1894
Feldmarschall Herrn Grafen von Wrangel Excellenz vor, womch das Hauptquartier am 12. in Attrup-Gard war, am„13. wahrschein- lich in Friedrichshavcn (ehemals Fladstrand) sem wurhc. "
Ueber die topographische Beschaffenheit dtests Thetles von Zut- land bemerkt die -N. Pr. Ztg.-: _, „ .
»Die Entfernung von Kolding an der Sudgrenzc" Jutlands. [ns nach Aalborg beträgt auf der großen Straße ungefahr 27 Mthcn. Gegenüber von Aalborg am nördlichen Ufer des Lhmsxord ltht der kleine Marktflecken Snndby und von dort geht_hic große jütischc Längcnftraße genau nordwärts bis zu dem Jsrcken Hjörrirrg (etwa 6“? Meilen von Aalborg), biegt dort scharf un rechtcn Wm- kcl nach Osten Um und führt noch 5 Meilen weiter nach dem durch eine kleine Citadelle (Fladstrand) oder durch neuerdings aufgeworfene Schanzen befestigten kleinen Hafenplahc Frederikshavn 'am Kattegat. Dort, so wie südlich davon in Saby (gegenüber der Insel Lcffoe) find auch die Hauptplähe für _C'in- und_AnIschiffung der Truppen u. s. w. gewesen. Daß die Straße in so 1chnurgcraden Linien läuft und bei Hjörring fich nicht weiter nach Norden fort- seht, hat seinen Grund in der Beschaffenheit des Larxdcs, Sand und Sumpf haben fich in dasselbe gethcilt, aber so, daß weder dem einen, noch dem andern durch Kultur viel ahzugcwinncn ist. Schon südlich von Aalborg beginnt das Land diesen Charakter anzunehmen. Dort fmdct fich z. B. in der Nähe der Secküftc ein ausgedehntes Sumpf- gebiet, Lille - Vild- Mose genannt, 'Das dcn Namen des »klcincrr-c UW." trägt im Gegensatz zu dem Storr- Bild - Most, welches fich Westlich „von der Straße nach Hjörring zwischen der Ry-Aa und der Lindholms-Aa ausbreitet. Nördlich von Hjörring wercht die West- küste, an welcher hier der Jlrtgsand so überwiegt, daß er uicht blos Acckcrn, sondern auch ganzen Ortschaften gefährlich wird, immer mehr zurück, bis das Land endlich in die mit dem Skagcxrshoru (Lcuchtthurn1)endcnde Spihe ausläuft. Der Ort Skagen (mit etwa 1100 Einwohnern) liegt in einer meilenweitcn Sandfiächc an der Ostküste; Gammel-Skagcn (»Mit-Skagen) cm der Westküste hat größtcnthcils Verlassen wcrden müffcn, weil der Jlngsaud die hölzer- nen, mit Stroh gedeckten Häuser verschüttete, und die Bewohner sind nach der Ostküste Übergcfiedclt.a
Uebrigens dauern die Beunruhigungcn drs Strandes an ein- zclncn Stellen fort, und wird der »Kölnischcn Zeitung- aus Ha- dersleben vom 12. Juli telcgraphirr: »Fortwährend rckognos- zich dänische Kriegsschiffe im kleinen Belt; dänische Dampfschiffe kommen dem Strande bis auf 4-500 Schritte nahe. Seit einigen Tagen steht man nur wcnig Militair an den dänischen Strand- batterieen und sonstigen Befestigungswerkcn arbeiten. Man hört von dort auch oft (Hewehrfcuer, was allerlei Gerüchte hervorrnft.a
Vom Kriegsschauplayc zur See liegen folgende Mitthei- lungen vor:
Königsberg, 13. JUli. Seit Sonnahrnd Nachmittag ist kein dänisches Blokadcschiff vor Pillan gesehen worden. Diese Mit- theilung dcr »Ostprcuß, Ztg.“ wird auch von der »Osts. Ztg.« gc- hracht, mit dem Zusah - vohgleich stets klares Wetter und dcr Schkreis unhchindcrt ware. Ebenso wird cms Danzig vom 12. der »Osts. Ztg.- gemeldet, daß an dämischcn Kriegsschiffen im Laufe des Tages nichts in Sicht war. Dagegen wird vom »Dampfhoota berichtet:
Neufahrwasser, 13. JUK. Gestern Abend kamen von Westen mn Hela herum drci feindliche Dampfer und gingen bei starkem Nord-Oftwinde in die Bucht hinein mrd ca. 3 Meilen vom Hafen entfernt vor Anker. Heute Morgen 7 Uhr ging ein Dampfer ost- nordostwärts ab. Die Luft war noch zu trübe und der Wind zu stürmisch, mn Näheres feststellen zn können.
