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dauern konnte. Diesem Zustande mußte ein Ende gemacht werden. Welche Wege waren hierzu offen? Den einen Weg können wir wohl als einen verlassenen bezeichnen. Es widerspräche nicht nur der Staatsklugheit, son- dern auch dem mindest zarten Rechtsgefühle, wenn das Grundgescy über die Reichsvertretung den zur ungarischen Krone gehörigen Ländern im Wegedcs Zwanges aufgenöthigt, Wenn uralte verfaffungsmäßigk Rechte, WMW so" wohl in dem Kaiserlichen Handschreiben vom 20. Oktober, als auch in dem Februar-Patente selbst (Art, 11.) ihre neuerlicheAnerfcnnung gefunden haben, mit einem Machispruche und einem Akte der Gewalt beseitigt werden wou- ien. Statt zu einem Abschlusse unserer Verfaffnngswirrcn zu kommen, wäre damit nur der Anfang zu neuen Wirren in den Verfassungs- zuständen des Reiches gcmacht. Der zweite -- und wohl der einzig übrig bleibende - ist derjenige des Versuches einer Verständigung mit den legalen Volksvertretern in den Königreichen Ungarn und Croatien. Soll dieser Weg zu einem Ziele führen, so ist die erste Bedingung, daß derselbe auf beiden Seiten frei und offen siehe,“ denn wenn auf der einen Seite ein Weg vc- iretcn würde, den man auf der andern als einen unbctretvarcn ansieht, so wäre ein Entgegenkommen, cin Zummmentreffen, eine Verständigung cine Unmögliohkeit,
Der erste Schritt nun in dem Verständigungswerkc kann nur damit gcnmcht werden, daß sowohl das Kaiserliche Diplom vom. 20. Oktober 1860 als auch das“ Patcnt vom 26. Fcbiuar 1861 dem ungarischen und kroiiiisiiien Landtage zur Annahme vorgelegt werden. Hiermit aber ist das Recht dicser Landtage anerkannt, sich über Annahme, Verwerfung odcr Modification dicser Uikmiden auszn- sprechen. Es ist nun aber eine rechtliche Unmöglichkeit, daß ein Gex» welches seine Rechtskraft über die ganze Monarchie erstreckt, dic Vcifaffimgs; verhältnisse der ganzen Monarchie zu regeln besiinnnt ist, und in Dieser A0- gemcingültigkeit eben seinen Charakter hat, dem Line:; Theile des Reiches» zur Berathung, d. h. Annahme, Verwerfung odxr zu Modificaiionö-Anträgcu vorgeXegt werde, währrnd es in dem anderm Tiz-cilc als iin fiir das Jauchen!) zu Recht bestehendes und wirksames angesehen wird. Ebensowärcuntcincm solchen Vorgehen jeder Weg zu einer Verständigung abgeschnitten, weil von Dem einen Theile nicht verlangt werden kann, daß er in die Benitwung cincs Gesetzes fich einiasse, dessen Rcchtögiltigkcit und Wirksamkeit man nicHt nur für fick), sondern auch für iim gloicixsam als Bcgimi Der Vcryandimig oor- ansicUi. Dic Einwendung, dic hicr gemacht werden könnte, daß Dcr Jort- bestand der Richtswirksamkcit dcs Grundgcscych fiir einen Theil des Reich,» den Verhandlungen des ungarischen und kroiitisäwn Landtages niert cut- gcgensteiic, indem im (Heseßc selbst der Wig zu seiner leändcrnng bezeici- net, somit in ihm selbsi die' Möglichkeit zn seiner Vibändctung gcgcvcn sci, entbehrt jeder Begründung. Das Grundgcscy eröfsnci allerdings die MiiziiicOkcit zu seiner Abänderung, es bczcichnet aber auch gleichzeitig das Oigan, durch welches - und zwar nur durch dieses allein -- eine solche Abäiideiimg cr- folgcn kann. Diiscs Organ ist der Reichsraii). Allein diese wcifiisjungs- mäßig fiir Abänderung des (Hrundgescch kompctcntc Behörde existirt in Wahrheit nicht, so lange die Landtage von Ungarn Und Cwaiicn mcizt ihre Vertreter in dicseibe senden: ohne diese ist sie als“ Reichswih dcr ganzen Monarchie einc Fiction. Die Forterbaltung der Wirksamkeit Dis Griind- gcseßes über die Reichsvcrtretung iß daher eine Unmöglichkeit, wenn in der Regelung der vcrfnssungémäßigen Zustände des Reichs auch nnr ein ersier Schritt gemacht werden will.
