1864 / 169 p. 3 (Königlich Preußischer Staats-Anzeiger) scan diff

1906 »

Pati, wozu sämmtliche Mitglieder beider Ständekamniern geladen waren und seh nahezu vollständig einfanden. Der König brachte einen Toast auf die versammelten *Stände, Württemberg und das gesammte deutsche Vaterland- aus. Der Präfident der ersten Kam- mer, Graf von Rechberg, erwiderte denselben durch einen Toast auf das Wohl des Königs , worauf der Präfident der ziveiten Kammer, Herr Weber, einen Toast auf die Königin ausbrachte, Welche gleich- falls an der Tafel Theil nahm. Beide Toaste wurden mit drei- fachem begeistertem Hochrufen aufgenommen. Nach becndigter Tafel ließen sich das Monarchenpaar viele von den aansenden Abgeord-

neten vorstellen.

Auf der Tagesordnung der Sigung der Kammer der Ab- geordneten stand der Bericht der Finanz - Kommission iiber den Geseß-Entwarf, betreffend die Forterhebung der Steuern. Der Ent- wurf lautet:

»3) Karl von Gottes Gnaden, König von Württemberg. Da der Ter- min, für welchen nach §. 114 der Verfassungs-Urkunde die für die Finanz- periode 1861-64 verwilligten Steuern auf Rechnung der neuen Verwilli- gung fortzuerheben find, mit dem 31. Oktober d. J. abläuft, die Verabschie- dung des neuen Finanzgescßes bis dahin aber nicht zu Stande kommen wird, so verordnen und verfügen wir, nach Anhörung unseres geheimen Raths und unter Zustimmung unserer getreuen Stände, daß der Zeitraum der provisorischen Steuercrhebung bis zum 31. Dezember 1864 verlängert sein sou. Unser Finanzministerium ist mit der Vollziehung dicses Geschs bcauftragi.«

Nach einer längeren Debatte wurde der Gesetzentwurf bei na- mentlicher Abstimmung mit allen 85 Stimmen gegen die eine von Hopf angenommen. Dann wurde auch bei der folgenden Berathung und Abstimmung über die Civilliste des Königs der ganze hier- auf bezügliche Gesechtrvurf mit 85 Stimmen gegen die einzig: von Hopf angenommen. (Nack) d. Staats-Anz.)

Schweiz. BLU], 17. Juli. In der vereinigten Bundes- versammlung wurde der neue Bundesrath, ChaUct- Vencl, bc- eidigt. PräsidentJäger ermahnte ihn, unparteiisch über dem Kampf der Eiscnbahn-Jntereffcu zu stehen. - Gestern haben beide Räthe ihre Sißung geschloffen.

Auf der Konferenz der Kantone wegen eines Konkordats gegen das Lotteriewesen gaben Uri, Schwyz und Wallis die bestimmte Erklärung ab, daß fie nach Ablauf der Konzessionen keine Lotterie- und Spielhäuser mehr gestatten wcrden. - Der fck)iveizerische211pen= klub hat sein höchst interessantes erstes Jahrbuch veröffentlicht. Mit- glieder desselben haben so eben den Schneesiock und andere jungfrän- liche Gipfel zum ersten Mal bestiegen.

Belgien. Brüssel, 19. Juli. König Leopold ist unter dem Inkognito eines Grafen der Ardennen nach Vichy abgereist, begleitet von einem Adjutanten und einem Arzte. Der Graf don Flandern, der fich in Paris befindet, wird den König nach Vichy begleiten.

