1887 / 241 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Fri, 14 Oct 1887 18:00:01 GMT) scan diff

u thun, ehe die Resultate der Neuerung anläßlich der Er- Zffnqu des Schuljahres im ganzen Lande gesammelt wor- den wären.

_ 13. Oktober. (W. T. B.) Der Kriegs-Minister Fxrrorr forderte den „General Boulanger auf, ihm mitzuxheilen: ob die ihm von einigen Zeitungen zu- geschrixbeneri Yeußerunaen von „Machinationen“ Ferron's Fxgen rkhtz richtig seien., Bdulanger erwiderte darauf, daß er

isher einer) Eiiiblzck in diese Zeitungen gehabt habe.

. Der militarische UntersuchungSrath beschloß ein- stimmig„ den General Caffarel wegen Vergehens wider dw milxtxixisxhe Ehre zwentlaffen. Der KÜegs-Nkinister Ferran mird em diese Exit cheidung bestätigendes Dekret dem Präfi- denten Grévy unter reiten.

, _ 13. Oktober, Abends. (W. T. B.) Der Kriegs- Minister Ferron hat die Antwort des Generals Boulan er, daß er bisher keinen Einblick in die Zeitungen Zehabt a 9, welche die ihm zugeschriebenen Aeußerungen ent-

al_ten ollteii, fiir ungenügend erachtet, weil die gedachten

ertungen m Clermont:Ferrand vorlägen, und eine neue

epesche an den Gßneral Boulanger gerichtet, worin derselbe aufgeFordert Wird, mit Ja oder Nein zu antworten, ob er die fraglichen Yeußerungen gethan habe. Wenn seine Antwort eme ungenugende set, werde im DiEziplinarwege gegen ihn vorgegangen werden; Hierauf gestand General Boulanger in telxgraphischer Erwiderung zu, daß er die ihm von den Zeitungen zugeschriebenen Aeußerungen gethan habe.

Der '„Temps“ erklärt es für unbegründet, daß rankrerch wegen Marokko eine internationale onfertxnz vorgeschlagen habe; ebenso wenig sei bezü lich der

nxarokkmnschczn Angelegenheit irgend eine Eröffnung Jer spa- nischen Regierung an rankreick) erfolgt. Unbegriindet sei ferner 'das Geri“: t, daß Frankreich im Einver- nehmen , mrt Rußland daran denke, wegen der bulgarischen Frage eme Konferenz vorzuschlagen. _ Das „Journa des Débats“ wilk von einem gestern xingegangenerr Schre 1 den des französischen Gesandten Feraud m, TanFer wrffen, wonach der Sultan von Marokko sich wieder es f er befinde und vor dem Thore seines Palastes sich dem Volke zu Pferde gezeigt habe.

_'14. Oktober. (W. T. B.) Den Morgßnblättern zufolgeist General Boulanger mit 30 Tagen strengen Arrests bestraft worden. Der Ministerrath wird später dariiber beschließen, ob derselbe-seines Kommandos enthoben werden soÜe._ Der Präsident Grévr) wird wahrscheinlich am Sonnabend von Mont-souS-Vaudrey hier wieder eintreffen. _ Aufden Antrag Wilso n's vernahm der Untersuchungs- richter die' Frauen Ratazzi und Limouzin, sowie den quon Kreitimaysr. Dieselben erklärten in Gogenwart Wilson's, daß ihre Beschyldigun en ge en Wilson falsch s01911 und sie'dieselben lediglich in er H0 mmg vorgebracht hatten, daß die Sache unterdrückt werden würde.

Ser'bien. Be [ grad, 13. Oktober. (W. T. V.) In der gestrigen erst en Sitzung des Sub-Comité-s dcs Vixriassung 9 an sschussezß unter dem Vorsiß des Justiz- Ministers wurde 11111.“ Uher dre Pri n zipi e n berathen. Erst wenn hieriiber eme Einigung erfolgt ist, wird ein B e r- f a s s u n g s e n t w u rf auSgearbeit werden.

„Arnauten, überfielen an der Grenze des Jablanizg'er Bezirks eine serbische Patrouille mit 61116111 BezirkSHeamten an der Spitze, wurden jedoch nach heftigem Kampf zurückgeworfen.

Ru land und Polen. St. Petersburg, 14. Oktober. (W. T. .? Das „Journal de St. Pétersbourg“ ist m ,der Lage auf das Formellste zu erklären, daß die einem M1tglrede„der Kaiserlichen Familie von franzö- Yrschen Blgttsrn zugeschriebenen Worte auf vollstän-

1ger Erfindung beruhen.

Schweden und NorWegen. Stockholm, 13. Oktober. (W. T. V., Das Ober-Statthalteramt von Stock: holm kas irte heute_alle diejenigen bei der letzten Reichs- tagswah zur Zweiten Kammer in der Stadt Stockholm abßegebenen Wah zettel, 'auf welchen neben den Namen an erer Kandidaten auch derjenige des Arbeiters Larsson steht, welcher Kommtznaigebührcxn schuldet. Hierdurch ist die Wahl von 22 frßihänd10rrschen Kandidaten annul- lirt, und e? [111,1 hierselbst eme neue Wahl staiizufinden.

Christiania, 12. Oktdber. In den lthenTagen haben mehrereS tczatsr at 5 s : S rßu ng en stattgefunden, denen auch dre drei Mitglieder der norwegischen StaatSraths- Abtheilung rn Stockholm beiwohnten. Außer über mehrere laufende Geschäfte wurde auch iiber den eventuellen Rücktritt des Chefs des Remsions-Departements, Jakob Sverdruy, aus dem Ministerium verYandelt. Wie „Asten- poften“? berichtet,. halten die Staat?:rät e Astrup, Arctander und Kildal an ihrem Entschluß fest, zurücktreten zu wollen, wenn Staatsrath akob Soerdrup nicht aus demMinisierium entfernt werde. er Staats:Minister Johan Sverdrup widerseße sich jedoch dieser Forderung.

Dänewark. Kopenha en, 13. Oktober. In der geftrrgxn SPUR? des Folket ings wurde die erste Lesung des Frnazizge eHentwurfs fiir 1888/89 fortgeseßt. Der Abg. Kapitän Bluhme bxklagte, daß es trotz des auf aÜen Seiten „gefühltexi Bedürfnisses einer sachlichen Verhandlung unmöglich erscheine zu einer Verständigung 11 kommen. Beide Parteien schienen ange dafür zu sein, so da es das Aussehen

ewizine, als wollten sie ihre bisherigen Stellungen dem mrfterium gegeniiber aufgeben. Um dies zu vermeiden, mgchte Redner den Vorschlag, daß der Conseil-PräsidentEstrup sein Kahmet rekonsirmren und anstatt der jFigen Yachminister, wenn diese nicht im Laufe der sachlichen erhan [un en mit dem Folkethmg m Uebereinstimmung kommen önnten, nYk solche Männer in das Ministerium berufen solle," dre auf dem Boden der Verfassung ständen. Vor 2111an , müsse man aber erst wegen Beschränkung der militqrischen, Aus gben zu einer Verständigung kommen. Der Ökonom1sche iedergané, besonders die traurige Lage der Landmirthfchaft, erfordxre räftige und schnelle Hülfe. Auch die Abgg. Thqrup, Tytein 11.21. wiesen in ihren Ausführun en auf die schlimme okonomrsche Lage des Landes hin. Sie 1T*;Fichtfetßung der Verhandlungen wurde schiießlich auf heute ag.

.A'merika. New- ork, 12. Oktober. (A. C.) Der Präsident Cleyelan traf, be leitet von seiner Gemahlin, heute 111 Omaha em, wo er begei ert empfangen wurde.

Zeittmgsftimmeu.

, Die ,Mecklenburgischen Nachrichten“ äußern über die unaéme der Auswanderung: _ uch die neuesten Ausweisungen über die Zahl der überseeischen Auswanderer aus Deutschland während des Monats August bestätigen die sch11n in den ersten Monaten dieses Jahres gemachte Beobachtung von einer Zunahme der Auswanderung. Im August d. I. find 8061 Personen aus Deutschland außgewandert ge en 6727 im August vorigen Jahres und gegen 8615 im ugust 1885. Die Gesammtziffer der von Anfang Januar bis Ende August d. J. AuSgewanderten beläuft fich auf 72 608 Personen Legen 52 596 bezw. 82 716 in dem gleichen Zeitraum des „abres 1886 bezw. 1885. Sieht man genauer zu, auf Welche Pro- vinzeii der Hauptantheil der Auswanderung fällt, so stehen hier wieder _ rote dies schon von jeher der Fall war _ Westpreußen und Posen doran ;,ersteres hat in den ersten acht Monaten dieses Jahres 10 329 uherseets e Auswanderer abgegeben, Posen 7373. Was aber an diese'n Za [en bewnders auffällig ist, das ist die ganz ungewöhnliche Steigeriina der Auswandererzabk gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres gerade in diesen Provinzen: aus Westpreu en smd 4939, aus Posen 2841 Personen mehr au§gewandert; in den meisten ubrigen Provinzen des preußischen Staats ist der Zuwachs ein nicht nur absolut, sondern auch verbältnißmäßig viel geringerer. Diese Erscheinung verdient unseres Erachtens ernste Beachtung. Losen und Westpreußen find vornehmlich ackerbautreibende Provinzen. st es nun auch be dem Mangel genauer Angaben über den Beruf deyAuSWanderer nicht möglich, die Personen, welche diese Landes- tbeile „zur überseeischen Auswanderung verlassen haben, direkt für das [gndwirtbscbaftlicbe GeWerbe in Anspruch zu nehmen, so wird doch nicht 111 Abrede zu stellen sein, daß es mehr oder Weniger mit der LandwirtYschaft in enger Verbindung stehende Leute sind, welche Uhers Meer gegangen sind. Daß aber gerade in diesem Jabxe die Auswanderung aus diesen rovinzen einen so er- hebxtcbZU Anfschwung genommen hat, läßt ck) nur auf den Umstand zuruckfu'hren, daß die wachsende Noth der Landwirtbschaft, welche ge- rade bier „fich besondxrs fühlbar macht, den Anjrieb dazu gebildet 591. Es ist dies auch ganz erklärlich. Wenn die Landwirtbschaft nicht reniabel ist und immer weiter in ihren Erträgen zurückgeht, können die Großgrundbefißer keine genügenden Arbeitslöhne mehr zahlen, und ebenso kann der Kleinbefißer fick) nicht mehr halten; auch

der Haydwerker muß unter solchen Verbältniffcn leiden, und so ist es begreiflich, weshalb ?xrade jeLt, wo 1103 aÜer bisherigen Maßnahmen

die LandwirtbsÖaft ck) in er gedrücktesten Lage befindkt, die Zahl der Aixswanderer wächs .

Zit dies für aÜe ackerbantreibenden Landestöeile cine Kalamitäi, so noch ganz besonders für Posen Und Westpreußen. Denn hier be- deutet der Abzug heimischer Kräfte, der sich nach allen Wahrneh- munan vorzugsrveise aus deutschen E[en1enten rekrutirt, zugleich eine S_chwachung dks deutschen Elements und der deutschen Kultur, die zu starken gerade der Zweck der Kolonisationspolitik ist. Was aber _ so muß wan fragen _ können alle hierauf gerichteten Maß- nqhmen fur Erfolge erzielen, Wenn ein großer Theil der Etngeseffenen wie bisher, sr) namentiick) aucb jeyt wieder aus wirth- schafercbcn Gründen den heimatblichen Boden verläßt? Der Abgang ist em so bedeutender, daß er nicht so ohne Weiteres zu ersetzen ist, und wenn auch wirklich neue de,ut1che Kräfte in diese Provinzen iiber- gßfubrt werden, so muß „mim sich doch die Frage vorlegen, ob diese nicht auch demselben Sch1ck1al VerfaÜen müffen, Wenn es nicht gelingt, d_te"Landwir_tbfchaft rentabler zu machen urid so die wirthschaftliche-n Krafte auf ihrer Scholle zu erhalten. Der Raum, Wclcher durch die AuSwanderung deutscher Clemente entsteht, kann leicht durch polnische Elemqntequögefiilli werden, und dadurch wiirde gerade der Zweck der Kolonisationspolitik, 11391452 auf die Zurückdämmung der polnischen Flutk) gerichtet ist,. beemträckxtigt Werden. . . .

Es ist aber nicht 111-113 dort im Osten, sondern überal] in Deutsch- land em tm wahren Sinne nationalis Jnterejse, Welches ebieterisch fordert, energische Maßre eli) zu Gunsten der nothleidenden Zandwirth- schaft 311 erßreifen. W“ as Resultat der [exten Kammervarpach- iungxn m Mecklenburg gelesen hat, wird daruber ebensowenig in ZweifelFein können, als wer sich etwa die Durchschnittspreise für (He- tere ' 1111 August 1). J. verqegenwärtigk, wie fie das neueste „Statistische Moyatßheft' uns bringt. Indem wir bemerken, dacß diesel'ben Legenwartig nach den einzelnen Börsennotirungen no niedriger „iehen wie im August, daß aber die September- oder thoderpretse noch nicht amtlich iwDurcbsckwitt berechnetsind, woilcn wir, emen Vergxeich der Au ustprelse dieses Jahres mit deu August- erisen des Yorthres anste en, um zu zeigkn, ein wie erheblicher Kuckgang seit einem Jahre, und zivar für alle Getreidcarten statt- gefunden hat.

Weizen fiel von 156,52 auf 153,05 «16 Roggen ., 128,56 113,25 «jk Gerste . 113,90 103,90 „16 Mais , 102,00 96,25 „11 Hafer . , 122,34 , 91,70 „44

Nur die Kartoffel reise haken sich gebefferi.

, 'Von bxfonderem ntereffe aber dürfte namentlich fiir die Frei- smqun, die stets behaupten, daß die Meblprsise entsprechend den Gxtrstdepretsen fallen oder sinken, die Mittheilung sein, daß während, wie dorsxehend erfichtlicb, die Weizen- und Roggenpreise gsfallen sind, der Wetzenmehlpreis sicb Von 23,25 auf 24,87 «M gehoben hat, während aÜerdmaH der Roggenmeblpreis von 17,66 auf 16,80 „zz. gesunken ist. Wahrend der Roggcnpreis fich aber um 12170 der- manerx hat, hat fick) der RoggenmeHlprcis nur um 4,9 0/0 ver- m n er . .

_ Die „Sächsische LandeZ-zeitung“ bespricht einen Artikel der „Gegenwczrt“ iiber die erlängerung der Legis- laturperioden des Reichstages und schließt ihre Ausfiihrungen folgendermaßen : _ "

Alles spricht also sur die Verlängerung der Legislaturperiodcn, und es können Bkdenken Weder sachlicher, noch Praktischer, noch poli- tischer Natur Vorgebracht wsrden Die Verfassung muß allerdings geändert werden, aber nur formell, das Wesen der Verfassung wird in keiner Weise'berührt. Die Erörterungen in der Presse, welche in der leßten int staitgefunden, haben ergeben, daß in dem Urtkzeil derjenigen Zeitungen, welche die Ansichten der Mehr- Heitsvarteien vxrireteu, über die Verlängerung ein? erfreuliche sack)- ltcheUeberei11stimmung herrscht. Dieselbe Ueberéinstimmung besteht aber auch 111 dm Parlamenten darüber, auf wie viel Jahre die Legislaturpexroden 311 Verlängern sind. Nachdem die vierjährigen und die sechsjährigen Legislaturperioden nicht durcbgedrungen sind, haben sich alle Anhänger der Verlängerung einstimmig für Legislaturperiodc-n von fünf _Jahren entschieden. Das wäre für Prcußen und das Reick) eine Verlangerung von zwei Jahren, welche einerseits genügt, die Nachtheile de" kurzen drci'äbrögen Legislaturperioden zu besei- tigen, und an ererseits ni t befürchten läßt, daß der gewählten Volksvertretung die Fühlung und der geistige Zusammenhang mit dem Volke verloren gxbt. Danach sind aÜe Vorbereitungcn für die Verlangerung der Legislaturperioden gegeben, und da, wie es ziemlich ficher ver1autet, 5911 den Führern der Mebrbeitöparteien vereinbart worden ist, Anfrage auf Verlärgerung der Legislaturpe1ioden auf

.fünf Jahre im preußischen Landtage und Reichstage baldigst einzu-

bringen, so wird die Frage der VerläFerung der Legislaturperioden noch im kommenden Winter Praktische5 edeutung gewinnen. Voraus- sichtlich werden die, Anträge 'von den Mehrheitsparteien ausgebend, aucb eme Meérbett finden, und ist an der Zusttwmung der Exekutive nicht zu zweifeln. Daß die Antrage mchx zu Gunsten der gegenwärti en Volksvertretung, welche tn" Preußen im Jahre 1888 und- im Rei 1: im Jahre 1890 neu zu wahlen tft, Geseß werden dürfen, versteht fich eigentlich von selbst, das zu erlasiende Gesc darf nur auf künftige Legislaturperioden Einfluß haben resp. ert nach Ablauf der jexzigen Periode in Kraft Freien. Der preußische Landtag und der Deut1che Reichsta haben es m der Hand, emen Schritt vorwärts zu machen und dem aterlande

'Einnahmen 41177 «16 66 „5

einen guten Dienst zu Weise", und allem Anschein nach . - elben aiich dazu ents en. eide möchten wir nur an siizri? w???“ bre erinnern: „Was u tbust, das thue bald!“ e

__ Die „Post“ schreibt:

,th Besprechung des offiziellen Berichts über den St. Guam" Sozialistenkongreß haben wir als Haupttriebfeder der ener ischen Kundgebun gegen'den Anarchrßmus, zu der man sick") in St. (Zaum veranlaßt and,'d1e Bxsorgmß der'Sozialdemokraten vor der Kon- kurrenz, welcbe ihnxn dre Angrcbixren machen, bezeichnet. Unsere Auf- faffun erfäbrt em? Bestatigung durch eine Korrespondenz aus Mitte deutschland, die wir in den Münchener „Neuesten Nachrichten“ findeanßdexck es Yißt: ß sich 1) [ ß ß

., a er ongre ver ä tni ig scharf e en ' anarcknstiskben Bestrebungen außgesprochen, ist mit auf 2833|!) F;: belgischen Genossen zurückzuführen. „Die Vorgän e in Gent, bei denen es zu blutigen Zusammenstößxn zwücben Soziali ten und Anarchisten gxkommen, mußteri selbstvcxrf andlicb die Haltung des Kongresses be. etnfluffenxgerade m Bxlgien haben die Anarchisten den Sozialisten das Terrain stark streitig gemacht. Der Generalratk) der belgischen Arlxetterparisi hatte durch seinen General-Sekretär Hoffmann eine GluckWMscki-Adreffx dem Kongreß übermittelt.“

„Jm Uebrigen' ist die Kundgebung bereits nicht ohne Widerspruch geblieben. Bet einer Versammlung, die am 8. d. M. in Zürichstatt. fand und deren Tageßordnung die Besprechung des St. GÜÜLner Kongresses bildete, trat_ ein Anhänger der anarchistischen Partei al's Sprecher auf und meinte: Er finde den Untersckied der beiden Par- terkn „gar mrbt so qroßk. ' Ferner renommirie man bei der Ver- sammlung Mit der Befriedigung über die .Gasifreiheitder Schweiz“ leche dem Kongreß zu Theil genwrden, Demgegenüber bemerkt ein' ZyrickyerKorreFPondent der „Allgemeinen Zeitung“ : Es istdarüber nichtdex nitndestenZwethl _ und alLes Andere ist ordinäres Geflunker _, daß die Beborden ,in St. GaUen erst im Verlaufe des Kongresses von diexem Kenntntß erlangten, und auch nicht durch die Veranstalter des. se] en, sondern tt_i Folge eigerier Nachforschung. Diese Art und Weise, die vexfaffyngßmaßtßen Freiheiten der SchWeiz zu exploitiren, ist mehr als Widerlich". Wo [ aber ist anzunehmen, daß es das leyte Mal ge- w§s2n„sem durfte, wo diese Herren den Schweizer Boden zum (Ge. berriibundeln benußen, und hinterher behaupten, alles sei bei offener Thur geschehen.

_ Der „Germanrak wird aus Süddeutschland über deneNiedergang der katholischen VolkSpartei in Baden ge- schrisbén: '

"Die Ergänzuniquakyien für die zweite badische Kammer find voruber, und das Ergebmß derselben läßt sich vollständig übersehen. Gestehcri Wil" cs obne"Nückbalt, es ist für die katholische Volksvartei des badischen Lauch ubera'ws ti'czurig ausgefaüen. Lassen wir alle Entschu1d1 ungen, die zu Nichts iübrcn! Da hilft kein Lamentiren und mich kein nischuldigeii _ das Resultat liegt in seiner ganzen Nackt- heit 11111) Underbliimtiéett vor, die katholische Volkspartei Hat ihr voil- standiges Fiasko Lkllcht. _

, . . „Cs'läßt s1ch nicbt „Verkennrn und leugnen, daß wir einer sehr verdrreßlrckcn und mierqmckltchen Thatsache gegenüberstehen. Mit großen Hoffnunan' und kuh'nrn Erwartungcn ging die badische katho- 111ch0 Volkspartei m das friiche, fröhliche Leben, und man hatte einen politischen Aufschwung erzielt, der zu den sedönsten Errungenschaften dm Weg bahnen soÜie, uiid nun? _ Der Grundstock dEr Partei ist in Gefahr, „und es ist m densslben bsreits Versche gelegt worden! Wr) es keine Untcroxdnung giebt, wo ein Jeglicher thun und treiben darf, 11196 kr will, und wo keine Macht ist, die' in Liebe ge- 516161 und der 111Ei)rsurcht AÜe gehorchen: kann auf solch sÖWanken- dem Grunde wetter gkdaut tvsrdcn ?“ und welche Garantien für eine skgenßreiche Wirksamkeit bietet uns eine politische Partei, die an der vxrzehrcndcxi Schwindsuckrit kränkelt? Die Mitglieder der katholischen Volkspartei haben ihre Aitigabe vollständig Verkannt. . . .

Landtags - Angelegenheiken.

, Der Senats-Präfident_ dcs Ober-LandeEgcriMS Breslau, von Bismarck, Abßeorrnetcr für den Wahlbezirk Flatow-Deutscb-Krone (8. Marienwerder) ist am 19. d. M. in Gotha gestorben.

Statistische Nachrichten.

Nach Miitbxxilung des Statistischen Amts der Stadt Berlin sind bei den' hiesigen Standesämtern in der Woche vom 2. Oktober „518 inkl. 8. Oktober cr. zur Anmeldung gekommen: 719 Ebeichlteßungen, 998 Lebendgeborene, 35 Todtgeborene, 559 SterbefäÜe.

__ Uebersicht der Einnahmen der Landes-Haupt- kasje 11111) der Institute ker Provinz Westpreußen pro Etatsxahr 1. April 1885/86 nach den „Verhandlungen des 10. westpreußischen Provinzial - Landtageß“. „4. Hauptfonds. s.. Dauernde Einnahmen. 1. AUgemeine Verwaltung. Kad. [. Vorhandene Bestandc 903 967 „js- 52 „5 (gegen das Soi] + 433 967 „14 52 „Z). KJP." 2. Jahresre-nte aus der StaatSkaffe 993 383 „14 (ck). Kap. 3. Beitrag; zur Bestrsitung der VexrvaÜungskosten 16 400 „16. ( ck). Kap. 4. Geschaftkgcwinn aus den Ncbenfvnds 53 789 914 62 „1 (_ 5210 „45 38 „H). Kap. 5. Zinsen 9131 «49 83 „3 (+ 1131 “16

Kap. 6. Kumi und Wiffeufcßaft 5C-0-„.16.(-1_-). Summa

83 „). *Abscßznitt 1. 1577171 «14 97 «3 (+ 429 888 4,16 97 H). "“

11. Verwaltung und Unterhaltunxi der Provinziakchauffeen. Kap. 7. JahreSrente aus dsr Sta-otskasse 793 859 «14 (Z:). Kap, 8. Eigene (_ 243 „11: 24 „Z). Summa

Abschnitt 11. 835 036 „M 66 * (_ 243,24 214). _ 111. Landarmen-

* verwaltung. Kap. 9 Westpreußiswer Landarmenfonds 19 890 ck16 57 H

H- 1947 9161 97 „Z). Kap. 10. Landarmenbeifräge 774 881915 4143 + 37 881 916. 41 „_1). Summa Abschnitt 111. 794 771 916 98 8 (+ 35933 „ckck 44 „Z). _ 17. Zur Unterbringung verwahrloster Kinder ziir Zwangöcrziebung. Kap. 11. 27 717 «;(» 08 8 (_ 4448 «14 17 „Z). _ 7. cheammenwesen. Kap. 12. 13629 „14 _ 5349 26). _ 71. Landivirtbfchaftliche Lehranstalten. Kal)- 13- JabreSreiite aus der Staatskasse 10230 „14 (ck). _ 711. Kap. 14- Jrngkmem 898214 29 „3 (_ 1399 9111 99 „Z). _ b. Außerordent- Emnahmen. Kap, 15. 57 529 „14 92 „14 (+ 837 914 25 «J). “- 13. Nebenfonds. 1. Provinzial-Cbausseebau-Prämienfonds. Kap. 16- 76154 „46 09 „Z (+ 8510 „jk 43 41). _ 11. Provinzial-Hiilfßkassen- und Meliorationsfonds. Kap. 17. 2 481 521,10 «14 (+ 834 294,92 „M). ““ 111. Reservefonds dcs Provinzial-Hülfskaffen- und Meliorationsfonds- Kap. 18. 18103,38 «Fl; (+ 6377,96 919). _ 17. Pferde-Verficherungs* fond8. Kap. 19. 72 010,81 916. (_ 5574,82 516). _ 7. Pferde- Versick)erungs-ReserVLfonds. Kap. 20. 80477,09 „16. (+ 42 711,06 W)- _ 71. Rmdvieb = Versicherungsfonds. Kap. 21. 27 300,89 „114 (; 113,61 W.). _ 711. Rindvieh - Versicherungs - Reservcfonds. ap. 22. 3753907 «14 (+ 32753117 .“). _ 17111. Krankenpflegefonds für den Regiexungsbczirk Danzig. Kap. 23. 1671,18 916 (_ 33,66 «M)- _ 11T. Provmzialstandiscber Stipendienfonds. 3101). 24. 818,51 “15 (+ 367,94 916). _ Z. Westpreußiscber Feuer-Sozietatsfonds. KMA)- 969 329,71 „2. (+ 15892314 24). _ 111. Wesipreußische Provinzial- Wittwen- und Waisenkaffe. Kap. 26. 49 530,3034 (+ 24 030,30 «.)-,““ Wiederholuna der Einnahmen. 14. Hauptfonds. a. Dauernde Em- nahmen 325945498 «11, (+ 45438201 914). _ 1). Außerordentliche Einnahmen 57 529,92 “M+ 837,25 .“? _ Summa113316 984,90.“ (+ 455 219,26 „M). _ 13. J ebenfonds. 3814450,13 (+ 1 102 246,83 „W). _ Summa rovalia (11 und 13) 7 131 435,03 .,“ + 1 557 466,09 216).

Kunst, Wissenschaft und Literatur.

Von . Ku 11 st. 11 n d G e w e r b e , Zeitschrift zur Förderung deutscher Kunstindustrie", herauSgegeben vom B a v e r i s ch e n G e w e r b e - M u s eu m zu Nürnberg (redigirt von Dr. I. Stockbauer ; NUM"

Zerg, Verlags-Ansialt des B. Gew.-Mus., C. Schraa) liegt uns des 21„ Jahrgangs 1887 10. Heft vor. In demselben schildert zunächst

rmann Billung die Vertretung des. Kunstgewerbes auf der Kunst- Yxexssteüung zu VenedF; dann beschreibt 131-. Friedrich Schneider ein orientalisches (Hebron Smeffßr des Rl11. Jahr underts, welcb-"s in der «( Stephanskircbe _zu Mainz ayfbewahrt und mit dem Tode des Apostels Bartholomaus m VerbindUUg'gebrackpt wird (dazu Abbil- dungen des Maffers und der dazu gehörigen Scheide, sowie einer sil- bernen Statue des, Apostels Bartholomäus in der Pfarrkirche zu Wöhrd). Als dritter größerer Beitrag folgt darauf ein Bericht über die AUSstellung von deuiscberi Kunstschmiedearbeiten in KarlSruhe, Daran reihen sich sodgnn Mittheilungen aus dem Bayerischen Ge- wexbc-Museum m Nurnberg. (1116 dem Jahresbericht der dortigen „KöniglichewKunst ewerbeschule fur 1886/87, aus dem der Fachschulen der Königlichen ets-Baugewcrkschule bezw. der Lehrwerkstätten des

fälzischen Gewerbe-Museumßm Kaiserslauterm'sowie aus den Jahres- berichten des _Gewerbe - Museums in Brcmen und der Kunst- gewerbefchule in Wien 2c., ferner Mittheilungen aus dem Kunsthandel, aiis dem Buchhandel und kleine Nachrichten. Von dkn Kunsiberlagede Heils veranschaulicht die erste in vortreff- 1jchchc Chromoltthograpte eine schöne türkische Wandfliese (anatolische Arbeit) aus „dem alten Serail in Konstantinopel, aufgenommen von Baumeister in München. Die beiden anderen Tafeln zeigen in Licht- druck Abbildungen von Bronzebiisten des Hermes und der Aphrodite und zwei Bronzefiguren, Tag und Nacht darsteÜend (leßtere modellirt von Prof. Schwakxe in Nürnßerg), welche sämmtlick) in der Lehrwerk- siätie für (Gießerei des Bayerischen GeWerbe-Muscums hergestellt ivor- den sind. _Aucb der Text ist mit mannigfaltigen Abbildungen kunst- gewerblick) interessanter älterer und neuer Objekte, (Entwürfe, Orna- menie 2c. ausxzestattei.

_ Ein neues literarisches Unternehmen, das wegen seiner Eigen- art das Interesse aller Gebildeien beanspruchen darf, hat soeben die Presse verlqffen. Das im Verlage von Georg Reimer in Berlin soeben ersch1etzene ersteYefi des „Archivs fiir Geschichte der Philosophie“, 111 emeinschafi mit den Professoren H. Diels, W, Dilthey, V, Erdmann Und Eduard Zeller beraiisgegeben von Ludwig Stein , , verdient schon darum die Weitkstqehende Beachtung aUer Gebildeien, weil hier zum ersten Male der Versuch unternommen wird, für ein bestimmtes Fachwnk menschlichen Wissens ein im [*esten Sinne intkrnationales Organ zu schaffen. Deutsche, Franzosen, Enqländér und Italiener haben fich bier zusammengetban, um je in ihrer Sprache ihre Ge- danken zu entwickc'ln. (Gleich im ersten Heft befinden sick) Aufsätze, wie der von Tai-nery, des gediegensten französischen Kciiners dkr antiken Philosophie: „Zur ]9 866181“. (1111181730018 119 PyrbaJorS“, sowie englische Litteraturbericbte der Professoren ngram Bywater (Cambridge) und Gould Scharman (New-York). Am zahl- reicbsten find freilich deutsche Gelehrte Vertreten. Obenan der Alt- meister. der“ philosophischen Geschichtsscbreibung Professor Eduard Zeüer mit temem Aufsaxz „Die G2schichte der Philosophie; ihre Wkge und ihre Ziele“. Es folgen sodann Abhandlungen der Professoren Diels-Berlin, Erdmann-Brsslau, Pappenheim-Berlin, Zicgler-Straß- burg uA. Besonderes Interesse gewinnt dikses Heft durch die be- gonnkne Veröffentlichung der kürzlich in Halle aufgefundenen (mehr als 100) Leibniz - Briefe, die der Hérausgeber, Dozent Dr. Ludwig Stein, im Außzuge mitthsilt. Weitere Auözüge 0116 diesen für die Entwickelung des größten deutschen Philo- sOPHIU wor Kant eminent wichtigc-n Vrikfen werden in den nacdstm Heften folgen. Der Literaturbericbt des .ArcbivS", das Vierteljahr- licb in einem Umkange von durchschnittlich 10 Bogen erscheint und deffen Jabrcs-Abonnement 12 „19 beträgt, enthält nsben den sckwn erwähnten englischen Berichten die deutscher] Berichte der Profeffdren Diels, Dilthey und Erdmann. Das nächste Heft wird n.'A. emen Literaturdericbt aus der Fader Eduard ZLÜer's enthalten. Die Namen der HerauSgclser und Mitarbciter bilden schon für sich'ein Programm. Die Reichhaltigkeit des „Archivs“ sichert ihm Leser in den wetiestcn Kreisen der Gebildeten.

_ Von der ,Familien-Bibliotbek für's deutsche Vol?“ (Barmen, Verlag von Hugo Klein) liegen uns vor: Nr. 62. „Die Gräfin“, Von Emil Frommel, 5, Auflage (50 „z). Die qulen der Auflagen und der Name des Verfassers eixihehen uns xcder Empfehlung. Nr. 94, 95. „Hundert Geichrchten für's Volk“, von R. Sckxüße (1 916), einfache und lehrreiche chr1s111ch€ Erzählungen. Nr. 96. „Von Stufe zu Stufe“,_ um HauZZ ,und Hof, von Richard Weilburg (50 „Z), die ergreifende Gexckncbte eines gebcffcrten Trunkenbolks. Nr. 97, 98. „Alte Gesch1chten aus dem Sachsenlande', 11. Reihe, von Franz Blanck- meisier (1 „x), 6 recht unterhaltende, in Kursachseri rm 16"._18. Jahrhundert spielende Erzählungen, zumeeil auf Historischem, sammt- ltch aber auf christlichem Grunde ruhende Erzählungen. *

durch den

Schiverin 11. Oktober. Heute Morgen wurde

Ober- Kirchen - Rath Varel, als Protosckwlcrrchen, Dr. F ranz Münnich, bisheriger Direktor des Königlichen Ulrichs-Gymriasmms 111 Norden, als Direktor des (Gymnasium Fridericianum bierselbst eingefiihrt. Eitzige Tage friiher erfolgte durch dsn Ministeria1-Direktor Schmidt bierjelbst die Einführung des aus Frankfurt hierher be- rufenen jkßigen Archiv-Ratbs 1)r. Grotesend als Chef des Groß- berzoglickysn Geheimen und Haupt-Archivs.

Land- und Forstwirthsrhaft.

München, 9. Oktober Das Königlich b'adxrijchx Statistische Bureau veröffentlicht eine größere Arbcit uber die [andw1rtbschaftliche Bodenb enüßung in Bayern'nack) der Erhebung des Jahres 1883 und über die landwrrtb- scxmfiliclyen Betriebe in Bayern nach dxr Berufs- nglung vom 5, Juni 1882 _ eine Arbeit, die ein bisher noch nicbt „gebotenes detaillirtes Bild von der Landwwtbschaft 11nd der laiidwirtbschaftlichen Bevölkerung in Bayern giebt, _weny s1ch_ „auch seit den Jahren 1883 und 1882 die VerHaltnisse einiger- maßxn verändert haben mögen. Die M. „21ng Ztg.“ epimmmt derselben folgende Daten: Die . landwiribfckwft- [xcbe Fläche des Königreichs nach Abzug der Wembergflacbcn be- ziffert sich auf 4764645 119. Hiervon entfallen_ auf Acker- und Gartenländereien 3051347 119 oder 64 0/0, auf Wiesen 1275 537 113 oder 26 0/0, auf Weiden und Hutungen, Oed- und Umland 437 761 119 oder 9%. _ An Ackerland hat die größte Fläche Oberbayern mit 549 624 ha, die kleinste Fläche die Pfalz mit 260213 1111, „Woskxbst 1edoch das Ackerland im Verhältniß zur Wiesen- und Werdenffache Under den Regierungsbezirkcn mit 80,20 0/9 der landwirtbsckygfilicben

[ache (ohne Weinberge) überwiegt. Die ngßte Wiesenflgche bat herbavern mit 370 626 ha, die kleinste W1esenflache die Pfalz 11111 54526 119. übrigen landnnxtbsckyaft- [lckZen Fläche des Regierungsbezirks ist die Wiesenflache am Yoßtcn in Schwaben mit etwa 36 6/0. Mit Warden un'd utungen steht Oberbayern mit 132 901 da an erster, die Pfalz Mit 698 1111 an leßter SteÜe. _ Die Gesammifläckw der Forsten und Hszungen betragt im Königreich Bayern 2 504 732 119. _ in Ober- ÜUVern ailein 536 671 119. _ wvvon dcr Wcrtaus größte Thxil Mit 1166 969 118- anf Fichten- und Tannenwälder trifft. Ungefahr der dritte Theil aller Forsten befindet sich im Staatsbxsiß. „Jm Emzelnen ist die gesammte orstfläche aus*gefchieden 111, Privat- fsksie 1250 359 11a, Staats orste 849 102 1111. Gemetndcforste 307 543 119, Genossenforste 48 003 119, Stiftungsforste 39 568 119, Staathntheilforste 10154 1111. _ Der gesammte,- Getreide- _au 1," Baycrn nimmt eine Fläche von 1823 927 119. M Hiervon trifft der größte Antbeil mit 299/11 auf Roggen und WT 24% auf Hafer; Gerste mit 190/11 und Weizen 1111t170/0,nebmen die, dritte und vierte SteÜe ein. _ In den meisten Regierungs- bezirken, d. i. niit AUSUahme von Oberbayern, 'Untxrfranken und waben, nimmt der Roggenbau die erste Sielle em; in Oberbayern cbt der Anbau von Hafer, in Unterfranken der Gerstenanbau und in chxvaben der Weizen- und Spelzanbau an erster Stelle., _ Die vorliegende Statistik giebt auch interessante Vergleiche der

Im Verhältniß zur

"ringen Erfolg aufzuweisen.

Ergebnisse der Erhebungen in den Jahre:) 1863, 1878 und 1883. Nach denselben hat im Allgemeinen der Anbau von Handelögewäcbsen abgenommen, jener 'von Getreide- und Hülsenfrüchten, Hackfrücbten und Gemüsen, sowie _von Futterpstanzen erbeblick) zugenommen. _ Auch der Gartenhau zeigt gegen das Jahr 1878 eine Mehrung von 35 230 da, Ackerwetde nnd Brache jedoch em erhebliches Minus von 46 409, beziehungsweise 70 913 119 gegen 1878. _ Bei Betrachtung der Zahlen für die einzelnen Regierungsbezirke zeigt sicb bei Getreide- und Hülsenfrüchten eine unabme des An- baues in den Regierungsbezirken Nieder-Bavern, ber-Pfalz, Unter- Franken und Schivaben. Für Ober - Bayern, „Pfalz, Ober- Franken und Mittel- Franken sieüt fich eme allerdings nicht bedeutende Abnahme heraus. _ Der Anbau 'von Hackfrüchten und (Gemüsen hat in allen Regicrungsbeztrken zugenommen, bei den andengewäcbsen ist eine sehr geringe Zunahme und eine nicht erbebli e Abnahme zu konstatiren. Die Zunahme des Anbaues von Hackfrüchten und Gemüsen ist bauptsächltcb auf die Mehrung des Kartoffel- und Rübenbaues zurückzuführen. _ Eine Minderung bei Handengewächsen hat durch Zunahme von Hopfxn- anbau sich wieder angeglichen _ Wobei aÜerdings zu beachten ist, daß der Hopfenanbau in den lcßten Jahren in 7olge der außer- ordentlich niedrigen Hopfenpreise iedenfaÜs eine Eins ränkung erfa ren hat, so daß die Regel der Minderung des Handelßgewächsbaues bestehen bleibt _ bei Flachsbau, besonders in Niederbayern und Oberpfalz, zeigte sich eine beträchtliche Abnahme. Alle Regierungs- bezirke, mit AuSnabme der Pfalz, Oberfrankens und Unterfrankens, zeigen eine bkdeutende Zunahme des Anbaues von Futterpflanzen. _ Vergleicht man die Ergebniss der Anbau-Erbebung des Jahres 1883 mit jenen des Jahres 1863, so treten im (Großen und Ganzxn so ziemlich dieselben oder doch ähnliche Erscheinungen wie bei Vergleichung der Ergebnisse der Erhebung des Jahres 1878 zu Tage.

Gewerbe und Handel.

(Berl. Pol. N.) Die häufig in Deutschland hervortretenden Be- strebungen, die Erzeugnisse mancher Industrien in Musierla ern dem Ausiande zur Ansicht vorzulegen, haben bisher nur äußerét ge- Vieüeicbt werden diese Bestrebungen mehr angeregt und verstärkt Werden, wenn maxi sieht, wie man in anderen Ländern 17111561 ist, dem Expoxt der inlandischen Produkte in der er- wähnten Weise zu Hülfe zu kommen.

So fand nach einem Bericht des „Pest. Lloyd“ am 9. Oktober d. Z. im ungarischen Handels-Ministkrium eine Konferenz in Ange- legenheit der Errichtung von Agenturen des Budapester Handels- Museums in Belgrad, ewentuell auch 111 anderen Städten Serbiens, statt. Nach dem der Konferenz vorliegenden formulirtcn „Antrag soilen im Verkaufslokal der Agenturen Muster aller jener Artikel zur Ansicht resp. zur Besteilung am Lager gehalten Werden, welche zu diesem Zweck von den betheiligten Mitgliedern des Handels-Museunis überlassen Werden. Das HandelS-Museum miethet in Belgrad em Geschäftslokal und stellt das nöthige Personal zum Verkauf und Absatz der ungarischen Erzeugnisse an. Mietbe und Salaire werde'n durch das Handels-Muieum bestriiteti. Fiir die durch die Agenturen vermittelten Geschäfte ist eine zwischen dem Museuw und dcn einzelnen Theilnehmern zu Vereinbarende Provi- sion zu entrichten. Die Agentur übernimmt Einsendnngen 11111: von Mitgliedern dcs Handels-Museums zum Betriebe. „Jeder Ein- sender bestimmt dkn Verkaufspreis seiner Waaren in dsfiniiiver Weise. Abweichungen Von diesen Prei1en oder Verkauf auf Kredit darf mir pack) Einholung der Zustimmung des Verkäufers und unter den Mit ihm vereinbarten Modalitäten erfolgen. Alle Kontt werdet) viertel- jährlich g1schloffen und mit den Einsendern verrechnet. Die Bücher der Agenturen Wirden durch die Direktion dss Handels-Museums kontrolirt. AÜc diese Bestimmungen wurden von der Konferenz gui- gkheißcn. Der durch die einzelnen Theilnebmer der Agentur:“n zu, den Kosten derselben zu entrichtende Beitrag sowie der Umscing der Seitens des ösierrcickyiscly-ungarischen Konsulat?) bei dieser Institution zu ent- faltendcn Thätigkeit Werden später festgesteüt Werden. Die Aktivirung der Belgrader Agentur sol! möglichst bald erfolgen.

Ein Beispisl, wie wichtig es ist, die Waaren direkt dem Kaufer vorzulegen, giebt der österreichische Export von SchubwÜ'k nach Rumänien. Der Import Rumäniens an diesem Artikel ist von 8439 840 Fr. im Jahre 1880 auf 15 933 152 Fr. im Jahre 1883 gestiegen. Der Import im Jahre 1885 betrug nur iwc!) 12 740 704 Fr. Zu diesem bedeutendcn Jm_port lieferte Ocsierrerck) im Jahre 1880 7904 040 Fr. In demjelben Jahre„beganncn die österreichischen Fabrikanten in Bulgarien Detailgescbafte zu er- richten, um ihre Waare dem Publikum mehr bekannt zu mach2n. Es hob swf) daraus déi? österreichiscbe Import im Jahre 1881 auf rund 11000 000 Fr. und im Jahre 1883 auf 14831488 Fr., er be- trug 1885 immerhin noch 12 023 328 Fr. '

Deutschland, welches spezieÜ in d„er Schuhwaaren-Jndustrie Bx- dcuiendes leistet, exportirte nacb Rumanien im Jahre 1880 nur (ur 211170 Fr., im Jahre 1883 für 444060 Fr. und im Jahre 1885 nur für 323 264 Fr. '

Unsere Industriellen könnten aus diesem Beispiel manche gute Lehre ziehen.

_ Der AuffiÖtSratH der Berliner Weißbier-quuerei- Aktiengesellschaft vormals Carl Landré hat beichloffen, die (Generalversammlung auf den 21. NoVLmber cr. einzuberufen und derselben, bei gleich hohen Abschreibungen wie für 1885/86 eine Dividende Von 103 0/0 _ gegen 10 0/0 im Vorjaßre _ vorzuschlagen.

_ In der gestrigen Generalversammlung der Staßfurter chemischen Fabrik Wurde der Geschäftsbericht, die Bilanz, Gewinn: und Verlust-Conto vorgelegt, die Dividende auf 8 0/0 fest- gesetzt und die Dechargc ertheilt. , , _

_ Die .Clberf. Ztg.“ schreibt: Eine erfreuliche Nachrtcht, die als günstiges Symptom für die allgemeine Lage dir Bergwerks- und Cifenindusirie gelten darf, kommt aus Hörde: der dortige Berg- werks- und Hüttenverein hat mit Rücksicht auf die anhaltZUd günstige Entwickelung des Unternehmens sämmtlicbkn Arbeitern eme Lohnerhöhung um 5% bewiüigt; zugleich smd 100 Arbeitskräfte neu angenommen worden.

_ In der Generalvcrsammlung der Rheinischen Stabl- Werke Vom 12. d. M. wurde der Geschäftsbericht, gegen irelchen sich nichts zu erinnern fand, erledigt und die Decharge ertbeilt sowie die Bilanz genehmigt, Welche eincn Reingewinn von 512 453 „FC: ergiebt, wovon 510 500 «16. zu einer Dividende von 11 0/0 und restliche 1953 -«- zum Vortrag auf neue Rechnung Verwendet werden. Hierauf Wurden die ausscheidenden Anfsicbtsrathsmit lieder wiedergewählt und an Stelle des verstorbenen Hrn. Bart old Suermondt dessen So im Robert Suermondt-Aachen neugewählt.

_ Die .New-Yorker Hdls.-Ztg.“ schreibt unter dem 30. September: Das Geschäft am Waaren- und Produkten- markt bai einen durchaus befriedigenden Verlauf genommen; Vyn Brotstofscn verkehrten sowohl Weizen als auch Mqls, tn Loko-Waare und in Terminen, in festerer Haltung, zu anziehenden Notirungen; in dem Export dieser beiden Cerealien entwickelte fich reguläres (Geschäft. Hafer stellte sich ebeiifaus im Werthe etwas höher. Am Jrachtenmarkt hat sich keine besondere Regsam- keit kundgegeben. In BaUMWolle fanden disPQnible Maure- ganz besonders aber Termine, gute Beacbtqng' Notirungen waren tm großen Ganzen stetig. Brasilkaffees waren"m Lokowaare eher vernach- lässrgt; Termine konnten e nen kleinen Ruckgan wieder embylen; m milden Sorten fand aus zweiter Hand wohlvert eiltes Geschafd statt. Uebkr Rob- und raffinirte ucker ist nichts Neue8 zu „berichten; Preise haben sich ziemlich ebauptet. Die (111 den xapgmschen und chinefischen Märkten bervorgetretane bessere Stimmung fur _THec bat nunmehr auch bier angefangen sicb Zeltend zu,machen. Proms ionen verkleten, besonders für Schmalz, nwesentltcb "gebefferter Haltung zu anzie enden Notirur-gen; Schiveinefleisck) in Faffern hatte zwar eber willigere Notirungen, war aber Seitens Exporteurs gut, beachte't. Der Metallmark t lag sebr ruhig; erwähnenswertb waretmmcrhm

die Festi keit von Zinn. Bei mäßigem Begebr war Terpxntinöl im Werthe ?tetig, Harz ebenso. Für letzteren Artikel rvar schließlich mehr

Frage zu konsiatircn. Raff. Petroleum in Fässern und Kiffen

preisbaltetid. In Pipe line Certificates herrschte stillere Tendenz;

Sckylußprets 6813. Der Verkehr in einheimischen und fremden

Manufakturwaaren war nicht unbedeutend. Der Import

fremder Webstoffe beträgt für die heute beendete Woche

33404 1,10 Doll. gegen 2179 420 Doi]. in der Parallelwocbe des orja res.

_DieNr. 395 der .Mittbeilungden der Großherzoglich hessischen Centralstelle für die Landessiaiistik' bat fol- genden Inhalt: Gesundheitszustand und Todesfälle im Großherzog- tbum Hessen im 11. Quartal 1887. _ OriSanwesende Bevölkerung des Großberzoßthums Heffen am 1 Dezbr.1885 nach Geschlecht, 5jährigen Geburtsja resklaffen und Familienstand. _ Anzahl der Hunde und Ertrag der Hundesteuer ]886/87. _ Meteorologische Beobachtungen zu Darmstadt August 1887. _ MeteorologisÖe Beobachtungen zu Schwärsberq August 1887. _ Meteorologische Beobackstungen zu Kassel August 1887. _ Verg. meteorologische Beobachtungen Juni 1887. _ Preise der qewöhnlickzen Verbrauchégegenstände Juli 1887. Sterblichkeitsverbältniffe Au ust 1887, _ Anzeige.

Bradford, 13. Okto er. (W. T. B.) Wolle ruhig, un- verändert, Garne schwächer, in Stoffen mehr Geschäft.

Moskau, 7. Oktober. Die Brauerei „Moskowskaja Bavaria“ ist vom hiesigen Kommerzgericht für insolvent erklärt worden. Die Aktiva betragen 158 772 Rbl., die Passiva 1 420785 Ndl., die Unterbilanz beläuft fick) mithin auf 1262 013 R51.

Verkehrs - Anstalten.

London. 13. Oktober. (W, T. B.) Der Uniondampfer .Tartar' ist auf seiner Ausreise gestern in Capetown an- gekommen.

Sanitätstvesen und Ouarantänewesen.

Egypten. Der internationale Gesundheitsratk) zu Alexandria Hat am 25. September 1887 beschlosien, gegen Ankünfte aus Madras dqs zur Verhütung der Cbolera-Einschleppung bestimmte Reglement bis auf Weiteres in Kraft zu seZen.

Berlin, 14. Oktober 1887.

Morgen, Sonnabend, den 15., findet Königliche Parforce:Jagdstatt. Rendezwous: 123/4 Uhr in Potsdam auf dem Bahnhof.

Na (5 t r a g zu den „Mittheilungen Über den Ausfall der dies- jährigen Ernte in der preußischen Monarchie“. (S. Nr. 236 Reichs-Anz.)

Provinz Ostpreußen.

Neg.:Vez. Königsberg: Weizen und Rogßen geben bei einem reichlichen Strohertrag meist einM efriedigenden Körnerertrag; ebenso kann auch die Ernte bei Gßrfte und Hafer sowohl in BL ug auf den Körner: als auch den Stroh- ertrag ach eine zu?:xiedensiellende bezeichnet werden. Erbsen und Bohnen diirften dagegen in der Menge unter einer Mittel- ernte zurückbleiben. Die Erträge cm Heu und Klee find in den tiefer liegenden Landstrichen befriedigend, während sie auf höher lie enden Stellen einer Miitelernte nicht gleich kommen. Die Hack?rüchte [affen ebenfalls befürchten, daß ihr Ertrag eine Mittelernte nicht erreichen wird. Die BesieÜung der Wintersaaten ist größtentheils deendigt.

Provinz Brandenburg.

Reg.:Vez. Frankfurt: Das Ergebniß der Getreide: ernte ist, was die Quantität und Qualität des Strohs betri t, als ein außergewöhnlich gutes zu bezeichnen. Namentli at der Mittelboden und der in uter Kultur stehßnde Sand oden Stroherträge geliefert, wie ie seit vielen ahren nicht vor- gekommen sind. Ungünstiger dagegen hat sich das Erdrusch- ergebnis; gestaltet: der Körnergewinn entspricht so wenig der eingebrachten Quantität Getreide, daß derselbe vielfach hinter dsn Erträgen des Vorjahres zurückbleibt. Am gün tigsten ift iiberal] die Haferernte außgefaüen; in einigen reisen wird auch die Noggenernts als außergewöhnlich gute bezeichnet. Das Gesammtergebniß der Halmfriichte ist dahin zusammen- zufassen, daß die Ernte 0121 eine gute Mittelernte bezeichnet werden kann. Der zweite Heuschnitt hat namentlich in quali- tativer Beziehung einen sehr gutem Ertrag geliefert. Ueber das Ergebniss der Kartoffelernte kann z. Z. ein abschließendes Urtheil noch nicht abgegeben werden, doch läßt sich schon so viel iibersehen, daß dis Ernte nur eine mittelmäßige werden wird. Die Zuckerrübonerte kann in quantitativer Beziehun kaum als mittelmäßig [)x-zeichnet werden, über den Zuckergehat läßt sich ein allgemeines Urtheil noch nicht fällen.

Provinz Pommern.

Reg.:Bez. Stettin: Die diYährige Ernte ist im All- gemeinen gut außgefallen. Jm interkorn ist ein großer Strohertrag, während der Körnsrertrag namentlich im Roggen um etwa 25 bis 30 Proz. hinter einer lJutsu Ernte zurück- blieb. Hafer und Gerste bleiben fast a gemein im Ertrage unter einer Durchschnittsernte. Hülsenfrüchte lieferten einen recht guten Stroh: und muthmaßlich aucb Körnerertrag. Die Kartoffeln sind gegen das quantitave Resultat der vorjährigen Ernte zurückgeblieben. Klee imd Wiesenheu hat nur einen dürftigen Ertrag gewährt. Die Ernte an Zuckerrüben wird quantitativ nur mäßig ausfallen, über die Qualität läßt sich

noch nicht urtheilen. Provinz Posen.

9169-2391. Bromberg: „Beim Roggen und Weizen beträ t der Strohertrag ein Viertel bis ein Drittel mehr als eine 21211telernte; der Körnerertrag dürfte beim Roggen einer Durchschnittsernte nahe kommen, während er beim Weizen dariiber hinauSgeht. Hafer und Gerste geben in Quantität und Qualität gute_ Erträge, ebenso sind die Erb en gur gerathen. Bei den Kartoffeln stellen sich ie Erträge je nach der Sorte imd der Vodenbeschaffenheit sehr ungleichmäßig heraus. Bei den uckerrüben wird fich voraussichtlich ein bedeutender Ausfall m der Quantität er- geben, wo egen der Zuckergehalt sich sehr hoch erweist. .Bei Klee und uzerne hat der zweite bezw. dritte Schnitt fast ganz versagt, der Grummetertrag befriedigte nur da, wo die Lage feucht und die Wiesen gut gepflegt und gedüngt waren. Der Ertrag des Hopfens wird auf etwa ein Drittel einer Durchschnittsernte veranschlagt; die Qualität ist eine recht be-

friedigende. Provinz Schlesien.

1) Reg.-Bez. Breslau: Eine voile Mittelernte an Körnern wie an Stro ist nur bei dem Weizen zu verzeichnen; an Stro? allein ledig ich bei Rog en und Gerste. Die Roggen- und Gerte:Körnerernte dagegen, (Sowie die Erbsen- und News- ernte lassen die Erträge einer Mittelernte bei weitem nicht;