1907 / 78 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Thu, 28 Mar 1907 18:00:01 GMT) scan diff

ien vermö en. Bebufs der Immatrikulation haben 1) die- thilYng Studierengden, welche die Univerfitätsstudien beginnepi, insofern : nländer find, ein vorschriftsjnäßigxs Schulzeugnis und, falls sie usländer sind, einen Paß oder sonstike auSreichende Legitimations- papiere sowie einen Ausweis über die erkorderliche Schulbildung, 2) diejenigen, welche von anderen Universitatezt Kommen, außer den vorstehend bezeichneten Papieren noxb ein Vollstandtg'es; Abgangsxe_ugnis von "eder früher besuchten Universitat Vorzulegen. Die1enigenInxander, wel e keine Reifeprüfung bestanden, beim Besuxhe der l_LniversitaF auch nur die Abficbt haben, fich eine aUgemeine Bridung sur die hoheren Lebknskreise oder eine: besondere Bilpung für ein ewisses Berufsfacb zu geben, ohne daß sie sich für den eigentlichen gele rten Staats- oder Kirchendienst bestimmen, können guf Grund des § 3 der Vorschriften vom 1. Oktober 1879 immatrikulrert werden.

Bonn, den 26. März 1907. Die Immatrikulationskommission.

Yiehfamtliehes.

Deutsches Reich.

Preußen. Berlin, 28. März.

In der am 27. d. M. unter dem Vorfiß des Staats- ministers, Staatssekretärs des Innern Dr. Grafen von Posadowsky-Webner abaehaltenen Plcnarfrßung des Bundesrats wurde dem Vertrage zwischeii dem Deutschen Reiche und den Niederlanden Übe'r die gsqenseitige Arierkennung von Aktiengesellschaften usw. sonne dem Vertragejzwrsckxn dem Reicheund derSchweizüber die Bkglaubigung öffentlrchcr Urkunden dieZustimmung erteilt. Es wurde ferxier beiqetreten derxAuSWuS- berichten Über den Entwurf eines Geseßcs fur Elsa Lothringen, betreffend die Abtretung von Grunchgentum zu Meliorationszwecken, und Über die Vyrlage, _bstreffend Aende- rang des Verzsichniffes dcr EingangSstelleyfnr aus dem Aus: land eingehendcs Fleisch. Dem Entwurf emes (Gesetzes mexxn FeststeUung dcs Landeshaushaitsetats für Elsaß-Lothrmgen ur das Rechnungsjahr 1907 wurde in der vom LandeMtisschuß be- schlossenen Fassung zugestimmt. Ebenso fand die bereits crfolgtx Ueberweisung der Vorlage, betreffend Bestimmungen über dre Einrichtung und denBetricb von Anlagen zur Hersxellung von Alkali:Cl)romaten, und des Antrags Bayerns, Wur_t_t_embergs und Badens, betreffend die Entschädigung der Schonen und Geschworenen für Zkitversäumnis, an die zuständigen Aus- schüsse die Zustimmung der Versammlung. Schließlich wurde Über mehrcrc Eingaben Bkschluß gefaßt.

- -

Der Präsident des OberiandeSkulturgerichts, Wirkliche Gsheime Oberregierunchrat Rintelen ist mit Urlaub abgereist.

Der brasilianische Gesandte da Costa-„Moita batBerlin verlassen. Während seiner Abwesenheit leitet der LS,“.ations: sekretär Dr. dc Vianna-Kclsck) dl? Geschäfte der Gesandt-

schaft.

Württemberg. Seine ZViajcstät der König Wilbeini ift ge'stcrn, 11119 das „W. T__. «.“ meldet, von Kap Martin 111 Stuttgart xvicder e*ingetrosie'n.

Heffeu.

Nachdem die Ztvcite Kammsr Zostern dcm B9sch1uß der Ersten Kammer, beirsffcnd dyn Hauptvoranschlag fÜr 1907, beigstretsn ist, sind Dsr Gkiatnthaupworansckiiag sowie: die zugehörigen GOsSYL sxxdgültig angknommcn, Die chite Kammer hat sich auf etwa visr Wochen Usriagt.

Sachsen-Weimar-Eisenach.

Seine Könisxiiche Holzcii dcr_Gr0ßi)erzog_ Wii- Hcim Ernst Hat gsstkrn, „W. T. B.“ zuwigs, cine NEUE nack) Südfrankreick) angetrcicn.

chterreich-Ungarn.

Wik die Wiener „PoiiiischéKorräpondsnz“ erfährt, [1110611 Dis di),)[omatischsn Vsrtrexsr T€stcrrcich:11ngarns und inßiands 1111151156 “171 Belgrad 11:15 in 521111811 die' Anf: merksamkkit dsr 5011151011 :)icgicrnngM ixi frcnndschxftiiMr Weiss 11"? dix? N(LchkiCiULU (1112: Mastnicn 11910115, «us 5811911 hsrvors-„CKC, Daß Dic d::rcii 51? 2151511 521“ Elis-TUTLMÜÖLC cm- gkstrcbte VüzifiZiC111ikJ MI LanöcH in [CHTEk ZM dUrck) 5116 1"111€ri)11n511§1)m-3UO€ A;:fxrston 5021 sér- bisckzkn 111111 Urischisch271 “3311115211 €r11silich 11Min: trächtigt MWC. Ti? Bkmiiiznmgcn dsr MHM? 5511811 515581“ auf msiir ais Cinsm Gkbikl dsr “5511511151119 311 SkkaUiiÖLU Erqebniffkn 98111511. Turch ?46 gkwaisams VrowaMnda, weiche 518 (111611155971 NMiONQiiTÜTM, 01118 (mf 11011611 591“ 1111de671, 119111211115 11111de 0.581“ dic Erfolgs Öiksks Frésdsns: werkes ii“. Fkagc Isstéiit. Tis Vsrirstsr 555011 31121901) daran [JingLW1C1611, das“. die 111110658 wis die grischischs Ne,»;isrxmg miedkrkwlt erkläri 5611811, Daß ii? dis BsmÜHungen dsr Mächts Qufxichtiq UUTLTÜÜHCU woiiicn.

Großbritanien und Irland.

„Zn dcr gsstrigsri “SUZUKI 596 UmkerhanOI g155€r Zixaisickrctär Sir 0"dr_v_(1r5 _GrsU (1111031719 Anxrags, 5€trcffcnd “OM Angriss aux dass Sng111ch€ KOUsUiar

in Marrakksci), nach cincr Meidung 526 ,W. T. V.““„

5111921152 Auskunft;

Nach M*. lsst-x: Fiiachrichtxn bis zam 23, T. M. isixn ails Earrkäsr in Marrakech) ip. Zickpérbcit gérrSssn 1111? es iikge kéin Grund 311 xxx A.;naümcs vor, das; 1718 jeßt aesßkrkxt 1in 15111811. Die

engliicko: Ne,;ieranz wsrke 54,6 Vorgänge scharf im Aug“: bkbaltxn und 9

53552111, jc nachdem 653x112 1121115111“? xrbeiscxten. , Das Haus hat 116) daraux bis zum 8. Apml vertagt.

