Jbre vorjäbrigen Befcblüffe haben, soweit sie deffen bedurften, die kaa'iiche Genebrrrigung erbaltxn. Auch in diejem Jahre werden Sie sich vor wichtige Entschließungen gestellt sehen. Die König- liche StaatSregierung wird Ihre Tätigkeit zwar nicht _ in An- spruch nebuien; dageaen hat Ihnen der Provinzialaussäßuß eine stattliche Reihe von Vorlagen zu unterbreiten. Aus ihnen werden Sie erkennen, wie der_Provinzialaussrkuß im Verein mit dem Herrn Lgndeßdirektor „unablaisig bestrebt ist, das Wohl der Provinz und ferner An_gebörrgen zu fördern. und sich in diesem Bestreben nicht da- mit begnugt, dre'durch das Gescß der Frovinzialverwaltung gesteliten Aufgaben zu erfulien, sondem bereit ii, weitere Aufgaben freiwiiiig auixunebmen imd sie in einer dem allgemeinen Jnterefse dienenden Weise seinerseits zu lösen. Ich weise hierfür bin auf die vorge- schlagene Emckptung eirier Ruhe altskaffe und die Erweiterung der Brandenburgischen Witwen- un Waisenverforgungsanstalt, wodurch dre Kommunalverbande und sonstige Körperschaften in der Provinz eine erhebliche, sebr wünschenswerte Erleichterung in der Ver- pflichtung der Pensionierung und HinterbliebenenVersorgung ibrer Beamten finden würden. Ich weise ferner bin auf die vorgeschlagene Revision der öffentlichrn Sparkaffen und Kommunalkaffen durch
rovinjialbeamte und die Einrichtung eines Pfandbriefamts für ädtiicbe Haußgrundfiücke. Sie werden mit einem solchen Vorgehen des Provinziaiausscbuffes gewiß rundsäßliÖ einderstanden sein und
die einzelnen Vorschläge gern Hrer rüfung unterziehen. Das Wanderarbeitssiätiengeses Vom 29. uni 1907 macht eine erneute Stellungnahme Ihrerseits zu dem Vescbluffe des Provinziallandtags vom Jahrs 1904 erforderlich, der nicht,
wie dies Grieß es tut, die Kreise sondern die Provinz zum Träger der Wanderarmenfürsorge gemacht und bereits zur Einrichtung einiger hierfür bestimmter Ansialtxn geführt hat. Von den übrigen Vorlagen des Provinziaiausscbuffes ist als besondsrs wichtig berdorzubeben der Entwurf neuer Bestimmungen über die Gewährung von Chaussee- bauvrämien, woruit an Ihre borjäbrigen Beratangen über diese Frage angeknüpft wird. Vor aiiem abrr wird Sie auch in diesem Jahre die ' Prüfung und Festseßung des n€u€n Provinziaibausbaltspianes ke- scbäftigen, der, mit gewohnter Sorgfait aufgestellt, ein höchst erfreu- liches Bild Von der umfaffenden Wirksamkeit Jbrer Verwaltung gibt.
Wenn ich, ohne damit das anen sicb eröffnende Arbeitsfeld ai)- zuNhiirßen, noch erwähne, daß Sie mit Rücksicht auf den bevor- stehenden Ablauf der Wahlperiode die für die Probinziaiberwaltung wicbtigste Wabi, di: Wabl des Landesdirektors borzrrnebmen haben, sr) werden Sie mit mir Ihre diesjährige Taguna als eine besonders bedeutungsvviiefanseben. Mit dem iedbasten Wunsche, daß sie für unsere Mark eme iegenßreicbe sein möge, rrkiäre icb, ind€m ich Sie, bocbgeebrte Herren, herzlichst wilikommen beiße, kraft der mir erteilten Volimacht hiermit die 34. Srßangéprriode des Prodinziailandtages der Provinz Brandenburg für eröffnet.
Hiermxf wurden die Verhandlungen vom AltersPräsidenten Krauß eroffnei urid, nachdem der Stcrndesherr Graf von der Schuienburg-Lrebrose zum Vornßendcn gewählt war, nach einem dreifachen _ Hoch auf Seine Ma1estäi den Kaiser und Köyig, rn das die Versammlung begeistert ein- ftimmte, weitergefrxhrr. ,
Der Bendllmäcbtigie zum BundeSrai, Königiick) sächsische Geheime Justizrat Dr. Mayer ist in Berlin angekommen.
Po1rn_, 16. Februar. Der 40. Provrnziailandtag der Provrnz Posen wurde heute mittag nach worauf- gegangrnem Gottesdienst durch den Königlichen Kommissar, Oberprafidenien von Waldow, im Sißungssaale des Stände- hauses mrt folgender Ansprache eröffnet:
Hochgcebrte Herren! Nachdem des Königs Majestät die Ein- berufung des 40. Provinziallandtags der Provinz Posen auf den heutigen Tag Allerböchsi zu genehmigen gerubt haben, babe ich die Ehre, Sie namens der Königlichen Staatsregierung bei Beginn Ihrer Arbeiten bier willkommen zu heißen.