Die Sistirung des Grundgeseßes bringt jedoch kcimöwegs einc Siftirung dcs vcrfaffungsinäßigcn Zustandes des Reiches iiberhaupt mit ficiz,“ denn das Grundgesetz für sicv allein ist noch keineswegs die Verfiiffung DCS Reiches, sondern, wie der Art. 71. des Febrimrpatcnts es selbst aasspriclyt, bildet der Inbegriff der vorausgegangenen, der wieder ins Leben gerufenen und der neuen Grundgesetze dichrsassung des Reichs. Dcr klaxsic Beweis liegt übrigens darin, daß zur gleichen Zeit, wo die Wirksamkeit Des Grund- geseyes sistirt wird, die Landtage in allen Theilen des Reiches zum Beginne ihrer vcrfaffungSmäßigenWirksamkeit einberufen werden, Unangctastct bleivt den Völkern des Reichs das Recht, welches unser allergnädigster Herr aus dem Schaye seiner Machivollkonnnenhcii ihnen abgetreten hat, das Recht Der Anthcil- nahme an derGescchbmig, und feierlich fichertEr es" ihnkn ncnerdingö in dcmMani- feste zu. In der Sistirung der Wirksamkeit des Grundgxscyks oöcr mit anderen Worten des ReichSratHes liegt unvcrmcidliä) aUck) dic Zistirung dci; Wirksamkeit des engeren Reicköratich Das Grundgcscy kennt niir emen Reichsrath," es bestimmt die Art und Weise seiner ZUsÜMUWUscHUUg, dic Wahlart seiner Mitgliider, deren Zahl und Vertheilung auf die ein,",cincn Lcinder, deren Scheidung in ein Herren- und Abgeordnetenhaiis, dercn Kom- petenz. Der engere Reichsrath mit der ihm im J". 11 dicscs Gescyeö em- geräumten Kompetenz ist nicht eine selbstständige, auf sich selbst ruhende, für die Länder diesseits der Leitha aufgestellte Gcsamniivcrtrciung, sondern als aus dem allgemeinen Reichsrathe hervorgehend besteht er nur so lange, als dieser besteht. Es ist somit abermals eine recHtlicbc Unmöglichkeit, die Wirksamkeit des Rcichsi'aiiycs zu sistiren und die des cngcrcn fOUÖUUU'Ü zu lassen,“ eine Jortcrhaltung der Wirksamkeit des engeren bei gleichzeitiger StiUsiellung der Wirksamkeit des allgemeiuen Reichst-agcs könnte nur niit- telft einer neuen Fiction geschehen, wodurch aber demselben eine ganz neue und zwar außer aller Verfaffungsbestimmungen gelegene Rechtsiiriindlage angedichiei werden müßte. "
Solcher Fictionen jedoch haben wir genug genossen,“ fie haben uns zu jenem Zustande geführt, wo -- wir wiederholen die ernsten Worte des Kaiserlichen Manifestes -- das Recht aller Völker m seiner Grundlage bedroht wird,“ es wäre ein trauriges Zeichen der Verblendung der Kaiserlichen Regierung, wenn sie in“ dem Moxnentes, wo sie das Werk der Gründmig L'LÜlLk Vcrfaffimas- zustande in Angriff nimmt, den Anfang dazu mit einer neucn Vcrfassunkxs- fichon machen wollte. Seinen Völkern hat Se.Majestät cinen veifaffunéxs- n_1aß_igen Zustand zugesichert,“ das Kaiserliche Wort soll nun zur Tiiat iind die' „Hindernisse weggeräumt werden, die seiner Lösung bißher entgegenstanden. Die Bahn ist mm frei gemacht, auch der Weg, Welcher eingeschlagen wird, liegiklax vorgezeichnet. Die Lichtung, welche dem legitimen Recht *und dem conHstiiuiionellen Prinzipe gezollt wird, spricht fick) deutlich in dem Voraanqc aus, Welcher in den östlichen Königreichen zur Lösung der Verfasungésraßxc
eingehalten wird und ist ein Beweis des Geistes, Welcher die Kaiserliche gierung überhaupt in der ganzen Angelegenheit leitet. ' Re“ Lcmberg, 21. September, berichtet die "Wiener Ztg.; D' ZGazeta Narodowa- nimmt in ihrem heutigen Leitartikel das Kaisle liche Manifest mit Enthusiasmus auf. Mit demselben Bertram“. mit „welchem der Kaiser und die Regierung die Reichsorganisatin' in die Hände der Vertreter der Völker legen und von der Venion bartitig mit ihnen abhängig machen, werden dieselben Krone uxd Regierung umgeben und ans Werk gchcn. Vor den großen ibni vorgesteckten Ziclcn und Aufgaben werden kleinliche Parteibcstrebun gen ziim Schweigen gebracht werden. 11- _ Pesty, 21. Scptcmvcr. (W. Ztg.) In Verbindung mit de Landtagsc'mbcruftmg hat es der K. Taiicrnicus fiir nothwendig ext achtet„ bei _der Statthalterci cine staatsrechtliche Ccntral-Kommisso' und eiii bxjondcrcs staatÖrecH-tliches LandtagI-Departcmciit xu bilch chu Vorm; dcffclbcn wird der K. Tavcrnicus fiihren; als Mi“. gltcdcrffimgiren dcr PkäfidcllsllkstcllVLklki'tkk Bartal und vier S-tati' [iiiltereiriithe. -Pcsti Napl0a und 'Pcstlyer Lloyi- widmcn de' Cinbcrnfimgssckxrciben warme Worte dcr Anerkciing. »Naplo. sogut],
dic chicrimg könne eine arbeitbcrciic, cncrgiscbc nnd lcidctiscbafta.
lose, patriotische Unterstiixzmig seiteiis der Nation finden. Grofzbritanniyn UW Jrlemd London, 21. Scptcm ber., Jhrcn Aiifcuthalt in den schottischen Hochlandcn wird ““Wie Maicitat dic Königin bis in die erste Woche des November [)iJéin verlangern, und dann von Balmoral nach Windsor zuriiiikcbren Der Prinz und die Prinzessin vsn Wales daachii [»eabfich. tigen 1chon am 20. t“. M. Akicrgcldic mit Marlboro'uijv - [Wllsc Yu Vertaiischcn, in London jedoch nur wenige Tage zn Vcrwi'ilcn mii
ihr GUT Sandringham in Norfolk zii ilzrcnx BIOOUfiHL big; WM
Weihnachten zn nmchcn. Lord Brongham, wrcher fick) gegenwärtig auf seinem Land.
Ugo Brongham Hall in Westmoreland aufhält, bat vorgestcrm scinexx
&7. Geburtstag gefeiert.
Der britisck)chsandte am italienischan-osc, H1".Hll11"0E[[iOs,
ift anI-Jlorcnz in London eingetroffen. -- Dcr iiicsiiic pkeiißiicie Yotschaitcr (Hias Bernstorfi' hai sick) nach St. Lcoimkdt bci „Ias- tmgs begeben, um mit iciiicr Familie cinichockicii an dcr Scsiiisxk znzubringcm. *
Prinz Amachs von Jtalii'n [mt in Begleitimg ch Marqiiis
LO." 521384300 xine Reiß? nac!) Diidlin aiigctreteiij cr gcdciikr sick) in * „IMMO Wk bis zcdnx-agc anxznimltcn. Vor icincr Abreise einriinq
er den Marqiiis von Molins (din kiirzlich in London ciiiiietrokis-
nen nciicn Gcfandtcn Spimicns) im italienischen Gcsandticiöaiii-
gebäude. Nock) einige Verhaftungen sind in Dublin VOkgLUOMMM wor-
den, Im AllgUiiciiicn wird c») der Polizei cht schon sÖWi's, ici -
Vcrdiicytigcii [)iibwiift zu wcrden,“ deim- 111ancher wohlbekannte Pa-
triot, öcsscii Stimme 1100) vor wenigen “Tagen laut crscholl sii? iii
Saäic dcr Freiheit und Unabhängigkeit, hat sich in,;wiécbcn nmiiiii- [iar gcinaci» Vim manchii Seiten driiigt man auf ÖiC/EiUsi'YiMkz cincr*Spczialkommissiou sciicns dcr RegicrUUI- damit der „(minis- p_rozcß fck)11c0 imd sicher gefiihrt werde Und einen Um so «iiißcrcn Tilidkiikk auf die aiifständisch gesinnten Gemiitbcr mackie. "“im den kleincrcii Örtcii werden hier Und da Lwck) manch Feiiicr 73911 der
POUZU ciiifgewobcn und wegen geschvidi'igcn Exercikeiis, Abiiiigiiis
allfkl'lbi'kl'isck)cr Lieder, Majestäisbeleidigimgcii znr UntkksUÖllliJ gi-
zogcn,“ 5 Wirklich Aufregung lici'rsclxt mir in Cork," mum telc- griiphirt 1ogar von LMU" Pamk und EMEW Andrangc 31: FM Vati-
fCll. Die Polizii isc daselbst noch verstärkt worden," 500 Coniiadlci
smd ixi Cork, und in den nach Kascriieii liegen 2000 Mann Zoi- . '
daten. Eine Fcstlicbkcit, bci ivesci)cr111an eine große fi'xiiicsic Demon-
stration befürchtet [,)-„itte, das Wettrennen bci Limcriik; ist in ungc- -
WWU" RWL VM SWM" ILMUIM. JU Limerick sowohl wie in Waicriord find Unppcii nationirt worden,“ doch scheint dais Jcnicr- thrlm in dcr dortigen Gegend sein Haupt nicht erhoben 311 haben.
Frankreich. Paris, 21. September. Dcr »Abcnd-MM' iiur- meldet, daß die Königin Isabella von Spanicn, [ant amt- [[cka Anzeige, in gcscgmctcn Umständen sei und daß die „im" Fei“ dicics glücklichen Ercignisscs drei Tag lang öffentliche Lustbarksikkli stattfinden sollen. *
Der Munizipalrat!) vom San Sebastian hat beschlossM- ÖM Saal, in welchem der Kaiser und die Königiii von Spanien ibrs Zusammenkunft gehabt, mit einer dieses große Ereignis; verewigen“ den Inschrift zu versehen. *
Nassziaud und Polen. Von der polnischen chxiö“ :"
21. September. (Offs. Ztg.) Der bekannte Wohlthätigkkikssilm r“
WUkschaucr chölfcrung hat sich durch die iiberaus zahlreiche Be-
thciligung an den unlängst im Sächfischen (Garten zum Besten kk? Abgebrannten und der vcrivaistcn Soldatcnkinder veranstalteten 377“ ClMc'crth, Verbunden mit Pfandlottericcu, wieder glänzend bcwäbkk- Dlil'éH das erste dicser Concerte, an dem sich 50,000 Mki1schM be; thcxiigicn, ist eine Einnahme von über 16,000 SR„ Burks.) ia- szttc, dem ca. 15,000 Menschen beiivohnten, eine Einnahme M »500 SR. erzielt worden. " Bei der Bank-Jiliale in der dciiti'khe"
* werks mit seinen Truppen vor den angreifenden deutschen Ber-
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ahriksiadt Lodz ift tieuerdings ein Escomte-Comtoir errichtet und '. demselben zur Escoiiiitrung von Wechseln vorläufig die Summe von 50,000 SR. zur DtSPOfitton gestellt worden.
Dänemark. Kopenhagen, 18. September. In der Nacht anf gefickt) ist hier, , wie bereits telegraphisch angezeigt worden, der General 3 la ZUlt-S in der Armee, Christian Julius de Mcza, ? Großkreuz vom Danncbrog und Dannebrogsmann, mit Tode abge. ? augen. Der Verstorbeni war am 11. Juni 1792 in Helsingör ehotel! und vor'dem Ausbruchs. dis leßten dcntsch-dänischcn Krieges mehrere Jahre hindurch kOnUUandlrench“ General fiir das Herzog. - bum Schlc§wig. Er war es ," dir in der Eigenschaft eines Ober- . Befehlshabers dcr gesammten paiiischen' Armee dadurch ein furcht- bares Blutbad mid iiiabrsche111l1ch dix gänzliche Aufreibimg der k dänischen Streitkrafie verhinderte, daß ex, am 0. Februar 1). J. Wkch die Räumung des verschgnzten 1Üdschchjvigschcn Daune,
(„"mieten zurückivich. Dick? unbistrcitbare Verdienst des Cntscel- ten wurde aber in dcr dänischei] zx'auptßadt nicht allein nicht aner- kannt, sondern der Emeriti. mußte in Folge der wiithenden Angriffe , dexeiderdänisch-ikandmamsttschen Partei. von d_eren Wünschen sich das damalige Ministerium Ykonrxxd leiten ließ, von dem Posten eines Armce-ObcrbcfehlShabcrs zuruckireienuund später die ihm ange- . xraqene Pension annclmien. Se. Maxcftäi dci, König War WW) 5ng hochbetagten General ummterbrochen .gnadig, was schlagcnd damits hervorging, daß Herr dc Meza mmrtten der vorerwähnten schändlichen Verdächtigungen vom General-Lieutenant zu dcm in Dänemark seltenen Range einez wirklichen Generals der Infanterie befördert wurde. In politischer Beziehung zähite der General zu den aufrichtigen Anhängern des Prinzips dcr Anricchthaltimg der däni- ichen Gesammtmonarchie bis südwärts an die Elbe,
* - 19. September. Der vom Reichsraths-La11dsthing nieder- gescßie Ansstvuß zur Prüfimg der chicruiigs-Vorlage in Betreff Zei Aufhebnng des Sundzoilfonds hat ein Gutachten erstattet. Die Majorität (Professor Bjerring, Bürgermeister Hother Hage, Etats- rail) Krieger und DiÖpacheur Wcffely) proponirt unter Unwesentlichen Abänderunacn die Annabm-e ch (Hesey-Entwurfes, die Minorität *Ex-Finanzininister Andrä) findet dagegen iiiiht, daß augenblicklich Zieni'ixzender Grund vorhauden sei zur Ausfuhriing der fraglichen Ördmmg und proponirt deshalb die Ablehnung des Entwurfs. Nach den dem Gatachten angefügten Aiifschliiffen bestand der Fonds am 4. September d. J. 1) aus einem restirenden Kapilal-Guthabenschei verschiedenen derjenigen Staaten, mit denen die Verhankxlungc'n uber 'Die Ablösung des Sundzoljs zu Ende gefiihrtqurden iind, tm Be- xrage von ca. 12 Millionen Thalern Rcichsminizex L) (ius! vcr- * schiedenen früher den Staats-Aktiven gehörigen Piand-Obligationen wm Belaufe Von ca. 7 Millionen Thlr. R.-M., und 3) aus ver- ickiedenen (Held-Effcktcn, zumeist dänischen Obligationen, im Betrage von 11 Millionen Thlr. R-M.
Amerika. New-York, 9. September. Der [Zerannahen- ien Eröffnung des Kongresses sieht man mit ungcmcmenr Span- nung entgegen, denn es zeigen fich Vorbyten einer „sturm1schen :Zcifion. Ja es geht das Gerücht, die radikale Partei werde den Präsidenten "Johnson in Anklagezustand zu Verseßen suchen; und
wenn diese Angabe auch iibertricbcn zu sein scheint, so läßt sich doch
eine iic“e Mißstimmung der konsequenten Republikarier gegen das : Staatssoberbaupt cht nicht mehr verkennen; fie fand ihren Llusdruck ;
sowohl in Minnesota als in Wisconsin bei den jüngsten repu-
blikanischen Conventionen, welche den _Vqrschlag, ein'e Billigung der Johnsonschen Reconstructionspolitik auszniprechen, nut grioßcr M'chr- ; beit verworfen. Schlimmen Anstoß hat dazu noch das Schreiben .
des Präsidenten an den Gonverncur Sharkey von Misfisfippi ge-
geben, weil es die Garantieen einer auf wahrhaft rcpnblikanischcr ,
Griindlage beruhenden Reconstruction des Südens bccmtrachtige. Tas S rit Ück lautet: ' " "
Es ct?virfdst fick) wohl in jeder Grafschaft eine Abtheilung Bitrgerzmltz Organismen lassen, um die Ruhe aufrecht zu halten und den CtVilbchorden kkk Staaten und der Vereinigten Staaten Gehorsiim zu vcrschaffen„ was die Bundesregierung in J?" Stand setzen würZe, die Arinnec zu verrin'gcixn Und die Stréitmacht größtcntheils aus dem «ta'aie zuruckzuziehen, iiiiihin dit: ungeheuren Ausgaben der chicriing zu ver1111,pdcrn.- Split; von eiiier ZU Zédachtem Zwecke gebildeten Orgmiiwtion dcsr Bt_irger eme Gesahp Hiohin, so ist das Miliiäir da, um jegliche Bewegung attfrttßrxmsclxn CharÜakters bei ibrcm kkslén Auftreten zu untcrdrüchen. Gcncrql Waihmgton erklartc, dai? Volk oder die Miliz sei der Arm der Constitutth oder der lem der „Verinngztcn Staaten, und so bald cs fich ausfiihrcii laßt, sollt? MY tirspriin9licl)e Ilb- fichi der Regierung unter den Prinzipien'ch großen Urethciisbriesfcs, den das Volk vo*n deni Gründer der Republik iiberkmnmen hat, Wieder ms Da-
sein gerufen Werden. Das Volk muß mit seiner eigenen Regierung betraut werdcn,
"W e' ieltdies oi moineMcinung, daß cs inTrcnoimd?lufricl)tigkciii)aiide1n UWZsMinrühei'Tnstverfaffungsmäsßgcn Bczicbun-gcn zu allen die 100011 kN? kenden Staaten wiederherstellen wird. Der Hauptzweck'dcr Miisinon dc GMkkal-Majors Karl Schurz in den Siidcn'iimr dcr, hci dcr AusfuhruRng 'der von der Regierung eingeschlagenen Politik znr Wiepcrkxerstcllmxg k-U' srÜk)eren Beziehun'gcn zwischen den Staaten uiid Dcr iji'onskcglc-Ulng 10 vicl ch iliunlich behilflich zu sein, Hoffentlich iii dicse .iYiilf'e geleistet ixordin. Tie Proclamation, welche die Wicderaufrichtnng der Rogicrung des Staates
autorifiri, forderi das Militair auf, der provisorischen Regierung in der Llusübung ihrer Pflichten Beistand zu leiden und in keiner Weise der Er- reichung dcr erfircbtcn Zwecke Eintrag zu thun, wenigstens nicht, ohne die Regierung von der beabsichtigten Einmischung zu benachichtigen. Ick xc. Andrew Johnsons Man spricht von einer Reise durch mebrcre Staaten des Sü- dens, welche der Präsident mit einigen Kabincts - Mitgliedern und bcrvorragenden Offizicrcn binnen Kurzem zu machen gedenkt,“ Rich- mond soll in diesem Falle den ersten Besuch erhalten. - Ein kleiner [)aitischer Kriegsdampser, der *Geffrardq ist in New-York angekom-
i men, und es gebt das Gerücht, es sei mit ihm ein Gesandter dcs
Präfideiitcn Gcffxard eingetroffen, der in Washington die Hülfe der
UnionSrcgicrung gegen die Rebellen in Haiti zu erlangen suche.
Cine Division von sechs brasilianischen Kriegsschiffen, unter denen sich cineCoertte Und zwei Panzcr-Kanonenboote befinden, hat Rio de Janeiro am 23.2[11Zust vcrlaffen, um fick) nach dem La Plata-Strome zu begeben.
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Telegraphische Depeschen aus dem Wolff'schen Telegraphen-Büreau.
Altona, Sonnabend, 23. September, Vormittag. Wie die »Schlcswig-Holstcinsche Zcitunga meldet, wird zufolge eines telegra- phisch cingeiroffenen Befehles die österreichische Brigade in den Her- zogthiimcrn sofort um 000 Mann dauernd reduzirt werden. Am 3. Oktober gehen abermals 690 Beurlaubte nach Oesterreich zurück, wclche jedoch durch die hier eintreffenden Rekruten erseßt werdcn.
Hamburg, Sonnabend, “23. September, Vormittag. Nach einem Telegramm der Hamburger Nachrichten“ aus Schlesivig ist der Königlich preußische Minister des Innern, Graf Eulen- bitrg, gestern Abend daselbst eingetroffen und von dem Freiherrn v. Zedliy empfangen worden. Derselbe verweilt bis morgen und geht alsdann noch "weiter nach dem Norden.
Paris, Sonnabend, 23, September, Morgens. Dcr »Moni- teure enthält ein Ruadschreiben dcs Minifters des Innern an die Präfekten, worin dieselben aufgefordert werden, die Zeitungen ihrer Departements mit Aufmerksamkeit zu verfolgen und, so oft dieselben grobe Jrrlhümer enthalten, die Wahrheit der Thatsachen durch Com- muniqUÉs wieder herzustellen; jedoch dürfe diese Intervention der Regierung weder zu ungeeigneten Veröffentlichungen gemißbraucht werden, noch in aufreizcndc Polemik ausarten.
Turin, Freitag, 22. September, Abends. Zum Jahres- gcdächtnisz der in den Septemberunruhen Gefallenen wurde ein Trauergottcsdicnst unter Theilnahme der Arbeitergcnoffenschaftcn und verschiedener ComitÉ's gefeiert. Eine zahllose Menge folgte den schwarz Verhüllten Fahnen und trug Kränze auf den Kirchhof. Die Ordnung wurde nicht gestört.
Durch Königliches Dekret wird für sämmtliche Hafen Süd- amerika's eine Schiffsstation mit Montevideo als StationSort unter Befehl cines Contreadmirals errichtct.
Kunst- und Wissenschaftliche Nachrichten.
-- Ueber das Dcnkmak, welches im Jahre 1860 auf dem Schlachifeide von Roßbach in einiger Entfernung von dem älteren aufgerichtet ist, berich- ten Berliner Blätter Folgendes: Die Idee zur Errichtung desselben War
» von dem Jriedricbs-Vcrcin in Magdeburg ausgegangen. Als der-
selbe bei der letzten Anwesenheit des Hoclvscligeii Königs in Mexseburg iin Jahre 1857 um die (Zicnchmigung zur Ausftihrung bat, crklarie König Flikdkich Wilhelm [U., daß er es sich nicht nehmen [affen werde, .die Kosten fiir das Denkmal zu tragen, aber es gern gestufte, daß der Vexe1n„Gr„und mid Boden ankaufe, das Wächterhaus bmie Und den Unterhalt fur emen Invaliden bcschaffe, der das Denkmal unter seiner steten Obhut babe. Dornach ist die Sache zur Qlusfiihrung gelcmgt. Das Denkmal besteht aus einer hohen Steinwand, wclche zuglmctxdie Giebelwand des dahinter angebauten Wächtcrbauses ist, und ein kolonalcs, _von Hagexmodeliiries und von Stürmer ausgefiihites Bastelief zeigt, auf welchem eine Steges- Göttin auf wild vOisprcngendem Pferde, einc prcußischeStandaxtc m1t idem (Use 501i 0600) zur Sonne fticgendcn Adler geschmückt m _der Kani)“, iiber eine am Boden liegende Kriegergcstalf dahinspreiigt." Die inchrist uber dem mächtigen Steinbilde lautet: “ZUM, chachttiiß dcs Stegxs, den Friedrich der Große am 5. November 17.37 auf ßtcsxn Fel'dern uber din dreifach stärkeren Feind erfochten. Errichtet von Friedrich Wilhelm 17. im Jahre 18606: , ., *
-- Zn Cremona ist am 1,4. der durch seine medizinischen und,naiux- 1visscnschaftlichcn Werke riihmlichst bekannte Arzt _Caii. Gaipare Ceriyii in dem Alter von 85 Jahren gestorben. Seine w1chllgsie Entdeckung ist die Auffindung dcs Nicotins.
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