Frankreich.

den vom Senat angcnommcnen (Hesxßsntxvurf, bLtrcffLnd Regeiun der Arbeit an Bord von Zandelsschis'fcn, unddenGe sßxntwurfüberdic Öffentlichen 3 crsammiungen an. Darauf mterpeüierte der Abgeordnete C o n | an 13 (Sozialist)

über die Maßregelung des Generals Vailloud, der sich kürzlich bei der Vergbschiedung des Obersten Groepp über den Nevanchekrieg geaußert hatte.

Nach dem Bericht des „W. T. B.“ tadelte der Interpellant die vom Obersten (Groepp und vom E:*neral Bailloud gespr"ochenen un- vorsichjigen Worte. Man müsse Von den Inhabern hoherer Kom- mandostellen die für die Erhaltung des Friedens und den diplo- matischen Verkehr noiwendige Umsicht verlangen. Der Nationalist Barrés suchte nachzuweisen, vas; die in einer Privatver- sammlung gesprochenen Worte Baillouds nicbt herausforxernd gewesen seien. Die Regierung babe, indem sie Batlloud ma regelte namentlich die Sozialinrn zufriedenstcüen wollen, aber sie wi e selbft gut, daß die Gcfinnuug des Generals Achtung verdixne. Picquart, der aus Siraßburg stamme, fügte Barrézs hinzu, batte Vailloud höchstens einen Wink geben sollen, um ihm dann seine Sympathie auSzudrücken und ihm zu sagen: .Sie find ein guter Soldat.“ (Clemenceau unterbrach den Redner mi! dem Zwischenruf: Vielleicht hat es Picquart auch getan!) Jenseits der Grenze höre man ähnliche Worte. _ Maßregeln, wie die gegen BaiÜoud bseinträcbtigten den militarischen Geist. Barrézs, untersiüßt von Mathis (Radikaler), rühmte den PatriotiSmus der Bevölkerun von Loibrin en und schloß, oftmals ' unterbrochen durch urufge von der äußerZen Linken: .Wir ivcrden zuchts gufgeben von a en unseren Hoffnungen!" Marin (Rep.) "erklarte, die Ver- setzung des (Generals Bailloud habe im franzostschen Lothringen peinlich berührt. Der KriegSminister P _icq uart erwiderte, der Wahie Patriotißmus bestehe nicht in larmenden Kundgebungen. Er _ der Minister _ fürchte sicb nicbt, wenn jemand die Augenbrauen wegen der von ihm Verfügten Maßregeln runzeie. Der General Baiüoud habe seine Befugnis: ni t m der in privater Ver- sammlung von ihm gehaltenen Ansprache, ondern in seinem an die Truppen gerichteten Tagesbefebl überschritten. Der Minister ve1las ein Telegramm des (Generals Bailloud, in dem dieser erklart, er habe ?sagt: „Es ist eine Notwendigkeit für uns, uns berkit zu halten."

icquart fubr fort: „ch zweifie nicht, das; der (GeneralBailloud bereit sein wird, wenn ks nötig ist. Dieser Ausspruch gereicht ihm zur Ehre. In seinem Tagesbefeb! an die T_rnppen aber,spricht dsr General von Dingen, für die -:r nicht zusjandig ist. Die gegen ihn getroffene Maßregel hat nicht den Charakter einer ngnade, der (General ist nur auf einen Posten versetzt, der beffcr fUr ibn paßt. Er wird Weniger Gelegenheit, als in Nancy haben, nervös zu sein.“ Der Minister sagte schließlich, das; ein Exnexal die Pflicht habe, „seine Truppen Vorzubereiten, der (General Pau set fur_seine hoben Funktionen Vorbereitet. Hierauf nahm der Ministerprafident Clerxenceau das Wort und erklärte, die Regierung babe bezuglich res Esncxals Bailioud in einer schwieriJen Lage bxfunren. „Wenn Sie gehört hätten“, sagte der Ministerpr sident, .mrt ixelcben Worten ich den ßaneral Bailloud empfangezi habe, dann wurden Sie wissen, daß dieselben Gefühle, die das Herz des (Generals BaiUoud bendegen, auch in msinem Herzen bssieixen. Aber wir können nicht ziigeben, daß ein General einen Krieg mit einem bestimmten Lande ankundigt; das ist ausschließlich Sache des Parlaments!“ _

Das Haus nahm darauf mit 360 gegen 207 Stimmen eine Tagesordnung an, in der die Erklarungen der Regierung

gebiUigt werden. Rußland.

In der Reichsduma beantragten gestern mehrere Gruppen, die “Debatte, betreffend die bkschäftigungslosen Arbeiter, zu vertagen. Bei der Abstimmung ergab fick), „W. T, B.“ zufolge, Ein völlig unerwartetes Resultat.. Die Polexi, Sozialisten und die Mchrzabl der Kadxtten stimmten fur sofortige» Besprechung, die Rechte und dre Mmderzahl der Kadetten, unter 11111211 einig? Führer wie der Fürst Doigoru: kon), Tchenko Und Maklakom, stimmten für Vertagung. Es Wiirdc fofortige Beratung beschlossen. Die So'ialdemo- kratcn hielten langs: Reden, in denen fie bekannie qtsachen anführien. Viki? DWUÜMÜS vcriieizen den Saal, da die Dis: kussion wenig Zntcércsse bot.

_ Gestern ist in Moskau ein Attentat verübt worden, das große Erregung Hervorrnft. Der Redakteur der „Rußkija Wjedomo'sti“, Dr. Jollos, ciner dsr Führer der Kadcttenpartci und Abgeordnctcr der ersten Reichsdnma, ist, als er seine Wohnung verlassen wollte, von einem Unbekannten Mann durch Rsvolverschstssc crmordst worden. Der Täter ist cntkommsn. Wie das „W. T. B.“ meldet, Hat die sofort eingelkitete gerichtliche Untersuchung bis xeßt keinerlei Anbaltöpunkte ergebkn, da der Mord auf völlig menschenleerer Straße verübt ift. Iollos erhielt drei Schüsse, und zwar in den Mund, die Kinnlade und die Brust. Ein Mann, der ailsin ach Augenzcuge in Bstracht kommt, ist verhaftct worden.

Spanien.

