1907 / 259 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Wed, 30 Oct 1907 18:00:01 GMT) scan diff

3) Mitteilun en der Königlichen Eisenbahndirektionen über die im Personenzugfa rplan eingetretenen wichtigeren Amduuugen zsowie über, die für den Sommer 1908 in Ausficht genommenenAenderunaen des Personenzugfabrplans.

4 Wahl von 2 stellvertretenden Mitgliedern für den Ausschuß des BezirkSeisenbabnrats.

5) Wahl eines steÜvertretenden Mitglieds für den Landes- eisenbabnrat. 3 16) Fabrplanänderungen auf der Strecke Freienwalde a. O._ « er n.

Berlin, den 25. Oktober 1907.

Königliche Eisenbabndirektion, Behrendt.

heuti en Nummer des enehmigungs- der Stadt

weiten Beilage zur „Rei s: und taatSanzcigcrs“ ist eine urkundc, betreffend cine Anleihe G elscnkirchen, veröffontlicht.

n der

"Zlichtamtliches.

Deutsches Reich.

Preußen. Berlin, 30. Oktober.

Ihre Majestät die Kaiserin und Königin haben dcn Yräuloin Elisabeth von Kalckrcutl) unb Marie Brü ner in Potsdam das silberne Frauenverdicnstkreuz am wcißen BMW? Nücrgnädigst zu verleihen geruht.

Die Nr, 10 der „AmtlichenNachrichten des Reichs- versicbcrungSamts“ vom 15. Oktober 1907 enthält im Amtlicbx'n Teil, Abschnitt ck (Unfallversichcrung), ('in Rundschreibe'n des Reich§ocrsicherungsamts, betreffcnd den Girovcrkckzr dcr Bcruf-chnoffanaftsn mit der Reichsbank, vom 24. Ayril 1907, sowie folgende Entscheidungen und Beschlüsse:

„Uc'bcr cinen chtcnminderungsbescheid, den die Berufs: genossensckyaft nac!) Ablauf von fünf “Jahren seit der Rechts- kraft dsr C:“su'n Rentcnfestscßung ohne ein ausdri'xcklickxes Ein- verständnis doc.“; Empfangsbereckßigten erlassen hat, darf das von diesem angcrnfcnk Schicdsge'rikht ohne dessen ausdrückliche BiUiqung sachlich nicht entscheiden.“ (2201152)

Ueber Traqmsits der Rechtskraft. (2202)

Kein Grund zur Wicdcreinseßung in den vorigen Stand, mmm der rcchtz€itig mit Einlegung dcs Rechtswittels beauf- Lragte ?)kccht-Zanwalt dassslde verspätet eingelegt. (2203)

Ueber den (HégenstaUd der Anhörung des bshandelnden Arztes. (2204)

„Betrikbc für Instaüationen von Heizungs- und Lüftungs-

anlagen haben den Eisen: und Stabl-Berufsgenosscnschaften anzugehören.“ (2205) (2 ()(Bfruchnossenschaftliche Zugehörigkeit dsr Sensenschmiede. * 2 „5. Kunsthonigfabriken sind bei der Berufsgenoffknschast der chemischen Industrie versichert. (2207)

Die Abteilung ]? (Invalidenversichcrung) enthält eine Bekanntmachung des NcichsversicherungSamts vom 2. Ok: 100131" 1907 Über die zeitlich unbeschränkte (5391111119 der von der LandesverfichcrungMnstalt HÜUUOVLL' erlassenen und vom Rcichö- vsrsichsrung§am1 gcnehmigten Kontrollvorschriftcn.

Zn dsn sick) anschließenden Revisionöcntscheidungen werden folgende Grundsäße ausgksprochen:

Das Schiedsgcricht darf seine Entscheidnpg nicht im voraus davon abhängig machen, ob ein noch aqutehcndes ärzt: liches (Gutachten sich für oder gegen Erwerbsunfähigkcit aus: fprcchcn werde. (1319)

Der Bezug cinsr 5311337519011 aus dcr“ am 1. Januar 1901 ins Lebkn getretenen - fälzischen PmyionSaUstalt rechtfertigt die Anwendung des § 48 Abs. 1 Ziffsr 2 des Invaliden: vsrsickWrUngsgsseßes, (1320)

Freimiliige Beiträge, die ein Dritter -- nämlich in einem Fal]? der “Sohn, in einsm anderen Falle der OrtSarmen: verband _ für 8111611 Versichertkn ohne deffsn Zustimmung entrichtkt, find rechtswirksam, wenn der Vsrsrchkrte die Ent: richtung nachträglich ausdrücklich oder stillschme'igcnd genehmigt. (1321)

Es folgen Entschcidungcn aus § 155 des Invaliden- vsrstcherungsUcs-Zßes, in denen (mSgc'sprochn wird, daß als ent- richtete Beiträ e im Sinne des Fk; Abs.2 S. 1 des Invaliden: x:;rficherungsgc?eßes an solche Beiträge gelten, aus denen die Anwartschaft erlof en it (1322), Und in denen die Versiche- kUUJSPf-[ichk von rovisionsrcisenden (1323) sywie die Ver- sxcherxxwgspf1ich1 eincs .Hansschlachtkrs (1324) be1al)t wird.

Tarom schliéßkn sick) folgsnde Vkschcide und Vcschlüffc.

Ein innerhalb der Frist dss § 44 Abs. 3 des Invaliden: VLk11chLTUUgsg€sLßkS unter Ukberreichunq der Aufrechnungs- be'chemigunqen und der leßten Quittungskartc des verstorbenen EHemanns (Mm (Hsmsindevorsteher mündlich gestellter Antrag einer Witwe auf (stährung „einer Rente“ ist als rechtzeitig und wirksam gesteüter Antrag auf Beitragßerstatiung anerkannt worden (1325).

Ferner ist auSgesprochen worden, das; der im Invaliden: rentenvcrfaeren auf schiedMerichtliche Anordnung zur ärztlichen Beobachtuvg in einer Krankenanstalt untergebrachte Renten: bewerbcr Anspruch auf angsmesscncn Ersatz der dadurch ent: standenen Erwerbsversäumnis hat und daß diese Kosten ge- richtliche Kostkn der Beweiserbebung sind Und deshalb dem- jeni en Versicherungsträger zur Last faÜen, gegen dessen Bes eid die Berufung eingelegt ist. (1326)

Den Schluß machen Uebsrsichten Über die Rentenzahlungen und BeitragScrftatkun en dsx 31 Versicherungsansta1ten im Monat August 1907 owie uber den Erlös aus Beitrags- marken im Monat September 1907.

Der Bevoumächligte zum Vundxsxat, Königljch sächsische vorsißende Staatswimster und Mmrster der Fmanzen Dr. von Rüger ist in Berlin angekommen.

*) Die neben den einzelnen Entscheidungen siebe'nden ein- geklammerten Zahlen geben die Ziffer an, untkr welcher dtese in den „Amtlichen Nachrichten“ veröffentlicht find.

