzidschulinspektor in Heffen-Naffau näher ein. Der betreffende Schulinspektor sei in Kamberg durchaus korrekt verfahren._ Sehr erfreulich sei die Erklärung der Verwaltun , daß fie die An- gelegenheit nicht im Schoß: dcr Lokalaus cbt erledigen lassen, sondern Kommissare von der Zentralstelle aus dorihin entsenden one. Gerade im Interesse des konfesfioneUen Friedens müsse festgestelit werden, daß gegxn die Korrektheit des Verhaltens des Betreffenden nichts einzuwenden sei. Was das Vorhandensein konfessioneller Schuien in Nassau angebe, so habe nicht die geringste Veranlassung vorgelegen, diesen „Fall" zu erörtern. Es sei ganz_gleichgültig, ob man dabei ein altes naffauisches Grieß auf seiner Seite habe. Es bandle sich gar nicht um ein solches; das betreffende Gesetz sei ohne Genehmigung der nassauisch-zn Stände erlassen worden. Auf ein solches Jntoleranzgeseß solle man sich nicht tü m. Es komme nicht hierauf. sondern damals an, daß mit dem bei chenden Zustande in den drei Orten, namens ich in Evpstcin,_ die ganze Bevölkerung einschließlich der chrerkollegien durchaus zufrieden gewesen sei. Im Eppsteiner Falle sei man ja bis an das OberderwaitungsJericht ge- gangen. Hiermit seien boffentlick) die gestrigen Ausführungen auf ihren wahren Wert zurückgeführt. '
Abg. Eickhoff (frs. Volksw.) lenkt die Aufmerksamkeit des Hauses und der Verwaltunß auf die Unzulängli keit der Pensions- und Reliktenversorgung der reisscbulirxspektoren. s fehle hierfür an jeder rechtlichen Grundlage. Ein Miniiierialerlaß von 1891 besage aus- drücklich, daß die Festseßung der Dienstjahre erst bei der Pensionierung zu erfolgen habe; der Beamte bleibe also bis zur Beendigung 1einer Dienst- zeit im Ungewiffen über die Höhe seiner Pension. Sterbe er während der Dienstzeit, so schwebe be üglicb der Reliktenversor ung alles in der Luft. Eine Neuregelung ikei also unbedingt notwcnd ?; diese Beamten- kategorie könne dieselbe Rechtssicherheit verlangen w e jede andere.
Wirkliche: Geheimer Oberregierungßrat von Bremen: Die Stbwierigkeiten, deren Vorhandensein die Verwaltung anerkennt, sollen o bald wie möglich weggeräumt werden. _ _
A .Wolff-Biebritb (nl,) tritt den Ausfuhrupgen des Abg. Dr. Da lem entgegen. Der'Scbuimspekwr ici Verpflichtet, nach, den Vorschriften des Gesetzes zu handeln und dürfe davyn nicbt e'gen- mächtiß abweichen.
A 9. Dr. Dahlem: Es wundert mich, wie der Vorredner mit dieser Sicherheit bsbaupten kann, es handle sich in Naffau nix: ein Gese , zumal nachdem er gebbrt hat, daß eine En1scbetdung ies berderwaliunzsgerichis in dieser Sache_noch ergeben werde. Solange die Frage nicht einwandsfrei geklati isi, konnen Sie nicht verlangen, daß der Freiheit in religiösen Dingen ent- gegen gehandelt werds. Jenes Grieß ist nur als Verwaltungs- maßregel vor bald 100 Jahren ergan en. In Eppstein sind einige Heißsporne, denen der bisherige a gemein. bcfriedigeyde Zustand nicht mehr gefällt und die nun eine Vergewaltigung, aestu t auf das erwähnte Edikt, versuchen. Ich bleibe dabri, daß drr Schu - inspektor Dr. Bertram durchaus korrekt gehandelt hat.
Abg. Dr. Loticbius (nl,): Wenn der Vorredner behauptete, der Kultußminister von Mübier babe seinerzeit erklärt, daß jxnks Edikt von 1817 nicht zu Recht bestehe, so befindet er sich im Irrtum.
(Schluß des Blattes.)