Endlich wird von Swinemünde, 13.31111i Mittags, dcr -Ofts.-Ztg.et tclegraphirt: Dampf von fünf Dänen in Sicht. Der heute früh zurückgekommcnc Aviso »Grillc- hinausgcgangcn.
osen,„1Z.Juli. Gestern wurde eine größere Anzahl von Polen, Welche als des Zuzugs zu den Aufständischen verdächtig , cr- griffen und ftir Monaten auf dem Fort Winiary dctinirt worden waren, nach Gnesen abgeschickt, um von dem dortigen Kreisgericht abgeurthcilt zu werden. (Pos. Ztg.)
BreSlau, 13. Juli. Gestern Abend verschied das Erbl. Mit- glied des Herrenhauses, der freie Standeshcrr und Erb-Obcr- Land-Mundschenk von Schlcficn, Karl Lazarus Graf Henckel von Donnersmarck.
Düsseldorf, 13. Juli. König Ludwig 1. von Bayern, der Großvater dcs regierenden Königs, ist gestern Abend von Cöln hier eingetroffen. Er besuchte heute Morgen die hiesigen Kunstausstellun- gen und fuhr um Mittag nach Aachen Weiter. - Der von dem Herrn Regierungsrath [)1'. von Mülmann angeregte Plan, in der städtischen Tonhalle zu Diisseldorf eine Provinzial-Gewcrbcausstcllung für Rheinland und Westfalen zu veranstalten, welche mit dem 1sien Mai 1865 eröffnet werden soll, findet bei den Industrieller: Rhein- lands vielen Anklang. Das Vorhaben ist ein durchaus zwcckmäßigcs, um einmal _ein Bild der Gewerbcthätigkeit unserer westlichen Pro- vinzen zu erlangen, welche mit der Industrie Frankreichs und Eng-
lands wcttcifcrn und, trotz der prekären politischen Lage , eine große Rührigkcit entwickeln. (Elb. Ztg.)
Cöln, 13. Juli. Unsere Stadt hatte die Ehre, schreibt die »Köl11.Ztg.a, den Besuch eines um die Dombausache hochverdicmen Königlichen Herrn zu empfangen. König Ludwig [. von Bayern traf vorgestern Nachmittag mit einem zu Thal kommenden Cöln- Düsseldorfer Dampfboote in größtem Inkognito hiersclbst ein und machte aleald nach seiner Ankunft dem Herrn Kardinal und Erz- bischof von Geissel einen Besuch. Dcr erlauchtc Herr besuchte am nämlichen Tage und gestern Vormittag wiederholt den Dom, hc- sichtigte denselben mit großer Theilnahme und sprach seine Freude ührr den seit seiner ersten Anwesenheit so gcdcihlich fortgeschrittcncn Bau und Über den 111ächtigen Eindruck der nunmehr im Innern vollendeten Kirche in den lcbhastcstcn Worten aus, und äußerte zu- gleich seinen Beifall Über das Projekt, die Vollendung der hcidcn Hartptthürmc durch eine Prämicn-Kollrkte zu bcschlcunigen. König Ludwig begab fich gestern Nachmittag von hier wciter rheinahwärts, znnächst- wie wir hören, nach Düsseldorf und Neuß.