Der Kaiserli russischeBots „after GralT von der Osten- Sacren ist- nach _ lm '»zunge ehrt and at die Leitung der Botschaft wieder übernommen.

Der Königlich. griechisch? Gesandte Cléon Rangabé ist nach Berlin zurückgekehrt und hat die Leitung der Gesandt- schaft wieder ubernommen.

Laut Meldung des „W.T.B.“ ist S. M. S. „Moltk?" am 26. Oktober von Rio de Janeiro nach Pernambuco m See gegangen. - _

S. M. S. ltis“ ist vorgestern von Nanking ab- gegangen und in T chingkiang (Yangtse) eingetroffen._

Der auSreisende AblösungstransPort für das K r eu 3 er g e f chm ad e r (FähnrichStranSport) ist mit dem Reichs- postdampfer ,Prinzregent Luitpold“ vorgestern Zn Neapel em- getroffen unk) hat an demselben Tage die Rctse nach Port Said fortgeseßt.

Der UUSreisende Ablö ungstransPort für _SM. S. „Sperber“ ist mit dem eichSpostdampfer „LUUL Woer- mann“ vorgestern in Lome (TYG eingetroffen und hat an demselben Tage die Reise nach ictoria (Kamerun) fortgeseßt.

Posen, 29. Oktober. Von maßgebender Seite wird dem „W. T. V.“ mit eteilt, daß der Schulstreik nunmehr auch in der Provinz ofen voUständig erloschen ist und in sämt: lichen Schulen die Antworten im Re[igionSunterricht ohne Widerspruch in deutscher Sprache erfolgen.

Oesterreith-Ungaru.

_ Das 0sterreichtsche Abgeordnetenhaus seßte m semer gestriakn Sißung dre erste Lesung der Auszgletck)s: vorlagen fort.

Nach dem Bericht des „W. T. V.“ betonte der Ministerpräfident Freiherr Von Beck im Laufe der Debatte, daß die Crfexzung dcs Zoll- und Handelsbündniffes durch eine Vertragsform absolut nicht im Widerspruch mit der 1867er Geséßgebung stehe, dir an keiner SteUe die Forderung nach einem ZoU- und Handels- bündnis erhebe, vielmehr nur yon „Von Zeit zu Zeit zu wsreinbarenden Grundsäßen' spreche. Da der gegenwärtige Vertrag aucb _wom Standpunkte des internationalen Vextraas- rechtes einen AnPruch auf Mitqenuß aus Titel .meistbegünstkgte Bk- bandlung“ voÜstandig aussc'hließe, könne gegen die Bezeichmung „Vcr- trag“ auch wegen der in Betracht kommenden materiellen Intsreffen ein begründeter Einwand nicht geltend gemacht werden. Was die Zollangelegenbeiten betreffe, fo gehörten diese nicht zu den gkmcin- samen Angelkg-znbeiten, sondern bildeten nur den Gkaenstand ciner vertraJSMäßigen Dispofition. Der Außgleicb sehe Vor eine ein- heitliche Zollarenze, ein vereintes Zollgebiet und einen ge- meinsamen Vertragszolltarif, im übrigen werde die _bis- heriqe Rechtslage vollständig, festgehalten. Der Mi:.ijter- präfident widerlegte kann eixsyebend _ die Einmendunaen, die gegen die Form der Unterxxtiß ,; der künftigen wirtschaftlichen Ver- träge mit den Auslandsst ute “erhoben Wurden, und betonte, durch Unterzeichnung dieser Vetträqe seitens des Ministers des Aeußern werde der Zusammenschluß beider Staaten bekundet und ane1kannt, daß der Abswluß des Vertrages ein Akt der gemeinsamen chierung sei. Gleichzeitig komme auch das MitwitkunJSrecht der beiden Regierungen bei der Unterfertigung zum Ausdruck. Gegenüber den meloxfach geäußerten Besorgnkffen bezüglich der Rückwirkung des AuGgleichs auf die Armeefrage könne er die beruhigende Verficherung geben, daß der Aqueicb in keinem Zusammenhange mit der Militärfrage stehe und daß zu der Befürchtung, als ob die bewährten Grundlagen der Armee einer Gefährdung oder Erschütterung außgeseßt wären, kcin Anlaß Vorliege. Hinßckptlich der Frage über die Zuzkchung der gescßlickoen Vertreter Kroatikns zu den AußgleickpSVerhandlungen Verwies ker Ministerpräfident darauf, daß in allen Gesetzen nur Vom ungarischen Reichstag, nicht aber Vom kroatischen Landtage gesprochen Werde; die BoSnien und die Herzegowina betreffendén An- gelegenheiten könnten. wie bisher, nur in Form Von Gefesen ge- regelt Werden, die zwischen den beiden Staaten der Monarchie zu ver- einbaren seien. Der Ministerpräfident besprach hierauf eingehend hie Frage der Konverston des ungarischen Blocks. Er wies nach, daß !(?- wobl die bezüglich der insfußbonifikation bei Konvertierung dieses Blocks wie hinsichtlich des ogenannten Domänenanlebens gebrachten Opfer, wern Von solchen überhaupt die Rede sein könne, durchaus billig ge- nannt wcrden müßten, und stellte insbesondere fést, daß es fich bei der Zinsfußbonifikation nicht um fünfzig Oker gar skebenundfünfzisx, sondern rund um vierzi MiUionen Kronen bundle. Es thö auch nicht an, der Quotenerbö una diesen eyentuellen Entgang gegenüberzusteüen. Freiherr von Beck bétonte schließlich, daß von einer erheblichen Beeinträchjigung Oesjerreichs durch die Ver- wendung der «Zweinsamen ZoÜeinnabmen zur Bkstreitung der gemein- samen Auslaxxkn nicht gesprochen werden könne, und empfahl die Prüfun des AUIJleichs, der, wiewohl nicht Vollkommen, doch be- rufen ?ei, für ein Jahrzehnt die wittschaftlichsn Beziehungen der beiden Staaten in echt freundnachbarlickpem Sinne zu ordnen und Produktion und Verkehr auf sichere Grundlagen zu stel1en. In der weiteren Debatte betonte der Abg. Abrahamovicz, dcr Außgleicb enthalte, namentlich vom agrarischen Standpunkte aus betrachtet, encrme Vorteile. Die Polen begrüßten ihn als gerechten Aus leich und on-n in der Ueberxeugung, daß wirtschaftliche (Gemein- sam eit die wickyligste Vorbedingung für die Fortdauer aller gemein- samen Institutionen und für die Machtstrliung des Reichs sei, die Vorlagen gcnau prüfen. Der Abg. Iro trat in entschiedenster Weise für VoUständige wirtschaftliche Trennung ein.

Die Weiterberatung wurde auf heute vertagt,

_ In der gestrigen Sißung des _u„ngarischcn Ab- geordnetenhauscs ergriff der" thsierpräsident Dr. Weferle bki der Verhandlung x_tber dre Jndemnitäts: vorlage das Wort und drückte sem Bedauern darüber aus, daß visle Vertreter der Nationalitäten bemüht seien, Ungarn vor dsr öffct-tlichcq Meinun Europas als Unterdrücker hin- zustellen, während ste selbst dre Rolle, der Märtyrer spielen.

