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der Polizei über nicht streitige Forderungen im Betrage von mehr als 500 Rubeln werden dem Civilgerichtshofe eingereicht.
8. Ueber die Prozesse in streitigen Civilsachen. Klagen über Summen im Betrage von mehr als 500 Rbl. werden in den Civil- Gerichtsböfcn und anderen diesen gleichstehenden Gerichtsstellen anhängig gc- macht. Nach Empfang der Klage ladet das Gericht den Angeklagten, wenn dessen Wohnung in der Klage angegeben, durch eine schriftliche Aufforderung, oder falls dessen Wohnung unbekannt ist, durch einen Aufruf in den Zei- tungen vor Gericht. Der Kläger, welcher die Wohnung des An- geklagten nicht angeben kann, hat 6 Rubrl zu entrichten, um die Druckkosten für die öffentliche Vorladung zu decken. Den Parteien Werden folgende Termine zum Erscheinen vor Gericht [32- siimmt: von einem Monat , wenn der Angeklagte sich in Ruß- land befindet, von 4 Monaten, wenn er fich im Auslande aufhält und von 6 Monaten, wenn sein Aufenthaltsort unbekannt ist. Der Civiiprozcß wird nur dann durch Nachfragen, Nachweise und Dokumente ergänzt, wenn die Parteien darum bitten oder fick) darauf berufen. DieBerufiing wird dem (He- richteingereicht, welches das Erkenntniß erlassen hatund von diesem im Laufe einer Woche mit den Original-Akten der höheren Instanz übermittelt. Die Appellations- Instanz entscheidet jeden Prozeß, ohne zu einer neuen Verhandlung in der ersten Instanz zurückzukehren. In allen Prozessen, welche in den Civil- (Herichishöfen als erster Instanz anhängig grmacdt, oder denselben ohne eine Resolution in den Behörden erster Instanz Übergcbrn worden sind, können die Parteien bei der Appellation an den dirigircnden Senat neue Beweis- stücke und Jncidentgesuche einreichen. Bci Klagen, welche Forderungen von 500-600 Rbl. betreffen, und nach den bisher üblichen Vorschrif- ten von den Civil - Gerichtshöfen im ApprliationSwege durchgesehen sind, ist eine Appellation an den Senat nicht zulässig. Incident- klagen find in folgenden Fällen gestattet: Wenn Klagen oder
AppeUationen nicht angenommen odrr zurückgeschickt worden sind ,' gegen die F-iseßung der Gerichtsbarkeitx wenn auf die Ablehnung eines Richters nicht
gangen, oder ein Beweisstück zurückgewiesen worden ist," gegen die Be- . mungen über die Sicher|ellung der Schuldforderung,“ über die Verwal- tung des streitigen Gutes oder über besondere Verordnungen in Betreff desselben,“ gegen die Anordnungen bei Vollstreckung der Erkenntnisse," über Langsamkeit,“ Über Zurückweisung eincr Jncideniklagc: iiber das Verfahren des Gerichts bei Vollziehung und Bescheinigung von Dokumenten, bei Ein- seyung in Beßß oder bei Einsetzung eines Schiedsgerichts und iiberhaupt gegen alle Verfügungen und Anordnungen des Gerichts, welcbe nicht im AppellationSwege getroffen find. Jncideniklagen müssen im Laiife eines Monats nach Bekanntmachung der Bcsiimmung, gegen Welche Beschwerde erhoben wird, wenn keine solche Bekanntmachung erfolgt ist, im Laufe von 2 Monaten nach Durchführung jener Bestimmung eingereicht werden. Die gegenwärtigen Vorschriften Werden sofort nach ihrem Eintreffen in den Ge- richtsbehörden in Anwendung gebracht, ohne dcöhalb die bereits erlassenen VerfüFUUZen umzustoßen.
