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Handlungen christlicher Barmherzigkeit, nächst derjenigen, mit welcher fie zu krönen Gott fich vorbehalten hat, ist das Zeugniß des Gewissens. Dieser haben fich für Sie die Schritte beigesellt, durch welche die Bevölkerung von Toulon Ihnen öffentlich ihre Erkenntlichkeit hat aussprechen wollen. Für eine edle Seele kann nichts derartige Genugihuungen übertreffen. Indem ich Ihnen mit meinem Schreiben die Medaille übersende, habe ich daher keinen anderen Gedanken, als das Andenken an Ihre Aufopferung zu ver- ewigen und Ihnen einen dauerhaften BeWeis der Gefühle zu geben, welche dieselbe mir eingeflößt hat. Nächstdem, Madame, bitte ich Gott, daß er Sie unter seinen heiligen Schuß nehme. Eugenie.
Diese goldene Medaille, die für Madame de Chabannes geprägt Worden ist, zeigt auf der einen Seite die Köpfe des Kaisers und der Kaiserin, auf der anderen Seite stehen folgende Worte: *Die Kaiserin an Madame Vicomteffe de Chabannes-Curton. Cholera-Epidemie von Toulon (1865).«
Spanien. Das Kabinet O'Donnell bereitet einen Schritt vor, der von den segensreichsien Folgen werden kann. Es handelt sich um die Freilassung der Farbigen in den spanischen Kolonieen, auf den Philippinen und auf den Antillen. Die officielle Zeitung bringt ein Dekret vom 23. November, das als Vorläufer dieses Schrittes gilt , indem es den Kolonial-Minifter beauftragt, Untersuchungen über die besten Mittel anzustellen, wie die Arbeit der Kulis und Neger in den spanischen Kolonien zu regeln sei.
Italien. Florenz, 7. Dezember. Der bayersche Gesandte am hiesigen Hofe , Graf von Hompesch, wird noch im Laufe dieses Monats hier erwartet.
Rußland und Polen. Von der polnischen Grenze, 6. Dezember, wird der vOsts. Ztg.« geschrieben: Der Jahrestag des Aufstandes von 1830, der 29. November, ist auch dieses Jahr überall von der polnischen Emigration feierlich begangen worden. - Der Statthalter des Königreichs Polen, Graf Berg, hat auf Antrag des Haupt- Direktors der Regierungskommisfion des Innern genehmigt, daß die Eh : - frauen der so eben ausgehobenen verheiratheten Rekruten ihren Männern in ihre Garnisonsorte, mögen diese in Polen oder Rußland sein, nachfolgen diirfen. Den ärmeren Frauen, welche von dieser Begünstigung Gebrauch machen wollen, werden nicht blos angemessene Reisekosten, sondern auch Gelduntcrstüßungcn zur ersten wirtbschaftlichen Einrichtung , deren Betrag fich nach der Zahl der Familienglieder richtet, aus Staatsmitteln gewährt. Die wohl- habenderen“Rekrutenfrauen müssen die oft sehr weite Reise auf eigene Kosten machen. - Wie der Krakauer »Czas- erfährt, haben von den vom Kaiser von Oesterreich amncstirten Polen alle diejeni- gen, welche in Galizien nicht heimathsßerechtigt find, bei ihrer Entlaffung aus den Festungen Olmüß und Josephsftadt die strenge Weisung erhalten, Oesterreich sofort zu verlassen, da ihnen als Ausländer nicht gestattet werden könne, das galizische Gebiet zu betreten. Die Ausgewiesenen Wrirden mit einem freien FahrbiÜet und mit einem Reisegeld von 5 Fl. pro Person versehen und von Polizeibeamten auf die Eisenbahn gebracht, um nach Bayern beför- dert und dann ihrem eigenen Schicksale überlassen zu werden. Die polnische Emigration hat auf diese Weise einen neuen Zuwachs er- halten. Die meisten der Ausgewiesenen haben fich zunächst nach der SchWeiz gewendet.
Schweden und Normeßen. Sto ckholm, 28. November. (Köln. Ztg.) Das Comité fiir die Landesvertheidigung hat eine Erhöhung der schwedischen Armee empfohlen; im stehenden Heere soll die Infanterie von 49 auf 50 Bataillone (von 22,383 auf 25,857 Mann), die Kavallerie von 4290 auf 4818 Mann erhöht Werden. Die Artillerie soll in der Mannschaftzahl wenig verändert, doch die Zahl der Batterieen auf 25 erhöht werden (außerdem 8 Reserve-Batterieen), jede Batterie von 6 Kanonen. Die Ingenieur- Truppen werden bis 720 Mann verstärkt. Das Comité glaubt aber, daß Schweden bei einem Vertheidigungskriege 2“; pCt. der Be- völkerung, also 100,000 Mann, aufstellen kann. Von diesen 100,000 Mann sollen aber beim Beginn des Krieges nur 70,000 Mann aufgestellt wcrden, ungerechnet Offiziere, Spielleute und nicht Streitende.
(W. T. B.) Der Reform-Vorschlag ist seitens des Adels mit 361 gegen 294 Stimmen angenommen worden. Der Priesterftand hat morgen sein Votum, das wahrscheinlich ebenfalls zustimmend lauten wird, abzugeben. In der Stadt herrscht großer Jubel.
Chrißiania, 2. Dezember. (H.Rörs.H.) In der Berathung iiber den ersten Haupttheil des Budgets: »Das Königliche Haus und dir zur Dispofition des Königs gestellten Schlössera, hak das Storting heute folgende Ansätze einstimmig beschlossen. Für die Hofhaltung des Königs 84,000 Spd. jährlich. Als Apanage fiir die Königin-Wittwc Eugenie 16,000 Spd. Als Llpanage für Prinz Oskar 13,000, und für Prinz August 6000 Syd, sowie für die Prinzessin Albertine 2000 Spd. jährlich.
Dänemark. Kopenhagen, 5. Dezember. (Hamb. R.) Der Minister des Innern legte heute, in Folge des gestern mit 65 gegen 5 Stimmen erfolgten Beschlusses des Folkethings, betreffend die Incorporation der vormaligen schleswigschen Diskrikte, zwei der
friiher angekündigten organisatorischen Gesetze vvr, nämlich 11 E wurf eines Geseßes, betreffend die Regulirung der Ath- und 'Jurt'jst' dictionsverhältnisse in den gemäß dem Friedensvertrage vom 3001 tober 1864 ins Königreich einverleibten früher schleswjg'sch' Distrikten und 13. Entwurf eines Geseßes, betreffend Veränderun en und Supplement zum Geseß, betreffend die Wahlen zum Reichstam vom 16. Juni 1849. Der Minister bemerkte, daß die Westlich be?" genen Distrikte ins Amt Ripen, die östlich belegenen als KoldinqerHaxdejxs Amt Vejle und die Insel Aerrö ins Amt Svendvorg' einverleibt wäre. Aus der Insel Aerrö mit der Stadt Aerröskjöbing und dem HandelSort Marstall wird eine Harde unter dem Namen Aerrö. Harde errichtet. In Kraft tritt das Geseß 4. den 1. April 1867 Der Justizminister legte einen Gesehentwurf, betreffend die Einfüh; rung der dänischen Geseße in die vormaligen schlcsivigschen Distrikte vor. Der Entwurf besteht aus 14 Paragraphen und das Geseß, tritt am 1. April 1867 in Kraft. Der §. 12 stellt fest, daß die Fäsiegeseßgebrmg des Königreichs in den einverleibten Distrikten Nicht gültig wird. Im A(lgemcinen bleiben die Bewohner der Distrikte im Besihe aller wohlerworbenen Gerechtsame, und Seefahrer, welche nichtdje dänischen Verpflichtungen in Betreff von Examen und Befahrenhcit erfüut haben, brauchen dieselben nicht nachträglich zu erwerben. Testament, Ehe- und Erbpakte, Verpfändungen rc. bleiben in Kraft, doch sollen, neue Pfandregifter eingerichtet werden u. d. 111. Personen, welche das Miindigkeitsalter in Schleswig (21 Jahr) erreicht haben, blei- ben miindig auch nach der Incorporation, obgleich fie das des Königreichs (25 Jahr) vielleicht noch nicht erreicht haben. Der Ab- geordnete Profeffor Steen brachte darauf seinen Privatgeseßvorschlag, betreffend Anlage und Betrieb einer Eisenbahn durch Süd-Seeland und einer Pferdebahn nach dem kopenhagener Hafen, ein.
- 6. Dezember. (Tel. d. Hamb. R.) Der Antrag der Bauern- freunde, dem Reichsrage die Befugniffe des Reichsraths zu über- weisen, wurde verworfen und der Uebergang zur zweiten Berathung mit 53 Stimmen gegen 35 verweigert.
- 7. Dezember. (W. TV.) Die Abend-Zcitungcn berichten: Der König hat sich auf der gestrigen Jagd einc ernstlichc Erkältung zugezogen und leidet an heftigem Rheumatidrnus. Dérsclbe wird mehrere Tage das Bett hüten müssen.
- Das Abendblatt der -Berlingske Tidende- spricht sich in einem offiziösen Artikel scharf gegen die Versuche aus, durch öffent- liche Versammlungen (Kafino) oder Zeitungsartikel (Dagbladct) die Vorstellung hervorzurufen, als ob die Regierung unfrei und Beein- fluffungen unterworfen sei, Der Standpunkt der Regierung in der schleswig-holstcinschen Frage sei der, den Artikel 3 des Wiener Friedenstraktats in loyaler Weise zu erfüllen. Entgegen- geseßte Bestrebungen zu unterstiißen, wäre dem wahren Wohle des Vaterlandes schädlich. Alle Gerüchte von Verhandlungen däni- scher und auswärtiger Diplomaten bezüglich SchleSwigs seien unbe- gründet. Dänemark habe keinen derartigen Schritt gethan. Ebenso unwahr sei die Vorftelluug', als ob die Regierung in irgend welcher Verbindung stehe mit untergeordneten Agenten und Korresponden- ten im Qiuslande. Es sei wiinscbensweril), daß die Presse es unter- laffe, in der Bevölkerung derartige Vorfteilnngen und Hoffnungen zu erwecken, welche Dänemark unter den gegenwärtigen Verhält- nissen nicht befriedigen könne.
Amerika. New-York, 25. November. Die »Ncw-Yorker Times- wiederholt, das; die Regierung der Vereinigten Staaten keinen Grund habe, die Auslieferung der Mannschaft des »Shenan- doah- zu verlangen. Da der amerikanische Konsul das Schiff als ein Kriegsschiff entgegengenouunen habe, so könne die Unions =Re- gierung fich nicht über die Entlassung der Leute beklagen. --- Herr Mackenna, der chilenische Gesandte bei der Regierung der Ver- cinigten Staaten, hat in einer zu Panama gehaltenen Rede das Auftreten Spaniens gegen Chili als einen Vorwand, um eine feste Position auf amerikanischem Boden zu gewinnen, dargesieklt.
- Aus El Paso vom 20. Oktober wird dem New- Yorker »Herald« gemeldet, daß die Kaiserlichen im Anmarschc gegen die Stadt seien,“ man glaubte, daß Juarez fich baldigst iibcr Kali- fornien in die südlichen Provinzen eriko's bkgeben werde. Der Bevölkerung der Umgegend El Paso's hatte Juarez starke Zwangs- anleihen auferlegt. Aus Rio-Grande vom 5. November wird nach New -Or[eans berichtet, die Republikaner hätten acht Meilen von Matamoros entfernt ein Lager bezogen, Zeitungen vom 10.Novem- der aus Matamords befürchteten keine Wiederholung des Angriffes gegen die Stadt. LautNachrichten aus Vera-Cruz vom 13. No- vember hatten die Kaiserlichen Erfolge gegen die Gueriilabanden er- rungen,“ die angebliche Zurückziehung der Kaiserlichen Truppen aus dem Innern Mexiko's bestätigt fich nicht. (Es war früher die Rede von einer Zuriickzirhung der Truppen von den Vorposten.) Dl? Kaiserin hat mit großem Gefolge am 6. November ihre Reise nach Yucatan angetreten.
' Asien. Dem erfreulichen Telegramme, Welches“ den Frieden mrt Bhutan meldete, hinkt als unliebsamer Bote die indische Post nach, welche über die ruheverheißenden Aussichten einen schlimmen
Schatten wirft Der Deb-Radschah scheint zwar die englischen
* Macht, ihn zu züchtigen,
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euen* aber sein mächtiger Unterthan, Tongso P'enz WaffkUwW Mum iigenen Willen haben und von Unterwerfung nichts [:)-WZ Der rTimes- wird über diese Wendung der bhutanefischen wisstjr'e aus Kalkutta vom 7. November berichtet: Der Deb-Rad- Aff“ und seine verantwortlichen Berather wollen unsere Forderrmgen
Tb eben, wenn wir die Subfidien, welche wir ihm vor dem Kriege "“[Zn zum Ersah für den von uns eingenommenen Theil zah Dfuars vermehren. Als Beweis des Ernstes ihrer Ab- dZten haben sie uns zwei in ihre Gefangenschaft. gerathcne Lepoys zugesandt und das Versprechen gegeben, daß dre während Fr [eßten zehn Jahre als Sklaven fortgeschl-eppt'en Brngalesen ihre „“eiheit erhalten sollen. So wird denn dre [mfr Kolonne rmter L(Jeneral Tytler nichts zu thun haben," das UnZluck aber bei der Sache ist, daß der Urheber des Krieges, Tongso Pxnlow, entschlossrn „ auf eigene Faust zu handeln. “ Der Deb-Rad1chab bai nicht die 1“ und so muß unsere rechte Koronne (rns Werk, unter General Turner. Damit der Häuptling uris.mcht überrasche, find zwei Sepoy-Reginrenter nach Dewandschirr her- a„smarschirt. Die Früchte des Krieges werden wir aiso mchi ge- nießen, wohl aber seine Kosten tragen, um am Ende. binnen em„em oder zweier Jahre die ganchGeschichte unter ungunsiigeren Umstan-
vieder von vorn anzuangen. .
de(Flle1 für uns behalten, so soll dem Deb-Ra'dschah die gefordert,? Erhöhung der Subfidien bewilligt werden. Hreraukf jvird dann als auf einen uns abgezwungenen Tribut im ganzrn Thibet und Central- Asien hingewiesen werden. Indessen find dre Bhutanesen so aal-
gleich schlüpferig, daß wir vor wie nach auf den »großcn Marsch- x
vorbereitet bleiben.
Telegraphische Depeschen aus dem Wolff'schen Telegraphen-Büreau.
Wien, Donnerstag, 7. Dezember, Abends. Von den Land-
; tagen in Linz, Troppau und Klagenfurt find heute die Adressen
gegen das September-Patent angenommen worden.
Brüssel, Freitag, 8. Dezember, Morgens. Der heutige
:Monitcur belge- veröffentlicht folgendes Bülletin: 'Der König befindet fich heute in demselben Zustande wie gestern. 7, Dezember. (gez.) Wimmer. de Ro.:baix.-
Laeken,
Kunst- und wissenschaftliche Nachrichten.
- Am 1. Adventionniage wurde in Blankxnburg am Harz dre alieOber- oder St. Bartholomäumskirche nacheinenr langeren Reyaratur-Ban - zwar noch nicht ganz voüendet - dem öffentlichen Gottesdiensie_wwder übergeben. Die Kirche ist, dem »Braunschw. Tageéblx-c zufolge, schoii und prächtig aus ihrer Restauration hervorgegange'n. Als ems der ani hochsten gelegenen Gebäude blickt dieselbe herrib auf dre Stadt," sie wurde rm 131en Jahrhundert von den Grafen Heinrich 1. und Siegfried rnit dem dazu ge- hörenden Mönciys- uiid Nonncnkloster dcs Crsiercrenser-Ordens fast auf halber Höhe des Schloßberges gegründet_und nach dem Verfall der Kloster- gebäude ais Parochialkirche der Stadt ubergeben. Cs rst dem Stadtma- gistrate, so wie dem Stadtverordneten-Kollegiurnnrchtgenug Dank zu Wissen, daß dieselben dies alte Baudenkmal durch, eme “Reparatur „erhielten t:)nd nicht, wie projektirt war, für eine neue Kirche nrederrerßen ließen. - .in der St. (Heor genkirche daselbst, die gleichfalls cincr uwfassexrdrn Repa- ratur und Restauration unterworfen ist, wird mit allem Eifer taglich, selbst in den späten Abend hinein, fortgeardertet, u_nd marx hofft, daß am 1. Weihnachtstage der Gottesdienst in ]enen heiligen Raumen wreder ge- halten werden kann. _ ' d
Gotha, 5. Dezember. (L. Z.) Heute Vormittag fand man m er Tiefe cines hiesigen Steinbruchs die Lerche des Geh, .Hofraihs Dr. Ewald, des früheren Direktors des hiesigen Kunstkabmets und langxahrigen R-e- dacteurs des genealogischen Taschenbuchs. Der Verstorbene war gestern m der Abenddämmerung, wie er stets zu thun pflegte , zu einem weiteren Spaziergang von Hause gegangen.
- Jn Dorpat wird Mit“ Zeitung« unter Redaciion des fruheren E. Mattiesen, erscheinen.
* „_ . _, __„__
Statistische Nachrichten.
*- Das eben verö enilichte Budget des Fürstenthums Serbtrn fur das Jahr 1866 beträgtffin den Einnahmen 11,128,000 Franken und m den Aus a 1 75 047 “'r. " _
g_betlllek)e1r,0die,Aahlizder Geistlichen und Gottesharrser der "FEM sur orthodoxenPKirche gehörigen Bewohner des „russtfchen Reiches bringt die »Nordd. P.“ folgende, dem Bericht des Yimtsterturrzs des Innern äber dessen Verwaltung in den Jahren 1861, 1862 und 1863 entnommene aii i n aben: . .
stÉéeeZilinZisch-katholischc Kirche hat in Ritßland 7 Epgrchien mit 1094 römiscb-katholischen und 42 armenisch-katholischen Pfarrkirchen. und 2146 Kapellen, Betbäusern und Filialkirchen. Von 1861 bis 1863 ist die Erlanbniß zur Erbauung einer massiven Kirche und'von 19 K'apelle-n, zur Errichtung von 18 Hauskapellen, zur Umgestaliungrmer Filialkirche in ech PfarrkirciZe und zur Einrichtung eines netzen Krrchspr§ls ertherlt wordxn. 311 der geistlichen Akademie befanden sich 1863 45 und m den 6 Eparchral-Se-
dem neuen Jahre eine »Neue Dorpaische Redacteurs der »Dorpt. Ztg.«, ])1'.
Da wir die Duars in jedem ;
minarien 421 Zöglinge. Von den Zöglingen, welche 1861 bis 1863 ihren Kursus beendigt haben, sind 246 als Priester geweiht und angestellx worden. Im Jahre 1863 bestanden im Reiche 50 etatsmäßige und 10 „uberetats- mäßige Mönchs- und Nonnenklöster. Zum Unterbalte der Geistlichen wer- den 614,000 R. verabfoigt,“ außerdem befindet sich ein Kapital von 2,021,000 R. zur Verfü ung des römisch-kaiholischen geisilichen Kollegiums. Von 1861 bis 1863 Find 58 Protestanten, 91 Juden und 5 Mohamedaner zur römisch- katholischen Kirche übergetreten. „
Dic eoangclisch-lutherischcn Kirchspiele bilden 8 Konststorrai- Bezirke. Von 1861 bis 1863 smd 9 neue Kirchspiele errichtet worden. Die Zahl der Pfarrkirchen erstreckt sich auf 592," eine ist aufgehoben, dafür aber die Erlaubniß zum Bau von 7 neuen Kirchen ertheilt worden. In der drei- jährigen Periode wurden 41 Geistliche angestellt. Zum Unterhalt der Geist- lichkeit werden 55,000 R. verabfolgt. Das Sektenwescn innerhalb der evan- gelisch-luiderischen Kirche hat sehr nachgelassen. Die Pietisten des Gouv. Cbcrsson haben fich mit der Konfiftorialkirche vereinigt," im Gouv. Livland dauern jedoch noch die unerlaubtin Zusammenkünfte der Herrenhuter fort. In Estland erschien der unter dem Namen Leinberg oder Mansfeld bekannte Prediger einer neuen religiös-politischen Lehre," seitdem man aber angefangen, die Anhänger derselben nach der Krim zu schicken, verschwindet auch allmälig diese Sekte. Da die Lehre der Baptisten, welche sich rm Gouv. Kurland eingenistet, die Militairpfiicht verwirft, hat das Ministerium eine Prüfung derselben vorgenommen, um festzustellen, ob fie geduldet wer- den darf oder nicht.
Die Reformirien haben 23 Kirchen. Als Geistliche wurden 6 Per- sonen neu angestellt. Im Jahre 1862 hat vom 7. bis 26. Juli eine Synode der evangeliscb-reformirten Geistlichen in Wilna stattgefunden.
Von 1861 bis 1863 find 285 Katholiken und 56 Juden zur protestan- tischen Kirche übergetreten.
Die armenisch-gregorianische Kirche hat 6 Eyarchien, von denen 2 fich außerhalb der Kaukasusländer befinden. Zu der1elben gehören 808 Kirchen, 57 Klöster, 376 Welt- und 86 Klostergeistliche. Zum Unterhalt der Geistlichkeit giebt der Staat 3800 R. Zu dieser Kirche find 39 Mohame- daner übergetreten. .
Die talmudisiiscben Juden befißen im Reiche 616 Synagogen und 2435 Betschulen mit 5109 Geistlichen. .
Die Karaim haben in den 5 Go4uboe§er1xtilerc1hts, in welchen dieselben an eiro en werden 14 Synagogen mit ' ei i en. , .
g Difx Mohaniedaner besißen 4220 Moscheen, bei welchen 6783 Gerst- liche fungiren. Zum Unterhalt der leyteren werden 8880 R. vrradfolgi.
Den Lamaiten sieht eine Veränderung in der Organisattotz ihrer Geistlichkeit bevvr, und dir deraUsigcn Vorschläge unterliegerr bereits der Prüfung. An Stelle des 1858 versiorbenen Lamas der Kalmuckerz ist der Ober-Baktscha (Lehrer) Arfcha Shgodshajew zum Lama erwahlt und am 10. November 1861 bestätigt worden.
Gewerbe - und Handels : Nachrichtem
Kiel, 5. Dezember. Das »Verordnungsblatt für da? Herzogthum Holsteine- enthält folgende Bekanntmachung der Herzogs. holstemscyen Landes- Regierung hierselbft, vom 29. November: . _ .
»In Ergänzung des Tarifs, nach welchem dre Abgaben fur, dre Be- nußung des Siörftroms bei Jyehoe von Schiffen und Waaren bis werter zu erlegen find, vom 4. Juni 1860, wird die Waaren-Abgabr am Jßehoer Hafen für Kreide-Erde und andere Erd- und Thonartcn lose tm Schiffe auf 7,6 Sh. Crt. für 100 Pfd. bestimmt.-
-Die neuen österreichischen Jünfgulden-Banknoien wxrdxn, der „Ostd. Posta zufolge, mit Januar in Druck kommen u_nd mirsseir iaglrch 2500 Stärk vollkommen rein ausgefertigt sein. Selbe smd nicht nue dre ]eßigen Banknoten dieser Sorte nach der Länge, sondern der Quere r1_ach gedruckt," der grüne Unterdruck besteht in einer Reihenfolge der mrkroskopqch YlernenkWorte in Fraktur: »Fünf Guldena und find die Banknoten den preußischen Tresor-
einrn ähnlich. "
sch -- Die Nachforschungen nach Steinkohlen, die daf Befehl der tur- kischen Regierung in der Provinz Anatolien , Turkrsch-Asien, angestellt wurden, hatten die Entdeckung eines großen'Kohlenlagcr-s am Fuße des Berges Olympos zur Folge. Die Beschaffenheit derselben ist, wie man sagt, für Dampfkesselzwecke vortrefflich und der Vorrath in solcher Fulle „vorhan- den, daß man die Tonne zu 8 Sh. verkarzfen kann. Man beabsichtigt, zum Gebrauch der Dampfer ein Kohlendepoi m Suez anzulegen,
Landwirthschaftliche Nachrichten.
-- Die neueste Nummer der „Annalen der Landwirthschafta veröffentlicht folgende Berichte: _ . "
1) Aus dem Reg. Bez. Gumbtnrren, im November. Der„un3un- stigeAusfall der diesjährigen Ernte, welchcr emer sehr gro_ßannzahl von landlichen Befißern den Verkauf von Getreide überhaupt uninöglrch macht und sogathele nöthigt, den eigenen Bedarf sich'voq anderwarts zu besrhaffen , sowie der Futtermangel, welcher voraussichtlich in'. Fruhxahrr erheblich zu Tagr treten wird und fich schon jest in dem Streben bemerklich macht, den Vtehßand so viel als immer thunlicb zu beschränken, üben auf den Grundbefiger emrn sehr drückenden Einfluß. Die arbeitende Klasse hat dagegesnForidczuernd em angemessenes Auskommen, da es an Arbeit, namentlich der offentlrchen Bau- Unternebmungen nicht fehlt, die Preis e des Ge'trerdes vdrlaufig noch nicht unverhältnißmäßig hoch, die Kartoffeln tm Allgemeinen gut ge- rathen find und die Arbeitslöhne noch immer hoch stehen. '
2) Aus demReg.-Bez. Königsberg, Mitte November. An Winter- getreide wurde durchweg nur wenig gebaut, und ,hat dasselbe auch noch in der Qualität durch das in der Zeit der Ernte eingetretene Regenwetier ungemein gelitten. In gleicher Weise ist der Futterertrag sedrjkarglrcoh ausgefaUcn, so daß in dieser Hinficht bedeutender Mangel zur Fryhxahrszrrt zu befürchten sieht. Was die Kartoffeli-Ernie anbelangt, so 1| dieselbe größtentheils zufriedenstellend gewesen. Die Wrntersaaien haben bet der
günstigen Witterung sehr gut bestellt werden können. Dieselben begannen