Die Yerbgndlurrgen Jbrer gegenwärtigen Tagung werden sich fast au9schltxßlzch mit der Verwaltung der provinzieiien Angelegen- bxtten beschafttgen. Der Schwerpunkt Jbrer Beratungen wird der Losung _der xorg erwogenen" Frage gelten, in welcher Weise eine zeitgechßß Dezentraiiiatwn der Selbstverwaltung auf dem io wichtigen Gebiete der Verkebrkdflege unter ge- rechter Abtragung der Hausbyltsintereffen drr Provinz und der eirixeinen Stadt- und Landkreise iowie ibrer Verkehrsdedürfniffe herbei- g'esuxbrt werden kann. In Ausführung des_ Beschluffes des 39. Pro- vrnztallandtagéz bat fich Jb_r_Prodinxi§1lav§1chr-ßnach eingehenden Vor- verbandiungen über den Maßjrab 1chiüysig gemacht, nach welchem anrn nunwebr dre Verteilung der für die [L_eiernabme der Provinzialcbauffren an die einzelnen Stadt- und Landkreise zu zahlenden Jabreßrenien bor- ge'scbiggen wird. Möchte es Ibrrn „Beratangen gélingen, disse wichtige Fraue zu einem Abschluß zu brmgrn, der in glei er Weise der Förderung der erkebrsrflsge, wie dem Ausbau d Sclbsi- verwaltung dxr Kreisvsrbände dient. Von den übrigen Voriagrn _wird als Haudtgsgenitand der Provinzialéiat für das Rechnungs- ]:rbr 1903 Ihr Jnterene irt Anwrycb nehmen. Wenn es sich auch wrrdsrum nicht hat ermögiiäxrn [.“-nen, das Gleichsewicbt zwischen Ein- nabmzn und Außgxbrn obYe Erhöhung der Provinzialumlage be rrqtelirn, so werrsn Sie mb dock) überzeugen, daß bei der Au,?- iteiiung de; Vor9x11ch1a93 das Bestreben iorgfältiger Rücksichtnabme arri die Letsiirngsxabwkrtt der Provinz obgewaltet bat. Zi.!k Durch- fuhrung der in AYÖfiÖt genbmmenen Beiwidungösrbödiwgen für die Bramten des provinzialsiändijchen Verbandes, deren Bezüge entsprechend dern zu erwartendrn Vorgrbcn des Reichs und des Staats Aufbesserung eriabren iolirr), firden Ste einen angemeffenen Pauschalssaß in den Voranschlag eingrstclit; Bei Ihrer sirls bewährten Fürsorge für die Beamten des Provrnrtalderbandes werden Sie diesem Vorschlage Ihre Zustimmung nicht versagen. Auch die erwejtrrte staatliche
Fürsorge für die Pensionierung der urrmitteiiarrn Staats- beamien und für deren Witwen und Waiien läßt es geboten erscheinen, den vromnzialständischn Beamten die gleichen Ver-
günstigungen zuteil werdkn zu lassen. Zu diesem Zwrcke wird ein Nachtrag z_u der Ordnung über die dienstlichen Verbältniffe der provinziaistandtiäoen Beamten Jbrer Beschlußfassung unterbreitet. Aus dem gleichen Grunde wird Ihnen eine Ergänzung des Nep.?ements der Witwen- und Waistnkaffe für die Gemeinde- bramtew der Provinz borge1chlagen. Wie Sie aus dem _Etat . für das Probinzialmuieum entnehmen werden, soll rm _Lixbtbofe des _MufeumH die Kcioffalbüsie weiland Seiner Majeitat des Hochieliaen Kaisers Friedrich Aufstellung finden. Das trerre und dankbare _Gedenken, welches die Provinz der erlaucbten Person drs verewigren Monarchen bewahrt, dessen Namen das Museum rühren dars, findet dadurch einen erneuten sichtbaren Ausdruck. , In der zuderfichtiichen Hoffnung, daß Ihre Verhandlungen auch dieSmal dem Wohle der Provinz dienen werden, beebre ich mich, Ihnen, bocbvcrrbrjer Herr Landtagßmarsrbail, den Alierböcbsien Land- _tag§abschied born 8. Februar d. J. und das Allerhöchste Propositions- dekret don dem1eiben Tage zu übergebrn und erkläre kraft drs mir erteilten Ailerböcbsten Auftrages den 40. Probinzialiandtag der Provinz Posen für eröffnet,
' Dcr Landtagsmgrsrbaii, Maxoratsbefiser und Kammerherr Freiherr von Schlichting entgegnete hierauf:
Hcchxebrirr Herr i?andtaadkcmmiffariu?! Nur zu einer kurzen Tagung fwd wrr_Vereini. Jr) Anbetracht der großen Wichti keit zweier Voriagrn, dt;“ drirgepd ibrer (Friedigung harren, baben ure Exjciiknz ron Ailerböcbiier St-Ue die Einberufung der: 40. Provinzial- landtags der Provinz Posen für beute braniraat. Schon seit einem Yezsnnium siebt axrf der TIg-Zordnung jrdes Provinzialiandtaas die stage der Usbergadr der Cbannrcn seitens drr Provinz an die Kreise.
Der 39. Prooinziallandtag bat Mittel zur Verfügung gestellt, um die Uebernahme fur die Kreise zu lieben, und bat den Provinzial- ausschuß ersucht, in diesem Frühjahr präzise Vorschläge für die Uebernahme zu machen. Nachdem nun diese uns vorliegen, haben wir die Enischeidung zu treffen, ob eine zeitgemäße Dezentralisation der Seibstverwalturzg ans dem für die Kreißverwczltungen wichtigsten Gebiet ihrer Tatigkeit, dem Wegewesen, für Provinz und Kreise gleich xzangbare Wege findend, stattfinden oder ob ungeachtet der ?außbalts- ntereffen unserer Provinz die bisherigen Zustande fortbesie en folien. Den Staatheseßey vom 27. Mai 1907 folgend, zu entscheiden uber die Maßnahmen, die noiwendi sind, um die ärovinzialständistben Beamten in ihren Gehalts ügen, drr en on, der SOF: für Wxtwen und Waisen den staatli erz Beamten ders ben Kategorie gleich zu stellen. Bei der Einmuti keit, mit der der Provinziaiausfrbuß sich für die Besserung der finanjie en_ Stellung ausgesprochen hat, it zu erhoffen, da ck seinen Vorschlagen der 40. Provinziallandtag voll und ganz ansch ie en wird. Leider sind die finanziellen Verbäitniffe unserer Provinz, wie auch Eure Exzellerrx die Güte batten berv_orzubeben, auch in diesem Jahre wieder ungunsitg, soda troß tat1ächlicher Steigerung des Sieuersolis ck nicht zu umge eu war, die Provinzialsieuern zu er- böben. Wir sind damit auf dem Steuersav von %% angelangt, dessen Ueberschreiiung uns esetzlich zwingen würde, unsern Etat der staatlichen Aufsichtsbe örde zur Genehmigung vorzulegen, wodurch der Provinz der Vorzug der freien Bewegung der Selbst- verwaltung Verloren geben würde. Es ist darum mit Freuden zu be- grußen, daß unser bocbverebrter Herr Landeshauptmann in einer uns Vorliegenden Denkschrift an die Königliche Siaatßregierung nacb- gewresen bat, wie dringend notwendig eine Erhöhung der Dotations- rente, 'die der Billigkeit entsprechen würde, für unsere Provinz ist. Die Ehrung des Andenkens Seiner Majestät des bochseli en Kaisers Friedrich durcb Aufstellung einer Koioffalbüste Ailerbö st- des'selben im Kaiser Friedrich-Museum wird auch Sie, meine erren V?xtliiands, wie alle Bewohner unserer Provinz mit hoher reude er u en.
Und nun, meine Hemp Mitstände, [affen Sie uns unsere Arbeit beginnen rrrit_dem Gelöbnis, der Treue und der Anbänglichkeit an Seine Maxestatzunseren Kaiser und König, indem wir uns in dem Ruf vereinen: Seine Majestät unser AUergnädigster Kaiser, König und Herr Wilhelm 11. Hurra, hurra, hurra!
Die Versammlung stimmte itz das von dem Marschal] ausgebra'chie Hoch auf Seine Majestät den Kaiser und König ißbbgft em. Hieraxrf wurden die Verhandlungen der dies: jahrrgen Session eroffnet.
haben wir
Oesterreich-Ungaru.