Nach cincr MkldUng der „Agence Havas“ Erkennt die spanische Regikrun an, daß sie auf Grund der gs- schloss€nen Vcrträgs nn gemäß der Konferenz von Algecirqs Frankreich ihre moralische Unisrstiißung zuteil WOTÖCU lasssn müsse“. Spanien mird Kriegsschiffe 11116) Marokko schickkn, um diéss bsi dsr Hand zu haben und im Bedarfsfalic di? Dort [958115811 spanischcnUniLrianen zuschiißen und die spanischan Jntcrkisen zu vertreten,

Der Ministsr des Aeußern hat an die Presse_eine Mittsilnng «5185811 lassen, die', „W. T. B.“ znfoige, bkmgt, xs sei skiir er16r1ich,dafz dic französisckwchicrung bestrebt sei, dkn Iltt€r1tat€n gsgkn ihre Staatsanciebörigkn in Marokko ein Ends ZU ÖkkkitLN. An Mohammsd el Torres sei diE AUfforderUUg er: 110110611, zu Ukraniasscn, daß de'r SUlfÜN dastglsmeUt derVoiizsi gmisjß Und Ws; diss? 05119 Aufschub in Tätigkcit trete. “Das er_- ici)éjnc,* 11111s0111€iik [30 riinösi, als di? spanische Ykkgisrung skibst gegsmyärxig [101111 achsen Schritte Unterne'wnk, damn daS intsrxmxionaie Pc-iMikorpS (18011067 werde und seine Tätigkeit 06911111611 könnc. Ti? Note bemerkt noch, die spanxsche Re- qi-7r1mg könne nur wjinschen, daß Frankrsick) Gangtmmg cr: 55116, 11115 119 wsrds auch in diésextr Linné dem Machsen Mit- teiixmg 31030111an [asssn

Rumänien.

TUS Amtsblatx kaiiffkntlicht ein Rundschreiben des Untérrichisminxsmrs an 519 L?Hrer und PriSsTLk, in DSM 5121“? crmahm msrden, die grÖßte SelbstverleUgnUng an den Tacx JU lng, um die Wiédkkkshk der RUF]? HirHLifÜhren U éifSU.

z th dEr .Kammsr kaiäris gésterU, „W. T._B.“ zufolge, dsr Ministérvräsidsni Sturdza, kr hoffe, daß in einigen

- TUJLU die Ruhe wisdsrhérgkstsiii sein werde. Hicrfür seien

bersits gute Anzeichen vorhanden, die" Bauern bcgßnnenbercits mit 17671 GkUUdngMiÜMLkU Vertrage abzuschließen. Der

? Ministerpräsident bat schlicleick) di? Abgkordneten, zm: Wieder- ; herstsilmxg der RUHE im Lande beizutraqen.

Tic „Agence Rumainc“ verbreitet iiber die Lage in dsm

TisDeputisrtenkammer nahm „acstcrn 013110 Aendérung , Aufstanngebiet folgende MWMIM:

Jr: dkr Moldan ist die chvegung allgemein zur Rabe ge-

, kommen. Im Distrikt Dosi in der Walachei find in mebzeren Ort- , schaften Unruhen ausgebrochen. Die Unruhen in Mozacent, in deren ' Verlauf 25 Personen getötet und VerWUndet wurken, sind zxicdergescblagkn . worden. Im Bezirk Buzen Wurden mehrere Aufrubrxr verhaftet

und einzelne Güter zerstört; in mehreren Ortschaften des Bezirks ist die Ruhe wieder hergestellt. Im Gebiet von VlaSca sind drei G

meinden. in denen plündernde Banden Zuflucht gesucht haben 5:- Schauplaß ernster Rubestörungen geworden. Die übrigen Bezirke“ sin;

ruhig. Amerika.

'Wie. das „W. T. B.“ meldet, hat der Sekretär der amertkamschen Gesandtschaft in Tegucigalpa dem Staats: departement zu Washington mitgeteilt, das; seit der Einnahnw dieses Ortes durch die Nicaraguaner die Regierung des PräsiYent-xn Bqntlla nicht mehr existiere, Er erhalte inzw1schen die Ordnzmg mit Hilfe der Konsuln aufrecht,

Asien.

In einer Sißung de_s indischen Generalgouverne- meritSrats gab der VtScount Kitchener über die mili- tärtsche Politik anrens, einer Meldung des „Reuterschen Bureaus“ zufolge, nachftehende Erklärung ab:

Die militärische Politik Indiens sei lediglich defensiv und es sei überhaupt höchst unwahrscheinlich, daß Indien irgend eine Macht an. greifen oder 2?Lgen jemand etwas unternehmen würde, wenn es nicht durch einen ngtiff oder um seinen Besißstand zu erhalten, dazu ge- zwungen würde. An der Verteilung der Truppen sei seit dem Aufstand wenig geändext. Man vetsuche jest in jeder Hinsicht feld. ständige Divisionen zu formieren, die, wenn sie außriickten, genügend Truppen zmücklaffen" soUten, um Ruhe und Ordnung aufrecht zu er- halten. Die Divijwnen sollen in Staffeln, eine hinter der anderen, an den großen Eisenbahnlinien aufgestellt werden, um in KrieJSzeiten eine schnelle Konzentration zu ermöglichen.

Der Vizekönig Earl of Minto erklärte, derselben QueUe zufolge, im GenerglgouvsrnemeniSrat, Indien könne es nicht abweisen, ohne semcr Selbstachiung etwas zu vergeben, China in de_r Opiumfragc behilflich zu sein. Er sei über: eugt, daß die Erklärun Kitcheners dazu bkttragen werde, das Publikum über viele faiiche Vorstellungen aufzuklären.

Afrika.

Das diplomatische Korps in Tanger hat gestern mit den marokkanischen Vertretern eine Sißung ab; gehalten, in dar die Prüfung des Reglements, betreffend Expropriationen, bcendct und sodann die Beratung des Reglements über den „Handel mit Jagd: und Luxus: waffen, fortgeseßt wurdc.

_ Die Beseßung von Udfchda soll, nach einer Mel: dung der „Agence Havas“, friedlich sein und nicht dsn Charakter eines feindlichen Schrittes gegen Marokko traqcn. Die in Udschda wohnenden Europäer haben die Stadt verlasen und ihre Habe in den Häusern verschlossen. Die Eingeborenen haben von der bevorstehcnden Bcseßung noch kc'me Ahnung. Gestern smd die französischen Kreuzer „Laiande“ und „Jeanne d'Arc“ auf der Reede von Tanger eingetroffen.

Den Pariser Blättern wird aus Tanger gemeldet, daß in Fez das Kasino der Offiziere der französischen Militärmission von den Eingeborenen vollständig aus: geplündert 1v0rden sei.

_ Der General Botha hat gestern von Kapstadt die Reise nach England angetreten, Um an der Kolonialkonferenz in London teilzunehmen. Im Namen des Afrikanderbonds hielt Hofmener an Boiha [M der Abreise einc Ansprache, in der er, „W. T. B.“ szolge, sagte, daß Botho, so wie er ein guter Untertan der Republik ewesen, auch ein guter Untertan des Reichs sei. In seinsr rwiderung bk": tonte der General Botha, daß es sein ernstester Wunsck) sei, mit der ReichSreaicrnng und dem en lischen Volke usammen: zuarbeitkn zum Wohle der beiden gro en Rassen in üdafrika, die er und seine Freunde bemüht seien, zu verschmelzen.

Statistik und Volkswirtschaft.

Weinmosternte in Deutschland im Jabre1906.