Großbritannien und Jkkand. Ldiidon, 1-8: Juli. Die »Timesu bringt heute einen Leader iibcr die große Tagesfragc, in dem fie fick) folgendermaßen äußert: »Die Aussicht auf einen baldigen Friedensschxuß zwischcn Deutschland und Dänemark muß Jedermann willkommen sein. Ohne die von den deutschen Mächten beäbsichtigicn Bedingungen crraihen zu wollen, glauben wirdoch die schwachen Umrisse des, was zu erwm'tcn ist, zeichnen zu können. Der Vertrag von 1852 ist für immer dahin, und mit ihm die Integrität Dänemarks, oder richtiger die Integrität der dänischen Monarchie, wie sie durch diesen Traktat anerkannt worden war. »Scin oder nicht seines, ist jeßt für Dänemark die Frage, und es muß fich zeigen, ob seine nationale Existenz nicht auch ohne jene Provinzcnzcn, die Sidher als Wesent- liche Bedingung derselben angesehen worden find, verlängert werden könne. Ein Kranker sträubt sich lange gegen den (Ziedankcn, cin Glied zu verlieren und behauptet, ohne dasselbe [ohne es sich nicht zu leben,“ und doch entschließt er sich in der Regel für die Amputation, Wenn er zwischen dieser und dem Tode wählen muß. In Bischof Monrad's leyier Depesche wird die »Confiscationa Schleswigs als gleichbedeutend mit der »Vernichtung« Dänemarks behandelt. Wir, die wir die aggressiven Pläne Deutschlands gegen dicse Provinz so oft geiadelt, können deren Trennung von Dänemark nimmermehr als etwas Unbedeutendes gelten lassen, doch könnte auch ohne fie ein unabhängiges Dänemark immerhin bestehen. Ein solcher Staat könnte ohne den Beistand seiner Alliirien sich nicht gegen Deutschland behaupten, aber das hat, wie die Erfahrung lehrt , Dänemark auch bisher nicht vermocht, Der Unterschied bestünde höchstens in dem Grade der Widerstandskraft, und der etwaige Vortheil oder Nachtheil, daß der Sund unter der Gewalt einer schwächen Macht stehe, würde praktisch derselbe bleiben. Eine andere Lösung, welche seit dem Abbruch der Kon- xerenzen die Diplomatie stark beschäftigt, ist das Aufgehen Dänemarks im deutschen Bunde. Es ist zu früh an der Zeit, die Wahrscheinlichkeit und die möglichen Folgen einer derartigen Lösung zu erörtern, welche mit den ZWegken „einer gewissen Partei in Deutschland im Einklang stünde. Genuß ist nur, daß ein so großer Zuwachs für das norddeutsche Staatensystem, ja selbst die “Konstituirung eines Schleswig- Holsteins unter „preußischem Schuße, dazu beitragen würde, die Spaltung der Interessen zu vergrößern, durch welche, zufolge der Ansicht Vielcr, Deutschland schließlich in, 2 große Staaten zerschlagen werden muß Wenn dies das Ergebnis; des Dänischen Krieges wäre, oder ,wenn die Eroberer über die Beute mit ein-

ander in Zwist Yratben und die Hoffnungen? auf eine Einigung Deutsch- lands durch die » nsprüche _von Oldenburg und Augustenbur vereitelt wer. den sollten, dann ließe fich in der Entwickelung der Erei nisß eine Art von vergeltender Gerechtigkeit erblicken. Und Was uns betri t, hätten wir in einem solchen Falle einen Grund mehr uns Glück zu wünschen, daß wir uns nicht in einen Krieg hineinziehen ließen, der, mit der dänischen Frage ?Zginnend, uns in zehnfach schwierigere deutsche Fragen hätte verwickeln onnen «

- Folgendes ist der Wortlaut einer Depesche Earl Ruffell's an den britischen Gesandten in Kopenhagen, Sir A. Paget, welche eine Antwort auf die bekannte, vom 28. alt. datirte Depesche Bischof Mourads an Herrn v. BiUe enthält:

„Auswärtiges Amt, 6. Juli 1864. Sir, der dänische Gesandte in London hat mir eine Depesche, welche er von Bischof Monrad empfinq, eingehändigt, und hiermit sende ich Ihnen eine Abschrift derselben. Jhrér Majestät Regierung sympathisirt mit dem Könige und dem Volke von Dänexnark 'm den schwcren Leiden, dic fie erfahren mußten. Ihrer Majestät Reg-erung anerkennt die Gerechtigkeit vieler von der dänischen Regierung jenen Mächten gemachten Vorwürfe, welche, nachdem sie den Lon- doner Traktat von 1852 mituntcrzeichnet, von den Stipulationen desselben abwichen und unter dem Deckmantel einer Bundesexccution in Holstein und einer vorübergehenden Beselzung Schleswigs, die Lluiorität des Königs von Dänemark in diesen beiden Herzogthümcrn thatsächlicl) gestürzt haben. -- Doch ist es fiir, Däncmark dringend nothwendig, daß die dänische Regie- rung die gegenwärtige Lage klar ins Auge fasse. Als die dänischen Be- voUmächtigten im Laufe der Konferenz den Bevollmächtigten Ihrer Ma- jestät erklärten, das; die von den deutschen Mächten vorgeschlagenen Grenz- linien fiir Dänemark unannehmdar seien, da hatte Ihrer Majestät Regie- rung sich zu der Frage verpflichtet gefühlt, wie denn die dänische Regierung verinittelst eines Krieges günstigere Bedingungen zu erlangen hoffen könne. Dem e1111prechcnd ift cht keine Rede weiter von dem Bcfiße Düppcls und Alsenß. deren Verbleiben bei Dänemark der preußische Bevollmächtigte, untersiißt durch den BeooUmäcyti'gtcn Oesterreichs, ihren Regierungen hatten cmpfedlcn wollen, für den Fall, das; Dänemark einc nördlich von Flensburg zu ziehende Grenzlinie ohne Verzug annehmen wiirde. Jede Hoffnung auf eine Erneuerung des vom Grafen Bernsiorff ausgegangcnen Vorschlagcs ist durch den Kriegswiedcraus- brach _ binnen „wenigen Tagen vernichtet worden. “- Die letzte Hälfte der, von Bixchof Monrad abgefaßten Depesche spricht die Hoffnung aus, daß die Mächxc, welche sich während ÖA" Verhandlungen so lebhaft für Dänemark intere1sirt hatten, es im Kriege nichk im Stiche lassen werden. Nun ist es allerdings wahr, daß die ncutralenMächtc, beseelt von dem ernsten Wunsche, die Unabhängigkeit Dänemarks zu wahren und von der Bewunderung für den HeldcnmiithigcnWiderstand cines tapferen Volkes in einem so ungleichen Kampfe, czufs cifrigste bemüht gewesen waren, der dänischen Regierung so gute Frtcdcnddcdingungcn zu erwirken, als vcrmögc des offenbaren Ueber- gcwichts der Waffen Oesterreichs und Preußens und der in Deutschland herchlxendcn Linsichi_c11 zu crziclcn waren. Doch crlanbe ich mir, die dänische Regtcrting aufmerktam zu 1:2achen, daß Ihrer Majestät Regierung gemein- sam mri den iibrigen neutralen Mächten fick) zwar enthielt, die dänische Re- gierung zur Annahme von Bedingungen zu drängen, welche diese unverein- bar mit der Ehre und Sicherheit Dänemarks craclytetc, abcr deLhalb keine Vcrpfiichinng zu irgend einer Zeit eingegangen war oder jetzt eingehen könnte,dic dänische Sache mit Waffengewalt zn unterstützen, oder Dcutsch- land dre in der Konferenz vorgescdlagencn Bedingungen aufzuerlegen, Sie werden die Güte haben, diese Depesche dcm Minister der außwärtigcn An- gelegenheiten vorzulcscn und ihm Abschrift derselben zu übergeben. Ich bin 11. s. w. Russell.a " Außer diescr Dcpcsciic veröffentlicht die Regierung noch einige altere, vom Earl of Malmcsbnry an Sir A. Mallet, Mr. Eklioi,

Mr. Grey und den Obristen Stodges aus dem “Jahre 185.75. Der

edle Lord [)aitc dercn Vcröffcntlickiung zu seincerechtfertigimg gc- fordcrt, dock) haben sie heute fürs große Publikum kein EKnier- essc mehr. & Dic Kanalfiotte läuft heute von Spithcad anf eine Kreuzfahrt nach Westen hin aus,“ fie wird wahrscheinlich in Torbay, in Bristol 1111?) anderen anf der Fahrt im vorigen Sommer nicht besuchten „Yaseii anufen, und dann nach dcrNordküstchlnnds abgehen. Wie fte bis ]th in Spithcad vor Anker lag, bestand die Kaixalflotte aus dem hölzernen Schraubenlinicnschiff »Edgar«, 71, den eisernen Schrau- bcnfrcgattcn »Warriora 40, »Black Prince:: 40, »Defcnce« 16, und dem hölzerncn Schraubcnkanonenboot »TrincnlOa. . -,10. Juli. »Wolff's Tclcgr. BüreaUu meldet: In der heu- tigen SlYL'Mg dcs Unterhauscs fragte Wyld, ob es wahr sei, das; preußische Truppen am 13. d. M. auf einen norwegischen Post- dampfer, Welcher Passagiere, darunter auch Engländer, in Jütland landen ontc, gefeuert haben. Der Unterstaatssecretair Layard erwiederte, daß die Preußen den Postdampfer irrthümlich fiir ein 11111 Truppen bcseßtcs dänisches Schiff gehalten haben.

Frankreick). Paris, 18. Juli. Der Kaiserliche Gerichts- hof hat vdrgeftern das Erkenntniß des Civil-Tribunals bestätigt, wo- nac'l') der Klage des Herzogs von Aumale gegen den Polizei- Prasckten Wegeii Beschlagnahme der Druckbogen einer noch gar nicht m die Oeffentitchkeit gebrachten »(Hcschichtc des Hauses Condé“ nicht ohne Genehimgung dcs Staatsrathes gerichtliche Folge gegeben Wer- den durfe, Dufaure, der den „Herzog von Aumale vertrat, hat be- reits das Cassationsgesuch angemeldet.

. Prinzessin Clotilde befindet fick) den Umständen nach wohl. Prmszapoleon kam gestern früh von Cherbourg schleunigst hier an. Die Kaiserin begab fich gestern auch zu der Wöchnerin. Jm Civil-

standSakt , den Minister Barsche gestern aufnahm, erhielt der junge

,Prinz die Namen Louis Napoleon.

zessm Mathilde sein,

n - ZMF an beiden" Prinzen soll die Taufe im November d. J. voll-

zogen werden.

spätestens bis zum

„;;-'LH «W nach Vicht) unternehmen WLU,

1977

Die Taufe lsoll spTÉerqsthtt"

' die at en werden der König von Portuga und ie rm- nden, P h Auch der erste, am 18. Juli 1862 geborene 0Lerome, ist noch nicht ge-

o'»

Prinz Napoleon Victor

mtli c Miniicr md laut »Jrance-, angewiesen worden, Säm ck 1,5. Hepéembcr ihre resp. B'udgets, deni Staatsrath einzureichen, damit dem geseßgebenden Körper glc1ch bel Eröffnung der nächften Session das Geiammtbudget vorgelegt wer- den könne.

- 'e ei“c wel c der Köm der Belgier zunachst NTM hät dt R 1 , ck mit der Liésung der dänischen An- gelegenheit in Verbindung gebracht. Jedoch iuit Unrechtxyschrcibt man der »Köln. Ztg.“ König Leopold geht im anißer-cmc iind auf Wunsch seines Schwiegersdhnes, de;? Kjaqcrd“ Maxxim- lian, nack) Vichy, dessen ziemlich yxr1v1chelte Verhaltmffc eiii weiteres Uebereinkdmmcn mit dem franzdiischen Gouvernement dringend er-

heischen sollen.