Dic offrzirlle _„Wiener Abendposr“ wiederholt den be- kannien_ Wunsch des Kaisers ("tanz Joseph, sein Jubiiarrm mcht durch festliche eranstaitunqen, sondem arzs1chireßlrch durch gxmeinnüßige wohltätige Stiftungen zu feiern, ,und fordert die Gesellschaft auf, die Kräfte nicht .drrrch ernzeine Gaben und Unternehmungen zu zersplittern, vielmehr sich zur Schaffung eines großen bleibenden Werkes u vereint en. _Auch der Ministerrat beschäxtigte fich mit er Angregenbert und beschloß, eine uma ende Für- sorqeaktron fur Kinder als Ziel der Betrebungen zu empfehiexr. Der Artikel zählt eme Reihe sozialer und ?umamtarer Aufgaben _dieser Kinderfürsorgeaktion auf und ordert zrzm Zusammenwirken aller nationalen sozialen Kräfte unter wertestgebender _Mrtwirkung der_ Bevölkerung auf.
_; Dre UngarrsFe Delegation hat vorgestern, laut Meldung des „W. T. .“, 111 einer learfißun den Okku- pclrt nskredit angenommknöWird .damit er e Vorlagen er 1 .
t. 1 Frankreich.
_ Der Ministerrat beschäftigte sich in seiner vorgeftrigen Srßung mit der in dcr Kammer ftattgehabten Erörterung über die Einkommensteuer und einem angekündigten An- trage, den Artikel 1-bis zur Bex'chlußfaffung Über andere Punkte der Vorlage zurückzusteliexr. Es wurde, nach einer Msldung des „W. T. B.“, brschio1sen, dem Finanzminister die Lritung der Verhandlungen zu Übertragen und ihm zu über- ianen, ob er_, ]e nach dem Verlaufe der Debatte, die Ver- trauensfrage vteiien wolle oder nicht.
. _EineNote der Agence Harms besagt, daß die marokka- msche Staatsbank vorgestern einmütia beschlossen habs, Ei Mokri den von ihm verlangten Vorschuß von 21/2 Millionen Francs zu gcwähren, der ausschließlich zur Bezahlung des Soidc_s für die marokkanischen Garnisonen in der) Häfen bestimmt in. Diesrr Besch1uß ift gefaßt worden mit Ruckxtcht auf die Jnierrffrn der Fremden, die untcr etwaiqen lokalen Unruhen leiden könnten, falls die scherifiscben Trupprn keirre Soidzablungrn erhielten. DieStaatsbank sorgt fur die europäifrben Interessen in Marokkq, dre sie zu ver- treten hat, und hält cs für ihre Pflicht, jeder Gefahr vor: zubeugen.
Rußland.
Das Abschiedsxgesurb des Generaigouverneurs von inn: larrd, Gerhard, 01, „W. T. B.“ zufol e, brwilligt un zu seinem Nachfolger der Kommandeur es 22. Armeekorps, General der Kavalicrie Weimann, ernannt worden.
Italien.
Die Deputiertenkammer bat vorgestern nach kurzer Verhandlung, wie das „W. T. B.“ meldet, die chierungs: vorlage über die in Benadir zu treffenden Maßnahmen an: genommen.
Spanien.
Das Ministerium des Aeußern veröffentlicht eine Note, in der die Gründe dargelegt werden, die zu der Bescßung von Mar Chica Anlaß gegeben haben, namlich:
Die Nichtach2ung deS Vcrtra es von 1894 durch den Marbsen, die Notwendigkeit, die feindlichen Iiiff-Siämme zu verhindern, inner- halb der Grenzen des spaniscben Territoriums ibre Streitigkeiten zum Austrag zu bringen, und Vor aliem die Notwendigkeit, dem Schmuggel an der Küste ein Ende zu bereiten.
Die Note wiederholt, W. T. B.“ zufolge, daß die Maß: nahme eine provisorische sei und daß die spanische Regierung fie rückgängig machrn werde, sobald der Machstn seinen Ver: pflichtungen nachkomme.
Der König hat gestern nach einer Unterredung mit dem Kriegswinister über dir Vorgänge in Mar Chica brfcblossen, eine halbe Brigade Jäger nach Marokko zu schicken.
Portugal.
Das Kabinett ist vorgestern, „W. T. B.“ zufolge, zum ersten Male im Beisrin drs Königs zusammengeirexen, um die laufenden Geschäfte zu erledigen. Vorher empfing der König vkrschiedcne Trputationen, die aus drr Provinz in
Lissabon eingetroffen waren.
Das Iustizministerium beschäfti ist mit der Revi “ore aller it) der Diktaturperiode erlassenen Deroédnun en. ß
_ Dre Partei der Nationalisten hat bes lo en, alle fruheren Abmachungen mit anderen Parteien rückg ngig zu mbch'in und an dem Beruhigungswerke der Regierung mitzu- ar et en.
. - Wie das „W. T. B.“ ferner meldet, hat die Regierung dre Exrtsendung von 300 Mann der Liffaboner Garnison zur Verstquung der eingeborenen Truppen in Guinea beschlossen, um dre Unterdrückung der dort auSgebrorhenen Unruhen zu beschleunigen.
Schweden.
Ueber die Frage der Befestigung der Alands- Inseln veroffentlicht ein Mitarbeiter des „Matin“ eine UnterredunZ mit einer der berufensten schwedischen Persön- lichkeiten, ie, nach einer Meldung des „W. T. B.“, u. a. folgendes erklärt habe:
Schweden könne die mit Beunruhigung ansehen.
Befestigung der Alands-Jnseln nur
Falls die beteiligten Mächte die schwedische Regierung bezüglich der Aufbebung der Klausel des Pczriser Vertrages über die Befestigung befragen sollten, wurde die febwediscbe Regierung entschieden gegen einen solchen Plan Einspruch erheben. Die Zustimmung Schwedens könne aucb nicht durch Kompensationeu, ;. B. durch einen Integritäts- vertrag, wie etwa den norwegischen errsicbt werden. Srbwrden wol]? keinen solchen Vertrag und habe bereits ein diesbezügiiedes Anerbietrn, das ibm von England zar Zeit der Verhandlungen mit Norwezen gemacht worden sei, abgelehnt.
Amerika.
. Der Präsident der Republik Uruguay hat gestern dre neue Kammer mit einer Botschaft eröffnet, in der er, „W._T. B.“_ zufolge, auf die friedliche politische und die be- ßrtedigende okonqmjsche Lage hibwies. DLT Präsident scheißt Se? Feberschuß im laufenden Finanzxahre auf 400000 Pfd.
er.
Asien.
Das englische Expeditionskorps egen die Zakkakhels hat, wie der General Wilicocks, ZW. T. B.“ zufoin, meldex, vorgestern nacb raschem Vormarsch durch den K_hat arpaß, uber den nur Maultierpfade führen, Waiai eiiien Ortrm Bazartaie, erreicht, wo es zu einem Zusammenstoß mri den Zakkakhcls gekommen ist. Diese waren durch das unerwartete Erscheinen der Engländer augenscheinli so über- rascht worden, daß fie es verabs_äumt hatten, eine chr starke Stellurrg oberLaib Waleri, die ]e t in den ändert der Eng: le_mdertst, zu exeßen. Auf Engli cher Seite it ein Mann tot, einer 1chwer verwundet.
