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Türkei. Aus Konstantinopel, 27. Septerrrber, wird der 'France- telegraphiri: vDie PforteUbefthä'strgi fich. 1th [ehr ange- legentlich mit der Frage der Vakuf-Oacularrsatwn (;;„uadPasch-a bin ganz bestimmte Anträge gestellt), Dani) Pajcba ist im Begriffe, nach dem Libanon auf seinen Posten zr:rrzchzrr_keh1*c:1.- .
Nach der neuesten Levantepost darf in Konstantinopel der
nicdergebrannte Stadttheil nicht mehr aus Holz, sondern muß aus .
Stein aufgeführt werden. - Die Sanitäts-Kommisfion wurde
aufgelöst. - Eine neue Gesellschaft für Schleppschiffe im Bosporus €
at : ebildet.
h s(Ziegserbische Regierung will bon Belgrad aus guer drrrchs Land südwärts das Morawathal hinaus eine Eisenbahn bis Alrxmarz (unweit der türkischen Festung Nissa) anlegeri, " Bevor fie aber dre Konzession dazu der englischen Compagnie, dre 11ch gemeldet, criberlt, will sie die Ansicht eines Ingenieurs hören, drn fie fich, wre der »Moniteur- Meldet, von der französischen Regierung. erbeien hat. Die Bahn icheint dem vMoniteur- sehr wichtig zu sem, nicht nur
fiir Serbien selbst, sondern auch als Mittelglied fiir einen direkten .
Schienenweg zwischen Wien und Konstairtiiroprl. .
Bucharest, 22. September. Der heutige deiirtornla ber- öffentlicht die Konzession zu einer neuen Eisenbahn v011'_Bncharest nach (Hiurgewo, welche Fürst Kufa der Geieilschaft Stanrsorrb, und Barclay verliehen hat. -- Die französische Regierrrng hat dem Jursten Kufa eine Note zugehen lassen, welche die Emyr'rbrrrng' des Tabak- monopols als für die Regierung dcs Fürsten "gciabrlrch urid rin- zweckmäßig darstellt. Wabricbcinlich wird der Furit dic Ratbschlagc befolgen und das Tabafnwndpol wieder aufheben.
Rußland und Polen. St. Petersburg, 30. Septem- ber. Ueber den Unterricht im Russischen in _den Oftsecpro- vinzen bringt die »Russ. St, PeterÖb. ZKF“ irczchx'olgenden Artric1:
In den Oftseeprovinzen ist das Deutsche die oisrzrelle Sprache,"-m welcher auch in den dortigen Schulen unterrichtet wird, rind , das Rusmchc hat als eine neue Sprache für die baltischen nynriasten dieiclbr Bedeutung, welche das Deutsche und Französische für die ru1si1chcn_Gymnaßrii hat." Da (1697 das Rassische zugleich die vaterländische Sprache ist, muß ccd natririici) eine höhere Bcdrutung in den baltischen Gymnasien haben, als das xzranzofixchc und Deutsche in den russischen. “Und soist es. Nach dem SYulreglementbbm 19. November1864 haben alle sieben Klassen der rusmchcn Gymnaiicn 19 Lectionen wöchentlich, und da jede Lection 1'z Stunde datiert, macht dies 25 Stunden wöchenilich. In den baltischen Gymnasien, die rrunmchr auch 7 Klassen haben, find dem Russischen Z:“) Simiden' wörbcniirch zch- wiesen, so daß auf jede Klasse 5 Stunden kommen. Es ist dies em Zroßer Unterschied! Schon beim Eintritt in die unterste. Klasse muß“ der Zogimg das Russische geläufig lesen und ohne zu grobe Fehler nach Diktat 1chk€lßi11 können und eine Zathörier und Redensarten kcnricii. J11,der:),(11achru11r- scher Art. die Klassen zu benennen, in drr 3.) wrrd bereits dcrjgarrze ety- mologische Theil der russischen Grammairk beschlossen, ianer Z., Z. und 1. außer der Syntax auch noch die rus111che (Heicyrcbte rus1rxch vorgetragen, und in der 1. Klasse kommt dazu noch ein Abriß der ru1111rhcn Brieratur- geschichte. Bei einer guten Methode des Vortrags kdnimeg dic S-cbuler der beiden obersten Klassen dahin, daß sie mit Leichtigkeit rrrsjischr 'Bucber lejen können, und um das Lesen dieser Bücher zu erleichtern, rst bir ]edenr „Gym- nafium eine russische Bibliothek eingerichtet. Birder Abrturrcnten-Prnfung muß der Examinand einen Aufsaß in ru1s11cher Sprache obne «i_ic Hilmeittel schreiben Eine weitere Auödebnung des Unterrichts im Nu":- schcn in den baltischen Gymnasien wiirde iiicht mir keinen Yußcn brmgjscn, sondern nur schaden, weil fie die andrren Unterrrchtögcgensiandc bcciritrach- tigen müßte. Wenn aber für das Gedeihen „des Sjtudrums der rr:)_s_r]chen Sprache etwas geschehen müßte, so bestände dies darm, daß muri ruymcber- seits für die Ausbildung guter russischer Lehrer Sorge irrige. Wie groß der Mangel an guten Lehrern des Ruifischen mz den Ostfeeprovinzen ist, geht daraus hervor, dch die Lokal - «ck10- behörde solche Personen als Obrr-„Lchrer dcr rujmchen Sprache amici- len muß, die geseßlich kein Recht zu 1olchen Stellen haben und wclchen'cine bestimmte, oft ziveijährige Frist bewilligt wird, um fich zu dem erforderlichen Examen vorzubereiten. Der Korrespondent der »R; St. P. Za rail) daber gewissen russischen Zeitungen, statt den Wunsch auszmprechen, daß der Um- fang des Unterrichts im Russischen in den Oftseeprovmzen erweitert werde, sich für Beschaffung solcher Lehrer zu bemühen, welche"durch ihre Bildung befähigt werden, sich und ihrem Gegenstande dic gcbuhrende Achtung zu
chern. . fi Odessa. Die Cholera ist, dem 'Odessaer Bot.- zufolgeUm Odessa am 13. September ausgebrochen, an' welchem Tage 10 Per-
sonen erkrankten, von denen 4 starben.
Amerika. New-York, 16. September. Von den pro- visorischen Gouverneuren mehrerer Staaten ist bekannt gemacht wor- den, daß alle Personen, welche dem Präsidenten zur Amnestiru'rrg vorgeschlagen sind, bei den bevorstehenden Wahlew mitstimmen dur- fen, auf die Annahme hin, daß die Amneftirung ]edenfails erfolgen Werde. Man schließt daraus, daß jene Beamten allen Grund haben, auf eine von dem Präfidenten zu erlaffende allgemeine Am- nestie zu rechnen; denn andernfails würden die Wahlen ungeseßlich und null und nichtig sein. --- Die erste Sihung des Kongresses wird auf die Lage der Dinge und die Verhältnisse der Parteien schon ein Schlaglicht werfen; denn der siandhafte Bckämpfer offener rind versteckter Sklaverei, Senator Henry Wilson, wird gleich am crurn Tage einen Geseyvorschlag zur Amendirung der Constrtutidn cm- bringen, kraft dessen »allgemeines Wahlrecht- zu einem integrtrenden
Theile des Grundgeseßes erhoben werden soll: mit andern Worten, dcn Farbigen soll das Stimmrecht verliehen werden.
Einwanderungs-Gesellschaften bilden fich allerwärts im Süden , denn das Bedürfnis; _einer Vermehrung der Arbeitskräfte ist groß. Man rechnet auf Hünderttausend, die vor Ablauf dieses Jahres aus dem Norden in den Süden iibcrfiedeln werden. Land ist wdhlfeil und verlockexide anerbietungen werden vorgehalten. Die Communicationen bessern fiel) Von Tag zu Tage; die Obio-Mobile- Bahn ist in ihrer ganzen Länge wieder eröffnet.
- 20. September. Eine amtliche Korrespondenz, welche im
' März und im August d. J. zwischeii Herrn Seward und Herrn
Adams gewechselt wurde und fich auf die südftaatliche BaumwoÜ- Anleihe sowie auf eine von dem englischen Vicckanzlcr Stuart be-
* ircffs einer nach England geschickten Quantität siidsiaatiicher Baum-
woile bezog, ist veröffentlicht worden. Herr Adams wird iii dersel- ben ermächtigt, dcr britischcn Regierung in freundschaftlichcr und höflicher Weise vorzusicUcn, daß die Vereinigten Staaten die Combination don Rechen niemals als eine Regierung (%.-3 121010 anerkaimr odcr angesehen hätten, das; fie fiir die 13011 den Re- bcilcn fontrahirten Schulden iiicht verantwortlich sein könnten, daß fie auf die Rückerstattung der Baumwolle in dem vorliegenden Jaile bestehen müßten. Wiihrend dic Regicrrmg der Vereinigten Staaten fich damit begnügen werde, die Baumwolle Krafr cines Bcscbluffes der britischen Gcrichtc zurück zu erhalten, könne fir, was den Rechtsbunkt betreffs, nicht drwdn abgeben, das; die britische Regierung selbst berpftichtct sei, die Auslieferung zu veranlassen. Die Vereinigten Staaten wiirden es durchaus nicht als ihre Pfiicht ansehen, fich den Bedingungen, welche ein britischer KanzleigcrickUZ- iwfwdrr irgend ein Munizipalgcricht vorschreibe, in dem gegen- wcirtigcn Jäile anznbcqucmcn. Der zwischen Hrn. Seward Und Hrn. Adams gefiibrtcn Korrespondenz liegen folgende Thatsachen zu Grunde. Hr. Priolcau erhielt gegen Ende Mai ein Cargo Barrmwoilc, welches im Anfang Mai, vor der Ucbrrgabe de:“; Gcncrals Kirby Smith, ans Gaibcsion in Trxas ausgelaufen war. Im Namen der Vereinigten Staaten wurde in London von dem Iicc-Kanzlcr Sir W. P. Wood einc richterliche Entsédcidrmg berlaiigf, das; Hr. Priolmu kein Recht babs, Über jene Barrmwolle zu verfügen. Es kam zum Pro- zesse und der Entscheid lautete: *Die Vereinigten Staaten seien nach dem Zusammensturz der Konföderation Unzweifelhaft dicEigen- thiimrr dcr Baumwolle geworden, znglcick) aber seien fie anf cine (KE i'aarc) Regierung gefolgt imd biirtrn daher auch drrcn Vcr- bindlichkeiien zu Übernehmen, die auf der Baumwolle haftenden 20,000 Pfd. St. seien dabsr dem Bcklagten (Priolcan) znzucrkcnncn. - Der Corrbcirtibn von Alabama sind Resolutionen vorgelegt worden, wclche dcn Widrrrnf drr Scresfions-Er-
“klärung, die Abschaffung der Sklaverei und das Verbot ihrer
Wiederherstellung, dic Verwerfung dcr ConsörerationSiehnld, die Bestätigung der während der lebten Jahre erlaffcncn und Mit den Anordnungen der UnidriI-Regicrung nicht im Widerspruchcstebrnden Verfügungen und gerichtlichen Entscheidungen befürworten; fie sprcchen ferner die Verpflichtrmg dcs Staatcs aus, sich der Neger fiirsorgend anzunehmen,“ die Revision der Staatsverfassung soll einer späteren Session Vorbehalten bleiben. General Swayne, einer der Konrmiffarien dcs Emancipirtenbiircaus fiir Alabama, bat im Ein- verscändniß mit dem Gouverneur Parsons angeordnci, daß alle Arbeitsconrracte zwischen Pflanzcrn und Ncgcrn schriftlich abgrfaßt werden müssen. Zum Sebrixze dcr Neger sollen die Erntc-Erträge nöthigen Fall:? für die Zabiung der Löhne baffbar sein, zum SCHUHE dcr Pfianzcr sollen diejenigen Neger, Welche fich wcigcrn, dcn festge- seßten Bedingungen nachzitkommcn, als Landstreicizcr arrciirt, zur Arbeit gezwungen werdrn. Das Zcrrgrriß dcr Neger irird bon cht ab vor Gericht zugelaffcn. - Die Conwention von Siidcaro- [ina hat die Seccsstonserklärung annullirt; drei Stimmen stimmten gegen den Beschluß. - In St. Louis geht ein Prozeß gegen eine Anzahl von Leuten vor fick), die angeklagt find, während des Krie- ges auf den Flüssen des Westens Dampfschiffe verbrannt zu haben. Der Vertheidiger erklärte, daß er Jefferson Davis und andere Mitglieder der weiland südsraatlichcn Regierung als Zeugen citiren werde. -- Die canadischen Behörden haben den Banken von St. Albans in Vermont die von den berüchtigten Streifziiglern geraub- ten Gelder zurückerstattet. -- Die brasilianische Regierung hat die von der Regierung der Vereinigten Staaten gegebene Erklärung und Genugthuung betreffs der Wegnahme des conföderirten Kreuzers »Flo- rida-c durch den Unionsdampfcr rWachusett- in dem Hafen von Bahia als vollständig befriedigend bezrichirrt.
Die im Pariser vMoniteur- vom 30. September veröffentlichten neuesten Nachrichten aus Mexico vom L7sten und Vcra-Cruz vom 31. August lassen die Lage der Dinge in angenehmem Lichte erschei- nen. Die indianischen Stämme in dcr Sonora fuhren fort, sich dem Kaiserreiche zu unterwerfen. Jm Innern des Reiches war Alles ruhig. Der Kaiser Maximilian hatte sich am 25. August von der Harrptstadt nacb dem 15 Stunden entfernten Pachuca und nach den Bergwerken von Real del Monte begeben, wo 6000 Arbeiter beschäftigt find. Tehuacan, wo der Juariftenfiihrer Figueroa 100
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Mann österreichisch-mexifanischrr Bcsaßung am 15.2[uguft iiber- rumpelt und niedergemacht hatte, war Tags darauf von Kaiserlichen Truppen wieder befeßt worden, aber des Figueroa hat man, troy zweitägiger Verfolgung, nicht habhaft werden können. Zu, diesem kühnen Bandenfiihrer glückte es sogar noch, in der Nähe von Oajaca eine vom österreichischen Major Klein gefiihrteKolonnc mit cmpfim- lichem Verluste zurückgeschlagen. General Gras Thun ist daher nach der Stadt Oajaca kommandiri rvorden, während Obcrft-Lieritciiant d'Ornano von Tchuacan, wo er nicht mehr nöthig war, am Liisten “August nach Mexico abmarscbirte.
Nach den jüngsten Bcricbten aus und iiber Haiti wäre die Lage des Präsidenten (Heffrard und seiner Regierung eine sehr ge- fährdete. Der Geschäststräger der Reprtblik in London. hat dagegen Nachrichten empfangen, denen zufolge Präsident Gcffrard am 8. September in Gonaibcs war, wäbrend eine Division Infanterie schon gegen Cape-Haitien, die von den Jusurgentcn bescßtc Stadt, vorgeriickt war,“ andere Truppen zog die Regierung nach demselben Punkte hin zrrsammen, Die Llufriihrer wnrden enger und enger ringcschloffcn und ihre Schaarcn lichtctrn sich Tag für Tag durch Desertion, Krieg und Hungersnotl).
Berichte aus Rio de Janeiro vom 9. September geben den Vrrlrrsi, welchen die Paragiriien in dcr neulicbcn Schlach erlitten, auf 2400 Viaim an. Einen Parlamentair, wclchen General Flores track) dem Kampfe 311 den Paraguiten schickte, soUen dieselben er- sclwffen haben.
Asien. Die neueste Ucbcrlandpost mit Nachrichten aus Cal- cutta, “ZZ., Singapore, 19., Und Hongkong, 12. August, meldet, daß in Bhutan friedliche Arxöficbten sind. Anstatt San- kdliufin, welchcr gestorben ist, wurde Tscng Kirofan Gencralisfimus der Kaiserlich chinesischen Trnpprn, dessen Gefinmmg den Fremden “feindlich isi, aucb Prinz King, wclcher das auswärtige Amt leiiet, ist ein Feind der Fremden. -- Birrgebine soll ertrunken sein. **»
Australierr. Ans Nerrsceland sind Telegramme einge- ikkOffLU, nach denen die Truppen der Kolonie Unter Gouverneur Grey die Warbco-Verschanzrmg genommen und 57 Gefangene ge- macht haben," ein Angriff, den die Eingeborenen auf HaU-hau vcr- sucbten, wurde von den Truppen abgeschlagen, Das Ministerium Weld brachte die Adreffe im Unterhause ohne Einwurf, im Ober- bansc mit “16 gegen 2 Stimmen dnrck). Fünf Regimenter kehren sofort nach England zurück. -- Bci Orara sind zwischen den Madrics Und regulairen Truppen mehrere Gefechte fiir lrßtcre günsiig artsgcgangen.
Teiegrapbisrhs Depeschen aus dem Wolf f 'schen Telegraphen-Vüreau,
Hamburg, Sonntag, 1. Oktober, Nachmittags. Nach den neuesten aus Nordschlcswig bier eingetroffenen Zeitungen find iir Hadersleben mehr als 30 der arbeitenden Klaffc angehörige Eiri- wobner beiderlei Geschlechts" wegen des Tragens von Danebrog- schleifen, so wie wegen des Abfingens dänischer Kriegslieder in Strafe genommen worden. Es wird ferner gemeldet, daß an der südlichen Grenze Jütlands die Errichtung dänischer Unterrichts- “Anftaltcn, einer landwirtbschafilichen Hochschule, so wie einer Vor- bereiirrngsanstalt für Gyiimafiasten, bevorsteht, um Propaganda für das Eiderdänenthmn in Nordscbleswig zu machen.
Hamburg, Montag, 2. Oktober, Morgens. Dic »Hambur- ger Nachrichten- theilen mit, daß der Herzog von Oldenburg auf Schloß Güldenftein einen Adjutanten des Feldmarschall-Lieutenants von Gablenz empfatrgen babe, welcher einen bevorstehenden Besuch des Statthalters am Hofe zu Oldenburg anzumelden hatte.
London, Sonntag, 1. Oktober, Morgens. Gestern hat der Prozeß gegen die Ferrier begonnen. Die Anklage lautet auf Hoch- berrath, Die Verschworenen soilen die Absicht gehabt haben, die Aristokraten zu ermorden und eine Republik zu proklamiren und sollen zu diesem Zwecke Waffen und Gelder gesammelt haben.
Kopenhagen, Sonntag, 1. Oktober, Nachmittags. Der mor-ZM zusammentretende Reichstag wird bis 31111120. Roycmber dertagt werden.
Kunst: und Wissenschaftlicbe Nachrichten.
. Berlin. Ueber Stettin kam dieser Tage, der „N. Pr. Ztg.- zufolge, eiiie merkwurdige. für das Museum bestimmte Antiquität hier an, eine aus Eichenholz gejchnißte 10 Fuß lange Säule. Dieselbe ist 800 Jahre alt und irrig vor Jahrhunderten in einer mit Thüre und Gitterwerk verschlosse- nen Nische'das goldene Standbild des (Höhen Triglaff. Als vor 600 Jah- ren „der Bischof Otto von Bamberg nach der Insel Woüin kam, um das Chrisienthum zu verbreiten, wurde dieses Gößenbild gleich vielen anderen eingeicbmolzxn rind von dem daraus gcmünzten Golde die erste Kirche auf der Insel Wollin erbaut. Die Säule wurde indeß bis auf unsere Tage 111 dortiger (Hegind aufbewahrt.
. -- Jm Laufe des Sommers find in dem Berliner Königsscb loß unter LeriunZ des Ober-Hof- und Hausnmrscballs Grafen Von Pückler wieder bederitwme und bemerkenswertbe Renovationen ausgeführt, in Betreff deren Berlnrer Blätter Nachfolgendcs berichten: Die Renovationen betreffen dies- mal eme Mr_ibe von Gemächern vom Portal Nr.2 bis zur Ecke, der Stech- bcibii „gegenuber im ersien Stockwerke, die sogenannten »K'ammern der Korrtgm Muttercs. Dieie Wohnung war in dem leisten Decennium des vorigen quryunders mit allem Luxus des damaligen Geschmackes ausge- stattet. Künstler wie Carstens hatten ihr Bestes in Deckenmalerei bei- getrczgen. Das Material wurde ebenfalls nicht grspart. Marmor- panalc und Femterfüllungen, wie Tbüreinfaffungen aus kostbarem Marmor _ und noch woblerhalten aus jener Zeit vorhanden. Es kam alw darauf an, das vorhandene Werthvoile zu erhal- tctr oder _wirder herzustellen, dabei jedoch den Anforderungen des heutigrn Geichmackes zu genügen. Die Aufgabe ist vollkommen gelun- gen. Steigt man die'im vorigen Jahr aus schlefischem Marmor voUrndeie nerre Marmortreppe hinaus, so gelangt man durch ein einfaches, aber sehr crmprechcndes Entree, durch einige geschmackvoll eingerichtete Vorkammern in einein Salon mit blauer Damastiapcte. Den alien Superportrn, »die Erziehung des Achillcsa darsteilcnd, von Curringbam, schließen fick) als_ Uebergang zu einer neuen Kunstepocbe einige in diese Zimmer placrrte Bilder aus der “ersten Zeit der Düsseldorfer Schule, wie »der Raab dcs Hylascc von Sohn, »der Fischer nach (Höthea von Hübn er in un- Zezwungencr-Weije an. Folgt man der Richtung in der Front nach dem Hofe, 10, tritt man in ein Empfangszimmcr von grüner Seide. Dieses (Hernach ,ist fast ganz in seiner früheren Gestalt wieder hergestellt, auch die Mk placirten Familienportraits find geblieben. Das nächste Zimmer ist zu cinen) pracbtigcn (rothseiden Damast mit vergoldeten reich verzierten Tape- tenlersierr und einen eben solchen Beitbaldachin) mit heiteren Landschaften bon Eichborn und Schenken geschmückten Schlafgemach umgestaltet. Beide genannte Zimmer find mit dem äoubie ayyartement nach dem Schloßplaße hinaus durch Tapetenthüren in Verbindung. Verfolgt man die geradeKRichiung, gelangt man am Ende bis zur Ecke des Hofes in ein reizendes Kammerdamenzimmer. Neben diesem liegt ein mit 3 Gaskronen cricuchieterKorridor, der den Eingang von der Ecktreppe bildet. Von hier aus geiangt man in einen äußerst geschmackvoll, in seiner ursprünglichen Schöir- h_elk wiederhergefteüicn obalen Salon mit Wänden von Stuckmarmor mit einem arts imitirtcm Onyx ausgeführten umlaufenden Fries. Neben diesem Dirmemalon liegt gleichfalls ein prächtiges Schlafgemach, während in der Richtung 11ach der Kurfürstenbrückc hin zwei Prachtsalons in gelber und rothcr Seide zum großen Speisesaal führen. Derselbe liegt über Portal Nr. L. „Wände und Säulen find von Stuckmarnwr. Die Spiegeiwand ver- dient „bier ganz besonders Beachtung und drei lebenSgroße Gruppen aus carrar11chem.Marmor, von E. Wolff in Rom: »Eine trauernde Psycbece, O_on Voß m Rom: »Bachantin mit einem jungcn Bachusa und von Carrer in Kreuznach: »Vlumen spendendcr (Heniusa geben dem ganzen Raum, der auch fiir Allerhöchste Herrschaften als Empfangssaal geeignet scheint, ein festliches Ansehen.
- Wir Berliner Blätter miiiheilcn, bat der Bildhauer B egas das Modell zum Denkmal für Schiller den kontraktlichen Bestimmungen gemäß drr zur Prüfung des Entwurfs niedergeießtcn KontrolL-Kommisfion vorgelegt. Dieselbe bat das Modell als ein solches erkannt, nach welchem die Aquüh- rung erfolgen soll, und tritt damit der Kontrakt in Giiltigkeit, nach welchem das Denkmal am 10. November 1869 in Marmor nicht nur vollendet, ion- dcrn auch aufgeftclit sein muß.
- In der hiesigen mcdizinischen Gesellschaft hat, den »Berl. N,« zu- folge, Profeffor Hertwig an der biefigrn Thierarzneischule, welcher von der Regierung den Auftrag hatte, die in Rußland, England, Holland unter dem Rindvicb herrschenden Seuchen zu untersuchen, einen Vortrag ge- halten, welcher bestätigt, daß die in England und Holland herrschende Epidemie die von Rußland aus verbreitete Rinderpcst isi. Sie ist durch das rusfi1chc Stcppcnbich, das die Engländer bezogen haben, eingeschleppt wor- den. Nach Holland ist die Epidemie dadurch gekommen, daß ein hollän- discher Vicbhändler sein nach England ausgeführtes Schlachtvieh, welches er nicht boch genug dort vcrwerthen konnte, wieder zurückzog, und dasselbe war mit kranken Thieren in England in Berührung gekomnmn. In unseren östlichen Landestheilen (namentlich in Schlesien) bestehen nicht erst aus neuerer Zeit, sondern von jeher die strengsten Vorsichtsmaßregeln gegen die Ein- schleppung der russischen Rinderpesi durch Steppenvieh, Häute, Hörner und dcrgleichcn.
-- Or. Löbbert, Dozent der klasfischen Philologie an der Breslauer Universität, hat, der „Prov. Ztg. f. Schles.« zufolge, einen Ruf als Pro- fessor der Philologie an die Universität Gießen erhalten. l)r. Lübbert, der
fich jeßt während eines Jahres in Rom aufgehalten hat, wird diese Pro- fessur schon zu Anfang des bevorstehenden Wintersemesters antreten.
*- Die »Scblefische Zeitunga schreibt: Der krainische Historiograph Herr P. v. Radics in Laibach hat bei der von ihm vorgenommenen Ordnun der dortigen Fürst Carlos Auersperg'schen Hausbibliothek eine äußerZ interessante handschriftliche Chronik der von 1654 bis 1791 Fürstlich Auerspergscben Stadt Frankenstein in Schlesien airfgefunden. Die Chro- nik wurde von dem Frankensteiner Rathssenior Martin Kobliß 16.55 für den Fürsten Johann Weikhari von Auersperg zusammengestellt und mit Abbildungen der Stadt (zum Auseinandcrfalten) geschmückt,“ fie führt den
Titel: ;FrankensteinischcJahreszeitungrna und umfaßt 761 Seiten Kleinfolio.