Allgemeine Verfügung vom 23. September 1887,
betreffend die durch die Parteien oder ilzre Prozeß- vertreter verschuldete Ver ögerung in er Erledi- gung von Rechts?treitigkeiten,
§. 48 des Gerichtskostengesexes vom 18. Juni 1878 (ReichS-(Heseßb. S. 141).
Die Klagen über die mehr und mehr zunehmende Zahl der durch Verschulden der Parteien oder ihrer Prozeßvertreter vertagten und vereitelten Verhandlungstermine in Civilprozeffen la en es als eine dringende Aufgabe der Gerichte erscheinen, au möglichste Beseitigung der hieraus der RechtSpflege er- wachsenden Mißstände Bedacht u nehmen.
Als ein Mittel zur Bekämp3ung übermäßiger Vertagungen bietet sich vor Allem die Anwendung und eine energische Handhabun des §. 48 des Deutschen Gerichtskostengeseßes dar.
Diese orschrift verleiht dem Gericht die Befugniß, wo durch „Verschulden“ einer Partei oder ihres Vertreters die Vertagung einer mündlichen Verhandlung veranlaßt worden ist, eine Strafgebü r zu beschließen. Ein solcher Beschluß ist in daS freie pfli tmäßige Ermessen des Gerichts gestellt; es wird aber, Wie eine vielfache Erfahrung lehrt, von diesem Schußmittel gegen das um sich greifende Uebel mcht genügender Gebrauch gemacht. ,
Die zunehmende Zahl der Vertagungen mird deshalb,- und ewiß nicht mit Unrecht _ auf die unzeitige Nachsicht zurü geführt, mit welcher die Frage: ob eine Verschuldung als vorliegend anzunehmen sei, eurtheilt wird. EH erscheint daher geboten, mit größerer Strenge in der Beurtheilung jedes Ginzelnfalls, zu Gunsten der Gefammtheit, vorÉugehen.
- Ferner wird es sich empfehlen, "eden eschluß, durch welchen eine Partei auf Grund des . 48 a. a. O. mit der Strafgebühr belegt wird, der Partei selbst, erforderlichen Falls neben ihrem Prozeßbevoümächtigten, zustellen zu [affen oder mitzutheilen.
Das hier empfohlene Schußmittel gegen verschuldete Ver- tagun en ist freilich in denjenigen FäÜen nicht anwendbar, in me chen es überhaupt nicht zur Eröffnung einer Verhand- lunZlkommt, die Parteien oder ihre Vertreter vielmehr vorher die ufhebung dex; Termins vereinbaren, oder den anberaumten Termin durch Nichterscheinen vereiteln.
AlLein auch in sokchen Fällen, welche vorzugsweise in den dvrch Vertreter der Parteien betriebenen Prozessen vorkommen, mird, obschon formel! die Aufhebung oder Vereitelung des Termin?: 0116 dem übereinstinmienden WiÜen der Karteien hervorgeßangen erscheint, die Prüfung nicht ausgeschlo en sein,
9 nicht das Verfahren der Prozeßvertreter auf einen Mißbrauch ihrer formalen Befugnisse zuriickzuxühren ist,.
Wo dann Grund zu der Anna me vorliegt, da die Ver: treter die den Prozeß verzögernde ereinharung nicht aus in der Sache liegenden Gründen, sondern, sei es aus eigener Versäumniß, sei es _aus Konnivenz gegen eine Sänmniß des Andern, getroffen haben, wird der Vorsißende des Gericht?: 1 (für berechtigt halten diirfen, von der Aufhebung oder Vereißelung des Termins den Parteien selbst amtlich Kenntnis; zu ge en.
Außerdem aber werden die Gerichte es aÜgemein für ihre Pfticht erachten müssen, unsachlichen Terminsumgehungen auch dadurch entgegen zu wirken, daß sie Überal], wo bei ein- zelnen Prozeßvertretern eine Neigung hierzu in gewohnheits- mäßiger Weise hervortritt, davon den Vorständen der An- waltskammern Kenntnis; geben, damit diese in die Lage kommen, ihrerseits zu prüfen: ob eine Verleßung der den An: wälten nach §. 28 der Rechtsanwalterrdnung obliegenden Pflichten anzunehmen, und dagegen einzuschreiten sei.
Die unnachsichtliche Anwendung der hier dargelegten Mittel zur Bekämpfung unnöthiger Verschleppung der Prozesse wird den Gerichten um so dringender empfohlen, als damit der Beweis geführt wird, das; wenigstens ihrerseits nicht ver: säumt werde, einem Mißstande entgegen zu wirken, der mehr und mehr eine Schädigung der gesammten Rechtthflege herbei- zuführen droht.
Berlin, den 23. September 1887.
Der Justiz:Minifter. Friedberg. An sämmtliche Gerichte.
. Angekommen: Se. ExcelTenz der Staats=Minister und Minister der geistlichen, Unterrichts: und Medizinal-Angelegen: heiten, 134“. von Goßler, aus Ober:Jtalien.
Bekanntmachungen auf Grund des ReichSgeseßes vom 21. Oktober 1878.
Auf Gruxid der FH. 11 und 12 des Reiché3geseßes gegen die Rmemgeéährlichen _ estrebungen der Sozialdemokratie vom . Okto er 1878 ist die Nr. 50 der im Verlage von C. H. Carstens m ElmHhorn erscheinenden periodischen Druck: Lchrift: „_C'lmshorner Zeitung“ sowie das fernere Er- chemen diexer periodischen ruckschrift von der unterzeichneten Landes-Polizeibehörde verboten worden. Schleswig, den 28. September 1887. Königliche Regierung, Abtheilung des Innern. Hanssen.
Es wird hiermit zur aÜgemeinen Kenntniß gebracht, daß allen dememgen Personen, welche auf Grund des Geseßes vom 21. Oktober 1878 und der Bekanntmachung des Königlichen Staats-Mmisteriums vom 16. September V. Z. von dem Aufenthalt in dem Bezirk der Stadt und des Amts Harburg aquzeschloffen find, some aÜen Denjenigen, welchen nach dem erwahnten Geseß der Aufenthalt in den von dem Au6na MS zustand beiroffenen' hamburgis en und zu der Provinz S les: wig-Holstem bgehörigen reußis en Gebietstheilen für die Zeit vom 1. Oliver d. J. _ is 30. September künfti en Jahres unt_ agi bleibt, für dieselbe Zeit auch der AufentJalt in dem Vezi der Stadt und des ehemaligen Amts Harburg ver- boten wird.
Lüneburg, den 29. September 1887.
Der Re ierungs-Präfident. odemann.
Personalveräuderungen.
Königlich Preußische Armee.
Ernennungen, Beförderungen und Verseßungen. Jm aktiven Heere. Berlin, 24. September. v. Jagemann. 7.6 Zt. t vom Hus. Regt. Nr. 13, zum Rittm. und Candr. Chef
e r er.
Durch Verfügung des Kriegs-Ministeriums. 23. September. Krahn, Zeug-Tauptm. vom Art. Devot in Schirerin, zum Art. Depot in Span au, V ogt, Zeug-Pr. Lt. vvm Art. Depot in Swinemünde, zum Art. Depot in SchWerin, Belger, Zeug-Pr. Lt. vom Art. Depot in Kuxhaven, zum Art. Depot in Swinemünde verseßt. Schöning, Zeug-Lt. beim Art. Depot in Straßburg, zur Verwaltung des Filial-Art. Depots Bitsch kommandirt.
Yiehtamtlichez.
Deutsches Reich.
Preußen. Berlin, 1. Oktober. Ihre die Kaiserin und Königin nahm, wie „W. T. . aus Baden : Baden meldet, gestern anläßlich AÜerhöchst- ihres Geburtstages zuerst die Glückwünsche Sr. Majestät des Kaisers und Königs entgegen. Alsdann wurden die Kaiserlichen Hofstaaten ur Gratulation empfangen. Darauf erschienen Ihre KöniglicZen Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin von Baden mit Familie, Se. Königliche Hoheit der Prinz Heinrich von Preu en, Se. Königliche Hoheit der Großherzog von Sachsen, Se. Hoheit der Fürst von Hohen: onern, Se. Majestät der König der Belgier und die Herzogin von Hamilton, um Ihrer Majestät ihre Glückwünsche dar- zubringen.
Von Sr. Majestät dem Kaiser erhielt JhreMajestät reiche Geschenke, unter denen zwei kostbare Vasen und ein Renaissance- Schrein besonders hervorragen. Se. Majestät der König der Belgier überreichte ein Niesenbouquet mit Blumen der seltensten Art.
An dem Diner bei Ihren Majestäten nahmen sämmtliche Fürstlichen Gäste, auch Se. Majestät der Kaiser von Brasilien mit seinen Familienangehörigen, sowie Se. Königliche Hoheit der Großherzog und Ihre Hoheit die Prinzessin ?rene von Hessen Theil. Inglese!) war große Marschaüsta el für die Hofstaaten im Meßmer'schen Hause und im Großherzoglichen S losse.
Die hessischen Herrschaten waren Nachmittags 4 Uhr eingetroffen und von Sr. Königlichen Hoheit dem Prinzen Heinrich sowie von den Großherzoglich badischen Herrschaften auf dem Bahnhof empfangen worden.
Die Stadt hatte festlich geflaggt, und vor der Viila Meßmer wogte eine zahlreiche Menge.
Majestät B“
_ Nach einem Erkenntnis; des Reichsgerichts vom 13. Irmi d. J. beeinflußt die Uebernahme eines Kommunal- amts Seitens eines zur Di6position gestellten Staatsbeamten das Recht auf Bezug des Wartegeldes nicht.
, _ Die Einwilligufig einer nicht in Gütergemeinschaft mrt ihrem (Hatten lebenden Ehefrau zur Verpfändung von auf ihren Namen geschriebenen Grundschuldhriefen Seiten;“: ihres Mannes fiir eine Schuld an einen Dritten aus beider: seitigen Handel?:geschäften bedarf nach einem Urtleil des Reichsxierichtß, ?. (Zivilsenats, vom 6. Juli d. ., nicht der Schriftform.
_ _ Der Kaiserliche Gesandte bei den VereinigtenStaaten von Amerika, von Alvensleben, hat einen ihm Aller: höchst bewilligten Urlaub angetreten. Für die Dauer der Abwesenheit desselben von Washington fungirt dcr Legations- thth Freiherr von Zedtwilz ach interimistischer Geschäfts: rager.
_ Der General-Lieutenant pon Grolman, Comman- de'ur der 8. Division, hat Berlin Nack) beendigtem Urlaub Wieder verlassen.
, _ Der Cozitre:Admiral Freiherr von der Goltz, Direktor des Marme:Departements, ist von Dienstreisen hierher zurückgekehrt.
„Bayern. München, 29. September. (Mg. Ztg.“) Der Prinz-N'egent hat nunmehr bestimmt, daß die Depu- tationen der beiden Kammern zur Ueherreichung ihrer Adressen , am nächsten Montag, den 3. Oktober, von Sr. Königlichen Hoheit empfangen werden. _Die Königin: Mutter hat gestern Vormittag den Erhprinzen Friedrich von Anhalt empfanFZen. ZHW Majestät wird erst am nächsten Dienstag die önigli e Residenz verlassen und sich nach Hohenschwangau bezw. Elbigenalp zurückbegeben.
_ 1. Oktober. (W. T. B.) Die Kammer der Ab: geordneten nahm heute das Gesetz, betreffend die Aenderung der Verfassung, wegen definitiver An- steUung von Beamten und wegen Verkäufe von Staats: Fütern. während der Regentschaft, nach unerheblicher De-
atte' m namentlicher Abstimmung einstimmig an. _ Der Präsident gab bekannt, daß der Vrinz-Negent die Depu- tation der „Kammer zur Ueberreichung der Adresse Montag Vormrtiag empfangen werde.