Statistik und Volkswirtschaft.
Zur Arbeiterbewegung.
Die schon einmal abgebrochenen Verhandlungen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer des Berliner Tapeziererg'ewerbes haben, wie die „Voss. Zig.“ erfährt, auch bei ihrer Wiederaufnahme am Montag keine Verständigung herbeigeführt. Dic Gebilfenvntretsr cr- klärten, daß die Mehrzahl der anfcrngs ausgeiverrten Mit- [ieder Wi schon zu dcn neuen Bedinaungen arbeiten, ssodaß ein Grund zum, Nachgebrn Vorliege. Sie würden nur Jrrssden schließen, wenn ai]: Forderungen bxwilligt werdén und spaieiténs am 1. Ssvtember d. I. in Wirksamkeit treten. Der Ver- iraz müßte aber am 1. März und nicht nach den Wünicben der Arbeitgeber am 15. Februar ablaufen. Die Arbeitgeberdertreter lebntrn diese Forderung ab. _ Erst gestern isi, nach demselben Blatt, in Berlin d:r Friede im Automod_ildroschke'nwcsexn auf der ganzen Linie wiederbergesiellt worden. Wahrend die ErnigyngL- Verhandlungen bei drn übrigen Kraftdroschkenbetrieben zur Verstandtgung führten, wurde bei der .Bedag'-Geselischaft weitsr gestreikt. In einer Versammlung der Führer, die Montagabend stattfand, wnrde mit 55 gegen 38 Stimmen beschloffrn, die Arbiit wieder aufzunehmen, weil eine Fortsetzung des Kampfes zwecklos erscheine. * Die organi- sierten Bäckergesellen Berlins und der Umgegend warsn gestern Versammelt, um zu einem von ihren Vertrauersmännern auf- gesteilten Lohntarif Stellung zu nehmen. Die drei Hauptforderun (en: „Vollständige Beseitigung des Kosi- und LoziSwssenS; Errichtung cines ' freien unabhängigen paritätischen Arbritßnackoweisrs; ein wöchentlickoer Ruhetag oder rin freier Sonntag“, hatte bereits eine frühere Vsr- sammlun angenommen. Die Versammeiien erklärten fich mitdérirm Tarif auI) in allsn Einzelheiten eindersianden. Er soll dem Arbxit- g-ébern sofort unterbreitet werden.
In Barmen wurde, der „Rb.-Wcsif. Zig.'_zufoige, am Montag in einer Arbeitgeberdersammlung beschlossen, samtliche organisirrten Schreinergesellen auszuwerten. „ .
In Leipzig sind, wie die „Post“ erfahrt, dre Damenscbneider und -Schneiderinnen in den Ausstand getreten, da weder die Ver- bandlungrn mit den Arbsitgebern, noch mit dem Gewerbeßericht als Einigungsamt ein die Gehilfen befriedigendes Ergsbnis batten. Die Arbeitgeber woiiien nnter aUen Umständen an der 10stündigen Arbeitszeit festgehalien wiffzn, erklärten auch die Festlegung eixiqs aligemeinen einbeitiicixsn “Mindestlohnes für unmoglich. *- Dte Leipziger Möbeltransportarbeitrr sind, nach der ,Lpz.Ztg.', in eine Lohnbéwegung eingetrstcn. - "
Unter dem Konflikt im Hamburger Hafen iStoet, wie ,WTB.“ berichtet, dic Abfertigung der Schiffe ganz erhsbltcl); die Anzahi der auf Entlöscbung oder Bcladimgwarjendcn Sibiffe nimmt täglich zu. Am Montag lagen 202 Dampier und 52 Segelschiffe im *Wfan; aestern war ibre Zahl auf 212 bezichtmgßweise 54 ge- siiegen. - In der gestrigen Siizung des Hafenbetricbs- Vereins unicr dem Vorsiy dcs (Generaldirektors der Hamburg- Amerika-Linie Baüin erklärte gegenüber vdrschiedenen Klagen über un enüzende Herbeischaffung Von Ersaßkräiten an Stelle der xn“!