Der hier weilendc Gesandte des Bey von Tunis," Herr von

Lesseps, Bruder des Erbai'tcrs des S'ueez-Kanalé, hai W Rechiiuug seiner Regierung nach crthcilter Bcidtkliguiig dcs franzopjchcn (Hou- vernemcnts mit französischen Kapitalisten enz Anle-hen 1111 Betrage von 10 Millionen abgeschloffen. 'ZU gleicher Zc'tt mcichxe er ver- schiedene Einkäufe an Waffen, Schreßbcdarß„5.7(01111111ngss'tuckc'ci Und Lagerdcdürfniffen, welche für die Armce bc1nmth1md, die der Bey in diesem Momente zusmnmcnzieht, utmtmm sclbxt dcr Insurrcction ' c ent“c1*a't krä ti» entgcgcnzu re en. . . m dcÉZiIF Zs [;ck/€th ist IerIMarsckMll Mac Mahon Wirklich zum Gcneral-(Hduverneur von Algcrteiidcstimiiit, Dersc1dc bc- fehligt gegenwärtig im Lager von Chaldns, Seine Gemghlm b? findet fick) ebenfakls im Lager. Sie bewohtix den “Pawonane-l Kaiserin und der Kaiser hat ihr dre Erlaudiiiß erthUlt, auch 1011 während seines Aufenthaltes im Lager zu rcjtdrixeri. ,

/ - 19 Juli. Dcr »Constiiutwnncla sagt: megeJournalchaden glauben laffcn, daß der Titel eines Hexzogs voanontsmordency, „"ZA- ck)cr dcm Fürsten von Talleyrand-Pc'rtxzdrdx, bewtkligt ist, m Aitdßcht einer Verbindung desselben mit derßprmzesftn Yuna Murat vcxlrchcm sti. Von dieser Heiratl) ist aber 11N1emals die Rede gewesen.

Herr Drouyn de L'huys hat W nach Vichy begeben.

Italien. Turin, 10. Juli. Wolff's Tel. Biircau mcldei: »Naci) eincm hier eingegangenen *T'clegrannn ans Ischia 111» (Fax:- baldi heute Morgen, von seinem Sohne imd 111chrer711 Jrcumcn begleitet,- auf dem Postdampfcr nach Caprcra zuruckgerctst.«

(Juli, wird der. » Jndép.

&

Türkei. Aus Bukarest, 17. . ! ' belqesc telegraphirt, es sei unrichtig, daß, die (H"csandtcn-§wiifercnz m Koiiftantinopcl den Söhnen dcr ehemaligeii Jurstdn dad 011161 zygez sprochen habe, Mitglieder des Senats zu s'cm. Die Mtiglrcderdreses Staatskörpcrs würden zur Hälfte vom Ftixsten aus den Mitgliedern der (Hencralräthe ernannt, zur anderen Halfte 00111'VOlk? direkt ge.- wählt werden; der fiir die Wählbarkeit JUL“.„DIMMlktc11ka1111116k"an 200 Dukaten festgescßtc Census sei nur prdvqortjch und die "(TOP Kammer werde darüber zu beschließen hach, dh der Census demm- tiv beizubehalten oder ganz abzuschaffen set. Dcr »R'omanula greift die Abänderungen, welche das Staatsgrundgeseß erlttten [)at,

heftig an. Rußland und Polen.

Warschau, 17. Juli., Der Mangel an erbcitskräftcn zm" beworftchench Ernte hat, i_vu' dcr »Schlcs. Ztg.“ geschrieben wird, einzelne Gutsbcfißcr_ veranlaßt, sich an die Militair-Kommandanten ihrer Distrikte nut der 251116 zu wenden, den gemeinen Soldaten die Dienstleistung bei den [and-