" Sachsen. Dresden, 30. September. (Dr. I.) Der Konig wird sich, einer EinladUng des Kaisers von Oesterreich folgend, morgen Abend in Begleitung des YYgel-Adwtanten, Oherft:L1eutenants von Schimpff, nach
ien begeben. -
Baden. Baden, 1. Oktober. (W. T. B.) Se. Majestät der Kaiser von Brasilien, welcher hier zwei Monate lang weilte, verließ mit seiner Familie heute Vormittag 10 Uhr Baden:Baden um sich vorerst nach Coburg, von dort über Köln nach Ärüffek und sodann nach aris zu be- eben. Zur Verabschiedung waren Se. Ma1eftät der eutsche Kaiser, Ihre Königlichen Hoheiten der Groß- Yßerzog 111171 ,die Großherzogin von Baden, der rinz Heinrich von Preußen und der Großherzog von Sachsen auf dem Bahnhof ers ienen. Die Spitzen der Behörden und viele Personen von Ditinction waren eben: falls anwesend.
effen. Darmstadt, 1. Oktober. Gro herzog und die rinzessin Irene kehrten gestern Abend von deni Besuch ei Ihrer MaYstät der Kaiserin in Baden-Baden hierJr zurück. Heute ormittag reiste der Großherzog nach ffenbach, um der Einweihung der
(W. T. B.) Der
Reuß ö. L. Greiz, 29. September. (Leipz. Ztg.) In der heutigen Landtagssißung wurde das Geseß, betreffend des Reich?;geseßes über die Unfall- und der in land: und forstwirth- schaftlichen Betrieben beschäftigten Personen, vom 5. Mak
die Ausführung
Krankenversicherung
1886, einstimmig angenommen.
Elsaß-Lothringen. M e ß , 30. September. (W. T. B.) In Folge eines G n a d en g e s u ch 6 , welches wegen des gestern zu Gefängnißstrafe verurtheilten So h 11 es d e s P o [ iz e i =
kommissars Schnäbele an Se. Majestät den Kaiser“
gerichtet worden war, ist heute der telegraphische Befehl ein- Fe an en, Schnäbele sofort in Freiheit zu setzen. Schnä: e e is? heute Abend 7 Uhr von hier abgereist.
Oefterreich-ngarn. Wien, 1. Oktober. W. T. V.) Die heutige „Wiener „Zeitung“ veröffentlicht eine Ad itional: Konvention vom 30. September d. I. zu dem Handels- und SchiffahrtSvertrage mit Belgien, betreffend die wechselseitige Behandlung der Handlu11g6reisenden und- der von ihnen geführten Muster.
Pest, 29. September. (Vudap. Corr.) Der Minister- Präsident von TioZza hatte heute Vormittag eine längere Besprechung mit dem Minister-Präsidenken, Grafen Taarfe. Die Verhandlungen zwischen den beiderseitigen Re: gierungen bezüglich der Verzehrungsfteuern haben bisher das Ergebniß gehabt, daß den beiderseitigen Parlamenten noch im Laufe dieser Session jedenfalTs ein Gesehentwurf Über die Spiritusfteuer:Reform und gleichzeitig auch ein (Heseß- entwurf iiber dieReform der Zuckersteuer unterbreitet werden wird. Diese beiden Geseße sollen sodann am 1. Sep: tember 1888 ins chen treten. Ueber die wichtigen Moda: litäten während der Uebergangszeit sind bisher noch keine Fest- stellungen erfolgt. Die hierauf bezüglichen Verhandlungen werden seinerzeit in Wien gepflogen werden.
_ (Prg. Ztg.) Jm Oberhaus e wurde heute die Er- nennung des arons Senn er) zum Präsidenten und der Barone Szlavy und 01) zu Vize-Präsidenten publizirt. Sennyey's patriotische EröffnungSrede schloß mit enthusiastischen Eljeu-Rnfen auf den Kaiser und das Kaiserhaus. Kardinal Hahnald begrüßte den Präsidenten Sennyey mit schwungvollen Worten.
Großbritannien und Irland. Lon d o n , 30. September. (A. C.) Wie herkömmlich am Michaelistage, versammelten sich gestern die Freibiirger der City von London in der Guild- hal], Um den Lordmahor der City für das am 9. No: vember beginnende neue AmtSjahr zu wählen. Gex wählt wurde einstimmig Polydore de Keyser, Mderman und Mitglied der Brillenmacherzunft. Der neue Lordmahor ist 1832 in Belgien geboren und Bcfißer des Royal Hotel in Blackfriars. Seit 15 Jahren ist er Mitglied des Gemeinderatth der City für den Bezirk Farringdon und im Jahre 1882 wurde er zum Alderman dieses Bezirks gewählt. Im lehgenannten Jahre bekleidete er auch das Amt eines S eriffs von London und Middlesex. Hr. de Keyser ist der er ie römisch-katholifche Lordmayor seit der Reformation.
Dublin, 30. September. (W. T. B.) Der Deputirte O'Brien und der Lordmayor von Dublin sind in Anklagezustand verseßt worden, weil sie in den von ihnen herauSgegebeuen Zeitungen „United Irland“ und „Nation“ Berichte Über die Verhandlungen unterdrückter Zweige der Nationalliga veröffentlicht haben.
Frankreich. Paris, 29. September. (Fr. C.) Der C0nseilc§-Präsident Nouvier und der Minister des Aeußern, Flonrens, empfingeti heute die italienischen Be- vollmächtigten Branca, Luzzaii und Ellena, welche die Verhandlungen iiber die Erneuerung des am 31. Dezember d. J. sein Ende erreichenden Han: delsvertrages führen werden. Die Instruktionen dieser Herren soUen sehr versöhnliche sein. Sie soklen sich bemühen, den Vertrag auf nur wenige Artikel zu beschränken, um für 011€ Übrigen die Anwendung des Generaltarifs freizulasfen.
Portugal. Lissabon, 22. September. (Vol. Corr.) Die bekannte Affaire zwischen dem Marine-Minister Maredo Und dem Deputirten Ferreira d'Almeida erfuhr in den lehren Tagen iteuerliche Weiterungen, und 00er: dings, wie es scheint, auch ihren Abschluß. Der Minister,welcher zwei Tage nach dem peinlichen Auftritt von s einem Posten zuriick- getreten war, ist durch ein Königliches Dekret vom 15. d. M. neuerdings) zum Minister der Marine ernannt worden. Hr. Ferreira d'Almeida, der von der Pairskammer zu viermona- tigem MilitärSefängniß verurtheilt wurde, hat diese Strafe vor Kurzem a gebiißt. Der Minister begnügte sich jedoch Nicht ,mit der Satisfaktion, die ihm durch die über Ferreira: verhängte Strafe geboten wurde, sondern ließ den Depu- tirten sofort, als er das Gefängnis; verlassen hatte, zu einem Zweikampf herausfordern. Der Zweikampf kam jedoch nicht 3131 Stande, da die Zengen des Hrn. Ferreira iiberaus strenge edingungen jsorderten, welche die Zeugen des Marine-Ministers anzunehmen ick) weigerten. Die Affaire dürfte damit wohl endgültig abgeschlossen sein. _ Jm Schoße des K ab in eis soUen. wegen der Taback-Frage ernste Meinun Sverschiedenheiten. ausxiebrochen sein. Der Finanz=Minister tritt iir die Einführung des Tabackmonopols ein, wäZrend der Minister-Präsident die Vereinigung sämmtlicher im ande bestehenden Tabackfabriken, vorschlägt, wodurch dem Staat eine dem Ertrage des Mono- pols gleichkommende Einnahme gesichert werden sol]. Die Entwickelung dieser Angelegenheit wird von der Handelswelt mit lebhafter Theilnahme verfolgt, da hierbei ziemlich wichtige finanzieüe Interessen in Frage kommen.
Serbien. Belgrad, 30. September. (W. T. B.) Von den bis )'th in die Skupschtina gewählten Depu- tirten gehören 135 der vereinißten RegierungSpartei an„ auf deren beide Fraktionen sich iefelben gleichmäßig ver- theilen. 6 der Gewählten haben sich keiner Fraktion ange- schlossen. Die Partei (Hara chanin's hat bis 1th keinen ihrer Kandidaten durchgebracht. Aus 15 Wahlbezirken ist das Wahlergebniß noch nicht bekannt. Nunmehr sind noch 52 Ab:“ geordnete von der Regierung zu ernennen.
SchWeden und NoriUegen. Stockholm, 28. Sep- tember. In einem Artikel mit der UeberYrift „Das Mi- nisterium und die. Reichstagswa len“ hatte „ ötebor =Posten“ das Gerücht mitgetheilt, da der Premier-Éiinister Themptander auf Grun der regierungsfeindlichen Haltung, welche die Majorität der Ersten Kammer
neu en Mainbrü cke beizuwohnen.
in der kommenden ReichStagssefsion, wie zu erwarten
sei, einnehmen werde, beschlossen habe, seine Demission ein- zureichen-
„Vermuthlich wird,“ hatte das Vlati hinzu efügt, ein Theil der Mitglieder des Ministeruzms seinem erf iel (olgen; dagegen werden die Übrigen auf ihren Posien'blei e_n, um in Gemeinschaft mit einigen moderaten Protektidmsten em Geschäfts-Ministerium zu bilden.“ Aus Anlaß dieser Mit- theilung bringt „Aftonbladet“ fdlgendes Dementi: „Wir haben uns bezüglich dieseS Verhältnisses zu miterrichten versucht und erfahren, daß das M1111ster1u111 nicht daraxi denkt, „rückzutreten. Wir glaubenerklären zu konnen, daß die Frage, inwieweit das Ministerium theilweise rekonstrmrt_ werden müsse, Gegenstand der Erwägung gewesen ist, daß diese gber gerade zu dem Gegentheil von dem ge Uhrt „hat, was „(Hote- borg:Posten“ mitgetheilt hat, _namli dahin, daß_zur eit keine andere Veränderung 6111311117216". hat als die, we che durch das Abschiengesuch des Kriegs=M1msters veranlaßt wrrd.“ Die Wahlen zur Ersten Kammer sind nunmehr beendet. Die Protektionisten haben VIU d'en Freiha'ndlerin mer Pläße und Letztere von den Vrdtektwnisten zwei Plaße er: obert; neun Protektionisten und mer FkEihÜUdlék sind wieder- ewählt worden. Die Erste Kamm er wxrd danach kunftig auI 75 Vrotektionisten und 69 Freihändlern bestehen. ""““" Amerika. Washington , 29. September. (A. C.) WiÜiam L. Putnam aus Maine und JameS B. Angel] UU?- Mjchigan wurden zu Kommissaren ernannt, um gemein: schaftlich mit dem Staatssekretär, Vaygrd 0,11 den Unterhandlungen mit Großbritannien fur die Beilegung des Fischereistreits theilzunehmen.
Afrika. Egypten. Kairo, 27. September. Ein Telegramm des „Neuter'schen VureauZÜherrchtet; ' '
Meldungen aus Wady-Hakfa zufolge 1st dort ein mahdisiisckyer Spion angekommen, welcher berichtet, daf; d'le'sudgnestsxhen Stämme unter sich sowie auch mit Abysslnien einen Frieden von dreimonatliiber Dauer geschlossen haben. (Große Streit- kräfte sind in Omdurman versammelt, _wv ans dern„D1sirrkt Kassala LebenMrifjelvvrräthe in ansehnlichen Quentitaxen an- kommen. Auch mit den Stämmen yon Senyar 1si_ rieden ge- schlossen worden. Mohamed Elchair War tm Begri , 111 Hm- durman cinen KriegSrath mit dem Emir 3115011211, um sich aber die ngpten nnd Abvsfinien, aegenüher emzu1chlaaende' Haltung schlüssig zu machen. In Firkct standen 1000 Mahdisten, und von diesen waren 250 Baggaras jüngst angekommen. Die Ruhe War dort nicht gestört wvrden, aber es wurde heexbficb- tigt, ein Lager bei Sarras zu bilden. ' Hr. Neufeld und sammt- lichc Nonnen in Omdurman sind auf frrten Faß, gesrßt worden und Werden gut behandelt. In militäri1chcn „Kreisen in Kairo hegt man die Ansicht, daß die Niahdisten friedlich bleiben wrtrden, falls fie nicht angegriffen werden. Der Khedive kehrt vo"n seiner Rund- reise in Unter-Egypten am 8. Oktober nach Kairo zuriick.
Zeitungsstimmen.
Das „Bromherger Tageblait“ schreibt über die angebliche Unfruchtbarkeit der konservativen Aera; ' _ Unfruchtbarkeit der konservativen Aika _ das ist 0111721110119er!)