Bonn, 12. Juli, Prochvr Hälschncr hat einen RUf an dir Univcrfität zu Tübingen erhalten. Die Prinzen Wilhclm Und Julias zu SchlÉwig-Holstcin-Sonderhurg-Glücksburg, Brüder dcs regierenden Königs von Dänemark, trafen gestern hier ein.
(Elbers. Ztg.)
Haxrrxovcr, 12. Juli. Die Erste Kammer schtc her::c dic Berathrmg dcs Hypothcko-Gcschcs fort mw crlcdigtc etwa 40 Paragraphen, die sie meist nach den ertsschrrß-Anträgcrr und den Beschlüffcn des anderen Hanses annahm. In 'der Zweiten Kam- mer machte heute bei der dritten Berathrmg der Vorlage Über das Train-Corps Gcncral-Major Schomer von Ncncm Den Vrrsuch, dic Vrrsammlnng zur Bcwilkigrmg von (55,000 Thlr. für eine Kaserne für das Train-Corps zn bewegen, aber sein Bemühen hlich 9th Erfolg, das Haus beharrte bei der einstweiligen Verweigerung dicser Arrsgahc. Es fand darm cine vertrauliche Sitzung statt, in wchher dem Vernehmen nach Über den chirrrmgsantrag anf wcitcrc Bc- willigungrn für den Hafen von Gccstcmündc wrrhandelr wnrde.
(H. Börs. H.)
Schleswig. Flensburg, 12. Jnli, Damit denjenigen Gcmcindcn, dercn Gottesdienst in dänischer Sprache administrirc wird, Sicherheit gegeben werde, daß ihre Prediger der dänischen Sprache vonommcn mächtig find, vcrordxrcn die Civilkommiffarc durch Erlaß vom 2. JUli:
»In Zukunft soll Niemand zn eincm Pfarrmnt an einer schleswigsckxcn Gemeinde, dercn (Hortchicnß in dänischer Sprache administrirr Mrd, hcför- dert werdcn, welchcr nicht entweder bereits als Prediger an einer Gemeinde angestellt war, oder sich im Bcsiß eines von Wer dazu autorisirxcn Bc- börde aqucftcUtcn chgnisscs ühcr seine genügende Fertigkeit in dcr dänjschrn Sprache befindet, odcr cndléch ein solches JrUg- Uiß von drr hier vcrordnckrn Prüfungshchördc empfangen hat. Diese Prüfrmgs - Behörde besteht aus dem Probsten und zweien VON demselben znzuzirhcndcn Prodigcrn dcr Prohßci, zu welrhrr das vakante Pfarrarnr gehört, Und tritt anf dcn Antrag cines Bewerbers um dieses Amt zusammen. Der gedachte Bewerber hat vor dieser Prüfungshchördc cine Predigt und eine Catcchisaiion in dänischer Sprache zu halten und empfängt von derselben ein Zeugnis; Über seine Fertigkeit in der dänischen Sprache, welches von sämmtlichen Mitgliedern zu unterzrichmm ist. Den Predigcrn, Welche nicht an demselben Orte, an welchem die Prüfnng statr- findet, wohncn, werden von dem zu Prüfenden die ausgewandtcn Kosten für die Reise u. s. w. vcrgütct.«
Diese Bestimmung tritt Michaelis d. J. in Kraft.
Auf Antrag vom Magistrat Und Deputirtcn-Koljegium der Stadt Apcnradc wird ferner durch die Civil-Konmriffarc unter dem 2. Juli die Kirchcnsprachc dahin geordnet, das; wie vor 1850 vom Hauptprcdigcr dcr Hauptgotfcsdicnst in deutscher, vom Diakonus dic Nachmittags- resp. Frühpredigt in dänischer Sprache gehalten Werde. “
Durch Verfügung der Civil-Kommiffarc vom 2. JUli ist endlich untcr Anfhcbung der früheren cntgegcnstehcndcu Bestimmungen yon 1852 für die Kandidaten dcr Theologie aus den Herzogthümcrn Schleswig und Holstein cin gcmcinschaftliches Ownchamcn an- geordnet. Das Examinations-Kolchium besteht aus den Mitgliedern des Zholstcinschcn Examinations-Kollegii und dem Gencral-Supcr- intendentcn für Schleswig.