Afrika.
_Nachdrm die Pazifikation der Schaujastämme be- endrßt sche_rnt, erwägt der General d'Amade, „W. T. B.“ 3qu ge, die Verteilung des Betrages der infol e der Nieder- meßelung von Europäern beanspruchten Entf ädigungen auf die einzelnen Stämme.
Parlamentarische Nachrichten.
Der Schlu bericht über die vorgeftrige Si an des Rei 13 tags befindet ck in der Erften und Zweiter? BZüage. ck ,
- In der heutigen 103. Srßrxng des Reichstags, welcher der Staaxssekretär des Reichs uftizamts Dr. Rieber: drng und der Staatssekretär 'des erchSpostamts Kraetke berwohnten, wurde die Spezialberatung des Etats der Reichswost- und Telegraphenvcrwaliupg fortgefeßi und dre Wiederholt bertagte Debaite beim errten Auggabetitel „Staatssrkretargebalt“ wreder aufgenommen.
_ Abg. Wredrberg (antr.): Die Tagegrlder der Pofjboirn be- durfcn dringend emrr Erhohung; hoffentlich wird der Staatésekreiäc rbre Forderung, die mir sehr berechtigt erscheint, bei der Be- soidrmzéauiiefferungsvdrlage berückfichtigerx; Den Telegravben- arbrttern bat rnzn _endltch Arbeiterauéjckoüne zugewiesen, ein Fort- schmi, dkn wir mrt Freuden begrüßen. Urber die Dauer der Arbeitsxeit der Telegrapbenarbeiier ist in dem betreffenden Erlaß dirrkt mch_ts gejagt; rs laßt sich aber konstatieren, daß in lastet Zeit eme Verkiirzung eingetrrtewirt; Auf diesem löbiicben Wege muß aber fortgesabren und schließlich bis zur neunsiündigen Arbeits- sert borgedru'ngen werden. Was die Lobpberbältnifse de» trifft, so bleiben auch da noch manche Wünsche der Tele“ Zrapbrnarbetter uneriüut, namentlick) binsichtiich der gleichen odwegelung. Den gelernten Dachdeckern unter drn Telegrapben- arbeiterrr zahlt die Oberpostdirektion Cöln jest im Winter denselben Lobt) wre iquommer, ein lobenswertes und sebr nacbabmenéwertes Beriptel. Die TeileapbenVorc-rbeitxr klagen, daß sie bezüglich des Zebrgeldzuschlagxs inter den gietcbftebenden Arbeitern der Post- Verwaltrrng zurucksteben müffen. (Es sollte so viel wie möglich dafrrr_ge]orgt Werden, daß die Telegrapbenarbeiter, die nur im Sommer Bck1chcrxttsung haben, auch den Winter hindurch befckäfiigt werden. Mit einer Herab*_eyung drs Lobries für den Winter würden sie sich emdetfianden erklarerr. Erne weitere Klage richtet sich dagegen, daß die Telegraphenarirerter bei ihrer festen Anstellung ein Keringeres (Gehalt bekommen, als sie vorber als Arbeiter bezogen ba en. Tie Arrstellung der Vyrarberter sollte an erleichterte Bedingungen qe- knupit werden. Fur dre Wahl der Arbeiterausschüffe ist das geheime Verfahren vorgesrbr'rrbén. Da der Abg. Beck dieie Vesjimmuug ge- lobt bat, mochte ich der Hoffnung Aukdruck geben, das; er in Yerchem Sinne a_uch aus ieine Kollegen im Preußischen bg'eordneienbaus einwirkt und diese für die geheime Wahl gewinnt, die sie 'für die__Bergarbeiier bekanntlich nicht zuge- laffen haben. Die Aufioyungsbefugnis der Behörde ist ja nicht ohne Bedenken, do onen wir die Entwicklung abwarten; hoffentlich wrrd_auch dem eichstage seinerzeit ein Bericht über die mit den Yrbetteraudscbpffen“gemachten Erfahrungen zwgeben, wie wir auch_ tu) aiigemeinen ewe etwas detaillierte St.]tlstik über die Verhaltnisse der Teis_grapb€narbei!er und Handwerker wünschen. Das am Sonnabend geaußerte Verlangen nach der drrrtscben Ein- beixSmarke rst u. a. damit begrür-det worden, daß sich die Marken- beyteliung dann 'biÜing strllrn würde. Diese Verbiliiguwg wurde doch nur, einen verschwindenden Betrag auSmachen. Meine bayerischen Parteifreunde sehen die Frage als eine poliiische an, urid wir geben ihnen darin reckt, daß sie an ihrer posialischen Seik- siandigkeit festbaiten. Der Vergleich, den der Abg. von Treurnieis zwischen den Fallen Sckelienberg und Grandinger gezogen hat, hinkt sebr stark. Schelienberg war kciri Postbeamter und hat mit seiner Wahl nicht gegen eine Dirnsirflrcbt verstoßen. Grandinger ist ein im Dienste der katboiiichn Kirche stebrr-dxr Eristlicber. Er bat au_ch für die religiöse Erziehung der Kinder zu sorgen und tragt dafür eine_ gro e_ Verantwortung; er Verstößt mit seinem erballen gegen ieire tenstrflxcbt. Ich würde es mir al] Gewerk- scbastkvdrfißender arrch sebr Verbitten, wenn ein mir untxriteiiter waerkichafisbeamtrr sicb unterstehen woiitk, gegen ordnunas- maßtg gefaßte Beswlüffe rer Gerberkfcbaft vorzuaeben. So lirgen die Dinge. Andererseits ba'ben auch die Konservativen.
“.
!
einmal im weiten Berliner Wahlkreise zur Wahl des Soziai- i
demokraie- gegen Virchow aufgefordert; etwas anderes hat Dr. llenberg auch nicht getan. . (Schluß des Blattes.)
. - In der heutigen (32. Sißung des Harries der Ab- eordneten, welcher der ini er der geistlichen 2c. Ange; egenheiten Dr. Holle beiwohnte, gelangte zunächst der Antrag der Abgg. Schiffer (ni.), Fischbeck (fr. VolkSp.)
und Genossen zur Beratung, ,die Königliche Staatöregiecung um eine eingehende Auskunft zu u ex * ers ck 1) über die Ergebniffe der leßien vom Herrn Handelöminisier angefieltenschUnltersuchung über die Vorbildung der Fort- bildunqs 1": er,
2) iber die Stellung des Herrn Unterrichtßminisiers zu diesen Ergebnissen,
3 über die Maßnahmen zur Bebxbung der in diesen Er- gebni ertjcbeiwa zu Tage getretenen Mangel des Volksschul- unten s'.