Zeit beliebtes Sch1agwor1. . . . (56 ist mit Recht erwidertawordexi, daß 48 eine konservatwe Aerg nicht gäbe. Eine solche wurde zur Voraussetzung haben, daß die konservatiye Partei qusscbließlich dqs StaatSruder in der Hand habe; davon isi 'aber „keine Rede. ,Die Stimmenzahl der deutschlonserdatchn Partei 1111 Reichstage hat bisher noch nie angereicht, um die Mehrheit zu ["ckan Die Mehr- heiten, mit denen diese oder 113118, gesetzgeberische Aufgabe gelöst rvurde scßten sick) immer aus Verschiedenen Parteren zusammen, und in den früheren Rcichßtagen war es das 'Centrum, welches den Ausschlag gab. Darin i(t seit den [eßxen Reichstagswahlen „eme Aenderung insofern eingetreten, als die beiden anderen konservatwen Fraktionen sowvhl mit den Nationalliberalen als mrt de_m Centrmzi die Mehrheit bilden können. Für sich allein hahen fie dte_Mebrhett noch lange nicht. Im preußi1che41 Landtage lagen die Dinge lange Zeit ähnlich. Wenn man von einer koxiscrvatwen Aera „spricht, sl? meint man damit in der Regel, daß die dcutschkonservatwe Partei herrsche. Diese hat aber auch im Preußischen Abgeordnetenhause nicht die Mehrheit; sie bedarf, um „Etwas durchzusexzcn, immer der Mitwirkung anderer Fraktionen. Was _nun die Regierung anlangt, so kann immer nur daraiif Verwiesen werden, daß wir eine Parteiregierung Weder im Reich 6041) 111 Freußen haben. Der Reichskanzler und preußische Minister-Prasident at, so lange er im Amt ist, immer eine Stellung Uher den 5Härtesten eingenommen, er hat sick) nie in die Schablone „eines bestimmten Yarteiprogrmnms driirken !affen. DaHsellZe gilt , von seinen oÜegen im preußiichen Staats-Mimstertum, die' mehrfqck) in der Lage gewesen sind, 5041 , deutsrhkonservatwer Seite gesieÜtc Anträge zurückzuweisen. Die Zeit seit, 1879 war in der That nichts Weniger als unfruéhtbar. Wer freilich deri Ueber- ang zu einem Systcm des vernünftigen Schutzes der heimischen rbeit, der inländischen Produktion, wer das große (Gebiet der soziczl- YVUÜscben Geseßgebung, we1che Deut1chland m' mustergulttxzer Weise in Angriff genommen hat, Wer die gesetzgeberische Unxersiuhung der Kolonialpolitik u. s. w. für nichts erarbtet, der wird die Zruchte der verflossenen Legislaturperioden des Reichstages nicht zu er enncn ver- mögen. Der (9914? aber auch, Wenn er den Vornmrf'der Unfruchtbar- keit erhehi, doch gefälligst sagen, welche große poßtwgSchopfungxn die Welt anzustaunen gehabt hätte, wenn seine _Partei das Heft in den Händen gehabt. Kann man die [exten Legislaturperioden des Preußischen Landtages als unfruchtbar hin 142114117 Der Uebergang zum Staatsbahnfystem war doch ein geiraltiger Schritt, und er „hai wahr- bélfti recht gute Früchte getragen, wenn mansich vergegenwartigt, daß die ente der Staatöeisenbabnen die Verzinsung der gesamwten Preußischen Anleihen, also nicht nur der Eisenbahnanleihen, selhsi in yngünsiigen Jahren deckt, und wenn man sich ferner „Vergegenwar'tigt, in welchem Maße seitdem die Eisenbahnen in den Dienst der wrrth- schaftlichen Interessen des Landes gestellt wvrden sind. Auch auf das Gebiet des Ressorts des Innern paßt der Vorwurf der Unfruchtbar- keit nicht im Entferntesten, denn mit der Durchfuhrung und Ueber- tragung der Verrvaltungßreform auf nunmehr fast alle Provinzen dex Monarchie wurde doch eine ebenso große als schwierige Aufgabe Iluxklick) gelöst. Die deutsche Kolonisation der polnischen Landes- tbxtle, die beschlossenen Kanalbauten u. s. f., das sind ages positive LListungen, die sich sehen lassen können., Und rechnet „die Wieder- hersteliung des kirchlichen Friedens für ntchtß?, Es Wurde hier zu weit führen, die positiven eistungen von Reichstag und Landtag in den lehten 8 Jahren einzeln aufzuführexi, die gegebenen Andeutun en ?enügen voUsiändi , u beweisen, daß die Behauvtmx „vokn der ., xi- r_uchtbarkcit der onizervativen Aera" recht sebr hinfa tg isi. (&er batte noch mehr geschehen können, und es Wurde au'Cb n_ock) erheblr m_ebr geleistet Worden sein, wenn es nicht gerade diejenigen, welche dt,? „Unfruchtbarkeit der konservatiren Aera“ „immer im Munde fuhren, mcht verhindert hätten. Es macht sich komisch, Wenn der Henzmschuh gegen das Rad den Vorwurf erhebt, nicbt rasch genug vorwarts gc- gangen zu sein.
„ _ Der ,Reichsbote“ äußert Über „die Demagogie und die Schußzölle“: ' , Nachdem bei den Börsenbläitern es nicht mehr verfangen will mit der Behauptung, daß die Landwirthe selbst einzusehen begönnen, da? ihnen die Schußzölle schädlich seien, da durch sie ihr Ausfuhr- “b a für Getreide 3 Verlust gegangen sei, kommen ie jetzt wieder
mit er Vertheuerung des Brotes für den „armen ann“. Es ist
freilich auch zu lächerlich, von günstigen außerdeuischen Absaßßehieten für deutsches Getreide zu reden und dabei auf England zu chtelen, während in diesem Lande der Wetzenpreis, der zu Anfang Sep- tember 1883 noch 41 Sh. „8 P. betrug, auf 29 Si). 1 P. gesunken ist und in der Zett vom 6. August bis 10. Sep- tember d. J. von 31 Sl). 11 „P. auf den eben gedachten Preis berabging, also einen Preisveriust von _nicht weniger als 34 Pence, oder „454 80 «3 erlitt, svßaß die _Last (von 100 kg) kaum noch 1241- „46 werih ist; und wahrend die Weizen- produktion Englands selbst Von 74 203 244 „Bushel, welchen Ertrag sie im Finanzjahr1884/85 noch erreichte, im Jahre 1885/86 auf 62 726 569 und 1886/87 auf 55 444275 Bushel herabgesunken war, obgleich zur Deckung des stetig zuruckgebenden_Brotverbrauchs, der 1885/86 noch 5,44 Bushel Weizen fßr den Kyps der Bevölkerung _er- forderte, 404 850 212 Busbel wahrend dieser" drei Jahre im- vortirt wurden _ ein Import, dessen Ruhen fur die betreffenden Produzenten bei dem jähen Preisfall und bet dern heutigen Preis von 29 Sh. 1 P. für den Quarter wvhl_ auch mrt der besten Laterne nicht mehr zu finden ist. Wobei zugletxb'die Konkurrenz immer mehr wächst; da allein die Ausfuhr der Vereinigten Staaten, welche vdm ]. Januar bis Anfang September 1886 37 770 282 Bushel ,WLLan und 6978 582 Bushel Mehl betragen hatte, in derselben Zett 1887 auf 56241385 Bushe[ Weizen und 9077 931 Bushel Meß] an- gewachsen ist; und da die russische Produktion so zur 521„usf115run'g drängt, daß in Odessa die Schiffsfracbten 170211) sieigen, wahrend die Lager an den Eisenbahnen fick) immer mehr uberfuÜen und das Pud Weizen für einen Rubel, also, zu 100 „46. _ pro Tonye kaum verkäuflich ist, während in Rtxia der Roqgenpreis nur wenig über die Hälfte dieser Notirung betragt. . . .- §2,1114), da wan dori) nicht mehr erwarten kann, den deutschen Landwirth_en,_wemgstens 111 ihren vom Spekulationstaumel noch ntcht infizirien Kreisen, auf dem aquärtigen Markte das Glück mit Erfolg zu malen, so muß das „Brot des armen Manneß“ wieder hervorgezogen Werder) und sogvird aus zwei neueren Untersuchungen über das Verhaltxiiß des Korn- preises zum Vroipreis schleunigst nachgewwsen, daß die „Backer“ es nicht seien, welche den Brotpreis vertheuerten _ folglich seien es die Zölle! . .. Es heißt im Besonderen, Hr. won Scheele habe aw Beispiel der Stadt Dresden grzeigt, daß der Geldgewmn, den die Bäcker an den Brojpreisen machten, fur das Kilogramm stets und unter asien Schwankungen 49/5 45 betragen habe. '
Nun liegt uns das betreffende Buck) zwar 11641.) nicht vor; aber wir haben es hier nicht mit ihm und seinen Ergebnissen, zu thun, also bleibt sichs glrirh, ob die Behquptung Wahr ist oder nicht; uns interessirt nur die Behauptung, wie wir sie 111 der Borsenpreffe finden, und die darcws gezogenen Folgerungen; und wir yehmcn sogar die Behauptung an, obgleich wir Weder,ihre Richtigkeit 11_och ihre aÜgemeine Behauptung zugeben. Aber Wik _kennzetchnen (owrx die Methode, nach welcher die kapitalistische .Preffe verfahrt, indem sie die Thatsachen verdreht und dieselben mxt erstczunlicher Befliffenhext hinweg _ schweigt, wo sie liegen,'oder vorzuxmegeln sucht, wo sie von sachverständiger Seite noch Niemand geju )t hat. ,
Also der Bäcker nimmt „nur“ 42/5 „3 Backlqhn gnd Gewinn vom Ki[ogramm .mittelmäßigen“ Brois (das doch nie ,mrttelmaßrg“, sondern stets gut sein soÜte); aber da man 5041) mehr leugnen kann, daß die Differenz zwischen dem Roggen und dem Brot, ]elbst wenn es sich nicht Um „mitte'lmäßigeö“, sondern xm: giifes handelt, weit mehr (116 43/5 „3 beträgt, so wird 0511? Wetteres gesagt _ dies ist Folge des Zolls. _ _, ' _
Wieso aber? Der Getreidepreis gestaltet 11ch doch_in Dcuiichlatid einschließlich des Zoiles. Der Bäcker, oder sagen wir richfiger_die Aktienmüüerei, zahlt doch, Wenn sie Getreide auf einem deut1chen Markt gekauft hat, keinen Zoll mehr auf dasselbe und _auch der Bäcker bezieht sein Mehl aus der deutschen Myhle zolifreg Also kann der Zoll auf keinen Fall die Differenz_ szchen Gefre'ideprezs und Brotvreis versshulden. Der Zoll bringt ohne Zweife1 die Differenz zwischen den Getreideprersen außerhalb rind innerhalk; der deutschen ZoÜlinie mit sich; und diese Differenz zeigt, inmieweit das importirende Zwischengeschäfi den Zoll d1rckt auf den Verbrauch (15- zuwälzen versteht. ' " _ „
Wenn nun aber trotzdem Seitens der Bdrxenpreffe, nachdem'iie mit mehr oder weniger guter Begründung festgesteüt hat, daß m_cht die Bäcker di? nnerhörte Differenz zwischen Korrz- und Brhtpreis em- heimsen, sofort erklärt wird und zwar erklärt wrrd ohne die mmdesie Begründung und im schärfsten Gegensatz gegen die Thatsacher), daß der Zoll jene Differenz verschulde, so kann dies doch nUr ge]chehe_n, um den Wahren Schuldigen, an dem jene Presse unverkennbar em außerordentlicbes Jntereße nimmt, zu verbergen.,
Wir branchen diesen Schuldigen „freilich nicht lange zu sUÖLn; wir haben ihn schon seit geraumer Zett mehrfach gekeynzeichnei. Aber wir müssen umsomehr auf denselben zurückkommen, je mehr derselbe in demagogiscber Weise diejenigen Maßnghmen, „welche staatspolrtisch um die Landwirrhschaft Vor einem ahnlichen .Ruckgang zu bewahren, wie derselbe sick) in England zeigt, unumganglich sixid, vor der Nation und insbesondere vor dem „armen ?NannF 111 cm falschcs Licht zu steklcn und sie so zu bezeichnen sucht, als seien fte es, welche die Notk) und die Unzulänglickzkeit des Einkommens, also dieScbwwrigkeiten des Daseins verschulden. Und umsomehr, als die demagog11c5e PreFe gegen'die Schuyzölle, Welche bezwecken, die Landivrrthschaft zu, 1chu13en, nicht aber die Brotpreise zu vertheuern, Verdrehend Kei) eretfert, habexi wir hervorzuheben, wie dieselbe aÜe wirklich der Brotoerbtüigung dienen- den Maßnahmen bekämpft _ so die angebliche Absicht, ,die Eisen- bahnfrachten von Osten nach Westen herabzuseßen, damit das oft- deutsche Getreide *in den westlichen Gebieten mri dem seewarts zu- geführten konkurriren könne. . „
Derartige Züge zeigen klar und deutlich, was es init der Volks- freundlichkcit der demagogiséhen Preffe auf 11ch hat .....
_ In der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung“ lesen wir:
Ueber die Mengen des im Laufe der leßten Jahre in dcn Ver- einigten Staaten von Nord-Amerika erzeu tex, zur ?luYsaatgcbrauchten, Verzehrren und zur Ausfuhr gelangten erzens erhali dcr 11r1_[angst erschienene Au ustbcricht des Ackerbau-Departements m Wasbmgtqn nicht unintere ante Aufschlüsse, welche die nachstehende Uebersicht tn YJTUFMM Zahlen Veranscbaulicbt. Es betrug namlich in Millionen
u e:
im Jahre die Produktion Verzehrung Aussaat Ausfuhr 1881 383,3 235,2 55,2 121,9 1882 504,2 255,5 52,8 147,8 1883 421,1 259,5 54,7 111,5 1884 512,7 265 55,3 132,6 1885 357,1 271 51,5 94,6 1886 457,2 277 51,5 151,8.
Während also hiernach der Crnteertrag in den letzten, 6 Jahren zum Theil recht erheblichen Schwankungen unterlag, bat (ich die als Saatgut verwendete Menge ziemlich stetig auf einem Durcbsxhnttt von etwa 53 Millionen Bushel erhalten und der zum Kons'um im, Lande selbst verwendete Theil der Wcizenernte seit 1881 stets maufstcigender Linie bewegt. ,
Dagegen Weisen die, in der le ten Spalte obiger Tabelle enthal' tenen Zahlen der E portmengen sc r'starke Schwankungen auf, welche von der öhe des rtragcs in den cmzelneg Jabrerz nicht (ibbangxg zu seins einen. EbensoUFU, wie der Bett?; wetter czngicbt, die Menge des aus eführten cizens vqon der öbe des fur denselben gezahlten Preiyes gänzlich unabhangig, und em Fallen ,der Weizenpreise im Auslande nicht etwa jed'eSmal von einer Verminderung des Exports gefolgt geWesen sem; Vielmehr hat sich im Gegentheil beim allen der tm Aqölandc gezahlten Prxisc oft
erade cin Stei cn des 5 cizencxports gezeigt urid zwar, wie m_ dcm
ericbt auSgefü rt wird, aus dcm Grunde, Welk die amerikanischen Weizcnproduzenten nacb Dcckun dcs beimischcn Bedarfs darauf an- gewießen sind, ihr Produkt zu Jedem Prcile loszuschlagen, der ibmn über en Werth, welchen der Weizen be dessen Verwendung als Viebfutter rcpräsentirt, geboten wird.
Unter solchen Umständen kann allerdings dieUeberjcbwemmung des europäischen Marktes mit amerikanischem Weizen mcht Wunder nehmen.
Das elbe Blatt «merkt:
Währe'iid im Frühjahr d. J. anläßlich der Kunstbutter-Debaiten im Reichstage noch von verschiedenen Seiten die Nothwendi keit einer geseßlicben Regelung des Verkehrs mit Kynsibutter in' A rede ge- steUt wurde, hat man sich dieser NothtUepdtgkett" neuerdiygs (n an- deren Staaten doch ebensowenig verschließen konnen, wxe bei uns. So hat sich mittlerweile auch das von gewissen Seiten noch immer als Pflegestätte des jaisser 61161" gepriesene England zum Erlaß eines Kunstbutter-Geseßes entschlosien, Welches am 1. Januar k. J. in Kraft treten soll. Dasselbe laßt als „Butter im Verkehr nur denjenigen St_off gelten, welcher ausschließ- lich aus Milch oder Sahne, Mit, oder ohne Sah, oder einem anderen KonservirrrngSmiiies und txnt oder ohne Fuigß von/„Farb- stoffen hergestellt ist. AUe ziim (&th der Butter estinimten Stoffe, gleichviel ob dieselben mit Butter gewischx sind oder ntcht, sind qls .Margarine“ zu bezeichnen, und muisen (owohl mi Groß- wre „tm Kleinbandel die zur Verpackung und Aufbewahrung dienenden (Gefaße und UmhüÜungen in deutlicher Weise, durch das Wort „Margarine gekennzeichnet sein. Ferner muß (ede rnit den offeritlickpen Be- förderungsmitteln expedirte Sendung unter. der Bezeichnung als .Margarine“ aufgegeben, und jede Margarm-Fabrik _bet der Orts- behörde zwecks Eintragung angemeldet Werden. Zurviderhandlungen Werden mit entsprechenden Geldstrafen geahndet.
Reichstags - Angelegenheiten.
Bremen, 30. September. (Wes.-Ztg.) Gestern ist dez: hier wohnende Reichstags-Abgeordnete fur Aachen, Victor Giesen, Verstorben.
Landtags = Angelegenheiten.
Neuwied, 30. Seytemher. (W. TB.) Bei der heute bier stattgehahien anderWeiten Wahl stveter LandthJSabgeord- neten wurden der Geheime Regierungs-Rath' l)1'. Dunkeksherg in Bonn (nat.-li5.) mit 244 und der Rentner Dietz m Neuwrer (nat;- lib.) gleichfalls mit 244 Stimmen gewählt. Die vom Centrum aur- aesieÜten Gegenkandidaten, Geheimer Ober-Juxirz-Ratk) Rmtelen und Gutsbesitzer van Vleuten, erbielten, der Erstere 221, der Leytere 220 Stimmen.
Statistische Nachrichten.
Die Produktion der Bergwerke, Salihen und Hütten des preußischen Sfaats hatte, _nach 1781111111 Verlage von Ernst und Korn in Berlin (Wilhelm (Irmi, GOWUÖTÖLBUÖ“ handlung) erschienenen Separaiabdruck aus, der „Zeixxcbrtsr (Lr da-s Berg:, Hütten- und Salinen-Wesen im ._preußixchen Staat , Band 1111117, im Jahre 1886 folgende Erg'ehninex
Tie BergwerkÉProduktion und die Gewinnung von Kock)- salz aus wäfferiger Lösung ergaben 240937 t 109 kg, gegen 255 516 b 642 kJ in 1885, im WertHe von 606,5 682 „44, gegen 5924 610 „46 in 1885. Im Ganzen 1603 Wrrke mit 288 890 Mann Belegschaft im Betriebe. Im Einzelnen ergaben _le- Bergwerke (1541 mit 285113 Mann) 71002166 1 386 II (1883: 41713132 : 731 kg) = 356 943 098 „44 (369 834 545 4444), und zwar dj_e Mtxeral- kohlen und Bitumen (814 Werke, 215076 M.) 65 066 404 't (65 288 384 i) : 290 258 016 „44 (295 712 469 (FC:), und_zwar dre Steinkohlen (373 Wcrke, 191355 M.) 52 482 499 r (52 849 004 t) : 257 755 620 „46. (262882 002 „M); die Braunkthen (428 W., 23 484 M.) 12565405 r (12387 284 r) : _32 011 462 „46 (32 370 724 544); Graphit nichts; Asphalt (4 W., 54 M.) 15 829 c (19 401 b) : 82 586 „44- (115 980 „ckck); Erdol (9 W., 180 M.) 2671 b (2695 t:) : 408 048 „M (343 763 „M). _ ,
An Mineralsalzen (10 W., 3529 M.) 916 342 r 036 143' (930 570 b 882 kJ) : 9011711 (9 560 070) „44, und zwar Stein- salz (4 W., 309 M.) 214 022 r 162 kg (905 499 c 133 15,7) = 1 052 870 (1 062 810) „44; Kainit (Nebenprodukt) 148 171 r 650 kx
195 391 c 423 kg) : 2464 851 (2 925 472) „44; andere Kaltsalze 6 W., 3220 M.) 514 254 r 049 14,2 (529 539 t 261 kg) = 5 374 617 (5 512 283) „44; Bittersakze (Nebenprodukt) 9806 r 275 144.3,- (27 r) : 76 781 (216) „46; Borazif (Nebenprodukt) 117 r 900 143" (121 c 065 14,2) = 42 592 (59189) „44. _ _ _
An Erzen (717 W., 66 508 Yk.) 5 019 090 r 300 kg (5494174 t 849 kg) : 57 673 371 (64 551006) „16, davon Ersenerze (502 W., 24 006 M.) 3 555 493 c 254 RZ (3 925 783 6,2543ng „iniikerze (66 W., 13 641 M.) 704 216 r 405 kg (649_484 r 413 112“) = 7 704 260 (7 631153)„463 Bleierze (91 W., 135421221.) 140165 1: 174 kg (140 336 c 743 RJ) : 15 399 591 (14 484 664).44;_.iruprer- erze (16 W., 13 970 M.) 486770 4; 595 ];Z' (611336 4 443 kg) : 14210 478 (18 976 690) 4444; Silber- und (Hoxderze (1 W.,R153M.) 76 r 760 kg (58 b 727 1443“) : 51561 (36 559) „M; Zrbalserze (Nebenprodukt) 18 t 800 kg (28 r 800316) : 3234 (5305) „44; Nickelcrzc (Nebenprodukt) 15 r 020 kg (10 t 464 k,?) : 4424 (24-43) „44; Antimonerze (Nebenprodukt) nichts (3500 r : 960 4,46); Arjemkcrze (3 W., 102 M.) 670 (1487) 1: : 44 940 (94 341) „44; MangaJnerÖe (24 W., 531 M.) 25 045 r 496 1; (14 696 t 480 kg) : 734 443 (338 760) „js; Sä,)wrfelkies (12 W.,_ 523 M.) 104 371 r „057 kg (115195 4 012 kg) : 799 580 (338 460) „46; foyftigc Vitriol- und Alauncrze (2 W., 10 M.) 2247 r 789 143- (5453 c) : 5140 (6017) „44; Gewinnung von Sakzcn (1,113 waffcriger Losung (62 W , 3777 M.) 457 562 c 475 kg = 22 24_1 862 „16, und zwar 5101514qu (Cblornatrium) (36 W., 1975 M.) 240937 r_ 109 Kg (255 516 t 642 14 ) = 6065 682 (5 924 610) „44' Chlorkaltum (12 _W., 1416 921.) 76 684 t, 820 kg = 10178060 „46; C5lormagnciiym (Nebenprodukt) 527 c 500 149; = 15 900 ckck; sckIMfelxaurc, Alkglicn und Glaubersalz (4 W., 188 M.) 46 327t 345 kg : 1486 448.414; schwefel aures Kali (2 W., 67 M) 15945 : 881148:: 2519 538.4; scbuwfelxaure Kalimagnesia (Nebenprodukt) 23 433 t, 651xxx__: 1 120 603 «44; schwefeliaure Magnesia (Ncbcnprodrikt) 15 4.5 t 873 kg : 82 396 „16; schwefelsaure Erden: &. sch1vefc11ai1rc “45631- erde (4 W., 51 M.) 6985 r 615 kg = 645 051 „44, 5. Alarm (4 W.. 80 M.) 1213 t 681 kg : 158 334 „46 _" *
Die Produktion der Huttcnwerkc dcs Preuxxiicbcxi Staats belief sich einschließlich des 4/7 Antbeilß an der S_ommunwn untcr- harziscber Hüttcnprodnkte im_ Jahre 1886 gut 30.2959 1 191 kg und 220 844,40 kg Gold, Silber und Kadmtum (3169639 1 304 kg- und 198 431,76 11,13" Gold xc.) : 223 415012_(234 982 809)_.“, und zwar Roheisen (89 W., 17191 M.) 2 563 024,454 (2 664 844.529) t : 110 639 893 (123081501) „46, und zwar 24 441.724 (31334,149)r : 3 329 219 (3 823 015) 44-6 Holz- und 2 535 585,727 (2 633 534,380) : : 107 310 674 (119 258 486) „464 Steinkoblcnrobeisen; ka (Block- zink) (29 W., 8919 M.) 130 814,705 (128 911,369) c : 34 509 931 33 810999) .46; Blei (Blockblei) (12 W., 2426 M.) 86 340,69! (87 216,403)r : 20 650290 (18185633).4jé; Glatte (Nebenprodukt) 3 171,662 (3 126,420) 6 = 725 314 (633 6929.46; Blockkuvfer (8 W., 2736 M.) 17 797,614 (17 423.660) r =: 15327 409 (17502 512) 444€; Kupferstem (Nebenprodukt) 402,374 (342,801)1 „: 104 721 (89 358) „FC; Silber (4 W., 571 M.) 215 758,11 (1950. 4,74) kg : 28 905 275 (27 902-165) „46; Gold (Nebendrodukt) 122,29 (130,02) kg : 342 318 (363 439) „FC; Nickel (2 W. 125 M.) 168,702 (144,496) 6 = 770 000 (735 370) .“; Blaufarbwerkprodukte (Neben- produkt) 33,900 (33,640) t : 50000 (363 492) «46; Kadmium (Nebenprodukt) 4964 (3264) kg = 36 935 (25 545) „46; Zinnsalz (Nebenprodukt) 200 (120,346 1 = 360000 (210000 „ji,