- Dem preußischen Polizei-Hauptmann Langer find die Functionen cines Commandcurs und dem früheren österreichischen Oberst-Lieutenant Cumme und dem biSherigcnRegistrator im Bureau der „obersten Civilbchörde Und Lieutenant a. D. Zjveigert dic Functionen von Distriktsoffizicren in dem in der Organisation bc- griffenen Polizeicorps übertragen worden.
Hadersleben, 12. Juli. Die 'Nordslesvigsk Tidendca mel- det: Einem Befehle der hiefigen Kommandantur zufolge müssen bis Donnerskag Mittag alle Schilder mit dänischer Schrift von den Häusern der Stadt entfernt sein. Zugleich find a[lc in dänischer Sprache rcdigirtcu Blätter, ausgenommen die 'Nordslesvigsk Ti* denden, verboten, und bezieht fick) dies Verbot wahrscheinlich auf das ganze Herzogthum Schleswig. (Wolff's T. B.)
1895
Sachsen. Dresden, 13. Juli. In der heutigen Sißung der Ersten Kammer ergriff vor Uebergang zur Tagesordnung der Staatsminister Freiherr Don Friesen das Wort und theiltc der Kammer, dem »Dr. Journ.- zufolge, mit:
Am 10. d. M. seien die Regierungen von Hannover und Oldenburg dem am 28. v. M. zwischen Preußen, Sachsen, Kurhcffen, Thüringen, Baden, Braunschweig und Jravksnrt a. M. abgeschlossenen Zollvereine ebenfaljs beigetreten, so daß nunmehr alle dem Zollvereinc jeht angehörenden Staaten im Norden Derrtschlands wieder vcreinigt wären. Die Wichtigkeit dicses Er:- folch werde die Kannncr crmcffcn, Abgesehen davon sei aber der Zutritt dieser beiden Staaten in einer höchst günstigen Weise Für die Ührigcn Staaten geschehen. Dieselben hätten anf das ihnen bisher zugestandcne Präcipuum theilweise ganz verzich- tet, und so weit für die Zuknnft eiUc Begünstigung dicser Staaten bei dcr Vertheilung der Einkünfte noch forthestrhcn solle, so sei für dieselbe eine andere Form gewählt worden, wodurch src für die andern Staaten weniger drückend als zcither erscheine. Die hierdurch entstehenden Ersparniffc würden auch für die sächs- schr Staatskasse erheblich sein. Von besonderer Wichtigkeit für Sachsen sci aber auch noch der Umstand, das; diese beiden Staa- ten die. Verpflichtung eingegangen wären, ihre Branntweinsteuer vom 1. Januar 1866 an auf den prcußisch-sächfischcn Saß zu er- höhen, wodurch gcrcchtcn Klagen dcs wichtigen Jndustriczweich dcr Branntwcinbrcnncrci und numerrtlich der Prcßhcfcnfahrication in Sachsen Ahhülfc geschafft werde.
Hirrauf wnrde in dcr Etatöhcrathung fortgcfahrcn.
Cohrtrg, 12. Juli. Durch das hcatige chicrungshlatt wirh das Gesch Über die Gewähr der Vichmängel Verkündet. Unter dem Iich werden in diesem Gesch nur Pferde, Rindvieh, Schafe und Schweine begriffen.
Hessen. Darmstadt, 12. Juli. In einer Sihung, die mir ciner cinsti'mdigen Pause von heute früh 9 Uhr bis heute Abend halb 8 Uhr dauerte, beschloß die Zweite Kammer auf die von dem Grmcindcrathe der Stadt Mainz wegen Niederlassung der Je- suiten in der Pfarrkirche St. Christoph daselbst eingereichte Bc- schwrrdc, nach dem Antrag dcs Aussthuffcs bci namcntlicher Ah- stimmnng mit 38 gegen 6 Stimmen, »Großhcrzoglichc Regierung zu crsnchcn, die i Mainz bestehende Aggregation odcr Association von Jrsuitrn aufzulösen, die Räumung der Pfarrgchäudc von St. Christoph durch die genannte Affociation anzuordnen Und den- scshcrr Dic AUSÜhung kirchlicher erctioncu, soweit solche der Aggre- gation selbst übertragen sind, zu Untersuch.“ Dic Minorität bestand anßcr Tem Abg. Scih, der in einer andrrthalhsti'mdigcn Rede am Vormii'ragnnd einer fast gleich langen am Nachmittag dcn Ausschrrß- amtraa), hckämpstc, uns den Ahgg. von (Hi'mdrrodc, von Löw, von Rirdcscl, vm“. Schenk (zu Nieder-Oflrich) Und r-on Wambolf. (F- P 8)
Baöen. K*arlsruhe, 9. Juli. Die Erste Kammer gr- nrhmigtr in ihrer heurigen 24. Sihrmg dic 111itOcstcrrcich und Prcnszen abgeschlossene Etahpcn-Corwcntion, ferner die noch ri'tckstän- digen Budgets der Icrkchrsanstalrrxr, drs nmlanfcndcn VctrichsfondÉ, das Eiscnhahnhanhndgrt, dic Fordcrung für die Erhöhmrg der Er- sahmannschaft, das Gesch i'tbrr die an die früheren Reichsnnmittel- hach zn zahlenden Entschädigungen, endlich das Jinanzgcsry, sämmt- lich ohne D-isknsfion Und nach den Beschlüssen der Zweitrrr Kammer, fcrncr wurden einige Petitionshcrichtc erledigt.
VZüriktcmbrrg. Stuttgart, 12. Juli. In der Um- gebung dcs Ständchauscs war es hcntc, berichtet dcr »St.-Anz. f. Württ.“, ron frühem Morgen an schr lebhaft. Um 9 Uhr bezog vor dcmsclhcn die hicfigc berittene Stadtgarde (Stadtrciter) mit ihrer alten ehrwürdigen Fahnc die Wache. Um 10 Uhr rückte ein Theil der hicfigen Garnison aus, um vom Königl. Residenzschloss bis zum ständischen Gebäude Spalier zu bilden. Um halb 12 Uhr Verlies; Der König das Rcfidenzschloß mit großem Gefolge zu Pferde und wnrde von der hinter den Spaliercn aufgcftclltcn Menschen- menge mik lehhaftcm, lange fortdaUcrndcn Hochrufcn empfangen, das fich Schritt vor Schritt, wie der Königliche an fich bewegte, fortsehtc. Am Ständehaus angekommen, wurde der König von den Ministern, dcm Geheimcnrathc und der aus 25 Mitgliedern dcr Ständeversmnmlung bestehenden Deputation empfangen und begab sch hierauf in den Sißungssaal der Kammer der Abgeordneten, wo dir Mitglieder beider Kammern versammelt waren. Der König hielt, vor dem Königlichen Throne sichcnd, mit sehr vernehmlicher Stimme, welche bei der Erinnerung an dcn verewigtcn viclgelicbten Königlichen Vater einen bewegten Ausdruck annahm, folgende An- sprache:
Edle und geehrte Herren! Liebe Getreue!
Nachdem die göttliche Vorsehung Mich zu der Regierung dieses Lan- des berufen, war es Mein Erstes, unter der feierlichen Zusage unverbrüch- licher Jesthaltung der Verfassung Mich an Mein Volk zu wenden, und ihm die Zuverficht auszusprechen, dasselbe werde Mir mit Vertrauen und Liebe entgegen kommen, damit das feste, auf Recht und Treue gegründete Band, das Fürst und Volk Württembergs stets einigte, auch zwischen Mir und ihm fest und aufrichtig fortlebe. -- In gleicher Weise ist es
Mir, nun. Bcdßrfniß, Mich an die Stände des Landes zu wenden an thnrn m dicqer feierlichen Stunde dieselbe Zuversicht auszusprechen. - xzrcrznd11ch entbietc Jch Jhnen Mein en ersten Gruß, begleitet von dem aufr1cht1gcn Wunsche eintgen Zusammengehens von Regierung und Stän- dcp, da nur durch Eintracht zwischen ihnen des Landes wahres Wohl gc- detht. -,- Ich habe Sie, geehrte Herren, in einer ernsten, vielbervegtcn Zeit um chh versammelt. Viele Fragen von hoher Bedeutung fordern uns zu ebcnw umfichtigcr, als entschiedener Thätigkeit auf.
_Große Beruhigung gewährt hierbei, das; zwischen den beiden deut1che11 „Großmächten , deren tapfere Truppen für den gleichen szrck, fur_ Deutschlands Ehre und Recht, ihr Blut vergossen, eine Emrgung erzielt worden ist, welche zu, der Hoffnung berechtigk, es werde die ganz Deutjrhland bewegende Frage der schleswig-holsteinsckyen Herzogthümer m ryrcr dc111M1mtionalcn Sinn und dem natinnalrn Recht entsprechenden T_Lctxc ihre Lo1ur_1g-findrn. _- Möchte es gestattet sein, hieran die weitere H„offxrung zu knupsen, daß aus däcscr Einigung auch für alle anderen Ver- haltmffe Deutschlands Ergchniffe hervorgehen, welche zu Befriedigung gc- rechter mw hrwnnrner Erwartungen der deutschen Nation in politischer, wie tn'hanhclspolrtt'srher Beziehung führen! -- Meine Regierung würde, seien Sie hcncn gewrß, hicrzumit aller derjenigenBcreitwilligkeit mitwirken, welche die LWÖL zum deutschen Gesannntvaterlandc vorzeichnet.
Im Innern nimmt Sie, geehrte Herren, zunächst eine umfangreiche Arhch _m Anspruch, Der Staatshaushalt soll für weitere 3 Jahre geregelt uzrdAchrgcstcUt werden. StaatSbcdürfniffe der verschiedensten Art sollen Be- ruck11cht1gungfindcm irrsbcsonderc erwarten die Eisenbahnen und die Anforde- rrmgcn des öffentlichen Dienstes Jhre einfichtsvolle Mitwirkung. - (Zu mcht geringer Befriedigung würde es Mir gercichen, durch glückliche Ér- lcdigung diescr bedeutungsvollen Aufgaben sogleich beim Beginn Meiner Regierung bewiesen zu schen, daß die wahren Bcdürfniffe des Landes erkannt werden, und jedes berechtigte geistige und matcricklc Interesse den ihm gc- bithrcndcn Schutz findet. Weitere Gcschrntwürfc find in der Vorbereitung begriffen, um Jlrncn vorgelegt zu werden, sobald die Erledigung der von Zhncn bereit:“; begonnenen Arbeiten und der mit dem Budget verbundenen Gegenstände dies mit Zweckmäßigkeit zu thun gestattet. Ich beschränke Mick) f(ér jcgt darauf, hier die Bau-Ordnung, die Wege-Ordnung, das Gesetz über Regelung der Waiderechte und eine neue auf Dnrchführung des öffentlich- 111ündlichrn Verfahrens gegründete Strafprozeßordnung hervorzuheben und beizufügen, daß der Entwurf einer allgemeinen deutschen Civilprozeßordnung in Hannover in erster Lesung vollendet ift.