- laißenen Schauerleuie der Generaldirektor Baum, daß vöütger Ersa don auswärts in der kurzen Zeit nicht möglich war, jedenßlls aber zum Schluß der zweitem Woche einigermaßen beschafft ivsrden könnte. Es wurde besckoloffen, auf dem be- schriiienen Wege zu brbarrcn. 7- Drr Hafenbeiriebödrrein gibt'bkute bekannt, daß “2000 Arbeiter für die Arbeit auf dem Schiffen im Hamburger Haiku gesucht Werden. Die Arbeiter werden an? sin Jahr fest angenommen. Drr Wochenlobn beträgt 30 „;ck, Uebersiunden und Sonntaasarbsii werden mit einer Mark für die Arbeits- stunde bézabli. Diejrnigen Arbeiter, die in Hamburg keine Wohnung haben, können bis auf wkit-ris Lydis und Ver- Pflegung an Bord don Schiffcn im Hafen uni'ntgeltlicb cr- halten. - Der Arbeitgeberverband im Sckynridergewcrbe, dcm rtiva 70 Betriebe angehören, wendet ,sicb, wie „W. T. B.“ ferner meldct, in xiner Bekanntmachung an die Kundicbaft, in drr e'r wkgen drs Ausstandes der Gehilfen b:).i nicbt punktlicben Lieferungen um Rücksicht bittet. Die Zahl der Ausstandigen dstragt etwa 1200; dirjenigen Betriebe, die drm Verbande nicht angekbören und die etwa 2000 Arbeiter beschäftigkn, sind von dem AUSjiände nicht betroffen. „ „_
In Wien babsi: dem „W. T. B.“ zufolge die Stuckmcxiier dcr Damenkundenscbneider den Beschluß gefaßt, sich dem'Aus- stand der Schneidörgebilfen und ;(Gebilfinnen anzuschlicßen. - Der Ausstand der Bäcker weist kerne wesentliche Aenderun auf, die Zahl drr Aussiändiaen hat eher zugmommyr. EM:: 50 B cksrei- betriebe haben die Forderungen der Gehilfen bewiÜignt. In- folge Von Zufubren Von außen ist der M&ngel an Geback nicbt besondsrs fühlbar. "
Gestern ist, wie „W. T. B.“ erfahrt, die Arbeiterschaft von weiteren sechs großen Tuchfabriken in Reichenberg i. V. und Umgegend wegen Lobnsxreitigkeiten in den Ausstand gctreien. Die Zahl der Ausständigen belauft sicb jcxzi auf 2000 Mann.
Kunst und Wiffertschaft.
Freiluft-Museum in Bremen. Ein für unsere _nord- deutsche Heimatkunst verheißun T_volier, vom Verein für Nieder- sächsisches Volkstum angeregter [an zu einem Freilufi-Museupi für niedersächsistbe Volkskunst in Bremen wird seit längerer Fit in den interessiertc-n Kreisen erwogen und bat jc-xzt insofern feste estali ge- wonnen, als der Direktor des Bremer Gewerbemuseumß, Högg, auf Grund einer vorläufigen Verständigung mit der stadtischen Be- hörde einen in der Kunstbaüe ausgestellten Mqseumsentwurf aus- gearbeitet hat. Dieser Entwurf sieht, wie der „Köln. Ztg.“ berichtet wird, eine etwa 16 118 große Fläche auf dem linkin Wesrrufer, dem sogenannten Werder (bisher Viebweide) für einen Museumspark vor, der mit den charakteristischen Bauernbäusern aus dem eigenxlicben niederiäckdsischen (Gebiet zwischen der Elbe und Ems und Von der Nordküste bis südlich zum Bückaburger Land bebaut werden soll. Für dies Gebiet Nordwesideutschlands darf Bremen ja_ als der geographische und geistige Mittelpunkt gelten. Das arkmuicum würde sich zunächst auf die folgenden sechs typischen “ auemhauser Niedersachsens beschränken können: je ein Vierlander, ein Alteniander, eins aus der Lüneburger Heide, eins aus der Oldenburger Geest, ein friesiscbes Marschenbaus und ein Bückeburgsr Bauernhaus. Diese Bauernhäuser würden, mit ihren Gärten und Nebenbauten zu riner