Im ersten ,Visrteijahrébeft zur Statistik des Deutschen Reichs“, Jabrzaxg 1907, sind 'Die Ergebniffe dsr Weinmosternte des Jahres 1906 bekannt gegeben. Die M*ittrilung gründet sich auf die_durch SachverstäWig-x erstatteten Berichte aus den im größeren Umfange Weinbau treibenden (Hemxinden, kurz ,Weinbaugemeinden' genannt.

Der Ertrag an Weinmost beläuft sich für das Rebgelände er sämtlichen „Wxinbaagemeinden' auf 1418 526 111, d. s. durchschnittlich 13,3 111 auf 1 ]18. Der geschäste (Geldwert des Mostes in jenen Weinbaugkmxindsn beträgt 61 181245 „16 oder durcbscbnittlcb 43,1 „44 fur 1 111 und 573 116 auf 1 11»

Eine SÖäyuvg auf dieser Grundlage ergibt für die außerhalb der berichtendsn Wsinbaugemeinden im Deutschen N€ich vorhandénen, im Ertrag steb-ndxn 13 490 113 Rxbfläche einen Mosterjrag von 217 201111 und einem Wert yon 8 988 360 „14 Die gesamten im Extrag sicbexzdcn 120 207 1111 déutscben Reblankés babsn demnach im Jahre ]906_etnen Mostertrag Von 1635 727 111 mit einem Werte oon 70169 6“ 5 „16 gebracht, also darchichnittlicb 584 „“ auf 1 1113. Im Vo:jabre betrug bei eths kleinerer Fläche (120 096 1111.) der Mojtertrag 3 855 978 111 mift sinsm Werts von 109176271 „X( oder von durchschnittlich 909 „zz. (111 1 115.

Ein Vergleich dss Berichtsjabres mik den weiteren Vqrjabxen zeisk- daß seine Ernte sowohl an Menge als (11169 an Wert betrachtlich hinter dem DUrchschnitt1zurÜckbl€ibk Unter den 11 Jahren, für die kkr'Gé'sämi- wsrt der deutschen Mostkrnte bekannt ist, steht es mit 70,2 Mill. Mark (R1 driitlsster Stklie. Der Durchschnitt der 10 früherenJabrc S_etrug 97,3 Millionen Maxk. Unter den 26 Jahren, für die ,der Geiarxt: me::gsmrxrag der dcutschm Mostcrnte bekannt ist, wck1s811naxiuns Linékl nixdrigeren Ertrag als das Bsricbisjabr'auf; es stxbt mit ietnem Ertrag Von 1,636 Mxüion Hektoliter [361 1118116111 unter TLU1,DUTch' schnittSertrag der fkÜhéWn 25 Jahre: 2,633 Millionen Hektoliter.

Zur Arbeiterbewegung.

Jn Kiel sind, wie die „Köln. Ztg.“ eriäbrt, das Maschinen“ pkrsonal und die Playarbeiter der „Blauczi qupfer- linie“, dis den Verkedr zwischsn Kiel und den am jensextigen Ufer des Krikgsbafens liegendkkn Ortschaften_Wellingdorf, Neumublen unk? Tisjrichsdorf Vermittelt, in 5211 Ausstand getreten. Die Reederei lehnta die geforderten Lohnerhöhungen ab und bat den Betrieb ein- este t. 9 In (Ersfeld smd nacb demsklben Blatts gestern die _Un streiche).- des christlichen Verbandes nach vierzehntagigek Kündi,zung in den AUÖstand getxeten. Di? übrigen haben ohne Kündißung die Arbeit schon früher niedergelkgt.

Verhandlungen zwischen dkk Schneiderinnung und den Ver- tretern der Herrerrmaßschneider in Barmen haben, die? „Köln. Ztg.“ zufolge, zu einer Einigun gefübxt. Die Lobnfxag? s infolgedessen für Barmen für die nächßten zwei Jahre in frndllch Weiss geregelt wvrden. ' i

In Hanau haben, wie dasselbe Blatt mrtteilt, die in enk; Lohnbequng befindlichen Bäcker beschlossen, das Gewerbegerikbk a EinigungSamt anzurufen. , er

Aus Genf wird dem „W. T. B.“ telegraphiert: In emen zahlreich besuchten Versammlung von Delegierten der bissig

ewzrkschaften wurde gestern abend mit 186 gegen 70 Stimmen .

Fscbloffm- beute f:üb den al] emeinen Ausstand zu beginnen. Die

Behörkm treffen entsprechende aßnabmen. Der gestrige Abend ist Z

ruhig verlaufen.

Kunst und Wiffenschaft.

4 11". Wie der Vorfißende der am leßten Sonnabend abgehaltenen ordentlichen Monatssi ung der Berliner Anthropologischen Gesellschaft, Profe or Karl von den Steinen, vor Eintritt in die Tagesordnung mitteilte, find der Gesellschaft aus dem Nachlaß des Geheimen Medizinalrats Dr. (Höß in Neustreli 1000 „zu über- wiesen worden. Der JabreSzuschuß des Kultußminiterii wurde aufs neue in Höhe von 1500 „FC bewilligt. Professor Dr. ermann KTM"? 111de Anfangs April von ieiner australtschen For chungsreise in Deuts landzurückerwartet. JnteressanteNachrichten kommen von zwei Seiten aus Zentralamerika: Profe_ffor Selex und seine Gattin haben in Yucatan einen großen ein esturzten Inschriftentempel aufgefunden und sind z. Z. in Tußla östli von Vera Cruz mit dem Suchen von Tonaltertümern beschaftigt, während es Dr. Preuß gelunaen ist, bei den mexikanischen Stämmen der Gora und der [L_ißolles in der Sierra Madre vbonograpbiscbe Aufnahmen von Kultgesangen in großer Zahl zu machen. Solche Gesänge pflegen noch heute bei der Feier der Regen- und Jagdfeste vorgetragen zu werden. _ Sehr verlockend er- scheinen die Vorliegenden Einladungen zur Naturforscherverfammlung, die vom 15 bis 21. September in Dresden tagen wird, und zu dem für den 13._18. August nach Autun im Departement Saone et Loire berufenen (301131135 prébigwrjqus (10 17181109, von dem aus unter

übrung des Herrn Carteillaxc die mit den bekannten vorgescbichtlicben Zeichnungen versehenen Höhlen bei Toulouse besucht werden sollen.

Den ersten Vortrag des Abends hielt Dr. Brandenburg über seine neuestenUntersuchungen der FelsengrottenPbrvgiens. Etwa 60 km westlich yon Eskiscbebir fand Dr. V. im leßten Sommer im vulkanischenn Tuffstein eine Grotte, bestehend aus zwei miteinander zusammenhangenden Räumen, und in einem derselben vier aus dem Felsen beraußgearbeitete Siße und einen deSgleicben Tbronßß, außerdem eine Axizahl kleinerex Nischen, sowie eine 60-65 am lange stsinerne Handmuble. Die ganzliche Abwesenheit des Kreuzsvmbois schließt die Annahme aus, diese Grotte könne als byzantinische KapelXe angelegt worden sein. Alles deutet vielmehr darauf hin, daß hier in vorchristlicher Zeit eine Kultstätte war. Auch 100 km westlich Von Eskischebir fand Dr. B. hoch im FelsJebirge angelegt eine Grotte, die wohl als Zuflucbtestätte Verwendung gefunden haben mag, worauf das Vorhandensein eincs wahrscheinlich als Stall benuvten Raumxs binzudeuten scheint. In der Nähe lag das alte Cordium. In einer kieinen Befestigung bei Magnesia glaubte ?umann die Stammburg der Tantaliden zu erblicken. Tat- jächlicb 11 dieser Punkt ein ausgezeichneter Beobachtungsposten; denn man übersteht von hier aus, über Sardes hinwegscbauend, die Ebene bis zum Meere; aber der Aufstieg ist so beschwerlich, daß die Humannsche Annahme doch wohl fehlgebt. Der Punkt hatte einst den Namen .der Thron des ' elops'. Der Vortragende zeigte die von ihm be- schriebenen Oertl chkeiten auch in Lichtbildern und 1chloß daran mehrere Aufnahme vbrvgiscber Skulpturen, wie der sogenannten „Mode“ von Sipvios bei Smyrna und den 20 km von diesem Bildwerk entfernten sogenannten .SefostriS“, die lange Zeit als von griechischem11rsprung angesehen worden sind, von denen jeßt aus bestimmten überzeugenden Merkmalen aber angenommen wird, daß sie von den Hethitern ber- rübrcn. Dr. Brandenburg stellte schließlich wkitere Mittéilungen in Aussicht, die sick) auf Entdeckungen auf dem Boden des Pbrygien benachbarten Papblagonien beziehen werden. _ Es berichteten hierauf Recthanwalt Dr. FaVreau - Neubaldensleben und der Göttinger Geologe Dr. Windbausen über ihre AuSgrabungen in der Einbornhöble bei Scharzfeld im Harz. Die Höhle izt schon Ende des 17. Jahrhunderts durchsucht wvrden; Leibniz hat sie besucht und darüber berichtet, Rudolf Virchow hat 1872, Struckmann in den 80er Jahren, Von Alten zwischen 1889 Und 1893 dort egraben. Zest unterftü t die Rudolf Virchow- Stiftun? sysjcmati?che Grabungen, nachdem avrkau 1903 paläolitbiscbe imd neo itbiscbe Spuren aufgefunden. Die AuSgrabungen sind infolge der großen, erst berauözuschaffenden Schuttmaffen recht beschwérlich. Man hat sich zum Hineintreiben eines Sxollens Und zur Ania 8 einer Feldbahn ent-

schließen müssen. Die'Höble wurde gewau angemc 1817, ihre Wände durch ; der Scheinwerfer abgeleucbtet, sichere Spuren des 011119101611 Menschen, 3

nach denen man fahndet, find bisher aber noch nicht entdeckt worden; doch wird die Hoffnung, anf solche zu stoßen, nicht aufngeberz. Die in der Luftlinie 250111 lange Hölzl? ist durch Auswaschung entstanden. Einstweilen bietet [13 Viel Interesse durch die Inschriften an den Wänden der ,Leibn zbaUe“, des .Bärengangeö“, des „ScbiÜersaales“. Solche Inschriften tragen die Jahreszahlen 1558, 1632, 1684 „Petter Jeger“. Jm „weißen Saal“ begegnet man dem Zirkel ciner Göttinger Studentenverbindung aus dem 18. Jahrhundert.

(Es ist jest gelungxn, auch einen zweiten Eingang der Höhle zu * finden. Warum die Höhle ,Einhornhöblc' beißt? Weil sie Vor -

200 und 300 Jahren außer yon Schaßaräbern äucb nach dem als Arzneimittel berufenen „(1160011111 1055116“, 51111 fabelhaften Einhorn

durcbsutbt worden ist. Die Schichtung des Höblcnbodens zeigt zunächst * belle, keine Einlagerungen enthaltende Lebmichicht817, darxmtkr durcb '

organische Stoffzerseßungen dunkler gefärbte Lebmschicbten, tausende

von_Knochen _ angescbwemmteT Material __ (xxtbalténd. Die. näch1tfolgende tiefere Schicht besteht aus Kres, entstanden aus*

hem teilweisen, aus irgend welchen Gründen erfolgten Ein- iiurz der Höhlendecke. Diese Schicht hat das M ihrer Ent- iikbung am Hödlenboden schon vorhandene Material beruntergedrückt, unter ihr wird in Lkhm und Schotter der Fauna dcr Taubach und Carpinaz begegnet, Dieser Umstand bestärkt die Hoffnung, auch_noch sichere Spuren des diluvialen Menschen zu finden; 551111 offenbar ist die Höhle stark bewohnt gewxsen. Den Vexveis lief-rn dlc bisr s;:iundexxen

Knochen, an denen zum Teil auch Feuereinwirkungen ficbtbar find. ; Verstärkt war. Dock) “ck fich die Anlage nicht genau festste en, da

Feuersteinwerkzeuge haben sich dagegkn nicht gefunden. Da der nächste Fenkrstein erst in der Entfxrnung von 60 11111 von SÖZMeld gefunden worden ist, können sehr wohl die Kiefern des Höb'lenbaren als Wer;- 1euge benutzt worden sein, Röhrenknochen vonKTteren, auch solche tn 1ekschlagnem Zustande finden fich häufig, wabrknd Rumpfknochen ikblen. Einzelne Knochen zeigen Sirichc, die kaum Vom Beyagen durch Tiere bcrrübren können. Wahrscheinlich hat Hie Höhle xedocb nur Vorübergehend dem Menschen als Wohnstätte gedient. Jedenfalls

Wilen die geologischen, von denen Dr. Windbauien berichtete: Die auf

einer Waffetscbeide gelegene Höhle ist zwchifellos in dex Diluvialzeit ,

Zntstanden und hängt mit der Vcrgletscherung des arzes zu- !ammen. Ein Gletscher hat das Wasser der der (auf

dem Brockenfelde entspringendes Flüßchen) aufgestaut, dann“

haben ck Schotter auf beiden Seiten dsr Oder_abgelqgert; in der Höhle egegnen wir solchen von 2, 5 bis 3 111 Machtigkett. Nach dem

Abichmelzen des Gletschers feste die OBST ihre Crofionsarbeit fort, :

link) für eine lange Zeit war die Höhle vom Waffer durchströmt. Sie wurde abgelöst durch eine Rubezei ?bne Tierreste bezeichnet wird. Die Deckeneinstürze, deren oben gedacht

ist- Verschütteten den alten Eingang, die Höhle wurde dadurch trocken 5

Und etwa zur neolithischen Zeit besiedlungsfäbig. In der sich an- schiießenden Diskussion wurden, durch Dr. Wiegers bewnders, mehrere

Widersprüche gegen die mitgeteilte Erklärung laut, doch mit Erfolg ;

Von Dr. Favrcau und Professor Hans Virchow bxkämpft.