Laffen Sie uns, geehrte Herren, einträchtig Alles, was znm Wohl des Landes gcrcichcn kann, hcrathcn. -- Möge der Geist des (Hründers der Verfassung, Meines nun in Goji ruhenden vielgcliehten Herrn Vaters Majestät, unter dessen Walken dem Lande in einer Zeit von nahezu 48 Jahren so vielfache Segnungen zugingcn, dec (Heist dcr Mäßigung und Ordnung über Ihrer Thätigkeit weilen, nnd möge cs Mir vergönnt sein, während Meiner Regierung zu dem Wohle unseres theurcn Vaterlcmdcs so beizutragen, wic Meine Wünsche und Bestrebungcn hierauf gerichtet sind. Unterstüxxcn Sic Mich mit Rath und That, Ich werde Ihnen immer mit Offenheit entgegen kommen, beseelt ron dcr vollsten Liebe für Mein Volk und in stetem Ausblirk zu Dem, ohne dessen Segen nichts gclingt.«
„Hierauf hielt drr Präsidch der Kammer dcr Standcsherrcn, der Graf von Iicäxhcrg-Rothcnlhven eine kurze ErwiderungSrcdc, die mit
-
cinem Hoch auf ch König schloß, Dcr dann den Saal verließ.
-- Ja der dararrf startfindrndcn Ständc- Versammlung übergab der Abgeordnete Nickel "dcn dringlichen Antrag, die Kam- mer wolle auf die von dem Könige gchachne Thronrcde cine Ant- wortÖ-Adrcffc erlassen und zum Zwecke der Vorhcrcirung dieser Adresse eine Kommisfion von IV'Titglicdcrn wählen. Dieser Antrag wurde ciuftimmig angenommen.
Bci dcm ständischen Aussthuffc sind 2 Gesch =Entwürfc einge- kommcn, wovon der eine die Fcststhung der Civillistc für die Regierung des Königs betrifft. Hiernach soll die Civilliste betragen: 777,800 Fl. an Geld, an Naturalien jährlich 4500 Ccntncr Dinkel, 1250 Ccntner Roggen, 768 Ccntncr (Hrrstc, 11,200 Centner Haber, 1400 Klaffer Buchenholz und 800 Klaffer Tannenholz. Dieses Gesetz soll mit dem 26. Juni d. J. in Wirksamkeit treten. Nach dem anderen Gcschentwurfc soll die provisorische Forterhebung der Steuern his zam 31. Dezember d. J. genehmigt werden.
Oesterrrick). zKirn, 13.Juli. Die heutige -Wicner Ztg.« meldet: Se. Majestät der Kaiser haben mit Allcrhöchstem Kabinets- schreiber: vom 9. Juli [. 3. den Kaiserlich Königlichen General- major Leopold Grafen von Gondrccourt - unter gleichzeitiger taxfrcier Vcrlcihung dcr Kaiserlich Königlichen Geheimen Rathswürde - zum Obersthosmcistrr bci Sr. „Kaiserlichen Hoheit dem durch- lartchtigstcn Erzherzoge Kronprinzen Rudolf Allergnädigft zu ernennen gcruht. Ebenso ist dcm Leiter des Miüisieriums für Handel und Volkswirthsckwft Joseph Freiherrn vonKalchberg die Würde eines Gcheimcn Rathes *mit Nachsteht der Taxen- verliehen.
Die 'Wirner Ahendposta sagt über den mit der Leitung der weiteren Erziehung des Kronprinzen Erzherzog Rudolf beauftragten und zu dcffcn Oberst-Hofmeiftcr ernannten Grafen Gondrecourt. Derselbe stammt aus einem lothringischen altadcligen (Heschlechte, zu dessen Traditionen es seit Jahrhunderten gehört, seine Dienste dem erlauchten Hause Lothringen zu widmen. Graf Gondrecourt trat im Jahre 1838 als Kadct in die K. K. Armee und schwang fich, bei der Infanterie, den Jägern und in verschiedenen Anstellungen der Adjutantur im Frie- den und im Kriege mit Auszeichnung dienend, stufenweise bis zum General empor. Er focht in den Feldzügen 1848 in Italien, 1849 in Siebenbürgen, 1859 in Italien und 1864 in Schleswig und that
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