Abg. Schiffer (..l.): Der Anika? ist in der Hauptsache die Wiederaufnahme einer Aktion, die wir chon im vorLiZen Jahre be- gonnen haben. Wir verlangten damals von der egierun eine Denksrbrift über die Materie. Der Antrag_ wurde unvermutxt neii, ohne da eine eingehendere Behandlung moglich ewesen ware, eizrer Kommis überwiesen; um heute einen soi en Vorgang ntcht abermals zu erleben, beantraße ich schon ießt_die Verweisung unseres Antrags an eine Kommision, bitte aber, uber diese Frage der weiteren aesrbäftlirhen Behandlun erst uach Schluß der materiellen Diskussion abstimmen zu la en. Im vorigen Jahre ist der Antrag ohne jede Förmlicbkeit in der Kommission begraben worden, .und Roß und Reiter sah man niemals wieder". Was bisher, etwa vor einem Jahre, amtlich über die Ergebnisse jener En nete veriautete, scheint immerhin an derrr vorhandenen Material an cLY):tlsildungsschüiern eine Kritik allerirbarffier Art darzusieiien; dir earbeitun des Materials ist inzwischen jedenfalls brexrdet worden, und wir haben das größte Interesse daran, die definitiven Ergebnisse kennen zu lernen“ ganz besonders wird es uns darauf an- kommen, die Stellung des ltußminisiers dazu'zu erfahren. (äs be. fiebt anscheinend zwischen den beiden Ministerien des Handels und des Kultus in dieser Frage insofern eine gewiffe Spannung. als sie bei der Bearbeitung dieser Angelegenheit nicht Hand in Hand gearbeitet haben, als bei der ersten Enquete das “Kultus- ministerinm vielleicht ganz überganßen worden is_i Eigentlich solite doch das Fortbildungsicbuiwesen dem Kultußrexwrt unterstellt sein, da es sich nicht um Ausbildung für gesonderte Veruföxweige, sondern um die Erweiterung der all emeinen Volksbildung handelt. Der KultuSmi'nisier wird nun viellei t Bedenken gegen das Resultat der Untersuchungen haben, da es_sich bloß um Stirbproben handelt; in der Tat aber besteht namentlich in gewerblichen Kreisen ein ge- wiffer Verdacht, daß im Volkssebuiunterricht nicht alles so ist, wie es sein sollte" insbewndere stellen sich Mängel der Vorbildung bei den kaufmänniiöen Lehrlingen heraus. Es möchte also doch zu fragen sein, ob es nicht an der Zeit ist, die seit mehr als 30 Jahren be- stehenden „Allgemeinen estimmungm', die als veraltet erscbeixren, zu modernisieren. Der Geographieunterricbt ist ganz besonders unzulanglich. Cs mu geprüft werden, ob nicht dem Vorherrschenden Verbalißmus energif zu Leibe gegangen “werden müßte. Dabei werden aber die äußeren Momente nicbt übergangen werden dürfen, wie sie sich in der Ueberfüllung der Klassen, iii den weiten Schulwesen und in anderem ausvrägen. Gewisse Paradeieiiiungen einzelner Schulen geben kein zutreffendes Bild von dem Zustand der Gesamtbeii. Es handrli sicb bier um ein sehr schwieriges, aber auch sebr „bedeutsames Problem; denn wir als Volk der Denker haben die Pflicht und stehen vor der ernsten, bitteren Notrvendigkeii unaus eseßten Fortschritts. Ich schlirße mit dem Wunsche, dax; die Unteriurhung dieses Problems un- beschadet ihrer Gründlichkeit o rasch fortschreiten möge, daß wir noch in dieser Tagung zu einem Beschluffe kommen.
ierauf nimmt der Minister der ?eiftlickxn, Unterrichts-
und * edizinaiangele enheiten Dr. Hol e das Wort. An der Debatte beteiligten ck bis zum Schiuß des Blattes noch die Abgg. von Ditfurth (koni) und Kestermch (Zentr).
Nr. 8 des .Eisenbabnderordnunßsblatts', beraus-
egeben im Ministerium der öffentlichen Arbeten, vom 15. d. M., Lat folßenden vaalt: Eriaffe des Ministers der öffentlichen Arbeiten: vom 14 Februar 1908, betr. den Cisenbabntöckpierbort; vom 14. Fe- bruar 1908, betr. Unfailderbütungsvorscbriften; vorn14. Februar1908, betr. Aenderung des Namens des Brandberfichcrungsvereins Deutscher Eisenbahnbedienfteten. _ Nachrichten. -
Statistik und Volkswirtschaft.
Zur Arbeiterbewegung.
Die Kraftdroschkenfübrer Berlins und der Umgegend bielten, nach der .Voff. Ztg.", eine Versammlung ab, um zu der ge- dlanten geseßlichen Regelung des AutomobilrerkebrsSteUung zu nehmen. Es wurde beschloffen, den gesedebenden Körperschaften folgende Forderungen unter eingehender * cgründung zu unterbreiten: Cr. richtung von _Fabr- und Fachschulen durch Staai und Kommune mit dariiätiscber Leitung und Verwaltung; Verbot samtircher Privat- Cbauffeurscbulen; Anstellung von Fachicuten zur Ueberwachung des Verkehrs, speziell des Automobilberkebrs unter besonderer Berück- sichtigung von Ingenieuren und erprobten Kraftträgenfubrern; Fest- seßung der Höcbngesrbwindigkeit i'r verkebrßreicherr Eegenden auf 20 km die Stunde; Anbringung eines ©eschwtndigkett§meffers,_der es ermöglicht, daß die jeden Tag zurückgelegten Fahrten noch'nazb langerer Zkit nacb ewiesen werden können; Einführuya der tagltchen_ acht- m'rndigen ormalarbeitözeit und völlige Beseitigung des Pramien- und Prozentlobnfystems. ' „
Dieausständigen(Garzarberier Mailands (vgl. Nr. 40 d. Bl.) nahmen, wie die „Voss. Ztg.“ eriäbrt, in der Nacht zum Sonngbend die Arbeit wieder auf, behielten sich aber eineneueriicbe Stretkerkiarung vor, wenn ihre Forderungen nicht erfüllt werden. ,
In der Amsterdamer Diamantindustrie sind, wie die .Frkf. Ztg.“ meidet, zur Zeit 4500 von den 8000 Arbeitern arbeitslos. um Zwecke der Aufrerbterbaltung der Löhne und der Preise für ge chliffene Diamanten, die W! durch die Arbeitslosigkeit eiäbrdet werden, wird zwischen dem Juwelierßderein und dem
iamantarbeiterbund über die etwaige vöüiße ArbertSeinfieUung in der Brillantbran : verhandelt, welcbe drei V eriel der Diamant- induftrie umfaßt. bwobl noch kein Beschluß gefaßt worden ist, ickeint eine grundsäßlickoe Einigung wahrscheinlich.
Kunst und Wissenschaft.