niit dem 1906 verstor

wieder :

ichlein , Bilder und Bildchen, wie man sie diesseits der Grenze ebenso ge

t die von bellcn Lebmschichten

diegen und langweili hervorbrin t. Nach diesem Purgatorium im Vorraume erfreut si , was kein rieSgram 111, an der Auögelaffen- beit Ernst Sternscher Kunst. Stern ist besonders durch seine Mit- arbeit an einer Berliner bumoristischm Wochenschrift bekannt ge: worden; vorher wirkte er in München. Seiner graziösen und etwas lastejhaften KUnst fehlt das Pathos, das, so fremdartig es sich anhören mag, Nocbfallen wahrhaft großen Karikaturisten, von Hogarth und Daumier b1_s Forain und Heine, anbaftet. Stern erscheint die Welt als Schaububne, die Land1cbaft als Kulisse, der Mensch als Poffen: reißer. Ganz besonders gelingen ihm droliige Typen aus der Welt der Literatur_lwb-Dme und des Tingeltangels. Soll man es tadeln, daß seine Linienfahruna manieriert erscheint und die Ausführung seiner

eicbnungen und Aquarelle kaum über das Skizzenhafte binaußgebt?

kelleicht steckt gerade in diesen .Mängeln' sein ersönlicbstes, und alles in allem, darf man sich nur freuen, daß deset Zeichner der immer_ 1_10ch nicht sehr hochstehenden Berliner Karikatur einen Weg ins Kunitlerische weist.

Emi__l Orlik gehört gleichfalls zu den Eingewanderten. Aus Prag geburtig, wirkt er seit einiger Zeit an der mit dem Königlichen Kunstgewerbemuseum verbundenen Unterrichtsqnstalt. VieUeicht nicht der stärkste, ist er gewiß der geschmackvollste unter den deutschen Stilisten. Den Graphiker Orlik konnte man bereits bei anderen Ge- legenheitxn als sehr Échaffensfwhen und vielseitigen Künstler kennen lernen;"xeßt bietet 11 Anlaß, den Maler in ihm zu würdigen. Schon gegenstandlicb sind seine Bilder reizvoll und feffelnd, denn Orlik ist einer der wenigen unter den jüngeren Berlinern, deTen Skizzenbuch noch von anderen Eindrücken als den Dünen von S eveningen und den Fischerbooten Warnemündes zu erzählen weiß. Er sah Indien und Amerika, China und Japan, verschmähte aber auch nicht die landschaftlichen Reize seiner böhmischen Heimat und des deutschen Hoxbgebirges. Dabei verfäiit er niemals ins Vedutenbafte, sondern weiß stets in unaufdringlicher Stilifierung den Kern, man möchte sagen das Seelische einer Landschaft, zu geben. Den etwas zu bunten und schweren Oelbildern, die übrigens in der Minderheit sind, wird man dix! Gemalde in Wasserfarben und Pastell vorziehen müssen. Unter ihnen sind die Alpenlandscbaften besonders anziehend; sie [Yben einen Zug d-"r Größe, gesteigert durch den Verzicht auf aUe Staffage. Wie prachtig hebt sich auf dem Bilde „der Dachstein“ das krause Asfgewnr der Bäume egen den silbrigen Himmel ab, zu dem der Blick über moosige Felsßlöcke und Wurzelwerk geleitet wird! Dabei ist es ungemein charakteristisch für die dekorative Art OrlikS. die so viel (Gewinn aus dem Studium japanischer Farbenbolzschnitte zog, daß die Luft mit wirklicher Silberfarbe unterlegt ist. Die Figuren ilder sind meistens Erinnerungen an die Asienreise. Geisbas, eine Japanerin im Winterkleid, chinesische Kinderfrauen an Bord eines Asiendampfers, eine Buddbastatue im Park, das sind Vorwürfe, denen O. mit immer gleichem, fast allzu diskretem Geschmack große Reize auc? in der Farbe abzugewinnen _weiß. Aus die sehr dekorativm Ra mungen einzelner Bilder, ziveiiellos nacb Orliks eigenem Ent- wurf, möchte ich nicht Verfeblen, aufmerksam zu machen; sie gehören mit zum Bilde dieses Künstlers, den feinfühliqer Takt und Anpassungs- fäbigkeit an die besondere Aufgabe zum Vorbilde unserer Kunst: gewerbler macbext sollten.

Das Beste 1ei zum S luffe aufgespart. Die lösliche Gewohnheit des Salons, von Zeit zu eit aucb Meisterwerke der Alten zu zeigen, führte dießmal zu einer Ausstellung altenglischer Malerei. Nachdem Vor kurzem im Kaiser Friedrich-Museum diese durch und durch nationale Kunst durch Wertvolle Ankäufe und Geschenke zur Bedeutung einer selbständi en Abteilung gelangte, werden diese immerhin seltenen GäiZte doppelt interessieren. Von den großen BildniSmalerncßnd Re vn olds und G ai nsb () rou gb aUer- dings nicht ganzwürdig, arakteristischer schon Romney, Hoppner und Lawrence Vertreten. Dem Schotten Sir Henry Raeburn (1756 his 1823) begegnet man auf dem Festland nicht gerade häufig, und doch ist gerade er jetzt mit Recht besonders geschäßt. Das große Gruppenporträt des James HarroWer mit Frau und Sohn steht malerisch nicht ganz auf dsr Höhe seiner besten Sachen, aber wie ein- dkinglicb und Vor allem unaufdringlich ist die Charakteristik dieser drei auf einer Gartenbank nebeneinander sißenden Personen! Es ist nichts von Pose in ihnen: dieser Vater zeigte gewiß auch im Laben so viel ernste Wüxde und strenge Haltung, seine Frau erscheint etwas Pbleg- matisch, aber Wohlwoüend, und der kaum dem Knabenalter entwachsene Sohn mit dem Buche in der Hand hat gewiß aus der Lektüre _vvn Raebxzrns gutem Freunde Walter Scott jenen Hang zur romantiicben Schwarmerei geschöpft, der seiaen GesichtSzügen deutlich aufgedrückt ist. Doch sind es die Landschafter, nicht die Porträtisten, die dieser Au?- steUung ihre Bsdeutung geben. Noch nikmals sah man in Berlin io zahlreiche Werke des großen Pfadfinders John Constable (1776 bis 1837) Vexeinigt. Die Bedeutung des herrlichen Meisters auch für die Kunst uniezrer Zeit macht es notwendig, später noch einmal kurz auf diese Vorführung zmückzukommen. 131“. ().-13.

Die Galerie Eduard Schulte bleibt am Karfreitag und ersten Osterssicrtag geschlossen, am Ostermontag ist die Ausstellung von 10-2 Uhr geöffnet.

Das älteste Römerlager bei Xanten am Niederrbéin (8351111 USrsra) ist kurcb den Leiter des rheinischen Provinziaimusenms in Bonn, Profeffor Lskmer, aufgxfunden nnd in cinixcn Teilen bercits freigclcgt worden. Die Ausgrabung, di? auf der iiöchsten Erbrkung des Fürstenberges 5990111181: Wdek, führte schon nach Wenigen Dnrch

' stiBen zUr Aufdeckung einer römischen Befestignngslinik. Es warkn,

wie der „Boss. Ztg.“ mitgetcilt wird, Doppelpaiisaden, deren Reibkn

“etwa 3111 Von einander entfernt lagen, dicht Vor der vorderen

Pfabirkibsxabxr befand fich ein breiter und tiefer Spißgraben, der dann noch durch einen anderen, Vorgelagerten Graben geschij t und

an den meisten SteÜen sich über die ältere Erabenanlage eine jüngsre, anders laufende und hergesteÜt-Z Linie gelegt hatte, auch bot das Gelände Schwierigkeiten. Aber Weiter fand man im Innern 566

Z alten Grabéns zahlreiche Reste von Wohngruben, deren Ausdehnung

fich noch gar nicht erkennen ließ. Die darin gefundenen (Gegen- stände, Topfreste, Münzen und anderes, wiesen deutlich auf die Augusteiscbe Zeit, ganz besonders die arretinische Keramik, die so

bedeutender als diese bisherigcn prähistorischen Exgebniffe sind einst- 3 charakteristisch für die Anlagen der ältesten Kaiserzeit iß- Und "ickit

nur diese Ueberbleibskl, sondern auch die Art der Befestigung jprechen für die frühe Zeit, haben doch die römischen Lager bei Haltern an der Lippe ganz Aednliches geliefert. Die Wohngrubcn zeixxn zahlreiehe Brandspuren. Hier hatte also das Feuer sein ?crstörungßwerk getan, ähnlich wie bsi Haltern, und der spätere Gra en zeigt die bei dem Wiederayfbau gswäblte LiUie. Dic Ausgrabungen sollen mit Eifer und umfaffend fortoeseßt werdkn, um sie zu demselben schönen Abschluß zu führen, den die Aufdeckung des großen römischen Standlagers bei Neuß jüngst gefunden hat.

Der Komst 1905 117 (190611) ist, nach dem .V- T.', auf der Königstuhlfternwarie bei Heidelberg im Sternbilde der Wage wiedergefunden worden. Zum Ersten Male entdeckt wurde er am 3, März 1906 als ein zarter Nebel der elften Größcnklassc. Es gelang Prof. W olf in Heidelberg, die Spur des Gestirns auf einer am 14. Januar 1905 aufgenommenen Platte aufzufinden, uyd jetzt,

' mehr als zwei Jahre nach dieser Aufnahme!,“ ist man des Kometen

Was den Kunstxalon von Paul Cassirer chogen hat, uns : , enen Ferdinand Cbaiqneau, einem Nacb- - zaaler der Meister von Barbizon, bekannt zu machen, ist ni t recht ( ekstcbilich. In den vierzehn auögestellten Bildern kehrt dersel «? Vor; : kaf- aYensebeinlich das LieblingSmotiv dicses Ykalcrs, dreizebnmal * d _ chafe nach dem Gewitter, Schafe an der Tränke, Schafe in ,; kk Dammerung, Schafe bei Sonnenuntergang, Schafe im Mond- * . . . (Ganz liebevoll, aber dock) aucb unpersönlich durchgeführte ;

noch einmal habhaft geworden. Er hat ck in dcr Zryiscbenzeit vom Stier bis zur Wage scheinbar wxiterbcrvegt. DJs; em Komet mehr als zwei Iabrebinourch beobachtet werden kann, ist in der Ge- schichte der rasch vvrüb-lrgehenden Kometencrscheinungen äußerst selten. Allerdings gilt diese lange Sichtbarkeit nur für die photographische Platte, denn der Komet hat bereits bis zur 14. Größe abgenommen, und selbst die größten Riesenfcrnrobre der Neuzcit wurden kaum aus- reichen, ibn Wahrzunebmen.

Bauwesen.

Im Arckvitektenverein machte am 25. Märj der Re- gierungsbaumeister 11115 3 rivatdozent Zeller aus Darmstadt Mit- teilungen über die Ge äbrdung u_nd Erhaltung geschicht- licher Bauten Der Vortragende fuhrte aus, das; Die Erhaltung namentlich unserer historischen Bauten eine stete Sorge der mit ihr beauftragten Verbände, Vsrwaltungen, wie'der Besitzer bilde. Die Gefahr für diese BauWetke liege namentlrch im schroffen'Gegensatz von Frost und Hise, der dcn ohnehin schon durch ihr Alter und die Minder- wertigkeit der Konstruktion efährdeten Bauwerken hart zuseßt. Der Vortragende bat die wesentlicZsten Gesichtspunkte in einer Sonk-crscbrift: Gefährdung und Erhaltung geschichtlicher Bauten (Wiesbaden 06. Kreidels Verlag) zusammengefaßt. Das Wesentlicbste sei hier an- geführt. Bei bewohnbaren Bauten hilft als Crbaltungömaßregel namentlich eine, wenn auch in größeren Zeitabschnitten voraenommene Durchheiaung, die in Verbindung mit Luftzug geewnet ist, Feucbti keit und Moder stark zurückzudrängxn, namentlich- aber auch das er.- s immeln der Wände bei feuchter Umgebung zu_verbindern. Dadurch halt auch Holz, Stuck usw. beffer, Weil die Unterlagen, Jute, Rohr 2c. fich nicbt jerseßen oder Rost die Nägel und Eisen- teile zerstört oder Schwamm auftritt. Schwieriger ist die Unter- haltung unbewohnter Bauten oder Räume. Angezeigt ist hier häufiges Lüften und Durchbeizem Vorsorge für gute Entwässerung, stets dichte und gut gelüftete Dächer, damit keine Balken faulen oder Waffer in die Wände dringt; sorgfältige Unterhaltung und Erneuerung auch der geringsten Schäden, namentlich am Putze, der oft sebr ver- nachläsfigi wird und hinter dem in Hohlräumen Wasser viel Unheil anrichten kann. Freilegen Von Facbwkrken sei deshalb stets warm empfohlen. Gegen Zerfall der Ruinen bcifen nur durchgreifende Mittel. Alle Abdeckungen, Zement, Asphalt, Blei und sonstige Hilfs- mittel haben hier Versogt. _Scbuß vor Waser und Frost können allein Fößerc Eingriffe bieten. Hierzu dienen: Schutzdächer, sei es nur

otdächer oder Ergänzungen der ursprünglichen Anlage, gute Ent- wäfferungen des Terrains, Schluß der Oeffnungen (Fenster und Türen); falls zerfrierbare Reste, wie Stuck, feine poröse Sandstein- skulpturen usw. zu schü en sind, Vérankerung der Wände durch Ein- ziehen der alten Balksn agen, event. auch, wenn es besonders wert- volle Objekte sind, Ausbau und Anlage Von zu5erlässigen Heizungen. Pflanzenwuchs ist zwar hübsch, aber für die Bauten gcfäbrlich. Er wirkt desto schlimmer, je feiner" und wafferfübrender das Bau- material (Sandstein z. B.) ist, während Eruptivgesteine, wie Basalte, (Granit, Porpbyr, Malapbyr, harte Kalk- oder Koblen- sandsteine wxn'iger leidet). Aber_ auch hier müssen die Mörtel- fugen dicht 12:11, da ]omt die zeritörende Arbeit der Pfianzeawurzel, namentlich der Moose,_Wafferzutritt i!) die Fugen vermittelt und diese auffrieren. Deshalb ist _Efeu aucb gefährlich, weil er das Außtrocknen erschwert, die Mauer langer naß hält, der Frost daher länger wirkt. Auch dringen seine Hafiwurzeln in offene Fugen ein und üben, er- starkt, prengwitkungen aus. Nur im Winter sich cntlaubende Schiinqgewachse soklten deshalb bei wertvollen Bauten als Wand- schmuck geduldet Werden.

Verkehrsanftalten.

Die am 28. d. M. Vormittags in Bsrlin fällige Post aus England ist außgeblieben. Grund: Zugverspätung.

Die Gütera'nnabme für die Oderbergerbabn nach und über Kaichau hinaus ist, „W. T. V.“ zufolge, in vollem Umfange wieder aufgenommen worden.

Post und Telegraphie in Hamburg.

Füx ein_e Würdigung der Isrkehrsbedeutung Hamburgs gibt ein Ueberblick uber den Post- und TelegrapbenVerkehr dieses größten deutschen Seehandelsvlaßes inteiesiante Handhaben.

In dem letzten_Ja_bre, für das die große Reichsstatistik abge- schloffcn Vorliegt, namlich in 1905, hat in Hamburg die Zahl der auf- ?egxbenen Briefsendungen (Briefe, Postkarten, Drucksachen, (Ge- cbaftspaYére und Warenprobsn) 214229 500 betragen, während an solchem Sendungen 157 937 300 eingegangen find. Es entfaklen mithin aufnden Kopf ÖT]? Bevölkerung etwa 270 eingeliefkrte und 198 Von auswarts eingetroffene_ Briefposisacben, während im ganzen dsutsckxen „Reichspostgebiet auf des.“: Kopf der Bevölkerung nur etwa 56 anfaelteserte Briefe und Postkarten sowie 50 Drucksachen entfallen.

Auch der PostpaketVerebr Hamburgs zeigt einen bemerkens- MrtenUmiang. Es sind 4753 386 Pakete aufgeliefert worden und 4241624 eingegangen; es entfallen also auf den Kopf dsr Bewölkerung etwa 11 qufgxltefxrtx und eingegangene gewöhnliche Pakete, womit der Durchschnitt tm ubrtgen Reich ganz erheblich überschritten wird.

Der PosianweisungSVerkehr hat eine besondcrc Höhe erreicht; es find 193 798 681 „M eingezahlt und 280140271 „FC (1116- gezahlt worden. _Der bedeittxnd größere Betrag der Außzahlungen grunpet fichtdaraus, daß zahlreich? Warensendungen wonHamburg aus in die ProVinz gsixen, wofür der Betrag mittels Postanweisung cin- gesandt zu werden pflegt.

Einen stattlichen Umfanq_z€igt die Zeitungsbesiellung in Hambnra; denn es sind im PoitzeitungSabonnkmsnt nicht weniger als 15665 776 Exemplare abgeseyt worden.

In bezyg auf" dan Teisgrammiwrkebk bleibt Hamburg nur hinter Berlin'zuruck. Es sind im Jahre 1905 iné'gefamt 2748 060 Txlegrauxme emgeiiefert wvrden und 2736 249 Telesramme 5911 aus- rxarts emgegangen, sodaß auf _den Kopf der Bevölkerung etwa ( Telegramme kwmmen, während für das ganze Rkich auf den Kopf noch nicht ganz 1 Stiick entfälit. C8 zkigt sich in diesen Ziffern, wie sehr es dem Handel und der Schissabtt auf schneU€n Nachrichten- Verebr ankommt. Auch is,: überséeisxchcn Jkachrichtcnaustausch hat sich Hamburg des Telegramms in Weiteitem Umfange bedient. Nach- dem auf Veranlaffung der ReichOtslxgrapbenVerWaltuna im Jahre 1900 das erste und 1904 das zweije deutsche direkte Kabel von Emden uber die Azoren nach N-zw *,!imk gklegt wvrden ist, hat sich die HandleWLlL beiondurs diexcn KKMM zugekvcndkt. Im Jahre 1901 fin) 343 292 Téxkgr§mmc mit 3 1'70 674 Wörtérn auf dkl'. deutschxn Kabeln befördert wordkn, im Jahre 1905 bereits 543 711 Telxgramme mit 4893 594 Wörtern An diksem V-rkebr ist Hamburg in bobcm MaßÖbetLZigt'b F s ck

(19 am urgkr ern pre Wesen entwickelt fich ungeheuer schneil. Die: Anzahl dkr Fernipgechstsllen bat fich Von 190(0 im Jahr? 1900 auf 32 000 Fernspreckyifellen im Jaime 1905 Vermehrt und ist seitdem noch bejracbllicb gewachsen. Die Vermittelten Gespräche habxn im letzten Jahre (1905) die'. ungebenere Zahl yon 99 000 000 erreicht. _ Auch die Robrpostanlage in Hamburg ist nach Berlin die bedeutendste und umfangrsicbstc. Sie dient zur Beschleunigung der TelegrammVermittlyng Wischen dcm Hauptamt und den chig- stellen und umfaßt eme Maschinenansjalt und acht Telegramm- anstalten; dic Rohrleitungen haben eine Länge Von 115 lcm.

Theater und Musik.

Schillertheater (). (Wallnkrtbkatsr),

.Tranmuluß', das bekannte Sclmuspicl von Arno Holz und OskarKJersckoke, ist nun aus dem Lcsfingibsater in das Schiller- tbxater ubergcsicdelt, dessen 5P1151ik111n dc-r Handlung drs (Gymnasiasten stucks aufmerkjam_folgte. Die? Aufführung war nicht so gut abge rundet, wie somit im Sebillcrtikcater, ixsondcrbeit befremdete die Leistung Frieda BMW in der Rolle dkk «cbansiZi-xlcün Lydia, die s1e' zu einer höchstunivmpatbifchen alterndanKokc'ttc stempeln: Bei diescr AUffaffung, für die man _ gleichviel, ob fie fie" kmpfaiol oder nur dnidctr _ die Regie Verantwortlich machen muß. tvar dcyEinfLUß, dcn Lydia auf den Professor und Vor allem aus den jungen Zediiy ausüben soli, schlechterdings nicht zu bkgxciien. Von disiem Likixigriff abgeiebxn, gab es aber sehr Tüchtiges. Den Charakter des Weitsremdcn Schm-

, manns zeichnete Herr Nolan mit fcinrn, wcicben Linien, und in wirk- | same_m Gegensaß zu ihm stand der zicibewußw Landrat 568 Hm" Otto. : Zu ubertrieben erschienen dagegen Herr »ermmm als Affeffor und

?“ «*"MFMH-x . «;;-«;D * („7