wirtbschastlichen Aibeitcn zn gestatten. In Folge dessen ist 911113. d. cin dankenswerther Tagesbefehl an die Truppen nn_Kömgrctch er- gangen, durch welchen erlaubt wird, daß Soldaten in klcuien Ab- theilnngen zu jenen Arbeiten verwendet werdcn, sofern die?; 11ach dem Urthcil der Lokalbcfchlshaber in Anbetrachi „dex „gegenwartigen Verhältnisse und ohne Behinderung der nnlttmxxWen 11091111= geil möglich ist. Auch ist Befehl gegeben„ dre von KMU- tair befehlen Scheuern, welche zur Unterbxmgung des Ge- treides nöthig sein werden ,' den respektiven Gutsbefißcrn wieder zum Gebrauch einzuräumen. Yebcrhaupt sucht. Graf Berg durch mögliche Rücksichtcn gegen die „Gutsbefißer die von diesen erlittenen Schläge einigermaßen zu [MÖLL'11 und „hat „sich dadurch schon vielfache Anerkennung erriingen. . Dic Nachmcht emed auSländischen Blattes, daß ein auf die neultche »Aninesnea vei- trauender Emigrant in W[oclawek von den Russen, gehcingt wordczi. sei, ist unrichtig. Bisher find diejenigen, welche Btltjchrtfien “,n die Gesandtschaften eingereicht und von Warschau ans dt'eErlanbiuß zur Rückkehr in die Heimath erhalten haben, ste1s von hier,),iachxcni fie den Eid der Treue erneuert hatten, nach ihrem Domizil en'tlaffcn Uiid dann nicht weiter bchelligt worden. Rusfischerseits Wird er- zählt , es seien sogar Fälle vorgekommen, daß Russen im Ausland

unter sch Geld esammclt haben, um arm„e-n Polen , die yon der Amnestie GcbraFch machen wollten, die Ruckkehr nach der Heimat!) zu ermöglichen. ,

Von der polnischenGrenze schreibt man der -O|see-Ztg.-_- unter dem 18. Juli: »Die Verluste, welche „die ehemals, polnischen Landestheile an Menschcn und Geld durch die' Jtzsumctton erlitten haben, lassen fich jekt mit annäherndcr Genamgkett angeben. Nach den von rusfischcn und polnischen Blättern zum Theil atis amtlichen Quellen gegebenen Notizen wurden während de"s 1bmonatltchen Kampfes ca. 30,000 Jusurgenten in Gefechten getodtet _dder schwer verwundet, Z61Pcr10nen wegen unmittelbarer 'Bethxtltgung am Aufstandc oder Förderung desselben kriegsrechtltch hingerichtet und 85,000 weniger kompromittirte politische Gefangene nach dem Innern Rußlands oder nach Sibirien theils zur Inter- nirung oder dauernden Anfiedlmig, theils zu schwerer Stra]- arbcit deportirt. Außerdem wurden 945 Personen! metft Beamte und Landlcute, wegen ihrer Anhänglichkeit an die nzsfi- sche Regierung oder wegen der Dienste, die fie derselben geleistet hatten, Seitens der Revolutionspartei durch Meuchelmörder oder Hängegcndarmen ermordet. An außerordentlichen Contri- butioncn und anderen Strafgcldern wurden von dei: russischen Regierung erhoben: im Königreich Polen 6, in din, litthamschoen Gouvernements 8,- in Volhynien, Poddlicn und KLM) 6“? Mill. SRO. (Hüter sind unter Sequcfter gestellt oder bereits konfiszirt: im Königreich Polen ca. 700, in den litthauischen Gouvernements, so wie in Volhynikn, Podolien Und Kiew über 2000. An Nationalstcuer wurden von der Nationalregierung erhobxn: im Königreich Polen 6, in Litthauen Z, in Volhyuieu, Podoltcn und Kiew 2, in Galizien 237, im Posensckxn und in Westpreußeti 1 Million Silbcr-Rubcl. Die Gesammtsumme der aiif zwei allgemeiiie National - Anleihen gezeichneten Beträge wxrd- auf ca. 2 Millionen SRO. angegeben, Am reichlichftcn stoffen die ge-

