1864 / 239 p. 3 (Königlich Preußischer Staats-Anzeiger) scan diff

2763

-- 8. Oktober. Wie bereits telegraphisch_ gemeldet, publizirt heute der »Moniteur- eine Reihe von dipldmatischm Eryennurigen. Der neue“ Gesandte fiir Washington ist nicht Graf Chateaubriand, Fondern Marquis de Cbateaurenar-d, der btöher in Kasiel war, wo

d ni tBonn ) bisheriger Gesandtschafts-Secre- ibn Graf de BM y ( chDer füxÖlthen ernannte Herr de Gobineau

tair erster Klasse, erscht. war bisher in Teheran. * _ . , _

Der preußische KOiisular-Agent JonathawWagan m Honflcur, »der General- Konsui von Lippe-Schaumburg m Paris, Eugen Thi- rion, und der Bremische Konsul in Nantes, Marius Bardot, haben

das C e uatur er alten. . §Px';riqnz Hnmhbert ist gestern Abend nach kurzem Aufenthalte in

Marseille nach Antibes gefahren, wo er. sich an Bord der ihn er- wartenden Fregatte be ab und _in Sre ging.

Das in Agen ers einende »Journal du Lot ci Garonne» vom "7. Oktober trägt einen Trauerraiid, denn es hat zu" melden , daß Jaques Jasmin , in Agen 1798 geboren,. der berub'mtefte neiiere Patoisdichter Frankreichs, gestorben ist. Seni erstes großeres Gedicbt im Patois seiner Vaterstadt erschien 1825, die erste Sammlung sri- ner kleineren Gedichte unter dem Titel „135 9391110105“ _1835- 19“ dann 1836 sein bestes Werk „]MPUZW (“16 SWW] CMYK“ (VM Longsellow ins Englische iiberseht), 1842 eine zweite Sammlung und 1847 die Ballade »die beiden Zwillingsbrüder“. In ganz Frasnk- reich bekannt, von Louis Philippe 1846 zum Ritter der Ehrenlegion ernannt und 1851 von der französischen Akademie gekrönt, war Jasinin im Süden, namentlich in Languedoc und (Huicmie so popu- lär wie kein anderer Dichter. .

Aus Algier, 5. Oktober, kommt die Nachricht, “daß"die' Ko- _ lonnc Lacroix am 30. September und 2. Oktober die Aufnandischcn “von Bu-Saada und im Kreise Aumale geschlagen hat. Der Oheim des Bu-Hancza hatte am 30. Scptcmber mit 1500 Mann den Ge- neral Jolivct angegriffen, war- aber mit beträchtlichem Verlust zu- rückgeschlagen Wordeii. Dic Jrairxdien hatten dabex 86 Todir. Am 2. Oktober hatte General Deligny seine Operationen be-

onnen.

g Es gehen der »Patric- Privatnachrichtcn aus Saigun vom 1. September zu. Der bekannte Häuptling der Jnsurrcction von Go-coiig, Quan-Dinb, der den Norden dcr Provinz Mytbo durch- ftreiftc, ist von einer mobilen Kolonne von Anamiten, die von einem französischen Offizier befehligt wurde, geschlagen worden. Er ist mit mehreren seiner Offiziere nach einem lebhaftenKampfe gefallen. Man hat bei ihm Papiere gefunden, daß er ein Agent des 530er von Hue war und daß folglich dieser Hof, indem er den Vertrag vom “15. Juli abschloß, heimlich mit den Feinden Frankreichs verbün- det ivar.

Spänieu. Man schreibt der »Correspondenciaa aus Cadiz; unterm 5. Oktober: »Die Post von den canarischen Inseln ist mit Nachrichten von Teneriffa vom 29. September angelangt. Die Blätter der canarischcn Inseln beklagen fich darüber, daß englische Kreuzer spanische Schiffe angehalten haben.« Es wird fich hierbei wohl mnSchiffe handeln, die des Sklavenhandels verdächtig waren.

Der »Epoca- zufolge isi Mon zum Botschafter in Paris und Pacheco zum Botschafter in Rom ernannt worden.

General Prim, der fich auf der Genesung befindet, ist am .5. Oktdber in Madrid eingetroffen.

Italien. Der Miiiiftcr-Präfident und Miiiisrcr des Aus- wärtigen, Generai Lamarmora, hat dem Herrn Albert Blanc, dem 'Privat-Secretair des früheren Ministers des Auswärtigen, die Leitung seines Kabinets iibertragen.

Mehrere “italienische Blätter xnthalten folgende Mittbcilmig: 'Wie man uns versichert, haben der Cavaliere de Luca, erster Inge- nieur der Domanial-Gcbäude“ zu Mailand, und der (Henie-Major Cavaliere Castellazzi, den Befehl erhalten, fich sofort nach Florenz zu begeben, um über die zur Verlegung des Sißes der Regierung nöthigen Lokale zu verfügen.-

Der bereits tclegraphisch erwähnte Bericht des abgetretenen “Ministeriums vom 18. v. M. an den König, welcher dem Kammer- berufungsdefrete zum 5. d. M. beilag,*lautet:

, »In dem Augenblicke, wo wir die Regierung übernahmen, befand fich di"? römische FraJe in einer solchen Lage, daß es wenig wiirdevvli und un- .nuh. gewesen ware, unmittelbar neue Verhandlungen anzuknüpfen. Die Rxgierung erwartete den günstigen Zeitpunkt und becilte fich, ihn zu be- nuhen, als sie die allgemeinen Zustände Europas für günstig betrachtete. Nach den_ Verhandlungen des Parlaments, welche der Regierung als „Führer dienen mußten, durfte die römische Frage nur durch moralische Mittel gelöst werden. Man mußte in Uebereinstimmung mit Frankreich vorgehen, um die, Anwendung des Prinzips dcr Nichtinterveniion zu erhalten. Der Kaiser 'der Franzosen wünschte stets seine Truppen aus Rom zuruckzuziehen, nicht nur, weil dies den Prinzipien des öffentlichen ?Rechts entspricht, welche die Basis des Kaiserreichs und seiner Politik bilden, sondern auch weiiJialiens Wiederersiehen eine der größten Ruhmes- iba-ken seiner Regierung sein wird. Aber der Kaiser gkdubte diese Machi, nachdem er sie- 1.5 Jahre lang durch seine Waffen beschühi, nicht aufgeben zu können, indem er ihr plöhlich seine Stüve entzog". Um die Gefühle der Katholiken zu beruhigen, konnte die italienische Regierung nichts anderes "thun, als versprechen , das päpstliche Territorium nicht anzugreifeir und zu werbindrrn, daß es von irregulairen Banden auf der Grenze deSUKönig-

reiches angegriffen werde. Dieses Versprechen, in loyaler Weise ge- geben und mit Kraft" festgehalten, zerstört weder, noch vermindert es das Recht und die Ansprüche der Nation , aber es bestätigt die Noth- wendigkeit, einzig mit moralischen Kräften zu operiren, um die nationale Jdee triumphiten zu machen. Nichtödesioweniger wird die Regierung, wähiend fie fich vorzüglich mit der römischen Frage beschäftigt, die vene- tianische nicbt oerZessen. Oesterreich, in, Venetien gelagert, kann unter ge- wissen Eventualitaien zu einer Drohung werden, für die man sich vorsehen muß.“ Der Hauptgedanke des Königs war stets, ein Vertheidigungssysiem zu organifiren, welches die Verlegung des Regierungßfißes nach einem besser gelegenen Orte verlangt. Die militairischen Erwägungen haben Florenz wählen lassen. Diese Verlegung, obwohl eine vollkommen innere Thatsache, knüpft sich an den Vertrag an, dcffen Abschluß sie erleichterte, weil fie von Frankreich als ein Unterpfand dafür betrachtet wurde, daß Italien auf den Gebrauch von Gewaltmitieln gegen das Papstthum verzichtet bat.a Schließlich spricht der Bericht von dem hierdurch Turin auf- erlegten Opfer und erinnert dieses an seine friiheren Verdienste. Er drückt dann das Vertrauen ans, daß diese Stadt das Brispiel des Königs nachahmen werde, der sicb ganz und gar Italien geweiht bai. Grieckzenland. Aus Athen wird gemeldet, di.- National- versammlung setze die Beratbung dcr Constitution fort, fie hat die sich auf die Thronfolge und die Regentschaft beziehenden Artikel ver- ändert. Die sich zur orthodoxer: griechischen Kirche bekennenden männlichen Nachkommen des Königs Georg haben allein das Recht, ihm nach der Erftgcburt auf dem Throne zu folgen,“ Frauen gelan- gen nur in Ermangelung männlicher Nachkommen zur Thronfolge. Der Artikel 46 legt dem Könige die Verpflichtung auf, im Fail er

"keinen Erben hat, einen solchen zu bezeichnen, wozu er aber die

Einwilligung der Deputirtcnkammer erlangen mnß. Die Kammer bat den Termin, wo der König seinen Erben bezeichnen muß, nicht fcstgeseßi,

Die Civilii'ste des Königs Georg ist auf 1,125,000 Drachmen festgeseßt. (1 Drachme : 7 Sgr. 2,832 Pf. preuß. Cour.)

Die Kammer hat eine Ucbereinkunft angenommen, welche mit cinrr Gesellschaft für die Errichtung von Tclegraphrnliuicn abge- schlossen worden ist, um die wichtigsten Städte Griechenlands unter sich und mit Asten und Afrika in Verbindung 31! soßen.

Türkei. Aus Bucharest, 5. Okiobrr, wird telegrapbisck) gc- mcldei, daß ein im »Rumänischen Monitrura veröffentlichtes Dekret des Fürsten Kufa im Lande das Dezimalmaß und Gewicht ein- führt und daß die Vertheilung dcr Ländereien an die Bancrn in aller Freundschaft vor sich geht.

Aus der neuesten bis zum 1, d. M. reichenden Levantepost mel- det die »Trirfter Ztg.-: Dcr nene Gonderneur von Jerusalem, Jzzct Pascha, hat den Unfug abgeschafft, daß alle. Reisenden, die den Jordan und das todte Meer besuchten, fich von dem arabischen Scheik jenes Gebietes Sicherheit vor Plünderung imd Belästigung durch eine Art Lösegeld erkaufrn mußten. Die Telegraphenlinic zwischen Konstantinopel und Bagdad isi in bester Ordnung,“ die Ge- biibr- fiir ein Telegramm von 20 Worten bon London nach Cal- cutta wird circa 5 Pf. St. betragen.

. Jiiiiis, 30. September. Die italicnischc, dic franzöfische Und die turkische Flotte verließen, wie der »A. A. Ztg.“ berichtet wird, ain lcßtcnoFrcitag ohne vorherige Anzeige die Rhede. Die mit den hießg'en Lieferanten abgeschlossenen Verträge wurden mittelst Ent- schadtgring annullirt. Es blieben außer zrvei französischen und zwei italtcniichcn Kriengorbeiten keine Schiffe hier. Die englischen Schiffe kreuzeii noch immer in der Nähe, und eines derselben hat vor ein paar Tagen zwei mit Waffen beladene Schiffe, welche fich nach Susa begeben und dort die Waffen an die Znsurgenten verkaufen wollten, eingehalten und aus den afrikanischen Gewässern gewiesen. Wie es ichemt, haben sich diese beiden Schiffe nach Malta begeben, um dort Klage zu fiihren! - „Heut erfahren wir, daß das vor Kurzem nach Sabel angebrochene Lager nächtlicherweile von den Jusurgenten ubcrfallen und vollkommen auseinander getrieben worden sei, und daß 5000 Reiter unter Ali ben Gdahums Kommando fich der Stadt Kairwan nähern.

Nnszlqnd und Polen. St. Petersburg, 7. Oktober. Zufolge Kaiserlichen Befehls kann von jehi ab den Stabs- uiid Ober-Offizieren aller Truppenthcile ein längerer Urlaub (von vier Monateii bis zu einem Jahre), so weit dies ohne Beeinträchti- gung des Dienstes angänglich isi, erihcilt werden.

. NJch den gesammelten Nachrichten find in Ssimbirsk durch die Brande vom 13. bis zum 22. August 2 Kathedralen, 10 Kirchen, das Nonnenkloster zum Erlöser, 1113 Privathäuser, 27 öffentliche Gebäude, 3 Gemeindegebäude, der beständige mafswe und der höl- zexne Jahrmarkis-Bazar, alle Bauten auf dem Bazarplaße , wie die Fisch-i HölzJEschirr-, Droguerie-, Fleisch-, Salz» und Mehlreihen und 30,585 Baumstämme, welche an der Wolga aufgestapelt waren, zerstört worden. Der Verlust wird annähernd auf 10 Mill. Rubel angegeben. Um den Abgebrannten die erste Hiilfe zu gewähren, wurden dem Baron v. Wrangel auf Allerhöchsten Befehl zuerst 10,000, dann noch 20,000 R. zur DisPofition gestellt. Aus dem Verpflegungsxapital kamen unter Allerhöchfter Genehmigung“ noch 70,000 R. hinzu, und das Ministerium des Innern hat aus “dem-

selben Kapital 15,000 R. zur leihweisen Vertheilung bewiiligt.

2769

Der »Was. Invalide- äußektßrh über diese“ Brände dahin:

Leider ifi troß aller Anstrengungen der LokalbeHördcn über die Ursache dieser Brände noch nichts ermittelt. Alle Umstände verleihen. dem aklgemeimn Gerücht, oder vielmehr der allgemeiaxv-Uebexzeugung im Volke, daß diese Brände fast überall, und wie es scheint, nach einem vorher entworfenen Plane an- gelegt seien, große Wahrschemlichkeit. Viele verdächtige Personen wurden während des Brandes in Sfimbirsk und auch später noch ergriffen und verhaftet. Leider ging die Erbittcrung des Volkes in Sfimbirsk so weit, daß einige Menschen dabei ihr chen einbüßien. Während der Wuth des Brandes und des allgemeinen Aufruhrs wurden ein Offizier und ein Hornist erschlagen. Es isi fast augenscheinlich, daß die Brandstifter unter Anderem darauf bedacht gewesen find, den Verdacht und Haß des Volkes auf das Militair, die Beamten und Gutsbcfißer zu lenken. So brachen die Brände mehrmals unmittelbar nach dem Einrücken von Truppen in die Stadt oder das Dorf aus. Troßdem, daß sich das Militair während der Brände in Sfimbirsk das Staats- und Privateigenthum im Laufe mehrerer Tage mit beispielloser S_elvsiaufopferung und Unermüdlicbkeit zu retten bestrebie, war es den Böscwicbtern gelungen, in die durch das allge- meine Unglück erbitterten leichtgläubigen Seelen den Verdacht zu streuen, als seien Soldaten die Brandstifter. - Mittlerweile sind drei Ssotiiien Kosaken nach dem Gouv. Ssimbirsk beordert worden, um daselbst den Pa- trouillendiensi zu thun und die Polizei zu unterstüyen. Zwei andereSsotnien sind zu demselben Zweck nach demGouv. Ssamara geschickt worden. Ueberall werden Dorfwacben eingerichtet, und in leytcr Zeit sind denn auch krineNach- richten von Bränden mehr eingegangen. _

Indessen berichtet die »Nord. Post-: »in der Stadt SfimbirSk haben die Brände aufgehört, aber in den Kreisen drs Gouvernements wiederholen sie fick) fast täglich.a

Einem längeren Artifcl des »Russ. Inv.“, der nachzuweisen sucht, das; bei der Uebersiedelung der kaukasischen Berg- völker die russische Regierung ach gethan habe, um die Auswan- derndeii vor Ucbervortbeilung und sonstigen mit ihrer Ucberficdelung verbundenen Uebelständen nach Möglichkeit zu schüßen, entnehmen wir folgende Angaben iiber den Umfang der AuSwanderung. Bis zum 10. Juli d. J, wanderten nach der Türkei aus: 1) Aus Ta- inan 27,337 Personen (12,716 niit Untersiiihung vom Staate). 2) Aus Anapa 16,452 Pers. 3) Aus Noworossiisk 61,995 Pers. (6705 Pers, mit Unterstiißung). 4) Von Tuapsc 63,449 Pers. 5) Vom Kuban-Postcn und aus der Mündung der Ssoischa 46,754 Personen (21,243 Personen mit Untérftüßung). 6) Vom Kap Adler-und aus der Chossta 20,731 Personen, welche auf persönlichen Befehl Sr.König1iche11 Hoheit dcs Statt- halters alle unterstüyt warden. 7) Von verschiedenen Punkten obne Mitwirkung unsererseits, aber niiier Aufsicht der Kommissionen 21,350 Personen. 8) Vor Beseßung der Küste durch unsere Trup- pen im Laufe des Herbstes und Winters (nach Angabe der Konsuln) gcgen 60,000 Personen. Im Ganzen 318,068 Personen. -- Die Zahl der in den Jahren 1858, 1859 und 15562 und in der ersten Hälfte 120111863 ausgewanderten Bcrgbewobncr betrag 80,000 Personen, *so daß seit Beginn des Krieges 400,000 Individuen ans dem Kuban'gebiet nach der Tiirkei ausgewandert sind, an welche bis zum Juli 136,713 Rubel zur Unterstiißung gegeben worden waren. - »Ucbrigens dauert, bemerkt der »Jiwalide- , die Auswanderung noch immer fort, wenngleich im verringerten Maße. Theils werden Von unseren Patrouillen einzelne in den Schluchten versteckte Familien aufgefunden, theils geben auch viele “von denjenigen fort, welche sich schon auf ihren neuen Wohnfißen angefiedelt hatten. Das Elend, welches die nach der Türkei Ueber- gefiedeltcn erfahren, bleibt unbekannt,“ unseren Worten schenken diese Menschen keinen Glauben, und man hört nicht auf, aus der Türkei Proclamatiomn und Aufrufe an fie zu richten.“

- Der Beweis, daß der Einfluß der Schreckeiisherrschixft in Polen, durch die unzählige Opfer gefaklen, gänzlich vernichtet sci, schreibt man der »Pos. Ztg.a, liegt überall zu Tage und erst vor Wenigen Tagen wieder ereignete es sich, daß zehn Bewaffnete durch Bauern eingefangen und an die Behörde geliefert wurden. Jene hatten fich unter Anführung eines gewissen Majewski in ein kleines, mir aus acht Befihungen bestehendes Dorf bei Bialystok begeben, und dort einen Befehl der National-chierung pui'lizirt, nach wcl- chem Quartier für achtzig Mann Jnsurgentcn bereit gehalten, den Vorzeigern des Befehls aber eine Kriegssteuer von 150 Rubeln so- fort ausgezahlt werden sollte, widrigenfalls diese ermächtigt seien, mit exekutivischem Verfahren vorzugehen und Alles, was fie an Werth irgend vorsänden, mit sich zu nehmen. Der auf einem be- sonderen Stempel ausgestellte Befehl war von einem gewissen Strzelecki unterzeichnet. Die Bauern _ mit ihren Knechten und Söhnen etwa 18 an der Zahl - batten fich um die Bande ge- schaari, um die Vorlesung des Befehls zu hören, griffen aber diese mit einem Male dergesialt an, daß sie gar nicht erst dazu kamen, von den Waffen Gebrauch machen zu können, da sie vollständig umringt wurden. *

Dänemark. Kopenhagen, 6. Oktober. Der Prinz und die Prinzessin von Wales, “sowie der Prinz Hans “von Glücks- bykg (jüngster Bruder des Königs) kehrten am geftigen Nachmittage 47 Uhr aus Schweden nach Helsingör zurück, wo dieselben von Sr. Majestät dem Könige und von dem Kronprinzen empfangen “Wurden und sich nach dem Schlosse Frederiksborg begaben. Die

hohen „Gäste legten an Bord der englischen Dampfjacht. »OSborue-s . die,Reise von Gothenburg'nach'. Helsingör zurück, und zwar in' M- gleiturig des Prinzen Oscar von Schweden, der fich: indeß sofort nach. Helfingör zu seiner Familie begab.*

' Am Sonntage find die ersten Preußen in Frederikshavn eingerückt, nämlich der Intendant und" einige Gemeine. Gefion: wurde “daselbst" das Bataillon erwartet, Welches die Stadt während des Winters zu versorgen haben würdé.

. Auch das Städtchen Varde wird nachträglich mit einem Ba- tarllonoPreußen bclegt werden.

_Dte » Aalborgpost- darf wieder erscheinen. Aufden Antrag des Herausgrbcrs um Aufhebung des Verbots hatGencral-Lieutenant v. Falckensiem erwidert: »In Fos-ge Ihres Gesuches vom 27. v. M. um Aufhebung des Verbots gegen das Erscheinen dervon Ihnen hxrausgegebenen und redigirtcn Zeitung »Aalborgposim- will ich hierdrirch das Verbot zurücknehmen, jedoch nur für so lange Zeit, iris die Zeitung eine anständige, dem gebildeten Manne geziemendc Haltung beobachten wird.“

- 7. Oktober, In der gestrigen “Sihimg dcs Land'sthings legtr der Justizminister den Entwurf eines Strafgeseyes für das Königreich Dänemark vor.

Ker Finanzminister, Konferenzrath David, begleitete grstcrn das x_xttianzgesey fiir das Jahr 1865 - 66 mit folgenden an das RUTHSMIFFOLÜ'WMJ gerichteten Bemerkungen. In Folge des Krie- grs stelle 1161) eine Verkleinerung der Einnahmen heraus. So seien dre Stcmpelcinnahmen zii 500,000 Thlr. veranschkagt, gegen 400,000 Thlr. im gegenwärtigen Jinanzjabre. Andererseits würden verschiedene Einnahmen gieichfalis einen Minderertrag von 100,00!) Thlr. ergeben, die Ausgaben indeß zugleich eine Verkleinerung von circa 717000 Thlr. aufweisen. Das leßtere giinstige Resultat werde hauptsachéich in Folge der durch die niedrigen Getreidepreise verrin- gerten Staatzulagc (Tbcurungszulage) an die Beamten der Verschie- denenRegierungs-Abtbeilungen erzielt und werde die regierungsseitig beabfichtigte Beschränkung des Beamtenpersonals in verschiedenen Verwaltungs-zweigen eiiie fernere. Ersparung zu Stande bringen.

. Amerika. New-York, 24. September. Nach seincmSiege bei Winchester machte sicb Sheridan zur Verfolgung der retiriren- den sudftaatlichen Armee auf, Early zog fich iiber Strasburg zurück und nahm bei Fisher's Hill, 2? Meile südlich von dem leßtgenannten Orte, eine feste Pofiiion ein. Der rechte Flügel stüßte steh auf den Sheiiandoah (North Fork) nach North Mountain bin. Hierhin ent- satxdte Sheridan am 21. seinen Unterbefehlshaber Crock, und wahrend dieser eine erfolgreiche Atiakeausfübrte, nahmen das 6. und 19. Corps die feindlichen Brustwerke in der Fronte. Die ganze Armee Earlys schien dadurch gesprengt zu sein. In die Hände der Sieger fielen 16Kanonen: Ueber den beiderseitigen Verlust an Mann- schaften liegen noch keine näheren Berichte Vor. Am folgenden Tage, annersiag, den 22., rückte Sheridan das Shenandoah-Thal auf- wärts dem Feinde nach, indem er gleichzeitig zwei Divisionen Ka- vailerie in das Thal von Luray dciachirtc, um der flüchtigen Armee den Weg nach Richmond abxuschneiden. - Missouri ist von einer Invasion der Konföderirten bedroht, mit 25,000- Mann hat General Price bereits den Arkansas überschritten, vor Shelby, welcher mit Price kooperirt, hat fich die Miliz Miffouri's bon Charleston nach dem Wbitc-Water-Jluffe zurückgezogen. - General Sherman ist mit der Befestigung At- lanta's beschäftigt, er und Hood haben je 2000 Gefangene aus- getauscht, welche in den Schlachten bei Atlanta imd Jonesborough gemacht worden waren. Wie der, »Richmond Enquirer- mittheilt, hätte Sherman den (Joubernenr Brown von Georgien und denBice- präfidenten der konföderirten Staaten Mr. Stephens zu einer unfor- mellen Friedenskon-ferenz nach Atlanta eingeladen. - Aus New- Orleans vom 15. meldet man, daß mit Ausnahme der in den er- oberten Forts Morgan und Gaines belaffenen Garnisonen, die Landtruppen des Generals Granger von Mobile nach New-Orleans zurückgekehrt find. - Die konfödcrirten Piraten auf dem Eriesee find gefangen genommen worden. - Auf des Präsidenten Wunsch ist der Generalpoftmeister Blair aus dem Washingtoner Kabinette ge- schieden. - Die demokratische Friedmspartei bat fich entschieden, die Kandidatur M'Cleklans zu untersiiißen. - Außer den Angaben iiber die vom General Sherman arrangirte Konferenz, sind noch mannigfache Friedensgeriichte im Umlaufc.

Die Occupation der Stadt Brownsville in Texas durch den mexikanischen General Cortinas (im Interesse der Nordstaaten) wird durch Berichte aus Matamoras vom 9. d. bestätigt.

Das Schreiben, in welchem General Jremont seinen Rück- tritt von der Präsidentscbaftskandidatur ankündigt und seiner Partei die Noihwendigkeit vorführt - troß prinzipieüer Meinungsve-rsck)iedenheiten - fiir Lincoln's Wiederwahl zu

ßimmen, lautet folgendermaßen: _ . _ Boston, 21. September. Meine Herren. Ich iche es als meme Pflicht

an, einen weiteren Schritt in der durch wein Schreiben vom 25. August angedeuteten Richtung zu thun und meinen Namen von der Liste der Kar:- didaten zurückzuziehen. Die Präsidentschaftsfrage hat in der That eine_ solche Wendung genommen, daß die Einigung der republikanischen Partei eme ge-