Der Mini'ter erklärte, obiger Quelle zufolgk, im weiteren Verlauf seiner Rede, tas; in Ungarn nicht bloß die persönlichen Rechte der Staatsbürger hochgehalten würden, sondern man den spezifischen Recbfen der Nationaliläten immer mehr Zugeständnisse mache. Aber je größeres Ent egenkommen Ungarn zeige, desto lärmender ertönten die Klagen ü er Betaubuna don Rechten, desto befiiffener werde im Auslande die Meinung Herbreitet, der ungarische Staat könne nur durch künstli e Mtttel und durch GCWSÜ- tätigkeit aufre terbalten werden. enen solche fal'che Bebau tungen Verwabre er si entschieden. Bezüglich des Vorwurfs der agyari- s'aerun?k sagte der Ministekpräfident: Wir wünschen nichts anderes, als a 811 ungarischen Staatsbürgern die Aneignung der ungarischxn Staatssprache zu ermöglichen. Abg. Polit (Serbe) zwischen- rufend: Das ist gerade genug. Ministerpräsident Wekerle: Zeigen Sie mir einen Staat in Europa, der an seine fremd- sprachigen Staatsbürger so geringe Anforderungen stellt. Abg. Bredieanu (Rumäne) wischenrufend: Ueberall achtet man in den Volksschulen die Mutter prache. MinisterpräfiOent Wekerle: Geben

Sie nach Rumänien, um zu erfahren, welche Ansprüche dort der Staat an die Schulen fremdsprachiger Staatsbürger stelLt! Sie werden dann einsehen wie duldsam und wahrhaft liberal Ungarn allen Nationalitäten gegenuber verfährt.

Großbritannien med Irland.

Der König und Hie Königin _von S anien sind „W. T. B.“ zufolge, mrt dem Kronprmzen gektern abend ir; London angekommen.

_ Der Staatssekretär des K_rie es Haldane hat gestkrn in Newcastle eine Rede gehalten, m er er ausführte:

Solange nicht vollständige Eintracht unter den Völkern herrsche dürfe England die nationale Verteidigung nichtvernachläss1gen; djé Haa er Friedenskonferenz habe gezeigt, daß die übrigen Staaten mit den ünfchen Cnßlands nicht einvsrstqnden seien. Der fortgeschrittenE Sozialißmus fire : nach einer Verbeßetuna der herrschenden Zustände es er äben sich aber Schwierigkeiten, sobald er den Versuch mache“ diese 5 estrebungen in die Praxis umzufeßßn.

Frankreich.

Die Deputiertenkammer Hat gestern die Bermung dcs Budqets begonnen. Der sozialistische Ergänzungsantrag um Budget des Ministeriums dcs thnern, der die Abschaffnnq er Stellungen der Unterpräfckten verlangt, wurde, „W.T.V,7“ zufolge, mit 339 gegen 225 Stimmen abgelehnt, die Titel der Budgets des Innern und der Justiz wurden angenommen. Darauf warde die Sißnng geschlossen.

Rußland.

Der finnische Landtag Hat den Antrag des Verfassungs- außschuffes, bctrcffcnd Bewilligung von 20 Millionen Mark aus finnischen Staatömitteln an die russische Staatskasse, „W. T. B.“ znfolge, angenommen. Die Sozialdcimokratcn nahmen an dcr Cndgf'tltigcn Abstimmung nicht tei .

_ Wie aus Wladiwostok gemc'ldct wird, hat in «1an dort garnisonilrcndcn MincurbataiUon cine Revolt? statt: gefunden. Ein 'THcil der kacinkn eines MitwnrbataiUMß, die von Agitatorcn und einer Gruppe Zivilpersonen golcitct wurdrn, nahm gestern in ihren Kasernen die Gcwchrpyrumidsn a11§cinm1dcr und eröffnete ein Feuer gogsn dic Kaskrne, in dcr zwei Kompagnicn dcs zehnten Schiißcnregimcnts standen. Als die' Mf: ständischen gcgen die Kaserne des Schüßcnregiments vorgichn, wurde auf sie mit L))kaschincngctvcl)rcn gefeuert. Die Auf: ständisckxn liefen anEcinaudkr und 11cfcrtcknnachl10r dic Muffen ab. Von dcm MincnrbataiUon wurden zwci Offizicrc nnd zwci Feldtvcbcl vsrxmmdct und ein Wachtsoldat gktötct. “Yon dcr Kompagnis dcs Schsjßcnrcgiments wurdc cin Soldat «9: 16191. Von den AUfsLändischcn wnrden zwciMann gctötcl Und fi'mf vcrwundst, anßkrdcm wnrde“ cin Zivilagitator getöwx.

Türkei.

Wie dic „Agcncc d'Athésncs“ meldet, sind in MUzkdonie-x: von bnlgarischcn Banden neue Bluttatcn verübt xvordcn. Zn dkl' Nacht TW 25. Oktober ermordete eine bnlgarischeBandc, dic fick) in eincr Mühle zwischen Serino und Rachowa im Distrikt Zichini in den Hinterhalt gelegt hatte, sechs griechische Bauern, dercn Leichen verstümmelt tv den. Eine andere bulgarische Bande ermordete in dem im W lajet Monastir gelegenen Walde Nerct zwei griechische Bauern. Acht griechische Soldaten, die sick) auf dem Marscbe von Pclcpe nach Ti fes befanden, féclsn einer starken bulgarischen Bande in die zändc und wurdcn von ihr gcfangcn gcnommen. Dis znr Unterstüßung dcr Mazkdonier cingcscßts Kommission [W 35000 Francs fUr die Opfcr der Zerstörung der Dörfer Rakovon und *)?jcaovan bewilligt.

Norwegen.

Dcr König Haakon hat vorgcstern im Stautsrat IW: schied von dcm bisherigcn Ministcrpräsidentkn Michelscn qs: nommen und 111111, dcm „Morgcnbladct“ zufolge, in WARN? Worten für die unschäßbaren Disnstc, die er in schwieriger ;“;six dcm Vaterlandc geleistet habe, gedankt. Der König sprach ferm: die „Hoffnung aus, daf; Michc'lscn seins Gesundheit Wisch: erlangcn und dann bereit sein mcrdc, in dcn Dienst dLsVatxr- landes zu trcten, wrnn dieses ihn russ.

Dänemark.

Jm Folkctbing erklärte gcstcrn dcr Minister des AcaX-xrk gegsnüber den Ausführungen Dr. Möllers vom 235.111 Übcr den dänisck):dcutschcn Vortrag, betrcffcnd di? 119x1- schlesrvigschcn Optantcnkinder, cr hab? es für ',;[n Rscht und scinc Pflicht angesehen, zu oorsuchsn, die Lage D;: nordsehlrSwigschen Bewohner zu erleichtern.

Dcr Péinisjer legte fsrner, „W. T. B." zufolge, dar. das; T:!!- Vertxage entsprechend bisher 2834 Optantenkinder und auß-rbalb ke; Vertrages 356 Optanten in déi] preußLschen Untertancherband an'- enommen worden seien. enußen, zum Vorteil der Nordschleswiger wirken zu können.

_ck-

Nr. 47 des . entralblatts für das Deutsche Reich“ berauSgegeben im eich9amt des Innern. vom 25. Oktobkr, ba! folgenden Inhalt: 1) Konsulatwejen: Ernennungkn; Exequatwr- erteilungen. _ 2) Finanzwesen: Nachweisung der EinnahmenZés Deutschen Reichs für die Zeit Vom 1. April 1907 bis Ende *Her- tember 1907. _ 3) Maß- und Gewichtswesen: Zulassung neUe: Systeme Von Elektrizitätßzäblern zur Beglaubigung durch die Elek- trischen Pxüfämtzr. _ 4) Versäcberungkwesen: Beaufsichtigung ein;! priVaten Verficberungöunternebmung durch die Landesbehörre. 5) Zoll- und Steuerwesen: Zulaffun eines zollfreien Verxdelansk' Vsrkehrs mit Elsenblech und rohenb aren aus nicht schmtedlxareuZ Eisenguß; deSgl. mit Abfällen Von v-rzinktem Eisen. Rangerbckunx eines Stationskontroüeurs. _ 6) Polizeiwesen: Außweisung von Ww“ ländern aus dem Reicthebiet. _ Beilage. Handels- und GUYS!» wesen: Verzeichnis von Gartenbau- usw. Anlagen, welcbe regelmaulßkk' Untersuchungen unterliegen und als den Anforderungen der ReblaUS- konVention entsprechend erklärt worden find.

Nr. 86 des . entralblatts der Bauwerwaltuna- heraus egeben im Min sterium der öffentlichen Arbeiten, vom 23. d, M; hat so genden Inhalt: Das Klaffenkrankenbaus mit Schwesterpbau- in Stettin und die kaeinkedoppelsckpule in Grabow bei Stettin. Die Stromschnellen des Dnjepr _ Vermischtes: Wettbewerb "„U Aufteilung von Baublöcken am Neuen Botanischen Gar1en in Berlm- _ Bücherschau.

Nr. 46 des ,Cisenbabnverordnungsblatts', beta“:

e eben im Ministerium der öffentli en Arbeiten, vom 23. Oktober„ba“

po genden Inhalt: Erlaß des M nisters der öffentlichen Arbe!!!"- betreffend Freifabrwrdnung. Vom 15. Oktobcr 1907.

Er wolle auch fernerhin jcde Gelegenbe*l

Statistik und Volkswirtschaft.

Beruf der in den preußischen Anstalten " . kranke usw. 1. J. 1905 verpflegten Alkßlßrolékxßes

Ja der Morbiditätsstatistik der Heilanstalten u w. des ren 1 Staats „für das Jahr 1905, die in Band 203sder .HreußisZT: Statistik enthalten ist, finden „sicb im sechsten Abschnitt, der die Morbidität in, den Anstalten fur Geisteskranke usw. behandelt, auch Angaben über die Berufx der in diesen während des Jahres 1905 „expftegten 3007, (2770 mannlichen" und 237 weiblichen) Trunksüchtiaen, die in die fur dre Berufözählung ublichen 25 Gruppen eingeteilt sind. Danach gehörten 217 Personen (darunter 5 weibliche) der Landwirt- schaft, 4 der Forstwirtschaft, 15 dem Bergbau und Hüttenwesen, 25 ([ ry.) der Industrie der Steine und Erden, 147 (1 w.) der Metal]- veratbettung, 44 dem Maschinenbaufach, 17 der chemischen Industrie, 18 ([ zv.) der Tcxtklindustrie, 9, der Papierindustrie, 27 der Leder- indusirte, 98 (1 w.) der Industrie der Holz- und Schnißstoffe. 115 (3 w.) der Industrie der Nahrungs- und Genußmittel, 153 (20 w.) der Bekleidung und Reinigung, 275 (7 w.) dem Baugewerbe, 34 dem polygraphischen Gewerbe an, 3 waren Künstler, 35 (1 w.) Fabrik- arbkiter, 382 (19 w.) gehörten dem Handsngewerbe, 4 dem Vér- fichkrungsgewerbe, 160 (1 w.?) dem Verkehrögewerbe, 125 (11 w.)"dem Gast: und Schankwirthewer e, 684 _(57 w.) den häusliche Diensje Vsrrxcbtenden, 161 (8 w.) dkn Mtlitar-, Hof- und bürgerliche Dienste Verrtcbtenden an, und 255 (darunter 106 w.) Waren obne Beruf oder battk11__keix1x BerusSangabe gemacht. In besonderen Tabeüen find fur dte_ Berungruppen .Verkehrßgejverbe' und .Militär-, 20-5“ und burgerlitbe Dienste“ noch eingehendere Angaben ge- macht. Hiernach entfallen von den 160 cZrarunteky 1 weibl.) Personen des VejkebrSJewerbes 32 auf das Pystfa , 20 auf das Eisanbahnfacb, 83 (1 weibl.) a'ufßFuhrwesen,“ 4 aus Straßenbahnen, 13 aaf Schiff- 73111, 6 auf Ttsnwmannsinstttute und 1 auf Leichenbestaftung. Von dxn 161 (8 wxibl.) Personen des Militär-, Hofdienstes Usw. gehörten 7 (1 108101. Familienangebör.) dcm Offiziersstande, ] dem Unteroffiziers- tande an, 23 waren höhere Bxamte, , 18 Subalternbeamte, 23 (1 weibl.) Untsrbeamte, 4 (1 weibl. Angel).) Geistliche, 20 (3 weibl.)Lébrer1md sttkrix1nen, 2 Kandidaten der Philologie, 1 Erzieher, 10 (1 weibl.) *]lxrzte, 1 Kand'dat dcr Mevizin, 4 Krankenwärter, 3 Priwatgelcbtte, YAL ?eikl.) Mafiker, 6 Schauspieler, 9 Schreiber, 1 Profeffor und * © 11 en en.

Zur Arbeiterbewegung.

Zur Beendignug des Ausstandes der Bkrliner Töpfer b?- r1chte1 die „Voss. "Ztg'.: Cine Versammlung des Zentral- verban'd'es der Topfer bc1chäftigte fich gestern mit dkm Ergebnis dcr (thgungsverbaydlungen. Der Bsrliner Filialleiter teälte mit,_ daß der Frteden nunmehr gesichert sei, nachdem die gestrige Generalvérsammlung dcxs ArbeitgeberscbuZwecbandes für das. Verlinkt Töpfkrgkwerve 1ich mit dkm Ergebnis der EinxgungWerbandlungen einverstanden erklärt habe. Der neue Taxt'vsrtrag britxge zWIr “cen Arbeitmbmsrn in Linigsn Punkten eine k1€111€ Lohnherabjeyunq, diesc würde aber reichlich durch die Erhöhung rss. 8051189 in andkckn PUnktcn ausgeglichsn. Dcn Kampf jetzt noch thxkr fortzasexzén, wäre Uvecklos, da man doch kaum noch etwas erktcben würde, es sei daher_ nur zn empfehlen, daß auch die Töpfsr- ze'ellen dresem Tqrife zustimmtext. Aach dcr Vorfitzende des 32nxr1kvcrbax1ves Wcach fish für die Annahme des 11€uen cartsxs aus. Gegen diesen Vorschlag (prach nur der Vor- sxrzxnds der lokalistischen TöpferVLreinigung, der ausfübrw, kai; dnrchaus kein Erfolg errungen sei, sondern man habe fich W?" eine „Lohnberabseßung um 4 v. H. gefallen lassen müffkn. »kame Ausfuhrungen wurden Von den Vorßenanntrn Rednern widerkegt. xxtntlltche anderen Redper sprachen M) für den Friedenökcbluß aus Und mit großer Mehrhett beschloß die Versammlung demgemäß.

Jm dsr Zigarrenfabrik dss Kommerzienrats Steneberg in Barntruv sind, wie die „Köln. Ztg.“ meldet, gestern die Arbeiter 1:7 Im Ausstand getreten.

In Leipzig steht, der „253. Ztg.“ zufolge, eine Tarifbewegung

ker. Brauergebilfen und Brauersiarbciter beyor. Wie deren :'(,katwnskomtnisfion in Liner Versammlunß berickotcte, läuft der mit '.“?ßYkaUkkkibMZkktt Verkinbarte Tarif am 15. April ab. Die Kom- 1:10an l))t dksbnlb berLits dic Vorarbeiten 311 dem Entryurfe cines :::“)th Tarifwc'rxraßcs bsgonnen. Den Bestxzkrrj wurd“: vorgeworfen, xx: 118 die Bundesgchilfcn vorzögen und di? Atbeitslosen nicht dsr RSlhk nacb, sondern willkürlich wieder einstellten. & 'In Rotterdam begann gestern, wic „W. T. B.“ msldet, cin Cxch1kfslader, dxx nkcbt dem Verbands der Schiffslader angehört, die Eéxreideschiffe „Abbotsford“ nnd ,Usber' mit Hilfe Von 1xr__e*tker1den Dockarbwitern löschen zu laffcn. In Anbetracht WM, und nm die den Schiffe'n dnrch die gegenwärtigen Umstände Ukerlrgten Verzögerungen einzuschränken, gewährleist€tc die Arbeit- ßebervereinigung (LULU Reedkrn, die Sckyiffc zum Löschen in :)Tyttcrdam haben, eine b€0€utend Ermäßégte Prämie.

_Nacb einer vom „W. T. B." übermittslten Meldung der „Mackated Prcfx' aus Omaha bat die Union Pacific-Eisen- Y_abngesellscbaft zwi1chen 4000 Und 8000 Arbeiter ibrer Wcrk- marten- und Bauabteilung entlassen, ihre BetriebSabteilung da- .',éZM Vollzäblig aufrechterhalten.

Kunst und ?.Liffenschaft.

In der leßtsn Sivung des Vereins für Geschichte der Mark Brandenburg hielt Dr. Skalweit cinen Vortrag über kl? Agrarpolitik Friedrichs drs (Großen. Die Betrachtungen kes Vortragenden stüßten fich im Wesentlichen auf Stadelmanns Urkundenpublikation und die reiche landwirtschaftlicbe Literatur des II., „Jabrhunderts. Dr. Skalweit führtc aus, wir die Agrar- wlxtxk Friedrich Wilhelms 1. Vorwiegend eine Domänenpolitik ZéMlkn fei. Saine Msliorationen und ländlichen Kolonisationen, [€an Korneinkäufe, fie alle hatte er mehr oder weniger imIntsreffe *emsr Domänen unternommen. Skiner Domänenpolxtik ent- s1_*r;mgen auch seine Getreides ußzoll- und scineMagazinpolitik: damit drs Preise n1cht unter die ammextaxe sänkcn, lie-H der König die Gkknzen für die Einfuhr sperren und bei einemTie stand der Preise den Domänenpäcbtern daI Korn zum Says der Kammertaxe, ja auch MN zu cinem höheren Preise abkaufen. (Er war eifrig bemüht, das Domanium zu Vergrößern, kaufte Rittergüter und legte aucb wohl auf Baucrnlande neue Vorwerke an, und nicht selten sabkn fich Prim"? ZMD. Stadtkämmereicn infolge (ciner Bcgünstigxmg der Domänenämter m tbren alten Brau- und Mablprivilegien gekränkt.

AÜes das hörte unter Friedrich 11. auf. Er hatte eine andere“, “Uk, Ikoßartigere Staawauftaffung. Er trieb nicht mehr (ine ein- skkklge Domänen-, sondern eine auf alle Landbejvobner fich crjtrcckende AskarVOlitik. Wenn er im Lande Gcttt'lde kaufte, wurden nicht mehr dl? Domä11enpächter bevorzugt, oder man nabm ibncn gar zu einem kWondekrs hohen Preise ibr Getreide a'o, nein, dann Wurde die gesamte oxxkurrenz zugelassen, und nicbt die Kammetta c', sondern der Markt- rrets war für den Kauf maßgebend. 2111er ' lusmacberei, ,so mit Anderer Leute Unglück geschähe“, war Friedrich abbold, und, von West- pkLUß-In ab cseben, wo er den polnirtben Adel aukkaujte, weil er nicht 1'4 wxrtschaJten verstand und für die Landkultur schädlich schien, kaufte kk Ekundfä lich keine Rittergütcr mehr an. Wo er nur konnte, !kurde der rivaigrundbesw efördert und berrschte irgendwo Not- "U'Ld, dann machte er bei ?cinen Getreidesvenden keinen Unterschied MWM Domänenpäcbter und Gutkbefivex: im Gegenteil, dem Mchker ge enüber berief er eh gern auf seine kontraktlicb aus- JWWten Dorpßkchtunnn, rend er dem Adel gegenüber nicht YFU große Ge'nerofit : jvalten ließ- Im Adligen achtete er seinen kaier, der Yächtcr war für ihn nur Ecscbaftsmann. An dem System dxr - omänenvcrwaltuug bat Friedrich nichts Wesentliches geandert. Auch dad *Re'rpacbtnngWerfabrcn mitsseim'r kurzfristigen Yackotdauer wurd." beibehalten, um das: in den späteren Jahren bei :»"k Vergebung der Pacbit'n dmn freien Wcttbcwcrb weiter, als es .Irbxr gefchel)en, die' Tore geöffnet wurdcn.

Friedrich Wilhelm 1. hatte fich bei seinen Koloniationen und Meliorationen von dem finanziellen Gesichtsvunkt leitens lassen, die Domäneneinkünfte zu vermehren, und deshalb Vor allem die Anlage von DomänenVorwerken betrieben, die größere Einkünfte als Bauern- kolonien versprachen. Friedrickps des Großen Streben war da- gegen auf die Vermehrung der PkodUkÜM im ganzen gerichtet; ob das Domanium oder der pxivate Grundbesiß die Kultur Yerbesserten, war ihm zunächst gleichgultig; er wandte auch den Guis- vesißern zur Vornahme von Meliorationen reiche Mittel zu. Aber auch auf den Domänen ging er anders dor als sein Vater. Er hielt auf unkultiviertem und schlechtem Boden den Kleinbesijz für produktiver _ ganz abgesehen von dessen sonstigem Wert für den Staat _, deshalb verwandte er das durch Meliorationxn gewonnene Neuland vorwiegend zu Bauernkolonien; ja, er Parzellterte Domänenvorwerke, wenn fie sich für den Großbetrieb. als unrentabel erwiesen. Und in der Meinung, daß der freie Eigentümer für Urbar- machung und Kultiv1erung des Bodens am besten sor en werde, pflegte d€r König die aufgeteilten DomänenländereJen in („Erbpacht zu geben, ein Verfahren, das sein Vater als eine Veraußerung des Domanialbefi es durchaus abgc'lebnt hatte. Da die großen Domänenbauerböfe zu e ner intensXVen Nutzung gewöhnlich zu aws; waren, wurden sie zerschlagen, und so Entstanden neue Dorf- schaften, die mit den zweiten Söhnen der Besitzer besiedelt Wurden. Es soÜte mit diesen Maßnahmen kein JSkalisches Interesse verbunden sein, sondern nur der Zweck Verfolgt werden, „alles das Land in eine bessere Kultur zu bringen, daß,es nu barer wird“.

Danebkn ging des Königs Bestre en, dem Mißverbältnks zwischen Produktion und Absatz entgegenzuwirken, ein MiFVerhältnis, das bei den damaligen schlechten Verkehrßtht-xln, größer und bedekUUJWOÜLr war, als es heute ist. Erschwerend fiel ins Gewicht, daf; damals die Landwirtschaft fast ausschließlich Gexreidsbau trieb, es ihr also an Mi„tteln fehlte, eine schlechte Getrexdeernte durch andere Produkte zu ergcznzen. Infolge der Gründung Von Ykanusaktlxren und dEr raschen Stadteentxvicklung stieg damals der Wert des Getreides und infolge- dsffen entstand ,die krankhafte Sucht“, immermebr Land dem Getreide: bau nutzbar zu machen. Darunter mußte die Viehzucht leiden, zumal auch thesen und Weiden sicb verschlechterten, und während fick) das Acker- land standig erweiterte, nahm die Düngerprodwktkon mitdem schwächer Werdenden Viebstande ab. Raubbau und Bodenversckpleäyterung waren dre_Folge. Das Dreifeldersystem, das ein Jahrtausend lang den An- sprachen genügt hatte, wurde mit einem Make als rückständig enxpfunden. Friedrich erkannte, daß der Kardinalfeblec an der schlechten Vtehbaltzmg und Düngerwirtscha't läge. Für das an allgemeiner Untersxnabrung leidknde Vieh mußten Futterkräuter angebaut und die Stallfntterung eingkfübrt Werden. Wenn Friedrich die englische Land- wirxschaft einführen wollte, s o verstand er darunterdierultivierung Von Klee, (Hraern und anderen Futtergewächsen; eszrdaS dassklbe, was er aucb „arjiszzielle Wiesen“ nannte, und diese Bézeichnung „Wiesen“ macht deutlrcb, 1in er sich diesen Futterbau dachte: nicht im Wechsel mit den_ Halmxrixcbten, sondern neben den Halmfrüchten, so wie die naturlichen Wiesen immer nur znx Futtsraewinnung genutzt werden. Dem Fruch1wechselsvstem ist Friedrich sehr nahe ge- wesen,__ und wenn es auch Tbaer Vorbehalten blieb, diese wichtige Verbemcrung einzuführen, so hat er ihr doch wirksam vvrgearbcitet.- Der Dmckpfubrnng dieser Reformen standen großs Hindernisse, Vor aÜem dje alte Flnrcinteilung, entgegen. Solange die alte Gem€nge- lage xml „den (Hßmeinbutun en und dem Flurzmange, solange die (Genmnbettkn in dem alten Zustande blieb-sn, war an) eine dauernde Besserung nicht x_u [)offen. An die Zusammsnlkgung der im (Gemenge liegxnden Baqernacker hat der KönF wobl gedacht, (18 aber nicht ernstlich betrtebep. 'Yklt größerem Nacbdru befahl er dazxegen die Separicrung der köl1tgllch€n und priVaten (Gutsbezirke, die Ablösung der Hutungs- servktute und die Gemeinheitsteilung. Die? Teilung der Gemeinweiden wurds Jm dringendsten gefordert, da man ihrer schlccbten Verfassung die erharmliche Ernährung des Viehes schal?) gab. Wiewcit Friedrich diese Bsstrebungen durchgeseßt hat, ist mit Bsstimmtbeit nicht zu sagen. Am besten, wenn auch nicbtüberal], gelang wohl noch di? Außeinander- seßung der Amtévvrwerke und Rittergütcr mit den Gemeinden, wahrendqficb gegen die übrigen Réformen zum Teil unüberwindlicbe Wjderstandc erhoben; erst das 19. Jahrhundert soÜte zur Vollendung brtnge'n, n'as F1iedrich beßoxmen.

„Gleichwohl ist Friedricw Hauptziel, die landwictschaftliche Pro- duktron zu vermehren, gelungen: nicht nur, daß die Prodaktion absolut und rslativ stieg, (mch die Bodenkultur hob sich in_über- rgschexnder Wölfe. Und dazu kamen dann noch zwei Errungenschaftsn, dre fur _das allgemeine Volkswohl die allergrößte Bzdeutung batten: DUkch eme Vermehrte F1eischvwduktion und die Einführung des Kartoffel- bqu'es schuf Friedrich der stölksrung Nahrungsmittel, dem Landwirt Emnabmequellen, die fie aus der bisherigen Abhängigkeit yon dem Getreidebau befreiten. Durch die Kartoffel rvurken die Gefahren einer Hungerßnot geringer, bekam der landwirtschaftlickps Betrisb ein anderes 211161913811 Und mußte die Getreidebandels- und Magazinpolitik eincn Tml tbrer oft als drückénd empfundenen Bedautang cinbüßen. Das waxcn Wandlungen, die Friedrich der Große in ihrer VoUen Wirkung nicht mehr erleben konnte, aber vvrauSabnte und angsbabnt hat.

In der am Sonnabknd, 2. Roycmber d. J., Ykends 7 Uhr, im großxn Saal des Architektßnbauses (Wilbklxnstr. 92) (tatt- finöcnden Allgemeinen SiZnng der Gesc11schaft für Erd- kunde zu Berlin wird Herr Dr. Jean Charcot aus Paris als Gast einen Vortrag mit Lichtbildern halten 1":er das Thema: „[FlFxpeLtthimn „Indurcxdiqméz ['*Nng'aiZS (]S 1003 1905“. In der auf Montag, den 18. Noyermber, Abxnds 7 Uhr, im Hause der Gesell- schaft (Wilhelmstr. 23) anberaumten Fatbfitzung wird der Professor Dr. K. Kassner: „Ueber meteorologische Globen“ fprechen.

Die Gründung eines reiluftmuseums für Ostpreußen ist dieser Tage im Obsrprafidinm zu Königsbsrg erörtert worden. Nach Eröffnung der Sitzung durch den Oberpräüdknten gab. wie die „Königsb. Hart. Ztg.“ '„mitteilt, her Geheime Rat Bezzenberger, der Vorfißendc der Altcrtumßgesekl1chaft „Prusfia', einen kurzen Ueberblick über Wesen, Wert und Aufgabe eines Freiluftmuseums und wiso besonders auf das berubmtefte Beispiel bin: das Von sFrofesor Hazelkus in Stockholm ins Leben gerufene .Skan cn“. Wos]: man dergleichen in Ostpreußen ins Leben rufen, so müsse es bald geschehen. Immer mehr verschwanden von den Aeckern, Scheunen und Dachböden dic alien Geräte, die gleichsam bodenständig sind und zum Charakter der Heiugat gehören. Was man in Königs- berg zunäYst aufbauen könnte, waren zwei litauische Haustypen, ein Haus des ischch und eän Haus des Bauers. Die Kosten für die Anlage wären aus freiwilUgen Beisteuern der Oeffentlichkeit sowie aus Beiträgen der Stadt, der Provinz und des Staates zu be'streitcn. Yrofcffor Dr. Stettiner teilte dazu ergänzend mit, daß auch der Verein zur Hebung des Fremden- yyxkchrg selbständig der Sache angenommen und schon mit ver- schiedenen (Gesellschaften über die Geländefrage verbsndklt habe, und Frofeffor Dr. Pciser stellte unter Vorlegung yon Karten als ganz esonders Jeeignete Gclände dic Freiarabenscblucbt auf_den Hufen sowie einen estimmten Play in Maraunenhof vor. Der Oberburgermeister Körte empfahl dic Freigrabenscblucbt schon wege'n ihrer Angrenzung an den jeyt leerstehenden Völkerpark des Tiergartens. Dieses Gelände wurde aucb vom Stadtverordnetenvorsteber Krobne aufs wärmste bcfücrvortet, der noch e-mpfabl, frühzeitig in der Angelegenheit mit dem Tiergartenverei_n Fublung zu nehmen. Auch der Provinzialkonservator Detblcskn Hegrußte die neue Idee vom _Stand- ounkt dcr Denkmalpßege aufs leboafteste und trqt ebenfalls" fur Be- ?cbleunigun ein, indem er noch anregte, ob es VteUeicbt moglick; sei, eine oder dc andere der dem Untefxxang „geweihten bochin1ereffanfcn hölzernen Dorfkirche" Ostpreußens fur dre geplante Anlage zu er- werben. Die Versammlung :xäbltc zltleßtx xknen Ausschuß, dnrck) den die Vorfragen wegen des Gelandes und der Gelkbeschaffung g'cföxdert

wchcn soUsn.

Literatur.

Südafrika. Eine Landes-, Volks- und Wirtschaftskunde von Profeffox Dr. Siegfried Passarge. (Verlag von Quelle und Meyer m Leipxig.) _ In dem vorliegenden, mit zahlreichen Ab- bil_dungen, Profilen und 33 Karten ausgestatteten Werke hat einer der grundltchsten Kenner Afrikas eine auf lan jährigen Studien und eigenen Beobachtun en im Lande fußende esamtdarstellung Süd- afrikas gebotxn, die ?owobl dem Wirtschaftsgeograpben und Natéonal- ökonomey Wie dem Kaufmann, Offizier und Kolonialpolitiker eine reiche Fulle des Wissenßwerten und Intereffanten in objektiv zu- berläffiger Darstellung übermittelt. Das Buch, das fich nicht in erster Linie an Fgchleute, sondern an die gebildeten Kreise überhaupt wendet, sowett sie an Kolonialdingen Interesse nehmen, Verdankl seine Entstehung Vorlesungen, die Professor Paffarge im Winter vorigen Jahres hielt. Die Anordnung des reichen Stoffes ist derart erfolgt, daß, um zwischen dem physisch und kulturgeographischen Teil der Darstellung eine organische Verbindung herzustelien, zunächst die al]- gemeine physische Geographie einschließlich Tier: und Pfianjenwelt als Abschluss; der Kapitel über die natürlichen Landschaften behandelt wurde. Dargn chließt fich eine Darstellung der aÜgemeinen Kulturgeographée und an drese dix Staatenkunde. Diese Einteilung des Stoffes ermöglicht in der Tat emen ungezwungenen und klaren Gesamtüberblick, und der Umstand, dgß in den beiden letzten Abschnitten naturgxmäß gclkgent- lixl) auf dxe beiden voraufgegangenen zurückgegriffen wscöen mu te, durfte den aufmerksamen Leser nicht stören, ihm viklmebr den Auf au de_c Gesamtdarstellung um so deutlicher machen und ihm die Zusammen- hange nachdrücklich einprägen. Durchaus angebracht ist es anch, daß in einem bei allen seinen wiffenschaftlichen Qualitäten doch in erster Linie für Laien bestxmmten Buche das äußere wissenscldaftlickje Beiwerk möglichst zurückgedrangt wurde. Der L-ser wird durch keine Zitate und Fuß- noten abgelenkt, sofern er fick.) aber über die einze'lnen „Angaben und Prqbleme näher unterrichten wil], bietet ihm ein theraturanhang die nötigen HilfStnittel für ein 6111 85871566 Studium. Bei dem neu- belebten Jntereffe, das beats? für frika und für die dortigen deutschen Schußgebicte in Weiten Kreisen bertscht, dürfte das gediegene Paffargesch: Werk die Beachtung finden, die es durchaus verdient.

Bei dieser Grlegenbeit sei zugleich zweier im Verlage wn Ger- bard Stglling in Oldenburg erschienenen SchrifKn gxdackot, die fich, frexlicb m ganz anderer Weise, auch mit afrikanischsn Dingen be- schaftigen: Hermann AlVekdks: Mein Tagebuch aus Süd- west (3 „16, geb. 4 ck14) und Reiterbriefe aus Südwest, beraus- gegeben von A. von Ltliencron (1,40 „16, geb. 2,25 «FC). Alverdes hat als Beamter der Militärverwaltung vom Dezember 1904 ab lange Zeit an den kriegerischen Operationen in Südwest teilgsnommen, und M einem längeren Aufenthalt (1311 der gefährdeten Etappenstation Gibwn hat er die Gefahren und fast übermenschlichen Anstrengungen, de_m'n “ore wackeren deutschen Truppen im Kampfe gegen die Auf- standkscben auSgeseßt Waren, aus nächstér Nähe beobachten könren. Sexne Tagkbucbblätter sind recht anschaulich geschrieb8n. Der Leser erhalt aus ihnen Lin [?benstwlles Bild Von dsm Treében, wre 86 st.!) wahrend derWKämpfc gegen die Hkrews und Hotter:- wttcn aux der langen xtrecke won Windhuk bis Gibkon und weiter bis in die Kalahari hinein (:D-Wielt bak" ***-n den gewalti en Schwicrigkeiten, die der Vkrwaltung aus der Ernährung und ' :- kleidung der Truppen LTWUÖsSU, Von dem mit Heroiömaé; Unr- echter Soxdatentreue durchgeführten Kampf gegen einen durch das leände begunstigten vkrscblagenen Feind, der fich fast aussch1i€ß1ich an die Vorgeschobenen Patrouillen, Heliograpbenposten und schwach Ledéckten Trankportkolonnen machte, den Vorstößen größsrer Abteilungen, dkren Bswegungsfäbigxeit durchden sch1€chten Zustand der Pferde berabgkmindert wurde, ab€r meixi außzuweicben verstand. Das bxlksnmüki-ge V.“!- balten der deutschen Truvpen in Südwsst ist aus GkÜUkkn, die hier nicht erörtert werden sollen, durch.“:"s nicht überall in F?r Heimat und nicht in genügkndsm Maß") ngvürdigt worden. Dax BUZ: von Alverdes ist in seiner wahrhaftigen undschlich1en Art wobk (329191151, dcm Lyse! Eine solche Würdiaung abzunöxigen. Es sei ihm TZIÖULÖ sink :r-xétx erbrei- tung gewünscht. DaLselbe Jill Von der oben erw.":bnxén SIMMTUUZ *.*-“.*n Briefkn und deicbten aus dem Feldzuge in Sükmstxkrik: 1904 bis 1906, die A. yon Liliencron zusamuxengkstkllt und ÖSTQUZZLZSÖM hat. Man wird dkese schlichten Anfz-Zichnungen, rie 111-3171 wjttxn :;xxxr Gc- fahren und Entbehrungen entstanden, nicbt obne Frkade und eine aewiffs Rührung lesen, denn sie [kgen Zsuanis für OS:". treT-lécben Geist ab, der in der TUM)? [ck5rrschtc: Von Turkcrkcét, Treus, Ern- Vertrauen und Heimatsliebe,

_ Dantes Werke. Neu übertragen xm? xrläxm: OO!"- Ricbard Zoozmann. Dic Daxth-Uebcrskser 525811 **::b 5155er auf die Uebertragung der Göttlichen Komödie besckyränkr. Zvozmann Oer- mittelt seinen Lesern auch bis Bekanntschaft mit TSM (Fr:"xlinZZw-ckk des großen Florsntiners, dem „NLUSU Wem“, das DJI kar-"xänrnés dcr Göttlichen Komödie in vislcr Hinsieht wxrmimlt. DL: viet- bändige Außgabe, in einem handlichen Ban: zxxkammengw'aßt, gibt zunächst eine Beschreibang des 265an kW DiÖWrs mit fünf Porträts, bringt dann eine Uebexseyung (W Nsuen Lebens 'm: VerSnxaß des Originals mit dem Verständnis genügenden Anmerkungen, bisraur sine Uebersexzung der Göttlichen Komödie in Terzincn und mit einer Uebersicht, analiSangabe nnd erklärendsn Anmkrkungen swwxc ein (Gesamtregister 1":er den bisherigen Inhalt. Die lsxzte Ab- teiluwg (Band 11") ist „Dante in Dkutscbland' äbcrycbriebcn. Sie enthalt eine orgfältige Bibliograpbix Von [*EUR-Hsm Wcrkcn Von 1556 _ 1907, die sich mit Dante dicbkeriscb [*c- faffen oder Ueberseßungen enthalten. Eine Usberscsungstafel gibt leegenbeit, an der Hand“ von 52 Verdeutscbungsvroben dcr Franzeska da Rimink-Episoke (Hölle 1', 97-142), interÄantr V1"?- gleiche zwischen der Ueberseßnngskunst der bayrisäÖlZÖ'txn Dante- Verdeutscber seit 1763 anzustellen. An diefs Uckcrscxxnng-cn ";-Mixx: fich ein Verzeichnis aller leusirierten Handschriftcn unk“ iQnFrwrtcn deutschcn_ und fremdländi1chen Komödienausgakcm Em Aukorrn- register (Öließt die sorgfältige, j-xdenfaÜI vielen wiükommcne Aus-

gabe ab. Laud- und Forstwirtschaft“. Zur Ansiedlung von Landarbcitktn.

Immer zahlreicher wexdcn die Bestrebungen iu dyn VT71ch1ed€nkn Teilen des Rkichs, dem herrschenden Arbcitkrmangkl durch Seßbakx. machung Von Zandarbeitern entgegenzuwirken. SO fand am 15,52)? in Burgdorf i. H. eine Vcrwmmlung drr Gcmc'indkvorständc unk führenden Landwirte des Krciscs Burgdorf (1511. um Maßnahmen zur Besserung der landwirtschaftlicben Arbkitcrvcrbä 7. tniffr im Kroisc zu bkmfkr und zu beschließen. Die Besvrkcbunq fübxtx zur Wahl einer Kom- mission zwecks Gründung einer GescÜschaft m. b „H. mit dym 4171, Heimstatten für landwirtschaftlicbc' Arbcitkr z11§cha7fcn Der Kommisfion gehören Landwirte aus aüen Trilen des Krrises an, den Vorsitz hat der Landrat von Baumbaä; übcrnommkn. Als (Smud- kapital her GcseÜsÖaft Wurden sofort 10 500 ,47. gezeichnet, für weit?“ noch nötrge 10 000 „FC liegen außerdem Zusagen vor. In den Vsrband- lungen legte der Landrat von Baumbach in überzeugender Weisc dar, wix" eine etw_aige allmähliche Entwickelun von He'imstättc'n nnr kleinkn Rkntengutern zu mehr oder weniger ?klbständigen W irt1chafts* betrieben durchaus nicht dem Cndzielc dcr Gesells ftsbestrebunaen, eine Besserung der landwirtschaftlieben Arbeitertxrältniffc zu er- rei"cben, widerspreche, im Gegenteil dazu [*kitta c, die Verforguna der großeren Landwirtsckoastsbetrtcbe mit Hilfskr sten an! eine breite Grundlage zu stellen.

Dem leichen GeZenstande war auch eine im Negierungögebäude zu Allen ein am “2. d. M. abgehaltene Konferenz gcwidmxt, an der alle Landräte dcs Negicrnngsbezirks211161104411 sowie ein Kommiffar dcr Resicrun in Gumbinnrnteilnabmen. Beraten wurdc dic S (ba ffn n (; Von Arbe terstellen im Woge dcr Ansicdlung dumb die Kreiskommunalvnbände nacb dem Muster dc'rjknigen im Kreise Briesen. Der frübc'rc Ritterguißbcsißxr 91133197, der Verfaffer der Schrift ,Landatbcitcranficdlung durch den Kre'isk1“'mm11nalverband'. nabm ebenfalls an dcr Konfsrenz M! und berichtete über die Er- fahrungen, die man im Krkisc Brieskn in dieser Beziehung ae- sammelt bat.