. 114111311211 beiden Geldqnellen fiir den Aufstand in der Zeit v-om

APM bis Oktober V. I., später, seitdem der_Terrorisrims nachließ, flossen sie immer spärlicher und vcrfiegten Anzangs April d. J. ganz. Wie groß die Geldopfcr waren, welche von einzelnen Gutsbefiycrn für den Aufstand vcrlamgt wurden, kann -man daraus adpehme'n, daß ein mir bekannter, nur mäßig wohlhabéndcr (HutSbeUYJr in der Provinz Posen, im Laufe des Jahres 1863 zu de ver- schiedenen Malen je 5000 Poln. GUldcn (833 Thlr. 20 Sgr.) zah- len mußte. Von notorisch reichen GuthesiYern wurdcn Steuerraten im Betrage von 20-30,000 poln. Gulden eingetrieben, „Manchen Gutsbcfißern, welche die ihnen auferlegten Steuerratcn mcht zahlen wollten, wurden in dcr Bliithezeit des Terrorismus ihre Bcfißungen von der National - Regierung mik chucster belegt. "Die Zahl der nach Niederschlagnng des Aufstandes ins Auöland gefluchteten Polin beträgt mindestens 10,000 und etwa 6000 befinde,:i fich gegenwär- tig noch in ].lntersuchnngshaft. Inch dauern die Verhaftungen, wenn auch in geringerem Umfange, noch nnmcr fort.

Dänemark. Kopenhagen, 18. Juli. Während, der Adres; = Debatte im Jdlkkthing sprach Minister Bluhmc fick), emem Telegr. dcr »Hb. Börs. Haüea zufolge, dahin aus:_ Er hoch sehr bald, möglich noch heute, Nachricht über den Abschluß einer vierzehn- tägigen Waffenrnhc zu erhalten, worauf1wffentlxch Friedxjis-Unter- handlungen folgen wiirden. Er rathc deshalb von der Eingabe der Adre“c ab.

1*1****§lr)vcpdsic11cc bespricht die Auflösung der konzentrirt gewesenen sch1vcdisch-norwegischen Truppcn-Abtheilungen und Flotten und glaizbt es keinem Zufall zuschreiben zu können, daß diese Maßregcl wenige Tage nach dem Eintritt des dänischen Mnnstertuins beschlossen wor- den; man könne vielmehr viekleicht daraus ableiten, daß man es fernerhin überflüssig gehalten habe, die angenommene Protektoxrolle gegeniiber Dänemark weiter fort zu spielen, naLhdem ]th Manner im déinisckicnRatbe seien, die fick) so leichtkcmenjxxllufimien hmgeden. *ledepoftcn-c sagt, daß Gruud anzunehmen set, daß dte schwchche Regierung bis in die (eßte Zeit versucht habe,. diese Jilufionen zu unterhalten. Iedeßmal, wcnn Däneniark em Ungluck bxtroffen habe, wie z. B. die Einnahme der Duppelstellung und die Em- nahme von Alscn, sollen von Schweden Yufnmnterizngen zum Aushalten und Verficherungen , daß Hiilfe nicht aquletben 'wexde, eingelaufen sein, und uock) am 4. Jiili s011 voii einem Mttthede der norwegischen Regierung ein Schreiben m Kopenhagen einge- gangcn sein, dahin gehend, daß Schweden und Norwegen 1th „bereit seien, aus ihrer Pasfivität herauszutreten. »Jldvepoßei1« W111 jedoch nicht glauben, daß die Abficht dabei gewesen sei, Danemark t_n fort- gescßicm Kampf fich so weit verblnten zu lassen, und so weit her- untcr zu bringen, daß das dänische Vonlk nni dem Rest seines Landes freiwillig seine Rettung in den uber den Sm'id ihm exit- gcgcngcßrccktcn Armen habe suchen sollen , demi das ware doch eme zu 111acchiavcllisiische Politik, um es nicht schlimmer zu benennen,

ewe en. * g sAußer der bereits mitgetheilten in Kopenhagen in leayf be- findlichen Gcsammtstaatö-Adreffe wird eine zweite auch 111 Jütland

verbreitet, in der es unter Anderem heißt: