1907 / 285 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Sat, 30 Nov 1907 18:00:01 GMT) scan diff

Die OberförsterstelleTuroscheln im Regierungsbezirk Allenstein ist zum 1. Januar 1908 u beseßen; Bewerbungen müssen bis zum 10. Dezember eingeZen.

Ministerium der geistlirhen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten.

L""- Dem Gymnasialdirektor Niemann ist die Direktion des Gymnasiums in Celle Übertragen worden. ' Am Schullehrerseminar m Pr. Eylau ist der Semmelr- lehrcr S chreiner aus Frankenber als Seminaroberlehrcr und am Schullehrersemmar zu yriß der biHHertge Rektor Hopp e aus Fehrbellin als ordentlicher Semmarlehrer an:

gesielit worden.

Königliche Friedrich Wilhelms-Univ ersität.

Bekanntmachung.

Zum 1. April 1908 kommt ein Stipendium der Beuth- Siistung zum jährlichen Betrage Von 1200 .“ auf 5 Jahre zur Vergebung. "

Die BeWerber müssen würdige und bedurftigeStudierende sein und einer der vier Fakultäten der hiesigen Unidersiiat oder einer der Abteilungen [ und 11 der Technischen Hochschule Berlin angebörrn.

Nachkommen des Generalmajors von Wiliisen, des (Geheimen Finanzrats und Provinzialstcuerdirektors „August von Maasen, des Oberregierungßrais Hugo von Schierstadt oder, des Gedeimen Medizinalrats Dr. Quincke haben, „ohne den Nachweis der„Bedurfiig- keit führen zu müssen, ein unbedingtes Vorzugßrecht; nachst diesen sieht den Eingeborenen der Stadt Kleve ein Vorzugdrecht vor anderen Beiverbern zu. ,

Der Inhaber des Stipendiums ist verpflichtet, mindesie'ns noch ein Jahr auf der hiesigen Uniyersität zu studieren, die übrige Zeit kann er sich den Studien aus einer anderen deutsrben Unidersitat widmen, das Stipendium auch nach beendiaten Studien in drr Zeit foribezieben, die er zu seiner Weiteren Ausbildung dzrwendet, de_vor er in eine selbständige mit einem Einkommm verbundene Berufsmtigkeit eintritt.

Bewerbungen sind bis zum 15. Februar 1908 einschließiich an uns einzureichen.

Berlin, den 29. Nodember 1907.

Rektor und Senat. Stumpf.

Königliche'Technische Hochschule zu Berlin. Bekanntmachung.

Aus dem Fonds der Louis Voissonnet-“tistung für Architekien und Bauingenieure ist für das Jahr1908 ein Reisestipendium an einen Bauingenieur zu vergeben.

Nach der dyn dem Herrn Minister der geistlichen, Ugterrichis- und Medizinaianaelegenbeiten genehmigten Aufgabe soli Stipendiat das Eisenbabndersiche'rungSwesen in England und tunlichst auch das in Frankreich auf Grund örtlicher Ermittelungen und untrr Benuxung der Literatur mit dem deutschen Vergleichen. Hierbei sollen die' err- scbenden Grundsäxö dargestellt und die Mittel zu deren-Durchfübrung mehr nach ihrer irkungsrveise als nach ihrer konstruktiven Durch- bildung behandelt werden. (Abzüge des Worilauis der Aufsgabe Werden vom Bureau der Technischen Hochschule auf Erfordern k“) ien- frei abgegeben.) _ _

Das Reisestipendium betragt 3000 .,“ Die Reise ist im Jahre 1908 außzufübren und der Bericht darüber spateftens 6 Monate nach derlinf Beendigung an das Rektorat der Technischen Hochschule ab-

u : ern. ,

z Die Bewerber müffen einen wesentlichen Teil_ ihrer Ausbildung auf der ebemali en Bauakademie oder der Tcchniichen Hochschule zu Berlin erlangt aben. Die (Gesuche kind an das Rektorat _der Teeb- nischen Hochschule zu Berlin in Char ottenburg unter Beifugung drs Lebenslaufs, der Nachweise über den Studiengang und die praktische und literarische Tätigkeit sowie von Entwürfen des Bewerbers aus dem cFedier: des Bauingenieurwesens bis zum 10. Januar 1908 ein- zurei en.

Charlottenburg, den 25. November 1907.

Der Rektor der Königlichen Technischen Hochschule zu Brrlin. Kammerer.

Bekanntmachung.

Nach Vorschrift des Gesetzes dom 10. April 1872 (Geseßsamml. S. 357) sind bekannt gemacht: _

1) das am 21. Janyar 1907 Allerhöcbst vollzogene Statut fur die Drainagegenoffenscbaft Hausen ][ zu Hausen im _Kreise Worbis durch das Amtsblatt der Königlickyen Regierung zu Ersurt Nr. 45 S. 268, außgegeben am 9. November 1907;

2) die Allerhöchste Konzessionßurkimde Vom 8. Juli 1907, brtrrffend den Bau und Betrieb einer voiispurigen Nebeneiienbabn won Oster- wieck über Hornbura nacb Börsßum innerbaljb dcs preußischen Staats- gebiets durch die Osterwieck-Wa erlebener Eisenbabn-Akiiengesei]schaft, durch die Amtsblätter .

der Königlichen Regierung zu Potsdam und der Stadt Berlin Nr. 41 S. 470, außgegebxn am 11. Oktober 1907, und

der Königlichen Regierung zu Magdeburg Nr. 42 S. 419, ausgegeben am 19. Oktober 1907;

3) der Allerhöchste Erlaß Vom 8. August 1907, betreffend die Verleihung des EnteignunJSrechts an die Stadtgemeinde Cassel zur Ausführung der geplanten anaiisaiion der Stadt Cassel, durch das Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Cassel Nr. 42 S. 313, aus- gegebkn am 16. Oktober 1907; "

4) das am 1. September 1907 Allerhöcbst Volizogene Statut fur die Deichgemeinde Süderbrderkoog durch das Amtsblatt der König- lichen Regierung zu SchleSwig Nr. 44 S. 481, ausgegeben am 26. Oktober 1907;

5) der Allerhöchste Erlaß vom 7. September 1907, betreffend die Beilegung der Rechte einer öffentlichen Körperschaft und die Ver- leihung des Rechts zar Chauffeegelderbebunq usw. an den Cbauffeebau- und Unterbaltun sverband PlawniowiZ-Rudzinis ini Kreise Tosi- Gleiwiß für die hausfee don Plawniowiß nach Radzmiß, durch das Amtsblatt der Könialichen Regierung zu Oppeln Nr. 43 S. 367, außgegeben am 25. Oktober 1907;

6) der Allerhöchste Erlaß vom 14. Sepiember1907, betrefferzd die Verleihung des Enteignungsrechts an die (Gemeinde Bonn fur die Anlegung eines Begräbnisplayes in der_Gemarkung Pottendorf, durch das Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Coin Nr. 43 S. 299, ausge eben am 23. Oktober 1907;

7) der A erhöcbfie Erlaß vom 14. September 1907, betreffend die Verleihung des Enteignungörechts an die Aktienngesellschaft Barmer Bergbahn für die Anlage einer Kleinbahn von Mungsien nacb Kraben- böbe, durch das Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Düffeldorf Nr. 41 S. 539, aus egeben am 12. Oktober 1907;

8) der Allerhöcbkiie Erlaß vom 23. September 1907, betreffend

die Verleihung des Entei nungörechts an die Stadtgemeinde Berlin -

zur bebauungsvlanmäßigen reilegung der Gormannstraße auf der Strecke zwischen der Mulackstraße und der Steinstraße, durch das AmtSblatt der Königlickpen Regierung zu Potsdam und der Stadt Berlin Nr. 43 S. 490, außgegeben am 25. Oktober 1907;

die Verleihunq des Rechts zur Chauffeegelderbebung usw. an den Kreis Gardele en für die Chaussee von Klöße über Lockstedt bis zur Kreis- grenze ,n der Richtung nach Neuendorf, durch das Amtsblatt der

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9) der Allerhöchste Erlaß vom 23. September 1907, betreffend ; handlung über den'Marineetat forigeseßt.

Königlichen Regierung zu Masiirkürg. Nr. 43 S. 423, ausgegeben »am 26. Oktober 1907;

10) der Allerhöchste Cyra" „**-vom 7. Oktober 1907, betreffend die

"* Verleihung des Enteignungßr ,' ts“ an den Kreis Ostbavelland für die

Anlage einer Kleinbahn von Wßow nacb Spandau, durch das Amts- blatt der Königlichen Regierung zu ,oisdam und der Stadt Berlin Nr. 46 S. 509, aus 2 eben am “715. 9 Member 1907; .

11) der AUerböYigie Erlaßvom 15. Oktober 1907 betreffend die Verleihung des Enteigmmgstechis an die Gemeinde Wettringen im Regierungsbezirke Münster für .den Ausbau des öffentlichen Weges von Haddorf nach Bilk, durch dasAmtsblatt der Königlichen Regierung zu Münsier Nr. 45 S. 442, außgegeben am 7. November 1907;

12) der Allerhöchste Erkaß vom 15. Oktober 1907, betreffend die Verleihung des Entei nungßrechts an den Landkreis" Reckling- hausen, zusammen mit den ““ixteinden rten und Buer, fur die An- lage einer Kleinbahn von Z:" n nach ner (Erle-Middeiicb), durch das Amtsblatt der Königli „Regierung zu Münster Nr. 45 S. 442, ausgegeben am 7. November 1907.

Yichtamtliäjes. D “**-YFZ" R eich.

PreußquW JW; » Die vereinigten Aus ' és“7_ „„ bahnen, Post und T_elexg - und (Zur Festungen, die verermg " [Yugsthü ?. wesen und für Justiz _ Zoli- und Steuerwesen, “2.51. für, Rechnungswesen, „dre „ver- einigten Ausschüsse für “ZWund SteuerWesewund fur Eisen- bahncn, Post und Tele raphep sowie die vereimÖten Auerhüffe für Zoll: und Steuerwe en und für Handel und erkehr reiten heute Sitzungen. '

erriber. ' ,ndekrä'is für Eisen- das Landheer und die ür Zvi]- und Steuer-

Laut Meldung des „W. T. V.“" geht S. M. S. „Panther“ am 3. Dezember von Alt-Calabar nac!) Duala in See.

S. M. S. „Fürst BiSMarck“ geht heute von Schanghai nach Amor) in See.

Der aUSreisende Ablösungstransxoort fur S. M. S. „Planet“ ist mit dem ReichSpostdampfer „_Yorck“: gestern in Singapore eingetroffen und seßt heute die Reise nach Hongkong fort.

Oefterreich-Ungarn.

Der LlUSJleichsauschuß des ösierreichischen _Abge- ordnetenhauses erlediYe gestern den Ariik6125 sowre das Mantelgeseß des «gleichs, womit das gesamteUus- gleichsoperat unverändert angenommen 1st. Auf versehiedene Anxrkejigcn erklärte, wie das „W. T. B.“ meldet, der Minister- räi ent:

;) Zwischen den beideZeitigen Regierungen bestehen keine Verein- barungen für den Fa , daß der AuOgleicb am 1. Januar nicht in Kraft trete. In diesem alle_kkßinden wir allerdings vor einem.!)oii- ständigen Vacuum mit a m? "urn Konsequenzen. Die beiden - aierunßen waren dariiber elisa, daß vontändiae "Ruhe u d Ordnung 11-1" den beiderseitigen *wirticbaftlichen Verhaltnissen n r eintreten könnten, wenn der Außgleich in vollständig konstitu- iionelier Art und Weise erledigt würde. Der Ministervräsident wiederholte, daß durch die Verabschiedung des ungariicbrn Er- mächiigungßgeseves und Inkraftießnng drr Außgieicbsbesiimmungen der Außgleich in Ungarn vollständig geseylicb wirksam werde. Außer den in den Vorgelegien Schriftstücken enthaltenen"siaaisrechtlichen Kondzessionen seien Ungarn keinerlei andere Zugesiandmffe gemacht wor en.

Hierauf wurde die Ausschuszsißung geschlosjcn.

- Der Präsident des Abgrordnrtenhauses W eißkirchner hatte gestern einc Unterredung mit dem Obmann des dcnifck): nationalen Verbandes Dr. Chiari, in drr er [einem lebhafien Erstaunen darüber Ausdruck gab, daß seine vorgrsirrge Antwort auf die Anfrage des Ab, eordneten Giora- binski vielfach eine ganz unrichi gczAUfYffung gefuuch hsaiic.

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erklärte

i Nach dem Berichi drs „W T. B.“ " Aeußerungen weder gegen das Deutsche Reich noch gegen das Bundnis

er,

mit diesem gerichtet gewesen seien. Die chrisiiich - sozialr Partei lege vielmehr gerade auf das Bündnis allergrößten Wert, da sie in ihm die wichtigsir Friedenßbürgschaft ordlickk. Ebensowenia sei aus seinen Aeußerunaen Cine Tendenz ge4en das Druifchium in Orsierreiih berauSzulesen. Er habe lediglich aussprechen wwlien, da die beriibrte Angelegenheit, bei der ja unter Umständen auch Jntere on von risier- reichiscben Staatddürgern in Frage kommen könnten, im österreichischen Abgeordnetenhause einzig und aliein im Wege einer Jnierpeüation an den Ministerpräsidentxn zur Sprache gebracht werden könne.

_ Das Eisenbahnministcrium hat an die Ver- maltungen der Oestrrreichifch:Ungarischen StaaiSUsenbahn: esklischoft, dcr Siidnorddeutscbcn Verbindungsbahn und der Döbmiickicn Nordbahn eine Einladung gerichtet, wrgrn even- tueller Verstaatlichung dcr gesrkiscbxxfiltchen Bahnlinien De- legic'rte namhaft zu machen, die sia) wech drs Zeitpunkics der Verhandlungen mit dem Eisenbahnnnmsterium ms Em- vernchmrn zu seßrn hätten.

Frankreich.

Der Ministerpräsident Clemenceaii, der Minister drs Acußern Pichon und Kriegswinister Picquart harren, wie das „W. T. B.“ meldet, gestern eine Brsprechung uber die Vorgänge an der algerisch-marokkanischen Grenze. Picquart teilte mit, daß er an dcn Kommandeur drs )(174. Armer- korps telegraphiert habe, er überlasse ihm die voliste Frei- heit, ohne daß er über die notwendig werdenden Truppen: bewegungen nach Paris zu berichten brauche, und daß er be- stimmt habe, daß in Oran wieder eiiienstarke Reserve gebildet werde, die geeignet sei, alien Eventuaitiaten zu bcqrgnen. Die Maßregel wurde von Clemenceau und Pichon gediliigt.

Der Senat verhandelte in seiner gestrigen Siizung über die Ergänzungskredite. _

Jn Erwiderung auf eine Anfrage erklgrie, dbiger Quelie zufolgx, der KriegSrninisier Picquart, daß die mcht tm Etat vorgesehenen Außgaben für die Unterhaltung der Landiruppen in Marokko bis zurn 10. Oktober iür Casablanca 1 411 313 Francs und für Üdschda 516 460 Francs betragen. Sie werden bis Ende des Jahres den Betrag von ungefähr 3 Millionen erreichen, wozu noch 3 Millionen

Z für Materialaußgaben kommen.

Die Ergänzungskredite wurden darauf bewilligt. - In der Deputiertenkammer wurde gestern die Ver-

Der Marineminister Thomson svrach , laut Bericht des „W. T. B.“, in Beantwortung der Ausführungen einiger Vorredner seine Ansicht dahin aus, daß in erster Linie für Toulon und Brest

'die vereinigten Ausschüsse für“

B i ebxnso schne Privatinduftrie. Er ei kein Freund von langfrist gen Flottenpro rammen

En M dauernd und mache sebr bedeutende An“*'trengungen, um mit sei

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nanzielle Aufwendungen zu machen seien; troßdem verlören (Eber.- ourg Lorient undR efort nichts von i rer mtliiäri chen Bedeutung,

Bespre ung der Ar enale erklärte der iinister, d die Arbeit dort. und mindestens ebenso" gut auSgexübrt werde, wie'von der

und glaube, daß an die-anderen Mächte bei ihrem lotten au nad. einigen Jahren von ihrem Programm werden zurück ommen müssen. iLland sei ,bestrebt, stets zum Kampf gegen die otten zweier chte gerüstet |U sein. Deutschland ändere sein rogramm an- ner [otte gegen die stärkste Seemacbt aufireten zu können. Wie in eutscblcmd, so sei auch in Frankreich der obersie Marinerat um den Bau von Panzersckpiffen bemüht. Aae anderen Marinen bandel en

ebenso. (ES sei für Frankreich wichtig, keine Zeit zu verlieren, da e n'e '

Versäumnis hernach nicht wieder einzuholen ci. ,

Nach *unerheblieYen Bemerkungen „verschiedener Nedrter wurde die Generalde ate ngchlossen. Die Kammer nahm eme Resolutiqn an, durch die te Regierungdufgefordert wird, so Lehnell wre möglich emen Geseßentwurf uber die Organisation

er Krie smarme vorzulegen.

Der, bg. Bussar verlangte darauf die Aufhebung der osten. der Marineaitachés. Der Marineminister Thoms on wies d e der- langte Verminderung seines Etats zurück und erklärte, daß die be. sonderen.Mifsionen, durch welche die Marineattac'qés erscht werden müßten, teurer sein würden als sie selbst.

Der Zusaßantrag wurde _darauf verworfen, _die Fort- seßfun l111er Debatte auf Nachmrttag angeseßt und die Sißung au ge 9 en. .

In der Nachmittagssißung wurden die lxßien Kapitel des Marinebudgeis angenommen und darauf die Beratung des Armeebudgets begonnen. -

Der Abg. Varenne (Sozialist) sagte, die Zwischenfälle beim 17. Regiment zu Agde seien nicht verschuldet durch die Art der Re- krutierung der Armee. Bci inneren Unruhen sei es Grundsaß der modernen Armee, daß jeder Mann Soldat sei, nicht aber Gendarm. Varenne und mehrere andere Redner traten für das System der- örfli en Rekrutierung ein. éÖk-Kriegsininister Picquart be- kämp te dieses System mit : Hinweis, daß die Soldaten,. wenn sie bei ihren Familien bli n, der Gefahr _auSgeseßt seien, über ihren persönlichen Interessen die höheren Pflichten gegen das Vaterland zu vergessen. Er erklärie'sich aber mit einem System ein. Verstanden, welches dem Soldaten ermöglicht, von Zeit zu Zeit seine Familie zu besuchen. 'Der Minister erklärte sich iür die regionale ' ekrutieruna, und versicherte, daß er nur die Verteidigung des Landes

im Auge babe. , Das Haus nahm sodann mit 345 gegeii 131 Stimmcn; die einfache TageSordnung an, worauf die Sißung geschlossen

wurde. Italien.

Die Deputiertenkammer verhandelte “gestern über dis“- Vorlage, betreffend den HeereSersaß. Nach dem Bericht des „W. T. B.“ beantragte der Abg. Vis solaii ZSozialist) Aufschub der ganzen Vorlage, da er die Aenderungen beim eeresersaß mit einer Verkürzung der Dienstzeit auf zwei Jahre der- bunden wissen wolle. Dag: en wünscht die Regierung die Frage uber die Dauer der Dienstzeit au?zuschieben, b*s der Bericht der mit Er- hebungen über die Verwaltung der Armee beauftragten Kommission vor- liegt. Da die Einichränkung von Befreiungen vom aktiven Dienst eine dringende Lebensfrage für die Armee sei, um diese auf dem not- wendigen Cffkkiivbes'iand zu erhalten, fordertr der Ministervräfident (Giolitti eine Ablehnung des Antrags Bissolaii ,und versicherte zugleich, daß die Regierung selbst den Wunsch habe, die Frage der zweijährigen Dienstzeit auf das eingebendsie zu prüfen, und sobald es möglich-jei, zu lösen. * oßdem beharrte Vissolati _nuf seiner orderuxig, .und da ihm mchrere Abgeordnete, die einen Bc chiuß 111 dieser Frage ebenfalls als unaufschiebbar ansehen, tbr Votum zr:- sagten, kam es zur namentlichen Abstimmung. Zwar war die Abstimmung rrsultatlos, da das Haus nicht bcschlußfahig war, doch hat die Regiernng eine sehr große Mehrheit.

Portugal.

Amtlich wird ein Dekret des Königs veröffentlicht, demzufolge es den FricdcnSrichiern obliegt, die Ucberirciuiigcn der städtischen Vcrordnungcn und der polizeilichen Vorschriften abzuurieilrn.

Belgien.

Die in Brüssel iagendc Kolonialkonfcrenz hat gestern, „W. T. B.“ zufolge, die Beratungen des Kolonial- gcscßcs mit der Annahme zweier Nmrndcmcnis beriidet, Urin dcnen dnßjeni c des Sozialisten Vgndervelde dir Err)- scßung eincr ?echöglicdrigcn Kommission verlangt, die rnit dem Schuß und dcr Bcsscrung_ dcr rnoralischen und materiellen Lage der Eingeborenen sick) 11 befassen hat. Das zweite chndcmcnt dcs Kammerpräzddenicn Schollaert regelt die Lage der Belgier, dcr Eingeborcncn und der Ausländer in Belgisch : Congo. Nack) dcm Amcndcmcnt Schollacrt qcnicßrn Belgier und Ansiändcr die von der belgischen Vrafaffimg und ds_n Kolonialgkicßcii anerkannirn Rcchtc, dic Eingeborcncn dicxnigen Rechte, die durch die Kolonialgrscize anerkannt odcr durci) Siiirn, die der _offent- lichen Ordmmg nicbt zuwider laufen, geheiligt s111d. Bis zur Einbringung des Gcseßcniwurfs, betreffend Angliederung dcs Congosiaatcs, Hai fick) die Kolonialkonferenz vertagt.

Türkei.

' Nach einer Meldung des „K. K, Telegraphen:Korrespondenz- Bureaus“ Überfiel eine auf dem Seewege gekommene, 40 Mann starke griechische Bande vorgestern bei Vrasta am (Golf von Orfano 125 bulgarische Tagclohner aus Nevrokop und Razlog, die, von 2 Gendarmen begleitet, nach dechrg Athos gingen. Während Konsulardeprsckzcn melden, das; sick) 75 qun gerettet haben, 2 verwundet im und der Rest vermißt" wird, gibt die Pforte an, daß nur 25 verwißt werden. Turkische Truppen haben die Verfolgung der Bande aufgenommen.

Bulgarien.

Der Minister des Aeußern hat als Antwort auf dieyleßtrn Schritte der Mächte wegen Zunahme der Bandeniatrgkelt in Mazedonien ein Memorandum auSarbetten'iassek), in dem er, „W. T. B.“ zufolge, die Verantwortung fur die Tätigkeit der bulgarischen Banden ablehnt imd auf die zu- nehmende Tätigkeit der riechiscbcn und serbischer) Banden [)m- weist. Wenn lcßtere 11th eingedämmt werde, konne die byl- garische Regierung für die Folgen dieser Unterlassung keine Verantwortung übernehmen.

Montenegro.

Die Skupschiina ist estern von dem FürstenNikolaus'

mit einer Thronrede err") fnct worden, in der er nach dem

Bericht des „W. T. B.“ agte:

Er habe die Konstitution gegeben, damit in der Volksvertretung die Stimme eines jeden gehört werden könnte und die für die Ai] e- meinbeit beste Ansicht durcbdrinae. Die frühere Skupscbiina babe öt von störenden Elementen fortreißen [affen und sei deSbalb aufgei s

worden.

Die_Thron*rede kennzeichnet alsdann kur das Programm Kabmetts Tomanomitsch, betont mit Öefriedi un die „Ordnung der Finanzen, die Ausführung neuer Stra en anten „nd Jroßc'r Arbeitrn in Antivari und den Abschluß des ande svertrags mrt Deutschland und erwähnt schließlich die ufoeckung des Anschlags gegen den Fürsten und die Dynastie.

Afrika.

Nach Meldungewdes „W. T. B.“ haben marokkanische Bande» die _den Stammen der Ulad Mansur und Homnas .angehor'en, bet Adscher„u am Kißfluffe die algerische Grenze überschrittrn und Plunderungen begangen. Gestern früh drangen dre Mardkkanex in großer Menge gegen Port- Say vo_r. Geri uße, die auf den Höhenzügen aufgestellt waren, richteten 1 r Fruer auf" die Angreifer, die unter Mkt- na_bme ihrer Toten iiber den Kis; zurückgingen und ihre fruheren Stellungen Wieder einnahmen.

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Parlame'ntarifthe Nachrichten.

' Die Schlußberichte über die gestrigen Sißungen des Reichstags und des auses der bgeordneten befinden .jxch m der Ersten, Zweiten und Dritten Beilage.

_ In der"!)cutigen 62. Sißung desReichstags, welcher her Staatssekretax drs Innern Dr. v on Bethmann H o [ [weg, der Staatssekreiar des Reichspostamts Kraetke, der Staats: sekreiar des" Reichsschaßgmts Freiherr von Stengel, der Staaissekretar des Joldmalamts Dernbur und der Staats- sekretar _ des „Auswartigen Amts von S oen beiwobnicn, wurde in" dritter Lesung der Vertrag mit den Nieder- landen uber Unfallversicherung endgültig ohne Debatte genehmtgt.

Das Haus seßte darauf die ;_(Heneraldidku ion des Etats für 1908 und der Flottenvorlage fort.ss

Abg. Dr. WieMer (fr. Volksp.): Dcr Reichskanzler bat e tern in der Rede gegen Bebel die Gründe der ReichdtagSauflösunZ "noch einmal erwähnt. Ich freue mich, daß er so entschieden dern Versuche der Legendenbildung entgegengetreten ist. Die am 13. Dezember zu- [ammengesianden haben, haben die Pflicht, solche Geschichisklitterung nicht aufkommen zu lasen. Wir waren auf seiten der Negierun , weil es sub um die nationale Ehre handelte, weil die damaliae_ Mehrheit eine Abstimmung erzwin en wollte, die den Wunschen des Volks widersprach. as Volk hat bei den Wahlen entschieden. Der Abg. Bebel appeiiiert sonst immer an das Volk, wenn aber das Volk geaen ihn und seine Freunde ent- iche_:det, dann spricht rr von Dummköpfen oder Verrätern. Er be- schaftigie sich auch mit der Frage des Blocks. Es ist ein undank- bares Geschäft, |ck den Kopf anderer Leute zu zerbrechen. Auf seine Prophezeiungen iii nacb den bisherigen Erfahrungen, nament- lich nach seinen Erfahrungen bei den Wahlen Von 1907, nichts zu geben. Er meinte, Zentrum und Konservative würden [ck, wieder zusammenfinden, die paßien am besten zu einander. ei den _leyten Wahlen baden wir gesehen, daß Zentrum und Sozial- depiokratre sich zusammengefund-n haben. Spabns Rede machte den Eindruck, als ioilie es nach der Regierung bin klingen: Kein Engelein isi so rein, laßi's" eurer Huld empfohlen sein. Das Zentrum trägt die Verantwortung fur die xmgünstige Entwicklung der ReichSfinanzen. Wie unsererseits haben seit den leßten Jahren doch nicht etwa vier Milliarden Schulden gemacht, das ist unter der Herrschaft des Zen- trums der Fall gewesen, Man könnte von der papiernen Finanzpolitik des Zentrums sprechrn, wie von seiner papiernen Sozialpolitik. Die ]esige Finanzmiserr ist eine Erbschaft der Zentrumsberrschaft. Die isxr Trimborn ist insofern arrcb ein Fehler, als dadurch unsere Finanzen fich verschlechtert baden. er baden deSwegen gegen diese 1Sckr Trim- born gestimmt, und weil wir nicht woliten, daß durch eine solche Politik die Verteuerung der Lebenßmittel stabiliert würde. Da aber nun das Grieß geschaffen, werden wir die Konsequenzen sieben und wumcben, daß möglickpsi bald die Witwen- und Waisenversoraung der Arbeiter durchgeführt wird. Usher den m_nanzielien Abschluß sind wir überrascht, umsomehr, als noch im Sommer Freiherr don Stengel eine günstige Entwicklurig der Fiqanzwirtscbaft in Aussicht gestelit batte. Man sollte nicht über- treiben. Hätten wir nicht neus Außgaben gehabt, so hätten wir nicht das Defizit; das chronische Defizit scheint uns eine Fiktion. Die neuen Steuern sind auch noch nicht doi] zur Erscheinung gekommen; namentlich ist die Erbschaftssteuer nock) nicbt doll in ihren Wirkungen hervorgetreten. Die Budgeikommiision * wird prüfen müssen, ob uberhaupt eine Erhöhung der Steuern notwendig ist. Die Fahrkartenstcuer und die Automobilsieurr sind weit hinter irn gehegten Erwartungen zurückgeblieben, und auch die Brausteuxr bat nicht das gebracht, was man erwartet hat. Das unerfreulichsie Produkt der neuen Steuern ist unzweifelhaft die Fahrkartenstemr, die den Einzelstaaten mebr entzogen bat, als sie dem Reiche zugeführt bai, und die dem Publikum unendliche Scherereien bereitet. Die Fahrkartensieuer sollte ganz aufgehoben werden; den Gedanken, die vierte Klaffe heranzuziehen, würdcn wir nicht intersiüßen können. Der Staatsiekretär hat, Wenn sie fallen Lollie, Ersaß verlangt; und auch ich meine, wenn neue Steuern eingeführt werden müffen, dann muß auch für diese verfehlte Steuer Elsaß geschaffen werden. Der neue Etatsentwurf bringt uns nicht weniger als 146 Millionen neue Außgaben im Ordinarium; das muß natürlich das Bild des Etats sebr ungünxtig beeinflussen. Diese MehrauSgabcn kommen _zum großen Teil an Rechnung der neuen Zolixioliiik; die Naturaiienverpflegung für Heer und Marine Ufoxdcrt infolge der Steigerung aller Preise ganz bedeutende Mehr- ixtrage. Dazu kommt die notwendige Erhöhung der Beamtengebäiter, ite der Staat durch seine Verteuerungspoiitik heraufbescbworen hat. Der _Abg. Bebel _schien zu zweifeln, ob wir dieser oliiik i(genuber unsere fruhere Haltung beikebalten würden. kann 112 Herren darüber beruhigen; wir werden unsere Auffassung von der heutigen Agrar- und Wittschiftswlitik in keinem Punkte korrigieren, denn die Erfahrung hat uns Recht egeben. Es besteht eine euerung aUer LebenStnittel, die wr nicht auf de leichte Wiel nehmen dürfen. Der wirtschaftliche Rückgang ist nicht mehr uverkennen. Das beste Mittel gegen das bella te Anwachsen der airikularbeiiräge ist die Einschränkung der Außga en. Ein anderes Mittel aber muß jeßt endlich scharf ins Auge gefaßt 1verden: der anderweitige Verteilun Smaßsiab für die Umlegun. Troß aller Schwieri keiten muß dieiie Frage gelöst werden. Die Ecbjcbaftssteuer muß eh erst einleben; so lange, bis fie einen Aus- weg aus diesen Schwierigkeiten finden hilft, können wir nicht warten. Es kann nicht Aufgabe des Reichstags sein, neue Steuervorschsä e '“ machen denn ibm fehlt das steuertecbniscbe Material. Es igst SpiritusvertrieHSmonopol vorgeschlagen worden, für ein [ches Monopol könnten wir uns nicht erwärmen. Anders liegt aber mit der Reform der Brgnntweinbesteuerung obne Monopol; es könnte dann endlich die LtebeSgabe beseitigt werden. Der Abg. von Richthofen bat die Mitwirkung seiner Freunde an einer soicben Reformarbeit nicht ohne weiteres abgelehnt. Wir sind 'krn_ bereit, daran teilzunehmen, damit die Liebeögabe und die ]aiicbraumsieuer beseitikxt oder leßtere wenigstens Zründlick) ** ormiert wird. Die Zgarrenbanderolesteuer ist aucb gerucbtweise ekündigt' wir wissen, nicht ob sie kommt, aber der gestri e Ter des Ministers -von Rbeinivaben in dieser Hinsicht erscheint m r

Übrig. Ick schließe mich in der Beurteilung des Vorschlages dem bsi Bassermann an. Auch die Erzielung böberer Erträge aus dem '- ak jst wenig ausfickztsvoll. Wir sind und bleiben Gegner einer iteren Erhöhung er indirekten Steuern. Bleiben also die

direkten Steuern. Diese werden von den Einzelregierungen per- borres-iert. Ihre Berufun? auf die Verfassung ist zunächst "hinfällig, denn der_„Antrag, die Ennabme des _Reichs auf direkte Steuern zu beschranken ist seinerzeit außdrucklicb abgelehnt worden. Der inamminister warnte vor einer Zerbröckelung der Selbständigkeit der inzelsiaaten durch eine direkte Reickpssteuer. Dasselbe Bedenken äußerte er schon bei der Reichöerbschaftssteuer, die Einzkistaaten, wie Preußen könnten aux, eine solche Einnahme .niemals verrichten. Man iollte von einem sol en .Niemalß“ niemals sprechen. Ob dieReichs- einkommensteuer eine direkte Steuer ist oder nicht, wil! ich nicht unter- suchen. Die Tantiemesteuer isi nach'einer En1scheidrm des Reichsgerichts Ledenfalis eine direkte ReichSeinkommrnsieuer. Her erste Schritt st also getan. Die Rechte hat dem preußischen Finanzminister darin zugestimmt, daß die direkte Reichssieuer die Axt an die politische und wirtschaftliche Selbständigkeit der Einzelstaaten lege. Das- selbe partikularistische Argument hätte sich auch gegen die Reichs- post anfuhren lassen. Der Abg. MüÜer-Meiningen sagte s. Z., daß nur zur Zeit die Einführung einer Reichseinkommenstcuer undurchfubrbar sei. Die Reichsvermögenssteuer ist jedenfalls le_icbter einzuführen. Ob sie eins Ergänzungssteuer ist, ist gleich- gultig,- wenn sie" nur eingeführt wird; wie sie durchgeführt wird, ist eine sekundare Frage“ sie könnte ja auch für das Reich Von den Einzelstaaten erbo n werden. Wie sieht es denn mit einer Erweiterung der Reich8erbschaftssieuer2 Meine Freunde sind bereit, die Ausdehnung der Erbschaftssteuer ernsthaft zu erwägen. Wir wollten im vorigen Jahre nicht auf Vorrat Stkuern bewilligen, heute ist zu erwägen, ob wir jeßt nicht die Steuer ausdehnen wollen auf die DeSjendenten und Ehe atten- Es ist nicht unsere Auf abe, ein FinanzvroHramm aufzusie en; das Notwendige babe ich Schon gesagt. Jeden alls muß durch direkte Steuern ein Teil der Lasten auf die Schultern der Reichen, gelegt werden, die Steuern müssen gerecht und nach der Leistungsfähigkeit verteilt werden. (Schluß des Blattes.)

- Das Haus der Abgeordneten nahm in der Heutigen KH) Sißung, welcher drr, Finanzminister Freiherr von

einbaben, der Justizminister Dr. Bessler, der Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten von Arnim und der Minister des Innern von Moltk e beiwohnten, zunächst den Anira der Abgg. von Pappenheim (kimi? und Ge: nassen, die egierung zu ersuchen, zu veranlassen, da das gegen den Ab . Boehm er beim Amtsgericht zu Stargard i. P. schweben e Privatklageverjahren wegen Beleidigung für die Dauer der laufenden_ Session eingestellt werde, ohne Debatte an und seßie dann die erste Beratuna des Entwurfs eines Geseßrs uberMaßyahmen zurStärkung desDeutsch- tums in den Provrnzen Westpreußen und Posen fort.

Ab . Wolff-Liffa (fr. V g.): Anläßlich der Vorkommnisse irn österrei ischen Abgeordnetenbau 6 habe ich zu erklären, daß auch wir der Meinung sind: wir müssen uns derartige Einmischungen in unsere inneren Angelegenheiten auf das enischiedenste verbitten. Für die hier zur Beratung stehende Vorlage ist für meine Fraktion das Staatsinieresse die Hauptsache. Wir ,werden die Vorlage leiden- schaftslos prufen. Anzuerkennen ist, daß die Anfiedeiungßkommission mit der Gründung von Musterwirischaften für 100000 deutsche Anßedler im Osten eine segenSreicbe Tätigkeit entwickelt hat; für die Stadt: kann man aiierdings die Tätigkeit der Ansiedelungskommisfion nicht als so segenkreicb betrachten. Tausende aus den städtischen Er- werbskreism haben abwandern müssen. Den Ansiedlern muß man einen gewiffen Spielraum in wirtschaftlicher Beziehung geben; sie sind keine Kinder, denen man durch die Genossenschaften einen ZWang auferlegen rnuß. Ich halte es für unberechtigt, das; man in einem preußiichen Parlament die Tonart anschlägt, wie Hsrr von Oldenburg. Die preußischen Polen sind nach der Verfassung gleich- berechtigte Staatsbürger. Rechte und sYslichien der Staatsbürger sind nicht so eng miteinander verbunden, da man sagen dürfte: wer die Pflichten gegen den Staat nicht erfüllt, hat auch keine Rechte. Die staatsbürgerlicben Rechte hat auch cin zu Zuchthaus Verurteilt-r. Ich gebe zu, daß der Wortlaut der Verfassung diese Vorlage zuläßt, aber wir machrn eine [axe Auslegung der Verfassung nicht mit. Wo irgend Zweifel bestehen, werden wir vor dem.©rundges€iz des Staates Halt machen müffen; die Majorität allein kann darüber nicht entscheiden, sonst könnte jede Maiorität gegen die Verfassung Verstoßen. Grundgese e können selbstverständlicb nicht (1118 einzelnen Fälle regeln, aber wo weifei bestehen, darf man nicht durch eine falsche

uslegung Rechte verkürzen. Die Verfassung muß nach ihrem Sinne, nach ihrer Bedeutung außgelegt werden. Wenn Art. 9 der Verfassung_ das Eigentum nur aus Gründen des öffentlichen Wohles beschranken läßt, so zeigt uns die Entstehungsgesckoichie des Enteignungsieseyes von 1874 deutlich, was unter öffentliHcm Wohl in dieser 3 eziebung zu verstehen ist. Danach kann es HY nur um das öffentliche Wohl in wirtschaftlichen Beziehungrn, ni t in politischen ragen _bandeln. Noch niemals ist das Cnteignungßrecht aus politis en Grunden erteilt worden. Wir können keine Ersetz- gebung mitmachen, die der Sozialdemokratie in gewiffer Beziehung recht gibt. Für uns ist entscheidend, daß es sich hier um ein Außnabmegeseiz, und zwar um ein Außnabmegeseiz schlimmster Art handelt. Herr von Oldenburg sagt: ich will das Gese nur, weil es ein Außnabmrgesey ist. Das ist ein charakteriiischer Standpunkt. Man zitiert den ürsien BiSmarck, aber dieser hat die MaigeseßgÜbung und das Sozia istengeseß wieder aufgegsben. er hat also mit ' uSnabmcgesesen keine_ guten Erfahrungen gemacht. Das Ansiedlungßgefeß von 1886 bat die Polen gestärkt, den Deutschen aber keinen Nußen gebracht, denn der Grund und Boden in deutschem Vesiß ist im ganzen zurückgegangen. Die konserVaiiven Parteien und die Naiionailiberaien wolien ein Außnabmegesey ge en die Polen, der deutsche Grundbesis soll nicht von der Enteignung etroffen werden können. Dann ist das Geseß überhaupt unmöglich; denn wenn nur Polen enteignet werden sollen, so verleßt die Vorlage den Artikel 4 der Verfassung, wonach alle Preußen vor dem Geseß: gleich sind. Die wirtschaftlichen Crfol e der Ansiedlungspolitik zeigen sich in der Steigerung der Gütervrei? . Wir sind bereit, die Ansiedlungspolitik mitzumachen, soweit sie die wirtschaftlichen Zustände des Landes ver- bessert. Wenn aber nach diesen Gesesen bestimmte (Gebiete abgegrenzt werden, in denen die VesiÉer jeden Augenblick die Enteignung zu be- fürchten babe", ?lauben ie, daß dann noch ein gedeihlicher Wirt- schaftsbetrieb in d esen Gebieten möglich ist? Wir lehnen die Vorlage ab weil sie ein Ananabmegeseß iii, und wir handeln in patriotisrbem Sinne, wenn wir Sie bitten, die Vorlage nicht anzunehmen.

Ab . Lusensky (ul.): Herr don Oldenburg hat gestern die Organiaiion der Ansiedelungskommiifion scharf angegriffen. Es ist nicht zu verkennen, daß das Verfahren derselben in mancher Hinsicht ein sebr langsames isi ; wir werden in der Kom- mission eventuelle Verbesserungen vorzuschlagen haben. Im übri en werden wir uns aber dadurch die Freude am Anfirdkunas- wer nicht stören lassen. Die Ansiedelungskommisfion hat zunächst eine Verschiebun im günsii en Sinne in der Verteilung des klein- bäuerlickpen Be skes der Oßmarken herbeigeführt. Auch in den Städten des An edlun Sgebiets ist eine Zunahme der Bevölkerun a- ziffer um 47 0/0 zu koniiatieren in den Städten außerhalb dieses e- bietes nur um 8%. Die Handwerker, die überwiegend deutsche Meister sind, haben sich in den Städten des AnsiedlungSgebieis in demselben Zeitraum von 20 Jahren um 29,6 0/0 eboben, während in den anderen Städten die deutschen andwerker a genommen und nur die olnischen sich vermehrt *ba en. Au dafür können wir vielle cbt Verbesserun svorschläge macbxn- De Ge ner haben nun die. Ansiedlungsxolitk als eine ganzlich verfe lte hingestellt. Das ist s on eiern widerlegt worden, und ich- weise auch auf die Broschüre es Holen von Turno darüber bin. Dieser nimmt allerdin s darin die Lega ität für die Polen in Anspruch; aber diese Legalit t üben die Polen sicherli nicht dem Gesc e zuliebe, Fondern weil sie unter dem Zwange der eeve sieben. ie Ziele un erer Polenpoliiik von 1886 dürfen wir ni tpreisgeben. Die Vorlage verlangt ins-

gesamt 400 Millionen Mark; der Kommission wird es schwer sein, uber die Höhe der Summe zu entscheiden, wir werden die Summe wohl bewilligen können, an die 50 Miuionen, die für die Sicherung des deutschen Besißes dur Bildung von Rentengüiern gefordert Werden, weil hiermit ein Risiko des Staates nicht verbunden ist. Daher kommt jest die Enteignung in rage. Die Enteignung soll nicht allgemein gelten, sondern ledigli für die Erwerbungen im Rahmen der 300 MiÜionen Mark, welche diese Vorlage für Ankäufe vor- ßebt- Auf die Verfassungsfrage werde ich nicht eingeben, e wird in der Kommission" erörtert werden. Wir sind heute noch nicht in der Lage, uns fur die Enteignung zu erklären. Nur unter gewissen Vorausseßungen werden wir uns damit befreunden können. In bezug auf die Einwirkung der Enteignung auf die PreisbeweZung gehen die Ansichten auSeinander. Man wird Mittel finden muffen, der Spekulation vorzubeugen. Was machen wir aber mit den enteigneten Polen? Der Minister sagte, daß nur der dritte Teil der außgekauften Polen sich wieder anderswo angesiedelt babe. Daraus kann nicht unbedingt auf die Zukunft geschlossen werden. Wenn die Polen in die Städte drängen, so werden wir aui weitere Mittel gegen die polniscbeßGefabr ja den Städten sinnen mussen. In dem Augenblick, in dem wir dieses Gesetz verabschiedet haben werden, entzieht es sick; eigentlich unserer Mitwirkung. Eine derartige Macht wie dieses Enteignungörecht, ist bisher noch nie einer Regierun? verliehen wvrden; wir fühlen uns daher verpflichtet, die Vorlage_n alien Teilen eingehend zu prüfen. Wir sind bereit, an diese Prufung in der Kommission heranzutreten, und wir boffzn, daß_ entsprechend der Bedeutung des AnfiedlungSwerkes diese Prufung zu einem gedeihlicben Ergebnis führen möchte. Die große Kokonisierungwrkeit Friedrichs des (Großen wurde Von seinen eiigenoffen unxzünstig beurteilt, und noch viele Jahre nach seinem ode HJt man ein Werk nicht gebiliigt; erst in späterer Zcit, als man es objektiv beurteilen konnte, hat man es gewürdiat. Hoffen wir, daß die jetzige KolonisierungSarbeit zum Wohle des Vaterlandes ausfällt, daß auch dieses Werk ebenso günstig beurteilt wird, wie das Friedrickos des Großen.

(Schluß des Blattes.)

Bei der Rcrchtagßersaßwabl Für den verstorbenen Abgeordneien Dasbaci) "im crsikn Wahl reise des Regierungs- bezirks Trier (DaunWrum-Bitburg) wurden nach den bis- Herigrxi Ergebmssrn, „W. T. B.“ zufolge, für den Erbprinzen zu Lowensiein (chir) 18317 Stimmen, für Verlage (Block) 801 Stimmen abgegeben. Ersterer ist somit gewählt.

&

Jagd.

' Dienstag, den 3; Drzember, findetKönigliche Varforcc- ]a?d statt. Stelidrchem: Mittags 12 Uhr 30 Minuten am Re taurant „(Hardesiern“.

Verkehrsanstalten.

Breslau, 29. Nodember. (W. T. B.) Die Königliche Wasserbauinspektion macht bekannt: Im Breslauer Hafen- aebiet befinden siÖ so viele Schiffe, daß bereits jetzt seitens der Odersirombauverwaltung Lirgesiellen nicht mehr an- grwiesen werden können. Weiterhin eintreffende Schiffe werden gezwungen [ein, auf freicm Strome zu überwintern, wodurch sie sich unter Umstanden großer Gcfabr ausseßen. Im Auftrage des Ober- Präsidenten wird daher Vor der Bergfahrt nach Breslau gewarnt.

Theater und Musik.

Jm Königlichen Opernbause wird morgen, Sonntag, „Madama Butterfly" wicderholt Fräulein Grete Forst yon der Kaiserlichen Hofoder in Wien singt die Titrlpariie. Von den einheimikckyen K:aften sind die Damen Rotbauser, Lindemann, die Herren Maclennan, Hoffmann, Lieban, Philipp, Gris- wold in größeren Aufgaben beschäftigt. Am Monta werden .Die Meistersinger von Nürnbsrg“ (Anfang 7 Uhl? in folgender Besetzung gegeben: Sachs: Herr Bachmann; Eva: Jräulcin Destinn; Walter Siolzing: Herr Grüning: Beckmeffer:

err Krasa; David: Herr Lieban; Magdalene: Frau yon Scheele- Mülier;__Pogner§ Herr GriSwold; Kotbner: Herr Berger. Dirigent ist der Kapellmeister Dr. Strauß.

Jm Königlichen Schauspieldause gebt morgen, hundertsten Male, Sdakesprares „Julius Caesar" in Szene. Den Caesar spielt Herr'Zimmerer, den Octavius Herr Staegemann, den Marcus Antonius Herr Matkowskv, den Marcus Brutus Herr Kraußneck, dcn Casfius Herr Sommerstorff, drn CaEca Herr Pohl, den Decius Brutus Herr Geisendörfer, die Calpurnia Fräulein doit Arnauld, die Poriia Frau Poppe. _ Am Montag wird Ernst don Wildenbrucbs Schauspiel „Die Rabrnsieincrin' in dcr bekannten Be- setzung wiederholt.

Im Neuen Königlichen Operntheater wird morgen, Sonntag, „Figaros Hochzeit“ in der bekannten Besevung der Haupt- rollen durch die Damen Herzog, Hempel, Mariick, von Scheele- Mülirr, Durch, die Hcrrrn Berger,_Knüvfer, Sommer, Rebe, Krasa und Alma aufgeführt. Dirigent ist der Kapellmeister don Strauß.

Im Deutschen Tk) rater wird am morgigen Sonntag sowie an allen Tagen der kommenden Woche Shakespeares Lusisviel .Was ihr wollt' aufgeführt, mit Yußnadme von Dienstag und Freitag, an welchen beiden Abenden Kleiiis „Prinz Friedrich don Homburg“ in Szene gebt. - In den Kammerspielen des Deutschen Theaters wird morgen sowie am Mittwoch Donnerstag und nächsten Sonntag Wedekinds Kinderkragödie .Früdlings Erwachen“ aufaesübri. Am Montag wird .Der Marquis von Keith“ Von Frank Wedekind, am Dienstag und Freitag Schniylers .Liebelei' und am Sonnabend .Gng und sein Ring“ von Hebbel gegeben.

Im Neuen Schauspielhause wird morgen abend sowie am Dienstag, Freitag, Sonnabend und nächsten Sonntagabend „Zar Péter“ aufgefübrt. (Anfang U Uhr.) Montag wird ,Iuditb', Mittwoch (7z Ubr .Mi-Heidelberg", Donnerstag ,Die große Ge- meinde' gegeben. m Mittwoch, Nachmittags 3 Uhr, wird das Fest- spiel .Stein“, am Sonnabend, Nachmittags 3 Uhr, zum ersten Male das Weibnacbkmärckien „Frau Holle“ dargestellt.

Das Lessingtbeater hat für nächste Woche folgenden Sviel- plan aufgestellt: Morgen abend, Mittwoch und Sonnabend: „Vom andern Ufer"; Montag: .Roömersbolm"; Dienstag: „Kollege Crampton" Donnerstag: .Nora'; Freitag: „Der Biberpelz“; nächst- folgenden Sonntagabend: ,Die Stüyen der Gesellschaft“. Als Nachmittagsvorsteliung ist für morgen .Der Bund der Jugend“, für nächiifolgenden Sonntag ,Die versunkene (Glocke' angesest.

Jm Schillertheater (). (Waüneribeaier) wird morM nacb- miitag „Das vierte Gebot“, morgen abend sowie am itiwoch .Reiierattacke' geasben. Montag und Donnerstag geht das Volks- stück „Gebildet? Menschen", Dienstag und Sonnabend .Das vierte Gebot", Freitag ,Monna Vanna' in Szxnr. Für nächsten Sonntag ist Nachmittags ,Traumuluß“, Abends „Heimat“ ankeseßt.

Das Schillertheater Charlottenburg br nä: morßrknonacba mittag „Maria Stuart“, Abends „Wilhelm Te '. niag, Freitag und Sonnabend wird „Maria Siuart", Diensta „Reiter- attacke', Mittwoch das Lusispiel ,Gebildete Mens en" ge- spielt, am Donnerstag gebt .Roßmersbolm“ in Szene, nächsten Sonntagnacbmittaa .Der Richter von Zalamea', Abends (zur Feier von Björnsons 75. Geburtstag) „Ein Falliffement'. -- Morgen, Mittags 12 Uhr findet im Schillertheater Charlottenburg dasxleyte diesjährige Sonntagskonzert statt;'-- im Bürgersaal des Bsesrlltiitiisckpen Rathauses wird morgen ein „Mozart-Adend' der- an a e.

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