Im Verein für Deutsches Kunstgewerie zu Berlin sprach am derfiofsenen Mittwvcb der Proieffor Dr. Richard Graui, Direktor des Kunstgewerbemuseums zu Leipzig, über alte_und neue or- jellanplastik. Eine reiche Ausstellung von fizurlicben'Pdrze anen, auf Einladung des Vorstandes veranstaltet von den Königlichen Ma- nufakturen zu Berlin, Meißrn, Nymphenburg und Kopenhagxn sowie von der Firma Bini u. Gröndabi (durch E. Kayser), begleitete die Ausführungen des Vortragenden, die im wesenllrrb-n im folgenden gipfelten: Die Porzeüanplastik des achtubniexr Jabrdundcrts ist_ ein (Glanzpunkt der deutschen Kunst, der gleichwertig neden _andere abn- liche, zum Beispiel die italienische Bronzeknnst der Nrnarffancr, tritt. Jm Geaeniaße zu ihrem Vorbilde, dem ostasiatischen Porzelian, das wxsentlich sich nur dekorativ bewegt, pflegen schon die ersten im Porzellan
tätigen deutschen Künstler die fi ürlirbe Plastik. So gam besonders Kändler in Meißen und seineNaIfolg-xr. Es erscheint auch kaum ein anderes Material so geeigrrei wie das Porzellan, dem kapriziösen, fxinen Sinne des aussehenden Barocks und des Rokokos ju so_lgen. Damit itt das
orxellan für uns zugleich ein wertvolles Dokument fur die Geschichte der
racht, der Sitte und der Lebensführung im achtzehnten Jahrhundert ae- wvrden. Bis in die Mitte des achtzehnten Jahrhunderts binein behält Meißen unbestritten die F übrung in der figürlichen Porzellanplafrikund alle die anderen, nach ihm gegründeten Porzellanfabriken, wie zum Bei- spiel Wien, Höchst, Frankenthal, Ludwigsburg, Nymphenburg ver- möaen ihm nicht ganz den Rang abzulaufen, so Vortre liches sie auch leisten und so geschickt sie auch einzelne Geb sie besonders pfie en. Dagegen übt deres mit seinen Biskuuporzelianen gro en Einfluß auf Deutschland in der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts aus, und der eWas feminine Charakter dex figürlichen Porzellane ' dieser französischen StaatSmanufaktur tragt auch in die deutschen onellanfiguren etwas Süßiicbes binein. Mit der Herrsäaft des lasfiziSmus im Beginn des neunzehnten Jahrhunderts geht die Porzellanplaftik zuruck, und nur einzelne Manuiaituren, wie zum Beispiel Berlin rxrit seinen Biskuit- statuetten leisten selbst in jener eit noch_kunfilerisch Beachtens- wertes. Jm al] emeinen aber fin das kunftleriscbe Niveau der figürlichen Porn ane; die zahlreich aufkommenden kleineren Fabriken Thüringens und in Franken richten ibr Hauptaugenmerk auf den Handelßwert ihrer figürlichen Erzeugnisse und nicht auf deren künstlerischen. Auch die führenden Staatßmanufakturen gelangten allmählich beinahe in das gleiche Fahrdoasser. Mit dem Wieder- aufleben der biswrischen Stile in den siebziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts kehrte man allerdin Szu-dem alten Barock und den Rokoko- figuren und deren Richtung energiizch zurück, aber es wollte im allgemeinen zu künstlerisch bemerkenswerten Fortschritten riicbt_ kommen. Diese wurden vielmehr erst durch den japanischen Einfluß auégelöfi, der sich in den achtziger Jahren einsteliie und'der zu Beginn der neunziger Jahre die KöniglicheYoneiianfabrrk zu Kopenhagen zu ihren bekannten figürlichen rzeugniffen führte. Kopen- bagen nahm |ck die Tierwelt seiner Umgebung und das schlichte Familienleben des Tages zum Vorbilde. Und indem es seine plastisckpen Gebilde nicht, wie das achtzehnte Jahrhundert, mit Muffel- fcrrben (also über der Glasur), sondern mit Scharffeuerfarben (also unter der Glasur) tönte, führte es einen gans neuen Stil des figür- lichen Porzellans herbei- DiesenAnregungen folgten Bin u.Eröndabl in Kopenhagen sehr bald, während die großen deutcben Staats- manufakiuren wie Meißen, Berlin und Nymphenburg sich mit Recht zunächst etwas jurückbielten und erst, nacbdem die Bewegung ck) ab- geklärtbatte, ibr folgten und unter derFübrung hervorragender ünsiler neue Bahnen von dieser Grundlage aus beschritten. SowoblMeißen als Berlin hatten in ihrer Aussteiiung neben derartigen neueren Erzeugnissen auch noch neue Ausformungen alter Modelle aus- esteiit, die auch ganz im alten Sinne bemalt waren, sodaß die Zu- börerschaft, die den Saal bis auf den lesten Plus füllte, Gelegenheit batte, an Vortrefflicbe-n Stücken die Richtung der alten Porzellan- plasiik mit der neueren zu vergleichen. Für diese neuere Porzellan- plastik lieferten dann die Ausstellungen von Nymphenburg, Kopen- bagen und Bing und Gröndabl nccb weiteres VergleiobSmaierial in Fülle. Sehr erfreulich war, daß all den vieien Ausstellungsstücken der Name des entwerfenden Künstlers beigefügt war, sodaß auch dadurch den'BesuÖern Gelegenheit zur Bereicherung ihrer Kenntnisse gegeben wurde.