ll , Ueber die Geschäftsführung. Es wird dem Justizminister frri- gestellt, alle diejenigen Anordnungen behufs Abänderung der inneren Gc- schäfisführung in den Gerichtsbrdörden zu treffen, wclche erfahrungßmäßig als nothwendig erscheinen und weder den Reglements vom 20. November 1864, noch den gegenwärtigen Vorschriften widersprecbcn. Gegenwärtige Vorschriften werdcn augenblicklich in allen Gouvernements, welche nacb au- gemeinen Gesehen verwaltet werden, und im Gebiet Bessarabien eingefiihrt. Ueber die Anwendbarkeit derselben für die baltischen Gouvernements, Sibi- rien, die Länder der Kosakenheere, Kaukafien und Tran'skaukafien hat der Justizminister mit den Lokalbehörden in Verbindung zu treten. Die verein- barten Vorschläge smd zugleich mit dem Gutachten des Ober- Dirigirenden der 2. Abtheilung der eigenen Kanzlei des Kaisers auf geseßlichem Wege zur Prüfung und Bestätigung vorzulegen.
Warschau, 28. Oktober. In der Nacht vom Donnerstag zum Freitag, um 3 Uhr Morgens, wurde Prälat Rzewuski, der seit der Verhaftung des katholischen Erzbischdfs Jelinski im Jahre 1863 und dessen Jiiternirung im Innern Rußlands hier als Ad- ministrator der Erzdiözese fungirte, verhaftet und sofort mit einem Extrazuge nach Rußland abgeführt. Der Verhaftung, schreibt man dem 'DreSd. Journ.-, ging eine strenge Revifion, nicht nur der Wohnung Rzewuski's, sondern auch der Pfarrkirche St. Johann voran, in welcher sogar die Gräber in den Katakomben durchsucht worden find. Der amtliche :Dziennif- theilt die Abführung des Administrators der Erzdiözese und deren Motivirung in einem langen Artikel mit. Denselben Blatte wird geschrieben: Seit einiger Zeit ist es nicht mehr gebräuchlich, daß Leute, die in den vor- geschriebenen Stunden ohne Laterne auf den Straßen angetroffen werden, in Haft geseßt werden sollen. Eine jede ohne Laterne angehaltene Person, die in ein Polizeibiireau gebracht wird, hat jetzt nur eine Geldstrafe zu entrichten, die vom Kommiffar nach Stand des Angehaltenen bemessen wird, und nur bei Zahlungs- unfähigen tritt der Fall ein, daß fie die Geldstrafe am folgenden Tage abarbeiten müssen. Lchtercs smd fast nur Tagelöhner. denen dann noch außerdem für das Fegen der Straßen die fiir Sträflinge im Allgemeinen festgeseßten Rationen verabreicht werden. - In dem hiesigen schönen Brühlschen Palais wird nächstens, wie der amtliche *Dziennik- mitthcilt, eine russische Apotheke eingerichtet werden, in welcher nicht nur die Aufschriften russisch sein werden, sondern auch der Preis der Medikamente nach den in Rußland ge- schlichen Bestimmungen gelten wird.
- In dem oben erwähnten Artikel des »Dziennik- heißt es:
»Am 27. d. M. wurde derAdministratoc der Warschauer Diözese, Nzewuski, auf amtliche Verfügung aus Warschau entfernt und nach der Siadt Astrachan abgeschickt, die ihm fortan zum Aufenthalt bestimmt ist. Diese Maßregel, mit der die Regierung bis zum Aeußersten zögerte, in der Hoffnung, der Bisthumsverweser werde endlich zu besserer Erkenntniß der
Pflichten gelangen, welche seine Stellung ihm auferlegt, wurde hervor- gerufen durch den Troß, womit derselbe durch die ganze Dauer seiner, Diözesan- Vrrwaltung sich der Ausführung aller Regierungs-Verfügungen widersehte, einen Troß, der fich bis zur fichtlichen und systematischen, eben so fruchtlosem, als mit den wohlversiandenen Interessen der Kirche selbst unverträglichen Opposition steigerte. Dieses Widerstreben gegen die Regierung zeigte R. schon bei Uebernahme der Diözesan-Verwaltung.« Weiterhin wird dann speziell erwähnt, daß unter R's. Mitwirkung von Warschau aus das Signal für die aUgemeine Kirchentcauer gegeben, daß er sich der Ablegung der Traurrkleider, wie dem Wiederbeginn des Kirchen- geläutes beharrlich widerseyt, und troy wiederholter Warnung nicht nur einen intimen Verkehr mit dem römischcn Nuntius in Wien unterhalten, sondern auch kirchliche Anordnungen desselben durch von ihm legalifirie Kopircn ohne Vermittelung der Behörden an die Konsistorien anderer römisch-katholischer Bisthümer im Königreich mitgetheilt habe. Lcßtcres Verfahren verstoße gegen bestimmte, noch von den sächsischen Königen her- rührende, später oftmals bestätigte Vcsiimmmigen und babe daher nicht unge- ahndct bleiben können. Außerdem aber habe der BiZthumsNrwescr fich noch dadurch schuldig gemacht, daß er in einem Warschauer Kloster unge- scßliche Wahlen zu Klosterämtern habe vornehmen lassen, anstatt selbst eine vertrauenswiirdigc Person zu wählen und fie der Regierung zur Bestätigung zu präsentiren, wie es die gescyiichcn Vorschriften verlangrn. Dcr »Dziennika schließt: »DieRegirrung hat, indem sie den ViZthumsverwescr in ein fernrs Land mit mildem Klima sandie, aus Rückficht auf sein Alter und seine Würde ihm die Mittel zu. einem anständigen Auskommen an seinem neuen Wohnorte gesichert, Wi) er eine jährliche Pension in dem Verhältniß beziehen wird, wie fie nach den gegenwärtig verbindlichen Etats dem Warschauer Weihbischof bestimmt ist,«
Schmeden und Norwegen. AWZ der Thronrcde, mit welcher der schwedische Reichstag am 24. Oktober eröffnet worden ist, bringt die *Kd'ln. Ztg.- noch einige Einzelstellcn. Ju Betreff des Reichsrags-Reform-Entwurch bemerkte darnach der König:
Von einer noch zu Recht bestehenden Vrrtretung fordern, daß fie frei- wiUig und gern entschloffen auf ihr Recht verzichten möge, um Anderen die'. glorreiche Aufgabe der Landesvertretung zu überlassen, seyt ein großes Ver» trauen zu ihrer Vaterlandsliebe voraus. Ich habe eine große Idee von der Vaterlandsliebe, die Sie Alle beseelt, wenn ich die Hoffnung auIspreche, daß Sie das Reformgeseß gutheißen werden, in deffcn Annahme ich eine neue Bürgschaft für den sozialen Fortschritt erblicken werde.
In der zweiten Hälfte der Thronrede heißt es dann:
Troß bedeutcnder Herabseßungen im Zolltarif und obschon die Fort- schritte, welche das Land in jeder Hinsicht gemacht hat, neue Kredit-Bewilli- gungen erheischcn, werden Sie Sich doch bei der Prüfung der SiaatSein- kommen-Berechnung überzeugen, daß die Mittel reichlich vorhanden smd, die nothwendigrn Außgaben zu decken.
Ich habe zur Organisation der Armee und der Flotte vollständigePläne ausarbeiten laffcn, Dicseiben find nach Maßgabe unserer Mittel und der Forderungen, welche die heutige Zeit stht„ veranschlagt worden, und ich habe sie in ihren Hmwttheilcn genehmigt. Ihre Mitwirkung, so wie die mit der Annahme diescr Pläne verbundenen Krcdit-Bcwilligungcn sind zur Llusfiihrung unerläßlich.
Auf die von den Ständen aufgestciltcn Gefiwispunktc gestützt, [mbe ich der Industrie eine fast unbegrenzte Freiheit bewilligt. Der wohlthätige Ein- ftuß, den diesclbe in Zukunft ausüben wird, kann um so sicherer vorausge- sagt werden, als ihre Einführung von keiner plöyiichcn Erschütterung drr bestehenden Verhältniffe begleitet gewesen ist. Eben so haben liberale Grund- säye auch in anderen Hinfichten allgemeinere Anwendung gefunden, wie z. B. in der Parzellirung des Grundbcfiycs, im Geldvcrkrhre und in der Errichtung von Krcditanstaltcn.
Unsere Eiscnbahnen haben eine Llusdehnrmg gewonnen, welche in .Be- tracht der Bevölkerung und der Finanzqueilcn Schwedens wohl mit drin in Vergleich gestellt werden kann, was in reicheren und stärker bevölkerten Ländern in dieser Hinsicht geschehen ist. Nachdem die bcidcn Meere mit einander in Verbindung gesexzt und wir dem europäischen Kontinente näher getreten smd, halte ich es für zweckmäßig, unsere Kräfte auf die Voilendung der Eisenbahnen zu konzentriren, welche die Hauptstädte beider verrinigtrn Königreiche mit einander zu Verbinden und so die Brudrrvölker noch näher an einander zu schließen bestimmt sind.
Amerika. Die am 29. Oktober in Southampton ange- kommene wcsiindische Post bringt die Nachricht, daß der spanische Admiral Pareja mit seinem Geschwader an der chilenischen Küste erschienen war , um die Forderungen seiner Regierung energisch zu betreiben. Mit der Revolution in Peru stand es noch ungefähr auf dem alten Flecke, Montero mit der revolutionairen Flotte lag noch immer bei den Chinchas-Jnseln und das Heer der Aufstän- dischen unter Befehl des früheren Präsidenten Canseco stand bei PiZCo, südlich von Lima. *
Telegraphische Depeschen - aus dem Wolsf'schen Telegraphen-Vüreau. Hamburg, Montag, 30. Oktober, Abends. Ein Liffaboner Telegramm der »Hamburger Vörsenhallea meldet aus Valparaiso vom 17. September, daß der spanischcGesandte in Chili abberufen ift.
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Die am 28. Okiober ausgrgcbrne Nr. 22. des Central - Blatts der Abgaben, Gewerbe- und Handciß-Gcseßgebung und Ver- waltung enthält:
Anzeige der in der Geseßsammlung Stück 45-48 crschirnenen Gesrße und Verordnungen
unter Nr. 144. Cirkular-Verfügung des Königl. Jinanzministeriums vom 10. Juli c., womit eine anderweit berichtigte und ver-
Stationsortcn aufden derscbirdcnen V., am p fh 0 o i c OU rse 11 im preußischen Staat rxnd in brrmcbbarten Staaten behufsJeststellungderFuhrkostenliquidationen den betreffenden Behörden Übersandt wird.
Unter Nr. 145. Gesetz, betr. die Beförderung im leherziehcn )* ? mer bei. Unter den Anwesenden befanden fich zwei Nachkommen des be.
aufgekaufter Gegenstände und dicAnfdebung drs
Verbotes, (Hewcrbcschrine zum Siiwcn von Brsiellungen errichtet, unter welcher die irdischen Ueberreste Watteau's ruhen.
auf Edelsteine u. s. w. zu crtiyeilcn. Vom 13. Septem- ber 1865, und unter Nr. 146. Cirkular-Verfügung des Königs. Finanz-Miriiftcririms,
die Ausführung dieses Gcseßrs vom 13. September ' F O fer und vielleicht 80 “äu'er werden no in die em % ' - Unter Nr. 147. Cirkular-Verfügung des Königlichen Finanz-Miniftcriums p , H 1 ck s *) hre demolirt wer
vom 3. September 1865, daß nach Verabredung unter :*
den Zollvereins-Regierungen einfach gcflochtene, Z ganz neues prächtiges Quartier entstanden ist. wolle, in Enden von höchstens 20 Zoll Länge? eingehend, Welche nach dem amtiichcn Waarrrwerzeichniffe '
1865 betreffend. Vom 29. September 1865,
vierdrähtige Doehle aus Baum-
höchstens
zu dem mit dem 1. Juli d. J. in Kraft gcircicnrn
Verriris-Zoiliarif wie Posamentierwaarcn zu verzolien 7 find, kiixiftig den ungewebten Dochtcn gleich - - . „ , „ „ gestellt, also dem in der Nr. 1. 2. i). 2 dcs Ta- ? von der MMW ik“ erklart lst/ erhalten die von hier abgehenden Schiffe
rifs ausgeworfenen Zollsaße von 6 Thlrn. ;
für den Centner zugewiesen werden sollen. Personal-Chronik.
Kunst- und wiffenschaftliche Nachrichten.
- In der Versammlung des Braunschweiger Kunstclubs am Freitag j
Abend, meldet das xTagesblatta, fand eine Debatte iiber die (Hröße der neu zu schaffenden »Ouadrigaa Statt, an der sich fast ausschließlich Sachver- ftändige beiheiligicn. Es wurde nun eine Kommission von drei Mitgliedern
um derselben das Resultat der. Berathung mitzutheilen. Dieses läßt sich kurz in Jolgendem zusammenfassen. Es hat sich, darin waren die Sach- verständigen einig, namentlich auf Grund von Ermittelungen, die bei ähnlichen Kunstwerken angei'trllt find, entschieden ergeben, daß die Höhe der Gruppe im Allgemeinen, und die der Pferde im Besonderen nicht in richtigem Vi'rhxältniß ziir Größe des Schlosses steht. Der Erbauer deffelbrn, Hofbauratk) Ottmer, hatte seiner Zeit - die Origi- nal-Zeichnung war im Club ausgestellt - für die Quadriga im Ganzen
zerstörten Kunstwerke die Pferde 3. B. eine Höhe von 1537/ i)„1tien. Zn
Versammlung dahin aus, daß die von Ottmrr angenommene Größe des Viergespanns ihr als die angemeffenste erschiene, und soll dieser Beschluß des Kunstclubs der Schloßbaukommission, auf deren Vrranlaffung die Be-
ratbung stattfand, übermittelt werdcn. - [Die Gellertfcier in Hainichen] A11126. Oktoberwurdc
Einige Details hierüber entnehmen wir dem »DreSd. Ja“ schreibt das genannte Blatt - die Stätte, wo Gclicrt einst wirkte und dichtete, hat ihm in dankbarrr Verehrung ein Denkmal errichtet, und Hai- nichen, die Stadt, wo Gellert's Wiege stand, hat keine Gelegenheit vor- übergebrn lasen, das Gedächtniß seines berühmten Sohns zu ehren. Dies zeigte die Frier, welche am 4. Juli 1815 zum Andenken an seinen vor
100 Jahren stattgefundenen Geburtstag veranstaltet worden, an welchem ! Festtag der Grund zur »GeUertstifiunga, einer milden Stiftung, gelegt
worden. Außer dem segensreichen Wirken derselben, welche das Andenken
(Hellert's in der Bevölkérung Hainichens wach hielt, wurde viele Jahre F
hindurch dcs frommen Dichters Geburtstag dadurch ausgezeichnet, daß man unter Gesang seiner Lieder die Gellert - Linde mit Kränzen schmückte. Gellert's Vater nämlich, der als Pfarrcr in Hainichen lebte und starb, pfianzte am Geburtstag seines fünften Sohnes, unsers Christian Fürchtegott Gellert, im dortigen Pfarrgarten 2 Linden an. Die eine dieser Linden wurde zu Anfang dieses Jahrhunderts umgehauen, die andere stürzte 1833 ein Sturmwind um. Da nach Zerstörung dicser Bäume kein äußeres Zeichen mehr in Hainichen an Gellert erinnerte, kam man auf den Gedanken, ihm ein Denkmal aus Erz zu errichten. Mit der Mochirung des Standbildes Gellert's wurde der Bildhauer W. Schwenk in Dresden betraut. Driver- ewigtc Rietschel hatte einen meisterhaften Entwurf zu einer (Hellcrtstatue hinterlassen, welcher als Grundlage für die Schwenkscbc Arbeit bestimmt wurde. auf einem ungefähr eben so hohen Postamcnt aus Granit. Dicvier Seiten- flächen des Postarnents tragen Inschriften. Auf der vorderen Seite liest man: Christian Fürchtegott Gellert, geb. 4. Juli 1715, gest. 13, Dezember 1769,“ auf der Rückseite: Dem deutschen Fabel- und Liederdiciiter, in Petit- schrift darunter: Errichtet im Jahre 1865," auf der dritten Seike: O Gott, wie muß das Glück erfreu'n, der Retter einer Seele sein! Und auf der vier- ten Seite: Auf Gott und nicht auf meinen Rath will ich mein Glücke bauen. Die Enthüllung fand ganz nach dem Programm statt. Profrssor Or, Hertner hielt die Wéihrede.
Coburg, 29. Oktober, (L. Z.) Der im 78. Lebensjahre siedende Dichter Friedrich Rückert, welcher seit längeren Jahren auf seinem Gute Neuses bei Coburg lebt, ist leider bedenklich erkrankt.
Rom. Die Brüder des heiligen Petrus »in UincuiiJcé zu Rom haben “das Bild von Guido Reni, die Hoffnung darstellend, mit päpstlicher Be-
; ift Watteau. ] Die »Débatsa berichten hierüber: Am 15, Oktober d. ; sur-Marne das auf Subscription dem Andenken Watteau's errichtete Mo- " ' _“ „_ ; nument inaugurirt. Die Büste ist von dem Bildhauer Louis Auvray. vollstandigtr Racbwertung der Entfernungen zwrychen den „*
Das Standbild Gellert's ist 7 rheinländische Fus; hoch und steht .
: williZiing für den billigen Preis von 3000 Scudi (ungefähr 4200 Thlr.) ? an einen Engiander verkauft.
- Einer der populärsteri französischen Maler des vorigen Jahrhunderts Demselben ist gegenwärtig ein Denkmal errichtet worden. I. wurde in Nogent
Sie stellt Waiteau in der. letzten “Jahren seines Lebens dar, aber weniger gebeugt, ais er in drr That durch die )cyleicbcnde Krankheit war, die ihn fortnahm. Auf der einen Seite des Picdeftals ist zu lesen: »Dem Andenken des An-
toine) Walter:", Mitglied drr K. Maler-Akademie, geb. zu Valenciennes ; 1648, gestorben zu Nogent-iur-Marne, den 18. Juli 1721.« Marschall
Vaillant wohnte der Feierlichkeit, nicht offiziell, nur: als einfacher Theilneh- rüdmtcn Malers. Das Denkmal ist in der Parochialkirche über der Stelle
, - Nach der »B. Za soll der Mailänder Dom von den Barakcn, die ihn bisher rtmgabcn YUV dcm Totalcindruch schadeten, befreit werden. Vier Straßen, die theilweiie zu den brlcbtesten gehören, fallen dem Projekt zum
den. In der _Via-S.-Raf.rle hat das Demolirungswcrk bereits begonnrn, und die zahlreichen Bewohner jener Quartiere haben sich nach dem östlichen Theile der Stadt gegen dic reizenden öffentlichen (Härten hingezogen, wo ein
Gemerbe- und HandelS-Nackrichten. Valencia, 22. Oktober. Nachdem unser Play nunmehr offiziell für
von heute an wicdrr reine Gesundheitspäffe.
„ -- (Dainpfichissiahrt zwischenEuropa und Nordamerika.) Die Berndiguiigxxdes Burgerkrieges in den Vereinigten Staaten, bemerkt das »A1'ch)lV !. Seewcyrna41cheint der Errichtung neuer Linien zwischen Nordamerika und Europa emerZ Impuls gegeben zu haben. Die bestehen- den oder 111 „der Bridung begrinenrn Dampfschifffahrtsgescllschaften find fol- grnde: 1) Tre Blitlsb- rr. Viorth American Royal Mail Company (Cunard's Linie), 2) „x_nmaris Linie, 3) die Montreal Linie, 4) die British u. Ameri- can Linie, 5) die National Steam Navigation Company, 6) die Liver- pool - Baltimore Lime, 7) Liverpool - Philadelphia, * 8) Liverpool-
„New -Orleans, 9) die Linie na Nrwoundland 10 d' o - ernannt, die eine Eingabe an die Schloßbau-Komnrisfion entwerfen wird, ? ch f , ) W P |
dampser der Vereinigten Staaten, 11) die Anchor Linie von
. GlasZ-ow, narh' Nrw - York, 12) Bristol-Ncw-York, 13) die Briiish , u. Colonial Linie von London, 14) die Bremer Linie des Norddeutschen
Lloyd, 15) die ,Hamburg-Amerikan. Paketsahrts-Actien-Gesellschaft, 16) die
, Yiiited Statcs' Linie, 17) die British TranSatlantic Linie, 18) die franzö- „ pichen Postdampfer. Der Aggregat-Tonnengebalt aller Schiffe dieser Linien
üdersicigt 200,000 Rrgistcr-Tonncn. Die Bostoner soßen ihre beabsichtigte Linie nach Liverpool ins Werk," das Kapital dieser (sogenannten)American
; Steamship Company beträit 2 Millionen Dolla s. D' [l t eine Höhe von 22“, fiir die Pferde, von 14“ festgestellt, wiiiyrcnd bei dem . 3 r le Gese schaf » nischen Krieg verursachte Na “ra e na Krir s i 'en ve auf t ' A - Uebereinstimmung mit dem anwesenden Meister Howaldt sprach fich die M g ck Z schff r aße einen uf von 3000 Tsdnncn, 325“ Länge, 29“ Tiefe und 43“ Breite. Die Liver- pool-Yaltrmore Linie zählt die Dampfer pSomerset-r, »Carrolla, ; »Worcrstch und »Ailcghanya. Die Bristol-New-York-Gesellschaft Z proxckäirt vier Faiiipser von zusariimen 8000 Tonnen und 2500 Pfrrdekraft,“ *. . ' * z sie 19 en von «chaufelrädern und willin_ß'chrruben ("t * d d in Hait1ichrn, der Vaterstadt Gellert's, isin Denkmal fcirrlick) enthüllt. - Z q1 L propiiyir tier en un Leipzig "- ? ?. dchzriblreiMn Liste ihrer Schiffe hinzugefügt. Die transatlantische „Dampf- ! 1chimghri untcr deuticher_Fla_gge ist ebenfalls in einem blühenden Zustande. »; Die Hamburger Geiell1chaft hat jeßt sichs Dampfer, welche bekannt- ! lich auch Southampton anlaufen, ein fiebenter befindet fich im Bau. Der
wurde schon im Jahre 1863 gegründet, allein die durch den nordamerika-
schub dcs Unternchnicms,“ gegenwärtig baut die Gesellschaft zwei Dampfer
die Paffage in fieben Tagen machen. Die Cunardlinie hat gerade jeyt einen neuen Dampfer, "Javaa, von 2700 Tonnen und 600 Pferdckraft
norddeutsche Lloyd beschäftigt vier Dampfer und wird binnen Kurzem noch drei neue Schiffe, »Herrmanna, »Deutschland« und »Union«, in die Linie einführen. Es heißt, daß fich eine nordamerikanische Linie von New-York nach Havre ria Southampton bilden wird unter dem Titel New- York Mail Steamship Company. Die in Bildung begriffene TranZatlantic Stearnsbip Company wird alle 14 Tage von Southampton Schraubendampfer von 3500 bis 4000 Tonnen abgehen lassen. Sobald «[ie diese Linien im Gange find, vermögen fie durchschnittlich
; 50,000 Paffagiere und 40,000 “Tonnen Güter wöchentlich nach Nordamerika Z zu befördern.
Dies erscheint als eine große Zahl im Vergleich mit dem jcßigen, wenn auch starken Verkehr zwischen Amerika und der alten Welt,“ wenn indcffen jede Gesellschaft wöchentlich nur 300 Passagiere befördert, so macht dies 5400 pr.,Woche oder 280 800 pr. Jahr. Kompetente Ame- rikaner halten dafiir, daß die Qlusiranderung nach den Vereinigten Staaten jährlich eine halbe Million der europäischen Bevölkerung absorbiren werde,
* sobald die Zustände in jenem Lande fich wieder festigen.
Landwirthfchaftliche Nachrichten.
- Unter dem Vorfiße des Herrn Baron Trüyschier von Falken- stein hat sich in Stettin am 28. d. Mis. ein »Pommerscber Verein zur Untrrstühung von Landwirthschaftsbeamten«, wobei die Statuten des seit einigen Jahren in Schlefien beßehenden ähnlichen Vereins zu Grunde gelegt wurden, gebildet. Der Verein macht es fich zur Aufgabe: 1) brodlos gewordenen Beamten eine andercStellung zu Verschaffen, 2) denselben während ibrerDienst- [ofigkeit cine Gcldunterstüßung zu gewähren, 3) ihnen bei Dienstunfähi keit eine Penfion zu geben und 4) ihre Wittwen und Waisen zu unterstüßen. ie jähr- lichen Beiträge der ordentlichen Mitglieder find bei einem Alter bis zu 25 Jahren 2 Thlr., von 25-30 Jahren 3 Thlr., von 30-35 Jahren 4 Thlr., von 35-40 Jahren 5 Thlr. und von 40-45 Jahren 6Thlr. Doch kann das Mitglied seinen Beitrag Verdreifachen, wonach sich später selbstverständlich