Das Königliche Institut für Meeresfunde, Georgen- strafze 34-36, Veranstaltet in der kommenden Woche, Abends 8 Uhr, folgende öffentliche, Herren und Damen zugängliche Vorträge: Am Dienstag spricht der Professor Gotische - Hamburg über .Die Geschichte der Elbemündung'; am Freitag Dr. Roloff-Berlin über .Die franzöfisÖe Kolorrialpolitik vor der Revolution und in der modernen TFM." Einlaßkarien sind von 12 bis 2 Uhr Mitta s und an den ortragöabenden selbst von 6 Uhr ab 30:12 Prei e Von 25 e! in der GchchäftSÜeUe des Instituts zu haben. Der für Donnerstag angeseÉe Vortrag des Regierungörats Zoepfi-Berlin über „Südamerika im eltverkebr' findet wegen Behinderung des Vor- tragenden in diesem Winter nicht statt,
Die russische Ma mmutexpedition, die den an der Mündung des Janaftuffes in Sibirien entdeckten Mammutkadader bergen soli, tritt, nachdem das russische Finanzministerium die erforderlichen Mittel bewilligt hat, dieser Tage ihre Reise an. Sie besteht, wie die „St. Petersb. Ztg.“ mitteilt, aus dem Geologen K. A. Woloffo- witsch und dem Zoologen E. W. Pfizsnmayer. Jener, der. das
Janadelta schon als Teilnehmer an der Poiarsabrt Baron Tons bereist bat,_ ist mit der Untersuchu_ng des Fundorts und feiner Umaebung 1owie der Lagerungsverbaltniffe des Mammuts
betraut. E. W. Pfizenmayer übernimmt die zoologische Untersuchung, insbesondere der Eingeweide des Mammuts, die, nach den Tele- grammen aus Jakutsk, vollkommen erhalten sein sollen. Er war bereits Mitglied der lasten erfglgreickpen Mammut- e vedition an die Kolvma. dercn Ergebnine: das vollständige
kelett, die aus estopfte Haut und zahlreiche Weichteile eines
jungen Mammut unens, jeyt die größte Sehenswürdigkeit des Zoologischen Museums der rusfiscben Akademie bilden. Die Reise der Expedition geht, nach Verlassen der Sibirischen
Bahn bei Irkutsk, über Zakuisk und_Werchojansk nacb Ustjansk, von Wo der Fundort etwa 300 Went entfernt liegt. Die größere 3000 Werft betragende Strecke Irkutsk-Iakuisk wird mit Pferdeschlitten, die 2800 Werft lange Strecke yon Jakutsk über Ustjansk zum und:)tt mit Renntiersrklitten zurückgelegt werden. Diese gewalti e chlittenfabrt von 5800 Werft hofft die Expedition in etwa 2 onaten zu erledigen, wobei ihr im Interene einer möglichsien Beschleunigung die weitgehendste U::terstüßung der örtlichen Behörden gewahrt werden wird. Nach Untersuchung, Aus- grabung und Bergung res Mammuts_beabsichtigt die Expedition den Transport während des Monats War noch auf Schlitten durch die nordische Moostundra nach dem 1000 Werft entfernten Bulun an der Lena zu bewerkstelligen, von wo aus dann im Sommer auf demd Wezfferwege Irkutsk und die Bahn obne Schwierigkeit erreicht wer en ann.
T heater und Musik.
N : ues Schauspielhaus.
Eine liebenöwütdige und durchaus nicbt schaurige Gespenster- Zeschichte liegt dem phantastischen Lustspiel .Die Dame mit den ilien' von Nudol f resber zu Grunde, das am Sonnabend im Schauspielhaus: am ollendorfpla den Beifall einer zahlreichen ubörerscbaft fand. Die bekannte eberiieferung von der Weißen rau, die zu mitternäcbtiicher Stunde in manchem alien loffe umgeht, wird bier in Beziehung zu einer zarten Lie eSepisode gebracht, die sich am Hofe irgend eines Duodez- fürften um die Mitte des achtzehnten Jahrhunderts abspielt. Etwas von dem anmuti en Getändel der Rokokoreit lebt in Presbers zierlich wie auf StöckelseZuben einbericbreitenden Versen wieder auf. Manches nachdenkliche und kluge Wort aber und manche scharf geprägte tiefe und beberzigenSwerte Sentenz erscheint in 1oicher Umrahmung nicht minder
zeitgemäß; denn auch unter Zopf und Puder, und unter den Schnürleibrben und geblümten Seiderrwesten dachten und empfanden Menschenbirue und „Herzen nicht anders als beute. Die Spukgestalt der Weißen Frau steht im Mittelpunkt
der Handlung. Sie bat sie!; just in dem Augenblick wieder erigt, da der alte Fürst im Begriff stand, seine Enkelin dem Prinzen rwin zu verloben. Fürst und "Hof sind darin einig, daß die Erscheinung eine Warnung sei, von diesem Vorhaben abzusteben. Aber der Trins, der die Prinzessin aufrichtig liebt, will nicht um eines Ge- pensies und Hirngespinstes willen weichen. Er will dem Spuk nachspüren, und läßt fich den Schlüssel zu dem vuschloffenen Lieblings-
aemarb der verfiorbenen Fürstin geben, wobir, wie der wacbtbabende
Offizier versichert, das Gespenst seit einiger Zeit tägli-b um Mitter-
nacht sieb begibt. In Gemeinschafk mit ieinem Kammerdiener durcb-
warbt er dort die Nacht. Hier ist er Zeuge eines seltsamen „Schau-
!piels: der Geist der verstorbenen, ihrer Enkelin (seiner Vrazit) auf-
ailend leichenden Fürstin betritt Punkt 12 Uhr das Gemaw, bald
darauf ö net sich eine verborgene Tür in der Wand und ein anderer
Jenseitsbewobner tritt ein, ein spanischer Marquis, zu dem die für
fromm und unnahbar ae_ltende Fürstin ju Lebzeiten beimlirb zarte Be-
ziehungen unterhielt. Ste plaudern und scherzen, tanzen zu den Weisen
eines geisterbaften Orchesters ein zierlirhes Menuxit, und die Fürstin
weiß dann auf ein Gebeimiacb hin, wo sie ihre Liebesbriefe verwahrte.
Da scblägi's Eins, der Spuk verschwindet. Aber daß das, was
er sah, kein Traumgeficbt gewesen, wird dem Prinzen obne Weiterck
klar, als er die Liebeöbriefe der Verstorbenen _an der bezeich-
neten Stelle findet. Der Besiß diexes dem alter) Fursten sebr pein-
lichen Gebeimniffes sichert ihm die Hand der Prinzessin. Die Briefe
aber, von denen nur er und der Fürst Kenntnis baden, werden
aus Pieiät für die Verstorbene Verbrannt. Unter Halms
Regie bot die Aufführung, die durch ein fiotteres Spieltempo
und einige Kürzungen noch gewinnen dürfte, eine Reihe sebr, reizvoller szenischer Bilder. Besonders gut war die mit bumorvoiiem ? Gruseln eingeleitete Spukszene veranschaulicht, bei der ein von Bogu'mil Zepier vertontes (leider von Fräulein Goericke sehr schlecht gexsuvZene'ZZk Liedchen und das von demselben Komponisten „stamm'exrde, zierli e enuett die Stimmung förderten. Ueber die Gerner- geschicbte selbst kann man denken, wie man will, dem Dichter wird man die Kühnbeit als Recht zugestehen müffen, ein Motiv, das in der Tragödie ( „Hamlet', .Die Abnfrau' u. er) oft genug Verwendet wurde, auch einmal zum Gegenstand eines Lustspiels zu machen. In den Hauvtroilen zeichneten sich Harry Walden als Prinz, Ernst Arndt in der Leporeiioroile seines Kammerdieners, Adoi Klein (ils alter Fürst und Klara Goericke als Prinzessin aus. Lebhafter Beifall rief nach den Aktscblüffen mit dkn Darsteliern auch den anwesenden Dichter mehrmals berVor.
Residenztheater.
Das Residenztheaier hat dem übermütigen dreiaktigen Schwank ,Bibi“, der am Freitag seine 25. Wiederholung erlebte, einen Ein- akter: .Der selige Octade' von Mirande und Géroule (deutsck) von Hans Hansen) hinzugefügt, der den kurzweiligen Abend noch um ein lustiges S1ücklein Verlängert. Es handelt sich um den nicht sehr geschmackVOUen Scherz, daß einer sich tot sielit, um die Ge- spräche der ihn Um ebenden zu belauschen. Die diskrete Darstellung Richard Alexanders alf aber über alie Bedenken leicht binwrg und erweckte fröhliche Heiterkeit. Zu erwähnen ist noch, daß in .Bibi' Fräulein Gregowicz die früher von Fräulein Dewal gespielte Rosie der jungen Frau übernommen hat und am Freitag mit Anmut und Scheimerei durchführte. Im übrigen war die Veseyung die gleiche wie bei der Erstaufführung und der Erfolg nicht minder stark.
Im Königlichen Opernhaus: findet morgen akend eine Aufführung von Richard Wagners .Walküre“ statt. In den Haupt- rollen sind die Damen Plaichinger, Hiedlcr, (Höss sowie die ren Kraus, Bachmann und Knüpfer beschäftigt. Dirigent ist der abell- meister bon Strauß.
Jm Königlichen SÖauspielbaufe wird morgen Ernst don Wildenbrucbs Schauspiel .Die Rabensteinerin', 'mit Fräulein Warbner in der Titelrolle, aufgeführt. In den anderen Hauptroiien sind die Herren Matkowsky, Kraußneck, Staegxmann, Parry, Probi, und die Damen don Arnauld und Buße beschä7tigt.
Oskar SiraUS' .Walzrrtraum' bleibt auch fernerbin auf dem Spielplan des Theaters des Westens. Nächsten Sonntag wird Nachmittags ,Die luftige Witwe“, mit Marie Ottmann in der Titel- rolle, wiederholt.
Jm Neuen Tbegter wird auQ in dieser Worbe aiitäglicb das Bernsieinsrbe Schauwiel .Simson', “mit Ferdinand Bonn in der Hauptrolle, aufgeführt.
Jm Lustspielhaus; bleibt auch in dieser Worbe ,Panr-e' von Richard Skowronnek, das in Kürze zurn 50. Male wiederholt wird, allabendlich in der Besesung der Erstaufführung auf dem Spiel- pickin. Nächsten Sonntag wird Nachmittags „(Fin tolisr Einfall“ ge- ge en.
Jm Friedricb-Willhelmsiädtisrben Scharrspielbausc wird das Schauspiel „Meuter Joseph“ don Eberhard König am heutigen Montag, am Donnerstag, Freitag und Sonnabend ausge- führt. Morgen (7? Uhr) wird „Kriemhilds Rache“ (.Die Nibelungen" 3. Teil) und am Mittwoch „Per gehörnte Siegfried“ und „Sieg- frieds Tod“ (1. und 2. Teri) auigefz'rbrt. Am Sonntag, den 23. d.M., gebt Oskar Bluxrentbals und Gustav Kadelburgs dreiaktiges Lustspiel „Der blinde Panagier' in Szene. _ Für n_ächsien Sonntag ist Nach- mittags Lessings „Nathan der Wei1e' angeiest,
Im Tbaliatbeater bleibt die Poffe „Immer oben auf!“, mit Alexander Girardi in der Rolls des Wiener Hausverwalters, auch fernerhin auf dem Spielplan.
Friedrich Kayßler hat von der Direktion des Deutschen Theaters einen Urlaub erhalten, um in der nächsten Neuheit des Hebbeltbeaiers, Julius Babs tragischer Komödie .Der Andere“, eine Hauptrolle zu spielen, deSgieicben Frau Febdmer von der Direktion des Neuen Srbauspieibauies.
Die Rezitatorin (Gertrud vori Zagen-Vetbacke ibi im Theatersaal der Königliäoen ochschule für usik morgen einen Vortragsabend, der unter dem Titel „Aus dem Leben des KindeS' nur Dichtungen bringen wird, die dem Dasein der Kleinen abgelausrht sind. Das Prdgramm enthält 11. a., mit Bewilligung Gerhard Hauptmgnns, Bruxbitücke aus „Hanneles Himmel- fahrt“; ferner Prosa bon Gustav Frennen, Gustav af Geverstam und Franziska Mann. Die Verskunst wird Vertreten durch A. von Cbamiffo, Carmen SviVa, Rudolf Presber, Reuter, Wiiiibald Gunther und Albert Sergei. -
Die Aufnahmeprüfung für die Marie Seebarb-Scbule des Königlichen Schauspielhauses zu Berlin findet Montag, den 9. Mär] 1908, Vormittags 11 Uhr, im Königlichen Schauspielhause statt. Die Marie Seebach-Schule gewährt berdor- ragend bexZabten Herren und Damen im Alter von 16 bis 21 Jahren unentgeltl che Außbildung für den SÖauspieiberuf. Anmeldungen sind sofort an das Direktorium der Marie Seebacb-Scbule des König- lichen Schauspielhauses zu Berlin W. 7, Dorotheenstr. 2, zu richten.
Die Konzertdirektion Hermann Wolff kündigt für diese Woche folgende Konzerte usw. an: Dienstag: Saal Bechstein: Konzrrt von Elsa Launbardt-Arnoldi (Gesang) und Ernst Hoffzimmer Klavier); Beethobensaal :Liederabend bon Thea Haldenfeidt, am Klavier:
riß Lindemann; Sin akademie: ?. Abonnementskonzert des Waldemar
eyer-Quartetts, itwirkende: Klara Erler, Ernst Breefi, Willy Lang, Willibald Wagner und Heinz Bever; Klindwortb-Scbarwenka- Saal: Konzert don Erna Klein (Klavier), Mitwirkung: E_l1a Nuegaer (Violoncello); Theatersaal der Kgl „Hochschule fur Musik: „Dichtungen aus dem Leben des Kindes“, dorgxtragen von Gertrud von Ha en-Vetbacke; Pbilbarrnonie: populares Konzert des Pbilbarmonis en Orchesters, Dirtjgent: Dr. Ernst Kun- waid. - Mittworb: Saal Bechtein: 1. Kammermußk- abend des Zimmer-StreickpquartettS aus Brüffel (Albert Z'mmer, Georges Ryken, Louis Barden und Emile Poebaerd): Beethoven- saal: 111. Liederabend von Franz Naval, Karrierlicber und KSni'iiÖer Kammerfän er, am Klavier: Otto Bake; Biutbnersaal: L;;we-ÄKU von Otto üße, am Klavier: Bruno Hinze-Retrzbcld: bridmrrsr'i-z: populäres Konzert des Philharmonischen Orchritexs,_ irizxnr: Dr. Ernst Kunwaid. _ Donnerstag: Saal Bkcbftetn: _KiIIZTT'QÖMk von Blanche Selva; Beethovensaal: Konzert_ von Air: Umruikrti (Violine) und Mary Gray (Gesang), am Kiadrer: Cox::raad V. Bos;
Singakademie: Klavierabend von Oskar Skringielk, Mitwirkung: